Zum Inhalt wechseln


One Night Stands und wahre Liebe


Foto

DJANGO UNCHAINED [älterer Text]


DJANGO UNCHAINED [älterer Text] :love: DJANGO UNCHAINED :love: (Blu-ray: Sony, Deutschland)
(OT: Django Unchained | USA 2012 | Regie: Quentin Tarantino)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Nach der kleinen Italowestern-Hommage in KILL BILL: VOL. 2 nun also Tarantinos hochoffizielle Verbeugung vor Leone, Corbucci, Barboni & Co.
Und wenn Tarantino einen Italowestern dreht, dann macht er es richtig. DJANGO UNCHAINED ist - auch wenn es sich hier natürlich um ein Hochglanzprodukt handelt - irgendwie schon roh, dreckig und insbesondere im letzten Drittel auch schier unfassbar brutal ausgefallen. Bevor es aber zu diesem ersten großen Shootout im "Candyland" kommt, lässt sich Tarantino viel Zeit seine Story zu entwickeln, seine Figuren einzuführen und seine Charaktere reifen zu lassen. Wie praktisch allen Filmen Tarantinos könnte man auch DJANGO UNCHAINED eine gewisse Selbstverliebtheit und Geschwätzigkeit vorwerfen, wären da nicht wieder diese einfach nur grandiosen Dialogzeilen, die Tarantino seinen Schauspielern in den Mund legt und die DJANGO UNCHAINED auch in den vielen ruhigen Momenten während der ersten 120 Minuten zu einem echten Erlebnis machen.
Als Fan von Tarantinos Filmen fühlt man sich bei DJANGO UNCHAINED gleich heimisch, freut sich typische Tarantino-Darsteller wie Michael Parks, Michael Bowen, Tom Savini und Zoe Bell in kleineren Rollen auch hier wiederzusehen, genießt das durch die Bank großartige Schauspiel von Christoph Waltz (tatsächlich erneut in absoluter Oscar-Form), Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson in deren größer angelegten Rollen und hat Spaß daran, die diversen Referenzen an Filme verschiedenster Genres zu entdecken, die sich erneut durch den ganzen Film bis in den Abspann hinein ziehen. Angefangen bei der Wahl diverser Rollennamen ("Django", "Shaft", "Sheba"), über den Einsatz der Musik (die wieder mal einfach nur grandios ausgesucht ist) bis hin zu diversen Einstellungen, die an Genreklassiker wie IL MERCENARIO oder IL GRANDE SILENZIO erinnern.
Darüber hinaus läuft DJANGO UNCHAINED vor denkwürdigen Szenen fast über. Herrlich die Sequenz mit Ur-Django-Darsteller Franco Nero an der Bar, zum Schreien komisch die Ku-Klux-Klan-Szene, dann Don Johnson als Big Daddy, die Saloon-Szene ziemlich am Anfang, natürlich der erste Auftritt von Waltz als Dr. King Schultz, usw., usf., von der Vielzahl einfach nur wunderschöner Einstellungen, mit der Kameramann Robert Richardson das Auge des Betrachters verwöhnt, ganz zu schweigen.
DJANGO UNCHAINED ist ein weiteres Highlight im Tarantino-Universum, ein mehr als würdiger Nachfolger von INGLOURIOUS BASTERDS. Großartig!

Trailer:


Christoph Waltz Leonardo Di Caprio Samuel L. Jackson Jamie Foxx Franco Nero 2010er Don Johnson Jonah Hill Oscar Winner Oscar Nominee 19. Jahrhundert Rache Spaghetti Western Quentin Tarantino


Foto

KURZKOMMENTARE - JANUAR 2015, Teil 2


Da nicht alle Kommentare in den vorherigen Beitrag gepasst haben, hier nun der Rest meines Januars:


NORTH TO ALASKA (USA 1960, Regie: Henry Hathaway)

Nach knapp 2 Stunden endet NORTH TO ALASKA praktisch exakt so, wie er begonnen hatte - mit der Inszenierung einer nicht selten in den Slapstick abdriftenden Schlägerei. Dazwischen liegt eine einfach gestrickte Geschichte, die zu Zeiten des Goldrauschs im Jahr 1900 spielt. Mit nicht ganz so hellen, aber dafür grundehrlichen Typen (den von John Wayne gespielten Charakter etwa nur als naiv zu bezeichnen, wäre definitiv Schmeichelei), Frauen, die genau wissen, wie sie Männer rumkriegen können, einem gemeinen Fiesling, der sich eine Goldader erschleichen will, ein paar hübschen Panoramaaufnahmen, einer Schießerei und viel Lagerfeuerromantik. Hathaway bietet gut 2 Stunden puren Eskapismus, NORTH TO ALASKA scheint nur dafür gemacht worden zu sein, dem Zuschauer eine Flucht aus seinem viel zu tristen Alltag zu bieten. Das mutet heute natürlich unfassbar kitschig und naiv an, ich finde es aber auch irgendwie verdammt sympathisch.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


ABOUT SCHMIDT (USA 2002, Regie: Alexander Payne)

Regisseur Alexander Payne erzählt die Geschichte eines Mannes, der alles verloren zu haben scheint und sich nun auf einen Selbstfindungstrip begibt. Und tatsächlich sieht es nicht sonderlich gut aus um den von Jack Nicholson gespielten Warren Schmidt. Seinen Job hat er an den Ruhestand verloren, seine Tochter an einen künftigen Schwiegersohn, der viel zu weit entfernt lebt, und seine langjährige Ehefrau an ein plötzlich und unerwartet aufgetretenes Blutgerinsel im Kopf. Schmidt steht ziemlich allein und scheinbar ohne Aufgabe im Leben da und als Zuschauer wird man Zeuge, wie Schmidt - von Trauer, Wut und Enttäuschung getrieben - verzweifelt versucht, dieses Leben zu meistern und ihm wieder einen Sinn zu geben. ABOUT SCHMIDT ist natürlich in allererster Linie Schauspielkino und würde ohne den einfach nur großartigen Jack Nicholson wohl nicht ansatzweise so gut funktionieren, wie er letztendlich funktioniert. Mir fällt auch ehrlich gesagt kein Schauspieler ein, der einen missmutigen Griesgram so überzeugend und sympathisch rüberbringen könnte wie es Nicholson tut. ABOUT SCHMIDT ist bewegend, berührend und regt zum Nachdenken an.
Ein richtig guter Film, der auch in Paynes Filmographie weiter nachwirkt. In einer kurzen Szene in ABOUT SCHMIDT ist ein Kino im Bild, in dem ein Film mit dem Titel SIDEWAYS gezeigt wird, einen Film, den es zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht gab, der jedoch als nächstes in Paynes Filmographie auftauchen sollte. Oder diese Sequenz, in der Schmidt herausfindet, dass er von seiner verstorbenen Ehefrau einst betrogen wurde. Rund um diesen Aufhänger sollte Payne 9 Jahre später mit THE DESCENDANTS einen eigenen Film in die Kinos bringen. Und dann natürlich die Figur des Schmidt selbst. Schmidt wirkt wie eine 10 Jahre jüngere und deutlich wütendere Version des von Bruce Dern gespielten Woody Grant aus Paynes grandiosem NEBRASKA aus dem Jahr 2013. Und mit der Tatsache, dass sowohl die Ehefrau von Bruce Dern in NEBRASKA als auch die Ehefrau von Warren Schmidt in ABOUT SCHMIDT jeweils von June Squibb gespielt wird, schließt sich auch dieser Kreis.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


THE GAMBLER (USA 1974, Regie: Karel Reisz)

James Caan spielt Axel Freed, einen College-Professor mit einer zwanghaften Spielsucht, die ihm schließlich hohe Schulden bei der Mafia einbringt. Der tschechische Regisseur Karel Reisz - der übrigens eine ziemlich übersichtliche Filmographie aufzuweisen hat, neben diesem Film hier dürften WHO'LL STOP THE RAIN mit Nick Nolte und THE FRENCH LIEUTENANT'S WOMAN mit Meryl Streep und Jeremy Irons zu seinen bekanntesten Werken gehören - konfrontiert den Zuschauer in THE GAMBLER mit einem Mann, der zum hoffnungslosen Sklaven seiner Sucht geworden ist. Großartig vor allem die Leistung von James Caan, der den intellektuellen Spielsüchtigen so überzeugend spielt, dass dessen Verhalten - so absurd und irrsinnig es objektiv betrachtet auch sein mag - für den Zuschauer immer nachvollziehbar bleibt. Man versteht, warum Caans Freed tut was er tut. Man kann es nicht gutheißen und man möchte ihm eigentlich nur wieder raus helfen, aber man bringt auch Verständnis auf für diesen Getriebenen, diesen Süchtigen.
THE GAMBLER ist eine dieser kleinen Perlen des US-Kinos der 70er Jahre. Unaufgeregt gedreht, mit einem wunderbaren Score veredelt und mit diesem unvergleichlichen Lokal- und Zeitkolorit des New Yorks der 70er Jahre gesegnet.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


EUROCRIME! THE ITALIAN COP AND GANGSTER FILMS THAT RULED THE '70S (Frankreich/Italien/USA 2012, Regie: Mike Malloy)

Dem Vorbild von Regisseur Mark Hartley folgend, der sich ja schon in verschiedenen Dokumentationen mit diversen Genrefilmarten beschäftigt hat, widmet sich Mike Malloy in EUROCRIME! dem italienischen dem Polizei- und Gangsterfilm der 70er Jahre und präsentiert dem geneigten Fan ein kunterbuntes Potpourri aus interessanten Hintergrundinformationen, aufregenden Anekdoten von Zeitzeugen (u.a. plaudern Genre-Ikonen wie Franco Nero, John Saxon, Henry Silva und Luc Merenda aus dem Nähkästchen) und unzähligen Filmausschnitten. Verdammt, sogar J&B, der Standard-Whiskey-Marke des italienischen Kinos der 70er Jahre wird ein kleines Kapitel gewidmet. EUROCRIME! ist fast schon übervoll mit Informationen und macht definitiv Lust darauf, sich wieder vermehrt dem italienischen Genrekino zu widmen. So eine Dokumentation würde ich mir jetzt noch über meine heiß geliebten Gialli wünschen.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


GELD ODER LEBER! (Deutschland 1986, Regie: Dieter Pröttel)*

Ich kann es nicht lassen. Seit DIE SUPERNASEN muss ich mir einfach regelmäßig eine dieser herrlich-bescheuerten Lisa-Produktionen aus den 80er Jahren ansehen. GELD ODER LEBER! mit Mike Krüger ist vielleicht sogar einer der behämmertsten Filme aus dieser Zeit. Hier reiht sich Gaga-Gag an Gaga-Gag, die Geschichte wird episodenhaft heruntergekurbelt und dient tatsächlich einzig und allein dazu, einen Kalauer nach dem anderen zu präsentieren. Läuft das anfangs noch halbwegs geordnet hat, gehen Regisseur Dieter Pröttel spätestens ab der Sequenz mit Falco wirklich alle Gäule durch. Ab diesem Zeitpunkt ist GELD ODER LEBER! pure Anarchie, eine Paradebeispiel für die pure Freude am Infantilen. Unfassbar doof und unfassbar toll zugleich.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA (aka Curse of the Golden Flower, China/Hongkong 2006, Regie: Zhang Yimou)

Intrigen und Verrat in einem chinesischen Kaiserreich zu Zeiten der Tang-Dynasty, welche schließlich in einem blutigen Konflikt enden. Keiner bebildert eine klassische Geschichte wie diese hier so unglaublich schön wie Regisseur Zhang Yimou. MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA ist ein Fest für die Sinne. Die Kostüme, die Settings, diese knallbunte Farbenpracht, das exzellente Sounddesign, die tollen Kampfchoreographien und dieses umwerfende Schlachtengemälde, in dem der Film letztlich endet - es ist eine Freude, dem Geschehen auf dem Bildschirm für gut 2 Stunden zu folgen und in diese fremde Welt abzutauchen. Film ist ein audiovisuelles Medium - und Zhang Yimou bringt diesen Fakt dem Zuschauer auf besonders beeindruckende und eindringliche Weise näher.

Persönliche Wertung: Großartig!


A LONG WAY DOWN (Deutschland/Großbritannien 2014, Regie: Pascal Chaumeil)

Das gleichnamige und diesem Film zugrundeliegende Buch von Nick Hornby habe ich erst kurz zuvor gelesen und so fällt es natürlich schwer, diesen Film losgelöst von der Vorlage als eigenständiges Werk zu betrachten. Hätte ich das Buch nicht gekannt, hätte mir A LONG WAY DOWN mit seiner lebensbejahenden – mitunter vielleicht etwas arg kitschigen – Attitüde vielleicht sogar richtig gut gefallen. Das ist nämlich einer dieser eigentlich grundsympathischen und nett-harmlosen Wohlfühlfilme, die sich bestens dafür eignen, sich von ihnen einfach nur gut unterhalten zu lassen. Aber nun kenne ich halt das Buch und dann muss ich doch ziemlich ernüchtert feststellen, dass den vier Charakteren hier fast jegliche Ecken und Kanten geraubt wurden und weiter konstatieren, dass die Tatsache, dass - auch wenn sich Regisseur Pascal Chaumeil zuvor ziemlich eng an die Vorlage hält - das tolle letzte Drittel des Buches hier komplett umgeschrieben und in ein megakitschiges Happy End verwandelt wurde, doch etwas sauer aufstößt. Auf der positiven Seite: Aaron Paul und Imogen Poots, ein paar extrem witzige Szenen, ein toller Soundtrack und ein paar Kameraeinstellungen zum Niederknien.

Persönliche Wertung: Ok!


BORDER INCIDENT (USA 1949, Regie: Anthony Mann)

Mischung aus Kriminalfilm und Drama mit Film-Noir-Elementen rund um eine illegale Schlepperbande, die an der Grenze zwischen den USA und Mexiko agiert und der zwei Undercover-Agenten das Handwerk legen sollen. Richtige Spannung kommt erst in den letzten 20 Minuten auf, davor plätschert BORDER INCIDENT relativ gemächlich vor sich hin, ist zwar ganz nett anzusehen, konnte mich persönlich aber auch nicht wirklich mitreißen. Aber diese letzten 20 Minuten, die sind wirklich richtig toll und retten den Film vor der kompletten Bedeutungslosigkeit.

Persönliche Wertung: Ok!


CLEAR AND PRESENT DANGER (USA 1994, Regie: Phillip Noyce)*

Harrison Ford schlüpft zum zweiten Mal in die Rolle des Jack Ryan und bekommt es - nachdem er sich im Vorgängerfilm noch der persönlichen Vendetta eines Terroristen ausgesetzt sah - mit einer Verschwörung rund um ein kolumbianisches Drogenkartell zu tun, die bis in die höchsten politischen Kreise der USA zu reichen scheint. CLEAR AND PRESENT DANGER ist noch mal ein gutes Stück größer und aufwendiger geraten als die beiden Filme zuvor. Im direkten Vergleich zu PATRIOT GAMES wirkt CLEAR AND PRESENT DANGER fast schon episch und auch die Figur des Jack Ryan hat eine deutliche Wandlung vollzogen. Er ist zwar immer noch in erster Linie Schreibtischtäter, bewegt sich aber mittlerweile weitaus gewandter im Fadenkreuz aufkommender Gefahr. Und es ist auch ernüchterter Ryan, mit dem es der Zuschauer hier zu tun hat. Er muss einsehen, dass sein Kampf ein Kampf gegen Windmühlen ist, dass Korruption ein fester Bestandteil der höchsten Kreise des Geheimdienstes und der Politik geworden ist und durch den Tod seines Mentors und väterlichen Freundes James Greer (James Earl Jones) das letzte Stück Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in diesem “Geschäft“ zu Grabe getragen wurde. Es ist kein positives Bild, welches Regisseur Phillip Noyce - eingebettet in einen spannenden und mitreißenden Actionthriller - hier von den Volksvertretern zeichnet.

Persönliche Wertung: Gut!


