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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

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und so


Lanzarote 1

10 Uhr Abends, Oktober 2014. Wir liegen draußen am Strand an der Playa Dorada auf Liegestühlen, in denen sich tagsüber Neckermänner aalen (falls dieses Bild heutzutage noch irgend einem etwas sagt). Der Ralph und ich. Warten auf Nachschub. Bier. Nicht in irgendwelchen Liegestühlen, sondern denen aus Bast oder so geflochtenen Liegen, die nicht klamm werden, wenn am Meer mal die Nacht anbricht, sondern die trocken bleiben und trotzdem Widerstand bieten für deinen Körper, damit er nicht wegglitscht, wenn du gerade aus dem Meer steigst, noch feucht von dem wütenden Gott der Tiefe.

Eine milde Brise weht durch die Palmen, und zwölf Liegen weiter besteigt ein hundertprozentig minderjähriger Neger eine breithüftige, zirka vierzigjährige weiße Frau. Auf einem Liegestuhl am vermeintlich verlassenen Strand.

Später sitzen wir bei 21 Grad Nachttemperatur einander gegenüber im Schneidersitz auf der Hafenmauer an der Promenade von Playa Blanca mit San-Miguel-Dosen in der Hand, lieben das Leben und die Liebe, vor uns chinesische und britische Kneipen voller Budenzauber, Musik, Geschrei und angenehmen Gerüchen. Elf Uhr abends. Ich im grauen Kapuzenpulli, darunter Bayerntrikot, Van Bommel, noch gut erkennbar. Combat-Militärhose im Irakdesign, knapp über die Knie. Dazu ein Messer, für den Fall der Fälle. Ich bin ja Angler.

Draußen, in den fußhohen Wellen, treiben Hornhechte ihr Unwesen. Wenn man lange genug wartet, fängt man hier einen Barracuda, dort einen Rochen, direkt bei den Restaurants. Heute fehlt uns die Geduld. Oder wir haben keinen Bock.

Along come the British. Über die Promenade, der erste, eine miniberockter Schalampe fest im Griff, monströs, und wüst tätowiert, mit zirka einsachtzig noch erträglich, mustert uns wütend, geht aber weiter. Doch, oh weh: Dahinter der Typ locker zwei Meter hoch, in der Schulter so breit wie ein Kleinwagen, zugemalte Oberarme wie ich Oberschenkel (und ich bin kein Zwerg), mit einem komplett von allen Seiten eingeschlagenen, geschorenen Haupt, das sich wie eine Pyramide aus seinen halslosen Schultern erhebt. Ich frage mich, während ich ihn fasziniert anstarre, während er vorüber geht, wie und wo man einen Kerl wie diesen überhaupt verletzten kann.

Erst in diesem Moment wird mir bewußt, daß er mich die ganze Zeit über scharf zurück fixiert. Mit in seinem Spitzkopf kaum erkennbaren, böse blinzelnden Augen. Ich spüre die Bedrohung, bleibe zwar im Schneidersitz, aber wende mich den Briten zu und lasse sie keinen Moment mehr aus den Augenwinkeln. Der Mutant bleibt nun stehen und starrt mich unverwandt an. Ich ziehe das Messer aus meiner Hose. Nicht zu auffällig. Nur so weit, daß er es sieht. Nach dem Motto: Hey, der hat ja ein Messer. (Das ist ja auch nicht irgendein Messer. Sondern eines, das die Klinge nach außen & unten führt und oben als Totschläger fungiert, mit einer Stahlkugel am Kopf. )

Das ganze Scheiß-Restaurant beobachtet das Manöver. Der monströse Engländer bleibt stehen und grunzt etwas Unverständliches. Ralph steht von der Mauer auf und wendet sich wort- und gestenfrei den Briten zu, mit neutraler Miene, beide Hände in der Hose, einen guten halben Meter hinter mir. Ralph hat mexikanische Knasterfahrung, auf den ist Verlass. Jetzt stehe ich auch auf und ziehe das Messer komplett aus der Scheide, so daß Millwall es sehen kann. Dann führe ich die Hand mit dem offenen Messer hinter meinen Rücken, verbeuge mich halb, und lächele sie freundlich an.

Die Engländer teufeln auf uns ein, gehen einen Schritt nach vorn, wir keinen zurück, grinsen sie an, richten uns auf und auf sie ein. Und dann: Aus, Nikolaus. Sie geben klein bei. Der kleinere redet auf den größeren ein, der ziert sich pro forma noch ein wenig, die Weiber hetzen ein wenig, dann machen sich beide mit ihren betrunkenen Muschen davon.

Vielleicht haben sie aus Wut woanders einen vermordet. Hoffentlich nicht. Aber es waren die Typen dafür. Und wahrlich, meine Droogs, als sie gingen, erhob sich eine Art Applaus aus dem nahegelegenen Restaurant. Und da saßen hauptsächlich Engländer drin. Als wir gingen (und froh waren, noch zu leben), bin ich mir sicher, in manch ein lächelndes, gar zustimmendes Gesicht geblickt zu haben. Von Bullen war den ganzen Abend lang nichts zu sehen. Hier will ich wohnen, leben gar.

Playa Blanca.




ps

Habe auf Lanza natürlich oft ferngesehen, später abends. Im Oktober lief, aus welchem beknackten Grund auch immer, "Halloween 3". Der war nicht ganz scheiße.

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Under the Skin (Jonathan Glazer)


Astralleib

Verregnet grau.
Ein Wanderer, irdisch, schal und abgenutzt.
Sein Antlitz....finsteres All.
Begierig schlingend.
Sein Fleisch, lebendig.
Es regt sich in Strömen, die untergründig fließen.

Er hört einen ewigen Ton. Seine Seele...erweckt und verzehrt sich.

Der Himmel ist frei.

Eine gläserne Kuppel wölbt sich unter ihm.
Der Wanderer, sein Körper, gespiegelt darin.
Sonst bleibt nichts.
Dumpf klingt jeder seiner Schritte.

Namenloser Traum der Erde. Eingegraben im Schlaf: zerlöste Schalenhaut.

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GONE GIRL (David Fincher/USA 2014)


"We caused each other pain." - "That's marriage."

Gone Girl ~ USA 2014
Directed By: David Fincher

Als Amy (Rosamund Pike), die als Buchautorin immens populäre Gattin des Kleinstadtkneipiers Nick Dunne (Ben Affleck) verschwindet, gerät der Ahnungslose ins Kreuzfeuer von Justiz, Medien und Gesellschaft. Weil er eine Affäre mit der Studentin Andie (Emily Ratajkowski) verschweigt, hält ihn plötzlich alle Welt für einen Lügner und bald auch für den Mörder seiner offenbar schwangeren Frau. Ein bald auftauchendes Tagebuch Amys räumt alle verbliebenen Zweifel aus. Doch Amy ist mitnichten tot; sie hat ihr eigenes Verschwinden inszeniert, um sich an Nick für seinen von ihr längst entdeckten Betrug zu rächen und ihm einen gehörigen Denkzettel zu verpassen. Eine Ansprache via TV stimmt sie jedoch wieder um: Jetzt heißt es, gute Miene zum bösen Spiel zu machen...

"In guten wie in schlechten Zeiten" heißt es im christlichen Ehe-Sakrament und für die Dunnes sind nun letztere angebrochen. Aber volle Lotte. Dem mittelständischen Musterehepaar geht es genau so lange gut in seiner trauten Zweisamkeit, bis er sich in ein Abwechslung versprechendes Abenteuer mit einer drallen, jüngeren Schönheit verrennt. Damit nimmt die - vorübergehende - Zäsur innerhalb ihrer gemeinsamen Existenz ihren verhängnisvollen Ausgang. Denn anders als andere gehörnte Gattinnen besitzt Amy Dunne nicht nur eine vorbildliche, literarisch scharfe Phantasie, sondern verfügt zudem über Ausdauer, Bosheit und, das Wichtigste, eine gehöroge Portion Irrsinn. Die sich als nicht wenig psychopathische Zeitgenossin exponierende Lady weiß, zu instrumentalisieren, besonders fatzkenhafte, reiche Männer, die ihr über ihren Stolz hinaus verfallen. Dass sie am Ende doch bloß eine ordinäre Frau mittlerer Jahre ist, die geliebt werden will, bevor sie nichts mehr vom Leben zu erwarten hat, darf allerdings nicht über ihre Gefährlichkeit hinwegtäuschen.
Abgesehen von dessen eindeutiger formaler Identifizierbarkeit erinnerte mich an "Gone Girl" motivisch betrachtet erstmal wenig an David Finchers Werk. Andererseits ist sein Œuvre mittlerweile wohl heterogen genug, um vordergründige rote Fäden ausmachen zu können. "Gone Girl" jedenfalls nimmt die Institution Ehe aufs Korn und beobachtet, was diese mit ihren Protagonisten bisweilen anzustellen pflegt. Besonders die Dame kommt dabei wenig schmeichelhaft davon, wenngleich die Bemühung des Begriffs 'misogyn' wohl etwas weit aus dem Fenster gelehnt wäre. Dennoch; man entwickelt einen recht leidenschaftlichen Hass auf diese Amy Dunne und ihr zunehmend ausuferndes Ränkespiel, tatsächlich erwartete ich nach dem gezeigten Rosenkrieg noch ein blutiges Finalduell mit umherfliegenden Vasen und Küchenmessern. Doch Fincher belewhrt uns buchstäblich eines Besseren. Zum Ende hin wird "Gone Girl" dann doch nochmal ungeheuer smart, weil so erschreckend wahrhaftig.

8/10

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THE POSSESSION (Ole Bornedal, 2012)


Solide inszenierter und leidlich spannender Thriller ohne besondere Momente. Ganz offensichtlich keine Herzensangelegenheit des Dänen, sondern die klassische Auftragsarbeit. Die Story bietet Altbekanntes, die Darsteller machen ihre Sache ordentlich, das Sounddesign ist gelungen und sorgt für den ein oder anderen Schockmoment. Und die Bornedal-typische Szene in der Leichenhalle gibt's auch. Gruselig ist das alles nicht, aber ganz nett anzuschauen. Durchaus unterhaltsam, aber ohne großen Erinnerungswert.

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Magical History Tour: Edgar Wallace - Das Wirtshaus von Dartmoor (Rudolf Zehetgruber, 1964)


Bekannter "Wallace"-Klassiker, lief damals im Kino. Anderthalb Sterne aber beinah ausschließlich für das sleazig inszenierte Dekolleté des so genannten "Schankmädchens". Freilich hält der Film die eine oder andere schöne generische Blüte bereit, von inszenatorischer Raffinesse aber - oder gar nachvollziehbarer Leidenschaft - ist man jedoch weit entfernt. Freuen darf man sich über Kleinigkeiten wie etwa so Sätze wie "Du, Kleine, ich habe noch nie daneben geschossen!" Wem das reicht... Hin und wieder auch ein müder Witz. Ansonsten durchaus sehr öde.

