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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch
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THE RIOT CLUB


THE RIOT CLUB Reiche Unschuld?
Sie haben noch nie etwas anderes gesehen, geatmet oder geschmeckt.
Vorgestellt werden die vom Heiligenschein geküssten- als Kontrast werden Gutbürgerliche Mädchen gestellt, die mehr sahen, mehr rochen und leidenschaftlicher Kontakte knüpften.
Und noch ein Kontrast wird Pfeil geboten. Ein reicher Bengel, der unter seines Gleichen bleiben muss und ein reicher Bengel, der sich nichts darauf einbildet, reich zu sein, aber um der Vorzüge weiß und diese schätzt.
Die Initiation- ein Getue ohne Worte- man nehme sich jegliche Rechte heraus, übergehe jede Regel, stelle sich als Übermenschen dar- überheblich und eingebildet.
Eine andere Welt: Ein Pub, kleine Menschen, ein feines Leben- ein stolzer Besitzer. Belächelnd lächerlich.
Ein exzessives Gemetzel- gegenüber kleiner Menschen, die arbeiten, die Werte kennen, die lieben und lachen können, für die nicht alles ein Witz ist.

Ein politisches Spektakel.

Im Kino hat es mir die Sprache verschlagen.

Jetzt -latent gereizt.

Widerlich niveaulos, aber mit feiner Optik, fein abgestimmter Musik und leisen Momenten- kompromisslos, kontrastreich mit einer Prise Eifersucht und einer großen Debatte-

angewiderte Jugendliche, die satt sind.

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DINER (Barry Levinson/USA 1982)


"The only hand on your pecker is going to be your own!"

Diner (American Diner) ~ USA 1962
Directed By: Barry Levinson

Baltimore, 1959: Sechs Freunde stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden oder haben diese bereits überschritten. Eddie (Steve Guttenberg) steht kurz vor seiner Hochzeit, kann sich aber noch nicht recht entschließen, jenen finalen Schritt zu wagen; Shrevie (Daniel Stern) ist bereits mit Beth (Ellen Barkin) verheiratet, doch in ihrer Ehe kriselt es bereits; Boogie (Mickey Rourke) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durchs Leben und verwettet jeden verdienten Dollar; Fenwick (Kevin Bacon) leidet unter den für ihn uneinlösbaren Erwartungen seiner Familie und hat ein Alkoholproblem, Billy (Tim Daly) studiert bereits und ist gerade dabei, Vater eines unehelichen Kindes zu werden und Modell (Paul Reiser) lässt sich gern einladen, um nicht als bettelnder Schnorrer dazustehen.

Eine straighte Geschichte gibt es in Barry Levinsons schönem Regiedebüt nicht; vielmehr verflicht er die autobiographisch gefärbten Segmente mit gehörigem Zeitkolorit etwa in Form eines sorfältig kompilierten Soundtracks zu einem wiederum dicht verwobenen Ganzen, das Bestand hat als Porträt seiner Jugend und Stadt. "Diner" wird sich später zudem als erster Film seines bis dato vierteiligen "Baltimore-Zyklus" im cineastischen Bewusstsein verankern. Da in der neuenglischen Metropole noch vieles aussieht wie ano dunnemals benötigt Levinson lediglich ein paar alte Autos als Requisiten; das titelspendende Restaurant, Dreh- und Angelpunkt des Sextetts, war zum Drehzeitpunkt des Films noch existent und konnte praktisch unmodifiziert genutzt werden. So atmet "Diner" trotz eines verbrieft geringen Budgets und seiner besonders im entstehungszeitlichen Kontext intimen Art der Darbietung den Hauch großen Kinos. Rückblickend sorgt dafür natürlich auch die aus damals noch unbekannten Nachwüchslern bestehende Gardebesetzung, worunter insbesondere Mickey Rourke, dessen Boogie ohnehin als heimliche Hauptfigur des Geschehens durchgeht, bereits Zeugnis seiner unbestrittenen Klasse ablegt. Ein Liebhaberstück.

8/10

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NIGHTCRAWLER (Dan Gilroy, 2014)


I like older women.

Lou Bloom ist ein arbeitsloser junger Mann, der sich mit Diebstählen über Wasser hält bis er eines Tages die Bekanntschaft des Sensationsjournalisten Joe Loder macht, der seinen Lebensunterhalt damit bestreitet, Filmaufnahmen von schweren Unfällen, Bränden und Gewaltverbrechen an das Frühstücksfernsehen zu verkaufen. Sein Motto: If it bleeds, it leads. Lous Versuch, ihn dazu zu bewegen, ihn einzustellen, scheitert, und so besorgt er sich kuzerhand einen Camcorder, um seinerseits noch detailliertere, noch blutigere, noch exklusivere – und damit wertvollere – Aufnahmen zu produzieren.

Der Sichtung hatte ich angesichts der vielversprechenden Geschichte mit großen Erwartungen entgegen gesehen, zumal die Kritiken einigermaßen euphorisch ausfielen. Und doch hat das Ergebnis meine kühnsten Erwartungen übertroffen: Nightcrawler hat mich schlichtweg weggeblasen. Der Einstieg in die Handlung erfolgt ganz unvermittelt, und augenblicklich entfaltet sich eine extreme Sogwirkung, der man als Zuschauer praktisch hilflos ausgeliefert ist. Der von einem großartigen Jake Gyllenhaal verkörperte Lou Bloom ist ein Soziopath ersten Ranges, der sein Ziel mit einer derart unerbittlichen Konsequenz verfolgt, dass es einem stellenweise die Sprache verschlägt. Dabei steht ihm der Irrsinn ins Gesicht geschrieben, die Augen scheinen ständig kurz davor zu stehen, aus den Höhlen zu treten, und doch ist er in seinem Handeln eiskalt berechnend. Ihn zu beobachten ist abstoßend und faszinierend zugleich, und so ist man als Zuschauer lange auf seiner Seite. Sein Vorgehen ist ebenso dreist wie skrupellos und wird von Nacht zu Nacht rücksichtsloser. Dabei zeigt er zunehmend Zeichen einer Abhängigkeit und steigert sich in einen regelrechten Rausch. Wie ein Süchtiger will er immer mehr, immer extremere Bilder, sucht den immer größeren Kick. Die Hemmschwelle sinkt beständig, Grenzen verschwimmen, um sich irgendwann ganz aufzulösen. Er wird vom Beobachter zum Beteiligten und schließlich zum Täter. Wie er am Schluss seinen Partner abserviert, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Den ganzen Wahnsinn fängt Gilroy in unterkühlten Bildern ein, die das nächtliche L.A. von einer Seite zeigen, die der normale Bürger höchstens vom heimischen Wohnzimmer aus im Fernsehen sehen will. Und dennoch sind es Bilder von atemberaubender Schönheit, wie sie Michael Mann in seinen besten Zeiten zu Stande brachte. Dazu wummert zurückhaltend aber immer bedrohlich James Newton Howards großartiger Score. Nightcrawler ist eine bitterböse Satire, zugleich aber auch ein hochgradig spannender Thriller von technischer und darstellerischer Brillanz. Ich verwende den überstrapazierten Begriff „Meisterwerk“ nur selten; in diesem Fall ist er gerechtfertigt. Der Taxi Driver des 21. Jahrhunderts.

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Berlinale 2015 No. 2


Eine Woche Berliner Filmfestspiele Part 2
(Part 1 : HIER)

Mittwoch
Den Mittwoch verbrachte ich komplett im Zeughauskino mit 3 Filmen aus der glorreichen Technicolor Ära.
Zuvor noch kurz ein Snack nebenan im Museumscafé und dann ging es schon um 16.30 mit dem ersten Film los. Gezeigt wurde Scaramouche von George Sydney aus dem Jahre 1952. Den Film meine ich das letzte Mal im Alter von 10 Jahren gesehen zu haben. Scaramouche mit Stewart Granger (wie immer der galante Frauenheld), Janet Leigh (zum zweiten Mal nach The Naked Spur mit sensationell tiefem Ausschnitt), Eleanor Parker (diese feuerroten Haare !) und Mel Ferrer als Grangers Gegenspieler der Marquis de Mayne. Der Film würde ein feines Double Feature mit dem japanischen An Actors Revenge ageben. Auch hier wird Rache genommen mit den Mitteln des Schauspiels. Überhaupt ist Scaramouche ziemlich tricky, bietet er gegen Ende einen schönen Plottwist mit dem man nicht unbedingt rechnet und refelektiert nebenbei das Swashbuckler/Mantel-Degen Genre ansich. Das hätte ich so gar nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Schön auch, dass unser Held hier erst seine Skills lernen, ja im Grunde in seine Rolle wachsen muß, was durchaus zweideutig gemeint ist. Scaramouche ist witzig, spannend und aktionsreich und äußerst farbenfroh. Habe ich schon die unglaubliche Qualität der Kopie gelobt ? Nein ? Grandios. 8/10
Grandioser sollte es aber doch noch werden. Nach dem Film mußte ich leider das Kino verlassen um mich just wieder in die Schlange einzureihen und noch schnell ein Brot im Stehen zu verschlingen. Denn nun wurde der Film gezeigt, wegen dem ich allein schon fast das Bahn Ticket gekauft habe.

Duel in the Sun aus dem Jahre aus dem Jahre 1946 von King Vidor (was eigentlich quatsch ist, da man hier, ähnlich wie bei Gone with the Wind von einer reinen Selznick Produktion sprechen kann, die insgesamt 6 Regisseure verschlissen hat, Selznick selber, der einige Szenen drehte, nicht miteingerechnet). Seit ca. 25 (!!!) Jahren will ich diesen Film sehen. Seit ich als kleiner Pöps in der öffentlichen Bücherei damals in einem Filmbildband blätterte, der Farbfotos aus eben jenem Film beinhaltete , will ich Duel in the Sun sehen. Angeheizt wurde ich vor einigen Jahren noch durch Martin Scorsese, der innerhalb seiner American-Film Doku von ihm schwärmte, ja diesen Film geradezu anbetete. Meine innere Spannung wurde zudem noch mehr aufgeheizt als der Film im dunklen Saal von einer knapp zehnminütigen Ouvertüre eingeleitet wurde bevor sich der Vorhang öffnete und die strahlenden Technicolor Farben sich auf mich ergossen. Was man in Duel in the Sun für die nächsten 2 1/2 Stunden erlebt ist kaum in Worte zu fassen. Nicht nur das es sich hier um ein großes Familien-Wildwest-Epos handelt, ich traute meine Ohren und Augen kaum was in diesem vor Hitze flirrendem Film alles verhandelt wird : Rassismus und Rassenmischung, Brudermord, Ehebruch, Zivilisationsproblematik und und und. Nebenbei steckt in der Amour-Fou recht deutlich Carmen von Bizet und überhaupt ist dieser Film purster Sex sowie libidinös aufgeheizte Leidenschaft. Der Film ist vollkommen megalomanisch ! Am Ende blieb mir dann tatsächlich der Mund offen stehen. Eros und Tod auf einer Linie. Das sind die zwei großen Themen dieses Hammer-Films ! 10/10 und ganz schnell auf BR !

