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One Night Stands und wahre Liebe


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BISHER UNVERÖFFENTLICHTE (KURZ-)KOMMENTARE - SAMMELBEITRAG NR. 1


TANGLED (USA 2010, Regie: Nathan Greno/Byron Howard)

Eigentlich sollte HOME ON THE RANGE im Jahr 2004 ja der letzte klassische Zeichentrickfilm der Disney-Studios sein. Dieser Plan wurde aber bereits 5 Jahre später mit THE PRINCESS AND THE FROG wieder aufgehoben. Die Disney-Studios kehrten mit diesem Film nicht nur zum klassischen Zeichentrickfilm zurück, sie kehrten mit der Geschichte um den Froschkönig auch zu ihren Anfängen zurück und verfilmten nach langer Zeit mal wieder ein klassisches Märchen. Diesen eingeschlagenen Weg setzt nun auch TANGLED, der nur ein Jahr später in die Kinos kam, fort.
In der Tradition von Filmen wie SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS, CINDERELLA oder SLEEPING BEAUTY stehend, erzählen die beiden Regisseure Nathan Greno und Byron Howard in diesem insgesamt 50. Film der Disney-Studios das Märchen von Rapunzel neu. Natürlich ist die Geschichte ein Stück weit modernisiert und entsprechend aufgepeppt um das anvisierte Zielpublikum zu erreichen, sie entspricht weitestgehend aber doch dem Ton - und steht auch in der Tradition - dieser alten, erfolgreichen Märchenfilme aus dem Hause Disney. Hier gibt es weder Zynismus wie in den SHREK-Filmen noch überdrehte Modernisierungsmaßnahmen wie beispielsweise in HOODWINKED!. TANGLED bietet stattdessen “harmlose“ und kindgerechte Unterhaltung für die ganze Familie. Das kann man gerne bieder, langweilig und altbacken finden, ich persönlich finde es dennoch irgendwie schön und beruhigend, dass die Disney-Studios noch da draußen sind und auch Filme wie dieser noch immer produziert werden und auch ihr Publikum finden.


CLASS ACT (USA 1992, Regie: Randall Miller)

Als "Kid 'N Play" drehten die beiden Rapper Christopher Reid und Christopher Martin neben den 3 HOUSE PARTY-Filmen Anfang der 90er Jahre auch diese auf den Titel CLASS ACT hörende Verwechslungskomödie, in der an einer Highschool die Identitäten eines Genies (Reid) und eines Kriminellen (Martin) versehentlich vertauscht werden und die beiden Beteiligten schon bald feststellen müssen, dass diese Verwechslung definitiv nicht das Schlechteste ist, was ihnen passieren konnte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden sich die beiden Protagonisten in ihren neuen Rollen immer besser zurecht und am Ende gehen sowohl sie als auch ihr jeweiliges soziales Umfeld als Gewinner aus der Verwechslungsgeschichte hervor.
Regisseur Randall Miller hat mit CLASS ACT einen netten, kleinen Film gedreht, der mittlerweile zwar schon etwas arg viel Staub angesetzt hat (zumindest die ersten beiden HOUSE PARTY-Filme sind besser gealtert als dieser Film hier), den man mit seiner herrlich harmlos-naiven Botschaft aber einfach sympathisch finden muss und bei dem natürlich auch ein gewisser Nostalgiefaktor dazu beiträgt, den dargebotenen Blödsinn durchaus wohlwollend zu betrachten. Über den einen oder anderen Gag kann ich auch heute noch schmunzeln und das Slapstick-Finale im Wachsfigurenkabinett finde ich immer noch toll. Ja, doch, das war ne schöne Reise in die eigene Vergangenheit.


HE KNOWS YOU'RE ALONE (USA 1980, Regie: Armand Mastroianni)

Mal wieder ein Ausflug in die Welt des Slasher-Films. In HE KNOWS YOU'RE ALONE geht es um einen Killer, der eine Vorliebe entwickelt hat, junge Frauen kurz vor ihrer Hochzeit zu ermorden. Es geht um einen traumatisierten Polizisten, dessen Verlobte dem Killer einst zum Opfer gefallen ist und der nun versucht, ihn endgültig dingfest zu machen. Und es geht um Amy, dem "Final Girl", die kurz vor ihrer Hochzeit steht und die sich der Killer als nächstes Opfer ausgesucht hat.
Regisseur Armand Mastroianni hat mit seinem ersten Kinofilm leider einen sehr müden Vertreter des Slasher-Genres gedreht, in dem praktisch alle Morde im Off geschehen und der dem Zuschauer nur ausgesprochen selten einen Hauch von Spannung und Atmosphäre bietet. Es gibt zwar immer wieder mal die eine oder andere gelungene Sequenz zu bewundern, über den Großteil der Laufzeit regiert dann aber doch die Langeweile und so kann man HE KNOWS YOU'RE ALONE nur als laue Durchschnittsware betrachten, deren Sichtung - wenn überhaupt - wirklich nur für eingefleischte Slasher-Fans (zu denen ich definitiv zu zählen bin) halbwegs lohnenswert sein dürfte.
Seinen Platz in den Büchern der Filmgeschichte hat HE KNOWS YOU'RE ALONE trotzdem sicher. Allerdings nicht als langweiligster Slasher-Film aller Zeiten (glaubt mir, es gibt noch weitaus ödere Streifen als diesen hier), sondern vielmehr aufgrund der Tatsache, dass HE KNOWS YOU'RE ALONE das Filmdebüt eines gewissen Tom Hanks darstellt. Ja, auch heutige Superstars haben mal ausgesprochen klein angefangen.


CASHBACK (Großbritannien 2006, Regie: Sean Ellis)

In CASHBACK nimmt der wegen Liebeskummer an Schlaflosigkeit leidende Kunststudent Ben (Sean Biggerstaff) einen Job in der Nachtschicht eines Supermarktes an und lernt dort nicht nur die bezaubernde Kassiererin Sharon (Emilia Fox) kennen, sondern insbesondere auch die kleinen Momente des Lebens zu lieben.
CASHBACK ist Independent-Kino in Reinkultur und der erste abendfüllende Spielfilm des britischen Regisseurs, Drehbuchautors und Produzenten Sean Ellis. Und Ellis zeigt mit CASHBACK auf beeindruckende Art und Weise wie toll, außergewöhnlich und anders Independent-Kino sein kann. CASHBACK ist 90 Minuten reinste Emotion, die ungemein dichte Atmosphäre des Films verbreitet pure Melancholie ebenso wie absolute Glücksgefühle. Kino zum Wohlfühlen, mit einer ganzen Armada von magischen Momenten, die nicht nur für eine Gänsehaut sorgen. CASHBACK ist schön, einfach nur wunderschön. Ein echter Geheimtipp!


MEMENTO (USA 2000, Regie: Christopher Nolan)

Mit seinem Überraschungserfolg MEMENTO gelang Regisseur Christopher Nolan einst der große Durchbruch in Hollywood. Der Rest ist Geschichte, der man durchaus zwiespältig gegenüberstehen kann.
MEMENTO ist allerdings noch über jeden Zweifel erhaben. Zu faszinierend ist die Geschichte von Leonard (Guy Pearce), einem ehemaligen Ermittler einer Versicherungsgesellschaft, der nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau sein Kurzzeitgedächtnis verlor und nun verzweifelt versucht, den Mörder seiner großen Liebe zu finden und ihren Tod zu rächen. Tätowierungen auf seiner Haut, geschossene Polaroids und kurze Notizen helfen Leonard dabei, sich im Hier und Jetzt einigermaßen zurechtzufinden.
Christopher Nolan beginnt seinen Film mit der Hinrichtung des vermeintlichen Killers durch Leonard, erzählt dann Leonards Geschichte rückwärts in drei verschiedenen Erzählebenen und verbindet diese am Ende des Films schließlich zu einem großen Ganzen. MEMENTO ist unkonventionell, faszinierend und verlangt vom Zuschauer volle Aufmerksamkeit. Diese Aufmerksamkeit wird schließlich mit einer Auflösung belohnt, die einem auch bei mehrmaliger Sichtung des Streifens einen kalten Schauer über den Rücken jagt und Gänsehaut verursacht.
Und wenn dann schließlich der Abspann einsetzt, macht sich vor allem eine Erkenntnis breit: MEMENTO ist neben THE PRESTIGE der mit Abstand beste Film von Christopher Nolan und kann guten Gewissens als exakt das bezeichnet werden, wofür seine BATMAN-Trilogie und INCEPTION vom Großteil des Publikums fälschlicherweise gehalten werden: als Meisterwerk!


SOMEONE'S WATCHING ME! (USA 1978, Regie: John Carpenter)

Zwischen ASSAULT ON PRECINCT 13 und HALLOWEEN führte John Carpenter für Warner Brothers bei diesem TV-Film Regie, für den er auch das Drehbuch verfasste und den er in gut 10 Tagen abdrehte. Zwischen all den Klassikern, die Carpenter in den Folgejahren noch abliefern sollte (THE FOG, ESCAPE FROM NEW YORK, THE THING. usw.) ist SOMEONE'S WATCHING ME! leider etwas in Vergessenheit geraten.
Zu Unrecht, den Carpenters TV-Film ist absolut sehenswert, ein astreiner Stalker-Thriller (aus einer Zeit, in der es diesen Begriff wahrscheinlich noch gar nicht gegeben hat), in dem eine junge Frau von einem Unbekannten terrorisiert und letztendlich mit dem Leben bedroht wird. SOMEONE'S WATCHING ME! baut seine Spannung und Atmosphäre langsam auf, spielt - auch aufgrund des niedrigen Budgets, das eine TV-Produktion so mit sich bringt - fast ausschließlich in geschlossenen Räumen (hauptsächlich im Apartment des Opfers) und kreiert so fast schon eine klaustrophobische Stimmung beim Zuschauer, hat mit Lauren Hutton in der Hauptrolle der verfolgten Leigh Michaels eine Schauspielerin zu bieten, mit der man als Zuschauer ganz vorzüglich hoffen und bangen kann und entwickelt sich von Minute zu Minute mehr zu einem astreinen "Nailbiter". Guter Film!


LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE (Deutschland/Italien 1972, Regie: Emilio Miraglia)

In LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE kehrt die attraktive Kitty Wildenbrück (Barbara Bouchet) nach dem Tod ihres Großvaters in das heimatliche Schloss zurück und muss sich schon bald mit einer seltsamen Mordserie auseinandersetzen, bei der alles darauf hinweist, dass für die Morde Kittys Schwester Evelyne verantwortlich zeichnet. Pikantes Detail: Evelyne ist schon vor vielen Jahren durch Kittys Verschulden ums Leben gekommen.
Regisseur Emilio Miraglia hat mit LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE so etwas wie einen Vorzeige-Giallo gedreht. Hier ist alles drin, was man sich von einem echten Giallo erwartet und darüber hinaus weist LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE netterweise auch noch deutliche Parallelen zu den alten Wallace-Klassikern auf. Es gibt ein undurchsichtiges Mordkomplett zu bestaunen, bei dem die Spannung wirklich bis zum Ende verdammt hoch gehalten werden kann. Es gibt blutige Morde, schöne Frauen, nackte Haut und ein atemberaubend tolles Setting in einem alten Schloss mit weiten Gängen, spinnwebenverhangenen Gewölben und mondänen Gemächern. Komponist Bruno Nicolai hat Miraglias Film zudem mit einem ganz vorzüglichem Score veredelt und dass LA DAMA ROSSA UCCIDE SETTE VOLTE auch noch teilweise in und um meine Heimatstadt Würzburg gedreht wurde, verleiht dem Film natürlich noch einen ganz besonderen Charme. Toll!


WE BOUGHT A ZOO (USA 2011, Regie: Cameron Crowe)

Mit WE BOUGHT A ZOO erzählt Regisseur Cameron Crowe die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte von Benjamin Mee (Matt Damon), der einst einen geschlossenen Zoo samt aller Tiere und Angestellten übernahm und fortan alles daran setzte, den Tierpark wieder zu eröffnen.
WE BOUGHT A ZOO ist exakt das, was man gemeinhin als Feel-Good-Movie bezeichnen kann und mit Cameron Crowe sitzt ein Mann auf dem Regiestuhl, der mit ALMOST FAMOUS und ELIZABETHTOWN bereits zwei Filme gedreht hat, die in eine "Hall of Fame" von Feel-Good-Movies definitiv aufgenommen werden müssten. So ist es dann auch wenig verwunderlich, dass auch WE BOUGHT A ZOO, der zudem mit Matt Damon und der bezaubernden Scarlett Johansson ganz vorzüglich besetzt ist, ein richtig guter Genrebeitrag geworden ist (auch wenn er die Klasse von ALMOST FAMOUS und ELIZABETHTOWN nicht wirklich erreichen kann). WE BOUGHT A ZOO fühlt sich richtig gut an, hat einige magische Momente zu bieten (insbesondere das Finale mit der Wiedereröffnung des Zoos) und hält sich mit übermäßigem Kitsch erfreulicherweise zurück. Schöner Film!


EARTH VS THE SPIDER (USA 1958, Regie: Bert I. Gordon)

Regisseur Bert I. Gordon hat ab Mitte der 50er Jahre eine ganze Reihe von B-Filmen gedreht und präsentiert mit EARTH VS. THE SPIDER eine Mischung aus Teenhorror- und Monsterfilm. Wie für die damalige Zeit typisch - die Angst vor der atomaren Katastrophe lässt grüßen - steht einmal mehr ein mutiertes Riesentier im Mittelpunkt des Geschehens und Gordon hat es durchaus geschafft, seine riesige Spinne - und wenn ich riesig sage, dann meine ich auch riesig - ansprechend in Szene zu setzen. Die Effekte mit der Riesenspinne sind - bedenkt man, dass diese aus dem Jahr 1958 stammen und mit einem minimalen Budget realisiert wurden - schon fast beeindruckend gut gelungen.
Ansonsten entzieht sich EARTH VS. THE SPIDER natürlich einer halbwegs objektiven Bewertung. Während B-Movie-Maniacs wie ich es einer bin verzückt vor der Flimmerkiste sitzen, werden "normale" Filmfreunde sich wohl eher stirnrunzelnd abwenden.
Für Genrefreunde ist Gordons Film aber wirklich toll. Allein diesen unfassbaren Plot, der eine Unglaublichkeit an die nächste reiht (die riesige Spinne wird erst entdeckt, dann erlegt, danach in die Turnhalle der örtlichen Schule gebracht um sie dort zu untersuchen und anschließend von der Schulband, die neben der vermeintlichen toten Spinne eine Bandprobe abhält, durch das Spielen von Musik wieder zum Leben erweckt (!!!)), muss man einfach gerne haben. Und dann natürlich die Darsteller, die inmitten dieses unglaublichen Plots mit einem solchen Enthusiasmus und einer solchen Ernsthaftigkeit spielen, dass man sich diesem herrlich naiven Charme einfach nicht entziehen kann und sich nur allzu gerne von dem präsentierten Unfug in den Bann ziehen lässt. Und dann sind es auch noch ganz viele Kleinigkeiten, die EARTH VS. THE SPIDER zu einem echten Erlebnis machen. Als Beispiel sei hier nur das Dorfkino genannt, in dem zwei weitere Filme von Bert I. Gordon, nämlich ATTACK OF THE PUPPET PEOPLE und THE AMAZING COLOSSAL MAN, beworben werden. Einfach schön!


LUCA IL CONTRABBANDIERE (Italien 1980, Regie: Lucio Fulci)

Zwischen ZOMBI 2 und Filmen wie PAURA NELLA CITTÀ DEI MORTI VIVENTI und ...E TU VIVRAI NEL TERRORE! L'ALDILÀ, die ihn letztendlich zum ungekrönten König des italienischen Horror- und Gore-Films machen sollten, drehte Regisseur Lucio Fulci diesen geradlinigen Gangsterstreifen über den ehrenwerten Schmuggler Luca Di Angelo (Fabio Testi), der sich mit der Tatsache auseinandersetzen muss, dass seine Heimatstadt Neapel Gefahr zu laufen scheint, von einem skrupellosen Drogenkartell übernommen zu werden. Als zuerst Lucas Bruder ermordet wird, danach alle weiteren Gangsterbosse Neapels ihr Leben lassen müssen und letztendlich auch noch Lucas Frau entführt wird, ist es für Luca und die alten Gangsterbosse von Neapel, die sich längst zur Ruhe gesetzt hatten, an der Zeit, einzuschreiten.
LUCA IL CONTRABBANDIERE beginnt relativ ruhig und es dauert einige Zeit, bis Fulcis Film so richtig Fahrt aufnimmt. Dann gibt es aber tatsächlich kein Halten mehr. Insbesondere in der letzten halben Stunde läuft LUCA IL CONTRABBANDIERE regelrecht Amok, Fulci steigert sich in einen gewalttätigen Rausch aus blutigen Einschusslöchern und derbsten Splatter- und Goresequenzen. Szenen, die effekttechnisch zwar nicht mehr wirklich auf der Höhe der Zeit sind, letztendlich aber leider dazu geführt haben, dass LUCA IL CONTRABBANDIERE von übereifrigen Sittenwächtern mit dem fragwürdigen Gütesiegel "Banned in Germany" bedacht wurde. Eine Beschlagnahme, die mittlerweile, über 30 Jahre nach Erscheinen des Films, nur noch als schlechter Witz bezeichnet werden kann.
Aber es sind natürlich nicht nur die Gewaltspitzen, die bei Fulcis Film im Gedächtnis bleiben. Hier stimmt einfach das Gesamtpaket. Fabio Testi in der Hauptrolle rockt das Haus. Er ist zwar sicher kein begnadeter Schauspieler, verfügt aber über jede Menge Charisma und lässt seine doch ziemlich limitierten darstellerischen Fähigkeiten so sehr schnell in den Hintergrund rücken. Komponist Fabio Frizzi hat LUCA IL CONTRABBANDIERE zudem mit einem tollen, groovigen Score veredelt und der düstere und dreckige Look und die ganze sleazige Atmosphäre des Films passen ganz vorzüglich zu dieser Geschichte rund um Gangsterehre und Rachefantasien. Geil!


THAT MAN BOLT (USA 1973, Regie. Henry Levin/David Lowell Rich)

Dass der Protagonist in dieser Mischung aus Action und Abenteuer der beiden Regisseure Henry Levin und David Lowell Rich hier ausgerechnet die Initialen JB spazieren trägt ist definitiv kein Zufall. Denn THAT MAN BOLT ist automatisch als Blaxploitation-Variante eines beliebigen Bond-Films zu identifizieren.
Wir haben einen supercoolen Helden (Fred Williamson), der auch in der prekärsten Lage noch einen lockeren Spruch auf den Lippen zu haben scheint, wir haben diverse Locations (von Hongkong geht es nach Los Angeles, Las Vegas und dann wieder zurück nach Hongkong), deren teils exotisches Potential optimal genutzt wird, wir haben diverse, leicht bekleidete "Bolt"-Girls, die dem Titelhelden regelrecht zu Füßen liegen, wir haben mit Byron Webster in der Rolle des Briten Griffiths einen spaßigen Sidekick, der als "comic relief" dient, wir haben natürlich ein fieses Komplott, in das Fred Williamson aka Jefferson Bolt verwickelt wird und den dazugehörigen Superschurken, dem es das Handwerk zu legen gilt.
Was wir leider nicht haben ist so etwas wie eine interessante Geschichte oder ein echter Spannungsbogen, der den Zuschauer in den Bann ziehen könnte. THAT MAN BOLT lebt einzig und allein von seinen diversen Schauwerten, ist nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von Zirkusattraktionen. Und obwohl ständig etwas geboten ist (diverse Verfolgungsjagden, Schießereien, Schlägereien, Martial-Arts-Einlagen, Explosionen, usw.) scheint THAT MAN BOLT erstaunlich "leer" zu sein. Das ist alles sicherlich spaßig anzusehender Eskapismus, der auch durchaus kurzweilig unterhalten kann, aber für einen richtig guten Film fehlen THAT MAN BOLT einfach die Ecken und Kanten, die das Genrekino der 70er Jahre eigentlich ausgemacht haben. THAT MAN BOLT ist erstaunlich brav und handzahm ausgefallen, will offensichtlich niemandem weh tun und ist für einen Blaxploitation-Film, der damals auch noch das R-Rating verpasst bekommen hat, doch eine kleine Enttäuschung. Gehobener Durchschnitt, nicht mehr!


