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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

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BEDLAM (Mark Robson/USA 1946)


"This is the age of reason, mylord!"

Bedlam ~ USA 1946
Directed By: Mark Robson

London, 1761: Das, was sich in der künftigen Historie dereinst "Zeitalter der Aufklärung" schimpfen mag, ist zum damaligen Zeitpunkt in der englischen Metropole noch nicht recht ausgeprägt. Die kregle Nell Bowen (Anna Lee) lebt als Mündel bei dem dekadenten Tory Lord Mortimer (Billy House), der nichts mehr liebt, als extravagante Späße. Als Nell gewahr wird, welch unmenschliche Zustände in dem von dem kriecherischen George Sims (Boris Karloff) geleiteten Irrenhaus "St. Mary Of Bethlem", im Volksmund "Bedlam" genannt, vorherrschen, setzt sie alles daran, diesen Abhilfe zu leisten. Ihr Vorschlag an Mortimer jedoch, einen Teil seines Vermögens zur Reformierung von Bedlam beizusteuern, stößt auf wenig Gegenliebe, zumal Sims, dem am Erhalt des status quo gelegen ist, insistiert. Als sich Nell in ihrer Verzweiflung an den Whig Wilkes (Leyland Hodgson) wendet, scheint alles eine vielversprechende Wende zu nehmen, doch da lässt Sims sie öffentlich für geisteskrank erklären...

Ein vorrangig mit traditionsbewusster Poe-Poesie liebäugelndes, schwarzhumoriges Königsdrama, das einen letzten großen Höhepunkt für Val Lewtons RKO-Umtriebe markiert. "Bedlam" entpuppt sich im Verlauf seiner Erzählung, die mit hochsophistischem Elan soziale Missstände einkreist und der hollywoodtypischen, romantischen Verklärung der Alten Welt einen feist grinsenden Riegel vorschiebt, als existenzialistisches Manifest. Der Film gibt sich im Gedenken an "Masque Of The Red Death" sogar betont links und klassenkämpferisch; die Herrschenden sind wahlweise fette, reiche Mastschweine, die ihr Vergnügen selbst über Menschenleben stellen oder sadistische Opportunisten, die nach oben buckeln und nach unten treten. Gelegenheit für den o-beinigen Boris Karloff zu einer seiner denkwürdigsten Leistungen: Als "Master" George Sims, der seinen "Patienten" noch weitaus größere Pein bereitet haben muss, als der Film offenkundig auszusprechen im Stande ist [das Maurerkellen-Attentat auf ihn durch die vermeintlich katatonische Dorothea (Joan Newton) spricht Bände] und der seinen diabolisch veranlagten Posten um keinen Preis hergeben oder auch bloß beurteilt wissen will, bietet Karloff etliche Bühnen für nuancierteste Darstellungen des Bösen. Dass das in der Werbung des Films so sensationsträchtige "Irrenhaus" mitsamt seinen "loonies" am Ende als Ausgangspunkt für humanistische Reformen dasteht, mag man als ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Publikum wahrnehmen. Mir jedenfalls gefällt dieser Gedanke ausgesprochen gut.

9/10

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Shaun das Schaf - der Film...


...vereint wie bei Aardman gewohnt Charme, Herz, Witz und Spannung zu einem durchgehend feinen Film, bleibt dabei natürlich bei allen diversen Anspielungen für die Großen durchgehend kindgerecht und war somit bestens geeignet als allererstes Kinoerlebnis des Sohnes eines Filmfans, dessen Liebe zum Medium mit den Jahren eher noch wächst.

D.C.L.

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I ORIGINS


I ORIGINS I Origins

die FRAU-

ein Muster,

eine Liebe,

eine Trauer,

ein Trost,

ein Kind,

eine Angst,

ein Zweifel,


Bestätigung von Fakten,

die Widerlegung Gottes,


eine Suche

eine Hoffnung


Zweifel bleibt Zweifel,


aber ein Bund war und ist


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DEATH RACE (Paul W. S. Anderson, 2008)


Filmisches Fastfood für den kleinen Hunger zwischendurch. Das Remake des mir unbekannten Death Race 2000 ist ein Film ohne große Ansprüche und bietet leicht verdauliche Kost in Form schnörkelloser, rasant inszenierter Action, musikalisch trefflich untermalt von Paul Haslinger. Über weite Strecken wirkt das Geschehen wie ein Rennspiel am Computer, u. a. aufgrund der auf der Straße angebrachten Schilde, die überfahren werden müssen, um bestimmte Waffensysteme zu aktivieren. Es knallt jedenfalls sehr ordentlich, Jason Statham taugt durchaus als Identifikationsfigur und die atemberaubend schöne Natalie Martinez ist eine wahre Augenweide. Da stören auch der vorhersehbare Plot, der deutliche Parallelen zu The Running Man aufweist - ja, im Grunde sogar die gleiche Geschichte erzählt, und die klischeehaften Figuren nicht weiter. Ausgesprochen kurzweilig und unterhaltsam.

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Inherent Vice


Ein Film, in den ich hineingestolpert bin. Hundescheiße klebt an der Sohle. Erratisches Gestocher im Nebel, der sich lichtet und frei legt den Blick auf das, wovon die Rede hätte sein müssen. Und doch bleibt nichts zurück. Im Dunkeln eine Brauseflasche umgestoßen, sie auslaufen lassen. Dem Vordermann ist's egal. Redende Köpfe. Sie scheinen sich auf dem unteren Ende der Leinwand schläfrig zu betten, einzunicken.

Reizhusten. Zeitweiliges Ersticken. Ein konspiratives Eigengewächs. Versponnen umwabertes Assoziieren dank klingender Namen. Obskurer Zusammenhang. Man kehrt an den Ausgangspunkt zurück. Federführend war irgendeine, konkreter noch zu bezeichnende Stimmung, Atmosphäre.

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Wie eine Welle, wie die Gezeiten


Hiermit möchte ich dieses FTB schließen (bzw. nicht mehr aktualisieren).

Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen.

Wenn sich Perspektiven ändern, so ändern sich wohl auch Herangehensweisen.Gerade bei der Auseinandersetzung mit dem Medium Film.

Was es ist, was es sein wird? Wer weiß. Vielleicht ein Blog, vielleicht ein anderes FTB? Oder eine ganz andere Möglichkeit?

Einige Kollegen von hier sind ja auch auf Letterboxed aktiv. So habe auch ich mich entschlossen, dort meine Gedanken zum Film zu teilen. Aber auch mit dieser Plattform bin ich nicht wirklich zufrieden.

Was es also sein wird, wird sich erst zeigen. Allgemein kann man sagen, dass mir die Notwendigkeit einer qualitativen Auseinandersetzung mit Film vor einem rein quantitativen Konsum immer stärker klar geworden ist.

Lieber nur einen Film im Monat schauen, und sich mit diesem wirklich auseinandersetzen, als ein sogenanntes "binge-viewing" aka Komaglotzen (das größte Problem des Mediums Serie), wo man zwar in kurzer Zeit viel sieht, aber dabei kaum in die Tiefe gehen kann.

Film ist zu wichtig, um ein bloßes Konsumgut zu sein.

Den FF bleibe ich aber gewogen, keine Frage. Die Mischung aus Expertise, Herzblut, Ideenreichtum, Verschrobenheit und Spielerein mit Online-Identitäten ist wohl einzigartig in dieser Form für das Medium Film.

Besonders das Projekt MHTwill ich nicht ganz aus den Augen verlieren, hier ist wohl als nächstes wieder mal mit einem Beitrag meinerseits zu rechnen...

In diesem Sinne, man liest sich

lg
Norbert

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Magical History Tour : Performance (Donald Cammell & Nicolas Roeg) UK 1970


Performance

Eingefügtes Bild

Der Kleinkriminelle Chas (James Fox) ist Geldeintreiber für den Gangster Harry Flowers (Johnny Shannon) im Londoner East End. Dieser will sich ein Wettbüro an den Nagel reißen, macht Chas aber klar, das er sich aus dem Coup heraushalten soll. Als Chas dennoch mitmischt fällt er bei seinen Kollegen in Ungnade. Als seine Wohnung verwüstet wird muß er in Notwehr seinen Kumpel Joey (Anthony Valentine) erschießen. Auf der Flucht färbt er sich seine Haare rot und kriegt zufällig mit, dass in der WG des ehemaligen Rockstars Turner (Mick Jagger) ein Zimmer frei ist. Unter dem Namen Johnny Dean gibt er sich als Jongleur aus und wird von Turner und seinen zwei Gespielinnen Lucy (Michèle Breton) und Pherber (Anita Phallenberg) kritisch beäugt bis es zu einem Happening kommt in dem Chas Fliegenpilze verabreicht werden und alle Grenzen seines bisherigen Lebens ausgehebelt werden.

Performance ist der Debut-Film des britischen Kameramanns Nicolas Roeg. Zusammen mit Donald Cammell wurde der Film schon 1968 gedreht kam aber erst 1970 zur Aufführung. Warner Brothers wollten eine Art Gegenstück zu den Beatles Filmen von Richard Lester. Einen Pop-Film mit einem Musikidol seiner Zeit und zwar Mick Jagger. Was sie bekamen verstörte die Studiobosse so sehr, dass der Film kurzerhand im Gift-Archiv verschwand. Nach seiner Aufführung wurde er mehr und mehr zu einem Kultfilm innerhalb der beliebten Midnight-Movie Screenings jener Zeit.

Obwohl der Film, laut Nicolas Roeg, zur Hälfte von Cammell inszeniert wurde ist er schon vollkommen prägend was die Stilismen von Nicolas Roeg´s Kino angeht : Crosscutting, Cut-Up-Technik, (Farb) Symbolik, Zeitlupen, Ellipsen, sowie ausgefallene Kamerawinkel. Performance seiner Zeit hilflos unverstanden nannten die Kritiker später "um Lichtjahre voraus". Natürlich ist der Film ein Kind der British New Wave welche in den 60ern die Stilmittel der Nouvelle Vague in Frankreich aufgriff sowie weiterentwickelte und zu deren bekanntesten Vertretern Lindsay Anderson, Richard Lester und Tony Richardson, John Schlesinger, Karel Reisz etc. gehören.
Im Gegenwartskino gibt es einige Verehrer, die ihn zu ihren größten Inspiratoren zählen. Darunter Francois Ozon sowie Ridley Scott oder auch Christopher Nolan und Paul Thomas Anderson um nur einige zu nennen. Ganz offensichtlich hat sein Stil vor allem bei Danny Boyle und an erster Stelle bei Steven Soderbergh Spuren hinterlassen. Roeg selbst hat einmal gesagt, dass wiederum eine seiner großen Inspirationsquellen besonders Alain Resnais gewesen ist.

"I am the Bullet"

In Performance geht es nicht einfach nur um Rollen und Gendertausch es geht um die pure Verschmelzung von Identität. Der Film beginnt mit einer wilden Parallelmontage in der Chas beim Sex gezeigt wird und sich dabei immer wieder im Spiegel selbst betrachtet, versichert, bestaunt und welche mit einer Kamerafahrt gegengeschnitten wird, die die Limousine des Gangsters zeigen. Dieselbe Limousine, die auch am Ende Chas abholen wird um ihn in seinen Tod zu fahren. Der narzistische Blick in den Spiegel wird uns gleich darauf wieder gezeigt.
Das Cross-Cutting geht in einer nächsten Szene soweit dass die Gangster bei ihrer Arbeit gezeigt werden und mit der Zeugenanhörung eines Anwalt Plädoyers gegengeschnitten werden und zwar so schnell, dass die zwei Systeme, die hier gezeigt werden sich auf einer Ebene befinden. Das anständige Bürgertum wird hier gleichgesetzt mit der Welt der Gangster. Gegensätze werden hier nicht gezeigt sondern sondern der Film macht klar, dass beide dem gleichen kaputten System angehören. In der nächsten Szene werden gleich 3 Ebenen durch Ellipsen miteinander verbunden. Bis zur ersten Szene in Turners Wohnung erleben wir Farbveränderungen, Ellipsen en masse, Jump Cuts, Direkten Blick in die Kamera und immer wieder Spiegel sowie die symbolisch wichtige Farbe Rot. Alles Stilmittel die Roeg´s nächste Filme nachhaltig bestimmen und prägen.
Performance ist wild und wird mit dem Eintritt in die neue Welt, sprich Turners Wohnung, ersteinmal gemäßigter.

