Zum Inhalt wechseln


Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

Neuste Kommentare

Foto

SIDE EFFECTS (Steven Soderbergh, 2013)


Soderberghs vorletzter Film beginnt wie eine kritische Auseinandersetzung mit der Pharma-Industrie, wandelt sich jedoch schnell zu einem klassischen Thriller im Stile Hitchcocks. Die gewohnt straffe und schnörkellose Inszenierung sorgt für enorme Spannung, die über die volle Spielzeit aufrecht erhalten wird. Ein besonderes Lob gebührt den beiden Hauptdarstellern Jude Law und Rooney Mara, die überaus souverän agieren. Vor allem Rooney Mara lerne ich mit jedem ihrer Filme mehr zu schätzen, ist sie doch nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, sondern bildet durch ihre interessante Erscheinung, die so gar nicht dem Ideal der gutaussehenden Hollywood-Diva entspricht, eine erfreuliche Ausnahme. Schön im klassischen Sinne ist sie sicher nicht, doch empfinde ich es jedesmal als faszinierend, ihr bei ihrem Spiel zuzuschauen. Schon bei The Girl with the Dragon Tattoo fand ich sie toll und auch hier trägt sie einen erheblichen Teil zum Gelingen des Films bei. Angesichts dessen Qualität ist es umso bedauerlicher, dass Soderbergh seinen Abschied vom Filmemachen angekündigt hat. Side Effects jedenfalls ist ein Hochgenuss von der ersten bis zur letzten Minute. Und ein sauspannender dazu.

Foto

SUPERVAN


SUPERVAN SUPERVAN (DVD: Code Red, USA)
(OT: Supervan | USA 1977 | Regie: Lamar Card)

Infos zum Film:
IMDB
OFDB


Zum Abschluss meines kleinen Exploitation-Marathons geht es zurück in die 70er und in eine Zeit, in der für praktisch jede noch so absurde Idee ein Geldgeber gefunden werden konnte. Ein Film wie SUPERVAN hätte wahrscheinlich schon 10 Jahre später nicht mehr gedreht werden können und wäre in der heutigen Zeit absolut unvorstellbar.
Es geht um ein Van-Treffen, bei dem der Besitzer des abgefahrensten Vans ein Preisgeld von $ 5.000,00 einheimsen kann. Und es geht um Clint Morgan, der schon lange von dem Sieg bei diesem Treffen träumt und dessen Van auf dem Weg dahin durch dumme Umstände zerstört wird.
Auftritt des titelgebenden Supervans, ein futuristisch wirkendes Automobil mit Solarantrieb und eingebauter Laserkanone, der sich ausgerechnet Clint als neuen Besitzer "aussucht". Natürlich gibt es noch allerlei Verwicklungen um den Supervan, eine kleine Liebesgeschichte usw.; faktisch ist der Plot von SUPERVAN aber komplett egal. Was Regisseur Lamar Card (dessen Namen ich wirlich noch nie zuvor gehört habe) mit SUPERVAN allerdings ganz vortrefflich gelingt, ist die Erschaffung eines authentisch wirkenden Zeitportraits mit verdammt viel Charme. Ein Großteil der Aufnahmen vom Treffen und den diversen Wettbewerben dürfte wohl von einem echten Van-Treffen stammen (ich kann mir nicht vorstellen, wo die sonst so viele Vans und Statisten herbekommen haben sollten) und SUPERVAN hat so stellenweise schon fast dokumentarischen Charakter. Auf jeden Fall stellte Cards Film einen netten Abschluss meiner Wanderung durch filmische Kloaken dar.
Würde ich mir nun allerdings noch einen weiteren Film ähnlichen Kalibers ansehen, hätte ich große Angst, dass mein Gehirn langsam aber sicher zu schmelzen anfängt.

TRAILER:


Foto

DJANGO UNCHAINED (Quentin Tarantino/USA 2012)


"Auf Wiedersehen."

Django Unchained ~ USA 2012
Directed By: Quentin Tarantino

Kurz vor dem Sezessionskrieg befreit der deutschstämmige Kopfgeldjäger und Dentist Dr. King Schultz (Christoph Waltz) den Schwarzen Django (Jamie Foxx) aus den Händen von Sklavenhändlern. Er hofft, durch Djangos Mithilfe ein gesuchtes Brüdertrio zu finden, das sich irgendwo in Mississippi auf einer Baumwollplantage als Aufseher verdingt. Nachdem Schultz sich von Djangos Qualitäten als Schütze überzeugt hat, bietet er ihm an, als Kompagnon für ihn zu arbeiten. Im Gegenzug würde Schultz Django helfen, im nächsten Frühjahr seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) ausfindig zu machen und auszulösen. Django schlägt ein und die beiden werden ein bewährtes, gesetzlich legitimiertes Killerduo. Schließlich finden sie Broomhilda auf dem Anwesen des öligen Rassisten Calvin Candie (Leonardo Di Caprio), ihr Plan zu ihrer Auslösung geht jedoch zunächst schief. Nun kennt Django kein Halten mehr.

Tarantino as usual. Diesmal erweist der Mann dem Spaghetti-Western seine knapp dreistündige Ehrerbietung, die sich natürlich, man kennt das mittlerweile, bei genauerem Hinsehen vor allem selbstreferenziell ausnimmt. Großartige Cameos alt- und scheinbar ausgedienter Filmhelden, die vor allem dem Eingeweihten diverses Anerkennen entlocken sollten, eine formidable Soundtrack-Kompilation, gedehnte Dialogszenen mit teil ominösesten Inhalten, die vor allem Tarantinos schwarzem Humorverständnis geschuldet sind, schließlich stark überzogene Gewaltdarstellungen, die in ihrer typischen Funktion als zusätzliches comic relief allerdings selbst für zartbesaitete Feuilletonisten stets goutierbar bleiben. Wie jedes Tarantino-Werk unterhält "Django Unchained" über seine gesamte Erzählzeit vorzüglich, beinhaltet befreiende Lacher, sorgt für manches Hallo und bewährt sich in seinen vorgefassten Bahnen. Ich würde mir jedoch wünschen, dass seine nicht kleiner zu werden scheinende Anhängerschar sich nicht immer wieder der Illusion hingibt, in seinen Werken etwas besonders Innovatives oder gar "Geniales" ausfindig machen zu können - dafür arbeitet der Mann auf inhaltlicher Ebene ganz einfach zu schematisch und wird aufgrund seiner tatsächlich sehr engmaschig gesteckten kreativen Grenzen augenscheinlich auch nie etwas Anderes zustande bringen. Das, was er macht, macht er so gut wie kein anderer; an den authentischen Dreck, an die aufrichtige Verruchtheit, den apokalyptischen Zynismus des ansonsten vielfach zitierten Originals und seiner Mitwerke aber traute sich Tarantino vermutlich nie heran. Was sollten seine Fans auch sagen? Nachher müssten sie vielleicht schlecht träumen und ihrem Idol beim nächsten Film den Rücken zukehren und wer hätte da schon etwas davon? Christoph Waltz vielleicht? Nein nein, "Django Unchained" ist ein stilvoller, spaßiger, ein guter Film, jedoch, und das ist ein nicht zu leugnender Dorn in seiner so makellos scheinenden Seite - in jeder Hinsicht völlig erwartbar.

8/10

Foto

Epic...


...sah ich auf Drängen eines guten Freundes unter der Bedingung, dass ich ihn in einem Kino sehen darf, dass ihn in 2D zeigt - wie ich nicht müde werde zu betonen ein unglaublicher Wahnsinnseffekt, der dafür sorgt, dass man Bilder wirklich betrachten und somit viel mehr in sie eintauchen kann, als es jede Fake-Tiefe je suggerieren könnte. Schöner, klassisch gehaltener Kinderfilm, der graphisch viel auffährt, doch nur seltenst mit der optischen Brillanz der Pixar-Götter mithalten kann. Erfreulich waren Christoph Waltz, der seinen Antagonisten-Part auch im Deutschen stimmlich voll ausleben darf, der ein oder andere wirklich gute Gag, die Tatsache, dass der Film streckenweise für die Zielgruppe grenzwertig düster und gritty war sowie der tieftraurige Moment am Ende, in welchem SPOILER der Vater, der sein ganzes Wissenschaftlerleben dem Auffinden der kleinen Waldmenschen widmete, was ihn Ansehen, Beruf und Frau kostete, seiner Tochter beichtet, dass er sich immer gewünscht hat, er hätte sich noch vor dem Tod ihrer Mutter rehabilitieren können und dieser so zeigen können, dass er nicht verrückt ist und die Tochter dann eben nicht das kackfilmtypische "Sie hat immer an dich geglaubt/dich immer geliebt" o.ä. rausholt, sondern den Vater umarmt und mit ihm zusammen um verpasste Chancen weint - ja, doch, allein für diesen Moment, dem echte Größe innewohnte, hat sich der Kinobesuch für mich gelohnt.

D.C.L.

Foto

Die 80er: eine Verteidigungsrede


Beim flüchtigen Lesen der letzten Kurzkommentare stieß ich mal wieder auf die erstaunlich weit verbreitete Ansicht, die 80er Jahre seien die schlechteste Filmdekade überhaupt gewesen, und da fragte ich mich wieder einmal, was dieses Jahrzehnt nur verbrochen hat, daß mit solcher Hartnäckigkeit auf ihm herumgehackt wird.
Ich selbst halte die 80er nämlich keineswegs für ein besonders schlechtes Jahrzehnt, wobei ich natürlich voreingenommen bin: mit Blue Velvet, Fanny und Alexander und Der Kontrakt des Zeichners gehören gleich drei Filme der 80er dem engsten Kreis meiner Lieblingsfilme an, und manche Nachschlagewerke schlagen Louis Malles Eine Komödie im Mai dem Jahr 1989 (und nicht 1990) zu; wenn ich diesen Nachschlagewerken folge, dann sind es sogar vier meiner absoluten Lieblingsfilme, die aus den 80ern stammen. Schon durch diese Filme fühle ich mich den 80ern eng verbunden.
Und auch sonst fallen mir jede Menge großartiger Filme aus den 80ern ein: Sergio Leones gewaltiger Schwanengesang Es war einmal in Amerika wäre hier ebenso zu nennen wie die beiden großen Alterswerke Akira Kurosawas Kagemusha und Ran; mit Der Blade Runner hat das Jahrzehnt einen der bemerkenswertesten und einflußreichsten Science-Fiction-Filme zu bieten (und mit Der Terminator einen der finstersten, da ich gerade bei der Science Fiction bin); auch Brazil sollte in diesem Zusammenhang erwähnt werden; auch im Anime-Bereich hat die Dekade einiges zu bieten, wie etwa den erschütternden Die letzten Glühwürmchen; und keinesfalls sollte man, wenn man von den 80ern spricht, Shoah vergessen, der fraglos zu den bedeutendsten Dokumentarfilmen überhaupt gehört.
Auch vom osteuropäischen Film sollte man in diesem Zusammenhang sprechen: ich denke dabei etwa an Kieslowskis Ein kurzer Film über das Töten oder Elem Klimows Komm und sieh (bzw. Geh und sieh, beide deutschen Titel sind mir schon begegnet), aber auch an Briefe eines Toten (der mich persönlich mehr beeindruckt hat als sein amerikanisches Gegenstück The Day After). Auch Kubricks Full Metal Jacket, der mir bei der Kriegsthematik soeben in den Sinn kommt, ist vielleicht nicht gerade sein bester Film, aber auf alle Fälle doch ein bemerkenswerter Film.
Das Jahrzehnt hat so faszinierende Werke wie Vincent Wards Der Navigator oder John Boormans bildgewaltigen Excalibur zu bieten, dazu Claude Millers ungemein fesselnden Das Auge (und da ich gerade bei Michel Serrault bin, will ich gleich noch Die Fantome des Hutmachers, der sicher zu den Höhepunkten im Werk Claude Chabrols gehört, ergänzen). Diese Aufzählung bemerkenswerter Filme der 80er ist natürlich weit davon entfernt, vollständig zu sein, aber auch so wird, denke ich, schon mal deutlich: ein Jahrzehnt, das solche Filme zu bieten hat, kann ja wohl so schlecht gar nicht gewesen sein.

