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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

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KILL BILL (Quentin Tarantino/USA 2003/04)


"That woman deserves her revenge and we deserve to die."

Kill Bill ~ USA 2003/04
Directed By: Quentin Tarantino

Beatrix Kiddo (Uma Thurman) gehörte einst der "Deadly Viper Assassination Squad" an, einer sechsköpfigen Gruppe von in fernöstlichen Tötungskünsten ausgebildeten Profikillern. Dieser steht Bill (David Carradine) vor, ein alternder, zynischer Amerikaner, der mit Beatrix eine Liaison pflegte bis zu dem Tag, als sie sich zum Ausstieg entschloss. Schwanger von Bill wollte sie ihrer Tochter ein Leben abseits ihres einstigen Milieus ermöglichen und suchte sich unter neuem Namen Tommy Plympton (Chris Nelson), einen Plattenladenbesitzer aus El Paso, als künftigen Ehemann und Ziehvater des Kindes aus. Der rachsüchtige Bill bekommt jedoch Wind von Beatrix' Plänen und überfällt sie mit dem Rest der Truppe bereits bei der Hochzeitsprobe. Vermeintlich tot und um das Leben des Babys gebracht verbringt Beatrix vier Jahre im Koma, während derer sie ein schmieriger Krankenpfleger (Michael Bowen) als willenloses Vergewaltigungsopfer feilbietet. Infolge eines Mückenstichs erwacht Beatrix nach dieser langen Zeit und begibt sich auf einen beispiellosen Rachefeldzug, an dessenen Ende sich Berge von von Leichen auftürmen und sie ihre kleine Tochter (Perla Haney-Jardine) doch noch in die Arme schließen kann.

Ich mag es ja. ohnehin Zusammengehöriges in einem Guss zu betrachten und soweit als möglich auch wahrzunehmen und zu bewerten. Im Falle "Kill Bill", der im Abstand von sechs Monaten in zwei Teilen mit den Untertiteln "Vol. 1" und "Vol. 2" ins Kino kam, erscheint mir diese Art der Rezeption als probat. Zwar scheinen die meisten Zeitgenossen nur allzu gern auf die Divergenz der beiden Segmente zu pochen, mich interessiert dies jedoch bestenfalls geringfügig. Sicherlich gibt es offenkundige Einzelheiten, die jedem der beiden volumes halbwegs eindeutig zuzurechnen sind: Der erste Film liebäugelt noch sehr viel mehr als der zweite mit ostasiatischen "traditionals": Zu Beginn kommt das altehrwürdige ShawScope-Logo, eines der Kapitel ist als Anime gestaltet, Sonny Chiba und Gordon Liu treten auf, es geht nach Japan und gegen eine Yakuza-Chefin (Lucy Liu) , die vormals zur Viper Squad gehörte. Fontänen von Blut und herumfliegenden Extremitäten im üblich gnadenlos überzeichneten Finale gemahnen an Vertraut-Klassisches wie die "One Armed Swordsman"-Reihe oder die "Kozure-Ôkami"- und "Goyôkiba"-Serials. Der zweite Film beinhaltet dann noch einen Rückblick, in dem Beatrix, die erst hierin ihren wahren Namen zurückerhält und vormals lediglich als "The Bride" firmierte, ihre kämpferische Ausbildung bei dem höhnisch-arroganten Meister Pai Mei (Gordon Liu in einem Zweitauftritt) begeht. Ansonsten führt sie ihr Weg nach Texas und Mexiko, wo sie den übrigen Schergen Bills begegnet, darunter seinem jüngeren Bruder Budd (Michael Madsen), dessen ehrloser Verzicht auf kämpferische Tradition sie am Dichtesten an die Schwelle des Heldinnen-Todes trägt. Sie wird lebendig begraben, kann sich jedoch durch eine von Pai Meis Techniken befreien. Eine weitere verleiht ihr zugleich die elementarste Handhabe, selbst mit dem Oberboss Bill fertig zu werden, der sich am Ende und recht zufrieden mit dem Verlauf der Ereignisse seinem Schicksal stellt.
Selbstredend kann "der eine" nicht ohne "den anderen" Film bestehen und es wird niemand ernstlich behaupten können, sich mit der Beschau des zuerst aufgeführten Teils, also unter Verzicht auf den inhaltlich komplexeren und wesentlich emotionaleren zweiten Film, zufrieden geben zu wollen. Tatsächlich haben beide ihre spezifischen, besonderen Vorzüge und decken im Prinzip das gesamte Spektrum tarantino'scher Interessen ab. Vol. 1 bietet subsummiert karnevalesken, von einem Maximum an Referenzen getragenen, knallbunten Intentionstrash, Vol. 2 legt dann mehr Wert auf leise Töne, zärtliche Tragik und jenes bisschen an Vulgärpsychologie, zu dem Tarantino eben fähig ist. Dem umfassenden Erlebnis der "ganzen, blutigen Affäre" trägt man allerdings einzig mit bedingungsloser Nahtlosigkeit adäquat Rechnung. Vier Stunden sollten sich dann auch hinreichend planungsaffin ausnehmen.