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Interstellar...


...ist, wenn man denjenigen, die klugscheißen und zeigen wollen, wie ach so besehen sie in der Filmgeschichte sind, glauben schenken darf, nicht "2001 - Odyssee in Space". Stimmt, ist er doch wesentlich stringenter, kurzweiliger und spannender als Kubricks Meisterwerk, dass seit zig Jahren niemand mehr ein zweites Mal in Gänze geschaut hat, das aber wie der "Godfather" (Gangsterfilm), das "Texas Chainsaw Massacre" (Horror) und die Zucker-Abrahams-Zucker-Komödien u.v.a. immer dann aus der Mottenkiste geholt wird, wenn KritikerInnen eigentlich schreiben wollen, dass sie den Film schlicht nicht gut finden, aber meinen, ihn noch durch unfaire und/oder unpassende Vergleiche zusätzlich schlechtreden zu müssen. Erstaunlicherweise ist eines der Hauptopfer dieses Trend immer wieder Christopher Nolan, dessen Arbeit ich von ganz toll ("Dark Knight") über gut ("Inception") über mich gar nicht ansprechend ("The Prestige") von Film zu Film sehr unterschiedlich bewerten würde und deshalb weit davon entfernt bin, ein Fan zu sein, bei dem mir aber nie so ganz einleuchtet, mit welcher Vehemenz viele meinen, klarstellen zu müssen, dass sie alle seine Tricks durchschaut haben und er ein "Blender" ist (als gäbe es irgendjemand unter den Filmschaffenden, bei welchem das streng genommen anders wäre). Die Arthouse-Fans heulen heute noch in ihr Godard-Schnuffeltuch, dass sich die gemeinen Kinoaffinen mehr über Leos Kreisel als über Revolutionstheorien in "Weekend" unterhalten, statt sich zu freuen, dass hier einer mit sturem Eigensinn sein Ding durchzieht, was natürlich manche mit großer Kunst verwechseln könnten. Und nein, klar, Nolan ist auf der anderen Seite auch kein Spielberg, der eigentlich in vielerlei Hinsicht viel angreifbarer wäre, der aber ein begnadeter Geschichtenerzähler ist. Was dabei gerne übersehen wird, ist, dass sich inmitten Nolans fragmentarischem Erzählstil, der mir zuletzt bei "Dark Knight Rises" tierisch auf den Keks ging, immer wieder kleine Parabeln verstecken, die in der Schlichtheit ihrer Inszenierung eine Größe und Virtuosität besitzen, die ich persönlich umwerfend finde. Und ich finde es beinahe komisch, dass ausgerechnet Nolan, dem so viele häufig eine "sterile" Optik vorwerfen, durch seinen Konsequenten Einsatz von echten Dingen, wo echte Dinge den Computer ersetzen können, dem Weltraum auf der Leinwand das wiedergibt, was ihm spätestens seit Lucas "Star Wars"-Schändungstrilogie genommen worden war: das Dreckige, Unperfekte, Kalte, nicht Glattgerenderte. Wo "Gravity" eine Achterbahnfahrt war, ist das hier der Flugsimulator. Wo bei ersterem dank des Genies des Duos Cuaron/Lubezki jedes Bild durchkomponiert war, ist hier eine Explosion nicht dafür da, schön auszusehen, sondern um zu zerstören. Der Bilderfetischist in mir weiß ersteres zu schätzen, der "Wrath of Khan"-Fan, der ich auch bin und der seit Jahren davon hofft, den Weltraum wieder so zu FÜHLEN, wie er im eigenen, unwissenden Hirnkasterl herumspukt, ist sehr dankbar für diese sehr erwachsene, schnickschnacklose Optik. Und ja, am Ende verlässt sich Nolan schon sehr darauf, dass seine Darsteller diese Geschichte, die mancher ablehnen mag, die ich in ihrem erfrischenden Optimismus aber toll finde, zu einem befriedigenden Schluss bringen. Aber meine Fresse, da ist doch nicht irgendwer am Werk, sondern die wunderbare Jessica Chastain und ein Matthew McConaughey auf seinem absoluten Leistungshoch! Ganz ehrlich: wer die Szene mit den Familienvideos und seiner Reaktion gesehen hat und davon irgendetwas nicht großartig fand, sollte gezwungen werden, einen ganzen Tag lang die Sandrede von Anakyn Skywalker aus Episode II in der Endlosschleife sehen zu müssen. Ganz großes Kino, wie überhaupt dieser Film ganz großes Kino ist, nur eben auf Nolans Art und Weise, die nicht gefallen muss, die aber eine ganz klare Handschrift trägt, die mir persönlich, wenn er weiß, was er erzählen will und die richtigen Spielenden um sich versammelt, ausgesprochen gut gefällt. Viele Regisseure haben wir nicht mehr, die so etwas können, und wenn ich auch den Teufel tun werde, mir Ridley Scotts weißgewaschenen "Exodus"-Scheißdreck anzusehen und mir Terence Malick gesinnungstechnisch auch immer suspekter wird, so sehr werde ich sie bis zuletzt für "Prometheus" und den "Tree of Life" verteidigen, weil großes Kino immer einen Platz in meinem Herzen haben wird (ich glaube, ich habe nun oft genug "großes Kino" geschrieben...). Und, um diesen etwas verworrenen Unsinnstext mit einem geschickten Verweis auf seinen Anfang noch zu einem befriedigendem Ende zu bringen: viele von denen, die hier den Kubrick rausgeholt haben, wären heutzutage die ersten, die, wäre er erst gestern angelaufen, nicht eher ruhen würden, bis sie ihn in Grund und Boden getwittert und geblogt hätten.

D.C.L.

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Watchlist


SHERLOCK 3.3

Jeder Film scheint den vorherigen (zu) toppen (zu wollen). Hier überrascht neben einem WTF-Finale vor allem, wie weit die Autoren die Akzeptanz für Sherlocks Taten austesten. Erinnerte stark an MAGNUM: DID YOU SEE THE SUNRISE?

TWIN PEAKS - SEASON 2

Mediocre. Mark Frosts Einflüsse schimmern stärker durch als die von Lynch, der auch mehr mit WILD AT HEART zu tun hatte. Immerhin ziehts in den finalen Episoden nochmal kräftig an bis einem die finale Szene den Tritt in die Eier serviert. Schade, dass es nun doch eine Auflösung geben wird.

TWIN PEAKS: FIRE WALK WITH ME

Verkappte Version von Lynchs geplantem Marylin Monroe-Biopic. Trotz vieler bekannter Gesichter völlig anders als die Serie. Sheryl Lee gibt im wahrsten Sinne des Wortes ALLES - die weibliche Version von Abel Ferraras BAD LIEUTENANT.

EUROCRIME!

Nach Jahren (!) des Wartens hats Mike Malloys Doku endlich zur VÖ geschafft. Zwar nicht so gut, wie in ggtmc-Kreisen gepriesen, aber für den Genrefan unentbehrlich. Nur das Segment zur Musik fehlte mir.

BLUE VELVET

Einstiegsdroge in die Lynch-Welt.

MULHOLLAND DR.

Mit jeder Sichtung verständlicher. Mein liebster Horrorfilm.

LAST EMBRACE

Nimmt einiges von Mamets HOMICIDE vorweg. Scheider und die Locations allein machen ihn sehenswert.

DEUX JOURS, UNE NUIT

Typisch Dardenne und doch ganz anders als ihre übrigen Werke. Trotz Weltstar Cottilard wieder völlig für "Real" empfunden. Kenne keine Filmemacher, die Filme so spürbar machen.

EL MAQUINISTA

Filmgewordener Albtraum. Düster im wahrsten Sinne des Wortes.

QUIEN PUEDE MATAR A UN NINO?

DER Killer-Kidz-Film. Wirkungsvoll vor allem durch die vielen Kontraste: überfüllten dunklen Straßen zu Beginn weichen der Leere im Tageslicht. Kinder werden von Opfern zu Tätern. Ganz oben immer noch 1) Kirchenszene 2) Kind treibt Mutter ab 3) Schüsse in die Kindermauer.

THE CANDY SNATCHERS

Uff. Keinesfalls mehr die Begeisterung wie damals vorhanden. Immer noch gut, sicherlich. Mehr dann aber doch nicht.

THE SEVEN-UPS

Quasi-Prequel zu FRENCH CONNECTION mit besserer Autoverfolgungsjagd (der besten aller Zeiten vllt) und mehr Screentime für Scheider. Mit Lynch und Spinell weitere Hochkaräter an Bord.

THE DEAD ZONE

Mein Lieblings-Walken. Bis auf den etwas übertriebenen Unhappy Ending-Moment für Martin Sheen makellos.

GLENGARRY GLEN ROSS

Death of a fucking Salesman. Synchro müsste verboten werden.

OVERHEARD 2

Selbe Cast wie im ersten Film, ansonsten völlig neue Ausgangslage und Figurenkonstellation. Die strenge HK-Zensur schwächt zwar auch hier das Ende, die Darsteller reißens aber allemal wieder raus.

MACHO MAN: THE RANDY SAVAGE STORY

ALS WWE-Produkt natürlich nicht so ganz neutral, aber immerhin auch keine Lobliedveranstaltung. Wusste kaum was über Poffo, so dass nicht nur der Nostalgiegier gerecht wurde.

THE FRENCH CONNECTION

Im Grunde genommen ein einizges Chase/ Stakeout-Movie. Am liebsten ist mir der Realismus: wenn Doyle in der Eiseskälte stundenlang observiert fühlt sich das wie "echte" Polizeiarbeit an. Hackman ist mittlerweile in meinem Darsteller-Pantheon.

THE FRENCH CONNECTION 2

Macht nicht den Fehler, den Ersten zu kopieren, sondern wirft alles über den Haufen: Location, Autoritäten und Kräfteverhältnisse. Hackmans Doyle, der zuvor schon mehr Schatten als Licht war muss wahrhaftig durch die Hölle, die ihn jedoch nicht läutert, sondern zum Racheengel werden lässt. Wie er sein "Gefängnis" abfackelt ist der schiere Wahnsinn. Am Ende wirds leider zu konventionell.

GRAVITY

Im Moment der Sichtung überwältigend, aber ohne großen Nachhall. Ein bisschen wie Fastfood.