FANTASTIC MR. FOX (USA 2009, Regie: Wes Anderson)

Mit FANTASTIC MR. FOX hat Regisseur Wes Anderson das gleichnamige Kinderbuch des bekannten Schriftstellers Roald Dahl in Form eines Puppen-Trickfilms auf die Leinwand gezaubert und dabei einen der außergewöhnlichsten Animationsfilme der jüngeren Vergangenheit erschaffen. Wer Andersons Realfilme wie bspw. THE ROYAL TENENBAUMS oder THE LIFE AQUATIC WITH STEVE ZISSOU kennt und mag, wird sich auch bei FANTASTIC MR. FOX sofort heimisch fühlen. Andersons Stil ist unverkennbar und die Tatsache, dass Andersons Stammschauspieler Bill Murray und Owen Wilson auch hier Sprechrollen übernommen haben, verstärkt diesen Eindruck noch. FANTASTIC MR. FOX ist ungemein witzig, verbreitet pure Melancholie, ist herrlich skurril, wunderbar anders und einfach toll. Ganz dicke Empfehlung!


RISE (USA 2007, Regie: Sebastian Gutierrez)

Lucy Liu in der Hauptrolle, Vampire und Rache als Storyelemente, Make-Up-Effekte von der legendären KNB-Group und mit John Toll ein Mann hinter der Kamera, der bereits Filme wie BRAVEHEART, THE THIN RED LINE, ALMOST FAMOUS, VANILLA SKY, THE LAST SAMURAI und ELIZABETHTOWN mit seiner Kameraarbeit veredelt hat. Eigentlich beste Voraussetzungen für einen richtig guten Film. Herausgekommen ist leider eine komplette Gurke und das liegt wohl in erster Linie daran, dass Regisseur und Drehbuchautor Sebastian Gutierrez versucht hat, so etwas wie einen melancholischen Vampirfilm mit viel Blut und nackter Haut zu drehen und stattdessen einen absoluten Langweiler mit ein paar netten Schauwerten realisiert hat. Gutierrez gelingt es praktisch zu keiner Zeit, so etwas wie Rhythmus in seinen Film zu bekommen und eine Spannungskurve zu entwickeln. Kurzen Action- und Spannungs-Highlights folgen uninspirierte Dialoge zum Davonlaufen, die diversen eingebauten Rückblenden, die eigentlich dafür sorgen sollen, der von Lucy Liu verkörperten Figur so etwas wie Tiefe und Background zu verleihen, haben einzig und allein den Effekt, einen sowieso schon viel zu langen Film noch mehr unnötig in die Länge zu ziehen und die unterkühlte DTV-Optik des Films lassen RISE wie eine billige DVD-Premiere und nicht wie einen Kinofilm wirken. Unfassbar, dass hier tatsächlich John Toll hinter der Kamera gestanden haben soll. Hätte Gutierrez seinem Film eine kurze und knackige Laufzeit von maximal 80 Minuten verpasst, hätte diese Vampir- und Rachegeschichte vielleicht sogar halbwegs funktionieren können. Aufgeblasen auf 2 Stunden ist das alles aber nur schwer durchzustehen. Gelungen sind lediglich die Effekte der KNB-Gruppe, den Rest kann man getrost in die Tonne klopfen. Unterer Durchschnitt!


NEW JERSEY DRIVE (USA 1995, Regie: Nick Gomez)

Auch einer dieser Filme der "Black Cinema"-Welle aus den 90er Jahren. NEW JERSEY DRIVE bewegt sich thematisch im selben Bereich wie es zuvor schon BOYZ N THE HOOD und MENACE II SOCIETY getan haben, allerdings ohne deren große Klasse zu erreichen. Regisseur und Drehbuchautor Nick Gomez, der in den letzten paar Jahren übrigens insbesondere für diverse, teils ausgesprochen namhafte TV-Serien (u.a. TRUE BLOOD, VERONICA MARS, THE SHIELD und DEXTER) als Regisseur tätig gewesen ist, erzählt mit NEW JERSEY DRIVE die Geschichte des Teenagers Jason Petty (Sharron Corley), der gemeinsam mit seiner Clique in seiner Freizeit Autos knackt. Um Zeichen zu setzen, um zu rebellieren, um der Langweilig- und Perspektivlosigkeit seines Lebens zu entfliehen. Gejagt von der Polizei entwickelt sich langsam aber sicher eine nicht aufzuhaltende Spirale aus Aktionen und Reaktionen, aus Gewalt und Gegengewalt, aus Provokationen und entsprechenden Antworten auf ebensolche.
Gomez erzählt seine Geschichte ziemlich nüchtern, im fast halbdokumentarischen Stil, und versucht so seinem Film die nötige Glaubwürdigkeit zu verleihen. Das gelingt ihm - abgesehen von ein paar vielleicht arg klischeehaft gezeichneten Figuren - über weite Strecken auch ganz gut, wobei diese nüchterne und irgendwie fast schon zu trostlose Erzählweise (in NEW JERSEY DRIVE gibt es lediglich ganz am Ende so etwas wie den Hauch eines Hoffnungsschimmers) auch den negativen Nebeneffekt hat, dass man als Zuschauer eher in der Rolle des stillen Beobachters verharrt und die Abwesenheit echter Identifikationsfiguren auch dazu führt, dass es nicht gerade leicht ist, so etwas wie echtes Mitgefühl für Gomez' Charaktere zu entwickeln. NEW JERSEY DRIVE erscheint mitunter etwas sperrig, ist kein sonderlich leicht zugänglicher Film, aber dennoch ein Streifen, bei dem es sich lohnt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.
Und der Soundtrack, geprägt von Künstlern wie Queen Latifah, Heavy D, Naughty by Nature, Outkast, Coolio und Redman, ist natürlich über jeden Zweifel erhaben.


HANNIBAL RISING (Frankreich/Großbritannien/Italien/Tschechien 2007, Regie: Peter Webber)

Regisseur Peter Webber hat mit HANNIBAL RISING das vierte und bisher letzte Buch rund um Hannibal Lecter, dem netten Kannibalen von nebenan, des Schriftstellers Thomas Harris auf die Leinwand gebracht.
Im Zusammenhang mit HANNIBAL RISING stellen sich vor allem 2 Fragen:
1. Hat Thomas Harris es tatsächlich nötig gehabt, ein echtes Prequel zu seiner über fast alle Zweifel erhabenen Trilogie zu schreiben und anschließend als Drehbuch zu adaptieren?
2. Kann ein Hannibal-Lecter-Film - Manns genialen MANHUNTER aus dem Jahr 1987 lassen wir mal außen vor - ohne Anthony Hopkins in der Hauptrolle wirklich funktionieren?
Beide Fragen muss man leider mit einem klaren "Nein" beantworten. HANNIBAL RISING ist vielleicht einer der unnötigsten Filme, die je gedreht wurden und wahrscheinlich ist das Buch auch eines der unnötigsten Bücher, die je geschrieben wurden.
Die erste Stunde von Webbers Film zieht sich wie Kaugummi und die zweite Stunde ist lediglich minimal schwungvoller geraten. HANNIBAL RISING ist stinklangweilig und komplett unspannend. Hauptdarsteller Gaspar Ulliel versucht verzweifelt, einen Hauch von Hopkins in sein Spiel zu bringen, scheitert dabei aber auf ganzer Linie. Ulliels Hannibal versprüht nicht einen Hauch des diabolischen Charismas des von Hopkins interpretierten Lecter. Der Hauptcharakter in diesem Film könnte auch Heinz Müller heißen.
Das größte Versagen von Autor Harris und Regisseur Webber liegt allerdings darin, dass dieses Prequel überhaupt keinen Bogen zu RED DRAGON (dem "eigentlich" ersten Teil der Trilogie) spannt und bis auf eine kannibalistisch veranlagte Hauptfigur rein gar nichts mit den später spielenden Büchern/Filmen zu tun hat. Der ganze Mythos um Hannibal Lecter, den insbesondere Anthony Hopkins durch sein einzigartiges Spiel in den drei vorherigen Filmen aufgebaut hatte, droht von HANNIBAL RISING schon fast zerstört zu werden. Nein, diesen Film hätte es wirklich nicht gebraucht. HANNIBAL RISING ist Schrott, ein Film, der mit dem Urteil "unterdurchschnittlich" noch zu positiv bewertet wäre. Ein Film, bei dem es fast nichts Schönzureden gibt. Lediglich das Production Design und die Kameraarbeit können als gelungen bezeichnet werden. Praktisch der positive Tropfen auf dem heißen Stein.


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HERR LEHMANN [älterer Text]


HERR LEHMANN [älterer Text] :love: HERR LEHMANN :love: (DVD: Universal, Deutschland)
(OT: Herr Lehmann | Deutschland 2003 | Regie: Leander Haußmann)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Frank Lehmann (Christian Ulmen) steht kurz vor seinem 30. Geburtstag, wird von allen seinen Freunden nur “Herr Lehmann“ genannt, arbeitet in einer Kreuzberger Kneipe hinterm Tresen und fühlt sich durchaus wohl in seinem kleinen Mikrokosmos, in dem es eigentlich nur zwei Sorgen gibt: Wie erobert er das Herz der Köchin Katrin (Katja Danowski) und wie gaukelt er seinen Eltern, die sich überraschend zu Besuch angekündigt haben, ein erfolgreiches Leben vor?
Regisseur Leander Haußmann, bekannt wegen seines außerordentlich erfolgreichen aber bestenfalls durchschnittlichen Films SONNENALLEE aus dem Jahr 1999, entführt seine Zuschauer mit HERR LEHMANN in die Berliner Kneipen(sub)kultur des Jahres 1989, präsentiert ihnen eine ganze Reihe von schrulligen und skurrilen Typen und lässt sie teilhaben an deren Leben und Tages- bzw. Nachtabläufen. Haußmann macht dabei glücklicherweise nicht den Fehler, sich über seine Charaktere lustig zu machen, sondern nimmt diese absolut ernst und überzeugt so durch liebevolle und realitätsnahe Figuren- und Charakterzeichnungen. Als Zuschauer vergisst man fast immer wieder, dass man auf dem heimischen Sofa sitzt. Es fühlt sich
streckenweise so an, als säße man mit diesen ganzen Typen zusammen am Tresen, mittendrin der titelgebende Herr Lehmann, der als eine Art Kneipenphilosoph das scheinbar sinnlose Gespräch zur Kunstform erhoben zu haben scheint.
HERR LEHMANN ist eine Hommage an den Kreuzberger Kiez und seine Bewohner, die nie auf die Idee kommen würden, ihren kleinen Mikrokosmos zu verlassen (herrlich illustriert in dieser Szene, in der Lehmanns bester Freund Karl (Detlev Buck), der sich als Hobbykünstler versucht, freudig mitteilt, dass er in Charlottenburg an einer Ausstellung teilnehmen kann und diese Mitteilung von seinen Freunden mit der Frage gekontert wird, ob sie denn da wirklich alle kommen müssen, da Charlottenburg doch so weit weg sei) und die in ihrer Kneipe sitzend sogar fast den Mauerfall verpassen. Er ist eine Liebeserklärung an die ganzen “verlorenen“ Seelen am Tresen, die sich am Ende, nach dem Mauerfall, dann doch mit einer neuen Lebenssituation auseinandersetzen müssen (“Die kommen jetzt alle rüber!“). Ihr Mikrokosmos existiert nicht mehr.
Leander Haußmann erzählt die Geschichte von Herrn Lehmann und seinen Freunden und Bekannten größtenteils auf urkomische, oft aber auch auf nachdenkliche, fast schon melancholische Art und Weise und macht damit alles richtig. HERR LEHMANN ist ganz tolles Kino aus Deutschland. Ein kleiner Film, den man wirklich nur als großartig bezeichnen kann. In all seiner Melancholie und in all seiner Tristesse (die er aufgrund seiner vielen verlorenen Figuren natürlich auch liefert) ist HERR LEHMANN einfach nur wunderschön. Und sowohl Christian Ulmen als auch Detlev Buck sind in ihren Rollen nicht weniger als überragend!

TRAILER:


Leander Haußmann Christian Ulmen Christoph Waltz Detlev Buck Berlin 80er Jahre female nudity 2000er


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KURZKOMMENTARE - JANUAR 2015, Teil 1


Ein fast überbordender Monat an Eindrücken, eine verrückte filmische Reise während der ich u.a. Zwergen, Orks, Elben, Hobbits und einem Drachen begegnet bin, ich habe Selbstmörder und Selbstmordkandidaten, psychopathische Killer, einen betrunkenen Geheimagenten, einen rachsüchtigen Geist, Wissenschaftler, Ärzte und Krankenschwestern, Radiopiraten, Supergangster und korrupte Polizisten, Ninjas, Superhelden aus dem Weltraum, eine mörderische Bauchrednerpuppe, zwei ebenso gestörte wie liebenswerte Menschen und ihren Sozialarbeiter sowie diverse Agenten, Terroristen, Verbrecher und Gesetzeshüter getroffen und durfte mit zwei trotteligen Bankräubern, diversen Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Daseins, einem schwangeren Mann und nicht zuletzt einer zusammengeschlagenen Nymphomanin Bekanntschaft machen, wobei ich bei Letzterer Zeuge wurde, wie diese einem Intellektuellen ihre Lebensgeschichte erzählte. Insgesamt habe ich in diesen vergangenen 31 Tagen 56 Filme verschiedenster Genres gesehen. 56 Filme aus 9 verschiedenen Jahrzehnten, 21 verschiedenen Produktionsländern, gedreht von 53 verschiedenen Regisseuren. Die Reihenfolge der niedergeschriebenen Eindrücke entspricht der Sichtungsreihenfolge (*=keine Erstsichtung).


WRISTCUTTERS: A LOVE STORY (Großbritannien/USA 2006, Regie: Goran Dukic)

Nachdem Zia (Patrick Fugit) sich die Pulsadern durchgeschnitten hat, muss er feststellen, dass er in einer Art Zwischenwelt gelandet ist, umgeben von anderen Selbstmördern, die noch weitaus mehr Tristesse verstrahlt als sein ursprüngliches Leben. Als er erfährt, dass sich kurz nach ihm auch seine Ex-Freundin (Leslie Bibb) das Leben genommen hat, begibt er sich auf einen irren Road Trip um sie zu finden und trifft dabei auf die bezaubernde Mikal (Shannyn Sossamon)…
Hübsche Idee, coole Ausgangssituation, relativ halbgar umgesetzt. Dukics Film ist zwar grundsympathisch, plätschert allerdings über weiteste Strecken seiner Laufzeit einfach nur so vor sich hin. Echte Höhepunkte gibt es nicht wirklich, dafür ein paar skurrile Einfälle und ein, zwar sehr gezwungen wirkendes, dafür aber auch richtig schönes Happy End.

Persönliche Wertung: Nett!


DEAD SILENCE (USA 2007, Regie: James Wan)

Puppen sind gruselig, Bauchrednerpuppen sind noch gruseliger - das haben sich wohl die SAW-Macher rund um Regisseur James Wan gemacht und diesen kleinen Puppen-Horrorfilm gedreht. Wan verzichtet - im Gegensatz zu den Filmen der SAW-Reihe - auf großartige Splattereffekte und brutale Sequenzen und versucht es lieber mit Spannung, ein paar gezielt eingesetzten Schockmomenten und einer dichten Atmosphäre. DEAD SILENCE ist sicher kein Schocker, aber als solider Grusler für zwischendurch ist Wans Film durchaus zu gebrauchen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


PIRATENSENDER POWER PLAY (Deutschland 1982, Regie: Sigi Rothemund)*

Vor den drei Supernasen-Filmen drehten Thomas Gottschalk und Mike Krüger mit PIRATENSENDER POWER PLAY ihren ersten und auch gleichzeitig besten gemeinsamen Film. Rothemunds Film über die beiden Radiopiraten, die mit ihrem mobilen Sender im Wohnmobil von Ort zu Ort fahren, immer wieder der Peilung der Behörden knapp entgehend und diese somit in den Wahnsinn treibend, ist für mich persönlich eine der schönsten und unterhaltsamsten deutschen Komödien, die je gedreht worden sind. PIRATENSENDER POWER PLAY ist ein durchweg positiver Film, verbreitet über 90 Minuten einfach nur gute Laune und funktioniert mit seinen albernen Scherzen, seinem tollen Soundtrack und seiner kindlich-naiven Geschichte heute noch genauso gut wie vor über 30 Jahren. Natürlich ist da auch ganz viel Nostalgie dabei, aber ich werde diesen Film wohl für alle Zeiten einfach nur lieben.

Persönliche Wertung: Lieblingsfilm!


THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY (Neuseeland/USA 2012, Regie: Peter Jackson)*

So faszinierend es auch ist, wieder nach Mittelerde zurückkehren zu können, so visuell einzigartig Peter Jackson diese Rückkehr auch gestaltet hat und so gut mir dieser 3-stündige Auftakt der THE HOBBIT-Trilogie im zweiten Anlauf nun doch gefallen hat (als ich den Film kurz vor Weihnachten 2013 zum ersten Mal gesehen hatte, war ich ziemlich enttäuscht), dieser Zauber und diese Magie, die damals der erste THE LORD OF THE RINGS-Film innerhalb kürzester Zeit entfalten konnte, fehlt THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY einfach. Dieser Auftakt ist in meinen Augen einfach zu geschwätzig, zu selbstverliebt geraten, er wirkt zu gestreckt. Man merkt bereits diesem Film an, dass die Vorlage keine über 3 Filme verteilte Gesamtlaufzeit von (über) 9 Stunden rechtfertigt, zudem bleibt die Gemeinschaft der Zwerge im Gegensatz zu den Gefährten aus der THE LORDS OF THE RINGS-Trilogie einfach zu blass und zu gesichtslos. Es fehlen Typen wie es ein Gimli oder ein Aragorn waren. Dieses Manko kann auch das erneute Mitwirken von Ian McKellen als Gandalf in einer Haupt- sowie von Cate Blanchett, Hugo Weaving, Christopher Lee, Elijah Wood und Ian Holm in kleineren und größeren Nebenrollen nicht ausgleichen. Ich bin gespannt, wie mir der zweite Teil gefallen wird, der jetzt natürlich schnellstmöglich angesehen wird.

Persönliche Wertung: Sehr gut (trotz aller Jammerei auf hohem Niveau)!