Im Anschluß an Duel in the Sun gab es dann noch einen richtigen Vidor Film. An American Romance aus dem Jahre 1944.
Laut King Vidor ist dies der abschließende Teil seiner großen amerikanischen Trilogie War, Wheat & Steel. Beginnend mit The Big Parade, weiterführend mit Our Daily Bread bildet An American Romance den letzten Teil, der damals von MGM um eine halbe Stunde gekürzt wurde, worüber Vidor sehr enttäuscht war, da das Studio die menschlichen Aspekte der Story zusammenschnitt.
Der Titel An American Romance meint in diesem Falle, eine Romanze mit seinem Land. Der Film ist die zweistündige Aufsteigergeschichte eines armen tschechischen Immigranten, der vom einfachen Arbeiter im Tagebau übers Stahlwerk hin zum Automobilpionier und am Ende mit Eintritt in den zweiten Weltkrieg in der Flugzeugbranche Erfolge feiert. Die Geschichte vom amerikanischen Traum, vom einfachen Mann, der seine Kinder nach Präsidenten benennt, dem eine gutmütige und warmherzige Frau zur Seite steht und der wie ein besessener nach oben will. Das ist gar nicht so naiv, wie es sich zuerst lesen mag. Ich wartete bei all dem Aufstieg auf den Vidorschen Moment, der schon in The Crowd und The Big Parade vorhanden ist, indem der Film auf einmal um 180 Grad kippt. Das tut er hier nicht bzw. kann man ihn eher erahnen. Selbst als einer seiner Söhne im ersten Weltkrieg stirbt geht das Leben weiter, kommt die Arbeit, der Stahl zuerst und dann die Familie. Einen Bruch gibt es dann trotzdem noch als kurz vor dem Ende sich sein eigener Sohn innerhalb der Firma gegen ihn, den Patriarchen, richtet, der die Arbeiter organisieren will. In diesen Szenen nimmt der zuvor sonst so leichte und auch witzige Film, dunkle Züge an. Interessant ist dann auch das Ende des Films. Eigentlich schon in Kalifornien im Ruhestand, die Haare ergraut, kommt die Zeitungsmeldung der Bombardierung Pearl Harbors und der Geschäftsmann Amerikas tut, was er tun muß : Er baut Flugzeuge ! Das Ende kann man patriotisch sehen, man kann aber auch sagen, dass dies ein Paradebebeispiel des amerikanischen Pragmatismus darstellt. King Vidors zweistündiger Film wäre sicherlich ein besserer und auch ein verständlicherer, hätte man ihn so gelassen. Man spürt aber diesen Film dennoch und auch so ist An American Romance mit seinem knalligen Technicolor, seinem Witz, seinen wahnsinnigen Dokumentaraufnahmen direkt aus der Maschinerie ganz großes amerikanisches Kino. 8-9/10

Donnerstag
13 Uhr Zoo Palast Wettbewerbsbeitrag. Eisenstein in Guanajuato. Der erste Greenaway seit Nightwatching von 2007 wurde von mir durchaus auch mit Spannung erwartet. Enttäuscht worden bin ich nicht. An seine große Schaffensphase aus den 80er und 90er Jahren kann er allerdings nur bedingt anschließen. Was mich vor allem gefreut hat ist die Tatsache, dass Greenaways Film über Sergei Eisensteins Tage in Mexiko weder ein Biopic im üblichen Sinne geworden ist, noch ist es ein Film über die Dreharbeiten seines unvollendeten Que viva Mexico !. Nein, es ist ein typischer Greenaway geworden der vor allem zwei große Greenaway Themen ins Auge fasst : Sex und Tod. Vor allem Sex. Schwule Erweckungsreise stand in der taz oder wars die Zeit !? Na egal, jedenfalls passt das ganz gut wobei ich das als eine rein sexuelle Erweckungsreise im physischen Sinne auffassen würde. Der Film ist nicht nur vulgär, er ist eine echte Sause. Ich hab mich jedenfalls köstlich amüsiert. Was das szenische anbelangt so bringt uns Eisenstein, äh, Greenaway die Eisensteinsche Montage nahe indem er sie nahtlos ins Bild fügt sowie das Bild auch immer wieder auseinandergerissen wird um dann später ganz zum Greenawayartigen Tableau zu werden. Das ist Filmgeschichte und Kunst zugleich in Form einer großen Party. Allerdings kann auch dies nicht ganz ohne biografische Narration vonstatten gehen und dies sind dann auch die Schwachpunkte, wie ich finde, da es dann immer ein bißchen langweilig wird. Man darf aber gespannt sein, wie es mit Greenaways Eisenstein weitergeht. Der Mann ist ja produktiv wie nie zuvor. Sein nächster Film über den Bildhauer Brancusi ist schon in der pre-production und dann solls mit dem zweiten Eisenstein Film weitergehen. Sex und Tod. Schön dem nach Duel in the Sun auf diese Art wiederzubegegnen. 7/10

Danach gings ins Cinemaxx. Wieder Sichtung zu dritt. Auf dem Programm stand mein dritter Sektion Generation14+ Film. Gezeigt wurde der franko-kanadische Corbo. Der Film spielt im Kanada der 60er Jahre, als in der Provinz Québec sich im Untergrund radikale Kräfte formieren, die als Front de libération Bombenanschläge verüben um mit millitanten Mitteln die Abspaltung von der englischsprachigen Minderheit Kanadas herbeizuführen. Nach der in Frankreich benannten Corbo Affäre erzählt der Film die tragische Geschichte des 16jährigen , aus einer italienischen Einwandererfamilie stammenden, Jean Corbo, der sich radikalisiert und so einer Gruppe anschließt, die Jugendliche für ihre Zwecke missbraucht. Aus einem spannenden Thema macht der Film leider nichts. Äußerst konventionell und nach Schema F mit wenig Einfällen schildert der Film die Geschichte von Jean Corbo, dessen Darsteller seiner Figur keine wirkliche Glaubwürdigkeit einhauchen kann. Da ist leider nichts außer langweiliger Geschichtsunterricht. 4/10

Als nächstes zu dritt nach Neukölln ins Passage Kino. Nein, kein Berlinale Film. Wir alle dachten aber, daß der neue Film von Paul Thomas Anderson, wenn schon nicht im Wettbewerb dann doch wenigstens außer Konkurrenz oder als Special Screening gezeigt wird. Da Inherent Vice während der Berlinale anlief also eine passende Gelegenheit um ihn sich zusätzlich zum Festival Programm in der OMU anzusehen. Um es ganz kurz zu machen. Ich kenne die Roman Vorlage nicht, hab ihn aber hier in deutscher Übersetzung schon liegen. Soll ja der leichteste Pynchon sein, wie man so hört. Was ich aber wohl sagen kann, ist die Tatsache, obwohl ich den Roman nicht kenne, zieht der Anderson seine Verfilmung ganz straight durch. Der Film ist total gaga. Von vorne bis hinten. Der narrative Strang ist so verschlungen und von undurchdringlichen Dope Schwaden umnebelt, wie Doc Sportellos Gehirn uns dies glaubhaft machen will. Nach nur 15 Minuten Film bin ich aus jeglicher Nüchternheit ausgestiegen und in dieses verquarzte Etwas eingestiegen. Joaquin Phoenix hab ich ja schon immer für nen ganz großen gehalten. Das klingt immer doof aber ich wüßte wirklich niemand anderes als diesen Mann für diese Rolle. Großes, drogiges Kino ! 8/10

Freitag
Treffen mit Settembrini bei Dussmann. Kurz was beim Bäcker geholt und dann vor die Tore des Folterpalastes gestellt. Ziemlich früh sogar. Wetter war top und wir hatten einiges zu beschnacken. Um 14.20 Uhr dann Einlass. Sofort rein und gleich in die Reihe mit Beinfreiheit, da was anderes für mich nicht in Frage gekommen wäre. Gezeigt wurde im Wettbewerb der neue Film von Terrence Malick, Knight of Cups, den ich übrigens auch mit Spannung erwartete. Settembrini sagte nach dem Film diesen schönen Satz :"Einst war Malick ein lyrischer Erzähler, nun ist er vollständig ein Lyriker geworden." Das trifft es recht gut wie ich finde. Jedenfalls spaltet Malick seit seinen letzten 2 Filmen, wie kaum ein anderer Regisseur der Gegenwart. Er macht dort weiter wo er mit To the Wonder aufgehört hat wobei Knight of Cups inhaltlich seinem Tree of Life näher steht. Aus Sean Penn ist nämlich Christian Bale geworden, der als Knight of Cups, der Tarotfigur, die von einer vollkommenen Langeweile heimgesucht wird, Los Angeles durchstreift auf einer existenziellen Reise, auf der Suche nach sich selbst, nach Liebe, nach den Flügeln, die den Menschen abhanden gekommen sind, wie es am Anfang heißt. Das ist dann hier auch der erste wirklich urbane Malick Film, den er gedreht hat. Waren in Tree of Life und To the Wonder die Innenräume oft auch Räume, die von der Natur durchdrungen waren, spielt dieser hier vollständig in der Großstadt in der die Elemente erst gesucht und gefunden werden müssen. Christian Bale ist in der Filmbranche und streift durch leere Studiolandschaften, Cocktailpartys auf denen das Geschwätz nicht zu hören ist, durch Stripclubs und andere Partys mit einem leeren Ausdruck, welcher druch die Bilder, die immer ins Leere laufen nur noch verstärkt wird. Ja und was sind das für Bilder. Meine Güte ! Insgesamt kann man von einem wahren Bilderrausch sprechen, der auf einen niederregnet. Die Kamera durchfliegt diese Sphären ebenso wie die Frauen, die Malick begegnen wieder tänzeln und blicken. Dann immer wieder Wasser, welches am Meer aufgesucht wird und in das im Pool gesprungen wird. Wasser ist Materie es ist fühlbar in einer Welt in der nichts mehr wirklich gefühlt werden kann. Wie schon in seinen letzten 2 Filmen und eigentlich schon ab The Thin Red Line radikalisiert Malick seine Bildsprache, die immer fragmentarischer gleichzeitig aber auch assoziativer wird. Es ist der Blick auf universelle Konzepte, die sich auf keine dramatischen Einzelkonflikte mehr herunterbrechen lassen bzw. aus dem Einzelnen wird auf das Ganze geschaut und es geht wie es in allen Malick Filmen darum geht, es geht um Liebe. Flüsternde, raunende, fragende innere Stimmen. Narrativer Dialog ist hier kaum noch vorhanden. Man darf hier nicht suchen, man muß sich ergeben, diesem puren Kino. 8/10