Natürlich hat es auch in den 80ern schlechte Filme gegeben, vermutlich sogar jede Menge. Das war aber in allen Jahrzehnten so. Man sehe sich nur mal im Kino der Gegenwart um, mit seinen unzähligen Remakes und Fortsetzungen und dem übermäßigen Einsatz von CGI und 3D - ist das nun so viel besser als das Mainstream-Kino der 80er?
Manchmal habe ich den Eindruck, daß einige Filmliebhaber den 80ern nicht verzeihen können, daß die Ära des New Hollywood zu dieser Zeit endgültig vorbei war und statt dessen Star Wars und das Spielberg-Kino ihren Siegeszug antraten. Mal ganz davon abgesehen, daß ich zumindest das Spielberg-Kino längst nicht so negativ sehe wie viele andere Filminteressierte: Beide Entwicklungen hatten aber schon in den 70ern begonnen, und New Hollywood konnte vermutlich nicht von Dauer sein (so wie es eben auch eine Zeit des Film Noir oder des neorealistischen Films gab).
Aber ich will nun gar nicht weiter irgendwelche Vermutungen anstellen, denn letztlich weiß ich wirklich nicht so recht, warum gerade die 80er so oft als das schlechteste Filmjahrzehnt bezeichnet werden. Worauf beruht diese Einschätzung? Oder ist es am Ende gar keine Einschätzung, sondern eine reine Behauptung ohne Substanz?

Foto

"Ein neuer Zugang wird eröffnet"


Schubladen werden aus den Verankerungen gerissen.

Alte Zöpfe abgeschnitten - neue Ideen gewinnen Raum.

Raum und Zeit des Films, Zeiträume im Film, akademische Kategorien?

Wie gewinnt Neues Raum!

Der frische Blick - Phänomenologie

Erstheit, Zweitheit, Drittheit

Listen der Besten - Bestenlisten

Ich liste, also bin ich - falsch

Wider die Listen!

Das filmische Bild - Die Blätter im Frühsommer

Foto

Side Effects (Steven Soderbergh) USA 2013


Eingefügtes Bild


Side Effects


Soderberghs neuester Kinofilm ist ein Psychothriller mit kritischem Blick auf die Pharmaindustrie sowie auch auf die Wirtschaftssituation in den USA.
Formal geht Side Effects im Vergleich zu vielen anderen Filmen Soderberghs äußerst straight und geradlinig zur Sache. Das ganze wieder von ihm selbst in Personalunion, in hochauflösenden Bildern geschossen und geschnitten, ist allerdings genauso vertrackt, wie die Werke in denen auf der Zeit Ebene vorwärts und rückwärts gesprungen wird.

Im Noir verhaftet, ist es hier die Story von Scott Z. Burns (Black Swan), in der nichts so ist, wie es scheint. So wird die Story um Pillen, Macht und Manipulation zu einem immer dichter werdenden, labyrinthischen Geflecht in dem eine Finte, die nächste jagt.
Interessant ist dabei, wie der Film, ganz thrillertypisch, mit den Erwartungshaltungen des Publikums spielt. Rooney Mara, die ähnlich kühl spielt, wie in David Finchers "Verblendung", lernen wir zunächst als glaubwürdiges Opfer ihrer Depression kennen. Jude Law ist der gute Doktor, der sie ernst nimmt und ihr helfen will. Bis es zum Mordfall kommt. Sie ersticht ihren Ehemann, der Broker, der wegen Insidergeschäften 3 Jahre im Knast saß und mit dem sie vorher in Saus und Braus lebte. Die Tat geschah aus ihrer Sicht als Nebenwirkung, der Antidepressivika, die sie von Jude Law verschrieben bekommen hat.
Nun wechseln die Ebenen und Perspektiven indem Jude Law in den Mittelpunkt des Geschehens rückt und wir ihn von einer anderen Seite kennenlernen, als machtgierigen Psychiather, der mit Pharmakonzernen anbandelt umso mehr Geld zu machen und der nun sich in seinem Gefüge bedroht sieht. Da er Opfer einer Pressekampagne wird, die Mara spinnt um ihn und die Pillen für den Mord verantwortlich zu machen. In der subjektiven Perspektive von Law wird nun das Rätsel um Mara sowie deren Verbindung zu ihrer früheren Psychiatherin Catherine Zeta-Jones gelöst um dabei Finte um Finte zu schlagen.
Mara ist zum zweiten Mal nicht das, was sie scheint zu sein und Law ihr am Schluss sogar ebenbürtig. Genauso wie Mara zerfressen ist von der Gier nach ihrem früheren Schickeria Leben, läßt Law sich dieses nicht nehmen und weiß dies letztendlich auch erfolgreich zu verhindern.

Side Effects kann man einmal als Allegorie auf die Nebenwirkungen des Turbokapitalismus lesen. Seitenhiebe gegen die Pharmaindustrie, die mit immer besseren Mitteln und Pillen versucht ihre Schäfchen wieder fit zu machen, inbegriffen. Ebenso sind hier die Handlungsstränge zu nennen, die mit fortschreitender Laufzeit immer ausgebuffter werden um sich am Ende dreimal zu überschlagen. Das ist zwar äußerst spannend und ziemlich virtuos und dennoch wirkt dieses Plottwistgewitter zum Ende hin ein wenig ermüdend, wenn die Twists im 5 Minuten Abstand nur so auf einen einhageln. Irgendwie wirkt das ein bißchen zu selbstverliebt und macht bei aller Bedeutsamkeit des Plots einiges in Side Effects unglaubwürdig.

Trotzdem muß man sagen, dass Soderbergh ein kleiner, böser, fast schon altmodischer Thriller gelungen ist, der zwar gut ist, mit ein paar Twists weniger, aber auch mehr Wirkung erzielt hätte.

Jetzt erstmal Kino Pause und bestimmt, gibts in einigen Jahren, dann auch wieder nen neuen Soderbergh auf der Leinwand zu sehen. Denn busy ist der Mann ja nachwievor.

8/10

Foto

April 2013, alle Filme


Boarding Gate (Olivier Assayas, 2007) 6.5/10
Léon Morin, Prêtre (Jean-Pierre Melville, 1961) 8/10
Blondinen bevorzugt / Gentlemen Prefer Blondes (Howard Hawks, 1953) 8/10
Emmanuelle Exposed / Las orgias inconfesables de Emmanuelle (Jess Franco, 1982) 7/10
Im Kloster der heissen Nonnen / Cloistered Nun - Runa's Confession (Masaru Konuma, 1976)* 8/10
Der Mörder des Klans / Prega il morto e ammazza il vivo (Giuseppe Vari, 1970) 6.5/10
John Nesbo's Headhunters (Morten Tyldum, 2011) 4/10
Chernobyl Diaries (Bradley Parker, 2012) 3/10
Kageroza / Heat Shimmer Theatre (Seijun Suzuki, 1981) 6/10
The Killing III / Forbrydelsen (2012) 7/10
The Clock (Vincente Minnelli, 1945) 8/10
Snow White and the Huntsman (Rupert Sanders, 2012) 2/10
TPB: AFK (Simon Klose, 2013) 7/10
Baghead (Jay & Mark Duplass, 2008) 6/10
Café Kontakt (Bernhard Marsch, ?) [short] 7/10
Nackt am See (Bernhard Marsch, ?) [short] 7/10
Amigo a Gogo (Bernhard Marsch, ?) [short] 4/10
Heisses Pflaster Köln (Ernst Hofbauer, 1967) 7/10
Sabine 18 (Marran Gosov, 1967) [short] 6/10
Kölner Bewegungen (Bernhard Marsch, ?) [short] 5/10
Wendy and Lucy (Kelly Reichardt, 2008) 8.5/10
Violated Angels (Koji Wakamatsu, 1967) 7/10
Opening Night (John Cassavetes, 1977) 9/10
Cactus River (Apichatpong Weerasethakul, 2012) [short] 6/10
Mobile Men (Apichatpong Weerasethakul, 2008)*(4) [short] 7/10
M Hotel (Apichatpong Weerasethakul, 2011) [short] 5/10
Vampire / Sud Vikal (Apichatpong Weerasethakul, 2008) [short] 7/10
Kiba Okaminosuke / Samurai Wolf (Hideo Gosha, 1966)*(3) 8.5/10
Saint Ange (Pascal Laugier, 2004) 3/10
The Killing of a Chinese Bookie (John Cassavetes, 1976) 8.5/10
Macao (Josef von Sternberg, 1952) 6/10
A Woman Under The Influence (John Cassavetes, 1974) 9.5/10
Black's Game (Óskar Thór Axelsson, 2012) 5/10

Foto

Filme der letzten Tage Part 3


Summertime (David Lean/USA/GB/1955)


Endlich ein weiterer Film von David Lean den ich entdecken konnte. Nachdem ich seine "grossen" Werke ja nun alle gesehen habe war "Summertime" nun der erste kleinere Film den ich von Lean gesehen habe. Wo soll ich anfangen?? Der Film sieht mal wieder prächtig aus, Venedig bietet sich zwar für wunderbare Bilder geradezu an, aber die tolle Kamerarbeit zieht sich durch alle mir bekannten Lean-Filme. Jedenfalls ist das Ganze wunderbar anzusehen. Das nächste Plus ist Katharine Hepburn, ich bin ja grosser Fan von ihr und mag sie eigentlich viel mehr als ihre Schwester Audrey. Audrey mag objektiv gesehen ne ausergewöhnliche Schönheit sein aber ich finde Katharine einfach viel interessanter und das auch optisch. Naja, hier ist sie ja dann auch schon etwas älter und entsprechend gut ist ihre Darstellung. Sie gibt dem Film jedenfalls das gewisse Etwas.
Zudem ist die Geschichte auch relativ offenherzig und wohl auch brisant für die damalige Zeit. Das muss man ihm jetzt nicht unbedingt als positiv anrechnen, aber es trägt doch viel zur Natürlichkeit des Geschehens bei und macht das ganze ziemlich unverkrampft. Naja, aber was laber ich eigentlich so viel. "Summertime" ist ein grösstenteils zauberhafter Film irgendwo zwischen Romanze, Drama und Tragikkomödie den man sich nicht entgehen lassen sollte, auch wenn er mich jetzt nicht ganz so gepackt hat wie andere Lean-Filme.



