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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch
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3 RING CIRCUS (Joseph Pevney/USA 1954)


"Haha, the clown cries!"

3 Ring Circus (Im Zirkus der drei Manegen) ~ USA 1954
Directed By: Joseph Pevney

Nach ihrer Zeit beim Kommiss sind die Freunde Jerry Hotchkiss (Jerry Lewis) und Pete Nelson (Dean Martin) erstmal pleite. Für Jerry immerhin die Möglichkeit sich seinem größten Traum zu widmen: Der Arbeit beim Zirkus. Pete begleitet ihn und gemeinsam werden die beiden erstmal als Mädchen für alles eingesetzt. Doch der Aufstieg ist nicht fern: Wie erhofft wird Jerry als Clown 'Jerrico' zur Hauptattraktion des Unternehmens, derweil Pete sich zum Manager hocharbeitet. Doch dieser vergisst dabei die Ideale, für die der Zirkus steht: Es rappelt im Karton, bis Pete erkennt, was seine Freundschaft zu Jerry ihm wirklich bedeutet.

Noch so ein bezeichnend repräsentativer Film, der besonders Einsicht spendend illustriert, warum um diese Zeit Martins und Lewis' Kooperation in den letzten Zügen lag (es folgten noch vier gemeinsame Filme bis zum Bruch): Lewis als leichtherziger Komiker, dessen höchstes Gut darin liegt, Kindergesichter zum Lachen zu bringen, spielt als sein alter ego wohl so etwas wie das Idealbild seiner selbst; Martin darf nurmehr einen Song (den jedoch gleich dreimal) zum Besten geben und formuliert wiederum ein (unfreiwilliges?) Autoporträt: Den Womanizer, der sich im Zweifelsfall mehr für die volle Brieftasche interessiert als ein zufriedenes Publikum. Insofern ist "3 Ring Circus", abseits von seinen Schauwerten - den vielen, überschwänglichen Gags, von VistaVision und dem sonstigen schönen Schein -, vor allem eines im gemeinsamen Schaffen von Martin und Lewis: die schonungslose Vivisektion der sich ankündigenden Explosion. Warum das kleine Mädchen mit den Beinschienen am Ende (gespielt wird es von Sandy Descher, die im gleichen Jahr eine unvergessliche Darbietung als traumatisiertes Kind in "Them!" gab) allerdings nur dadurch zum Lachen zu bringen ist, dass der Clown ihretwegen traurig wird und weint (soll dies eine Allegorie auf infantilen Sadismus sein?), nimmt sich, gelinde gesagt, merkwürdig aus, eigentlich eher gruselig als witzig.

7/10

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SOMETIMES A GREAT NOTION (SIE MÖCHTEN GIGANTEN SEIN) (Paul Newman, USA 1971)


Familienunternehmen Stamper, das groß in der Holzproduktion ist, erlebt sukzessive Ablehnung der örtlichen Bewohner, da es sich nicht an einem Streik beteiligen mag. Never give an inch - dieses Familienmotto wird speziell von Patriarch Henry (Henry Fonda) bis aufs Äußerste gelebt. Gestützt wird er dabei von Sohnemännern Richard Jaeckel und Paul Newman. Bald sieht er sich zudem mit der Rückkehr seines Sohnes konfrontiert, der nicht vollends hinter den Familienidealen steht. Die Dinge nehmen ihren Lauf...

Allerdings nicht so, wie es bei diesem Stoff zu erwarten wäre. So kommt es zwar zu dramatischen Ereignissen, die am Ende vielleicht auch zu großes Ausmaß annehmen, doch überrascht der Film speziell durch die Figur des "verlorenen Sohnes", der nicht als dramaturgisches Werkzeug benutzt wird, die Familie(nstrukturen) (auf) zu brechen. Im finalen Akt nimmt er eine bedeutende Rolle ein, die dann auch die Message des Films umkehrt. Getragen von wunderbaren Darstellern berührt SOMETIMES A GREAT NOTION und umschifft Klischees wie Rührseligkeit. In meiner nun schon fast ein Jahr umfassenden Newman-Schau ist dies seine erste Regiearbeit und auch wenn er diese erst im Laufe der Dreharbeiten übernommen hat, fällt sie beeindruckend aus.

Make-or-Break-Scene: Die Holzfallarbeiten - faszinierende Bilder vor schöner Naturkulisse, die Symbolik und Metaphorik schüren.

MVT: Das Darstellerensemble, die die hochdramatischen Szenen gekonnt zu händeln wissen.

Score: 7/ 10

Final Thoughts: Bei Newman bleibe ich am Ball.

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Magical History Tour : Madame De.... (Max Ophüls) F/I 1953


Madame De.....


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Madame De... habe ich sehr lange vor mir hergeschoben. Schon letztes Jahr bekam ich den Film von meinem guten Freund und Bergman Mitstreiter empfohlen. Er passte bislang irgendwie nie rein in ein Filmprogramm, dass ich mehr und mehr auf lose Vernetzungen thematischer, genrehafter und geschichtlicher Natur aufgebaut habe. Vor einigen Monaten sah ich dann Liebelei und begegnete La Ronde erneut. Als es innerhalb der MHT 1953 schlug hatte ich wenig Zeit und wartete auf den Moment indem ich mich diesem Film gewachsen sah.
Nun denn, viel Erklärung für diesen Nachtrag und viel zu wenig Worte, die nun folgen um diesem Meisterwerk auch nur annähernd gerecht zu werden. Zuersteinmal : Ich bin schier erschrocken, wie grandios dieser Film ist. Ins Mark getroffen passt ebenso.