Danach waren wir noch kurz was futtern und fuhren gemeinsam zum Potsdamer Platz wo sich unsere Wege auch wieder trennten. Auf mich wartete der nächste Film. Diesmal wieder aus der Retrospektive. This Happy Breed von David Lean. Ein sehr früher Lean aus dem Jahr 1944. Der zweite um es genau zu sagen und noch genauer, ist es der erste Lean in Eigenregie. Der Film basiert auf einem Stück von Noel Coward, der mit Lean ja Anfangs oft zusammenarbeitete und den Film auch produzierte.Erzählt wird in zurückhaltendem Technicolor die Geschichte der britischen Mittelklassefamilie Gibbons, die nach dem ersten Weltkrieg ein Haus bezieht welches sie bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs wieder verläßt. Der Film, der fast ausschließlich ganz stageplay like, in Innenräumen spielt blickt auf das kleine einfache Leben, welches sich mit allem was dazugehört zwischen den zwei großen Kriegen abspielt. Liebe, Hochzeit, Gewohnheiten, Alter, Tod, Patriotismus werden hier immer im leichten Ton und mit viel britischem Understatement wiedergegeben. Das ist nett und immer amüsant und auch recht ehrlich. Der Film hat zwar noch nicht die Kraft der folgenden Lean Filme weiß aber durch seine exzellente Schauspielerriege zu überzeugen. Allen voran Celia Johnson, die hier kurz vor Brief Encounter, die Mrs. Gibbons gibt. Meine Güte, was für eine tolle Schauspielerin. 7/10

Danach gab es dann mit 600 Millas den letzten Film meiner diesjährigen Berlinale der im Panorama Special lief. Wieder Sichtung zu dritt. 600 Millas ist das mexikanische Debut des Regisseurs Gabriel Ripstein, der dieses Jahr auch mit dem Preis für den besten Erstlingsfilm bedacht wurde. In 600 Millas geht es um einen jungen Mexikaner der für ein Drogenkartell Waffen von Arizona nach Mexiko schmuggelt. Er tut dies mit Hilfe eines anderen White Boy, der ihm ganz legal die Waffen, die sie brauchen, besorgt. Da geht der Film ganz dokumentarisch vor und zeigt zunächst wie einfach es ist sich in den Staaten Handfeuerwaffen zu kaufen. Bei dem Besuch einer Waffenmesse geht draußen auf dem Parkplatz dann aber doch was schief. Durch Zufall wird ein Bundesagent (Tim Roth, der den Film auch mitproduziert hat) der ATF (Firearms and Explosives) auf sie aufmerksam. Als er zuschlagen will, macht er allerdings ein Fehler und wird vom White Boy überrumpelt. Der seinen mexikanischen Partner kurzerhand mit dem Problem im Stich läßt. Gefesselt und geknebelt geht s für Tim Roth nach Mexiko. Die zwei lernen sich ganz Roadmovie-artig kennen. Doch auf der anderen Seite von Mexiko kommt alles anders. 600 Millas war dann zum Schluß doch noch mal ne ziemliche Überraschung. Ein kleiner, feiner ultrazynischer Film ist das geworden der einen doch tatsächlich ziemlich überrumpelt und darüberhinaus einen ultrabitteren Kommentar über die Auswirkungen des Lebens an der Grenze abgibt. Friß oder Stirb. 7-8/10

Hat es sich dieses Jahr gelohnt ? Joa, schon. Man rennt halt nicht mehr mit Riesenaugen durch die Gegend weil alles so neu und aufregend ist. Den absoluten Knallerfilm habe ich dieses Jahr, jedenfalls unter den neuen Filmen, leider nicht gehabt aber soetwas hat man wahrscheinlich sowieso selten. Aber allein für Duel in the Sun hat es sich gelohnt und man muß natürlich auch sagen, dass man solche Filme auch nicht alle Tage auf so Riesenleinwänden zu sehen bekommt. Also es hat sich doch gelohnt. Nächstes Jahr vielleicht dann wieder. Naja mal schauen. Wobei.....ich glaub schon :)

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The Imitation Game...


...funktioniert als Schema-F-Politthriller, der zwischen echt spannender Geschichtstunde und haarsträubend hanebüchenen Hinzudichtungen hin und her pendelt, sehr bis ganz gut und ist als Turing-Biopic misslungen, was nicht wirklich am Cumberbatch liegt, der sich redlich, aber umsonst müht, inmitten von zahnschmerzfördernden Kalendersprüchen ("oft sind es die, von denen man es am wenigsten vermutet, die Großes vollbringen können") und einer Inszenierung, die penibel darauf achtet, bloß keine Schlüsselszenen aus Turings männerliebendem Privatleben zu präsentieren und sich im Ergehen in uraltbekannten Klischees bloß keine "Ausrutscher" zu erlauben, noch so was wie einen Menschen zu zeigen. Sehenswert wegen des immer wieder faszinierenden Enigma-Themas und durch die Bank weg tollen Spielenden ist der Film allemal, aber Turings zutiefst gebrochenes Leben hätte ein deutlich weniger braves Werk als dieses hier, wo Homosexualität nur in Blicken, Hormontherapien nur in zuckenden Fingern und Selbstmorde nur in Abspannstexten erzählt werden, gebraucht.

D.C.L.

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Mein Berlinale-Bericht 2015


Die Berlinale mit ihrer speziellen Festival-Atmosphäre ist für mich immer noch etwas Besonderes, und so habe ich nicht nur erstmals seit langem wieder mal einige Filme im Kino gesehen, sondern ich will aus diesem Anlaß ein paar Anmerkungen in meinem Filmtagebuch loswerden - auch dies erstmals seit langer Zeit.
Ich habe dieses Jahr mehr Filme gesehen als bei der Berlinale 2014, hatte insgesamt aber weniger Glück bei meiner Auswahl als damals. Trotzdem bekam ich auch sehenswerte Filme zu sehen, während mir ein echter Reinfall zum Glück erspart blieb.

Gesehen habe ich die folgenden Filme (in chronologischer Reihenfolge):

The Toll of the Sea [Retrospektive]
Inhaltlich erzählt der Film eine Liebesschnulze, deren Plot sich deutlich an Puccinis Oper Madame Butterfly anlehnt, nur daß hier China der Schauplatz des Films ist. Die Farben sind allerdings für einen Film von 1922 mehr als bemerkenswert: ganz natürlich wirken sie zwar noch nicht (das ermöglichte erst das Technicolor IV-Verfahren), doch die Farbgestaltung geht schon weit über die seinerzeit üblichen Viragierungen hinaus und nutzt die beschränkten Möglichkeiten des Technicolor II mit großer Raffinesse aus. Filmgeschichtlich daher von beachtlichem Interesse.

Beira-Mar [Forum]
Ein typisches Coming-of-Age-Drama über Selbstfindung und (Homo)sexualität: der junge Martin wird nach dem Tod seines Großvaters von seinem Vater zu dessen Haus geschickt, um eine undurchsichtig bleibende Angelegenheit, die mit dem Erbe zu tun hat, zu regeln; sein Freund Tomaz begleitet ihn.
Den Film empfand ich zunächst als recht sperrig, und eine ausgedehnte Partyszene hätte von mir aus auch kürzer ausfallen können. Andererseits muß ich mit dem Abstand von zwei Tagen einräumen, daß er stärker nachwirkt, als ich zunächst vermutet hätte. An den beiden jungen Hauptdarstellern fand ich Gefallen, und reizvoll ist es, hier einmal ein Brasilien im Winter fernab von allen Samba-Klischees zu erleben. Die Erzählweise ist aber fast schon zu elliptisch. Tomaz, der als Zeichner recht begabt ist, malt einmal in einer Toilette eine Frau ohne Mund an die Wand - so ähnlich wie diese Zeichnung kommt mir auch der Film vor: durchaus von Talent zeugend, wirkt er doch ein wenig unfertig.

I Remember [Perspektive Deutsches Kino]
Zwei junge Männer verbringen einige Tage in einem Haus am Strand und verlieben sich in dieselbe Frau, was zu Spannungen und Konflikten führt.
Der Film hat sehr atmosphärische Momente; weniger überzeugend als die audiovisuelle Gestaltung ist aber der auch für einen halbstündigen Kurzfilm eher schwache Plot. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte, die ihrerseits auf einen Song zurückgeht - das merkt man auch ein wenig.

Im Spinnwebhaus [Perspektive Deutsches Kino]
Der zwölfjähriger Jonas muß längere Zeit allein auf seine jüngeren Geschwister achtgeben, da seine psychisch kranke Mutter sich in Behandlung begibt und die Kinder mit dem Auftrag zurückläßt, dies geheimzuhalten.
Bei einem solchen Sujet drängen sich Vergleiche mit dem thematisch verwandten Meisterwerk Nobody knows von Hirokazu Kore-Eda förmlich auf. An dieses Werk kommt Im Spinnwebhaus bei weitem nicht heran, geht aber auch ganz andere Wege: der Film ist mit beinahe märchenhaften Elementen durchsetzt; besonders ein auf der Straße lebender junger Graf, der meist in Reimen spricht und Jonas öfters hilft, ist keine realistische, sondern romantische Gestalt. Diese Mixtur aus Sozialdrama und Märchen funktioniert (für mich zumindest) aber nicht so richtig und zieht den Film insgesamt ein wenig runter, was übrigens schade ist, denn der Film hat eindeutig seine Qualitäten: es gibt ein paar wirklich intensive Momente, die Schwarzweißbilder sind von großer Schönheit, und die Kinderdarsteller spielen fantastisch.

Mr. Holmes [Wettbewerb (Außer Konkurrenz)]
Der 93jährige Sherlock Holmes hat sich schon lange auf das Land zurückgezogen, wo er mit seiner Haushälterin und deren Sohn Roger zusammenlebt. Während seine Beziehung zu dem intelligenten Jungen immer enger wird, kämpft Holmes gegen den allmählichen Verlust seines Gedächtnisses und versucht sich daran zu erinnern, was bei seinem letzten Fall schiefgelaufen ist... Schließlich erkennt Holmes, der immer nur Fakten zusammengetragen und gedeutet hat, in seinem letzten Lebensabschnitt noch den Wert der Fiktion.
Ein schöner, melancholischer, bisweilen aber auch amüsanter Film über die Bürden des Alters, das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit, über unbewältigte Schuld und über Bienen und Wespen, der seine klug entwickelte Geschichte etwas verschachtelt erzählt und auf angenehme Weise altmodisch inszeniert ist. Getragen wird der Film vor allem von seinen ausgezeichneten Darstellern, wobei der wunderbare Ian McKellen an erster Stelle zu nennen ist.