9/10

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MADEO / MOTHER (Bong Joon-ho, 2009)


Bong Joon-ho zum Dritten, und es wird immer besser. Nachdem mir schon die Sichtungen von The Host und Snowpiercer großes Vergnügen bereitet hatten, setzt der produktionstechnisch dazwischen angesiedelte Mother nochmal eins oben drauf. Auch hierbei handelt es sich um einen Genre-Bastard, der dieses Mal Elemente des klassischen Thrillers, der Komödie und des Familiendramas zu einer höchst gelungenen Mischung verbindet. Im Mittelpunkt steht die namenlose Mutter, die man auch über die verkörperte Person im Film hinaus als Sinnbild dafür begreifen kann, wozu eine Mutter in der Lage ist und welche Opfer sie zu bringen willens ist, um ihr einziges Kind zu retten. Das ist manchmal lustig, meistens sehr spannend und zudem darstellerisch exzellent umgesetzt. Das Drehbuch ist erstklassig, und obwohl man auf Wendungen vorbereitet ist, weil die Story geradezu danach zu schreien scheint, kommen sie dann doch überraschend. Dabei bleibt die Figurenentwicklung jederzeit stimmig und nachvollziehbar. Mother ist bis zur gut sitzenden Schlusspointe ein origineller, wendungsreicher und extrem spannender Film, der meine ohnehin schon große Vorfreude auf Bongs Memories of Murder, der demnächst zur Sichtung ansteht, nochmal erheblich steigerte. Koreanisches Kino, wie ich es liebe.

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Das bleibt mir von 2014


Ich gehe gerne ins Kino! Böse Zungen könnten behaupten, dass mir das Ereignis Kinobesuch wichtiger ist als der Film an sich, was hoffentlich übertrieben ist. Etwa 40 mal
war ich im Vorjahr Kino, wobei dies auch Freiluftveranstaltungen u.ä. beinhaltet. Nur 15 mal
waren es aktuelle Filme. Und selbstverständlich habe ich auch daheim einige wenige Filme gesehen. Und folgende sind mit positiv in Erinnerung geblieben:

Filme dich ich mit Freude im Kino wiedergesehen habe

Marnie Alfred Hitchcock
Otto e mezzo SW Federico Fellini
Il buono, il brutto, il cattino (Langfassung) Sergio Leone
The Shining (erstmals US Version) Stanley Kubrick
Shadow of a Doubt SW Alfred Hitchcock
Jules et Jim SW Francois Truffaut
Fahrenheit 451 Francois Truffaut

Rear Window Alfred Hitchcock

Ein Film von geradezu beängstigender Perfektion, dem es gelingt, Avantgarde und
Autorenanspruch mit dem Star-und Unterhaltungskino a la Hollywood nahtlos zu verbinden.


Beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino)

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani

Lange und trocken ist der Originaltitel, kurzweilig und einprägsam ist der Film.
Ein Mafiathriller der mit grellen Farben arbeitet und dadurch leicht zu konsumieren ist,
ohne deswegen ins triviale abzugleiten

Z Costa Gavras

Ähnliches gilt auch für diesen einst höchst populären Politthriller, der konkret in die damals
aktuelle Politik eingriff, und gleichzeitig ein Lehrbeispiel dafür gibt, wie eine Demokratie ausgehölt werden kann. Die grandiosen Bilder stammen von Raul Coutard, der zuvor für Truffaut und
Godard arbeitete.

Monsieur Verdoux SW Charles Chaplin

Obwohl es filmtechnisch ein wenig angestaubt wirkt, ist dieses Spätwerk Chaplins eine
beängstigend aktuelle Fabel über den schrankenlosen Kapitalismus, die teilweise zum
brüllen komisch ist. Weniger populär als The Great Dictator, aber wahrscheinlich der
bessere Film.

The Man Who Knew too Much SW (UK-Urversion) Alfred Hitchcock

Kurzweilig und unterhaltend, ist er von der typischen Handschrift Hitchcocks geprägt.
Vielleicht sind die einzelnen Szenen die einzelnen Komponenten noch nicht ideal
ausbalanciert, was aber das Vergnügen nur geringfügig schmälert. Und Peter Lorre,
der hier seine erste englischsprachige Rolle spielt, ist ein fantastischer Schurke.

Bande a part SW Jean-Luc Godard

Eigentlich ist an diesem Film nicht viel dran. Ja, wahrscheinlich ist er nur ein Nebenwerk
Godards. Aber trotzdem besitzt er eine unglaubliche Strahlkraft, war es ein großes Vergnügen
ihn anzuschauen. Das ist die Art von Film, die Tarantino immer machen möchte, aber
doch nicht ganz zusammenkriegt.

Juste avant la nuit Claude Chabrol

Ein SM-Spiel(Atemreduktion), auf das sich Charles nur widerwillig eingelassen hat, führt
zum Tod der Frau, der Gattin seines besten Freundes. Von der Polizei bleibt er unbehelligt,
aber es plagen ihn Gewissensbisse. Ein subtiler und perfider Film über Schuld, Sühne und
Sadomasochismus bei Wahrung des bürgerlichen Scheins.


Besonders beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino):

Il gattopardo Luchino Visconti

Ein höchst aufwendiger Kostüm und Historienfilm, wo die visuelle Pracht nicht nur dazu
dient, das Auge zu erfreuen und die Zuschauer zu beeindrucken, sondern dazu
ein Geschehen zu vermitteln. Ein zutiefst persönlicher Autorenfilm, dem ein gigantisches
Budget zur Verfügung stand. Einer meiner absoluten Kinohighlights des Vorjahres.

Il deserto rosso Michelangelo Antonioni

Antonioni gehört zu den großen Erneuerern des Kinos. Hier erzählt er fragmentarisch
von einer neurotischen Frau, die mit der Industrialisierung im Wirtschaftswunderland
Italien der frühen 60er nicht zu Rande kommt. Kein Film der leicht zu konsumieren ist,
aber einer der höchst eindrucksvoll ist.