THE OUTFIT

Duvall in einer Hauptrolle rechtfertigt schon die Entstehung eines Films. Dass er als period piece gedacht wark, merkt man ihm sofort an und doch ist er mir als "echtes" 70s Produkt am liebsten. Inmitten zahlreicher hochkarätiger Crime Movies dieser Dekade ragt er als eine Mischung aus Heist und Road Movie heraus. Lustig, wie auch stetig an die Grenze des Erlaubten im Rahmen eines PG-Ratings gegangen wurde: so sind die Dekolletés meist stark transparent und bei Gewalt war man je immer SEHR tolerant. Überraschend der Schluss, den man so zu der damaligen Zeit nicht unbedingt erwarten konnte.

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November 2014 Alle Filme


...und schon wieder ein Filmmonat vorbei. Frei nach pasheko und Bastro alle Sichtungen aus November in chronologischer Reihenfolge.


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Tepepa 1969 (Giulio Petroni) 7/10
El Topo 1970 (Alejandro Jodorowsky) 9/10
Whatever Works 2009 (Woody Allen) 7/10
Panic Room 2002 (David Fincher) 7/10 *
Giù la testa (Todesmelodie) (Sergio Leone) 9-10/10 *
Viva Zapata ! 1952 (Elia Kazan) 9/10 *
The Woman in Black 2012 (James Watkins) 6-7/10
Rosetta 1999 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 9/10
Le silence de Lorna (Lorna´s Schweigen) 2008 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
Deux jours, une nuit (Kino) (Zwei Tage, eine Nacht) 2014 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
l´enfant (Das Kind) 2005 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
Amour (Liebe) 2012 (Michael Haneke) 9/10
La pianiste (Die Klavierspielerin) 2001 (Michael Haneke) 8/10
Sånger från andra våningen (Songs from the second floor) 2000 (Roy Andersson) 8-9/10
Du levande (Das jüngste Gewitter) 2007 (Roy Andersson) 8/10
Umberto D. 1952 (Vittorio De Sica) 10/10
Aus dem Leben der Marionetten 1980 (Ingmar Bergman) 8/10
El Cid 1961 Anthony Mann) 7-8/10
Miracolo a Milano (Das Wunder von Mailand) 1951 (Vittorio De Sica) 10/10
Dallas Buyers Club 2013 (Jean-Marc Vallée) 8/10
The Signal 2014 (William Eubank) 4/10
Godzilla 2014 (Gareth Edwards) 6/10
Evangerion shin gekijôban : Jo (Evangelion 1.01 : You are (not) alone
2007 (Hideaki Anno, Kazuya Tsurumaki, Masayuki) 6/10
Akira 1988 (Katsuhiro Ôtomo) 9/10 *
Les maîtres du temps (Herrscher der Zeit) 1982 (René Laloux) 8/10 *
Le planète sauvage (Der phantastische Planet) 1973 (René Laloux) 9/10
The Reflecting skin 1990 (Philip Ridley) 9/10 *
The Passion of Darkly Noon 1995 (Philip Ridley) 7/10 *
Jack the Ripper 1976 (Jess Franco) 8/10
E tu vivrai nel terrore ! L´aldilà (The Beyond / Über dem Jenseits) 1981 (Lucio Fulci) 8/10
I quattro dell‘ appocalisse (Verdammt zu leben – Verdammt zu sterben !) 1975 (Lucio Fulci) 9/10
Behold a pale Horse 1964 (Fred Zinnemann) 8-9/10
The Shooting 1966 (Monte Hellman) 10/10 *
Ride in the Whirlwind 1966 (Monte Hellman) 9/10
Interstellar (Kino) 2014 (Christopher Nolan) 5-7/10
2010 1984 (Peter Hyams) 6/10
Capricorn One 1978 (Peter Hyams) 8/10 *
Vampyros Lesbos – Die Erbin des Dracula 1971 (Jess Franco) 6/10
Sie tötete in Ekstase 1971 (Jess Franco) 7/10
Suspiria 1977 (Dario Argento) 10/10 *
Boyhood 2014 (Richard Linklater) 10/10 *

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KURZKOMMENTARE - NOVEMBER 2014


33 Filme gesehen. Reihenfolge der Kommentare entspricht der Reihenfolge der Sichtungen. *=keine Erstsichtung


THEY ALL LAUGHED (USA 1981, Regie: Peter Bogdanovich)

Eine Detektei setzt drei Detektive (Ben Gazzarra, John Ritter, Blaine Novak) auf zwei scheinbar untreue Ehefrauen (Audrey Hepburn, Dorothy Stratten) an. Scheinbar ein Routinejob, zumindest solange, bis sich zwei der Überwacher in ihre Überwachungsobjekte verlieben. THEY ALL LAUGHED ist eine wunderbar unbeschwerte Komödie, ein Film, in den man sich einfach mal so hineinfallen lassen kann. Mit seiner wirklich federleichten Inszenierung nimmt Regisseur Peter Bogdanovich den Zuschauer mit auf eine knapp 2-stündige Tour durch die Straßen von Manhattan, eine Tour, die - wenn der Abspann einsetzt - viel zu schnell vorübergegangen ist.
Tragische Trivia: Für Dorothy Stratten, die ihre Karriere erst ein Jahr zuvor mit der titelgebenden Hauptrolle in GALAXINA so richtig begonnen hatte, sollte dies der letzte Filmauftritt gewesen sein. Sie wurde im Alter von gerade mal 20 Jahren von ihrem übereifersüchtigen Ehemann brutal ermordet. THEY ALL LAUGHED startete schließlich erst am ersten Todestag von Dorothy Stratten in den amerikanischen Kinos.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Sehr gut!


CONTRABAND (Frankreich/Großbritannien/USA 2012, Regie: Baltasar Kormákur)

CONTRABAND präsentiert sich zwar nicht immer glaubwürdig und logisch, dafür aber über weite Strecken schön spannend und verdammt atmosphärisch. Kormákurs Film - ein US-Remake des isländischen Films REYKJAVÍK ROTTERDAM aus dem Jahr 2008 (bei dem Kormákur nicht wie hier als Regisseur, sondern als Produzent tätig gewesen ist) - erinnert (auch wenn kein richtiger Überfall vorkommt) an ein klassisches Heist Movie und wird besiedelt von einer ganzen Reihe von Antihelden, die allesamt versuchen, sich gegenseitig auszutricksen und von denen keiner mit offenen Karten spielt. Vielleicht macht der Plot - gerade zum Ende hin - den einen oder anderen Haken zu viel, insgesamt betrachtet liefert Kormákur aber mit CONTRABAND einen mehr als soliden Hybriden aus Gangsterfilm, Thriller und Heist Movie ab, der mit Mark Wahlberg, Kate Beckinsale, Giovanni Ribisi, Ben Foster und J.K. Simmons auch noch richtig gut besetzt ist.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


SEED OF CHUCKY (Großbritannien/Rumänien/USA 2004, Regie: Don Mancini)

Beim mittlerweile fünften Film innerhalb der Reihe nimmt mit Drehbuchautor Don Mancini, praktisch der Ur-Vater des Franchises, erstmals auf dem Regiestuhl Platz und versucht, den von Ronny Yu mit BRIDE OF CHUCKY eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. So richtig gelingen mag dies allerdings nicht. SEED OF CHUCKY will mit noch mehr Puppenaction, noch mehr Splattereffekten, noch mehr coolen Sprüchen und noch mehr bösen Gags überzeugen, verheddert sich aber ziemlich schnell in diesem ganzen Sammelsurium an potentiellen Schau- bzw. Unterhaltungswerten und erreicht damit letztendlich nur eines: nicht wegzuleugnende Ermüdungserscheinungen beim Zuschauer. Klar, auch SEED OF CHUCKY hat definitiv seine Momente, insgesamt betrachtet wäre hier weniger aber eindeutig mehr gewesen.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Naja!


HEISSES PFLASTER KÖLN (Deutschland 1967, Regie: Ernst Hofbauer)

Einer der vielen Gangster- und Milieu-Filme, die von Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre ein fester Bestandteil des deutschen Kinos waren. Fiese Gangster, hilflose Staatsmächte, scheinheilige Spießbürger und verkommene Jugendliche bestimmen das Bild und Regisseur Ernst Hofbauer nimmt den Zuschauer mit auf einen rasanten Trip durch die Unter- und Schattenwelt einer deutschen Großstadt. Spielte ein Großteil solcher Filme normalerweise mitten im Sündenpfuhl St. Pauli, darf sich hier ausnahmsweise Köln die zweifelhafte Ehre geben und den Beweis antreten, dass es in anderen deutschen Großstädten ebenso übel zugeht wie auf Hamburgs Reeperbahn.
Ich will jetzt nicht mit der “Früher war alles besser“-Keule um die Ecke kommen, aber ich muss schon zugeben, dass die Betrachtung eines Films wie HEISSES PFLASTER KÖLN in mir persönliche eine gewisse Wehmut auslöst. Das war noch echtes Genrekino damals. Wäre schön, wenn es so etwas auch heute noch in der deutschen Kinolandschaft geben würde.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


CELLAT (Türkei 1975, Regie: Memduh Ün)

Nachdem seine Frau und seine Schwester von einer Bande von Verbrechern brutal vergewaltigt wurden, nimmt ein eigentlich friedliebender Architekt (Serdar Gökhan) Recht und Gesetz in die eigene Hand und macht sich fortan auf die Jagd nach diversen Gangstern. Der Plot klingt bekannt? Kein Wunder, denn auch CELLAT ist eines der vielen Plagiate, die das türkische Kino - insbesondere in den 70er und 80er Jahren - hervorgebracht hat. Für CELLAT stand mehr als offensichtlich Michael Winners DEATH WISH Pate und ähnlich wie Charles Bronson im Original macht auch Serdar Gökhan im Plagiat keine Gefangenen. CELLAT ist zeitweise ziemlich derb und ruppig geraten (auch wenn die immer noch bestehende Beschlagnahme des alten deutschen Videotapes natürlich nur als schlechter Scherz bezeichnet werden kann) und begeistert zudem mit dieser besonderen Art des “Dilettantismus“ (mir fällt kein besserer Ausdruck ein, auch wenn das vielleicht etwas zu negativ beschrieben ist), mit der hier alle Beteiligten zu Werke gehen. Gnadenloses Overacting und ausgesprochen eigensinnige Improvisationskunst in allen Bereichen des Films machen einen Großteil des Charmes von CELLAT aus und sorgen dafür, dass man mit Üns Film über knapp 90 Minuten einfach nur jede Menge Spaß hat. Und mal ehrlich: einen Film, in dem ein Gangster durch einen Stromschlag getötet wird und die dabei entstehenden Funken durch Wunderkerzen simuliert werden, kann man doch nur in sein Herz schließen, oder?

Rein subjektives Geschmacksurteil: Sehr gut!