Eisenstein in Guanajuato [Wettbewerb]
In seinem ersten Film seit langer Zeit thematisiert Peter Greenaway Sergej Eisensteins Aufenthalt in Mexiko, wo Eisenstein einen Film drehen sollte, der dann aber gestoppt und nicht mehr von Eisenstein selbst geschnitten wurde. Greenaway hat seinen Filmen mit kurzen Ausschnitten aus Eisensteins berühmtesten Werken gespickt und läßt über den Zuschauer enorme Bilderfülle hereinbrechen, wobei er zwar großes Können beim Umgang mit seinen Mitteln (so etwa die häufige Dreiteilung des Bildes) zeigt; trotzdem nutzen sich die formalen Kunstgriffe dieses Virtuosenstücks recht bald ab. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, daß Greenaway sich nur sekundär für den Filmemacher Eisenstein und den kreativen Schaffensprozeß interessiert, und deutlich mehr dafür, wie der sexuell unerfahrene Eisenstein homosexuelle Erfahrungen macht. Im Mittelpunkt steht dann auch eine meines Erachtens ziemlich alberne Szene, in der Eisenstein von seinem mexikanischen Begleiter regelrecht entjungfert wird und die damit endet, daß dieser Eisenstein eine rote Revolutionsfahne in den Hintern steckt. Letztlich ein Film, dessen eher dürftiger Inhalt mit der formalen Gestaltung, die zumindest stellenweise brillant ist, nicht mithalten kann, und der zwar durchaus seinen Unterhaltungswert hat, von Greenaways Meisterwerken der 80er aber Lichtjahre entfernt ist.

Knight of Cups [Wettbewerb]
Während Terrence Malick früher ein lyrischer Erzähler unter den großen Filmregisseuren war, ist er mittlerweile zu einem reinem Lyriker geworden. Dementsprechend sperrig ist Knight of Cups, der thematisch übrigens recht eng mit The Tree of Life verwandt ist, denn die Lebens- und Familiengeschichte der Hauptfigur (soweit sie sich dem Zuschauer erschließt) weist sehr deutliche Parallelen zu jener des ältesten der drei Brüder in The Tree of Life auf. Wirklich neu an dem Film ist aber, daß erstmals bei Malick die Großstadt eine Hauptrolle spielt.
Natürlich habe ich den Film nicht verstanden - allenfalls auf einer recht oberflächlichen Ebene; ich muß auch zugeben, daß es mir schwerfiel, diesem zweistündigen Bildergedicht stets mit der dafür eigentlich erforderlichen Konzentration zu folgen. Gewiß: für den Mut, die Radikalisierung seines filmischen Stils mit solcher Konsequenz zu betreiben, gebührt Terrence Malick Respekt - den Zuschauern, die bereit sind, ihm auf dem zuletzt eingeschlagenen Weg noch zu folgen, allerdings auch.

Snow White and the seven Dwarfs [Retrospektive]
Der erste abendfüllende Zeichentrickfilme aus dem Hause Disney ist zugleich einer der besten. Der Film folgt im wesentlichen dem Handlungsablauf des Grimmschen Märchens, läßt aber zwei Mordanschläge der bösen Königin weg, die im Film auch ein anderes Ende nimmt (das nicht so sadistisch wie im Märchen ist). Natürlich wird, wie fast immer in einem Disney-Zeichentrickfilm, viel gesungen, doch das läßt sich aushalten, und es gibt eine Fülle amüsanter Einfälle, gerade eine große Putz-Szene, in der das Zwergenhaus gereinigt wird, steckt voller putziger Details. Sehr gut gefallen hat mir auch, daß jeder der Zwerge eine ganz eigene Persönlichkeit hat. Am eindrucksvollsten fand ich aber doch die düsteren Sequenzen, die von der bösen Königin beherrscht werden (ich habe nun mal eine Vorliebe fürs Finstere...). Die Farben setzt der Film sehr dezent ein, richtig leuchtend und intensiv ist aber der vergiftete Apfel. Die zahlreichen bei der Vorführung anwesenden Kinder folgten dem Film begeistert und zeigten so, daß er trotz seines Alters jung geblieben ist.

Das war dann meine bescheidene Filmauswahl bei der diesjährigen Berlinale. Sehr schön an den diesjährigen Filmfestspielen waren (wie schon in früheren Jahren) die Begegnungen mit Gerngucker, Short Cut und Travis; das größte Ärgernis war dagegen kein Film, sondern die Sperrung des Nord-Süd-S-Bahntunnels, die meine Fahrten erheblich verkomplizierte.

Und das war es dann auch schon...

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WILD


GONE GIRL
Anschmiegsame Noblesse, gepaart mit dem manipulativen Witz einer Frau, die ihren Körper ausschließlich als Werkzeug begreift.
Mechanisch knicken ihre schmalen Glieder ein, verdrehen sich.
Sie bestimmt die Spielregeln auf eine Weise, die zunächst frösteln macht, letztlich aber anerkennendes Erschaudern verdient und jenes vormalige Missbehagen ob des frühzeitig aufgedeckten, allzu offenkundig asozialen Naturells in Vergessenheit geraten lässt.

THE HOMESMAN
Der Gebrauchswert eines Menschen. Aufgezehrt. Nur noch stumpfsinnig in der Ecke hocken, aus dem Fenster starren. Erkaltetem Licht ausgesetzt sein, versteinern. In weiter Ferne streift leerer Blick die Innenschrift einer Grabestafel. Doch sie ist unkenntlich gemacht, scheint stromaufwärts bewegt zu werden, auf flirrenden Wogengebilden....

THE IMMIGRANT
Erdverbunden, jenes Leid, das man sich einander antut und dies bereut, immer wieder und doch nicht anders kann.


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KURZKOMMENTARE - JANUAR 2015, Teil 2


Da nicht alle Kommentare in den vorherigen Beitrag gepasst haben, hier nun der Rest meines Januars:


NORTH TO ALASKA (USA 1960, Regie: Henry Hathaway)

Nach knapp 2 Stunden endet NORTH TO ALASKA praktisch exakt so, wie er begonnen hatte - mit der Inszenierung einer nicht selten in den Slapstick abdriftenden Schlägerei. Dazwischen liegt eine einfach gestrickte Geschichte, die zu Zeiten des Goldrauschs im Jahr 1900 spielt. Mit nicht ganz so hellen, aber dafür grundehrlichen Typen (den von John Wayne gespielten Charakter etwa nur als naiv zu bezeichnen, wäre definitiv Schmeichelei), Frauen, die genau wissen, wie sie Männer rumkriegen können, einem gemeinen Fiesling, der sich eine Goldader erschleichen will, ein paar hübschen Panoramaaufnahmen, einer Schießerei und viel Lagerfeuerromantik. Hathaway bietet gut 2 Stunden puren Eskapismus, NORTH TO ALASKA scheint nur dafür gemacht worden zu sein, dem Zuschauer eine Flucht aus seinem viel zu tristen Alltag zu bieten. Das mutet heute natürlich unfassbar kitschig und naiv an, ich finde es aber auch irgendwie verdammt sympathisch.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


ABOUT SCHMIDT (USA 2002, Regie: Alexander Payne)

Regisseur Alexander Payne erzählt die Geschichte eines Mannes, der alles verloren zu haben scheint und sich nun auf einen Selbstfindungstrip begibt. Und tatsächlich sieht es nicht sonderlich gut aus um den von Jack Nicholson gespielten Warren Schmidt. Seinen Job hat er an den Ruhestand verloren, seine Tochter an einen künftigen Schwiegersohn, der viel zu weit entfernt lebt, und seine langjährige Ehefrau an ein plötzlich und unerwartet aufgetretenes Blutgerinsel im Kopf. Schmidt steht ziemlich allein und scheinbar ohne Aufgabe im Leben da und als Zuschauer wird man Zeuge, wie Schmidt - von Trauer, Wut und Enttäuschung getrieben - verzweifelt versucht, dieses Leben zu meistern und ihm wieder einen Sinn zu geben. ABOUT SCHMIDT ist natürlich in allererster Linie Schauspielkino und würde ohne den einfach nur großartigen Jack Nicholson wohl nicht ansatzweise so gut funktionieren, wie er letztendlich funktioniert. Mir fällt auch ehrlich gesagt kein Schauspieler ein, der einen missmutigen Griesgram so überzeugend und sympathisch rüberbringen könnte wie es Nicholson tut. ABOUT SCHMIDT ist bewegend, berührend und regt zum Nachdenken an.
Ein richtig guter Film, der auch in Paynes Filmographie weiter nachwirkt. In einer kurzen Szene in ABOUT SCHMIDT ist ein Kino im Bild, in dem ein Film mit dem Titel SIDEWAYS gezeigt wird, einen Film, den es zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht gab, der jedoch als nächstes in Paynes Filmographie auftauchen sollte. Oder diese Sequenz, in der Schmidt herausfindet, dass er von seiner verstorbenen Ehefrau einst betrogen wurde. Rund um diesen Aufhänger sollte Payne 9 Jahre später mit THE DESCENDANTS einen eigenen Film in die Kinos bringen. Und dann natürlich die Figur des Schmidt selbst. Schmidt wirkt wie eine 10 Jahre jüngere und deutlich wütendere Version des von Bruce Dern gespielten Woody Grant aus Paynes grandiosem NEBRASKA aus dem Jahr 2013. Und mit der Tatsache, dass sowohl die Ehefrau von Bruce Dern in NEBRASKA als auch die Ehefrau von Warren Schmidt in ABOUT SCHMIDT jeweils von June Squibb gespielt wird, schließt sich auch dieser Kreis.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


THE GAMBLER (USA 1974, Regie: Karel Reisz)

James Caan spielt Axel Freed, einen College-Professor mit einer zwanghaften Spielsucht, die ihm schließlich hohe Schulden bei der Mafia einbringt. Der tschechische Regisseur Karel Reisz - der übrigens eine ziemlich übersichtliche Filmographie aufzuweisen hat, neben diesem Film hier dürften WHO'LL STOP THE RAIN mit Nick Nolte und THE FRENCH LIEUTENANT'S WOMAN mit Meryl Streep und Jeremy Irons zu seinen bekanntesten Werken gehören - konfrontiert den Zuschauer in THE GAMBLER mit einem Mann, der zum hoffnungslosen Sklaven seiner Sucht geworden ist. Großartig vor allem die Leistung von James Caan, der den intellektuellen Spielsüchtigen so überzeugend spielt, dass dessen Verhalten - so absurd und irrsinnig es objektiv betrachtet auch sein mag - für den Zuschauer immer nachvollziehbar bleibt. Man versteht, warum Caans Freed tut was er tut. Man kann es nicht gutheißen und man möchte ihm eigentlich nur wieder raus helfen, aber man bringt auch Verständnis auf für diesen Getriebenen, diesen Süchtigen.
THE GAMBLER ist eine dieser kleinen Perlen des US-Kinos der 70er Jahre. Unaufgeregt gedreht, mit einem wunderbaren Score veredelt und mit diesem unvergleichlichen Lokal- und Zeitkolorit des New Yorks der 70er Jahre gesegnet.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