Jagten Thomas Vinterberg

Es gibt Filme die die Zuchauer auf emotionale Distanz halten (wie etwa Il deserto
rosso)und solche die bewusst emotionalisieren. Zu dieser Kategorie gehört Jagten
Ein wahrlich aufwühlender Film über einen Kindergärtner, der zu unrecht des
sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Le journal d une femme de chambre SW Luis Bunuel

Frühe 30er, Celestine(eine undurchschaubare Jeanne Moreau), tritt am Land ihren Dienst als
Kammerzofe an. Die Hausfrau ist gespreitzt und frigide, der Mann hat nichts als Sex im Schädel,
der Vater ist ein Schuhfetischist und der Gärtner ein Faschist und wahrscheinlich auch ein
Kindermörder. Bunuels Filme strahlen eine große Leichtigkeit aus, hier ist sie mit Unerbittlichkeit
gemischt.

Le deuxieme Souffle SW Jean-Pierre Melville

Ein weiterer großer existentialistischer Gangsterfilm Melvilles. Ein alternder Gangster, Lino
Ventura als Gu Minda, glaubt nach einem Gefängnisausbruch eine zweite Chance,
einen zweite Atem zu haben. Schon die Anfangssequenzen machen klar, dass dem nicht so
ist.

Le genou de Claire Eric Rohmer

Rohmers einzigartige Form des Kinos, gibt einem die Möglichkeit, Menschen besser kennenzulernen, und hinter ihrem eloquenten Redeschwall zu blicken. Und das ist eine
aufregende Angelegenheit, obwohl seine Filme so undramatisch sind. Claires Knie
ist erst mein dritter und wohl schönster Film Rohmers.


Der Kinojahrgang 2014

10. Bande des filles Celine Sciama

Ein sehenswerter Film im Breitwandformat über Freiheits und Zukunftsträume junger schwarzer
Mädchen einer pariser Vorstadt, die mit einer weniger erbaulichen Realität kollidieren.

9. Nebraska SW Alexander Payne

Alexander Payne unternimmt hier einen Ausflug ins recht ärmliche wirkende amerikanische
Hinterland und seinen höchst provinziellen Einwohnern Reiseleiter ist ein alter Mann
(Bruce Dern) der sich einbildet einen großen Lottogewinn gemacht zu haben.

8. Her Spike Jones

Weniger dem Realismus verpflichtet ist diese SCI-FI Romanze zwischen einem femininen
Mann und seinem Betriebssystem. Scarlett Johanssons erotische Stimme reicht aus,
diese Romanze in dieser schrecklich schönen neuen Welt voller angenehm gedämpfter
Farben (und komischer Männerhosen) für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen.

7. Clouds of Sills Maria Olivier Assayas

Ein Film über eine große Schauspielerin(Juliette Binoche) und ihrer weit
jüngeren Assistentin (Kirsten Stewart) der eine Unzahl von Anküpfungspunkte bildet.
Der Generationskonflikt ist nur einer davon. Faszinierend aber auch ein wenig sperrig.

6. Nymphomaniac I+II Lars Von Trier

Nymphomaniac ist voller expliziter Sexszenen und gleichzeitig vollkommen unerotisch und
ungeil. Auf was Von Trier damit hinaus will lässt sich schwer sagen. Was ich aber sagen
kann ist , dass es ein Werk der Negation ist, und eine einzigartige Erfahrung darstellt.
Zweiteres ist der Grund, weshalb die Filme in dieser Liste aufscheint.

5. Le Passe Ashgar Farhadi

Weit konventioneller ist dieser Film über eine Frau, deren Exmann, der zur formalen
Scheidung aus den Iran nach Frankreich kommt, und deren neuen Lebenspartner.
Dafür ist er auch lebensbejaender und gibt einen interessanten und kurzweiligen
Einblick in den zeitgenössischen "Beziehungssalat".

4. The Grand Budapest Hotel Wes Anderson

Dieser herrlich skurrile, höchst gelungene Film ist voll Trauer über eine verlorene so
nie dagewesene (mitteleuropäische) Vergangenheit. Stefan Zweig inspirierte Anderson,
dessen typische Handschrift auch hier unübersehbar ist, dazu. Und das passt auch
zu ihm,schließlich sind seine Filme sonst voll Sehnsucht nach einer so nie dagewesenen
Kindheit.

3. Deux jours, une nuit Gebrüder Dardenne

Eine Frau muss ihre Kollegen davon überzeugen, gegen ihre Entlassung zu stimmen,
und dafür auf eine Prämie zu verzichten. Wir begleiten diese Frau(Marion Cotillard)
dabei, wie sie ihre Kollegen abklappert. Die Dardennes und die Hauptdarstellerin
(Oscarnominierung!) machen daraus eine aufregende Angelegenheit.

2. Boyhood Richard Linklater

Filme anschauen bedeutet auch, der Zeit beim Vergehen zuzuschauen. Ganz besonders
gilt das für Boyhood, der uns die Möglichkeit gibt das Heranwachsen eines Buben und
dessen Schwester im Zeitraffer zu verfolgen. Ein wunderbarer Film über die Poesie des
alltäglichen, und über das Vergehen der Zeit.

1. Under her Skin Jonathan Glazer

Ein Science Fiction Film, der zwischen dokumentarischen, mit versteckter Kamera
gedrehten und extrem stilisierten Szenen pendelt und dabei vieles im Dunkeln belässt.
Sicherlich kein makelloser Film, aber einer der mir intensive Sinneseindrücke verschafft
hat.

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ECHOES - STIMMEN AUS DER ZWISCHENWELT


Wir werden sehen. Es dient der Erinnerung. Nehmen wir an, dem wäre so..... Fernab jedweder Absicht und unter keinen Umständen poetisch verbrämt jongliert da jemand mit Seifenblasen. Angenommen....ein nahe liegender Vergleich fände statt. Und ihm wiederum würde etwas zur Seite gestellt...ein Substitut....womöglich auch präziser: ein verdichtendes Bild...nein, wie fade...wozu man eben in der Lage....

