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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

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Magical History Tour : Wir Kellerkinder (Hans-Joachim Wiedermann) BRD 1960


Wir Kellerkinder


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Die deutsche Vergangenheit ist unbewältigt. Der Innenminister ist sehr unzufrieden mit der deutschen Filmlandschaft und hat es sich in den Kopf gesetzt zur Eröffnung der Berliner Filmfestspiele einen Film über Hakenkreuz Schmierer, die auf frischer Tat ertappt werden, zu zeigen. Leider gibt es solch Material in Westdeutschland nicht. Die "Neue Deutsche Schau" beauftragt Reporter Kemskorn (Eckard Lux) und Kameramann Kenschke (Ralf Wolter) solch Film nachzudrehen, gegen entsprechende Bezahlung. Doch dies führt zu nichts, da niemand auch nicht für Geld ein Hakenkreuz an eine Wand malen will. Abends vor einem Jazzkeller treffen die Reporter dann aber auf Macke Prinz (Wolfgang Neuss) und seine Freunde Artur (Wolfgang Gruner) und Adalbert (Jo Herbst), die just im Keller am jazzen waren und gerade frisch aus der Klapsmühle kommen. Als sie von der Polizei überrascht werden, flüchten sie in den Jazzkeller. An diesem historischen Ort erklärt Macke den Herren von der Presse, warum er bereit war ein Hakenkreuz an die Scheibe zu malen. Eine Geschichte, die 1938 mit ihm als 11jähriger Pimpf im Jungvolk, in diesem Keller begann.

Wir Kellerkinder ist subversives und anarchisches Gold. Neuss reagierte mit diesem Film auf den kurz zuvor entstandenen Wir Wunderkinder von Kurt Hoffmann an dem er, zusammen mit seinem Partner Wolfgang Müller auch maßgeblich beteiligt war und denen es auch zu verdanken ist, dass Hoffmans Film durch die satirische Rahmung nicht vollends in die typischen Klischees deutscher Geschichtsaufarbeitung driftet. Ebenso wie der Hoffmann Film wirft Wir Kellerkinder einen Rückblick in die Jahre des Nationalsozialismus. Zuerst versteckt Macke den Kommunisten Knösel vor den Nazis, später nach dem Krieg versteckt er seinen Vater 4 Jahre lang vor der Entnazifizierung in der selben Kohlenkiste in der Knösel gelegen hat. Später wird er Knösel wiedersehen, wie der mit Büchern über seine Zeit im Osten Kohle macht und zwar im Westen. Im Osten treffen sie auch auf den alten Ortsgruppenleiter, einst ein strammer Nazi, der nun ein sozialistischer Theaterleiter ist und ausgerechnet mit Mackes Schwester verheiratet, die damals engagiertes Jungmädel war. Dazu kommt noch das Adalbert an einem HItler-Komplex leidet, da er durch sein Aussehen immer wieder mit dem Führer verwechselt wird und durch die entgegenkommenden Reaktionen "Damals war ja alles besser" jedesmal anfängt Reichsparteitagreden zu halten.
Neuss teilt hier ordentlich in alle Richtungen aus und zeigt in seiner satirischen und kabarettistischen Art, mit viel Baaliner Schnauze, wie schnell doch Ideologien zu wechseln sind. Angesichts der Tatsache, dass der deutsche Durchschnittsbürger im Grunde immer noch die gleichen Parolen parat hat, wie 20 Jahre vorher, kann man ja auch nur irre werden.

Aber wie sagt Neuss am Ende so schön, als der Kellerkinder-Film fertig ist, ihn aber niemand sehen will :

"Das sind wir Alle. Ein ganzes Volk auf Zelluloid. Ist das nun negativ oder positiv ?"


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9/10

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AMEN. (Constantin Costa-Gavras/F, D, RO 2002)


"I see no other way to reach people's hearts."

Amen. (Der Stellvertreter) ~ F/D/RO 2002
Directed By: Constantin Costa-Gavras

Berlin, 1942: Als er infolge familiärer Beziehungen binnen kürzester Zeit zum Offizier der Waffen-SS aufsteigt, glaubt der ebenso naive wie christliche Ingenieur Kurt Gerstein (Ulrich Tukur) noch, dass seine Fortschritte in der Schädlingsmittelbekämpfung den Truppen an der Ostfront zugute kommen. Der mysteriöse "Doktor" (Ulrich Mühe) jedoch belehrt den Schockierten eines Besseren: Die Euthanasie, die systematische Ermordung geistig Behinderter, gehört ebenso zum verschleierten Nazi-Alltag wie die mittlerweile beschlossene "Endlösung der Judenfrage": Ganze Dynastien werden in Viehwagons gen Osten deportiert und dort im großindustrillen Maßstab und unter Verwendung des von Gerstein mitbeschafften Giftgases Zyklon B vernichtet. Hoffnung wähnt Gerstein beim schwedischen Botschafter (Justus von Dohányi) und bei der katholischen Kirche. Zum einen sollen die Alliierten über die Gaskammern und Krematorien in Kenntnis gesetzt werden, zum anderen versucht Gerstein mithilfe des idealistischen Jesuiten Riccardo Fontana (Matthieu Kassovitz), den Vatikan zu einer öffentlichen Verurteilung der Nazigräuel zu bewegen. Doch die allgemeine Angst vor Hitler überwiegt hier wie dort, niemand, am wenigsten Papst Pius XII (Marcel Iures), fühlt sich verantwortlich, bis zum Kriegsende Wesentliches zu unternehmen.