Bevor es dazu kommt wird Chas aber ersteinmal in seiner Wohnung blutig zusammengeschlagen, was wiederum mit dem Sex am Anfang parellel montiert ist. Dazwischen zerknitterte s/w Bilder die Chas in seiner ganzen Männlichkeit als Boxer zeigen. In einer weiteren sekundenlangen Sequenz sehen wir schon Mick Jagger als Vorboten in seiner Wohnung.
Als Chas Joey erschießt sagt er "I am the Bullet" und DAS ist bei Nicolas Roeg durchaus wörtlich gemeint.
Doch ersteinmal taucht Chas unter und färbt sich seine Haare rot.
Später in Turners Wohnung, kurz bevor er den Fliegenpilz essen wird, setzt Turner die Farbe seiner Haare in einem Wortspiel mit der Farbe des Pilzes gleich : "Red : Dead"
Turner dessen Name allein schon Code genug ist, spricht die schon zerrissene Identität an und wird durch jene Sequenz verdeutlicht :

"It´s Time for a Change"

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In dem Spiel um Identität klopft Roeg hier bei Bergmans Persona an und winkt gleichzeitig dem Jahre späteren Lost Highway von David Lynch zu.
Innerhalb der nun folgenden Nacht verwandelt sich Chas immer mehr in ein Abbild des androgynen Turners. In einer kurzen, videoclipartigen Szene performt Jagger den Song "Memo from Turner" in der er als Abbild von Chas im Anzug und mit zurückgekämmten Haaren in dessen Gehirn rumspukt und seine Gangsterkollegen als eitle, dekadente Tunten verlacht, die sich ausziehen und anfangen zu tanzen. Ist Chas´s Sexualität schon zerrissen gewesen, hat sie nun vollends einen Knacks und wird von der jungenhaften Lucy mit der Chas die Nacht verbringen wird vollends ad absurdum geführt.

Als die Gangster am Ende Chas abholen zieht er seine Waffe und erschießt Turner.

In den letzten Minuten des Films dringt die Kugel in den Kopf von Turner ein, durch das Bild des argentinischen Autors Jorge Louis Borges, durch einen Spiegel um wieder in London zu landen. Doch mit diesem Akt hat sich alles verändert.

"I am the Bullet"

Eingefügtes Bild

Natürlich ist der Film auch eine Plattform für Mick Jagger gewesen, der hier eine drogige, androgyne Version seiner selbst gibt und auch wenn der Anteil von Roeg, wie Cammell sagt, in erster Linie bei der Kamera lag, so ist hier sein Stil schon komplett etabliert.
Dazu bietet der Film einen wilden Ritt der sich gewaschen hat und wartet mit einem Ende auf welches so irritierend irre ist, dass man es schwerlich beschreiben kann.
Performance ist die totale Verschmelzung von Rolle und Geschlecht, der Identität in seine Bruchstücke auflöst und wieder neu formt mit den Mitteln des Films. Ein Film der heute immer noch verstört und entdeckt werden will.

8-9/10

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KURZKOMMENTARE - FEBRUAR 2015


FILMSICHTUNGEN - FEBRUAR 2015

Nach dem übervollen Januar ein relativ beschaulicher Februar mit “nur“ 23 Filmen. Dafür hat mich der Komplettierungswahn gepackt und ich habe mich dazu entschlossen, auch zu den im jeweiligen Monat gesehenen Staffeln bzw. Teilen von Staffeln von TV-Serien einen Kommentar zu schreiben. Und dann gab es im Februar ja noch diese berühmte Veranstaltung, bei der ein gewisser Filmpreis in verschiedenen Kategorien verliehen wurde. Ein paar Worte dazu gibt es auch. Und natürlich gilt wie immer: die Kurzkommentare gibt es in der Reihenfolge der Sichtungen.


BOYHOOD (USA 2014, Regie: Richard Linklater)

BOYHOOD erzählt die Geschichte des 6 Jahre alten Mason, der in einer Patchwork-Familie aufwächst. Schulzeit, Pubertät, die ersten Partys, der erste Joint, die erste Liebe - bis hin zum Abschluss an der Highschool und dem Eintritt ins College.
BOYHOOD deckt gut 12 Jahre im Leben des Jungen und seiner Familie ab und das, was BOYHOOD so besonders macht, ist die Tatsache, dass sowohl Mason als auch seine größere Schwester Samantha (und natürlich auch alle anderen Figuren und Charaktere, die im Film vorkommen) immer vom selben Schauspieler verkörpert werden. Richard Linklater hat BOYHOOD über einen Zeitraum von knapp 12 Jahren gedreht (angefangen im Mai 2002 und beendet im August 2013) und als Zuschauer wird man so tatsächlich Zeuge, wie aus einem kleinen Jungen und einem kleinen Mädchen erwachsene Menschen werden. Ellar Coltrane, der den Mason spielt, war bspw. 7 Jahre alt als die Dreharbeiten begannen und 19 als die letzte Klappe fiel.
Was Regisseur Richard Linklater dem Zuschauer nach jahrelanger Arbeit letztendlich präsentiert ist einfach nur faszinierend und schlichtweg perfekt. Die Charaktere wachsen einem über die knapp 3-stündige Laufzeit absolut ans Herz und wenn schließlich irgendwann der Abspann einsetzt, kann man gar nicht glauben, dass man das Leben von Mason nun tatsächlich verlassen muss, dass man nicht mehr Zeuge seiner Zeit am College werden kann und auch nicht mitbekommt, wie er selbst ins Berufsleben einsteigt und eine Familie gründet.
BOYHOOD ist der ultimative Coming-of-Age-Film und verbreitet 165 Minuten lang pures Glück. Von der ersten Einstellung zu den Klängen von Coldplays “Yellow“ bis zum Beginn des Abspanns ist BOYHOOD ein Film der berührt, in den Bann zieht und Gänsehäute en masse verursacht. Solltet ihr jemals einem Menschen begegnen, der etwas Negatives über BOYHOOD sagt, glaubt ihm einfach kein Wort.

Persönliche Bewertung: Meisterwerk!


DOGVILLE (Dänemark/Deutschland/Finnland/Frankreich/Großbritannien/Italien/Niederlande/Norwegen/Schweden 2003, Regie: Lars von Trier)

Aaaaahhhh, Regisseur Lars von Trier treibt mich noch in den Wahnsinn. Nachdem mich sein zweigeteilter NYMPH()MANIAC im letzten Monat doch ziemlich begeistert hatte - der erste Film von von Trier, den ich einfach nur großartig fand -, wollte ich mich mal an einen seiner früheren Filme wagen und es mit dem vielerorts hochgelobten DOGVILLE versuchen. In dem geht es um Grace (Nicole Kidman), eine junge Frau, die wie aus dem Nichts in einem kleinen Dorf auftaucht. Die Gemeinschaft nimmt sie auf, als Gegenleistung erwarten die Bürger kleine Gefälligkeiten. Als eines Tages ein Steckbrief mit dem Gesicht von Grace auftaucht, nehmen die Forderungen der Dorfbewohner absurde Formen an und für Grace beginnt die Hölle auf Erden.
Klar, an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts zu mäkeln, die sind tatsächlich durch die Bank großartig. Das Problem von DOGVILLE ist eher seine arg behäbige Erzählweise - der Film dauert ganze 170 Minuten und ist mindestens 1 Stunde zu lang geraten - und die Form, die von Trier gewählt hat, um seine Geschichte zu erzählen. DOGVILLE ist auf das Minimum heruntergebrochen, es existieren im Endeffekt nur die schauspielerischen Leistungen. Der ganze Film spielt sich auf einer Theaterbühne ab, mit aufgezeichneten Häusern und extrem spärlichen Settings. Dieses radikale Stilmittel mag beim Feuilleton und beim Arthouse-Publikum für Begeisterungsstürme sorgen, mir persönlich war das einfach viel zu “unfilmisch“, zu anstrengend, zu eintönig und irgendwann auch einfach nur noch zu nervig. Wenn ich mir ein Theaterstück ansehen will, dann gehe ich ins Theater. Da brauche ich keinen Lars von Trier, der mir ein Theaterstück simuliert, obwohl er am Ende doch die ganzen Vorteile, die ein Filmdreh im Gegensatz zu einer Theateraufzeichnung so zu bieten hat, bei der filmischen Umsetzung nutzen kann. Die Sichtung von DOGVILLE hat mich jetzt wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und dazu geführt, dass ich von Herrn von Trier erst mal wieder die Schnauze voll habe. Aber ich gebe nicht auf. Zumindest BREAKING THE WAVES, DANCER IN THE DARK und MELANCHOLIA wollen irgendwann noch angesehen werden…

Persönliche Bewertung: Naja!


EARTH TO ECHO (USA 2014, Regie: Dave Green)

EARTH TO ECHO steht in der Tradition der – ich nenn sie einfach mal so – Jugendfilme aus den 80er Jahren, insbesondere EXPLORERS, STAND BY ME und THE GOONIES kommen in den Sinn, in denen sich Kinder in ein aufregendes Abenteuer stürzen und am Ende des Films nicht nur das Ende dieses Abenteuers, sondern auch das Ende der Kindheit steht und der erste Schritt hin zum Erwachsenwerden gemacht wurde. Produzent Steven Spielberg und Regisseur J.J. Abrams haben diesem Subgenre bereits vor 4 Jahren mit dem - in meinen Augen - durchaus gelungenen SUPER 8 bereits neues Big-Budget-Leben eingehaucht, Regisseur Dave Green versucht sich nun an einer kostengünstigeren Variante innerhalb dieses Genres. Mit einem für heutige Zeiten verhältnismäßig schmalen Budget von 13 Mio. US-Dollar schickt er in EARTH TO ECHO drei Jungs und ein Mädel auf eine Art Schnitzeljagd mit einem Außerirdischen, der die Kinder benötigt, um sein gestrandetes Raumschiff aufzufinden und wieder startklar zu machen. Das niedrige Budget sieht man dem Film - insbesondere im Bereich der Effekte - zwar deutlich an, der Außerirdische ist etwas zu kitschig-putzig geraten und dieser Wackel-Handkamera-Found-Footage-Stil, in dem EARTH TO ECHO gefilmt ist, vielleicht etwas arg gewöhnungsbedürftig, insgesamt betrachtet überwiegen aber die positiven Seiten. EARTH TO ECHO ist unterhaltsam, spannend, ungemein sympathisch und fängt phasenweise diesen Geist der großen Vorbilder aus den 80ern schon ganz gut ein.

Persönliche Bewertung: Gut!


SAVAGES (USA 2012, Regie: Oliver Stone)

Zwei Freunde (Taylor Kitsch und Aaron Johnson) haben sich mit ihrem Marihuana-Anbau ein goldenes Näschen verdient und genießen ihr Luxusleben mit ihrer gemeinsam Geliebten O (Blake Lively) in vollen Zügen. Als ein mexikanisches Drogenkartell ein Stück vom Kuchen abhaben will, verkompliziert sich das so unbeschwerte Leben der Underground-Dealer immens…
Wow, SAVAGES hat mich jetzt schon ein bisschen weggefegt. Zwar kommt der Film nicht ganz an Stones Großtaten von früher heran, er kommt ihnen jedoch schon verdammt nahe. Erlesene Bilder - Lästermäuler können gerne “style over substance“ rufen -, eine spannende und wendungsreiche Geschichte, ein toller Soundtrack und eine hervorragende Besetzung, aus der insbesondere Benicio Del Toro als fieser Killer hervorsticht, machen SAVAGES zu einem echten Erlebnis. Würde sich vom Stil her ganz vorzüglich innerhalb eines Triple Features gemeinsam mit Korines SPRING BREAKERS und Bays PAIN & GAIN eignen.

