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Filmtagebücher


FTB [Abk. für] Filmtagebuch

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BISHER UNVERÖFFENTLICHTE (KURZ-)KOMMENTARE - SAMMELBEITRAG NR. 3


WIR SIND DIE NACHT (Deutschland 2010, Regie: Dennis Gansel)

Der prinzipiell absolut lobenswerte Versuch, deutsches Genrekino auf die große Leinwand zu bringen. Leider bleibt es beim Versuch. Denn so wirklich überzeugen kann WIR SIND DIE NACHT von Regisseur Dennis Gansel nicht. Denn Gansel kann sich nie so wirklich entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Die Optik des Films erinnert an BLADE & Co., in Sachen Anspruch hätte man sich gerne mit dem genialen NEAR DARK gemessen. Am Ende kommt nichts Halbes und nichts Ganzes heraus. Die Actionszenen lassen den nötigen Druck vermissen, der Geschichte fehlt es an Tiefgang um tatsächlich so etwas wie Anspruch entwickeln zu können und die Charakterisierung der 4 Vampirinnen ist sehr durchwachsen ausgefallen (während Karoline Herfurth und Jennifer Ulrich ihre Rollen tatsächlich so ausfüllen, dass man als Zuschauer eine Beziehung zu ihren Charakteren aufbauen kann, nerven Nina Hoss und Anna Fischer einfach nur maßlos). WIR SIND NACHT ist weder gut noch schlecht, weder ge- noch misslungen und so bleibt am Ende ein Film, den man wohl tatsächlich am besten als "durchschnittlich" und "nett" bezeichnen kann.


AMERICAN PSYCHO (USA 2000, Regie: Mary Harron)

Die Romanvorlage von Bret Easton Ellis adäquat zu verfilmen ist schlichtweg unmöglich. Herauskommen würde ein Film, den wegen seiner extremen Explizität in den Gewaltdarstellungen wohl keine Freigabestelle der Welt durchwinken würde.
Regisseurin und Drehbuchautorin Mary Harron hat sich zur Jahrtausendwende dennoch an den Stoff gewagt und mit AMERICAN PSYCHO eine Verfilmung des gleichnamigen Romans vorgelegt, die sich eher der komischen und satirischen Seite der Vorlage widmet. Christian Bale spielt Patrick Bateman, den Hannibal Lecter der Yuppie-Generation, dabei komplett entfesselt und Mary Harron gelingt es mit ihrem ständig am Overacting vorbeischrammenden Hauptdarsteller durchaus, den amerikanischen Albtraum der 80er Jahre - eine Wohlstandsgesellschaft am Rande des Kollapses, Menschen, die sich nur noch über Statussymbole definieren, Oberflächlichkeit als scheinbar höchstes Lebensziel - satirisch überhöht zu porträtieren. Bateman kann munter drauflos morden, muss dabei keinerlei Spuren verwischen, weil sich eh niemand für seine Taten interessiert und nicht einmal sein Anwalt, dem er all seine Morde beichtet, nimmt ihn für voll. Bateman ist ein Monster, welches sich die Gesellschaft selbst erschaffen hat und welches sie nun nicht mehr losbekommt.
AMERICAN PSYCHO strahlt in seinem ganzen Irrsinn, den er darstellt, eine klinische Kälte und eine fast schon sterile Atmosphäre aus, die ihm ganz hervorragend zu Gesicht steht und die in Verbindung mit dem ganz vorzüglichen 80er-Jahre-Soundtrack eine ganz eigene Stimmung beim Zuschauer erzeugt. Am Ende lässt Harron - ebenso wie Ellis im Buch - die Möglichkeit offen, dass die zuvor passierten Morde nur in Batemans Phantasie geschehen sind. Blickt man in die Augen der tickenden Zeitbombe, die da kurz vor dem Abspann in einer Nahaufnahme zu sehen sind, ist das allerdings nur ein schwacher Trost.


CHRISTIANE F. - WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO (Deutschland 1981, Regie: Uli Edel)

Dieses auf dem Leben der drogenabhängigen Jugendlichen Christiane Felscherinow basierende Drama von Uli Edel dürfte wohl zu den bekanntesten deutschen Filmen der 80er Jahre gehören. Regisseur Uli Edel (der gerade mal 2 Wochen vor Drehbeginn für das Objekt engagiert wurde, weil sich der ursprüngliche Regisseur Roland Klick mit Produzent Bernd Eichinger hoffnungslos überworfen hatte) gelingt mit Hilfe seiner Besetzung, die sich praktisch ausschließlich aus Laiendarstellern rekrutierte - für den Großteil der Darsteller sollte dies der erste und auch einzige Filmauftritt bleiben -, eine glaubwürdige und eindringliche Milieustudie (in Berlin dürften sie über den Film damals wohl weniger begeistert gewesen sein, wird die Stadt doch ausschließlich von ihrer hässlichen Seite gezeigt und als dunkler Moloch dargestellt), die - wenngleich sie verständlicherweise nicht frei von gewissen Klischees bleibt und der Zeigefinger zuweilen doch etwas arg erhoben wird (wobei man letzteres bei dieser Thematik dann ja auch durchaus verstehen kann) - den Zuschauer auch heute, über 30 Jahre nach Erscheinen des Films, bei der Sichtung noch einiges abverlangt.
CHRISTIANE F. - WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO ist kein leichter und auch definitiv kein schön anzuschauender Film und er ist dies insbesondere wegen seiner Hauptdarstellerin, der zum Zeitpunkt des Drehs des Films gerade mal 14 Jahre alten Natja Brunckhorst, die hier eine schauspielerische Leistung der Extraklasse abliefert und ohne die dieser Film nicht vorstellbar wäre. Es ist schon fast erschreckend zu sehen, wie überzeugend sie die titelgebende Christiane F. spielt und es gibt nicht wenige Momente in dem Film, in denen man fast befürchten könnte, hier hat ein Dokumentarfilmer eine versteckte Kamera aufgestellt und eine echte Drogenabhängige heimlich gefilmt. Was Natja Brunckhorst hier abliefert ist einfach nur beeindruckend und es ist mir ein Rätsel, weshalb ihr keine größere Leinwandkarriere vergönnt gewesen ist.


DER KRIEGER UND DIE KAISERIN (Deutschland 2000, Regie: Tom Tykwer)

Nach ihrem mit gerade mal 75 Minuten Laufzeit verdammt kurzen und extrem rasant inszenierten Welterfolg LOLA RENNT machten Regisseur Tom Tykwer und seine Hauptdarstellerin und damalige Lebensgefährtin Franka Potente im Nachfolgefilm auf den ersten Blick das genaue Gegenteil. DER KRIEGER UND DIE KAISERIN hat eine fast schon epische Laufzeit von 130 Minuten und ist auffällig ruhig inszeniert. Bei näherer Betrachtung unterscheidet sich DER KRIEGER UND DIE KAISERIN allerdings gar nicht so sehr von LOLA RENNT. Auch hier geht insbesondere darum, lebenswichtige Entscheidungen zu treffen und mit den Konsequenzen zu leben.
Franka Potente ist Sissi, eine Krankenschwester in einer psychiatrischen Anstalt, der nach einem Verkehrsunfall vom ehemaligen Soldaten Bodo (Benno Fürmann) das Leben gerettet wird. Nach ihrer Genesung macht sich Sissi auf die Suche nach ihrem Retter. Doch der will nicht wirklich etwas mit ihr zu tun haben.
DER KRIEGER UND DIE KAISERIN erzählt eine der ungewöhnlichsten und schönsten Liebesgeschichten, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Auf eine wunderbar ruhige und aufgeregte Art und Weise und mit zwei Hauptdarstellern, die einfach nur perfekt miteinander harmonieren. Und diese Sequenz am Ende, in der das Thema "Loslassen" in einer Weise bebildert und dargestellt wird, die man wohl wirklich nur als einzigartig bezeichnen kann, ist eine dieser Szenen für die Ewigkeit und sorgt für pure Gänsehaut. Einfach schön!


CLASS OF 1984 (Kanada 1982, Regie: Mark L. Lester)

Von Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre erfreute sich das Subgenre des "Terror an der Highschool"-Films größter Beliebtheit beim Publikum und es erblickten nicht wenige Filme dieser Art das Licht der Leinwände. CLASS OF 1984 von COMMANDO-Regisseur Mark L. Lester dürfte dabei den absoluten Höhepunkt dieses kurzlebigen Subgenres darstellen. Die Zutaten für einen solchen Film waren zwar immer gleich (eine heruntergekommene Highschool, eine Bande, die diese Schule terrorisiert, eine Lehrerschaft, die sich schon längst ihrer Situation ergeben hat, eine Handvoll Schüler, die sich vorbildlich verhalten, gegen die fiese Gang aber keine Chance haben und letztendlich ein neuer Lehrer, der sich mit dem Status Quo nicht abfinden mag und der Bande den Kampf ansagt), kein anderer Streifen von damals schaffte es allerdings, diese Zutaten zu solch einem wohlschmeckenden Cocktail zu mixen, wie dieser hier. Nie war innerhalb des Subgenres ein Lehrer so idealistisch wie der von Perry King gespielte Andrew Norris, nie war ein Gangleader so fies wie der von Timothy Van Patten gespielte Stegman und nie war ein Sidekick des Bösewichts trotz unmöglicher Klamotten und gewöhnungsbedürftiger Frisur so sexy wie die von Lisa Langlois gespielte Patsy.
Natürlich kann man einen Film wie CLASS OF 1984 unmöglich für voll nehmen und natürlich ist die hier dargestellte Geschichte so hoffnungslos überzeichnet und konstruiert, dass man es niemanden verdenken kann, wenn er diesen Film heute erstmals zu Gesicht bekommt und über diesen offensichtlichen Blödsinn nur verwundert schmunzeln kann. Aber darum geht es am Ende des Tages auch nicht wirklich, denn Lesters Film ist pure Exploitation und da zählen vor allem die Schauwerte und nichts anderes. Und die sind hier wahrlich reichlich vorhanden. CLASS OF 1984 rockt mit all seinen Überzeichnungen, seinen unfassbaren Charakteren, seinem komplett durchgedrehten Finale und der Tatsache, dass inmitten dieses heillosen Chaos, das Regisseur Lester dem Zuschauer hier präsentiert, ein junger Michael J. Fox vor seinem BACK TO THE FUTURE-Durchbruch herumstolpert, einfach nur ganz gewaltig das Haus und gehört mittlerweile vollkommen zurecht zum Kreis der ganz großen Klassiker des Exploitationfilms der 80er Jahre.


