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One Night Stands und wahre Liebe


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IN JEDEM ENDE LIEGT EIN NEUER ANFANG...


So, auf diesem Wege verabschiede auch ich mich ganz offiziell von Filmforen. Es hat irre viel Spaß gemacht in diesen knapp 9 Jahren, in denen ich hier das Filmtagebuch geführt habe. Ich wünsche allen Mitgliedern alles Gute für die Zukunft. Mit vielen kann man ja glücklicherweise über Facebook & Co. in Kontakt bleiben.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob und wie es mit meiner Schreiberei weitergehen soll und habe mich nun doch getraut, einen eigenen Blog zu eröffnen. Freue mich natürlich über jeden, der vorbeischaut und meine geistigen Ergüsse über meine Filmsichtungen weiterhin verfolgt. Und über Verlinkungen in diversen Blogrolls würde ich mich natürlich auch wahnsinnig freuen.

Also, macht's gut, und hier geht's zum Blog:

https://splatterfanatic.wordpress.com/


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KURZKOMMENTARE - FEBRUAR 2015


FILMSICHTUNGEN - FEBRUAR 2015

Nach dem übervollen Januar ein relativ beschaulicher Februar mit “nur“ 23 Filmen. Dafür hat mich der Komplettierungswahn gepackt und ich habe mich dazu entschlossen, auch zu den im jeweiligen Monat gesehenen Staffeln bzw. Teilen von Staffeln von TV-Serien einen Kommentar zu schreiben. Und dann gab es im Februar ja noch diese berühmte Veranstaltung, bei der ein gewisser Filmpreis in verschiedenen Kategorien verliehen wurde. Ein paar Worte dazu gibt es auch. Und natürlich gilt wie immer: die Kurzkommentare gibt es in der Reihenfolge der Sichtungen.


BOYHOOD (USA 2014, Regie: Richard Linklater)

BOYHOOD erzählt die Geschichte des 6 Jahre alten Mason, der in einer Patchwork-Familie aufwächst. Schulzeit, Pubertät, die ersten Partys, der erste Joint, die erste Liebe - bis hin zum Abschluss an der Highschool und dem Eintritt ins College.
BOYHOOD deckt gut 12 Jahre im Leben des Jungen und seiner Familie ab und das, was BOYHOOD so besonders macht, ist die Tatsache, dass sowohl Mason als auch seine größere Schwester Samantha (und natürlich auch alle anderen Figuren und Charaktere, die im Film vorkommen) immer vom selben Schauspieler verkörpert werden. Richard Linklater hat BOYHOOD über einen Zeitraum von knapp 12 Jahren gedreht (angefangen im Mai 2002 und beendet im August 2013) und als Zuschauer wird man so tatsächlich Zeuge, wie aus einem kleinen Jungen und einem kleinen Mädchen erwachsene Menschen werden. Ellar Coltrane, der den Mason spielt, war bspw. 7 Jahre alt als die Dreharbeiten begannen und 19 als die letzte Klappe fiel.
Was Regisseur Richard Linklater dem Zuschauer nach jahrelanger Arbeit letztendlich präsentiert ist einfach nur faszinierend und schlichtweg perfekt. Die Charaktere wachsen einem über die knapp 3-stündige Laufzeit absolut ans Herz und wenn schließlich irgendwann der Abspann einsetzt, kann man gar nicht glauben, dass man das Leben von Mason nun tatsächlich verlassen muss, dass man nicht mehr Zeuge seiner Zeit am College werden kann und auch nicht mitbekommt, wie er selbst ins Berufsleben einsteigt und eine Familie gründet.
BOYHOOD ist der ultimative Coming-of-Age-Film und verbreitet 165 Minuten lang pures Glück. Von der ersten Einstellung zu den Klängen von Coldplays “Yellow“ bis zum Beginn des Abspanns ist BOYHOOD ein Film der berührt, in den Bann zieht und Gänsehäute en masse verursacht. Solltet ihr jemals einem Menschen begegnen, der etwas Negatives über BOYHOOD sagt, glaubt ihm einfach kein Wort.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!


DOGVILLE (Dänemark/Deutschland/Finnland/Frankreich/Großbritannien/Italien/Niederlande/Norwegen/Schweden 2003, Regie: Lars von Trier)

Aaaaahhhh, Regisseur Lars von Trier treibt mich noch in den Wahnsinn. Nachdem mich sein zweigeteilter NYMPH()MANIAC im letzten Monat doch ziemlich begeistert hatte - der erste Film von von Trier, den ich einfach nur großartig fand -, wollte ich mich mal an einen seiner früheren Filme wagen und es mit dem vielerorts hochgelobten DOGVILLE versuchen. In dem geht es um Grace (Nicole Kidman), eine junge Frau, die wie aus dem Nichts in einem kleinen Dorf auftaucht. Die Gemeinschaft nimmt sie auf, als Gegenleistung erwarten die Bürger kleine Gefälligkeiten. Als eines Tages ein Steckbrief mit dem Gesicht von Grace auftaucht, nehmen die Forderungen der Dorfbewohner absurde Formen an und für Grace beginnt die Hölle auf Erden.
Klar, an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts zu mäkeln, die sind tatsächlich durch die Bank großartig. Das Problem von DOGVILLE ist eher seine arg behäbige Erzählweise - der Film dauert ganze 170 Minuten und ist mindestens 1 Stunde zu lang geraten - und die Form, die von Trier gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. DOGVILLE ist auf das Minimum heruntergebrochen, es existieren im Endeffekt nur die schauspielerischen Leistungen. Der ganze Film spielt sich auf einer Theaterbühne ab, mit aufgezeichneten Häusern und extrem spärlichen Settings. Dieses radikale Stilmittel mag beim Feuilleton und beim Arthouse-Publikum für Begeisterungsstürme sorgen, mir persönlich war das einfach viel zu “unfilmisch“, zu anstrengend, zu eintönig und irgendwann auch einfach nur noch zu nervig. Wenn ich mir ein Theaterstück ansehen will, dann gehe ich ins Theater. Da brauche ich keinen Lars von Trier, der mir ein Theaterstück simuliert, obwohl er am Ende doch die ganzen Vorteile, die ein Filmdreh im Gegensatz zu einer Theateraufzeichnung so zu bieten hat, bei der filmischen Umsetzung nutzen kann. Die Sichtung von DOGVILLE hat mich jetzt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und dazu geführt, dass ich von Herrn von Trier erst mal wieder die Schnauze voll habe. Aber ich gebe nicht auf. Zumindest BREAKING THE WAVES, DANCER IN THE DARK und MELANCHOLIA wollen irgendwann noch angesehen werden…

Persönliche Bewertung: Naja!


EARTH TO ECHO (USA 2014, Regie: Dave Green)

EARTH TO ECHO steht in der Tradition der – ich nenn sie einfach mal so – Jugendfilme aus den 80er Jahren, insbesondere EXPLORERS, STAND BY ME und THE GOONIES kommen in den Sinn, in denen sich Kinder in ein aufregendes Abenteuer stürzen und am Ende des Films nicht nur das Ende dieses Abenteuers, sondern auch das Ende der Kindheit steht und der erste Schritt hin zum Erwachsenwerden gemacht wurde. Produzent Steven Spielberg und Regisseur J.J. Abrams haben diesem Subgenre bereits vor 4 Jahren mit dem - in meinen Augen - durchaus gelungenen SUPER 8 bereits neues Big-Budget-Leben eingehaucht, Regisseur Dave Green versucht sich nun an einer kostengünstigeren Variante innerhalb dieses Genres. Mit einem für heutige Zeiten verhältnismäßig schmalen Budget von 13 Mio. US-Dollar schickt er in EARTH TO ECHO drei Jungs und ein Mädel auf eine Art Schnitzeljagd mit einem Außerirdischen, der die Kinder benötigt, um sein gestrandetes Raumschiff aufzufinden und wieder startklar zu machen. Das niedrige Budget sieht man dem Film - insbesondere im Bereich der Effekte - zwar deutlich an, der Außerirdische ist etwas zu kitschig-putzig geraten und dieser Wackel-Handkamera-Found-Footage-Stil, in dem EARTH TO ECHO gefilmt ist, vielleicht etwas arg gewöhnungsbedürftig, insgesamt betrachtet überwiegen aber die positiven Seiten. EARTH TO ECHO ist unterhaltsam, spannend, ungemein sympathisch und fängt phasenweise diesen Geist der großen Vorbilder aus den 80ern schon ganz gut ein.

Persönliche Bewertung: Gut!


SAVAGES (USA 2012, Regie: Oliver Stone)

Zwei Freunde (Taylor Kitsch und Aaron Johnson) haben sich mit ihrem Marihuana-Anbau ein goldenes Näschen verdient und genießen ihr Luxusleben mit ihrer gemeinsam Geliebten O (Blake Lively) in vollen Zügen. Als ein mexikanisches Drogenkartell ein Stück vom Kuchen abhaben will, verkompliziert sich das so unbeschwerte Leben der Underground-Dealer immens…
Wow, SAVAGES hat mich jetzt schon ein bisschen weggefegt. Zwar kommt der Film nicht ganz an Stones Großtaten von früher heran, er kommt ihnen jedoch schon verdammt nahe. Erlesene Bilder - Lästermäuler können gerne “style over substance“ rufen -, eine spannende und wendungsreiche Geschichte, ein toller Soundtrack und eine hervorragende Besetzung, aus der insbesondere Benicio Del Toro als fieser Killer hervorsticht, machen SAVAGES zu einem echten Erlebnis. Würde sich vom Stil her ganz vorzüglich innerhalb eines Triple Features gemeinsam mit Korines SPRING BREAKERS und Bays PAIN & GAIN eignen.

Persönliche Bewertung: Großartig!


WINTER’S BONE (USA 2010, Regie: Debra Granik)

Die 17jährige Ree (Jennifer Lawrence) muss sich alleine um ihre kranke Mutter und ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern. Der Vater ist kautionsflüchtig und wie vom Erdboden verschwunden. Als Ree mit der Tatsache konfrontiert wird, dass ihr Vater das Haus der Familie als Kaution eingesetzt hat und dieses geräumt werden muss, wenn er nicht innerhalb einer Woche auftaucht, macht sich Ree auf eine verzweifelte Suche und stößt auf eine Wand aus Lügen und Ablehnung…
Jennifer Lawrence trägt den Film und ist tatsächlich einfach nur großartig. Ganz tolle Schauspielerleistung, die maßgeblich für die Qualität des Films verantwortlich ist. Der Plot alleine würde es nicht rausholen. Anfangs ist WINTER’S BONE noch richtig packend und spannend geraten, mit zunehmender Laufzeit, wenn halt nun mal klar ist, dass der verschwundene Vater tot sein dürfte und Ree die Leiche zum Nachweis des Todes und zur Rettung des Familienanwesens nur aufgrund einer positiven Fügung des Schicksals finden wird, verliert WINTER’S BONE aber auch zunehmend an Faszination und rettet sich in der Schlussviertelstunde gerade noch so ins Ziel. Aber in dieser Zeit davor, da war WINTER’S BONE schon ziemlich großes Kino.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


JACK RYAN: SHADOW RECRUIT (Russland/USA 2014, Regie: Kenneth Branagh)

12 Jahre nach dem Quasi-Reboot THE SUM OF ALL FEARS kam mit JACK RYAN: SHADOW RECRUIT der mittlerweile fünfte Jack-Ryan-Film - mit dem mittlerweile vierten Hauptdarsteller - in die Kinos und bei diesem handelte es sich tatsächlich um ein echtes Reboot. Branaghs Film liegt ein Original-Drehbuch zugrunde, hier gab es keine Romanvorlage von Tom Clancy, JACK RYAN: SHADOW RECRUIT basiert lediglich auf der von Clancy erfundenen Figur. JACK RYAN: SHADOW RECRUIT zeigt den CIA-Analysten am Anfang seiner Karriere, bei seinem ersten echten Auslandseinsatz, bei dem es gleich einen Terroranschlag auf die USA zu verhindern gilt.
Rein schauspielerisch brennt hier schon mal gar nichts an. Chris Pine passt in meinen Augen richtig gut in die Hauptrolle, Keira Knightley als Love Interest ist einmal mehr nett anzusehen, Regisseur Kenneth Branagh hat gleich noch die Rolle des Bösewichts übernommen und macht seine Sache auch ziemlich überzeugend und dann ist es auch irgendwie schön, Kevin Costner mal wieder in einer großen Produktion zu sehen. Dazu noch eine spannende Story, ein paar gut platzierte Actionsequenzen und einige Suspense-Szenen mit Nägelkaupotential – JACK RYAN: SHADOW RECRUIT ist jetzt sicher kein Überflieger, aber auf jeden Fall ein absolut unterhaltsamer und gelungener Film. Da kann gerne noch das eine oder andere Sequel nachgelegt werden.

Persönliche Bewertung: Gut!


S.O.B. (USA 1981, Regie: Blake Edwards)

Ab und zu erlaubt sich Hollywood mal einen kritischen, satirischen und augenzwinkernden Blick auf sich selbst. S.O.B. ist auch einer dieser Filme, in denen die Traumfabrik mit schwarzem Humor aufs Korn genommen wird. Blake Edwards knöpft sich insbesondere die Oberflächlichkeit Hollywoods vor und rechnet mit dieser auf teils ziemlich derbe Art und Weise ab, die Tiefe und Genialität anderer Vertreter dieser Art - ich denke jetzt insbesondere an SUNSET BLVD. von Billy Wilder oder THE PLAYER von Robert Altman - geht Edwards’ Film dennoch ab. Dafür bietet S.O.B. dann doch etwas zu viel Klamauk und verflacht insbesondere in den letzten 20-25 Minuten doch zu sehr. Dieser feine Humor, dieses Gespür für urkomische Szenen, die Edwards’ frühere Filme sonst auszeichneten, kommt hier leider viel zu selten zum Vorschein. Am ehesten vielleicht noch in der Partysequenz in Farmers Haus, in der tatsächlich ein Hauch dieser Comedy-Magie zu spüren ist, die Filme wie BREAKFAST AT TIFFANY’S, THE PARTY oder THE PINK PANTHER in ihrer lustigsten Szenen versprüht haben. Aber ich will hier auch gar nicht den Anschein erwecken, S.O.B. sei ein durchschnittlicher oder gar schlechter Film. Das ist er sicher nicht, Edwards hat im Lauf seiner Karriere halt einfach noch weitaus bessere Filme wie diesen hier gedreht.

Persönliche Bewertung: Gut!


R.I.P.D. (USA 2013, Regie: Robert Schwentke)

Nachdem er von seinem Partner (Kevin Bacon) im Dienst eiskalt ermordet wurde, landet der Cop Nick (Ryan Reynolds) im R.I.P.D. und darf gemeinsam mit seinem ebenfalls schon vor langer Zeit verblichenen Kollegen Roy (Jeff Bridges) die Welt von Untoten befreien…
Comic-Verfilmung vom deutschen Regisseur Robert Schwentke, die einzig und allein mit einem ziemlich hohem Spaßfaktor überzeugen kann. R.I.P.D. will ganz offensichtlich nur unterhalten und das gelingt ihm über weite Strecken ganz ordentlich. Die CGI-Effekte hätten etwas besser sein können und in der Mitte des Films ist nicht sonderlich viel los und es gibt den einen oder anderen Durchhänger. Ansonsten macht dieser himmelschreiende Blödsinn aber durchaus Spaß, einen Film wie diesen kann man guten Gewissens als “guilty pleasure“ bezeichnen. Und die 3D-Effekte waren über die komplette Laufzeit ziemlich geil.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!


HOTEL DER TOTEN GÄSTE (Deutschland/Frankreich/Spanien 1965, Regie: Eberhard Itzenplitz)

Ziemlich biederer und nur leidlich spannender Beitrag zur deutschen Krimiwelle aus den 60er Jahren. Joachim Fuchsberger spielt einen Kriminalreporter, der am Rand eines Schlagerfestivals in San Remo versucht, Licht ins Dunkel eines Mordfalls zu bringen. HOTEL DER TOTEN GÄSTE kann leider nicht wirklich sonderlich viel. Über weite Strecken plätschert die Handlung ohne große Höhepunkte vor sich hin, die Auflösung des Kriminalfalls interessiert schon bald überhaupt nicht mehr und die wenigen Highlights, die Itzenplitz’ Film zu bieten hat, bestehen in ein paar debilen Gags und dummen Sprüchen. Und wenn man sich mal vor Augen führt, wie prominent der Film besetzt ist - neben Joachim Fuchsberger spielen Karin Dor, Renate Ewert, Hans Nielsen, Gisela Uhlen, Wolfgang Kieling, Claus Biederstaedt, Monika Peitsch und Ady Berber mit, praktisch alle in gewisser Weise durch ihr Mitwirken in diversen Wallace-Filmen genreerprobt - dürfte HOTEL DER TOTEN GÄSTE in erster Linie wegen des maßlosen Vergeudens von Talent im Gedächtnis bleiben.

Persönliche Bewertung: Naja!


MAPS TO THE STARS (Deutschland/Frankreich/Kanada/USA 2014, Regie: David Cronenberg)

Eine alternde Schauspielerin (Julianne Moore), die verzweifelt auf ihre letzte große Hauptrolle hofft. Ein Kinderstar (Evan Bird), der kurz nach einer Entziehungskur ein Sequel seines großen Erfolges drehen soll. Ein Chauffeur (Robert Pattinson), der von einer Karriere als Schauspieler und/oder Drehbuchautor träumt. Und eine junge, verträumt wirkende Frau (Mia Wasikowska), die ein mysteriöses Geheimnis zu haben scheint. Sie alle prallen in Cronenbergs MAPS TO THE STARS aufeinander und verwandeln die Traumfabrik Hollywood in einen psychotischen Albtraum. Neurosen, Abhängigkeiten, Psychosen, fehlende Skrupel - Cronenberg wirft einen ziemlich ernüchternden Blick auf die Glücksritter von Hollywood. Das ist teils sperrig, teils schockierend, teils melancholisch, teils mysteriös und ständig faszinierend. Und Mia Wasikowska und Julianne Moore sind beide atemberaubend gut in diesem Film.

Persönliche Bewertung: Großartig!


2046 (China/Deutschland/Frankreich/Italien/Hongkong 2004, Regie: Wong Kar-Wai)

Hongkong in den 60er Jahren: Chow (Tony Leung Chiu-Wai) hat sich in einer kleinen Pension eingemietet und geht seiner Arbeit als Journalist nach. Nebenbei schreibt er an einem Science-Fiction-Roman, in dem er Erinnerungen an seine drei großen Lieben verarbeitet…
2046 entfacht sehr schnell eine Sogwirkung und zieht den Zuschauer förmlich hinein in einen Strudel, in dem sich Realität und Phantasie vermischen. 2046 besteht in erster Linie aus Gefühlen, die in teils wunderschönen Bildern verpackt sind. Ein ständiger Hauch von Melancholie weht durch diesen Film, die Atmosphäre ist geheimnisvoll und mysteriös und wenn nach gut 2 Stunden der Abspann einsetzt, mag man nicht wirklich glauben, dass 2046 tatsächlich schon vorbei sein soll.

Persönliche Bewertung: Großartig!


THE WEDDING SINGER (USA 1998, Regie: Frank Coraci)

Vom Plot her ist das hier natürlich ne absolut typische RomCom: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge und Mädchen müssen einige Hindernisse aus dem Weg schaffen, es kommt zu Missverständnissen und in letzter Sekunde gibt’s dann das obligatorische Happy End. Was THE WEDDING SINGER aus dem Gros der romantischen Komödien dann doch herausstechen lässt, ist insbesondere das Zusammenspiel zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore, die hier in erster gemeinsamen Rolle zu perfekt harmonieren, als hätten sie nie mit einem anderen Partner vor der Kamera gestanden. Es sollten dann ja auch noch zwei weitere gemeinsame Auftritte der beiden folgen. Und die Tatsache, dass ich die Filme des viel gescholtenen Adam Sandler immer mehr zu schätzen weiß und THE WEDDING SINGER zudem noch mit einem Soundtrack ausgestattet ist, der jede 80er-Jahre-Party zu einem Event machen würde, trägt natürlich auch sehr viel dazu bei, dass ich diesen Film hier nur wärmstens weiterempfehlen kann. Einfach toll.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


FA YEUNG NIN WA (aka In the Mood for Love, Frankreich/Hongkong 2000, Regie: Wong Kar-Wai)

Bei FA YEUNG NIN WA handelt es sich um den Vorgänger des kurz zuvor von mir angesehenen 2046 und dieses Ansehen in der verkehrten Reihenfolge war keine Absicht, sondern lediglich meiner eigenen Schusseligkeit geschuldet. Mit dem Wissen von FA YEUNG NIN WA im Kopf, erklären sich nun im Nachhinein ein paar “Rätsel” aus 2046 von selbst.
Auch in FA YEUNG NIN WA geht es um den Journalisten Chow (Tony Leung Chiu-Wai), dessen Partnerin sich - ebenfalls wie der Partner seiner Nachbarin Mrs. Chan (Maggie Cheung) - ständig auf langen Geschäftsreisen befindet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden Daheimgelassenen gleichzeitig die Gehörnten sind und sich deren Partner auf diesen Geschäftsreisen miteinander vergnügen. Zwischen den beiden Nachbarn entwickelt sich langsame eine Freundschaft, die sich mit fortschreitender Dauer in tiefe Zuneigung und Liebe verwandelt. Eine Liebe, der sich beide aufgrund gesellschaftlicher Normen und eigenen Schuldgefühlen jedoch nicht hingeben können. In 2046 wird Chow dies schließlich auf seine eigene Art und Weise verarbeiten.
Im Vergleich zum Nachfolger ist FA YEUNG NIN WA deutlich geradliniger ausgefallen, ihm fehlt dieses Rauschhafte, Geheimnisvolle und Mysteriöse. FA YEUNG NIN WA ist im Endeffekt eine ebenso schöne wie traurige Liebesgeschichte, die von jeglichem Kitsch befreit zu sein scheint, dem Zuschauer folgerichtig kein unpassendes Happy End serviert, sondern ihn stattdessen nachdenklich und leicht melancholisch in den Abspann entlässt. Die Bilder, die Regisseur Wong Kar-Wai gemeinsam mit seinen Kameramännern Christopher Doyle und Mark Lee Ping-Bin auf die Leinwand zaubert, sind nicht weniger als magisch, der Score von Komponist Michael Galasso unterstreicht die Stimmung des Films perfekt und die beiden Hauptdarsteller sind eh über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


BLENDED (USA 2014, Regie: Frank Coraci)

BLENDED ist nach THE WEDDING SINGER und 50 FIRST DATES die dritte gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore. Und natürlich werden sich die beiden am Ende des Films wieder kriegen. Aber darum geht es ja im Endeffekt gar nicht. Es geht um den Weg, der zum Ziel führt und der ist erneut einfach nur witzig, sympathisch, erfrischend und herzerwärmend. Und dann wieder diese perfekte Chemie zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore. Ach, ich mag diese wunderbaren Komödien mit Adam Sandler einfach unglaublich gerne.