Persönliche Bewertung: Großartig!


WINTER’S BONE (USA 2010, Regie: Debra Granik)

Die 17jährige Ree (Jennifer Lawrence) muss sich alleine um ihre kranke Mutter und ihre beiden jüngeren Geschwister kümmern. Der Vater ist kautionsflüchtig und wie vom Erdboden verschwunden. Als Ree mit der Tatsache konfrontiert wird, dass ihr Vater das Haus der Familie als Kaution eingesetzt hat und dieses geräumt werden muss, wenn er nicht innerhalb einer Woche auftaucht, macht sich Ree auf eine verzweifelte Suche und stößt auf eine Wand aus Lügen und Ablehnung…
Jennifer Lawrence trägt den Film und ist tatsächlich einfach nur großartig. Ganz tolle Schauspielerleistung, die maßgeblich für die Qualität des Films verantwortlich ist. Der Plot alleine würde es nicht rausholen. Anfangs ist WINTER’S BONE noch richtig packend und spannend geraten, mit zunehmender Laufzeit, wenn halt nun mal klar ist, dass der verschwundene Vater tot sein dürfte und Ree die Leiche zum Nachweis des Todes und zur Rettung des Familienanwesens nur aufgrund einer positiven Fügung des Schicksals finden wird, verliert WINTER’S BONE aber auch zunehmend an Faszination und rettet sich in der Schlussviertelstunde gerade noch so ins Ziel. Aber in dieser Zeit davor, da war WINTER’S BONE schon ziemlich großes Kino.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


JACK RYAN: SHADOW RECRUIT (Russland/USA 2014, Regie: Kenneth Branagh)

12 Jahre nach dem Quasi-Reboot THE SUM OF ALL FEARS kam mit JACK RYAN: SHADOW RECRUIT der mittlerweile fünfte Jack-Ryan-Film - mit dem mittlerweile vierten Hauptdarsteller - in die Kinos und bei diesem handelte es sich tatsächlich um ein echtes Reboot. Branaghs Film liegt ein Original-Drehbuch zugrunde, hier gab es keine Romanvorlage von Tom Clancy, JACK RYAN: SHADOW RECRUIT basiert lediglich auf der von Clancy erfundenen Figur. JACK RYAN: SHADOW RECRUIT zeigt den CIA-Analysten am Anfang seiner Karriere, bei seinem ersten echten Auslandseinsatz, bei dem es gleich einen Terroranschlag auf die USA zu verhindern gilt.
Rein schauspielerisch brennt hier schon mal gar nichts an. Chris Pine passt in meinen Augen richtig gut in die Hauptrolle, Keira Knightley als Love Interest ist einmal mehr nett anzusehen, Regisseur Kenneth Branagh hat gleich noch die Rolle des Bösewichts übernommen und macht seine Sache auch ziemlich überzeugend und dann ist es auch irgendwie schön, Kevin Costner mal wieder in einer großen Produktion zu sehen. Dazu noch eine spannende Story, ein paar gut platzierte Actionsequenzen und einige Suspense-Szenen mit Nägelkaupotential – JACK RYAN: SHADOW RECRUIT ist jetzt sicher kein Überflieger, aber auf jeden Fall ein absolut unterhaltsamer und gelungener Film. Da kann gerne noch das eine oder andere Sequel nachgelegt werden.

Persönliche Bewertung: Gut!


S.O.B. (USA 1981, Regie: Blake Edwards)

Ab und zu erlaubt sich Hollywood mal einen kritischen, satirischen und augenzwinkernden Blick auf sich selbst. S.O.B. ist auch einer dieser Filme, in denen die Traumfabrik mit schwarzem Humor aufs Korn genommen wird. Blake Edwards knöpft sich insbesondere die Oberflächlichkeit Hollywoods vor und rechnet mit dieser auf teils ziemlich derbe Art und Weise ab, die Tiefe und Genialität anderer Vertreter dieser Art - ich denke jetzt insbesondere an SUNSET BLVD. von Billy Wilder oder THE PLAYER von Robert Altman - geht Edwards’ Film dennoch ab. Dafür bietet S.O.B. dann doch etwas zu viel Klamauk und verflacht insbesondere in den letzten 20-25 Minuten doch zu sehr. Dieser feine Humor, dieses Gespür für urkomische Szenen, die Edwards’ frühere Filme sonst auszeichneten, kommt hier leider viel zu selten zum Vorschein. Am ehesten vielleicht noch in der Partysequenz in Farmers Haus, in der tatsächlich ein Hauch dieser Comedy-Magie zu spüren ist, die Filme wie BREAKFAST AT TIFFANY’S, THE PARTY oder THE PINK PANTHER in ihrer lustigsten Szenen versprüht haben. Aber ich will hier auch gar nicht den Anschein erwecken, S.O.B. sei ein durchschnittlicher oder gar schlechter Film. Das ist er sicher nicht, Edwards hat im Lauf seiner Karriere halt einfach noch weitaus bessere Filme wie diesen hier gedreht.

Persönliche Bewertung: Gut!


R.I.P.D. (USA 2013, Regie: Robert Schwentke)

Nachdem er von seinem Partner (Kevin Bacon) im Dienst eiskalt ermordet wurde, landet der Cop Nick (Ryan Reynolds) im R.I.P.D. und darf gemeinsam mit seinem ebenfalls schon vor langer Zeit verblichenen Kollegen Roy (Jeff Bridges) die Welt von Untoten befreien…
Comic-Verfilmung vom deutschen Regisseur Robert Schwentke, die einzig und allein mit einem ziemlich hohem Spaßfaktor überzeugen kann. R.I.P.D. will ganz offensichtlich nur unterhalten und das gelingt ihm über weite Strecken ganz ordentlich. Die CGI-Effekte hätten etwas besser sein können und in der Mitte des Films ist nicht sonderlich viel los und es gibt den einen oder anderen Durchhänger. Ansonsten macht dieser himmelschreiende Blödsinn aber durchaus Spaß, einen Film wie diesen kann man guten Gewissens als “guilty pleasure“ bezeichnen. Und die 3D-Effekte waren über die komplette Laufzeit ziemlich geil.

Persönliche Bewertung: Unterhaltsam!


HOTEL DER TOTEN GÄSTE (Deutschland/Frankreich/Spanien 1965, Regie: Eberhard Itzenplitz)

Ziemlich biederer und nur leidlich spannender Beitrag zur deutschen Krimiwelle aus den 60er Jahren. Joachim Fuchsberger spielt einen Kriminalreporter, der am Rand eines Schlagerfestivals in San Remo versucht, Licht ins Dunkel eines Mordfalls zu bringen. HOTEL DER TOTEN GÄSTE kann leider nicht wirklich sonderlich viel. Über weite Strecken plätschert die Handlung ohne große Höhepunkte vor sich hin, die Auflösung des Kriminalfalls interessiert schon bald überhaupt nicht mehr und die wenigen Highlights, die Itzenplitz’ Film zu bieten hat, bestehen in ein paar debilen Gags und dummen Sprüchen. Und wenn man sich mal vor Augen führt, wie prominent der Film besetzt ist - neben Joachim Fuchsberger spielen Karin Dor, Renate Ewert, Hans Nielsen, Gisela Uhlen, Wolfgang Kieling, Claus Biederstaedt, Monika Peitsch und Ady Berber mit, praktisch alle in gewisser Weise durch ihr Mitwirken in diversen Wallace-Filmen genreerprobt - dürfte HOTEL DER TOTEN GÄSTE in erster Linie wegen des maßlosen Vergeudens von Talent im Gedächtnis bleiben.

Persönliche Bewertung: Naja!


MAPS TO THE STARS (Deutschland/Frankreich/Kanada/USA 2014, Regie: David Cronenberg)

Eine alternde Schauspielerin (Julianne Moore), die verzweifelt auf ihre letzte große Hauptrolle hofft. Ein Kinderstar (Evan Bird), der kurz nach einer Entziehungskur ein Sequel seines großen Erfolges drehen soll. Ein Chauffeur (Robert Pattinson), der von einer Karriere als Schauspieler und/oder Drehbuchautor träumt. Und eine junge, verträumt wirkende Frau (Mia Wasikowska), die ein mysteriöses Geheimnis zu haben scheint. Sie alle prallen in Cronenbergs MAPS TO THE STARS aufeinander und verwandeln die Traumfabrik Hollywood in einen psychotischen Albtraum. Neurosen, Abhängigkeiten, Psychosen, fehlende Skrupel - Cronenberg wirft einen ziemlich ernüchternden Blick auf die Glücksritter von Hollywood. Das ist teils sperrig, teils schockierend, teils melancholisch, teils mysteriös und ständig faszinierend. Und Mia Wasikowska und Julianne Moore sind beide atemberaubend gut in diesem Film.

Persönliche Bewertung: Großartig!


2046 (China/Deutschland/Frankreich/Italien/Hongkong 2004, Regie: Wong Kar-Wai)

Hongkong in den 60er Jahren: Chow (Tony Leung Chiu-Wai) hat sich in einer kleinen Pension eingemietet und geht seiner Arbeit als Journalist nach. Nebenbei schreibt er an einem Science-Fiction-Roman, in dem er Erinnerungen an seine drei großen Lieben verarbeitet…
2046 entfacht sehr schnell eine Sogwirkung und zieht den Zuschauer förmlich hinein in einen Strudel, in dem sich Realität und Phantasie vermischen. 2046 besteht in erster Linie aus Gefühlen, die in teils wunderschönen Bildern verpackt sind. Ein ständiger Hauch von Melancholie weht durch diesen Film, die Atmosphäre ist geheimnisvoll und mysteriös und wenn nach gut 2 Stunden der Abspann einsetzt, mag man nicht wirklich glauben, dass 2046 tatsächlich schon vorbei sein soll.

Persönliche Bewertung: Großartig!