KILLERS (Indonesien/Japan 2014, Regie: Kimo Stamboel/Timo Tjahjanto)

Zwei Killer laden Videos ihrer Greueltaten ins Internet hoch und treten so miteinander in einen makabren Wettstreit. KILLERS fehlt es nicht nur an Sympathiefiguren, sondern vor allem auch an Spannung - und das ist für einen Thriller bei einer Laufzeit von knapp 140 Minuten doch ein ziemliches K.O.-Kriterium. Die Mo Brothers - wie sich die beiden Regisseure im Abspann selbst bezeichnen - haben ihren Film zwar mit einigen derben Gewalttätigkeiten angereichert, die dramatische Seite der Geschichte, die sie ganz offensichtlich auch gerne erzählt hätten, kommt aber reichlich plump und unmotiviert rüber. Als Zuschauer verliert man irgendwann das Interesse an der Geschichte und den Schicksalen der beiden Antihelden. KILLERS wirkt eher ermüdend als schockierend und bedenkt man den hohen Level an graphischer Gewalt, mit dem die Mo Brothers den Zuschauer konfrontieren, ist das ja auch ne gewisse Leistung. Aber wenigstens war das Finale war geil.

Persönliche Wertung: Naja!


THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN (USA 1976, Regie: Charles B. Pierce)

Früher Slasher, der auf einer ungeklärten Mordserie beruht, die sich im Jahr 1946 in der Nähe von Texarkana zugetragen hat. Regisseur Charles B. Pierce - der auch in einer Nebenrolle als Deputy zu sehen ist - versucht seinem relativ herkömmlichen Horrorthriller einen halbdokumentarischen Touch zu verleihen, in dem er einen Erzähler aus dem Off nutzt, der den Zuschauer mit Fakten und Hintergrundinformationen versorgt.
Der Killer selbst wirkt tatsächlich ziemlich bedrohlich und auch in Sachen Atmosphäre ist es Pierce über weite Strecken ziemlich gut gelungen, die Bedrohung, die von dem Killer ausgeht, auf die Leinwand zu übertragen. THE TOWN THAT DREADED SUNDOWN ist mehr als solide Genrekost, bei der man lediglich auf ein kathartisches Finale verzichten muss - genau wie im wirklichen Leben wird auch im Film der Killer nie geschnappt, sondern verschwindet irgendwann einfach spurlos.

Persönliche Wertung: Gut!


THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG (Neuseeland/USA 2013, Regie: Peter Jackson)

Wie man erwarten konnte ist THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG noch ein gutes Stück aufwändiger und visuell noch beeindruckender geraten als der Vorgänger. Auch schien mir dieser Film hier nicht mehr ganz so geschwätzig zu sein, er war insgesamt betrachtet kurzweiliger, unterhaltsamer und vom Handlungsverlauf zielführender als der erste Teil. Und ich bin auch der Meinung, dass der nicht überall unumstrittene Orlando Bloom in der Rolle des Legolas dem Film ausgesprochen gut getan hat. Aber dieser Zauber, diese Magie der THE LORD OF THE RINGS-Trilogie fehlt einfach noch immer und mochte sich auch hier nicht einstellen. Auch dem Mittelfilm der THE HOBBIT-Trilogie fehlt dieses gewisse Etwas, das aus einem (sehr) guten Film einen großartigen oder gar herausragenden Film macht.
THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG endet natürlich mit einem Cliffhanger. Wie der aufgelöst wird, werde ich mir dann Ende dieses Jahres ansehen, wenn der obligatorische Extended Cut auf Blu-ray veröffentlicht wird.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


GREENBERG (USA 2010, Regie: Noah Baumbach)

Ben Stiller ist Roger Greenberg und befindet sich irgendwie auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Um diesen zu finden, verlässt er seine Wahlheimat New York - kurz nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik - und kehrt nach Los Angeles zurück, um dort das Haus seines sich samt Familie im Ausland befindlichen Bruders zu hüten. Doch die Rückkehr in die alte Heimat verläuft ernüchternd. Seine große Liebe Beth (Jennifer Jason Leigh) ist mittlerweile verheiratet und hat Kinder und sein bester Kumpel Ivan (Rhys Ifans) scheint auch nicht mehr ganz auf seiner Wellenlänge zu schwimmen. Doch dann lernt er die ebenfalls irgendwie verlorene Florence (Greta Gerwig) kennen…
Zwischen diesen unzähligen Mega-Blockbustern, Reboots, Sequels und Remakes, mit denen Hollywood das Publikum scheinbar nur noch zu bombardieren scheint, hat in den letzten Jahren glücklicherweise eine qualitativ ziemlich hochwertige Nische von kleinen (Independent-)Produktionen ihren Platz gefunden. GREENBERG ist einer dieser kleinen Filme und ohne Filme wie diesen hier, wäre die Kinolandschaft ein gutes Stück ärmer. GREENBERG ist komisch, traurig, emotional, sympathisch und glaubwürdig, präsentiert liebenswürdige Charaktere mit ihren ganz natürlichen Sorgen und Problemen und lässt diese dem Zuschauer ans Herz wachsen. Ein idealer Film für einen grauen Sonntagnachmittag, mit einem wahrlich vorzüglichen Soundtrack gesegnet.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


THE MESSENGER (USA 2009, Regie: Oren Moverman)

Da er für die Front momentan nicht einsatzbereit ist, wird Sergeant Montgomery (Ben Foster) in den Heimatdienst zu einer ganz speziellen Abteilung versetzt. An der Seite des erfahrenen Captain Stone (Woody Harrelson) muss Montgomery von nun an hinterbliebenen Familien die Nachricht vom Tod im Einsatz gefallener Familienmitglieder überbringen. Eine Aufgabe, an der Montgomery sehr schnell zu zerbrechen droht…
THE MESSENGER ist kein angenehmer Film, kein Film, mit dem man sich seinen Nachmittag oder Abend versüßen könnte. Ohne auch nur eine Kampfhandlung zeigen zu müssen, bringt Regisseur Oren Moverman dem Zuschauer das Grauen des Krieges hier auf besonders eindringliche Weise nahe. Das Verhalten der beiden “Botschafter“, die Reaktionen der Betroffenen - das ist alles wirklich extrem glaubwürdig, realistisch und eindringlich gespielt und verlangt dem Zuschauer tatsächlich einiges ab. Woody Harrelson und Ben Foster sind schlichtweg großartig in ihren Rollen und wenn ich mir THE MESSENGER so ansehe, muss ich mir zum wiederholten Male die Frage stellen, weswegen Ben Foster der ganz große Durchbruch in Hollywood eigentlich nie geglückt ist. Er liefert hier von Anfang bis zum Ende erneut eine wirklich beeindruckende Leistung ab. Das gilt leider nicht für Regisseur und Co-Autor Oren Moverman, dem sein Film nach ca. 2/3 der Laufzeit doch etwas entgleitet. Das letzte Drittel des Films ist ziemlich schwach ausgefallen, fast scheint es so, dass Moverman nicht wusste, wie er seine Geschichte nun eigentlich zu Ende bringen soll. Das führt dazu, dass THE MESSENGER in den letzten 30 Minuten leider nur noch so vor sich hinplätschert und irgendwann einfach zu Ende ist. Das kann den überwiegend positiven Gesamteindruck aber nicht wirklich trüben.

Persönliche Wertung: Gut!


SEEKING JUSTICE (USA 2011, Regie: Roger Donaldson)

Eigentlich typischer Hitchcock-Stoff: Nicolas Cage spielt einen gewöhnlichen Bürger, der aufgrund widriger Umstände in die Fänge einer gefährlichen Organisation gerät und der nun mit seinen beschränkten Möglichkeiten versuchen muss, sich aus seiner misslichen Lage wieder zu befreien. Aber Roger Donaldson - der in seiner langen Karriere einige grundsolide Filme verschiedenster Genres wie z.B. NO WAY OUT, COCKTAIL, THE GETAWAY und SPECIES gedreht hat - ist halt kein Alfred Hitchcock und Nicolas Cage ist halt, nun ja, Nicolas Cage. Und so ist SEEKING JUSTICE auch kein Meister-, sondern vielmehr solides Handwerk. Nicolas Cage setzt seinen typischen Hundeblick und kämpft sich durch einen Plot, der vielleicht die eine oder andere Wendung zu viel aufzuweisen hat und dem man mit viel Wohlwollen begegnen muss, um seinen Spaß mit diesem Film haben zu können. Sieht man über so manches Logikloch und so manche Unzulänglichkeit gnädig hinweg, kann man SEEKING JUSTICE ein gewisses Spannungs- und auch Unterhaltungspotential jedoch sicher nicht absprechen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


EL JOROBADO DE LA MORGUE (Spanien 1973, Regie: Javier Aguirre)

Paul Naschy ist Gotho, ein Buckliger, der einen verrückten Wissenschaftler mit frischen Leichenteilen versorgt, damit dieser ein neues Lebewesen daraus erschaffen kann. Wow, Gothic-Horror aus Spanien, bei den Hammer-Studios hätten sie es nicht viel besser hingekriegt. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz begehrt. Wir haben mit dem Buckligen ein missverstandenes und irgendwie auch liebenswertes Monster, wir haben einen Mad Scientist, ein paar überraschend explizite Splatter- und Goreeffekte, ein geheimes Labor in unterirdischen Gewölbegängen mit übrig gebliebenen Skeletten und Folterwerkzeugen aus den Zeiten der Inquisition und wir haben natürlich eine Handvoll attraktiver Darstellerinnen, um deren Leib und Leben man bangen darf. Der Katholische Filmdienst bezeichnete EL JOROBADO DE LA MORGUE damals als “einen der primitivsten, dümmsten und geschmacklosesten alles bisher gedrehten Horrorfilme.“; dieses für den Filmdienst typische Fehlurteil darf gerne als Empfehlung angesehen werden.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


RAZE (USA 2013, Regie: Josh C. Waller)

“Ey, Alter, ich hab da voll die geil krasse Idee für nen voll geilen Exploitation-Film!“ - “Sag an, Alter!“ - “Alter, wir lassen so ne krasse Geheimorganisation ein paar Schnitten kidnappen und die müssen sich dann so lange gegenseitig zu Tode prügeln, bis nur noch eine am Leben ist.“
RAZE ist ein besonders armseliges Beispiel eines Versuchs, so etwas wie Grindhousekino in die Gegenwart zu transportieren. RAZE sieht kacke, ist ebenso todlangweilig wie ultrabrutal und hat bis auf den Racheakt der überlebenden Kämpferin am Ende wirklich rein gar nichts zu bieten. Da nutzt es auch wenig, dass Regisseur Josh C. Waller mit Zoë Bell in der Haupt-, Tracie Thoms in einer größeren Neben- und Rosario Dawson in einer klitzekleinen Minirolle praktisch die komplette weibliche Besetzung der zweiten DEATH PROOF-Hälfte vor der Kamera versammeln konnte. RAZE ist ein Armutszeugnis von einem Film.

Persönliche Wertung: Beschissen!


WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN (Großbritannien/USA 2011, Regie: Lynne Ramsay)

Wahrlich harter Tobak. Regisseurin Lynne Ramsay blickt in WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN auf die Ursachen und die Folgen eines Amoklaufs an einer Schule und fokussiert sich dabei auf die Mutter des Amokläufers. Von der Schwangerschaft bis zur Bluttat und dem anschließenden Gefängnisaufenthalt wird die Geschichte von Kevin und seiner Familie erzählt, nicht linear, sondern durcheinander, mit unzähligen Rückblenden. Ramsay fällt kein Urteil, überlässt es vielmehr dem Zuschauer selbst, wie er die Geschehnisse bewerten mag und als solcher wird man fassungslos Zeuge, wie eine auf den ersten Blick vorbildliche Familie im Verlauf der Jahre immer weniger funktioniert und wüsste man nicht schon von Anfang an, welche Greueltat Kevin letztendlich anrichten wird, man würde es wohl ziemlich schnell erahnen. WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN liegt schwer im Magen, stimmt nachdenklich und sollte als Pflichtprogramm in den höheren Klassen einer jeden Schule vorgeführt werden.

Persönliche Wertung: Großartig!


INSIDE LLEWYN DAVIS (Frankreich/Großbritannien/USA 2013, Regie: Ethan Coen/Joel Coen)

Kontrastprogramm zu dem vorherigen Downer. In INSIDE LLEWYN DAVIS folgen die Coen-Brüder einem Folkmusiker im New York der frühen 60er Jahre. Ein kleiner, feiner Film, der für die Coen-Brüder, die hier für Regie, Drehbuch und Schnitt verantwortlich zeichneten, wohl so etwas wie eine Herzensangelegenheit gewesen sein dürfte. Das merkt man dem Film meines Erachtens zu jeder Sekunde an. Hauptdarsteller Oscar Isaac ist schlichtweg großartig als verträumter Lebenskünstler Llewyn Davis, der Soundtrack des Films ist grandios und die Stimmung und Atmospähre, die die Coens hier transportieren, nimmt einen als Zuschauer über die komplette Laufzeit regelrecht gefangen. Schade, dass nach knapp 100 Minuten bereits der Abspann einsetzte.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


CONTAGION (USA/Vereinigte Arabische Emirate 2011, Regie: Steven Soderbergh)

Ziemlich glaubwürdiges und vor allem bedrohlich wirkendes Szenario einer weltweiten Seuchenbedrohung. In Zeiten von Ebola natürlich aktueller denn je. Wenn man selbst vielleicht gerade an einer Erkältung laboriert, sollte man sich diesen Film nicht unbedingt ansehen. Er könnte höchst beunruhigend wirken. CONTAGION profitiert insbesondere von seinem spannenden und relativ unaufgeregten Plot sowie seiner All-Star-Besetzung. Hier geben sich bekannte Gesichter regelrecht die Klinke in die Hand bevor sie den Löffel abgeben. Negativ wirkt sich jedoch - insbesondere zum Ende hin - die episodenhafte Erzählweise des Films aus. Diverse einzelne Episoden wurden hier zu einer großen Geschichte zusammengestrickt und im letzten Drittel merkt man schon, wie Regisseur Steven Soderbergh die Zeit davonzulaufen droht. Manche Handlungsstränge werden etwas arg überhastet aufgelöst.

Persönliche Wertung: Gut!


THE HUNT FOR RED OCTOBER (USA 1990, Regie: John McTiernan)

THE HUNT FOR RED OCTOBER ist der erste von bis zum heutigen Tage fünf Filmen um den von Romanautor Tom Clancy erschaffenen CIA-Analysten Jack Ryan - hier gespielt von Alec Baldwin -, der es in seinem ersten Filmauftritt mit einem desertierenden russischen U-Boot-Kapitän (Sean Connery) zu tun bekommt. Wer sich aufgrund des Regie-Credits und der beiden vorherigen Arbeiten von John McTiernan - PREDATOR und DIE HARD - nun ein Actionfeuerwerk erhofft, dürfte bitter enttäuscht werden. THE HUNT FOR RED OCTOBER ist eher ein Politthriller - einer der letzten mit Kalter-Krieg-Thematik - und die Action spielt sich hier an Schreibtischen, Schaltpulten und in Kommandozentralen ab. So etwas wie echtes Actionfeeling kommt lediglich im Finale auf und zuvor vielleicht kurz in der Szene, in der sich Jack Ryan in widrigen Wetterverhältnissen von einem Hubschrauber auf ein U-Boot abseilen will sowie in einer kurzen Torpedoausweichsequenz. In gewisser Weise wirkt THE HUNT FOR RED OCTOBER ein Viertel Jahrhundert nach seinem Erscheinen reichlich altbacken, ist aber dennoch irgendwie faszinierend und auch richtig schön spannend ausgefallen. Ein Film wie eine Partie Schach - mitunter etwas langatmig anzusehen, in den entscheidenden Momenten aber extrem fesselnd.

Persönliche Wertung: Gut!


CHEERLEADER CAMP (Japan/USA 1988, Regie: John Quinn)

Einer der späten Vertreter der ersten großen Slasher-Welle in den 80er Jahren. Regisseur John Quinn kombiniert hier typischen Teen-Sex-Klamauk mit - insbesondere im letzten Drittel - derben blutigen Morden. Zwei für sich selbst betrachtet durchaus nette Formeln, die allerdings, so wie sie hier zusammengemixt sind, nicht wirklich gemeinsam funktionieren wollen. So etwas wie Spannung kommt in CHEERLEADER CAMP nie auf und die letztendliche Auflösung des Killers könnte egaler nicht sein. Eigentlich nicht viel mehr als typische Slasher-Durchschnittsware, die allerdings aufgrund ein paar netter “creative kills“ und insbesondere auch wegen Hauptdarstellerin Betsy Russell - die ja mit ihrer Rolle der Jill in der SAW-Reihe vor ein paar Jahren so etwas wie ihren zweiten Genrefilmfrühling erlebt hat und hier, im Alter von 25 Jahren, wohl auf dem Höhepunkt ihrer Attraktivität steht und einfach nur die Definition von absoluter “hotness“ darstellt - doch halbwegs gut zu unterhalten weiß.

Persönliche Wertung: Nett!


SINISTER (Großbritannien/Kanada/USA 2012, Regie: Scott Derrickson)

Ethan Hawke spielt einen Autor, der mit seiner Familie in ein Haus zieht, um ein Buch über ein nicht gänzlich geklärtes Verbrechen zu schreiben, welches sich kurze Zeit vorher in eben diesem Haus abgespielt hatte. Als er auf dem Dachboden einen Karton mit alten Super-8-Filmen findet und sich diese ansieht, wird er mit schockierenden Bildern konfrontiert…
SINISTER gehört eindeutig zu den gelungeneren und effektiveren Horrorfilmen der letzten Jahre. Regisseur Scott Derrickson setzt auf gezielt platzierte Schockeffekte, eine bedrückende und bedrohliche Atmosphäre und eine sich stetig steigernde Spannung. Insbesondere die intensiven Bilder der Super-8-Filme gepaart mit dem dissonanten Score von Komponist Christopher Young tragen viel dazu bei, dass einem als Zuschauer während der Sichtung des Films ein ständiges Gefühl des Unbehagens begleitet. Ich bin ziemlich begeistert, für mich persönlich war SINISTER der unheimlichste, bedrohlichste und beunruhigendste Horrorfilm, den ich seit langer Zeit gesehen habe.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


GRIECHISCHE FEIGEN (Deutschland 1977, Regie: Sigi Rothemund)

Eigentlich sollte Patricia (Betty Vergès) nach dem Besuch ihrer Eltern in Griechenland wieder nach München zurückfliegen um dort ihr Studium weiterzuführen. Aber die abenteuerlustige und lebenshungrige Frau verschenkt lieber kurzerhand ihr Flugticket und stürzt sich im griechischen Sommer in allerhand Abenteuer und Sexkapaden.
Auf den ersten Blick könnte man GRIECHISCHE FEIGEN für eine weitere, typische Erotikproduktion der umtriebigen Lisa-Film aus München halten. Die hübsche Hauptdarstellerin ist hauptsächlich nackt und in amourösen Verwicklungen zu sehen, die Sonne Griechenlands scheint scheinbar unbeschwert auf die diversen Protagonisten herab und Sigi Rothemund - der hier noch unter seinem Pseudonym Siggi Götz arbeitete und für die Lisa-Film von Anfang der 70er bis Mitte der 80er Jahre jede Menge diverser (Erotik-)Komödien, u.a. auch DIE EINSTEIGER, gedreht hat - inszeniert GRIECHISCHE FEIGEN auch entsprechend eingängig und kurzweilig. Aber unter dieser ganzen Fassade von Schauwerten steckt irgendwie auch jede Menge Melancholie und verdammt viel Traurigkeit. Man hat fast Mitleid mit Patricia und den verschiedenen Menschen, denen sie so begegnet, möchte sie an der Hand nehmen und ihr den richtigen Weg zeigen. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber ich habe das Gefühl, dass GRIECHISCHE FEIGEN ein ganzes Stück mehr ist als der typische Erotik-Trash aus dem deutschen Kino der 70er Jahre.