BLACK OAK CONSPIRACY (USA 1977, Regie: Bob Kelljan)

In BLACK OAK CONSPIRACY kehrt ein Stuntman (Jesse Vint) anlässlich einer Erkrankung seiner Mutter nach vielen Jahren in seinen kleinen Heimatort zurück und muss feststellen, dass dort so einiges im Argen liegt.
B-Movie-Regisseur Bob Kelljan erzählt in seiner siebten und letzten Regiearbeit für die große Leinwand (danach sollte er nur noch für das Fernsehen tätig sein) eine Variante der insbesondere in den 70er Jahren ausgesprochen beliebten Geschichte des Einzelgängers, der einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen schwerreiche Kriminelle und einen korrupten Polizeiapparat aufnimmt.
Vergleicht man BLACK OAK CONSPIRACY jedoch mit ähnlichen Produktionen wie bspw. WALKING TALL oder FIGHTING MAD, muss man feststellen, dass Kelljans Film nicht unbedingt zu den Highlights des Genres zu zählen ist, sondern lediglich als solide Unterhaltung bezeichnet werden kann.
BLACK OAK CONSPIRACY hat insbesondere mit zwei eklatanten Schwächen zu kämpfen. Während Kelljan die Zeichnung der Gangster wirklich ganz vorzüglich geglückt ist und vor allem der korrupte Sheriff Grimes, auf wirklich unfassbar schmierige Art gespielt von Albert Salmi, eine mehr als hassenswerte Figur abgibt, ist die Besetzung des Helden mit Jesse Vint (der auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete) eher suboptimal ausgefallen (um es mal vorsichtig auszudrücken). Der von Vint gespielte Stuntman Jingo Johnson ist nämlich nicht viel mehr als ein arrogantes Arschloch, welches sich eher in die Reihe der Bösewichter hätte einreihen können und mit dem es nicht gerade leicht fällt, mitzufiebern. Die zweite Schwäche des Films ist der viel zu ruhige und langsame Storyaufbau. BLACK OAK CONSPIRACY erzählt eine einfach gestrickte Rache- und Verschwörungsgeschichte. Da wirkt ein zu bedächtigter Spannungsaufbau dann doch eher hinderlich. Bis Kelljans Film so richtig in Fahrt kommt und auf seinen wahrlich sehenswerten Showdown (der dann auch den Streifen davor retten kann, beim Zuschauer allzu schnell wieder in Vergessenheit zu geraten) zusteuert, ist leider schon die Hälfte der Laufzeit vorbei. Ein bisschen mehr Schauwerte und eine straffere Erzählweise hätten BLACK OAK CONSPIRACY sicher nicht geschadet.


THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT (USA 1974, Regie: Michael Cimino)

Regiedebüt von Michael Cimino, der mit THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT eine ausgesprochen schöne Mischung aus Actionkomödie, Road- und Caper- bzw. Heist-Movie auf die Leinwand gezaubert hat.
Der in die Jahre gekommene Tresorknacker Thunderbolt (Clint Eastwood) wird wegen eines einst schiefgelaufenen Coups von seinen beiden damaligen Komplizen (George Kennedy und Geoffrey Lewis) gejagt und trifft auf seiner Flucht auf den jungen Draufgänger Lightfoot (Jeff Bridges), dem er sich anschließt. Doch die beiden titelgebenden Hauptfiguren werden letztendlich doch von ihren Verfolgern gestellt und einigen sich mit diesen schließlich auf einen Deal. Der Coup von damals soll wiederholt werden...
Cimino erzählt seine Geschichte in teils wirklich atemberaubend schönen Scope-Bildern, welche die ganze Weite des amerikanischen Westens auf beeindruckende Art und Weise einfangen. Ciminos Film, der insbesondere auch eine Geschichte über Freundschaft erzählt, lebt neben seinen vier tollen Hauptdarstellern (Eastwood erneut in seiner Paraderolle als wortkarger Einzelgänger, der grandiose und für seine Leistung mit einem Oscar nominierte Bridges als unbedarfter Draufgänger, George Kennedy als Eastwoods misstrauischer und gemeingefährlicher Ex-Komplize und Geoffrey Lewis als dessen etwas einfältiger Sidekick) vor allem von seiner perfekten Mischung aus komischen, ernsten und insbesondere zum Ende hin todtraurigen Momenten. Je länger THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT dauert, desto klarer wird es dem Zuschauer, dass die Geschichte der vier Gauner kein gutes Ende nehmen kann. Und so wandelt sich auch die Stimmung des Films, die anfänglich noch von so etwas wie fröhlicher Unbedarftheit geprägt ist, immer mehr in Richtung purer Melancholie. Hierzu passt dann auch das Finale des Films, das mit seinen letzten Szenen, die hochemotional ausgefallen sind, beim Zuschauer pure Gänsehaut erzeugt.


THE YAKUZA (Japan/USA 1974, Regie: Sydney Pollack)

Sydney Pollacks Japan-Krimi dürfte damals eine der ersten US-Produktionen gewesen sein, in der die titelgebende Gangsterorganisation aus Japan eine Rolle spielte bzw. in der ein amerikanischer Held mit dem ihm prinzipiell fremden Wertesystem der japanischen Kultur konfrontiert wurde.
In THE YAKUZA geht es um Ehre, Loyalität und Verpflichtungen und den sich aus diesem "code of honor" ergebenden Folgen, die in der vorliegenden Geschichte in Kämpfen auf Leben und Tod enden.
Dem Yakuza-Film, der im japanischen Kino eine lange Tradition hat, kann Pollack in meinen Augen dabei - mit Ausnahme der Tatsache, dass sich mit dem von Robert Mitchum souverän gespielten Harry Kilmer hier ein Außenstehender und Ausländer mit diesem "code of honor" auseinanderzusetzen hat - keine großen Neuerungen hinzufügen. So ist THE YAKUZA am Ende des Tages ein grundsolider Kriminalfilm geworden, der mit seiner ruhigen Erzählweise und einigen blutigen Auseinandersetzungen durchaus zu gefallen weiß. Allerdings hat man ähnliche Geschichten im japanischen Kino schon zuhauf und oft auch deutlich besser erzählt bekommen.


TANK GIRL (USA 1995, Regie: Rachel Talalay)

TANK GIRL ist eine dieser großen Verfehlungen der 90er Jahre. Bei einem Budget von gut 25 Mio. Dollar konnte die irre Comicverfilmung gerade mal 6,5 Mio. Dollar wieder einspielen. Für Regisseurin Rachel Talalay war dies nach FREDDY'S DEAD: THE FINAL NIGHTMARE und GHOST IN THE MACHINE die erst dritte und zugleich letzte Regiearbeit fürs Kino, fortan sollte sie nur noch fürs Fernsehen tätig sein. Hauptdarstellerin Lori Petty dürfte der Film auch mehr geschadet als genutzt haben, nach TANK GIRL war sie nur noch in unbekannteren B-Movies und diversen TV-Serien zu sehen. Und was Naomi Watts, für die dies eine ihrer ersten größeren Kinorollen gewesen ist und die danach fast ein halbes Jahrzehnt brauchte, um erneut in Hollywood so richtig Fuß zu fassen, heute so von TANK GIRL hält, wäre sicherlich auch nicht ganz uninteressant zu erfahren.
Dabei ist TANK GIRL so herrlich abgedreht und durchgeknallt, dass es wahrlich ein Jammer ist, dass diesem Film ein größerer Erfolg versagt geblieben ist. Es wird höchste Zeit, dass dieser wunderbare Klamauk rehabilitiert wird und ich bin mir ziemlich sicher, dass TANK GIRL irgendwann einen gewissen Kultstatus erreichen wird.
Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. In TANK GIRL ist wirklich alles - das unfassbare Overacting aller Beteiligten, die abgefahrenen Animationssequenzen, der in einer postapokalyptischen Welt angesiedelte Plot, das Kostüm- und Setdesign, usw. - so komplett "over the top", dass es mir persönlich verdammt schwer fällt, diesen Film nicht zu mögen. TANK GIRL ist Trash in Fomvollendung und rockt über gut 100 Minuten ganz gewaltig das Haus (und das nicht nur wegen des ganz vorzüglichen Soundtracks mit Künstlern wie Björk, Bush, Portishead, Ice-T und Iggy Pop). Und dann diese Musical-Sequenz mit der Variation von Cole Porters "Let’s Do It", einfach herrlich!