Back from Hollywood: Die von reichlich Arroganz gekennzeichnete katholische Praxis der Ignoranz und der Wahl des geringsten Widerstands angesichts der sich immer weiter auftürmenden Nazi-Verbrechen war bereits in dessen Veröffentlichungsjahr 1961 Thema von Rolf Hochhuths Stück "Der Stellvertreter". Ganze vierzig Jahre dauerte es bis zu dieser Verfilmung durch Costa-Gavras, zugleich der zweite Film des Regisseurs nach dem im besetzten Frankreich unter der Vichy-Regierung spielenden "Section Spéciale", der sich mit dem Nationalsozialismus der Weltkriegsjahre befasst. Weitaus weniger emotional als viele andere Holocaust-Dramen der letzten Jahrzehnte kommt "Amen." daher, lässt etwas den Blick für die Essenz von Hochhuths Drama vermissen und sucht viel mehr nach möglichen Erklärungen dafür, wie die Massenvernichtung der Juden im internationalen Spiegel solange "übersehen" werden konnte. Dem bekennenden Christen und SS-Offizier Kurt Gerstein, von Ulrich Tukur im Film als überaus liebenswerter Zeitgenosse interpretiert, dem ein widerständliches Herz unter den Blitz-Runen schlägt, gilt heute als einer der wichtigsten bekennenden Zeugen der Vernichtungspraktiken. Bevor man ihm nach Kriegsende in Paris den Prozess machen konnte, fand man Gerstein in seiner Zelle erhängt vor - Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen.
Hinzugedichtet sind der, obschon auf realen Vorbildern basierende, Charakter des Märtyrers Riccardo Fontana, Gersteins persönliche Beziehung mit dem in Stück und Film namenlos bleibenden 'Doktor' Josef Mengele (hier gespielt von Ulrich Mühe) wiewohl auch sein eindeutig als heroisch zu bezeichnendes Engagement gegen das Reich, dessen Widerspruch zu seiner beständigen Funktion als Obersturmführer im Film nicht zufriedenstellend aufgelöst wird. So ist Gersteins tatsächliches Wesen bis heute historisch nicht eindeutig festlegbar. Costa-Gavras gestattete sich bei aller sonstigen Ehrenwertigkeit des Projekts einige sicher vermeidbare Faux-pas: Zunächst finde ich es diskutabel, ob es bei einer zu knapp 90 Prozent deutschsprachigen Besetzung wirklich Not tat, als Originalsprache Englisch zu wählen, die Sprachkenntnisse des Regisseurs hin oder her. Ferner stellt sich mir die Frage, ob die permanent durch den Film rollenden Deportationszüge bewusst in die jeweils "falsche" Bildrichtung fahren (also leer von West nach Ost, voll von Ost nach West) oder ob dies inszenatorische Manier ist. Dem gehenüber stehen großartige Szenen wie etwa die, in der Riccardo versucht, die Kardinäle beim üppigen Frühstück von den ihm durch Gerstein geschilderten Naziverbrechen zu unterrichten und diese ganz untangiert weiterspeisen. Da schimmert dann wieder ganz der alte, starke Costa-Gavras hervor.

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Filme 2014 - Teil 4


KVINDEN I BURET (ERBARMEN) (Mikkel Norgaard, DK/ D/ S 2013)

Skandinavischer Police Procedural. Einigermaßen spannend, aber gegen Ende auch mit einigen Genre-Klischees. Punktet vor allem durch das Duo Kaas/ Fares. Nächster Teil wird geschaut. 7/ 10


UNNA-TRILOGIE

BANG BOOM BANG (Peter Thorwarth, D 1999)

DER(!) Ruhrpott-Klassiker. 8.5/ 10

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (Peter Thorwarth, D 2002)

Sympathisch. Kleinerer Figurenkosmos als in BBB, was mehr Raum zur Charakterisierung bietet. Bei den ernsten Tönen versagt der Film, wie Thorwarths Selbstbesetzung zum in die Tonne kloppn is. Ich vermute: Der wollte einfach nur der Lara an die Wäsche! 6/ 10

GOLDENE ZEITEN (Peter Thorwarth, D 2004)

Selbige hatte Thorwarth bereits hinter sich. Ein episches Werk voller Unsympathen wodurch Thorwarth seine vorherigen Filme konterkariert. Gefiel mir damals wie heute wenig. 5/ 10



ERASER (Chuck Russell, USA 1996)

Entstanden zur Zeit als Arnies Stern bereits zu sinken begann stellt der Film heute doch ein wohliges Kontrastprogramm zum für mich beinahe unerträglich gewordenem modernen Actionkino dar. Genrehelden der 80er/ 90er gibt es einfach nicht mehr. 6/ 10


THE PARTY (DER PARTYSCHRECK) (Blake Edwards, USA 1967)

Einer der lustigsten Filme aller Zeiten als Bindeglied zwischen Old und New Hollywood. Sellers beste Rolle! 8.5/ 10


CHINATOWN (Roman Polanski, USA 1974)

Hat drei Sichtungen gebraucht. Jetzt stimme ich zu: der Film kann was! Auch wenn ich mit Dunaway nie warm werde(n werde) ist das großes Darstellerkino wobei sich Jack in die Riege der unfähigen Private Eyes der 70er einreiht. 7/ 10


THE ASPHALT JUNGLE (DER ASHPHALT DSCHUNGEL) (John Huston, USA 1950)

Die Mutter aller Heist Movies. 8.5/ 10


TWILIGHT (IM ZWIELICHT) (Robert Benton, USA 1998)

Der Versuch eine Hommage an die Dekonstruktion des Private Eyes der 70er scheitert an einer miserablen Regie. Schade um Newman und Hackman. 4/ 10


LA BATTAGLIA DI ALGERI (SCHLACHT UM ALGIER) (Gillo Pontecorvo, I/ ALG 1966)