Viel ist über diesen Film geschrieben worden, dessen Vielschichtigkeit auch erst im Laufe der Jahre erkannt wurde. Mich wundert und freut es auch zugleich, dass über den Film bislang noch kein Eintrag hier geschrieben wurde.

Angesiedelt im Frankreich der Belle Epoque wird die Geschichte von Madame De... (Danielle Darieux) erzählt, die ihre Ohrringe verkauft um Schulden zu begleichen. Ihr Mann, ein Oberst, (Charles Boyer) ersteht die Ohrringe zurück und schenkt sie seiner Mätresse. Die verkauft sie beim Glücksspiel und werden vom italienischen Baron und Diplomaten Donati (Vittorio De Sica) gekauft, der sch schon bald in Madame De.. verliebt. Doch Liebe bedeutet hier unumstößlich Tragödie und so nimmt das Drama seinen Lauf.

Soviel in allerster Kürze zum Plot. Selbst wenn man noch nie einen Max Ophüls Film gesehen hat, so weiß man doch ungefähr, dass ein Markenzeichen seiner Filme, die nie stillstehende, entfesselte Kamera war.
Es ist eine Kamera, die so gut wie nie statisch ist. Von Beginn an ist sie in Bewegung, gleitet schwerelos dahin in minutenlangen Plansequenzen und verbindet sogar Raum und Zeit. Eine Kamera, die mit der Walzermelodie des Films eins wird, die Bewegung der Figuren immer wieder aufnimmt und deren Blicke lenkt, dabei ein Tempo entwickelt, dass einem fast schwindelig wird.
Schnitt ist hier bei Ophüls nicht nur einfach ein Schnitt, der eine neue Szene einleitet, sondern immer dramaturgisch begründet. Oft unsichtbar, wie er Räume verbindet und von einer langen Fahrt in die nächste übergeht. Selbst Schuss-Gegenschuss Sequenzen werden immer wieder durch neue Perspektiven aufgebrochen.
Immer wieder begleitet die Kamera Madame De in eleganter Bewegung, wie sie schon in der ersten Szene Schubladen und Schranktüren öffnet, nach einem Gegenstand, den sie versetzen kann, sucht und es ist dieses Objekt, die Ohrringe, die ihr stattlicher Eheman, der General, ihr zur Hochzeit schenkte, welches und das wird im Laufe des Films klar, sie selbst ist.
Madame De..., deren Name nie vollständig genannt wird, ist im Grunde ein Objekt, ein Interieur, die ihr kokettes Verhalten ablegt, sich für die Liebe entscheidet, kein dekoratives Accessoire, wie die Ohrringe sein will, daran Zugrunde geht und am Ende an gebrochenem Herzen stirbt.
Immer wieder filmt die Kamera sie eingerahmt durch Fenster, Türen oder Spiegel, die sie wie in einem Käfig erscheinen lassen. Dabei verläßt der Film allerdings nie seine leichte, schwebende Art, die auch, nebenbei, viel Humor besitzt. Doch ganz langsam, Schritt für Schritt, wie ein Uhrwerk, das zerspringt, bewegt der Film sich auf sein existenzielles Ende zu. Die bittere und tragische Falltiefe ist mit der schwerelosen Inszenierung wie in einem Netz verwoben.

"Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht." flüstert sie Donati mehrmals zur Verabschiedung entgegen. Begehren und Verweigerung. Liebe ist hier Obsession geworden und kein Spiel mehr, bei dem man gewinnen oder verlieren oder jemanden übertrumpfen kann.

Damit klopfe ich auch nur an einer Ebene des Films. Madame De... ist so vielschichtig und reich, dass man hier sich über jede einzelne Szene unterhalten kann. Ob es nun die großartigen Hauptfiguren und deren Darsteller sind, die Bedeutung der Diener und des Zufalls, das Verhältnis von Blicken, Türen, Fenstern, Treppen (immer wieder Treppen, auch Wendeltreppen als spiralförmige Metapher zum sich drehenden Tanz), Gegenstände und Räume, die durch diese fantastische Kamera durschritten werden als ob sie nie enden würden.

Ich bin hin und weg und schreibe soetwas selten aber ich kann nur jedem raten sich diesen Film anzusehen. Unglaublich !

10/10

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Magical History Tour: Inauguration of the Pleasure Dome (Kenneth Anger, 1954)


Bildgewaltige Phantasmagorie nach dem Verzehr von zuviel Edelsteinen. Großes Theater!