BARB WIRE (USA 1996, Regie: David Hogan)

Man nehme den vielleicht größten Klassiker der Filmgeschichte, drehe die Geschlechterrollen um, jage die Story einmal durch den Fleischwolf und siedle sie sodann in einer postapokalyptischen Welt an und man erhält als Ergebnis genau diesen Film hier. Aus Ingrid Bergman wird Temuera Morrison, aus Humphrey Bogart wird Pamela Anderson, aus CASABLANCA wird BARB WIRE!
Nach dem zuvor gesehenen TANK GIRL konnte ich mir als weitere Steigerung nur BARB WIRE ansehen. Es gab keine Alternative und tatsächlich geben diese beiden Filme ein perfektes Double-Feature-Programm ab. Und wie kann es eigentlich funktionieren, dass man mit BARB WIRE keinen Spaß hat? Wahrscheinlich nur, wenn man erwartet, dass Regisseur David Hogan die sicher nicht mit dem Talent zum Schauspielern geborene Pamela Anderson hier in einer Oscar-würdigen Charakterrolle besetzt und diese die ihr gestellte Aufgabe mit Bravour meistert. Wer über einen Film wie BARB WIRE richtet, dürfte zum Lachen wohl auch in den berühmten Keller gehen. Denn im Endeffekt macht David Hogan mit BARB WIRE praktisch alles richtig, was man richtig machen kann. Er verlässt sich auf die körperlichen Reize seiner Hauptdarstellerin (und verdammt, Pamela Anderson ist hier wirklich sexy wie Hölle), garniert seine spaßige CASABLANCA-Variante (ich möchte nun nicht so weit gehen, dass ich BARB WIRE als Hommage bezeichne) mit richtig gut inszenierten Actionsequenzen, unterlegt das alles mit einem rockigen Soundtrack und lässt den ganzen Streifen in ausgesprochen stylishen Bildern von Kameramann Rick Bota ablichten. Dazu noch die eine oder andere Referenz an den Film Noir und fertig ist ein Meisterwerk des schlechten Geschmacks. Filme wie BARB WIRE bezeichnet man gemeinhin als "guilty pleasure" und wenn es neben Verhoevens hervorragendem SHOWGIRLS ein weiteres "guilty pleasure" in den 90er Jahren gegeben hat, welches man einfach nur als perfekt bezeichnen kann, dann ist es dieser Film hier. G-r-a-n-d-i-o-s!!!


THE GHOST WRITER (Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2010, Regie: Roman Polanski)

Mit THE GHOST WRITER hat Regisseur Roman Polanski einen vielleicht mitunter etwas zu arg konstruierten Verschwörungsthriller gedreht, der jedoch viel zu viele Stärken hat als das man sich über etwaige Schwächen im Plot groß aufregen sollte.
Es ist einfach schön, einen so komplett unaufgeregten Thriller zu sehen, wie diesen hier. THE GHOST WRITER hätte so oder so ähnlich auch vor vielen Jahren gedreht werden können. Polanski lässt sich viel Zeit mit der Einführung seiner Charaktere, der Erzählung seiner Geschichte und dem Aufbau von Spannung, der regelrecht schleichend voranschreitet, den Zuschauer von Minute zu Minute aber mehr in Gefangenschaft nimmt und letztendlich in einem Finale endet, welches sicher nicht mehr so schnell aus dem Gedächtnis verschwinden wird. THE GHOST WRITER ist richtig gut gelungenes, klassisches Spannungskino, mit einer ungemein dichten Atmosphäre, tollen Locations (insbesondere in den Insel-Sequenzen, die u.a. auf Sylt gedreht wurden) und einer einfach nur hervorragenden Besetzung. Neben Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall und Olivia Williams sind in THE GHOST WRITER in weiteren, teils sehr kleinen Rollen Charakterköpfe wie James Belushi, Tom Wilkinson, Timothy Hutton und Eli Wallach (in seinem vorletzten Leindwandauftritt) mit von der Partie.


BAISE-MOI (Frankreich 2000, Regie: Virginie Despentes/Coralie)

BAISE-MOI ist in erster Linie mal ein Film über zwei Frauen, die in der Gesellschaft nicht mehr zurechtkommen, sich zusammentun und sich gemeinsam mit den Waffen Sex und Gewalt an der Gesellschaft rächen. So viel zur Theorie. In der Praxis könnte man BAISE-MOI auch als billigen und wenig überzeugenden Zwitter aus THELMA & LOUISE und NATURAL BORN KILLERS bezeichnen. Denn leider hat Regisseurin Virginie Despentes, die mit BAISE-MOI ihren eigenen Roman adaptiert und sich für Co-Regie und Mitarbeit am Drehbuch die französische Pornodarstellerin mit ins Boot geholt hat, nicht wirklich viel zu sagen. Die beiden Hauptcharaktere bleiben einem als Zuschauer komplett egal und es ist praktisch unmöglich in irgendeiner Weise eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. So besteht BAISE-MOI am Ende des Tages aus einer losen Abfolge expliziter Sex- und derber Gewaltszenen, die schon bald anfangen zu langweilen und die knapp 75 Minuten, die der Film gerade mal dauert, zu einer halben Ewigkeit werden lassen. BAISE-MOI möchte so gerne provokantes Arthouse-Kino sein, scheint dem Publikum mit seinen einkalkulierten Skandalszenen fast entgegenzuschreien: "Schaut her, ich bin anspruchsvolle Kunst!", bietet im Endeffekt aber nicht viel mehr als plumpe und billige Sexploitation auf unterstem Niveau. Der Einsatz der Handkamera wirkt mehr gewollt als gekonnt und der ganze Look des Streifens schwankt irgendwo zwischen Daily Soap und billigem Gonzo. Vergessenwert!


YOU KILL ME (USA 2007, Regie: John Dahl)

Nach einem verheißungsvollen Karriereauftakt Anfang der 90er Jahre mit den beiden grandiosen Filmen RED ROCK WEST und THE LAST SEDUCTION ist es ziemlich ruhig geworden um Regisseur John Dahl. YOU KILL ME aus dem Jahr 2007 stellt seine bis heute letzte Regiearbeit für das Kino dar, in den letzten Jahren war er leider nur noch als Regisseur bei diversen TV-Serien (u.a. CALIFORNICATION, BREAKING BAD, TRUE BLOOD und DEXTER) tätig. Ein Jammer, denn Dahl hat es richtig drauf, kleine aber feine Geschichten über schräge Typen zu erzählen.
Wie die Geschichte von Frank Falenczyk, der von Ben Kingsley in einer Art One-Man-Show zum Leben erweckt wird, einem Killer für die polnische Mafia, der seinen Job wegen eines Alkoholproblems nicht mehr zuverlässig ausüben kann und aus diesem Grund von Buffalo nach San Francisco zum Entzug geschickt wird. Frank arbeitet fortan in einem Bestattungsunternehmen, besucht regelmäßig die anonymen Alkoholiker und verliebt sich in die schlagfertige Laurel (Téa Leoni). Doch sein altes Leben und seine Sucht lassen ihn einfach nicht los...
YOU KILL ME ist einer dieser Filme, die man wohl einfach gerne haben muss. Dahl erzählt seine Geschichte auf ebenso ruhige wie komische Art und Weise, mit verdammt viel Dialogwitz, kuriosen Situationen und liebenswerten Charakteren. Neben dem hervorragenden Ben Kingsley ist YOU KILL ME mit Stars aus der zweiten Reihe Hollywoods wie bspw. der bereits genannten Téa Leoni, sowie Philip Baker Hall, Dennis Farina, Luke Wilson und Bill Pullman exquisit besetzt und es ist wirklich ein wahre Freude, solchen Typen vor der Kamera bei der Arbeit zuzusehen.
Und diese Sequenz, in der Ben Kingsley als Frank bei einem Treffen der AA von seinem wahren Job erzählt, lohnt schon allein die Sichtung dieses Films. Geheimtipp!


EVIL DEAD (USA 2013, Regie: Fede Alvarez)

Sam Raimis THE EVIL DEAD aus dem Jahr 1981 dürfte wohl für fast jeden Fan von Horrorfilmen so etwas wie den Heiligen Gral dieses Filmgenres darstellen. Zumindest ist er gemeinsam mit Romeros DAWN OF THE DEAD mein ganz persönlicher Heiliger Gral.
Wenn ein solcher Film dann plötzlich ein Remake spendiert bekommt, ist man wohl ebenso skeptisch wie gespannt. Ich persönlich war schon lange nicht mehr so auf einen Film gespannt wie auf EVIL DEAD von Regisseur Fede Alvarez. Und die Tatsache, dass das EVIL DEAD-Universum für Sam Raimi noch immer eine Herzensangelegenheit darstellt und EVIL DEAD von ihm höchstpersönlich, dem damaligen Hauptdarsteller Bruce Campbell und dem damaligen Produzenten Robert G. Tapert produziert wurde, ließ meine Neugierde auf den Film fast ins Unermessliche steigen.
Und die jetzige Sichtung des Remakes hat mich nicht enttäuscht. Regisseur und Drehbuchautor Fede Alvarez hat gemeinsam mit seinem Koautoren Rodo Sayagues eine nahezu perfekte Mischung aus neuen Ideen und wunderbaren Reminiszenzen ans Original gefunden. Alvarez' EVIL DEAD ist keine plumpe Nacherzählung des Originals, sondern variiert die Vorlage und erzählt eine ganz eigene Geschichte. Die Verwendung einiger ikonischer Einstellungen aus dem Original erscheint einem dabei nie als billige Kopie, sondern vielmehr als respektvolle Ehrerbietung an einen Klassiker. EVIL DEAD macht THE EVIL DEAD wahrlich keine Schande und kann in meinen Augen nur als rundum gelungenes Remake bzw. Reboot bezeichnet werden.
In Sachen Härte geht Alvarez übrigens ganz neue Wege und lotet definitiv Grenzen aus. EVIL DEAD steigert sich von Minute zu Minute mehr und endet in einem regelrechten Blutbad. Allen Splatter- und Gore-Freunden sollte hier definitiv das Herz aufgehen und die Arbeit der Special- und Visual-Effects-Crew kann man nur als ganz großes Kino bezeichnen.
Führt man sich vor Augen, dass EVIL DEAD in dieser Fassung auch ungekürzt mit einer 18er-Freigabe in den deutschen Kinos gelaufen ist und im September auch ungekürzt das Licht der deutschen Heimkinos erblicken wird, erscheint die in Deutschland noch immer bestehende Beschlagnahme von Raimis Original noch weitaus absurder als sie es ohnehin schon ist.


