Zum Inhalt wechseln


Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

Neuste Kommentare

Foto

Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

Foto

ROPE OF SAND (William Dieterle/USA 1949)


"You must have been such a sweet girl once."

Rope Of Sand (Blutige Diamanten) ~ USA 1949
Directed By: William Dieterle

Der Abenteurer Mike Davis (Burt Lancaster) kennt den exakten Fundort eines kleinen Diamantenfeldes innerhalb eines riesigen, eingezäunten Areals nahe Kapstadt. Nachdem der örtliche, machthungrige Polizeichef Vogel (Paul Henreid) bereits vor zwei Jahren vergebens versuchte, Mike sein Geheimnis durch Folter zu entlocken, kehrt dieser nun zurück, um sich die Edelsteine unter den Nagel zu reißen. Doch sowohl Vogel als auch der Diamantenhändler Martingale (Claude Rains), der die Glücksitterin Suzanne (Corinne Calvet) engagiert um Mike weichzukochen, sitzen ihm im Nacken.

Die Erinnerung an "Casablanca" kommt nicht ganz von ungefähr: Hal Wallis produzierte dieses in Afrika spielende, flamboyante Abenteuer um Gier, Opportunismus, Kriegstraumata, Verrat und Glücksspiel mit Burt Lancaster in der (beileibe nicht so elegant interpretierten) Rolle von Bogey, Paul Henreid in der Rolle von Conrad Veidt und Claude Rains und Peter Lorre in Wiederholung ihrer eigenen Rollen aus dem unerreichten Vorbild. Selbst einen neuen 'Sam' gibt es, in Gestalt von Davis' "Boy" John (Kenny Washington). Viele Szenen spielen in einer bezüglich Interieur und Atmosphäre an 'Rick's Café' gemahnenden Spelunke. Henreid genießt den Wandel vom aufrechten Widerstandskämpfer zum diabolischen Ekel, Sam Jaffe kommt noch vor als versoffener Arzt und die besten Auftritte hat - wie könnte es anders sein - Lorre als undurchsichtiger, kleinkrimineller Schnorrer, der wie ein kleines Gespenst immer dann auftaucht, wenn man es am wenigsten erwartet. Ein kleiner Diamant im Camp-Wust der Spätvierziger.

8/10

Foto

Magical History Tour: ROPE


Alfred Hitchcock, USA 1948

An einem Sommerabend ermorden zwei Studenten einen Kommilitonen, weil sie sich für was besseres halten und außerdem glauben, den perfekten Mord verüben zu können. Der Körper des Opfers wird in einer große Bücherkiste versteckt. Kurz bevor die schon vorher geplante Party steigt, wird das dezente Möbelstück noch mit Kandelabern verziert und das kalte Buffet aufgetragen. Zur Feier sind Freunde und Familie des Ermordeten geladen, die natürlich von seinem Schicksal nichts wissen und sich im Lauf des Abends Sorgen machen. Ebenso geladen ist der ehemalige Professor der beiden frischgebackenen Mörder, der ihnen einst mit elitärem Gedankengut, wonach es den wenigen Herrenmenschen durchaus erlaubt sei, über Leben und Tod zu entscheiden und sowieso einen Mord als etwas Ästhetisches, geradezu als Kunstwerk zu betrachten, imponierte. Am Ende der Party wird dem nonchalanten Charmeur, der nicht viel von den heuchlerischen Konventionen der high society hält, klar, dass seine Schüler da vielleicht etwas allzu wörtlich genommen haben...

Nach einem Theaterstück verfilmt, ist Rope rein vom plot und Handlungsablauf her tatsächlich mehr ein Bühnenstück denn ein Film, was natürlich auch mit dem experimentellen Zugang der Inszenierung zu tun hat. Besteht der Film doch aus einer handvoll (acht?) Einstellungen a 10 Minuten, elegant verbunden mit unsichtbaren Schnitten hinter diversen Sakkos. Dafür ist dieser Hitchcock in die Filmgeschichte eingegangen. Man mag diese langen takes nicht einmal Plansequenzen nennen, denn dazu ist die räumliche Situation des Ortes zu beengt, die Kamerabewegungen zu minimalistisch. Die Handlung jedenfalls hat im Grunde nichts Filmisches an sich, was eben durch diese experimentelle Produktiossituation zu erklären ist: auf einer kleinen Bühne als Theaterstück würden sich die psychologischen Aspekte der Charaktere wahrscheinlich ebenso gut, wenn nicht besser, entfalten.

Dazu ist zu lesen, dass Hitchcock den Film wie seiner bisherigen drehte, also so, als würde er geschnitten und "normal" montiert wie jeder andere Film eben auch (F. Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht? Heyne, München 2003, S.173ff. Interessant ist hier aber auch der überraschende Vergleich: The Birds hat über 1300 Einstellungen!) Besondere dramatische Situationen (die Strangulation, das zebrochene Cocktailglas in der blutigen Hand, der Kampf um den Revolver usw.) mussten daher mit einem Zoom auf einen detaillierteren Bildausschnitt realisiert werden und nichts sonst.

So weit, so gut. Was den Film aber außerdem und eigentlich auszeichnet, ist die Farbgestaltung. Rope ist nämlich auch des Meisters erste Farbproduktion, geschossen und eigenproduziert in gediegenem Technicolor. Und wirklich: was wäre der Film ohne die grandiose Pappkulisse der New Yorker Skyline am Abend, inklusive rauchender Schornsteine, blinkender Lichter und sogar vorbeiziehender Wolken. Allerdings ist diese Gestaltung recht seltsam. Die Szenerie soll einen lauen Sommerabend darstellen (präzise die Zeit zwischen 19:30 und 21:15, die konsequenterweise auch der Filmzeit entspricht), wirkt aber mit ihren Beige-orangetönen eher wie ein kitschiges Gemälde, was Hitchcock im Gespräch mit Truffault auch durchaus kritisiert hat.

Das Faszinierende jedenfalls ist, wie sich die Kulisse im Lauf der Zeit verändert, wie langsam der Abend in die Nacht übergeht. Das hätte man wohl schon ein paar Jahre später ganz anders gefilmt. Das wirklich Innovative an der Farbegstaltung ist aber, wie die künstliche Beleuchtung, vor allem die rot-grün blinkenden Werbeschriftzüge des Nachbarhauses, präsentiert wird. Viel weniger beeindruckend ist leider die Präsentation des filmischen Raumes, des Apartements. Die beengten Raumverhältnisse hat Hitckcock in Filmen wie Dial M for Murder und natürlich Rear Window zwar vollkommen anders, aber unvergleichlich effektiver gestaltet.

Fazit: Formal grandios, ist Rope als Film (und nicht als verfilmter Theaterstoff) "nur" Mittelmaß in der Filmographie Hitchcocks. Am Ende aber ein starkes Bild: Der Soziopath genehmigt sich noch einen Drink, der sensible Pianist klimpert Poulenc, der Professor nimmt neben dem Sarg Platz und versteht die Welt nicht mehr. Ohne dieses Experiment hätte es jedenfalls die eben genannten Meisterwerke Hitchcocks wohl nie gegeben.

Foto

THE UNDERNEATH (Steven Soderbergh, 1995)


There's something very powerful about being absent.