Persönliche Bewertung: Gut!


DAS FINSTERE TAL (Deutschland/Österreich 2014, Regie: Andreas Prochaska)

Prochaskas DAS FINSTERE TAL beginnt mit einer Szene, in der Menschen gewaltsam aus einem Keller gezerrt werden, in dem sie sich versteckt hatten. Danach folgen die Credits, gelegt über beeindruckende Bilder purer Naturgewalt. Ein Fremder reitet in ein kleines Dorf, welches hoch in den Alpen in einem Tal gelegen ist und bittet über den Winter um Asyl…
Man weiß bereits nach wenigen Minuten, welchen Verlauf DAS FINSTERE TAL nehmen wird. Natürlich wird dieser Fremde etwas mit der Szene vor den Anfangscredits zu tun haben, natürlich wird er Rache nehmen wollen und natürlich wird es Tote geben. DAS FINSTERE TAL ist ein klassischer (Italo-)Western mit typischen Fremden- und Racheszenarien. Der Plot ist auch gar nicht so wichtig, was DAS FINSTERE TAL so sehenswert macht, ist die Art und Weise, wie Prochaska seine Geschichte erzählt. DAS FINSTERE TAL lebt von beeindruckenden Bildern, von einer bedrückenden Atmosphäre, die ständig zwischen Mystery und Melancholie schwankt und von drei großartigen Hauptdarstellern. Prochaskas Film nimmt einen als Zuschauer gefangen, entführt einen in eine fremde und unwirtliche Welt und lässt einen bis zum Schluss nicht wieder los.
Ich würde jetzt gerne den Satz “endlich mal wieder großes deutsches Kino“ bringen, aber DAS FINSTERE TAL ist nur eine Co-Produktion, gedreht von einem österreichischen Regisseur und mit zwei männlichen Hauptdarstellern, von denen der eine aus England (Sam Riley) und der andere aus Österreich (Tobias Moretti) stammt. Aber zumindest folgenden Satz kann ich loswerden: Endlich mal wieder großes deutschsprachiges Kino!

Persönliche Bewertung: Großartig!


GONE GIRL (USA 2014, Regie: David Fincher)

David Fincher. Man erwartet einfach Großes von ihm. Vielleicht sollte man seine Erwartungshaltung doch mal ein bisschen nach unten schrauben. GONE GIRL ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gillian Flynn, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete (aufgrund dieser Tatsache gehe ich - ohne das Buch zu kennen - davon aus, dass der Film ziemlich nah an der Vorlage sein dürfte) und vielleicht liegt es ja einfach auch an der Geschichte an sich, dass GONE GIRL nicht wirklich mehr als ein ziemlich guter Thriller geworden ist. Affleck und Pike spielen überzeugend und die Geschichte überrascht mit der einen oder anderen Wendung, die man so vielleicht nicht unbedingt vorhersehen konnte. Und auch den herrlich dissonanten Score von Trent Reznor und Atticus Ross möchte ich noch lobend erwähnt haben. Auf der Sollseite stehen dagegen diese letzte halbe Stunde, in der das Finale des Films eingeläutet wird und die etwas arg konstruiert und fast schon wie hingeklatscht wirkt und so einige Längen, die sich über die stolze Laufzeit von gut 150 Minuten immer wieder breit machen. Insgesamt betrachtet hätte dem Film eine etwas straffere Erzählweise wohl ganz gut getan.
GONE GIRL ist ein guter und solider Film, atemlos machende Meisterwerke wie SE7EN oder FIGHT CLUB scheint David Fincher halt einfach nicht mehr hinzukriegen.

Persönliche Bewertung: Gut!


ATTACK THE BLOCK (Frankreich/Großbritannien 2011, Regie: Joe Cornish)

Ausgesprochen kurzweilige Sci-Fi-Action-Komödie von den Produzenten, die auch schon für SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ verantwortlich zeichneten. In einem Londoner Problemviertel müssen sich ein paar jugendliche Halbstarke und Möchtegerngangster gegen Aliens zur Wehr setzen. Überzeugende Jungdarsteller, die diese “Ghetto“-Attitüde richtig gut rüberbringen, ein unkonventionelles Monsterdesign (hat ein bisschen an die Aliens aus der CRITTERS-Reihe erinnert), ein treibender Elektronik- und Hip-Hop-Score bzw. -Soundtrack, der das hohe Tempo des Films vorgibt, coole Effekte, nette Actioneinlagen und mittendrin Nick Frost als asozialer Dealer – die Mischung passt und macht ATTACK THE BLOCK zu einem extrem kurzweiligen und abwechslungsreichen Genrebeitrag. Anschauen!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


DESPERATE HOUSEWIVES: SEASON 8: EPISODES 5-23 (USA 2012, Idee: Marc Cherry)

Dass es DESPERATE HOUSEWIVES tatsächlich auf insgesamt acht Staffeln geschafft hat, ist schon durchaus verwunderlich und bemerkenswert. Richtig gut waren eigentlich nur die ersten drei Staffeln, in denen tatsächlich noch so etwas wie Spannung existierte und ein gewisser Mystery-Touch vorhanden war. Staffel 4 und 5 waren sehr durchwachsen und es hätte mich nicht gewundert, wenn damals nach der fünften Staffel Schluss gewesen wäre. In den letzten Monaten habe ich mir nun die letzten 3 Staffeln - nach einer etwas längeren Pause - angesehen und muss sagen, dass diese mich doch wieder etwas positiver überrascht haben. So wirkliche Ideen, die Geschichte der vier Freundinnen weiterzuerzählen, waren zwar nicht vorhanden und diese nun zu Ende gebrachte achte und letzte Staffel stellt wohl auch so etwas wie den (traurigen) Höhepunkt der Einfallslosigkeit der Autoren dar, die sich seit Staffel 4 immer hanebüchenere Wendungen ausgedacht haben, über die man sich definitiv keine näheren Gedanken machen sollte. Aber war dieser Schmarren zum Ende der fünften Staffel kaum noch auszuhalten, so ist er in diesen letzten 3 Staffeln seltsamerweise extrem unterhaltsam ausgefallen. DESPERATE HOUSEWIVES hat sich für mich zum perfekten Berieselungsmittel nach stressigen Tagen im Büro entwickelt. Es macht Spaß, die vertrauten Charaktere dabei zu beobachten, wie sie von einer konstruierten Situation in die nächste geraten müssen. DESPERATE HOUSEWIVES entwickelt so - vor allem auch in diesen jetzt angesehenen letzten 19 Episoden der finalen Staffel - einen herrlichen trashigen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Zu Ende gebracht haben sie die Serie ausgesprochen schön und - ich wage es kaum zuzugeben - irgendwie werde ich Susan, Gabrielle, Bree und Lynette vermissen (ein kleines bisschen zumindest).


THE LONE RANGER (USA 2013, Regie: Gore Verbinski)

Basierend auf einer mir persönlich gänzlich unbekannten TV-Serie erzählt THE LONE RANGER von Regisseur Gore Verbinski eine im wilden Westen angesiedelte, typische Rachegeschichte. Das Problem des Films ist zum einen seine irrsinnige Laufzeit von 150 Minuten, die durch den Plot in keinster Weise gerechtfertigt wird und die dazu führt, dass sich doch einige Längen einschleichen, und zum anderen die Tatsache, dass THE LONE RANGER einerseits ziemlich grimmig, andererseits unheimlich albern ausgefallen ist und diese beiden Seiten einfach nicht miteinander harmonieren wollen, sondern stattdessen relativ isoliert nebeneinander stehen. Dafür ist Johnny Depp in der Rolle des Indianers Tonto voll in seinem Element. Depp ist ja gefühlt seit dem ersten PIRATES OF THE CARIBBEAN-Film Tag und Nacht “in character“ und hat sichtlichen Spaß daran, sich hier vollkommen unbekümmert auszutoben und den Jack Sparrow im wilden Westen zu geben.

Persönliche Bewertung: Nett!


LET ME IN (Großbritannien/USA 2010, Regie: Matt Reeves)

Von der gängigen Praxis, europäischen (und anderen) Überraschungserfolgen für den englischsprachigen Markt ein Remake zu spendieren, kann im Endeffekt jeder halten, was er will. Wenn dabei immer wieder mal so gute Filme herauskommen wie dieser hier, habe ich persönlich gegen diese Praxis rein gar nichts einzuwenden. Remakes, die einen nicht interessieren, muss man sich ja nicht zwingend anschauen.
LET ME IN ist die Neuauflage des gefeierten schwedischen LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN aus dem Jahr 2008 und wurde immerhin von den altehrwürdigen Hammer Films mitproduziert. Regisseur Matt Reeves, der zuvor den großartigen CLOVERFIELD gedreht hatte, orientiert sich - insbesondere was Atmosphäre und Stimmung angeht - ziemlich eng am Original. Reeves erzählt diese Geschichte um den Außenseiter, der in der Schule von den Stärkeren terrorisiert wird und sich in ein Mädchen verliebt, welches kurz zuvor in seinen Wohnblock gezogen ist, auf ruhige und eindringliche Art und Weise. LET ME IN ist poetisch, mystisch, melancholisch und wird dem Original in diesem Bereich ohne Frage gerecht. Was Reeves’ Variante dieser Mischung aus Coming-of-Age- und Vampirfilm vom Original jedoch deutlich unterscheidet ist die Tatsache, dass LET ME IN eingängiger geraten ist als LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN. Diese Sperrigkeit, die man dem Film aus Schweden sicher nicht absprechen konnte, ist hier praktisch nicht vorhanden. Man mag das meinetwegen als Zugeständnis an den Mainstream verurteilen, mir persönlich hat diese Herangehensweise an den Stoff einfach besser gefallen und so ist LET ME IN für mich einer dieser (seltenen) Fälle, in denen das Remake dem Original sogar noch ein gutes Stück überlegen ist, auch weil Chloë Grace Moretz als Vampirmädchen einfach nur großartig aufspielt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


THE THING (Kanada/USA 2011, Regie: Matthijs van Heijningen Jr.)

THE THING ist die mittlerweile dritte Verfilmung der Kurzgeschichte “Who Goes There?“ von John W. Campbell Jr. und funktioniert gleichzeitig als Prequel zu Carpenters gleichnamiger Version aus dem Jahr 1982. Sehr schön vor allem die Szenen zu Beginn des Abspanns, die praktisch nahtlos zu Carpenters Film überleiten. Wenn man aber als erstes Szenen im Abspann lobend erwähnt, lässt das schon darauf schließen, dass einen das, was zuvor zu sehen gewesen ist, nicht unbedingt vom Hocker gehauen hat. Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. kann der Geschichte nämlich nicht wirklich neue Akzente geben und es gelingt ihm in keinster Weise, der praktisch makellosen Version von John Carpenter auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen. Es gibt ein paar hübsche Rob-Bottin-Gedächtnis-Creature-Designs zu bestaunen, die sicher gut gemeint sind, aber in erster Linie deutlich machen, wie sehr moderne CGI-Effekte (es gibt auch ein paar handgemachte Creature-Effekte, die sind aber deutlich in der Unterzahl) gegen die gute alte Handarbeit doch abstinken. Ansonsten hat sich Regisseur van Heijningen Jr. nicht nur stark an Carpenters Version, sondern vor allem auch an den ALIEN-Filmen orientiert. Die von Mary Elizabeth Winstead gespielte Kate Lloyd ist praktisch so etwas wie eine Ripley für Arme. Aber genug gemotzt, soooo schlecht ist THE THING nun auch nicht geraten. Wenn es einem gelingt, ihn nun nicht unbedingt mit Carpenters Version zu vergleichen, ist er sogar halbwegs ansehbar.

Persönliche Bewertung: Ok!


ENOUGH SAID (USA 2013, Regie: Nicole Holofcener)

Regisseurin Nicole Holofcener dreht gerne mal Filme über die Lebenskrise gut situierter Menschen mittleren Alters. Wie beispielsweise FRIENDS WITH MONEY vor ein paar Jahren, oder jetzt ENOUGH SAID. Man kann das vielleicht durchaus als oberflächlich oder belanglos bezeichnen, schließlich wird hier Jammern auf extrem hohem Niveau dargestellt. Auf der anderen Seite kann man diese Geschichten aber auch auf die simpelste Art und Weise lesen und die einfache und altbekannte Botschaft mitnehmen, dass Geld allein auch nicht glücklich macht. Und irgendwie ist es für uns Normalbürger ja auch durchaus beruhigend, zu sehen, dass auch die gehobene Klasse am Ende des Tages mit den ältesten Problemen der Welt zu kämpfen hat, z.B. mit der Frage, ob es da draußen nicht doch jemanden geben könnte, mit dem man glücklich werden kann.
Die von Julia Louis-Dreyfus gespielte Eva scheint in ENOUGH SAID ihr Glück endlich in dem geschiedenen Albert (James Gandolfini) gefunden zu haben. Doch dunkle Wolken ziehen auf, als Eva zufällig und ohne es zu wissen Alberts Ex-Frau (Catherine Keener) kennenlernt und sich mit dieser anfreundet…
Nicole Holofcener erzählt ihre Geschichte auf ausgesprochen ruhige Art und Weise. ENOUGH SAID ist ein Film des leisen Humors und der kleinen Gesten und für mich als Zuschauer war es eine richtige Wohltat, diese gänzlich unaufgeregt erzählte Geschichte zu verfolgen. Ich liebe diese kleinen Independent-Produktionen mit diesem gewissen Wohlfühlfaktor einfach und kann mich immer und immer wieder in Filmen wie diesen hier verlieren. ENOUGH SAID ist vielleicht kein superguter, aber definitiv ein schöner Film, mit einem wunderbaren Ende und sollte schon allein deshalb angesehen werden, weil der tolle sowie groß- und einzigartige James Gandolfini hier in einer seiner letzten großen Rollen zu sehen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!


THE OSCARS (aka The 87th Academy Awards, USA 2015, Regie: Hamish Hamilton)

Es war mal wieder Oscar-Zeit und ein bisschen Senf muss ich auch einfach dazugeben.
Ich nehme mir die Oscar-Verleihung schon seit vielen Jahren in der Nacht auf und schaue mir sie dann ein oder zwei Tage später an. Bis zur Sichtung halte ich mich so gut es geht von Internet, TV und Radio fern, um die Spannung hochzuhalten. Nach den diesjährigen Oscars frage ich mich allerdings, ob dieses “Hochhalten der Spannung“ überhaupt noch irgendeinen Sinn macht. Man hat sich schon seit Jahren damit abgefunden, dass es bei der Preisvergabe keine wirklichen Überraschungen mehr gibt. Dass man aber wirklich so gut wie jeden Preisträger vorhersehen konnte wie in diesem Jahr gab es in meinen Augen so vorher noch nicht. Klar, BIRDMAN: OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE), ein Film über das Showbusiness, musste fast zwangsläufig die Oscars für Beste Regie und Besten Film erhalten, da kann die Konkurrenz noch so innovativ (BOYHOOD) oder kontrovers (AMERICAN SNIPER) sein. Und wer wie Eddie Redmayne einen Charakter wie den an ALS leidenden Stephen Hawking in THE THEORY OF EVERYTHING portraitiert, kann sich gemütlich auf seinen Platz setzen und muss sich keinerlei Sorgen darüber machen, ob ihm jemand die begehrte Trophäe als Bester Hauptdarsteller wegschnappt. Das gleiche gilt für Julianne Moore und ihrer Darstellung einer Alzheimer-Patientin in STILL ALICE. Auch hier war von vornherein klar, dass sie den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin mit nach Hause wird nehmen dürfen. Spannung kann man in diesen ganzen Kategorien wohl wirklich nur noch erwarten, wenn in einem Jahr mal mehrere Patientenrollen in einer Kategorie aufeinander treffen würden. Ganz nach dem Motto: Schlägt Alzheimer nun ALS oder umgekehrt?
Und über die Beachtung bzw. Nichtbeachtung mancher Filme allein bei den Nominierungen kann man mittlerweile auch nur noch den Kopf schütteln. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber dass Jacksons letzter Ausflug nicht mal eine Nominierung bei den diversen Effekt-Kategorien erhalten hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Und warum erhält Rosamund Pike für ihre - sicherlich gute und solide, aber sicher nicht herausragende Leistung - in GONE GIRL eine Nominierung als Beste Hauptdarstellerin? Und warum wird Ellar Coltrane, der während seiner ganzen Kind- und Jugendzeit für BOYHOOD vor der Kamera stand und wirklich eine beeindruckende Darbietung ablieferte, für diese Leistung nicht mit einer Nominierung belohnt?
Mir persönlich ging es beim Ansehen der Oscar-Zeremonie allerdings noch nie um die Verleihung an sich. Ich mochte immer das ganze Drumherum. Das Zusammenspiel zwischen dem Host und den Stars im Publikum - Ellen DeGeneres und Billy Crystal waren da in der Vergangenheit richtig klasse -, die Showeinlage, die liebevollen Hommagen an diverse Klassiker der Filmgeschichte und natürlich auch den Glamour und Glanz des roten Teppichs. Leider konnte die diesjährige Show auch in diesem Bereich nicht wirklich überzeugen. Neil Patrick Harris wirkte als Host irgendwie steif und gehemmt, seine Gags waren aufgesetzt und konnten nicht wirklich zünden. Der ganze Verlauf der Show wirkte zudem relativ planlos zusammengeschustert und die Showeinlagen waren eher nervig als begeisternd.
Insgesamt betrachtet waren THE 87TH ANNUAL ACADEMY AWARS eine ziemlich enttäuschende, ernüchternde und fast schon peinliche Veranstaltung.
Einziges Highlight: der Oscar für Patricia Arquette als Beste Nebendarstellerin in BOYHOOD.


MIAMI VICE: SEASON 2: EPISODES 12-22 (USA 1986, Idee: Anthony Yerkovich)

Die erste Staffel und die erste Hälfte der zweiten Staffel von MIAMI VICE habe ich vor etwas längerer Zeit gesehen und die Serie dann - aus welchen Gründen auch immer - erst mal wieder auf die Seite gelegt. Anfang Februar hat mich nun wieder die Lust auf MIAMI VICE gepackt und ich musste den von Anthony Yerkovich erfundenen und von Michael Mann produzierten TV-Kult einfach weiterschauen.
In Verbindung mit MIAMI VICE fällt meistens das Wort stilprägend. MIAMI VICE ist tatsächlich ein Synonym für die 80er Jahre, der Look dieser Serie hat nicht nur das Fernsehen, sondern auch das Kino nachhaltig verändert. Schaut man sich die Serie heute an, ist es schon irgendwie verwunderlich, dass sie damals so extrem erfolgreich war. Denn unter der ganzen stylishen Oberfläche mit den beiden coolen Cops, ihren - zumindest damals - schicken Designerklamotten und schnellen Sportwagen, den braungebrannten Schönheiten, dem immer strahlendblauen Himmel und den angesagten Clubs brodelt es gewaltig. Bei näherer Betrachtung stellt sich MIAMI VICE gar als extrem sperrig und schwer verdaulich heraus. Die von Don Johnson und Philip Michael Thomas verkörperten Crockett und Tubbs sind - mit all den Rückschlägen die sie, insbesondere auch im zwischenmenschlichen Bereich, immer wieder einstecken müssen - eigentlich ein Fall für den Psychiater, ihr Vorgesetzter Castillo (Edward James Olmos) rennt ausschließlich mit betrübter Miene durch die Gegend und lächelt praktisch nie und jeder einzelne Fall, egal ob es sich nun um Korruption, Prostitution, Drogenhandel oder Mord dreht, endet bei näherer Betrachtung in einer Katastrophe. Es gibt praktisch keinerlei Erfolgserlebnisse, jeder kleine Teilerfolg zieht eine große Ernüchterung nach sich. MIAMI VICE ist zutiefst melancholisch und - wie oben schon erwähnt - wahrlich keine leichte Kost. Die Geschichten, die erzählt werden stehen im krassen Gegensatz zum Hochglanz-Look, den Yerkovich und Mann der Serie verpasst haben und vielleicht war es ja auch dieser krasse Gegensatz, der MIAMI VICE letztendlich so erfolgreich hat werden lassen. Ich persönlich finde die Serie absolut toll und freue mich jetzt schon auf die dritte Staffel, die ich mir nun möglichst ohne größere Unterbrechung im nächsten Monat ansehen möchte.
Persönliche Highlights dieser zweiten Staffelhälfte: die Episode PAYBACK, in der Crockett ins Visier interner Ermittlungen gerät, und die finale Episode SONS AND LOVERS, in der Tubbs von Geistern aus der Vergangenheit heimgesucht wird.


GETAWAY (Bulgarien/USA 2013, Regie: Courtney Solomon)

Ein Gangster (Jon Voight) entführt die Ehefrau eines Rennfahrers (Ethan Hawke) und schickt diesen in einem gestohlenen und aufgemotzten Ford Mustang auf eine Schnitzeljagd quer durch die bulgarische Hauptstadt…
GETAWAY ist letztendlich eine einzige, 90-minütige Autoverfolgungsjagd. In den 70er Jahren war das Subgenre des Car-Chase-Films ja ziemlich beliebt, mit den großen Vorbildern von damals hat GETAWAY allerdings nur die Genrebezeichnung gemeinsam. In gewisser Weise ist das hier Gezeigte zwar durchaus nett anzusehen und mitunter auch ziemlich spektakulär gefilmt, auf die Dauer von 90 Minuten wirkt das alles aber auch sehr schnell sehr ermüdend. GETAWAY fehlt jegliche Spannung und nur die ausgedehnten Car-Chase-Sequenzen alleine reißen es halt leider auch nicht raus.