THE WEDDING SINGER (USA 1998, Regie: Frank Coraci)

Vom Plot her ist das hier natürlich ne absolut typische RomCom: Junge trifft Mädchen, Junge verliebt sich in Mädchen, Junge und Mädchen müssen einige Hindernisse aus dem Weg schaffen, es kommt zu Missverständnissen und in letzter Sekunde gibt’s dann das obligatorische Happy End. Was THE WEDDING SINGER aus dem Gros der romantischen Komödien dann doch herausstechen lässt, ist insbesondere das Zusammenspiel zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore, die hier in erster gemeinsamen Rolle zu perfekt harmonieren, als hätten sie nie mit einem anderen Partner vor der Kamera gestanden. Es sollten dann ja auch noch zwei weitere gemeinsame Auftritte der beiden folgen. Und die Tatsache, dass ich die Filme des viel gescholtenen Adam Sandler immer mehr zu schätzen weiß und THE WEDDING SINGER zudem noch mit einem Soundtrack ausgestattet ist, der jede 80er-Jahre-Party zu einem Event machen würde, trägt natürlich auch sehr viel dazu bei, dass ich diesen Film hier nur wärmstens weiterempfehlen kann. Einfach toll.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


FA YEUNG NIN WA (aka In the Mood for Love, Frankreich/Hongkong 2000, Regie: Wong Kar-Wai)

Bei FA YEUNG NIN WA handelt es sich um den Vorgänger des kurz zuvor von mir angesehenen 2046 und dieses Ansehen in der verkehrten Reihenfolge war keine Absicht, sondern lediglich meiner eigenen Schusseligkeit geschuldet. Mit dem Wissen von FA YEUNG NIN WA im Kopf, erklären sich nun im Nachhinein ein paar “Rätsel” aus 2046 von selbst.
Auch in FA YEUNG NIN WA geht es um den Journalisten Chow (Tony Leung Chiu-Wai), dessen Partnerin sich - ebenfalls wie der Partner seiner Nachbarin Mrs. Chan (Maggie Cheung) - ständig auf langen Geschäftsreisen befindet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die beiden Daheimgelassenen gleichzeitig die Gehörnten sind und sich deren Partner auf diesen Geschäftsreisen miteinander vergnügen. Zwischen den beiden Nachbarn entwickelt sich langsame eine Freundschaft, die sich mit fortschreitender Dauer in tiefe Zuneigung und Liebe verwandelt. Eine Liebe, der sich beide aufgrund gesellschaftlicher Normen und eigenen Schuldgefühlen jedoch nicht hingeben können. In 2046 wird Chow dies schließlich auf seine eigene Art und Weise verarbeiten.
Im Vergleich zum Nachfolger ist FA YEUNG NIN WA deutlich geradliniger ausgefallen, ihm fehlt dieses Rauschhafte, Geheimnisvolle und Mysteriöse. FA YEUNG NIN WA ist im Endeffekt eine ebenso schöne wie traurige Liebesgeschichte, die von jeglichem Kitsch befreit zu sein scheint, dem Zuschauer folgerichtig kein unpassendes Happy End serviert, sondern ihn stattdessen nachdenklich und leicht melancholisch in den Abspann entlässt. Die Bilder, die Regisseur Wong Kar-Wai gemeinsam mit seinen Kameramännern Christopher Doyle und Mark Lee Ping-Bin auf die Leinwand zaubert, sind nicht weniger als magisch, der Score von Komponist Michael Galasso unterstreicht die Stimmung des Films perfekt und die beiden Hauptdarsteller sind eh über jeden Zweifel erhaben.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


BLENDED (USA 2014, Regie: Frank Coraci)

BLENDED ist nach THE WEDDING SINGER und 50 FIRST DATES die dritte gemeinsame Zusammenarbeit zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore. Und natürlich werden sich die beiden am Ende des Films wieder kriegen. Aber darum geht es ja im Endeffekt gar nicht. Es geht um den Weg, der zum Ziel führt und der ist erneut einfach nur witzig, sympathisch, erfrischend und herzerwärmend. Und dann wieder diese perfekte Chemie zwischen Adam Sandler und Drew Barrymore. Ach, ich mag diese wunderbaren Komödien mit Adam Sandler einfach unglaublich gerne.

Persönliche Bewertung: Gut!


DAS FINSTERE TAL (Deutschland/Österreich 2014, Regie: Andreas Prochaska)

Prochaskas DAS FINSTERE TAL beginnt mit einer Szene, in der Menschen gewaltsam aus einem Keller gezerrt werden, in dem sie sich versteckt hatten. Danach folgen die Credits, gelegt über beeindruckende Bilder purer Naturgewalt. Ein Fremder reitet in ein kleines Dorf, welches hoch in den Alpen in einem Tal gelegen ist und bittet über den Winter um Asyl…
Man weiß bereits nach wenigen Minuten, welchen Verlauf DAS FINSTERE TAL nehmen wird. Natürlich wird dieser Fremde etwas mit der Szene vor den Anfangscredits zu tun haben, natürlich wird er Rache nehmen wollen und natürlich wird es Tote geben. DAS FINSTERE TAL ist ein klassischer (Italo-)Western mit typischen Fremden- und Racheszenarien. Der Plot ist auch gar nicht so wichtig, was DAS FINSTERE TAL so sehenswert macht, ist die Art und Weise, wie Prochaska seine Geschichte erzählt. DAS FINSTERE TAL lebt von beeindruckenden Bildern, von einer bedrückenden Atmosphäre, die ständig zwischen Mystery und Melancholie schwankt und von drei großartigen Hauptdarstellern. Prochaskas Film nimmt einen als Zuschauer gefangen, entführt einen in eine fremde und unwirtliche Welt und lässt einen bis zum Schluss nicht wieder los.
Ich würde jetzt gerne den Satz “endlich mal wieder großes deutsches Kino“ bringen, aber DAS FINSTERE TAL ist nur eine Co-Produktion, gedreht von einem österreichischen Regisseur und mit zwei männlichen Hauptdarstellern, von denen der eine aus England (Sam Riley) und der andere aus Österreich (Tobias Moretti) stammt. Aber zumindest folgenden Satz kann ich loswerden: Endlich mal wieder großes deutschsprachiges Kino!

Persönliche Bewertung: Großartig!


GONE GIRL (USA 2014, Regie: David Fincher)

David Fincher. Man erwartet einfach Großes von ihm. Vielleicht sollte man seine Erwartungshaltung doch mal ein bisschen nach unten schrauben. GONE GIRL ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gillian Flynn, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete (aufgrund dieser Tatsache gehe ich - ohne das Buch zu kennen - davon aus, dass der Film ziemlich nah an der Vorlage sein dürfte) und vielleicht liegt es ja einfach auch an der Geschichte an sich, dass GONE GIRL nicht wirklich mehr als ein ziemlich guter Thriller geworden ist. Affleck und Pike spielen überzeugend und die Geschichte überrascht mit der einen oder anderen Wendung, die man so vielleicht nicht unbedingt vorhersehen konnte. Und auch den herrlich dissonanten Score von Trent Reznor und Atticus Ross möchte ich noch lobend erwähnt haben. Auf der Sollseite stehen dagegen diese letzte halbe Stunde, in der das Finale des Films eingeläutet wird und die etwas arg konstruiert und fast schon wie hingeklatscht wirkt und so einige Längen, die sich über die stolze Laufzeit von gut 150 Minuten immer wieder breit machen. Insgesamt betrachtet hätte dem Film eine etwas straffere Erzählweise wohl ganz gut getan.
GONE GIRL ist ein guter und solider Film, atemlos machende Meisterwerke wie SE7EN oder FIGHT CLUB scheint David Fincher halt einfach nicht mehr hinzukriegen.

Persönliche Bewertung: Gut!


ATTACK THE BLOCK (Frankreich/Großbritannien 2011, Regie: Joe Cornish)

Ausgesprochen kurzweilige Sci-Fi-Action-Komödie von den Produzenten, die auch schon für SHAUN OF THE DEAD und HOT FUZZ verantwortlich zeichneten. In einem Londoner Problemviertel müssen sich ein paar jugendliche Halbstarke und Möchtegerngangster gegen Aliens zur Wehr setzen. Überzeugende Jungdarsteller, die diese “Ghetto“-Attitüde richtig gut rüberbringen, ein unkonventionelles Monsterdesign (hat ein bisschen an die Aliens aus der CRITTERS-Reihe erinnert), ein treibender Elektronik- und Hip-Hop-Score bzw. -Soundtrack, der das hohe Tempo des Films vorgibt, coole Effekte, nette Actioneinlagen und mittendrin Nick Frost als asozialer Dealer – die Mischung passt und macht ATTACK THE BLOCK zu einem extrem kurzweiligen und abwechslungsreichen Genrebeitrag. Anschauen!

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


DESPERATE HOUSEWIVES: SEASON 8: EPISODES 5-23 (USA 2012, Idee: Marc Cherry)

Dass es DESPERATE HOUSEWIVES tatsächlich auf insgesamt acht Staffeln geschafft hat, ist schon durchaus verwunderlich und bemerkenswert. Richtig gut waren eigentlich nur die ersten drei Staffeln, in denen tatsächlich noch so etwas wie Spannung existierte und ein gewisser Mystery-Touch vorhanden war. Staffel 4 und 5 waren sehr durchwachsen und es hätte mich nicht gewundert, wenn damals nach der fünften Staffel Schluss gewesen wäre. In den letzten Monaten habe ich mir nun die letzten 3 Staffeln - nach einer etwas längeren Pause - angesehen und muss sagen, dass diese mich doch wieder etwas positiver überrascht haben. So wirkliche Ideen, die Geschichte der vier Freundinnen weiterzuerzählen, waren zwar nicht vorhanden und diese nun zu Ende gebrachte achte und letzte Staffel stellt wohl auch so etwas wie den (traurigen) Höhepunkt der Einfallslosigkeit der Autoren dar, die sich seit Staffel 4 immer hanebüchenere Wendungen ausgedacht haben, über die man sich definitiv keine näheren Gedanken machen sollte. Aber war dieser Schmarren zum Ende der fünften Staffel kaum noch auszuhalten, so ist er in diesen letzten 3 Staffeln seltsamerweise extrem unterhaltsam ausgefallen. DESPERATE HOUSEWIVES hat sich für mich zum perfekten Berieselungsmittel nach stressigen Tagen im Büro entwickelt. Es macht Spaß, die vertrauten Charaktere dabei zu beobachten, wie sie von einer konstruierten Situation in die nächste geraten müssen. DESPERATE HOUSEWIVES entwickelt so - vor allem auch in diesen jetzt angesehenen letzten 19 Episoden der finalen Staffel - einen herrlichen trashigen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann. Zu Ende gebracht haben sie die Serie ausgesprochen schön und - ich wage es kaum zuzugeben - irgendwie werde ich Susan, Gabrielle, Bree und Lynette vermissen (ein kleines bisschen zumindest).


THE LONE RANGER (USA 2013, Regie: Gore Verbinski)

Basierend auf einer mir persönlich gänzlich unbekannten TV-Serie erzählt THE LONE RANGER von Regisseur Gore Verbinski eine im wilden Westen angesiedelte, typische Rachegeschichte. Das Problem des Films ist zum einen seine irrsinnige Laufzeit von 150 Minuten, die durch den Plot in keinster Weise gerechtfertigt wird und die dazu führt, dass sich doch einige Längen einschleichen, und zum anderen die Tatsache, dass THE LONE RANGER einerseits ziemlich grimmig, andererseits unheimlich albern ausgefallen ist und diese beiden Seiten einfach nicht miteinander harmonieren wollen, sondern stattdessen relativ isoliert nebeneinander stehen. Dafür ist Johnny Depp in der Rolle des Indianers Tonto voll in seinem Element. Depp ist ja gefühlt seit dem ersten PIRATES OF THE CARIBBEAN-Film Tag und Nacht “in character“ und hat sichtlichen Spaß daran, sich hier vollkommen unbekümmert auszutoben und den Jack Sparrow im wilden Westen zu geben.

Persönliche Bewertung: Nett!


LET ME IN (Großbritannien/USA 2010, Regie: Matt Reeves)

Von der gängigen Praxis, europäischen (und anderen) Überraschungserfolgen für den englischsprachigen Markt ein Remake zu spendieren, kann im Endeffekt jeder halten, was er will. Wenn dabei immer wieder mal so gute Filme herauskommen wie dieser hier, habe ich persönlich gegen diese Praxis rein gar nichts einzuwenden. Remakes, die einen nicht interessieren, muss man sich ja nicht zwingend anschauen.
LET ME IN ist die Neuauflage des gefeierten schwedischen LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN aus dem Jahr 2008 und wurde immerhin von den altehrwürdigen Hammer Films mitproduziert. Regisseur Matt Reeves, der zuvor den großartigen CLOVERFIELD gedreht hatte, orientiert sich - insbesondere was Atmosphäre und Stimmung angeht - ziemlich eng am Original. Reeves erzählt diese Geschichte um den Außenseiter, der in der Schule von den Stärkeren terrorisiert wird und sich in ein Mädchen verliebt, welches kurz zuvor in seinen Wohnblock gezogen ist, auf ruhige und eindringliche Art und Weise. LET ME IN ist poetisch, mystisch, melancholisch und wird dem Original in diesem Bereich ohne Frage gerecht. Was Reeves’ Variante dieser Mischung aus Coming-of-Age- und Vampirfilm vom Original jedoch deutlich unterscheidet ist die Tatsache, dass LET ME IN eingängiger geraten ist als LÅT DEN RÄTTE KOMMA IN. Diese Sperrigkeit, die man dem Film aus Schweden sicher nicht absprechen konnte, ist hier praktisch nicht vorhanden. Man mag das meinetwegen als Zugeständnis an den Mainstream verurteilen, mir persönlich hat diese Herangehensweise an den Stoff einfach besser gefallen und so ist LET ME IN für mich einer dieser (seltenen) Fälle, in denen das Remake dem Original sogar noch ein gutes Stück überlegen ist, auch weil Chloë Grace Moretz als Vampirmädchen einfach nur großartig aufspielt.