UNDERWORLD: AWAKENING (USA 2012, Regie: Måns Mårlind/Björn Stein)

Nachdem man im dritten Teil der UNDERWORLD-Reihe, der ja als Prequel funktionierte und die Vorgeschichte zu den beiden Auftaktfilmen erzählte, auf Kate Beckinsale in der Hauptrolle verzichten musste, kehrt diese in UNDERWORLD: AWAKENING wieder als Hauptdarstellerin in der Rolle der Selene zurück und lässt es erneut ordentlich krachen.
UNDERWORLD: AWAKENING ist zwar wieder einen Hauch besser ausgefallen als der unmittelbare Vorgänger, an die Qualität der beiden Auftaktfilme von Len Wiseman kommt Teil 4 allerdings nicht wirklich heran. Die beiden schwedischen Regisseure Måns Mårlind und Björn Stein - in den Credits bewusst cool und hip als "Mårlind & Stein" bezeichnet - interessieren sich nicht wirklich für eine Geschichte (der Plot des Films dürfte auf einen halben Bierdeckel gepasst haben), sondern scheinen eher die "Style Over Substance"-Fraktion ihres Publikums ansprechen zu wollen. In UNDERWORLD: AWAKENING kracht und scheppert es tatsächlich am laufenden Band, die Actionchoreographie kann größtenteils als richtig gut gelungen bezeichnet werden und Kate Beckinsale in ihren sexy Lack- und Leder-Outfits sowie der düstere Look (UNDERWORLD: AWAKENING spielt fast ausschließlich bei Nacht und ist zudem noch mit einem Blaufilter unterlegt) des Streifens tragen ihr übriges dazu bei, dass UNDERWORLD: AWAKENING durchaus nett anzusehen ist.
Allerdings auch nicht viel mehr. Denn die Taktik der beiden Regisseure geht in meinen Augen nicht wirklich auf. Mårlind und Stein gönnen ihrem Publikum praktisch keinerlei Ruhepausen. In UNDERWORLD: AWAKENING steht man als Zuschauer unter Dauerbeschuss und das wirkt - obwohl der Streifen verdammt kurz geraten ist; der Abspann setzt schon nach nicht mal 80 Minuten Laufzeit ein - insbesondere im letzten Drittel des Films doch sehr ermüdend.
Mårlind und Stein scheinen auf den Spuren eines Paul W.S. Anderson wandern zu wollen. Aber während es diesem immer wieder gelingt, den Zuschauer auf der visuellen Ebene so dermaßen zu fesseln, dass das Nichtvorhandensein eines Plots nicht wirklich störend wirkt, versagen die beiden Schweden hier auf ganzer Linie. UNDERWORLD: AWAKENING sieht gut aus, keine Frage, als Zuschauer sitzt man aber nie mit offenem Mund vor dem Bildschirm oder kriegt ob des gezeigten Spektakels große Augen. Und für einen Film, der tatsächlich in 3D gefilmt und nicht nur nachträglich konvertiert wurde, sind die 3D-Effekte absolut enttäuschend ausgefallen.

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ZAPFENSTREICH


Aufgrund der bevorstehenden Schließung der Filmforen, die ich als langjähriges Mitglied sehr bedauere, bin ich gezwungen, dieses Tagebuch hier zu schließen. Ironischerweise betrifft mein letzter Eintrag den Film Exodus - als hätte ich es vorausgeahnt. :P Obwohl das Schreiben über Filme mir bisweilen auch lästig ist, ist es mir doch über die Jahre eine liebgewonnene Tradition geworden, mit der ich nicht brechen will. Ich habe mich daher entschlossen, mein FTB als Filmblog weiterzuführen, und zwar hier:

http://camelbackcinema.blogspot.de/

Ich würde mich freuen, wenn der Ein oder Andere mal reinschaut und vielleicht auch - sofern er selbst ein Blog betreibt, mein Blog verlinkt. Solange das möglich ist, werde ich neue Filmeinträge im Filmtextregister verlinken.

Man liest sich (hoffentlich)...

Thomas

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Avengers - Age of Ultron...


...hat im Grunde ein einziges Problem, welches aber leider schwerer ins Gewicht fällt, als ich hoffte - der Film lässt sich nicht mehr von dem Universum trennen, dass sich um ihn herum aufgebaut hat. Als eigenständiges Werk gäbe es kaum etwas zu meckern: eine vor Charisma, Charme und Witz strotzende Truppe tritt zweieinhalb mitunter etwas lange Stunden lang in so noch nie gesehener technischer Brillanz einem James Spader, der auch gemotion-captured noch wunderbar arrogant, blasiert und allen überlegen wirkt, in den metallenen Arsch, ohne dass dabei Herz und Humor zu kurz kommen. Ja, hätten wir noch 2012 oder wären die "Avengers"-Werke das einzige, was Marvel alle drei Jahre raushauen würde, so wäre meine Resonanz wahrscheinlich pure Begeisterung. Doch in drei Jahren hat sich einiges getan, und es ist im Grunde erstaunlich, wie ein Erfolgskonzept in so kurzer Zeit obsolet wirken kann angesichts der Nachfolger und Ableger, die dann leider in vielen, für mich entscheidenden Belangen besser sind. Die Welt um Tony Stark & Co. kann noch so bunt, abgedreht und selbstreferenziell daherkommen, gegen Chris Pratt, der sich mit seiner Waschbär- und Baumbande plus grenzgenialem Soundtrack ein paar Lichtjahre entfernt in einem komplett unbekannten, neuen, verrückten Universum austoben darf, wirkt das Erdgeschehen ziemlich brav. Und die inneren Konflikte, welche die Supermenschen untereinander austragen müssen, und die vermeintlich die Gemeinschaft zu zerreißen drohen, sind im Vergleich zum astreinen 70er-Jahre Politthriller "Captain America - The Winter Soldier" (erwähnte ich schon, wie grandios ich den Redford-Casting-Coup fand?), und seiner alles auf den Kopf stellenden Geschichte, die dann wiederum bei den "Agents of S.H.I.E.L.D." im Fernsehen klug und gut weitergeführt wurde, fast schon putzig anzusehen. Und so schön Whedons Versuche sind, die "Avengers" mit einer kleinen Familiengeschichte zu erden und auf der anderen Seite mit gedimmtem Licht und dem ein oder anderen düsteren Ton die Stimmung etwas gruseliger zu gestalten, kommt er dahingehend doch nicht einmal an Marvels großes Serienmeisterwerk "Daredevil" heran, in dem echte, unfassbar müde Menschen um die Wette fluchten und bluteten, und das in einer Welt, in der niemand aussprechen musste, wie kaputt sie war, weil das schon alle in jeder Einstellung sehen konnten. Das klingt bös und erbsenzählerisch und ist wirklich Jammern auf allerhöchstem Niveau, außerdem sollte ich im Grunde froh sein, dass jemand alle diese genannten Aspekte in einen Film packen kann und trotzdem noch ein so kohärentes, spannendes Werk herauskommt, aber gerade von Whedon hatte ich, vielleicht auch angesichts des riesengroßen Hypes um die formidablen Trailer, doch mehr erwartet.

D.C.L.

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Maniac Cop


PADDINGTON, GUARDIANS OF THE GALAXY, THE AVENGERS....

meiner erfahrung nach filme, die man sieht, ohne sogleich zu wissen, wieso, doch, wegen irgendeines eskapistischen vorhabens vielleicht...dessen ungeachtet bleibt nichts zurück, doch, formelhaftes erzählen in bildern, nicht unbedingt verwerflich, da unvermeidlich (?) jedoch hier ohne leben (das heißt?)



MANIAC COP - gefährlich, wenn sich das verbrechen und dessen antagonist von rechts wegen - weil letzterer zu sehr eins geworden mit der gewalt, die er nicht nur repräsentiert, sondern auch in der rolle des exekutiven auszuüben stets bereit sein musste - erschöpft in die arme fallen und eine weitaus größere gefahr, eine alles verschlingende (das lebensbewahrende nivellierende) almaganisierung daraus hervorgeht. wirkt diese doch umso vernichtender, weil das ihr inhärente obrigkeitsvertrauen einer perfekt funktionierenden waffe gleichkommt, die vielen zum verhängnis werden muss und sobald ersichtlich geworden, welch hässliche fratze hinter der tarnung auf den nächsten zugriff lauert, keine flucht mehr möglich ist, denn nichts scheint mehr sicher...außer der tod. ..........und dies in seiner schmucklosen endgültigkeit widerspricht der eigentlichen handlung, denn ging es dem beinah-widergänger dem vernehmen nach um rache, begleichung einer rechnung, einen unverwirklichbaren ausgleich...spielt aber keine rolle.

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.....Umzug.....


Auch ich mache es nun hiermit offiziell und schließe dieses FTB.

Weiter gehts im neuen Blog und zwar bei : http://shortcutstotale.blogspot.de/

Bergman Retrospektive, Monatslisten und alles andere wird es ab sofort dort zu lesen geben.

Film Einträge werde ich hier ins Register speisen und wer weiß vielleicht ist das ja auch ein Ansporn ein wenig mehr zu schreiben ;)

In Planung sind :

-Fanny & Alexander (arbeite dran)
-Nach der Probe
-Sarabande
-Bergman Frühwerk

Danach gehts weiter mit einer Carl Theodor Dreyer Retrospektive.

Über Verlinkungen von anderen Bloggern würd ich mich sehr freuen :)

Alsdann,
bin dann nebenan.

Eingefügtes Bild

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Finally...


Ohne große Worte zu machen: Hüben ist Schluss; drüben geht's weiter :)

Wir lesen uns :funx:


THE END



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Wie eine Welle, wie die Gezeiten


Hiermit möchte ich dieses FTB schließen (bzw. nicht mehr aktualisieren).

Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen.

Wenn sich Perspektiven ändern, so ändern sich wohl auch Herangehensweisen.Gerade bei der Auseinandersetzung mit dem Medium Film.

Was es ist, was es sein wird? Wer weiß. Vielleicht ein Blog, vielleicht ein anderes FTB? Oder eine ganz andere Möglichkeit?