CURSE OF CHUCKY (USA 2013, Regie: Don Mancini)

Neun Jahre nach dem eher leidlich unterhaltsamen fünften Teil - zum 25-jährigen Jubiläum des Auftaktfilms - lässt Regisseur und Drehbuchautor Don Mancini noch mal die Puppe tanzen. Auch CURSE OF CHUCKY erzählt die Geschichte weiter, wirft aber den ganzen überflüssigen Ballast aus dem Vorgänger über Bord und erinnert endlich wieder an einen Film aus dem Horrorgenre und nicht an eine Kirmesveranstaltung. Mancini stellt praktisch alles auf Null - CURSE OF CHUCKY könnte man fast schon als eine Art Reboot bezeichnen - und besinnt sich auf die Stärken des Auftaktfilms aus dem Jahr 1988. CURSE OF CHUCKY ist tatsächlich spannend, atmosphärisch - vor allem auch wegen dem Schauplatz des Films, einem alten, mondänen Anwesen mit düsteren Ecken und Winkeln - und creepy geraten, bietet ein paar hübsch anzusehende Splatterszenen, den einen oder anderen fiesen Oneliner und einige gelungene Schockeffekte. Sehr schön auch der Gastauftritt von Jennifer Tilly kurz vor und der Gastauftritt von Alex Vincent - dem Darsteller des kleinen Andy Barcley aus den ersten beiden Teilen - kurz nach dem Abspann.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


DEEP RISING (Kanada/USA 1998, Regie: Stephen Sommers)

Rock & Roll!!! Eine aus Söldner/Piraten bestehende Truppe entert einen Luxusliner auf hoher See und muss sich an Bord mit einem riesigen Tentakelmonster herumschlagen. DEEP RISING ist ein Partyfilm wie er im Buche steht und macht über die komplette Laufzeit einfach nur riesigen Spaß. Wer auf Monsterfilme steht, dürfte DEEP RISING lieben!

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


THE FOREIGNER (Polen/USA 2003, Regie: Michael Oblowitz)

Pure Tristesse! Eine planlose Story (deren Grundidee stark an THE TRANSPORTER erinnert), trostlose Settings und Locations (auf dem Backcover der DVD will einem die Werbeabteilung von Columbia TriStar doch tatsächlich was von “exotischen Schauplätzen“ erzählen), Steven Seagal mit einem verkümmerten Pferdeschwanz und ein Regisseur, dessen Allheilmittel es zu sein scheint, in den Actionszenen mit diversen - in seinen Augen wohl - megacoolen Stilmitteln (schnelle Schnitte, Zooms, Zeitlupen), die er allerdings nicht wirklich beherrscht, so etwas wie Dynamik zu erzeugen. Ab und zu fliegt mal ein Haus ganz ansehnlich in die Luft und es gibt eine Reihe brutaler Shoot-Outs. Ansonsten herrscht gepflegte und gähnende Langeweile.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Mies!


THE PURGE (Frankreich/USA 2013, Regie: James DeMonaco)

Die US of A im Jahr 2022: Um die Verbrechensstatistiken zu senken, wurde ein Tag im Jahr eingeführt, an dem alle Verbrechen legal sind und jeder Bürger - sofern er denn will - die in ihm aufgestaute Frustration und den in ihm aufgestauten Hass freien Lauf lassen kann.
Dies ist die Grundidee von THE PURGE und Regisseur James DeMonaco hat versucht, daraus eine bitterböse Dystopie zu stricken, die über weite Strecken - leistet man die hier wirklich zwingend erforderliche “willing suspension of disbelief“ - tatsächlich (halbwegs objektiv betrachtet) ziemlich spannend und creepy geraten ist und den Zuschauer im letzten Drittel zudem mit allerlei derben Gewaltspitzen konfrontiert.
Mir persönlich war die Ausgangssituation allerdings dann doch etwas zu weit hergeholt und so muss ich sagen, dass mich THE PURGE nicht wirklich begeistern oder faszinieren konnte. Bricht man DeMonacos Film auf das herunter, was er letztendlich ist - ein typischer Home-Invasion-Film mit diesem klassischen Westernmotiv, bei dem sich eine Handvoll Menschen innerhalb eines Gebäudes verschanzen und sich gegen ungebetene Eindringlinge verteidigen -, bleibt am Ende des Tages ein zumindest noch solider Vertreter dieses immer mal wieder gern gesehenen Subgenres übrig.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Ok!


ANYTHING ELSE (Frankreich/Großbritannien/USA 2003, Regie: Woody Allen)

Ich liebe Woody Allen! Ich liebe es zu sehen, wie er seine Lieblingsstadt New York in Szene setzt. Ich liebe seine schrulligen und liebenswerten Charaktere. Ich liebe seine federleichte Art und Weise der Inszenierung. Und ich liebe diese messerscharfen, schwarzhumorigen und hintergründigen Dialogzeilen, die er seinen Charakteren in den Mund legt. ANYTHING ELSE ist ein typischer Allen-Film. Man könnte jetzt Kritik üben und ausführen, dass ANYTHING ELSE keine großartigen Neuerungen im Vergleich zu anderen Allen-Filmen zu bieten hat. Mir ist das ziemlich schnuppe. Ich liebe Allen so wie er ist und ANYTHING ELSE zeigt ihn mal wieder in bestechender Form.
Dialogzeilen wie "Why are you in analysis? You're afraid to sleep, what else? " - "Fear of death." - "That's funny. I have that too. My dog has it. It's very common with living creatures." oder auch "You chose psychoanalysis over real life? Are you learning disabled?" bzw. "Last night I was home alone in my apartment and I conjured up a threesome with me, Marilyn Monroe and Sophia Loren, and it was very very erotic. As a matter of fact if I'm not mistaken, it was the first time those two great actresses ever appeared in anything together." und "You know, Falk, if a guy comes out onstage at Carnegie Hall and throws up, you can always find some people who will call it art." sind hierfür der beste Beweis.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


NEED FOR SPEED (Großbritannien/Irland/Philippinen/USA 2014, Regie: Scott Waugh)

Jetzt könnte man sich natürlich wieder vortrefflich über die klischeehaften Charaktere, die vielen Unglaubwürdigkeiten und Logiklöcher oder die vorhersehbare Handlung auslassen - ehrlich gesagt, drauf geschissen! Denn NEED FOR SPEED "delivers the goods". Was den Film schon mal unglaublich sympathisch macht ist die Tatsache, dass die wirklich packend inszenierten Rennszenen größtenteils ohne CGI-Effekte realisiert worden sind. Hier kriegt man tatsächlich echte Car-Stunts zu sehen und die sind einfach atemberaubend gut gelungen. Und dann hat mich die ganze Atmosphäre und Stimmung des Films absolut in den Bann gezogen. NEED FOR SPEED atmet irgendwie die Luft diverser Carsploitation-Klassiker aus den 70er Jahren und versprüht schon fast so etwas wie einen Hauch von Nostalgie. Und Hauptdarsteller Aaron Paul ist absolut großartig und momentan vielleicht einer der besten Newcomer, die Hollywood zu bieten hat. Er erinnert mich irgendwie ein bisschen an den von mir sehr verehrten Ben Foster. Hoffe nur, dass seine Karriere erfolgreicher verläuft als die von Foster. Es wäre ihm zu wünschen.
Noch kurz was zur 3D-Konvertierung: Die hätte nicht wirklich sein müssen, da sie mit Ausnahme von ein paar wenigen Szenen keinen großen Mehrwert bringt und hier wohl mal wieder nur die Cash-Cow gemolken werden sollte.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


DIE WEISSE SPINNE (Deutschland 1963, Regie: Harald Reinl)

Nach DER TEPPICH DES GRAUENS ist DIE WEISSE SPINNE die zweite Verfilmung eines Romans von Louis Weinert-Wilton und wie schon bei seinem ein Jahr zuvor in die Kinos gekommenen Vorgänger versucht Regisseur Harald Reinl erneut, die erfolgreiche Wallace-Reihe zu kopieren und bedient sich darüber hinaus auch noch ganz offensichtlich bei den Mabuse-Filmen. So wirklich gelingen mag ihm das allerdings abermals nicht. Zwar sind mit Joachim Fuchsberger als cooler Held und Karin Dor als attraktives Love Interest erneut zwei Wallace-Veteranen mit an Bord (und mit Chris Howland leistet sich Reinl sogar einen Eddi-Arent-Klon), die alleine können den Zuschauer - insbesondere im letzten Drittel - aber auch nicht vor der teils gähnenden Langeweile retten, die DIE WEISSE SPINNE verbreitet. Reinls Film fehlt es an Spannung und Atmosphäre, stattdessen wird eine vorhersehbare Handlung komplett verworren erzählt und damit der Geduldsfaden des Zuschauers ein ums andere Mal extrem strapaziert. Und mit einer Laufzeit von gut 100 Minuten ist DIE WEISSE SPINNE für einen Film dieser Art außerdem viel zu lang geraten.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Naja!


TURBO (USA 2013, Regie: David Soren)

Ein weiterer Film aus den DreamWorks Animation Studios. Hier verwandelt sich eine verträumte Schnecke durch einen verrückten Zufall in eine regelrechte Turbo-Schnecke und nimmt am berühmten Autorennen in Indianapolis teil. Eine positive Botschaft der Marke “Lebe Deinen Traum“ bzw. “Du kannst alles erreichen, wenn Du nur willst“, liebenswert animierte Charaktere, prominente Schauspieler in den Sprechrollen (u.a. Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson und Paul Giamatti) und ein paar ausgesprochen witzige und sympathische Einfälle - fertig ist ein absolut typischer Animationsfilm. TURBO ist grundsolide, absolut nett und kurzweilig anzuschauen, aber am Ende des Tages auch kein Film, der aus dem Gros ähnlicher Produktionen großartig herausragen könnte. Macht für 90 Minuten Spaß und gerät danach wahrscheinlich wieder relativ schnell in Vergessenheit.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Unterhaltsam!