Nighthawks (Bruce Malmuth/USA/1981)

Stallone geht hier optisch mal einen anderen Weg und das ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig :D. Ansonsten kann ich nicht viel ausergewöhnliches and diesem Film feststellen auser das er vielleicht nicht so ganz in Stallone's sonstige Rollenwahl bzw. Filmwahl fällt und das er recht kantig und schnörkellos ist. Insgesamt wurde ich ganz passabel unterhalten. "Nighthawks" ist sicherlich in Stallone's Filmographie etwas ausergewöhnlich, zu seinen stärkeren Filmen zähle ich ihn aber nicht.



Mr. Hobbs Takes A Vacation (Henry Koster/USA/1962)

Sehr lustiger Klassiker mit James Stewart! Wie so immer bei solchen Filmen kann manches sicherlich etwas angegraut wirken im Vergleich mit unserem heutigen Zeitalter. Ich geb da eigentlich nicht viel drauf, denn ein guter Film setzt nie Staub an und ich kann über die meisten heutigen Komödien auch nicht wirklich MEHR lachen. Egal, der Film ist einfach super sympathisch und macht grossen Spass. Höhepunkt ist für mich James Stewart als Vogelkundschafter, da musste ich schon sehr lachen.


Men Who Stare At Goats (Grant Heslov/USA/2009)

Einer dieser Filme die man entweder mag oder hasst. Er hat einfach was Spezielles das eben nicht überall ankommt. Mir hat er insgesamt sehr viel Freude bereitet und den Darstellern sicherlich auch, jedenfalls glaube ich ihnen das anzusehen. Inhaltich ist das auch alles höchst amüsant und was den Wahrheitsgehalt angeht so hält man es am besten mit den ersten Worten des Films:" Es stimmt mehr als man vielleicht glauben würde." Joa, für mich ein sehr schöner Film mit dem Herz am richtigen Fleck, sicherlich nicht für jeden was aber dafür ist er was Besonderes.


Tango & Cash (Andery Konchalovsky/Albert Magnoli/USA/1989)

Bei aller Liebe für das Duo Stallone und Kurt Russel bleibt trotzdem ein relativ fahler Nachgeschmack. Die erste Hälfte ist ziemlich amüsant und auch sonst ist alles ganz ok. Das Ganze wirkt aber auf mich auch etwas lieblos und "hingeschludert" obwohl der Film handwerklich natürlich ok ist. "Tango And Cash" ist ganz ok, zu meinen Lieblingen aus dern 80er Jahren zählt er aber nicht.


The Bone Collector (Phillip Noyce/USA/1999)

Insgesamt ganz passabler Serienkiller/Ermittlerfilm, mit Schwerpunkt auf Spurensuche und Forensik. Hat seine spannenden Stellen, ist aber sowohl inhaltlich als auch handwerklich nicht viel mehr als solide Standartkost. Das Plus des Films sind die guten Darsteller, damals hat mich Angelina Jolie z.B. noch nicht genervt und Denzel Washington ist für mich eh fast immer ne sichere Bank. So ist "The Bone Collector" insgesamt ein guter Zeitvertreib, dank seiner Darsteller und einigen spannenden Passagen aber eben nicht wirklich etwas Besonderes.

Foto

DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ (2013)


DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ (2013) Donnerstag, 4. April, 17:20 in D im Cinemax, circa 20 Leute.
EIn hübsches Familienmärchen von einem hochkompeteten Kreativteam, sprich ein paar meiner Lieblinge:
Sam Raimi an der Regie, James Franco als Hauptdarsteller, Danny Elfmann an Dirigentenstab! Auch die drei Frauen Mila Kunis, Rachel Weisz und Michelle WIlliams machen ihre Sache sehr gut. Gut, da das alles Story und Charaktermäßig eher schlicht wie im Märchen gehalten ist, ist das auch nicht so schwierig.
Ansonsten alles überbordend in Ideen und Farbe, klar inspiriert von der alten Wizard of Oz Verfilmung mit Garland. Obwohl jeder Musical-Erwartung hier wiedersprochen wird (die Munchkins, ein kleinwüchsiges Volk, wollen unbedingt singen, aber OZ gebitet dem Einhalt.).
Auf der Meta-Ebene geht es auch um die Faszination des Kinos mit Verweis auf die Anfangstage, siehe auch Hugo Cabret und The Artist . Hier schon im Vorspann, wo Papiervorläufer des Kinos als ästhetische Vorlage genutzt werden, OZ beruft sich immer wieder auf Edison und nutzt Prä-Filmvorführgeräte; das Format wird geändert und die Farben sind Technicolor, die HIntergründe deutlich gezeichnet (und ich glaube, Godzilla entdeckt zu haben). Witzig dabei, dass der Film 3D ist, auf Länge aber eher unnötig.
Für einen schönen Filmsonntagnachmittag das richtige, gutes Märchen. UNd bisher kein Ausfall in Raimis Werk!
PS: Natürlich sind auch Bruce Campbell (obwohl: nur im Abspann) und Ted Raimi kurz dabei. Zach Braff sogar länger, nur in der synchronisierten Fassung halt auch nicht so lang, da er den geflügelten Affen spricht.
PPS: Wenn Mariah anfängt zu singen, könnt ihr ruhig gehen, da kommt bis zum Ende des Abspanns nichts mehr

Foto

"Doc, I'll buy you a drink." - "Just one."


THE MISSOURI BREAKS
|Arthur Penn|USA 1976|
»Granny's tired now.«

Schmissig, verschroben und wenn er will, auch brutal und zärtlich. Nicholson tut für Brando das, was er danach kaum jemals wieder für irgendwen gemacht hat: Er tritt bescheiden in den Hintergrund und überlässt den Wahnwitz dem anderen. So darf Brando im Dunkeln ein Lied für sein Pferd singen, mit dem Rücken zu ihm, weil die Gefühlswallungen ihm sonst peinlich wären, und Nicholson darf sich eine überraschend zärtliche, unterspielte Liebesgeschichte leisten.
Richtig gut.

One-Eyed Jacks liegt schon bereit.


LA RESA DIE CONTI
[Der Gehetzte der Sierra Madre|The Big Gundown]
|Sergio Sollima|I 1966|
»You must’ve come out of your mother running.«

Der dritte Akt ist jawohl mal ein Hammer! Die Ruhe vor dem Sturm, der deutsche Leibwächter, Meisterschütze, Tüftler und Protonazi Baron von Schulenberg spielt Beethovens „Für Elise“, und als dann Sollima und Morricone zur Menschenjagd blasen, wühlt diese Begeisterung mir durch die Eingeweide und stockt mir der Atem. Milian, wie er durch das Feld und in die Almeria hetzt, die Totalen mit Jägern und Gejagtem darin. Über allem: Morricone! »No. The blade.« Das Duell Messer gegen Revolver. »Alright, Baron. He’s your’s.« Das Duell „Für Elise“ gegen Latin-Gitarre, und van Cleef wie er sich stumm in Position bringt, doing the right thing. Cuchillo, der Corbett das Gewehr in die Arme lupft, fast wie bei Hawks und Carpenter. Und als die beiden sich trennen, gehört Cuchillo das letzte Wort, aber Corbett das letzte Bild. Der Song („Run, Man, Run“ von Cristy) nimmt Cuchillos letztes Wort auf: »Never!« Ende. Applaus.


3:10 TO YUMA
[Zähl bis drei und bete]
|Delmer Daves|USA 1957|
»The boys'll always remember how their old man walked Ben Wade to the station.«

Der Farmer Dan Evans (Van Heflin) hat eine Menge guter Gründe, dafür zu sorgen, dass der Outlaw Ben Wade (Glenn Ford) um 10 nach 3 im Zug von Contention nach Yuma sitzt.

Das Casablanca des B-Westerns, vielleicht. Ein kleines Ding ohne viel Aufhebens am Fließband produziert und plötzlich passt alles, entwickelt seine eigene Poesie. Plötzlich ist sogar der Kitsch wunderschön. Ich hab Tränen in den Augen, wenn beide Männer das richtige tun, weil es das richtige ist. Ich freu mich, wenn es über Bisbee regnet. Auch wenn das eigentlich zu viel ist.
Das ist ein persönlicher Liebling.


THE FASTEST GUN ALIVE
[Die erste Kugel trifft]
|Russell Rouse|USA 1956|
»Du hast mir beschrieben, wie sie untergegangen ist.«

Der hochgeschätzte Glenn Ford als Scharfschütze, der nicht mehr schießen will. Die hasserfüllte, schicksalsergebene Chemie zwischen Crawford und seinem henchman, das finale Duell mit dem kurzen Gespräch und den abrupten Schüssen. Routinierter B-Western mit ein paar schönen Details.


THE SHEEPMAN
[Stranger with a Gun|In Colorado ist der Teufel los|Colorado-City]
|George Marshall|USA 1958|
»Chockdaw didn’t get him, he got Chockdaw!«

Ein gewitzter, eloquenter Glenn Ford macht zu Beginn Anstalten, den ganzen Western durch seine Genrekenntnisse obsolet zu machen, fügt sich dann aber doch in einen schönen Showdown mit dem taktierenden Leslie Nielsen, der damals noch hervorragend zum großen, dünnen Schurken taugte.

Jubal und The Americano liegen schon bereit.



SARTANA… VENDI LA PISTOLA E COMPRATI LA BARA
[Django und Sabata – Wie blutige Geier|Django – Die Gier nach Gold]
|Giuliano Carnimeo|I 1970|
»Rauch doch erstmal deine Zigarre zu Ende.«

Speckig glänzende Italiener reden über den Tod. Italowestern waren in den 60ern und 70ern das was in den 90ern dieses Tarantino-Epigonenkino war. Sehr ermüdend, wenn man nicht in der Stimmung ist.


SILVERADO
|Lawrence Kasdan|USA 1985|
"Wer als Letzter in den Mitternachtsstern kommt, gibt einen aus."

Best-of-Western-Homage. Die hatten anscheinend Bock, mal genau dasselbe zu machen wie die in den Western früher. Wohl auch ein Versuch, ebendiesem das spaßige, übermütige, unschuldige Abenteuer dieser Zeit zurückzugeben und ihn zugleich als großen, hübschen, optimierten Hollywood-Blockbuster neu zu starten, nachdem diese Irren ihn in den 70ern zu Grabe getragen haben.
Denkt gar nicht daran, dass man irgendwas zu irgendwas sagen müsste. Dabei aber höchst anschaubar. Auch mal Kevin Kline, John Cleese, Scott Glenn und Jeff Goldblum als Westerner. Vor allem Kline gelingen ein paar feine Szenen, nicht wenige davon im Zusammenspiel mit Linda Hunt.

Am bedauerlichsten bei der ganzen Sache fand ich noch, dass sie die Wette (siehe Zitat) nach dem Showdown nicht mehr thematisieren, da wäre doch noch ein hübsches kleines "Hallo" ganz nach dem sonstigen Geschmack des Films drin gewesen. Gerade, wenn man bedenkt, dass Kasdan auch sonst nicht gerade brutal gekürzt zu haben scheint und eher sein Liebhaberherz hat entscheiden lassen.


WILD BILL
|Walter Hill|USA 1995|
»Could you just jump over the bullshit?«

Die letzten Tage des lebensmüden, aber nicht ganz kampflos aufgebenden Bill Hickok (Jeff Bridges). Wer mit der Waffe lebt, wird durch die Waffe sterben.