Einige Kollegen von hier sind ja auch auf Letterboxed aktiv. So habe auch ich mich entschlossen, dort meine Gedanken zum Film zu teilen. Aber auch mit dieser Plattform bin ich nicht wirklich zufrieden.

Was es also sein wird, wird sich erst zeigen. Allgemein kann man sagen, dass mir die Notwendigkeit einer qualitativen Auseinandersetzung mit Film vor einem rein quantitativen Konsum immer stärker klar geworden ist.

Lieber nur einen Film im Monat schauen, und sich mit diesem wirklich auseinandersetzen, als ein sogenanntes "binge-viewing" aka Komaglotzen (das größte Problem des Mediums Serie), wo man zwar in kurzer Zeit viel sieht, aber dabei kaum in die Tiefe gehen kann.

Film ist zu wichtig, um ein bloßes Konsumgut zu sein.

Den FF bleibe ich aber gewogen, keine Frage. Die Mischung aus Expertise, Herzblut, Ideenreichtum, Verschrobenheit und Spielerein mit Online-Identitäten ist wohl einzigartig in dieser Form für das Medium Film.

Besonders das Projekt MHTwill ich nicht ganz aus den Augen verlieren, hier ist wohl als nächstes wieder mal mit einem Beitrag meinerseits zu rechnen...

In diesem Sinne, man liest sich

lg
Norbert

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Mein Berlinale-Bericht 2015


Die Berlinale mit ihrer speziellen Festival-Atmosphäre ist für mich immer noch etwas Besonderes, und so habe ich nicht nur erstmals seit langem wieder mal einige Filme im Kino gesehen, sondern ich will aus diesem Anlaß ein paar Anmerkungen in meinem Filmtagebuch loswerden - auch dies erstmals seit langer Zeit.
Ich habe dieses Jahr mehr Filme gesehen als bei der Berlinale 2014, hatte insgesamt aber weniger Glück bei meiner Auswahl als damals. Trotzdem bekam ich auch sehenswerte Filme zu sehen, während mir ein echter Reinfall zum Glück erspart blieb.

Gesehen habe ich die folgenden Filme (in chronologischer Reihenfolge):

The Toll of the Sea [Retrospektive]
Inhaltlich erzählt der Film eine Liebesschnulze, deren Plot sich deutlich an Puccinis Oper Madame Butterfly anlehnt, nur daß hier China der Schauplatz des Films ist. Die Farben sind allerdings für einen Film von 1922 mehr als bemerkenswert: ganz natürlich wirken sie zwar noch nicht (das ermöglichte erst das Technicolor IV-Verfahren), doch die Farbgestaltung geht schon weit über die seinerzeit üblichen Viragierungen hinaus und nutzt die beschränkten Möglichkeiten des Technicolor II mit großer Raffinesse aus. Filmgeschichtlich daher von beachtlichem Interesse.

Beira-Mar [Forum]
Ein typisches Coming-of-Age-Drama über Selbstfindung und (Homo)sexualität: der junge Martin wird nach dem Tod seines Großvaters von seinem Vater zu dessen Haus geschickt, um eine undurchsichtig bleibende Angelegenheit, die mit dem Erbe zu tun hat, zu regeln; sein Freund Tomaz begleitet ihn.
Den Film empfand ich zunächst als recht sperrig, und eine ausgedehnte Partyszene hätte von mir aus auch kürzer ausfallen können. Andererseits muß ich mit dem Abstand von zwei Tagen einräumen, daß er stärker nachwirkt, als ich zunächst vermutet hätte. An den beiden jungen Hauptdarstellern fand ich Gefallen, und reizvoll ist es, hier einmal ein Brasilien im Winter fernab von allen Samba-Klischees zu erleben. Die Erzählweise ist aber fast schon zu elliptisch. Tomaz, der als Zeichner recht begabt ist, malt einmal in einer Toilette eine Frau ohne Mund an die Wand - so ähnlich wie diese Zeichnung kommt mir auch der Film vor: durchaus von Talent zeugend, wirkt er doch ein wenig unfertig.

I Remember [Perspektive Deutsches Kino]
Zwei junge Männer verbringen einige Tage in einem Haus am Strand und verlieben sich in dieselbe Frau, was zu Spannungen und Konflikten führt.
Der Film hat sehr atmosphärische Momente; weniger überzeugend als die audiovisuelle Gestaltung ist aber der auch für einen halbstündigen Kurzfilm eher schwache Plot. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte, die ihrerseits auf einen Song zurückgeht - das merkt man auch ein wenig.

Im Spinnwebhaus [Perspektive Deutsches Kino]
Der zwölfjähriger Jonas muß längere Zeit allein auf seine jüngeren Geschwister achtgeben, da seine psychisch kranke Mutter sich in Behandlung begibt und die Kinder mit dem Auftrag zurückläßt, dies geheimzuhalten.
Bei einem solchen Sujet drängen sich Vergleiche mit dem thematisch verwandten Meisterwerk Nobody knows von Hirokazu Kore-Eda förmlich auf. An dieses Werk kommt Im Spinnwebhaus bei weitem nicht heran, geht aber auch ganz andere Wege: der Film ist mit beinahe märchenhaften Elementen durchsetzt; besonders ein auf der Straße lebender junger Graf, der meist in Reimen spricht und Jonas öfters hilft, ist keine realistische, sondern romantische Gestalt. Diese Mixtur aus Sozialdrama und Märchen funktioniert (für mich zumindest) aber nicht so richtig und zieht den Film insgesamt ein wenig runter, was übrigens schade ist, denn der Film hat eindeutig seine Qualitäten: es gibt ein paar wirklich intensive Momente, die Schwarzweißbilder sind von großer Schönheit, und die Kinderdarsteller spielen fantastisch.

Mr. Holmes [Wettbewerb (Außer Konkurrenz)]
Der 93jährige Sherlock Holmes hat sich schon lange auf das Land zurückgezogen, wo er mit seiner Haushälterin und deren Sohn Roger zusammenlebt. Während seine Beziehung zu dem intelligenten Jungen immer enger wird, kämpft Holmes gegen den allmählichen Verlust seines Gedächtnisses und versucht sich daran zu erinnern, was bei seinem letzten Fall schiefgelaufen ist... Schließlich erkennt Holmes, der immer nur Fakten zusammengetragen und gedeutet hat, in seinem letzten Lebensabschnitt noch den Wert der Fiktion.
Ein schöner, melancholischer, bisweilen aber auch amüsanter Film über die Bürden des Alters, das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit, über unbewältigte Schuld und über Bienen und Wespen, der seine klug entwickelte Geschichte etwas verschachtelt erzählt und auf angenehme Weise altmodisch inszeniert ist. Getragen wird der Film vor allem von seinen ausgezeichneten Darstellern, wobei der wunderbare Ian McKellen an erster Stelle zu nennen ist.

Eisenstein in Guanajuato [Wettbewerb]
In seinem ersten Film seit langer Zeit thematisiert Peter Greenaway Sergej Eisensteins Aufenthalt in Mexiko, wo Eisenstein einen Film drehen sollte, der dann aber gestoppt und nicht mehr von Eisenstein selbst geschnitten wurde. Greenaway hat seinen Filmen mit kurzen Ausschnitten aus Eisensteins berühmtesten Werken gespickt und läßt über den Zuschauer enorme Bilderfülle hereinbrechen, wobei er zwar großes Können beim Umgang mit seinen Mitteln (so etwa die häufige Dreiteilung des Bildes) zeigt; trotzdem nutzen sich die formalen Kunstgriffe dieses Virtuosenstücks recht bald ab. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, daß Greenaway sich nur sekundär für den Filmemacher Eisenstein und den kreativen Schaffensprozeß interessiert, und deutlich mehr dafür, wie der sexuell unerfahrene Eisenstein homosexuelle Erfahrungen macht. Im Mittelpunkt steht dann auch eine meines Erachtens ziemlich alberne Szene, in der Eisenstein von seinem mexikanischen Begleiter regelrecht entjungfert wird und die damit endet, daß dieser Eisenstein eine rote Revolutionsfahne in den Hintern steckt. Letztlich ein Film, dessen eher dürftiger Inhalt mit der formalen Gestaltung, die zumindest stellenweise brillant ist, nicht mithalten kann, und der zwar durchaus seinen Unterhaltungswert hat, von Greenaways Meisterwerken der 80er aber Lichtjahre entfernt ist.

Knight of Cups [Wettbewerb]
Während Terrence Malick früher ein lyrischer Erzähler unter den großen Filmregisseuren war, ist er mittlerweile zu einem reinem Lyriker geworden. Dementsprechend sperrig ist Knight of Cups, der thematisch übrigens recht eng mit The Tree of Life verwandt ist, denn die Lebens- und Familiengeschichte der Hauptfigur (soweit sie sich dem Zuschauer erschließt) weist sehr deutliche Parallelen zu jener des ältesten der drei Brüder in The Tree of Life auf. Wirklich neu an dem Film ist aber, daß erstmals bei Malick die Großstadt eine Hauptrolle spielt.
Natürlich habe ich den Film nicht verstanden - allenfalls auf einer recht oberflächlichen Ebene; ich muß auch zugeben, daß es mir schwerfiel, diesem zweistündigen Bildergedicht stets mit der dafür eigentlich erforderlichen Konzentration zu folgen. Gewiß: für den Mut, die Radikalisierung seines filmischen Stils mit solcher Konsequenz zu betreiben, gebührt Terrence Malick Respekt - den Zuschauern, die bereit sind, ihm auf dem zuletzt eingeschlagenen Weg noch zu folgen, allerdings auch.