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HOMEFRONT (Gary Fleder, 2013)


Schon lange nicht mehr so'nen Mist gesehen... Homefront ist so schlecht, dass mir noch nicht mal etwas einfällt, was ich dazu schreiben könnte. Vielleicht, dass mit Jason Statham, James Franco, Clancy Brown und Winona Ryder eine durchaus namhafte Besetzung vorhanden ist, die sich allesamt zum Affen machen? Dass Sylvester Stallone das Drehbuch geschrieben hat? Dass Gary Fleder in seinem Leben noch keinen guten Film gemacht hat und mit der Inszenierung der Actionsequenzen völlig überfordert ist? Dass Rachelle Lefèvre zwar nur einen kurzen Auftritt hat, dabei aber sehr ansprechend aussieht? Dass mir die junge Izabela Vidovic, die Stathams Filmtochter spielt, leid tat, weil sie in mehreren Szenen so aussah, als hätte sie wirklich Angst?

Angesichts des o.g. Casts und des Drehbuchautors erwartet man natürlich einen harten Actionthriller in der Tradition der 80er Jahre. Die einzige Szene, die dieses Versprechen halbwegs einzulösen vermag, ist die Pre-Credits-Sequenz. Was folgt ist ein abstruser, völlig uninspirierter, sinnlos zusammengestückelter Plot, der vor inhaltlichen Ungereimtheiten nur so strotzt und zudem noch völlig ironiefrei mit feierlichem Ernst vorgetragen wird. Die größte Enttäuschung ist dann der finale Showdown, den man im Grunde genommen noch nicht mal als solchen bezeichnen kann, weil er vorbei ist, bevor er richtig angefangen hat. Zudem treten spätestens hier Fleders inszenatorische Schwächen deutlich zu Tage, die dafür sorgen, dass man selbst in dieser kurzen Sequenz völlig den Überblick verliert. Das Einzige, was eine positive Erwähnung verdient hat, ist der dynamische Score von Mark Isham, mit dem die Bilder aber zu keiner Zeit Schritt halten können.

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Jail Bait (1954)


Jail Bait
(USA 1954, Edward D. Wood Jr.)

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"That gun is jail bait!"

Don, der eigentlich gute, aber irgendwie auf die schiefe Bahn geratene Sohn eines weltberühmten Schönheitschirurgen (warum der Vater ausgerechnet ein weltberühmter Schönheitschirurg ist hat mich anfangs etwas verwirrt, wird aber für die Geschichte wichtig), ist fasziniert von der Waffe. Gun Crazy!

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Ich liebe wie Tedi Thurman die Knarre hält (die zwei nächsten Bilder). Es ist für mich ein tolles Bild dafür, dass die Figuren (und der Film insgesamt) den harten, zynischen Habitus des Film noir kennen, aber dann doch nicht ganz so tough sind. So wie Don, das verwöhnte Doktorensöhnchen, der gerne Gangster wäre, aber einfach zu soft ist. Sie spielen Film noir. Soft boiled.

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Wood und Kameramann William Thompson zeigen ein gutes Auge und Humor bei der Wahl des Bildausschnitts.
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Eine mysteriöse Tür - wohin führt sie? Vielleicht zu einem anderen Film? Inland Empire?
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Mysteriös ist auch die Musik, die den Film auf fast die gesamte Laufzeit bedrohlich und bizarr begleitet, ganz unabhängig davon, was im Bild geschieht. Aber die muss man hören, um sie zu glauben (siehe bekannte Videoplattform).

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JUNI 2014 oder 30 DAYS OF ACTION, HORROR, FILTH & MAYHEM


Da ich ja nur noch zu vereinzelten Filmen hier was schreibe, hab ich mir gedacht, ich poste auch mal meine Monatsliste und kopier die aus der "TOP-10-MOVING-PICTURES-OF-THE-MONTHS-LISTS"-Gruppe aus Facebook einfach mal hier rein. Ich hab keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, in diesem Monat zwischen Fußball-WM und ein paar TV-Episoden tatsächlich noch 50 Filme anzuschauen. Here we go:

Top 10:
01. Predator (USA 1987, John McTiernan)*
02. The Curse of the Cat People (USA 1944, Gunther von Fritsch/Robert Wise)
03. Terminator 3: Rise of the Machines (Deutschland/Großbritannien/USA 2003, Jonathan Mostow)*
04. Tenebre (Italien 1982, Dario Argento)
05. La banda del gobbo (Italien 1978, Umberto Lenzi)
06. Cat People (USA 1942, Jacques Tourneur)
07. Predator 2 (USA 1990, Stephen Hopkins)*
08. 殘缺 (Can que AKA Crippled Avengers) (Hongkong 1978, Chang Cheh)
09. Roma a mano armata (Italien 1976, Umberto Lenzi)
10. Xaver (Deutschland 1986, Werner Possardt)*