Persönliche Wertung: Gut!


SEITENSTECHEN (Deutschland 1985, Regie: Dieter Pröttel)*

Bevor Thomas Gottschalk und Mike Krüger in DIE EINSTEIGER zum insgesamt vierten und letzten Mal gemeinsam in Hauptrollen auf der Kinoleinwand erscheinen sollten, kam mit SEITENSTECHEN dieser Solofilm von Mike Krüger in die Kinos, in dem Gottschalk allerdings immerhin noch einen Gastauftritt absolviert und sich selbst spielt. Anders als z.B. an die SUPERNASEN-Filme hatte ich an SEITENSTECHEN nur noch fragmentarische Erinnerungen. Sonderlich oft hatte ich den Film damals wohl nicht gesehen. Ich dürfte mir von SUPERNASEN-Regisseur Pröttel wohl entsprechenden Klamauk erwartet haben, etwas, das SEITENSTECHEN nicht wirklich liefert. Denn trotz der reichlich bescheuerten Ausgangssituation des Plots - der von Mike Krüger gespielte Norbert Koschler ist schwanger - ist SEITENSTECHEN mehr Drama als Komödie. Regisseur Pröttel nimmt seine Figuren und seine Geschichte ernst, stellt typische Rollenklischees auf teilweise herrlich naive Art und Weise auf den Kopf und hält Männlein und Weiblein so - manchmal vielleicht mit etwas zu sehr erhobenem Zeigefinger - den entsprechenden Spiegel vor. Toll auch diese Sequenz im Bus, in der Krügers Koschler aufgrund seiner Umstandskleidung von diversen Insassen verspottet und angefeindet wird. Eine Szene, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat und bei der einem - vor aktuellen Hintergründen fast zwangsläufig - natürlich Begriffe wie Toleranz und Zivilcourage in den Sinn kommen.
Schade nur, dass diese durchweg positiven Ansätze - sofern sie denn überhaupt so gewollt gewesen sind (eine etwas fragwürdige Szene ziemlich am Ende des Films in einem Friseursalon, in der vom offensichtlich homosexuellen Friseur ein dümmlicher, rassistischer Witz erzählt wird, könnte einen vielleicht daran zweifeln lassen; ich gehe ja davon aus, dass diese Sequenz als Satire aufgefasst werden muss - vor allem vor dem Hintergrund des vorherigen Plotverlaufs - und ansonsten nur mit einer gewissen, dem Entstehungsalter des Films geschuldeten, Unbedarftheit erklärt werden kann) - durch das herkömmliche und auch ziemlich einfallslose Ende des Films ein bisschen torpediert werden.

Persönliche Wertung: Gut!


THE TELEPHONE BOOK (USA 1971, Regie: Nelson Lyon)

Die junge Alice (Sarah Kennedy) erhält einen obszönen Anruf von einem gewissen Mr. Smith (Norman Rose) und ist von diesem zu begeistert, dass sie sich auf eine Odyssee durch Manhattan begibt um den unbekannten Anrufer aufzuspüren…
THE TELEPHONE BOOK hat mich gleichermaßen fasziniert und planlos zurückgelassen. Ich habe keine Ahnung, was ich da eigentlich genau gesehen habe. Eine Mischung aus kruder Sexploitation und Experimentalfilm? Einen verrückten Hybrid aus Arthouse- und Grindhousekino? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass mich Regisseur Nelson Lyon mit seinem Undergroundfilm komplett in seinen Bann gezogen hat, mit dieser außergewöhnlichen Geschichte, mit diesen hemmungslosen, in wunderschöner Schwarz/Weiß-Fotografie eingefangenen Bildern und mit dieser fast schon surreal wirkenden Schlussszene, in der das Bild plötzlich farbig wird und die von einer der abgefahrensten Animationssequenzen begleitet wird, die ich jemals gesehen habe.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


LUNG JI YAN CHE (aka Ninja in the Dragon’s Den, Hongkong 1982, Regie: Corey Yuen)

Von experimenteller Sexploitation zu fröhlichem Martial-Arts-Geprügel. LUNG JI YAN CHE erzählt die Geschichte eines Ninjas auf Rachefeldzug und eines chinesischen Kung-Fu-Spezialisten, der diesem in die Quere kommt. LUNG JI YAN CHE unterhält in erster Linie mit seinen vielen Schauwerten. Jede Menge - teils überraschend blutige - perfekt choreographierte Kämpfe gibt es zu bestaunen und der Plot ist tatsächlich so spannend ausgefallen, wie es für einen Plot dieser Art überhaupt möglich ist. Zudem ist LUNG JI YAN CHE - typisch für eine Hongkong-Produktion - über weite Strecken verdammt witzig, fast schon slapstickartig, geraten, wobei man natürlich anmerken muss, dass man mit diesem sehr speziellen Humor des Hongkong-Kinos schon zurecht kommen sollte, um nicht irgendwann genervt die Segel zu streichen.

Persönliche Wertung: Gut!


PATRIOT GAMES (USA 1992, Regie: Phillip Noyce)*

In Film Nr. 2 um den - nunmehr ehemaligen - CIA-Analysten Jack Ryan schlüpft Harrison Ford in die von Romanautor Tom Clancy ins Leben gerufene Figur. Ryan muss in PATRIOT GAMES seine Familie vor einem rachsüchtigen IRA-Terroristen (Sean Bean) schützen und nimmt dafür die Hilfe des CIA-Apparates in Anspruch.
PATRIOT GAMES ist - obwohl auch dieser Film bis auf das Finale eher ruhig inszeniert ist - leichter zu goutieren als THE HUNT FOR RED OCTOBER, ganz einfach weil er eingängiger, spannender und im Endeffekt auch actionreicher geraten ist als der Vorgänger. Außerdem steht hier die Figur des Jack Ryan weitaus mehr im Vordergrund und es ist auch diese Fokussierung auf den Hauptcharakter und das Spiel von Harrison Ford, die PATRIOT GAMES zu einem richtig guten Film machen. Jack Ryan ist kein typischer Actionheld - man merkt, dass er ein Schreibtischhengst ist -, nicht unbesiegbar und so ganz vorzüglich als Identifikationsfigur für den Zuschauer geeignet. Jack Ryan ist ein Mann, mit dem man als Zuschauer tatsächlich noch mitfiebern kann.

Persönliche Wertung: Gut!


NYMPH()MANIAC: VOL. I (Belgien/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2013, Regie: Lars von Trier)

So wirklich viele Filme des dänischen Regie-Enfant-Terrible Lars von Trier hab ich bis jetzt noch nicht gesehen. Mit dem gefeierten IDIOTERNE konnte ich gar nichts anfangen, den streitbaren ANTICHRIST fand ich beim ersten Ansehen einfach nur schrecklich und erst im zweiten Anlauf toll. Nun also die Schocktherapie und ein Versuch mit NYMPH()MANIAC, dem in zwei Hälften aufgeteilten Opus magnum des umstrittenen Regisseurs, in dem eine Nymphomanin einem Intellektuellen in einer kalten Winternacht ihre Lebensgeschichte - aufgeteilt in mehrere Kapitel - erzählt und der für seine extrem explizite Darstellung von Sexualität nicht wenige Schlagzeilen verursachte. Und dafür, dass das hier vielleicht tatsächlich der mit Abstand gewagteste Film von von Trier sein dürfte, ist er - zumindest was NYMPH()MANIAC: VOL. I anbelangt - überraschend eingängig geraten. NYMPH()MANIAC: VOL. I ist witzig, dramatisch, berührend und schockierend, trifft den Zuschauer mitten ins Herz und macht regelrecht süchtig nach mehr. Selten ging eine stattliche Laufzeit von gut 150 Minuten so schnell vorüber wie bei diesem Film. Die Leistungen der Schauspieler - allen voran die von Stacy Martin, Christian Slater und Charlotte Gainsbourg - sind nicht viel weniger als großartig und es ist praktisch unmöglich, als Zuschauer von dieser Geschichte nicht in irgendeiner Art und Weise berührt zu werden.

Persönliche Wertung: Großartig!


CHRISTINE (USA 1983, Regie: John Carpenter)

Eine der unzähligen Verfilmungen eines Romans von Stephen King. Aus einer Zeit, in der diese Verfilmungen noch fürs Kino gemacht und nicht als kostengünstige TV-Fließbandware auf den Zuschauer losgelassen wurden. Für CHRISTINE zeichnete John Carpenter verantwortlich, der sich zur Entstehungszeit des Films praktisch auf dem Höhepunkt seiner Regiekarriere befand. An Kings Roman kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern, ob Carpenters Umsetzung also in irgendeiner Art und Weise werkgetreu geraten ist, mag ich nicht zu beurteilen (auch aufgrund der Tatsache, dass ich CHRISTINE tatsächlich erst jetzt zum ersten Mal gesehen habe). Was ich jedoch beurteilen kann ist, dass diese Coming-of-Age-Geschichte, in der sich ein absoluter Außenseiter mehr und mehr zum Psychopathen entwickelt und dabei von einem Auto unterstützt wird, das ein gefährliches Eigenleben besitzt, die innerhalb dieser Zeit von 1976-1988, in der Carpenter einen großartigen Film nach dem anderen rausgehauen hat, entstanden ist, wohl eher - obwohl CHRISTINE sicher nicht mittelmäßig oder gar schlecht geraten ist - zu den nicht ganz so herausragenden und “nur“ guten Filmen des Regisseurs gehört. CHRISTINE war mir ein bisschen zu zahm und zu brav geraten, er wirkte zeitweise etwas antiquiert und dieser Funke, der einfach dazu gehört, um bei einem Film entsprechend mitfiebern zu können, wollte einfach nie so richtig überspringen. Aber gefallen hat er mir trotzdem.

Persönliche Wertung: Gut!


IL POLIZIOTTO È MARCIO (Frankreich/Italien 1974, Regie: Fernando Di Leo)

Korruption, ein dem organisierten Verbrechen machtlos gegenüberstehender Polizeiapparat, Polizisten, die das Gesetz in die eigenen Händen nehmen, Ohnmachtsgefühle, Rachegedanken - alles Wahrzeichen des “Poliziottesco“, des italienischen Polizeifilms der 70er Jahre. Normalerweise erzählen diese Filme die Geschichte eines desillusionierten Einzelgängers, der auf eigene Faust den Kampf gegen die sprichwörtlichen Windmühlen aufnimmt. Regisseur Fernando Di Leo liefert in IL POLIZIOTTO È MARCIO einen anderen Ansatz. Im Zentrum des Films steht der von Luc Meranda gespielte Polizist Domenico, der sich vom organisierten Verbrechen bestechen lässt und kleine Gefälligkeiten für die Gangster erledigt. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem sein dem Staat und Gesetz loyaler Vater - ebenfalls Polizist - herausfindet, dass sein Sohn korrupt ist und schließlich das passiert, was man im englischen so schön mit “the shit hits the fan“ bezeichnet. Aus dem Copdrama entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit eine Geschichte um Rache und Vergeltung, die in einem heftigen Finale und einer mahnenden Texttafel endet, dass Verbrechen nun mal doch nicht auszeichnet. Mir hat IL POLIZIOTTO È MARCIO ganz vorzüglich gefallen. Di Leos Film ist spannend, abwechslungsreich, bietet zwei tolle Autoverfolgungsjagdsequenzen und überzeugende Schauspielerleistungen.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


POINT BLANK (USA 1998, Regie: Matt Earl Beesley)

Wow, was für eine Granate. Regisseur Matt Earl Beesley - der nach POINT BLANK, was nicht wenig verwundert, auf keine Filmcrew mehr losgelassen wurde und nur noch einzelne TV-Episoden inszenieren durfte - transportiert mit diesem mehr als fragwürdigen Stück Zelluloid menschenverachtende 80er-Jahre-Action-Gülle mitten hinein ins Jahr 1998.
Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung, was ich da gerade gesehen habe. War das wirklich ernst gemeint oder war das vielleicht doch alles nur Satire?
Der Plot dreht sich um eine Gruppe von Todeskandidaten, die aus einem Gefangenentransport befreit werden und sich schließlich in einem Einkaufszentrum verschanzt, von dessen Dach sie ein Hubschrauber in die endgültige Freiheit fliegen soll. Mickey Rourke ist der Bruder eines Flüchtlings, ahnt, dass die ganze Sache nicht gut ausgehen wird, wirft alle seine Söldnererfahrung in den Ring und versucht, die Geiseln im Einkaufszentrum im Alleingang zu retten, alle Verbrecher auszuschalten und seinen Bruder rauszuhauen. So etwas wie DIE HARD in der Shopping Mall also.
POINT BLANK ist unfassbar brutal und Regisseur Matt Earl Beesley greift hier wirklich ganz tief in die Actiontrickkiste. Kopfschüsse kommen immer gut. Helle Kleidung eignet sich hervorragend für blutige Einschüsse. Zeitlupensequenzen müssen einfach sein und ein triefender Score sowie mit voller Inbrunst vorgetragene, extrem dümmliche Dialoge, dürfen auch nicht fehlen. In einem Einkaufszentrum als Handlungsort kann man außerdem richtig schön viel kaputt schießen, man kann bspw. Parfüm in Brand setzen und damit fiese Gangster abfackeln. Und man kann einen Shoot-Out in der Heimwerkerabteilung inszenieren, zwischen die beiden Duellanten Farbeimer platzieren und diese so mit Farbe bespritzen, auf dass sie danach ihre mit Farbe verzierten, verschwitzten und muskelbepackten Oberkörper in Sägemehl wälzen können. Wenn mal jemand Lust hat, über Homoerotik im Actionfilm eine Doktorarbeit zu schreiben, muss er diesen Film hier unbedingt berücksichtigen.
Es liegt mir wirklich fern, mich über Filme lustig zu machen, aber POINT BLANK versagt wirklich an allen Ecken und Enden und ist über seine komplett Laufzeit einfach nur unfreiwillig komisch. Matt Earl Beesley hat hier einen maximal bescheuerten Film gedreht, der ebenso doof wie unterhaltsam geraten ist und dem man beim besten Willen nicht böse sein kann.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


GUARDIANS OF THE GALAXY (Großbritannien/USA 2014, Regie: James Gunn)

Klar, GUARDIANS OF THE GALAXY macht für gut 2 Stunden richtig viel Spaß. Coole Sprüche, tolle Action, gute 3D-Effekte, geiles Produktionsdesign - aber viel mehr bleibt leider auch nicht übrig von diesem Mega-Blockbuster des vergangenen Kinojahres. Vielleicht werde ich langsam auch einfach zu alt für Filme wie diesen hier. Ich fand Gunns Film irgendwann ermüdend, da war nichts, was mich unter der gelackten Oberfläche angesprochen hätte. Mir fehlte da einfach die Substanz (wenn das der richtige Ausdruck dafür ist), irgendetwas, wofür ich mich hätte richtig begeistern können, etwas, das mich mitgerissen hätte. So beobachtete ich gut 2 Stunden die audiovisuellen Schmankerl, die Gunn servierte und hatte so meinen Spaß am seelenlosen Eskapismus, der mir mit GUARDIANS OF THE GALAXY präsentiert wurde. Und ich befürchte, dass ich mich schon in wenigen Tagen an keinerlei Details mehr werde erinnern können.

Persönliche Wertung: (Trotzdem) gut!


CLEOPATRA WONG (Philippinen/Singapur 1978, Regie: Bobby A. Suarez)

Eine weibliche James-Bond-Version aus Asien mischt einen Falschgeldring auf. CLEOPATRA WONG überzeugt jetzt weniger aufgrund einer sonderlich spannenden oder ausgeklügelten Geschichte, sondern viel mehr aufgrund der Tatsache, dass hier über 90 Minuten tatsächlich ständig was geboten ist. Die titelgebende Agentin ist praktisch immer in Bewegung, es herrscht in CLEOPATRA WONG eigentlich nie Ruhe. Location-Hopping (Singapur, Hongkong, die Philippinen), Martial-Arts-Kämpfe, falsche Nonnen mit Gewehren und das ausgesprochen nett anzusehende Stürmen eines Klosters im letzten Drittel samt wilder Shoot Outs gehören zu den vielen Schauwerten, die Suarez liefert und als Freund von wilder Exploitation kommt man mit diesem Film hier voll auf seine Kosten. Ich würde CLEOPATRA WONG nur gerne mal im Original-Widescreen-Format sehen. Die mir vorliegende Vollbildfassung auf der US-DVD zeigt den Film leider nur beschnitten und mit teils extrem abenteuerlichen Bildausschnitten.

Persönliche Wertung: Gut!


NIGHT NURSE (USA 1931, Regie: William A. Wellman)

In NIGHT NURSE geht es um - wer hätte es gedacht - eine Krankenschwester. Und zwar um eine Krankenschwester, die sich um ein kleines Mädchen kümmern soll und einem schrecklichen Komplott auf die Schliche kommt. Wellmans Film ist über 80 Jahre alt und kommt einem doch unglaublich frisch vor. Entstanden in der Pre-Code-Ära von Hollywood, sprich vor den Zeiten der Zensur, darf Regisseur William A. Wellman hier noch jede Menge Elemente unterbringen, die schon kurze Zeit später verpönt und verboten sein sollten. Bspw. anzügliche Dialoge, selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen, einen nicht wegzuleugnenden Anteil an Sex-Appeal, einen Gauner als Sympathiefigur und Selbstjustiz als Lösungsmittel. Hauptdarstellerin Barbara Stanwyck ist großartig und für Clark Gable als Fiesling wurde wohl das Wort “Sleaze“ erfunden.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


NYMPH()MANIAC: VOL. II (Belgien/Dänemark/Deutschland/Frankreich/Großbritannien/Schweden 2013, Regie: Lars von Trier)

NYMPH()MANIAC: VOL. II ist dann doch etwas schwer verdaulichere Kost. Insbesondere der Anteil an komischen Elementen, welche NYMPH()MANIAC: VOL. I noch aufgelockert hatten, wurde hier extrem heruntergeschraubt. Lars von Trier konfrontiert den Zuschauer mit einer unaufhaltsam den Abgrund entgegenschlitternden Frau, schockiert mit drastischen Bildern und zieht den Zuschauer mit dieser Fortsetzung der Geschichte über Abhängigkeit und Kontrollverlust aber gleichermaßen in seinen Bann. Auch von NYMPH()MANIAC: VOL. II geht - auch wenn man es vielleicht nicht wahrhaben möchte - eine gewisse Faszination aus, welche sich für mich persönlich insbesondere aus den intensiven Gesprächen zwischen Joe (Charlotte Gainsbourg) und Seligman (Stellan Skarsgård) erklären lässt, die diese zwischen den von Joe erzählten Episoden aus ihrem Leben führen. Das Ende ist ein Schlag in die Magengrube, Lars von Trier entlässt den Zuschauer mit einem Schwarzbild und einer von Charlotte Gainsbourg eingesungenen Version des Folkhits Hey Joe (die Hendrix-Version dürfte wohl die bekannteste dieses Liedes sein). Gänsehaut und die Erkenntnis, dass wir am Ende des Tages alle nur Sklaven unserer Triebe sind.

Persönliche Wertung: Großartig!