Eine interessante, eher im Handstreich als mit epischem Atem erzählte Vorstudie zu Jesse James' Ermordung durch einen Herrn namens Robert Ford (der ein Feigling gewesen ist), wie gefilmt von Andrew Dominik. Das ist mir beim letzten Mal nicht aufgegangen, da habe ich diesem Film noch Unrecht getan. Gefällt mir.


THE LONG RIDERS
|Walter Hill|USA 1980|
»What does the winner get?«
»Nothin' both of you ain't already had.«


Hills Film trägt die Gewissheit des historisch nunmal verbürgten bösen Endes für seine Protagonisten von Anfang an in sich. Wie in Wild Bill bringen sich die Figuren mit einiger Lakonie in die Position, die ihnen die Historie diktiert. Als wüssten sie es. Auch wenn sie schon noch aufbegehren und so. Aber eher weil man das so macht. Nicht weil sie glaubten dass das auf lange Sicht was ändert. Eine ähnliche resignatives Bewusstsein für den Platz in der amerikanischen Geschichte wie Walter Brennans Ike Clanton in John Fords My Darling Clementine.

Stuntleiter Craig Baxley kommt mal wieder dezidiert nicht in Frieden und bietet Walter Hill was für sein Geld, vor allem im finalen Hinterhalt, in dem das ganze Dorf auf die James-Younger-Gang vorbereitet ist. Wie Keith Carradine vom Pferd pirouettiert und wie sie alle am Ende durch die Fenster reiten, das sind starke Stunts und Bilder.

Stacy Keach, David und Keith Carradine haben eine sehr gute, entspannte, natürliche Präsenz, machen aus den Schlaglichtern die Hill auf die Figuren wirft, eine Menge, und auch Randy Quaid (dessen Bruder Dennis nur kurz reinschaut) nutzt seine Momente. Und Pamela Reed. David Carradine, vielleicht der auffälligste von allen, darf vor allem (aber nicht nur!) in den Szenen mit der sehr guten Reed glänzen. Inklusive einer grimmig ritualisierten Südstaatenmesserstecherei mit James Remar als ihrem Ehemann, in dem sie beide zwei Enden desselben Seiles zwischen den Zähnen halten.

Apropos Hills Schlaglichter: ein paar davon reserviert er für Musik (Soundtrack wie in Last Man Standing von Ry Cooder), was mir immer gefällt. Der Priester der auf der Beerdigung von einem Ort singt »where there’s no more stormy clouds arisin’«; Keith Carradine, der im Zug in Roberts Gezupfe einsteigt.


3:10 TO YUMA
|James Mangold|USA 2007|
»Hope I can send your husband back all right.«

»That looks like rain clouds over Bisbee. Still need that 200 Dollars, Dan?«
»Shut up.«

»And you just remember that your old man walked Ben wade to that station when nobody else would.«

Dan Evans wird immer gute Gründe haben, um Ben Wade in diesen Zug zu bringen.

Das Original gefällt mir in seiner spröden Universalität besser, aber auch der hier hat gute Darsteller (Crowe, Bale, Foster, Fonda) und eben diese saustarke Geschichte, die zwischen den beiden Polen Wade und Evans abläuft. Auch wenn die Action für sich genommen immer gut inszeniert ist, lenkt sie doch ein bisschen ab.


THE BALLAD OF CABLE HOGUE
[Abgerechnet wird zum Schluss]
|Sam Peckinpah|USA 1971|
»Lady, nobody's ever seen you before.«

Cable Hogue sucht eigentlich nur seine Rache, findet aber eine unwahrscheinliche Freundschaft, einen unwahrscheinlichen Wohlstand und eine unwahrscheinliche Liebe.

Peckinpah hat mal wieder sein Herz offengelegt, noch mehr als sonst, und jetzt kann man drauf schießen. Eine wunderschöne Ballade, ruppig und zärtlich, mit einem wieder einmal grandiosen, wieder einmal sterbenden Jason Robards.


RED HILL
|Patrick Hughes|AUS 2010|
»He's an innocent man, Shane.«

Bad day at Red Hill. Deputy Shane Cooper (Ryan Kwanten, der Rollenname ist kein Zufall) tritt gerade an dem Tag seinen Dienst in dem australischen Kaff an, als der berüchtigte Aborigine "Jimmy" Conway (Tom Lewis) aus dem Knast ausbricht und nach Red Hill zurück kommt. Er hat noch Rechnungen offen. Mit dem Sheriff (Steve "Goose" Bisley) und all seinen Deputys.

Ein Gegenwartswestern, der sich Spannungs- und Bedrohungsmomente von High Noon und Halloween leiht und damit achtbar fährt. Handwerklich sauber und mit einfacher, dem Sentiment vertrauender Moral, wie es sich für einen beflissenen Debütanten wie Hughes gehört.
In den Bergen um Red Hill, so erzählt man sich, geht ein Panther um. Und wie der in dieser Geschichte auftaucht und wieder verschwindet, mystisch und ehrfürchtig, weniger beiläufig als der Wolf in Collateral, aber ebenso den Film zum Stillstand bringend, das ist allein schon ein Grund, Red Hill zu mögen.
Ein zweiter ist, wie delikat Kwanten und Claire van der Boom die Szene spielen, in der Cooper mitten in der Nacht seine Waffe von zuhause holt und ihr nicht sagen will, was vor sich geht.


MANNAJA
|Sergio Martino|I 1977|
"You deserve a nasty ending,
Something's gonna happen very soon."

Ziemlich brauchbarer Italowestern mit brummigem Folksoundtrack, einem blonden Helden (Maurizio Merli) mit blendend weißem Gebiss, Bud Spencer-Synchro und Tomahawk, und einem starken Finale.


THE PROPOSITION
|John Hillcoat|AUS 2005|
»Good Lord, no. We're a family.«

Alle Figuren scheinen von der gleißenden Leere der Landschaft erdrückt zu werden. Sie sind alle Kinder des Landes, ob sie nun hier geboren sind oder nicht, und hassen es dafür. Der Einfluss des Landes ist auf ihren Gesichtern, in ihren Bewegungen, ihren Worten, ihren Gedanken. Sie scheinen alle von der brütenden, hellen Unbarmherzigkeit zermürbt, auf ihre Weise, manche wie Verletzte, die ihr gesamtes Verhalten um ihre Verletzung herum organisieren, damit sie nicht schmerzt, andere, die wie fasziniert in der eigenen Wunde wühlen und sich vielleicht fragen, wie das Teil ihres Körpers sein kann, oder es womöglich in ihrer Abgestumpftheit gar nicht mehr bemerken und es nur aus Langeweile, als rein motorische Beschäftigung weiterhin tun. Es liegt eine bestialische, ungezähmte Unvermeidlichkeit über dem ganzen Film, und das Land ist das Sinnbild dafür. Jeder Zentimeter der Kultivierung muss ihm gewaltsam entrissen werden, mit einem Aufwand, der an sich schon viel zu hoch ist, und wenn es dann einmal geschafft ist, wartet das Land direkt vor dem weißen Gartenzaun darauf, es sich bei dem ersten Anzeichen von Schwäche oder Unachtsamkeit der Wächter wieder einzuverleiben.

Seit Erscheinen mindestens einmal pro Jahr gesehen. Jedes Mal für großartig befunden.


SERAPHIM FALLS
|David van Ancken|USA 2006|
»Son, nobody can protect nobody in this world.«

Liam Neeson jagt mit einer schrumpfenden Anzahl Kopfgeldjägern Pierce Brosnan durch Schnee und Wüste in diesem ramboesken Western.
Brosnan ist klasse in seiner permanenten Müdigkeit, immer nur einen kleinen Schubs davon entfernt, zu resignieren, ohne es je zu tun. Stattdessen hebelt er sich mit seinem Messer eine Kugel aus der Schulter und brennt die Wunde zu, er lässt das Messer mit spitzen Fingern auf einen Mann einige Meter unter ihm fallen und weidet ihn dann aus, um seine Hände zu wärmen und den anderen Verfolgern was zum Nachdenken zu geben, und er springt aus einem ebenfalls ausgeweideten Pferd, um sie zu überraschen.
Das metaphysische Ende, bei dem die beiden einem Indianer und Anjelica Huston alles geben, um den anderen umzubringen, stört beim ersten Sehen, geht aber retrospektiv voll in Ordnung. Starker Film.

LONE STAR
|John Sayles|USA 1997|
»Forget the Alamo.«

Ein Film, der einen ein bisschen wehmütig zurücklässt, weil man gerne noch länger an diesem Ort geblieben wäre. Einfach, um noch ein paar Geschichten zu hören, die Luft noch etwas zu riechen.


THREE GODFATHERS
[Spuren im Sand]
|John Ford|USA 1948|
»Los! Marschier weiter, du Landstreicher!«

»Robert. William. Pedro.«

Dass ich John Wayne meine Mutter, Großmutter, Nichte und Neffen anvertrauen würde, wusste ich ja schon vorher.


NO NAME ON THE BULLET
[Auf der Kugel stand kein Name]
|Jack Arnold|USA 1959|
»Don’t you know? Same thing he wants anywhere.«

»We can add two and two together.«
»Congratulations, banker. No deal.«

»There are many of you! Yes, you could kill me. If you're willing enough. But it's only fair to tell you that I'll kill you, Stricker. And you, Dutch Henry. The physician. His father. And there might even be time for you, storekeeper.«

Ein Killer kommt nach Lordsburg, und alle fragen sie sich, wegen wem von ihnen er gekommen ist. Er sagt es nicht. Nimmt sich ein Zimmer und wartet. Die Angst greift um sich. Der Killer wartet. Präventivschläge werden erwogen, Selbstmorde werden begangen, vermeintliche Ziele schalten vermeintliche Auftraggeber aus. Einzig der Doktor von Lordsburg bemüht sich um Schlichtung und Empathie.

Als am Ende Gant den angriffsbereiten Doc mit einem Pistolenschuss von präziser Beiläufigkeit entwaffnet, zeigt Arnold beide Personen in derselben Einstellung, zeigt also den Schuss und dessen Wirkung gleichzeitig und setzt damit ein Ausrufezeichen, wie man es heute kaum noch kann.
Die berüchtigte Taktik des Killers ist es, den anderen zu provozieren, ihn zuerst ziehen zu lassen, vor Zeugen, und ihn dann in Notwehr zu erschießen. Kinski in Leichen pflastern seinen Weg. Neben der psychologischen Härte, der Sympathie für den Schwarzhut, dem Blick auf Massenparanoia und zusammenbrechende Bürgerfassaden, der prägnanten Machart mit dem ungewöhnlich pointierten Ende deutet das bereits auf die Dekonstruktion und Genreerschütterungen hin, die folgen sollten. Die Western in den Fünfzigern waren so harmlos nicht.

Audie Murphy, Hollywoods höchstdekorierter Kriegsheld und selbst hier, 14 Jahre später, noch ein babyface, in seiner dem Vernehmen nach stärksten Rolle als beherrschter, kalkulierender und von einfachen Menschen weitestgehend distanzierter Killer John Gant. Es ist ebenso sehr sein Verdienst wie der von Regisseur und B-Phantastik-Spezialist Arnold und Drehbuchautor Gene Coon (’64er The Killers) dass dieser kleine, harte, nur knapp über 70minütige B-Western so hervorragend funktioniert.