ÖLÜLER KONUSMAZKI (Türkei 1970, Regie: Yavuz Yalinkiliç)

Mit dem Begriff Gothic Horror verbindet man wohl in erster Linie Filme der britischen Hammer Studios oder des italienischen Regisseurs Mario Bava. Man dürfte wohl nicht zwangsläufig an die Türkei als Produktionsland eines Films denken, der dem Genre des Gothic Horror zuzuordnen ist. Um genau einen solchen Film handelt es sich jedoch bei ÖLÜLER KONUSMAZKI und der Film funktioniert überraschenderweise sogar richtig gut. Es geht um einen Geist, der an jedem 15. eines Monats eine kleine türkische Stadt heimsucht und die Einwohnerzahl - insbesondere die Zahl der Damen des Ortes - so auf drastische Weise reduziert. Klar, dass diesem Geist irgendwie das Handwerk gelegt werden muss.
Insbesondere diese ersten 20 Minuten des Films, in denen man als Zuschauer noch nicht so wirklich weiß, was letztendlich auf einen zukommen wird, sind fast schon grandios gut gelungen. Regisseur Yavuz Yalinkiliç erschafft hier mit geringen Mitteln eine ungemein dichte Atmosphäre und sorgt so ein ums andere Mal für pure Gänsehaut. Vor allem das ganz vorzügliche Spiel und Experimentieren mit diversen Licht-, Schatten- und Spiegeleffekten trägt verdammt viel zum Gelingen des Films bei. Schade nur, dass Yalinkiliç es nicht schafft, diese Spannung und Atmosphäre tatsächlich über die komplette Laufzeit hochzuhalten. Irgendwann geht ÖLÜLER KONUSMAZKI doch etwas die Luft aus - was insbesondere am gnadenlosen Overacting des Darstellers des Geistes liegt, der wohl eine Mischung aus Christopher Lee, Vincent Price und Peter Cushing auf die Leinwand zaubern wollte - und im letzten Drittel schleichen sich doch spürbare Längen ein. Den überraschend guten Gesamteindruck schmälert das jedoch nicht.

Persönliche Wertung: Gut!


FEMALE (USA 1933, Regie: Michael Curtiz/William Dieterle/William A. Wellman)

Noch einer dieser Filme aus der Pre-Code-Ära Hollywoods und erneut muss ich konstatieren, dass diese vor Einführung der Zensur entstandenen Filme auch heute noch vor lauter Frische und Unbekümmertheit nur so zu strotzen scheinen.
In FEMALE geht es um eine erfolgreiche Karrierefrau, die an der Spitze eines Konzerns steht, immer ihren Willen durchsetzt und so das damals vorherrschende, typische Rollenbild der Frau ganz gehörig auf den Kopf stellt. Die von Ruth Chatterton überzeugend gespielte Alison Drake weiß ganz genau, was sie will und wie sie es kriegt. Sie geht ihren Weg praktisch ohne Kompromisse. Eine Thematik, die schon kurze Zeit später nicht mehr durch die Zensur gekommen wäre. Und auch wenn die Protagonisten sich im Lauf der Handlung schließlich verliebt und sich am Ende für eine Familie und gegen die Weiterführung ihrer Karriere entscheiden wird, so ist dies nicht als Salto rückwärts zu verstehen. Sie tut auch dies, weil sie es genau so will und nicht weil ein Mann ihr diese Rolle aufzwingt.
Ich möchte gar nicht wissen, wie sich Hollywood weiterentwickelt hätte, wenn es diese ab Mitte der 30er Jahre eingeführten Zensurauflagen nicht gegeben hätte. Wie diese die Filmemacher ausgebremst haben, lässt sich schon allein dadurch feststellen, dass man mal eine typische Doris-Day-Komödie aus den 50er Jahren mit einem Film wie FEMALE vergleicht.

Persönliche Wertung: Gut!


THE GUILT TRIP (USA 2012, Regie: Anne Fletcher)

Seth Rogen fährt mit seiner Filmmutter Barbra Streisand eine Woche lang quer durch die USA. Die Reise wird zum (Selbst-)Findungstrip. Typisches Road Movie, bei dem der Weg das Ziel ist und beide Protagonisten am Ende der Reise gestärkt hervorgehen. Die zuvor nur sporadisch existierende Mutter-Sohn-Beziehung ist wieder intakt. Man muss aus THE GUILT TRIP jetzt nicht sonderlich mehr machen, als er letztendlich ist, aber in diesem ganzen kitschigen Rührstück steckt natürlich auch verdammt viel Wahrheit drin und man kann durchaus mal innehalten, sich ein paar Gedanken machen und sich vielleicht auch ein bisschen selbst hinterfragen. Der Film liefert einige Ansätze dazu. Ich mochte THE GUILT TRIP schon irgendwie ganz gern.

Persönliche Wertung: Nett!


THE SUM OF ALL FEARS (Deutschland/USA 2002, Regie: Phil Alden Robinson)

In der vierten Jack-Ryan-Verfilmung gibt es mit Ben Affleck den mittlerweile dritten Ryan-Darsteller zu bewundern. THE SUM OF ALL FEARS dürfte bisher am weitesten vom Roman abweichen. Während das Buch innerhalb der Chronologie der Ereignisse nach den zuvor verfilmten Ryan-Abenteuern anzusiedeln ist, handelt es sich bei dem 8 Jahre nach CLEAR AND PRESENT DANGER in die Kinos gekommenen THE SUM OF ALL FEARS eher um ein Reboot der Reihe, welches mit Ben Affleck einen weitaus jüngeren Hauptdarsteller präsentiert als es Baldwin und Ford gewesen sind und somit auch einen Jack Ryan am Anfang seiner Karriere zeigt, der hier gleich mal nicht viel weniger zu tun bekommt, als den dritten Weltkrieg zu verhindern.
THE SUM OF ALL FEARS ist wie die Vorgänger auch ein klassischer Polit-, Verschwörungs- und Agententhriller mit einzelnen Actionhöhepunkten. Die Spannung entwickelt sich aus den Dialogen der Pro- und Antagonisten und aus deren Aktionen hinter den großen Schreibtischen. Mir hat insbesondere dieser langsame Spannungsaufbau in der ersten Hälfte, der sich ziemlich genau nach einer Stunde in dieser einfach nur brachial inszenierten Nuklearexplosion entlädt, ausgesprochen gut gefallen. Danach fand ich THE SUM OF ALL FEARS streckenweise etwas zu hektisch und einzelne Aktionen der verschiedenen Beteiligten nicht mehr unbedingt glaubwürdig und nachvollziehbar. Insgesamt betrachtet ist THE SUM OF ALL FEARS trotzdem ein guter Film, im Gesamtzusammenhang mit den drei Ryan-Verfilmungen zuvor betrachtet ist er jedoch auch ein paar Nuancen schwächer geraten als seine Vorgänger.

Persönliche Wertung: Gut!


THE WRONG MAN (USA 1956, Regie: Alfred Hitchcock)

Angeblich auf einer wahren Begebenheit basierend, behandelt THE WRONG MAN eines von Hitchcocks Lieblingsthemen, nämlich den unschuldigen Normalbürger, der aufgrund widriger Umstände in ernsthafte Probleme gerät und nun versuchen muss, aus dem ganzen Schlamassel, der ihm eingebrockt wurde, wieder herauszukommen. In THE WRONG MAN handelt es sich dabei um den von Henry Fonda gespielten Manny Balestrero, der beschuldigt wird, diverse Überfälle begangen zu haben und auch von sämtlichen Zeugen als Täter identifiziert wird. Der für den Zuschauer ganz offensichtlich unschuldige Mann muss nun seine Unschuld beweisen. Fonda eignet sich ganz vorzüglich als Identifikationsfigur, mit der man bangen und zittern kann und die man am Ende schon unschuldig hinter Gittern landen sieht. Es bedarf einer Art “Deus ex machina“, damit Mannys Unschuld dann doch noch bewiesen wird. Aber der Film beruht ja auf wahren Tatsachen und manchmal wendet sich dann halt doch alles zum Guten und so verzeiht man THE WRONG MAN dieses Ende, welches man in einer vollkommen fiktiven Geschichte sicherlich für etwas billig halten würde, sehr gerne. Und so etwas wie ein echtes Happy End wird dem Zuschauer auch irgendwie verwehrt. Da ist viel zu viel kaputtgegangen in Mannys Leben, als dass man aufgrund des vordergründig positiven Ausgangs der Angelegenheit in ungetrübte Jubelstürme ausbrechen könnte.

Persönliche Wertung: Großartig!


ELLING (Norwegen 2001, Regie: Petter Næss)

Nach zwei gemeinsamen Jahren in der Psychiatrie sollen Elling (Per Christian Ellefsen) und Kjell (Sven Nordin) - die beide alleine nicht lebensfähig sind - in Oslo zusammen in eine Wohnung ziehen und mit Hilfe des Sozialarbeiters Frank (Jørgen Langhelle) lernen, mit ihrem Leben klarzukommen. Ein schwieriger und mühsamer Weg…
Regisseur Petter Næss präsentiert in ELLING zwei schwer gestörte Charaktere, die irgendwie versuchen müssen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und die aufgrund ihres Verhaltens von einer skurrilen Situation in die nächste geraten. Das schönste an ELLING ist die Tatsache, dass Næss seine beiden Hauptfiguren vollkommen ernst nimmt, er gibt sie nie der Lächerlichkeit preis, lacht nie über, sondern immer nur mit ihnen. Dem Zuschauer wachsen die beiden komischen Vögel von Minute zu Minute immer mehr ans Herz und es wird mit zunehmender Laufzeit immer deutlicher, wie “normal“ die beiden offensichtlich “Unnormalen“ am Ende des Tages doch sind. Letztendlich möchte jeder Mensch nur sein kleines Stückchen Glück vom großen Kuchen haben. Weswegen sollte man es gerade Elling und Kjell verwehren. ELLING ist ein ausgesprochen schöner, positiver und grundsympathischer Film, ein flammendes Plädoyer für mehr Toleranz und Empathie seinen Mitmenschen gegenüber.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


TAMMY (USA 2014, Regie: Ben Falcone)

Das Auto kaputt, einen miesen Job verloren und den Gatten beim Ehebruch erwischt - Melissa McCarthy als titelgebende Tammy hat die Schnauze voll und will nur noch weg. Gemeinsam mit ihrer Filmgroßmutter Susan Sarandon begibt sie sich auf einen Road Trip. White-Trash-Dramödie, die zwar ein paar nette Gags aufweisen kann, über den Großteil der Laufzeit allerdings nur relativ ziel- und planlos dahinplätschert. Mit Kathy Bates, Sandra Oh und Dan Aykroyd in weiteren Rollen zwar ausgesprochen prominent besetzt, mehr als halbwegs kurzweilige und nette Unterhaltung bleibt da aber nicht übrig. Und wie wir ja alle wissen, ist nett die kleine Schwester von scheiße. Ein Film am Rande der Belanglosigkeit.

Persönliche Wertung: Nett!


Und der Vollständigkeit halber hier noch die Auflistung der gesehenen TV-Episoden:
Desperate Housewives: Season 7 (Episoden 9-23)
Desperate Housewives: Season 8 (Episoden 1-4)
How I Met Your Mother: Season 2 (Episoden 7-22)


Foto

KURZKOMMENTARE - DEZEMBER 2014


32 Filme gesehen. Reihenfolge der Kommentare entspricht der Reihenfolge der Sichtungen. *=keine Erstsichtung


HICKEY & BOGGS (USA 1972, Regie: Robert Culp)

Zwei abgehalfterte Privatdetektive (Regisseur und Hauptdarsteller Robert Culp sowie Bill Cosby) nehmen einen Routinefall an und finden sich sehr schnell im absoluten Schlamassel wieder. HICKEY & BOGGS ist kein Film, den man sich so nebenbei mal anschauen kann. Das von Walter Hill verfasste Drehbuch ist ausgesprochen komplex geraten und ohne die notwendige Aufmerksamkeit kann man hier schnell mal den Faden verlieren. Bleibt man am Ball, wird man mit einem exzellenten und extrem spannenden Neo-Noir belohnt, der diese typische Atmosphäre des Crime-Kinos der 70er Jahre versprüht und mit einem mehr als denkwürdigen Finale aufwartet. Und dann diese Szene im leeren Stadion ziemlich in der Mitte des Films. Ein Paradebeispiel dafür, wie man Spannungsmomente perfekt inszenieren kann.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


BLACK SAMSON (USA 1974, Regie: Charles Bail)

Kleiner Blaxploitation-Reißer aus den 70ern, in dem der Besitzer eines Nachtclubs - der titelgebende Samson und gleichzeitig so etwas wie der Heilsbringer seines Viertels - von fiesen Gangstern gepiesackt wird, denen sein Etablissement, welches im Verlauf der kurzweiligen 90 Minuten für so manche Schauwerte sorgt (in jeden echten Reißer aus den 70er gehört mindestens eine Stripclub-Szene), ein Dorn im Auge ist. Die Handlung verläuft so, wie sie in solchen Filmen immer verläuft. Gewalt erzeugt Gegengewalt und am Ende kommt es schließlich zum großen - und hier auch ausgesprochen spektakulären - Showdown. It’s nothing to write home about - Spaß hat mir BLACK SAMSON trotzdem gemacht.

Persönliche Bewertung: Nett!


THE AMAZING SPIDER-MAN 2 (USA 2014, Regie: Marc Webb)

Den Vorgänger fand ich richtig gut, diese Fortsetzung hier eher enttäuschend. Überzeugen konnte mich THE AMAZING SPIDER-MAN 2 eigentlich nur in technischer Hinsicht. Insbesondere die 3D-Sequenzen, in denen Spider-Man durch die Häuserschluchten schwingt, fand ich extrem faszinierend und beeindruckend umgesetzt. Ansonsten empfand ich den Film als viel zu lang, als viel zu selbstverliebt und die Hauptfigur als viel zu unsympathisch gezeichnet. Das war definitiv kein Held, mit dem man als Zuschauer mitfiebern konnte. Und auch die Gegner - sowohl der von Jamie Foxx gespielte Electro als auch der von Dane DeHaan gespielte Green Goblin - blieben eher blass, hatten nur wenig Bedrohungspotential. Ganz schlimm auch diese ironischen Selbstreferenzen. Wenn auf Spider-Mans Smartphone als Klingelton das Spider-Man-Theme ertönt empfinde ich das als fast genau so nervig wie den von Chuck Norris erzählten Chuck-Norris-Witz in THE EXPENDABLES 2.

Persönliche Bewertung: Naja!


THE UNBORN (USA 2009, Regie: David S. Goyer)

In THE UNBORN geben sich praktisch sämtliche Klischees, die man aus Filmen über dämonische Wesen, besessene Kinder, unheimliche Häuser, Exorzisten, usw. so kennt, die Klinke in die Hand. Regisseur und Drehbuchautor David S. Goyer wollte hier wohl wirklich alles reinpacken, was ihm beim Schreiben des Drehbuchs und beim Dreh des Films so in die Sinne gekommen ist und überlädt damit seinen Film maßlos. THE UNBORN hat zwar ein paar nette Schockeffekte, einen Haufen bekannte Gesichter (u.a. Gary Oldman in einer komplett verrückten Rolle als Rabbi) und streckenweise auch so etwas wie eine unheimliche Atmosphäre zu bieten, bewirkt mit seiner überladenen Handlung beim Zuschauer allerdings hauptsächlich eins: dass dieser sich ob des ganzen präsentierten Unsinns eher verwundert die Augen reibt anstatt sich zu gruseln. Zumindest war Hauptdarstellerin Odette Yustman ziemlich hot.

Persönliche Bewertung: Naja!


OBSESSION (USA 1976, Regie: Brian De Palma)

16 Jahre nach dem tragischen Tod seiner Frau Elizabeth (Geneviève Bujold) lernt der Geschäftsmann Michael Courtland (Cliff Robertson) genau in der Kirche, in der er damals auch seine Frau zum ersten Mal gesehen hatte, eine junge Frau kennen, die seiner verstorbenen Gattin wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sieht...
Der Aufhänger des Plots scheint in gewisser Weise vertraut zu sein? Kein Wunder, Hitchcock-Fan De Palma hat mit OBSESSION seine eigene Variante von VERTIGO gedreht. Einen atmosphärisch dichten und von Kameramann Vilmos Zsigmond in betörend schöne Bilder getauchten Thriller in allerbester Hitchcock-Tradition. Auch wenn OBSESSION qualitativ vielleicht noch nicht wirklich mit den Filmen mithalten kann, die da noch von De Palma kommen sollten. Er ist vielleicht das dicke, fette Ausrufezeichen eines Filmemachers, der ganz kurz vor seinem großen Durchbruch stand. 3 Monate nach OBSESSION sollte ein Film mit dem Titel CARRIE in die Kinos kommen. Der Rest ist Geschichte.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


A CLOCKWORK ORANGE (Großbritannien/USA 1971, Regie: Stanley Kubrick)*

Ich hatte Kubricks A CLOCKWORK ORANGE jetzt wahrscheinlich gut 20 Jahre nicht mehr gesehen. Wenn man alten Favoriten nach so langer Zeit zum ersten Mal wieder begegnet, ist man ja immer gespannt, wie die Begegnung verlaufen wird, wie gut oder schlecht dieser eine Film gealtert sein mag. Nun, A CLOCKWORK ORANGE hat mich regelrecht weggeblasen. Das ist ein Film, der auch heute, 43 Jahre nach seinem Erscheinen, aber auch wirklich rein gar nichts von seinem verstörenden Potential verloren hat. A CLOCKWORK ORANGE ist ein zutiefst beunruhigender Film, eine tatsächlich sprachlos machende Gewaltstudie ein Meilenstein des kontroversen Kinos.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!