Durch die Bank richtig geile Follow-Ups:
11. Supervixens (USA 1975, Russ Meyer)
12. Reazione a catena (Italien 1971, Mario Bava)
13. Cani arrabbiati (Italien 1974, Mario Bava)
14. La vittima designata (Italien 1971, Maurizio Lucidi)
15. 五毒 (Wu du AKA The Five Venoms) (Hongkong 1978, Chang Cheh)
16. Il giorno del Cobra (Italien 1980, Enzo G. Castellari)
17. ギャング対ギャング (Gang tai Gang AKA Die Killer von Tokio) (Japan 1962, Teruo Ishii)
18. Alien: Resurrection (USA 1997, Jean-Pierre Jeunet)*
19. The Leopard Man (USA 1943, Jacques Tourneur)
20. The Soldier (USA 1982, James Glickenhaus)
21. An Eye for an Eye (USA 1981, Steve Carver)
22. Revenge of the Ninja (USA 1983, Sam Firstenberg)*
23. Città violenta (Frankreich/Italien 1970, Sergio Sollima)
24. Joysticks (USA 1983, Greydon Clark)
25. La rose de fer (Frankreich 1973, Jean Rollin)
26. The Big Doll House (Philippinen/USA 1971, Jack Hill)
27. The Big Bird Cage (Philippinen/USA 1972, Jack Hill)
28. Spasmo (Italien 1974, Umberto Lenzi)
29. Women in Cages (Philippinen/USA 1971, Gerardo de Leon)
30. Alien³ (USA 1992, David Fincher)*
31. Spawn of the Slithis (USA 1978, Stephen Traxler)
32. Another Day, Another Man (USA 1966, Doris Wishman)
33. Cannibal Holocaust (Italien 1980, Ruggero Deodato)
34. Alice in Wonderland: An X-Rated Musical Fantasy (USA 1976, Bud Townsend)
35. Une corde, un Colt… (Frankreich/Italien/Spanien 1969, Robert Hossein)
36. The Monolith Monsters (USA 1957, John Sherwood)


Weitere, größtenteils ausgesprochen unterhaltsame Follow-Ups:
37. AVP: Alien vs. Predator (Deutschland/Großbritannien/Kanada/Tschechien/USA 2004, Paul W.S. Anderson)*
38. Warm Bodies (Kanada/USA 2013, Jonathan Levine)
39. Enter the Ninja (USA 1981, Menahem Golan)*
40. La via della prostituzione (Italien 1978, Joe D’Amato)
41. Krankenschwestern-Report (Deutschland 1972, Walter Boos)
42. Stryker’s War (USA 1985, Josh Becker)
43. Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (Deutschland 1963, Paul May)
44. Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (Deutschland/Frankreich/Italien 1964, Hugo Fregonese)
45. Bad Girls Go to Hell (USA 1965, Doris Wishman)
46. The Ghost Ship (USA 1943, Mark Robson)
47. Otto - Der Film (Deutschland 1985, Xaver Schwarzenberger/Otto Waalkes)
48. Punk Vacation (USA 1990, Stanley Lewis)
49. Macho Man (Deutschland 1985, Alexander Titus Benda)
50. AVPR: Aliens vs Predator - Requiem (USA 2007, Colin Strause/Greg Strause)


TV-Serien:
The Big Bang Theory: Season 6 (Episoden 7-24)
Dexter: Season 2 (Episoden 7-12)
Dexter: Season 3 (Episoden 1-4)


* = keine Erstsichtung

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1 HJ 2014 Sämtliche Filme


Aus dem laufenden Kinoprogramm:

Le Passe' Ashgar Farhadi grandios bis meisterhaft
Das finstere Tal Andreas Prochaska sehenswert
Nymphomaniac I Lars von Trier hochinteressant
Nymphomaniac. II Lars von Trier hochinteressant
The Grand Budapest Hotel Wes Andersson grandios bis meisterhaft
Her Spike Jones mehr als sehenswert
Boyhood Richard Linklater grandios bis meisterhaft

Erstmals bei einem Festival

Il rosso e Il blu Gioseppe Piccione nicht sehenswert



Im österreichischen Filmmuseum

Wiedergesehen:

Rear Window Alfred Hitchcock meisterhaft Hilfsausdruck
Marnie Alfred Hitchcock trotz Mängel mehr als grandios
Otto e mezzo Federico Fellini meisterhaft
Il buono, il brutto, il cattivo Sergio Leone meisterhaft

Erstmals gesehen

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani grandios
Io ho paura Damiano Damiani enttäuschend
Z Costa Gavras sehenswert
Il gattopardo Luchino Visconti meisterhaft
Il deserto rosso Michelangelo Antonioni fordernd aber meisterhaft
Le journal d'une femme de chambre Luis Bunuel grandios bis meisterhaft
Le genou de Claire Eric Rohmer grandios



Bei der langen Nacht der Programmkinos

Wiedergesehen:

Paradies: Liebe Ulrich Seidl mehr als grandios

Erstmals gesehen

Paradies: Glaube Ulrich Seidl sehenswert
Paradies: Hoffnung Ulrich Seidl sehenswert


Volxkino, ein Freiluftkino dort erstmals gesehen

Monsieur Verdoux Charlie Chaplin trotz Staubschicht grandios
Nebraska Alexander Payne sehenswert


Abseits des Kinos

Wiedergesehen

Per qualche dollaro in piu' Sergio Leone mehr als grandios
Anatomy of a Murder Otto Preminger mehr als sehenswert

Erstmals gesehen

Per un pugno di dollari Sergio Leone ein wenig enttäuschend
Jagten Thomas Vinterberg aufwühlend, grandios
Die Wand Julian Pölsler sehenswert
Le deuxieme soufflé Jean-Pierre Melville meisterhaft


Nach dem Vorbild anderer (z.B. Short Cut) habe nun auch ich eine Gesamtliste hier reingestellt.
Sie dient primär mir selbst, damit ich die Übersicht behalte.