HOTEL CHEVALIER (Frankreich/USA 2007, Regie: Wes Anderson)

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Film auch ohne Peter Sarstedts “Where Do You Go To (My Lovely)” funktionieren würde. Während der 12 Minuten, die HOTEL CHEVALIER - der ursprünglich als eigenständiger Kurzfilm konzipiert war, letztendlich aber als eine Art Prolog zu Andersons THE DARJEELING LIMITED (den ich mir als nächstes endlich mal ansehen möchte) dient - läuft dieser Song zwei mal und er ist hauptverantwortlich für diese absolut faszinierende Stimmung, die Anderson mit HOTEL CHEVALIER erzeugt. Über die beiden Figuren erfährt man praktisch nichts, HOTEL CHEVALIER ist pure Emotion, pure Melancholie und ich hätte mir gewünscht, er wäre nicht so extrem schnell wieder vorbei gewesen.

Persönliche Wertung: Großartig!


THE DARJEELING LIMITED (USA 2007, Regie: Wes Anderson)

3 Brüder (Owen Wilson, Adrien Brody, Jason Schwartzman), die sich eigentlich nicht mehr sonderlich viel zu sagen haben, begeben sich nach dem Tod ihres Vaters auf einen Selbstfindungstrip und reisen im titelgebenden Zug quer durch Indien.
Ich mag Andersons Filme einfach. Diese herrlich schrulligen Charaktere, diese sympathischen, kleinen Geschichten, diese visuelle Schönheit, die alle Filme, die ich bisher von ihm gesehen habe, auszeichnet. Auch in THE DARJEELING LIMITED entführt einen Anderson wieder in eine - sicher sich auch teilweise durch reine Oberflächenreize definierende - Welt, die man als Zuschauer am liebsten gar nicht mehr verlassen will. THE DARJEELING LIMITED ist einfach nur schön und diese Sequenz zu den Klängen von “Play with Fire“ von den Stones ist eine dieser Szenen für die Ewigkeit.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


THE AMBUSHERS (USA 1967, Regie: Henry Levin)

THE AMBUSHERS ist der dritte von insgesamt vier Filmen, in denen ein ständig lallender und größtenteils sturzbetrunkener Dean Martin den Superagenten, Frauenhelden und Vollzeitalkoholiker Matt Helm zum Besten gibt. Die ersten beiden Teile der Reihe hatte ich mir schon vor etwas längerer Zeit mal angesehen und irgendwie hatte ich nun Lust auf den dritten Film. In Levins Agentenkomödie muss Helm - der ständig von leicht bekleideten Frauen (der Babe-Faktor ist in diesem Film, nicht nur wegen einer jungen Senta Berger, wirklich exorbitant hoch) und Alkohol umgeben ist - eine entführte Fliegende Untertasse aus den Klauen eines fiesen Superschurken befreien.
Die ganze Filmreihe ist natürlich als Spoof auf die Bondfilme angelegt, die Gimmicks, mit denen Helm und seine Partnerin ausgestattet werden, sind so doof wie effektiv (u.a. können die beiden auf Knopfdruck Metallteile zum Schmelzen bringen, was den großen Vorteil hat, dass bei einer kurzen Verfolgungsjagd zu Fuß die Verfolger plötzlich über ihre herunterfallenden Hosen stolpern - solche herrlich bescheuerten Einfälle gibt es noch mehr) und sowohl Schurken als auch Helden sind hoffnungslos bis ins Groteske überzeichnet. Ja, es ist schon ziemlich spaßig, diesen ganzen Albernheiten knapp 100 Minuten lang zuzusehen. Länger hätte THE AMBUSHERS aber auch nicht dauern dürfen, zum Ende hin machen sich doch gewisse Abnutzungserscheinungen bemerkbar.

Persönliche Wertung: Nett!


DAS GEHEIMNIS DER CHINESISCHEN NELKE (Deutschland/Frankreich/Italien 1964, Regie: Rudolf Zehetgruber)

Der vierte und letzte Film nach einem der Groschenromane des Kriminalautors Louis Weinert-Wilton. Auch hier natürlich wieder der Versuch, an den großen Erfolg der Wallace-Verfilmungen anzuknüpfen. Außer dem Mitwirken von Klaus Kinski, dem Titel und dem einen oder anderen Setting erinnert hier allerdings nicht viel an die Wallace-Reihe. Die Geschichte um einen Mikrofilm, den verschiedene Parteien aus verschiedenen Gründen in ihren Besitz bringen wollen, erinnert eher an einen Agentenfilm und wenig bis gar nicht an einen typischen Gruselkrimi. So wirklich spannend wird Zehetgrubers Film eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Es ist eher das ständige Hin und Her und die ständige Suche nach dem Mikrofilm und demjenigen, der ihn gerade in seinem Besitz haben könnte, was DAS GEHEIMNIS DER CHINESISCHEN NELKE seinen Reiz und einen gewissen Unterhaltungswert verleiht. Ruhig geht es in diesem Film eigentlich so gut wie nie zu. Hat man diesen Film gesehen und schaut man sich danach die Filmographie des Regisseurs an, verwundert es nicht, dass Zehetgruber in den 70er Jahren alle 5 Filme rund um den Wunderkäfer Dudu inszenieren sollte.

Persönliche Wertung: Ok!


SIMON & GARFUNKEL: OLD FRIENDS - LIVE ON STAGE (USA 2004, Regie: Ken Ehrlich/Kate Twitchell)

SIMON & GARFUNKEL: OLD FRIENDS - LIVE ON STAGE ist ein Zusammenschnitt von insgesamt 5 Konzerten, die Paul Simon und Art Garfunkel im Dezember 2003 während ihrer Reunion-Tour im Madison Square Garden in New York City und in der Continental Airlines Arena in New Jersey gegeben haben. Schon während der Eröffnungsmontage, die 50 Jahre Weltgeschichte zu den Klängen einer Instrumentalversion ihres Hits “America“ zeigt, bekommt man die erste Gänsehaut. Ein Gefühl, das im Laufe der nächsten 2 Stunden zum Dauerzustand werden wird. Paul Simon und Art Garfunkel stehen mit ihren Mitmusikern auf der Bühne, verzaubern das Publikum mit einem Welthit nach dem anderen, machen Scherze und feiern ihr Leben, ihre Musik, ihre Karriere und ihre zum damaligen Zeitpunkt bereits 50 Jahre andauernde Freundschaft. Es dürfte unmöglich sein, als Fan von Musik, von dieser Darbietung nicht ergriffen zu sein. Wenn Paul Simon immer wieder Tränen der Rührung in den Augen stehen, wenn die Kamera ins Publikum schweift, einzelne Gesichter einfängt und die unendliche Begeisterung in diesen Gesichtern abzulesen ist, dann ist es auch vollkommen egal, dass die beiden alten Freunde - altersbedingt - nicht mehr jeden Ton perfekt treffen. Was bleibt, ist ihre Musik. Und die ist zeitlos und wird - da bin ich mir ganz sicher, auch wenn ich es selbst natürlich nicht mehr erleben werde - noch viele, viele Generationen überdauern.

Persönliche Wertung: Großartig!


THE ONE ARMED EXECUTIONER (Philippinen 1983, Regie: Bobby A. Suarez)

Weil er einem Drogenkartell zu nahe kam, verliert Interpol-Agent Ramon Ortega (Franco Guerrero) nicht nur einen Arm, sondern muss auch noch mit ansehen, wie seine Frau vor seinen Augen ermordet wird. Getrieben von Wut, Trauer und Verzweiflung startet Ortega einen Rachefeldzug…
Rachefilm aus den frühen 80er Jahren, der sich in drei Teile aufsplittet. In der ersten halben Stunde gibt es die Exposition, danach trainiert der Einarmige für gut 30 Minuten der Laufzeit für seinen finalen Racheakt, der schließlich das letzte Drittel des knapp 90-minütigen Films ausmacht. THE ONE ARMED EXECUTIONER bietet ehrliche, geradlinige Exploitation ohne jegliche Schnörkel oder irgendwelche Überraschungen bezüglich des Plotverlaufs und erfüllt im Rahmen seiner Möglichkeiten praktisch alle Erwartungen, die man an einen Film dieser Art haben kann.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


THE WRECKING CREW (USA 1968, Regie: Phil Karlson)

Das vierte und letzte Abenteuer rund um Möchtegern-Bond Matt Helm ist nicht ganz so extrem albern ausgefallen als der unmittelbare Vorgänger und hat mir aus diesem Grund einen Tick besser gefallen als THE AMBUSHERS. Regisseur Phil Karlson erzählt eine extrem einfach gestrickte Geschichte. Matt Helm - der erneut von einem praktisch in jeder Szene betrunkenen Dean Martin gespielt wird - soll gestohlene Goldbarren ausfindig machen, bevor deren Verschwinden in der Öffentlichkeit bekannt wird und dadurch die Weltwirtschaft an den Rande des Kollapses getrieben werden kann. Natürlich ist von Anfang an klar, dass Helm am Ende den Tag retten wird. Auch in THE WRECKING CREW ist lediglich der Weg zur Rettung des Tages das Ziel und der ist hier einmal mehr ausgesprochen unterhaltsam geraten und verdammt nett anzusehen. Das für die Helm-Filme obligatorische Babe-Squad wird hier von Elke Sommer, Sharon Tate und Nancy Kwan angeführt, die unnachahmliche Leichtigkeit der Swinging Sixties ist allgegenwärtig, Kostüme und Settings sind erneut kunterbunt und extrem einfallsreich ausgefallen und was dem Film an Spannung fehlt, macht der besoffene Dean Martin mit seiner Coolness locker wett. Toll auch wieder die vielen Gimmicks, die Helm zur Verfügung stehen. In einer Jagd/Flucht-Situation ist es natürlich von großem Vorteil, dass man - wenn man mit dem Auto beispielsweise plötzlich vor einem Fluss steht und eine Brücke nicht vorhanden ist - aus dem Kofferraum kurzerhand einen Bausatz für einen Mini-Helikopter (!!!) zaubern und sich mit diesem weiter fortbewegen kann. Ach ja, wer ganz genau hinsieht, wird in der Szene im “House of 7 Joys“ einen jungen Chuck Norris in seinem allerersten Leinwandauftritt entdecken.
Im Abspann des Films wurde etwas voreilig ein fünftes Matt-Helm-Abenteuer mit dem Titel “The Ravagers“ angekündigt. Dieser Film wurde jedoch nie gedreht. Die Zeit von Helm war vorbei, James Bond benötigte keine Karikatur mehr, war er mittlerweile doch schon selbst zur eigenen Karikatur verkommen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


PATRICK (Australien 1978, Regie: Richard Franklin)

Telekinese - Mitte der 70er bis Mitte der 80er Jahre ein beliebtes Thema im Bereich des phantastischen Films. Brian De Palmas CARRIE und THE FURY, Jack Golds THE MEDUSA TOUCH, Mark L. Lesters FIRESTARTER, David Cronenbergs SCANNERS und dann noch dieser australische Film hier von Richard Franklin. PATRICK erzählt die Geschichte eines Komapatienten, der - nachdem er eine neue Krankenschwester bekommen hat - erstaunliche Fähigkeiten an den Tag legt. PATRICK startet dabei ziemlich gemächlich und es dauert seine Zeit, bis man als Zuschauer drin ist in der Handlung und tatsächlich auch mit dem Geschehen mitfiebern kann. Dann entwickelt sich Franklins Film aber immer mehr zum echten “Nailbiter“ und die zuvor aufgebrachte Geduld wird mit einem tollen Finale belohnt.

Persönliche Wertung: Gut!


LA RAGAZZA DEL VAGONE LETTO (Italien 1979, Regie: Ferdinando Baldi)

In LA RAGAZZA DEL VAGONE LETTO werden die Passagiere eines Nachtzugs - größtenteils ausgesprochen dysfunktionale Gestalten - von drei dekadenten Schnöseln terrorisiert. Die relativ übersichtliche Laufzeit von gut 80 Minuten spielt Baldis Beitrag zum Terrorfilm definitiv in die Hand. Denn länger hätte LA RAGAZZA DEL VAGONE LETTO definitiv nicht dauern dürfen. Baldi hat zwar versucht, jede Menge fiese und teilweise auch extrem schmierige Ideen unterzubringen, aber vielleicht hätte er sich etwas mehr auf seine drei Bösewichte und weniger auf das Zeigen entblößter Damenbrüste konzentrieren sollen. Die Fieslinge sind nämlich das Maß aller Dinge eines jeden Terrorfilms und die sind hier doch ziemlich enttäuschend ausgefallen. In diesem Bereich muss sich Baldis Film einfach mit Klassikern wie Lados L'ULTIMO TRENO DELLA NOTTE, Deodatos LA CASA SPERDUTA NEL PARCO und natürlich Cravens THE LAST HOUSE ON THE LEFT messen lassen und aus diesem Vergleich geht er eindeutig als Verlierer hervor.

Persönliche Wertung: Ok!

Fortsetzung folgt im nächsten Beitrag...


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VINCENT WILL MEER


VINCENT WILL MEER VINCENT WILL MEER (Blu-ray: Constantin, Deutschland)
(OT: Vincent will Meer | Deutschland 2010 | Regie: Ralf Huettner)


Infos zum Film:
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Regisseur Ralf Huettner schickt in VINCENT WILL MEER ein ungleiches Trio auf einen außergewöhnlichen Road Trip. Der am Tourette-Syndrom leidende Vincent (Florian David Fitz), die magersüchtige Marie (Karoline Herfurth) und der zwangsneurotische Alexander (Johannes Allmayer) hauen gemeinsam aus ihrer Klinik ab und versuchen mit dem Wagen ihrer behandelnden Ärztin (Katharina Müller-Elmau) nach Italien ans Meer zu kommen. Gemeinsam mit Vincents Vater (Heino Ferch) heftet sich die Ärztin an die Fersen des flüchtigen Trios.
VINCENT WILL MEER ist Kino zum Wohlfühlen (auch wenn die überwiegend positive Stimmung des Films im Finale durch eine - in meinen Augen relativ unnötige - allzu dramatische Storyentwicklung ein bisschen getrübt wird) und erzählt die Geschichte von drei Außenseitern, die es trotz ihrer persönlichen Probleme irgendwie schaffen müssen, miteinander auszukommen. Ralf Huettner inszeniert seinen Film über den Großteil der Laufzeit wirklich federleicht, findet immer das richtige Maß zwischen urkomischen Momenten und ernsteren Zwischentönen und erschafft so eine ganz wunderbare Mischung aus Drama, Komödie und Road Movie. Die größte Stärke des Films ist dabei die glaubwürdige und feinfühlige Zeichnung der drei Hauptcharaktere. Huettner nimmt seine Figuren ernst und lässt sein Publikum immer gemeinsam mit seinen drei Protagonisten lachen und nie über diese. Sehr schöner Film, der zudem noch mit einem tollen Soundtrack und teils wunderschön fotografierten Bildern von Kameramann Andreas Berger - allein die Sequenz mit dem Gipfelkreuz kann man ohne Übertreibung in die Kategorie "Filmszenen für die Ewigkeit" einordnen - überzeugen kann.

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Ralf Huettner Karoline Herfurth 2010er


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CHUNGKING EXPRESS


CHUNGKING EXPRESS CHUNGKING EXPRESS (DVD: Kinowelt/Arthaus, Deutschland)
(OT: Chung Hing sam lam | Hongkong 1994 | Regie: Wong Kar-Wai)


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Zwei Geschichten über zwei Polizisten, die jeweils von ihrer Partnerin verlassen wurden und nun ihren Liebeskummer verarbeiten müssen.
Konnte mich die erste, kürzere Episode noch nicht so wirklich fesseln, hat mich Episode Nr. 2 - der glücklicherweise der Großteil der Laufzeit eingeräumt wird - regelrecht weggeblasen. Ich habe selten einen Film erlebt, der dem Zuschauer eine so perfekte Mischung aus purer Melancholie und herzerfrischender Lebensfreude präsentiert wie in diesen letzten 70 Minuten von CHUNG HING SAM LAM. Regisseur Wong Kar-Wai ist dank Handkameraeinsatz hautnah an seinen Protagonisten dran, nimmt den Zuschauer durch Verwendung schneller Schnitte und dem Einsatz betörend schöner Farbpaletten regelrecht in Gefangenschaft und katapultiert ihn mitten hinein in das pulsierende Hongkong und in die Wohnung von Cop 663, die von der einfach nur zauberhaften Faye immer wieder in kleinen Nuancen verändert wird und die dem todtraurigen Polizisten so wieder einen Hauch an Hoffnung und Lebensfreude zurückgibt. Tony Leung Chiu-Wai als Polizist und Faye Wong als Faye spielen ihre Rollen einfach nur grandios und man möchte gar nicht mehr raus aus ihrer kleinen Welt inmitten der hektischen Großstadt. CHUNG HING SAM LAM ist richtig, richtig toll. Kino zum Wohlfühlen, das sich für immer im Gedächtnis einbrennen wird. Allein schon wegen der Tatsache, dass ich wohl nie mehr in meinem Leben "California Dreamin'" von The Mamas and the Papas hören kann, ohne vor meinem geistigen Auge die bezaubernde Faye Wong durch den Imbiss tanzen zu sehen.

TRAILER:


Wong Kar-Wai Tony Leung Chiu-Wai 1990er Hongkong


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CRAZY, STUPID, LOVE.


CRAZY, STUPID, LOVE. CRAZY, STUPID, LOVE. (Blu-ray: Warner, Deutschland)
(OT: Crazy, Stupid, Love. | USA 2011 | Regie: Glenn Ficarra/John Requa)

Infos zum Film:
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Als Cal Weaver (Steve Carell) nach vielen Ehejahren von seiner Frau Emily (Julianne Moore) mit der Tatsache konfrontiert wird, dass sie ihn betrogen hat und sich von ihm scheiden lassen will, bricht für den gehörnten Ehemann eine Welt zusammen. Um sich seine Männlichkeit zu beweisen, beschließt Cal letztendlich, ein neues Leben zu beginnen und startet klägliche Versuche, in Bars Frauen anzusprechen. Dabei lernt er eines Tages den Frauenhelden Jacob Palmer (Ryan Gosling) kennen und der fast den Entschluss, Cal unter seine Fittiche zu nehmen und aus ihm einen neuen und insbesondere bei Frauen erfolgreichen Menschen zu machen…

Je älter ich werde, desto mehr liebe ich Filme wie Crazy, Stupid, Love., romantische Komödien - die ja bei vielen gerne als Hassobjekt Nr. 1 dienen -, die es verstehen, den Zuschauer auf ungemein erfrischende und charmante Art und Weise zwei schöne Stunden zu bescheren. Und Crazy, Stupid, Love. von den beiden Regisseuren Glenn Ficarra und John Requa kann man getrost als absolutes Highlight innerhalb des Genres betrachten. Natürlich gibt es auch hier wieder das obligatorische Happy Ending am Schluss und in dieser Hinsicht bietet Crazy, Stupid, Love. - wie fast alle seiner Genrekollegen - keinerlei Überraschungen. Aber darum geht es in meinen Augen auch gar nicht. Viel wichtiger bei solchen Filmen ist für mich persönlich der Weg, der zum Happy End führt und der ist hier verdammt abwechslungsreich geraten, mit einigen netten Wendungen ausgestattet und zu keiner Zeit in irgendeiner Weise langweilig. Crazy, Stupid, Love. bietet eine Vielzahl interessanter und insbesondere auch glaubwürdiger Charaktere, intelligenten Humor und einige unvergessliche Szenen. Allein diese einfach nur saukomische Sequenz im Garten im letzten Drittel des Films ist einer dieser Momente für die Ewigkeit. Besetzt ist der Streifen mit Schauspielern wie Steve Carell, Ryan Gosling, Emma Stone ( :love: ), Julianne Moore, Kevin Bacon und Marisa Tomei einfach nur großartig und der Soundtrack des Films ist wirklich allererste Sahne und hat einen großen Anteil daran, dass man Crazy, Stupid, Love. einfach nur als rundum gelungen bezeichnen kann. Klasse!