Dokumentarische Bestandsaufnahme des Aufstandes gegen eine Kolonialmacht. Kühl und distanziert. Habe keinen Zugang gefunden. 4/ 10


COPS AND ROBBERS (TREFFPUNKT CENTRAL PARK) (Aram Avakian USA 1973)

Kleines sympathisches Heist-Movie, das den Spirit der 70er lebt. John P. Ryan als MVT! 7.5/ 10


A SERIOUS MAN (Joel & Ethan Coen, USA 2009)

Der Abschluss der "Troubled Man Trilogy" befasst sich mit der Midlife Crisis. Tragikkomisch wie sonst was. 8/ 10


UNDER FIRE (Roger Spottiswoode, USA 1983)

Politthriller im Geiste Costa-Gavras. Zunehmend spannend. 7/ 10


MIRACLE MILE (DIE NACHT DER ENTSCHEIDUNG) (Steve De Jarnatt, USA 1988)

Der ultimative Pre-Apocalypse-Film. Nahegehend durch seine glaubhaften romantischen Elemente auch wenn Mare Winningham am weitesten von meiner Definiton der attraktiven Frau weg ist. Das Ende ist trotz Kenntnis des Ausgangs immer noch der Wahnsinn. 8.5/ 10


THE LONG GOODBYE (DER TOD KENNT KEINE WIEDERKEHR) (Robert Altman, USA 1973)

Elliot Gould als Philip Marlowe-Parodie. Herrlich. Er kann nicht mal seiner Katze etwas vormachen. 8.5/ 10


THE ESCAPIST (Rupert Wyatt, UK/ IRE 2008)

Knastfilm, dessen Erzählstruktur im Verbund mit der Doppeldeutigkeit seines Titels ihn aus dem Genre herausragen lässt. Und (!): Brian Cox is the shit! 7.5/ 10


KENNY (Clayton Jacobson, AUS 2006)

Kenny, der Scheißhausklempner im Pantheon der sympathischsten Filmfiguren aller Zeiten. Liebenswürdig hoch zehn. Kein Scheiß! 8.5/ 10


SIN YAN (THE STOOL PIGEON) (Dante Lam, HK 2010)

Schnell geschaut bevor die BD vollends verrottet. :( Die Undercovercop-Geschichte ist eine von HKs liebsten wie mir scheint. Solide. Nick Cheung ewig verlässlich. 6.5/ 10


THE BIG HIT (Kirk Wong, USA 1998)

Überraschend intelligente Actionpersiflage mit einem putzigen Marky Mark. 6/ 10


LETHAL FORCE (Alvin Ecarma, USA 2001)

Trash, der sich als solchen sieht. Funktioniert wunderbar. 6/ 10


BO CHI TU WAH (CONNECTED) (Benny Chan, CHI/ HK 2008)

Remake des US-Films CELLULAR und wahrscheinich um Längen besser, denn CONNECTED war DIE Überraschung des Monats! Plotmäßig eine irrsinnige Ausgangslage, aber spannend wie Sau und mit sehr ordentlichen Actioneinlagen. Louis Koo ist als Everyman idealbesetzt. 8/ 10


O'HORTEN (Bent Hamer, N/ D/ F/ DK 2007)

Ruuuuhige skandinvaische Filmperle um einen pensionierten Lokführer. Melancholisch und grotesk-humorig. 8/ 10


SIT YAN FUNG WAN (ABGEHÖRT) (Felix Chong, Alan Mak, HK/ SI /CHI 2008)

Abhörthriller mit obligatorischen dramatischen Elementen, die von den guten Darstellern geschultert werden. Ordentlich. 6.5/ 10


MANIAC COP-TRILOGIE

MANIC COP (William Lustig, USA 1988)

Robert Z'Dar als Frankenstein-Cop. Als New York noch dreckig war. Tolles Titelthema. Gute Besetzung. Besser als erwartet. 5.5/ 10


MANIAC COP 2 (Wiliam Lustig, USA 1990)

Etwas besser als die Origin-Story, da hier weniger erklärt werden muss und dadurch an Rasanz gewonnen wird. Die Flashbacks nerven. Robert Davi mal als Held. Gute Stunts! 5.5/ 10


MANIAC COP 3: BADGE OF SILENCE (Alan Smithee, USA 1993)

Die Unruhen hinter den Kulissen sind offensichtlich. Schwacher Abschluss, der sich dem Voodoo-Thema, das Hollywood Ende der 80er beherrschte, hingibt. Die feurigen Stunts im Finale sind der schiere Wahnsinn. 3.5/ 10


LA MAISON SOUS LES ARBRES (DAS HAUS UNTER DEN BÄUMEN) (René Clement, FRA/ I 1971)

Leidlich spannender Psycho-Drama-Thriller. Clement ist NICHT Hitchcock, auch wenn er es versucht. Frank Langella ist hier noch jung und Dunaway die Unmutter des Jahres. 4.5/ 10


BLINKENDE LYGTER (FLICKERING LIGHTS) (Anders Thomas Jensen, DK/ S 2000)

Gaunerkomödie unter der Regie von Drehbuch-Ass Jensen, bei der alles passt und ich meine ehemaligen Vorbehalte gegen backstories der Charaktere über Bord geworfen habe. 8/ 10


THE BELIEVERS (DAS RITUAL) (John Schlesinger, USA 1987)

Der Film, der die Voodoo-Euphorie bei Hollywoods Autoren wohl losgetreten hat. Sheen ist super, aber der Film trotz Traumstart nicht. Sehr träge das Ganze. Höhepunkt ist Helen Shavers Mount St. Helens T-Shirt. Selbstironie oder Narzismus? 5/ 10