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quarterly results 2 / 2014


die besten filme des zweiten quartals. wohlgemerkt nur des zweiten quartals. die des ersten sind im letzten ftb-eintrag

10.
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09.
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08.
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07.
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06.
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02.
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01.
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Magical History Tour: Neighbours - Norman MCLAREN, CAN 1952


Zwei Nachbarn: zwei Häuser, zwei Gärten, zwei Liegestühle, zwei Zeitungen, zwei Tabakspfeifen.

Ein mal Feuer, bitte, danke.

Idylle.

Ein Ereignis: Eine B L U M E.

Wunderschön anzuschauen, herrlich duftend, erhebend...

Problem: So schön, dass teilen unmöglich erscheint. Besitzstreben, Konflikt, jäher Umsturz. Alles Schöne geht verloren, kehrt aber am Ende unvermittelt wieder.

Die Moral von der Geschichte: eigentlich wäre alles so einfach. Aber...

Der ewig gleiche Menschheitskonflikt, komprimiert in ein abstraktes Trickstück. Gleichzeitig ein großer Spaß, Katharsis und ernüchternde Bestandsaufnahme der conditio humana.

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BLAU IST EINE WARME FARBE


BLAU IST EINE WARME FARBE Blau ist eine warme Farbe

Ein Streifzug ehrlicher Kleinäuglerinnen
nah und schmerzlich,
dicht und ehrlich.

Ein Lebenswink zweier Liebender-
der Entdeckergeist schlägt um sich,
umschlingt sie.
Klebrig schmiert sich die Zeit in hauchende Sehnsucht-
sucht immer nur nach der EINEN.

Eine liebt mehr.
Eine packt Erfahrungen zu all jenen, die bereits gelebt.

Ausgezerrt steht ein bitterlich zerbrechliches Wesen
am Anfang oder am Ende eine Straße-

nimmt hin und ist gezeichnet.

Der Moment siegt und schmerzt.
Die Erinnerung noch mehr.

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Godzilla...


macht genau eine Sache sehr gut: das Monster ist so realistisch, wie es obligatorische CGI-Echsen seit "Jurassic Park" sein können, trotzdem verliert es nicht den "Mann im Kostüm"-Charme, der das Originalviech so liebenswert machte. Der Rest ist eine Frechheit, angefangen bei den Dialogen, die immer, wenn es um Liebe geht, von George "Anakin-Padme-Fremdschamszenen" Lucas und bei allem anderen von einem Setzbaukasten geschrieben worden zu sein scheinen, über die Tatsache, dass alle heillos unterforderten charismatischen Darstellerinnen und Darsteller minus Ken Watanabe sehr bald weg vom Fenster sind, während der Rest dem uncharismatischen Rest gehört, der wiederum vom verheerenden Drehbuchkehricht antiunterstützt wird, endend bei den Actionsequenzen, die zigmal groß vorbereitet werden und dann unter Ausschluss des Zuschauers stattfinden, weil, mal ehrlich: wer will schon prähistorische Riesendinos sehen, die sich gegenseitig zu Pampe kloppen, wenn man doch dem viel spannenderen Plot des Hauptdarstellers folgen kann, der in einer japanischen U-Bahn sitzt und U-Bahn fährt (ja, genau DAS passiert im Film!). Selbst der fesche, gefühlt fünfminütige finale Showdown wird immer wieder gestört vom Bombenentschärfungstrupp, der eine MacGuffin-Atombombe entschärfen muss, die ohne ihn gar nicht da wäre. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber: da war der Emmerich unterhaltsamer.

D.C.L.

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The Search


The Search (Die Gezeichneten)
Schweiz/USA 1948, Regie: Fred Zinnemann

Auf einem Bahnhof in der amerikanisch besetzten Zone trifft ein Güterzug voller Kinder ein. Diese wurden während des Nazi-Regimes und des Krieges von ihren Eltern getrennt, stammen aus Russland, Polen, Ungarn oder Frankreich und trauen auch den neuen Uniformen nicht. Manche weigern sich zu sprechen, wie ein kleiner blonder Junge mit Auschwitz-Tätowierung, der immer nur "Ich weiß nicht" stammelt. Seine Mutter hat jedoch das KZ überlebt und sucht zu Fuß in ganz Deutschland nach ihrem Kind...

Laut einigen Zusammenfassungen soll der Film in Berlin spielen, aber das wird weder im Film selbst erwähnt, noch gibt es andere Hinweise darauf, die Locations lagen wohl alle in zerbombten bayrischen Städten - und bereits die Verwendung dieser authentischen Hintergründe macht diesen Film schon zum wertvollen historischen Dokument, welches noch dadurch veredelt wird, daß Zinnemann und sein DOP Emil Berna genau wußten, wie sie ihre verlorenen Protagonisten in dieser Ruinenlandschaft optimal positionieren. Sicher, es ist alles etwas süßlich auf eine rührende Mutter-Kind-Geschichte ausgerichtet, und mittlerweile wurden die Greuel der Konzentrationslager in anderen Filmen konsequenter dargestellt, aber gegen die humanistische Botschaft des Films kann man nichts haben und ich brauchte auch mehrere Taschentücher. Ein wundervoller Film mit fantastischen Bildern, der mich noch mal darin bestärkt hat, auch Das Siebte Kreuz noch einmal anzuschauen, den ich zuletzt als Kind mit den Eltern im Fernsehen gesehen hatte und mich stark beeindrucken konnte. Von The Search läuft gerade das Remake von Michel "The Artist" Hazanavicius in Cannes, der die Geschichte in den Tschetschenien-Konflikt verlegt. Von dem sind in Zukunft wohl keine lustigen OSS 117-Filme mehr zu erwarten.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