Persönliche Bewertung: Naja!


DER RÄCHER (Deutschland 1960, Regie: Karl Anton)

Nach dem Erfolg der ersten beiden Wallace-Verfilmungen der Rialto Film und noch vor den vielen weiteren Filmen, welche die Rialto noch in die Kinos bringen sollte, ließ Produzent Karl Ulrich von Regisseur Karl Anton den Wallace-Roman DER RÄCHER verfilmen, ein Buch, an dem die Rialto keine Rechte hatte. Und mit Heinz Drache, Siegfried Schürenberg und Klaus Kinski hatte Regisseur Karl Anton sogar drei Schauspieler an Bord, die im weiteren Verlauf ihrer Karriere noch in so manchem Wallace-Film der Rialto auftreten sollten.
Richtige Wallace-Atmosphäre mag in DER RÄCHER dennoch nicht aufkommen. Antons Film wirkt reichlich angestaubt, ihm fehlt einfach dieser Schwung und die Leichtigkeit - und natürlich auch ein “comic relief“ wie Eddi Arent - der meisten Rialto-Filme, daran können auch vorhandene Schlösser und Katakomben nicht viel ändern. Dafür war das Finale des Films ziemlich geil.

Persönliche Bewertung: Nett!


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KURZKOMMENTARE - JANUAR 2015, Teil 2


Da nicht alle Kommentare in den vorherigen Beitrag gepasst haben, hier nun der Rest meines Januars:


NORTH TO ALASKA (USA 1960, Regie: Henry Hathaway)

Nach knapp 2 Stunden endet NORTH TO ALASKA praktisch exakt so, wie er begonnen hatte - mit der Inszenierung einer nicht selten in den Slapstick abdriftenden Schlägerei. Dazwischen liegt eine einfach gestrickte Geschichte, die zu Zeiten des Goldrauschs im Jahr 1900 spielt. Mit nicht ganz so hellen, aber dafür grundehrlichen Typen (den von John Wayne gespielten Charakter etwa nur als naiv zu bezeichnen, wäre definitiv Schmeichelei), Frauen, die genau wissen, wie sie Männer rumkriegen können, einem gemeinen Fiesling, der sich eine Goldader erschleichen will, ein paar hübschen Panoramaaufnahmen, einer Schießerei und viel Lagerfeuerromantik. Hathaway bietet gut 2 Stunden puren Eskapismus, NORTH TO ALASKA scheint nur dafür gemacht worden zu sein, dem Zuschauer eine Flucht aus seinem viel zu tristen Alltag zu bieten. Das mutet heute natürlich unfassbar kitschig und naiv an, ich finde es aber auch irgendwie verdammt sympathisch.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


ABOUT SCHMIDT (USA 2002, Regie: Alexander Payne)

Regisseur Alexander Payne erzählt die Geschichte eines Mannes, der alles verloren zu haben scheint und sich nun auf einen Selbstfindungstrip begibt. Und tatsächlich sieht es nicht sonderlich gut aus um den von Jack Nicholson gespielten Warren Schmidt. Seinen Job hat er an den Ruhestand verloren, seine Tochter an einen künftigen Schwiegersohn, der viel zu weit entfernt lebt, und seine langjährige Ehefrau an ein plötzlich und unerwartet aufgetretenes Blutgerinsel im Kopf. Schmidt steht ziemlich allein und scheinbar ohne Aufgabe im Leben da und als Zuschauer wird man Zeuge, wie Schmidt - von Trauer, Wut und Enttäuschung getrieben - verzweifelt versucht, dieses Leben zu meistern und ihm wieder einen Sinn zu geben. ABOUT SCHMIDT ist natürlich in allererster Linie Schauspielkino und würde ohne den einfach nur großartigen Jack Nicholson wohl nicht ansatzweise so gut funktionieren, wie er letztendlich funktioniert. Mir fällt auch ehrlich gesagt kein Schauspieler ein, der einen missmutigen Griesgram so überzeugend und sympathisch rüberbringen könnte wie es Nicholson tut. ABOUT SCHMIDT ist bewegend, berührend und regt zum Nachdenken an.
Ein richtig guter Film, der auch in Paynes Filmographie weiter nachwirkt. In einer kurzen Szene in ABOUT SCHMIDT ist ein Kino im Bild, in dem ein Film mit dem Titel SIDEWAYS gezeigt wird, einen Film, den es zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht gab, der jedoch als nächstes in Paynes Filmographie auftauchen sollte. Oder diese Sequenz, in der Schmidt herausfindet, dass er von seiner verstorbenen Ehefrau einst betrogen wurde. Rund um diesen Aufhänger sollte Payne 9 Jahre später mit THE DESCENDANTS einen eigenen Film in die Kinos bringen. Und dann natürlich die Figur des Schmidt selbst. Schmidt wirkt wie eine 10 Jahre jüngere und deutlich wütendere Version des von Bruce Dern gespielten Woody Grant aus Paynes grandiosem NEBRASKA aus dem Jahr 2013. Und mit der Tatsache, dass sowohl die Ehefrau von Bruce Dern in NEBRASKA als auch die Ehefrau von Warren Schmidt in ABOUT SCHMIDT jeweils von June Squibb gespielt wird, schließt sich auch dieser Kreis.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


THE GAMBLER (USA 1974, Regie: Karel Reisz)

James Caan spielt Axel Freed, einen College-Professor mit einer zwanghaften Spielsucht, die ihm schließlich hohe Schulden bei der Mafia einbringt. Der tschechische Regisseur Karel Reisz - der übrigens eine ziemlich übersichtliche Filmographie aufzuweisen hat, neben diesem Film hier dürften WHO'LL STOP THE RAIN mit Nick Nolte und THE FRENCH LIEUTENANT'S WOMAN mit Meryl Streep und Jeremy Irons zu seinen bekanntesten Werken gehören - konfrontiert den Zuschauer in THE GAMBLER mit einem Mann, der zum hoffnungslosen Sklaven seiner Sucht geworden ist. Großartig vor allem die Leistung von James Caan, der den intellektuellen Spielsüchtigen so überzeugend spielt, dass dessen Verhalten - so absurd und irrsinnig es objektiv betrachtet auch sein mag - für den Zuschauer immer nachvollziehbar bleibt. Man versteht, warum Caans Freed tut was er tut. Man kann es nicht gutheißen und man möchte ihm eigentlich nur wieder raus helfen, aber man bringt auch Verständnis auf für diesen Getriebenen, diesen Süchtigen.
THE GAMBLER ist eine dieser kleinen Perlen des US-Kinos der 70er Jahre. Unaufgeregt gedreht, mit einem wunderbaren Score veredelt und mit diesem unvergleichlichen Lokal- und Zeitkolorit des New Yorks der 70er Jahre gesegnet.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


EUROCRIME! THE ITALIAN COP AND GANGSTER FILMS THAT RULED THE '70S (Frankreich/Italien/USA 2012, Regie: Mike Malloy)

Dem Vorbild von Regisseur Mark Hartley folgend, der sich ja schon in verschiedenen Dokumentationen mit diversen Genrefilmarten beschäftigt hat, widmet sich Mike Malloy in EUROCRIME! dem italienischen dem Polizei- und Gangsterfilm der 70er Jahre und präsentiert dem geneigten Fan ein kunterbuntes Potpourri aus interessanten Hintergrundinformationen, aufregenden Anekdoten von Zeitzeugen (u.a. plaudern Genre-Ikonen wie Franco Nero, John Saxon, Henry Silva und Luc Merenda aus dem Nähkästchen) und unzähligen Filmausschnitten. Verdammt, sogar J&B, der Standard-Whiskey-Marke des italienischen Kinos der 70er Jahre wird ein kleines Kapitel gewidmet. EUROCRIME! ist fast schon übervoll mit Informationen und macht definitiv Lust darauf, sich wieder vermehrt dem italienischen Genrekino zu widmen. So eine Dokumentation würde ich mir jetzt noch über meine heiß geliebten Gialli wünschen.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


GELD ODER LEBER! (Deutschland 1986, Regie: Dieter Pröttel)*

Ich kann es nicht lassen. Seit DIE SUPERNASEN muss ich mir einfach regelmäßig eine dieser herrlich-bescheuerten Lisa-Produktionen aus den 80er Jahren ansehen. GELD ODER LEBER! mit Mike Krüger ist vielleicht sogar einer der behämmertsten Filme aus dieser Zeit. Hier reiht sich Gaga-Gag an Gaga-Gag, die Geschichte wird episodenhaft heruntergekurbelt und dient tatsächlich einzig und allein dazu, einen Kalauer nach dem anderen zu präsentieren. Läuft das anfangs noch halbwegs geordnet hat, gehen Regisseur Dieter Pröttel spätestens ab der Sequenz mit Falco wirklich alle Gäule durch. Ab diesem Zeitpunkt ist GELD ODER LEBER! pure Anarchie, eine Paradebeispiel für die pure Freude am Infantilen. Unfassbar doof und unfassbar toll zugleich.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA (aka Curse of the Golden Flower, China/Hongkong 2006, Regie: Zhang Yimou)

Intrigen und Verrat in einem chinesischen Kaiserreich zu Zeiten der Tang-Dynasty, welche schließlich in einem blutigen Konflikt enden. Keiner bebildert eine klassische Geschichte wie diese hier so unglaublich schön wie Regisseur Zhang Yimou. MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA ist ein Fest für die Sinne. Die Kostüme, die Settings, diese knallbunte Farbenpracht, das exzellente Sounddesign, die tollen Kampfchoreographien und dieses umwerfende Schlachtengemälde, in dem der Film letztlich endet - es ist eine Freude, dem Geschehen auf dem Bildschirm für gut 2 Stunden zu folgen und in diese fremde Welt abzutauchen. Film ist ein audiovisuelles Medium - und Zhang Yimou bringt diesen Fakt dem Zuschauer auf besonders beeindruckende und eindringliche Weise näher.

Persönliche Wertung: Großartig!


A LONG WAY DOWN (Deutschland/Großbritannien 2014, Regie: Pascal Chaumeil)

Das gleichnamige und diesem Film zugrundeliegende Buch von Nick Hornby habe ich erst kurz zuvor gelesen und so fällt es natürlich schwer, diesen Film losgelöst von der Vorlage als eigenständiges Werk zu betrachten. Hätte ich das Buch nicht gekannt, hätte mir A LONG WAY DOWN mit seiner lebensbejahenden – mitunter vielleicht etwas arg kitschigen – Attitüde vielleicht sogar richtig gut gefallen. Das ist nämlich einer dieser eigentlich grundsympathischen und nett-harmlosen Wohlfühlfilme, die sich bestens dafür eignen, sich von ihnen einfach nur gut unterhalten zu lassen. Aber nun kenne ich halt das Buch und dann muss ich doch ziemlich ernüchtert feststellen, dass den vier Charakteren hier fast jegliche Ecken und Kanten geraubt wurden und weiter konstatieren, dass die Tatsache, dass - auch wenn sich Regisseur Pascal Chaumeil zuvor ziemlich eng an die Vorlage hält - das tolle letzte Drittel des Buches hier komplett umgeschrieben und in ein megakitschiges Happy End verwandelt wurde, doch etwas sauer aufstößt. Auf der positiven Seite: Aaron Paul und Imogen Poots, ein paar extrem witzige Szenen, ein toller Soundtrack und ein paar Kameraeinstellungen zum Niederknien.

Persönliche Wertung: Ok!


BORDER INCIDENT (USA 1949, Regie: Anthony Mann)

Mischung aus Kriminalfilm und Drama mit Film-Noir-Elementen rund um eine illegale Schlepperbande, die an der Grenze zwischen den USA und Mexiko agiert und der zwei Undercover-Agenten das Handwerk legen sollen. Richtige Spannung kommt erst in den letzten 20 Minuten auf, davor plätschert BORDER INCIDENT relativ gemächlich vor sich hin, ist zwar ganz nett anzusehen, konnte mich persönlich aber auch nicht wirklich mitreißen. Aber diese letzten 20 Minuten, die sind wirklich richtig toll und retten den Film vor der kompletten Bedeutungslosigkeit.

Persönliche Wertung: Ok!


CLEAR AND PRESENT DANGER (USA 1994, Regie: Phillip Noyce)*

Harrison Ford schlüpft zum zweiten Mal in die Rolle des Jack Ryan und bekommt es - nachdem er sich im Vorgängerfilm noch der persönlichen Vendetta eines Terroristen ausgesetzt sah - mit einer Verschwörung rund um ein kolumbianisches Drogenkartell zu tun, die bis in die höchsten politischen Kreise der USA zu reichen scheint. CLEAR AND PRESENT DANGER ist noch mal ein gutes Stück größer und aufwendiger geraten als die beiden Filme zuvor. Im direkten Vergleich zu PATRIOT GAMES wirkt CLEAR AND PRESENT DANGER fast schon episch und auch die Figur des Jack Ryan hat eine deutliche Wandlung vollzogen. Er ist zwar immer noch in erster Linie Schreibtischtäter, bewegt sich aber mittlerweile weitaus gewandter im Fadenkreuz aufkommender Gefahr. Und es ist auch ernüchterter Ryan, mit dem es der Zuschauer hier zu tun hat. Er muss einsehen, dass sein Kampf ein Kampf gegen Windmühlen ist, dass Korruption ein fester Bestandteil der höchsten Kreise des Geheimdienstes und der Politik geworden ist und durch den Tod seines Mentors und väterlichen Freundes James Greer (James Earl Jones) das letzte Stück Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in diesem “Geschäft“ zu Grabe getragen wurde. Es ist kein positives Bild, welches Regisseur Phillip Noyce - eingebettet in einen spannenden und mitreißenden Actionthriller - hier von den Volksvertretern zeichnet.

Persönliche Wertung: Gut!


ÖLÜLER KONUSMAZKI (Türkei 1970, Regie: Yavuz Yalinkiliç)

Mit dem Begriff Gothic Horror verbindet man wohl in erster Linie Filme der britischen Hammer Studios oder des italienischen Regisseurs Mario Bava. Man dürfte wohl nicht zwangsläufig an die Türkei als Produktionsland eines Films denken, der dem Genre des Gothic Horror zuzuordnen ist. Um genau einen solchen Film handelt es sich jedoch bei ÖLÜLER KONUSMAZKI und der Film funktioniert überraschenderweise sogar richtig gut. Es geht um einen Geist, der an jedem 15. eines Monats eine kleine türkische Stadt heimsucht und die Einwohnerzahl - insbesondere die Zahl der Damen des Ortes - so auf drastische Weise reduziert. Klar, dass diesem Geist irgendwie das Handwerk gelegt werden muss.
Insbesondere diese ersten 20 Minuten des Films, in denen man als Zuschauer noch nicht so wirklich weiß, was letztendlich auf einen zukommen wird, sind fast schon grandios gut gelungen. Regisseur Yavuz Yalinkiliç erschafft hier mit geringen Mitteln eine ungemein dichte Atmosphäre und sorgt so ein ums andere Mal für pure Gänsehaut. Vor allem das ganz vorzügliche Spiel und Experimentieren mit diversen Licht-, Schatten- und Spiegeleffekten trägt verdammt viel zum Gelingen des Films bei. Schade nur, dass Yalinkiliç es nicht schafft, diese Spannung und Atmosphäre tatsächlich über die komplette Laufzeit hochzuhalten. Irgendwann geht ÖLÜLER KONUSMAZKI doch etwas die Luft aus - was insbesondere am gnadenlosen Overacting des Darstellers des Geistes liegt, der wohl eine Mischung aus Christopher Lee, Vincent Price und Peter Cushing auf die Leinwand zaubern wollte - und im letzten Drittel schleichen sich doch spürbare Längen ein. Den überraschend guten Gesamteindruck schmälert das jedoch nicht.

Persönliche Wertung: Gut!


FEMALE (USA 1933, Regie: Michael Curtiz/William Dieterle/William A. Wellman)

Noch einer dieser Filme aus der Pre-Code-Ära Hollywoods und erneut muss ich konstatieren, dass diese vor Einführung der Zensur entstandenen Filme auch heute noch vor lauter Frische und Unbekümmertheit nur so zu strotzen scheinen.
In FEMALE geht es um eine erfolgreiche Karrierefrau, die an der Spitze eines Konzerns steht, immer ihren Willen durchsetzt und so das damals vorherrschende, typische Rollenbild der Frau ganz gehörig auf den Kopf stellt. Die von Ruth Chatterton überzeugend gespielte Alison Drake weiß ganz genau, was sie will und wie sie es kriegt. Sie geht ihren Weg praktisch ohne Kompromisse. Eine Thematik, die schon kurze Zeit später nicht mehr durch die Zensur gekommen wäre. Und auch wenn die Protagonisten sich im Lauf der Handlung schließlich verliebt und sich am Ende für eine Familie und gegen die Weiterführung ihrer Karriere entscheiden wird, so ist dies nicht als Salto rückwärts zu verstehen. Sie tut auch dies, weil sie es genau so will und nicht weil ein Mann ihr diese Rolle aufzwingt.
Ich möchte gar nicht wissen, wie sich Hollywood weiterentwickelt hätte, wenn es diese ab Mitte der 30er Jahre eingeführten Zensurauflagen nicht gegeben hätte. Wie diese die Filmemacher ausgebremst haben, lässt sich schon allein dadurch feststellen, dass man mal eine typische Doris-Day-Komödie aus den 50er Jahren mit einem Film wie FEMALE vergleicht.

Persönliche Wertung: Gut!


THE GUILT TRIP (USA 2012, Regie: Anne Fletcher)

Seth Rogen fährt mit seiner Filmmutter Barbra Streisand eine Woche lang quer durch die USA. Die Reise wird zum (Selbst-)Findungstrip. Typisches Road Movie, bei dem der Weg das Ziel ist und beide Protagonisten am Ende der Reise gestärkt hervorgehen. Die zuvor nur sporadisch existierende Mutter-Sohn-Beziehung ist wieder intakt. Man muss aus THE GUILT TRIP jetzt nicht sonderlich mehr machen, als er letztendlich ist, aber in diesem ganzen kitschigen Rührstück steckt natürlich auch verdammt viel Wahrheit drin und man kann durchaus mal innehalten, sich ein paar Gedanken machen und sich vielleicht auch ein bisschen selbst hinterfragen. Der Film liefert einige Ansätze dazu. Ich mochte THE GUILT TRIP schon irgendwie ganz gern.

Persönliche Wertung: Nett!


THE SUM OF ALL FEARS (Deutschland/USA 2002, Regie: Phil Alden Robinson)

In der vierten Jack-Ryan-Verfilmung gibt es mit Ben Affleck den mittlerweile dritten Ryan-Darsteller zu bewundern. THE SUM OF ALL FEARS dürfte bisher am weitesten vom Roman abweichen. Während das Buch innerhalb der Chronologie der Ereignisse nach den zuvor verfilmten Ryan-Abenteuern anzusiedeln ist, handelt es sich bei dem 8 Jahre nach CLEAR AND PRESENT DANGER in die Kinos gekommenen THE SUM OF ALL FEARS eher um ein Reboot der Reihe, welches mit Ben Affleck einen weitaus jüngeren Hauptdarsteller präsentiert als es Baldwin und Ford gewesen sind und somit auch einen Jack Ryan am Anfang seiner Karriere zeigt, der hier gleich mal nicht viel weniger zu tun bekommt, als den dritten Weltkrieg zu verhindern.
THE SUM OF ALL FEARS ist wie die Vorgänger auch ein klassischer Polit-, Verschwörungs- und Agententhriller mit einzelnen Actionhöhepunkten. Die Spannung entwickelt sich aus den Dialogen der Pro- und Antagonisten und aus deren Aktionen hinter den großen Schreibtischen. Mir hat insbesondere dieser langsame Spannungsaufbau in der ersten Hälfte, der sich ziemlich genau nach einer Stunde in dieser einfach nur brachial inszenierten Nuklearexplosion entlädt, ausgesprochen gut gefallen. Danach fand ich THE SUM OF ALL FEARS streckenweise etwas zu hektisch und einzelne Aktionen der verschiedenen Beteiligten nicht mehr unbedingt glaubwürdig und nachvollziehbar. Insgesamt betrachtet ist THE SUM OF ALL FEARS trotzdem ein guter Film, im Gesamtzusammenhang mit den drei Ryan-Verfilmungen zuvor betrachtet ist er jedoch auch ein paar Nuancen schwächer geraten als seine Vorgänger.

Persönliche Wertung: Gut!


THE WRONG MAN (USA 1956, Regie: Alfred Hitchcock)

Angeblich auf einer wahren Begebenheit basierend, behandelt THE WRONG MAN eines von Hitchcocks Lieblingsthemen, nämlich den unschuldigen Normalbürger, der aufgrund widriger Umstände in ernsthafte Probleme gerät und nun versuchen muss, aus dem ganzen Schlamassel, der ihm eingebrockt wurde, wieder herauszukommen. In THE WRONG MAN handelt es sich dabei um den von Henry Fonda gespielten Manny Balestrero, der beschuldigt wird, diverse Überfälle begangen zu haben und auch von sämtlichen Zeugen als Täter identifiziert wird. Der für den Zuschauer ganz offensichtlich unschuldige Mann muss nun seine Unschuld beweisen. Fonda eignet sich ganz vorzüglich als Identifikationsfigur, mit der man bangen und zittern kann und die man am Ende schon unschuldig hinter Gittern landen sieht. Es bedarf einer Art “Deus ex machina“, damit Mannys Unschuld dann doch noch bewiesen wird. Aber der Film beruht ja auf wahren Tatsachen und manchmal wendet sich dann halt doch alles zum Guten und so verzeiht man THE WRONG MAN dieses Ende, welches man in einer vollkommen fiktiven Geschichte sicherlich für etwas billig halten würde, sehr gerne. Und so etwas wie ein echtes Happy End wird dem Zuschauer auch irgendwie verwehrt. Da ist viel zu viel kaputtgegangen in Mannys Leben, als dass man aufgrund des vordergründig positiven Ausgangs der Angelegenheit in ungetrübte Jubelstürme ausbrechen könnte.

Persönliche Wertung: Großartig!