BORGMAN (Alex van Warmedam, NL/ BL/ DK 2014)

Die holländische Version von KYNODONTAS. Sogar besser! Lässt viel Raum für Interpretation und sieht super aus. Humor dunkelschwarz! Bei der Teddy-Rede bin ich fast vom Sessel gekippt. 8/ 10


ENEMY (Denis Villeneuve, CA/ SPA 2013)

Sehr atmosphärischer Doppelgänger-Thriller. Beschwört das Paranoiakino der 70er herauf. Hallt enorm nach. 8/ 10


THE MAN WHO HAUNTED HIMSELF (EIN MANN JAGT SICH SELBST) (Basil Dearden, UK 1970)

Na klar! Ein Doppel ( :immo: ) Feature nach ENEMY. Roger Moore scheint einen Doppelgänger zu haben. Die Auflösung ist genial. Moore darf hier mal schauspielern und überzeugt. J&B ist auch dabei. Sowie einige exploitative Züge. Feine Kost! 7.5/ 10


REMBRANDT (STEALING REMBRANDT) (Jannik Johansen, DK/ UK 2003)

Gaunerdramödie, deren Elemente Johansen selten geschickt austariert. Auch kann die Besetzung nicht überzeugen. Einer sieht aus wie Lukas Podolski und spielt auch so. Das fehlen des O-Tons half mir auch nicht weiter. Gefiel mir früher besser. 5/ 10


VRATNE LAHVÉ (LEERGUT) (Jan Sverak, CZ/ UK/ DK 2007)

Sveraks inszeniert seinen Vater als entnervten Lehrer, der seinen Schülern gern mal den Schwamm überm Kopp auswringt (gute Idee finde ich! - nur schwer umsetzbar :D ) und schließlich kündigt, um daheim seiner Gattin auf die Nerven zu gehen. Oder umgekehrt. Bei Job(ver)suche(n) landet er schließlich im Supermarkt bei der Leergutannahme, wo er seinen vorläufigen Frieden findet. Ich mag Sveraks Humor, der zwischen derb und liebenswürdig pendelt. Wie in KOLJA zeigt er seinen Vater als Schürzenjäger. Ob da was dran ist :D Und Prag liegt ihm sicherlich am Herzen. Das sieht man im wahrsten Sinne des Wortes. :love: 8.5/ 10


BIKUR HA-TIZMORET (DIE BAND VON NEBENAN) (Eran Kolirin, ISR/ USA/ FRA 2007)

Liebevoller Kulturclash ergibt sich aus der Begegnung eines Alexandrianischen Polizeiorchesters das fälschlicherweise in einem israelischen Kaff landet mit den Einheimischen. Sprachbarrieren werden in gebrochenem Englisch oder mit Händen und Füßen überwunden und grundsätzlich ist man sich ohenhin einig, wie einige Lebensweisheiten beweisen. 8/ 10


NORD (Rune Denstad Langlo, NOR 2009)

Road Movie durch die weiten norwegischen Schneelandschaften. Der depressive Spritjäger (Sprit ist norwegisch für Schnaps, was ich sehr lustig finde) Jomar trifft dabei so einige skurrile Personen und gerät in selbige Situationen. Dies erzählt Langlo auf die gewohnt skandinavische ruhige Art mit einem ordentlich Schuss Humor. 8.5/ 10


TWIN PEAKS - SEASON 1 (David Lynch u. a., USA 1990)

Zwar blöd, dass ich die Auflösung schon kenne, aber rd. 10 Jahre nach Kauf der Staffelboxen jetzt endlich mal angefangen. Die zahlreichen grotesken Situationen, sowie die durch durchweg überzeichneten Figuren, die auch nur schwarz oder weiß sind und erst durch die Entschlüsselung des Charakters Laura Palmer parallel zu ihr an Grautönen gewinnen machen den Reiz der Serie aus und verleihen ihr das Außergewöhnliche. Lieblingscharakter natürlich Agent Cooper, der sich wie kein anderer über Kaffee und Donuts freut. 8/ 10

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FRI OS FRA DET ONDE (Ole Bornedal, 2009)


Fri os fra det Onde heißt soviel wie "Erlöse uns von dem Bösen", und der Titel ist Programm. Das Böse steckt in jedem von uns und das führt Bonredal uns mit unbarmherziger Konsequenz vor Augen. Die anfangs heimelige Idylle des kleinen Dörfchens im dänischen Jütland erweist sich schnell als trügerisch. Das Geschehen spitzt sich langsam aber unaufhaltsam zu, um schließlich in einem extremen Finale zu kulminieren, das im Übrigen ganz dreist bei Peckinpahs Straw Dogs geklaut ist. Dies stört jedoch nicht im Geringsten, zumal ich Peckinpah im Allgemeinen und Straw Dogs im Besonderen ohnehin nicht viel abgewinnen kann. Die Darsteller sind toll, mir jedoch allesamt unbekannt, wobei ich vom dänischen Kino jenseits von Nicolas Winding Refn ziemlich unbeleckt bin. Dass Bornedal Thriller kann, hat er bereits vor zwanzig Jahren mit seinem Debut Nattevagten eindrucksvoll bewiesen, und so wohnt Fri os fra det Onde eine nägelkauende Spannung inne, die bis zum Ende nicht nachlässt. Dabei meistert er die Herausforderung, die Figuren trotz ihrer extremen Handlungen glaubwürdig erscheinen zu lassen. Unter formalen Aspeckten gibt es ohnehin nichts zu kritisieren. Der starke Einsatz von Farbfiltern und die hervorragende Kamera-Arbeit bringen ausgesprochen schöne Bilder hervor. Auch der Twist am Ende ist gelungen, wenn in einer kurzen Rückblende gezeigt wird, was wirklich passiert ist. Ein rundum gelungener Film und für mich Anlass genug, das (überschaubare) Werk des einst von mir geschätzten und früh aus den Augen verlorenen Ole Bornedal zum Thema einer Wiederentdeckungsreise zu machen. Fri os fra det Onde war ein vielversprechender Auftakt.