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Mein Berlinale-Bericht 2014


Aus verschiedenen Gründen habe ich dieses Jahr so wenig Filme bei der Berlinale gesehen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr, nämlich gerade einmal fünf. Das scheint sehr wenig zu sein - und trotzdem war dies für mich persönlich eines meiner besten Festivals, weil ich kaum einmal bei meiner Auswahl eine so glückliche Hand hatte wie in diesem Jahr: alle fünf Filme fand ich mindestens sehenswert, während ich in vergangenen Jahren doch so manche Nieten gezogen habe. Nach dieser kleinen Vorrede will ich dann auch gleich auf die einzelnen Filme kurz eingehen:

Mein erster Berlinale-Film war dann gleich ein echter Hammer:

Nymphomaniac Volume I [Wettbewerb (außer Konkurrenz)]
Eine Nymphomanin legt vor einem schöngeistigen, intellektuellen (aber trotzdem etwas naiven) Mann, der nicht so recht glauben will, daß es schlechte Menschen gibt, eine Lebensbeichte ab. Der erste Teil von Lars von Triers neuestem Werk erweist sich trotz seiner z.T. sehr deutlichen Sexszenen keineswegs als Pornostreifen, sondern als hochkomplexe und ausgesprochen unterhaltsame Mischung aus philosophischer Abhandlung in Filmform, tiefschwarzer Komödie und intensivem Drama über Lust, Schuld und Tod, wobei solche Themen wie Angeltechniken, die Fibonacci-Zahlen, die Polyphonie bei Palestrina und Bach und die Frage, was es über den Charakter eines Menschen aussagt, ob er beim Schneiden seiner Fingernägel mit der linken oder der rechten Hand beginnt, aussagt, gestreift werden. Der Film ist in einzelne Kapitel unterteilt (Tarantino hat das ja auch schon einige Male so gemacht), die sich in der Wahl der Stilmittel und ihrer Grundstimmung teilweise stark voneinander unterscheiden - "Volume I" enthält die ersten fünf Kapitel. Einen besonders starken Eindruck hinterlassen zum einen das dritte Kapitel "Mrs. H" und das folgende "Delirium". Das dritte Kapitel ist einerseits (auf äußerst fiese Weise) enorm komisch, aber auch von einer ungeheuren (seelischen) Grausamkeit; Uma Thurman läuft hier zu unvergeßlicher Hochform auf und zeigt, obwohl ihre Rolle (mit Blick auf den ganzen Film) nur klein ist, die vielleicht eindrucksvollste Leistung ihrer Laufbahn. Im "Delirium"-Kapitel wiederum mutet von Trier dem Zuschauer dafür die womöglich quälendsten Sterbeszenen seit Bergman Schreie und Flüstern zu. Fraglos steckt der Film auch voller kulturgeschichtlicher Bezüge, die ich sicher gar nicht alle entdeckt habe; am Ende dieses ersten Teils hatte ich schließlich das Gefühl, mein Gehirn wäre gerade geschreddert worden. Lars von Trier ist und bleibt der interessante, herausforderndste und vermutlich auch beste Regisseur der Gegenwart.

Weiter ging es mit:

The Better Angels [Panorama]
Über Abraham Lincolns Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt, und wenn sein langjähriger Kanzleipartner William Herndon nicht unmittelbar nach Lincolns Ermordung zahlreiche Zeitzeugen (es waren wohl 250) befragt hätte, wüßte man so gut wie gar nichts. A.J. Edwards Regiedebüt schildert jene wenig erforschten Jahre in Lincolns Leben, in denen seine Mutter starb und seine Stiefmutter ihm nach der erneuten Heirat seines Vaters zu einer wichtigen Stütze wurde.
A.J. Edwards hat zuvor als Cutter für Terence Malick gearbeitet, der The Better Angels auch mitproduziert hat. Der visuelle Stil des poetischen Films erinnert dann auch deutlich an Malick (wenn man davon absieht, daß dieser nie in Schwarzweiß gearbeitet hat), wie übrigens auch die Musikauswahl (unter anderem Wagner, Bruckner und Dvorak). Der Film hält sich recht genau an die historischen Begebenheiten, insofern sie bekannt sind, so wird insbesondere Lincolns schwieriges Verhältnis zu seinem Vater (Historiker haben keine einzige positive Äußerung Lincolns über seinen Vater finden können) deutlich.
Leider muß ich an dieser Stelle einräumen, von dem Englisch, das in diesem Film gesprochen wird, kaum ein Sterbenswörtchen verstanden zu haben (allerdings half die erst etwa zehn Monate zurückliegende Lektüre einer Lincoln-Biographie mir sehr dabei, mich zurechtzufinden), weshalb ich so manches Detail nicht richtig mitbekommen habe. Alles in allem ist dies aber, auch wenn der Film sich zum Ende hin etwas schwer tut, den richtigen Abschluß zu finden und sicherlich noch ein gutes Stück von der Qualität der Malick-Meisterwerke entfernt ist, ein sehr beachtliches Erstlingswerk; auch Terrence Malick kann durchaus zufrieden sein.