ELLING (Norwegen 2001, Regie: Petter Næss)

Nach zwei gemeinsamen Jahren in der Psychiatrie sollen Elling (Per Christian Ellefsen) und Kjell (Sven Nordin) - die beide alleine nicht lebensfähig sind - in Oslo zusammen in eine Wohnung ziehen und mit Hilfe des Sozialarbeiters Frank (Jørgen Langhelle) lernen, mit ihrem Leben klarzukommen. Ein schwieriger und mühsamer Weg…
Regisseur Petter Næss präsentiert in ELLING zwei schwer gestörte Charaktere, die irgendwie versuchen müssen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und die aufgrund ihres Verhaltens von einer skurrilen Situation in die nächste geraten. Das schönste an ELLING ist die Tatsache, dass Næss seine beiden Hauptfiguren vollkommen ernst nimmt, er gibt sie nie der Lächerlichkeit preis, lacht nie über, sondern immer nur mit ihnen. Dem Zuschauer wachsen die beiden komischen Vögel von Minute zu Minute immer mehr ans Herz und es wird mit zunehmender Laufzeit immer deutlicher, wie “normal“ die beiden offensichtlich “Unnormalen“ am Ende des Tages doch sind. Letztendlich möchte jeder Mensch nur sein kleines Stückchen Glück vom großen Kuchen haben. Weswegen sollte man es gerade Elling und Kjell verwehren. ELLING ist ein ausgesprochen schöner, positiver und grundsympathischer Film, ein flammendes Plädoyer für mehr Toleranz und Empathie seinen Mitmenschen gegenüber.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


TAMMY (USA 2014, Regie: Ben Falcone)

Das Auto kaputt, einen miesen Job verloren und den Gatten beim Ehebruch erwischt - Melissa McCarthy als titelgebende Tammy hat die Schnauze voll und will nur noch weg. Gemeinsam mit ihrer Filmgroßmutter Susan Sarandon begibt sie sich auf einen Road Trip. White-Trash-Dramödie, die zwar ein paar nette Gags aufweisen kann, über den Großteil der Laufzeit allerdings nur relativ ziel- und planlos dahinplätschert. Mit Kathy Bates, Sandra Oh und Dan Aykroyd in weiteren Rollen zwar ausgesprochen prominent besetzt, mehr als halbwegs kurzweilige und nette Unterhaltung bleibt da aber nicht übrig. Und wie wir ja alle wissen, ist nett die kleine Schwester von scheiße. Ein Film am Rande der Belanglosigkeit.

Persönliche Wertung: Nett!


Und der Vollständigkeit halber hier noch die Auflistung der gesehenen TV-Episoden:
Desperate Housewives: Season 7 (Episoden 9-23)
Desperate Housewives: Season 8 (Episoden 1-4)
How I Met Your Mother: Season 2 (Episoden 7-22)


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KURZKOMMENTARE - DEZEMBER 2014


32 Filme gesehen. Reihenfolge der Kommentare entspricht der Reihenfolge der Sichtungen. *=keine Erstsichtung


HICKEY & BOGGS (USA 1972, Regie: Robert Culp)

Zwei abgehalfterte Privatdetektive (Regisseur und Hauptdarsteller Robert Culp sowie Bill Cosby) nehmen einen Routinefall an und finden sich sehr schnell im absoluten Schlamassel wieder. HICKEY & BOGGS ist kein Film, den man sich so nebenbei mal anschauen kann. Das von Walter Hill verfasste Drehbuch ist ausgesprochen komplex geraten und ohne die notwendige Aufmerksamkeit kann man hier schnell mal den Faden verlieren. Bleibt man am Ball, wird man mit einem exzellenten und extrem spannenden Neo-Noir belohnt, der diese typische Atmosphäre des Crime-Kinos der 70er Jahre versprüht und mit einem mehr als denkwürdigen Finale aufwartet. Und dann diese Szene im leeren Stadion ziemlich in der Mitte des Films. Ein Paradebeispiel dafür, wie man Spannungsmomente perfekt inszenieren kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


BLACK SAMSON (USA 1974, Regie: Charles Bail)

Kleiner Blaxploitation-Reißer aus den 70ern, in dem der Besitzer eines Nachtclubs - der titelgebende Samson und gleichzeitig so etwas wie der Heilsbringer seines Viertels - von fiesen Gangstern gepiesackt wird, denen sein Etablissement, welches im Verlauf der kurzweiligen 90 Minuten für so manche Schauwerte sorgt (in jeden echten Reißer aus den 70er gehört mindestens eine Stripclub-Szene), ein Dorn im Auge ist. Die Handlung verläuft so, wie sie in solchen Filmen immer verläuft. Gewalt erzeugt Gegengewalt und am Ende kommt es schließlich zum großen - und hier auch ausgesprochen spektakulären - Showdown. It’s nothing to write home about - Spaß hat mir BLACK SAMSON trotzdem gemacht.

Persönliche Bewertung: Nett!


THE AMAZING SPIDER-MAN 2 (USA 2014, Regie: Marc Webb)

Den Vorgänger fand ich richtig gut, diese Fortsetzung hier eher enttäuschend. Überzeugen konnte mich THE AMAZING SPIDER-MAN 2 eigentlich nur in technischer Hinsicht. Insbesondere die 3D-Sequenzen, in denen Spider-Man durch die Häuserschluchten schwingt, fand ich extrem faszinierend und beeindruckend umgesetzt. Ansonsten empfand ich den Film als viel zu lang, als viel zu selbstverliebt und die Hauptfigur als viel zu unsympathisch gezeichnet. Das war definitiv kein Held, mit dem man als Zuschauer mitfiebern konnte. Und auch die Gegner - sowohl der von Jamie Foxx gespielte Electro als auch der von Dane DeHaan gespielte Green Goblin - blieben eher blass, hatten nur wenig Bedrohungspotential. Ganz schlimm auch diese ironischen Selbstreferenzen. Wenn auf Spider-Mans Smartphone als Klingelton das Spider-Man-Theme ertönt empfinde ich das als fast genau so nervig wie den von Chuck Norris erzählten Chuck-Norris-Witz in THE EXPENDABLES 2.

Persönliche Bewertung: Naja!


THE UNBORN (USA 2009, Regie: David S. Goyer)

In THE UNBORN geben sich praktisch sämtliche Klischees, die man aus Filmen über dämonische Wesen, besessene Kinder, unheimliche Häuser, Exorzisten, usw. so kennt, die Klinke in die Hand. Regisseur und Drehbuchautor David S. Goyer wollte hier wohl wirklich alles reinpacken, was ihm beim Schreiben des Drehbuchs und beim Dreh des Films so in die Sinne gekommen ist und überlädt damit seinen Film maßlos. THE UNBORN hat zwar ein paar nette Schockeffekte, einen Haufen bekannte Gesichter (u.a. Gary Oldman in einer komplett verrückten Rolle als Rabbi) und streckenweise auch so etwas wie eine unheimliche Atmosphäre zu bieten, bewirkt mit seiner überladenen Handlung beim Zuschauer allerdings hauptsächlich eins: dass dieser sich ob des ganzen präsentierten Unsinns eher verwundert die Augen reibt anstatt sich zu gruseln. Zumindest war Hauptdarstellerin Odette Yustman ziemlich hot.

Persönliche Bewertung: Naja!


OBSESSION (USA 1976, Regie: Brian De Palma)

16 Jahre nach dem tragischen Tod seiner Frau Elizabeth (Geneviève Bujold) lernt der Geschäftsmann Michael Courtland (Cliff Robertson) genau in der Kirche, in der er damals auch seine Frau zum ersten Mal gesehen hatte, eine junge Frau kennen, die seiner verstorbenen Gattin wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht...
Der Aufhänger des Plots scheint in gewisser Weise vertraut zu sein? Kein Wunder, Hitchcock-Fan De Palma hat mit OBSESSION seine eigene Variante von VERTIGO gedreht. Einen atmosphärisch dichten und von Kameramann Vilmos Zsigmond in betörend schöne Bilder getauchten Thriller in allerbester Hitchcock-Tradition. Auch wenn OBSESSION qualitativ vielleicht noch nicht wirklich mit den Filmen mithalten kann, die da noch von De Palma kommen sollten. Er ist vielleicht das dicke, fette Ausrufezeichen eines Filmemachers, der ganz kurz vor seinem großen Durchbruch stand. 3 Monate nach OBSESSION sollte ein Film mit dem Titel CARRIE in die Kinos kommen. Der Rest ist Geschichte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


A CLOCKWORK ORANGE (Großbritannien/USA 1971, Regie: Stanley Kubrick)*

Ich hatte Kubricks A CLOCKWORK ORANGE jetzt wahrscheinlich gut 20 Jahre nicht mehr gesehen. Wenn man alten Favoriten nach so langer Zeit zum ersten Mal wieder begegnet, ist man ja immer gespannt, wie die Begegnung verlaufen wird, wie gut oder schlecht dieser eine Film gealtert sein mag. Nun, A CLOCKWORK ORANGE hat mich regelrecht weggeblasen. Das ist ein Film, der auch heute, 43 Jahre nach seinem Erscheinen, aber auch wirklich rein gar nichts von seinem verstörenden Potential verloren hat. A CLOCKWORK ORANGE ist ein zutiefst beunruhigender Film, eine tatsächlich sprachlos machende Gewaltstudie ein Meilenstein des kontroversen Kinos.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!


GHOST BUSTERS (USA 1984, Regie: Ivan Reitman)*

Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis als Dr. Venkman, Dr. Stantz und Dr. Spengler auf Gespensterjagd. Es gibt Filme, zu denen wurde schon alles gesagt und geschrieben. Das ist einer davon. Einer der großartigsten Filme seiner Zeit, ein absoluter Klassiker. Gibt es tatsächlich Menschen, die diesen Film hier gesehen haben und ihn nicht toll finden? Ich kann und will es nicht glauben.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!


THE PLAYER (USA 1992, Regie: Robert Altman)*

Komödie, Krimi, Mystery, Romanze, Thriller, Drama, bitterböse Satire, Selbstreflexion - das alles und irgendwie noch viel mehr ist THE PLAYER, der vielleicht großartigste Blick, den sich Hollywood seit Wilders grandiosem SUNSET BLVD. auf sich selbst gestattet hat. Allein diese ersten acht Minuten, in denen Altman den Studioalltag zeigt, von einer Figur zur nächsten springt und dabei ohne einzigen Schnitt auskommt, sind pure Magie. Allein diese ersten acht Minuten reichen vollkommen aus, um sich in THE PLAYER hoffnungslos zu verlieben. Ich habe Altmans Geniestreich gut 20 Jahre nicht mehr gesehen. Bis zur nächsten Sichtung werden definitiv keine weiteren 20 Jahre mehr vergehen. Überirdisch großes Kino.

Persönliche Wertung: Lieblingsfilm!


GHOSTBUSTERS II (USA 1989, Regie: Ivan Reitman)*

Fünf Jahre nach seinem großen Erfolg versammelte Regisseur Ivan Reitman praktisch alle wichtigen Cast-Mitglieder des Vorgängers erneut vor der Kamera und präsentierte mit GHOSTBUSTERS II eine ausgesprochen gelungene Fortsetzung der Geschichte rund um die ebenso liebenswerten wie chaotischen Geisterjäger. Die extrem hohe Qualität von GHOST BUSTERS erreicht Reitman allerdings nicht, dafür fehlt es GHOSTBUSTERS II zu sehr an neuen Ideen und auch die Gagdichte ist nicht so hoch wie beim Vorgänger. Ich persönlich habe mich auch schon immer an der Sequenz mit der Freiheitsstatue im Finale gestört. Fand das damals im Kino schon doof und finde es auch heute noch doof. Toll ist GHOSTBUSTERS II auch trotz dieser kleinen Schwächen. Vor allem wegen vieler Kleinigkeiten. Schön bspw. die Sache mit den fehlenden Anfangs-Credits. Der Film öffnet mit der Texttafel “5 Years Later“, der Filmtitel wird kurz darauf durch das bekannte Logo mit zwei hochgestreckten Fingern visualisiert. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass dieser Film hier einer der ersten Filme gewesen sein dürfte, die auf die Anfangs-Credits komplett verzichtet haben. Ausgesprochen nett auch die diversen (Selbst-)referenzen an das Horrorgenre, die mal offensichtlicher und mal versteckter ausfallen. Der pinkfarbene Schleim erinnert bspw. frappierend an die glibberige Masse aus THE BLOB und in einer kurzen Sequenz, in der Menschen panisch aus einem Kino laufen, sieht man auf dem Kino-Marquee, dass dort CANNIBAL GIRLS gezeigt wurde, eine kanadische Produktion aus dem Jahr 1973 und gleichzeitig die erste richtig bedeutende Regiearbeit von Ivan Reitman.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


22 JUMP STREET (USA 2014, Regie: Phil Lord/Christopher Miller)

Von der High School ab ins College. Die beiden chaotischen Ermittler Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) sollen nun undercover in einem College ermitteln und erneut einer Bande von Drogendealern das Handwerk legen. Der Fall an sich rückt jedoch schnell in den Hintergrund, in erster Linie haben die beiden Ermittler mit ihren neuen Rollen und der gegenseitigen Erwartungshaltung an ihre Freundschaft zu kämpfen.
Ging es im Vorgänger noch etwas subtiler zu Werke, hauen Lord und Miller hier deutlich kräftiger auf den Putz. Der oftmals hintergründige Humor, der 21 JUMP STREET noch ausgezeichnet hatte, muss dabei fast zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Das ist etwas schade, da dieser Fortsetzung somit auch die Liebenswürdigkeit des Vorgängers etwas abhaben kommt. Ausgeglichen wird das durch zwei grandios aufgelegte Hauptdarsteller, eine immens hohe Gagdichte und die eine oder andere rasante Actionsequenz.
Und diese Szene, in der Jenko mitbekommt, dass Schmidt mit der Tochter (Amber Stevens) ihres Vorgesetzten (Ice Cube) in der Kiste gelandet ist, und sich darüber vor den Augen des wütenden Vaters ausgiebig lustig macht, gehört definitiv zu einem der witzigsten Momente der jüngeren Kinovergangenheit.

Persönliche Wertung: Gut!


ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY OF CANNON FILMS! (Australien/Großbritannien/Israel/USA 2014, Regie: Mark Hartley)

Nach NOT QUITE HOLLYWOOD: THE WILD, UNTOLD STORY OF OZPLOITATION! und MACHETE MAIDENS UNLEASHED! ist ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY OF CANNON FILMS! bereits die dritte Dokumentation, in der sich Regisseur Mark Hartley liebevoll um den Genrefilm kümmert. Wie schon in den beiden Vorgängern nutzt Hartley erneut viele Filmausschnitte, Archivaufnahmen und natürlich insbesondere interessante Gesprächspartner (diverse Schauspieler, Regisseure und weitere Crewmitglieder wie bspw. Sam Firstenberg, Boaz Davidson, Mark Goldblatt, Sybil Danning, Molly Ringwald, Dolph Lundgren, Bo Derek, Michael Dudikoff, u.v.a.m.), die die Hochzeit der umtriebigen Cannon Film Group miterlebt haben und bereitwillig aus dem Nähkästchen plaudern, um dem interessierten Zuschauer auf kurzweilige Art und Weise die Geschichte der Produktionsschmiede der beiden Cousins Menahem Golan (der im August dieses Jahres verstarb) und Yoram Globus näher zu bringen.
Das gelingt Hartley - wie in den beiden vorgenannten Dokus auch - mal wieder exzellent und der Einblick, den Hartley und seine Gesprächspartner in die Geschichte der Cannon geben, ist wirklich hochinteressant und dürfte jeden Fan des unterschlagenen Films nachhaltig begeistern. Ein Wehrmutstropfen bleibt jedoch, an dem Hartley allerdings keine Schuld trägt. Die beiden Hauptpersonen - Golan und Globus - waren leider nicht dazu bereit, bei dieser Doku mitzuwirken und so fehlt ELECTRIC BOOGALOO der Gegenpol zu den Aussagen der diversen Interviewteilnehmer. Denn besonders gut kommen Golan und Globus bei den wenigsten ihrer damaligen Weggefährten weg. Viele finden gar ausgesprochen harsche Worte in Bezug auf das - ganz offensichtlich - von einer Mischung aus Enthusiasmus, Größenwahn und Naivität geleitete Geschäftsgebaren der beiden Produzenten. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Golan und Globus haben, als sie von Hartleys Projekt erfahren haben, wohl schon geahnt, dass sie nicht unbedingt mit Samthandschuhen angefasst werden würden und kurzerhand mit THE GO-GO BOYS: THE INSIDE STORY OF CANNON FILMS ihre eigene Dokumentation in Auftrag gegeben, welche die Geschichte der Cannon Film Group sicher in einem wohlwollenderem Licht erscheinen lässt. Werde ich mir sicher auch noch ansehen, wenn sie mal auf DVD erhältlich sein sollte.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


REPO MEN (Kanada/USA 2010, Regie: Miguel Sapochnik)

Ausgesprochen düstere Vision einer Gesellschaft, deren Gesundheitssystem komplett kollabiert ist. In REPO MEN gibt es medizinische Hilfe nur noch gegen Bargeld oder auf Pump. Wer seine Raten schuldig bleibt, muss die medizinischen Leistungen zurückgeben und bekommt Besuch von einem der titelgebenden Repo Men, die ihm ohne Rücksicht auf Verluste das zuvor eingesetzte Organ wieder entfernen.
Regisseur Miguel Sapochnik vereint Elemente verschiedener Sci-Fi-Klassiker - von BLADE RUNNER bis zu THE MATRIX - und kreiert daraus eine - insbesondere in der zweiten Hälfte - spannende, rasante und teils ultrabrutale Dystopie (vor gut 20 Jahren wäre dieser Film hier nie im Leben mit einer 16er-Freigabe durch die FSK gekommen). Es dauert zwar gut 50 Minuten, bis REPO MEN so richtig in Fahrt kommt (die erste Hälfte des Films hätte man vielleicht etwas straffen können), danach entwickelt sich Sapochniks Film aber zu einem echten Nailbiter. Und das Ende ist der absolute Hammer. I didn’t see this one coming…

Persönliche Wertung: Gut!


DIE SIEGER (Deutschland 1994, Regie: Dominik Graf)*

Ganz großes Kino aus Deutschland. Dominik Graf bietet in seiner Mischung aus Polizeidrama und Actionthriller 130 Minuten nervenzerreißende Hochspannung, erzählt eine tolle Geschichte und vereint einen großartigen Cast vor der Kamera. DIE SIEGER zeigt auf beeindruckende Art und Weise, was so alles im deutschen Kino möglich wäre, wenn man doch nur wollte. Die Frage ist tatsächlich, wer, wann und warum es deutschen Filmemachern untersagt hat, mehr Filme von diesem Kaliber auf die Leinwand zu bringen.

Persönliche Wertung: Herausragend!


THREE THE HARD WAY (USA 1974, Regie: Gordon Parks Jr.)

In THREE THE HARD WAY bekommt ein größenwahnsinniger Irrer, der den Genozid an der schwarzen Bevölkerung in den USA plant, in Form von Jim Brown, Fred Williamson und Jim Kelly eine Lektion in Sachen “Black Power“. THREE THE HARD WAY ist ein herrlich obskurer Kracher, der zur Blütezeit des Blaxploitation-Kinos in den 70er Jahren entstanden ist. Regisseur Gordon Parks Jr. präsentiert nicht nur eine wahrhaft bizarre Story, sondern begeistert den Genrefreund auch noch mit all diesen unbändigen Schauwerten und kleinen Unzulänglichkeiten, für die man solche Filme so sehr in sein Herz schließt. Es gibt Autoverfolgungsjagden, Schießereien, Martial-Arts-Geprügel, einen nicht zu verachtenden Anteil an Sleaze, nackte Haut, wunderbar unzulängliche Day-for-Night-Shots, die dazu führen, dass eine längere Sequenz abwechselnd bei Tag und in der Nacht spielt, interessante Kostümentscheidungen, wie diese leuchtendroten Barette, welche ein Großteil der Soldaten aus der Armee des Fieslings auf dem Kopf tragen müssen und die aus ihnen so leichtes Kanonenfutter machen. Es gibt Jim Brown und Fred Williamson, die vor Coolness fast zu platzen drohen. Und es gibt mal wieder Jim Kelly, der seinen durchtrainierten Oberkörper in verdammt vielen Szenen textilfrei durchs Bild wuchten darf und außerdem wieder mal mit herrlich stümperhaften - gerne auch in Slow Motion gezeigten - Kampfszenen “überzeugen“ kann. Und dann ist da noch dieser herrlich groovige Score von Komponist Richard Tufo, der verdammt viel zum Flow des Films beiträgt und einen großen Anteil daran hat, dass THREE THE HARD WAY einfach nur richtig viel Spaß bereitet.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


JINGLE ALL THE WAY (USA 1996, Regie: Brian Levant)

Der vielbeschäftigte Howard Langston (Arnold Schwarzenegger) hat seinen kleinen Sohn Jamie schon viel zu oft enttäuscht. Als der sich zu Weihnachten eine Turbo-Man-Actionfigur wünscht, schwört sich Howard, Jamie nicht noch ein weiteres Mal zu enttäuschen. Doch der scheinbar routinemäßige Einkauf des Spielzeugs entwickelt sich sehr schnell zu einer hochkomplizierten Angelegenheit.
Mindestens ein Weihnachtsfilm im Dezember muss es dann doch sein. Zur Abwechslung auch mal einer, den ich noch nicht schon unzählige Male gesehen habe. Arnold Schwarzenegger auf der Jagd nach dem Spielzeug zuzusehen und zu beobachten, wie er von einem Schlamassel in den nächsten stolpert, ist zwar durchaus nett, an die Qualität manch anderer Weihnachtskomödien wie CHRISTMAS VACATION, SCROOGED oder HOME ALONE kommt JINGLE ALL THE WAY aber dann doch nicht heran. Brian Levants Film kommt dann streckenweise doch etwas zu albern, zu cartoonhaft, zu kitschig und teilweise auch zu unbeholfen um die Ecke. Ein paar verdammt witzige Sequenzen sind dann aber doch vorhanden und bei einem Weihnachtsfilm ist man ja sowieso eher dazu bereit, über gewisse Unzulänglichkeiten hinwegzusehen.

Persönliche Wertung: Nett!