GINCHÔ WATARIDORI (aka Wandering Ginza Butterfly, Japan 1972, Regie: Kazuhiko Yamaguchi)

Ausgesprochen ruhig erzählte Mischung aus Drama und Gangsterfilm, in der sich die frühere Anführerin (Meiko Kaji) einer Mädchengang nach einem dreijährigen Aufenthalt im Gefängnis erneut mit finsteren Gestalten auseinandersetzen muss. Regisseur Kazuhiko Yamaguchi lässt sich extrem viel Zeit um seine Charaktere einzuführen und seinen Plot zu entwickeln. So etwas wie handfeste Action ereignet sich erst in den letzten 5 Minuten, als die bezaubernde Meiko Kaji ihr Schwert auspackt, die Angelegenheiten selbst in die Hand nimmt und letztendlich den kathartischen Racheakt vollbringt. Im Vergleich mit anderen japanischen Filmen aus der damaligen Zeit geht es in GINCHÔ WATARIDORI regelrecht gezügelt zu. Sleazige Momente, exzessive Gewalt oder nackte Tatsachen sucht man hier vergebens. Es passt ins Bild, dass den absoluten Höhepunkt des Films nicht etwa das blutige Finale markiert, sondern das für den Verlauf des weiteren Plots entscheidende Billard-Spiel nach ca. 1 Stunde Laufzeit, welches von Yamaguchi extrem spannungsreich inszeniert wurde. Und Hauptdarstellerin Meiko Kaji ist einfach mal wieder toll und hinreißend - wie in bisher jedem Film, den ich mir ihr gesehen habe.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


GINCHÔ NAGAREMONO: MESUNEKO BAKUCHI (aka Wandering Ginza Butterfly 2: She-Cat Gambler, Japan 1972, Regie: Kazuhiko Yamaguchi)

Im Gegensatz zum Vorgänger geht es hier dann doch etwas zügelloser zu (auch wenn auch hier alle Schauwerte im Vergleich mit ähnlichen Filmen deutlich im Rahmen bleiben). In GINCHÔ NAGAREMONO: MESUNEKO BAKUCHI ist ständig was los, die Ruhe und die Langsamkeit des ersten Teils wird durch eine obskure Mischung aus fast schon psychedelischer Atmosphäre, einzelnen Actionsequenzen und vielen Albernheiten ersetzt. Absolutes Highlight des Films ist das Finale, in dem die wieder mal tolle Meiko Kaji Seite an Seite mit Sonny Chiba ihre blutige Rache nimmt.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION (China/USA 2014, Regie: Michael Bay)

Michael Bay macht das, was er am besten kann. Er macht das, wofür ihn seine Fans lieben und seine Kritiker verachten. Er liefert einmal mehr die ultimative Materialschlacht ab und versorgt den Zuschauer über gut 2,5 Stunden mit einem absoluten Action-Overkill. Die Actionchoreographien sind atemberaubend, die 3D-Effekte richtig, richtig geil und das Sound Design lässt die heimische Couch vibrieren und die Wände im Wohnzimmer wackeln. Aber irgendwie ist das auch alles ein bisschen zu viel des Guten, irgendwann ist man von dem audiovisuellen Spektakel schlichtweg überfordert. Manchmal wäre ein kleines bisschen weniger wirklich so verdammt viel mehr. Michael Bay wird das wohl nie begreifen. Wenn es eine Schnittmenge zwischen “total fucking awesomeness“ und “total fucking bullshit“ gibt, dann hört sie auf den Namen TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Unterhaltsam (wenn man es denn so bezeichnen mag)!


STOKER (Großbritannien/USA 2013, Regie: Park Chan-wook)

Beeindruckende Mischung aus Drama, Mystery und Thriller. Regisseur Park Chan-wook konfrontiert den Zuschauer mit einem wahrlich intensiven Portrait einer dysfunktionalen Familie, steigert die Spannung langsam und kontinuierlich von Minute zu Minute und überrascht im letzten Drittel mit dem einen oder anderen netten Twist. STOKER ist richtig gut gespielt und von Kameramann Chung Chung-hoon zudem erstklassig abgelichtet. Ein Film mit Gänsehautgarantie.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


HOT POTATO (USA 1976, Regie: Oscar Williams)

Jim Kelly und zwei weitere Schwachköpfe sollen die Tochter eines Senators aus den Fängen eines asiatischen Schurken befreien und prügeln sich knapp 90 Minuten lang in haarsträubend choreographierten Kampfszenen durch den Dschungel. HOT POTATO ist bewusst albern gehalten und versucht krampfhaft komisch zu sein, bei mir als Zuschauer hat diese Rezept allerdings nicht wirklich gewirkt. Als Fan des Exploitationkinos neigt man ja oft dazu, auch den größten Unfug nostalgisch verklären und in gewisser Weise abfeiern zu wollen. Hier nützt auch die ganze Verklärung nichts. HOT POTATO ist riesengroßer Käse.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Mies!


DIE HARD (USA 1988, Regie: John McTiernan)*

Gemeinsam mit dem ein Jahr zuvor gestarteten LETHAL WEAPON von Regisseur Richard Donner markiert DIE HARD einen dieser Wendepunkte im Bereich des Actiongenres (die es ja im Lauf der Filmgeschichte immer wieder gegeben hat, man denke nur an Peter Yates’ BULLITT aus dem Jahr 1968), einen dieser Filme, nach dem fast nichts mehr so war wie zuvor. Spätestens nach DIE HARD neigte sich die Zeit der praktisch unbesiegbaren Helden, wie sie in den Jahren zuvor insbesondere von Leuten wie Chuck Norris, Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger verkörpert wurden, immer mehr dem Ende entgegen. Unbezwingbare Helden wie Matt Hunter, John Rambo oder John Matrix wurden durch Martin Riggs und eben John McClane ersetzt. Gerade der hier von Willis gespielte McClane ist ein absolutes Paradebeispiel des damals neuen Heldentypus. Auf den ersten Blick ein gewöhnlicher Kerl von nebenan, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat und es schafft, in einer ausweglosen Situation über sich hinauszuwachsen. McClane war vielleicht der Prototyp dieser Art von Actionheld und DIE HARD die Blaupause für die nächsten 11 Jahre des Actionfilms. Im Jahr 1999 sollten die Wachowski-Brüder mit THE MATRIX schließlich einen weiteren Wendepunkt innerhalb des Genres markieren. Was aber nichts daran ändert, dass DIE HARD auch heute noch ganz hervorragend funktioniert und mich als Zuschauer noch immer zu begeistern vermag. Einer der ganz großen Klassiker des Actionfilms, ein Meilenstein seines Genres.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Lieblingsfilm!


THE GIRL FROM S.I.N. (USA 1966, Regie: C. Davis Smith)

Es stellt sich schon irgendwie die Frage, weshalb Filme wie dieser überhaupt je gedreht worden sind und weshalb man sich Filme wie diesen eigentlich ansieht. Vielleicht einfach nur, weil man kann.
THE GIRL FROM S.I.N. ist eine Obskurität sondersgleichen, entsprungen aus einem der tiefsten Filme des amerikanischen Exploitationkinos der 60er Jahre. Hier ist wirklich alles obskur. Eine obskure Verbrecherorganisation versucht mit obskuren Methoden an eine obskure Rezeptur zu kommen, mit der ein obskurer Wissenschaftler eine obskure Pille entwickelt hat, die Lebewesen unsichtbar werden lässt. Und zu allem Überfluss gerät ein obskurer Nacktfotograf mitten hinein in diesen obskuren Schlamassel.
THE GIRL FROM S.I.N. bietet dem geneigten Trash-Liebhaber die volle Breitseite. Es gibt nackte Frauen, seltsame Slapstickeinlagen, Laiendarsteller, die in hässlich eingerichteten Zimmern blödsinnige Verrenkungen machen, einen Off-Kommentar, der dem Zuschauer das Geschehen auf der Leinwand bzw. dem Bildschirm erklärt und dabei den Verlauf der Handlung erzählt. Außerdem gibt es seltsame Musik und interessante Kameraeinstellungen. Was es nicht gibt, sind Dialoge (nicht unüblich für Filme dieser Art aus der damaligen Zeit). Im Endeffekt ist THE GIRL FROM S.I.N. eine Art Stummfilm mit Musikuntermalung bei dem die aus dem Stummfilm bekannten Tafeln mit den Zwischentexten fehlen und stattdessen durch den schon genannten Off-Kommentar ersetzt werden. Nein, ich weiß immer noch nicht, weshalb man sich so etwas überhaupt ansieht. Aber ich weiß, dass ich über die exakt 68 Minuten Laufzeit, die dieser Film gedauert hat, jede Menge Spaß hatte.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Unterhaltsam!


AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS (Deutschland 1969, Regie: Rolf Olsen)

Curd Jürgens außer Rand und Band. AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS zeigt einen Star im Ausnahmezustand. Olsens Film gehört einer ganzen Reihe von St.-Pauli-Exploitern an, die in den 60er und 70er Jahren in die Kinos kamen und die allesamt - sofern sie mir bekannt sind - mit einer gehörigen Portion Sleaze und jeder Menge Schauwerten überzeugen konnten. AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS bildet da keine große Ausnahme, wenngleich es hier schon noch etwas ruhiger zur Sache geht als beispielsweise in dem auch von Olsen stammenden WENN ES NACHT WIRD AUF DER REEPERBAHN aus dem Jahr 1967. Das mag vielleicht auch der Vorlage geschuldet sein, handelt es sich bei Olsens Film doch um ein loses Remake des Hans-Albers-Klassikers aus dem Jahr 1954, welches mit entsprechenden Zutaten aufgepeppt wurde. Die nicht ganz so zügellose Herangehensweise tut dem großen Unterhaltungspotential des Films allerdings keinen Abbruch. Dafür sorgt allein der Hauptdarsteller, der den ganzen Film förmlich an sich reißt und ohne den man sich diesen Film gar nicht vorstellen mag. AUF DER REEPERBAHN NACHTS UM HALB EINS ist unbedingt sehenswert, allein schon wegen dieser unfassbaren Sauftour, die Curd Jürgens und sein Co-Star Heinz Reincke nach gut 50 Minuten Laufzeit unternehmen und während der Olsens Film für ein paar Minuten dann auch vollkommen aus dem Ruder zu laufen scheint.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Unterhaltsam!


DIE HARD 2 (USA 1990, Regie: Renny Harlin)*

Nach dem großen Erfolg von DIE HARD musste natürlich ein Nachfolger in die Kinos kommen. 2 Jahre später war es soweit und Bruce Willis durfte erneut in die Rolle des John McClane schlüpfen und sich nunmehr mit Terroristen an einem Flughafen herumschlagen. Ein größerer Aktionsradius des Helden, mehr Gegner und mehr Action - DIE HARD 2 folgt den Regeln einer Fortsetzung und bleibt doch nicht - wie so viele andere Fortsetzungen erfolgreicher Filme - hinter den Erwartungen zurück. Renny Harlin hat da ein echtes Brett von einem Actionfilm gedreht und mir ganz persönlich - man darf es vielleicht gar nicht zu laut sagen - gefällt DIE HARD 2 sogar noch einen klitzekleinen Tick besser als der Vorgänger.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Lieblingsfilm!