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The Riot Club


...ist eine mal wütende, mal bitter zynische Parabel auf die Strukturen, die dafür sorgen, dass die Arschlöcher von heute die Lenker von morgen werden. Nun könnte man krittelig anmerken, dass hier der Holzhammer subtiles Nachforschen ersetzt und in eindreiviertel zu Beginn zu langen Stunden das durchexerziert wird, wofür David Fincher in seinem visuellen Genie nur einen Bus voller Frauen, ein Haus voller Männer, Trent Reznors unerbittliche Technomucke und grob geschätzt dreißig Sekunden gebraucht hat (immer noch der beste Moment in "The Social Network"), aber das wäre nicht nur unfair, sondern würde den Fakt unterschlagen, dass ebendieser Holzhammer vonnöten ist, um Scheiße kompromisslos als das zu benennen was sie ist und zudem gegen Ende dermaßen heftig und zielsicher die Magen- und Nierengegend trifft, dass einem auch eine halbe Stunde danach noch zum Heulen ist. Glänzend gespielt und vom Casting her formidabel besetzt bis in die kleinste Nebenrolle - wer auch immer auf die Idee kam, für einen Wimpernschlag-Kurzauftritt einer Prostituierten die fantastische Natalie Dormer zu besetzen, sie oder er hatte vollkommen recht. Wahrscheinlich das beklemmendste, am hilflosesten stimmende Werk meines Kinojahres 2014.

D.C.L.

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The H-Man (1958)


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The H-Man
(Japan 1958, Ishiro Honda)

Für diese Runde der Magical History Tour muss ich ein wenig schummeln. Wie mir erst zu spät bewusst wurde, handelt es sich bei THE H-MAN eigentlich um eine '58er-Produktion. Der Film wurde allerdings für den Kinostart in Amerika nicht nur synchronisiert (seltsamerweise fühlten sich die Synchronsprecher bemüßigt, mit einem wenig überzeugenden "asiatischen" Akzent zu sprechen. War das damals Usus?) sondern auch um einige Minuten Laufzeit erleichtert. Diese Fassung startete 1959 in Amerika - und somit habe ich eine Ausrede, warum ich diesen Film gewählt habe: Ich beziehe mich nämlich auf diese Fassung! ;)
Ich habe mir auch brav beide Fassungen angesehen (freundlicherweise auf der US-DVD enthalten) und wenn man sich für eine zu entscheiden hat, würde ich aber die japanische vorziehen.

Nun, zum Film selbst habe ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich verzichte mal auf Gemeinplätze zum japanischen Atom-Trauma und weise lieber auf die wunderbare Farbphotographie und die schönen Effekte (über Wände kriechender radioaktiver Schleim) hin. Besonders in den Szenen, die in einem Nachtclub spielen, zeigt sich die farbenfrohe Lichtgestaltung von ihrer schönsten Seite (letztes Bild).

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Yumi Shirakawa :blush:

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SEPTEMBER 2014


Keine neuen Texte, dafür wieder die Monatsliste. Der September war für mich ein wahrlich überragender Monat. Ich habe zwar nur 17 Filme und ein paar TV-Episoden gesehen, aber das “Erlebnis Film“ war so intensiv wie nie zuvor und dürfte im Kopfkino die nächsten Wochen und Monate noch eine erhebliche Rolle spielen. Grund dafür war meine erste Reise nach Hollywood (von der ich gestern zurückgekommen bin) und damit verbundene Besuche in den Studios von Universal, Warner, Paramount, Sony und DreamWorks Animation. Erlebnisse und Eindrücke, die ich wohl nie mehr vergessen werde.

Angeschaut habe ich mir im September folgende Filme:

Top 10:
01. Possession (Deutschland/Frankreich 1981, Andrzej Zulawski)
02. Night Moves (USA 1975, Arthur Penn)
03. Nebraska (USA 2013, Alexander Payne)
04. Her (USA 2013, Spike Jonze)
05. Captain America: The Winter Soldier (USA 2014, Anthony Russo/Joe Russo)
06. Blue Jasmine (USA 2013, Woody Allen)
07. The Nanny (Großbritannien 1965, Seth Holt)
08. Sabotage (USA 2014, David Ayer)
09. Bullet to the Head (Schweiz/USA 2012, Walter Hill)
10. Quelqu'un derrière la porte (Frankreich 1971, Nicolas Gessner)

Auch gut:
11. The Bucket List (USA 2007, Rob Reiner)
12. Escape Plan (USA 2013, Mikael Håfström)

Naja:
13. Parker (USA 2013, Taylor Hackford)
14. Idiocracy (USA 2006, Mike Judge)
15. Resturlaub (Deutschland 2011, Gregor Schnitzler)*
16. Edge of Darkness (Großbritannien/USA 2010, Martin Campbell)

Außer Konkurrenz, da ich den Film auf riesiger Leinwand im Chinese Theatre in Hollywood gesehen habe und die Intensität dieses Erlebnisses eine faire Einordnung innerhalb der sonstigen Filme dieses Monats unmöglich macht:
The Equalizer (USA 2014, Antoine Fuqua)

TV-Serien:
The Big Bang Theory: Season 7 (Episoden 1-9)
Dexter: Season 5 (Episoden 3-12)
Dexter: Season 6 (Episoden 1-2)
How I Met Your Mother: Season (Episoden 17-22)