FROZEN (USA 2013, Regie: Chris Buck/Jennifer Lee)

Noch ein Film, der ganz gut in die Weihnachtszeit gepasst hat. Und ganz ehrlich - in einem anderen Monat hätte ich FROZEN kaum durchgehalten. Die Disney-Variante des Märchens “Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen ist halt mal wieder typischer Disney-Kitsch und präsentiert zuverlässig all die Markenzeichen, die man von einem solchen Film erwarten kann bzw. befürchten muss. Eine kitschige Love Story, knuffige Sidekicks (hier in Form eines Schneemanns und eines Rentiers), mutige Helden, mindestens ein gefährliches Monster und verdammt viel Gesangseinlagen. Im Dezember kann man sich so was schon mal ansehen.
Ach ja, die 3D-Effekte waren für einen Animationsfilm geradezu erbärmlich schlecht.

Persönliche Wertung: Nett!


THE INTERNATIONAL (Deutschland/Großbritannien/USA 2009, Regie: Tom Tykwer)

Politthriller zur Bankenkrise. In THE INTERNATIONAL geht es um die Verwicklungen einer Großbank in den internationalen Waffenhandel und den verzweifelten Kampf des Ermittlers Louis Salinger (Clive Owen), diesen Machenschaften ein Ende zu setzen. Dass dieser Kampf ein Kampf gegen Windmühlen ist, dürfte jedem Zuschauer von vornherein klar sein. Das System ist wie eine Hydra, schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue Köpfe nach. So ist THE INTERNATIONAL in erster Linie ein ernüchternder Einblick in das große Spielfeld der Korruption und Tom Tykwer hätte gut daran getan, wenn er seinen Film auch als genau das gesehen hätte. Das Problem an THE INTERNATIONAL ist, dass Tykwer die Geschichte zu sehr als herkömmlichen Thriller aufbaut. THE INTERNATIONAL arbeitet irgendwie auf ein großes Finale hin, fast so, als gäbe es wirklich eine Lösung, als könnten die Machenschaften der Großbank tatsächlich gestoppt werden. All der vorzügliche Spannungsaufbau verpufft am Ende wie heiße Luft bzw. hat sich schon vorher in dieser wirklich phantastischen Shoot-Out-Sequenz im Guggenheim-Museum entladen, die sowohl den dramaturgischen als auch den spannungstechnischen Höhepunkt des Films darstellt. Bis zu dieser Sequenz hat mir persönlich THE INTERNATIONAL ausgezeichnet gefallen, doch dummerweise war nach dieser Sequenz noch über 1/3 der Laufzeit übrig und THE INTERNATIONAL verflachte von Minute zu Minute mehr und mündete schließlich in einem unspektakulären Finale, für das ich schon gut 20 Minuten vorher jegliches Interesse verloren hatte.

Persönliche Wertung: Gut (wegen der tollen 2/3 des Films bis zur Guggenheim-Sequenz und trotz des schwachen Rests nach dieser)!


DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE (Deutschland/Spanien 1963, Regie: Franz Josef Gottlieb)

Nach DER TEPPICH DES GRAUENS und DIE WEISSE SPINNE ist das hier die dritte Verfilmung eines Kriminalromans von Louis Weinert-Wilton und wie bereits Harald Reinl in den beiden Filmen zuvor versucht auch Franz Josef Gottlieb das von den Wallace-Filmen so reichlich bestellte Feld abzuernten. Wie schon Reinl kann auch Gottlieb auf erprobte Wallace-Darsteller zurückgreifen - u.a. wirken Klaus Kinski, Eddi Arent, sowie abermals Werner Peters und Karin Dor mit - und dieses Potential weiß Gottlieb erstklassig zu nutzen. Kinski darf immer wieder mysteriös in der Ecke stehen, bevor seine wahre Identität irgendwann gelüftet wird, Arent gibt den moderaten Pausenclown, Karin Dor das sexy Love Interest und Werner Peters einmal mehr das unsympathische Weichei mit Dreck am Stecken. Gut, auch Reinl konnte in den beiden Vorgängern von diversen Wallace-Stars - allen voran Joachim Fuchsberger in der jeweiligen Hauptrolle - profitieren, aber Gottlieb nutzt dieses Potential einfach besser, verlässt sich nicht so sehr auf seine Geschichte, sondern mehr auf seine Darsteller und macht damit alles richtig. Waren die zwei Vorgängerfilme eher etwas gemächlich inszeniert und mit unzähligen Wendungen ausgestattet, um den Zuschauer hinters Licht zu führen, geht Gottlieb die Angelegenheit deutlich geradliniger und zielstrebiger an. DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE ist ein Schauspielerfilm, die Handlung ist Nebensache, oder besser ausgedrückt, es ist ein O.W.-Fischer-Film. Für den war es damals der erste und meines Wissens auch einzige Ausflug in das Genre des Kriminalfilms und dieser Ausflug scheint ihm verdammt viel Spaß gemacht zu haben. Wie Fischer hier ständig rauchend, saufend und lallend durch den Film walzt ist ein Traum - ich bin mir nicht sicher, ob er beim Dreh nicht tatsächlich größtenteils stockbesoffen gewesen ist - und macht DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE so unterhaltsam und sehenswert. Fischer reißt den Film regelrecht an sich, knallt einen Oneliner nach dem anderen raus und bringt eine Präsenz auf die Leinwand, die wahrlich beeindruckend ist. Keine Ahnung, wie dieser Film mit einem anderen Schauspieler in der Hauptrolle wohl ausgefallen wäre. Man kann und mag es sich nicht vorstellen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


DER HAUSTYRANN (Deutschland 1959, Regie: Hans Deppe)

Paraderolle für den begnadeten Komiker Heinz Erhardt, der hier als gleichzeitig liebens- und hassenswertes Ekel voll in seinem Element ist. Als Zuschauer möchte man den von ihm gespielten Paul Perlacher am liebsten auf den Mond schießen und dabei ganz lieb knuddeln. Der Humor in Deppes Film ist eher ruhiger Natur, von den ganzen Albernheiten und den vielen Kalauern, die insbesondere die Filme mit Heinz Erhardt ab Mitte der 60er Jahre bevölkerten, ist in DER HAUSTYRANN noch nicht viel zu sehen. Deppe verlässt sich voll und ganz auf Erhardts geniale Art und Weise mit dem Stilmittel der Sprache umzugehen. Als Zuschauer schmunzelt man oft leise mit, lacht im nächsten Moment wieder, usw., usf.; Highlights des Films: die Szene mit Beppo Brem als Polizisten und die Sequenz im Gerichtssaal - einfach nur zum Schreien komisch.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


DIE SUPERNASEN (Deutschland 1983, Regie: Dieter Pröttel)*

Extremer Nostalgie-Flash. Pröttels DIE SUPERNASEN habe ich in den 80ern rauf unter runter geschaut. Nun schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr und es ist irgendwie erschreckend, wie sehr das menschliche Gehirn nutzlose Informationen abspeichern kann. Ich wäre durchaus in der Lage gewesen, einen Großteil der Dialoge auch heute noch mitzusprechen. DIE SUPERNASEN ist ein absolutes Relikt seiner Zeit, eines dieser typischen Klamaukprodukte der altehrwürdigen Lisa-Film, in denen kein Gag zu flach und kein Witz zu billig sein konnte. Gottschalk und Krüger haben sichtlich Spaß daran, sich durch diesen ganzen Nonsens zu kalauern und das damalige Publikum hatte ebenfalls einen riesigen Spaß, den beiden Chaoten dabei zuzusehen. DIE SUPERNASEN war damals richtig erfolgreich - heute könnte ein Film wie dieser hier wohl gar nicht mehr gedreht werden - und zog noch zwei Fortsetzungen nach sich. Die muss ich mir jetzt natürlich auch mal wieder ansehen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


EDGE OF TOMORROW (Australien/USA 2014; Regie: Doug Liman)

Nach den beiden letzten Gurken (JACK REACHER und OBLIVION) mit Tom Cruise endlich mal wieder ein guter Film mit dem streitbaren Star. EDGE OF TOMORROW gehört zum relativ überschaubaren Kreis von Filmen, die sich mit dem Phänomen der Zeitschleifen beschäftigen - der bekannteste und auch herausragendste Vertreter dieses Subgenres dürfte wohl GROUNDHOG DAY sein - und die oberste Maxime, die diese Art von Film meines Erachtens einfach haben muss, lautet wie folgt: „Gestalte die immer und immer wiederkehrenden Ereignisse so abwechslungsreich, dass beim Zuschauer keine Ermüdungserscheinungen auftauchen.“
Regisseur Doug Liman meistert diese Bürde ganz vorzüglich, Langeweile stellt sich nie ein, EDGE OF TOMORROW ist vielmehr richtig packend geraten. Liman hält die Spannung beständig hoch, Cruise und Blunt sind beide richtig gut in ihren Rollen und harmonieren ganz vorzüglich miteinander und die präsentierten Kampfszenen sind wahrlich spektakulär und trotz schneller Schnitte so gestaltet, dass man als Zuschauer nicht die Übersicht verliert. Eine runde Sache, nur die nachträgliche 3D-Konvertierung hätten sie sich mal wieder sparen können. Es waren keine nennenswerten Effekte ausfindig zu machen.

Persönliche Wertung: Gut!


JOHNNY GUNMAN (USA 1957, Regie: Art Ford)

Mischung aus Gangsterfilm und Film Noir aus den 50er Jahren. Fords JOHNNY GUNMAN dreht sich um zwei Gangster, die sich in einer alles entscheidenden Nacht in New York darüber “einigen“ müssen, wie das Gebiet eines erst kürzlich inhaftierten Gangsterbosses künftig aufgeteilt werden soll. JOHNNY GUNMAN ist ein ganz offensichtlich ohne jegliches Budget entstandener Timewaster, der relativ schmuck- und ereignislos an einen vorüberzieht. Viel Theatralik in der Darstellung, viel Gerede ohne großartige Aussagen, viel Tristesse - JOHNNY GUNMAN ist sicher kein Film, den man großartig weiterempfehlen könnte, aber irgendwie macht ihn das auch verdammt sympathisch. Man kann knapp 70 Minuten seiner Lebenszeit auch sinnloser verbringen.
In der großen IMDb, in der ca. 57 Millionen registrierte Nutzer Filme bewerten können, kommt JOHNNY GUNMAN zum heutigen Tag noch nicht mal auf 10 Votes. Fords Film ist fast vergessen, praktisch nicht mehr existent. Es tut gut, zu wissen, dass es Labels wie Vinegar Syndrome gibt, die auch solche Filme auf DVD veröffentlichen und so für die Nachwelt erhalten. Filme wie JOHNNY GUNMAN würden sonst gänzlich aussterben. Es wäre ein Jammer.

Persönliche Wertung: Ok!


ZWEI NASEN TANKEN SUPER (Deutschland 1984, Regie: Dieter Pröttel)*

Nach dem großen Erfolg von DIE SUPERNASEN musste damals natürlich eine Fortsetzung nachkommen. Das Kind hört auf den Namen ZWEI NASEN TANKEN SUPER, Gottschalk und Krüger fahren auf 2 Trikes durch die Pampa und werden von trotteligen Gangstern - einer davon mit einem silbernen (!) Ohr - gejagt, die es auf zwei Edelsteine abgesehen haben, die sich an den Trikes befinden.
ZWEI NASEN TANKEN SUPER ist leider nicht so gut gealtert wie der Vorgänger und kann auch vom vorhandenen Nostalgie-Bonus nicht großartig gerettet werden. Das Teil ist ziemlich langweilig geraten, die Gags zünden einfach nicht und am Ende des Tages macht sich dann doch eher Ernüchterung breit.

Persönliche Wertung: Naja!


FEUER, EIS & DOSENBIER (Deutschland 2002, Regie: Mathias Dinter)*

Gaga-Humor der besonders hohlen Sorte. Axel Stein und Rick Kavanian albern sich durch einen Film, der so absurd bescheuert ist, dass man es wirklich gesehen haben muss, um es glauben zu können. Hier sind wirklich allen Beteiligten komplett die Pferde durchgegangen. FEUER, EIS & DOSENBIER ist eine Katastrophe, ein Film, dem man nur mit ungläubigem Kopfschütteln begegnen kann. Aber wenigstens spielt Herbert Fux, eines der ganz großen Gesichter des deutschsprachigen Exploitationfilms der 70er Jahre, mit.

Persönliche Wertung: Naja!


DIE SUPERBULLEN (Deutschland 2011, Regie: Gernot Roll)

Mit den beiden Vorgängerfilmen - VOLL NORMAAAL aus dem Jahr 1994 und BALLERMANN 6 aus dem Jahr 1997 - haben Tom Gerhardt und Hilmi Sözer die deutsche Messlatte in Sachen Gross-Out-Humor exorbitant hoch und in Sachen Niveau exorbitant niedrig gelegt. Beide Filme stellten einen Frontalangriff auf jede Form des guten Geschmacks dar, waren dabei aber auch einfach nur unfassbar komisch und zählen für mich zu den absoluten Highlights, die das deutsche Brachialkino zu bieten hat. 14 Jahre später kam mit DIE SUPERBULLEN der dritte Teil in die Kinos, die langen Jahre, die zwischen dem letzten und diesem Film hier liegen, merkt man ihm allerdings nicht wirklich an. Gerhardt und Sözer sind erneut in Hochform, knallen einen bescheuerten Gag nach dem anderen raus, spannen dabei immer wieder den Bogen zu den beiden Vorgängerfilmen und schaffen es sogar, die Grenzen des guten Geschmacks, die mit den beiden Erstlingswerken schon längst gesprengt waren und nur noch in Einzelteilen auf der Erde lagen, endgültig zu pulverisieren. Stichwort: Darmverschluss; jeder, der diesen Film gesehen hat, dürfte wissen, was ich meine.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


FOXY BROWN (USA 1974, Regie: Jack Hill)*

Nach THE BIG DOLL HOUSE, THE BIG BIRD CAGE und COFFY war FOXY BROWN bereits der vierte Film in Serie, den Regisseur Jack Hill gemeinsam mit Hauptdarstellerin Pam Grier gedreht hat und erneut ist aus dieser Zusammenarbeit ein echtes Highlight des Exploitationfilms im Allgemeinen und des Blaxploitationfilms im Speziellen entstanden. FOXY BROWN ist vielleicht nicht ganz so “over the top“ wie die drei Filme zuvor, Hill lässt es hier erst mal etwas ruhiger angehen und lässt sich über die Hälfte der Laufzeit des Films Zeit damit, seine Charaktere vorzustellen und seinen Plot zu entwickeln. Nachdem dies allerdings geschehen ist, dreht Hill erneut gehörig auf. FOXY BROWN entwickelt sich immer mehr zu einer echten Sleaze-Granate vor dem Herrn und begeistert mit einem spektakulären und derben Finale in der Schlussviertelstunde. Ach, diese 70er, dieses Jahrzehnt, in dem im Kino wirklich fast alles möglich war.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


RAW FORCE (Philippinen/USA 1982, Regie: Edward D. Murphy)

What the Fuck!?! What the Fuck?!? What the Fuck!?!
Der Plot von RAW FORCE geht in etwa so: Die Mitglieder einer amerikanischen Karateschule reisen nach “Warriors Island“, einer mysteriösen Insel, auf der in Ungnade gefallene Martial-Arts-Spezialisten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Auf dieser Reise kommen sie einer Bande von Mädchenhändlern - deren Anführer aussieht wie Hitlers Bruder - in die Quere, welche an die auf der Insel lebenden Mönche entführte Prostituierte gegen grüne Jadesteine eintauschen. Die Mönche nutzen die Mädchen allerdings nicht, um ihre sexuellen Triebe zu befriedigen, sondern vielmehr, um diese zu verspeisen. Denn ihr Kannibalendasein gibt ihnen die Kraft, um die auf der Insel begrabenen Kampfkünstler wieder zum Leben zu erwecken und so eine Armee von Martial-Arts-Zombies zu generieren… Hört sich komplett verrückt an? Glaubt mir, RAW FORCE ist noch viel verrückter und sprengt die Grenzen alles Vorstellbaren. Ich habe in meinem Leben schon unzählige verrückte und durchgeknallte Filme gesehen, ich bin mir aber wirklich nicht sicher, ob ich schon jemals einen Film wie RAW FORCE gesehen habe. Was Regisseur Edward D. Murphy hier an Schauwerten rausknallt, ist einfach unbeschreiblich. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz eines jeden Fans von Exploitationfilmen beachtlich höher schlagen lassen dürfte. Schießerein, Splatter und Gore, Vic Diaz als verrückten Mönch, Martial-Arts-Prügeleien, Sleaze der schmierigsten Sorte, eine unfassbare Menge an “gratuitous nudity“, usw., usf.
Vor dem Abspann kündigt eine “To Be Continued…“-Einblendung eine mögliche Fortsetzung an. Die hat es leider nie gegeben. Ein Jammer!
Für die gut 90 Minuten, die RAW FORCE dauert, ist er nicht viel weniger als der beste Film der Welt! Wer das Gegenteil behauptet, soll mir mal einen anderen Film nennen, in dem eine sexy Blondine - und Jillian Kesner ist wirklich verdammt sexy - gegen zwei Ninja-Zombies kämpft!

Persönliche Wertung: Großartig!


SAVAGE SISTERS (Philippinen/USA 1974, Regie: Eddie Romero)

Noch einer dieser Philippinen-Exploiter. In SAVAGE SISTERS geraten drei Frauen auf der Suche nach der stattlichen Summe von 1 Mio. US-Dollar auf einer kleinen tropischen Insel zwischen die Fronten von Militär, Revolutionären und Banditen. Noch ein Kracher, der allerdings leider das Pech hatte, dass ich ihn mir direkt im Anschluss an RAW FORCE angesehen habe. Mit dem konnte er einfach nicht mithalten. Versucht man die Vergleiche auszublenden, stellt man fest, dass auch Regisseur Eddie Romero ein (kleines) Genre-Highlight abgeliefert hat. In SAVAGE SISTERS ist ständig was geboten und so etwas wie Langeweile mag wirklich zu keiner Sekunde aufkommen. Zudem hat Romero seine über weite Strecken in durchaus kruden Bildern erzählte Geschichte mit allerlei (rabenschwarzen) Humor angereichert, was zu ein paar herrlich verrückten und obskuren Sequenzen führt. Und mit Gloria Hendry, Cheri Caffaro, Sid Haig, Eddie Garcia und natürlich wieder Vic Diaz ist SAVAGE SISTERS auch noch ganz vorzüglich besetzt. Fans solcher Filme sollten einen Blick riskieren.

Persönliche Wertung: Gut!


FRIDAY (USA 1995, Regie: F. Gary Gray)

Es ist Freitag, Craig (Ice Cube) hat gerade seinen Job verloren und hängt mit seinem besten Kumpel Smokey (Chris Tucker), der dringend 200 Dollar zusammenkriegen muss, um Schulden bei seinem Dealer zu bezahlen, vor der heimischen Haustür ab. Und Regisseur F. Gary Gray lässt uns als Zuschauer in seinem Regie-Debüt am Müßiggang der beiden Slacker teilhaben. Aber dieser scheinbar typische Freitag ist kein Freitag wie jeder anderen. Denn zwischen Joints, männlichem Balzverhalten, coolem Machogehabe und einem Drive-by-Shooting muss Craig an diesem speziellen Freitag lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Freitag wird sein Leben für immer verändern. Was auf den ersten Blick wie eine dümmliche Kifferkomödie daherkommt, ist bei näherer Betrachtung nichts anderes als ein ungemein sympathischer Coming-of-Age-Film. Und Hauptdarsteller Ice Cube (der auch das Drehbuch mitverfasst hat), Dr. Dre, Cypress Hill, Curtis Mayfield, Mack 10 u.a. liefern den perfekten Soundtrack dazu ab.

Persönliche Wertung: Gut!


A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST (USA 2014, Regie: Seth MacFarlane)

Der erste Gedanke, der einem nach Sichtung dieses Films fast zwangsläufig in den Kopf kommt, ist der des verschenkten Potentials. A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST hat jede Menge derbe (mitunter vielleicht etwas zu plumpe) Gags zu bieten, strotzt teilweise vor purer Anarchie (herrlich die kurze Szene mit Christopher Lloyd in seiner Paraderolle als Doc Brown, der den in einer Scheune versteckten DeLorean abdeckt) und überrascht immer wieder mit dem einen oder anderen eingestreuten Splattereffekt (die Sache mit dem Eisblock!?!). Das Problem an MacFarlanes Film ist, dass das alles nicht so richtig in diese einfach gestrickte und recht herkömmliche Loser-Geschichte passen will, die MacFarlane da im wilden Westen angesiedelt hat. Die subversiven Elemente wirken wie Fremdkörper, als ob sie sich in den falschen Film verirrt hätten. Es wundert mich nicht, dass A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST bei Publikum und Kritik massenweise Prügel bezogen hat und wäre meine Erwartungshaltung aufgrund der Kenntnis dieser praktisch ausschließlich negativen Meinungen zu dem Film nicht sowieso schon komplett im Keller gewesen, wahrscheinlich hätte ich den Film auch ziemlich beschissen gefunden. So schlecht, wie er überall gemacht wurde, fand ich ihn aber doch nicht. Ich hab keine Ahnung, wie die Kinofassung gelungen ist, der von mir jetzt angesehenen Unrated-Fassung kann man einen gewissen Unterhaltungswert meines Erachtens nicht absprechen.

Persönliche Wertung: Ok!


DIE EINSTEIGER (Deutschland 1985, Regie: Sigi Rothemund)*

Wenn ich mich recht erinnern kann, hab ich mir DIE EINSTEIGER damals von allen Supernasen-Filmen am häufigsten angesehen. Die verrückte Schnapsidee, dass es ein Gerät geben könnte, mit dem man sich in Filme katapultieren könnte, fand ich in jungen Jahren wohl einfach zu faszinierend. Das jetzige Wiedersehen ist dann - ähnlich wie bei ZWEI NASEN TANKEN SUPER ein paar Tage vorher - erneut eher ernüchternd ausgefallen. Von den drei Supernasen-Filmen ist dieser hier - trotz seiner verrückten Grundidee - eigentlich der Film, der am zahmsten ausgefallen ist. Gottschalk und Krüger steigen mit ihrer Fernbedienung in verschiedene Genres ein, wobei die episodenhaften Abenteuer in eine wenig witzige Nebenhandlung eingebettet sind. Die Einsteige-Episoden retten den Film über die Ziellinie und lassen ihn - wenn man alle drei Supernasen-Filme miteinander vergleichen will - ein gutes Stück hinter DIE SUPERNASEN und ein gutes Stück vor ZWEI NASEN TANKEN SUPER ins Ziel kommen.