DIE HARD: WITH A VENGEANCE (USA 1995, Regie: John McTiernan)*

5 Jahre nach DIE HARD 2 kam der dritte Teil der Reihe in die Kinos. Die Regie übernahm John McTiernan, Regisseur des Auftaktfilms, und natürlich musste dieser versuchen, den Vorgänger zu übertrumpfen. DIE HARD: WITH A VENGEANCE spielt nicht mehr auf einem beengten Raum wie die beiden Filme zuvor, McLanes Spielplatz ist praktisch ganz New York. Gemeinsam mit seinem Co-Star Samuel L. Jackson darf sich Bruce Willis auf eine Schnitzeljagd begeben, die Gangster Jeremy Irons jedoch nur als Ablenkungsmanöver für einen großen Coup dient. Auch DIE HARD: WITH A VENGEANCE bietet wieder spektakuläre Action und coole Sprüche und ist fast über jeden Zweifel erhaben. An die außerordentlich hohe Qualität der ersten beiden Filme kommt dieser dritte Teil allerdings nicht wirklich heran. Der Twist mit dem Ablenkungsmanöver kommt viel zu früh und dadurch fehlt es dem Film in der zweiten Hälfte etwas an Spannung. Darüber hinaus ist das Ende einfach einen Tick zu lang geraten und vor allem in den letzten 15 Minuten scheint dem Film etwas die Luft auszugehen. Aber das ist jetzt wirklich Jammern auf verdammt hohem Niveau.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


BEYOND RE-ANIMATOR (Spanien 2003, Regie: Brian Yuzna)

14 Jahre nach BRIDE OF RE-ANIMATOR schlüpfte Jeffrey Combs unter der Regie von Brian Yuzna erneut in die Rolle des Dr. Herbert West und durfte ein weiteres Mal - nun hinter Gefängnismauern sitzend - mit seinem Serum und totem Gewebe experimentieren. Natürlich kommt BEYOND RE-ANIMATOR nicht an die beiden tollen Vorgänger heran, den Stempel “überflüssiges Sequel“ sollte man ihm dennoch nicht zu schnell aufdrücken. Dafür sieht man insbesondere Jeffrey Combs ganz offensichtlich den Spaß, den er beim Dreh dieses Films gehabt haben dürfte, viel zu sehr an und dafür hat auch Regisseur Brian Yuzna viel zu viele makabre Ideen und skurrile Effekte auf Lager, mit denen er dem geneigten Zuschauer sicherlich ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubern dürfte. Ich hatte meinen Spaß!

Rein subjektives Geschmacksurteil: Unterhaltsam!


PRAY FOR DEATH (USA 1985, Regie: Gordon Hessler)*

Ninja-Filme waren in den 80er Jahren groß angesagt und Shô Kosugi einer der großen Stars dieses Subgenres. PRAY FOR DEATH ist ein typischer Vertreter der damaligen Zeit. Regisseur Gordon Hessler inszeniert eine dieser unzähligen Rachegeschichten, bei denen eine unbescholtene Familie durch unglückliche Umstände ins Visier einer Gangsterbande gerät, die Polizei macht- und tatenlos zusieht und das Opfer die Gerechtigkeit schließlich in die eigene Hand nimmt. Insbesondere in den letzten 20 Minuten, wenn Shô Kosugi richtig aufdreht und sich mit Bösewicht James Booth erst durch ein Lager für Schaufensterpuppen und anschließend durch eine Art Sägewerk prügelt, geht PRAY FOR DEATH ab wie Schmidts Katze. Ich habe diese Filme in den 80er Jahren geliebt und ich liebe sie auch heute noch. Ganz viel Nostalgie!!!

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


LIVE FREE OR DIE HARD (Großbritannien/USA 2007, Regie: Len Wiseman)*

Cyber-Terroristen bedrohen die USA und wieder mal ist es an Bruce Willis in seiner Paraderolle als John McClane den Tag zu retten. 12 lange Jahre nach Teil 3 kehrte Willis als McClane auf die Leinwand zurück und wohl wirklich jeder, der damals mit DIE HARD groß geworden ist, dürfte diese Rückkehr vor mittlerweile auch schon wieder 7 Jahren mit einer Mischung aus Skepsis und Vorfreude herbeigesehnt haben.
Wirkte die Kinofassung noch zu glattgebügelt und kam diese aufgrund der PG-13-Freigabe mit definitiv zu wenig Härten um die Ecke, ist die nun erstmals von mir gesehene Unrated-Version schon von einem anderen Kaliber. LIVE FREE OR DIE HARD rockt in der Unrated-Fassung ganz gewaltig das Haus. Viel besser hätte man die Reihe in meinen Augen nicht ins neue Jahrtausend überführen können. Vielleicht fehlt Timothy Olyphant als Bösewicht etwas das Bedrohungspotential und für meinen Geschmack wurde die tolle Maggie Q leider viel zu früh geopfert, diese kleineren Kritikpunkte werden durch die wahrlich brachialen Action-, Shoot-Out- und Fight-Sequenzen aber locker wieder wett gemacht.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Sehr gut!


GWOEMUL (aka The Host, Südkorea 2006, Regie: Bong Joon-ho)

Der etwas andere Monsterfilm. Regisseur Bong Joon-ho präsentiert mit GWOEMUL eine irre Mischung aus Horror, Drama, Action und Komödie und bettet diese eine streckenweise zutiefst melancholische Stimmung und Atmosphäre - und das funktioniert tatsächlich ganz vorzüglich. GWOEMUL ist mitreißend, spannend, komisch, bedrückend, bietet gelungene Effekte und ein herrlich ekliges Monster - viel mehr kann man von einer Genreproduktion nicht wirklich verlangen.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Großartig!


COME CANI ARRABBIATI (Italien 1976, Regie: Mario Imperoli)

Korruption, die Machtlosigkeit der Polizei, die Dekadenz der reichen Gesellschaft, die Perspektivlosigkeit des Bürgertums - immer wieder gern genommene Themen im italienischen Kino der 70er Jahre. Auch Regisseur Mario Imperoli greift diese Themen auf und konfrontiert den Zuschauer mit einer Mischung aus Polizei- und Terrorfilm, die sich wahrlich gewaschen hat. COME CANI ARRABBIATI ist wie dieser sprichwörtliche Hieb in die Magengrube, einer dieser Filme, nach deren Sichtung man am liebsten ein heißes Bad nehmen würde. Imperolis Film kommt wie eine schmierige, sleazige Variante von Kubricks A CLOCKWORK ORANGE um die Ecke und muss ausnahmslos jedem Zuschauer empfohlen werden, der auch nur einen Hauch von Interesse am Exploitationkino der 70er Jahre zeigt. Die Kameraarbeit von Romano Albini ist zudem exzellent und der Score von Mario Molini der absolute Hammer!

Rein subjektives Geschmacksurteil: Sehr gut!


THE NAUGHTY SHUTTER (USA 1963, Regie: Sammy Helm)

In einem seltsamen Hotel treffen ein alkoholisierter Reporter (gleichzeitig Hauptfigur des Films, welche die Geschehnisse aus dem Off kommentiert - wie in dem ein paar Tage zuvor gesehenen THE GIRL FROM S.I.N. gibt es auch hier keinerlei Dialoge), Mitglieder einer Nudistenkolonie (!!!), ein Bestatter samt Sarg, zwei Polizisten, ein Gauner, ein Spion und ein Mann mit einer ganz besonderen Kamera (anstelle normaler Fotos macht diese Nacktfotos von den fotografierten Personen) aufeinander und treiben allerlei Unsinn.
Wir schreiben das Jahr 1963 und nackte Tatsachen auf der Leinwand sind aufgrund der strengen Zensurvorschriften nur dann erlaubt, wenn sie nicht in einem sexuellen Kontext stehen. Undergroundfilmer mussten einfallsreich sein, um nackte Haut auf der Leinwand zeigen zu dürfen. Da wird dann auch schon mal - so wie hier - eine Nudistenkolonie in ein Hotelzimmer verlegt. Die Kamera, um die es hier geht, ist bestenfalls ein MacGuffin, der ganze Plot eine einzige Farce. Regisseur Sammy Helm geht es ausschließlich darum, möglichst viel Slapstick und möglichst viele nackte Tatsachen in seine ausgesprochen überschaubare Laufzeit von einer knappen Stunde zu packen. Heute, im Jahr 2014, wirkt ein Film wie THE NAUGHTY SHUTTER einfach nur noch skurril. Wobei, dieser Running Gag mit dem Zimmermädchen, welches immer wieder mit ausgeleerten Mülltonnen im Hinterhof des Hotels konfrontiert wird, weil jeder, der hinter der Kamera her ist, denkt, dass diese sich in den Tonnen befindet, war echt ganz nett.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Naja!


A GOOD DAY TO DIE HARD (USA 2013, Regie: John Moore)

Der mittlerweile fünfte Teil der DIE HARD-Reihe hat irgendwie überall nur Prügel bezogen. Und ich kann es durchaus verstehen. Typisches DIE HARD-Feeling mag hier einfach nicht aufkommen, der Plot passt nicht in die Reihe, Hauptdarsteller Bruce Willis steht zu wenig im Zentrum des Geschehens, die Laufzeit ist deutlich kürzer als in den Vorgängern und sogar das Bildformat wurde erstmals komplett anders gewählt.
Während der Sichtung des Films habe ich mir allerdings auch die Frage gestellt, wie A GOOD DAY TO DIE HARD wohl beim Publikum angekommen wäre, wenn er nicht dieses "Die Hard" im Titel tragen würde. Wenn es derselbe Film mit einem anderen Titel wäre, dieselben Schauspieler mit anderen Rollennamen agieren würden und derselbe Plot ohne die Querverweise auf die Vorgänger erzählt werden würde. Denn könnte man Moores Film als eigenständiges Werk, losgelöst von der Reihe, betrachten, dann müsste man wohl durchaus anerkennen, dass er hier einen grundsoliden, rasanten, kurzweiligen und unterhaltsamen Beitrag zum Actiongenre gedreht hat. Diese Autoverfolgungsjagd im ersten Drittel des Films ist ein echtes Highlight und absolut atemberaubend und auch die beiden weiteren, großen Actionsequenzen nach ca. der Hälfte der Laufzeit und im Finale sind grandios choreographiert und in Szene gesetzt. Ich kann da beim besten Willen keinen schlechten Film erkennen. Lediglich diese Schlussszene mit dem Familienidyll hätte Moore sich sparen können.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


THE SUGARLAND EXPRESS (USA 1974, Regie: Steven Spielberg)