EUROCRIME! THE ITALIAN COP AND GANGSTER FILMS THAT RULED THE '70S (Frankreich/Italien/USA 2012, Regie: Mike Malloy)

Dem Vorbild von Regisseur Mark Hartley folgend, der sich ja schon in verschiedenen Dokumentationen mit diversen Genrefilmarten beschäftigt hat, widmet sich Mike Malloy in EUROCRIME! dem italienischen dem Polizei- und Gangsterfilm der 70er Jahre und präsentiert dem geneigten Fan ein kunterbuntes Potpourri aus interessanten Hintergrundinformationen, aufregenden Anekdoten von Zeitzeugen (u.a. plaudern Genre-Ikonen wie Franco Nero, John Saxon, Henry Silva und Luc Merenda aus dem Nähkästchen) und unzähligen Filmausschnitten. Verdammt, sogar J&B, der Standard-Whiskey-Marke des italienischen Kinos der 70er Jahre wird ein kleines Kapitel gewidmet. EUROCRIME! ist fast schon übervoll mit Informationen und macht definitiv Lust darauf, sich wieder vermehrt dem italienischen Genrekino zu widmen. So eine Dokumentation würde ich mir jetzt noch über meine heiß geliebten Gialli wünschen.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


GELD ODER LEBER! (Deutschland 1986, Regie: Dieter Pröttel)*

Ich kann es nicht lassen. Seit DIE SUPERNASEN muss ich mir einfach regelmäßig eine dieser herrlich-bescheuerten Lisa-Produktionen aus den 80er Jahren ansehen. GELD ODER LEBER! mit Mike Krüger ist vielleicht sogar einer der behämmertsten Filme aus dieser Zeit. Hier reiht sich Gaga-Gag an Gaga-Gag, die Geschichte wird episodenhaft heruntergekurbelt und dient tatsächlich einzig und allein dazu, einen Kalauer nach dem anderen zu präsentieren. Läuft das anfangs noch halbwegs geordnet hat, gehen Regisseur Dieter Pröttel spätestens ab der Sequenz mit Falco wirklich alle Gäule durch. Ab diesem Zeitpunkt ist GELD ODER LEBER! pure Anarchie, eine Paradebeispiel für die pure Freude am Infantilen. Unfassbar doof und unfassbar toll zugleich.

Persönliche Wertung: Unterhaltsam!


MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA (aka Curse of the Golden Flower, China/Hongkong 2006, Regie: Zhang Yimou)

Intrigen und Verrat in einem chinesischen Kaiserreich zu Zeiten der Tang-Dynasty, welche schließlich in einem blutigen Konflikt enden. Keiner bebildert eine klassische Geschichte wie diese hier so unglaublich schön wie Regisseur Zhang Yimou. MAN CHENG JIN DAI HUANG JIN JIA ist ein Fest für die Sinne. Die Kostüme, die Settings, diese knallbunte Farbenpracht, das exzellente Sounddesign, die tollen Kampfchoreographien und dieses umwerfende Schlachtengemälde, in dem der Film letztlich endet - es ist eine Freude, dem Geschehen auf dem Bildschirm für gut 2 Stunden zu folgen und in diese fremde Welt abzutauchen. Film ist ein audiovisuelles Medium - und Zhang Yimou bringt diesen Fakt dem Zuschauer auf besonders beeindruckende und eindringliche Weise näher.

Persönliche Wertung: Großartig!


A LONG WAY DOWN (Deutschland/Großbritannien 2014, Regie: Pascal Chaumeil)

Das gleichnamige und diesem Film zugrundeliegende Buch von Nick Hornby habe ich erst kurz zuvor gelesen und so fällt es natürlich schwer, diesen Film losgelöst von der Vorlage als eigenständiges Werk zu betrachten. Hätte ich das Buch nicht gekannt, hätte mir A LONG WAY DOWN mit seiner lebensbejahenden – mitunter vielleicht etwas arg kitschigen – Attitüde vielleicht sogar richtig gut gefallen. Das ist nämlich einer dieser eigentlich grundsympathischen und nett-harmlosen Wohlfühlfilme, die sich bestens dafür eignen, sich von ihnen einfach nur gut unterhalten zu lassen. Aber nun kenne ich halt das Buch und dann muss ich doch ziemlich ernüchtert feststellen, dass den vier Charakteren hier fast jegliche Ecken und Kanten geraubt wurden und weiter konstatieren, dass die Tatsache, dass - auch wenn sich Regisseur Pascal Chaumeil zuvor ziemlich eng an die Vorlage hält - das tolle letzte Drittel des Buches hier komplett umgeschrieben und in ein megakitschiges Happy End verwandelt wurde, doch etwas sauer aufstößt. Auf der positiven Seite: Aaron Paul und Imogen Poots, ein paar extrem witzige Szenen, ein toller Soundtrack und ein paar Kameraeinstellungen zum Niederknien.

Persönliche Wertung: Ok!


BORDER INCIDENT (USA 1949, Regie: Anthony Mann)

Mischung aus Kriminalfilm und Drama mit Film-Noir-Elementen rund um eine illegale Schlepperbande, die an der Grenze zwischen den USA und Mexiko agiert und der zwei Undercover-Agenten das Handwerk legen sollen. Richtige Spannung kommt erst in den letzten 20 Minuten auf, davor plätschert BORDER INCIDENT relativ gemächlich vor sich hin, ist zwar ganz nett anzusehen, konnte mich persönlich aber auch nicht wirklich mitreißen. Aber diese letzten 20 Minuten, die sind wirklich richtig toll und retten den Film vor der kompletten Bedeutungslosigkeit.

Persönliche Wertung: Ok!


CLEAR AND PRESENT DANGER (USA 1994, Regie: Phillip Noyce)*

Harrison Ford schlüpft zum zweiten Mal in die Rolle des Jack Ryan und bekommt es - nachdem er sich im Vorgängerfilm noch der persönlichen Vendetta eines Terroristen ausgesetzt sah - mit einer Verschwörung rund um ein kolumbianisches Drogenkartell zu tun, die bis in die höchsten politischen Kreise der USA zu reichen scheint. CLEAR AND PRESENT DANGER ist noch mal ein gutes Stück größer und aufwendiger geraten als die beiden Filme zuvor. Im direkten Vergleich zu PATRIOT GAMES wirkt CLEAR AND PRESENT DANGER fast schon episch und auch die Figur des Jack Ryan hat eine deutliche Wandlung vollzogen. Er ist zwar immer noch in erster Linie Schreibtischtäter, bewegt sich aber mittlerweile weitaus gewandter im Fadenkreuz aufkommender Gefahr. Und es ist auch ernüchterter Ryan, mit dem es der Zuschauer hier zu tun hat. Er muss einsehen, dass sein Kampf ein Kampf gegen Windmühlen ist, dass Korruption ein fester Bestandteil der höchsten Kreise des Geheimdienstes und der Politik geworden ist und durch den Tod seines Mentors und väterlichen Freundes James Greer (James Earl Jones) das letzte Stück Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in diesem “Geschäft“ zu Grabe getragen wurde. Es ist kein positives Bild, welches Regisseur Phillip Noyce - eingebettet in einen spannenden und mitreißenden Actionthriller - hier von den Volksvertretern zeichnet.

Persönliche Wertung: Gut!


ÖLÜLER KONUSMAZKI (Türkei 1970, Regie: Yavuz Yalinkiliç)

Mit dem Begriff Gothic Horror verbindet man wohl in erster Linie Filme der britischen Hammer Studios oder des italienischen Regisseurs Mario Bava. Man dürfte wohl nicht zwangsläufig an die Türkei als Produktionsland eines Films denken, der dem Genre des Gothic Horror zuzuordnen ist. Um genau einen solchen Film handelt es sich jedoch bei ÖLÜLER KONUSMAZKI und der Film funktioniert überraschenderweise sogar richtig gut. Es geht um einen Geist, der an jedem 15. eines Monats eine kleine türkische Stadt heimsucht und die Einwohnerzahl - insbesondere die Zahl der Damen des Ortes - so auf drastische Weise reduziert. Klar, dass diesem Geist irgendwie das Handwerk gelegt werden muss.
Insbesondere diese ersten 20 Minuten des Films, in denen man als Zuschauer noch nicht so wirklich weiß, was letztendlich auf einen zukommen wird, sind fast schon grandios gut gelungen. Regisseur Yavuz Yalinkiliç erschafft hier mit geringen Mitteln eine ungemein dichte Atmosphäre und sorgt so ein ums andere Mal für pure Gänsehaut. Vor allem das ganz vorzügliche Spiel und Experimentieren mit diversen Licht-, Schatten- und Spiegeleffekten trägt verdammt viel zum Gelingen des Films bei. Schade nur, dass Yalinkiliç es nicht schafft, diese Spannung und Atmosphäre tatsächlich über die komplette Laufzeit hochzuhalten. Irgendwann geht ÖLÜLER KONUSMAZKI doch etwas die Luft aus - was insbesondere am gnadenlosen Overacting des Darstellers des Geistes liegt, der wohl eine Mischung aus Christopher Lee, Vincent Price und Peter Cushing auf die Leinwand zaubern wollte - und im letzten Drittel schleichen sich doch spürbare Längen ein. Den überraschend guten Gesamteindruck schmälert das jedoch nicht.

Persönliche Wertung: Gut!