...verirrte Augen...-blicke (CHILD OF GOD)...anders: in Reihe das Eine, das Andere darunter, ersterem zuzuordnen...bloß, gemäß welcher Kriterien? Ich jedenfalls möchte mich schon jetzt nicht mehr daran erinnern...

Da ist ein Land (stellvertretend für inzestuöse Dorfgemeinschaften, überwucherte Bäder, anachronistische Telefonzellen) Es bedarf der Rettung. Niemand will. Doch der Liebe wegen....

Bedrohliches entscheidet nicht. Einen Grundsatz hinzufügend hieße das: Bereitschaft zählt.

Vielleicht liebt man zu wahllos, gar das Melodramatische? Maximen und die ihnen inhärente Schönheit. Ein kantiges Gesicht verneigt sich vor seiner Bestimmung.

Poliertes Einschussloch.

Augen auf, Augen zu.

Kennst du das? Hast du das auch schon einmal erlebt? Immer kehrt es wieder.

Sein Schädel, knirschend erbrach er die verwüstete Ahnung von Endgültigkeit.

Im Fummel meiner Oma sitz` ich auf der Couch und spreche mit Handpuppen zum hochgeschätzten Publikum.

Zitate wüten, übereilen es, zerbrechen daran.

Dein Spiegelbild. Ist Teufelswerk. Trau` ihm nicht. Vor allem dem Glas, aus welchem es gefertigt. Misstraue ihm. Es kann brechen. Du schneidest dich daran.

Tief eingetaucht war er. Umso sensibler berührt ihn nun die Oberfläche.

Man muss das begreifen: ein rohes Ei (=Julie), geworfen in kochendes Wasser (= die Schule des Lebens, die selbst auferlegte Aufgabe) verfestigt sich zu einem blanchierten (= Julia, die Sublimierung des Alltags, ein Kleeblatt aus Marzipan u. dergl.). Schmeckt. Oder?

Gerade weil er nichts zu sein glaubt, gelingt ihm die Verwandlung des gefälligen Begleiters, glückt ihm die Anmaßung, einen gewissen Jemand darzustellen. Doch wird ihm das zum Vorwurf gemacht. Abgeschmackt wirkt letztlich sein Bemühen, denn frei von Sorgen versteht allein der Connaisseur zu leben. Ihm liegt Verstellung fern. Dem im Schatten, hinter, nahe bei ihm, bedeutet Vorstellung alles. Ganz ohne Anstrengung genießt er – Lebemann, wohlig duftendes, haltloses Versprechen - die Gunst, die er sich selbst verschafft. Das kann er: er selber sein.

So begrenzt und doch nach oben hin offen.

Altbekannte sind's ; bewerten, verorten, ziehen Schlüsse, eine Waffe, drücken ab, schlafen nicht. Finale Begegnung: beinah erschaudernd ob des Anblicks. Anfänglich starr, löst sich jetzt etwas in ihrem Nacken....

Loderndes Fieber. Sein Grinsen ist bezwingend. Ringe, darin Augen lauern. Sein Grinsen ist bezwingend. Gleichgültigkeit. Die sollte einsam machen, findet aber einen Verbündeten, das heimlich Verdunkelnde. Sein Grinsen ist bezwingend. Er weiß wohl mehr. Er weiß es. Aus ihm spricht Verachtung. Ab und an grinst er....versteht keinen Spaß

MEGAMIND
THE EQUALIZER
BOYHOOD
THE ROVER
MRS. DOUBTFIRE
DETENTION
ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH
OCULUS
JULIE/JULIA
PEARL HARBOR
JACK IN LOVE
DER TALENTIERTE MR. RIPLEY
DER GESCHMACK VON ROST UND KNOCHEN
TRUE DETECTIVE
GUARDIANS OF THE GALAXY
NIGHTCRAWLER



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Ergänzung:
THE CLOUDS OF SILS MARIA

Wolken am Firmament. Herabgesunken in gewundene Täler. Zerklüftetes Gestein umfließend. Wie die Zeit sich jäh zerlösend, bedeckt bald nur noch kühler Dunst hie und da spiegelnde Wasser.

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Samurai Rebellion (1967)


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Samurai Rebellion
(Japan 1967, Masaki Kobayashi)

Japan, 18. Jahrhundert: Unter dem Tokugawa-Shogunat herrscht eine geradezu diktatorische Ordnung. Die Hierarchie der Ständegesellschaft ist unantastbar und den Worten des lokalen Regenten nicht zu widersprechen, egal wie groß die Willkür.
So wie das strikte Reglement jede Geste, jede kleinste Handbewegung durchdringt, so sind auch die Filmbilder streng durchkomponiert. Die Figuren sind wie eingesperrt in den geometrischen Flächen, Rastern und Linien des Samurai-Anwesens, in dem der Großteil des Films spielt.

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Die Rebellion, die der Titel anspricht, ist keine organisierte Aktion, sondern es sind vereinzelte Verzweiflungstaten ohne Aussicht auf Erfolg, die aber dennoch den gesamten Film zu erschüttern scheinen: Das Aufbegehren einer Frau gegen den Herrscher zeigt Kobayashi in kurzen, unscharfen Standbildern; Am Ende zerlegen der Protagonist Sasahara (Toshiro Mifune) und sein Sohn geradezu ihr Haus (und man könnte sagen, damit auch die Enge, die das Haus repräsentiert) in Vorbereitung auf den Endkampf.

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St. Vincent...