Persönliche Bewertung: Sehr gut!


THE THING (Kanada/USA 2011, Regie: Matthijs van Heijningen Jr.)

THE THING ist die mittlerweile dritte Verfilmung der Kurzgeschichte “Who Goes There?“ von John W. Campbell Jr. und funktioniert gleichzeitig als Prequel zu Carpenters gleichnamiger Version aus dem Jahr 1982. Sehr schön vor allem die Szenen zu Beginn des Abspanns, die praktisch nahtlos zu Carpenters Film überleiten. Wenn man aber als erstes Szenen im Abspann lobend erwähnt, lässt das schon darauf schließen, dass einen das, was zuvor zu sehen gewesen ist, nicht unbedingt vom Hocker gehauen hat. Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. kann der Geschichte nämlich nicht wirklich neue Akzente geben und es gelingt ihm in keinster Weise, der praktisch makellosen Version von John Carpenter auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen. Es gibt ein paar hübsche Rob-Bottin-Gedächtnis-Creature-Designs zu bestaunen, die sicher gut gemeint sind, aber in erster Linie deutlich machen, wie sehr moderne CGI-Effekte (es gibt auch ein paar handgemachte Creature-Effekte, die sind aber deutlich in der Unterzahl) gegen die gute alte Handarbeit doch abstinken. Ansonsten hat sich Regisseur van Heijningen Jr. nicht nur stark an Carpenters Version, sondern vor allem auch an den ALIEN-Filmen orientiert. Die von Mary Elizabeth Winstead gespielte Kate Lloyd ist praktisch so etwas wie eine Ripley für Arme. Aber genug gemotzt, soooo schlecht ist THE THING nun auch nicht geraten. Wenn es einem gelingt, ihn nun nicht unbedingt mit Carpenters Version zu vergleichen, ist er sogar halbwegs ansehbar.

Persönliche Bewertung: Ok!


ENOUGH SAID (USA 2013, Regie: Nicole Holofcener)

Regisseurin Nicole Holofcener dreht gerne mal Filme über die Lebenskrise gut situierter Menschen mittleren Alters. Wie beispielsweise FRIENDS WITH MONEY vor ein paar Jahren, oder jetzt ENOUGH SAID. Man kann das vielleicht durchaus als oberflächlich oder belanglos bezeichnen, schließlich wird hier Jammern auf extrem hohem Niveau dargestellt. Auf der anderen Seite kann man diese Geschichten aber auch auf die simpelste Art und Weise lesen und die einfache und altbekannte Botschaft mitnehmen, dass Geld allein auch nicht glücklich macht. Und irgendwie ist es für uns Normalbürger ja auch durchaus beruhigend, zu sehen, dass auch die gehobene Klasse am Ende des Tages mit den ältesten Problemen der Welt zu kämpfen hat, z.B. mit der Frage, ob es da draußen nicht doch jemanden geben könnte, mit dem man glücklich werden kann.
Die von Julia Louis-Dreyfus gespielte Eva scheint in ENOUGH SAID ihr Glück endlich in dem geschiedenen Albert (James Gandolfini) gefunden zu haben. Doch dunkle Wolken ziehen auf, als Eva zufällig und ohne es zu wissen Alberts Ex-Frau (Catherine Keener) kennenlernt und sich mit dieser anfreundet…
Nicole Holofcener erzählt ihre Geschichte auf ausgesprochen ruhige Art und Weise. ENOUGH SAID ist ein Film des leisen Humors und der kleinen Gesten und für mich als Zuschauer war es eine richtige Wohltat, diese gänzlich unaufgeregt erzählte Geschichte zu verfolgen. Ich liebe diese kleinen Independent-Produktionen mit diesem gewissen Wohlfühlfaktor einfach und kann mich immer und immer wieder in Filmen wie diesen hier verlieren. ENOUGH SAID ist vielleicht kein superguter, aber definitiv ein schöner Film, mit einem wunderbaren Ende und sollte schon allein deshalb angesehen werden, weil der tolle sowie groß- und einzigartige James Gandolfini hier in einer seiner letzten großen Rollen zu sehen ist.

Persönliche Bewertung: Gut!


THE 87TH ANNUAL ACADEMY AWARS (USA 2015, Regie: Hamish Hamilton)

Es war mal wieder Oscar-Zeit und ein bisschen Senf muss ich auch einfach dazugeben.
Ich nehme mir die Oscar-Verleihung schon seit vielen Jahren in der Nacht auf und schaue mir sie dann ein oder zwei Tage später an. Bis zur Sichtung halte ich mich so gut es geht von Internet, TV und Radio fern, um die Spannung hochzuhalten. Nach den diesjährigen Oscars frage ich mich allerdings, ob dieses “Hochhalten der Spannung“ überhaupt noch irgendeinen Sinn macht. Man hat sich schon seit Jahren damit abgefunden, dass es bei der Preisvergabe keine wirklichen Überraschungen mehr gibt. Dass man aber wirklich so gut wie jeden Preisträger vorhersehen konnte wie in diesem Jahr gab es in meinen Augen so vorher noch nicht. Klar, BIRDMAN: OR (THE UNEXPECTED VIRTUE OF IGNORANCE), ein Film über das Showbusiness, musste fast zwangsläufig die Oscars für Beste Regie und Besten Film erhalten, da kann die Konkurrenz noch so innovativ (BOYHOOD) oder kontrovers (AMERICAN SNIPER) sein. Und wer wie Eddie Redmayne einen Charakter wie den an ALS leidenden Stephen Hawking in THE THEORY OF EVERYTHING portraitiert, kann sich gemütlich auf seinen Platz setzen und muss sich keinerlei Sorgen darüber machen, ob ihm jemand die begehrte Trophäe als Bester Hauptdarsteller wegschnappt. Das gleiche gilt für Julianne Moore und ihrer Darstellung einer Alzheimer-Patientin in STILL ALICE. Auch hier war von vornherein klar, dass sie den Oscar für die Beste Hauptdarstellerin mit nach Hause wird nehmen dürfen. Spannung kann man in diesen ganzen Kategorien wohl wirklich nur noch erwarten, wenn in einem Jahr mal mehrere Patientenrollen in einer Kategorie aufeinander treffen würden. Ganz nach dem Motto: Schlägt Alzheimer nun ALS oder umgekehrt?
Und über die Beachtung bzw. Nichtbeachtung mancher Filme allein bei den Nominierungen kann man mittlerweile auch nur noch den Kopf schütteln. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber dass Jacksons letzter Ausflug nicht mal eine Nominierung bei den diversen Effekt-Kategorien erhalten hat, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Und warum erhält Rosamund Pike für ihre - sicherlich gute und solide, aber sicher nicht herausragende Leistung - in GONE GIRL eine Nominierung als Beste Hauptdarstellerin? Und warum wird Ellar Coltrane, der während seiner ganzen Kind- und Jugendzeit für BOYHOOD vor der Kamera stand und wirklich eine beeindruckende Darbietung ablieferte, für diese Leistung nicht mit einer Nominierung belohnt?
Mir persönlich ging es beim Ansehen der Oscar-Zeremonie allerdings noch nie um die Verleihung an sich. Ich mochte immer das ganze Drumherum. Das Zusammenspiel zwischen dem Host und den Stars im Publikum - Ellen DeGeneres und Billy Crystal waren da in der Vergangenheit richtig klasse -, die Showeinlage, die liebevollen Hommagen an diverse Klassiker der Filmgeschichte und natürlich auch den Glamour und Glanz des roten Teppichs. Leider konnte die diesjährige Show auch in diesem Bereich nicht wirklich überzeugen. Neil Patrick Harris wirkte als Host irgendwie steif und gehemmt, seine Gags waren aufgesetzt und konnten nicht wirklich zünden. Der ganze Verlauf der Show wirkte zudem relativ planlos zusammengeschustert und die Showeinlagen waren eher nervig als begeisternd.
Insgesamt betrachtet waren THE 87TH ANNUAL ACADEMY AWARS eine ziemlich enttäuschende, ernüchternde und fast schon peinliche Veranstaltung.
Einziges Highlight: der Oscar für Patricia Arquette als Beste Nebendarstellerin in BOYHOOD.


MIAMI VICE: SEASON 2: EPISODES 12-22 (USA 1986, Idee: Anthony Yerkovich)

Die erste Staffel und die erste Hälfte der zweiten Staffel von MIAMI VICE habe ich vor etwas längerer Zeit gesehen und die Serie dann - aus welchen Gründen auch immer - erst mal wieder auf die Seite gelegt. Anfang Februar hat mich nun wieder die Lust auf MIAMI VICE gepackt und ich musste den von Anthony Yerkovich erfundenen und von Michael Mann produzierten TV-Kult einfach weiterschauen.
In Verbindung mit MIAMI VICE fällt meistens das Wort stilprägend. MIAMI VICE ist tatsächlich ein Synonym für die 80er Jahre, der Look dieser Serie hat nicht nur das Fernsehen, sondern auch das Kino nachhaltig verändert. Schaut man sich die Serie heute an, ist es schon irgendwie verwunderlich, dass sie damals so extrem erfolgreich war. Denn unter der ganzen stylishen Oberfläche mit den beiden coolen Cops, ihren - zumindest damals - schicken Designerklamotten und schnellen Sportwagen, den braungebrannten Schönheiten, dem immer strahlendblauen Himmel und den angesagten Clubs brodelt es gewaltig. Bei näherer Betrachtung stellt sich MIAMI VICE gar als extrem sperrig und schwer verdaulich heraus. Die von Don Johnson und Philip Michael Thomas verkörperten Crockett und Tubbs sind - mit all den Rückschlägen die sie, insbesondere auch im zwischenmenschlichen Bereich, immer wieder einstecken müssen - eigentlich ein Fall für den Psychiater, ihr Vorgesetzter Castillo (Edward James Olmos) rennt ausschließlich mit betrübter Miene durch die Gegend und lächelt praktisch nie und jeder einzelne Fall, egal ob es sich nun um Korruption, Prostitution, Drogenhandel oder Mord dreht, endet bei näherer Betrachtung in einer Katastrophe. Es gibt praktisch keinerlei Erfolgserlebnisse, jeder kleine Teilerfolg zieht eine große Ernüchterung nach sich. MIAMI VICE ist zutiefst melancholisch und - wie oben schon erwähnt - wahrlich keine leichte Kost. Die Geschichten, die erzählt werden stehen im krassen Gegensatz zum Hochglanz-Look, den Yerkovich und Mann der Serie verpasst haben und vielleicht war es ja auch dieser krasse Gegensatz, der MIAMI VICE letztendlich so erfolgreich hat werden lassen. Ich persönlich finde die Serie absolut toll und freue mich jetzt schon auf die dritte Staffel, die ich mir nun möglichst ohne größere Unterbrechung im nächsten Monat ansehen möchte.
Persönliche Highlights dieser zweiten Staffelhälfte: die Episode PAYBACK, in der Crockett ins Visier interner Ermittlungen gerät, und die finale Episode SONS AND LOVERS, in der Tubbs von Geistern aus der Vergangenheit heimgesucht wird.