Soderberghs vierter Film ist dem Vernehmen nach ein Remake des mir unbekannten Criss Cross von Robert Siodmak. Aus seiner Unzufriedenheit mit dem fertigen Werk macht Soderbergh ja keinen Hehl. Mehrfach hat er betont, dass er The Underneath hasst und für seinen schlechtesten Film hält. Diese Einschätzung verwundert etwas, denn obwohl der Film ganz sicher nicht zu den Highlights in seinem Schaffen zählt, ist er so schlecht nicht und in jedem Fall besser als der vermurkste The Girlfriend Experience. Auch formal fällt er nicht so aus der Reihe wie der Vorgänger, zumal er mit der nicht-chronologischen Erzählweise und dem Einsatz von Farbfiltern typische Merkmale aufweist, die sich auch in vielen anderen Arbeiten des Regisseurs wiederfinden. Die Herausforderung, zwischen drei verschiedenen Erzählsträngen hin- und herzuwechseln, löst Soderbergh ganz elegant: in den Szenen, die vor Michaels Weggang spielen, trägt dieser einen Bart, in den Szenen nach seiner Rückkehr ist er bartlos. Beim Überfall schließlich kommen Farbfilter zum Einsatz. Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht auf dem Raub, sondern vielmehr auf der Beziehung zwischen Michael und Rachel, die von der Frage geprägt ist, inwieweit in der Vergangenheit begangene Fehler wieder gutzumachen sind. Dies bezieht sich jedoch nicht nur auf Rachel, sondern im Prinzip auf all seine Bekannten einschließlich Familie, die er seinerzeit durch sein fluchtartiges Verlassen der Stadt vor den Kopf gestoßen hatte. Die Einbindung des Raubüberfalls in die Geschichte wirkt fast etwas bemüht und scheint in der Entstehung eher dem Zufall geschuldet, weil Rachels Mann Dundee die beiden in einer verfänglichen Situation erwischt. Die Erzählweise ist sehr zurückhaltend und wirkt vor allem durch den Farbfiltereinsatz sehr stylisch. Die Plottwists am Ende waren mir fast etwas zuviel, doch ist The Underneath in seiner Gesamtheit trotzdem ein sehenswerter Film.

Foto

BIG BAD WOLVES (Aharon Keshales, Navot Papushado, ISR 2013)


Ein überaus fieser Kindermörder treibt im ruralen Israel sein Wesen: Polizist Micki (Lior Ashkenazi) hat auch schon einen Hauptverdächtigen an der Angel, den er gemeinsam mit dem Vater eines der Opfer "verhört"...

War ja einer der sogenannten "Geheimtipps" des letzten Filmjahres und er soll Quentin Tarantinos "Movie of the Year" darstellen. Ich bin erst durch meine Filmpodcasts drauf gestoßen und kann mich im Nachhinein dem Lob voll anschließen: einer der besten Filme von 2013! Aus Israel habe ich (so gut wie?) gar nichts gesehen, so dass mir die Darsteller vollends unbekannt waren, was bei der Abnahme der Rollenverkörperungen aber vorteilhaft sein kann. Ähnlich wie KYNODONTAS vor vier Jahren ist BIG BAD WOLVES ein Film, dessen Tonart einige Zuschauer arg verstören dürfte. Dem absoluten Gräuel werden immer wieder saukomische Situationen gegenübergestellt, was manchen ggf. zu Äußerungen wie schlechtem Geschmack verleiten könnte. Darf man ein hochsensibles Thema wie Kindesvergewaltigungen mit - zugegeben "tieftief"schwarzem - Humor anreichern? Das Ergebnis spricht für sich. Meines Erachtens schaffen die Regisseure diesen Spagat. Ich wurde oft an das Kino der Coens erinnert, da die Figuren auch hier zu absurden Handlungen und Motivationen neigen, allerdings niemals auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit. So bleibt man beim Thema wie es sich gehört ernst. Auch führen die Taten der Selbstjustizler zwar zu Komik, doch lässt sich zugleich darüber sinnieren, in wie weit ihre Vorgehensweise und ihr Handeln überhaupt zu legitimieren ist. Hierzu fügt das Drehbuch gegen Ende einige überraschende Wendungen ein, die für die Figuren wie für den Rezipienten neue Herangehensweisen ermöglichen.

Eingefügtes Bild

BIG BAD WOLVES ist so gut, weil er die Genres des Torture Porn und Serial Killer quasi auf den Kopf stellt, vermischt und etwas - zumindest für mich - nie dagwesenes kreiert, das gleichermaßen unterhält, wie fesselt und verstört. Handwerklich mit großen Momenten (TItelsequenz!!!) und keiner Scheu vor Schau(er)werten (dass die Opfer enthauptet wurden wird auch visuell bewiesen). Zudem lässt die Schlusseinstellung zahlreiche Spekulationen über die (Nicht)schuld des malträtierten Verdächtigen zu.
Spoiler

Make-or-Break-Scene: Die unfreiwillige Kollaboration der Polizei mit dem Opfervater, die sehr amüsant in einem Park beginnt.

MVT: Der Ton des Films, der nie aus dem Ruder läuft.

Score: 8/ 10

Final Thoughts: Sehr empfehlenswert, wenn auch bestimmt nicht jedermanns Sache.

Foto

Viskningar och Rop (Schreie und Flüstern) (Ingmar Bergman) SE 1972


Viskningar och Rop (Schreie und Flüstern)


Eingefügtes Bild
Ein Herrenhaus in Schweden, Ende des 19. Jahrhunderts. Agnes (Harriet Andersson) hat Krebs und liegt im Sterben. Ihre zwei Schwestern Maria (Liv Ullmann) und Karin (Ingrid Thulin) sind mit ihren Männern angereist um bei ihr zu verweilen. Beide sind äußerst distanziert in ihrem Verhältnis zu Agnes. Karin ist absolut gefühlskalt und Maria falsch und aufgesetzt in ihrer oberflächlichen Wärme. Allein die Magd Anna (Kari Sylwan) pflegt sie geduldig und kann Agnes Liebe, Trost und Zärtlichkeit spenden. In Rückblicken, denkt sie an ihre Mutter (ebenfalls Liv Ullmann) . Als der Arzt David (Erland Josephsson) kommt, versucht Maria ihre einstige Affäre mit ihm wieder aufleben zu lassen, doch er weißt sie ab. In einer weiteren Rückblende, mit Erzählerkommentar versehen, werden Szenen aus dieser Affäre gezeigt, die zum Selbstmordversuch ihres Mannes Joakim (Henning Moritzen) führte. In einer Rückblende aus Karins Vergangenheit sehen wir ihr Verhältnis zu ihrem verhassten Ehemann Fredrik (Georg Årlin), den sie schockiert, in dem sie sich im Intimbereich mit einer Glasscherbe verletzt. Als Agnes stirbt und der Pfarrer Isak (Anders Ek) ihr die letzte Weihe gibt wird dies zu einem erschütternden Bekenntnis seiner Glaubensunfähigkeit. Als die Schwestern nun den Nachlass ordnen, kommt es zwischen Maria und Karin zu einer Annäherung, die aber bald an ihre Grenzen stößt. Als Anna eine Vision hat, in der die tote Agnes sie anfleht, sie nicht allein zu lassen, ist sie die einzige die fähig ist Agnes in die Arme zu schließen. Alle anderen fliehen entsetzt aus dem Raum. Anna liest in Agnes Tagebuch ihre Erinnerungen in der die Schwestern glücklich durch den Schlosspark wandeln.