STAGECOACH
[Ringo|Höllenfahrt nach Santa Fé]
|John Ford|USA 1939|
»Well, there are some things a man just can't run away from.«

»You may need me and this Winchester, Curly. Saw a ranch house burnin' last night.«

»The line went dead, sir.«
»What have you got here?«
»Only the first word, sir.«
»Geronimo.«


In der Postkutsche von Tonto nach Lordsburg treffen neun Archetypen der Gesellschaft aufeinander. Das wäre sogar dann interessant, wenn es nicht durch das Gebiet von Apachen auf dem Kriegspfad ginge. Tut es aber glücklicherweise.

Der erste Film den der Regisseur in Monument Valley drehte. John Ford zieht in sein Wohnzimmer ein.
Der Film, mit dem Orson Welles für Citizen Kane Filmgrammatik paukte.
Und ich hab ihn bisher noch nie gesehen.

John Wayne wurde von seinem Vorbild Ford beim Dreh ordentlich gepiesackt und im Gegenzug zum Star gemacht. Waynes Einstieg in diesen Film ist einer der ganz großen; Carrol Reed für Orson Welles, Sergio Leone für Henry Fonda. In Tonto wird noch über diesen Ringo geredet, ausgebrochen ist er aus dem Knast, weil er mit den drei Plummer-Brüdern noch ’ne Rechnung offen hat, und plötzlich steht er vor der Kutsche. Am Rande des Apachengebietes. Der Sheriff auf dem Kutschbock hat das Gewehr im Anschlag, die Passagiere starren raus. Da steht er. Den Sattel des Pferdes das er erschießen musste in der einen Hand. In der anderen dreht sich die Winchester. Ein Kreis, ein fester Griff absoluter Autorität. Einen Sekundenbruchteil wird die Einstellung unscharf (ein unsterblich gewordener, wunderschöner Fehler), ehe Ford die Kamera in die Nahaufnahme gehen lässt. BANG! Irgendjemand irgendeinen Zweifel, dass der Mann ein Star ist? Dachte ich mir.
Wenn er mit der Winchester im Anschlag auf dem Kutschendach liegt und Indianer abknallt, ist man einfach verdammt froh dass er da ist. (Indianer~Gang in Assault on Precinct 13)
Wayne reagiert auch wieder wundervoll auf die Anwesenheit eines Babys. Als Claire Trevor mit dem Baby der anderen Frau auf dem Arm den Raum betritt, stellt er sich gerade hin, tritt zögerlich näher, klemmt verlegen die Daumen hinter die Hosenträger. Und dann folgt er Claire Trevor durch den schmalen Flur von der Kamera weg nach draußen, dieser große Mann mit diesem gemächlichen, heldenhaften, erfundenen Schlendern, um der aus der Stadt gejagten Hure die er kaum einen Tag kennt, einen Heiratsantrag zu machen.
“Admittedly, Wayne was helped by John Ford's iconic direction, but the choices in Wayne's acting were designed to be iconographic. Wayne knew he would be projected to thirty feet tall and adjusted his performance.” (jemand namens John, in einem für John-Wayne-Studien/Anekdoten ohnehin unerlässlichen Eintrag in Roger Eberts Blog)

Ford ist in ehrfurchtgebietender Form. Die pure Klarheit, man könnte permanent heulen vor Ergriffenheit. Werde ich noch verdammt oft sehen.

“Ford’s technique is to erect a Wild West of the imagination, governed only by the laws of storytelling, and then go into it as an explorer, insisting on its reality by recording convincing details (like the stray colt running behind the stagecoach when it first appears)—an ethnographer of an unreal world. (…)Ford had given the pulp pleasures of the western the weight of legend (…).” (David Cairns)

Die Staubwolke, die die Kavallerie und die Indianer verschluckt, während die Kutsche zwischen Wolke und Kamera erschöpft von dem Sprint anhält. Geschafft. Wie viel Energie in den rasenden Pferden steckt, in dieser Totalen mit Kavallerie, Kutsche und Indianern! Klischee? Blödsinn. Es ist, als würden diese Dinge vor meinen Augen geboren.
Yakima Canutt, der Waynes Lehrzeit durch die B-Filme damals schon lange als dessen Stuntdouble begleitet hat, macht hier für Wayne und für einen der Indianer, unfassbare Sachen zwischen den galoppierenden Zugpferden der Kutsche: “All in all, it is a gag that you could easily rub yourself out with if you make the wrong move”. Vic Armstrong, selbst Stuntveteran und Regisseur der Lundgrenade Joshua Tree, nennt Canutt in den Extras der Criterion Collection „the father of all stuntmen“.

Auch beim Shootout auf der Straße von Lordsburg zieht Ford sich aus der Action zurück. Da finden sie sich in den nächtlichen Straßen, drei gegen eins, Wayne wirft sich auf den Boden, gibt den ersten Schuss ab. Schnitt. Man ist bei den anderen, hört mit ihnen noch einen Schuss von Waynes Winchester, dann einen anderen Schuss, aus einer Pistole, und dann einen dritten aus der Winchester. Drei Kugeln, die eiserne Reserve, die er in seinem Hut versteckt hatte. Das Actionhighlight war die Verfolgungsjagd. Toppen wird er die in diesem Film nicht mehr, also versucht er es gar nicht erst. Ein Film voller richtiger Entscheidungen.

"Other people, so I have read, treasure memorable moments in their lives: the time one climbed the Parthenon at sunrise, the summer night one met a lonely girl in Central Park and achieved with her a sweet and natural relationship, as they say in books. I too once met a girl in Central Park, but it is not much to remember. What I remember is the time John Wayne killed three men with a carbine as he was falling to the dusty street in Stagecoach, and the time the kitten found Orson Welles in the doorway in The Third Man.” (Walker Percy - The Moviegoer, 1961)

Claire Trevor war neun Jahre später die heruntergekommene Sängerin in John Hustons Key Largo und hat auch hier schon mehr weltmüde Zähigkeit als die allermeisten Damen ihrer Zeit. Wie sie am Ende neben Wayne hergeht und so viel gefasster ist als andere Frauen das wären.
Tim Holt (My Darling Clementine, Hustons Treasure of the Sierra Madre) hat eine kleine Rolle als Kavalleriemann, und Woody Strode himself muss hier noch den Laufburschen für die Plummers-Massas spielen.
Lohnendere Nebenrollen haben da John Carradine (der Vater von Keith und David) als etwas windiger Gentleman und Thomas Mitchell (der hierfür den Oscar als bester Nebendarsteller gewann, weil er die Balance zwischen komisch und ernst trifft, die Nebendarsteller bis heute in unzähligen Filmen anstrebten).


TEXAS - DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM
|Ralph Huettner & Helge Schneider|D 1993|
»Eine bestimmte Person will seinen Bruder aus dem Gefängnis befreien.«

Der Western war erst 1993 in Elspe, Lennestadt zu Ende demontiert.

Foto

Kaidan yonaki-doro


Kaidan yonaki-doro (Ghost Story of the Stone Lanterns)
Japan 1962, Regie: Katsuhiko Tasaka

Es überredet ein Arschloch seinen Freund, sich lebendig begraben zu lassen, hat wohl was mit Geld zu tun. Das Arschloch läßt aber seinen Freund im Grab verrecken und macht sich stattdessen über dessen attraktive Frau her. Solcherlei unmoralisches Verhalten gehört bestraft, und da wir es mit einem "Kaidan"-Film zu tun haben, kommt die Strafe aus dem Jenseits...

Ich übernehme keine Garantie für die Zusammenfassung der Handlung, liegt der Film doch nur in japanisch ohne Untertitel vor, aber ich schau mir diese Art von Filmen auch nicht wegen der Dialoge oder dem Plot an, es sind vielmehr diese stilvoll inszenierten Geistererscheinungen, von denen es hier schon so einige gibt, während andere Kaidan Eigas aus dieser Zeit etwas zu viel Wert auf eine ausführliche Hintergrundgeschichte legen. Aber auch diese Filme können nichts dafür, daß ich kein japanisch kann. Dieser hier ist jedenfalls erfrischend kurzweilig, weil das Arschloch ständig neue Leute ermordet und seine Mätresse am Ende auch ordentlich am Rad dreht und unwahrscheinliche Sachen zu sehen vermeint. Kann ich nicht anders als super finden.

Foto

Dans la maison


Welchen Platz nähme man in der Welt ein, wenn man sich in sie hinein schriebe? Ein Teil vom Leben der Anderen würde man, ein spiegelndes Bruchstück imaginierter Figur, die verfälscht und zur selben, erzählten also ungesicherten, mitnichten nachzuweisenden, daher ungewissen Zeit gleichwohl undurchdringlich, also auch unverfälscht zu sein scheint, wodurch das Erkennen stereotyper Muster an ihr keinesfalls gerechtfertigt wäre, auch wenn sie zumeist eine von Sehnsüchten zerfressene, sich selbst mit schmerzverzerrtem, befremdeten Gesichtsausdruck von Außen betrachten wollende Manipulation ist, weil gerade vom Gelesenen in seiner Gänze nicht geglaubt werden kann, dass es doch grundsätzlich von einem selbst handle, der Text als auch man selbst durch ihn begriffen werden will. Verfangen in reumütig seufzender Leidenschaft (die hinreißend sich ausnimmt für den davon befallenen) gesteht man sich ein, dass beides, das Schreiben und das Lesen, (bewusst getan....einander bedürfend) verstrickt.....

Foto

Kill Bill


Hmm, ja. Kill Bill oder Quentin Tarantinos Beitrag zur Filmreihe, wie viel Blödsinn man den Zusehern verkaufen kann, solange es nur cool ausschaut. Aber wahrscheinlich bin ich halt nur ein zu großer Korinthenkacker. Aber mich stören solche Dinge in Filme, die so unrealistisch sind wie noch was. Und Kill Bill hat da Unmengen davon. Ob das jetzt beabsichtigt war oder nicht, ich finds einfach blöd. Geht schon am Anfang los, daß diese Vernita Green daneben schießt - und offenbar nur eine Kugel in ihrer Kanone hat.... (und das die Bride nach dem sie ja davor in Japan war immer noch den Pussy Waggon fährt, darüber sehen wir mal nicht hinweg.....). Und wie gut trainert sie nach 4 Jahren im Koma ist, daß sie einen Zwerg wie Buck einfach so bewegen kann - Respekt...... man muß es Tarantino lassen, er weiß, wie es gut ausschauen muß und seine Auswahl der Musik ist genial. Aber das ist es auch - tolle Optik, toller Sound, ansonsten wenig drin. Das einzig positive an Vol. 1 ist, daß Vol. 2 noch viel schlechter ist.

Foto

Kleine Morde unter Freunden


Eingefügtes Bild



American Psycho (2000) + Hangover (2009) + Je ne sais quoi =

Very Bad Things (1998)


Der Titel ist Programm. Die simple Additionsformel zur Beschreibung der Genremixtur untertreibt zwar, trifft aber zumindest den Nagel eines Reklameschildes auf den Kopf. Lachen darf wunderbar schrecklich, herrlich blutig und fröhlich boshaft sein.

Man muss nicht immer Namen für alles finden, und ich kann auch wenig mit der Definition von "Komödie" anfangen. Wer ernsthaft versucht, den subjektiven Begriff "Humor" allgemeingültig zu erklären, klebt fest im Brei aus methodischer Eitelkeit und darf gerne weiter philosophisch vor sich hin deduzieren. Tumor ist wenn man trotzdem lacht.