GETAWAY (Bulgarien/USA 2013, Regie: Courtney Solomon)

Ein Gangster (Jon Voight) entführt die Ehefrau eines Rennfahrers (Ethan Hawke) und schickt diesen in einem gestohlenen und aufgemotzten Ford Mustang auf eine Schnitzeljagd quer durch die bulgarische Hauptstadt…
GETAWAY ist letztendlich eine einzige, 90-minütige Autoverfolgungsjagd. In den 70er Jahren war das Subgenre des Car-Chase-Films ja ziemlich beliebt, mit den großen Vorbildern von damals hat GETAWAY allerdings nur die Genrebezeichnung gemeinsam. In gewisser Weise ist das hier Gezeigte zwar durchaus nett anzusehen und mitunter auch ziemlich spektakulär gefilmt, auf die Dauer von 90 Minuten wirkt das alles aber auch sehr schnell sehr ermüdend. GETAWAY fehlt jegliche Spannung und nur die ausgedehnten Car-Chase-Sequenzen alleine reißen es halt leider auch nicht raus.

Persönliche Bewertung: Naja!


DER RÄCHER (Deutschland 1960, Regie: Karl Anton)

Nach dem Erfolg der ersten beiden Wallace-Verfilmungen der Rialto Film und noch vor den vielen weiteren Filmen, welche die Rialto noch in die Kinos bringen sollte, ließ Produzent Karl Ulrich von Regisseur Karl Anton den Wallace-Roman DER RÄCHER verfilmen, ein Buch, an dem die Rialto keine Rechte hatte. Und mit Heinz Drache, Siegfried Schürenberg und Klaus Kinski hatte Regisseur Karl Anton sogar drei Schauspieler an Bord, die im weiteren Verlauf ihrer Karriere noch in so manchem Wallace-Film der Rialto auftreten sollten.
Richtige Wallace-Atmosphäre mag in DER RÄCHER dennoch nicht aufkommen. Antons Film wirkt reichlich angestaubt, ihm fehlt einfach dieser Schwung und die Leichtigkeit - und natürlich auch ein “comic relief“ wie Eddi Arent - der meisten Rialto-Filme, daran können auch vorhandene Schlösser und Katakomben nicht viel ändern. Dafür war das Finale des Films ziemlich geil.

Persönliche Bewertung: Nett!

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Mein Berlinale-Bericht 2015


Die Berlinale mit ihrer speziellen Festival-Atmosphäre ist für mich immer noch etwas Besonderes, und so habe ich nicht nur erstmals seit langem wieder mal einige Filme im Kino gesehen, sondern ich will aus diesem Anlaß ein paar Anmerkungen in meinem Filmtagebuch loswerden - auch dies erstmals seit langer Zeit.
Ich habe dieses Jahr mehr Filme gesehen als bei der Berlinale 2014, hatte insgesamt aber weniger Glück bei meiner Auswahl als damals. Trotzdem bekam ich auch sehenswerte Filme zu sehen, während mir ein echter Reinfall zum Glück erspart blieb.

Gesehen habe ich die folgenden Filme (in chronologischer Reihenfolge):

The Toll of the Sea [Retrospektive]
Inhaltlich erzählt der Film eine Liebesschnulze, deren Plot sich deutlich an Puccinis Oper Madame Butterfly anlehnt, nur daß hier China der Schauplatz des Films ist. Die Farben sind allerdings für einen Film von 1922 mehr als bemerkenswert: ganz natürlich wirken sie zwar noch nicht (das ermöglichte erst das Technicolor IV-Verfahren), doch die Farbgestaltung geht schon weit über die seinerzeit üblichen Viragierungen hinaus und nutzt die beschränkten Möglichkeiten des Technicolor II mit großer Raffinesse aus. Filmgeschichtlich daher von beachtlichem Interesse.

Beira-Mar [Forum]
Ein typisches Coming-of-Age-Drama über Selbstfindung und (Homo)sexualität: der junge Martin wird nach dem Tod seines Großvaters von seinem Vater zu dessen Haus geschickt, um eine undurchsichtig bleibende Angelegenheit, die mit dem Erbe zu tun hat, zu regeln; sein Freund Tomaz begleitet ihn.
Den Film empfand ich zunächst als recht sperrig, und eine ausgedehnte Partyszene hätte von mir aus auch kürzer ausfallen können. Andererseits muß ich mit dem Abstand von zwei Tagen einräumen, daß er stärker nachwirkt, als ich zunächst vermutet hätte. An den beiden jungen Hauptdarstellern fand ich Gefallen, und reizvoll ist es, hier einmal ein Brasilien im Winter fernab von allen Samba-Klischees zu erleben. Die Erzählweise ist aber fast schon zu elliptisch. Tomaz, der als Zeichner recht begabt ist, malt einmal in einer Toilette eine Frau ohne Mund an die Wand - so ähnlich wie diese Zeichnung kommt mir auch der Film vor: durchaus von Talent zeugend, wirkt er doch ein wenig unfertig.

I Remember [Perspektive Deutsches Kino]
Zwei junge Männer verbringen einige Tage in einem Haus am Strand und verlieben sich in dieselbe Frau, was zu Spannungen und Konflikten führt.
Der Film hat sehr atmosphärische Momente; weniger überzeugend als die audiovisuelle Gestaltung ist aber der auch für einen halbstündigen Kurzfilm eher schwache Plot. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte, die ihrerseits auf einen Song zurückgeht - das merkt man auch ein wenig.

Im Spinnwebhaus [Perspektive Deutsches Kino]
Der zwölfjähriger Jonas muß längere Zeit allein auf seine jüngeren Geschwister achtgeben, da seine psychisch kranke Mutter sich in Behandlung begibt und die Kinder mit dem Auftrag zurückläßt, dies geheimzuhalten.
Bei einem solchen Sujet drängen sich Vergleiche mit dem thematisch verwandten Meisterwerk Nobody knows von Hirokazu Kore-Eda förmlich auf. An dieses Werk kommt Im Spinnwebhaus bei weitem nicht heran, geht aber auch ganz andere Wege: der Film ist mit beinahe märchenhaften Elementen durchsetzt; besonders ein auf der Straße lebender junger Graf, der meist in Reimen spricht und Jonas öfters hilft, ist keine realistische, sondern romantische Gestalt. Diese Mixtur aus Sozialdrama und Märchen funktioniert (für mich zumindest) aber nicht so richtig und zieht den Film insgesamt ein wenig runter, was übrigens schade ist, denn der Film hat eindeutig seine Qualitäten: es gibt ein paar wirklich intensive Momente, die Schwarzweißbilder sind von großer Schönheit, und die Kinderdarsteller spielen fantastisch.

Mr. Holmes [Wettbewerb (Außer Konkurrenz)]
Der 93jährige Sherlock Holmes hat sich schon lange auf das Land zurückgezogen, wo er mit seiner Haushälterin und deren Sohn Roger zusammenlebt. Während seine Beziehung zu dem intelligenten Jungen immer enger wird, kämpft Holmes gegen den allmählichen Verlust seines Gedächtnisses und versucht sich daran zu erinnern, was bei seinem letzten Fall schiefgelaufen ist... Schließlich erkennt Holmes, der immer nur Fakten zusammengetragen und gedeutet hat, in seinem letzten Lebensabschnitt noch den Wert der Fiktion.
Ein schöner, melancholischer, bisweilen aber auch amüsanter Film über die Bürden des Alters, das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit, über unbewältigte Schuld und über Bienen und Wespen, der seine klug entwickelte Geschichte etwas verschachtelt erzählt und auf angenehme Weise altmodisch inszeniert ist. Getragen wird der Film vor allem von seinen ausgezeichneten Darstellern, wobei der wunderbare Ian McKellen an erster Stelle zu nennen ist.

Eisenstein in Guanajuato [Wettbewerb]
In seinem ersten Film seit langer Zeit thematisiert Peter Greenaway Sergej Eisensteins Aufenthalt in Mexiko, wo Eisenstein einen Film drehen sollte, der dann aber gestoppt und nicht mehr von Eisenstein selbst geschnitten wurde. Greenaway hat seinen Filmen mit kurzen Ausschnitten aus Eisensteins berühmtesten Werken gespickt und läßt über den Zuschauer enorme Bilderfülle hereinbrechen, wobei er zwar großes Können beim Umgang mit seinen Mitteln (so etwa die häufige Dreiteilung des Bildes) zeigt; trotzdem nutzen sich die formalen Kunstgriffe dieses Virtuosenstücks recht bald ab. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, daß Greenaway sich nur sekundär für den Filmemacher Eisenstein und den kreativen Schaffensprozeß interessiert, und deutlich mehr dafür, wie der sexuell unerfahrene Eisenstein homosexuelle Erfahrungen macht. Im Mittelpunkt steht dann auch eine meines Erachtens ziemlich alberne Szene, in der Eisenstein von seinem mexikanischen Begleiter regelrecht entjungfert wird und die damit endet, daß dieser Eisenstein eine rote Revolutionsfahne in den Hintern steckt. Letztlich ein Film, dessen eher dürftiger Inhalt mit der formalen Gestaltung, die zumindest stellenweise brillant ist, nicht mithalten kann, und der zwar durchaus seinen Unterhaltungswert hat, von Greenaways Meisterwerken der 80er aber Lichtjahre entfernt ist.

Knight of Cups [Wettbewerb]
Während Terrence Malick früher ein lyrischer Erzähler unter den großen Filmregisseuren war, ist er mittlerweile zu einem reinem Lyriker geworden. Dementsprechend sperrig ist Knight of Cups, der thematisch übrigens recht eng mit The Tree of Life verwandt ist, denn die Lebens- und Familiengeschichte der Hauptfigur (soweit sie sich dem Zuschauer erschließt) weist sehr deutliche Parallelen zu jener des ältesten der drei Brüder in The Tree of Life auf. Wirklich neu an dem Film ist aber, daß erstmals bei Malick die Großstadt eine Hauptrolle spielt.
Natürlich habe ich den Film nicht verstanden - allenfalls auf einer recht oberflächlichen Ebene; ich muß auch zugeben, daß es mir schwerfiel, diesem zweistündigen Bildergedicht stets mit der dafür eigentlich erforderlichen Konzentration zu folgen. Gewiß: für den Mut, die Radikalisierung seines filmischen Stils mit solcher Konsequenz zu betreiben, gebührt Terrence Malick Respekt - den Zuschauern, die bereit sind, ihm auf dem zuletzt eingeschlagenen Weg noch zu folgen, allerdings auch.

Snow White and the seven Dwarfs [Retrospektive]
Der erste abendfüllende Zeichentrickfilme aus dem Hause Disney ist zugleich einer der besten. Der Film folgt im wesentlichen dem Handlungsablauf des Grimmschen Märchens, läßt aber zwei Mordanschläge der bösen Königin weg, die im Film auch ein anderes Ende nimmt (das nicht so sadistisch wie im Märchen ist). Natürlich wird, wie fast immer in einem Disney-Zeichentrickfilm, viel gesungen, doch das läßt sich aushalten, und es gibt eine Fülle amüsanter Einfälle, gerade eine große Putz-Szene, in der das Zwergenhaus gereinigt wird, steckt voller putziger Details. Sehr gut gefallen hat mir auch, daß jeder der Zwerge eine ganz eigene Persönlichkeit hat. Am eindrucksvollsten fand ich aber doch die düsteren Sequenzen, die von der bösen Königin beherrscht werden (ich habe nun mal eine Vorliebe fürs Finstere...). Die Farben setzt der Film sehr dezent ein, richtig leuchtend und intensiv ist aber der vergiftete Apfel. Die zahlreichen bei der Vorführung anwesenden Kinder folgten dem Film begeistert und zeigten so, daß er trotz seines Alters jung geblieben ist.