...ist die Außenseiterkomödie zu enden alle Außenseiterkomödien. Hier sind sie wirklich alle versammelt, der bruddelige Alte, der schwächliche, aber blitzgescheite Junge, die überforderte Mama, die Prostituierte mit dem Herz auf dem rechten Fleck, der missverstandene Schulrowdy, der Lehrer, der seine Fürsorglichkeit und Herzlichkeit hinter gut platzierten Pointen zu verstecken weiß u.a. Und so wundert es auch nicht, dass die Handlung derart vorhersehbar vor sich hinplätschert, dass man jede noch so kleine Wendung zumindest in ihrer positiven und negativen Auswirkung auf die Figuren punktgenau vorhersagen kann. "St. Vincent" ist auf der Drehbuchebene auf extrem schale Weise ein extrem grundsolider Film, und man müsste wieder einmal den Kopf schütteln ob der obligatorischen Beweihräucherung eines netten Filmchens unter den Fittichen der Herren Weinsteins bei den Globes u.a., wenn dieses Filmchen nicht (allein) durch einen durch die Bank weg formidablen Cast vor der Mittelmäßigkeit gerettet würde. Bill Murray spielt den versoffenen Grantler dermaßen unprätentiös, unsentimental und im allerallerbesten Sinne aus dem Arsch heraus, dass man ihm auch dann noch stundenlang zusehen will, wenn er nichts weiter zum Besten gibt als eine nur halb funktionierende Impro mit einem Wasserschlauch - so ges(ch)ehen beim Abspann. Melissa McCarthy, deren Erfolgs-Sitcom ich seinerzeit nicht länger als fünf Minuten aushielt, passt ihr Spiel Murrays Reduktion an, was sie wahnsinnig sympathisch macht, und schafft das Kunststück, in einer Zusammenbruchszene, die eigentlich meterweit nach Oscargeschiele riechen müsste, so klein, natürlich und echt zu bleiben, dass man sie allerspätestens da nur noch umarmen möchte. Die anderen folgen auf dem Fuße und bilden zusammen eine lakonische Welt, bei welcher es ein Euphemismus wäre, zu schreiben, sie käme einem bekannt vor, die aber am Ende zu viel richtig macht und vor allem Dank Murray zu sehr anrührt, um nicht doch als zumindest sehenswert eingestuft zu werden.

D.C.L.

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ENDURING LOVE


ENDURING LOVE Enduring love


Verschlossene Türen bewegen Richtungen.
Ein realistischer Blick wird ein zweifelnder, ein bohrender, ein fesselnder.
Ein Mensch greift in ihn hinein und widerlegt seine Theorie der Liebe,
zerstört und weckt Faszination am Mensch.
Sphärische Tiefe in luftigen Höhen- an den Erdenrand gezogen - obgleich der Zweifel zwingt.
Und so wird der Mensch brüchig, zeigt sich in seinen vielen Messerschneiden, sticht, wann er will, wendet Blicke ab, bringt Vernunft zur Unvernunft.
Und dennoch endet es in sanfter Ruhe.


Ich glaube, der Anfang des Films ist einer der schönsten, die ich je gesehen habe (mit Birth).
Verwunderlich, poetisch und mit Kraft.


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Watchlist Dez 2014/ Jan 2015


POINT BLANK (1967) 7

SCARECROW (1973) 7

DAWN OF THE PLANET OF THE APES (2014) 7

CHARLEY VARRICK (1973) 7.5

NOTHING TO LOSE (1997) 7

BADGE 373 (1973) 6

THE LEGO MOVIE (2014) 4

STRAIGHT TIME (1978) 7.5

CHEF (2014) 7.5

CALVARY (2014) 8

THE FRIENDS OF EDDIE COYLE (1973) 7.5

ROLLERCOASTER (1977) 8

THE DAY OF THE JACKAL (1973) 7.5

BAD SANTA (2003) 7

LOCKE (2014) 9

RED RIDING TRILOGY (2008) 8.5

HICKEY & BOGGS (1972) 8.5

I WENT DOWN (1997) 7.5

ADAMS AEBLER (2005) 8

UN HOMME EST MORTE (1973) 7

PRIME CUT (1972) 6.5

NAMELESS GANGSTER (2012) 6

TWO-MINUTE WARNING (1976) 7

DELIVERANCE (1972) 7

HARDCORE (1979) 7.5

COLD IN JULY (2014) 7

RUNNING SCARED (1986) 7

WHO'S HARRY CRUMB? (1989) 7

THE SWEENEY (2012) 7

3615 CODE PERE NOEL (1989) 2

PULSEBEAT (1985) 1

BLUE RUIN (2013) 7.5

PASSENGER SIDE (2009) 7

IL GRANDE SILENZIO (1968) 7

STAKEOUT (1987) 7.5

BRINGING OUT THE DEAD (1999) 5.5

UNCLE BUCK (1991) 6

HJEM TIL JUL (2010) 7

MILANO TREMA (1973) 6

FAVETI VIVI, LA POLIZIA NO INTERVERRÀ (1974) 5.5

L'INCONNU DU LAC (2013) 6

TRIPLE TAP (2010) 6

TRUE CONFESSIONS (1981) 5.5

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A Real Hero


DRIVE (USA, 2011)


https://www.youtube....h?v=BHgYtKkSEDA


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100%


Nur etwas mehr als eine Handvoll gibt es davon für mich, nur alle paar Jahre erscheint einer: Der vollkommene Film.

Bittersüße Lovestory, blutiges Gemetzel.
Urbaner Rambo in Lost In Translation.

Auf beste Art angereichert mit interpretatorischen Bezügen, die bei jeder Sichtung zur erneuten Entdeckungsreise einladen.
Und so wunderschön: Bildsprache, Soundtrack, Story - absolute Perfektion.

Carey Mulligan mit ihrem Lächeln hat mich dazu gebracht, bei Amazon einen neuen Bestand an zu sichtenden DVDs zu kaufen.