Nach Passion ist dies der erste Bergman Film der 70er innerhalb unser chronologischen Reihe. Die US/Schwedische Co-Produktion The Touch, stand uns leider nicht zur Verfügung und so sind wir jetzt schon im Jahre 1972 angelangt.

Bergman hatte eine Vision :"Ich sehe ein Mädchen auf dem Weg zu einem großen, herrschaftlichen Haus. In dem Haus gibt es einen roten, großen Raum, in dem drei Schwestern in weißen Kleidern sitzen und miteinander flüstern. Meinst Du das könnte ein Film werden ?", fragte er seinen Kameramann Sven Nykvist. Als er das Drehbuch entwickelte stand für ihn fest, dass er Liv Ullmann, Ingrid Thulin, Harriet Andersson und vielleicht auch Mia Farrow bekommen muß. Mit Mia Farrow klappte es nicht dafür sagten alle anderen selbstverständlich zu. Den Titel entlieh Bergman einem Musikkritiker, der über Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 schrieb es klinge wie "Schreie und Flüstern". Bergman und Nykvist tüftelten sehr lange vor Drehbeginn über die Farbgestaltung des Films, besonders die verschiedenen Nuancen der Farbe "rot". Laut Bergman hat er sich seit seiner Kindheit die menschliche Seele immer als rötliche Haut vorgestellt, ähnlich wie Schleimhäute. Die Produktionsgeschichte des Films ist keine einfache. Seiner Haus und Hof Firma Svensk Filmindustri war das Thema zu schwierig. Auch internationale Produzenten, zu denen er seit The Touch Kontakt hatte lehnten ab. So drehte Bergman diese nicht gerade günstige Produktion mit seiner eigenen Firma Cinematograph, ein bißchen Geld vom Filminstitut und einem Teil der Darsteller und Technikergagen. Der Film, uraufgeführt in New York, wurde ein weltweiter Erfolg sowohl bei Publikum als auch bei Kritikern. Sein erster seit "Das Schweigen". Sven Nykvist erhielt für seine Kameraarbeit einen Oscar.

Soweit die Produktionsnotizen. Francois Truffaut und Woody Allen nennen ihn ein absolutes Meisterwerk. Aber erst eins nach dem anderen.

Ersteinmal ist es ein äußerst faszinierendes Unterfangen diesen Film zu sehen, allein was die Farbgestaltung, Kameraarbeit und Lichtinszenierung angeht. Wenn man zuvor Passion noch das Suchen und experimentieren ansieht, ist dies hier schlichtweg ein Hammer. Die Überblendungen ins rote, bei denen sich die Leinwand färbt sind grandios. Die enorm große Stärke des Films abgesehen von dem, wie immer glänzend spielenden Bergman-Ensemble, ist, dass hier ähnlich wie in Persona Ästhetik und Inhalt hier eine Linie ergeben. Bergman findet für seine Vision diese extrem krassen Farben und Bilder, die das Innerste nach Außen kehren, das sichtbar machen, was sonst nicht sichtbar gemacht werden kann.

Kammerspiel

Ausgewogenheit, Konzentration, die blutroten Räumlichkeiten. Die Beziehung der Schwestern zueinander oder zu ihren Männern wird fast ausschließlich in Nahen oder Halbnahen Einstellungen eingefangen. Dazu kommt, dass die Atmosphäre des Films von Beginn an zum Bersten ist. In den einzelnen Gesprächen hat man wieder die berühmten, choreographierten Bergman-Bilder, die die 4. Wand zu sprengen scheinen. Ein Punkt, den man übrigens bei Bergman noch näher durchleuchten könnte. Episodisch wird das Ganze aufbereitet. Der Prozess des Sterbens von Agnes in der Gegenwart ist das Gerüst, die Rahmenhandlung in der innerhalb des Films episodische Einschübe gemacht werden. Für jede der 3 Schwestern wird in Rückblenden eine Situation gezeigt, die ihr Wesen und ihr Handeln verständlich macht bzw. veranschaulicht. Aus der belasteten Beziehung von Agnes zu ihrer Mutter ergibt sich fast symbolisch die Beziehung zur Magd Anna, die ihre Tochter verloren hat. Marias Beziehung zum Arzt David scheitert und die Ehe von Karin ist schon längst gescheitert. Diese Rückblenden werden durch das Blenden ins Rot ein und ausgeleitet. Auch das titelgebende "Flüstern" kommt hier zum Einsatz. Nicht nur die Rückblenden verzahnen sich durch das Rot mit der Gegenwart, auch die Vision von Agnes am Ende des Films wird so ein und ausgeleitet.
Rotblenden :
Eingefügtes Bild


3 Schwestern

Maria ist im Grunde kalt. Immer sehr distanziert in ihrer Form, läßt sie keine richtige Nähe zu und es kommt ihr auch nichts nah. Ihre Figur wird auch schon früh in der Szene mit David beschrieben, als er ihr sagt :"Dein Teint ist matt und blass. Du schminkst dich. Diese feine, breite Stirn hat nun 4 Falten über jeder Augenbraue. Weißt Du wie sie dorthin kamen ? Gleichgültigkeit, Maria. Und diese feine Kontur vom Ohr zum Kinn ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Selbstzufriedenheit und Trägheit haben sich dort eingenistet. Warum lächelst Du immer so höhnisch Maria ? Siehst Du das ? Das machst Du zu oft. Unter den Augen, diese scharfen, kaum sichtbaren Falten der Langeweile und Ungeduld."
Eingefügtes Bild

Karin hat diesen Schutz mit dem sich Maria auf Distanz hält nicht. Sie kann sich nur mit großer Anstrengung zusammennehmen. Dabei kann sie nach außen auch nicht so souverän wirken, wie Maria sondern wirkt immer verbissen. Sie verdrängt ihr innerstes mit größter Anstrengungskraft, ist immer der Vulkan kurz vor dem Ausbruch und steht unter einem innerem Druck, der durch die Ehe mit einem alten, zynischen Diplomaten nur verstärkt wird. Dieser Druck wird wunderbar in der Essensszene zwischen ihr und ihrem Gatten gezeigt, die quälend diesen Ekel veranschaulicht.
Eingefügtes BildEingefügtes Bild

Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie ein heißer und gefühlvoller Mensch, der umsomehr vom Frust zerfressen wird. Besonders auch auf sexueller Ebene. Sie will etwas fühlen und empfinden können und fügt sich dort Schmerzen zu, wo sie auch am stärksten empfindet, im Genitalbereich. Zuvor wird in einer faszinierenden Montage gezeigt, wie sie von Anna entkleidet wird, so als ob ihr das Korsett vom Leib gerissen wird. Als sie sich dann in der darauffolgenden Szene mit einer Scherbe zwischen den Beinen verletzt wirft sie ihr Leid ihrem schockierten Gatten in extremstem Ausmass entegen.
Eine Szene, die Lars von Trier fast 40 Jahre später in "Antichrist" abwandelt.
Eingefügtes BildEingefügtes Bild


Am Ende ist auch Karin diejenige, die sich der Liebe ihrer Schwester vergewissern möchte, dann aber an Marias Kälte scheitert.