FEMALE (USA 1933, Regie: Michael Curtiz/William Dieterle/William A. Wellman)

Noch einer dieser Filme aus der Pre-Code-Ära Hollywoods und erneut muss ich konstatieren, dass diese vor Einführung der Zensur entstandenen Filme auch heute noch vor lauter Frische und Unbekümmertheit nur so zu strotzen scheinen.
In FEMALE geht es um eine erfolgreiche Karrierefrau, die an der Spitze eines Konzerns steht, immer ihren Willen durchsetzt und so das damals vorherrschende, typische Rollenbild der Frau ganz gehörig auf den Kopf stellt. Die von Ruth Chatterton überzeugend gespielte Alison Drake weiß ganz genau, was sie will und wie sie es kriegt. Sie geht ihren Weg praktisch ohne Kompromisse. Eine Thematik, die schon kurze Zeit später nicht mehr durch die Zensur gekommen wäre. Und auch wenn die Protagonisten sich im Lauf der Handlung schließlich verliebt und sich am Ende für eine Familie und gegen die Weiterführung ihrer Karriere entscheiden wird, so ist dies nicht als Salto rückwärts zu verstehen. Sie tut auch dies, weil sie es genau so will und nicht weil ein Mann ihr diese Rolle aufzwingt.
Ich möchte gar nicht wissen, wie sich Hollywood weiterentwickelt hätte, wenn es diese ab Mitte der 30er Jahre eingeführten Zensurauflagen nicht gegeben hätte. Wie diese die Filmemacher ausgebremst haben, lässt sich schon allein dadurch feststellen, dass man mal eine typische Doris-Day-Komödie aus den 50er Jahren mit einem Film wie FEMALE vergleicht.

Persönliche Wertung: Gut!


THE GUILT TRIP (USA 2012, Regie: Anne Fletcher)

Seth Rogen fährt mit seiner Filmmutter Barbra Streisand eine Woche lang quer durch die USA. Die Reise wird zum (Selbst-)Findungstrip. Typisches Road Movie, bei dem der Weg das Ziel ist und beide Protagonisten am Ende der Reise gestärkt hervorgehen. Die zuvor nur sporadisch existierende Mutter-Sohn-Beziehung ist wieder intakt. Man muss aus THE GUILT TRIP jetzt nicht sonderlich mehr machen, als er letztendlich ist, aber in diesem ganzen kitschigen Rührstück steckt natürlich auch verdammt viel Wahrheit drin und man kann durchaus mal innehalten, sich ein paar Gedanken machen und sich vielleicht auch ein bisschen selbst hinterfragen. Der Film liefert einige Ansätze dazu. Ich mochte THE GUILT TRIP schon irgendwie ganz gern.

Persönliche Wertung: Nett!


THE SUM OF ALL FEARS (Deutschland/USA 2002, Regie: Phil Alden Robinson)

In der vierten Jack-Ryan-Verfilmung gibt es mit Ben Affleck den mittlerweile dritten Ryan-Darsteller zu bewundern. THE SUM OF ALL FEARS dürfte bisher am weitesten vom Roman abweichen. Während das Buch innerhalb der Chronologie der Ereignisse nach den zuvor verfilmten Ryan-Abenteuern anzusiedeln ist, handelt es sich bei dem 8 Jahre nach CLEAR AND PRESENT DANGER in die Kinos gekommenen THE SUM OF ALL FEARS eher um ein Reboot der Reihe, welches mit Ben Affleck einen weitaus jüngeren Hauptdarsteller präsentiert als es Baldwin und Ford gewesen sind und somit auch einen Jack Ryan am Anfang seiner Karriere zeigt, der hier gleich mal nicht viel weniger zu tun bekommt, als den dritten Weltkrieg zu verhindern.
THE SUM OF ALL FEARS ist wie die Vorgänger auch ein klassischer Polit-, Verschwörungs- und Agententhriller mit einzelnen Actionhöhepunkten. Die Spannung entwickelt sich aus den Dialogen der Pro- und Antagonisten und aus deren Aktionen hinter den großen Schreibtischen. Mir hat insbesondere dieser langsame Spannungsaufbau in der ersten Hälfte, der sich ziemlich genau nach einer Stunde in dieser einfach nur brachial inszenierten Nuklearexplosion entlädt, ausgesprochen gut gefallen. Danach fand ich THE SUM OF ALL FEARS streckenweise etwas zu hektisch und einzelne Aktionen der verschiedenen Beteiligten nicht mehr unbedingt glaubwürdig und nachvollziehbar. Insgesamt betrachtet ist THE SUM OF ALL FEARS trotzdem ein guter Film, im Gesamtzusammenhang mit den drei Ryan-Verfilmungen zuvor betrachtet ist er jedoch auch ein paar Nuancen schwächer geraten als seine Vorgänger.

Persönliche Wertung: Gut!


THE WRONG MAN (USA 1956, Regie: Alfred Hitchcock)

Angeblich auf einer wahren Begebenheit basierend, behandelt THE WRONG MAN eines von Hitchcocks Lieblingsthemen, nämlich den unschuldigen Normalbürger, der aufgrund widriger Umstände in ernsthafte Probleme gerät und nun versuchen muss, aus dem ganzen Schlamassel, der ihm eingebrockt wurde, wieder herauszukommen. In THE WRONG MAN handelt es sich dabei um den von Henry Fonda gespielten Manny Balestrero, der beschuldigt wird, diverse Überfälle begangen zu haben und auch von sämtlichen Zeugen als Täter identifiziert wird. Der für den Zuschauer ganz offensichtlich unschuldige Mann muss nun seine Unschuld beweisen. Fonda eignet sich ganz vorzüglich als Identifikationsfigur, mit der man bangen und zittern kann und die man am Ende schon unschuldig hinter Gittern landen sieht. Es bedarf einer Art “Deus ex machina“, damit Mannys Unschuld dann doch noch bewiesen wird. Aber der Film beruht ja auf wahren Tatsachen und manchmal wendet sich dann halt doch alles zum Guten und so verzeiht man THE WRONG MAN dieses Ende, welches man in einer vollkommen fiktiven Geschichte sicherlich für etwas billig halten würde, sehr gerne. Und so etwas wie ein echtes Happy End wird dem Zuschauer auch irgendwie verwehrt. Da ist viel zu viel kaputtgegangen in Mannys Leben, als dass man aufgrund des vordergründig positiven Ausgangs der Angelegenheit in ungetrübte Jubelstürme ausbrechen könnte.

Persönliche Wertung: Großartig!


ELLING (Norwegen 2001, Regie: Petter Næss)

Nach zwei gemeinsamen Jahren in der Psychiatrie sollen Elling (Per Christian Ellefsen) und Kjell (Sven Nordin) - die beide alleine nicht lebensfähig sind - in Oslo zusammen in eine Wohnung ziehen und mit Hilfe des Sozialarbeiters Frank (Jørgen Langhelle) lernen, mit ihrem Leben klarzukommen. Ein schwieriger und mühsamer Weg…
Regisseur Petter Næss präsentiert in ELLING zwei schwer gestörte Charaktere, die irgendwie versuchen müssen, ihr Leben in den Griff zu bekommen und die aufgrund ihres Verhaltens von einer skurrilen Situation in die nächste geraten. Das schönste an ELLING ist die Tatsache, dass Næss seine beiden Hauptfiguren vollkommen ernst nimmt, er gibt sie nie der Lächerlichkeit preis, lacht nie über, sondern immer nur mit ihnen. Dem Zuschauer wachsen die beiden komischen Vögel von Minute zu Minute immer mehr ans Herz und es wird mit zunehmender Laufzeit immer deutlicher, wie “normal“ die beiden offensichtlich “Unnormalen“ am Ende des Tages doch sind. Letztendlich möchte jeder Mensch nur sein kleines Stückchen Glück vom großen Kuchen haben. Weswegen sollte man es gerade Elling und Kjell verwehren. ELLING ist ein ausgesprochen schöner, positiver und grundsympathischer Film, ein flammendes Plädoyer für mehr Toleranz und Empathie seinen Mitmenschen gegenüber.

Persönliche Wertung: Sehr gut!


TAMMY (USA 2014, Regie: Ben Falcone)

Das Auto kaputt, einen miesen Job verloren und den Gatten beim Ehebruch erwischt - Melissa McCarthy als titelgebende Tammy hat die Schnauze voll und will nur noch weg. Gemeinsam mit ihrer Filmgroßmutter Susan Sarandon begibt sie sich auf einen Road Trip. White-Trash-Dramödie, die zwar ein paar nette Gags aufweisen kann, über den Großteil der Laufzeit allerdings nur relativ ziel- und planlos dahinplätschert. Mit Kathy Bates, Sandra Oh und Dan Aykroyd in weiteren Rollen zwar ausgesprochen prominent besetzt, mehr als halbwegs kurzweilige und nette Unterhaltung bleibt da aber nicht übrig. Und wie wir ja alle wissen, ist nett die kleine Schwester von scheiße. Ein Film am Rande der Belanglosigkeit.

Persönliche Wertung: Nett!


Und der Vollständigkeit halber hier noch die Auflistung der gesehenen TV-Episoden:
Desperate Housewives: Season 7 (Episoden 9-23)
Desperate Housewives: Season 8 (Episoden 1-4)
How I Met Your Mother: Season 2 (Episoden 7-22)

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Agnès Varda Retrospektive auf MUBI


Ich habe mich heute hier im Forum angemeldet und das Gefühl das die Einträge alle recht old school ausschließlich das Fernsehprogramm oder DVD/BD Veröffentlichungen einbeziehen. Ich reise beruflich viel und bin daher seit einiger Zeit bei verschiedenen VOD-Anbietern angemeldet. Da ich ein großer Fan von Nouvelle Vague Filmen und generell von altem europäischen Kino bin, verfolge ich zur Zeit die Agnès Varda Retrospektive bei MUBI. "Le Bonheur" (1965) ist einer von Vardas großen Filmen, der so treffend die menschlichen/männlichen Makel auf den Punkt bringt. "Daguerreotypen - Leute aus meiner Straße" ist ein anderer sehr interessanter Film, der gerade auch läuft. Er hat mich zum Nachdenken angeregt, wer eigentlich so in meinem direkten Umfeld wohnt und wie wenige Leute man eigentlich kennt, die in der direkten Umgebung ihr Leben verbringen.

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Z STORM (HK 2014, David Lam)


Die Börsenpoliziei unter Leitung von Louis Koo macht Jagd auf eine Gruppe von kriminellen Spekulanten...

Zu Unrecht mäßig aufgenommener HK-Blockbuster mit gehörig Starpower und einem flott inszenierten Wirtschaftsthriller-Plot - ein Genre, das momentan das Nonplusultra in Hong Kong zu sein scheint. Bei aller Befremdlichkeit eines Milieus für Nicht-Aktionäre (wie mich) wirkt ein in Wirtschaftskreisen angesiedelter Thriller doch zumeist sehr echt und als reales Bedrohungsszeario. So geht Lam in Z STORM denn auch in die Vollen und kündigt bei Gelingen der kriminellen Machenschaften den Super-GAU an. Fortan wird in einr Art Countdown zurückgezählt bis zu dem Tag, an dem den Bösewichtern das Handwerk gelegt werden muss. Vorwiegend als Thriller mit den HK-üblichen Abhörszenarios inszeniert gefällt Z STORM am meisten durch das Katz-und Mausspiel des Geheimdienstes und der Spekulantengruppe, die einen Teil des Polizeiapparates in ihrer Tasche hat, wodurch dieser Koo und Konsorten ein ums andere mal ins Schwitzen bringt. Das ergibt dann sehr spannende und teils auch sehr raffinierte Szenarien. Am Ende gibt es dann das HK-typische "Twist"-Ending, der die Geschehnisse des Mittelaktes erst komplett aufdeckt. Wenn man sich mit diesen Plot-Mechanismen arrangieren kann, ist Z STORM ein grundsolider HK-Streifen mit vielen bekannten Gesichtern.