GHOST BUSTERS (USA 1984, Regie: Ivan Reitman)*

Bill Murray, Dan Aykroyd und Harold Ramis als Dr. Venkman, Dr. Stantz und Dr. Spengler auf Gespensterjagd. Es gibt Filme, zu denen wurde schon alles gesagt und geschrieben. Das ist einer davon. Einer der großartigsten Filme seiner Zeit, ein absoluter Klassiker. Gibt es tatsächlich Menschen, die diesen Film hier gesehen haben und ihn nicht toll finden? Ich kann und will es nicht glauben.

Persönliche Bewertung: Lieblingsfilm!


THE PLAYER (USA 1992, Regie: Robert Altman)*

Komödie, Krimi, Mystery, Romanze, Thriller, Drama, bitterböse Satire, Selbstreflexion - das alles und irgendwie noch viel mehr ist THE PLAYER, der vielleicht großartigste Blick, den sich Hollywood seit Wilders grandiosem SUNSET BLVD. auf sich selbst gestattet hat. Allein diese ersten acht Minuten, in denen Altman den Studioalltag zeigt, von einer Figur zur nächsten springt und dabei ohne einzigen Schnitt auskommt, sind pure Magie. Allein diese ersten acht Minuten reichen vollkommen aus, um sich in THE PLAYER hoffnungslos zu verlieben. Ich habe Altmans Geniestreich gut 20 Jahre nicht mehr gesehen. Bis zur nächsten Sichtung werden definitiv keine weiteren 20 Jahre mehr vergehen. Überirdisch großes Kino.

Persönliche Wertung: Lieblingsfilm!


GHOSTBUSTERS II (USA 1989, Regie: Ivan Reitman)*

Fünf Jahre nach seinem großen Erfolg versammelte Regisseur Ivan Reitman praktisch alle wichtigen Cast-Mitglieder des Vorgängers erneut vor der Kamera und präsentierte mit GHOSTBUSTERS II eine ausgesprochen gelungene Fortsetzung der Geschichte rund um die ebenso liebenswerten wie chaotischen Geisterjäger. Die extrem hohe Qualität von GHOST BUSTERS erreicht Reitman allerdings nicht, dafür fehlt es GHOSTBUSTERS II zu sehr an neuen Ideen und auch die Gagdichte ist nicht so hoch wie beim Vorgänger. Ich persönlich habe mich auch schon immer an der Sequenz mit der Freiheitsstatue im Finale gestört. Fand das damals im Kino schon doof und finde es auch heute noch doof. Toll ist GHOSTBUSTERS II auch trotz dieser kleinen Schwächen. Vor allem wegen vieler Kleinigkeiten. Schön bspw. die Sache mit den fehlenden Anfangs-Credits. Der Film öffnet mit der Texttafel “5 Years Later“, der Filmtitel wird kurz darauf durch das bekannte Logo mit zwei hochgestreckten Fingern visualisiert. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass dieser Film hier einer der ersten Filme gewesen sein dürfte, die auf die Anfangs-Credits komplett verzichtet haben. Ausgesprochen nett auch die diversen (Selbst-)referenzen an das Horrorgenre, die mal offensichtlicher und mal versteckter ausfallen. Der pinkfarbene Schleim erinnert bspw. frappierend an die glibberige Masse aus THE BLOB und in einer kurzen Sequenz, in der Menschen panisch aus einem Kino laufen, sieht man auf dem Kino-Marquee, dass dort CANNIBAL GIRLS gezeigt wurde, eine kanadische Produktion aus dem Jahr 1973 und gleichzeitig die erste richtig bedeutende Regiearbeit von Ivan Reitman.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


22 JUMP STREET (USA 2014, Regie: Phil Lord/Christopher Miller)

Von der High School ab ins College. Die beiden chaotischen Ermittler Jenko (Channing Tatum) und Schmidt (Jonah Hill) sollen nun undercover in einem College ermitteln und erneut einer Bande von Drogendealern das Handwerk legen. Der Fall an sich rückt jedoch schnell in den Hintergrund, in erster Linie haben die beiden Ermittler mit ihren neuen Rollen und der gegenseitigen Erwartungshaltung an ihre Freundschaft zu kämpfen.
Ging es im Vorgänger noch etwas subtiler zu Werke, hauen Lord und Miller hier deutlich kräftiger auf den Putz. Der oftmals hintergründige Humor, der 21 JUMP STREET noch ausgezeichnet hatte, muss dabei fast zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Das ist etwas schade, da dieser Fortsetzung somit auch die Liebenswürdigkeit des Vorgängers etwas abhaben kommt. Ausgeglichen wird das durch zwei grandios aufgelegte Hauptdarsteller, eine immens hohe Gagdichte und die eine oder andere rasante Actionsequenz.
Und diese Szene, in der Jenko mitbekommt, dass Schmidt mit der Tochter (Amber Stevens) ihres Vorgesetzten (Ice Cube) in der Kiste gelandet ist, und sich darüber vor den Augen des wütenden Vaters ausgiebig lustig macht, gehört definitiv zu einem der witzigsten Momente der jüngeren Kinovergangenheit.

Persönliche Wertung: Gut!


ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY OF CANNON FILMS! (Australien/Großbritannien/Israel/USA 2014, Regie: Mark Hartley)

Nach NOT QUITE HOLLYWOOD: THE WILD, UNTOLD STORY OF OZPLOITATION! und MACHETE MAIDENS UNLEASHED! ist ELECTRIC BOOGALOO: THE WILD, UNTOLD STORY OF CANNON FILMS! bereits die dritte Dokumentation, in der sich Regisseur Mark Hartley liebevoll um den Genrefilm kümmert. Wie schon in den beiden Vorgängern nutzt Hartley erneut viele Filmausschnitte, Archivaufnahmen und natürlich insbesondere interessante Gesprächspartner (diverse Schauspieler, Regisseure und weitere Crewmitglieder wie bspw. Sam Firstenberg, Boaz Davidson, Mark Goldblatt, Sybil Danning, Molly Ringwald, Dolph Lundgren, Bo Derek, Michael Dudikoff, u.v.a.m.), die die Hochzeit der umtriebigen Cannon Film Group miterlebt haben und bereitwillig aus dem Nähkästchen plaudern, um dem interessierten Zuschauer auf kurzweilige Art und Weise die Geschichte der Produktionsschmiede der beiden Cousins Menahem Golan (der im August dieses Jahres verstarb) und Yoram Globus näher zu bringen.
Das gelingt Hartley - wie in den beiden vorgenannten Dokus auch - mal wieder exzellent und der Einblick, den Hartley und seine Gesprächspartner in die Geschichte der Cannon geben, ist wirklich hochinteressant und dürfte jeden Fan des unterschlagenen Films nachhaltig begeistern. Ein Wehrmutstropfen bleibt jedoch, an dem Hartley allerdings keine Schuld trägt. Die beiden Hauptpersonen - Golan und Globus - waren leider nicht dazu bereit, bei dieser Doku mitzuwirken und so fehlt ELECTRIC BOOGALOO der Gegenpol zu den Aussagen der diversen Interviewteilnehmer. Denn besonders gut kommen Golan und Globus bei den wenigsten ihrer damaligen Weggefährten weg. Viele finden gar ausgesprochen harsche Worte in Bezug auf das - ganz offensichtlich - von einer Mischung aus Enthusiasmus, Größenwahn und Naivität geleitete Geschäftsgebaren der beiden Produzenten. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Golan und Globus haben, als sie von Hartleys Projekt erfahren haben, wohl schon geahnt, dass sie nicht unbedingt mit Samthandschuhen angefasst werden würden und kurzerhand mit THE GO-GO BOYS: THE INSIDE STORY OF CANNON FILMS ihre eigene Dokumentation in Auftrag gegeben, welche die Geschichte der Cannon Film Group sicher in einem wohlwollenderem Licht erscheinen lässt. Werde ich mir sicher auch noch ansehen, wenn sie mal auf DVD erhältlich sein sollte.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


REPO MEN (Kanada/USA 2010, Regie: Miguel Sapochnik)

Ausgesprochen düstere Vision einer Gesellschaft, deren Gesundheitssystem komplett kollabiert ist. In REPO MEN gibt es medizinische Hilfe nur noch gegen Bargeld oder auf Pump. Wer seine Raten schuldig bleibt, muss die medizinischen Leistungen zurückgeben und bekommt Besuch von einem der titelgebenden Repo Men, die ihm ohne Rücksicht auf Verluste das zuvor eingesetzte Organ wieder entfernen.
Regisseur Miguel Sapochnik vereint Elemente verschiedener Sci-Fi-Klassiker - von BLADE RUNNER bis zu THE MATRIX - und kreiert daraus eine - insbesondere in der zweiten Hälfte - spannende, rasante und teils ultrabrutale Dystopie (vor gut 20 Jahren wäre dieser Film hier nie im Leben mit einer 16er-Freigabe durch die FSK gekommen). Es dauert zwar gut 50 Minuten, bis REPO MEN so richtig in Fahrt kommt (die erste Hälfte des Films hätte man vielleicht etwas straffen können), danach entwickelt sich Sapochniks Film aber zu einem echten Nailbiter. Und das Ende ist der absolute Hammer. I didn’t see this one coming…

Persönliche Wertung: Gut!


DIE SIEGER (Deutschland 1994, Regie: Dominik Graf)*

Ganz großes Kino aus Deutschland. Dominik Graf bietet in seiner Mischung aus Polizeidrama und Actionthriller 130 Minuten nervenzerreißende Hochspannung, erzählt eine tolle Geschichte und vereint einen großartigen Cast vor der Kamera. DIE SIEGER zeigt auf beeindruckende Art und Weise, was so alles im deutschen Kino möglich wäre, wenn man doch nur wollte. Die Frage ist tatsächlich, wer, wann und warum es deutschen Filmemachern untersagt hat, mehr Filme von diesem Kaliber auf die Leinwand zu bringen.

Persönliche Wertung: Herausragend!


THREE THE HARD WAY (USA 1974, Regie: Gordon Parks Jr.)

In THREE THE HARD WAY bekommt ein größenwahnsinniger Irrer, der den Genozid an der schwarzen Bevölkerung in den USA plant, in Form von Jim Brown, Fred Williamson und Jim Kelly eine Lektion in Sachen “Black Power“. THREE THE HARD WAY ist ein herrlich obskurer Kracher, der zur Blütezeit des Blaxploitation-Kinos in den 70er Jahren entstanden ist. Regisseur Gordon Parks Jr. präsentiert nicht nur eine wahrhaft bizarre Story, sondern begeistert den Genrefreund auch noch mit all diesen unbändigen Schauwerten und kleinen Unzulänglichkeiten, für die man solche Filme so sehr in sein Herz schließt. Es gibt Autoverfolgungsjagden, Schießereien, Martial-Arts-Geprügel, einen nicht zu verachtenden Anteil an Sleaze, nackte Haut, wunderbar unzulängliche Day-for-Night-Shots, die dazu führen, dass eine längere Sequenz abwechselnd bei Tag und in der Nacht spielt, interessante Kostümentscheidungen, wie diese leuchtendroten Barette, welche ein Großteil der Soldaten aus der Armee des Fieslings auf dem Kopf tragen müssen und die aus ihnen so leichtes Kanonenfutter machen. Es gibt Jim Brown und Fred Williamson, die vor Coolness fast zu platzen drohen. Und es gibt mal wieder Jim Kelly, der seinen durchtrainierten Oberkörper in verdammt vielen Szenen textilfrei durchs Bild wuchten darf und außerdem wieder mal mit herrlich stümperhaften - gerne auch in Slow Motion gezeigten - Kampfszenen “überzeugen“ kann. Und dann ist da noch dieser herrlich groovige Score von Komponist Richard Tufo, der verdammt viel zum Flow des Films beiträgt und einen großen Anteil daran hat, dass THREE THE HARD WAY einfach nur richtig viel Spaß bereitet.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


JINGLE ALL THE WAY (USA 1996, Regie: Brian Levant)

Der vielbeschäftigte Howard Langston (Arnold Schwarzenegger) hat seinen kleinen Sohn Jamie schon viel zu oft enttäuscht. Als der sich zu Weihnachten eine Turbo-Man-Actionfigur wünscht, schwört sich Howard, Jamie nicht noch ein weiteres Mal zu enttäuschen. Doch der scheinbar routinemäßige Einkauf des Spielzeugs entwickelt sich sehr schnell zu einer hochkomplizierten Angelegenheit.
Mindestens ein Weihnachtsfilm im Dezember muss es dann doch sein. Zur Abwechslung auch mal einer, den ich noch nicht schon unzählige Male gesehen habe. Arnold Schwarzenegger auf der Jagd nach dem Spielzeug zuzusehen und zu beobachten, wie er von einem Schlamassel in den nächsten stolpert, ist zwar durchaus nett, an die Qualität manch anderer Weihnachtskomödien wie CHRISTMAS VACATION, SCROOGED oder HOME ALONE kommt JINGLE ALL THE WAY aber dann doch nicht heran. Brian Levants Film kommt dann streckenweise doch etwas zu albern, zu cartoonhaft, zu kitschig und teilweise auch zu unbeholfen um die Ecke. Ein paar verdammt witzige Sequenzen sind dann aber doch vorhanden und bei einem Weihnachtsfilm ist man ja sowieso eher dazu bereit, über gewisse Unzulänglichkeiten hinwegzusehen.

Persönliche Wertung: Nett!


FROZEN (USA 2013, Regie: Chris Buck/Jennifer Lee)

Noch ein Film, der ganz gut in die Weihnachtszeit gepasst hat. Und ganz ehrlich - in einem anderen Monat hätte ich FROZEN kaum durchgehalten. Die Disney-Variante des Märchens “Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen ist halt mal wieder typischer Disney-Kitsch und präsentiert zuverlässig all die Markenzeichen, die man von einem solchen Film erwarten kann bzw. befürchten muss. Eine kitschige Love Story, knuffige Sidekicks (hier in Form eines Schneemanns und eines Rentiers), mutige Helden, mindestens ein gefährliches Monster und verdammt viel Gesangseinlagen. Im Dezember kann man sich so was schon mal ansehen.
Ach ja, die 3D-Effekte waren für einen Animationsfilm geradezu erbärmlich schlecht.

Persönliche Wertung: Nett!


THE INTERNATIONAL (Deutschland/Großbritannien/USA 2009, Regie: Tom Tykwer)

Politthriller zur Bankenkrise. In THE INTERNATIONAL geht es um die Verwicklungen einer Großbank in den internationalen Waffenhandel und den verzweifelten Kampf des Ermittlers Louis Salinger (Clive Owen), diesen Machenschaften ein Ende zu setzen. Dass dieser Kampf ein Kampf gegen Windmühlen ist, dürfte jedem Zuschauer von vornherein klar sein. Das System ist wie eine Hydra, schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei neue Köpfe nach. So ist THE INTERNATIONAL in erster Linie ein ernüchternder Einblick in das große Spielfeld der Korruption und Tom Tykwer hätte gut daran getan, wenn er seinen Film auch als genau das gesehen hätte. Das Problem an THE INTERNATIONAL ist, dass Tykwer die Geschichte zu sehr als herkömmlichen Thriller aufbaut. THE INTERNATIONAL arbeitet irgendwie auf ein großes Finale hin, fast so, als gäbe es wirklich eine Lösung, als könnten die Machenschaften der Großbank tatsächlich gestoppt werden. All der vorzügliche Spannungsaufbau verpufft am Ende wie heiße Luft bzw. hat sich schon vorher in dieser wirklich phantastischen Shoot-Out-Sequenz im Guggenheim-Museum entladen, die sowohl den dramaturgischen als auch den spannungstechnischen Höhepunkt des Films darstellt. Bis zu dieser Sequenz hat mir persönlich THE INTERNATIONAL ausgezeichnet gefallen, doch dummerweise war nach dieser Sequenz noch über 1/3 der Laufzeit übrig und THE INTERNATIONAL verflachte von Minute zu Minute mehr und mündete schließlich in einem unspektakulären Finale, für das ich schon gut 20 Minuten vorher jegliches Interesse verloren hatte.

Persönliche Wertung: Gut (wegen der tollen 2/3 des Films bis zur Guggenheim-Sequenz und trotz des schwachen Rests nach dieser)!


DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE (Deutschland/Spanien 1963, Regie: Franz Josef Gottlieb)

Nach DER TEPPICH DES GRAUENS und DIE WEISSE SPINNE ist das hier die dritte Verfilmung eines Kriminalromans von Louis Weinert-Wilton und wie bereits Harald Reinl in den beiden Filmen zuvor versucht auch Franz Josef Gottlieb das von den Wallace-Filmen so reichlich bestellte Feld abzuernten. Wie schon Reinl kann auch Gottlieb auf erprobte Wallace-Darsteller zurückgreifen - u.a. wirken Klaus Kinski, Eddi Arent, sowie abermals Werner Peters und Karin Dor mit - und dieses Potential weiß Gottlieb erstklassig zu nutzen. Kinski darf immer wieder mysteriös in der Ecke stehen, bevor seine wahre Identität irgendwann gelüftet wird, Arent gibt den moderaten Pausenclown, Karin Dor das sexy Love Interest und Werner Peters einmal mehr das unsympathische Weichei mit Dreck am Stecken. Gut, auch Reinl konnte in den beiden Vorgängern von diversen Wallace-Stars - allen voran Joachim Fuchsberger in der jeweiligen Hauptrolle - profitieren, aber Gottlieb nutzt dieses Potential einfach besser, verlässt sich nicht so sehr auf seine Geschichte, sondern mehr auf seine Darsteller und macht damit alles richtig. Waren die zwei Vorgängerfilme eher etwas gemächlich inszeniert und mit unzähligen Wendungen ausgestattet, um den Zuschauer hinters Licht zu führen, geht Gottlieb die Angelegenheit deutlich geradliniger und zielstrebiger an. DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE ist ein Schauspielerfilm, die Handlung ist Nebensache, oder besser ausgedrückt, es ist ein O.W.-Fischer-Film. Für den war es damals der erste und meines Wissens auch einzige Ausflug in das Genre des Kriminalfilms und dieser Ausflug scheint ihm verdammt viel Spaß gemacht zu haben. Wie Fischer hier ständig rauchend, saufend und lallend durch den Film walzt ist ein Traum - ich bin mir nicht sicher, ob er beim Dreh nicht tatsächlich größtenteils stockbesoffen gewesen ist - und macht DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE so unterhaltsam und sehenswert. Fischer reißt den Film regelrecht an sich, knallt einen Oneliner nach dem anderen raus und bringt eine Präsenz auf die Leinwand, die wahrlich beeindruckend ist. Keine Ahnung, wie dieser Film mit einem anderen Schauspieler in der Hauptrolle wohl ausgefallen wäre. Man kann und mag es sich nicht vorstellen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


DER HAUSTYRANN (Deutschland 1959, Regie: Hans Deppe)

Paraderolle für den begnadeten Komiker Heinz Erhardt, der hier als gleichzeitig liebens- und hassenswertes Ekel voll in seinem Element ist. Als Zuschauer möchte man den von ihm gespielten Paul Perlacher am liebsten auf den Mond schießen und dabei ganz lieb knuddeln. Der Humor in Deppes Film ist eher ruhiger Natur, von den ganzen Albernheiten und den vielen Kalauern, die insbesondere die Filme mit Heinz Erhardt ab Mitte der 60er Jahre bevölkerten, ist in DER HAUSTYRANN noch nicht viel zu sehen. Deppe verlässt sich voll und ganz auf Erhardts geniale Art und Weise mit dem Stilmittel der Sprache umzugehen. Als Zuschauer schmunzelt man oft leise mit, lacht im nächsten Moment wieder, usw., usf.; Highlights des Films: die Szene mit Beppo Brem als Polizisten und die Sequenz im Gerichtssaal - einfach nur zum Schreien komisch.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


DIE SUPERNASEN (Deutschland 1983, Regie: Dieter Pröttel)*

Extremer Nostalgie-Flash. Pröttels DIE SUPERNASEN habe ich in den 80ern rauf unter runter geschaut. Nun schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr und es ist irgendwie erschreckend, wie sehr das menschliche Gehirn nutzlose Informationen abspeichern kann. Ich wäre durchaus in der Lage gewesen, einen Großteil der Dialoge auch heute noch mitzusprechen. DIE SUPERNASEN ist ein absolutes Relikt seiner Zeit, eines dieser typischen Klamaukprodukte der altehrwürdigen Lisa-Film, in denen kein Gag zu flach und kein Witz zu billig sein konnte. Gottschalk und Krüger haben sichtlich Spaß daran, sich durch diesen ganzen Nonsens zu kalauern und das damalige Publikum hatte ebenfalls einen riesigen Spaß, den beiden Chaoten dabei zuzusehen. DIE SUPERNASEN war damals richtig erfolgreich - heute könnte ein Film wie dieser hier wohl gar nicht mehr gedreht werden - und zog noch zwei Fortsetzungen nach sich. Die muss ich mir jetzt natürlich auch mal wieder ansehen.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


EDGE OF TOMORROW (Australien/USA 2014; Regie: Doug Liman)

Nach den beiden letzten Gurken (JACK REACHER und OBLIVION) mit Tom Cruise endlich mal wieder ein guter Film mit dem streitbaren Star. EDGE OF TOMORROW gehört zum relativ überschaubaren Kreis von Filmen, die sich mit dem Phänomen der Zeitschleifen beschäftigen - der bekannteste und auch herausragendste Vertreter dieses Subgenres dürfte wohl GROUNDHOG DAY sein - und die oberste Maxime, die diese Art von Film meines Erachtens einfach haben muss, lautet wie folgt: „Gestalte die immer und immer wiederkehrenden Ereignisse so abwechslungsreich, dass beim Zuschauer keine Ermüdungserscheinungen auftauchen.“
Regisseur Doug Liman meistert diese Bürde ganz vorzüglich, Langeweile stellt sich nie ein, EDGE OF TOMORROW ist vielmehr richtig packend geraten. Liman hält die Spannung beständig hoch, Cruise und Blunt sind beide richtig gut in ihren Rollen und harmonieren ganz vorzüglich miteinander und die präsentierten Kampfszenen sind wahrlich spektakulär und trotz schneller Schnitte so gestaltet, dass man als Zuschauer nicht die Übersicht verliert. Eine runde Sache, nur die nachträgliche 3D-Konvertierung hätten sie sich mal wieder sparen können. Es waren keine nennenswerten Effekte ausfindig zu machen.

Persönliche Wertung: Gut!


JOHNNY GUNMAN (USA 1957, Regie: Art Ford)

Mischung aus Gangsterfilm und Film Noir aus den 50er Jahren. Fords JOHNNY GUNMAN dreht sich um zwei Gangster, die sich in einer alles entscheidenden Nacht in New York darüber “einigen“ müssen, wie das Gebiet eines erst kürzlich inhaftierten Gangsterbosses künftig aufgeteilt werden soll. JOHNNY GUNMAN ist ein ganz offensichtlich ohne jegliches Budget entstandener Timewaster, der relativ schmuck- und ereignislos an einen vorüberzieht. Viel Theatralik in der Darstellung, viel Gerede ohne großartige Aussagen, viel Tristesse - JOHNNY GUNMAN ist sicher kein Film, den man großartig weiterempfehlen könnte, aber irgendwie macht ihn das auch verdammt sympathisch. Man kann knapp 70 Minuten seiner Lebenszeit auch sinnloser verbringen.
In der großen IMDb, in der ca. 57 Millionen registrierte Nutzer Filme bewerten können, kommt JOHNNY GUNMAN zum heutigen Tag noch nicht mal auf 10 Votes. Fords Film ist fast vergessen, praktisch nicht mehr existent. Es tut gut, zu wissen, dass es Labels wie Vinegar Syndrome gibt, die auch solche Filme auf DVD veröffentlichen und so für die Nachwelt erhalten. Filme wie JOHNNY GUNMAN würden sonst gänzlich aussterben. Es wäre ein Jammer.

Persönliche Wertung: Ok!


ZWEI NASEN TANKEN SUPER (Deutschland 1984, Regie: Dieter Pröttel)*

Nach dem großen Erfolg von DIE SUPERNASEN musste damals natürlich eine Fortsetzung nachkommen. Das Kind hört auf den Namen ZWEI NASEN TANKEN SUPER, Gottschalk und Krüger fahren auf 2 Trikes durch die Pampa und werden von trotteligen Gangstern - einer davon mit einem silbernen (!) Ohr - gejagt, die es auf zwei Edelsteine abgesehen haben, die sich an den Trikes befinden.
ZWEI NASEN TANKEN SUPER ist leider nicht so gut gealtert wie der Vorgänger und kann auch vom vorhandenen Nostalgie-Bonus nicht großartig gerettet werden. Das Teil ist ziemlich langweilig geraten, die Gags zünden einfach nicht und am Ende des Tages macht sich dann doch eher Ernüchterung breit.

Persönliche Wertung: Naja!


FEUER, EIS & DOSENBIER (Deutschland 2002, Regie: Mathias Dinter)*

Gaga-Humor der besonders hohlen Sorte. Axel Stein und Rick Kavanian albern sich durch einen Film, der so absurd bescheuert ist, dass man es wirklich gesehen haben muss, um es glauben zu können. Hier sind wirklich allen Beteiligten komplett die Pferde durchgegangen. FEUER, EIS & DOSENBIER ist eine Katastrophe, ein Film, dem man nur mit ungläubigem Kopfschütteln begegnen kann. Aber wenigstens spielt Herbert Fux, eines der ganz großen Gesichter des deutschsprachigen Exploitationfilms der 70er Jahre, mit.

Persönliche Wertung: Naja!


DIE SUPERBULLEN (Deutschland 2011, Regie: Gernot Roll)

Mit den beiden Vorgängerfilmen - VOLL NORMAAAL aus dem Jahr 1994 und BALLERMANN 6 aus dem Jahr 1997 - haben Tom Gerhardt und Hilmi Sözer die deutsche Messlatte in Sachen Gross-Out-Humor exorbitant hoch und in Sachen Niveau exorbitant niedrig gelegt. Beide Filme stellten einen Frontalangriff auf jede Form des guten Geschmacks dar, waren dabei aber auch einfach nur unfassbar komisch und zählen für mich zu den absoluten Highlights, die das deutsche Brachialkino zu bieten hat. 14 Jahre später kam mit DIE SUPERBULLEN der dritte Teil in die Kinos, die langen Jahre, die zwischen dem letzten und diesem Film hier liegen, merkt man ihm allerdings nicht wirklich an. Gerhardt und Sözer sind erneut in Hochform, knallen einen bescheuerten Gag nach dem anderen raus, spannen dabei immer wieder den Bogen zu den beiden Vorgängerfilmen und schaffen es sogar, die Grenzen des guten Geschmacks, die mit den beiden Erstlingswerken schon längst gesprengt waren und nur noch in Einzelteilen auf der Erde lagen, endgültig zu pulverisieren. Stichwort: Darmverschluss; jeder, der diesen Film gesehen hat, dürfte wissen, was ich meine.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


FOXY BROWN (USA 1974, Regie: Jack Hill)*

Nach THE BIG DOLL HOUSE, THE BIG BIRD CAGE und COFFY war FOXY BROWN bereits der vierte Film in Serie, den Regisseur Jack Hill gemeinsam mit Hauptdarstellerin Pam Grier gedreht hat und erneut ist aus dieser Zusammenarbeit ein echtes Highlight des Exploitationfilms im Allgemeinen und des Blaxploitationfilms im Speziellen entstanden. FOXY BROWN ist vielleicht nicht ganz so “over the top“ wie die drei Filme zuvor, Hill lässt es hier erst mal etwas ruhiger angehen und lässt sich über die Hälfte der Laufzeit des Films Zeit damit, seine Charaktere vorzustellen und seinen Plot zu entwickeln. Nachdem dies allerdings geschehen ist, dreht Hill erneut gehörig auf. FOXY BROWN entwickelt sich immer mehr zu einer echten Sleaze-Granate vor dem Herrn und begeistert mit einem spektakulären und derben Finale in der Schlussviertelstunde. Ach, diese 70er, dieses Jahrzehnt, in dem im Kino wirklich fast alles möglich war.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


RAW FORCE (Philippinen/USA 1982, Regie: Edward D. Murphy)

What the Fuck!?! What the Fuck?!? What the Fuck!?!
Der Plot von RAW FORCE geht in etwa so: Die Mitglieder einer amerikanischen Karateschule reisen nach “Warriors Island“, einer mysteriösen Insel, auf der in Ungnade gefallene Martial-Arts-Spezialisten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Auf dieser Reise kommen sie einer Bande von Mädchenhändlern - deren Anführer aussieht wie Hitlers Bruder - in die Quere, welche an die auf der Insel lebenden Mönche entführte Prostituierte gegen grüne Jadesteine eintauschen. Die Mönche nutzen die Mädchen allerdings nicht, um ihre sexuellen Triebe zu befriedigen, sondern vielmehr, um diese zu verspeisen. Denn ihr Kannibalendasein gibt ihnen die Kraft, um die auf der Insel begrabenen Kampfkünstler wieder zum Leben zu erwecken und so eine Armee von Martial-Arts-Zombies zu generieren… Hört sich komplett verrückt an? Glaubt mir, RAW FORCE ist noch viel verrückter und sprengt die Grenzen alles Vorstellbaren. Ich habe in meinem Leben schon unzählige verrückte und durchgeknallte Filme gesehen, ich bin mir aber wirklich nicht sicher, ob ich schon jemals einen Film wie RAW FORCE gesehen habe. Was Regisseur Edward D. Murphy hier an Schauwerten rausknallt, ist einfach unbeschreiblich. Hier gibt es wirklich alles, was das Herz eines jeden Fans von Exploitationfilmen beachtlich höher schlagen lassen dürfte. Schießerein, Splatter und Gore, Vic Diaz als verrückten Mönch, Martial-Arts-Prügeleien, Sleaze der schmierigsten Sorte, eine unfassbare Menge an “gratuitous nudity“, usw., usf.
Vor dem Abspann kündigt eine “To Be Continued…“-Einblendung eine mögliche Fortsetzung an. Die hat es leider nie gegeben. Ein Jammer!
Für die gut 90 Minuten, die RAW FORCE dauert, ist er nicht viel weniger als der beste Film der Welt! Wer das Gegenteil behauptet, soll mir mal einen anderen Film nennen, in dem eine sexy Blondine - und Jillian Kesner ist wirklich verdammt sexy - gegen zwei Ninja-Zombies kämpft!

Persönliche Wertung: Großartig!


SAVAGE SISTERS (Philippinen/USA 1974, Regie: Eddie Romero)

Noch einer dieser Philippinen-Exploiter. In SAVAGE SISTERS geraten drei Frauen auf der Suche nach der stattlichen Summe von 1 Mio. US-Dollar auf einer kleinen tropischen Insel zwischen die Fronten von Militär, Revolutionären und Banditen. Noch ein Kracher, der allerdings leider das Pech hatte, dass ich ihn mir direkt im Anschluss an RAW FORCE angesehen habe. Mit dem konnte er einfach nicht mithalten. Versucht man die Vergleiche auszublenden, stellt man fest, dass auch Regisseur Eddie Romero ein (kleines) Genre-Highlight abgeliefert hat. In SAVAGE SISTERS ist ständig was geboten und so etwas wie Langeweile mag wirklich zu keiner Sekunde aufkommen. Zudem hat Romero seine über weite Strecken in durchaus kruden Bildern erzählte Geschichte mit allerlei (rabenschwarzen) Humor angereichert, was zu ein paar herrlich verrückten und obskuren Sequenzen führt. Und mit Gloria Hendry, Cheri Caffaro, Sid Haig, Eddie Garcia und natürlich wieder Vic Diaz ist SAVAGE SISTERS auch noch ganz vorzüglich besetzt. Fans solcher Filme sollten einen Blick riskieren.

Persönliche Wertung: Gut!


FRIDAY (USA 1995, Regie: F. Gary Gray)

Es ist Freitag, Craig (Ice Cube) hat gerade seinen Job verloren und hängt mit seinem besten Kumpel Smokey (Chris Tucker), der dringend 200 Dollar zusammenkriegen muss, um Schulden bei seinem Dealer zu bezahlen, vor der heimischen Haustür ab. Und Regisseur F. Gary Gray lässt uns als Zuschauer in seinem Regie-Debüt am Müßiggang der beiden Slacker teilhaben. Aber dieser scheinbar typische Freitag ist kein Freitag wie jeder anderen. Denn zwischen Joints, männlichem Balzverhalten, coolem Machogehabe und einem Drive-by-Shooting muss Craig an diesem speziellen Freitag lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dieser Freitag wird sein Leben für immer verändern. Was auf den ersten Blick wie eine dümmliche Kifferkomödie daherkommt, ist bei näherer Betrachtung nichts anderes als ein ungemein sympathischer Coming-of-Age-Film. Und Hauptdarsteller Ice Cube (der auch das Drehbuch mitverfasst hat), Dr. Dre, Cypress Hill, Curtis Mayfield, Mack 10 u.a. liefern den perfekten Soundtrack dazu ab.

Persönliche Wertung: Gut!