Das war dann meine bescheidene Filmauswahl bei der diesjährigen Berlinale. Sehr schön an den diesjährigen Filmfestspielen waren (wie schon in früheren Jahren) die Begegnungen mit Gerngucker, Short Cut und Travis; das größte Ärgernis war dagegen kein Film, sondern die Sperrung des Nord-Süd-S-Bahntunnels, die meine Fahrten erheblich verkomplizierte.

Und das war es dann auch schon...

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Agnès Varda Retrospektive auf MUBI


Ich habe mich heute hier im Forum angemeldet und das Gefühl das die Einträge alle recht old school ausschließlich das Fernsehprogramm oder DVD/BD Veröffentlichungen einbeziehen. Ich reise beruflich viel und bin daher seit einiger Zeit bei verschiedenen VOD-Anbietern angemeldet. Da ich ein großer Fan von Nouvelle Vague Filmen und generell von altem europäischen Kino bin, verfolge ich zur Zeit die Agnès Varda Retrospektive bei MUBI. "Le Bonheur" (1965) ist einer von Vardas großen Filmen, der so treffend die menschlichen/männlichen Makel auf den Punkt bringt. "Daguerreotypen - Leute aus meiner Straße" ist ein anderer sehr interessanter Film, der gerade auch läuft. Er hat mich zum Nachdenken angeregt, wer eigentlich so in meinem direkten Umfeld wohnt und wie wenige Leute man eigentlich kennt, die in der direkten Umgebung ihr Leben verbringen.

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Z STORM (HK 2014, David Lam)


Die Börsenpoliziei unter Leitung von Louis Koo macht Jagd auf eine Gruppe von kriminellen Spekulanten...

Zu Unrecht mäßig aufgenommener HK-Blockbuster mit gehörig Starpower und einem flott inszenierten Wirtschaftsthriller-Plot - ein Genre, das momentan das Nonplusultra in Hong Kong zu sein scheint. Bei aller Befremdlichkeit eines Milieus für Nicht-Aktionäre (wie mich) wirkt ein in Wirtschaftskreisen angesiedelter Thriller doch zumeist sehr echt und als reales Bedrohungsszeario. So geht Lam in Z STORM denn auch in die Vollen und kündigt bei Gelingen der kriminellen Machenschaften den Super-GAU an. Fortan wird in einr Art Countdown zurückgezählt bis zu dem Tag, an dem den Bösewichtern das Handwerk gelegt werden muss. Vorwiegend als Thriller mit den HK-üblichen Abhörszenarios inszeniert gefällt Z STORM am meisten durch das Katz-und Mausspiel des Geheimdienstes und der Spekulantengruppe, die einen Teil des Polizeiapparates in ihrer Tasche hat, wodurch dieser Koo und Konsorten ein ums andere mal ins Schwitzen bringt. Das ergibt dann sehr spannende und teils auch sehr raffinierte Szenarien. Am Ende gibt es dann das HK-typische "Twist"-Ending, der die Geschehnisse des Mittelaktes erst komplett aufdeckt. Wenn man sich mit diesen Plot-Mechanismen arrangieren kann, ist Z STORM ein grundsolider HK-Streifen mit vielen bekannten Gesichtern.

Make-or-Break-Scene: Auf dem Polizeirevier. Koo und seine Mannen scheinen aus dem Spiel, als es zu einer pfiffigen "Befreiungsaktion" kommt.

MVT: Louis Koo. Mal wieder. Einer der (HK) Leading Men.

Score: 6.5/ 10

Fazit: Eher was für HK-Kino-Liebhaber.

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Das bleibt mir von 2014


Ich gehe gerne ins Kino! Böse Zungen könnten behaupten, dass mir das Ereignis Kinobesuch wichtiger ist als der Film an sich, was hoffentlich übertrieben ist. Etwa 40 mal
war ich im Vorjahr Kino, wobei dies auch Freiluftveranstaltungen u.ä. beinhaltet. Nur 15 mal
waren es aktuelle Filme. Und selbstverständlich habe ich auch daheim einige wenige Filme gesehen. Und folgende sind mit positiv in Erinnerung geblieben:

Filme dich ich mit Freude im Kino wiedergesehen habe

Marnie Alfred Hitchcock
Otto e mezzo SW Federico Fellini
Il buono, il brutto, il cattino (Langfassung) Sergio Leone
The Shining (erstmals US Version) Stanley Kubrick
Shadow of a Doubt SW Alfred Hitchcock
Jules et Jim SW Francois Truffaut
Fahrenheit 451 Francois Truffaut

Rear Window Alfred Hitchcock

Ein Film von geradezu beängstigender Perfektion, dem es gelingt, Avantgarde und
Autorenanspruch mit dem Star-und Unterhaltungskino a la Hollywood nahtlos zu verbinden.


Beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino)

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani

Lange und trocken ist der Originaltitel, kurzweilig und einprägsam ist der Film.
Ein Mafiathriller der mit grellen Farben arbeitet und dadurch leicht zu konsumieren ist,
ohne deswegen ins triviale abzugleiten

Z Costa Gavras

Ähnliches gilt auch für diesen einst höchst populären Politthriller, der konkret in die damals
aktuelle Politik eingriff, und gleichzeitig ein Lehrbeispiel dafür gibt, wie eine Demokratie ausgehölt werden kann. Die grandiosen Bilder stammen von Raul Coutard, der zuvor für Truffaut und
Godard arbeitete.

Monsieur Verdoux SW Charles Chaplin

Obwohl es filmtechnisch ein wenig angestaubt wirkt, ist dieses Spätwerk Chaplins eine
beängstigend aktuelle Fabel über den schrankenlosen Kapitalismus, die teilweise zum
brüllen komisch ist. Weniger populär als The Great Dictator, aber wahrscheinlich der
bessere Film.

The Man Who Knew too Much SW (UK-Urversion) Alfred Hitchcock

Kurzweilig und unterhaltend, ist er von der typischen Handschrift Hitchcocks geprägt.
Vielleicht sind die einzelnen Szenen die einzelnen Komponenten noch nicht ideal
ausbalanciert, was aber das Vergnügen nur geringfügig schmälert. Und Peter Lorre,
der hier seine erste englischsprachige Rolle spielt, ist ein fantastischer Schurke.

Bande a part SW Jean-Luc Godard

Eigentlich ist an diesem Film nicht viel dran. Ja, wahrscheinlich ist er nur ein Nebenwerk
Godards. Aber trotzdem besitzt er eine unglaubliche Strahlkraft, war es ein großes Vergnügen
ihn anzuschauen. Das ist die Art von Film, die Tarantino immer machen möchte, aber
doch nicht ganz zusammenkriegt.

Juste avant la nuit Claude Chabrol

Ein SM-Spiel(Atemreduktion), auf das sich Charles nur widerwillig eingelassen hat, führt
zum Tod der Frau, der Gattin seines besten Freundes. Von der Polizei bleibt er unbehelligt,
aber es plagen ihn Gewissensbisse. Ein subtiler und perfider Film über Schuld, Sühne und
Sadomasochismus bei Wahrung des bürgerlichen Scheins.


Besonders beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino):

Il gattopardo Luchino Visconti

Ein höchst aufwendiger Kostüm und Historienfilm, wo die visuelle Pracht nicht nur dazu
dient, das Auge zu erfreuen und die Zuschauer zu beeindrucken, sondern dazu
ein Geschehen zu vermitteln. Ein zutiefst persönlicher Autorenfilm, dem ein gigantisches
Budget zur Verfügung stand. Einer meiner absoluten Kinohighlights des Vorjahres.

Il deserto rosso Michelangelo Antonioni

Antonioni gehört zu den großen Erneuerern des Kinos. Hier erzählt er fragmentarisch
von einer neurotischen Frau, die mit der Industrialisierung im Wirtschaftswunderland
Italien der frühen 60er nicht zu Rande kommt. Kein Film der leicht zu konsumieren ist,
aber einer der höchst eindrucksvoll ist.

Jagten Thomas Vinterberg

Es gibt Filme die die Zuchauer auf emotionale Distanz halten (wie etwa Il deserto
rosso)und solche die bewusst emotionalisieren. Zu dieser Kategorie gehört Jagten
Ein wahrlich aufwühlender Film über einen Kindergärtner, der zu unrecht des
sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Le journal d une femme de chambre SW Luis Bunuel

Frühe 30er, Celestine(eine undurchschaubare Jeanne Moreau), tritt am Land ihren Dienst als
Kammerzofe an. Die Hausfrau ist gespreitzt und frigide, der Mann hat nichts als Sex im Schädel,
der Vater ist ein Schuhfetischist und der Gärtner ein Faschist und wahrscheinlich auch ein
Kindermörder. Bunuels Filme strahlen eine große Leichtigkeit aus, hier ist sie mit Unerbittlichkeit
gemischt.

Le deuxieme Souffle SW Jean-Pierre Melville

Ein weiterer großer existentialistischer Gangsterfilm Melvilles. Ein alternder Gangster, Lino
Ventura als Gu Minda, glaubt nach einem Gefängnisausbruch eine zweite Chance,
einen zweite Atem zu haben. Schon die Anfangssequenzen machen klar, dass dem nicht so
ist.

Le genou de Claire Eric Rohmer

Rohmers einzigartige Form des Kinos, gibt einem die Möglichkeit, Menschen besser kennenzulernen, und hinter ihrem eloquenten Redeschwall zu blicken. Und das ist eine
aufregende Angelegenheit, obwohl seine Filme so undramatisch sind. Claires Knie
ist erst mein dritter und wohl schönster Film Rohmers.


Der Kinojahrgang 2014

10. Bande des filles Celine Sciama

Ein sehenswerter Film im Breitwandformat über Freiheits und Zukunftsträume junger schwarzer
Mädchen einer pariser Vorstadt, die mit einer weniger erbaulichen Realität kollidieren.

9. Nebraska SW Alexander Payne

Alexander Payne unternimmt hier einen Ausflug ins recht ärmliche wirkende amerikanische
Hinterland und seinen höchst provinziellen Einwohnern Reiseleiter ist ein alter Mann
(Bruce Dern) der sich einbildet einen großen Lottogewinn gemacht zu haben.

8. Her Spike Jones

Weniger dem Realismus verpflichtet ist diese SCI-FI Romanze zwischen einem femininen
Mann und seinem Betriebssystem. Scarlett Johanssons erotische Stimme reicht aus,
diese Romanze in dieser schrecklich schönen neuen Welt voller angenehm gedämpfter
Farben (und komischer Männerhosen) für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen.

7. Clouds of Sills Maria Olivier Assayas

Ein Film über eine große Schauspielerin(Juliette Binoche) und ihrer weit
jüngeren Assistentin (Kirsten Stewart) der eine Unzahl von Anküpfungspunkte bildet.
Der Generationskonflikt ist nur einer davon. Faszinierend aber auch ein wenig sperrig.

6. Nymphomaniac I+II Lars Von Trier

Nymphomaniac ist voller expliziter Sexszenen und gleichzeitig vollkommen unerotisch und
ungeil. Auf was Von Trier damit hinaus will lässt sich schwer sagen. Was ich aber sagen
kann ist , dass es ein Werk der Negation ist, und eine einzigartige Erfahrung darstellt.
Zweiteres ist der Grund, weshalb die Filme in dieser Liste aufscheint.

5. Le Passe Ashgar Farhadi

Weit konventioneller ist dieser Film über eine Frau, deren Exmann, der zur formalen
Scheidung aus den Iran nach Frankreich kommt, und deren neuen Lebenspartner.
Dafür ist er auch lebensbejaender und gibt einen interessanten und kurzweiligen
Einblick in den zeitgenössischen "Beziehungssalat".