Agnes hat durch ihre jahrelange Krankheit am meisten gelitten ist aber auch von allen dreien am unverstelltesten und natürlichsten. Sie sucht nicht nur Wärme sondern findet sie auch. Einmal in der erlösenden Schlussszene am Ende und auch in den Szenen mit Anna, wo sie Geborgenheit und Mütterlichkeit spürt. Annas Rolle als Ersatzmutter für Agnes wird besonders in ihrer Vision am Ende deutlich als Agnes nach ihrem Tod erwacht und die Schwestern zu sich bittet. Beide wenden sich unter Vorwänden und Ekel von ihr ab. Nur Anna kann sich ihr annehmen. Diese Mütterlichkeit hält Bergman in dieser bemerkenswerten Szene fest, die an eine Pietà Michelangelos erinnert :
Eingefügtes Bild

Bergmans Themen sind hier wieder alle parat : Bewusstsein, Sterben, Tod, Beziehung zwischen Mann und Frau und nebenbei läßt er nicht nur was die Bildsymbolik angeht religiöses miteinfließen. Die letzte Weihe, die der Pfarrer Agnes gibt wird zu einem Selbstbekenntnis der Unfähigkeit seines Glaubens. Hier schwingt die ganze Lebensfeindlichkeit des Geistlichen mit, der unter Tränen gesteht, dass ihr Glaube stets größer als seiner gewesen ist. Eine Szene, die nicht nur in der Bildkomposition an Dreyers Ordet gemahnt.

Als ich den Film das erste Mal sah habe ich ihm zwar die meisterliche Bild und Farbkomposition zugestanden aber inhaltlich ließ er mich doch relativ distanziert zurück. Ich hatte große Probleme die Ebenen innerhalb des Films, besonders die Rückblenden, die durch das Rot auf und abgeblendet werden, einzuordnen. Dies änderte sich nun beim zweiten Sehen. Nun konnte ich mich nicht nur an den statischen Bildern erfreuen, er wühlte mich auch emotional auf und entließ mich mit einem erhabenen Gefühl der Befreiung.
Diese Erlösung am Ende, nach all den tiefen, roten Abgründen in die man blickt, gehört genauso zur Wahrhaftigkeit des Films, wie auch die erschütternden Szenen um Agnes und Karin. Im Grunde eine Erlösung, die auch an das Ende von Wilde Erdbeeren erinnert.

Und somit legen sich die Schreie und das Flüstern

Eingefügtes Bild

10/10

Foto

quarterly results


ubaldo verkündet ex cathedra die 12 besten filme (aus weit über 100 gesehenen) des ersten quartals 2014:



12.
Eingefügtes Bild

11.
Eingefügtes Bild

10.
Eingefügtes Bild

09.
Eingefügtes Bild

08.
Eingefügtes Bild

07.
Eingefügtes Bild

06.
Eingefügtes Bild

05.
Eingefügtes Bild

04.
Eingefügtes Bild

03.
Eingefügtes Bild

02.
Eingefügtes Bild

01.
Eingefügtes Bild


honorable mentions:


SHORT TERM 12 * OUT OF THE FURNACE * INSIDE LLEWYN DAVIS * JEG ER DIN * TIAN ZHU DING * SNOWPIERCER * 12 YEARS A SLAVE * CANIBAL * TUMMAN VEDEN PÄÄLLÄ *

Foto

Magical History Tour: The Ball at Anjo House (Kozaburo Yoshimura, Japan 1947)


Nachdem Japan den Krieg verloren hatte, wird das adlige Geschlecht der Familie Anjo per Gesetz dazu gezwungen, den Stammsitz sowie die Ländereien abzutreten. Es soll aber noch einmal ein letzter Ball abgehalten werden, die letzte Feier, bevor man sich mit dem gemeinen Volk um das tägliche Brot kümmern muß - und der Name des herrschaftlichen Hauses untergehen muß. Bezeichnenderweise taumelt gegen Ende eine der Figuren betrunken gegen die im Foyer stehende Samurairüstung und reißt sie zu Boden, wo sie auseinanderbricht. Jahrhunderte im Ehrenstande - zerschmettert.

Der Konflikt ist ein vielfältiger - nicht nur ist die Familie Anjo tatsächlich eine angesehene und respektierte, so hat nicht nur der weise und gutherzige Familienvorstand Fürst Tadahiko (Osamu Takizawa) viel Gutes getan für seine Mitbürger und Nächsten, sondern auch die Tochter Atsuko weiß die Herausforderungen mit Rückgrat anzunehmen (gespielt von Setsuko Hara). Dennoch: als beleidigend empfindet der Hausherr, dass er sich finanziell von seinem ehemaligen Chauffeur aushelfen lassen soll (der das Anwesen kaufen will - er ist mittlerweile durch seinen Unternehmergeist zu einigem Vermögen gekommen), nein, er entscheidet sich problematischerweise dazu, sich auf den zwielichtigen Herrn Shinkawa (Masao Shimizu) zu verlassen, der ihn zu umgarnen weiß. Dies ist freilich ein Fehler. Der eigene Sohn Masahiko hingegen (Masayuki Mori (auch in UGETSU und RASHOMON und vielen weiteren Klassikern)), ist ein arroganter Tagedieb, der, vor dem Abgrund stehend, möglichst viele mit in den Untergang hineireissen möchte.

Der in unseren Breiten weniger bekannte Yoshimura ist ein Schüler Yasujiro Shimazus und hat folglich seine Ausbildung bei Shochiku genossen. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er als Regisseur zu arbeiten. Das Skript zu diesem Film stammt allerdings von Kaneto Shindo, den man vor allem von seinen volksmythischen Horrorfilmen her kennt, von ONIBABA und KURONEKO. Entsprechend komplex und zugleich gelungen ist diese vielsträngige Erzählung gehalten, die einen Ausschnitt japanischer sozialer Realität abbildet, vor der man lieber die Augen geschlossen hätte. Hier geht das alte Japan im Kleinen, stellvertretend, unter. Und da braucht es solche Lichtgestalten wie Setsuko Hara, die sich nicht unterkriegen lassen und einen Weg weisen aus der Krise, wie unbestimmt der auch sein mag. Zu Propagandazwecken jedenfalls lässt sich das nun nicht mehr umdeuten, das geht nur durch den Individualismus. Die Frau, die eben weiß, dass der Suizid keine Lösung ist. Warum auch immer.