Spielbergs Kino-Debüt als Regisseur. Ein Jahr bevor er mit JAWS den ganz großen Durchbruch schaffen und das Blockbuster-Kino (mit-)erfinden sollte, drehte er diese relativ ruhige Mischung aus Drama, Komödie, Road Movie und Carsploitation-Film. Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt Spielberg die Geschichte einer jungen Frau, die alles daran setzt, ihren kleinen Sohn aus den Händen von Pflegeeltern zurückzubekommen und aufgrund widriger Umstände ihren Weg ins titelgebende Sugarland als Geiselnehmerin und mit einer Meute von Polizisten und Reportern im Schlepptau begehen muss. Ein paar coole Verfolgungsjagden, die erlesene Fotografie von Kameramann Vilmos Zsigmond, der schöne Score von John Williams und der nette Plot um das Outlaw-Pärchen, für welches es - das ist von vornherein abzusehen - natürlich kein Happy End geben wird. Viele schöne Elemente, die Spielberg gekonnt miteinander verbindet. THE SUGARLAND EXPRESS ist rundum gelungen, wenngleich ihn von der enorm hohen Qualität späterer Spielberg-Filme dann doch noch Welten trennen.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


LOOKIN' TO GET OUT (USA 1982, Regie: Hal Ashby)

Um Spielschulden zu begleichen, setzt sich Gauner Alex Kovac (Jon Voight) mit seinem Kumpel Jerry (Burt Young) nach Las Vegas ab. Das nötige Kleingeld soll beim Blackjack gewonnen werden. Doch das ist leichter gesagt als getan. Alex trifft in Vegas nicht nur auf eine alte Liebe (Ann-Margret), sondern hat auch seine wütenden Gläubiger auf den Fersen.
LOOKIN' TO GET OUT ist eine rasante, herrlich beschwingte Komödie, die ihre drei Hauptdarsteller in bester Laune und absoluter Höchstform präsentiert. Die Geschichte selbst gibt jetzt zwar nicht allzu viel her - das ist nichts, was man nicht ähnlich schon mal irgendwo gesehen hätte -, es ist vielmehr die Art und Weise, wie sie Ashby erzählt. Es macht einfach Spaß, den beiden Gaunern Alex und Jerry zuzusehen - zwei Typen, die das Herz irgendwie schon am rechten Fleck haben -, sie dabei zu beobachten, wie sie von einem Fettnäpfchen ins nächste stolpern und am Ende herzhaft über sie zu lachen, wie sie so grinsend im Taxi sitzen, vom netten Twist, den die Handlung ihnen gespielt hat, tatsächlich nichts ahnend. Das ist Kino zum Wohlfühlen, von dem ich mich gerne 2 Stunden gefangen nehmen lasse.
Ach ja, wer am Ende ganz genau hinschaut, wird in dem kleinen Mädchen, welches die Tochter von Ann-Margret spielt, die echte Tochter von Jon Voight entdecken - eine zum damaligen Zeitpunkt 6 Jahre alte Angelina Jolie in ihrem ersten Leinwandauftritt.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Gut!


WHEN IN ROME (USA 2010, Regie: Mark Steven Johnson)

Typische RomCom mit Fantasy-Touch. WHEN IN ROME funktioniert nach den gesetzmäßigen Prinzipien der romantischen Komödie. Zwei Menschen lernen sich kennen, verlieben sich, trennen sich wieder und finden am Ende doch wieder zusammen. Hat man schon unzählige Male gesehen, schaut man sich dennoch immer wieder gerne an. Mit Danny DeVito, Anjelice Huston und Don Johnson in kleineren und größeren Nebenrollen ist WHEN IN ROME ziemlich gut besetzt, Regisseur Mark Steven Johnson hat den einen oder anderen guten Gag in seiner vorhersehbare Story gepackt und Hauptdarstellerin Kristen Bell ist einfach bezaubernd.

Rein subjektives Geschmacksurteil: Nett!


Der Vollständigkeit halber hier noch die gesehenen TV-Serien-Episoden:
Desperate Housewives: Season 6 (Episoden 1-5)
Dexter: Season 8 (komplett)
New Girl: Season 3 (Episoden 4-14)


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Magical History Tour: Moj Stan - Zvonimir BERKOVIC, YU 1963


Ein quasi-Stummfilm über die schöne neue Wohnwelt einer kroatischen Familie. Die Erzählung wird lakonisch-trocken von der Tochter, die gerade eine Hausübung über den Umzug schreibt, kommentiert. Eine Reihe einfacher, teils recht absurder Einfälle zeichnen dieses Kleinod aus. Immer wieder interessant, wie viel Inhalt ein guter Kurzfilm komprimiert darstellen kann.




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Viennale 2014


Viennale, das bedeutet berstend volle Kinos, Napoli Drageekeksis soviel man möchte (weil diese
Süßigkeit vom Hauptsponsor, einer Telekomfirma, tonnenweise kostenlos zur Verfügung gestellt
wird), eine unübersichtlich große Filmauswahl innerhalb kurzer Zeit, Regisseure und Schauspieler,
die bei der Aufführung ihrer Filme anwesend sind, und vieles andere mehr. Kurz gesagt, das Festival
bietet einen besonderen Rahmen für besondere Filme. Und dies gilt wohl mehr oder minder für
alle Festivals dieser Welt. Und dieser besondere Rahmen ist für viele, mich eingeschlossen, recht
attraktiv. Denn während Programmkinos im Zeitalter der Digitalisierung und dem damit verbunden
leichten Zugang zu Filmen via Internet mit Zuschauerschwund zu kämpfen haben, boomen
Festivals (und Cinemathequen). So konnte die Viennale auch heuer wieder trotz des gewohnt sperrigen
Programms einen neuen Zuschauerrekord vermelden.(98T). Vier Filme habe ich gesehen, und kein
einziger hat mich enttäuscht. Allerdings konnte mich auch keiner so begeistern wie Vie d'Adele im
Vorjahr.


Clouds of Sils Maria Olivier Assayas OmU Gartenbaukino

Die Filme von Assayas, der für mich zu den besten und liebsten zeitgenössischen Regisseuren zählt,
haben eine unglaubliche stilistische Bandbreite. Sie reichen von actionreichen Filmen wie die beiden letzten(Carlos, Apres mai) bis zu an Rohmer erinnernde Filme, wo der Dialog wichtiger ist als der Plot.
Und zu dieser Kategorie kann man auch Clouds of Sils Maria zählen. Zwei Frauen stehen
hier im Mittelpunkt. Die eine ist die berühmte Schauspielerin Maria Enders in ihren Vierzigern
(Juliette Binoche), die andere ist ihre weit jüngere, sie verehrende Assistentin Valentine(Kirsten Stewart).
Gemeinsam studieren sie in der atemberaubenden Bergwelt von Sils Maria (Engadin, Schweiz)
Enders neue Rolle ein. Es handelt sich dabei um die Wiederaufnahme jenes Stückes, mit dem
Enders einst als junges Mädchen über Nacht berühmt wurde. Darin geht es um eine sexuelle Beziehung zwischen zwei Frauen unterschiedlichen Alters, die für die ältere fatal endet. Wurde Enders durch
die Verkörperung der Jungen berühmt, muss sie nun widerwillig die Alte spielen. Dieses Grundgerüst
bietet Assayas die Möglichkeit für eine Unzahl von Spiegelungen und Verknüpfungen, für eine Unzahl von Fragen, die diesem Filmemacher, der sehr im Heute verhaftet ist, seit je her interessieren. Jene nach dem Verhältnis der Generationen ist da nur eine davon. Und selbstverständlich ist der Film auch eine Hommage an die große Juliette Binoche im speziellen und Schauspielerinnen im allgemeinen.
Das ganze wird in wunderbaren Breitwandbildkompositionen von Yorick Le Saux, mit dem
Assayas schon öfter gearbeitet hat(etwa Carlos) dargeboten.
So fiel es mir leicht, die für den Film notwendige Konzentration aufzubringen. Clouds of Sils Maria
ist kein dramatischer Film, der einem den Atem raubt, sondern ein leises Werk, dessen Wirkung
sich erst nach und nach entfaltet. Und am Ende der Vorstellung wurde ordentlich applaudiert.

P.S.
Dieser französische Film, koproduziert von Deutschland und der Schweiz ist in englischer Sprache,
was bei allen diesbezüglichen Bemühungen durch Assayas nur bedingt schlüssig ist. Aber englisch=
sprachige Filme sind auf den Weltmarkt halt leichter unterzubringen.


Bande a part Jean-Luc Godard SW OmU Metro Kinokulturhaus Eric Pleskow Saal

"Cinque Fois Godard" hieß die Programmschiene in der dieser Klassiker lief. Fünf Filmemacher
wählten einen Godard-Film aus. Olivier Assayas entschied sich für Nouvelle Vague, und
Agnes Varda habe ich es zu verdanken, dass ich Bande a Part endlich sehen konnte.
Er entpuppte sich als leichtfüßiger, skizzenhafter Film im atemberaubenden Tempo
über jugendlichen Übermut und jugendliches Begehren. Die naiv kindliche Odile(Anna Karina), der schöne aber verträumte Franz(Samy Frey), und der entschlossene Arthur (Claude Brasseur) lernen sich
bei einem Englischkurs kennen. Zu dritt tanzen sie, zu dritt stürmen sie in neuer Bestzeit durch das Louvre, und zu dritt wollen sie das viele Geld holen, von dem Odile erzählte.
Ein amerikanischer Krimiroman diente Godard als Vorlage für diesen Film, der selbstverständlich
auch eine Genre-Dekonstruktion ist. Vieles erinnert hier am später gedrehten und von mir sehr geschätzten Alphaville, der aber sicherlich der bessere, weil tiefsinnigere Film ist.
Bande a Part ist wohl nur ein Nebenwerk Godards, aber eines das unglaublich viel Spaß macht,
und gerade deswegen nicht zu unterschätzen ist.


Pasolini Abel Ferrara OmU Gartenbaukino

Ferrara, der anwesend war, und sich anschließend den Fragen des Publikums stellte, beschränkt
sich in seinem Film über den von ihm verehrten italienischen Filmemacher, auf dessen letzten Tage.
Dazu verfilmt er auszugsweise Pasolinis letztes Drehbuch, das er nach Salo in Angriff nehmen wollte.
Diese beiden Ebenen ergänzen und kommentieren einander. Das ergibt in Summe einen ziemlich
eindrucksvollen Film, und das ist es auch was er macht, nämlich Eindrücke zu vermitteln, anstatt
wie bei einem gängigen Biopic üblich, die Biographie nachzuerzählen. So weiß ich nun genausowenig
über Pasolini wie zuvor, habe aber dafür viele interessante Eindrücke gewonnen. Einzig die Sprache
fand ich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Pasolini (Defoe) spricht Englisch, alle anderen aber Italienisch,
was einen eigentümlichen Verfremdungseffekt ergibt.
Dies war übrigens mein erster Film von Abel Ferrara, und ich bedaure nicht ihn kennengelernt zu haben.