A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST (USA 2014, Regie: Seth MacFarlane)

Der erste Gedanke, der einem nach Sichtung dieses Films fast zwangsläufig in den Kopf kommt, ist der des verschenkten Potentials. A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST hat jede Menge derbe (mitunter vielleicht etwas zu plumpe) Gags zu bieten, strotzt teilweise vor purer Anarchie (herrlich die kurze Szene mit Christopher Lloyd in seiner Paraderolle als Doc Brown, der den in einer Scheune versteckten DeLorean abdeckt) und überrascht immer wieder mit dem einen oder anderen eingestreuten Splattereffekt (die Sache mit dem Eisblock!?!). Das Problem an MacFarlanes Film ist, dass das alles nicht so richtig in diese einfach gestrickte und recht herkömmliche Loser-Geschichte passen will, die MacFarlane da im wilden Westen angesiedelt hat. Die subversiven Elemente wirken wie Fremdkörper, als ob sie sich in den falschen Film verirrt hätten. Es wundert mich nicht, dass A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST bei Publikum und Kritik massenweise Prügel bezogen hat und wäre meine Erwartungshaltung aufgrund der Kenntnis dieser praktisch ausschließlich negativen Meinungen zu dem Film nicht sowieso schon komplett im Keller gewesen, wahrscheinlich hätte ich den Film auch ziemlich beschissen gefunden. So schlecht, wie er überall gemacht wurde, fand ich ihn aber doch nicht. Ich hab keine Ahnung, wie die Kinofassung gelungen ist, der von mir jetzt angesehenen Unrated-Fassung kann man einen gewissen Unterhaltungswert meines Erachtens nicht absprechen.

Persönliche Wertung: Ok!


DIE EINSTEIGER (Deutschland 1985, Regie: Sigi Rothemund)*

Wenn ich mich recht erinnern kann, hab ich mir DIE EINSTEIGER damals von allen Supernasen-Filmen am häufigsten angesehen. Die verrückte Schnapsidee, dass es ein Gerät geben könnte, mit dem man sich in Filme katapultieren könnte, fand ich in jungen Jahren wohl einfach zu faszinierend. Das jetzige Wiedersehen ist dann - ähnlich wie bei ZWEI NASEN TANKEN SUPER ein paar Tage vorher - erneut eher ernüchternd ausgefallen. Von den drei Supernasen-Filmen ist dieser hier - trotz seiner verrückten Grundidee - eigentlich der Film, der am zahmsten ausgefallen ist. Gottschalk und Krüger steigen mit ihrer Fernbedienung in verschiedene Genres ein, wobei die episodenhaften Abenteuer in eine wenig witzige Nebenhandlung eingebettet sind. Die Einsteige-Episoden retten den Film über die Ziellinie und lassen ihn - wenn man alle drei Supernasen-Filme miteinander vergleichen will - ein gutes Stück hinter DIE SUPERNASEN und ein gutes Stück vor ZWEI NASEN TANKEN SUPER ins Ziel kommen.

Persönliche Wertung: Nett!


FOOTLOOSE (USA 1984, Regie: Herbert Ross)

Willkommen in der Teenage-Rebellion. Mischung aus Teeniedrama und Tanzfilm, die in den 30 Jahren, die sie mittlerweile auf dem Buckel hat, reichlich Staub angesetzt hat. FOOTLOOSE gilt noch immer als Kultfilm der 80er Jahre, sieht man ihn jetzt zum ersten Mal, kann man über diesen Status nur verwundert den Kopf schütteln. FOOTLOOSE wirkt reichlich altbacken, die Rebellion der Teenies, denen das Tanzen verboten wurde, wie der Angriff eines zahnlosen Tigers mit Arthritis. Da kann auch die durchweg gute Besetzung rund um Kevin Bacon, John Lithgow, Dianne Wiest, Chris Penn und Sarah Jessica Parker nichts mehr retten.

Persönliche Wertung: Naja!


Zur Vervollständigung, hier noch die Liste der gesehenen TV-Episoden:
Desperate Housewives: Season 6 (Episoden 6-23)
Desperate Housewives: Season 7 (Episoden 1-8)
How I Met Your Mother: Season 2 (Episoden 1-6)
New Girl: Season 3 (Episoden 15-23)


Foto

COWBOYS & ALIENS (Director’s Cut)


COWBOYS & ALIENS (Director’s Cut) COWBOYS & ALIENS (Director’s Cut) (Blu-ray: Paramount, Deutschland)
(OT: Cowboys & Aliens | USA 2011 | Regie: Jon Favreau)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Spaßiger Genremix aus Western und Science-Fiction, der allerdings am Ende des Tages doch ein gutes Stück davon entfernt ist, in den Popcornkino-Olymp aufgenommen werden zu können.
COWBOYS & ALIENS ist nach IRON MAN und IRON MAN 2 der dritte große Kinofilm von Regisseur Jon Favreau und scheitert ein bisschen an den Erwartungen, die man aufgrund der beiden vorzüglichen Marvel-Verfilmungen einfach an ihn stellt. Er scheitert aber auch aufgrund der Tatsache, dass Favreau es insbesondere in der ersten Hälfte nicht schafft, interessante Figuren zu entwickeln und Spannung kontinuierlich aufzubauen. Seine Charaktere entstammen den typischen Westernklischees und bieten wenig Raum für großartige Innovation. Ein weiterer Kritikpunkt ist die in der ersten Hälfte teils suboptimale Ausleuchtung der in der Dunkelheit spielenden Szenen. Diese Sequenzen sind teilweise viel zu hell ausgeleuchtet, viel versinkt im Grau und insbesondere der Alienangriff im verlassenen Schiff verpufft dadurch relativ wirkungslos.
Aber genug gemeckert, denn trotz der nicht wegzuleugnenden Schwächen hat mir COWBOYS & ALIENS ziemlich viel Spaß bereitet. Auf der Haben-Seite des Films befinden sich Harrison Ford, Daniel Craig und die zauberhafte Olivia Wilde, ein richtig cooles Creature Design und gut gelungene Spezialeffekte, eine herrlich druckvolle Soundabmischung und nicht zuletzt ein richtig geiles Finale, in dem es sogar die eine oder andere kleine Splattereinlage zu bestaunen gibt.

TRAILER:


Jon Favreau Harrison Ford Daniel Craig Olivia Wilde 2010er Alien 19. Jahrhundert


Foto

FROM DUSK TILL DAWN 3 - THE HANGMAN'S DAUGHTER


FROM DUSK TILL DAWN 3 - THE HANGMAN'S DAUGHTER FROM DUSK TILL DAWN 3 - THE HANGMAN'S DAUGHTER (DVD: UFA/Universum, Deutschland)
(OT: From Dusk Till Dawn 3: The Hangman's Daughter | USA 1999 | Regie: P.J. Pesce)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Mexiko, zur Zeit des Wilden Westens: In letzter Sekunde kann der gefürchtete Bandit Johnny Madrid (Marco Leonardi) dem Galgen entkommen und nimmt auf seiner spektakulären Flucht zusätzlich Esmeralda (Ara Celi), die Tochter des Henkers (Temuera Morrison), als Geisel. Vom Henker und seinen Männern verfolgt, flüchtet Madrid zunächst in die Wüste und trifft schon bald auf seine alte Gang, die gerade dabei ist, eine Kutsche zu überfallen, in der sich der Schriftsteller Ambrose Bierce (Michael Parks) und das frisch verheiratete Paar John (Lennie Loftin) und Mary Newlie (Rebecca Gayheart) befinden. Neben Esmeralda nehmen die Gangster nun auch die Kutscheninsassen als Geisel und landen auf ihrer weiteren Flucht vor den Verfolgern kurz vor Sonnenuntergang in einer mysteriösen Bar, dem Titty Twister, in der sie schon bald eine böse Überraschung erwarten soll…

Der dritte und letzte Teil der From Dusk Till Dawn-Reihe funktioniert als Prequel zum Original und erzählt die Vorgeschichte der im Auftaktfilm noch von Salma Hayek gespielten Santanico Pandemonium. Bereits Teil 2 von Regisseur Scott Spiegel war für eine Direct-to-Video-Produktion ganz nett anzusehen und dieser nun vorliegende dritte Teil ist qualitativ sogar noch ein gutes Stück besser geraten als der unmittelbare Vorgänger. Regisseur P.J. Pesce orientiert sich hinsichtlich des Aufbaus seines Films deutlich am Original von Robert Rodriguez und das tut dem Streifen richtig gut. Bevor sich From Dusk Till Dawn 3: The Hangman's Daughter in der zweiten Hälfte zum abgedrehten Vampir-Splatter verwandelt (in den Pesce einige schöne Zitate ans Original eingearbeitet hat), serviert P.J. Pesce dem Zuschauer einen lupenreinen Western mit gut getimeten Actioneinlagen und einigen gesunden Härten, die bereits als Vorbote für das dienen, was den Zuschauer in der zweiten Hälfte noch so alles erwarten wird. Natürlich sehen Direct-to-Video-Produktionen nie auch nur annähernd so gut aus wie Kinofilme und mit diesem "Manko" hat auch From Dusk Till Dawn 3: The Hangman's Daughter zu kämpfen, die Videooptik fällt hier allerdings nie so extrem auf wie in Spiegels direktem Vorgängerfilm. Und wer hier alles vor und hinter der Kamera tätig war, ist für einen Film dieser Art schon allererste Sahne. Die Story stammt aus der Feder von Robert Rodriguez, der gemeinsam mit seinem Kumpel Quentin Tarantino auch noch gleich als ausführender Produzent fungierte. Für die größtenteils richtig gut gelungenen Effekte zeichnete einmal mehr die KNB Effects Group verantwortlich und vor der Kamera tummelten sich mit Schauspielern wie Michael Parks, Rebecca Gayheart, Sonia Braga, Temuera Morrison und natürlich wieder Danny Trejo einige richtig bekannte Gesichter. Das alles ergibt einen Film, der weitaus besser gelungen ist als man eigentlich erwarten würde. Ich bin absolut positiv überrascht.

TRAILER:


P.J. Pesce Temuera Morrison Danny Trejo 1990er female nudity 19. Jahrhundert Prequel Vampir


Foto

RANGO


RANGO RANGO (Blu-ray: Paramount, Deutschland)
(OT: Rango | USA 2011 | Regie: Gore Verbinski)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Das kleine Chamäleon Rango (Johnny Depp) wird während einer Autofahrt unbemerkt mitsamt seinem Terrarium aus dem Fahrzeug geschleudert und steht nun mutterseelenallein in der Wüste. Mit Hilfe der Echse Beans (Isla Fisher) landet Rango schließlich in einer kleinen Westernstadt und deren Einwohner sind gerade auf der Suche nach einem neuen Sheriff…

Rango vom Fluch der Karibik-Regisseur Gore Verbinski dürfte - zumindest im Mainstreambereich - wahrscheinlich einer der außergewöhnlichsten Animationsfilme der letzten Jahre sein. Verbinski richtet sich mit seinem Film dabei ziemlich eindeutig an ein erwachsenes Publikum und ist für kleinere Kinder wegen einiger doch derber Härten in meinen Augen nur bedingt geeignet. Rango - der Titel reimt sich nicht zufällig auf Django - ist der (Italo-)Western unter den Animationsfilmen, driftet nicht selten ins fast schon Surreale ab, ist mit einer Vielzahl ausgesprochen skurriler und verschrobener Charaktere bevölkert und mit dem für Western typischen "Fremder kommt in eine kleine Stadt und rettet den Tag"-Plot ausgestattet, der insbesondere an die Dollar-Trilogie und Spiel mir das Lied vom Tod von Sergio Leone angelehnt ist. Darüber hinaus zitiert sich Verbinski natürlich durch die Geschichte des ältesten aller Filmgenres - von 12 Uhr mittags über The Wild Bunch bis zu Schneller als der Tod - und insbesondere Westernfans sollten aus diesem Grund ihre helle Freude an Rango haben. Und wenn dann zum Finale auch noch eine animierte Variante von Clint Eastwood auf der Bildfläche erscheint und dem Titelhelden auf den richtigen Pfad zurückbringt, ist die Genrehommage endgültig perfekt. Klasse!

TRAILER:


Gore Verbinski Johnny Depp 2010er Oscar Winner


Foto

RED HILL


RED HILL RED HILL (Blu-ray: Kinowelt, Deutschland)
(OT: Red Hill | Australien 2010 | Regie: Patrick Hughes)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Um seiner schwangeren Frau etwas Ruhe zu verschaffen, lässt sich der junge Polizist Shane Cooper (Ryan Kwanten) in das kleine Nest Red Hill im australischen Hinterland versetzen. Doch gleich an seinem ersten Arbeitstag befindet sich das kleine Städtchen im Ausnahmezustand. Als in der Polizeistation die Nachricht vom Ausbruch des verurteilten Mörders Jimmy Conway (Tommy Lewis) eingeht, befürchten alle Anwesenden, dass dieser sich auf den Weg nach Red Hill machen könnte…

Bei Red Hill von Regisseur Patrick Hughes handelt es sich um ein kurzweiliges B-Movie aus Down Under, das mit Ryan Kwanten - dem Darsteller des Jason Stackhouse aus True Blood - in der Hauptrolle auch ein prominentes Gesicht zu bieten hat. Der spielt einen Polizisten, der sich in diesem australischen Spätwestern in ein kleines Kaff im Nirgendwo versetzen lässt. Dort will er seiner schwangeren Frau die erforderliche Ruhe gönnen und sich selbst von einem traumatischen Erlebnis - er wurde einst niedergeschossen, da er nicht in der Lage war, den ersten Schuss abzugeben - kurieren. Natürlich bricht gleich am ersten Tag die Hölle los. Ein ausgebrochener Sträfling - der irgendwie aussieht wie Josh Brolin in Jonah Hex - begibt sich auf den direkten Weg in den kleinen Ort um dort noch offene Rechnungen zu begleichen. Und natürlich erhält - das ist von Anfang an klar - unser Protagonist die Chance, in diesem Zusammenhang sein Trauma zu besiegen. Der Weg dorthin ist leidlich spannend, mit einer großen Anzahl an Leichen gepflastert und überzeugt in erster Linie durch eine tolle Kameraarbeit und einem coolen Western-Score, mit dem doch einige Atmosphäre erzeugt wird. Die einzige Spannung zieht Red Hill dabei aus den Fragen wie die Traumabezwingung vonstatten gehen wird und weshalb der Ausbrecher sich auf diesen Rachefeldzug begibt. Aber auch die Antworten auf diese Fragen sind relativ bald zu erahnen. Red Hill bietet nicht mehr und nicht weniger als einigermaßen solide Unterhaltung und ist sicher kein Film, der sich über einen längeren Zeitraum im Gedächtnis festsetzen wird. Dafür ist er am Ende einfach zu überraschungsarm. Man kann knapp 100 Minuten seines Lebens aber auch mit deutlich schlechteren Streifen verbringen.

TRAILER:


Patrick Hughes 2010er car chase Australien Rache


Foto

DER TOD SAGT AMEN


DER TOD SAGT AMEN DER TOD SAGT AMEN (DVD: Koch Media, Deutschland)
(OT: Arizona si scatenò… e li fece fuori tutti | Italien/Spanien 1970 | Regie: Sergio Martino)


Infos zum Film: IMDB | OFDB


Wegen eines angeblichen Postkutschen-Überfalls soll Arizona Colt (Anthony Steffen) gehängt werden. Dem gewitzten Gauner gelingt jedoch mit Hilfe seines Partners Double Whiskey (Roberto Camardiel) die Flucht. Als Arizona herausfindet, dass der skrupellose Verbrecher Keene (Aldo Sambrell) für die fiesen Anschuldigungen gegen ihn verantwortlich ist und die missglückte Hinrichtung Arizonas als Ablenkungsmanöver für einen Überfall auf den reichen Moreno (José Manuel Martín) genutzt und diesen um sein Gold erleichtert hat, macht er sich - auch auf Drängen Morenos - auf die Jagd nach Keene und dessen Bande...

Bevor sich Regisseur Sergio Martino seinen zahlreichen Gialli zugewandt hatte, drehte er diesen Spaghetti-Western aus der Feder von Ernesto Gastaldi. Der Tod sagt Amen ist mit einem wieder mal wunderbaren Score von Bruno Nicolai ausgestattet und präsentiert Anthony Steffen in der Rolle der Rampensau namens Arizona Colt. Der gerät mit seinem als "comic relief" angelegten Partner Double Whiskey in Konflikt mit dem Gesetz, weil eine fiese Bande um den abgebrühten Oberbösewicht Keene (gespielt von Aldo Sambrell) ihm einen Postkutschen-Überfall in die Schuhe schieben will um selbst wiederum an eine stattliche Ladung Gold zu kommen. Das lässt Steffen natürlich nicht auf sich sitzen und so wird die Luft schon bald ausgesprochen bleihaltig. Der Streifen ist eine ausgesprochen kurzweilige Angelenheit mit reichlich Action, einer kleinen Portion Klamauk und einer gehörigen Portion "eye candy" inmitten des ansonsten ausgesprochen dreckigen Ambientes. Anders als in klassischen US-Western gibt es bei den schmutzigen Vertretern aus Italien ja nicht die typischen strahlenden Helden und die klare Definition von Gut und Böse. Natürlich ist der von Steffen gespielte Charakter auf den ersten Blick der “Gute“, der hat aber selbst so viel Dreck am Stecken, dass er nicht unbedingt als Identifikationsfigur zu gebrauchen ist.
Wer auf Italo-Western steht, kann hier auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.
Und für das vorgenannte "eye candy" sorgen übrigens die schnuckelige Marcella Michelangeli als Love Interest von Steffen und die wirklich bezaubernde Rosalba Neri in der Rolle der Gespielin des Schurken. Wer mir nicht glaubt, kann ja gerne mal die Google-Bildersuche bemühen. :D

TRAILER:


Sergio Martino Anthony Steffen Rosalba Neri Aldo Sambrell 1970er 19. Jahrhundert Spaghetti Western Sequel


Foto

BOSS


BOSS BOSS (DVD: VCI, USA)
(OT: Boss Nigger | USA 1975 | Regie: Jack Arnold)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Zwei schwarze Kopfgeldjäger (Fred Williamson und D’Urville Martin) haben es sich in den Kopf gesetzt, den gefährlichen Gangster Jed Clayton (William Smith) zur Strecke zu bringen und lassen sich aus diesem Grund in einer kleinen Stadt nieder, welche immer wieder von Clayton und seiner Bande terrorisiert wird. Und da das Amt des Sheriffs gerade nicht besetzt ist, reißen sie dieses - sehr zum Unwillen der überwiegend weißen Bevölkerung - kurzerhand an sich und machen schon bald ihre ganz eigenen Gesetze...