Es folgte ein Ausflug in die Stummfilmzeit:

Faust - Eine deutsche Volkssage [Retrospektive]
Murnaus Version des Fauststoffes beruht nicht allein auf Goethes Faust, sondern greift auch Motive der urspünglichen Sage und der Gestaltung Christopher Marlowes auf (wodurch der Film inhaltlich etwas uneinheitlich wirkt). Besonders die erste Hälfte des Films hat mit dem Goethe-Drama nicht viel zu tun, hier versucht Faust vielmehr, ein Mittel gegen die Pest zu finden, und beschwört dann schließlich den Teufel. Der zweite Teil des Films, der die Gretchen-Tragödie schildert, folgt dagegen ungefähr dem Goethe-Drama (wobei Gretchens Leidensweg sogar deutlich ausführlicher als im Drama gezeigt wird); die Schlußszene unterscheidet sich allerdings beträchtlich, und ich muß sogar gestehen, daß ich sie ziemlich kitschig fand.
Inhaltlich kann der Film also mit einem so vielschichtigen und gedankenreichen Werk wie Goethes opus magnum sicherlich nicht mithalten; die eigentlichen Qualitäten des Films liegen aber ohnehin im formalen Bereich. Zu Recht wird Fausts Flug mit Mephisto über die Welt immer wieder erwähnt, wenn von diesem Film gesprochen wird; aber auch die Ausstattung ist erwähnenswert, und weiterhin gelingen Murnau diverse großartige Bilder: wenn sich etwa Mephisto mit seinem dunklen Mantel über die ganze Stadt beugt, und auch die apokalyptischen Ritter zu Beginn haben ihren Reiz. Insgesamt also ein bemerkenswerter Film, aber nicht so gut wie "Der letzte Mann".
Was die Aufführung des Films betrifft, ist besonders die Musikbegleitung hervorzuheben: für diese sorgte nicht nur ein Pianist, sondern an manchen Stellen kam auch noch eine Geige hinzu, was sehr stimmungs- und wirkungsvoll war; andererseits ließen die Musiker in einigen Momenten ihre Instrumente auch ganz verstummen. Der lang anhaltende Applaus nach der Vorführung galt daher sicherlich nicht allein dem Film, sondern zu Recht auch den beiden Musikern.

Schwer beeindruckt war ich von meiner ersten Begegnung mit Ken Loach:

Kes [Hommage Ken Loach]
Der 14jährige Billy wächst in einem tristen englischen Arbeiterviertel auf und leidet unter den Verhältnissen in seiner Familie ebenso wie unter denen in der Schule. Die Aufzucht eines jungen Falken wird zu seinem einzigen Trost und eigentlichem Lebensinhalt.
Der Film weist geradezu dokumentarische Qualitäten auf und ist einerseits eine überzeugende Milieustudie, andererseits aber auch ein sehr eindringliches individuelles Drama. Dabei gelingen Ken Loach eine ganze Reihe höchst intensiver Szenen, in denen auch ein überaus kritischer Blick auf die britische Gesellschaft uns insbesondere das Schulsystem geworfen wird (und mit dem widerwärtigen Sportlehrer ist meine persönliche Liste besonders hassenswerter Filmfiguren wieder etwas länger geworden...). Ein überaus kraftvoller Film (auch wegen der Schauspieler), dessen Wucht ich vorher so nicht erwartet hatte.

Der würdige Abschluß war dann:

Boyhood [Wettbewerb]
Zu Beginn des Films blickt ein kleiner Junge namens Mason etwas verträumt in den Himmel; am Ende ist Mason 18 Jahre alt und beginnt sein Studium am College - wird aber immer noch von demselben Darsteller verkörpert. Allein schon dadurch, daß der Film über 12 Jahre hinweg gedreht wurde, ist Boyhood etwas ganz besonderes, und das, obwohl (oder gerade weil?) er nichts allzu ungewöhnliches erzählt, denn es wird im Verlauf der letzten Jahre viele Jungen gegeben haben, die eine ähnliche Kindheit und Jugend wie Mason erlebt haben - mit allen Höhen und Tiefen, inklusive vieler Umzüge, Trennung der Eltern und neuer Beziehungen und Eheschließungen, auf die diese sich einlassen, die dann aber auch wieder in die Brüche gehen. So ist Boyhood einerseits ein sehr lebensnahes Jugend- bzw. Familiendrama, wird aber darüber hinaus auch zu einem hochinteressanten Zeitdokument. Wenn die Masons dieser Welt später einmal selbst einmal Kinder haben werden, die dann wissen wollen, wie es in der Jugendzeit ihrer Eltern zuging, werden sie diesen Boyhood zeigen können. Ein ausgezeichneter und wunderbar gespielter Film.


Ansonsten kann ich zu dieser Berlinale noch anmerken, daß...

...ich meinen Freund Travis diesmal vermißt habe und auch meine Begegnung mit Gerngucker leider zu kurz war.