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Glenn Ficarra John Requa Steve Carell Julianne Moore Ryan Gosling Emma Stone Kevin Bacon 2010er Los Angeles


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BARNEY'S VERSION


BARNEY'S VERSION :love: BARNEY'S VERSION :love: (Blu-ray: Universal, Deutschland)
(OT: Barney's Version | Italien/Kanada 2010 | Regie: Richard J. Lewis)

Infos zum Film:
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Von einer tückischen Krankheit gezeichnet, lässt TV-Produzent und Lebemann Barney Panofsky (Paul Giamatti) die letzten fast 40 Jahre seines Lebens noch einmal Revue passieren und erinnert sich dabei insbesondere schmerzlich an die Beziehung und Ehe mit seiner großen Liebe Miriam (Rosamund Pike) zurück, die aufgrund seines eigenen Verschuldens scheiterte…

Mit Barney's Version erzählt Regisseur Richard J. Lewis die Geschichte eines relativ einfach gestrickten Zeitgenossen und nimmt den Zuschauer mit auf eine über 2 Stunden lange Reise, in der dieser den Titelcharakter Barney Panofsky über eine Zeitspanne von fast 40 Jahren begleiten kann. Barney's Version berührt, unterhält, amüsiert, ist dramatisch, manchmal fast tragisch, kurzweilig, komisch, spannend und einfach nur wunderschön anzusehen. Großes Kino der leisen Töne. Ein Film für Herz und Verstand, mit durch die Bank tollen Schauspielern, einem großartigen Soundtrack und einer Make-Up-Abteilung, die wirklich verdammt gute Arbeit geleistet hat. Insbesondere die Masken von Paul Giamatti und Rosamund Pike fangen deren Alterungsprozesse im Film mit feinsten Nuancen einfach nur perfekt ein. Barney's Version ist einer dieser Filme, die mich persönlich mitten ins Herz treffen, aus denen man in meinen Augen unglaublich viel mitnehmen kann und die einen mit ihrer Geschichte, in der so viel Wahrheit und Weisheit steckt, noch lange über den Abspann hinaus beschäftigen. Wenn dieser nach gut 130 Minuten beginnt, bleibt vor allem eine Frage offen: Warum zur Hölle wurde Hauptdarsteller Paul Giamatti in der Rolle des Barney Panofsky für seine Leistung eigentlich nicht mit dem Oscar belohnt?

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Richard J. Lewis Dustin Hoffman David Cronenberg Ted Kotcheff 2010er Oscar Nominee 70er Jahre 80er Jahre 90er Jahre


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FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN


FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN (Blu-ray: Sony, Deutschland)
(OT: Friends with Benefits | USA 2011 | Regie: Will Gluck)

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Der aus Kalifornien stammende Dylan Harper (Justin Timberlake) schaut sich auf Initiative der Headhunterin Jamie Rellis (Mila Kunis) einen ausgesprochen attraktiven Job in New York etwas näher an. Als Dylan das Jobangebot letztlich annimmt und sich in New York niederlässt, entwickelt sich zwischen ihm und Jamie relativ schnell eine sexuelle Beziehung auf rein freundschaftlicher Basis und ohne weitere Verpflichtungen eingehen zu müssen. Darüber sind sich beide absolut einig, zumindest zunächst...

Vor dem Hintergrund, dass Regisseur Will Gluck ein Jahr zuvor den grandiosen Einfach zu haben gemacht hat, ist Freunde mit gewissen Vorzügen ziemlich "gewöhnlich" ausgefallen. Vom hintergründigen Witz eines Einfach zu haben ist hier leider nicht sonderlich viel übrig geblieben. Allzu tragisch ist das jedoch nicht, denn auch Freunde mit gewissen Vorzügen hat seine Stärken. Die liegen zwar sicher nicht in einer überraschenden Story mit einem unvorhersehbaren Ende - schließlich handelt es sich hier um eine waschechte RomCom und da sollte man schon während der Credits wissen, wie die Geschichte verlaufen und auch letztendlich enden wird -, dafür aber definitiv im Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, die wirklich ganz wunderbar miteinander harmonieren. Mila Kunis ist einfach unglaublich süß und warum Justin Timberlake vielerorts zu extrem negativ gesehen wird, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich mochte ihn in Alpha Dog, ich mochte ihn in The Social Network, ich mochte ihn in In Time und ich mochte ihn auch in diesem Film. Es macht einfach Spaß, die von Mila Kunis und Justin Timberlake gespielten Charaktere in ihrem Beziehungschaos zu begleiten. Bei Filmen wie diesem hier ist im Endeffekt der Weg das Ziel und dieser Weg ist hier ausgesprochen witzig und verdammt sexy ausgefallen, kurzweilig inszeniert und sogar mit dem einen oder anderen erinnerungswürdigen Moment ausgestattet. Toll die Flash-Mob-Sequenzen, ganz vorzüglich die Musikauswahl des Soundtracks und Fernweh verursachend der Handlungsort New York. Kino zum Wohlfühlen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Und im Vergleich mit dem thematisch sehr ähnlichem und auch ziemlich unterhaltsamen Freundschaft Plus von Regisseur Ivan Reitman, in dem sich Natalie Portman und Ashton Kutcher auf das Experiment “Sex ohne Verpflichtungen“ eingelassen haben, hat Freunde mit gewissen Vorzügen eindeutig die Nase vorn.

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Will Gluck Justin Timberlake Mila Kunis Emma Stone Woody Harrelson Jason Segel 2010er New York Los Angeles


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KINDSKÖPFE


KINDSKÖPFE KINDSKÖPFE (Blu-ray: Sony, Deutschland)
(OT: Grown Ups | USA 2010 | Regie: Dennis Dugan)

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Anlässlich der Beerdigung ihres früheren Basketball-Coachs Bobby Ferdinando (Blake Clarke) treffen sich die fünf Freunde Lenny (Adam Sandler), Eric (Kevin James), Kurt (Chris Rock), Marcus (David Spade) und Rob (Rob Schneider) nach langen Jahren wieder. An einem im Anschluss an die Beerdigung von Lenny organisierten Wochenende in einem alten Seehaus, in dem sie früher oft ihre Freizeit verbrachten, wollen die Freunde gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Doch das Wochenende verläuft - auch aufgrund der Mitanwesenheit der Partnerinnen (u.a. Maria Bello, Salma Hayek) und Kinder - bei weitem nicht so unbeschwert wie Lenny sich das vorgestellt hatte...

So langsam aber sicher scheine ich doch eine kleine Vorliebe für Filme mit Adam Sandler zu entwickeln. Für unbekümmerte, unbeschwerte Unterhaltung eignen sich Streifen wie Kindsköpfe einfach ganz vorzüglich. Es macht mir immer wieder großen Spaß, Sandler und seinen Co-Stars (hier u.a. Kevin James, Chris Rock, Salma Hayek, Maria Bello und Steve Buscemi) bei der Arbeit zuzusehen. Eine familienfreundliche und komplett harmlose Story, ein paar gelungene Gags, ein leichter Anflug von Gross-Out-Humor und eine positive Botschaft am Ende - fertig ist die heile Welt des Sandler-Universums und fertig ist für mich als Zuschauer die perfekte Flucht aus der Realität in die unkomplizierte Traumwelt des Films. Wer mit Filmen dieser Art, die natürlich hervorragend dazu geeignet sind, sie in ihre sämtlichen Bestandteile zu zerlegen und komplett zu verreißen, prinzipiell seine Probleme hat, sollte sich auch von Kindsköpfe möglichst weit fern halten. Regisseur Dennis Dugan liefert hier nämlich erneut exakt die Art von Unterhaltung, die man von ihm erwarten kann bzw. befürchten muss bzw. sich von ihm erhofft. ;)

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Dennis Dugan Adam Sandler Kevin James Chris Rock Maria Bello Salma Hayek Steve Buscemi 2010er


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SOUL KITCHEN


SOUL KITCHEN SOUL KITCHEN (Blu-ray: Pandora Film, Deutschland)
(OT: Soul Kitchen | Deutschland 2009 | Regie: Fatih Akin)

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Kneipenbesitzer Zinos (Adam Bousdoukos) hat wahrlich schon bessere Tage gesehen. Erst zieht seine Freundin Nadine (Pheline Roggan) aus beruflichen Gründen nach Shanghai und dann zieht er sich einen Bandscheibenvorfall zu und ist nicht mehr in der Lage seinen Pflichten in der Kneipe nachzukommen. Als er vor lauter Verzweiflung den exzentrischen Koch Shayn (Birol Ünel) anheuert, vergrault dieser mit seinen ausgefallenen Kreationen auch noch die wenigen auf Fast Food geeichten Stammgäste des “Soul Kitchen“. Und als das alles noch nicht genug wäre, steht plötzlich noch Zinos’ krimineller Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) und bittet ihn um einen Job…

Ein weiterer ausgesprochen sehenswerter Film von Regisseur Fatih Akin, der ja schon mit Streifen wie Im Juli. und Solino eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass er für Geschichten mit hohem Wohlfühlfaktor wie gemacht zu sein scheint. Auch Soul Kitchen erzeugt diese wunderbare Wohlfühlatmosphäre, ist mit einer Vielzahl an sympathischen, schrulligen und authentisch wirkenden Figuren bevölkert und überzeugt darüber hinaus mit ganz viel Lokalkolorit und einer netten, kleinen Geschichte, die man wohl einfach gerne haben muss. Insbesondere die hervorragend aufgelegten Schauspieler tragen extrem viel zum Gelingen des Films bei. Egal ob Adam Bousdoukos als überforderter Kneipenbesitzer, ob Moritz Bleibtreu als dessen großmäuliger Bruder, ob Wotan Wilke Möhring als schmieriger und undurchsichtiger Karrierist, ob Birol Ünel als fast schon psychopathischer Koch oder die weiteren Schauspieler wie Anne Bederke ( :love: ), Pheline Roggan oder Lucas Gregorowicz - sie alle verleihen ihren Figuren dieses gewisse Etwas und sorgen dafür, dass einem als Zuschauer keiner der handelnden Charaktere am Allerwertesten vorbeigeht. Natürlich wirkt das Ende des Films etwas arg konstruiert und stellt die einzige echte Schwachstelle des Streifens dar. Aufgrund des hohen Spaßfaktors, den Soul Kitchen praktisch über die komplette Laufzeit verbreitet, kann man über diese kleinere Schwäche aber locker hinwegsehen.
Meine Frau und ich haben uns den Streifen vor knapp 2 Wochen zur Einstimmung auf einen kurzen Urlaubstrip nach Hamburg angesehen, den wir kurz danach angetreten sind, und insbesondere dafür hat sich Soul Kitchen ganz vorzüglich geeignet.

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Fatih Akin Moritz Bleibtreu 2000er female nudity Hamburg


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FRIENDSHIP!


FRIENDSHIP! FRIENDSHIP! (Blu-ray: Sony, Deutschland)
(OT: Friendship! | Deutschland/USA 2010 | Regie: Markus Goller)

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Jedes Jahr bekommt der in der DDR lebende Veit (Friedrich Mücke) zu seinem Geburtstag eine Karte seines Vaters aus San Francisco und träumt schon immer davon, seinen Erzeuger endlich kennenzulernen. Als Veit nach dem Mauerfall die Welt praktisch offen steht, überredet er seinen besten Freund Tom (Matthias Schweighöfer) zu einem gemeinsamen Trip in die USA. Logischerweise ist San Francisco das Ziel, wobei Tom keine Ahnung über die wahren Gründe dieses Reiseziels hat. Da die Finanzen der beiden Freunde allerdings nur einen Flug nach New York zulassen, müssen Veit und Tom andere Wege finden, um von New York nach San Francisco zu gelangen...

Meine anlässlich der Sichtung von Das unsichtbare Mädchen getätigte Aussage, gute deutsche Filme laufen nur im Fernsehen, muss ich ein bisschen revidieren. Friendship! von Regisseur Markus Goller ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch im Kino sehenswerte Filme aus Deutschland laufen. Grundvoraussetzung dafür scheint einfach zu sein, dass Til Schweiger seine Hände nicht mit im Spiel hat. Friendship! erzählt die Geschichte der beiden Freunde Tom und Veit, die kurz nach dem Mauerfall aus der DDR nach San Francisco reisen wollen. Da das Geld allerdings nur für einen Flug nach New York reicht, muss der Rest der Reise auf andere Art und Weise bewerkstelligt werden. Der Road Trip der beiden Freunde nach San Francisco ist zugleich witzig und dramatisch und Regisseur Markus Goller findet genau die richtige Balance zwischen gelungenen Gags und ruhigen, teilweise fast schon einfühlsamen Momenten. Darüber hinaus ist Friendship! einfach nur wunderschön fotografiert, überzeugt mit einem richtig tollen Soundtrack und mit ausgesprochen gut aufgelegten Darstellern. Die leicht melancholische Grundstimmung verleiht dem Streifen zudem noch eine ganz eigene Note. Friendship! gehört zu dieser Art Film, bei der man sich einfach genüsslich zurücklehnen und die Bilder, die da über den Bildschirm flimmern, schlichtweg genießen kann. Kino zum Wohlfühlen, mit einem Finale, das Gänsehaut verursacht. Absolut empfehlenswert!

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Markus Goller Matthias Schweighöfer 2010er New York San Francisco 80er Jahre 90er Jahre


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ROLLER GIRL


ROLLER GIRL ROLLER GIRL (Blu-ray: Senator/Universum, Deutschland)
(OT: Whip It | USA 2009 | Regie: Drew Barrymore)

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Schon seit frühester Kindheit wird die sich mittlerweile im Teenageralter befindliche Bliss Cavendar (Ellen Page) von ihrer überehrgeizigen Mutter (Marcia Gay Harden) von einem Schönheitswettbewerb zum nächsten geschleift. Eine Welt, die Bliss mehr und mehr fremd wird und mit der sie immer weniger anzufangen weiß. Bliss versucht auszubrechen und landet eher zufällig in der Welt der Frauen-Rollerderbys…

Auch eine diese kleineren Produktionen von Fox Searchlight Pictures - dem Studio, wenn es um richtig gutes Kino abseits des Blockbuster-Mainstreams geht. Roller Girl ist das Baby von Drew Barrymore, die den Film produzierte, Regie führte und auch in einer Nebenrolle zu sehen ist. Der auf einem Roman und Drehbuch der früheren Roller-Derby-Spielerin Shauna Cross basierende Roller Girl lässt sich am besten als Mischung aus Sportfilm und Coming-of-Age-Flick bezeichnen. Im Zentrum des Films steht die 17 Jahre alte Schülerin Bliss Cavendar, die von ihrer ehrgeizigen Mutter von einem Schönheitswettbewerb zum nächsten gezerrt wird, in ihrer Freizeit als Bedienung in einem Fast-Food-Restaurant arbeitet und einfach nur versucht, aus diesem eingefahrenen Trott auszubrechen. Dies gelingt ihr, indem sie in eine ihr völlig fremde Welt eintaucht. Mit Ellen Page in der Hauptrolle der Bliss Cavendar ist Roller Girl natürlich großartig besetzt und Page nutzt diese Rolle einmal mehr um zu beweisen, was für eine großartige Schauspielerin sie doch ist. Es ist einfach eine Freude, dieser Frau bei der "Arbeit" zuzusehen. Und auch die Besetzung der Nebenrollen mit u.a. Regisseurin Drew Barrymore, Juliette Lewis, Zoë Bell, Kristen Wiig, Marcia Gay Harden und Daniel Stern kann sich absolut sehen lassen. Roller Girl überzeugt darüber hinaus mit einer gelungenen Mischung aus ruhigen Momenten und toll choreographierten Roller-Derby-Sequenzen, die nicht übertrieben spektakulär inszeniert sind und dadurch um so realistischer wirken, einer überhaupt ausgesprochen überzeugenden und glaubwürdigen Darstellung der Roller-Derby-Szene und einer Storyentwicklung, die zwar nicht ganz ohne Klischees auskommt, aber doch so viel Eigenständigkeit besitzt, dass man nie den Verdacht hegen muss, das Drehbuch sei ausschließlich aus typischen Versatzstücken des Coming-of-Age- bzw. Sportfilms zusammengeschustert worden. Ach ja, der Soundtrack des Streifens ist ganz große Klasse und die allerletzte Einstellung des Films ist eine dieser Einstellungen für die Ewigkeit.

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Drew Barrymore Ellen Page Juliette Lewis 2000er


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DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE


DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE :love: DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE :love: (DVD: Universal, Deutschland)
(OT: Le fabuleux destin d’Amélie Poulain | Deutschland/Frankreich 2001 | Regie: Jean-Pierre Jeunet)

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Als die etwas schüchterne Amélie Poulain (Audrey Tautou) hinter einer Fliese in ihrer Wohnung ein kleines Kästchen entdeckt, in dem vor vielen Jahren offensichtlich ein kleiner Junge seine größten Schätze aufbewahrt hat, entschließt sie sich dazu, das Kästchen seinem rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben und ändert dadurch dessen Leben auf absolut positive Art und Weise. Von diesem Erlebnis beflügelt, begibt sich Amélie auf eine regelrechte Mission. Heimlich agierend, beeinflusst sie die Leben der Menschen um sie herum und macht diese durch viele kleine “Wunder“ ein bisschen lebenswerter…

Ich hatte mal wieder große Lust auf Kino zum Wohlfühlen. Und da ich Jeunets wunderbares Märchen über die Macht der Fantasie schon viel zu lange nicht mehr gesehen habe, fiel meine Wahl auf Die fabelhafte Welt der Amélie, der in meinen Augen schon fast so etwas wie eine Definition des Begriffs Feel-Good-Movie darstellt. Die fabelhafte Welt der Amélie ist ein echter Glücksgriff von einem Film, eine Liebeserklärung an das Leben und diese vielen, kleinen Dinge, die es lebenswert machen, ein regelrechtes Fest für die Sinne und ein eindrucksvoller Beweis für die Magie des Kinos, mit einer Hauptdarstellerin, wie sie bezaubernder nicht sein könnte. Ein Film, in den man sich einfach nur Hals über Kopf verlieben kann. Wie Amélie Poulain versucht, das Leben ihrer Mitmenschen in positiver Weise zu beeinflussen, etwas farbenfroher zu gestalten, mit vielen kleinen, auf den ersten Blick vielleicht sogar unscheinbaren Gesten, ist einfach nur berührend und ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass es tatsächlich Zuschauer gibt, die - selbst wenn ihnen der Film nicht gefällt - von Die fabelhafte Welt der Amélie gänzlich unberührt bleiben. Es ist mir unerklärlich, dass Die fabelhafte Welt der Amélie bei den Oscars 2002 keine Trophäe bekommen hat. Für mich ist das einer der schönsten und faszinierendsten Streifen aller Zeiten. :love: :love: :love:

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Jean-Pierre Jeunet Audrey Tautou 2000er Oscar Nominee Paris female nudity


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MIDNIGHT IN PARIS


MIDNIGHT IN PARIS :love: MIDNIGHT IN PARIS :love: (Blu-ray: Concorde, Deutschland)
(OT: Midnight in Paris | Spanien/USA 2011 | Regie: Woody Allen)

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Drehbuchautor Gil (Owen Wilson), der momentan an seinem ersten Roman arbeitet, ist mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) und deren Eltern (Kurt Fuller und Mimi Kennedy) nach Paris gereist, da sein Schwiegervater in spe dort geschäftliche Termine zu erledigen hat. Während sich Gil gerne vom Zauber der Stadt inspirieren lassen und gefangen nehmen würde, sind Inez und ihre Eltern eher an einem straff durchorganisierten Sightseeing-Trip interessiert. Als der verträumte Gil eines Nachts allein durch die Seitenstraßen der französischen Metropole spaziert, hält plötzlich neben ihm ein altertümliches Auto und dessen Insassen fordern Gil auf, einfach bei ihnen einzusteigen. Für Gil beginnt eine unglaubliche Reise…

Filme von Woody Allen sind eigentlich auch immer Filme über Städte. Während sich Allen früher vor allem seiner Heimatstadt New York widmete, stehen in vielen seiner Filme der letzten Jahre europäische Metropolen im Mittelpunkt. Nach London und Barcelona ist nun Paris an der Reihe und Midnight in Paris ist sowohl eine Liebeserklärung an die Stadt als auch an die Magie der Kunst. Der Film handelt - wie oben in der Inhaltsangabe schon kurz angerissen - von Drehbuchautor Gil - grandios gespielt von Owen Wilson, den man in einem solchen Film vielleicht nicht unbedingt erwarten würde -, der sich mit seiner Verlobten und deren Eltern auf einer Art Kurzurlaub in Paris befindet und so sehr von der Stadt verzaubert wird, dass er gar nicht mehr zurück nach Kalifornien will. Jeden Tag pünktlich um Mitternacht unternimmt Gil eine Zeitreise zurück ins Paris der 20er Jahre, trifft auf große Künstler wie Hemingway, Picasso, Porter, Fitzgerald, Dali oder Buñuel und lässt sich von diesen inspirieren. Wenn man sich als Zuschauer auf diese Mischung aus Fantasy, Komödie und Love Story einlassen kann, nimmt einen Woody Allen für gut 90 Minuten mit auf eine zauberhafte Reise, die so wohl wirklich nur Allen inszenieren kann. Ich habe mich schon lange nicht mehr mit einem Film so extrem wohl gefühlt wie mit diesem hier. Den Zynismus seiner früheren Filme scheint Allen mittlerweile vollkommen abgelegt zu haben. Es scheint fast so, als ob Allen, der am 1. Dezember des vergangenen Jahres seinen mittlerweile 76. Geburtstag feierte, inzwischen eine gewisse Altersmilde an den Tag legt. Wenn dabei dann Filme wie Midnight in Paris herauskommen, gibt es daran überhaupt nichts auszusetzen. Der Streifen ist ein echter Glücksgriff, einfach nur wunderschön anzusehen und die Definition purer Kinomagie! Großartig!