Foto

Queen of the Amazons (1947)


Queen of the Amazons
(USA 1947, Edward Finney)

Darsteller gucken aus mickrigen Sets, beengt von der Kadrierung, auf Archivaufnahmen - über diese erstaunt oder von ihnen bedroht. Der Film besteht tatsächlich zu geschätzten 70% aus Archivmaterial. Den Rest der Zeit - talk is cheap - unterhalten sich die Figuren über die Dinge, die man da so sieht. Man könnte sagen: Trash. Oder auch: eine Lehrstunde (tatsächlich nur eine Stunde) über Film. Da QUEEN seine Mittel nie versteckt, zeigt er seine Magie umso deutlicher: Schwupps, mit einer Archivaufnahme ist man in Indien. Schwupps, eine Archivaufnahme später ist man im afrikanischen Hinterland. Eine handvoll afroamerikanische Extras hilft mit, zur Not springt noch ein Voice-over ein. Meisterwerklerische Strenge ist Edward Finney fremd. Ohne Scham wird alles aufgefahren, was Film so kann. Archivaufnahmen eines Sturms auf hoher See, überblendet mit der Nahaufnahme eines Erzählers, dazu die passende dramatische Musik (ebenfalls aus dem Archiv): Ein tragisches Erlebnis in der Vergangenheit.

Eingefügtes Bild
Film in a nutshell

Foto

Captain America 2


...ist der meiner Meinung nach bislang beste, in jedem Fall aber originellste Film um die "Avengers"-Crew, weil der Superheldenanteil hier so klein wie noch nie ist und einem stattdessen eine abgefahrende Mischung aller großen Politthriller der letzten 40 Jahre präsentiert wird, endend bei "Bourne"-Verfolgungsjagden (die erstaunlich handgemacht wirken) und angefangen beim guten (!) alten "Die drei Tage des Kondors", dessen Hauptdarsteller hier gleich auch in tragender Rolle dabei sein darf. Mal ehrlich, wie geil ist das denn: da reden sich die Nerds in den Foren monatelang den Mund fusselig, wer denn nun den Alexander Pierce spielen könnte, stapeln dabei allesamt tief ("da gab es doch den einen Typen aus der einen Serie..."), bis sich Marvel irgendwann bescheiden räuspert und meint: "Ja, schön, eure Vorschläge, wir hätten eher an Robert fucking Redford gedacht!" Ein solcher Casting-Coup ist auch sehr sinnstiftend, denn noch nie war die Geschichte so elementar wichtig wie hier. Wo der letzte "Thor" (der mir btw. großen Spaß bereitet hatte) zwei Stunden lang um einen MacGuffin kreiste, der an Lieblosigkeit nun wirklich nicht mehr zu unterbieten war, geht dieser Film hier narrativ in die Vollen und erzählt eine dichte, traurige Mär von Vertrauen und Verrat, bei welcher man nicht übersensibilisiert sein muss, um klare Kommentare auf Überwachung und Sicherheitswahn im sogenannten "Real Life" (Aktion: Save the Anglizism) zu finden. Natürlich liefen allerspätestens am Ende die Rechner wieder auf Hochtouren und es gibt noch eine Menge altbekanntes Superheldenbummbumm, aber selbst hier wird der Plot nie verloren und die Story klug und clever zu Ende gebracht. Schön auch, dass Samuel L. Jacksons Nick Fury endlich sein Stichwortgeberdasein beendet und als tragende Figur seinem Nachnamen mitunter alle Ehre macht. Als jemand, der das Marvel-Filmuniversum schätzt und gut gemachte Politthriller liebt, war mir dieser Film eine große Freude.

D.C.L.

Foto

TAKE THIS WALTZ


TAKE THIS WALTZ Take This Waltz

Ein gelebtes Wunderland, sanft eingefärbt und warm, lieblich und voller Wohlgefühl.

Nun, man sehe ein verträumtes Paar- lebendig.
Routine hat sich längst eingeschlichen.
Menschen, die man trifft,
Wege, die sie geht,
neckische Liebeleien. Wie sie stehen und gehen,
sie nackt in der Schwimmbad-dusche, auf dem Klo. Es ist nicht komisch. Alles purer Alltag. Es wird einfach und schlicht gelebt, so dass es sich auslebt…nichts ändert sich.

Doch es gibt einen neuen Menschen, einer, der gegenüber wohnt, allein, kunstvoll…
Man begegnet sich und die Routine bricht auf, sie wird neu belebt. Ein Herzschlag voller Wucht.
Und man trifft sich nun ständig, sucht sich, findet sich und verdecken kann man es nicht mehr.

Ein schmerzlicher Weg läuft sich aus und eine neue Leidenschaft pulst auf.

Sie entfesselt sich
Dem Trauernden geht es gut,
lebt weiter,
besser und heiter. Es ist gut so.

Sie nun verliebt und endlich kann man sie neu ……

Und auch das wird später gelebter Alltag und Routine.

So wie das Leben ist?

Foto

A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

Foto

The Curse of the Cat People


The Curse of the Cat People USA 1944, Regie: Robert Wise / Gunther von Fritsch

Nach dem Tod der unglücklichen Irena in THE CAT PEOPLE hat Oliver Reed (Kent Smith) seine Normalo-Freundin Alice geheiratet. Gemeinsam haben sie eine Tochter, die sechsjährige Amy (Ann Carter), über deren stete Tagträumerei sie sich langsam Sorgen machen. Als sie nach dem Fund einer Fotografie erzählt, Irena getroffen zu haben, wird sie von ihrem streng rationalistischen Vater bestraft und läuft kurz darauf von zu Hause weg...

So, jetzt komme ich endlich auch mal dazu, etwas zur "Magical History Tour" beizutragen, da mir der Film nach der Meldung, daß die eigentliche Hauptdarstellerin Ann Carter Ende Januar verstarb, wieder ins Bewußtsein kam und ich feststellte, noch gar keinen Text über ihn geschrieben zu haben, obwohl er zu meinen Lieblingen gehört. Von den 9 Filmen, die Val Lewton für die B-Horror-Unit der RKO produzierte, ist dieser wohl am wenigsten ein Horrorfilm, wiewohl einige Elemente des Genres aufgegriffen werden und es auch hier wieder einen sehr unheimlichen, spannungsgeladenen Lewtonschen "Walk" gibt, der in der Fantasie der Protagonistin mit der Sleepy Hollow-Legende verschmilzt. Aber das eigentliche Thema des Films sind keine Katzenmenschen, sondern die Wunder der kindlichen Fantasie - und daß die Erwachsenen gut daran tun, in diese nicht mit Gewalt einzugreifen. Es ist wohl auch Lewtons schönster und persönlichster Film, voller großartiger Momente und Performances - besonders fällt auch hier wieder Elizabeth Russell in der Rolle der verbitterten Tochter einer reichen Einsiedlerin auf: Was hatte die Dame nur für eine Präsenz! Immer, wenn sie das Bild betritt, meint man, die Raumtemperatur würde um ein paar Grad sinken. Hier ist alles meisterhaft. Ein Gedicht.