*=keine Erstsichtung

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Magical History Tour: Love Letter / Rabu Reta (Seijun Suzuki, Japan 1959)


Ein leider recht unbekannter, früher Film von Seijun Suzuki, der zur Abwechslung mal keine ruppige Gangster-Eskapade ist, sondern eine waschechte Romanze. Ein Nachtclubbesitzer ist in seine Pianistin verliebt, diese aber in ihren Boifrendo, welcher als Mountain Ranger in einem Gebirg die ganze Zeit auf Jagd ist (und Tieren das Leben nimmt). Nach getaner Arbeit: Alkohol. Dort hat er sich recht eindeutig von den menschlichen Sozialübereinkünften losgesagt. Als sie ihn überraschend besucht, macht sie dann eine unangeneheme Entdeckung. Er wiederum fällt mir nichts dir nichts ausgerechnet den Baum, in den sie vor Jahren ihr Liebesherz eingeschnitzt haben. Sie weint, er schaut wie versteinert. Wieder in Tokyo kann der Nachtclubmann sie aber trotzdem nicht becircen, auch wenn er eine Schnulze anstimmt. Und so geht es dann weiter. Hübscher Film, für den meines Wissens nur als Kinokopie Untertitel vorliegen. Hier könnte sich also jemand mit ausreichend Japanischkenntnissen noch für eine bessere Gesellschaft einsetzen.

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MHT: Nobi (Fires on the Plain) - ICHIKAWA Kon, J 1959


Die Geschichte eines japanischen Soldaten, der Ende des zweiten Weltkrieges auf einer philippinischen Insel in recht extreme Situationen gerät. Schon bald wird klar, dass sich die japanischen Truppen auf verlorenem Posten befinden. Als aufrichtiger Soldat macht der Protagonist zunächst dessen ungeachtet das, was von ihm erwartet wird, entscheidet sich schließlich aber doch anders. Versprengte Grüppchen der japanischen Soldaten versuchen zwischen den ankommenden amerikanischen Truppen und den "primitiven" Eingeborenen der Insel irgendwie zu überleben, einen Weg nach Hause zu finden. Manchen scheint dabei jedes Mittel bzw. jede Nahrungsquelle recht...

In einem Wechsel von Nahaufnamen im Dschungel, besonders prägend dabei das lethargische Gesicht des Protagonisten, von dem man, auch angesichts seiner Aktionen, nie gewiss ist, wie es um seinen Geisteszustand bestellt ist, und Panoramen, in denen sich die toten Soldaten wie ganz natürlich in die Landschaft fügen, wird hier eine Geschichte präsentiert, welche die eigentliche politische Dimension der Endphase des zweiten Weltkrieges im asiatischen Raum ausblendet und stattdessen eine existentielle Frage aufwirft: Wie weit kann man gehen, um das eigene Überleben zu sichern? Der Protagonist wird diese Frage auf seine Art beantworten: Was beudeutet "Zivilisation" eigentlich?

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BAAL


BAAL Baal (Uwe Janson)


Ein Schrei aus dem Leben-
ein Sattgewordener.

Die Menschen sind still und glotzen nur - niemand ist bei sich.

Baal bricht mit allen und mit sich. Der Mensch - ein erbärmliches Wesen.
Es muss etwas Weißes in diese Höhle. Der Kopf ist verschieden, die Knie sind alle schwach. Es ist der Frühling.“ Du musst mich lieben, dafür hab ich dich geholt.“

Die Zeiten verschieben sich, weich und warm und doch: ranzig und zerbrochen.
Ein Freund wird zur größten Last und zur reichsten Liebe- treibende Flöße, durch violette und schwarze Himmel.
Baal teilte, ließ nun doch jemand in seinen Leib und graste ab, die Zeit.

Nun doch, die Angst allein zu flüstern.

...und wenn Baal der dunkle Schoß hinunter zieht:
Was ist Welt für Baal noch?....
So viele Himmel hat Baal unterm Lid, dass er tot noch grad genug Himmel hat.“





Eine Zeit lang konnt ich nicht ohne diesen...