Staplerfahrer Klaus, Private Parts und Very Bad Things sind meine drei Lieblinge des komischen Filmes - ich kann es nicht ändern und verteidige mich hiermit präventiv. Falls ich schreiben könnte und Zeit und Muse hätte, so käme jedenfalls eine ähnliche Erzählung wie Very Bad Things heraus. Und: Dasjenige, was dem Zuschauer schon seit Jahrzehnten immer wieder mit der Überschrift "Komödie" angeboten wird, läßt mich in der überwältigenden Mehrheit vollkommen kalt, ich finde es einfach nicht lustig.

Ohne zu spoilern vielleicht noch zwei Anmerkungen: Eine Schlußsequenz hat es selten geschafft, noch derartig "einen drauf zu setzen". Außerdem ist 1998 mit Very Bad Things und Verrückt nach Mary das letzte Jahr, in dem ich Cameron Diaz mochte - sie screwballt in diesem Film, dass es eine wahnsinnig böse Freude ist.

95%

Foto

Berlinale 2013


Meine bislang umfangreichste Berlinale soll hier zumindest mit ein paar kurzen Gedanken bedacht werden. Einen echten Überflieger gab es dieses Jahr für mich nicht.

Mein prominentester Film war sicher Linklaters „Before Midnight“, das nunmehr dritte und vermutlich letzte Treffen mit Julie Delpy und Ethan Hawke als Celine und Jesse. Nach den zeitlich eng abgesteckten magischen Begegnungen in Wien und Paris wandeln sie nun unter griechischer Sonne und philosophieren erneut über das Leben und die Liebe und reflektieren ihr Leben und ihre Entscheidungen. Die Dialoge sind wieder ebenso treffsicher und flüssig, wie die Darsteller überzeugend in ihren selbst geschriebenen Rollen agieren. Nur der Zauber des flüchtigen Momentes, der die Vorgängerfilme so beflügelte, fehlt hier etwas und es dauert bis zur letzten Einstellung, bis sich diese Magie samt einem wunderbaren Schlusssatz einstellt.
Auch andere Filme widmeten sich dem Ausloten von Beziehungen. In „Ayer no termina nunca“ lässt Isabel Coixet ein Ex-Paar sich sehr ausgedehnt in ihrem Leid suhlen und den Tod des gemeinsamen Sohnes und das Ende ihrer Beziehung bedauern. Eine echte Geduldsprobe. Dem gegenüber stellt die Spanierin eine interessante Bildebene. Das Geschehen spielt sich in einer modernen Investruine ab, aus der sich kalte graublaue Bilder ergeben, die den Niedergang des Landes und der Gesellschaft nachzeichnen. Gedanken und Erinnerungen der beiden Trauerfiguren werden als schwarzweiße Szenen wie aus einem Zwischenreich einmontiert und erst ganz am Ende gibt es eine Rückblende mit angenehm freundlich wirkenden Farben.
Spielerisch und verträumt widmet sich „Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon“ einer jungen Südkoreanerin, die durch das Chaos ihrer Gefühle und Beziehungen stolpert. Der leicht schwebende Film lebt von den Begegnungen von Haewon mit Fremden und Freunden, sowie alten, aktuellen und eventuell zukünftigen Liebhabern, erzählt von den kleinen Geheimnissen, die keine sind, von Haewons Trinkfreudigkeit und ihrer Unentschlossenheit in der Liebe. Kleines charmantes Kino für den Augenblick, das die Zeit langsamer verrinnen lässt.
Ein großes Drama in Cinemascope-Bildern entführt in „Soguk“ in eine archaische Schneelandschaft in den türkischen Bergen. Herr dieser unwirtlichen Region ist ein Gleiswärter, der sogar Züge zum Stoppen zwingen kann. Er gerät in ein moralisches Dilemma, als er sich in eine russische Prostituierte verliebt, jedoch auch seine mit dem dritten Kind hochschwangere Frau nicht verlassen will. Ugur Yücel gestaltet daraus ein beeindruckendes Drama gleich einer antiken Tragödie, fast eine Spur zuviel Inszenierung. Mir hat die emotionale Wucht jedoch gefallen.

Die großartige Landschaftskulisse hat „Soguk“ mit dem russischen Wettbewerbsfilm „Dolgaya Schastlivaya Zhizn“ gemein. Der spielt auf der Halbinsel Kola, ein kleines Dörfchen an einem reißenden Fluss inmitten unendlicher grün-gelber malerischer Wälder. Hier wehrt sich der junge Anführer einer Gemeinschaft von Bauern gegen den Verkauf seines Landes. Er ist ein Mann mit Visionen, bereit dafür zu kämpfen: ein Last Man Standing in einer Art russischem Western, ein Kampf David gegen Goliath in einer Zeit, in der der kleine Mann nicht mehr dauerhaft gewinnen kann.

Thomas Arslan hat bereits mit „Im Schatten“ das Manko des deutschen Genrefilmes durchbrochen und auch mit seinem authentisch anmutenden Goldgräber-Western „Gold“ sammelt er meinen Respekt ein. Eine Gruppe deutscher Auswanderer schickt er 1898 auf eine entbehrungsreiche Reise durch die nordamerikanische Wildnis. Das Gold bleibt ein Mythos der Ferne, Arslan begleitet seine Protagonisten auf einem Weg voller Strapazen, Vertrauen und Misstrauen, körperlicher und psychischer Belastungen, durch die raue Natur und Unbilden des Wetters. Jede Figur stattet er gerade mit so viel Hintergrund aus, um sie für den Film interessant und verständlich zu machen. Ironischerweise stellt „Gold“ im Kampf um einen Bären genau die gleiche Art von unberechenbarer Falle auf, wie auch der kanadische Wettbewerbsfilm „Vic + Flo“, eine Verbindung im Geiste wie sie sich letztes Jahr ähnlich zwischen „Holy Motors“ und „Cosmopolis“ ergab. „Vic + Flo“ ist ein schwer fassbarer und einzuordnender Film, der sich einem konkreten Genre entzieht und lieber mit verschiedensten und immer wieder neu überraschenden Zutaten etwas eigenes kreiert. Eine Frauenbeziehung in einer abgelegenen und grotesk angereicherten Waldgegend, die mir zu unausgegoren blieb aber letztlich durch sein überrumpelndes und gut gestaltetes Ende aufgewertet wurde.

Neben „Gold“ sah ich noch einen weiteren deutschen Film, den Geheimtipp in Insiderkreisen: „Das merkwürdige Kätzchen“, eine spielerisch komponierte und konzentriert verdichtete Choreografie von Banalitäten des Alltages einer Großfamilie im Verlauf eines Tages. Das absolut gelungene Experiment besitzt keine eigene Geschichte sondern beobachtet und belauscht aufmerksam und mit einem fesselnden und humorvollen Gespür für Details das Treiben in einer Wohnung. Tolles gestaltungsbewusstes Kino und eine reife Leistung für einen Noch-nicht-mal-Abschlussfilm des Studenten Ramon Zürcher. Noch experimenteller zeigte sich nur noch „Le Meteore“, eine Art filmische und nicht uninteressante Kunstinstallation, die die Ebenen Geschichte, Dialoge, Figuren und Bilder voneinander löst. Die sich nur allmählich verkettenden Gedanken von fünf (?) Figuren werden durch Offstimmen eingesprochen, dazu sind meditative und für sich sehr schöne Bilder von Landschaften, Natur, Sonne, Mond zu sehen. Nur ab und an mal eine in sich versunkene Person, jedoch nie jene, die gerade spricht. Für mich ein anstrengend zusammenzusetzender Film, bei dem mir viele Details und sicher auch ein wenig Verständnis entgangen sind.

Ein mehrfach wiederkehrendes Thema war das Coming Out von Figuren in unterschiedlichst ausgelebter Offenheit bzw. zumindest eine homosexuell angeregte Initiation. Malgoska Szumowksa, die letztes Jahr mit „Elles“ bereits die geheimen Sehnsüchte einer Journalistin erkundete und nach außen kehrte, wendet sich mit „W Imie …“ dem brisanten Thema eines katholischen Priesters in Polen zu, der insgeheim Männer liebt, dies aber nicht ausleben darf. Das bildstarke Drama zeigt den wie ein wildes Tier in seiner Haut gefangenen Mann, der gegen die Konventionen, sein Verlangen, seine Einsamkeit und misstrauische Blicke ankämpft, und das sich über drei immer kraftvoller werdende Musikszenen hindurch zu einem intensiven Stück Kino steigert und die Verzweiflung des Protagonisten erfahrbar macht. Ähnlich spannungsvoll und aufreibend erzählt, aber mit stilleren Bildern ausgestattet, ist „Boven is het stil“ von Nanouk Leopold, die damit nicht ganz an die große Klasse ihres „Brownian Movement“ anknüpfen kann aber dennoch einen überzeugenden, atmosphärischen Film abliefert. Auch ihr Protagonist ist heimlich schwul und vermag dies weder sich noch anderen einzugestehen, obwohl er sich an einem Wendepunkt in seinem Leben befinden könnte. Der eigene Schatten scheint unüberwindbar. Wo der polnische Pfarrer nach Alternativen für einen befreienden Ausbruch sucht, bleibt der alleinstehende Milchbauer in sich gekehrt aber nicht minder angespannt, geht den um ihn werbenden Menschen seines Umfelds ängstlich aus dem Weg.
Im fernen Argentinien von „Deshora“ bringt ein junger Mann auf Besuch das eingeschlafene Liebesleben eines Ehepaares neu in Schwung. Als Fremdkörper bringt er Spannung in das abgelegene Haus inmitten einer weiten Naturlandschaft, wirbt ganz ungeniert selbst um die Frau und kommt auch bei der Körperlichkeit des Alltages dem Mann irritierend nahe. Wie in einem Hahnenkampf verteidigt der Ältere sein Revier gegenüber dem Eindringling. „Deshora“ ist ein archaisch anmutendes Dreiecksdrama, in dem es trotz seiner landschaftlichen Weite nur Platz für zwei gibt.
In Georgien, wo Homosexualität weitestgehend noch tabuisiert ist, wird wie in „Chemi sabnis naketsi“ ein Coming Out noch sehr stark codiert gezeigt, hier geheimnisvoll inszenierte Bilder von einem Abstieg in eine Höhle zu einer verborgenen Tür. Der Filmemacher Rusadze eifert mit diesem Film seinen großen Vorbildern Hitchcock und Lynch nach und schafft einen spannungsreichen, leicht mysteriös gehaltenen Thriller mit offensichtlichen Referenzen, der einige seiner Geheimnisse für sich behält. Und hat mir dadurch sehr gut gefallen. Vordergründig erzählt er von einer russischen Familie, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Georgien verblieben ist, und vom Aufbruch eines jungen Mannes in sein eigenes Leben.