Foto

Mein Berlinale-Bericht 2014


Aus verschiedenen Gründen habe ich dieses Jahr so wenig Filme bei der Berlinale gesehen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr, nämlich gerade einmal fünf. Das scheint sehr wenig zu sein - und trotzdem war dies für mich persönlich eines meiner besten Festivals, weil ich kaum einmal bei meiner Auswahl eine so glückliche Hand hatte wie in diesem Jahr: alle fünf Filme fand ich mindestens sehenswert, während ich in vergangenen Jahren doch so manche Nieten gezogen habe. Nach dieser kleinen Vorrede will ich dann auch gleich auf die einzelnen Filme kurz eingehen:

Mein erster Berlinale-Film war dann gleich ein echter Hammer:

Nymphomaniac Volume I [Wettbewerb (außer Konkurrenz)]
Eine Nymphomanin legt vor einem schöngeistigen, intellektuellen (aber trotzdem etwas naiven) Mann, der nicht so recht glauben will, daß es schlechte Menschen gibt, eine Lebensbeichte ab. Der erste Teil von Lars von Triers neuestem Werk erweist sich trotz seiner z.T. sehr deutlichen Sexszenen keineswegs als Pornostreifen, sondern als hochkomplexe und ausgesprochen unterhaltsame Mischung aus philosophischer Abhandlung in Filmform, tiefschwarzer Komödie und intensivem Drama über Lust, Schuld und Tod, wobei solche Themen wie Angeltechniken, die Fibonacci-Zahlen, die Polyphonie bei Palestrina und Bach und die Frage, was es über den Charakter eines Menschen aussagt, ob er beim Schneiden seiner Fingernägel mit der linken oder der rechten Hand beginnt, aussagt, gestreift werden. Der Film ist in einzelne Kapitel unterteilt (Tarantino hat das ja auch schon einige Male so gemacht), die sich in der Wahl der Stilmittel und ihrer Grundstimmung teilweise stark voneinander unterscheiden - "Volume I" enthält die ersten fünf Kapitel. Einen besonders starken Eindruck hinterlassen zum einen das dritte Kapitel "Mrs. H" und das folgende "Delirium". Das dritte Kapitel ist einerseits (auf äußerst fiese Weise) enorm komisch, aber auch von einer ungeheuren (seelischen) Grausamkeit; Uma Thurman läuft hier zu unvergeßlicher Hochform auf und zeigt, obwohl ihre Rolle (mit Blick auf den ganzen Film) nur klein ist, die vielleicht eindrucksvollste Leistung ihrer Laufbahn. Im "Delirium"-Kapitel wiederum mutet von Trier dem Zuschauer dafür die womöglich quälendsten Sterbeszenen seit Bergman Schreie und Flüstern zu. Fraglos steckt der Film auch voller kulturgeschichtlicher Bezüge, die ich sicher gar nicht alle entdeckt habe; am Ende dieses ersten Teils hatte ich schließlich das Gefühl, mein Gehirn wäre gerade geschreddert worden. Lars von Trier ist und bleibt der interessante, herausforderndste und vermutlich auch beste Regisseur der Gegenwart.

Weiter ging es mit:

The Better Angels [Panorama]
Über Abraham Lincolns Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt, und wenn sein langjähriger Kanzleipartner William Herndon nicht unmittelbar nach Lincolns Ermordung zahlreiche Zeitzeugen (es waren wohl 250) befragt hätte, wüßte man so gut wie gar nichts. A.J. Edwards Regiedebüt schildert jene wenig erforschten Jahre in Lincolns Leben, in denen seine Mutter starb und seine Stiefmutter ihm nach der erneuten Heirat seines Vaters zu einer wichtigen Stütze wurde.
A.J. Edwards hat zuvor als Cutter für Terence Malick gearbeitet, der The Better Angels auch mitproduziert hat. Der visuelle Stil des poetischen Films erinnert dann auch deutlich an Malick (wenn man davon absieht, daß dieser nie in Schwarzweiß gearbeitet hat), wie übrigens auch die Musikauswahl (unter anderem Wagner, Bruckner und Dvorak). Der Film hält sich recht genau an die historischen Begebenheiten, insofern sie bekannt sind, so wird insbesondere Lincolns schwieriges Verhältnis zu seinem Vater (Historiker haben keine einzige positive Äußerung Lincolns über seinen Vater finden können) deutlich.
Leider muß ich an dieser Stelle einräumen, von dem Englisch, das in diesem Film gesprochen wird, kaum ein Sterbenswörtchen verstanden zu haben (allerdings half die erst etwa zehn Monate zurückliegende Lektüre einer Lincoln-Biographie mir sehr dabei, mich zurechtzufinden), weshalb ich so manches Detail nicht richtig mitbekommen habe. Alles in allem ist dies aber, auch wenn der Film sich zum Ende hin etwas schwer tut, den richtigen Abschluß zu finden und sicherlich noch ein gutes Stück von der Qualität der Malick-Meisterwerke entfernt ist, ein sehr beachtliches Erstlingswerk; auch Terrence Malick kann durchaus zufrieden sein.

Es folgte ein Ausflug in die Stummfilmzeit:

Faust - Eine deutsche Volkssage [Retrospektive]
Murnaus Version des Fauststoffes beruht nicht allein auf Goethes Faust, sondern greift auch Motive der urspünglichen Sage und der Gestaltung Christopher Marlowes auf (wodurch der Film inhaltlich etwas uneinheitlich wirkt). Besonders die erste Hälfte des Films hat mit dem Goethe-Drama nicht viel zu tun, hier versucht Faust vielmehr, ein Mittel gegen die Pest zu finden, und beschwört dann schließlich den Teufel. Der zweite Teil des Films, der die Gretchen-Tragödie schildert, folgt dagegen ungefähr dem Goethe-Drama (wobei Gretchens Leidensweg sogar deutlich ausführlicher als im Drama gezeigt wird); die Schlußszene unterscheidet sich allerdings beträchtlich, und ich muß sogar gestehen, daß ich sie ziemlich kitschig fand.
Inhaltlich kann der Film also mit einem so vielschichtigen und gedankenreichen Werk wie Goethes opus magnum sicherlich nicht mithalten; die eigentlichen Qualitäten des Films liegen aber ohnehin im formalen Bereich. Zu Recht wird Fausts Flug mit Mephisto über die Welt immer wieder erwähnt, wenn von diesem Film gesprochen wird; aber auch die Ausstattung ist erwähnenswert, und weiterhin gelingen Murnau diverse großartige Bilder: wenn sich etwa Mephisto mit seinem dunklen Mantel über die ganze Stadt beugt, und auch die apokalyptischen Ritter zu Beginn haben ihren Reiz. Insgesamt also ein bemerkenswerter Film, aber nicht so gut wie "Der letzte Mann".
Was die Aufführung des Films betrifft, ist besonders die Musikbegleitung hervorzuheben: für diese sorgte nicht nur ein Pianist, sondern an manchen Stellen kam auch noch eine Geige hinzu, was sehr stimmungs- und wirkungsvoll war; andererseits ließen die Musiker in einigen Momenten ihre Instrumente auch ganz verstummen. Der lang anhaltende Applaus nach der Vorführung galt daher sicherlich nicht allein dem Film, sondern zu Recht auch den beiden Musikern.