Snow White and the seven Dwarfs [Retrospektive]
Der erste abendfüllende Zeichentrickfilme aus dem Hause Disney ist zugleich einer der besten. Der Film folgt im wesentlichen dem Handlungsablauf des Grimmschen Märchens, läßt aber zwei Mordanschläge der bösen Königin weg, die im Film auch ein anderes Ende nimmt (das nicht so sadistisch wie im Märchen ist). Natürlich wird, wie fast immer in einem Disney-Zeichentrickfilm, viel gesungen, doch das läßt sich aushalten, und es gibt eine Fülle amüsanter Einfälle, gerade eine große Putz-Szene, in der das Zwergenhaus gereinigt wird, steckt voller putziger Details. Sehr gut gefallen hat mir auch, daß jeder der Zwerge eine ganz eigene Persönlichkeit hat. Am eindrucksvollsten fand ich aber doch die düsteren Sequenzen, die von der bösen Königin beherrscht werden (ich habe nun mal eine Vorliebe fürs Finstere...). Die Farben setzt der Film sehr dezent ein, richtig leuchtend und intensiv ist aber der vergiftete Apfel. Die zahlreichen bei der Vorführung anwesenden Kinder folgten dem Film begeistert und zeigten so, daß er trotz seines Alters jung geblieben ist.

Das war dann meine bescheidene Filmauswahl bei der diesjährigen Berlinale. Sehr schön an den diesjährigen Filmfestspielen waren (wie schon in früheren Jahren) die Begegnungen mit Gerngucker, Short Cut und Travis; das größte Ärgernis war dagegen kein Film, sondern die Sperrung des Nord-Süd-S-Bahntunnels, die meine Fahrten erheblich verkomplizierte.

Und das war es dann auch schon...

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Agnès Varda Retrospektive auf MUBI


Ich habe mich heute hier im Forum angemeldet und das Gefühl das die Einträge alle recht old school ausschließlich das Fernsehprogramm oder DVD/BD Veröffentlichungen einbeziehen. Ich reise beruflich viel und bin daher seit einiger Zeit bei verschiedenen VOD-Anbietern angemeldet. Da ich ein großer Fan von Nouvelle Vague Filmen und generell von altem europäischen Kino bin, verfolge ich zur Zeit die Agnès Varda Retrospektive bei MUBI. "Le Bonheur" (1965) ist einer von Vardas großen Filmen, der so treffend die menschlichen/männlichen Makel auf den Punkt bringt. "Daguerreotypen - Leute aus meiner Straße" ist ein anderer sehr interessanter Film, der gerade auch läuft. Er hat mich zum Nachdenken angeregt, wer eigentlich so in meinem direkten Umfeld wohnt und wie wenige Leute man eigentlich kennt, die in der direkten Umgebung ihr Leben verbringen.

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Das bleibt mir von 2014


Ich gehe gerne ins Kino! Böse Zungen könnten behaupten, dass mir das Ereignis Kinobesuch wichtiger ist als der Film an sich, was hoffentlich übertrieben ist. Etwa 40 mal
war ich im Vorjahr Kino, wobei dies auch Freiluftveranstaltungen u.ä. beinhaltet. Nur 15 mal
waren es aktuelle Filme. Und selbstverständlich habe ich auch daheim einige wenige Filme gesehen. Und folgende sind mit positiv in Erinnerung geblieben:

Filme dich ich mit Freude im Kino wiedergesehen habe

Marnie Alfred Hitchcock
Otto e mezzo SW Federico Fellini
Il buono, il brutto, il cattino (Langfassung) Sergio Leone
The Shining (erstmals US Version) Stanley Kubrick
Shadow of a Doubt SW Alfred Hitchcock
Jules et Jim SW Francois Truffaut
Fahrenheit 451 Francois Truffaut

Rear Window Alfred Hitchcock

Ein Film von geradezu beängstigender Perfektion, dem es gelingt, Avantgarde und
Autorenanspruch mit dem Star-und Unterhaltungskino a la Hollywood nahtlos zu verbinden.


Beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino)

Confessione di un comissario di polizia al procuratore della republicca Damiano Damiani

Lange und trocken ist der Originaltitel, kurzweilig und einprägsam ist der Film.
Ein Mafiathriller der mit grellen Farben arbeitet und dadurch leicht zu konsumieren ist,
ohne deswegen ins triviale abzugleiten

Z Costa Gavras

Ähnliches gilt auch für diesen einst höchst populären Politthriller, der konkret in die damals
aktuelle Politik eingriff, und gleichzeitig ein Lehrbeispiel dafür gibt, wie eine Demokratie ausgehölt werden kann. Die grandiosen Bilder stammen von Raul Coutard, der zuvor für Truffaut und
Godard arbeitete.

Monsieur Verdoux SW Charles Chaplin

Obwohl es filmtechnisch ein wenig angestaubt wirkt, ist dieses Spätwerk Chaplins eine
beängstigend aktuelle Fabel über den schrankenlosen Kapitalismus, die teilweise zum
brüllen komisch ist. Weniger populär als The Great Dictator, aber wahrscheinlich der
bessere Film.

The Man Who Knew too Much SW (UK-Urversion) Alfred Hitchcock

Kurzweilig und unterhaltend, ist er von der typischen Handschrift Hitchcocks geprägt.
Vielleicht sind die einzelnen Szenen die einzelnen Komponenten noch nicht ideal
ausbalanciert, was aber das Vergnügen nur geringfügig schmälert. Und Peter Lorre,
der hier seine erste englischsprachige Rolle spielt, ist ein fantastischer Schurke.

Bande a part SW Jean-Luc Godard

Eigentlich ist an diesem Film nicht viel dran. Ja, wahrscheinlich ist er nur ein Nebenwerk
Godards. Aber trotzdem besitzt er eine unglaubliche Strahlkraft, war es ein großes Vergnügen
ihn anzuschauen. Das ist die Art von Film, die Tarantino immer machen möchte, aber
doch nicht ganz zusammenkriegt.

Juste avant la nuit Claude Chabrol

Ein SM-Spiel(Atemreduktion), auf das sich Charles nur widerwillig eingelassen hat, führt
zum Tod der Frau, der Gattin seines besten Freundes. Von der Polizei bleibt er unbehelligt,
aber es plagen ihn Gewissensbisse. Ein subtiler und perfider Film über Schuld, Sühne und
Sadomasochismus bei Wahrung des bürgerlichen Scheins.


Besonders beeindruckende Neuentdeckungen(nicht nur im Kino):

Il gattopardo Luchino Visconti

Ein höchst aufwendiger Kostüm und Historienfilm, wo die visuelle Pracht nicht nur dazu
dient, das Auge zu erfreuen und die Zuschauer zu beeindrucken, sondern dazu
ein Geschehen zu vermitteln. Ein zutiefst persönlicher Autorenfilm, dem ein gigantisches
Budget zur Verfügung stand. Einer meiner absoluten Kinohighlights des Vorjahres.

Il deserto rosso Michelangelo Antonioni

Antonioni gehört zu den großen Erneuerern des Kinos. Hier erzählt er fragmentarisch
von einer neurotischen Frau, die mit der Industrialisierung im Wirtschaftswunderland
Italien der frühen 60er nicht zu Rande kommt. Kein Film der leicht zu konsumieren ist,
aber einer der höchst eindrucksvoll ist.

Jagten Thomas Vinterberg

Es gibt Filme die die Zuchauer auf emotionale Distanz halten (wie etwa Il deserto
rosso)und solche die bewusst emotionalisieren. Zu dieser Kategorie gehört Jagten
Ein wahrlich aufwühlender Film über einen Kindergärtner, der zu unrecht des
sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

Le journal d une femme de chambre SW Luis Bunuel

Frühe 30er, Celestine(eine undurchschaubare Jeanne Moreau), tritt am Land ihren Dienst als
Kammerzofe an. Die Hausfrau ist gespreitzt und frigide, der Mann hat nichts als Sex im Schädel,
der Vater ist ein Schuhfetischist und der Gärtner ein Faschist und wahrscheinlich auch ein
Kindermörder. Bunuels Filme strahlen eine große Leichtigkeit aus, hier ist sie mit Unerbittlichkeit
gemischt.

Le deuxieme Souffle SW Jean-Pierre Melville

Ein weiterer großer existentialistischer Gangsterfilm Melvilles. Ein alternder Gangster, Lino
Ventura als Gu Minda, glaubt nach einem Gefängnisausbruch eine zweite Chance,
einen zweite Atem zu haben. Schon die Anfangssequenzen machen klar, dass dem nicht so
ist.

Le genou de Claire Eric Rohmer

Rohmers einzigartige Form des Kinos, gibt einem die Möglichkeit, Menschen besser kennenzulernen, und hinter ihrem eloquenten Redeschwall zu blicken. Und das ist eine
aufregende Angelegenheit, obwohl seine Filme so undramatisch sind. Claires Knie
ist erst mein dritter und wohl schönster Film Rohmers.


Der Kinojahrgang 2014

10. Bande des filles Celine Sciama

Ein sehenswerter Film im Breitwandformat über Freiheits und Zukunftsträume junger schwarzer
Mädchen einer pariser Vorstadt, die mit einer weniger erbaulichen Realität kollidieren.

9. Nebraska SW Alexander Payne

Alexander Payne unternimmt hier einen Ausflug ins recht ärmliche wirkende amerikanische
Hinterland und seinen höchst provinziellen Einwohnern Reiseleiter ist ein alter Mann
(Bruce Dern) der sich einbildet einen großen Lottogewinn gemacht zu haben.

8. Her Spike Jones

Weniger dem Realismus verpflichtet ist diese SCI-FI Romanze zwischen einem femininen
Mann und seinem Betriebssystem. Scarlett Johanssons erotische Stimme reicht aus,
diese Romanze in dieser schrecklich schönen neuen Welt voller angenehm gedämpfter
Farben (und komischer Männerhosen) für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen.

7. Clouds of Sills Maria Olivier Assayas

Ein Film über eine große Schauspielerin(Juliette Binoche) und ihrer weit
jüngeren Assistentin (Kirsten Stewart) der eine Unzahl von Anküpfungspunkte bildet.
Der Generationskonflikt ist nur einer davon. Faszinierend aber auch ein wenig sperrig.