Das Blaxploitation-Genre trifft auf das Western-Genre - eine außergewöhnliche und ausgesprochen spaßige Mischung. Und zu dieser außergewöhnlichen Mischung passt dann auch der Regisseur. Jack Arnold, bekannt für seine grandiosen Monsterfilme aus den 50er Jahren, ließ sich hier auf dem Regiestuhl nieder und den hat man als Regisseur eines solchen Films wahrscheinlich nicht unbedingt auf dem Merkzettel. Und auch die musikalische Untermalung kann nur als außergewöhnlich bezeichnet werden. Disco-Sounds und Black Music im Wilden Westen - das hat schon seinen Reiz. Besetzt ist Boss Nigger übrigens auch ganz vorzüglich. Über allen schwebt dabei Fred "The Hammer" Williamson, der in gewisser Weise auch als schwarze Antwort auf Chuck Norris durchgehen könnte, und neben ihm geben sich die aus unzähligen Nebenrollen in diversen Filmen bekannten R.G. Armstrong und William Smith ebenso die Ehre wie die wieder mal absolut bezaubernde Barbara Leigh, die in diesem Film ihre körperlichen Reize leider nicht ganz so offensiv präsentiert wie in manch anderem Genrevertreter, in dem sie in den 70ern mitgewirkt hat. Die Story ist gespickt mit reichlich Action und lässt inmitten des ganzen Geballers erstaunlich viel Platz für ein paar wirklich extrem lustige Sequenzen. Kurzweilige Unterhaltung ist mit diesem Streifen also absolut garantiert. Gesegnet ist Boss Nigger übrigens mit einer PG-Freigabe, die er heute wohl auch nicht mehr unbedingt erhalten würde.

TRAILER:


Jack Arnold Fred Williamson Barbara Leigh 19. Jahrhundert Blaxploitation 1970er


Foto

JONAH HEX


JONAH HEX JONAH HEX (Blu-ray: Warner, Deutschland)
(OT: Jonah Hex | USA 2010 | Regie: Jimmy Hayward)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Um dem gefährlichen Quentin Turnbull (John Malkovich) endgültig das Handwerk zu legen, heuert das Militär den gesetzlosen Kopfgeldjäger Jonah Hex (Josh Brolin) an und stellt diesem die Löschung seines kompletten Strafregisters in Aussicht. Als Jonah bewusst wird, wen er da zur Strecke bringen soll, lässt er sich nicht zweimal bitten. Turnbull, den Jonah für tot gehalten hatte, war einst für den grausamen Tod von Jonahs Familie verantwortlich und nun ist für Jonah die große Chance gekommen, diese bis heute offene Rechnung endlich zu begleichen...

Spaßiger Blödsinn. Nicht mehr und nicht weniger. Wer bei einem Film wie Jonah Hex nach Anspruch oder Tiefgang suchen sollte, kann sich diese Suche logischerweise komplett sparen. Wer sich allerdings mit einer kurzweiligen Story, cool inszenierten Actionsequenzen, ein paar optischen Spielereien, Megan Fox und mächtig viel Futter für das heimische Soundsystem begnügen kann, ist bei Jonah Hex genau richtig. Gerade mal 80 Minuten dauert der ganze Zauber und die sind - leider Gottes - tatsächlich wie im Flug vorüber. Hat richtig viel Spaß gemacht der Streifen, auch wenn ich mich über folgende drei Sachen wahrlich nicht beschwert hätte: 1.) eine längere Laufzeit, 2.) mehr Screentime für die am Pferd befestigte Wumme von Josh Brolin und 3.) mehr Screentime für Megan Fox (ja, da kommt wieder mal eine kleine, voyeuristische Ader bei mir durch :D ).

TRAILER:


Megan Fox John Malkovich Josh Brolin Jimmy Hayward 2010er Rache 19. Jahrhundert


Foto

TODESZUG NACH YUMA


TODESZUG NACH YUMA TODESZUG NACH YUMA (DVD: Sony, Deutschland)
(OT: 3:10 to Yuma | USA 2007 | Regie: James Mangold)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Um seine Schulden loszuwerden lässt sich der einfache Farmer Dan Evans (Christian Bale) auf einen gefährlichen Auftrag ein. Er erklärt sich dazu bereit, den gefährlichen Gangster Ben Wade (Russell Crowe) in das einige Tagesritte entfernte Contention zu bringen und ihn dort in den Zug nach Yuma zu setzen, wo dem Verbrecher der Prozess gemacht werden soll. Ein ausgesprochen gefährliches Unterfangen, denn Wades Bande - angeführt von dessen rechter Hand Charlie Prince (Ben Foster) - wartet nur auf einen geeigneten Zeitpunkt, um ihren Boss zu befreien...

Der Remake-Wahn der letzten Jahre macht vor keinem Genre alt. Mit Todeszug nach Yuma hat es den Vorzeigewestern Zähl bis drei und bete von Regisseur Delmer Daves aus dem Jahr 1957 erwischt. Das Original, erstmals von mir gesichtet vor über 1,5 Jahren, ist in meinen Augen ein absolutes Genrehighlight und um so gespannter war ich, wie mir die Neuauflage gefallen würde. Gut, wenn alle Remakes eine solche Qualität hätten wie dieses hier, gäbe es wohl weit weniger am ganzen Remake-Wahn auszusetzen. Wobei James Mangold - das muss man zugeben - nicht gerade zimperlich mit der Vorlage umspringt. Von der Ruhe und der wunderbar melancholischen Atmosphäre des Originals ist hier gar nichts mehr übrig geblieben. Stattdessen liefert Mangold einen glasklaren Actionthriller im Westerngewand ab, spektakulär, rasant und sauspannend. Puristen mag es durchaus die Zornesröte ins Gesicht treiben wie hier mit der Vorlage umgesprungen wird. Ich für meinen Teil fand das Remake auf seine Art mindestens ebenso gut und sehenswert wie ich vor einigen Monaten das Original auf dessen Art für gut und sehenswert gehalten habe. Würde den Streifen jederzeit wärmstens empfehlen wollen.
Abschließend muss ich noch kurz was zur Besetzung schreiben, denn ich muss meine Begeisterung für diesen außergewöhnlich talentierten Nachwuchsschauspieler (ist er das überhaupt noch?) einfach erneut loswerden. Christian Bale und Russell Crowe sind zwei Schwergewichte, die in ihren Rollen wirklich absolut überzeugen. Wie diese beiden Superstars aber von dem wieder einfach nur grandiosen Ben Foster in der Rolle des Charlie Prince regelrecht an die Wand gespielt werden, kann ich nicht unerwähnt lassen. Ich hab das schon in meinem Eintrag zu Alpha Dog Anfang des Jahres geschrieben: Ben Foster muss über kurz oder lang einfach zu Hollywoods erster Garde gehören.

TRAILER:


James Mangold Russell Crowe Christian Bale Ben Foster Peter Fonda 2000er Oscar Nominee Remake


Foto

DER SCHWARZE FALKE


DER SCHWARZE FALKE DER SCHWARZE FALKE (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: The Searchers | USA 1956 | Regie: John Ford)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Nach Beendigung des Bürgerkriegs hofft der Südstaatenoffizier Ethan Edwards (John Wayne) gemeinsam mit der Familie seines Bruders auf dessen Farm in Frieden leben zu können. Doch diese Hoffnung währt nicht lange. Die Farm wird von den Komantschen überfallen und dem Erdboden gleichgemacht. Ethans Bruder, seine Frau und ihr kleiner Sohn werden ermordet aufgefunden, von den beiden Töchtern fehlt zunächst jede Spur. Als kurze Zeit später auch die ältere Tochter tot aufgefunden wird, begibt sich der von Wut und Rache getriebene Ethan gemeinsam mit seinem Neffen Martin (Jeffrey Hunter), selbst Halbindianer, auf die Suche nach den Tätern und seiner noch immer nicht gefundenen Nichte Debbie (Lana Wood / Natalie Wood). Eine Suche, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird...

Auch so ein Film, zu dem praktisch schon alles gesagt und geschrieben wurde. Der schwarze Falke gilt als einer der größten Western aller Zeiten und als Fords absolutes Meisterwerk. Ich selbst dürfte den Film irgendwann mal in frühester Jugend im Fernsehen gesehen haben, meine Erinnerungen an Der schwarze Falke waren allerdings gänzlich verblasst. Die jetzige Sichtung hatte - obwohl mir einige Passagen noch bekannt vorkamen - dann auch eher den Charakter einer Erstsichtung und weniger den eines Wiedersehens. Hauptdarsteller John Wayne gehörte ja nicht nur in seinen Filmen zu den Menschen mit eher reaktionärem Gedankengut und wie Regisseur John Ford hier seinen Hauptdarsteller und gleichzeitig auch langjährigen Weggefährten (die beiden haben ja doch den einen oder anderen Film gemeinsam gedreht) bzw. den von ihm gespielten Charakter Ethan Edwards in gewisser Weise "bloßstellt" ist schon bemerkenswert. Auf den ersten Blick erzählt Der schwarze Falke vielleicht nur eine typische Rachegeschichte, bei näherer Betrachtung entpuppt sich der Streifen dann aber doch als regelrechtes Plädoyer für Toleranz und Menschlichkeit. Ich bin normalerweise kein allzu großer Freund des US-Western - mir waren die dreckigen Italo-Streifen der Marke Django eigentlich immer lieber - aber Der schwarze Falke stellt definitiv eine der Ausnahmen dar und konnte mich doch sehr schnell für sich begeistern. Der Streifen macht richtiggehend Lust darauf, das heimische DVD-Regal mal nach noch ungesehenen oder in Vergessenheit geratenen US-Western abzugrasen.
Ach ja, die Tatsache, dass sich nicht nur eine Aufnahme dieses bildgewaltigen Werkes dazu eignen würde, in Großformat an diverse Wände gehängt zu werden, sollte natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

TRAILER:


John Ford John Wayne Natalie Wood Vera Miles 1950er Rache 19. Jahrhundert


Foto

FLAMING STAR - FLAMMENDER STERN


FLAMING STAR - FLAMMENDER STERN FLAMING STAR - FLAMMENDER STERN (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: Flaming Star | USA 1960 | Regie: Don Siegel)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Nach dem Tod seiner Frau heiratete der Farmer Sam Burton (John McIntire) einst die Kiowa-Indianerin Neddy (Dolores del Rio). Deren gemeinsamer Sohn Pacer (Elvis Presley) und Sams Sohn Clint (Steve Forrest) aus erster Ehe müssen sich, als es eines Tages zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Kiowas und weißen Siedlern kommt, entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Eine Entscheidung, welche die gesamte Familie zu zerreißen droht...

Mal ein anderer Film mit dem King. Aber mit Don Siegel auf dem Regiestuhl habe ich auch nicht das typische Elvis-Vehikel erwartet. Flaming Star ist von der typischen Leichtig- und Harmlosigkeit der mir bisher bekannten Elvis-Filme meilenweit entfernt. Das fängt schon damit an, dass auf die obligatorischen Musik-Nummern fast vollständig verzichtet wurde. Gesungen wird nur in den ersten paar Minuten, danach geht es mit dem Indianerangriff auf die weiße Siedlerfamilie äußerst ernsthaft und auch - in einem gewissen Maße - ziemlich heftig zur Sache. Großartige Identifikationsfiguren sind auch Mangelware. Als Zuschauer kann man sich praktisch weder auf die Seite der Indianer, noch auf die Seite der Weißen schlagen, da die Vorgehensweisen beider Seiten absolut fragwürdig sind. Es wird bei Sichtung des Films ziemlich schnell klar, dass die zwischen die Fronten geratene und dadurch zerrissene Familie einem ausgesprochen tragischen Schicksal entgegenzusteuern scheint und es am Ende kein Happy End geben wird. Kann mir gut vorstellen, dass dieser Film so manchem unbedarften Elvis-Fan seinerzeit ziemlich übel aufgestoßen sein dürfte. Von der strahlenden Heldenfigur der sonstigen Elivs-Filme ist hier nämlich rein gar nichts zu sehen.

TRAILER:


Don Siegel Elvis Presley 1960er


Foto

STADT IN ANGST


STADT IN ANGST STADT IN ANGST (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: Bad Day at Black Rock | USA 1955 | Regie: John Sturges)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


John J. Macreedy (Spencer Tracy) ist in dem kleinen Wüstenkaff Black Rock nur aus dem Zug gestiegen um einem japanischen Farmer eine militärische Ehrenmedaille zu überreichen. Doch von Anfang an schlägt ihm von der Bevölkerung Misstrauen entgegen. Als er sich nach dem Aufenthaltsort des Farmers erkundigt, wandelt sich dieses Misstrauen in offene Feindseligkeit. Der Farmer ist verstorben und offensichtlich scheinen alle Einwohner des kleinen Nestes die Umstände des Todes vertuschen zu wollen…

Keine 80 Minuten dauert Sturges' Stadt in Angst und diese Kürze ist auch die große Stärke des Streifens. Ohne großes Vorgeplänkel erzählt Sturges die Geschichte des Fremden, der in eine kleine Stadt kommt und sich sofort mit dem Misstrauen und der Feindseligkeit der Einwohner konfrontiert sieht. Stetig steigt die Spannung, immer dichter und bedrohlicher wird die Atmosphäre bis zum unausweichlichen Finale. Famos besetzt und gespielt ist Stadt in Angst ein echter Volltreffer, mit dem ich persönlich jedoch ein kleines Problem hatte (wofür der Film allerdings nichts kann): Der von Spencer Tracy verkörperte Macreedy war mir für die Rolle des Guten fast ein bisschen zu unsympathisch und so fiel mir das Mitfiebern mit seinem Charakter nicht ganz so leicht, wie ich mir das vielleicht gewünscht hätte.

TRAILER:


Lee Marvin Ernest Borgnine Spencer Tracy John Sturges 1950er Oscar Nominee car chase 40er Jahre Rache


Foto

GOLDRAUSCH


GOLDRAUSCH GOLDRAUSCH (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: The Gold Rush | USA 1925/1942 | Regie: Charles Chaplin)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Eine ganze Reihe von Goldsuchern macht sich auf nach Klondyke um dort den erhofften Reichtum zu finden. Auch der kleine Tramp (Charles Chaplin) macht sich auf den Weg in ein ungeahntes Abenteuer...

Mit Goldrausch wollte Charlie Chaplin in Erinnerung bleiben. Das ist ihm - auch mit seinen anderen Filmen - wie bekannt mehr als eindrucksvoll gelungen. Weiter oben habe ich bei Zeugin der Anklage von zeitlosem Kino geschrieben. Das trifft auch auf Goldrausch zu. In Zeiten immer größer werdenden Blockbuster-Irrsinns aus der Traumfabrik tut die Sichtung eines solchen Films richtig gut. Mit scheinbar einfachsten Mitteln bringt Chaplin sein Publikum - zumindest mich - auch heute - über 80 Jahre nach Erstaufführung der ursprünglichen Version - zum Lachen und zum Mitfühlen. Ganz großes Kino zum Wohlfühlen. Für die nunmehr angefangene Vorweihnachtszeit hervorragend geeignet. Angesehen habe ich mir übrigens die Version der Wiederaufführung aus dem Jahr 1942, in der Chaplin die ursprüngliche Stummfilm-Version seinen Wünschen entsprechend etwas gestrafft, mit einem eigenen Score ausgestattet und eine Erzählstimme (seine eigene) hinzugefügt hat.