Ich spare an Worten und wiederhole stattdessen einfach nur, was für sich selbst spricht:


100%

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Dezember 2014 Alle Filme


Letzter Eintrag im Filmjahr 2014.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Taxi Driver 1976 (Martin Scorsese) 10/10 *
King of New York 1990 (Abel Ferrara) 8-9/10 *
The Funeral 1996 (Abel Ferrara) 9/10
Sono otoko, kyôbô ni tsuki (Violent Cop)1989 (Takeshi Kitano) 8/10 *
3-4 x jûgatsu (Boiling Point) 1990 (Takeshi Kitano) 8-9/10
Mission Impossible II 2000 (John Woo) 3/10
Brother 2000 (Takeshi Kitano) 7/10 *
Merry Christmas Mr. Lawrence 1983 (Nagisa Ôshima) 9/10 *
Bai ri yan huo (Black Coal Thin Ice / Feuerwerk am Hellichten Tage) 2014 (Yi´nan Diao) 7/10 *
Yoidore tenshi (Engel der Verlorenen) 1948 (Akira Kurosawa) 8/10
Ikiru 1952 (Akira Kurosawa) 10/10
Ikimono no kiroku (Bilanz eines Lebens) 1955 (Akira Kurosawa) 9/10
The Master 2012 (Paul Thomas Anderson) 8-9/10
Let there be Light 1946 (John Huston) 7/10
Men, Women & Children (Kino) 2014 (Jason Reitman) 2/10
Johnny got his gun 1971 (Dalton Trumbo) 5-6/10
Shock Corridor 1963 (Samuel Fuller) 10/10 *
Cross of Iron 1977 (Sam Peckinpah) 8-9/10 *
The Princess Bride 1987 (Rob Reiner) 8/10 *
The Neverending Story (US Cut) 1984 (Wolfgang Petersen) 6-7/10
The Boat that rocked 2009 (Richard Curtis) 6/10
Quo Vadis 1951 (Mervyn LeRoy) 7/10 *
Men in War 1957 (Anthony Mann) 8/10 *
Attack 1956 (Robert Aldrich) 9/10 *
The Angry Hills 1959 (Robert Aldrich) 7/10
Fanny och Alexander (TV-Langfassung) 1982 (Ingmar Bergman)10/10

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MEIN FILMJAHR 2014 - EIN RÜCKBLICK, TEIL 2


Nach dem Blick zurück auf alte Bekannte nun ein Blick auf die Filme, die ich im letzten Jahr zum ersten Mal gesehen habe, jedoch ohne, dass ich mich dabei aufs Erscheinungsjahr 2014 beschränken will. Hier also meine persönliche TOP 25 der von mir erstmals im letzten Jahr gesehenen Filme. Und auch hier sollten die Screenshots ausreichen, um die Filme zu erkennen.

PLATZ 25:

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PLATZ 24:

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PLATZ 23:

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PLATZ 22:

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PLATZ 3:

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PLATZ 2:

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PLATZ 1:

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weiter


Filme auf der Insel sind immer etwas besonderes. Schon, weil du sie in dieser anderen Welt guckst. Und glaube mir, der Mars ist eine andere Welt. Und weil sie ganz anderen Zwecken dienen, als die, die du aus beruflichen, Fan-technischen, filmwissenschaftlichen oder gesellschaftsdrückerischen Gründen guckst. Nämlich nur, um die Beine mal hochzulegen, eine Siesta zu überbrücken, oder vor dem Pennen noch mal auf andere Gedanken zu kommen. Auf Lanzarote war Tom-Atkins-Woche. Nicht zu verwechseln mit Christopher Atkins, der "Fackel" aus "Top Secret".

Birgit

In Rottach-Egern gab es Mitte der 80er drei Hotels der absoluten Luxusklasse. Das Bachmair am See, die Überfahrt, und den Walters Hof. Das Bachmair am See stand lange im Ansehen weit über den anderen, in den 70ern war dort Harald Juhnke Dauer-Showact, im Publikum des Night Club traf man Weltstars, Bayernspieler, Luxushuren. In den 80ern verkam es zur Kulisse für Fernsehkitsch a la "Schwarzwaldklinik", bot aber immer noch mit seinen diversen exquisiten Wohnanlagen und Spezialitätenrestaurants den Bayern und vielen Unterhaltungsstars eine Heimstatt. Heute ist es kaum mehr als ein Abglanz seiner großen Zeit, keiner von meinen im Tal verbliebenen Freunden wußte zuletzt gutes darüber zu berichten.

Die Überfahrt hatte den Touch des Neumodischen, aber den besseren Abschlepphafen im Nightclub-Keller. Damals wie heute. Die Überfahrt heißt Überfahrt, nicht um Engländer zu amüsieren, sondern weil man von dort mit einem Nachen die 200 Meter Seelinie nach Tegernsee übersetzen konnte, ohne fünf Kilometer einmal um die ganze Bucht zu latschen. 1984 hat mir Michaela dort auf einer Kellertreppe einen Iro geschnitten, der mir eine Beförderung beim Bund ersparte. Die Überfahrt wurde 2001 auf sehr umstrittene Weise renoviert. Ecki und andere fluchen darüber, aber mir gefällt ihr lush 60er-Art-Deco-Design recht gut.

Der Walters Hof war im Gegensatz zu den vorgenannten 1985 noch eine bessere Kneipe, aber immerhin schon das drittfetteste Kätzchen am Platz. In seiner Küche kochte Tim Kock (hihi), der später erfolgreich bei Iris Berben am Wiener Platz andockte. Tim war ein Punk aus Plön in Schleswig-Holstein, um die 20 wie ich, und lag soziokulturell mit mir auf einer Wellenlänge. Ich hatte 1983 mal im Bachmair am See gespült und fühlte mich auf eine perverse Art befördert, als ich als "Hausbursche" im Walters Hof anheuerte. Dann gab es noch Birgit, Kellnerin im Walters Hof und Tims heiße Freundin.