6. Nymphomaniac I+II Lars Von Trier

Nymphomaniac ist voller expliziter Sexszenen und gleichzeitig vollkommen unerotisch und
ungeil. Auf was Von Trier damit hinaus will lässt sich schwer sagen. Was ich aber sagen
kann ist , dass es ein Werk der Negation ist, und eine einzigartige Erfahrung darstellt.
Zweiteres ist der Grund, weshalb die Filme in dieser Liste aufscheint.

5. Le Passe Ashgar Farhadi

Weit konventioneller ist dieser Film über eine Frau, deren Exmann, der zur formalen
Scheidung aus den Iran nach Frankreich kommt, und deren neuen Lebenspartner.
Dafür ist er auch lebensbejaender und gibt einen interessanten und kurzweiligen
Einblick in den zeitgenössischen "Beziehungssalat".

4. The Grand Budapest Hotel Wes Anderson

Dieser herrlich skurrile, höchst gelungene Film ist voll Trauer über eine verlorene so
nie dagewesene (mitteleuropäische) Vergangenheit. Stefan Zweig inspirierte Anderson,
dessen typische Handschrift auch hier unübersehbar ist, dazu. Und das passt auch
zu ihm,schließlich sind seine Filme sonst voll Sehnsucht nach einer so nie dagewesenen
Kindheit.

3. Deux jours, une nuit Gebrüder Dardenne

Eine Frau muss ihre Kollegen davon überzeugen, gegen ihre Entlassung zu stimmen,
und dafür auf eine Prämie zu verzichten. Wir begleiten diese Frau(Marion Cotillard)
dabei, wie sie ihre Kollegen abklappert. Die Dardennes und die Hauptdarstellerin
(Oscarnominierung!) machen daraus eine aufregende Angelegenheit.

2. Boyhood Richard Linklater

Filme anschauen bedeutet auch, der Zeit beim Vergehen zuzuschauen. Ganz besonders
gilt das für Boyhood, der uns die Möglichkeit gibt das Heranwachsen eines Buben und
dessen Schwester im Zeitraffer zu verfolgen. Ein wunderbarer Film über die Poesie des
alltäglichen, und über das Vergehen der Zeit.

1. Under her Skin Jonathan Glazer

Ein Science Fiction Film, der zwischen dokumentarischen, mit versteckter Kamera
gedrehten und extrem stilisierten Szenen pendelt und dabei vieles im Dunkeln belässt.
Sicherlich kein makelloser Film, aber einer der mir intensive Sinneseindrücke verschafft
hat.

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Samurai Rebellion (1967)


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Samurai Rebellion
(Japan 1967, Masaki Kobayashi)

Japan, 18. Jahrhundert: Unter dem Tokugawa-Shogunat herrscht eine geradezu diktatorische Ordnung. Die Hierarchie der Ständegesellschaft ist unantastbar und den Worten des lokalen Regenten nicht zu widersprechen, egal wie groß die Willkür.
So wie das strikte Reglement jede Geste, jede kleinste Handbewegung durchdringt, so sind auch die Filmbilder streng durchkomponiert. Die Figuren sind wie eingesperrt in den geometrischen Flächen, Rastern und Linien des Samurai-Anwesens, in dem der Großteil des Films spielt.

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Die Rebellion, die der Titel anspricht, ist keine organisierte Aktion, sondern es sind vereinzelte Verzweiflungstaten ohne Aussicht auf Erfolg, die aber dennoch den gesamten Film zu erschüttern scheinen: Das Aufbegehren einer Frau gegen den Herrscher zeigt Kobayashi in kurzen, unscharfen Standbildern; Am Ende zerlegen der Protagonist Sasahara (Toshiro Mifune) und sein Sohn geradezu ihr Haus (und man könnte sagen, damit auch die Enge, die das Haus repräsentiert) in Vorbereitung auf den Endkampf.

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A Real Hero


DRIVE (USA, 2011)


https://www.youtube....h?v=BHgYtKkSEDA


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100%


Nur etwas mehr als eine Handvoll gibt es davon für mich, nur alle paar Jahre erscheint einer: Der vollkommene Film.

Bittersüße Lovestory, blutiges Gemetzel.
Urbaner Rambo in Lost In Translation.

Auf beste Art angereichert mit interpretatorischen Bezügen, die bei jeder Sichtung zur erneuten Entdeckungsreise einladen.
Und so wunderschön: Bildsprache, Soundtrack, Story - absolute Perfektion.

Carey Mulligan mit ihrem Lächeln hat mich dazu gebracht, bei Amazon einen neuen Bestand an zu sichtenden DVDs zu kaufen.

Ich spare an Worten und wiederhole stattdessen einfach nur, was für sich selbst spricht:


100%

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Filme auf der Insel sind immer etwas besonderes. Schon, weil du sie in dieser anderen Welt guckst. Und glaube mir, der Mars ist eine andere Welt. Und weil sie ganz anderen Zwecken dienen, als die, die du aus beruflichen, Fan-technischen, filmwissenschaftlichen oder gesellschaftsdrückerischen Gründen guckst. Nämlich nur, um die Beine mal hochzulegen, eine Siesta zu überbrücken, oder vor dem Pennen noch mal auf andere Gedanken zu kommen. Auf Lanzarote war Tom-Atkins-Woche. Nicht zu verwechseln mit Christopher Atkins, der "Fackel" aus "Top Secret".

Birgit

In Rottach-Egern gab es Mitte der 80er drei Hotels der absoluten Luxusklasse. Das Bachmair am See, die Überfahrt, und den Walters Hof. Das Bachmair am See stand lange im Ansehen weit über den anderen, in den 70ern war dort Harald Juhnke Dauer-Showact, im Publikum des Night Club traf man Weltstars, Bayernspieler, Luxushuren. In den 80ern verkam es zur Kulisse für Fernsehkitsch a la "Schwarzwaldklinik", bot aber immer noch mit seinen diversen exquisiten Wohnanlagen und Spezialitätenrestaurants den Bayern und vielen Unterhaltungsstars eine Heimstatt. Heute ist es kaum mehr als ein Abglanz seiner großen Zeit, keiner von meinen im Tal verbliebenen Freunden wußte zuletzt gutes darüber zu berichten.

Die Überfahrt hatte den Touch des Neumodischen, aber den besseren Abschlepphafen im Nightclub-Keller. Damals wie heute. Die Überfahrt heißt Überfahrt, nicht um Engländer zu amüsieren, sondern weil man von dort mit einem Nachen die 200 Meter Seelinie nach Tegernsee übersetzen konnte, ohne fünf Kilometer einmal um die ganze Bucht zu latschen. 1984 hat mir Michaela dort auf einer Kellertreppe einen Iro geschnitten, der mir eine Beförderung beim Bund ersparte. Die Überfahrt wurde 2001 auf sehr umstrittene Weise renoviert. Ecki und andere fluchen darüber, aber mir gefällt ihr lush 60er-Art-Deco-Design recht gut.

Der Walters Hof war im Gegensatz zu den vorgenannten 1985 noch eine bessere Kneipe, aber immerhin schon das drittfetteste Kätzchen am Platz. In seiner Küche kochte Tim Kock (hihi), der später erfolgreich bei Iris Berben am Wiener Platz andockte. Tim war ein Punk aus Plön in Schleswig-Holstein, um die 20 wie ich, und lag soziokulturell mit mir auf einer Wellenlänge. Ich hatte 1983 mal im Bachmair am See gespült und fühlte mich auf eine perverse Art befördert, als ich als "Hausbursche" im Walters Hof anheuerte. Dann gab es noch Birgit, Kellnerin im Walters Hof und Tims heiße Freundin.

Birgit war ein aschblondes, hundertprozentiges A-Listen-Babe mit lupenreinem Mannheimer White-Trash-Pedigree. Blaue Kugelaugen, Schmollmund, Stupsnase, Dauerwellengebirge, die perfekte Figur. Ich hatte es auch nicht schwer, bei schönen Frauen anzukommen, mußte mich dafür aber bemühen. Tim fielen sie nur so um den Hals. In den paar Jahren, in denen wir gemeinsam um die Häuser zogen, hatte er drei Weiber, auf die ich selbst scharf war, und die anderen hätte er auch alle haben können. Nicht wie die Nase eines Mannes, sondern wie die Größe. Tim war 1,95 Meter. Dazu blond, bauäugig und schön. Und nicht blöd.

Ich aber stehe auf Spanking. Popoklatsch. Bin nachgerade davon besessen. Das wußte aber damals niemand. In einer Straßenbande ist es nicht gesund, sich allzu direkt zu abstrusen Perversionen zu bekennen, und sei es noch so eloquent formuliert. Nur ein paar ausgewählte Mädels wußten Bescheid. Die mit den roten Hintern.

Tim aber nannte eine Bude sein eigen, die damals ihresgleichen suchte. Großes Haus am Hang oberhalb vom Tegernsee. Unten eine öffentliche Disco, oben eine gigantisch große Wohnung mit rund ums Haus reichendem Balkon. Das war die Wohnung von Tim. Bei Tim haben wir gerne Videoabende veranstaltet, wie sich wohl versteht. Erst unten zechen und vielleicht ein bißchen Stunk machen, dann hoch in Dr. Evil's Secret Lair (so kommt es mir heute vor), und aus dem Bierkasten weiter trinken. Und einen Film gucken. "Nightmare" von Romano Scavolini zum Beispiel, "Hardrock Zombies", oder "Kleine Teufel", noch immer ein Geheimtip. Die alle habe ich da zuerst gesehen. Heute aber steht eine Zweitsichtung (für mich) auf dem Programm: "Creepshow" von George Romero.