TRAILER:


Charles Chaplin 1920er Oscar Nominee 19. Jahrhundert Alaska


Foto

LEISE WEHT DER WIND DES TODES


LEISE WEHT DER WIND DES TODES LEISE WEHT DER WIND DES TODES (DVD: Carol Media, Deutschland)
(OT: The Hunting Party | Großbritannien 1971 | Regie: Don Medford)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Damit er und seine Bande Schreiben und Lesen lernen, entführt der Gangster Frank Calder (Oliver Reed) kurzerhand die Lehrerin Melissa Ruger (Candice Bergen). Allerdings hat er mit Melissa ausgerechnet die Ehefrau des notorisch eifersüchtigen und extrem skrupellosen Großgrundbesitzers und Hobbyjägers Brandt Ruger (Gene Hackman) auserwählt und der macht nun gemeinsam mit seinen Freunden blutige Jagd auf die Gesetzesbrecher...

Neben Das Wiegenlied vom Totschlag und The Wild Bunch dürfte Leise weht der Wind des Todes wohl zu den härtesten, nicht aus Italien stammenden Western seiner Zeit gehören. Lagerfeuerromantik sucht man hier vergebens und auch auf Identifikationsfiguren muss man fast vollkommen verzichten. Don Medfords Film ist brutal, kompromisslos und versprüht während seiner gesamten Laufzeit nicht einen Funken Hoffnung. Das wirklich üble Ende - typisch für die damalige Zeit und heutzutage wohl kaum mehr möglich - kommt in seiner Intensität vielleicht überraschend, dass es auf so etwas in der Art hinauslaufen würde, hätte man jedoch fast erahnen müssen. Leise weht der Wind des Todes ist in eigentlich jeder Hinsicht ein äußerst sehenswerter Streifen geworden - toll besetzt, toll gefilmt und über den grandiosen Score von Komponist Riz Ortolani muss man wohl sowieso keine großen Worte verlieren.

TRAILER:


Don Medford Candice Bergen Gene Hackman Oliver Reed 1970er female nudity Rache


Foto

PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID


PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID PAT GARRETT JAGT BILLY THE KID (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: Pat Garrett & Billy the Kid | USA 1973 | Regie: Sam Peckinpah)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Einst waren sie die besten Freunde und ritten zusammen. Die Outlaws Pat Garrett (James Coburn) und Billy the Kid (Kris Kristofferson). Doch mittlerweile hat Pat die Seiten gewechselt und steht nun auf der Seite des Gesetzes. Aus den früheren Freunden werden dadurch erbitterte Feinde…

Manche Filme sieht man einfach viel zu spät zum erstem Mal. Das musste ich jetzt bei der Erstsichtung von Sam Peckinpahs herrlich melancholischer Westernballade Pat Garrett jagt Billy the Kid mal wieder am eigenen Leib erfahren. Obwohl die Sichtung nun schon einige Tage zurückliegt, bin ich noch immer ziemlich geplättet von dem Streifen. Ich bin mir sicher, da etwas richtig Großes gesehen zu haben und denke, dass dieser Film mit der Zeit und nach weiteren Sichtungen noch weiter wachsen wird und sich irgendwann zu einem absoluten Lieblingsfilm innerhalb des Genres und innerhalb der Arbeiten des Regisseurs entwickeln könnte. Momentan kommt er an meinen Genrelieblingen wie Spiel mir das Lied vom Tod, der Dollar-Trilogie oder The Wild Bunch bzw. anderen Peckinpah-Arbeiten, neben dem vorgenannten The Wild Bunch insbesondere The Getaway und Straw Dogs, im Bereich des persönlichen Gefallens zwar noch nicht vorbei, es ist aber wohl wirklich nur eine Frage der Zeit, bis er diese Filme einholen wird.
Um wenigstens noch ein klitzekleines bisschen zu den Qualitäten des Streifens selbst zu schreiben: Die ganze Atmosphäre des Films ist schier unbeschreiblich, der Soundtrack von Bob Dylan wirklich einzigartig gut (verdammt noch mal, bei "Knockin' On Heaven's Door" jagte eine Gänsehaut die nächste) und James Coburn in der Rolle des Pat Garrett und Kris Kristofferson in der Rolle des Billy the Kid hätten wohl nicht besser ausgewählt werden können.

TRAILER:


Kris Kristofferson James Coburn Sam Peckinpah 1970er female nudity 19. Jahrhundert


Foto

MISFITS - NICHT GESELLSCHAFTSFÄHIG


MISFITS - NICHT GESELLSCHAFTSFÄHIG MISFITS - NICHT GESELLSCHAFTSFÄHIG (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: The Misfits | USA 1961 | Regie: John Huston)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Als die frisch geschiedene Roslyn (Marilyn Monroe) mit ihrer Vermieterin Isabelle (Thelma Ritter) auf die eben durchgeführte Scheidung anstoßen will, lernt sie den Mechaniker Guido (Eli Wallach) und dessen Freund Gay (Clark Gable), einen waschechten Cowboy, kennen. Das Angebot Guidos, für eine gewisse Zeit in seinem abgelegenen Anwesen auszuspannen, nimmt Roslyn gerne an. Dumm nur, dass beide Männer eine Auge auf die hübsche Roslyn geworfen haben...

Von den bisher gesehenen Monroe-Filmen war The Misfits in meinen Augen am schwersten zugänglich. Gefallen hat er mir aber dennoch außerordentlich gut, nur fällt es mir schwer, etwas über den Film zu schreiben. Es geht um unbeschwertes In-den-Tag-hinein-leben und eine Frau zwischen drei Männern, die - obwohl sie sich am Ende doch für einen zu entscheiden scheint (das liegt im Auge des jeweiligen Betrachters) - erkennen muss, dass keiner der Kandidaten für sie als Partner geeignet ist. Und es geht um Alkohol, viel Alkohol (mein Gott, kippen die sich hier ständig einen hinter die Binde). Die Vorstellung der Monroe ist mal wieder über jeden Zweifel erhaben und ich musste erneut feststellen, dass diese Frau und ihr Sexappeal einfach nur als umwerfend zu bezeichnen sind. Das männliche Dreigestirn - Clark Gable, Eli Wallach und der im etwas späteren Verlauf der Handlung noch hinzustoßende Montgomery Clift - ist natürlich auch eine Hausmarke und so brennt auf darstellerischer Seite überhaupt nichts an. Kritik an dem Streifen gibt es gut wie keine; vielleicht hätte die eine oder andere - insbesondere in der zweiten Filmhälfte - aufkommende Länge vermieden werden können und ich persönlich hätte mir ein bisschen mehr Screentime für die wieder mal großartige Thelma Ritter gewünscht.

TRAILER:


Eli Wallach Clark Gable Marilyn Monroe John Huston 1960er Las Vegas


Foto

DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD


DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD DIE ERMORDUNG DES JESSE JAMES DURCH DEN FEIGLING ROBERT FORD (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford | Kanada/USA 2007 | Regie: Andrew Dominik)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Schon seit seiner Kindheit bewundert Robert Ford (Casey Affleck) den Gangster Jesse James (Brad Pitt) und hat es im Alter von 19 Jahren tatsächlich geschafft gemeinsam mit seinem Bruder Charley (Sam Rockwell) zum Kreis der James-Gang zu gehören. Als sich Jesses älterer Bruder Frank (Sam Shepard) aus dem Geschäft als Gangster zurückzieht und sich die Gang immer weiter auflöst, bleiben Robert und Charley als zwei der wenigen Vertrauten von Jesse übrig. Doch Robert, mittlerweile selbst nach Ruhm und Anerkennung lechzend, geht hinter Jesses Rücken einen Deal mit der Staatsmacht ein...

Dem Western-Genre geht es ja ähnlich wie dem Musical-Genre. Eigentlich schon viele lange Jahre unter der Erde, wird es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen durch Filme, denen es in gewisser Weise gelingt ein Ausrufezeichen zu setzen, kurzfristig wiederbelebt und begibt sich dann wieder in sein Grab hinab. Einer dieser Wiederbelebungsversuche ist Andrew Dominiks Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, wobei dieser Film weniger ein Western, sondern eher eine Mischung aus Biopic und Charakterstudie geworden ist. Regisseur Andrew Dominik erzählt die letzten Jahre des Gangsters und Volkshelden Jesse James - beeindruckend gespielt von Brad Pitt -, der von Robert Ford - noch beeindruckender: Casey Affleck -, einem seiner Vertrauten, verraten und letztendlich ermordet wird, auf eine sehr ruhige Art und Weise und in teils atemberaubend schönen Bildern. Das ist schon ziemlich beeindruckendes Darstellerkino, mitunter aber auch etwas zu langatmig. Echte Höhepunkte sind rar gesät und so plätschert die Handlung in den ersten zwei Stunden für meinen Geschmack etwas zu sehr dahin. Echte Magie mag sich erst nach der Ermordung des Jesse James einstellen, nämlich dann, wenn sich die Folgen dieser Tat entwickeln und Robert Ford, der glaubt nun auch endlich den verdienten Ruhm zu erhalten, erkennen muss, dass die Stimmung des Volkes sich langsam aber sicher gegen ihn richtet und er letztendlich ein Opfer seines eigenen Strebens nach Anerkennung und Aufmerksamkeit wird. Auch er wird von einem bis dahin Namenlosen ermordet. Diese letzte halbe Stunde des Streifens ist wirklich ganz großes Kino und lässt so manche Länge in den zwei Stunden zuvor schnell in Vergessenheit geraten. Alles in allem also ein sehenswerter Wiederbelebungsversuch des Genres, von Höhepunkten des Spätwestern wie beispielsweise Erbarmungslos aber doch ein ganzes Stück entfernt.

TRAILER:


Sam Shepard Brad Pitt Andrew Dominik Zooey Deschanel 2000er Oscar Nominee 19. Jahrhundert Rache


Foto

SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD


SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD :love: SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD :love: (DVD: Paramount, Deutschland)
(OT: C'era una volta il West | Italien/USA 1968 | Regie: Sergio Leone)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Ein namenloser Fremder (Charles Bronson) mit einer Mundharmonika ist auf Rache an dem eiskalten Killer Frank (Henry Fonda) aus und kommt damit auch der jungen Witwe Jill McBain (Claudia Cardinale) zu Hilfe, deren Familie von Frank im Auftrag einer Eisenbahngesellschaft kaltblütig ermordet wurde...

Es gibt Filme, die begeistern mich bei jeder Sichtung immer wieder so sehr, dass mir regelrecht die Worte fehlen, um diese Begeisterung in irgendeiner Weise auszudrücken. Spiel mir das Lied vom Tod ist genau so ein Film. Neben Zwei glorreiche Halunken und The Wild Bunch gehört er für mich definitiv zu den drei besten Western aller Zeiten. 160 Minuten pure Magie, Szenen für die Ewigkeit - allein die Anfangssequenz ist pures Gold oder die Szene, in der Claudia Cardinale an der Bahnstation ankommt, für mich die schönstes Szene des ganzen Films - und Dialoge, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Dazu noch diese wunderbar fotografierten Bilder und der grandiose Score von Morricone. Was soll ich noch groß sagen oder schreiben? Ein Lieblingsfilm, ein ganz großer sogar.

TRAILER:


Sergio Leone Charles Bronson Henry Fonda Claudia Cardinale Fabio Testi Aldo Sambrell 1960er Rache 19. Jahrhundert Spaghetti Western


Foto

BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID


BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID BUTCH CASSIDY UND SUNDANCE KID (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: Butch Cassidy and the Sundance Kid | USA 1969 | Regie: George Roy Hill)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Die beiden Gauner Butch Cassidy (Paul Newman) und Sundance Kid (Robert Redford) planen mit ihrer Bande einen gewagten Coup. Sie wollen ein und denselben Zug gleich zwei Mal hintereinander ausrauben. Während der erste Überfall noch reibungslos abläuft, werden sie beim zweiten Mal schon erwartet und anschließend quer durch das Land gejagt…

Es geht zwar ab und zu auch etwas heftiger zur Sache, über den größten Teil der Laufzeit wird George Roy Hills Spätwestern aber von einer herrlich leichten und ironischen Stimmung und Atmosphäre getragen. Ein Film zum Wohlfühlen - daran kann nicht einmal das fehlende Happy End etwas ändern - mit zwei einfach nur bestens aufgelegten Hauptdarstellern. Das Gespann Redford/Newman erweist sich als absoluter Glücksgriff und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Film mit zwei anderen Schauspielern in den Hauptrollen eine ähnliche Wirkung auf mich erzielt hätte. Die beiden passen in ihre Rollen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und haben mich wirklich komplett begeistert. So bleibt Butch Cassidy und Sundance Kid als ein einfach nur herrlicher Film in meinem Gedächtnis, den ich mit dieser Sichtung zum ersten Mal - und wie bei manch anderen Streifen auch definitiv viel zu spät - entdecken durfte.

TRAILER:


Katharine Ross Robert Redford Paul Newman Oscar Winner 1960er George Roy Hill Oscar Nominee Sam Elliott New Hollywood


Foto

ERBARMUNGSLOS


ERBARMUNGSLOS :love: ERBARMUNGSLOS :love: (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: Unforgiven | USA 1992 | Regie: Clint Eastwood)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Im kleinen Kaff Big Whiskey wurde eine Hure von zwei Cowboys mit einem Messer schrecklich zugerichtet. Der örtliche Sheriff (Gene Hackman) nimmt den Tätern zur Strafe gerade mal ein paar Pferde ab. Die Kolleginnen des Opfers wollen jedoch Rache und setzen $ 1.000 auf den Kopf der beiden Täter aus. Der frühere Revolverheld William Munny (Clint Eastwood), schon seit Jahren nur noch als Farmer tätig, könnte dieses Geld gut gebrauchen und macht sich aus diesem Grund mit seinem ehemaligen Partner Ned Logan (Morgan Freeman) auf den Weg nach Big Whiskey...

Es sind ja schon ein paar der letzten Beiträge mit dem Herz-Symbol gekennzeichnet und da werden - sollte meine derzeitige Stimmung hinsichtlich meines Filmkonsums weiter anhalten - auch noch einige in der nächsten Zeit dazukommen. Momentan habe ich irgendwie das große Bedürfnis, mir schon länger nicht mehr gesehene Lieblingsfilme anzuschauen und zu diesen gehört auch Eastwoods einzigartiger Abgesang auf den Western. Wie Eastwood hier über weite Strecken den Mythos des Westernhelden zerlegt ist schon mehr als beeindruckend. Der gealterte Revolverheld trifft sein Ziel nicht mehr, hat Probleme aufs Pferd zu steigen und auch das Übernachten in freier Wildbahn ist ziemlich ungemütlich. Die nachkommende Generation zeichnet sich vor allem durch großspurige Sprüche aus denen sie keine Taten folgen lässt und hat zudem noch ein ernsthaftes Problem mit der eigenen Sehstärke. Am Ende wird Eastwood zwar doch wieder zum Rächer, der Showdown in der Bar fällt glücklicherweise aber doch so unspektakulär aus, dass die Glaubwürdigkeit des ganzen Films nicht aufs Spiel gesetzt wird. Ganz großes Kino, vielleicht sogar Eastwoods beste Regiearbeit.

TRAILER:


Morgan Freeman Gene Hackman Clint Eastwood 1990er Oscar Winner Oscar Nominee 19. Jahrhundert Rache


Foto

ZÄHL BIS DREI UND BETE


ZÄHL BIS DREI UND BETE ZÄHL BIS DREI UND BETE (DVD: Columbia TriStar, Deutschland)
(OT: 3:10 to Yuma | USA 1957 | Regie: Delmer Daves)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Aus Geldsorgen erklärt sich Farmer Dan Evans (Van Heflin) dazu bereit, den gefährlichen Gangster Ben Wade (Glenn Ford) in die nächstgelegene Stadt mit Eisenbahnanbindung zu bringen und ihn dort in den Zug nach Yuma zu setzen, wo dem Gangster der Prozess gemacht werden soll. Ein äußerst gefährliches Unterfangen, denn Wades Männer warten nur auf eine passende Gelegenheit um ihren Anführer zu befreien...

Eigentlich wollte ich mir ja Todeszug nach Yuma ansehen, hab mich aber im letzten Moment daran erinnert, dass das 50 Jahre früher entstandene Original auch noch ungesehen im Regal steht. Stattdessen ist also Zähl bis drei und bete im Player gelandet und die Messlatte, die Regisseur Delmer Daves mit diesem kleinen, aber feinen Western für das von James Mangold inszenierte Remake gelegt hat, ist verdammt hoch geraten. Insbesondere die bereits ab den ersten Minuten spürbare, wunderbar melancholische Grundstimmung des Films hat mich sofort begeistert. Und diese Begeisterung ist dann auch bis zum Finale bestehen geblieben. Der Streifen ist in all seiner Ruhe und Melancholie unglaublich spannend geraten, insbesondere durch das ständige Psychoduell zwischen dem von Glenn Ford verkörperten charismatischen Gangster Ben Wade und dem von Van Heflin gespielten Farmer Dan Evans. Ein klasse Film, den ich mit gutem Gewissen uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

TRAILER:


Delmer Daves Glenn Ford 1950er


Foto

BANDOLERO!