Persönliche Wertung: Nett!


FOOTLOOSE (USA 1984, Regie: Herbert Ross)

Willkommen in der Teenage-Rebellion. Mischung aus Teeniedrama und Tanzfilm, die in den 30 Jahren, die sie mittlerweile auf dem Buckel hat, reichlich Staub angesetzt hat. FOOTLOOSE gilt noch immer als Kultfilm der 80er Jahre, sieht man ihn jetzt zum ersten Mal, kann man über diesen Status nur verwundert den Kopf schütteln. FOOTLOOSE wirkt reichlich altbacken, die Rebellion der Teenies, denen das Tanzen verboten wurde, wie der Angriff eines zahnlosen Tigers mit Arthritis. Da kann auch die durchweg gute Besetzung rund um Kevin Bacon, John Lithgow, Dianne Wiest, Chris Penn und Sarah Jessica Parker nichts mehr retten.

Persönliche Wertung: Naja!


Zur Vervollständigung, hier noch die Liste der gesehenen TV-Episoden:
Desperate Housewives: Season 6 (Episoden 6-23)
Desperate Housewives: Season 7 (Episoden 1-8)
How I Met Your Mother: Season 2 (Episoden 1-6)
New Girl: Season 3 (Episoden 15-23)


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PLANET EARTH


PLANET EARTH PLANET EARTH (Blu-ray: BBC/2 Entertain, Großbritannien)
(OT: Planet Earth | Großbritannien 2006 | Regie: Alastair Fothergill)

Infos zur Serie:
IMDB
OFDB


Im Auftrag der britischen BBC entstand unter der Leitung des Produzenten und Regisseurs Alastair Fothergill dieses beeindruckende Dokument über die unendliche Schönheit der Natur und die gnadenlose Grausamenkeit des vom “Fressen oder gefressen werden“-Prinzip geprägten Überlebens in dieser. Wenn es an PLANET EARTH überhaupt etwas zu mäkeln gibt, dann vielleicht die Tatsache, dass es innerhalb der insgesamt 11 Episoden doch einige Überschneidungen gibt und es so leider doch zur einen oder anderen kleineren Länge kommen kann, wenn man sich die Serie komplett innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums zu Gemüte führt. Ansonsten ist die über einen Zeitraum von mehreren Jahren entstandene Dokumentarserie allerdings über jeden Zweifel erhaben. Die von den diversen Kameramännern auch unter unwirtlichsten Verhältnissen eingefangenen Bilder sind in jeder Folge mindestens spektakulär, meistens jedoch absolut atemberaubend. Als Zuschauer sitzt man nicht selten mit offenem Mund vor dem Fernseher und denkt sich einfach nur, wie solche Aufnahmen überhaupt möglich sind.
Aber PLANET EARTH ist mehr als beeindruckendes Dokumentarfernsehen, PLANET EARTH ist in allererster Linie auch ein Hilfeschrei, ein Plädoyer an die Spezies Mensch, diesen wunderschönen und einzigartigen Planeten zu beschützen, seine Natur zu erhalten und nicht weiter schamlos auszubeuten.

TRAILER:


Alastair Fothergill 2000er


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RIHANNA: LOUD TOUR LIVE AT THE O2


RIHANNA: LOUD TOUR LIVE AT THE O2 :love: RIHANNA: LOUD TOUR LIVE AT THE O2 :love: (Blu-ray: Universal, Deutschland)
(OT: Rihanna: Loud Tour Live at the O2 | USA 2012 | Regie: Nick Wickham)

Infos zum Film:
IMDB


RIHANNA: LOUD TOUR LIVE AT THE O2 ist der Konzertfilm zur Tour zum fünften Studioalbum der Sängerin aus Barbados und stellt einen Zusammenschnitt der letzten drei (von insgesamt zehn) Konzerten dar, die Rihanna während der Tour in der ausverkauften O2-Arena in London gegeben hatte. Die Veröffentlichung des Zusammenschnitts erfolgte vergleichsweise spät im Dezember 2012, in der Zwischenzeit kamen bereits zwei weitere Alben von Rihanna auf den Markt.
Im Gegensatz zum unmittelbaren Vorgänger RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE ist hier alles deutlich größer und spektakulärer geraten. Konnte man im Konzertfilm zuvor noch eine Sängerin beobachten, die kurz davor stand, ein absoluter Superstar zu werden, gibt es nun eben diesen absoluten Superstar zu betrachten. Die Bühnenshow ist gigantisch, Rihanna selbst um einiges routinierter und abgeklärter als noch während des Konzertes zu ihrer dritten CD. Hit folgt auf Hit, alles ist perfekt getimet und der ganze Zusammenschnitt wirklich atemberaubend gut gelungen (wobei er noch besser gelungen wäre, wenn man die dokumentarischen Anteile, welche Rihannas Leben auf Tour beleuchten und den Konzertzusammenschnitt immer wieder unterbrechen, aus dem Konzertfilm ausgelagert und als eigene Kurz-Dokumentation auf der Blu-ray zur Verfügung gestellt hätte). Diese professionelle Souveränität, die Rihanna hier ausstrahlt, hat aber auch ihre Schattenseiten. In RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE kam die attraktive Sängerin weitaus sympathischer und authentischer rüber als hier. An der Qualität ihrer Musik ändert das selbstverständlich nichts.
Abschließend muss ich allerdings noch etwas zur Qualität der Blu-ray loswerden. Die ist leider unter aller Sau und trübt den Genuss des ansonsten über jeden Zweifel erhabenen Konzerterlebnisses doch deutlich. Die Bildqualität ist einer Blu-ray nicht würdig und die Soundqualität kann man nur als Frechheit bezeichnen. Hatte die Veröffentlichung von RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE gerade im Bereich des Sounds noch so etwas wie Referenzcharakter, muss man leider feststellen, dass die auf dieser Blu-ray gebotene Tonqualität nicht mal mit einer durchschnittlichen MP3-Aufnahme mithalten kann. Ein Armutszeugnis.

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Nick Wickham Rihanna 2010er


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RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE


RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE :love: RIHANNA: GOOD GIRL GONE BAD LIVE :love: (DVD: Universal, Deutschland)
(OT: Rihanna: Good Girl Gone Bad Live | USA 2008 | Regie: Paul Caslin)

Infos zum Film:
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Seit ihrem Megahit “Umbrella“ bin ich - obwohl prinzipiell eher im Metal-, Punk- und Alternative-Bereich zuhause - bekennender Rihanna-Fan. Aber dieser Song machte nicht nur mich zum Fan, sondern Rihanna selbst auch zum absoluten Superstar und gab den Startschuss zu einer wahrlich beeindruckenden Karriere. Rihanna: Good Girl Gone Bad Live zeigt den Mitschnitt eines Konzerts aus dem Dezember 2007 in der MEN-Arena in Manchester. Zu diesem Zeitpunkt war Rihanna noch relativ am Anfang ihrer “Good Girl Gone Bad“-Welttour (die im September 2007 startete und im Januar 2009 enden sollte) und der Mitschnitt zeigt eine Künstlerin, die gerade zu begreifen scheint, dass ihr eine große Karriere bevorstehen könnte. Rihanna scheint in nicht wenigen Momenten des Konzertes sichtlich überwältigt und fast schon gerührt von ihrem eigenen Erfolg zu sein und das führt dazu, dass die attraktive Sängerin ausgesprochen sympathisch und “ehrlich“ rüberkommt. Rihanna: Good Girl Gone Bad Live ist ein Konzertfilm, der Fans definitiv die eine oder andere Gänsehaut beschert und musikalisch eine perfekte Zusammenstellung aus den ersten drei Alben der Sängerin präsentiert. Vom Start des Konzerts mit “Pon de Replay“ bis zum Finale mit “Umbrella“ reiht sich tatsächlich Hit an Hit und es gibt während der kompletten Show keinen einzigen auch nur im Ansatz schwächeren Song zu hören.
Was die technische Seite angeht, ist die vorliegende DVD übrigens - insbesondere im Hinblick auf den Sound - einfach nur atemberaubend gut und bestens dafür geeignet, die Grenzen der heimischen 5.1-Anlage auszuloten. Großartig!

CLIP:


Paul Caslin Rihanna 2000er


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PINK FLOYD: BEHIND THE WALL - INSIDE THE MINDS OF PINK FLOYD


PINK FLOYD: BEHIND THE WALL - INSIDE THE MINDS OF PINK FLOYD PINK FLOYD: BEHIND THE WALL - INSIDE THE MINDS OF PINK FLOYD (DVD: I-On New Media, Deutschland)
(OT: Pink Floyd: Behind the Wall | Großbritannien 2011 | Regie: Sonia Anderson)

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Mit Hilfe der Bandmitglieder und verschiedener Weggefährten wirft die britische Regisseurin Sonia Anderson einen chronologischen Blick auf die Geschichte von Pink Floyd…

Es ist sicher keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass Pink Floyd zu den wichtigsten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten gehören. Regisseurin Sonia Anderson wirft mit ihrer für das britische Fernsehen produzierten Dokumentation Pink Floyd: Behind the Wall - Inside the Minds of Pink Floyd einen Blick auf die Geschichte dieser faszinierenden Band. Echten Pink-Floyd-Enthusiasten dürfte Anderson dabei sicher nicht sonderlich viel Neues erzählen, aber insbesondere für Leute wie mich, welche die Musik der britischen Band zwar mögen, sich aber bisher noch nicht wirklich intensiv mit ihrer Geschichte auseinandergesetzt haben, ist diese knapp 80-minütige Dokumentation eine hochinteressante Angelegenheit. Sonia Anderson erzählt die Geschichte von Pink Floyd in chronologischer Reihenfolge, wobei insbesondere die Zeit der Kennenlern- und Gründungsphase der Urbesetzung bis zur Veröffentlichung der ersten Platte und der Trennung von dem vom Wahnsinn gezeichneten Syd Barrett knapp über die Hälfte der Laufzeit des Films ausmacht. Mit Hilfe von Statements der Bandmitglieder und verschiedener Wegbegleiter sowie zahlreicher Archivaufnahmen erhält man als Zuschauer so nicht nur einen Einblick in die ersten Jahre der langen Geschichte von Pink Floyd, sondern auch ein spannendes Zeitportrait der 60er Jahre. In der zweiten Filmhälfte widmet sich Sonia Anderson dann dem weiteren Erfolgsweg der Gruppe. Die Veröffentlichung solch zeitloser Meisterwerke wie “The Dark Side of the Moon“, “Wish You Were Here“ und “The Wall“, die Trennung von Roger Waters in den 80ern und die Ära David Gilmore stehen hier im Mittelpunkt, können aufgrund der nicht gerade üppigen Restlaufzeit des Films aber lange nicht so intensiv und ausführlich betrachtet werden wie die Jahre bis zur Trennung von Syd Barrett in der ersten Filmhälfte zuvor. Das ist dann auch ein kleiner Makel von Pink Floyd: Behind the Wall - Inside the Minds of Pink Floyd, denn in der zweiten Hälfte wirkt Andersons Dokumentation fast ein bisschen gehetzt und teilweise etwas oberflächlich. Wirklich negativ wirkt sich das auf den Gesamteindruck des Films jedoch nicht aus. Wenn der Abspann läuft, überkommt einen die große Lust, mal wieder seine Pink-Floyd-CDs aus dem Schrank zu holen und in den CD-Player zu legen.

Sonia Anderson 60er Jahre 70er Jahre 80er Jahre 90er Jahre London 2010er


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CORMAN’S WORLD: EXPLOITS OF A HOLLYWOOD REBEL


CORMAN’S WORLD: EXPLOITS OF A HOLLYWOOD REBEL CORMAN’S WORLD: EXPLOITS OF A HOLLYWOOD REBEL (DVD: Anchor Bay, USA)
(OT: Corman’s World: Exploits of a Hollywood Rebel | USA 2011 | Regie: Alex Stapleton)

Infos zum Film:
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Ein Einblick in das Leben und Wirken von Filmproduzent Roger Corman...

Was haben Schauspieler wie Jack Nicholson, Robert De Niro, Peter Fonda, Dennis Hopper, Sylvester Stallone, William Shatner oder Sandra Bullock und Regisseure wie Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Jonathan Demme, Joe Dante, Ron Howard, James Cameron oder Peter Bogdanovich gemeinsam? Sie alle starteten ihre Karriere in Filmen von Roger Corman, dem Großmeister der B-Movies.
Mit Corman's World: Exploits of a Hollywood Rebel setzt Regisseur Alex Stapleton dem Vielfilmer nun ein entsprechendes Denkmal und gewährt dem Zuschauer interessante Einblicke in das Leben und das Wirken des im Jahr 2009 mit einem Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichneten Hollywoodrebellen. Aktuelle Interviews mit langjährigen Weggefährten (u.a. eine Vielzahl der im ersten Satz genannten Schauspieler und Regisseure), Ausschnitte aus unzähligen Corman-Filmen und jede Menge Archivaufnahmen machen diese Dokumentation zu einer kurzweiligen und hochinteressanten Angelegenheit. Und wenn ziemlich zum Ende hin ein Mann wie Jack Nicholson berichtet, dass er seine ganze Karriere und seinen ganzen Erfolg einzig und allein Roger Corman zu verdanken hat und ihm dabei vor lauter Rührung und Dankbarkeit die Stimme wegbleibt und die Tränen in die Augen schießen, dann bekommt man auch als Zuschauer eine echte Gänsehaut.
Die IMDB listet Roger Corman bei mittlerweile knapp über 400 Filmen als Produzent, Co-Produzent oder ausführenden Produzenten. Auch im mittlerweile hohen Alter (Corman wurde am 05.04. stolze 86 Jahre alt) bleibt Corman dem Filmbusiness treu. Filme mit verführerischen Titeln wie Attack of the 50ft Cheerleader befinden sich gerade in der Post-Production-Phase, andere werden soeben gedreht. Es steht zu befürchten, dass auch Roger Corman nicht mit dem ewigen Leben gesegnet sein wird. Der Tag, an dem dieser Mann seinem Schöpfer gegenübertritt, wird ein ausgesprochen trauriger Tag für die gesamte Filmwelt sein. Möge er in ferner Zukunft liegen.

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Alex Stapleton Jack Nicholson Roger Corman Robert De Niro Peter Bogdanovich Joe Dante Jonathan Demme Martin Scorsese Peter Fonda Dick Miller Ron Howard Pam Grier Mary Woronov 2010er female nudity


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NIGHTMARES IN RED, WHITE AND BLUE: THE EVOLUTION OF THE AMERICAN HORROR FILM


NIGHTMARES IN RED, WHITE AND BLUE: THE EVOLUTION OF THE AMERICAN HORROR FILM NIGHTMARES IN RED, WHITE AND BLUE: THE EVOLUTION OF THE AMERICAN HORROR FILM (DVD: Lorber Films, USA)
(OT: Nightmares in Red, White and Blue: The Evolution of the American Horror Film | USA 2009 | Regie: Andrew Monument)


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Von den klassischen Universal-Monstern wie Dracula und Frankensteins Monster bis zu aktuellen Kassenschlagern wie der Saw-Reihe - Regisseure wie John Carpenter, Joe Dante, Larry Cohen und George A. Romero geben Einblicke in die Entwicklung des Horrorkinos vor den gesellschaftlichen und politischen Hintergründen der jeweiligen Zeit...

Noch eine Dokumentation über das Genrekino. Die schießen in den letzten Jahren irgendwie auch wie Pilze aus dem Boden und es kommt ja auch noch der eine oder andere Film raus. Ich freue mich schon sehr auf Corman’s World: Exploits of a Hollywood Rebel von Regisseur Alex Stapleton und fast noch mehr freue ich mich auf das neue Projekt des Not Quite Hollywood- und Machete Maidens Unleashed-Regisseurs Mark Hartley, der mit Electric Boogaloo der Geschichte der in den 80er Jahren besonders umtriebigen Cannon Films auf den Grund gehen will.
Aber nun zu Nightmares in Red, White and Blue von Andrew Monument. Die Doku ist ähnlich aufgebaut wie der ein Jahr später erschienene und von mir vor ein paar Wochen gesichtete American Grindhouse, sprich Andrew Monument versucht einen Überblick über die Geschichte des amerikanischen Horrorfilms zu geben und verzichtet auf so Sachen wie “Anekdoten von verschiedenen Drehs“ praktisch gänzlich. Nightmares in Red, White and Blue ist insbesondere für Neueinsteiger in die Welt des (amerikanischen) Horrorfilms ausgesprochen interessant geworden, bekommen sie doch eine regelrechte “To Watch“-Liste der wichtigsten Genrevertreter vorgelegt. Für Horror-Aficionados dürfte es dagegen nicht unbedingt neue Filme zu entdecken geben. Dafür erfahren die, wenn sie es nicht eh schon wissen, wie sich der Horrorfilm im Kontext der jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Ereignisse weiterentwickelt hat und können da vielleicht auch noch die eine oder andere neue Information herausholen. Und die Tatsache, dass Andrew Monument sich für sein Projekt mit Regisseuren wie John Carpenter, George A. Romero, Larry Cohen, Roger Corman, Brian Yuzna und natürlich Joe Dante - der ja in praktisch jeder Doku dieser Art mitwirkt - ausgesprochen prominente Unterstützung ins Boot geholt hat, macht aus Nightmares in Red, White and Blue nicht nur einen interessanten, sondern auch noch einen extrem kurzweiligen Film. Für Fans von Horrorfilmen und denen die es werden wollen ist diese Dokumentation definitiv einen Blick wert.

TRAILER:


Andrew Monument George A. Romero John Carpenter Joe Dante Larry Cohen Darren Lynn Bousman Roger Corman Lance Henriksen Mick Garris Brian Yuzan Tom McLoughlin 2000er female nudity


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AMERICAN GRINDHOUSE


AMERICAN GRINDHOUSE AMERICAN GRINDHOUSE (DVD: Lorber Films, USA)
(OT: American Grindhouse | USA 2010 | Regie: Elijah Drenner)


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Von Traffic in Souls aus dem Jahr 1913 (und teilweise noch früheren Produktionen) bis zu Filmen wie Hostel, Planet Terror oder Black Dynamite aus dem neuen Jahrtausend - Regisseur Elijah Drenner versucht mit Unterstützung von Filmemachern wie John Landis und Joe Dante der Geschichte des amerikanischen Exploitation-Kinos auf den Grund zu gehen...

Nach Not Quite Hollywood und Machete Maidens Unleashed! von Regisseur Mark Hartley die nächste Dokumentation zu dem von mir so heiß und innig geliebten Exploitation-Kino. Anders als sein Kollege Hartley verzichtet Regisseur Elijah Drenner allerdings größtenteils auf Anekdoten von den damaligen Drehs und versucht stattdessen, einen groben Überblick über die Geschichte des amerikanischen Exploitation-Films zu geben - von den Stummfilmtagen bis ins 21. Jahrhundert. Ihm zur Seite stehen Filmemacher wie John Landis und Joe Dante, die ihre Karrieren ja auch im Bereich der B-Movies starteten. Das ist alles hochinteressant aufbereitet, hat aber etwas an der viel zu kurzen Laufzeit des Films von gerade mal 80 Minuten zu knabbern. American Grindhouse kratzt lediglich an der Oberfläche, hat keine Zeit bei den vielen Entwicklungen, die der Exploitation-Film mit seinen unzähligen Subgenres durchgemacht hat, großartig ins Detail zu gehen und wirkt deshalb leider etwas zu gehetzt. Für Freunde des unterschlagenen Films ist die Doku aber dennoch unverzichtbar und unbedingt sehenswert.

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Elijah Drenner John Landis Joe Dante Robert Forster Herschell Gordon Lewis William Lustig Lewis Teague David Hess Jack Hill Fred Williamson Larry Cohen Jonathan Kaplan 2010er car chase female nudity


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MACHETE MAIDENS UNLEASHED!


MACHETE MAIDENS UNLEASHED! MACHETE MAIDENS UNLEASHED! (DVD: Umbrella, Australien)
(OT: Machete Maidens Unleashed! | Australien 2010 | Regie: Mark Hartley)


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Exotische Schauplätze, geringe Produktionskosten und keine großartigen Probleme mit Dreherlaubnissen und Sicherheitsbestimmungen trieben in den 70er Jahren die Macher von B-Movies vermehrt in die Philippinen um dort Filme für wenig Geld zu drehen, welche dann an den Kinokassen den maximalen Erfolg erzielen sollten. Gemeinsam mit Genregrößen wie Roger Corman, Joe Dante u.v.a.m. wirft Regisseur Mark Hartley einen Blick zurück auf diese wilde, verrückte und teilweise auch ausgesprochen gefährliche Zeit...

Nachdem er sich in Not Quite Hollywood noch um den Ozploitation-Film gekümmert hat, widmet sich Regisseur Mark Hartley in Machete Maidens Unleashed! jetzt den in den Philippinen gedrehten Exploitation-Streifen. Ein echtes, philippinisches Exploitation-Kino gibt es dabei natürlich nicht wirklich, viel mehr handelt es sich bei den vorgestellten Filmen fast ausnahmslos um US-Produktionen, deren Macher - wie beispielsweise Roger Corman - sich damals die kostengünstigen Ressourcen und die exotischen Schauplätze der Inselgruppe zunutze gemacht haben. Durch die Mitwirkung vieler Beteiligter von damals (Roger Corman, Joe Dante, Jack Hill, Sid Haig, usw.) ist auch Machete Maidens Unleashed! wieder ausgesprochen unterhaltsam und informativ ausgefallen. Der Film schürt große Neugier auf die mir noch nicht bekannten vorgestellten Streifen und die Vorfreude auf den Erwerb bereits erhältlicher bzw. bereits angekündigter Veröffentlichungen - insbesondere innerhalb der vorzüglich Corman-Reihe von Shout! Factory -ist immens hoch. Es gibt noch verdammt viel zu entdecken!