Viele Filme, nicht nur aus der Generation-Sektion, widmeten sich kindlichen bzw. jugendlichen Protagonisten. Im sehr guten, formal streng gestalteten „Uroki Garmonii“ aus Kasachstan muss ein stiller 13jähriger Schüler gegen die Demütigungen seiner Mitschüler und die mafiaartige Machtstruktur an seiner Schule ankämpfen und wächst unheimlich über sich hinaus. Respekteinflößend. Ebenso wie auch „Jin“ von Reha Erdem, der seine 17jährige kurdische Heldin auf eine bedrückende Odyssee durch ein kriegsgebeuteltes gefährliches Bergland schickt. Das Mädchen verbündet sich mit der Natur, um die Gefahren der Zivilisation zu überleben. Leider stolpert der atmosphärisch stark aufgeladene Film dann auf der Zielgeraden und hinterlässt einen etwas ernüchternden Nachgeschmack eines sonst sehr guten Filmes. Eine andere 17jährige Protagonistin durchlebt im polnischen „Baby Blues“ mehrfach abrupt wechselnd das Glück und das Leid einer Teenagermutter. Die Figuren sind sehr authentisch eingefangen, jedoch die Inszenierung war mir ein wenig zu überambitioniert, sowohl was formale Gestaltung (Schwarzblenden, Farbsättigung der Bilder) als auch erzählerische Haken betrifft. Das Bemühen um eine ihrer flatterhaften Antiheldin angemessenen Gestaltung wirkte mir etwas zu aufgesetzt. Noch einmal Georgien: im Tbilissi von 1992 in „Grzeli nateli Dgeebi“ werden zwei 14jährige Mädchen mit den alten Traditionen und der noch jungen Geschichte des wieder eigenständigen Landes vernetzt, wodurch sich spannungsvolle Geschichten und Schicksale entspinnen. Das Coming of Age der beiden mündet direkt und für ihr Alter zu früh im ernsten Erwachsensein. Der Film bietet viele dramatische Höhepunkte, die er nur sehr zurückhaltend zur Katharsis nutzt und lieber offen endet. Nebenbei lässt sich der Film als Zustandsbeschreibung des jungen Landes lesen. Noch jünger sind die beiden Schwestern in „Princesas Rojas“, die die ernste Lage ihrer aus Nicaragua geflüchteten und politisch aktiven Eltern gar nicht fassen können. Die unzertrennlichen Mädchen leben in ihrer eigenen aufregenden Welt und sehnen sich nach mehr Normalität und Bodenständigkeit. Der Film blendet sämtliche gesellschaftlichen Hintergründe aus, sondern übernimmt die Sichtweise der Mädchen. Ein kleiner Film mit großem Herzen. Mit einem überirdisch schön gestalteten Vorspann startet „The Weight of Elephants“, der zugleich angenehm leicht an sein ernstes Thema der Kindesentführung heranführt. Zu solch lyrischen Momenten findet er später kaum noch zurück, konzentriert sich ganz auf die Erzählung über einen verträumten Jungen, der in der Schule gegen seinen Außenseiterstatus ankämpft und durch neue Kinder in der Nachbarschaft seinen Mut herausgefordert sieht.

Das ehemalige Jugoslawien wie der Balkan überhaupt ist seit längerem ein mich interessierendes Beschäftigungsfeld im Kino. Eine gute Erzählung und Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte war „Krugovi“, eine Koproduktion vieler ex-jugoslawischer Teilstaaten. Den Rahmen bildet eine Begebenheit von 1993, die das Geschehen im 12 Jahre danach spielenden Kernstück des Filmes beeinflusst, dessen Spannung aus nationalen und religiösen Differenzen sowie erlittenem Verlust entsteht, und das in seinem Wesen um eine Versöhnung zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsgegnern bemüht ist. Vielleicht ein bißchen zu brav erzählt, zu eindringlich inszeniert, aber dennoch packendes Kino und durch seine unterbrochene Rahmenhandlung interessant aufgebaut.
Ein klein wenig zu theatralisch empfand ich dagegen „Obrana i Zastita“, ein im Dogmastil mit nervöser Handkamera geführtes groteskes Alltagsdrama, über einen Mann in der geteilten Stadt Mostar. Das interessanteste und herausforderndste am Film war seine Gestaltung, die voreiligen Schnitte vor dem gefühlten Ende einer Szene, die langen Einstellungen des Wartens und Zweifelns, die Störungselemente im Film, der dann darüber hinweg normal weitergeht.
Viele Filme im Forum vermischten Elemente von Spiel- und Dokumentarfilm. Ähnlich auch der Wettbewerbsbeitrag „Epizoda u zivotu beraca zeljeza“, in dem Danis Tanovic eine Romafamilie in der bosnischen Provinz ihre eigene Geschichte nachspielen lässt, ein verzweifeltes Ringen um dringende medizinische Versorgung, die sich die Familie eines Schrottsammlers finanziell nicht leisten kann. Ein sozialkritisches Dokument, eine nüchterne Alltagsstudie, die mit einem kleinen Moment flüchtigen Glücks endet. Ein wichtiger Film in der Tat, aber ein Wettbewerbsfilm? Besonders der Bär an seinen Laiendarsteller als besten Schauspieler ist angesichts der Konkurrenz aus z.B. „W Imie …“ meines Erachtens etwas übertrieben in der Wertschätzung.
Das junge griechische Kino, das letztes Jahr so für internationales Aufsehen sorgte, steuerte mit „I aionia epistrofi tou Antoni Paraskeua“ einen sehr zweifelhaften Film bei. Eine Allegorie auf die aktuelle Situation Griechenlands? Könnte man mit viel Phantasie sicher so sehen. Aber unterm Strich blieben bei mir lediglich ein recht originelles erstes Drittel und zwei lahme und unverständliche weitere Drittel zurück. Ein TV-Star, der sein eigenes Verschwinden vortäuscht und in einem leerstehenden Luxushotel verweilt, und der dann bei seiner groß angekündigten Rückkehr in die Gesellschaft in das Leben eines Obdachlosen flüchtet? Die Groteske wurde für mich immer mehr zur Geduldsprobe. Schade.

Ein anderer Brennpunkt und Ursprung guter filmischer Verarbeitungen bleibt der nahe Osten.
„Lamma Shoftak“ beginnt 1967 in einem Flüchtlingslager in Jordanien. Dort warten Frauen und Kinder auf ihre Männer und die Rückkehr nach Palästina. Ein Junge durchbricht ungeduldig die Last des tatenlosen Ausharrens und fordert seine Mutter zum Handeln und allmählichem Umdenken auf. Ein wenig zu naiv ruht sich das Drama mit seinem kindlichen Protagonisten auf der Faszination von Campabenteuer und Lagerfeuerromantik aus, trennt das Leben des Jungen von der gefährlichen Kriegssituation. Zum Glück erfüllte mir der Film letztlich den Wunsch nach einem offenen Ende.
Der nächste Streifen, 1989 im Gaza-Streifen: „Rock the Casbah“. Ein kraftvolles Statement gegen die sinnlose Auge-um-Auge Kriegsantreiberei zwischen Israelis und Palästinensern. So grotesk auch die Ausgangssituation ist, ein israelischer Soldat wird von einer vom Dach gestoßenen Waschmaschine erschlagen, so bitterernst und aufreibend sind die daraus resultierenden Hetzjagden durch die palästinensischen Viertel, das Wacheschieben auf dem Dach und das Auflehnen der Bewohner gegen die Besatzer inszeniert. In einer denkwürdigen Szene auf dem Dach träumt einer der jungen israelischen Soldaten von seiner Zukunft im Frieden und macht sie somit zum Herzen des Filmes.
Zu einer Enttäuschung wurde für mich die israelische Farce „Youth“, die Geschichte der Entführung eines Mädchens aus wohlhabendem Haus, mittels der zwei Brüder ihre eigene Familie und ihren depressiven Vater retten wollen. Der Film endet wie die Entführung, im nichts.

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich letztlich gleich drei afrikanische Filme gesehen.
„A Batalha de Tabato“ ist in feinen, streng komponierten schwarzweiß-Bildern gefilmt, in die sich am Ende meinem Empfinden nach unnötige Rotbilder einmischen. Das evozierte bei mir eine zu aufgesetzte Bedeutungshaftigkeit. Die Geschichte ist klein und ein wenig folkloristisch angehaucht, relativ spannungsfrei in einer Art Parallelerzählung vorgetragen. Dabei werden das Kriegstraumata eines alten Mannes, mit der bevorstehenden aber letztlich ausfallenden Hochzeit eines jungen Paares verknüpft und Tabato als ein Dorf vorgestellt, in dem alle Menschen Musik machen und dies ihr Kampf für den Frieden ist. In Details blieb mir der Film sehr unverständlich und fremd, was sicher auch an meinen mangelnden Vorkenntnissen zur Geschichte von Guinea Bissau lag.
Der südafrikanische Film „Edelwani“ führt eine moderne junge Frau zurück in ihr Elterndorf, wo sie wieder mit den uralten Traditionen ihres Volkes der Venda in Berührung kommt, die große Opfer von ihr fordern. Es folgt eine unerwartete Initiation, eine Wiederaufnahme in einen alten Kulturkreis, die selbstbewusst exotisch erzählt und ausgestaltet wird. An einigen Stellen wird das existentialistische und geheimnisvoll bleibende Kulturdrama ein wenig mystisch aufgewertet aber zum Glück nie überladen.
Den Reichen und Weißen in Südafrika widmet sich der verstörende Thriller „Fynbos“, der dem mysteriösen Verschwinden einer Frau auf einem Luxusanwesen nachspürt. Rational lässt sich der Film kaum beschreiben oder zusammenfassen, denn er verweigert Erklärungen. Er lebt von einer unheimlichen Spannung, seiner Stille und dem beeindruckenden Setting. Schauplatz ist ein riesiges, vom Rest der Welt abgesperrtes Anwesen, auf dem ein architektonisch extravagantes Haus prangt. Die atmosphärische Inszenierung des Filmes hat mich sehr beeindruckt.

Mein letzter Film auf der Berlinale war gleichzeitig mein Sieger des Herzens. „Gloria“ aus Chile landet zwar letztlich etwas neben meinen Erwartungen aufgrund der Kurzbeschreibung (Verknüpfungen zur Geschichte des Landes fehlten), aber er zeichnet ein starkes und sympathisches Porträt einer alleinstehenden aber lebenshungrigen Frau Ende 50, die sich nach dem demütigenden Ende einer viel versprochenen Beziehung wieder aufzurichten weiß. Der tragikomische Film feiert diese beherzte Frau, die sich nicht unterkriegen lassen will, und führt sie zu Umberto Tozzis Hymne zurück ins Leben, zurück auf Anfang. Vom Publikum gab es verdienten Szenenapplaus.