BANDOLERO! BANDOLERO! (DVD: 20th Century Fox, Großbritannien)
(OT: Bandolero! | USA 1968 | Regie: Andrew V. McLaglen)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Eher zufällig erfährt Mace Bishop (James Stewart), dass sein Bruder Dee (Dean Martin) und dessen Bande nach einem missglückten Banküberfall gehängt werden sollen. Mace gibt sich kurzerhand als Henker aus und verhilft den Gangstern so zur Flucht in Richtung mexikanische Grenze, July Johnson (George Kennedy), den Sheriff des Ortes, und dessen Männer im Nacken. Als die Bande unterwegs die attraktive Witwe Maria (Raquel Welch) als Geisel nimmt, wird die Geschichte für den Sheriff zu einer persönlichen Angelegenheit...

Bandolero! ist ein vergnüglich anzusehender US-Western im Italo-Gewand, der James Stewart in einer eher ungewöhnlichen Rolle als eine Art Bösewicht zeigt. Nun gut, ganz so böse ist die Figur des Mace Bishop dann doch nicht; er befreit zwar die Gangsterbande und raubt danach auch noch auf eigene Faust die örtliche Bank aus, versucht aber im weiteren Verlauf seinen Bruder davon zu überzeugen einen Neuanfang zu wagen und dem Leben als Gesetzloser zu entsagen. Richtig viel Spaß macht Bandolero! vor allem in der ersten Hälfte. Dort gibt es viele komische Situationen zu bewundern und mit viel Witz angereicherte Dialoge zu genießen. Ein absolut magischer Moment war für mich beispielsweise der von Mace inszenierte Banküberfall. Nach dem Grenzübertritt der Gangster wird es allerdings spürbar ernster und dieser Bruch hat dem Film in meinen Augen nicht sonderlich gut getan. Die Leichtigkeit ging verloren und sonderlich spannend ist die Flucht auch nicht geraten. Das große Finale ist zudem viel zu unübersichtlich inszeniert und das Ende fand ich nun auch nicht sonderlich gelungen. So bleibt ein Film übrig, der in eine sehr gute erste und in eine eher durchschnittliche zweite Hälfte zerfällt. Alles in allem zwar ganz in Ordnung und - wie im Eingangssatz schon erwähnt - sehr vergnüglich, meines Erachtens wäre da aber deutlich mehr drin gewesen. Unbedingt erwähnenswert und absolut positiv hervorzuheben wären auf jeden Fall noch der tolle Score von Jerry Goldsmith und die erotische Ausstrahlung von Raquel Welch. Allein diese Zutaten lohnen die Sichtung des Streifens.

TRAILER:


George Kennedy Dean Martin Andrew V. McLaglen James Stewart Raquel Welch 1960er


Foto

FLUSS OHNE WIEDERKEHR


FLUSS OHNE WIEDERKEHR FLUSS OHNE WIEDERKEHR (DVD: 20th Century Fox, Deutschland)
(OT: River of No Return | USA 1954 | Regie: Otto Preminger/Jean Negulesco)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Nach einigen Jahren holt Matt Calder (Robert Mitchum) seinen kleinen Sohn Mark (Tommy Rettig) zurück auf seine Farm und will ein neues Leben beginnen. Dieser versuchte Neuanfang wird jedoch jäh zunichte gemacht, als Matt den Abenteurer Harry Weston (Rory Calhoun) und dessen Geliebte, die Sängerin Kay (Marilyn Monroe), von einem Floß aus dem nahegelegenen Fluss rettet. Während Weston Calders Pferd und Gewehr stiehlt und sich verzieht, muss dieser wehrlos mit ansehen, wie seine Farm von Indianern angegriffen wird. Calder bleibt nur die Flucht vor den Angreifern auf dem Wasserweg. Gemeinsam mit seinem Sohn und Kay begibt er sich auf das Floß und nimmt so gleichzeitig die Verfolgung von Weston auf...

Wieder einer dieser Filme, die ich erst jetzt zum ersten Mal gesehen habe. Es gibt wirklich sehr viel nachzuholen. Und auch dieses etwas kitschige Westernabenteuer hat mir richtig gut gefallen. Die Story an sich fand ich jetzt zwar nicht so überwältigend, dafür war die Verpackung umso toller. Die großartigen Bilder und eine erneut umwerfend schöne Marilyn Monroe haben mich doch sehr schnell in ihren Bann gezogen. Ja, bereits nach den ersten Gesangsszenen der Monroe in diesen atemberaubenden Kleidern war es um mich geschehen. Mal schauen, welchen Monroe-Film ich mir als nächstes vorknöpfen werde. Ich schwanke momentan zwischen Niagara, Blondinen bevorzugt und Liebling, ich werde jünger.

TRAILER:


Marilyn Monroe Robert Mitchum Otto Preminger Jean Negulesco 1950er


Foto

CONVOY


CONVOY CONVOY (DVD: Kinowelt, Deutschland)
(OT: Convoy | USA 1978 | Regie: Sam Peckinpah)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB

Nach einer Schlägerei mit ein paar Gesetzeshütern befinden sich Rubber Duck (Kris Kristofferson) und ein paar weitere Trucker (u.a. Burt Young) mit ihren schweren LKWs auf der Flucht vor dem fiesen Sheriff Lyle Wallace (Ernest Borgnine) und seinen Männern. Nach und nach schließen sich den Flüchtigen auf ihrem Weg über die Highways immer mehr Trucker an und Rubber Duck wird - mit der hübschen Melissa (Ali MacGraw) an seiner Seite - zum unfreiwilligen Anführer eines riesigen Konvois. Aus der Flucht wird so ein regelrechter Protestzug gegen die Behördenwillkür, der viele Trucker immer wieder ausgesetzt sind...

Nach The Wild Bunch gleich der nächste Peckinpah, wobei es eher zufällig passiert ist und nicht wirklich beabsichtigt war, dass ich mir gleich zwei Filme von Peckinpah nacheinander ansehe. Aber auf Convoy hatte ich schon seit einigen Wochen große Lust. Diesen Film habe ich in jungen Jahren unzählige Male im Fernsehen und auf Video gesehen und allein schon aus nostalgischen Gründen ist Peckinpahs Trucker-Western bei mir in losen Abständen immer mal wieder gern gesehener Gast auf dem Bildschirm. Convoy gehört - allein schon wegen des etwas deplaziert wirkenden Happy Ends - nun sicher nicht zu Peckinpahs besten Filmen, so wirklich kritisieren mag ich ihn aber auch nicht. Dafür gefällt mir der Streifen einfach zu sehr. Kris Kristofferson ist der Inbegriff der Coolness, Ali MacGraw sieht auch mit Kurzhaarfrisur einfach nur unglaublich gut aus und an magischen Momenten mangelt es Convoy sicher auch nicht. Ein Film für das Kind im Manne, der mich zum wiederholten Male einfach hervorragend unterhalten konnte.

CLIP:


1970er Sam Peckinpah Kris Kristofferson Ernest Borgnine Ali MacGraw car chase female nudity Carsploitation Hixploitation


Foto

THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ


THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ :love: THE WILD BUNCH - SIE KANNTEN KEIN GESETZ :love: (DVD: Warner, Deutschland)
(OT: The Wild Bunch | USA 1969 | Regie: Sam Peckinpah)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Nach einem mehr als missglückten Bankraub gelingt dem Gangster Pike Bishop (William Holden) und einer Handvoll seiner Männer (u.a. Ernest Borgnine) gerade noch die Flucht in Richtung mexikanische Grenze. Während sich Bishop und seine Gang in Agua Verde von dem hinterhältigen General Mapache (Emilio Fernández) für einen neuen Auftrag anheuern lassen, nimmt Bishops ehemaliger Weggefährte und nun im Dienst der Eisenbahngesellschaft stehende Deke Thornton (Robert Ryan) die Verfolgung von Bishop auf...

Ein US-Western im Italo-Gewand, roh, dreckig und brutal. Den typischen Helden gibt es genauso wenig wie die strikte Trennung von Gut und Böse, dafür aber zwielichtige Gestalten wohin man blickt. Seit ich The Wild Bunch Anfang der 90er Jahre zum ersten Mal auf Video gesehen habe, gehört der Streifen zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Meines Erachtens ist Peckinpahs Streifen einer der drei besten Western, die je gedreht wurden. Der Showdown ist IMHO bis heute unerreicht und bietet - wie auch der nicht minder intensive und sehenswerte Auftakt des Films - mit seinen blutigen Shoot-Outs und den grandiosen Zeitlupensequenzen genau die Stilmittel en masse, für die Peckinpah berühmt wurde und mit denen er das Actiongenre maßgeblich beeinflusst hat. The Wild Bunch ist einer dieser Filme, auf die der mittlerweile leider schon inflationär verwendete Begriff Meisterwerk ohne Frage zutrifft, ein echter Meilenstein der Filmgeschichte.

TRAILER:


Sam Peckinpah William Holden Ernest Borgnine Warren Oates 1960er Oscar Nominee female nudity Rache 10er Jahre New Hollywood


Foto

KEOMA - MELODIE DES STERBENS


KEOMA - MELODIE DES STERBENS KEOMA - MELODIE DES STERBENS (DVD: Kinowelt, Deutschland)
(OT: Keoma | Italien 1976 | Regie: Enzo G. Castellari)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Als Halbblut Keoma (Franco Nero) nach den Wirren des Bürgerkrieges nach Hause zurückkehrt, muss er feststellen, dass sich seine Heimatstadt fest in den Händen des machtbesessenen Ex-Offiziers Caldwell (Donald O'Brien) und dessen Männern befindet. Zudem sind die Pocken ausgebrochen und jeder scheinbar Erkrankte wird von Caldwells Männern zum Sterben in eine stillgelegte Mine gebracht. Als Keoma die schwangere Lisa (Olga Karlatos) aus den Fängen von Caldwells Schergen befreit, zieht er damit die Wut des ehemaligen Offiziers auf sich und muss sich einem ungleichen Kampf stellen...

Auch wenn es ein bisschen gedauert hat bis Castellaris Western so richtig in Fahrt gekommen ist, muss ich bescheinigen, dass Keoma doch einen gehörigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ein durch und durch pessimistischer Film, ein Italo-Western mit Endzeit-Touch, dreckig und ebenso kompromiss- wie humorlos. In teils surrealen Bildern und mit so einigen erinnerungswürdigen Einstellungen erzählt Castellari seine zutiefst deprimierende Geschichte. Unterstützt wird das ganze von einem Soundtrack der sicher ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, mir persönlich aber verdammt gut gefallen hat. Dieser die Handlung kommentierende Klagegesang, abwechselnd von einer Männer- und einer Frauenstimme vorgetragen, hat schon seinen Reiz und trägt meines Erachtens viel zur Atmosphäre des Streifens bei. Ja, Keoma hat mich voll und ganz überzeugt und zählt sicher zu den besten Vertretern des Italo-Western.

TRAILER:


1970er Enzo G. Castellari Franco Nero Rache 19. Jahrhundert Spaghetti Western


Foto

VIVA MARIA!


VIVA MARIA! VIVA MARIA! (DVD: MGM, Niederlande)
(OT: Viva Maria! | Frankreich/Italien 1965 | Regie: Louis Malle)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Ihre französische Mutter starb kurz nach ihrer Geburt und so wuchs Maria (Brigitte Bardot) bei ihrem irischen Vater, einem Untergrundkämpfer und Terroristen, auf. Von frühester Kindheit war sie ihrem Vater bei verschiedensten Anschlägen behilflich und ist nun - nach einem letzten Terroranschlag, bei dem ihr Vater ums Leben kam - auf der Flucht vor den Behörden. Dabei schließt sie sich einer Schaustellergruppe an und tingelt mit dieser durch Mittelamerika. Bei gemeinsamen Auftritten mit ihrer Namensvetterin (Jeanne Moreau) werden dem männlichen Publikum dabei regelmäßig die Köpfe verdreht. Die beiden Marias werden zur Hauptattraktion der Gruppe. Als Maria eines Tages jedoch Zeugin wird, wie die Bauern eines Dorfes in San Miguel unterdrückt werden, holt sie ihre Vergangenheit wieder ein und aus den beiden strippenden Sängerinnen werden echte Revolutionsführerinnen...

Louis Malle hat mit seiner herrlichen Mischung aus Drama, Komödie, Action und Western bei mir schon ziemlich ins Schwarze getroffen. Viva Maria! ist ein Film, bei dem meines Erachtens so gut wie alles passt. Die abwechslungsreiche und kurzweilige Geschichte voller Ernsthaftigkeit und augenzwinkerndem Humor lässt die knapp zwei Stunden Laufzeit fast wie im Flug vergehen, Kameramann Henri Decaë verwöhnt den Zuschauer mit wunderschönen Bildern und die Besetzung mit Jeanne Moreau und Brigitte Bardot in den Hauptrollen ist einfach großartig. Allein schon wegen der beiden Hauptdarstellerinnen ist der Film sehenswert. Wobei ich jedoch auch anmerken muss, dass die alles andere als unattraktive Jeanne Moreau neben Brigitte Bardot fast verblasst. Bardots Präsenz, ihre unglaubliche Schönheit und ihre erotische Ausstrahlung kann man fast nicht in Worte fassen. Das war in Sachen Sex-Appeal wohl wirklich die Ikone unter den Kino-Ikonen - in meinen Augen bis heute unerreicht. Ich bin noch immer hin und weg. :love: :love: :love:

TRAILER:


Louis Malle Brigitte Bardot Jeanne Moreau 1960er Spaghetti Western 10er Jahre


Foto

DER TEMPEL DES BLUTIGEN GOLDES


DER TEMPEL DES BLUTIGEN GOLDES DER TEMPEL DES BLUTIGEN GOLDES (DVD: Marketing, Deutschland)
(OT: Yellow Hair and the Fortress of Gold | Spanien/USA 1984 | Regie: Matt Cimber)


Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Der Abenteurer Pecos Kid (Ken Roberson) und die Halbindianerin Yellow Hair (Laurene Landon) sind gemeinsam bei Apachen aufgewachsen und haben von ihrer Ziehmutter, einer alten Apachin (Claudia Gravy), vom sagenumwobenen Tempel der Tulapan-Indianer erfahren. Im Inneren des Tempels soll sich ein Goldschatz unfassbaren Ausmaßes befinden. Durch das lose Mundwerk von Pecos Kid bekommt der gierige Colonel Torres (Luis Lorenzo) Wind von dem Gold und versucht mit allen Mitteln, Zugang zu dem Schatz zu bekommen. Dabei schreckt er auch nicht vor Mord zurück wie Pecos Kid und Yellow Hair feststellen müssen, als sie die Leiche ihrer Ziehmutter entdecken...

Erfolgreiche Blockbuster ziehen Plagiate nach sich. Nach dem großen Erfolg des ersten Indiana Jones-Films stand das Abenteuer-Genre hoch im Kurs und im Sog dieser Welle entstand auch diese Trash-Granate von Matt Cimber. Bei dieser kruden Mischung aus Western, Abenteuer, Komödie und Action will aber irgendwie so gar nichts zusammenpassen. Der Storyverlauf ist fern jeder Logik und das Finale - welches sich wohl nur dadurch erklären lässt, dass den Machern das Geld ausgegangen ist - muss man wirklich gesehen haben, um es glauben zu können. Das ist Trash pur und auch die wirklich miesen Darsteller passen wunderbar in dieses ganze Chaos. Ken Roberson als Pecos Kid rennt beispielsweise mit einem ständigen Dauergrinsen durch die Landschaft und die gänzlich untalentierte, dafür aber umso üppiger ausgestattete Laurene Landon in der Rolle der Yellow Hair, die wohl so etwas wie den erotischen Part übernehmen sollte, wurde so ungeschickt eingekleidet und frisiert, dass dieses Ziel vollkommen verfehlt wurde. Der Höhepunkt der Fehlbesetzungen ist jedoch die damals knapp 39-jährige Claudia Gravy in der Rolle der alten Apachin. Da wurde nämlich sogar an der Maske gespart und nicht einmal der Versuch unternommen, die Schauspielerin durch entsprechende Schminke ein bisschen älter aussehen zu lassen. Irgendwie ist das alles ziemlich unglaublich. Ein Film, der so schlecht ist, dass er - und da muss ich ein altes Klischee bemühen - tatsächlich schon irgendwie wieder gut ist. Denn bei allen Mängeln und bei allen Unzulänglichkeiten ist der Streifen aufgrund der unfreiwilligen Komik erstaunlich kurzweilig geraten und hat - das eine oder andere kalte Bier im Kühlschrank vorausgesetzt - einen ziemlich hohen Unterhaltungsfaktor. Man könnte auch sagen: Den sauf ich mir gut! :D

TRAILER:


Matt Cimber Aldo Sambrell 1980er Crown International Pictures





Filmtagebuch von...

Splatter-Fanatic
  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.580 Beiträge

Letzte Besucher

Neuste Kommentare

Aktuelle Besucher

Mitglieder: 0, Gäste: 2, unsichtbare Mitglieder: 0

Filmtagebuch durchsuchen