...man sich mit Short Cut wunderbar über diverse Regisseure, ganz besonders Ingmar Bergman, unterhalten kann.

...ich die Mozarttorte mit Rum im Museumscafe neben dem Zeughauskino durchaus empfehlen kann.

...ich die Folterstühle im Friedrichstadtpalast noch immer als Zumutung betrachte.

...das Wetter diesmal so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr war - ich hätte nicht gedacht, noch mal eine Berlinale ohne Dauerregen oder Glatteis zu erleben.

Und das war er dann, mein persönlicher Kurzbericht von der Berlinale 2014!

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Geburtenhelfer


Lärmend zu Tode gedacht dem beliebigen Schicksal verschwatzten Suizids erlegen.

"Odd Thomas"

Fußnote:
Jeff & Jenny ergehen sich darin, unablässig, geradezu redundant das Immergleiche in Worthülsen zu kleiden, obschon es zu Anfang noch Worte waren, die sie benutzten, aber letztlich doch nur zur schattenhaften Bemäntelung irgendeines Zwecks sich erniedrigen konnten, angesichts des nicht enden wollenden Rekapitulierens ein und der selben Vorstellung, die, gedreht und gewendet, wahlweise um ein Gramm Wahrheit erleichtert und durch ein trügerisches Kilo beschwerend ergänzt lediglich geringfügig Korrekturen im Satzbau nachträglich notwendig erscheinen ließ.


FRANCES HA
Zwischen Bildern durchgelatschter Sohlen, an den Rändern festgehalten, in einem zitternden Moment, flattern ihre Lippen. Ein wenig unpassend, weil nicht präzise austariert, zertritt sie den Zweifel. Ihr argloses Wesen - entfärbt und aufgesetzt. Das Leben vor ihr....lasziv entblättert sich's, ungeschickt. Hie und da, knotig verbunden, ein brüchiger Huf, fuchtelnder Ärmel zzgl. Arm. Nicht sie bestimmt das Ende, ein Anderer tut es.

BROKEN CIRCLE
Dem Vergessen abhold. Eingraviert in tiefere Schichten der Haut. Wiedergeburten flammen darin auf. Zu spät? Zu keiner Zeit.

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Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)

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MHT: The Hound of the Baskervilles


Magical History Tour - 1939

The Hound of the Baskervilles
[USA 1939 - Regie: Sidney Lanfield - DT: Der Hund von Baskerville]

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THE HOUND OF THE BASKERVILLES war der Startschuss für eine Reihe von Holmes-Verfilmungen, die mit Basil Ruthbone in der Rolle des Meisterdetektivs und mit Nigel Bruce in der Rolle dessen Partners Dr. Watson besetzt wurden. Vordergründig ist das Werk ein Krimi, bleibt aber ohne Anleihen aus dem Horrorfilm nicht aus, was bei der Handlung auch sehr richtig ist, dreht sich diese doch um eine Familiensaga, in der ein großer, blutrünstiger Hund für mehrere Morde an Erben der Baskerville-Familie verantwortlich gemacht wird. Lanfields Film hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Conan Doyle, womit nicht nur die kaum unvermeidbaren Kürzungen gemeint sind, sondern auch gewisse kleine Abänderungen, die in den meisten Fällen aber nur Unwichtigkeiten betreffen. Viele der B-Film-hafteren späteren Werke der vierzehnteiligen Reihe, die vornehmlich von Roy William Neill realisiert wurden, haben mir zwar besser gefallen, als diese etwas glatt geschliffene Fassung, doch Spaß gemacht hat es trotzdem, endlich einmal einen Abstecher per Filmbild nach Dartmoor zu machen, diesem düsteren Fleck, welcher Geheimnisse hortet und von verdächtigen Personen bevölkert wird, die das gesamte kombinatorische Können Sherlock Holmes' herausfordern. Kein unentbehrliches Stück zwar, gerade dann, wenn einem das Buch bereits bekannt ist, doch ebenso wenig schadet es, sich die 1939er Version anzuschauen.

B

A Hervorragend
B Gut
C Für Fans

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Mal wieder Zeit für Filme... Fortsetzung


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Unter einer Fortsetzung stelle ich mir ehrlich gesagt was anderes vor. Warum hat man nicht erzählt, wie es mit der guten Dame aus Teil I weitergeht? Da wären so manche Punkte, die man sehr gut hätte aufgreifen können, Stichworte Jagd nach ihr wegen einem Polizistenmord oder Fortsetzung von Männermorden aus Hass auf das Geschlecht á la "Baise Moi" oder was weiß ich...

Aber das hier ist einfach eine "Neu"-auflage, wo die Geschichte nur nochmal mit einer anderen Frau, anderen Männern, einer neuen Location und mit neuen Tötungsvarianten erzählt wird. Hat für mich null Reiz einer Fortsetzung.


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Einer der besten Filme die ich dieses Jahr gesehen habe. Passt von vorne bis hinten, hat eine starke Dramaturgie und ist erstaunlich spannend, obwohl der Augang für niemanden neu sein dürfte. Die Frau kann einfach gute Filme drehen und einen an den Sessel (oder die Couch) fesseln.
Eine große Sehempfehlung meinerseits an alle die ihn noch nicht gesehen haben.



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