Make-or-Break-Scene: Auf dem Polizeirevier. Koo und seine Mannen scheinen aus dem Spiel, als es zu einer pfiffigen "Befreiungsaktion" kommt.

MVT: Louis Koo. Mal wieder. Einer der (HK) Leading Men.

Score: 6.5/ 10

Fazit: Eher was für HK-Kino-Liebhaber.

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Das bleibt mir von 2014


Ich gehe gerne ins Kino! Böse Zungen könnten behaupten, dass mir das Ereignis Kinobesuch wichtiger ist als der Film an sich, was hoffentlich übertrieben ist. Etwa 40 mal
war ich im Vorjahr Kino, wobei dies auch Freiluftveranstaltungen u.ä. beinhaltet. Nur 15 mal
waren es aktuelle Filme. Und selbstverständlich habe ich auch daheim einige wenige Filme gesehen. Und folgende sind mit positiv in Erinnerung geblieben:

Filme dich ich mit Freude im Kino wiedergesehen habe

Marnie Alfred Hitchcock
Otto e mezzo SW Federico Fellini
Il buono, il brutto, il cattino (Langfassung) Sergio Leone
The Shining (erstmals US Version) Stanley Kubrick
Shadow of a Doubt SW Alfred Hitchcock
Jules et Jim SW Francois Truffaut
Fahrenheit 451 Francois Truffaut

Rear Window Alfred Hitchcock

Ein Film von geradezu beängstigender Perfektion, dem es gelingt, Avantgarde und
Autorenanspruch mit dem Star-und Unterhaltungskino a la Hollywood nahtlos zu verbinden.


Beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino)

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani

Lange und trocken ist der Originaltitel, kurzweilig und einprägsam ist der Film.
Ein Mafiathriller der mit grellen Farben arbeitet und dadurch leicht zu konsumieren ist,
ohne deswegen ins triviale abzugleiten

Z Costa Gavras

Ähnliches gilt auch für diesen einst höchst populären Politthriller, der konkret in die damals
aktuelle Politik eingriff, und gleichzeitig ein Lehrbeispiel dafür gibt, wie eine Demokratie ausgehölt werden kann. Die grandiosen Bilder stammen von Raul Coutard, der zuvor für Truffaut und
Godard arbeitete.

Monsieur Verdoux SW Charles Chaplin

Obwohl es filmtechnisch ein wenig angestaubt wirkt, ist dieses Spätwerk Chaplins eine
beängstigend aktuelle Fabel über den schrankenlosen Kapitalismus, die teilweise zum
brüllen komisch ist. Weniger populär als The Great Dictator, aber wahrscheinlich der
bessere Film.

The Man Who Knew too Much SW (UK-Urversion) Alfred Hitchcock

Kurzweilig und unterhaltend, ist er von der typischen Handschrift Hitchcocks geprägt.
Vielleicht sind die einzelnen Szenen die einzelnen Komponenten noch nicht ideal
ausbalanciert, was aber das Vergnügen nur geringfügig schmälert. Und Peter Lorre,
der hier seine erste englischsprachige Rolle spielt, ist ein fantastischer Schurke.

Bande a part SW Jean-Luc Godard

Eigentlich ist an diesem Film nicht viel dran. Ja, wahrscheinlich ist er nur ein Nebenwerk
Godards. Aber trotzdem besitzt er eine unglaubliche Strahlkraft, war es ein großes Vergnügen
ihn anzuschauen. Das ist die Art von Film, die Tarantino immer machen möchte, aber
doch nicht ganz zusammenkriegt.

Juste avant la nuit Claude Chabrol

Ein SM-Spiel(Atemreduktion), auf das sich Charles nur widerwillig eingelassen hat, führt
zum Tod der Frau, der Gattin seines besten Freundes. Von der Polizei bleibt er unbehelligt,
aber es plagen ihn Gewissensbisse. Ein subtiler und perfider Film über Schuld, Sühne und
Sadomasochismus bei Wahrung des bürgerlichen Scheins.


Besonders beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino):

Il gattopardo Luchino Visconti

Ein höchst aufwendiger Kostüm und Historienfilm, wo die visuelle Pracht nicht nur dazu
dient, das Auge zu erfreuen und die Zuschauer zu beeindrucken, sondern dazu
ein Geschehen zu vermitteln. Ein zutiefst persönlicher Autorenfilm, dem ein gigantisches
Budget zur Verfügung stand. Einer meiner absoluten Kinohighlights des Vorjahres.

Il deserto rosso Michelangelo Antonioni

Antonioni gehört zu den großen Erneuerern des Kinos. Hier erzählt er fragmentarisch
von einer neurotischen Frau, die mit der Industrialisierung im Wirtschaftswunderland
Italien der frühen 60er nicht zu Rande kommt. Kein Film der leicht zu konsumieren ist,
aber einer der höchst eindrucksvoll ist.

Jagten Thomas Vinterberg

Es gibt Filme die die Zuchauer auf emotionale Distanz halten (wie etwa Il deserto
rosso)und solche die bewusst emotionalisieren. Zu dieser Kategorie gehört Jagten
Ein wahrlich aufwühlender Film über einen Kindergärtner, der zu unrecht des
sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Le journal d une femme de chambre SW Luis Bunuel

Frühe 30er, Celestine(eine undurchschaubare Jeanne Moreau), tritt am Land ihren Dienst als
Kammerzofe an. Die Hausfrau ist gespreitzt und frigide, der Mann hat nichts als Sex im Schädel,
der Vater ist ein Schuhfetischist und der Gärtner ein Faschist und wahrscheinlich auch ein
Kindermörder. Bunuels Filme strahlen eine große Leichtigkeit aus, hier ist sie mit Unerbittlichkeit
gemischt.

Le deuxieme Souffle SW Jean-Pierre Melville

Ein weiterer großer existentialistischer Gangsterfilm Melvilles. Ein alternder Gangster, Lino
Ventura als Gu Minda, glaubt nach einem Gefängnisausbruch eine zweite Chance,
einen zweite Atem zu haben. Schon die Anfangssequenzen machen klar, dass dem nicht so
ist.

Le genou de Claire Eric Rohmer

Rohmers einzigartige Form des Kinos, gibt einem die Möglichkeit, Menschen besser kennenzulernen, und hinter ihrem eloquenten Redeschwall zu blicken. Und das ist eine
aufregende Angelegenheit, obwohl seine Filme so undramatisch sind. Claires Knie
ist erst mein dritter und wohl schönster Film Rohmers.


Der Kinojahrgang 2014

10. Bande des filles Celine Sciama

Ein sehenswerter Film im Breitwandformat über Freiheits und Zukunftsträume junger schwarzer
Mädchen einer pariser Vorstadt, die mit einer weniger erbaulichen Realität kollidieren.

9. Nebraska SW Alexander Payne

Alexander Payne unternimmt hier einen Ausflug ins recht ärmliche wirkende amerikanische
Hinterland und seinen höchst provinziellen Einwohnern Reiseleiter ist ein alter Mann
(Bruce Dern) der sich einbildet einen großen Lottogewinn gemacht zu haben.

8. Her Spike Jones

Weniger dem Realismus verpflichtet ist diese SCI-FI Romanze zwischen einem femininen
Mann und seinem Betriebssystem. Scarlett Johanssons erotische Stimme reicht aus,
diese Romanze in dieser schrecklich schönen neuen Welt voller angenehm gedämpfter
Farben (und komischer Männerhosen) für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen.

7. Clouds of Sills Maria Olivier Assayas

Ein Film über eine große Schauspielerin(Juliette Binoche) und ihrer weit
jüngeren Assistentin (Kirsten Stewart) der eine Unzahl von Anküpfungspunkte bildet.
Der Generationskonflikt ist nur einer davon. Faszinierend aber auch ein wenig sperrig.

6. Nymphomaniac I+II Lars Von Trier

Nymphomaniac ist voller expliziter Sexszenen und gleichzeitig vollkommen unerotisch und
ungeil. Auf was Von Trier damit hinaus will lässt sich schwer sagen. Was ich aber sagen
kann ist , dass es ein Werk der Negation ist, und eine einzigartige Erfahrung darstellt.
Zweiteres ist der Grund, weshalb die Filme in dieser Liste aufscheint.

5. Le Passe Ashgar Farhadi

Weit konventioneller ist dieser Film über eine Frau, deren Exmann, der zur formalen
Scheidung aus den Iran nach Frankreich kommt, und deren neuen Lebenspartner.
Dafür ist er auch lebensbejaender und gibt einen interessanten und kurzweiligen
Einblick in den zeitgenössischen "Beziehungssalat".

4. The Grand Budapest Hotel Wes Anderson

Dieser herrlich skurrile, höchst gelungene Film ist voll Trauer über eine verlorene so
nie dagewesene (mitteleuropäische) Vergangenheit. Stefan Zweig inspirierte Anderson,
dessen typische Handschrift auch hier unübersehbar ist, dazu. Und das passt auch
zu ihm,schließlich sind seine Filme sonst voll Sehnsucht nach einer so nie dagewesenen
Kindheit.

3. Deux jours, une nuit Gebrüder Dardenne

Eine Frau muss ihre Kollegen davon überzeugen, gegen ihre Entlassung zu stimmen,
und dafür auf eine Prämie zu verzichten. Wir begleiten diese Frau(Marion Cotillard)
dabei, wie sie ihre Kollegen abklappert. Die Dardennes und die Hauptdarstellerin
(Oscarnominierung!) machen daraus eine aufregende Angelegenheit.

2. Boyhood Richard Linklater

Filme anschauen bedeutet auch, der Zeit beim Vergehen zuzuschauen. Ganz besonders
gilt das für Boyhood, der uns die Möglichkeit gibt das Heranwachsen eines Buben und
dessen Schwester im Zeitraffer zu verfolgen. Ein wunderbarer Film über die Poesie des
alltäglichen, und über das Vergehen der Zeit.

1. Under her Skin Jonathan Glazer

Ein Science Fiction Film, der zwischen dokumentarischen, mit versteckter Kamera
gedrehten und extrem stilisierten Szenen pendelt und dabei vieles im Dunkeln belässt.
Sicherlich kein makelloser Film, aber einer der mir intensive Sinneseindrücke verschafft
hat.