Schwer beeindruckt war ich von meiner ersten Begegnung mit Ken Loach:

Kes [Hommage Ken Loach]
Der 14jährige Billy wächst in einem tristen englischen Arbeiterviertel auf und leidet unter den Verhältnissen in seiner Familie ebenso wie unter denen in der Schule. Die Aufzucht eines jungen Falken wird zu seinem einzigen Trost und eigentlichem Lebensinhalt.
Der Film weist geradezu dokumentarische Qualitäten auf und ist einerseits eine überzeugende Milieustudie, andererseits aber auch ein sehr eindringliches individuelles Drama. Dabei gelingen Ken Loach eine ganze Reihe höchst intensiver Szenen, in denen auch ein überaus kritischer Blick auf die britische Gesellschaft uns insbesondere das Schulsystem geworfen wird (und mit dem widerwärtigen Sportlehrer ist meine persönliche Liste besonders hassenswerter Filmfiguren wieder etwas länger geworden...). Ein überaus kraftvoller Film (auch wegen der Schauspieler), dessen Wucht ich vorher so nicht erwartet hatte.

Der würdige Abschluß war dann:

Boyhood [Wettbewerb]
Zu Beginn des Films blickt ein kleiner Junge namens Mason etwas verträumt in den Himmel; am Ende ist Mason 18 Jahre alt und beginnt sein Studium am College - wird aber immer noch von demselben Darsteller verkörpert. Allein schon dadurch, daß der Film über 12 Jahre hinweg gedreht wurde, ist Boyhood etwas ganz besonderes, und das, obwohl (oder gerade weil?) er nichts allzu ungewöhnliches erzählt, denn es wird im Verlauf der letzten Jahre viele Jungen gegeben haben, die eine ähnliche Kindheit und Jugend wie Mason erlebt haben - mit allen Höhen und Tiefen, inklusive vieler Umzüge, Trennung der Eltern und neuer Beziehungen und Eheschließungen, auf die diese sich einlassen, die dann aber auch wieder in die Brüche gehen. So ist Boyhood einerseits ein sehr lebensnahes Jugend- bzw. Familiendrama, wird aber darüber hinaus auch zu einem hochinteressanten Zeitdokument. Wenn die Masons dieser Welt später einmal selbst einmal Kinder haben werden, die dann wissen wollen, wie es in der Jugendzeit ihrer Eltern zuging, werden sie diesen Boyhood zeigen können. Ein ausgezeichneter und wunderbar gespielter Film.


Ansonsten kann ich zu dieser Berlinale noch anmerken, daß...

...ich meinen Freund Travis diesmal vermißt habe und auch meine Begegnung mit Gerngucker leider zu kurz war.

...man sich mit Short Cut wunderbar über diverse Regisseure, ganz besonders Ingmar Bergman, unterhalten kann.

...ich die Mozarttorte mit Rum im Museumscafe neben dem Zeughauskino durchaus empfehlen kann.

...ich die Folterstühle im Friedrichstadtpalast noch immer als Zumutung betrachte.

...das Wetter diesmal so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr war - ich hätte nicht gedacht, noch mal eine Berlinale ohne Dauerregen oder Glatteis zu erleben.

Und das war er dann, mein persönlicher Kurzbericht von der Berlinale 2014!

Foto

Magical History Tour: To be or not to be


I am a jew. Have not a jew eyes? Have not a jew hands, organs, dimensions, affections, passions?
Fed with the same food, hurt with the same weapons, subject to the same means, warmed and
cooled by the same winter and sommer, as a Christian is? If you prick us, do we not bleed?
If you tickle us, do we not laugh? If you poison us, do we not die? And if you wrong us, shall we
not revenge?

Shylocks Monolog aus "Der Kaufmann von Venedig" von William Shakespeare

Warschau im Sommer 39, in dem noch Frieden herrscht. Da taucht plötzlich Adolf Hitler in der
Innenstadt auf, was bei den Passanten große Verwunderung auslöst. Dann schneidet der Film zum Gestapo - Hauptquartier, das sich aber nach einiger Zeit als Theaterkulisse entpuppt, und Hitler als Schauspieler, der auf der Straße seine Glaubwürdigkeit testen will.

So beginnt Ernst Lubitsch' Film, in dessen Mittelpunkt eine Warschauer Theatertruppe mit den
Stars des Ensembles Josef Tura (Jack Benny, herrlich blöd in seiner Selbstüberschätzung) und seine notorisch untreue Ehefrau Maria Tura (Carole Lombard, äußerst attraktiv, und ihrem Mann in allen Belangen überlegen) an der Spitze. Und dieser Beginn in dem nichts so ist, wie es zu sein scheint ist prototypisch für den ganzen Film.
Wenn in Tarantinos Inglourious Basterds das Kino die Nazis besiegt, und der traditionellen filmischen
Darstellung der Nazis der Kampf angesagt wird, so sind es hier die Mittel des Theaters, mit denen ihre
Selbstinszenierung als hohle Schmierenkomödie entlarvt und ihnen ein Schnippchen geschlagen wird.

Das Nazi-Stück wird auf Druck der Regierung abgesetzt, statt dessen gibt es wieder Shakespeares
Hamlet. Doch bald überfällt Deutschland Polen und das Theater wird geschlossen. Ab nun setzt
das Ensemble ihre Fähigkeiten dazu ein, um einem Nazi-Kollaborateur eine Liste mit polnischen
Untergrundkämpfern abzuluchsen und um ihr Überleben zu sichern. Sie spielen um Sein oder Nichtsein.
Weiter ließe sich die Geschichte selbst nach oftmaligen Ansehen des Filmes und bei besten Willen
nicht nacherzählen, denn dazu ist diese grandiose Farce viel zu verschachtelt, wechseln die
Fronten und Verkleidungen geradezu im Minutentakt. Trotzdem und trotz der vielen Auslassungen
in der Handlung, die die Zuschauer zum Mitdenken zwingen, erscheint der Film in sich vollkommen
Logisch und aus einem Guss zu sein.

Interessant ist, dass der Film das Wort Jude unter allen Umständen vermeidet. So ist Greenberg,
(Felix Spessart, so wie Lubitsch eine Jude aus Deutschland) nicht nur durch den Namen eindeutig
als Jude zu erkennen, aber ausgesprochen wird es nicht. Und es ist natürlich Greenberg, der öfter aus
Shylocks Monolog rezitiert, in dem aber ebenfalls das Wort Jude eliminiert wurde. War dafür der Hayes-
Code verantwortlich, oder war es Lubitsch Idee jüdische Identität so zu behandeln wie sonst
sexuelle Angelegenheiten?

Wie auch immer, To be or not to be ist eine meisterhafte Farce, getragen von großartigen
Schauspielern, die blendest unterhält und die Nazis und ihre Inszenierung der Macht
entlarvt und der Lächerlichkeit Preis gibt. Die manchmal nachwievor geäußerten Zweifel,
ob eine Komödie dem ernsten Thema angemessen ist (Wenn Lubitsch das volle Ausmaß
der Gräuel gekannt hätte, dann u.s.w.) kann ich nicht einmal ansatzweise teilen.
In meinem Lieblingsbuch wird in einem mittelalterliche Kloster gemordet, weil jemand
befürchtet, ein Buch über die Komödie könnte die Gottesfurcht untergraben. Denn Lachen
untergräbt die Macht. Es gibt zwar auch das systemstabilisierende Zerstreuungslachen,
wozu mir in diesem Zusammenhang die Feuerzangenbowle einfällt, doch in diesem Meisterwerk
ist das Lachen eindeutig subversiver Natur.