4. The Grand Budapest Hotel Wes Anderson

Dieser herrlich skurrile, höchst gelungene Film ist voll Trauer über eine verlorene so
nie dagewesene (mitteleuropäische) Vergangenheit. Stefan Zweig inspirierte Anderson,
dessen typische Handschrift auch hier unübersehbar ist, dazu. Und das passt auch
zu ihm,schließlich sind seine Filme sonst voll Sehnsucht nach einer so nie dagewesenen
Kindheit.

3. Deux jours, une nuit Gebrüder Dardenne

Eine Frau muss ihre Kollegen davon überzeugen, gegen ihre Entlassung zu stimmen,
und dafür auf eine Prämie zu verzichten. Wir begleiten diese Frau(Marion Cotillard)
dabei, wie sie ihre Kollegen abklappert. Die Dardennes und die Hauptdarstellerin
(Oscarnominierung!) machen daraus eine aufregende Angelegenheit.

2. Boyhood Richard Linklater

Filme anschauen bedeutet auch, der Zeit beim Vergehen zuzuschauen. Ganz besonders
gilt das für Boyhood, der uns die Möglichkeit gibt das Heranwachsen eines Buben und
dessen Schwester im Zeitraffer zu verfolgen. Ein wunderbarer Film über die Poesie des
alltäglichen, und über das Vergehen der Zeit.

1. Under her Skin Jonathan Glazer

Ein Science Fiction Film, der zwischen dokumentarischen, mit versteckter Kamera
gedrehten und extrem stilisierten Szenen pendelt und dabei vieles im Dunkeln belässt.
Sicherlich kein makelloser Film, aber einer der mir intensive Sinneseindrücke verschafft
hat.

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Samurai Rebellion (1967)


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Samurai Rebellion
(Japan 1967, Masaki Kobayashi)

Japan, 18. Jahrhundert: Unter dem Tokugawa-Shogunat herrscht eine geradezu diktatorische Ordnung. Die Hierarchie der Ständegesellschaft ist unantastbar und den Worten des lokalen Regenten nicht zu widersprechen, egal wie groß die Willkür.
So wie das strikte Reglement jede Geste, jede kleinste Handbewegung durchdringt, so sind auch die Filmbilder streng durchkomponiert. Die Figuren sind wie eingesperrt in den geometrischen Flächen, Rastern und Linien des Samurai-Anwesens, in dem der Großteil des Films spielt.

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Die Rebellion, die der Titel anspricht, ist keine organisierte Aktion, sondern es sind vereinzelte Verzweiflungstaten ohne Aussicht auf Erfolg, die aber dennoch den gesamten Film zu erschüttern scheinen: Das Aufbegehren einer Frau gegen den Herrscher zeigt Kobayashi in kurzen, unscharfen Standbildern; Am Ende zerlegen der Protagonist Sasahara (Toshiro Mifune) und sein Sohn geradezu ihr Haus (und man könnte sagen, damit auch die Enge, die das Haus repräsentiert) in Vorbereitung auf den Endkampf.

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A Real Hero


DRIVE (USA, 2011)


https://www.youtube....h?v=BHgYtKkSEDA


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100%


Nur etwas mehr als eine Handvoll gibt es davon für mich, nur alle paar Jahre erscheint einer: Der vollkommene Film.

Bittersüße Lovestory, blutiges Gemetzel.
Urbaner Rambo in Lost In Translation.

Auf beste Art angereichert mit interpretatorischen Bezügen, die bei jeder Sichtung zur erneuten Entdeckungsreise einladen.
Und so wunderschön: Bildsprache, Soundtrack, Story - absolute Perfektion.

Carey Mulligan mit ihrem Lächeln hat mich dazu gebracht, bei Amazon einen neuen Bestand an zu sichtenden DVDs zu kaufen.

Ich spare an Worten und wiederhole stattdessen einfach nur, was für sich selbst spricht:


100%

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Filme auf der Insel sind immer etwas besonderes. Schon, weil du sie in dieser anderen Welt guckst. Und glaube mir, der Mars ist eine andere Welt. Und weil sie ganz anderen Zwecken dienen, als die, die du aus beruflichen, Fan-technischen, filmwissenschaftlichen oder gesellschaftsdrückerischen Gründen guckst. Nämlich nur, um die Beine mal hochzulegen, eine Siesta zu überbrücken, oder vor dem Pennen noch mal auf andere Gedanken zu kommen. Auf Lanzarote war Tom-Atkins-Woche. Nicht zu verwechseln mit Christopher Atkins, der "Fackel" aus "Top Secret".

Birgit

In Rottach-Egern gab es Mitte der 80er drei Hotels der absoluten Luxusklasse. Das Bachmair am See, die Überfahrt, und den Walters Hof. Das Bachmair am See stand lange im Ansehen weit über den anderen, in den 70ern war dort Harald Juhnke Dauer-Showact, im Publikum des Night Club traf man Weltstars, Bayernspieler, Luxushuren. In den 80ern verkam es zur Kulisse für Fernsehkitsch a la "Schwarzwaldklinik", bot aber immer noch mit seinen diversen exquisiten Wohnanlagen und Spezialitätenrestaurants den Bayern und vielen Unterhaltungsstars eine Heimstatt. Heute ist es kaum mehr als ein Abglanz seiner großen Zeit, keiner von meinen im Tal verbliebenen Freunden wußte zuletzt gutes darüber zu berichten.

Die Überfahrt hatte den Touch des Neumodischen, aber den besseren Abschlepphafen im Nightclub-Keller. Damals wie heute. Die Überfahrt heißt Überfahrt, nicht um Engländer zu amüsieren, sondern weil man von dort mit einem Nachen die 200 Meter Seelinie nach Tegernsee übersetzen konnte, ohne fünf Kilometer einmal um die ganze Bucht zu latschen. 1984 hat mir Michaela dort auf einer Kellertreppe einen Iro geschnitten, der mir eine Beförderung beim Bund ersparte. Die Überfahrt wurde 2001 auf sehr umstrittene Weise renoviert. Ecki und andere fluchen darüber, aber mir gefällt ihr lush 60er-Art-Deco-Design recht gut.

Der Walters Hof war im Gegensatz zu den vorgenannten 1985 noch eine bessere Kneipe, aber immerhin schon das drittfetteste Kätzchen am Platz. In seiner Küche kochte Tim Kock (hihi), der später erfolgreich bei Iris Berben am Wiener Platz andockte. Tim war ein Punk aus Plön in Schleswig-Holstein, um die 20 wie ich, und lag soziokulturell mit mir auf einer Wellenlänge. Ich hatte 1983 mal im Bachmair am See gespült und fühlte mich auf eine perverse Art befördert, als ich als "Hausbursche" im Walters Hof anheuerte. Dann gab es noch Birgit, Kellnerin im Walters Hof und Tims heiße Freundin.

Birgit war ein aschblondes, hundertprozentiges A-Listen-Babe mit lupenreinem Mannheimer White-Trash-Pedigree. Blaue Kugelaugen, Schmollmund, Stupsnase, Dauerwellengebirge, die perfekte Figur. Ich hatte es auch nicht schwer, bei schönen Frauen anzukommen, mußte mich dafür aber bemühen. Tim fielen sie nur so um den Hals. In den paar Jahren, in denen wir gemeinsam um die Häuser zogen, hatte er drei Weiber, auf die ich selbst scharf war, und die anderen hätte er auch alle haben können. Nicht wie die Nase eines Mannes, sondern wie die Größe. Tim war 1,95 Meter. Dazu blond, bauäugig und schön. Und nicht blöd.

Ich aber stehe auf Spanking. Popoklatsch. Bin nachgerade davon besessen. Das wußte aber damals niemand. In einer Straßenbande ist es nicht gesund, sich allzu direkt zu abstrusen Perversionen zu bekennen, und sei es noch so eloquent formuliert. Nur ein paar ausgewählte Mädels wußten Bescheid. Die mit den roten Hintern.

Tim aber nannte eine Bude sein eigen, die damals ihresgleichen suchte. Großes Haus am Hang oberhalb vom Tegernsee. Unten eine öffentliche Disco, oben eine gigantisch große Wohnung mit rund ums Haus reichendem Balkon. Das war die Wohnung von Tim. Bei Tim haben wir gerne Videoabende veranstaltet, wie sich wohl versteht. Erst unten zechen und vielleicht ein bißchen Stunk machen, dann hoch in Dr. Evil's Secret Lair (so kommt es mir heute vor), und aus dem Bierkasten weiter trinken. Und einen Film gucken. "Nightmare" von Romano Scavolini zum Beispiel, "Hardrock Zombies", oder "Kleine Teufel", noch immer ein Geheimtip. Die alle habe ich da zuerst gesehen. Heute aber steht eine Zweitsichtung (für mich) auf dem Programm: "Creepshow" von George Romero.

Birgit trägt einen hauchdünnen Jogginganzug und schmiegt sich auf der Couch eng an mich. Sweeeet. Zum Glück ist und war Tim nie eine halbe Sekunde eifersüchtig. Es folgt die teilanimierte Eröffnung, in welcher ein Knabe sein Comic Book verliert an einen autoritären Dad, der ihm für den Wiederholungsfall in Aussicht stellt, einige Tage nicht sitzen zu können. Worauf sich Birgit zu mir umwendet, mich mit großen Augen anblickt, und mit anbetungswürdigem Gesichtsausdruck erklärt: "So was hat mein Vater auch mit mir gemacht. Mit dem Handfeger. Aber auf den nackigen Arsch."

Ich blicke fassungslos zurück, stammele etwas wie Uiuiui und denke mir meinen Teil. Sonst bin ich um spontane Reaktionen weniger verlegen ("Das hast du verdient, weil du immer die Bay City Rollers gehört hast."). Und wissen die Weiber eigentlich, was sie mit so etwas bei Männern anrichten können? Der strenge Vater aus "Creepshow" aber, der mir diesen unvergesslichen Moment bescherte, war Tom Atkins. Mir schon bekannt von

The Fog

aus dem Jahr 1980. Zufällig bin ich zu Halloween auf Lanzarote. In Spanien interessiert sich für Halloween genau gar keiner. Ist bloß ein schwuler amerikanischer Kackwichs für die. Und auf Lanzarote gefühlt gleich noch weniger. Nur ein paar blöde Briten zeigen falsche Flagge, schleifen unverdrossen feiste Kinder in albernem Fummel durch die tropische Nacht.

Ich aber falle Abends nach des Tages Action gerecht entkräftet in die Couch und werfe den Fernseher an. Bin noch nicht bettreif. Da müssen doch Horrorfilme kommen. 200 Programme, aber fündig werde ich bei ARD oder ZDF. Da gibt es "The Fog". Tom Atkins ist der Star. Nahezu augenblicklich muß ich an Birgit denken, ihren geilen Arsch, und den Spaß, den ihr Dad hatte. Gehabt haben mußte. Um es nochmal zu unterstreichen. Danke, mein Namensvetter. Und dann ist da Adrienne Barbeau. Ihr habt euch sicher schon gefragt, ob dieser Blog noch sexistischer geraten kann. Na, schaun mer mal.

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Magical History Tour: Edgar Wallace - Das Wirtshaus von Dartmoor (Rudolf Zehetgruber, 1964)


Bekannter "Wallace"-Klassiker, lief damals im Kino. Anderthalb Sterne aber beinah ausschließlich für das sleazig inszenierte Dekolleté des so genannten "Schankmädchens". Freilich hält der Film die eine oder andere schöne generische Blüte bereit, von inszenatorischer Raffinesse aber - oder gar nachvollziehbarer Leidenschaft - ist man jedoch weit entfernt. Freuen darf man sich über Kleinigkeiten wie etwa so Sätze wie "Du, Kleine, ich habe noch nie daneben geschossen!" Wem das reicht... Hin und wieder auch ein müder Witz. Ansonsten durchaus sehr öde.

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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.



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