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Die Erschöpfung


Ich glaube zwar kaum, daß irgend jemand meine Beiträge in der letzten Zeit wirklich vermißt hat, aber möglicherweise ist es ja doch dem einen oder anderen aufgefallen, daß ich mich hier zuletzt ziemlich rar gemacht habe. Das hat verschiedene Gründe, aber der fraglos wichtigste ist ganz einfach der, daß ich in der jüngeren Vergangenheit kaum Filme gesehen habe.
Nun ist ein Zeitabschnitt, während dem man wenige Filme sieht, auch unter Filmfreunden vermutlich nicht so außergewöhnlich (außer vielleicht bei den Enthusiasten, die es auf mehr Filme im Jahr bringen, als dieses Tage hat); doch ich habe mittlerweile den Eindruck, daß es sich in meinem Fall bei diesem Abschnitt nicht nur um eine kurze Episode handelt, sondern um eine neue Phase in meinem Werdegang als Filmliebhaber. Dieser begann einst mit dem schlafenden Interesse, als ich zwar ab und zu mal Filme sah, ohne mich aber für die Kunstform bzw. das Medium näher zu interessieren; dann erwachte (vor etwa zwanzigeinhalb Jahren) dieses Interesse schlagartig, und ich trat in meine klassische Entdeckungsphase ein, in der sich meine filmischen Vorlieben zum großen Teil herausbildeten. Als ich dann bei kino.de aktiv wurde, folgte meine erweiterte Entdeckungsphase, in der ich aufgeschlossener denn je Filme sah, auch solche, um die ich früher einen großen Bogen gemacht hätte, während der sich meine Vorlieben (und Abneigungen) aber trotzdem nur noch in Nuancen, nicht so sehr grundsätzlich änderten.
Inzwischen gibt es für mich aber keinen Zweifel mehr daran, daß ich in eine neue Phase eingetreten bin: es ist die der Erschöpfung.
Natürlich kann ich nicht genau sagen, wann die Erschöpfung begonnen hat, aber es gibt zumindest Anhaltspunkte. Da ich seit recht vielen Jahren alle Filme, die ich sehe, notiere, weiß ich auch, wie viele Filme ich in einem Jahr erstmals gesehen habe. Und da zeigen die Zahlen eine deutliche Tendenz: 2009 sah ich noch 101 Filme zum ersten Mal (dazu kommen natürlich in allen Jahren immer noch die Filme, die ich vorher schon mal gesehen hatte), 2010 waren es immerhin noch 97, 2011 noch 71, 2012 nur noch 52 und im letzten Jahr gerade einmal 28. In diesem Jahr könnten es sogar noch weniger werden.
Es gibt natürlich auch ganz praktische Gründe dafür: meine wichtigste filmische Fundgrube war in all den Jahren das Fernsehen. Doch inzwischen mache ich dort kaum noch Neuentdeckungen, denn entweder laufen Filme, die ich schon kenne, oder solche, die mich nicht besonders interessieren. Außerdem sah ich noch eine wesentlich geringere Anzahl von Filmen im Kino, manchmal aktuelle Filme, aber auch immer wieder ältere in Programmkinos. Allzu viele Kinobesuche konnte ich mir freilich schon früher nicht leisten, und inzwischen muß ich mich noch viel stärker einschränken; auch dies ist ein Grund dafür, daß ich kaum noch ins Kino gehe.
Aber diese praktischen Gründe sind nicht die einzigen dafür, daß ich mittlerweile so wenig Filme sehe. Ich merke an zahlreichen Symptomen, daß auch mein Interesse spürbar nachgelassen hat. Ich bin ungeduldiger geworden; natürlich gab es auch früher Filme, die mir auf die Nerven gingen, aber ich habe trotzdem viele Jahre jeden noch so blöden Film bis zum Ende ertragen. Inzwischen kommt es (wenn auch immer noch sehr selten) vor, daß mein Geduldsfaden reißt und ich vorzeitig abbreche; so habe ich gerade erst vor wenigen Wochen ein fast überall hochgelobtes Werk nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen, weil ich darin nur eine Nummernrevue ohne Sinn und Verstand erkennen konnte. Heutzutage ist es auch so, daß ich mich viel leichter als früher davon abschrecken lasse, mir einen Film überhaupt anzusehen: so ist meine Bereitschaft, überlange Filme zu sehen, deutlich gesunken; um manche Filme mache ich aber auch einen Bogen, weil mich ihr Thema abschreckt (um gleich ein Beispiel zu nennen: ich weiß, daß heute abend mit Hanekes "Liebe" einer der meistgelobten und meistprämierten Filme der letzten Jahre im Fernsehen gezeigt wird, aber ich habe nicht die geringste Lust, mir den anzusehen). Am liebsten sehe ich zur Zeit eigentlich Filme, die ich bereits kenne, und von denen ich weiß, daß ich sie mag; und selbst das mache ich nicht allzu oft. Daß ich infolgedessen auch nur wenig über Filme schreibe und diskutiere, ist die fast logische Konsequenz. Natürlich kann ich mich auch jetzt noch für einzelne Filme begeistern, doch momentan geschieht dies eher sporadisch.
Ich weiß nun freilich nicht, ob diese Phase der Erschöpfung nun das letzte Stadium meines Werdegangs als Filmliebhaber ist oder ob es sich um eine Übergangsphase handelt; vielleicht durchlaufe ich auch eine Phase der Regeneration, auf die eine "Wiedergeburt" meines Filminteresses folgen wird.
Darauf wetten würde ich allerdings nicht.

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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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1 HJ 2014 Sämtliche Filme


Aus dem laufenden Kinoprogramm:

Le Passe' Ashgar Farhadi grandios bis meisterhaft
Das finstere Tal Andreas Prochaska sehenswert
Nymphomaniac I Lars von Trier hochinteressant
Nymphomaniac. II Lars von Trier hochinteressant
The Grand Budapest Hotel Wes Andersson grandios bis meisterhaft
Her Spike Jones mehr als sehenswert
Boyhood Richard Linklater grandios bis meisterhaft

Erstmals bei einem Festival

Il rosso e Il blu Gioseppe Piccione nicht sehenswert



Im österreichischen Filmmuseum

Wiedergesehen:

Rear Window Alfred Hitchcock meisterhaft Hilfsausdruck
Marnie Alfred Hitchcock trotz Mängel mehr als grandios
Otto e mezzo Federico Fellini meisterhaft
Il buono, il brutto, il cattivo Sergio Leone meisterhaft

Erstmals gesehen

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani grandios
Io ho paura Damiano Damiani enttäuschend
Z Costa Gavras sehenswert
Il gattopardo Luchino Visconti meisterhaft
Il deserto rosso Michelangelo Antonioni fordernd aber meisterhaft
Le journal d'une femme de chambre Luis Bunuel grandios bis meisterhaft
Le genou de Claire Eric Rohmer grandios



Bei der langen Nacht der Programmkinos

Wiedergesehen:

Paradies: Liebe Ulrich Seidl mehr als grandios

Erstmals gesehen

Paradies: Glaube Ulrich Seidl sehenswert
Paradies: Hoffnung Ulrich Seidl sehenswert


Volxkino, ein Freiluftkino dort erstmals gesehen

Monsieur Verdoux Charlie Chaplin trotz Staubschicht grandios
Nebraska Alexander Payne sehenswert


Abseits des Kinos

Wiedergesehen

Per qualche dollaro in piu' Sergio Leone mehr als grandios
Anatomy of a Murder Otto Preminger mehr als sehenswert

Erstmals gesehen

Per un pugno di dollari Sergio Leone ein wenig enttäuschend
Jagten Thomas Vinterberg aufwühlend, grandios
Die Wand Julian Pölsler sehenswert
Le deuxieme soufflé Jean-Pierre Melville meisterhaft


Nach dem Vorbild anderer (z.B. Short Cut) habe nun auch ich eine Gesamtliste hier reingestellt.
Sie dient primär mir selbst, damit ich die Übersicht behalte.