In diesem Sinne:

Heil myself!

Foto

Geburtenhelfer


Lärmend zu Tode gedacht dem beliebigen Schicksal verschwatzten Suizids erlegen.

"Odd Thomas"

Fußnote:
Jeff & Jenny ergehen sich darin, unablässig, geradezu redundant das Immergleiche in Worthülsen zu kleiden, obschon es zu Anfang noch Worte waren, die sie benutzten, aber letztlich doch nur zur schattenhaften Bemäntelung irgendeines Zwecks sich erniedrigen konnten, angesichts des nicht enden wollenden Rekapitulierens ein und der selben Vorstellung, die, gedreht und gewendet, wahlweise um ein Gramm Wahrheit erleichtert und durch ein trügerisches Kilo beschwerend ergänzt lediglich geringfügig Korrekturen im Satzbau nachträglich notwendig erscheinen ließ.


FRANCES HA
Zwischen Bildern durchgelatschter Sohlen, an den Rändern festgehalten, in einem zitternden Moment, flattern ihre Lippen. Ein wenig unpassend, weil nicht präzise austariert, zertritt sie den Zweifel. Ihr argloses Wesen - entfärbt und aufgesetzt. Das Leben vor ihr....lasziv entblättert sich's, ungeschickt. Hie und da, knotig verbunden, ein brüchiger Huf, fuchtelnder Ärmel zzgl. Arm. Nicht sie bestimmt das Ende, ein Anderer tut es.

BROKEN CIRCLE
Dem Vergessen abhold. Eingraviert in tiefere Schichten der Haut. Wiedergeburten flammen darin auf. Zu spät? Zu keiner Zeit.

Foto

Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)

Foto

MHT: The Hound of the Baskervilles


Magical History Tour - 1939

The Hound of the Baskervilles
[USA 1939 - Regie: Sidney Lanfield - DT: Der Hund von Baskerville]

Eingefügtes Bild

THE HOUND OF THE BASKERVILLES war der Startschuss für eine Reihe von Holmes-Verfilmungen, die mit Basil Ruthbone in der Rolle des Meisterdetektivs und mit Nigel Bruce in der Rolle dessen Partners Dr. Watson besetzt wurden. Vordergründig ist das Werk ein Krimi, bleibt aber ohne Anleihen aus dem Horrorfilm nicht aus, was bei der Handlung auch sehr richtig ist, dreht sich diese doch um eine Familiensaga, in der ein großer, blutrünstiger Hund für mehrere Morde an Erben der Baskerville-Familie verantwortlich gemacht wird. Lanfields Film hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Conan Doyle, womit nicht nur die kaum unvermeidbaren Kürzungen gemeint sind, sondern auch gewisse kleine Abänderungen, die in den meisten Fällen aber nur Unwichtigkeiten betreffen. Viele der B-Film-hafteren späteren Werke der vierzehnteiligen Reihe, die vornehmlich von Roy William Neill realisiert wurden, haben mir zwar besser gefallen, als diese etwas glatt geschliffene Fassung, doch Spaß gemacht hat es trotzdem, endlich einmal einen Abstecher per Filmbild nach Dartmoor zu machen, diesem düsteren Fleck, welcher Geheimnisse hortet und von verdächtigen Personen bevölkert wird, die das gesamte kombinatorische Können Sherlock Holmes' herausfordern. Kein unentbehrliches Stück zwar, gerade dann, wenn einem das Buch bereits bekannt ist, doch ebenso wenig schadet es, sich die 1939er Version anzuschauen.

B

A Hervorragend
B Gut
C Für Fans

Foto

Mal wieder Zeit für Filme... Fortsetzung


Eingefügtes Bild

Unter einer Fortsetzung stelle ich mir ehrlich gesagt was anderes vor. Warum hat man nicht erzählt, wie es mit der guten Dame aus Teil I weitergeht? Da wären so manche Punkte, die man sehr gut hätte aufgreifen können, Stichworte Jagd nach ihr wegen einem Polizistenmord oder Fortsetzung von Männermorden aus Hass auf das Geschlecht á la "Baise Moi" oder was weiß ich...

Aber das hier ist einfach eine "Neu"-auflage, wo die Geschichte nur nochmal mit einer anderen Frau, anderen Männern, einer neuen Location und mit neuen Tötungsvarianten erzählt wird. Hat für mich null Reiz einer Fortsetzung.


Eingefügtes Bild

Einer der besten Filme die ich dieses Jahr gesehen habe. Passt von vorne bis hinten, hat eine starke Dramaturgie und ist erstaunlich spannend, obwohl der Augang für niemanden neu sein dürfte. Die Frau kann einfach gute Filme drehen und einen an den Sessel (oder die Couch) fesseln.
Eine große Sehempfehlung meinerseits an alle die ihn noch nicht gesehen haben.

Foto

Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiss (Spanien, 2012)


Eingefügtes Bild

Blancanieves (Spanien, 2012): der berühmte Stierkämpfer, Antonio Villalta wird in der Arena bei einem Stierkampf schwer verletzt und ist seitdem vom Hals an abwärts gelähmt. Unmittelbar nach dem Stierkampf stirbt seine hochschwangere Frau, nachdem sie Tochter Carmencita gebärt. Da Villalta seine Tochter nicht annehmen kann, wächst sie bei der Oma auf. Bis die Oma stirbt und Carmencita bei der neuen Frau Villaltas, also bei ihrer Schwiegermutter Encarna, einziehen muß ...

Der spanische Stummfilm erzählt eine bittere Variante des Schneewittchen-Märchens. Bei diesem virtuosen Meisterwerk kommt man bei dem Zusammenspiel von Licht und Schatten, von den fundierten Kameraeinstellungen und der mimischen Ausdruckskraft der Akteure, von der bekannten und dennoch spannend erzählten (Liebes-)Geschichte und der genialen Filmmusik, nicht aus dem Staunen heraus!
Besondere Erwähnung verdient vor allem die Musikuntermalung: in jeder Sekunde verstärkt und perfektioniert jeder einzelne Ton, die ohnehin kraftvollen Bilder. Ich habe den Film am Donnerstag gesehen und seitdem frage ich mich, wann ich zuletzt einen so brillanten Filmsound genossen habe? Ich erinnere mich nicht daran, daß ich je von einer Filmmusik dermaßen begeistert war!

Eingefügtes Bild

Zudem sind die Schauspielerinnen Maribel Verdú in der Rolle der bösen Schwiegermutter, bildhübsche Macarena García mit unvergesslicher Aura und der spanische Filmstar aus den 70ern und 80ern Ángela Molina („Dieses obskure Objekt der Begierde“) zu bewundern. Blancanieves (Gewinner von zehn Goyas) ist das, was „The Artist“ gerne sein wollte: Eine angemessene, poetische Huldigung der Stummfilmära und deren Wiederbelebung zugleich. Für mich: der Beste Film 2013! Note: 9,5/10 Punkte

PS: Geht bitte ins Kino! Wer diesen kunstvollen Film auf großer Leinwand verpasst, bereut es vermutlich lebenslang!



Besucher aktiv in den Filmtagebüchern

Mitglieder: 0, Gäste: 4, unsichtbare Mitglieder: 0


Google