TRAILER:


Brian Trenchard-Smith Dick Miller Margaret Markov Joe Dante Sid Haig Jack Hill Roger Corman Pam Grier Allan Arkush Mark Hartley 2010er car chase female nudity


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MADE IN SERBIA


MADE IN SERBIA MADE IN SERBIA (DVD: Bildstörung, Deutschland)
(OT: Made in Serbia | Serbien-Montenegro 2005 | Regie: Mladen Djordjevic)


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Regisseur Mladen Djordjevic und sein Kamerateam begleiten Nenad Bekvalac, einen jungen Mann auf der Suche nach seiner Ex-Freundin, die ihn wegen einer aussichtsreichen Karriere als Pornostar vor einiger Zeit verlassen hatte. Dabei erforschen Mladen und Nenad die sich gänzlich im Untergrund abspielende, serbische Pornoindustrie...

Regisseur Mladen Djordjevic wirft in Made in Serbia einen Blick auf die sich praktisch ausschließlich im tiefsten Untergrund abspielende und heute - 6 Jahre nach Produktion des Streifens - wohl gar nicht mehr existierende, serbische Pornoindustrie. Die Doku entwickelt zu Beginn eine Art Plot über den Interviewer Nenad Beklavac, der sich auf die Suche nach seiner Ex-Freundin - die ihn einst verlassen hatte um Pornos zu drehen - begeben will und so den serbischen HC-Underground erkundet. Eine Dokumentation über Pornographie “Made in Serbia“ ist der Streifen allerdings nur auf den ersten Blick. Im Endeffekt dient das Thema der Pornographie nur als reißerischer Aufhänger für eine Geschichte über die Chancen- und Perspektivlosigkeit vieler Serben in ihrer Heimat, dargestellt am Beispiel von 4 verschiedenen Pornodarstellern. Wer also tatsächlich auf der Suche nach einer Dokumentation über das Pornobusiness ist, sollte sein Glück vielleicht lieber bei Jens Hoffmanns 9to5: Days in Porn versuchen. Made in Serbia dürfte für diesen Zweck die denkbar schlechteste Wahl sein. Wer allerdings bereit ist, sich auf eine ungeschönte und ernüchternde Reise zu machen und Menschen kennenzulernen, die Sex vor der Kamera haben um ihr Brennholz für den Winter finanzieren zu können, wer also bereit ist, sich vor Augen zu führen, wie gut es ihm in unserer Wohlstandsgesellschaft eigentlich geht, dem möchte ich Made in Serbia doch sehr ans Herz legen.

Mladen Djordjevic 2000er female nudity


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THE WILD, WILD WORLD OF JAYNE MANSFIELD


THE WILD, WILD WORLD OF JAYNE MANSFIELD THE WILD, WILD WORLD OF JAYNE MANSFIELD (DVD: Something Weird Video, USA)
(OT: The Wild, Wild World of Jayne Mansfield | Deutschland/Frankreich/USA 1968 | Regie: Charles W. Broun Jr./Joel Holt/Arthur Knight)


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Schauspielerin Jayne Mansfield nimmt ihre Fans mit auf einen Trip durch Europa und die USA und stellt ihnen dabei insbesondere die erotischen Seiten des Nachtlebens von Großstädten wie Rom, Paris, New York und Los Angeles vor...

Mal wieder etwas aus dem Kuriositätenkabinett. Größtenteils bereits im Jahr 1964 gedreht, sollte dieser Streifen wohl einen der letzten verzweifelten Versuche darstellen, die zu diesem Zeitpunkt schon arg stagnierende Karriere von Jayne Mansfield wieder anzukurbeln. Mansfield reist durch Rom, Paris, New York und Los Angeles und stellt dem geneigten Zuschauer im pseudo-dokumentarischen Stil das Nachtleben und die "sexuellen Attraktionen" dieser Städte vor. Das Ergebnis ist pure Sexploitation mit viel unfreiwilliger Komik, will doch die Voice-Over-Narration von Carolyn De Fonseca in vielen Sequenzen so rein gar nicht zum jeweiligen Gesichtsausdruck der attraktiven Blondine passen. Das gefilmte Material sollte allerdings erst ein Jahr nach ihrem tragischen Tod - Mansfield kam im Jahr 1967 bei einem Autounfall ums Leben - unter dem Titel The Wild, Wild World of Jayne Mansfield das Licht der Leinwände erblicken und zwar angereichert - und jetzt wird es wirklich bizarr und auch ausgesprochen geschmacklos - mit einem gestellten Autounfall, Fotos von der realen Unfallstelle und Aufnahmen des trauernden Partners Mickey Hargitay und der beiden Söhne von Jayne und Mickey. Aus einer zuvor noch spaßigen Sexploitation-Doku wird so im Handumdrehen ein handfester und extrem reißerischer Mondo. Willkommen in der weiten Welt der Unglaublichkeiten des Shocksploitation-Films.

TRAILER:


Charles W. Broun Jr. Joel Holt Arthur Knight Jayne Mansfield 1960er female nudity Rom Paris Los Angeles New York Mondo Sexploitation Shocksploitation


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HORRORFILME - VON APOKALYPSE, VIREN UND ZOMBIES


HORRORFILME - VON APOKALYPSE, VIREN UND ZOMBIES HORRORFILME - VON APOKALYPSE, VIREN UND ZOMBIES (Free-TV: arteHD, Deutschland)
(OT: Cinémas d'horreur - Apocalypse, virus et zombies... | Frankreich 2011 | Regie: Luc Lagier)


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Regisseur Luc Lagier versucht der Faszination des im letzten Jahrzehnt praktisch wiederbelebten Horrorfilmgenres auf den Grund zu gehen und hat dazu die Regisseure vier erfolgreicher Filme (The Hills Have Eyes, Hostel, The Descent und [REC]) zu ihren Arbeiten befragt...

Etwas irreführender, weil viel zu allgemein gehaltener Titel für eine durchaus interessante Dokumentation. Regisseur Luc Lagier hat sich nämlich nicht mit dem Horrorfilm im Allgemeinen, sondern vielmehr mit der neuen Horrorfilmwelle der letzten paar Jahre auseinandergesetzt. Hierfür hat er sich exakt vier Filme herausgepickt und die entsprechenden Regisseure zu den jeweiligen Streifen befragt. Seine Wahl fiel dabei auf The Hills Have Eyes von Alexandra Aja, Hostel von Eli Roth, The Descent von Neil Marshall und [REC] von Jaume Balagueró und Paco Plaza. Die durch die Bank ausgesprochen gesprächsfreudigen Filmemacher reden dabei über ihre Motivationen, Beweggründe, Einflüsse, Vorbilder und ganz allgemein über die Wiederauferstehung des Genres im neuen Jahrtausend. Interessant, informativ und kurzweilig ist Horrorfilme ausgefallen und ich bin froh, dass ich - eher zufällig - auf diese Dokumentation im Programm von ARTE gestoßen bin.

CLIP:


Luc Lagier Eli Roth Alexandre Aja Neil Marshall Jaume Balagueró Paco Plaza 2010er


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NOT QUITE HOLLYWOOD: THE WILD, UNTOLD STORY OF OZPLOITATION!


NOT QUITE HOLLYWOOD: THE WILD, UNTOLD STORY OF OZPLOITATION! NOT QUITE HOLLYWOOD: THE WILD, UNTOLD STORY OF OZPLOITATION! (DVD: Optimum, Großbritannien)
(OT: Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! | Australien/USA 2008 | Regie: Mark Hartley)


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Regisseur Mark Hartley geht der Faszination des australischen Exploitation-Kinos auf den Grund, stellt dabei die verschiedensten "Ozploitation"-Subgenres und wichtigsten Filme vor und sammelt Statements damaliger Filmemacher, beteiligter Schauspieler und prominenter "Fans" wie Quentin Tarantino...

Ausgesprochen unterhaltsame Doku über das australische Exploitation-Kino der 70er und 80er Jahre, die leider viel zu schnell vorbei war. Hätte den Informationen und Anekdoten der verschiedenen Beteiligten gerne noch länger gelauscht. Regisseur Mark Hartley hat da eine ziemlich illustre Mischung vor der Kamera versammelt. Neben Regisseuren dieser Epoche wie beispielsweise George Miller (Mad Max), Russell Mulcahy (Razorback), Richard Franklin (Fantasm, Patrick, Roadgames) und insbesondere Brian Trenchard-Smith (Stunt Rock, Turkey Shoot, BMX Bandits, u.a.) und Schauspielern wie Jamie Lee Curtis, Dennis Hopper, Stacy Keach und Steve Railsback, die in entsprechenden Genreproduktionen mitgewirkt haben, kommen auch "Fans" dieser Filme wie beispielsweise Quentin Tarantino und die Saw-Schöpfer James Wan und Leigh Whannell zu Wort. Tarantino schwärmt mit einer fast schon kindlichen Begeisterung von verschiedensten Ozploitation-Klassikern und deren Einfluss auf seine eigene Arbeit. Die Pioniere des australischen Genrekinos blicken auf die damaligen Produktionsumstände zurück und unterhalten mit so mancher Anekdote. Das alles ergibt eine ausgesprochen interessante und kurzweilige Mischung, in der neben - zumindest für mich - vielen alten Bekannten (neben den bei den oben genannten Regisseuren schon aufgeführten Streifen beispielsweise noch Long Weekend, Harlequin und Felicity) auch jede Menge mir bisher gänzlich unbekannte Streifen (wie z.B. Stone, Snapshot, The Man from Hong Kong, Mad Dog Morgan und Nightmares) vorgestellt werden, derer ich nur allzu gerne habhaft werden würde. Als Fan des Exploitation-Kinos ist diese Doku praktisch unverzichtbar. Toll!

TRAILER:



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VON SEX BIS SIMMEL


VON SEX BIS SIMMEL VON SEX BIS SIMMEL (DVD: Kinowelt, Deutschland)
(OT: Von Sex bis Simmel | Deutschland 2005 | Regie: Hans Günther Pflaum/Peter H. Schröder)


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Verschiedene Filmschaffende wie die Regisseure Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta oder der Produzent Wolf C. Hartwig werfen einen Blick zurück auf die Erfolge des deutschen Sexfilms...

Leider nur mäßig interessante Dokumentation zum Phänomen des deutschen Sexploitation-Films der späten 60er bis frühen 80er Jahre. Vielleicht wurden auch einfach die falschen Leute befragt. Denn sonderlich viel hatte eigentlich keiner der Befragten zu sagen. Während sich der mittlerweile über 80 Jahre alte Wolf C. Hartwig beispielsweise noch immer diebisch über seine damaligen Erfolge freut und knallhart und ehrlich dahinter steht, dass es ihm nur um das schnelle Geld und nicht um einen künstlerischen Anspruch ging, spielen anspruchsvolle Regisseure wie Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta auch heute noch die beleidigte Leberwurst weil ihnen damals der Erfolg beim Publikum versagt geblieben ist und geben sich in meinen Augen damit schon fast ein bisschen der Lächerlichkeit preis. Eine Aneinanderreihung größtenteils nichtssagender, überflüssiger und oft beleidigt klingender Statements - viel mehr ist Von Sex bis Simmel leider nicht geworden. Schade drum.

Hans Günther Pflaum Peter H. Schröder 2000er female nudity


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9TO5 - DAYS IN PORN


9TO5 - DAYS IN PORN 9TO5 - DAYS IN PORN (DVD: good!movies/Zorro Film, Deutschland)
(OT: 9to5 - Days in Porn | Deutschland 2008 | Regie: Jens Hoffmann)


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Die Geschichten verschiedener Menschen, die ihren Lebensunterhalt im San Fernando Valley in Los Angeles verdienen, dem Standort der größten Pornoindustrie der Welt...

Mit seiner Dokumentation 9to5 - Days in Porn gestattet Regisseur Jens Hoffmann dem interessierten Zuschauer einen ehrlichen und ungeschminkten Blick auf die Hardcore-Industrie in den USA. Über einen Zeitraum von 1,5 Jahren begleitet Hoffmann verschiedene Protagonisten im Porn Valley und lässt diese bzw. deren Geschichten für sich selbst sprechen. Die Auswahl der Interviewpartner dürfte dabei einen bunten Querschnitt des Porn Business darstellen und Hoffmann läuft durch diese bunte Mischung eigentlich nie Gefahr, den Zuschauer in seiner Meinungsbildung über das Gezeigte großartig zu beeinflussen.
Ist das Geschäft mit der Pornographie wirklich so böse und menschenverachtend wie uns die Gegner immer einreden wollen? Oder sind die herrschenden Vorurteile tatsächlich nur aus der Luft gegriffen und sind die Darsteller und Darstellerinnen mit ihrem Job und ihrem Leben nicht vielleicht doch glücklich, so wie es die Branche selbst gerne darstellt? Die Wahrheit liegt wohl wie so oft irgendwo dazwischen.
Auf der einen Seite haben wir Menschen wie den - auf den ersten Blick extrem schmierig wirkenden - Agenten Mark Spiegler, der aber offensichtlich sehr um das Wohlergehen seiner Darstellerinnen bemüht ist, wie Regisseur/Kameramann Jim Powers, der schon seit einer gefühlten Ewigkeit in der Branche tätig ist, einen herrlich selbstironischen Eindruck hinterlässt und nebenbei noch immer in seiner ebenfalls schon seit einer gefühlten Ewigkeit existierenden Punkband aktiv ist, wie Belladonna, die trotz ihrer extremen Filme einen absolut gefestigten, glücklichen und auch sympathsichen Eindruck macht, wie Roxy DeVille, die sich nach vielen Jahren noch immer ihre Unabhängigkeit bewahrt zu haben scheint, wie Sharon Mitchell, einen der größten Stars der 70er und 80er Jahre, die sich heute dafür engagiert, dass die Gesundheit der Darsteller und Darstellerinnen an erster Stelle steht und wie Sasha Grey, die - damals noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehend - wahrscheinlich einfach nur komplett wahnsinnig (allerdings im positiven Sinne) zu sein scheint, einen unglaublich intelligenten und auch reifen Eindruck hinterlässt und diesem Beruf wohl tatsächlich voller Überzeugung und Begeisterung nachgeht.
Auf der anderen Seite bekommen auch die hässlichen Seiten der Branche ein Gesicht und zwar in Form von Darstellerinnen wie Mia Rose, die einen Traum von einer großen Karriere im Pornobusiness hatte und nun mit der harten Realität nicht zurecht kommt, und Katja Kassin, die zwar als überaus erfolgreiche Darstellerin startete, letztendlich aber ins Eskort-Geschäft und damit effektiv in die Prostitution abgerutscht ist. Oder in Form des Regisseurs Otto Bauer, der ohne Rücksicht auf Verluste sprichwörtlich über Leichen zu gehen scheint. Ein Unsympath sondergleichen, der für seine extremen Filme berüchtigt ist und der seine Darstellerinnen ganz offensichtlich wie den letzten Dreck behandelt, u.a. auch seine eigene Ehefrau, Audrey Hollander, die definitiv tragischste Figur des ganzen Films, deren psychischer und physischer Verfall innerhalb des Zeitraums von 1,5 Jahren gnadenlos dokumentiert wird. Am Anfang der Dokumentation noch voller Träume und Hoffnungen und den AVN-Award für die beste Darstellerin entgegennehmend, präsentiert sie sich am Ende des Streifens als psychisches und physisches Wrack, in kompletter Abhängigkeit von ihrem dominanten Ehemann lebend.
Durch diese offene Darstellung der positiven und negativen Seiten der Branche weckt Hoffmann sowohl Mitgefühl als auch Interesse beim Zuschauer, der Film wirkt zu keiner Zeit unglaubwürdig und 9to5 - Days in Porn dürfte die wohl ehrlichste Doku zur Hardcore-Branche sein, die ich bisher gesehen habe. Die Dokumentation endet mit Texttafeln über den weiteren Werdegang der Protagonisten. Bei Audrey Hollander steht nur ein Satz: "Audrey Is Doing Better."; ein beruhigendes Ende eines tollen Films.

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Sasha Grey Jens Hoffmann 2000er female nudity Los Angeles


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WAY OUT TOPLESS


WAY OUT TOPLESS WAY OUT TOPLESS (DVD: Something Weird Video, USA)
(OT: Way Out Topless | USA 1967 | Regie: Lewis S. Francis)


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Eine Reise durch Stripclubs in Baltimore und Washington...

Was soll man zu einem Film wie Way Out Topless großartig schreiben? Im Endeffekt muss man das mal wieder selbst gesehen haben, um fassen zu können, welche Unglaublichkeiten im Sexploitation-Kino der 60er Jahre möglich waren. Jeder, der dieses Filmtagebuch bzw. diesen Blog ein bisschen verfolgt, wird wissen, dass ich Filme dieser Art hier schon zur Genüge besprochen habe und man sollte vielleicht meinen, irgendwann sei der Bodensatz erreicht und es geht nicht mehr absurder. Aber dank Something Weird Video stoße ich immer wieder auf neue Unglaublichkeiten. Way Out Topless beginnt als Art Dokumentation. Eine gönnerhafte Stimme teilt dem geneigten Zuschauer mit, dass nun auch Frauen den Herd kurz verlassen dürfen um sich in den in letzter Zeit in Mode gekommenen Fitness-Studios körperlich fit zu halten. Natürlich sagt diese Stimme das so nicht wörtlich, aber im übertragenen Sinne ist es doch ziemlich eindeutig. Weshalb die gezeigten Frauen in den Studios dann oben ohne trainieren wird allerdings nicht geklärt. Nach ca. 10 Minuten körperlicher Ertüchtigung wird dem zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich ungläubig dreinblickenden Zuschauer schließlich erklärt, weshalb körperliche Fitness für Frauen so wichtig ist. Es gibt nur einen Grund: damit diese in Stripclubs dem männlichen Publikum ihre Reize präsentieren können. Was danach folgt ist eine 50-minütige Reise durch Stripclubs in Baltimore und Washington, in der vollbusige Damen zu groovigen Sixties-Klängen sich ihrer Kleidung entledigen. Dann ist der Spuk zu Ende.
Richtig erschreckend an dem Streifen war für mich die Tatsache, wie sehr er mich einlullen konnte. Der groovige Sound aus den 60ern gepaart mit den teils wirklich verdammt attraktiven Stripperinnen ließ die gut 60 Minuten Laufzeit wie im Flug vergehen und irgendwie hätte ich dem bunten Treiben in dieser Mondo-Doku auch noch durchaus ein bisschen länger zusehen können. Ich bekomme langsam aber sicher Angst vor mir selbst.

Lewis S. Francis 1960er Mondo Sexploitation female nudity


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GLOBAL METAL


GLOBAL METAL GLOBAL METAL (DVD: Universal, Deutschland)
(OT: Global Metal | Kanada 2008 | Regie: Sam Dunn/Scot McFadyen)


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Sam Dunn reist um die Welt um Metalfans und Musiker aus Ländern wie Indien, China oder Brasilien vorzustellen. Ihr Leben, ihre Liebe zur aber auch ihre Probleme durch die Musik der etwas härteren Gangart…

Nach Metal: A Headbanger's Journey ist Global Metal die zweite Dokumentation von Metalhead Sam Dunn und auch diesen Streifen möchte ich Freunden der etwas härterer Musik unbedingt ans Herz legen. Hat sich Dunn im ersten Film noch mit den Ursprüngen seiner Lieblingsmusik befasst, bereist er in Global Metal die Welt um herauszufinden, wie es an exotischeren Schauplätzen der Erde um den Heavy Metal bestellt ist. Seine Reise führt in u.a. nach Brasilien, Japan, China, Indien und Israel. Die Bedeutung der Musik für die Fans, aber auch Probleme, die durch die Begeisterung für diese Art von Musik entstehen, kommen in den Gesprächen vor Ort mit einheimischen Musikern und Fans zur Sprache. Daneben kommen auch wieder Genregrößen wie Tom Araya (Slayer), Lars Ullrich (Metallica), Bruce Dickinson (Iron Maiden) und Barney Greenway (Napalm Death) zu Wort und auch unangenehme und kritische Themen werden nicht verschwiegen (beispielsweise die Auseinandersetzung israelischer Metalheads mit den Äußerungen geistiger Dünnbrettbohrer wie Varg Vikernes). Angereichert mit Konzertausschnitten und unterlegt mit einem entsprechenden Soundtrack ist Global Metal eine rundum gelungene Angelegenheit geworden.

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Sam Dunn Scot McFadyen 2000er Sequel


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CINEMANIA


CINEMANIA CINEMANIA (DVD: Filmgalerie 451, Deutschland)
(OT: Cinemania | Deutschland/USA 2002 | Regie: Angela Christlieb/Stephen Kijak)


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Jack, Eric, Bill, Roberta und Harvey leben in New York und sind filmverrückt. Ihren kompletten Tagesablauf organisieren sie nach dem Spielplan der verschiedenen Kinos. Ein Filmteam begleitet sie bei ihrem ganz normalen, täglichen Wahnsinn...

Von dieser Doku hatte ich mir ehrlich gesagt etwas anderes erwartet bzw. erhofft. Ich dachte, es würde in erster Linie um die Faszination Film und Kino gehen, stattdessen durfte ich eine Handvoll - in meinen Augen - gescheiterter Existenzen beim Ausleben ihrer Obsession beobachten. Das war zwar in gewisser Weise auch ganz interessant, die Tatsache, dass die vorgestellten Verrückten fast durch die Bank gänzliche Unsympathen waren, erzeugte aber eine gewisse Distanz und Verständnis konnte ich für die Protagonisten auch nicht aufbringen. Wenn diese Doku mir persönlich etwas gebracht hat, dann die Erkenntnis, dass ich mit meinem extremen Filmtick dann doch im Vergleich zu den Typen in der Dokumentation vollkommen "normal" zu sein scheine. Denn Parallelen zu Jack, Eric, Bill, Roberta und Harvey konnte ich glücklicherweise keine feststellen.

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Angela Christlieb Stephen Kijak 2000er New York


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GOING TO PIECES: THE RISE AND FALL OF THE SLASHER FILM


GOING TO PIECES: THE RISE AND FALL OF THE SLASHER FILM GOING TO PIECES: THE RISE AND FALL OF THE SLASHER FILM (DVD: Metrodome, Großbritannien)
(OT: Going to Pieces: The Rise and Fall of the Slasher Film | USA 2006 | Regie: Jeff McQueen)


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Psycho war das Vorbild, Halloween die Initialzündung und Scream die Wiederbelebung des Slasherfilms. Regisseur Jeff McQueen versucht mit der Unterstützung entsprechender Genreprominenz (u.a. Wes Craven, John Carpenter, Tom Savini, Betsy Palmer) dem Phänomen des Slasherfilms auf den Grunde zu gehen...