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Woody Allen Owen Wilson Rachel McAdams Adrien Brody 2010er Oscar Nominee Paris Oscar Winner


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LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN


LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN (DVD: Universal, Deutschland)
(OT: The Holiday | USA 2006 | Regie: Nancy Meyers)


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Amanda Woods (Cameron Diaz), eine in Los Angeles lebende Produzentin von Filmtrailern, hat die Schnauze von ihrem untreuen Freund Ethan (Edward Burns) endgültig voll und setzt diesen kurz vor Weihnachten vor die Türe. Um Ethan zu vergessen möchte Amanda irgendwo in der Einsamkeit ein paar Tage alleine für sich verbringen. Im Internet stolpert sie über ein Haustausch-Programm und das kleine Anwesen der englischen Journalistin Iris (Kate Winslet), die ebenfalls unter Liebeskummer leidet. Die beiden Frauen machen den Deal perfekt und so taucht jede in eine für sie völlig neue Welt ein...

So, noch ein kleiner Abstecher in mein diesjähriges Weihnachtsprogramm. Liebe braucht keine Ferien hab ich am zweiten Weihnachtsfeiertag angeschaut und das heißt, dass ich es langsam aber sicher tatsächlich schaffe, mit dem Filmtagebuch wieder auf den aktuellen Stand zu kommen. Hätte ich ehrlich gesagt vor 6 Wochen noch nicht für möglich gehalten. Liebe braucht keine Ferien von Regisseurin Nancy Meyers ist Wohlfühl-Kino wie es im Buche steht und passt einfach perfekt in diese Jahreszeit. Der zu Weihnachten und rund um den Jahreswechsel spielende Film ist jetzt zwar kein absolutes Highlight wie beispielsweise Tatsächlich... Liebe, der für mich der beste Weihnachtsfilm des letzten Jahrzehnts ist, wenn man sich aber einfach mal gefangen nehmen lässt und über den einen oder anderen Logikfehler hinwegsehen kann, bietet der mit Cameron Diaz, Kate Winslet, Jude Law, Jack Black und Eli Wallach einfach nur hervorragend besetzte Film nicht nur 130 Minuten lang ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung, sondern tut einem beim Zuschauen einfach nur gut. Insbesondere die Sequenzen mit Kate Winslet und Eli Wallach sorgen immer wieder für Gänsehaut und so einige magische Momente. Wer mit romantischen Komödien sowieso nicht so viel anfangen kann, wird sich auch hier grausig abwenden, da bin ich mir sicher. Alle anderen sollten sich Liebe braucht keine Ferien für Weihnachten 2012 definitiv auf die “Watch-List“ schreiben. Es lohnt sich!

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Nancy Meyers Cameron Diaz Kate Winslet Jude Law Jack Black Eli Wallach Shannyn Sossamon Dustin Hoffman 2000er Los Angeles


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MACH’S NOCH EINMAL SAM


MACH’S NOCH EINMAL SAM MACH’S NOCH EINMAL SAM (DVD: Paramount, Deutschland)
(OT: Play It Again, Sam | USA 1972 | Regie: Herbert Ross)


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Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, versinkt der Filmkritiker Allan (Woody Allen) in Selbstmitleid. Sein bester Freund Dick (Tony Roberts) und dessen Frau Linda (Diane Keaton) versuchen daraufhin, Allan aus seiner Lethargie zu befreien und ihn wieder zu verkuppeln. Doch alle Kuppelversuche schlagen fehl und Allan muss plötzlich erkennen, dass sein Herz allein für Linda zu schlagen scheint…

Mach’s noch einmal Sam markiert die erste Zusammenarbeit zwischen Woody Allen und Diane Keaton, damals noch unter der Regie von Herbert Ross, die den Grundstein für viele weitere gemeinsame Filme der beiden Schauspieler legen sollte. Woody Allen spielt in Mach’s noch einmal Sam eigentlich schon genau die Art von Figur, die später in Streifen wie Manhattan oder Der Stadtneurotiker zu seinem Markenzeichen werden sollte und mit der er sich sicher einen Platz im Herzen nicht gerade weniger Filmfans erobert haben dürfte. Seiner Figur in Ross’ Film geht allerdings der Zynismus und der schwarze Humor der später von ihm gespielten Charaktere noch größtenteils ab. Stattdessen gibt es hier eine gehörige Portion Selbstironie und auch ein gewisser Hang zum Slapstick ist deutlich zu erkennen. Der von Woody Allen einfach nur hervorragend verkörperte Allan ist einem als Zuschauer mit seiner charmanten, schusseligen Art von der ersten Sekunde an sympathisch und man wünscht Allan von ganzem Herzen, dass er irgendwie sein Glück finden möge. Mach’s noch einmal Sam ist einer dieser Filme zum Wohlfühlen, mit Sequenzen für die der Begriff “Magic Moment“ erfunden wurde - allein die Anfangsszene im Kino ist pure Magie -, eine Liebeserklärung an das Leben, die Liebe und insbesondere auch an das Kino und zwar in Form des großen Klassikers Casablanca, der von Allan geradezu vergöttert wird und der eine wichtige Rolle für die Geschichte dieses wunderbaren Films spielt. Großartig!

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Herbert Ross Woody Allen Diane Keaton 1970er San Francisco New Hollywood


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WOMAN ON TOP


WOMAN ON TOP WOMAN ON TOP (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: Woman on Top | USA 2000 | Regie: Fina Torres)


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Die heißblütige Isabella Oliveira (Penélope Cruz) ist ungemein attraktiv und zudem noch eine begnadete Köchin. Gemeinsam mit ihrem Mann Toninho (Murilo Benício) führt sie in einem kleinen brasilianischen Ort ein Lokal. Als sie eines Tages ihren Gatten jedoch beim Ehebruch erwischt, packt Isabella ihre Sachen und wandert nach San Francisco aus um dort ein neues Leben zu beginnen...

Woman on Top von Regisseurin Fina Torres gehört auch zum Kreis dieser kleineren Independent-Produktionen der Fox Searchlight Pictures. Hier verlässt eine begnadete Köchin sowohl ihre brasilianische Heimat als auch ihren untreuen Ehemann, zieht nach San Francisco um dort ein neues Leben anzufangen und macht eher zufällig eine große Karriere als TV-Köchin bei einem kleinen Fernsehsender. Regisseurin Fina Torres erzählt diese kleine, sympathische Geschichte auf eine herrlich unaufgeregte Art und Weise und wickelt den Zuschauer mit Hilfe der tollen Bilder von Kameramann Thierry Arbogast, des eingängigen Scores von Luis Bacalov und natürlich der Präsenz der bezaubernden Penélope Cruz ganz locker um ihren Finger. Das alles ist jetzt sicher nicht sonderlich spektakulär und die Fox Searchlight hat auch definitiv bessere Filme in ihrer Produktionshistorie auf die Leinwand gebracht als diesen hier - ganz spontan fallen mir im Bereich des Wohlfühl-Kinos Sideways und Juno ein -, aber dem ganz eigenen Charme dieses Streifens hier kann und will man sich einfach nicht entziehen. Woman on Top ist ein wirklich schön anzusehender Film, nicht mehr und auch nicht weniger.

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Fina Torres Penélope Cruz 2000er female nudity San Francisco


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SMART PEOPLE


SMART PEOPLE SMART PEOPLE (DVD: Kinowelt, Deutschland)
(OT: Smart People | USA 2008 | Regie: Noam Murro)


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Seit dem Tod seiner Ehefrau hat sich Literaturprofessor Lawrence Wetherhold (Dennis Quaid) immer mehr zurückgezogen und ist zum mürrischen Außenseiter geworden, der weder bei seinen Studenten noch bei seinen Kollegen nicht sonderlich beliebt ist. Als der Witwer nach einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, lernt er dort die Ärztin Janet Hartigan (Sarah Jessica Parker) kennen. Eine Begegnung, die sein Leben, sehr zum Missfallen seiner noch bei ihm Zuhause lebenden Tochter Vanessa (Ellen Page), nachhaltig verändert...

Auch Smart People von Regisseur Noam Murro gehört zum Kreis dieser kleineren Independent-Produktionen aus den Vereinigten Staaten und im Gegensatz zu dem davor gesehenen I ♥ Huckabees war dieser Film ein echter Treffer. Hier ist tatsächlich all das vorhanden, was ich mir von Filmen dieser Art erwarte und erhoffe. Die Charaktere sind ebenso schrullig wie liebenswert, in meinen Augen absolut glaubwürdig und wachsen einem von Minute zu Minute mehr ans Herz. Der Film findet eine wunderbare Balance aus Tragik und Komik und transportiert genau diese gewisse Atmosphäre, die ich bei Filmen dieser Art so sehr schätze. Kino zum Wohlfühlen an trüben Sonntagnachmittagen. Absolut perfekt!
Abschließen noch ein paar Worte zur tollen Besetzung des Streifens: Dennis Quaid kann mal wieder absolut überzeugen und Ellen Page beweist einmal mehr, dass sie zu den wohl talentiertesten Jungschauspielern Hollywoods gehört. Am meisten überrascht hat mich aber Sarah Jessica Parker. Die gute Frau gehört für mich nun sicher nicht zu den attraktivsten Schauspielerinnen Hollywoods, aber was sie hier für eine Präsenz an den Tag legt, mit welch unglaublich erotischer Ausstrahlung sie hier agiert und wie überzeugend sie ihre Rolle spielt, hat mich doch ziemlich beeindruckt. Wer Sarah Jessica Parker auf die Rolle der Tusse aus Sex and the City und anderem seichten Kram reduziert, macht meines Erachtens definitiv einen Fehler.

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Noam Murro Dennis Quaid Ellen Page Sarah Jessica Parker 2000er New York


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I ♥ HUCKABEES


I ♥ HUCKABEES I ♥ HUCKABEES (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: I ♥ Huckabees | Deutschland/USA 2004 | Regie: David O. Russell)


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Albert Markovski (Jason Schwartzman) ist auf der Suche nach Bedeutung in seinem Leben und kann verschiedene Vorkommnisse einfach nicht mehr einordnen. Verzweifelt beauftragt er eine Detektei der besonderen Art. Die beiden existentialistischen Detektive Bernard (Dustin Hoffman) und Vivian (Lily Tomlin) versprechen ihm Klarheit in praktisch allen Lebensfragen zu schaffen, nehmen ihren Auftrag aber einen Tick zu ernst...

Eine dieser vielen, kleineren Independent-Produktionen aus den USA, die nun schon seit mehreren Jahren den Gegenentwurf zum typischen Blockbuster-Kino darstellen. Schrullig-sympathische Charaktere, eine leicht abgedrehte Geschichte und ein extrem hohes Maß an Wohlfühl-Atmosphäre - all das zeichnet viele dieser Filme aus und genau das will auch Regisseur David O. Russell dem Zuschauer mit I ♥ Huckabees servieren. Leider ist in diesem speziellen Fall das Rezept nicht wirklich aufgegangen und so ist Russells überaus namhaft besetzter Film (u.a. Dustin Hoffman, Mark Wahlberg, Jude Law, Naomi Watts) qualitativ doch meilenweit von solchen Highlights wie etwa Garden State, Eternal Sunshine of the Spotless Mind, Elizabethtown, Sideway oder auch Juno entfernt. Als Zuschauer findet man in meinen Augen einfach keinen Bezug zu den Figuren und so bleiben einem diese und ihr Handeln ziemlich egal. Am Ende reicht es zwar noch für einigermaßen kurzweilige Unterhaltung mit ein paar gelungenen Gags, bei dieser großartigen Besetzung und der durchaus interessanten Ausgangssituation (frustrierter Umweltaktivist begibt sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und engagiert dafür ein durchgeknalltes Detektiv-Paar) ist das aber einfach zu wenig. Es bleibt das Gefühl der verpassten Chance.

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David O. Russell Dustin Hoffman Jude Law Mark Wahlberg Naomi Watts Jonah Hill 2000er female nudity


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DIE REIFEPRÜFUNG


DIE REIFEPRÜFUNG :love: DIE REIFEPRÜFUNG :love: (DVD: Kinowelt/Arthaus, Deutschland)
(OT: The Graduate | USA 1967 | Regie: Mike Nichols)


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Ben Braddock (Dustin Hoffman), Sohn aus wohlhabendem Hause, hat gerade seine College-Ausbildung mit Bravour abgeschlossen und kehrt in das Haus seiner Eltern zurück, die nun große Pläne mit ihm haben. Doch Ben weiß selbst noch nicht so recht, wie er seine Zukunft planen will und lässt sich - statt den vorgegebenen Pfaden seiner Eltern zu folgen - lieber auf eine Liebesaffäre mit der deutlich älteren Mrs. Robinson (Anne Bancroft) ein, der Ehefrau eines Geschäftspartners seines Vaters...

Ich fasse mich kurz, denn was soll ich zu einem Film wie Die Reifeprüfung schon groß schreiben, was nicht sowieso schon jeder weiß. Der Streifen ist einer der Wegbereiter des New Hollywood und natürlich von immenser, filmhistorischer Bedeutung. Einer dieser Filme, bei denen einfach alles stimmt. Story, Schauspieler, Kamera, Schnitt, Musik, Ausstattung - man findet keinen Makel. Nichols Meisterwerk ist nur so gespickt mit magischen Momenten. Ein Film, den ich mir immer und immer wieder ansehen kann, der mir immer wieder sowohl Gänsehaut als auch dieses wohlige Gefühl in der Magengegend bereitet und dessen letzte Sichtung - da noch kein Eintrag im seit mittlerweile schon über 5 Jahre existierenden Filmtagebuch enthalten ist - definitiv schon viel zu lange zurückgelegen hat. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich Die Reifeprüfung mittlerweile gesehen habe. Er begleitet mich schon über mein halbes Leben. Es gibt nur sehr wenige Filme, die mir noch mehr bedeuten als dieser hier. :love: :love: :love:

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Mike Nichols Dustin Hoffman Anne Bancroft Katharine Ross Richard Dreyfuss 1960er Oscar Winner Oscar Nominee female nudity Los Angeles New Hollywood


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DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT


DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT DIE NACHT VOR DER HOCHZEIT (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: The Philadelphia Story | USA 1940 | Regie: George Cukor)


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Zwei Jahre nach ihrer Trennung vom Playboy C.K. Dexter Haven (Cary Grant) steht die Society-Lady Tracy Lord (Katharine Hepburn) vor einer erneuten Hochzeit. Haven, der noch immer ein Auge auf Tracy geworfen hat, fällt, zwei Klatschreporter (James Stewart und Ruth Hussey) im Schlepptau, im mondänen Anwesen der Braut ein und versucht auf subtile Art und Weise die bevorstehende Trauung im letzten Moment zu verhindern...

Hatte mal wieder Lust auf klassisches Kino aus Hollywood und meine Wahl fiel dabei auf Die Nacht vor der Hochzeit, welcher mit Cary Grant, Katharine Hepburn und James Stewart eine beeindruckende Starpower zu bieten hat. Gerade Grant und Hepburn haben mich ja vor einiger Zeit schon in Leoparden küsst man nicht restlos begeistert und so war die Hoffnung groß, dass auch Cukors Film mich zu entsprechenden Begeisterungsstürmen hinreißen könnte. Und ja, er hat es fast geschafft. Im direkten Vergleich kommt der Streifen zwar nicht ganz an Hawks’ Meisterwerk heran, aber was ich hier zu sehen bekommen habe war mal wieder eine echte Wohltat. Das wirklich hervorragend aufgelegte Darstellertrio glänzt in einer federleicht inszenierten Geschichte zum Wohlfühlen mit sympathischen Charakteren, netten Wendungen, vielen gelungenen Gags und ganz viel Dialogwitz. Wahrlich großes Kino! Muss mir demnächst mal Holiday, die eine von mir bisher noch nicht gesichtete Zusammenarbeit zwischen Grant und Hepburn zu Gemüte führen und hoffe, dass ich von dem Streifen dann ähnlich gut unterhalten werde wie von diesem hier.

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George Cukor Cary Grant Katharine Hepburn James Stewart 1940er Oscar Winner Oscar Nominee


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RADIO ROCK REVOLUTION


RADIO ROCK REVOLUTION RADIO ROCK REVOLUTION (Blu-ray: Universal, Deutschland)
(OT: The Boat That Rocked | Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2009 | Regie: Richard Curtis)


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Aus Erziehungsgründen wird der 18jährige Carl (Tom Sturridge) von seiner Mutter (Emma Thompson) auf das Schiff seines Patenonkels Quentin (Bill Nighy) geschickt, der sich fortan um den aufmüpfigen jungen Mann kümmern soll. Doch das vor der britischen Küste ankernde Schiff von Quentin ist gleichzeitig Sendestation eines beliebten Piratensenders, welcher die Bevölkerung des britischen Festlandes - sehr zum Ärger der britischen Regierung - rund um die Uhr mit aktueller Rockmusik versorgt und so beginnt für Carl schon bald die bisher beste Zeit seines noch jungen Lebens...