Birgit war ein aschblondes, hundertprozentiges A-Listen-Babe mit lupenreinem Mannheimer White-Trash-Pedigree. Blaue Kugelaugen, Schmollmund, Stupsnase, Dauerwellengebirge, die perfekte Figur. Ich hatte es auch nicht schwer, bei schönen Frauen anzukommen, mußte mich dafür aber bemühen. Tim fielen sie nur so um den Hals. In den paar Jahren, in denen wir gemeinsam um die Häuser zogen, hatte er drei Weiber, auf die ich selbst scharf war, und die anderen hätte er auch alle haben können. Nicht wie die Nase eines Mannes, sondern wie die Größe. Tim war 1,95 Meter. Dazu blond, bauäugig und schön. Und nicht blöd.

Ich aber stehe auf Spanking. Popoklatsch. Bin nachgerade davon besessen. Das wußte aber damals niemand. In einer Straßenbande ist es nicht gesund, sich allzu direkt zu abstrusen Perversionen zu bekennen, und sei es noch so eloquent formuliert. Nur ein paar ausgewählte Mädels wußten Bescheid. Die mit den roten Hintern.

Tim aber nannte eine Bude sein eigen, die damals ihresgleichen suchte. Großes Haus am Hang oberhalb vom Tegernsee. Unten eine öffentliche Disco, oben eine gigantisch große Wohnung mit rund ums Haus reichendem Balkon. Das war die Wohnung von Tim. Bei Tim haben wir gerne Videoabende veranstaltet, wie sich wohl versteht. Erst unten zechen und vielleicht ein bißchen Stunk machen, dann hoch in Dr. Evil's Secret Lair (so kommt es mir heute vor), und aus dem Bierkasten weiter trinken. Und einen Film gucken. "Nightmare" von Romano Scavolini zum Beispiel, "Hardrock Zombies", oder "Kleine Teufel", noch immer ein Geheimtip. Die alle habe ich da zuerst gesehen. Heute aber steht eine Zweitsichtung (für mich) auf dem Programm: "Creepshow" von George Romero.

Birgit trägt einen hauchdünnen Jogginganzug und schmiegt sich auf der Couch eng an mich. Sweeeet. Zum Glück ist und war Tim nie eine halbe Sekunde eifersüchtig. Es folgt die teilanimierte Eröffnung, in welcher ein Knabe sein Comic Book verliert an einen autoritären Dad, der ihm für den Wiederholungsfall in Aussicht stellt, einige Tage nicht sitzen zu können. Worauf sich Birgit zu mir umwendet, mich mit großen Augen anblickt, und mit anbetungswürdigem Gesichtsausdruck erklärt: "So was hat mein Vater auch mit mir gemacht. Mit dem Handfeger. Aber auf den nackigen Arsch."

Ich blicke fassungslos zurück, stammele etwas wie Uiuiui und denke mir meinen Teil. Sonst bin ich um spontane Reaktionen weniger verlegen ("Das hast du verdient, weil du immer die Bay City Rollers gehört hast."). Und wissen die Weiber eigentlich, was sie mit so etwas bei Männern anrichten können? Der strenge Vater aus "Creepshow" aber, der mir diesen unvergesslichen Moment bescherte, war Tom Atkins. Mir schon bekannt von

The Fog

aus dem Jahr 1980. Zufällig bin ich zu Halloween auf Lanzarote. In Spanien interessiert sich für Halloween genau gar keiner. Ist bloß ein schwuler amerikanischer Kackwichs für die. Und auf Lanzarote gefühlt gleich noch weniger. Nur ein paar blöde Briten zeigen falsche Flagge, schleifen unverdrossen feiste Kinder in albernem Fummel durch die tropische Nacht.

Ich aber falle Abends nach des Tages Action gerecht entkräftet in die Couch und werfe den Fernseher an. Bin noch nicht bettreif. Da müssen doch Horrorfilme kommen. 200 Programme, aber fündig werde ich bei ARD oder ZDF. Da gibt es "The Fog". Tom Atkins ist der Star. Nahezu augenblicklich muß ich an Birgit denken, ihren geilen Arsch, und den Spaß, den ihr Dad hatte. Gehabt haben mußte. Um es nochmal zu unterstreichen. Danke, mein Namensvetter. Und dann ist da Adrienne Barbeau. Ihr habt euch sicher schon gefragt, ob dieser Blog noch sexistischer geraten kann. Na, schaun mer mal.

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Magical History Tour: Edgar Wallace - Das Wirtshaus von Dartmoor (Rudolf Zehetgruber, 1964)


Bekannter "Wallace"-Klassiker, lief damals im Kino. Anderthalb Sterne aber beinah ausschließlich für das sleazig inszenierte Dekolleté des so genannten "Schankmädchens". Freilich hält der Film die eine oder andere schöne generische Blüte bereit, von inszenatorischer Raffinesse aber - oder gar nachvollziehbarer Leidenschaft - ist man jedoch weit entfernt. Freuen darf man sich über Kleinigkeiten wie etwa so Sätze wie "Du, Kleine, ich habe noch nie daneben geschossen!" Wem das reicht... Hin und wieder auch ein müder Witz. Ansonsten durchaus sehr öde.

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Magical History Tour: Moj Stan - Zvonimir BERKOVIC, YU 1963


Ein quasi-Stummfilm über die schöne neue Wohnwelt einer kroatischen Familie. Die Erzählung wird lakonisch-trocken von der Tochter, die gerade eine Hausübung über den Umzug schreibt, kommentiert. Eine Reihe einfacher, teils recht absurder Einfälle zeichnen dieses Kleinod aus. Immer wieder interessant, wie viel Inhalt ein guter Kurzfilm komprimiert darstellen kann.