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quarterly results 2 / 2014


die besten filme des zweiten quartals. wohlgemerkt nur des zweiten quartals. die des ersten sind im letzten ftb-eintrag

10.
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09.
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08.
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07.
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06.
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05.
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04.
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03.
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02.
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01.
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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

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Geburtenhelfer


Lärmend zu Tode gedacht dem beliebigen Schicksal verschwatzten Suizids erlegen.

"Odd Thomas"

Fußnote:
Jeff & Jenny ergehen sich darin, unablässig, geradezu redundant das Immergleiche in Worthülsen zu kleiden, obschon es zu Anfang noch Worte waren, die sie benutzten, aber letztlich doch nur zur schattenhaften Bemäntelung irgendeines Zwecks sich erniedrigen konnten, angesichts des nicht enden wollenden Rekapitulierens ein und der selben Vorstellung, die, gedreht und gewendet, wahlweise um ein Gramm Wahrheit erleichtert und durch ein trügerisches Kilo beschwerend ergänzt lediglich geringfügig Korrekturen im Satzbau nachträglich notwendig erscheinen ließ.


FRANCES HA
Zwischen Bildern durchgelatschter Sohlen, an den Rändern festgehalten, in einem zitternden Moment, flattern ihre Lippen. Ein wenig unpassend, weil nicht präzise austariert, zertritt sie den Zweifel. Ihr argloses Wesen - entfärbt und aufgesetzt. Das Leben vor ihr....lasziv entblättert sich's, ungeschickt. Hie und da, knotig verbunden, ein brüchiger Huf, fuchtelnder Ärmel zzgl. Arm. Nicht sie bestimmt das Ende, ein Anderer tut es.

BROKEN CIRCLE
Dem Vergessen abhold. Eingraviert in tiefere Schichten der Haut. Wiedergeburten flammen darin auf. Zu spät? Zu keiner Zeit.

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Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)

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MHT: The Hound of the Baskervilles


Magical History Tour - 1939

The Hound of the Baskervilles
[USA 1939 - Regie: Sidney Lanfield - DT: Der Hund von Baskerville]

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THE HOUND OF THE BASKERVILLES war der Startschuss für eine Reihe von Holmes-Verfilmungen, die mit Basil Ruthbone in der Rolle des Meisterdetektivs und mit Nigel Bruce in der Rolle dessen Partners Dr. Watson besetzt wurden. Vordergründig ist das Werk ein Krimi, bleibt aber ohne Anleihen aus dem Horrorfilm nicht aus, was bei der Handlung auch sehr richtig ist, dreht sich diese doch um eine Familiensaga, in der ein großer, blutrünstiger Hund für mehrere Morde an Erben der Baskerville-Familie verantwortlich gemacht wird. Lanfields Film hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Conan Doyle, womit nicht nur die kaum unvermeidbaren Kürzungen gemeint sind, sondern auch gewisse kleine Abänderungen, die in den meisten Fällen aber nur Unwichtigkeiten betreffen. Viele der B-Film-hafteren späteren Werke der vierzehnteiligen Reihe, die vornehmlich von Roy William Neill realisiert wurden, haben mir zwar besser gefallen, als diese etwas glatt geschliffene Fassung, doch Spaß gemacht hat es trotzdem, endlich einmal einen Abstecher per Filmbild nach Dartmoor zu machen, diesem düsteren Fleck, welcher Geheimnisse hortet und von verdächtigen Personen bevölkert wird, die das gesamte kombinatorische Können Sherlock Holmes' herausfordern. Kein unentbehrliches Stück zwar, gerade dann, wenn einem das Buch bereits bekannt ist, doch ebenso wenig schadet es, sich die 1939er Version anzuschauen.

B

A Hervorragend
B Gut
C Für Fans

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Mal wieder Zeit für Filme... Fortsetzung


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Unter einer Fortsetzung stelle ich mir ehrlich gesagt was anderes vor. Warum hat man nicht erzählt, wie es mit der guten Dame aus Teil I weitergeht? Da wären so manche Punkte, die man sehr gut hätte aufgreifen können, Stichworte Jagd nach ihr wegen einem Polizistenmord oder Fortsetzung von Männermorden aus Hass auf das Geschlecht á la "Baise Moi" oder was weiß ich...

Aber das hier ist einfach eine "Neu"-auflage, wo die Geschichte nur nochmal mit einer anderen Frau, anderen Männern, einer neuen Location und mit neuen Tötungsvarianten erzählt wird. Hat für mich null Reiz einer Fortsetzung.


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Einer der besten Filme die ich dieses Jahr gesehen habe. Passt von vorne bis hinten, hat eine starke Dramaturgie und ist erstaunlich spannend, obwohl der Augang für niemanden neu sein dürfte. Die Frau kann einfach gute Filme drehen und einen an den Sessel (oder die Couch) fesseln.
Eine große Sehempfehlung meinerseits an alle die ihn noch nicht gesehen haben.



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