I aionia epistrofi tou Antoni Paraskeua - The eternal return of Antonis Paraskevas (Elina Psykou, Griechenland)
Ayer no termina nunca - Yesterday never ends (Isabel Coixet, Spanien)
Baby Blues (Katarzyna Roslaniec, Polen)
A Batalha de Tabato - The Battle of Tabato (Joao Viana, Guinea Bissau/Portugal)
Before Midnight (Richard Linklater, USA/Griechenland)
Boven is het stil - Oben ist es still (Nanouk Leopold, Niederlande/Deutschland)
Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
Deshora – Belated (Barbara Sarasola-Day, Argentinien/etc.)
Dolgaya Schastlivaya Zhizn - A long and happy Life (Boris Khlebnikow, Russland)
Elelwani (Ntshavheni Wa Luruli, Südafrika)
Epizoda u zivotu Beraca Zeljeza - An Episode in the Life of an Iron Picker (Danis Tanovic, Bosnien/etc.)
Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika/Griechenland)
Gloria (Sebastian Lelio, Chile/Spanien)
Gold (Thomas Arslan, Deutschland)
Grzeli nateli Dgeebi - In Bloom (Nana Ekvtimishvili, Simon Groß, Georgien/etc.)
Jin (Reha Erdem, Türkei)
Krugovi – Circles (Srdan Colubovic, Serbien/etc.)
Lamma Shoftak - When I saw you (Annemarie Jacir, Palästina/etc.)
Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, Deutschland)
Le Meteore - The Meteor (Francois Delisle, Kanada)
Nugu-Ui Ttal-Do Anin Haewon - Nobodys Daughter Haewon (Hong Sangsoo, Südkorea)
Obrana i Zastita - A Stranger (Bobo Jelcic, Kroatien/Bosnien)
Princesas Rojas - Red Princesses (Laura Astorga Carrera, CostaRica/Venezuela)
Rock the Casbah (Yariv Horowitz, Israel/Frankeich)
Soguk – Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/Deutschland)
Vic+Flo ont vu un ours - Vic+Flo haben einen Bären gesehen (Denis Cote, Kanada)
The Weight of Elephants (Daniel Joseph Borgman, Neuseeland/etc.)
W Imie ... - In the Name of (Malgorzata Szumowska, Polen)
Youth (Tom Shoval, Israel/Deutschland)

Foto

Y tu tía tambien


Tan de repente

Lieben Sie road movies? Nein? Dann gehören Sie offenbar zu jener seltenen Untergattung Mensch, die mit ihrem Leben rundum zufrieden sind. Denn die große Popularität, die dieses Genre beim Publikum genießt, speist sich aus einer ansteckenden Hoffnung auf Veränderung. Der Hoffnung, dass jemand auf der Leinwand stellvertretend für uns Zuschauer seinem Leben einen entscheidenden Impuls gibt, seiner, und damit unserer, Banalität der Existenz entflieht und genau die grünen Wiesen findet, von denen wir zu wissen glauben, dass es sie überall, nur nicht hier gibt.

Was aber, wenn die Protagonistin des Filmes ebenso wenig der eigenen Kraft vertraut, Herrin über ihr Schicksal zu sein, wie wir Zuschauer? Wenn sie eine übergewichtige Dessousverkäuferin namens Marcia in Buenos Aires ist, deren spannendste Abwechslung im Leben die Entspannungsübung im Yogakurs ist und die der Liebe in anonymen, stummen Telefonaten nachstellt?
Im Falle des argentinischen Filmes Tan de repente (Aus heiterem Himmel) helfen ihr Lenin und Mao auf die Sprünge. Nicht durch das Studium des Marxschen Gesamtwerkes, wie die Fraktion orthodoxer Kommunisten jetzt hoffen wird. Bei Lenin und Mao handelt es sich um zwei punkige Großstadtlesben, die durch eine Entführung am helllichten Tage das Landei Marcia zwingen, sich mit ihrem dahintreibenden Leben und ihren unerfüllten Sehnsüchten auseinanderzusetzen.

Der 26-jährige Regisseur Diego Lerman zeichnet von seiner krisengeschüttelten Heimat in seinem zweiten Spielfilm ein Bild, welches die Isolation des Individuums in der modernen Gesellschaft nicht verleugnet. Im Gegensatz zum Gros des europäischen Kinos wird dieser Konflikt aber nicht in einer weinerlichen Handlungsunfähigkeit oder realitätsverleugnenden Witzigkeit aufgelöst. Die unspektakulär, humorvoll erzählte Geschichte der drei Frauen ist wie die beschwingte Musik Bouscayrols, die auch Merengue-Salsa-Hasser lieben werden, eine Hommage an das Leben und eine Lektion in unaufgeregtem Optimismus. So scheinen die grobkörnigen Schwarzweißbilder, die trotz des Einsatzes einer digitalen Handkamera eher an einen Fotobildband von Cartier-Bresson als an einen Dogmafilm erinnern, dem Zuschauer zu sagen: Wenn selbst etwas so Außergewöhnliches wie ein Orcawal nur noch eine Nummer ist, wer sagt Dir dann, dass Du kleine Nummer nicht auch etwas Außergewöhnliches sein kannst?

Sie lieben wirklich keine road movies? Dann aber vielleicht diesen Film.
Denn es gibt zwar auch Gründe vor dem Leben zu fliehen, aber vor allem gute Gründe nach dem eigenen Weg durchs Leben zu suchen. Auch davon handeln road movies und deshalb dürfen Marcia, Lenin und Mao etwas anderes in der Fremde finden als Thelma und Louise.

Zuerst veröffentlicht auf kino.de am 20.07.2003

Foto

MAMA


MAMA Dafür dass das sein erster Spielfilm ist, zeigt Muschietti überdurchschnittliches Können. Sein Szenenaufbau ist mitunter sehr spannend (Paradebeispiel die exponentiell creepiger werdende, in nur einer Einstellung gefilmte Szene mit dem Hausflur und der halb offenen Kinderzimmertür), ein Gespür für beeindruckende, aber nicht zu effekthascherische Bilder durchzieht zudem den ganzen Film. Richtig bedrückende Atmosphäre kommt dennoch selten auf. Die paranormale Präsenz wird bis ins Detail erklärt, wodurch das Ganze schnell seinen Schrecken verliert. Man hat gar das Gefühl, dass die Figuren mehr Zeit mit paranormaler Detektiv- und Aufklärungsarbeit verbringen als dass sie in Angst und Terror leben angesichts des Spuck. (Mal ehrlich: In nem Horrorfilm will ich Horror und Schrecken erleben, *nicht* erklärt bekommen, wer da spukt und warum).
Jessica Chastain als nonkonforme Rockerin und überforderte Pflegemutter ist grandios und zeigt hier eine große Wandlungsfähigkeit gegenüber ihrer ebenfalls tollen Rolle in ZERO DARK THIRTY. Dennoch hapert es irgendwo mit der Figurenzeichnung und mit der ganzen Struktur der Handlung. Eine der vielen Merkwürdigkeiten: Gatte fällt ins Koma, irgendwie scheint das seine Angebetete nicht zu jucken, dann erwacht er irgendwann aus dem Koma (nach Tagen? Wochen? Monaten? - kein Gespür für Zeit hat der Film) und ist halt wieder da. Na ja, und das weinerliche Finale des Films mit Mensch und Gespenst-Mama, die ja auch Gefühle hat, kann man wirklich nur noch als supernatural kitsch bezeichnen.
Trotzdem: Der Regisseur hat Potential.

leicht überdurchschnittliche 5,5/10


hirnfurz nicht korrekturgelesen

Foto

Zodiac (2007)


Die erste Hälfte war meisterlich, spannend, meisterlich spannend, aber die dramaturgische Unwucht der zweiten hat mich konsterniert zurückgelassen. Das retardierende Moment war mir einfach zu viel, vielleicht gerade weil ich nicht so in die Figuren investiert war. Das wiederum könnte an eben jener ersten Hälfte gelegen habe, die sich zwar auf die mitreißende Darstellung und minutiöse Chronik der Zodiac-Morde verstanden hat, aber dazwischen die Hauptfiguren immer nur wie Schreckgespenster in der Geisterbahn durchs Bild laufen ließ. Die Symbiose aus Fakten und Figurendrama ist einfach fehlgeschlagen, was ich sehr bedaure. Wie die visuell beeindruckenden Vogelperspektiven einiger Einstellungen maßt sich der Film in seinem chronologischen Blick ein zu weitreichendes Wissen an und wird am Ende: zu unpersönlich...

Foto

Dans la maison - In ihrem Haus (2012)


In Ihrem Haus (Frankreich, 2012)

Eingefügtes Bild

Inhalt: Ein Schüler in der letzten Reihe, Claude, weckt durch seine präzise Beobachtungsgabe und sein Erzähltalent das Interesse seines Klassenlehrers Germain. Angespornt durch die Hausaufgabe "Was habt ihr am Wochenende gemacht?" beobachtet/studiert Claude die Familie eines Mitschülers. Der Lehrer versucht ihm mit Hilfe von großen Literaturwerken und Tipps die Erzähltechnik beibringen. Germain merkt es zu spät, daß nicht er den Blick von Claude lenkt, sondern umgekehrt …

Ich habe selten einen Film gesehen, der mich dermaßen sinnlich angesprochen hat, ein Film, der Geist und Verstand gleichermaßen anregt. Unglaublich schön, feinsinnig, tiefgründig, humorvoll und charmant. Ein Film über die Literatur und die Kunst, über die Macht des Wortes und über das Leben mit und das Leben ohne Leidenschaft, Leidenschaft für die Erzählkunst, Leidenschaft für die Schönheit der Frauen und Leidenschaft für das, was das Leben lebenswert macht: die Leidenschaft zur Phantasie und Poesie. Eine Phantasie, die durch die Neugier auf die Menschen und ihre Geschichten beflügelt wird, eine Neugier, die dem menschlichen Dasein einen Sinn verleiht. Aber auch eine Neugier, die in ihrer extremen Form, dem Voyeurismus, die erweckte Begierde auf das Lustobjekt nicht stillen kann und somit es fatalerweise unnahbar macht. Eine Leidenschaft, die nur Leiden schafft. Jedoch die Melancholie und das Tragische gehörten immer zur großen Literatur.

Eingefügtes Bild

Die in diesem Film indirekt gestellte vewirrende Frage, ob Literatur und Film Segen oder Fluch sind und ob sie lebensbereichernd oder doch nur Flucht vor der Realität sind, muß jeder Zuschauer alleine beantworten!

Gleichzeitig ist "In ihrem Haus" eine kluge Sozialstudie über die Banalität und die Idylle der Mittelschicht-Existenz und die Sehnsucht und die Bosheit der Unterschicht, die diese Idylle vermisst. Nebenbei ist der Film eine herrlich böse Satire auf die moderne Kunst.

Eingefügtes Bild

Aber vor allem wird hier gezeigt, nein wird hier erwünscht, daß Kunst und Literatur nicht nur von den menschlichen Schicksalen inspiriert werden, sondern auch Schicksale schreiben! Literatur nicht nur als bloße Projektion der Wirklichkeit, sondern als Anregung zur Liebe und Wahrnehmung der Ästhetik. Ein intelligentes Psychospiel zwischen dem Lehrer und dem Schüler, zwischen dem Meister und dem Lehrling, zwischen Kino als "Schlüsselloch" und Publikum als "Voyeure". Ein erotisches Kunstwerk vom Regiegenie François Ozon mit einem famosen Fabrice Luchini, mit den sinnlichen Schauspielerinnen Emmanuelle Seigner und Kristin Scott Thomas, dem begnadet charismatischen Jungstar Ernst Umhauer und in der Nebenrolle mit dem immer gern gesehenen, großartigen Schauspieler Jean-François Balmer (als Schuldirektor). Jeder dieser Namen ist ein Grund für einen Kinobesuch! Alle zusammen: ein Meisterwerk! Zwar macht der Film sich ein bißchen schwer, ein kongeniales, würdiges Ende zu finden, trotzdem muß man diesen Geniestreich unbedingt im Kino genießen! Note: 9,5/10 Punkte

PS:
1. Neben Hanekes "Amour", der beste Film 2012!
2. Wer diesen Film im Kino verpasst, wird es lebenslang bereuen! Geht ins Kino!



Besucher aktiv in den Filmtagebüchern

Mitglieder: 0, Gäste: 4, unsichtbare Mitglieder: 0