Ist ja irgendwie dann doch schon ziemlich witzig, wenn einen ein Film mit Stars wie Philip Seymour Hoffman, Bill Nighy und Kenneth Branagh frappierend an den alten Gottschalk/Krüger-Kracher Piratensender Power Play erinnert. Aber die Parallelen sind einfach viel zu groß um sie nicht erkennen zu können. Radio Rock Revolution ist natürlich in allererster Linie ein filmische Liebeserklärung an die Rockmusik und mit einem entsprechenden Soundtrack ausgestattet, der wohl jeden Liebhaber von handgemachter Musik ein dickes Grinsen ins Gesicht treiben wird. Curtis’ Film ist aber auch eine Verbeugung vor Radio Caroline, dem ersten britischen Radiosender, der auf halblegalem Weg rund um die Uhr Rockmusik sendete und dessen Geschichte die Macher zu diesem Film inspirierte. Auch wenn der Streifen streckenweise vielleicht etwas zu kitschig und aufgesetzt wirkt und die Charaktere zum Teil etwas zu klischeehaft rüberkommen, so wirkliche Kritik kann ich an Radio Rock Revolution gar nicht üben. Das war wieder mal einer dieser Filme, mit denen ich mich von Anfang an einfach nur wohl gefühlt habe. In meinen Augen ein nahezu perfektes Feel-Good-Movie, großartig besetzt und - wie schon erwähnt - mit einem Soundtrack zum Niederknien ausgestattet. Das Finale des Streifens - ein einziger, magischer Moment. Die letzten Sequenzen mit den Plattencovern vor dem Abspann - Gänsehaut pur!

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Richard Curtis Philip Seymour Hoffman Kenneth Branagh Nick Frost 2000er 60er Jahre London


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MY SASSY GIRL (Director’s Cut)


MY SASSY GIRL (Director’s Cut) MY SASSY GIRL (Director’s Cut) (DVD: Starmax, Südkorea)
(OT: Yeopgijeogin geunyeo | Südkorea 2001 | Regie: Kwak Jae-yong)


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Als Kyun-woo (Cha Tae-hyeon) eines Abends einem sturzbetrunkenem Mädchen (Jeon Ji-hyeon) in einer U-Bahn-Station das Leben rettet, ahnt er noch nicht, dass diese Begegnung sein Leben von Grund auf verändern wird...

Noch was aus dem Wohlfühl-Bereich. Es hat sowieso schon viel zu lange gedauert, bis ich mir My Sassy Girl, der mittlerweile - man mag es kaum für möglich halten - auch schon wieder 10 Jahre auf dem Buckel hat, jetzt endlich mal angesehen habe. Zu dem Streifen gab es ja praktisch nur positive Stimmen und auch ich muss und will mich den allgemeinen Lobgesängen anschließen. Hab ja eh ein gewisses Faible für romantische Komödien, so eine wunderschöne wie diese hier hab ich aber bisher selten zu Gesicht bekommen. Regisseur Kwak Jae-yong nimmt den Zuschauer mit auf eine fast 2,5-stündige Reise voller Aufs und Abs. Eine ganz wundervolle Mischung aus dramatischen und komischen Momenten, mit zwei grandiosen Hauptdarstellern, mit denen man wunderbar mitfühlen, mitfiebern und mitleiden kann, mit einigen wahrlich unvorhergesehenen Wendungen und einem Finale, dass einem durchaus die eine oder andere Freudenträne ins Auge treibt. Klasse!

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Kwak Jae-yong 2000er female nudity


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BIG FISH - DER ZAUBER, DER EIN LEBEN ZUR LEGENDE MACHT


BIG FISH - DER ZAUBER, DER EIN LEBEN ZUR LEGENDE MACHT :love: BIG FISH - DER ZAUBER, DER EIN LEBEN ZUR LEGENDE MACHT :love: (DVD: Columbia TriStar, Deutschland)
(OT: Big Fish | USA 2003 | Regie: Tim Burton)


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Schenkt man den zahlreichen Erzählungen von Ed Bloom (Albert Finney / Ewan McGregor) Glauben, so hat dieser ein aufregendes Leben voller fantastischer Erlebnisse hinter sich. Allein sein Sohn Will (Billy Crudup) hatte bereits vor einigen Jahren genug von den immer gleichen Geschichten seines Vaters und mit diesem gebrochen. Nun liegt Ed Bloom im Sterben und Will kehrt an das Krankenbett seines Vaters zurück. Auch, um den sicher vorhandenen Funken Wahrheit in dessen Geschichten zu entdecken...

Einer dieser Filme, die ich mir - das hat die nunmehr dritte Sichtung bestätigt - wohl immer und immer wieder ansehen kann und die wohl niemals ihre Faszination einbüßen werden. Seit der letzten Sichtung sind mittlerweile auch schon wieder 5 Jahre vergangen und so war es allerhöchste Zeit, die Erinnerung an Tim Burtons zauberhafte Geschichte mal wieder aufzufrischen. Big Fish ist in meinen Augen einer der schönsten Filme, die je gedreht worden sind und Zeitgenossen, die mit diesem Film tatsächlich nichts anfangen können, kann es doch gar nicht geben, oder? Gibt es tatsächlich Menschen, die bei einem der meines Erachtens berührendsten und bewegendsten Filmenden aller Zeiten keine Gänsehaut bekommen? Wenn ja, ich möchte sie nicht kennenlernen. Big Fish ist ein Lieblingsfilm, einer der Filme, die für immer einen Platz in meinem Herzen einnehmen werden. Ein großartiges Stück Kino, voller Magie, unvergesslich, keiner dieser filmischen One Night Stands, sondern tatsächlich wahre Liebe. :love: :love: :love:

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Tim Burton Ewan McGregor Helena Bonham Carter Danny DeVito Steve Buscemi Alison Lohman 2000er Oscar Nominee female nudity 30er Jahre 40er Jahre 50er Jahre 60er Jahre 70er Jahre 80er Jahre


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ADVENTURELAND


ADVENTURELAND ADVENTURELAND (Blu-ray: Miramax, Deutschland)
(OT: Adventureland | USA 2009 | Regie: Greg Mottola)


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College-Abgänger James Brennan (Jesse Eisenberg) freut sich schon auf die anstehende Europareise und sein darauffolgendes Studium an der renommierten Columbia University. Doch diese Träume finden ein jähes Ende, als seine Eltern ihm mitteilen, dass sie ihm aufgrund größerer finanzieller Probleme weder die Reise nach Europa noch das anschließende Studium finanzieren können. Widerwillig nimmt James in den Sommerferien einen Job im örtlichen Vergnügungspark "Adventureland" an und findet dort nicht nur neue Freunde, sondern auch die große Liebe...

Das nächste Coming-of-Age-Drama von Superbad-Regisseur Greg Mottola und das hat mir sogar deutlich besser gefallen als dessen Erstlingswerk. Adventureland ist Wohlfühl-Kino in Reinkultur, mit einer herrlich melancholischen Grundstimmung und Atmosphäre, sympathisch-schrulligen Charakteren und einem Soundtrack, der für ganz viele Gänsehautmomente sorgt. Das Setting im Vergnügungspark ist perfekt gewählt und eine erfreuliche Abwechslung zu den sonst so üblichen Highschool-, College- und Party-Settings. Und die Tatsache, dass der Film genau in dem Jahrzehnt spielt, in dem auch ich selbst "groß" geworden bin, trägt natürlich auch einen erheblichen Anteil dazu bei, dass ich den Streifen als außerordentlich gelungen empfunden habe. Ein schöner, glaubwürdiger, komischer und teilweise auch dramatischer Film über das Erwachsenwerden und die Suche nach der eigenen Identität. Wer auf kleine Filme der Marke Dazed and Confused, Superbad oder Empire Records steht, darf hier gerne mal einen Blick riskieren. Es lohnt sich wirklich.

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Greg Mottola Jesse Eisenberg Kristen Stewart 2000er 80er Jahre Ryan Reynolds


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UP IN THE AIR


UP IN THE AIR UP IN THE AIR (Blu-ray: Paramount, Deutschland)
(OT: Up in the Air | USA 2009 | Regie: Jason Reitman)


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Das Leben von Ryan Bingham (George Clooney) findet in Hotelzimmern, Flugzeugen und Büros fremder Firmen statt. Sein undankbarer Job ist es, den Angestellten der Auftraggeber seines Arbeitsgebers die Botschaft zu übermitteln, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Ryan hat sich an das Leben unterwegs gewöhnt, pflegt zu seiner Familie nur noch oberflächliche Kontakte und verfolgt das große Ziel, als siebter Mensch überhaupt die Grenze von 10 Millionen Flugmeilen zu durchbrechen. Dieses Ziel gerät jedoch in große Gefahr, als Ryan von seinem Boss (Jason Bateman) mit den Ideen seiner jungen Kollegin Natalie (Anna Kendrick) konfrontiert wird. Die will die Durchführung der Kündigungen revolutionieren und diese fortan per Computergespräch durchführen. Um Natalie davon zu überzeugen, dass der persönliche Kontakt zu dem jeweiligen Gegenüber unbedingt bestehen bleiben muss, nimmt Ryan sie mit auf seine Reisen...

Jason Reitmans dritter Streich. Und wieder ist ihm ein ganz wunderbarer Film gelungen. Dieses Mal zum Thema Wirtschaftskrise. Up in the Air erzählt die Geschichte von Ryan Bingham, einem Mann, dessen Zuhause aus Flugzeugen und Hotelzimmern besteht, dessen Job es ist, anderen Menschen ihren Job zu nehmen, dessen Credo es zu sein scheint, keinerlei persönliche Bindungen zu anderen Menschen zuzulassen und der plötzlich erkennen muss, dass sein bisheriger Lebensstil Gefahr läuft, großen Veränderungen ausgesetzt zu werden. Bingham soll nicht nur vom Flugzeug in den Innendienst versetzt werden, nein, er entwickelt auch echte Gefühle für eine Frau, die er auf seinen Reisen kennengelernt und mit der er sich auf eine heiße Affäre eingelassen hat. Bingham ändert sich, arrangiert sich, riskiert etwas und bekommt einen gewaltigen Tritt verpasst. Reitman verzichtet auf ein Happy End und verabreicht seinem Hauptcharakter und seinem Zuschauer den sprichwörtlichen Schlag in die Magengrube. Und das am Ende eines Films, den man guten Gewissens und ohne mit der Wimper zu zucken als astreinen Wohlfühl-Film bezeichnen könnte, mit unzähligen wunderschönen und einfach nur tragikomischen Momenten, einem grandiosen Soundtrack und durch die Bank außerordentlich überzeugend agierenden Darstellern. Der Fakt, dass Jason Reitman seinen Zuschauer am Ende so jäh aus dieser Wohlfühl-Atmosphäre herausholt und mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert, ist vielleicht sogar der größte Clou des ganzen Streifens. Ich bin mal wieder schwer beeindruckt von einem Reitman-Film und freue mich jetzt schon auf Young Adult, Reitmans nächstem Streich, der sich derzeit in der Post-Produktion befindet.

TRAILER:


Jason Reitman George Clooney Jason Bateman Vera Farmiga Sam Elliott 2000er Oscar Nominee female nudity


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THE KIDS ARE ALL RIGHT


THE KIDS ARE ALL RIGHT THE KIDS ARE ALL RIGHT (Blu-ray: Universal, Großbritannien)
(OT: The Kids Are All Right | USA 2010 | Regie: Lisa Cholodenko)


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Die beiden Kinder des lesbischen Paares Jules (Julianne Moore) und Nic (Annette Bening), die 18 Jahre alte Joni (Mia Wasikowska) und ihr 3 Jahre jüngerer Bruder Laser (Josh Hutcherson), wurden einst beide mit Hilfe von künstlicher Befruchtung gezeugt. Als Joni sich von ihrem Bruder dazu überreden lässt, nach ihrem gemeinsamen leiblichen Vater zu suchen, ahnt sie noch nicht, dass sie durch das Auffinden des Restaurantbesitzers und damaligen Samenspenders Paul (Mark Ruffalo) ihre Familie komplett auf den Kopf stellen wird...

Schon als ich den Trailer zu diesem Film irgendwann im letzten Jahr entdeckt hatte, wusste ich, dass The Kids Are All Right genau meine Baustelle sein dürfte. Regisseurin Lisa Cholodenko hat ja mit dem im Jahr 2002 entstandenen Laurel Canyon bereits einen ganz wunderbaren Film zum Wohlfühlen gedreht und auch mit The Kids Are All Right hat sie - zumindest bei mir - wieder voll ins Schwarze getroffen. Wie in Laurel Canyon geht es auch in diesem Streifen wieder um Konflikte innerhalb einer Familie und um die Problematiken, die sich ergeben, wenn zwei gänzlich unterschiedliche Welten aufeinandertreffen. Dabei zuzusehen, wie der von Mark Ruffalo einfach nur grandios gespielte Samenspender Paul die auf den ersten Blick idyllische Familienwelt der beiden lesbischen Partnerinnen Jules und Nic - gespielt von den auch ganz vorzüglich aufgelegten Julianne Moore und Annette Bening - verändert und sogar regelrecht aufmischt, ist einfach eine wahre Freude, dramatisch und urkomisch zugleich und sorgt im Laufe des Films für die eine oder andere Gänsehaut. Wer an kleineren Idependent-Produktionen dieser Art prinzipiell Gefallen findet, kommt in meinen Augen auch an diesem Streifen nicht vorbei.

TRAILER:


Lisa Cholodenko Annette Bening Julianne Moore Mark Ruffalo 2010er Oscar Nominee female nudity


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ABGEDREHT


ABGEDREHT ABGEDREHT (DVD: Senator/Universum, Deutschland)
(OT: Be Kind Rewind | Großbritannien/USA 2008 | Regie: Michel Gondry)


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Nach einer missglückten Sabotage des städtischen Elektrizitätswerkes ist der chaotische Jerry (Jack Black) ohne es zu wissen magnetisch aufgeladen. Als er in diesem Zustand die Videothek von Mr. Fletcher (Danny Glover) betritt, in der sein bester Kumpel Mike (Mos Def) den verreisten Inhaber vertritt, löscht er versehentlich alle Videobänder. Um den Vorfall zu vertuschen und die Kunden trotzdem weiterhin mit Filmen zu versorgen, beginnen Jerry und Mike kurzerhand damit, die gelöschten Filme selbst nachzudrehen...

Was auf den ersten Blick wie purer Klamauk aussehen mag, entpuppt sich ziemlich schnell als wunderschöne Liebeserklärung an den Zauber und die Magie der "moving pictures". Natürlich bleibt insbesondere bei den Dreh-Szenen von Jerry und Mike kein Auge trocken - beim Dreh von Ghost Busters wäre ich fast von der Couch gekugelt vor lauter Lachen -, aber diese immer wieder auftretenden Attacken auf das Zwerchfell wechseln sich halt auch perfekt mit vielen leisen Tönen ab und so ist auch immer wieder Zeit für den einen oder anderen Gänsehaut-Moment. Diese wunderbare Mischung macht aus Abgedreht einen herrlich sympathischen Film zum Wohlfühlen, der den Zuschauer im Finale dann auch noch mit einem absolut magischen Moment verwöhnt. Großartig!

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Michel Gondry Jack Black Danny Glover Mia Farrow Sigourney Weaver 2000er


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AWAY WE GO - AUF NACH IRGENDWO


AWAY WE GO - AUF NACH IRGENDWO AWAY WE GO - AUF NACH IRGENDWO (DVD: Tobis/Universal, Deutschland)
(OT: Away We Go | Großbritannien/USA 2009 | Regie: Sam Mendes)


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Burt (John Krasinski) und Verona (Maya Rudolph) sind beide Anfang 30 und erwarten ihr erstes gemeinsames Kind. Als zukünftigen Lebensmittelpunkt stellt sich das Paar einen Ort in der Nähe von Burts Eltern vor, damit diese den beiden nach der Geburt des Kindes zur Seite stehen können. Als Burts Eltern jedoch vollkommen überraschend ihren Wegzug nach Europa verkünden, stehen Burt und Verona plötzlich ohne Bezugspersonen da und müssen sich neu orientieren...

Ich bin ja immer auf der Suche nach kleinen Independent-Produktionen, die einem dieses wunderbar wohlige Gefühl in die Magengegend zaubern. Bei dieser Suche bin ich auf Away We Go von American Beauty-Regisseur Sam Mendes gestoßen, einen tragikomischen Road Trip eines junges Paares auf der Suche nach dem geeigneten Ort für das gemeinsame Leben. Wie bei Road Movies üblich, ist auch hier der Weg das Ziel und so dürfte der Ort, der am Ende von beiden ausgewählt wird, für erfahrene Zuschauer keine allzu große Überraschung mehr darstellen. Away We Go ist mit seinen tollen Aufnahmen der verschiedensten Locations wunderschön anzusehen, überzeugt mit skurrilen, schrulligen und sympathischen Charakteren, mit herrlich komischen Sequenzen, regt durchaus zum Nachdenken an und fesselt zudem mit einer in weiten Teilen wunderbar melancholischen Grundstimmung und Atmosphäre. Für Freunde von Feel-Good-Movies definitiv einen Blick wert.

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Sam Mendes 2000er Maggie Gyllenhaal


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NAPOLEON DYNAMITE


NAPOLEON DYNAMITE NAPOLEON DYNAMITE (DVD: Paramount, Deutschland)
(OT: Napoleon Dynamite | USA 2004 | Regie: Jared Hess)


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Der an seiner Schule nicht gerade populäre Napoleon Dynamite (Jon Heder) lebt gemeinsam mit seinem älteren Bruder Kip (Aaron Ruell) und seiner Großmutter (Sandy Martin) in einem kleinen Kaff in Idaho. Als mit dem Mexikaner Pedro (Efren Ramirez) ein neuer Schüler an der örtlichen High School auftaucht, findet Napoleon in diesem einen echten Freund und entschließt sich dazu, Pedro zum begehrten Amt des Schülersprechers zu verhelfen...

Vielleicht irgendwie der (Neu-)Start der Nerd- und Loser-Komödie. Solche Typen gab es in den typischen Highschool- und Teenie-Komödien zwar schon immer, aber wohl nie zuvor drehten sich die Filme praktisch ausschließlich um sie. Das hat sich seit Napoleon Dynamite doch geändert. Auch wenn sie stilistisch nicht unbedingt mit Hess' Außenseiterballade vergleichbar sind, so denke ich schon, dass Filme wie Juno, Superbad oder Nick & Norah's Infinite Playlist mit ihren liebenswerten Losern als Sympathieträger ohne den großen Erfolg von Napoleon Dynamite - bei einem Budget von ca. $ 400.000 spielte der Streifen weltweit über $ 44 Mio. ein - vielleicht nie das Licht der Leinwände erblickt hätten. Mit den Nachfolgern ist Napoleon Dynamite dennoch nicht wirklich vergleichbar. Und irgendwie fällt mir überhaupt kein Film ein, mit dem ich diesen äußerst skurrilen Streifen vergleichen könnte. Jared Hess' Komödie ist schon ziemlich einzigartig, überrascht und überzeugt mit extremer Langsamkeit - praktisch der komplette Cast kommt einem vor als spiele er auf Valium - und bietet seltsam-skurrile Typen in absurd-komischen Situationen, die irgendwie das Normalste der Welt zu sein scheinen. Ein Film, den man wohl einfach mögen muss. Klasse!

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Jared Hess Jon Heder 2000er





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