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Die Erschöpfung


Ich glaube zwar kaum, daß irgend jemand meine Beiträge in der letzten Zeit wirklich vermißt hat, aber möglicherweise ist es ja doch dem einen oder anderen aufgefallen, daß ich mich hier zuletzt ziemlich rar gemacht habe. Das hat verschiedene Gründe, aber der fraglos wichtigste ist ganz einfach der, daß ich in der jüngeren Vergangenheit kaum Filme gesehen habe.
Nun ist ein Zeitabschnitt, während dem man wenige Filme sieht, auch unter Filmfreunden vermutlich nicht so außergewöhnlich (außer vielleicht bei den Enthusiasten, die es auf mehr Filme im Jahr bringen, als dieses Tage hat); doch ich habe mittlerweile den Eindruck, daß es sich in meinem Fall bei diesem Abschnitt nicht nur um eine kurze Episode handelt, sondern um eine neue Phase in meinem Werdegang als Filmliebhaber. Dieser begann einst mit dem schlafenden Interesse, als ich zwar ab und zu mal Filme sah, ohne mich aber für die Kunstform bzw. das Medium näher zu interessieren; dann erwachte (vor etwa zwanzigeinhalb Jahren) dieses Interesse schlagartig, und ich trat in meine klassische Entdeckungsphase ein, in der sich meine filmischen Vorlieben zum großen Teil herausbildeten. Als ich dann bei kino.de aktiv wurde, folgte meine erweiterte Entdeckungsphase, in der ich aufgeschlossener denn je Filme sah, auch solche, um die ich früher einen großen Bogen gemacht hätte, während der sich meine Vorlieben (und Abneigungen) aber trotzdem nur noch in Nuancen, nicht so sehr grundsätzlich änderten.
Inzwischen gibt es für mich aber keinen Zweifel mehr daran, daß ich in eine neue Phase eingetreten bin: es ist die der Erschöpfung.
Natürlich kann ich nicht genau sagen, wann die Erschöpfung begonnen hat, aber es gibt zumindest Anhaltspunkte. Da ich seit recht vielen Jahren alle Filme, die ich sehe, notiere, weiß ich auch, wie viele Filme ich in einem Jahr erstmals gesehen habe. Und da zeigen die Zahlen eine deutliche Tendenz: 2009 sah ich noch 101 Filme zum ersten Mal (dazu kommen natürlich in allen Jahren immer noch die Filme, die ich vorher schon mal gesehen hatte), 2010 waren es immerhin noch 97, 2011 noch 71, 2012 nur noch 52 und im letzten Jahr gerade einmal 28. In diesem Jahr könnten es sogar noch weniger werden.
Es gibt natürlich auch ganz praktische Gründe dafür: meine wichtigste filmische Fundgrube war in all den Jahren das Fernsehen. Doch inzwischen mache ich dort kaum noch Neuentdeckungen, denn entweder laufen Filme, die ich schon kenne, oder solche, die mich nicht besonders interessieren. Außerdem sah ich noch eine wesentlich geringere Anzahl von Filmen im Kino, manchmal aktuelle Filme, aber auch immer wieder ältere in Programmkinos. Allzu viele Kinobesuche konnte ich mir freilich schon früher nicht leisten, und inzwischen muß ich mich noch viel stärker einschränken; auch dies ist ein Grund dafür, daß ich kaum noch ins Kino gehe.
Aber diese praktischen Gründe sind nicht die einzigen dafür, daß ich mittlerweile so wenig Filme sehe. Ich merke an zahlreichen Symptomen, daß auch mein Interesse spürbar nachgelassen hat. Ich bin ungeduldiger geworden; natürlich gab es auch früher Filme, die mir auf die Nerven gingen, aber ich habe trotzdem viele Jahre jeden noch so blöden Film bis zum Ende ertragen. Inzwischen kommt es (wenn auch immer noch sehr selten) vor, daß mein Geduldsfaden reißt und ich vorzeitig abbreche; so habe ich gerade erst vor wenigen Wochen ein fast überall hochgelobtes Werk nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen, weil ich darin nur eine Nummernrevue ohne Sinn und Verstand erkennen konnte. Heutzutage ist es auch so, daß ich mich viel leichter als früher davon abschrecken lasse, mir einen Film überhaupt anzusehen: so ist meine Bereitschaft, überlange Filme zu sehen, deutlich gesunken; um manche Filme mache ich aber auch einen Bogen, weil mich ihr Thema abschreckt (um gleich ein Beispiel zu nennen: ich weiß, daß heute abend mit Hanekes "Liebe" einer der meistgelobten und meistprämierten Filme der letzten Jahre im Fernsehen gezeigt wird, aber ich habe nicht die geringste Lust, mir den anzusehen). Am liebsten sehe ich zur Zeit eigentlich Filme, die ich bereits kenne, und von denen ich weiß, daß ich sie mag; und selbst das mache ich nicht allzu oft. Daß ich infolgedessen auch nur wenig über Filme schreibe und diskutiere, ist die fast logische Konsequenz. Natürlich kann ich mich auch jetzt noch für einzelne Filme begeistern, doch momentan geschieht dies eher sporadisch.
Ich weiß nun freilich nicht, ob diese Phase der Erschöpfung nun das letzte Stadium meines Werdegangs als Filmliebhaber ist oder ob es sich um eine Übergangsphase handelt; vielleicht durchlaufe ich auch eine Phase der Regeneration, auf die eine "Wiedergeburt" meines Filminteresses folgen wird.
Darauf wetten würde ich allerdings nicht.

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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

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Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)



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