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Samurai Rebellion (1967)


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Samurai Rebellion
(Japan 1967, Masaki Kobayashi)

Japan, 18. Jahrhundert: Unter dem Tokugawa-Shogunat herrscht eine geradezu diktatorische Ordnung. Die Hierarchie der Ständegesellschaft ist unantastbar und den Worten des lokalen Regenten nicht zu widersprechen, egal wie groß die Willkür.
So wie das strikte Reglement jede Geste, jede kleinste Handbewegung durchdringt, so sind auch die Filmbilder streng durchkomponiert. Die Figuren sind wie eingesperrt in den geometrischen Flächen, Rastern und Linien des Samurai-Anwesens, in dem der Großteil des Films spielt.

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Die Rebellion, die der Titel anspricht, ist keine organisierte Aktion, sondern es sind vereinzelte Verzweiflungstaten ohne Aussicht auf Erfolg, die aber dennoch den gesamten Film zu erschüttern scheinen: Das Aufbegehren einer Frau gegen den Herrscher zeigt Kobayashi in kurzen, unscharfen Standbildern; Am Ende zerlegen der Protagonist Sasahara (Toshiro Mifune) und sein Sohn geradezu ihr Haus (und man könnte sagen, damit auch die Enge, die das Haus repräsentiert) in Vorbereitung auf den Endkampf.

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A Real Hero


DRIVE (USA, 2011)


https://www.youtube....h?v=BHgYtKkSEDA


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100%


Nur etwas mehr als eine Handvoll gibt es davon für mich, nur alle paar Jahre erscheint einer: Der vollkommene Film.

Bittersüße Lovestory, blutiges Gemetzel.
Urbaner Rambo in Lost In Translation.

Auf beste Art angereichert mit interpretatorischen Bezügen, die bei jeder Sichtung zur erneuten Entdeckungsreise einladen.
Und so wunderschön: Bildsprache, Soundtrack, Story - absolute Perfektion.

Carey Mulligan mit ihrem Lächeln hat mich dazu gebracht, bei Amazon einen neuen Bestand an zu sichtenden DVDs zu kaufen.

Ich spare an Worten und wiederhole stattdessen einfach nur, was für sich selbst spricht:


100%

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Filme auf der Insel sind immer etwas besonderes. Schon, weil du sie in dieser anderen Welt guckst. Und glaube mir, der Mars ist eine andere Welt. Und weil sie ganz anderen Zwecken dienen, als die, die du aus beruflichen, Fan-technischen, filmwissenschaftlichen oder gesellschaftsdrückerischen Gründen guckst. Nämlich nur, um die Beine mal hochzulegen, eine Siesta zu überbrücken, oder vor dem Pennen noch mal auf andere Gedanken zu kommen. Auf Lanzarote war Tom-Atkins-Woche. Nicht zu verwechseln mit Christopher Atkins, der "Fackel" aus "Top Secret".

Birgit

In Rottach-Egern gab es Mitte der 80er drei Hotels der absoluten Luxusklasse. Das Bachmair am See, die Überfahrt, und den Walters Hof. Das Bachmair am See stand lange im Ansehen weit über den anderen, in den 70ern war dort Harald Juhnke Dauer-Showact, im Publikum des Night Club traf man Weltstars, Bayernspieler, Luxushuren. In den 80ern verkam es zur Kulisse für Fernsehkitsch a la "Schwarzwaldklinik", bot aber immer noch mit seinen diversen exquisiten Wohnanlagen und Spezialitätenrestaurants den Bayern und vielen Unterhaltungsstars eine Heimstatt. Heute ist es kaum mehr als ein Abglanz seiner großen Zeit, keiner von meinen im Tal verbliebenen Freunden wußte zuletzt gutes darüber zu berichten.

Die Überfahrt hatte den Touch des Neumodischen, aber den besseren Abschlepphafen im Nightclub-Keller. Damals wie heute. Die Überfahrt heißt Überfahrt, nicht um Engländer zu amüsieren, sondern weil man von dort mit einem Nachen die 200 Meter Seelinie nach Tegernsee übersetzen konnte, ohne fünf Kilometer einmal um die ganze Bucht zu latschen. 1984 hat mir Michaela dort auf einer Kellertreppe einen Iro geschnitten, der mir eine Beförderung beim Bund ersparte. Die Überfahrt wurde 2001 auf sehr umstrittene Weise renoviert. Ecki und andere fluchen darüber, aber mir gefällt ihr lush 60er-Art-Deco-Design recht gut.

Der Walters Hof war im Gegensatz zu den vorgenannten 1985 noch eine bessere Kneipe, aber immerhin schon das drittfetteste Kätzchen am Platz. In seiner Küche kochte Tim Kock (hihi), der später erfolgreich bei Iris Berben am Wiener Platz andockte. Tim war ein Punk aus Plön in Schleswig-Holstein, um die 20 wie ich, und lag soziokulturell mit mir auf einer Wellenlänge. Ich hatte 1983 mal im Bachmair am See gespült und fühlte mich auf eine perverse Art befördert, als ich als "Hausbursche" im Walters Hof anheuerte. Dann gab es noch Birgit, Kellnerin im Walters Hof und Tims heiße Freundin.

Birgit war ein aschblondes, hundertprozentiges A-Listen-Babe mit lupenreinem Mannheimer White-Trash-Pedigree. Blaue Kugelaugen, Schmollmund, Stupsnase, Dauerwellengebirge, die perfekte Figur. Ich hatte es auch nicht schwer, bei schönen Frauen anzukommen, mußte mich dafür aber bemühen. Tim fielen sie nur so um den Hals. In den paar Jahren, in denen wir gemeinsam um die Häuser zogen, hatte er drei Weiber, auf die ich selbst scharf war, und die anderen hätte er auch alle haben können. Nicht wie die Nase eines Mannes, sondern wie die Größe. Tim war 1,95 Meter. Dazu blond, bauäugig und schön. Und nicht blöd.

Ich aber stehe auf Spanking. Popoklatsch. Bin nachgerade davon besessen. Das wußte aber damals niemand. In einer Straßenbande ist es nicht gesund, sich allzu direkt zu abstrusen Perversionen zu bekennen, und sei es noch so eloquent formuliert. Nur ein paar ausgewählte Mädels wußten Bescheid. Die mit den roten Hintern.

Tim aber nannte eine Bude sein eigen, die damals ihresgleichen suchte. Großes Haus am Hang oberhalb vom Tegernsee. Unten eine öffentliche Disco, oben eine gigantisch große Wohnung mit rund ums Haus reichendem Balkon. Das war die Wohnung von Tim. Bei Tim haben wir gerne Videoabende veranstaltet, wie sich wohl versteht. Erst unten zechen und vielleicht ein bißchen Stunk machen, dann hoch in Dr. Evil's Secret Lair (so kommt es mir heute vor), und aus dem Bierkasten weiter trinken. Und einen Film gucken. "Nightmare" von Romano Scavolini zum Beispiel, "Hardrock Zombies", oder "Kleine Teufel", noch immer ein Geheimtip. Die alle habe ich da zuerst gesehen. Heute aber steht eine Zweitsichtung (für mich) auf dem Programm: "Creepshow" von George Romero.

Birgit trägt einen hauchdünnen Jogginganzug und schmiegt sich auf der Couch eng an mich. Sweeeet. Zum Glück ist und war Tim nie eine halbe Sekunde eifersüchtig. Es folgt die teilanimierte Eröffnung, in welcher ein Knabe sein Comic Book verliert an einen autoritären Dad, der ihm für den Wiederholungsfall in Aussicht stellt, einige Tage nicht sitzen zu können. Worauf sich Birgit zu mir umwendet, mich mit großen Augen anblickt, und mit anbetungswürdigem Gesichtsausdruck erklärt: "So was hat mein Vater auch mit mir gemacht. Mit dem Handfeger. Aber auf den nackigen Arsch."

Ich blicke fassungslos zurück, stammele etwas wie Uiuiui und denke mir meinen Teil. Sonst bin ich um spontane Reaktionen weniger verlegen ("Das hast du verdient, weil du immer die Bay City Rollers gehört hast."). Und wissen die Weiber eigentlich, was sie mit so etwas bei Männern anrichten können? Der strenge Vater aus "Creepshow" aber, der mir diesen unvergesslichen Moment bescherte, war Tom Atkins. Mir schon bekannt von

The Fog

aus dem Jahr 1980. Zufällig bin ich zu Halloween auf Lanzarote. In Spanien interessiert sich für Halloween genau gar keiner. Ist bloß ein schwuler amerikanischer Kackwichs für die. Und auf Lanzarote gefühlt gleich noch weniger. Nur ein paar blöde Briten zeigen falsche Flagge, schleifen unverdrossen feiste Kinder in albernem Fummel durch die tropische Nacht.

Ich aber falle Abends nach des Tages Action gerecht entkräftet in die Couch und werfe den Fernseher an. Bin noch nicht bettreif. Da müssen doch Horrorfilme kommen. 200 Programme, aber fündig werde ich bei ARD oder ZDF. Da gibt es "The Fog". Tom Atkins ist der Star. Nahezu augenblicklich muß ich an Birgit denken, ihren geilen Arsch, und den Spaß, den ihr Dad hatte. Gehabt haben mußte. Um es nochmal zu unterstreichen. Danke, mein Namensvetter. Und dann ist da Adrienne Barbeau. Ihr habt euch sicher schon gefragt, ob dieser Blog noch sexistischer geraten kann. Na, schaun mer mal.

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Magical History Tour: Edgar Wallace - Das Wirtshaus von Dartmoor (Rudolf Zehetgruber, 1964)


Bekannter "Wallace"-Klassiker, lief damals im Kino. Anderthalb Sterne aber beinah ausschließlich für das sleazig inszenierte Dekolleté des so genannten "Schankmädchens". Freilich hält der Film die eine oder andere schöne generische Blüte bereit, von inszenatorischer Raffinesse aber - oder gar nachvollziehbarer Leidenschaft - ist man jedoch weit entfernt. Freuen darf man sich über Kleinigkeiten wie etwa so Sätze wie "Du, Kleine, ich habe noch nie daneben geschossen!" Wem das reicht... Hin und wieder auch ein müder Witz. Ansonsten durchaus sehr öde.

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Magical History Tour: Moj Stan - Zvonimir BERKOVIC, YU 1963


Ein quasi-Stummfilm über die schöne neue Wohnwelt einer kroatischen Familie. Die Erzählung wird lakonisch-trocken von der Tochter, die gerade eine Hausübung über den Umzug schreibt, kommentiert. Eine Reihe einfacher, teils recht absurder Einfälle zeichnen dieses Kleinod aus. Immer wieder interessant, wie viel Inhalt ein guter Kurzfilm komprimiert darstellen kann.




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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.



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