Regisseur Jeff McQueen hat sich für seine Dokumentation die Geschichte des Slasherfilms vorgenommen. Herausgekommen ist dabei keine wissenschaftliche Arbeit (dazu fehlt es einfach an entsprechenden Gesprächspartnern), sondern vielmehr ein Film, der die Geschichte dieses Horror-Subgenres umreißt, die wichtigsten Filme kurz vorstellt und zudem auch auf Vorbilder wie Psycho und auch die neue Horrorfilm-Welle des neuen Jahrtausends eingeht. In zahlreichen Interviewschnipseln kommen Genregrößen wie Wes Craven, John Carpenter oder auch Tom Savini zu Wort, geben Einblicke in die Entstehungsprozesse verschiedener Filme und setzen sich auch mit dem leidigen Thema der Zensur auseinander. Das alles ist nicht nur interessant, sondern auch extrem unterhaltsam aufbereitet und stellt so für den geneigten Freund des Slasherfilms einen spannenden Blick hinter die Kulissen des Genres dar und eignet sich zudem auch noch hervorragend dazu, bisher unbekannte Filme für sich zu entdecken und sich an vielleicht schon längst in Vergessenheit geratene Streifen zu erinnern. Mir hat diese Doku auf jeden Fall mal wieder richtig Lust auf das Horrorgenre im Allgemeinen und den Slasherfilm im Speziellen gemacht.

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Rob Zombie John Carpenter Sean S. Cunningham Wes Craven Jeff McQueen Tom Savini 2000er female nudity


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PORNOGRAPHY: THE SECRET HISTORY OF CIVILISATION


PORNOGRAPHY: THE SECRET HISTORY OF CIVILISATION PORNOGRAPHY: THE SECRET HISTORY OF CIVILISATION (DVD: Koch Vision, USA)
(OT: Pornography: The Secret History of Civilisation | Großbritannien 1999 | Regie: Chris Rodley/Dev Varma/Kate Williams)


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Von frühen Skulpturen bis zum Internet - die Geschichte der Pornographie ist wohl so alt wie die Geschichte der Menschheit. Unter anderem Wissenschaftler, Historiker und Künstler versuchen einen Einblick zu geben, wie sich diese Geschichte - insbesondere im Hinblick auf die fortschreitende technische Entwicklung - im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat...

Insgesamt 5 Stunden dauert diese für das britische TV produzierte Mini-Serie und in dieser Zeit wird auf äußerst interessante Art und Weise die Geschichte der Pornographie näher beleuchtet. Wissenschaftler und Historiker kommen genauso zu Wort wie Sammler und Künstler. In insgesamt 6 Episoden arbeiten sich die Filmemacher von altertümlichen Skulpturen bis zum Internet vor. Die ersten 3 Folgen beschäftigen sich dabei mit der Bildhauerei, dem Buchdruck und der Photographie. In der 4. Folge wird die goldene Ära des Hardcore-Films in den 70er Jahren unter die Lupe genommen und in Folge Nr. 5 geht es schließlich um den Videoboom, der Pornographie endgültig ins heimische Wohnzimmer brachte. Mit Ausnahme der letzten Episode, welche sich mit dem Internet und einem Ausblick in die Zukunft der Pornographie beschäftigt und die heute - gut 10 Jahre nach Produktion der Dokumentation - längst von der Realität eingeholt wurde, kann ich die Dokumentation nur als absolut gelungen bezeichnen. Wer sich für das Thema interessiert, sollte ruhig mal einen Blick riskieren.

Kate Williams Dev Varma Chris Rodley 1990er female nudity


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FREI:GESPIELT - MEHMET SCHOLL - ÜBER DAS SPIEL HINAUS


FREI:GESPIELT - MEHMET SCHOLL - ÜBER DAS SPIEL HINAUS FREI:GESPIELT - MEHMET SCHOLL - ÜBER DAS SPIEL HINAUS (DVD: Senator/Universum, Deutschland)
(OT: Frei:Gespielt - Mehmet Scholl - über das Spiel hinaus | Deutschland 2007 | Regie: Eduard Augustin/Ferdinand Neumayr)


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15 lange Jahre verzauberte Mehmet Scholl die Fans des FC Bayern (und nicht nur die) mit seiner Art, Fußball zu spielen. Er war einer der letzten deutschen Straßenfußballer. Nun stehen die letzten drei Tage in seiner Karriere als Fußballprofi an. Begleitet von den Filmemachern, lässt Mehmet Scholl seine Laufbahn noch einmal Revue passieren...

Mehmet Scholl sitzt da und erzählt - auch sehr selbstkritisch - von seiner Karriere. Höhen und Tiefen, Vor- und Nachteile des Berühmtseins, sportliche Erfolge und Niederlagen - alles kommt auf den Tisch. Aufgelockert werden die Schilderungen von Archivbildern und Statements anderer prominenter Persönlichkeiten. Dabei tut es dem Film meines Erachtens sehr gut, dass aus dem direkten Umfeld des FC Bayern gar nicht so viele Leute zu Wort kommen. Uli Hoeneß, Oliver Kahn, Lukas Podolski, Fredi Binder und Ex-Mitspieler Thorsten Fink - kein Hitzfeld, kein Rummenigge, keine weiteren früheren oder aktuellen Mitspieler. Dafür gibt es sehr viele Stimmen von Persönlichkeiten außerhalb des sportlichen Geschehens. Prominente aus Polititk und Unterhaltung (u.a. Joschka Fischer, Edmund Stoiber, Markus Kavka, Herbert Grönemeyer, Michael Mittermeier, Harald Schmidt) kommen zu Wort und so wird der große Stellenwert, den Mehmet Scholl - obwohl er nie eine WM gespielt hat und man seine Nationalmannschaftskarriere wohl als nicht gerade geglückt bezeichnen kann - im deutschen Fußball innehat, um so deutlicher dargestellt. Die Doku ist auf jeden Fall von der ersten bis zur letzten Minute hochinteressant und - aus meiner Sicht als Fan des FC Bayern - teilweise auch verdammt emotional. Ich bin begeistert.

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Harald Schmidt Ferdinand Neumayr Eduard Augustin 2000er München


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BOND GIRLS ARE FOREVER


BOND GIRLS ARE FOREVER BOND GIRLS ARE FOREVER (DVD: MGM/Sony, Deutschland)
(OT: Bond Girls Are Forever | USA 2002/2006 | Regie: John Watkin)


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Maryam d'Abo, Bondgirl aus Der Hauch des Todes, unternimmt eine Zeitreise durch die über 40jährige Bondgeschichte und versucht dabei zu ergründen, was es für die verschiedenen Darstellerinnen der Bondgirls bedeutet, eine solche Rolle übernommen zu haben...

Diese Dokumentation, zu finden auf der Bonus-DVD zu Casino Royale, ist mir dann doch einen eigenen Eintrag wert und stellt den Abschluss meines Bond-Marathons dar. Die Doku ist eigentlich aus dem Jahr 2002, wurde aber im Jahr 2006 durch weitere Interviewszenen mit Eva Green und Caterina Murino erweitert. Diese neue Version befindet sich nun auch auf der DVD. Es ist ganz interessant zu sehen, wie vor allem die älteren Schauspielerinnen ihre damaligen Rollen heute sehen. Und diese Sichtweise ist durchaus unterschiedlich. Während Ursula Andress, Honor Blackman und auch Jill St. John immer noch begeistert von ihren damaligen Auftritten sind und sichtlich Spaß daran haben, in der Vergangenheit zu schwelgen, scheint ausgerechnet die in zwei Bondfilmen mitspielende Maud Adams nicht mehr wirklich begeistert von ihren damaligen Rollen zu sein. Auf den interessanten Aspekt der etwaigen negativen Auswirkungen der Rolle als Bondgirl auf die weitere Karriere geht indes nur Luciana Paluzzi ein. Sie bekam nach ihrem Auftritt in Feuerball einfach keine Rollen in ernsthaften Filmen mehr. Ich selbst bin der Meinung, dass es gerade von den Filmen vor der Brosnan-Ära nur sehr wenige Darstellerinnen geschafft haben, einen Bekanntheitsgrad über dem des Bondgirls hinaus zu erlangen. In diesem Punkt war mir die Doku dann doch ein bisschen zu unkritisch und zu selbstverliebt.

An der Person der vorgenannten Luciana Paluzzi wird übrigens auch deutlich, dass die Rolle des Bondgirls in der Dokumentation sehr großzügig definiert wird. Prinzipiell werden alle weiblichen Darstellerinnen aus den Filmen als Bondgirl bezeichnet. Das geht mir dann doch einen kleinen Schritt zu weit. Als Bondgirl möchte ich selbst nur die Darstellerin bezeichnen, die am Ende des Films in den Armen von Bond landet bzw. ums Leben kommt. Unter diesen Gesichtspunkten nun meine - wiederum rein subjektive - Rangliste der Bondgirls, bei der ich zwar auch die Präsenz der jeweiligen Rolle berücksichtigt habe, die aber natürlich auch sehr stark von der Attraktivität der jeweiligen Darstellerin beeinflusst wurde.

01. Barbara Bach als Anya Amasova in Der Spion, der mich liebte :love: :love: :love:
02. Ursula Andress als Honey Ryder in James Bond jagt Dr. No :love: :love: :love:
03. Carole Bouquet als Melina Havelock in In tödlicher Mission
04. Claudine Auger als Domino in Feuerball
05. Halle Berry als Jinx in Stirb an einem anderen Tag
06. Denise Richards als Christmas Jones in Die Welt ist nicht genug
07. Britt Ekland als Mary Goodnight in Der Mann mit dem goldenen Colt
08. Michelle Yeoh als Wai Lin in Der Morgen stirbt nie
09. Daniela Bianchi als Tatiana Romanova in Liebesgrüße aus Moskau
10. Eva Green als Vesper Lynd in Casino Royale
11. Jill St. John als Tiffany Case in Diamantenfieber
12. Maud Adams als Octopussy in Octopussy
13. Tanya Roberts als Stacey Sutton in Im Angesicht des Todes
14. Lois Chiles als Dr. Holly Goodhead in Moonraker
15. Honor Blackman als Pussy Galore in Goldfinger
16. Jane Seymour als Solitaire in Leben und sterben lassen
17. Izabella Scorupco als Natalya Simonova in GoldenEye
18. Maryam d'Abo als Kara Milovy in Der Hauch des Todes
19. Diana Rigg als Tracy Di Vicenzo in Im Geheimdienst Ihrer Majestät
20. Mie Hama als Kissy Suzuki in Man lebt nur zweimal
21. Carey Lowell als Pam Bouvier in Lizenz zum Töten :kotz:

Sicher gab es noch viele weitere, extrem hübsche Darstellerinnen in den Bondfilmen (ich denke da mal an Karin Dor, Corinne Clery, Talisa Soto oder auch Sophie Marceau und Caterina Murino) - die finden allerdings keine Berücksichtigung, da sie eben nicht in meine Definition des Bondgirls passen. Wie auch schon in meiner Rangliste der Filme noch eine kurze Anmerkung zum Bondgirl aus dem inoffiziellen Bondfilm Sag niemals nie: Kim Basinger in der Rolle der Domino würde ich zwischen Claudine Auger und Halle Berry einordnen.

Und ganz zum Schluss noch eine Anmerkung zu den Bond-Darstellern: Sean Connery ist - wie für viele andere Bondfans auch - für mich eindeutig der beste Bond-Darsteller. Roger Moore landet auf dem zweiten Platz, hat er doch die meines Erachtens beiden besten Bondfilme gedreht. Daniel Craig hat mich in seinem ersten Auftritt absolut überzeugt und landet auf Platz drei. An vierter Rangstelle folgt Timothy Dalton - von ihm hätte ich gerne mehr als nur zwei Filme gesehen. Platz fünf geht an Pierce Brosnan, den Popcorn-Bond. Die Filme sind zwar verdammt unterhaltsam, haben aber mit Bond nicht mehr viel zu tun. Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz dann George Lazenby. Im Geheimdienst Ihrer Majestät hätte so gut werden können, nur dummerweise war George Lazenby in der Hauptrolle einfach nur unerträglich. Sein Auftritt bleibt für mich das größte Ärgernis der ganzen Reihe.

Ursula Andress Halle Berry John Watkin Michelle Yeoh 2000er Eva Green


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METAL: A HEADBANGER'S JOURNEY


METAL: A HEADBANGER'S JOURNEY METAL: A HEADBANGER'S JOURNEY (DVD: Constantin Film/Highlight, Deutschland)
(OT: Metal: A Headbanger's Journey | USA 2005 | Regie: Sam Dunn/Scot McFadyen/Jessica Joy Wise)


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Anthropologe und Metalfan Sam Dunn begibt sich auf eine Reise der besonderen Art. Er ergründet die Wurzeln seiner Lieblingsmusik und unternimmt dabei den Versuch, die Faszination des Heavy Metal zu beschreiben...

Es war wohl irgendwann Mitte der 80er Jahre als es eine Inititalzündung in Sachen Musik für mich gab. Der etwas schnelleren Mucke war ich von Anfang an nicht gerade abgeneigt. Punkrock stand damals bei mir verdammt hoch im Kurs. Eines Tages überreichte mir ein guter Kumpel eine LP auf deren ganz in blau gehaltenem Cover ein elektrischer Stuhl abgebildet war. Er war der Meinung, dass ich mir das unbedingt mal anhören sollte. Beim dritten Song war ich schließlich nicht mehr zu retten. Die Scheibe war die Ride the Lightning von Metallica und das dritte Lied, For Whom the Bell Tolls, ist bis heute mein absolutes Lieblingslied geblieben. Seit über 20 Jahren höre ich schon Metal - und obwohl ich mich auch schon immer mit Bands oder Künstlern anfreunden konnte, die so gar nichts mit dieser Stilrichtung zu tun haben (z.B. Madonna) - kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass sich an meiner Leidenschaft für Metallica, Slayer, Kreator, Cannibal Corpse, usw. je etwas ändern wird.

Sam Dunns Doku bringt diese Welt des Heavy Metal meines Erachtens sehr gut rüber. Die 90 Minuten vergehen wie im Flug und irgendwie hätte der Film ruhig um einiges länger sein können. Bei der Menge an unterschiedlichen Spielarten und Bands die das Heavy Metal-Universum bevölkern, hat es Dunn in diesen 90 Minuten aber sicher hervorragend hinbekommen, dem interessierten Zuschauer einen unterhaltsamen Überblick über die Geschichte dieser Musikrichtung zu verschaffen. Die Wurzeln des Heavy Metal, Interviews mit absoluten Superstars der Szene (da hat eigentlich lediglich ein Interview mit James Hetfield oder Lars Ulrich gefehlt - aber wahrscheinlich war das einfach nicht machbar), Gespräche mit Fans, usw. - Sam Dunn reißt eigentlich jedes wichtige Thema an und macht auch vor den verabscheuenswürdigen Ereignissen in Norwegen in den 90er Jahren nicht halt. Eine Doku, die ich wirklich jedem ans Herz legen möchte, der sich auch nur ein bisschen für Musik der etwas härteren Gangart begeistern kann.

TRAILER:


Rob Zombie Jessica Joy Wise Scot McFadyen Sam Dunn 2000er


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BÖHSE ONKELZ - VAYA CON TIOZ


BÖHSE ONKELZ - VAYA CON TIOZ :love: BÖHSE ONKELZ - VAYA CON TIOZ :love: (DVD: Rule23, Deutschland)
(OT: Böhse Onkelz - Vaya Con Tioz | Deutschland 2007 | Regie: Roger Bisson/Markus Hollman-Loges)


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Nach 25 Jahren geben die Onkelz im Sommer 2005 vor ca. 100.000 Fans auf dem Lausitzring ein zweitägiges Abschiedskonzert. Eindrücke von diesem Mega-Event gibt es nun knapp 2 Jahre später zu sehen...

Gigantisch! Dieses Wort beschreibt den Abschied der wohl umstrittensten deutschen Rockband noch ziemlich ungenügend. Der Film zum Event zeigt in eindrucksvollen Bildern das Ausmaß dieser beiden letzten Konzerte der vier Frankfurter. Innerhalb von gut 3 Wochen waren 100.000 Karten abgesetzt, 80.000 Fans standen auf der Warteliste. Die beiden Konzerte, welche leider nicht vollständig auf den DVDs enthalten sind, lassen dann auch so gut wie keine Wünsche offen. Die fantastische, und am Ende des zweiten Konzertes natürlich hochemotionale Stimmung, wird absolut genial ins heimische Wohnzimmer transportiert und beim Anblick dieser wirklich eindrucksvollen Bilder hab ich doch die eine oder andere Gänsehaut bekommen. Aber nicht nur die beiden Konzerte sind Inhalt des Films, sondern auch das ganze Drumherum wird beleuchtet, die Support-Bands (u.a. Motörhead, Machine Head, Children of Bodom, Rose Tattoo) kommen zu Wort und für mich sind es gerade die Statements dieser ganzen gestandenen Musiker, die meinen Eindruck unterstreichen, dass dieses Großereignis für eine einzelne Rockband wohl ziemlich einmalig in der Welt sein dürfte. Wenn Rob Flynn, der Frontmann von Machine Head, mit leuchtenden Augen versucht seine Fassungslosigkeit über die Größe der Veranstaltung zu beschreiben, könnte man fast glauben, man sieht ein kleines Kind vor sich, welches gerade persönlich dem Weihnachtsmann begegnet ist. :D

TRAILER:


Markus Hollman-Loges Roger Bisson 2000er


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DIE REISE DER PINGUINE


DIE REISE DER PINGUINE DIE REISE DER PINGUINE (DVD: Kinowelt/Arthaus, Deutschland)
(OT: La marche de l'empereur | Frankreich 2005 | Regie: Luc Jacquet)


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Die unwirtliche Antarktis ist die Heimat der Kaiserpinguine. Der Dokumentarfilm gewährt Einblicke in den Lebenszyklus dieser wundervollen Tiere.

Ich habe mir den Film in der Sprachfassung mit Sky Du Mont als Erzähler angesehen, bei der die interessantesten und wichtigsten Informationen über das Leben der Kaiserpinguine sehr kurzweilig und stellenweise äußerst humorvoll präsentiert werden. Diese Dokumentation hat es geschafft, mich mit ihren atemberaubenden Bildern zu fesseln. Die Wanderung der Pinguine zu ihrem Nistplatz, die Partnersuche, die Geburt der Jungtiere, die Unterwasseraufnahmen der Weibchen bei der Jagd nach Fischen, usw. Es ist wirklich beeindruckend, was das Filmteam hier alles mit der Kamera eingefangen hat. Meines Erachtens ein absolut sehenswerter Film.

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Luc Jacquet 2000er Oscar Winner Antarktis


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DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN


DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN DEUTSCHLAND. EIN SOMMERMÄRCHEN (VHS: TV-Aufnahme, ARD)
(OT: Deutschland. Ein Sommermärchen | Deutschland 2006 | Regie: Sönke Wortmann)


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Fast 8 Wochen begleitet Sönke Wortmann die deutsche Nationalmannschaft vor und während der Weltmeisterschaft 2006 und gewährt einen Einblick in das Innenleben des deutschen Teams...

Letzte Woche mal aufgezeichnet, heute ohne größere Erwartungen angeschaut und für relativ brauchbar empfunden. Die Stimmung im Team wird meines Erachtens sehr gut transportiert und für mich als Fußballfan war es vor allem interessant zu sehen, was unmittelbar vor und nach dem Spiel in der Kabine passiert. Ansonsten plätschert der Film ohne wirkliche Höhepunkte vor sich hin, ist insgesamt betrachtet ganz nett anzusehen aber auch sehr weit davon entfernt, als Meilenstein des Dokumentarfilms bezeichnet werden zu können. Ganz schrecklich ist das zum Ende hin immer mehr zunehmende Gejaule des Herrn Naidoo. Wie sich die Mannschaft direkt vor den Spielen so einen musikalischen Restmüll reinziehen kann ist mir ein absolutes Rätsel.

TRAILER:


Sönke Wortmann 2000er


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INSIDE DEEP THROAT


INSIDE DEEP THROAT INSIDE DEEP THROAT (DVD: Universal, USA)
(OT: Inside Deep Throat | USA 2005 | Regie: Fenton Bailey/Randy Barbato)


Infos zum Film:
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Im Jahr 1972 kam Deep Throat in die amerikanischen Kinos und löste einen unglaublichen Skandal aus. Die Dokumentation befasst sich mit dem Hintergrund des wohl bekanntesten Pornofilms aller Zeiten.

In meinen Augen eine hochinteressante Dokumentation über das Phänomen Deep Throat und dessen Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft. Zu sehen mit welcher Engstirnigkeit und Härte die Justiz versucht hat, gegen einen Film vorzugehen, ist doch sehr befremdlich. Und wie man dem Schlusswort des Chefanklägers Parrish entnehmen kann, ist man auf Seite der Gesetzgebung in keinster Weise von der Einstellung von damals abgewichen.

Der Film hätte vielleicht noch etwas mehr auf die Produktions-Hintergründe eingehen können (Stichwort "Mafia"), aber wahrscheinlich war dieses Thema den Machern und den Zeitzeugen auch über 30 Jahre später noch zu heikel. Aber dafür werden alle anderen Aspekte rund um den Skandal und seine Folgen doch sehr ausführlich und teilweise auch äußerst humorvoll geschildet. Sichtlich emotional wird es dann zum Ende, als Gerard Damiano sich Gedanken über die heutige Pornoindustrie macht und feststellen muss, dass sein Traum vom Durchbruch des Porno-Spielfilms aufgrund der Flut der schnell und billig heruntergedrehten Produktionen geplatzt zu sein scheint. Ob man die Sichtweise Damianos teilt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich teile aufgrund der Tatsache, dass neben der unglaublichen Menge an Produktionen ohne Handlung auch heute noch von vielen Produktionsfirmen versucht wird, aufwendige Hardcore-Filme mit Spielfilmhandlung zu drehen, seine Einstellung nur bedingt.

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Wes Craven John Waters Dennis Hopper Gerard Damiano Randy Barbato Fenton Bailey Harry Reems 2000er female nudity




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