Bande de Filles OmU Celine Sciama Metro Kinokulturhaus Großer Saal

Dieser Film erzählt von der Entwicklung von Marieme, einem halbwüchsigen schwarzen Mädel
aus der Pariser Vorstadt, den berühmt berüchtigten Banlieu. Der Film beginnt damit, dass sie sich der titelgebenden (schwarzen) Mädchenbande anschließt. Gemeinsam zieht man durch Paris, stiehlt
Kleider, und mietet sich mit von weißen Mitschülerinnen erpresstem Geld in Hotelzimmer ein.
Sciamma, eine weiße lesbische Filmemacherin gelingen da wirklich großartige Bilder jugendlicher
Ausgelassenheit. Diese Ausgelassenheit kann aber nicht hinwegtäuschen, dass die Zukunfts=
aussichten Mariemes, und die der anderen Mädchen nicht die besten sind. Marieme bleibt
wegen schlechter Noten eine weiterführende Schulbildung verwehrt, und so wie ihre
Mutter als Putzfrau zu arbeiten, kommt für sie nicht in Frage.

Bande de Filles ist ein interessanter und sehenswerter Film über die Träume weiblicher
Jugendlicher in einer in vielfacher Beziehung schwierigen Umgebung. Und er ist definitiv
keine betroffen machende Sozialstudio.

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quarterly results 03/2014


besser spät als nie die besten filme des dritten quartals. dazu muss man sagen dass das dritte quartal das bisher schlechteste des jahres ist (oder ich hab nicht immer die richtigen filme ausgesucht), aber das folgende war doch sehenswert:

12.
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11.
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10.

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01.

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THE BOXTROLLS


THE BOXTROLLS THE BOXTROLLS

die Dunkelheit schwingt ihr lumpiges Kleid
öffnet den Schatz schmutziger Kuriositäten - das schrecken umwobene Unten schluckt den Fund und treibt das Zahnrad an. Es wächst.
Kennt man es nicht, bleibt es ein Ort voller warmherziger Wunder
Kennt man es, wird dieser mit Vorurteilen gequält
Ein Schreck bringt die Unwissenden zusammen.





Erhaben reife Momente
ein Vaterleid
groteske Weltenwandler
Verschiedenheiten können einmal mehr zusammen leben

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The H-Man (1958)


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The H-Man
(Japan 1958, Ishiro Honda)

Für diese Runde der Magical History Tour muss ich ein wenig schummeln. Wie mir erst zu spät bewusst wurde, handelt es sich bei THE H-MAN eigentlich um eine '58er-Produktion. Der Film wurde allerdings für den Kinostart in Amerika nicht nur synchronisiert (seltsamerweise fühlten sich die Synchronsprecher bemüßigt, mit einem wenig überzeugenden "asiatischen" Akzent zu sprechen. War das damals Usus?) sondern auch um einige Minuten Laufzeit erleichtert. Diese Fassung startete 1959 in Amerika - und somit habe ich eine Ausrede, warum ich diesen Film gewählt habe: Ich beziehe mich nämlich auf diese Fassung! ;)
Ich habe mir auch brav beide Fassungen angesehen (freundlicherweise auf der US-DVD enthalten) und wenn man sich für eine zu entscheiden hat, würde ich aber die japanische vorziehen.

Nun, zum Film selbst habe ich eigentlich nicht viel zu sagen. Ich verzichte mal auf Gemeinplätze zum japanischen Atom-Trauma und weise lieber auf die wunderbare Farbphotographie und die schönen Effekte (über Wände kriechender radioaktiver Schleim) hin. Besonders in den Szenen, die in einem Nachtclub spielen, zeigt sich die farbenfrohe Lichtgestaltung von ihrer schönsten Seite (letztes Bild).

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Yumi Shirakawa :blush:

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Die Erschöpfung


Ich glaube zwar kaum, daß irgend jemand meine Beiträge in der letzten Zeit wirklich vermißt hat, aber möglicherweise ist es ja doch dem einen oder anderen aufgefallen, daß ich mich hier zuletzt ziemlich rar gemacht habe. Das hat verschiedene Gründe, aber der fraglos wichtigste ist ganz einfach der, daß ich in der jüngeren Vergangenheit kaum Filme gesehen habe.
Nun ist ein Zeitabschnitt, während dem man wenige Filme sieht, auch unter Filmfreunden vermutlich nicht so außergewöhnlich (außer vielleicht bei den Enthusiasten, die es auf mehr Filme im Jahr bringen, als dieses Tage hat); doch ich habe mittlerweile den Eindruck, daß es sich in meinem Fall bei diesem Abschnitt nicht nur um eine kurze Episode handelt, sondern um eine neue Phase in meinem Werdegang als Filmliebhaber. Dieser begann einst mit dem schlafenden Interesse, als ich zwar ab und zu mal Filme sah, ohne mich aber für die Kunstform bzw. das Medium näher zu interessieren; dann erwachte (vor etwa zwanzigeinhalb Jahren) dieses Interesse schlagartig, und ich trat in meine klassische Entdeckungsphase ein, in der sich meine filmischen Vorlieben zum großen Teil herausbildeten. Als ich dann bei kino.de aktiv wurde, folgte meine erweiterte Entdeckungsphase, in der ich aufgeschlossener denn je Filme sah, auch solche, um die ich früher einen großen Bogen gemacht hätte, während der sich meine Vorlieben (und Abneigungen) aber trotzdem nur noch in Nuancen, nicht so sehr grundsätzlich änderten.
Inzwischen gibt es für mich aber keinen Zweifel mehr daran, daß ich in eine neue Phase eingetreten bin: es ist die der Erschöpfung.
Natürlich kann ich nicht genau sagen, wann die Erschöpfung begonnen hat, aber es gibt zumindest Anhaltspunkte. Da ich seit recht vielen Jahren alle Filme, die ich sehe, notiere, weiß ich auch, wie viele Filme ich in einem Jahr erstmals gesehen habe. Und da zeigen die Zahlen eine deutliche Tendenz: 2009 sah ich noch 101 Filme zum ersten Mal (dazu kommen natürlich in allen Jahren immer noch die Filme, die ich vorher schon mal gesehen hatte), 2010 waren es immerhin noch 97, 2011 noch 71, 2012 nur noch 52 und im letzten Jahr gerade einmal 28. In diesem Jahr könnten es sogar noch weniger werden.
Es gibt natürlich auch ganz praktische Gründe dafür: meine wichtigste filmische Fundgrube war in all den Jahren das Fernsehen. Doch inzwischen mache ich dort kaum noch Neuentdeckungen, denn entweder laufen Filme, die ich schon kenne, oder solche, die mich nicht besonders interessieren. Außerdem sah ich noch eine wesentlich geringere Anzahl von Filmen im Kino, manchmal aktuelle Filme, aber auch immer wieder ältere in Programmkinos. Allzu viele Kinobesuche konnte ich mir freilich schon früher nicht leisten, und inzwischen muß ich mich noch viel stärker einschränken; auch dies ist ein Grund dafür, daß ich kaum noch ins Kino gehe.
Aber diese praktischen Gründe sind nicht die einzigen dafür, daß ich mittlerweile so wenig Filme sehe. Ich merke an zahlreichen Symptomen, daß auch mein Interesse spürbar nachgelassen hat. Ich bin ungeduldiger geworden; natürlich gab es auch früher Filme, die mir auf die Nerven gingen, aber ich habe trotzdem viele Jahre jeden noch so blöden Film bis zum Ende ertragen. Inzwischen kommt es (wenn auch immer noch sehr selten) vor, daß mein Geduldsfaden reißt und ich vorzeitig abbreche; so habe ich gerade erst vor wenigen Wochen ein fast überall hochgelobtes Werk nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen, weil ich darin nur eine Nummernrevue ohne Sinn und Verstand erkennen konnte. Heutzutage ist es auch so, daß ich mich viel leichter als früher davon abschrecken lasse, mir einen Film überhaupt anzusehen: so ist meine Bereitschaft, überlange Filme zu sehen, deutlich gesunken; um manche Filme mache ich aber auch einen Bogen, weil mich ihr Thema abschreckt (um gleich ein Beispiel zu nennen: ich weiß, daß heute abend mit Hanekes "Liebe" einer der meistgelobten und meistprämierten Filme der letzten Jahre im Fernsehen gezeigt wird, aber ich habe nicht die geringste Lust, mir den anzusehen). Am liebsten sehe ich zur Zeit eigentlich Filme, die ich bereits kenne, und von denen ich weiß, daß ich sie mag; und selbst das mache ich nicht allzu oft. Daß ich infolgedessen auch nur wenig über Filme schreibe und diskutiere, ist die fast logische Konsequenz. Natürlich kann ich mich auch jetzt noch für einzelne Filme begeistern, doch momentan geschieht dies eher sporadisch.
Ich weiß nun freilich nicht, ob diese Phase der Erschöpfung nun das letzte Stadium meines Werdegangs als Filmliebhaber ist oder ob es sich um eine Übergangsphase handelt; vielleicht durchlaufe ich auch eine Phase der Regeneration, auf die eine "Wiedergeburt" meines Filminteresses folgen wird.
Darauf wetten würde ich allerdings nicht.

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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

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Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)

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MHT: The Hound of the Baskervilles


Magical History Tour - 1939

The Hound of the Baskervilles
[USA 1939 - Regie: Sidney Lanfield - DT: Der Hund von Baskerville]

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THE HOUND OF THE BASKERVILLES war der Startschuss für eine Reihe von Holmes-Verfilmungen, die mit Basil Ruthbone in der Rolle des Meisterdetektivs und mit Nigel Bruce in der Rolle dessen Partners Dr. Watson besetzt wurden. Vordergründig ist das Werk ein Krimi, bleibt aber ohne Anleihen aus dem Horrorfilm nicht aus, was bei der Handlung auch sehr richtig ist, dreht sich diese doch um eine Familiensaga, in der ein großer, blutrünstiger Hund für mehrere Morde an Erben der Baskerville-Familie verantwortlich gemacht wird. Lanfields Film hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Conan Doyle, womit nicht nur die kaum unvermeidbaren Kürzungen gemeint sind, sondern auch gewisse kleine Abänderungen, die in den meisten Fällen aber nur Unwichtigkeiten betreffen. Viele der B-Film-hafteren späteren Werke der vierzehnteiligen Reihe, die vornehmlich von Roy William Neill realisiert wurden, haben mir zwar besser gefallen, als diese etwas glatt geschliffene Fassung, doch Spaß gemacht hat es trotzdem, endlich einmal einen Abstecher per Filmbild nach Dartmoor zu machen, diesem düsteren Fleck, welcher Geheimnisse hortet und von verdächtigen Personen bevölkert wird, die das gesamte kombinatorische Können Sherlock Holmes' herausfordern. Kein unentbehrliches Stück zwar, gerade dann, wenn einem das Buch bereits bekannt ist, doch ebenso wenig schadet es, sich die 1939er Version anzuschauen.

B

A Hervorragend
B Gut
C Für Fans



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