Birgit trägt einen hauchdünnen Jogginganzug und schmiegt sich auf der Couch eng an mich. Sweeeet. Zum Glück ist und war Tim nie eine halbe Sekunde eifersüchtig. Es folgt die teilanimierte Eröffnung, in welcher ein Knabe sein Comic Book verliert an einen autoritären Dad, der ihm für den Wiederholungsfall in Aussicht stellt, einige Tage nicht sitzen zu können. Worauf sich Birgit zu mir umwendet, mich mit großen Augen anblickt, und mit anbetungswürdigem Gesichtsausdruck erklärt: "So was hat mein Vater auch mit mir gemacht. Mit dem Handfeger. Aber auf den nackigen Arsch."

Ich blicke fassungslos zurück, stammele etwas wie Uiuiui und denke mir meinen Teil. Sonst bin ich um spontane Reaktionen weniger verlegen ("Das hast du verdient, weil du immer die Bay City Rollers gehört hast."). Und wissen die Weiber eigentlich, was sie mit so etwas bei Männern anrichten können? Der strenge Vater aus "Creepshow" aber, der mir diesen unvergesslichen Moment bescherte, war Tom Atkins. Mir schon bekannt von

The Fog

aus dem Jahr 1980. Zufällig bin ich zu Halloween auf Lanzarote. In Spanien interessiert sich für Halloween genau gar keiner. Ist bloß ein schwuler amerikanischer Kackwichs für die. Und auf Lanzarote gefühlt gleich noch weniger. Nur ein paar blöde Briten zeigen falsche Flagge, schleifen unverdrossen feiste Kinder in albernem Fummel durch die tropische Nacht.

Ich aber falle Abends nach des Tages Action gerecht entkräftet in die Couch und werfe den Fernseher an. Bin noch nicht bettreif. Da müssen doch Horrorfilme kommen. 200 Programme, aber fündig werde ich bei ARD oder ZDF. Da gibt es "The Fog". Tom Atkins ist der Star. Nahezu augenblicklich muß ich an Birgit denken, ihren geilen Arsch, und den Spaß, den ihr Dad hatte. Gehabt haben mußte. Um es nochmal zu unterstreichen. Danke, mein Namensvetter. Und dann ist da Adrienne Barbeau. Ihr habt euch sicher schon gefragt, ob dieser Blog noch sexistischer geraten kann. Na, schaun mer mal.

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Magical History Tour: Edgar Wallace - Das Wirtshaus von Dartmoor (Rudolf Zehetgruber, 1964)


Bekannter "Wallace"-Klassiker, lief damals im Kino. Anderthalb Sterne aber beinah ausschließlich für das sleazig inszenierte Dekolleté des so genannten "Schankmädchens". Freilich hält der Film die eine oder andere schöne generische Blüte bereit, von inszenatorischer Raffinesse aber - oder gar nachvollziehbarer Leidenschaft - ist man jedoch weit entfernt. Freuen darf man sich über Kleinigkeiten wie etwa so Sätze wie "Du, Kleine, ich habe noch nie daneben geschossen!" Wem das reicht... Hin und wieder auch ein müder Witz. Ansonsten durchaus sehr öde.

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The Brotherhood of Tears


The Brotherhood of Tears (La confrérie des larmes)
Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013, Regie: Jean-Baptiste Andrea

Seit dem Unfalltod seiner Frau ist Ex-Polizist Gabriel von der Spur abgekommen: Spielsüchtig und Alkoholiker geworden, hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, die aber manchmal auch nicht für das Essensgeld seiner 12jährigen Tochter Juliette reichen. Zudem hat er auch schon über 16.000 Euro Spielschulden beim lokalen Kartell. Diese werden jedoch eines Tages von einem ehemaligen "Kunden", der dank einer Aussage Gabriels wesentlich weniger Jahre im Gefängnis verbringen musste, überraschend beglichen, auch bietet dieser ihm einen vortrefflich bezahlten Job an: Man muß nur 8 Stunden am Tag in einem Büro in einem ansonsten leerstehendem Gebäude ans Telefon gehen. Das Telefon dort klingelt aber nicht, trotzdem findet Gabriel aber jeden Tag einen Lohn von 5.000 Euro in bar in seinem Briefkasten...

Solider Thriller, der nicht unbedingt neue Akzente setzt, aber durchaus zu unterhalten vermag. Der hier nicht gespoilerte weitere Plotverlauf bietet dann auch noch einige aufwendige Schauwerte in eindrucksvollen Locations und die Auflösung ist zwar nicht unbedingt spektakulär, aber halbwegs originell. Bonuspunkte für Audrey Fleurot, die hier eine gleichzeitig kühle, emanzipierte aber auch sehr erotisch aufgeladene rothaarige Polizistin gibt und an Sgt. Penhaligon aus Cracker/Für alle Fälle Fitz erinnert.

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Wu Ji


Wu Ji (Chen Kaige/China/Südkorea/USA/2005)


Mit gut 9 Jahren Verspätung habe ich nun endlich Chen Kaige's viel Gescholtenes Fantasy-"Epos" gesehen.
Zuerst möchte ich sagen das ich Leute die mit dem Film nichts anfängen können, ihn lächerlich und schlecht finden durchaus verstehen kann. Asiatisches Kino findet zwar in den letzten Jahren bei uns ein etwas breiteres Publikum und bekommt auch viele DVD-Veröffentlichungen, ein Werk wie "Wu Ji" ist dann trotz allem doch sehr speziell für westliche Gewohnheiten und kann nicht jedem gefallen(aber auch erfahreneren Asien-Fans muss der Film natürlich keinesfalls gefallen). Chen Kaige ist ja schon ein alter Haudegen und hat immerhin absolute Klassiker wie "Farewell My Concubine" auf dem Konto, trotzdem muss man sich fragen was ihn hier teilweise geritten hat. Auch ich hatte nach den ersten Minuten schon den Eindruck das meine schlimmsten Befürchtungen wahr werden. So wirkte alles auf mich sehr penetrant und etwas billig, die dramatische Geschichte, die Farben und auch die Kamera. Von den grottigen Computereffekten ganz zu schweigen (die werden auch nicht mehr viel besser im Laufe des Films). Wenn man dann auch eher mit einem Historien-Film rechnet ist man nach wenigen Minuten schon etwas am verzweifeln und kratzt sich am Kopf. Wenn man "Wu Ji" dann aber als das sieht was er ist, nämlich ein recht trashiger und durchgeknallter, mit Dramatik angereicherter Fantasy-Film, dann kann man durchaus seinen Spass haben. So steht der Film schon irgendwie ein wenig in der Tradition älterer und beliebter HK-Fantasy Klassiker. Da ich seit jeher solche Filme vergöttere hatte ich doch noch meine kleine Freude mit "Wu Ji", auch wenn er sicherlich nicht großartig ist.

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A stench from the trench


The return of the vampire (1944)

Ein Werwolf ist der Diener des titelgebenden Untoten, der sich später als Armand Tesla herausstellen soll. Der rumänische vampirgewordene Vampirforscher belästigt kurz nach dem 1. Weltkrieg die Familie Saunders, speziell deren kleine Tochter. Pädophilie, ick hör Dir trapsen. Glücklicherweise gibt es in London nicht so viele Friedhöfe, weshalb der Vampir schnell gefunden ist. Die Wissenschaftler wissen dank ihrer Mikroskope natürlich, daß man ihm einen Sporn ins Herz treiben muß, was auch den Werwolf von seinem Fluch erlöst und ihn zu einem guten Laborgehilfen umfunktioniert.
Bei DEM Titel ist das aber natürlich nicht alles. Zwanzig Jahre später wird bei einem Luftangriff London bombardiert. Dem exponierten Vampirleichnam wird unwissentlich von gutmeinenden Grabschauflern wieder Leben eingehaucht oder was Vampire dafür halten. Der auferstandene Jesus Vampir hat nichts anderes zu tun, als seinen alten Gehilfen Wulffi wieder unter seine Kontrolle zu bringen, um dem inzwischen nicht mehr ganz so blutjungen Mädel nachzustellen. Dafür gibt er sich als entflohener KZ-Häftling aus, denn die Wissenschaftler sind auch begeisterte Widerstandskämpfer. Gefahr droht, daß sich die Vampirseuche innerhalb von London ausbreiten wird; einige enge Freunde der Familie weisen bereits Bißspuren am Hals auf.

Der Film beginnt schon einigermaßen irrwitzig. Der aufbrausende Werwolf und der dunkelmunkelnde Vampir passen nur sehr bedingt zusammen in einen Film. Das Auftreten von niedlichen Kindern und Hunden in der Eröffnung läßt auch nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist die Präsentation der Filmkulissen zwar stimmungsvoll, aber das Handeln der Personen ist mehr als einmal augenbrauenhebend. In gewisser Weise imitiert der Film, obwohl von Columbia produziert, den Untergang der Universal-Monsterfilme, die zeitgleich versuchten, ihre Erfolgswelle mit Filmen der Marke Frankenstein's Sohn und der Unsichtbare treffen die Werwolfmumienfrau zu verlängern. Erfolglos, wie wir jetzt wissen.

Dieses Schicksal hätte auch The return of the vampire blühen können. Glücklicherweise hat der Exil-Deutsche Kurt Neumann am Drehbuch mitgearbeitet und so wird, wie schon in Invisible Agent, recht geglückt der Weltkrieg eingeflochten, der gerade am anderen Ende der Welt tobte. In der Tat ist die Figur des Dracula hier als Kriegssymbol lesbar. Er ängstigt die Familie am Ende des ersten Weltkrieges, ist 20 Jahre abwesend, um dann nach einem Nazi-Bombenangriff aufzuerstehen. Nicht nur daß: er unterwandert auch die englische Bevölkerung inmitten von London, indem er sich als geflohener KZ-Häftling ausgibt, den er zuvor beseitigen ließ. Die Angst vor der verführerischen Macht der Nazi-Spione; aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, aber zumindest in Zeitdokumenten häufig virulent.
Wir wissen leider nicht, was aus diesem Film geworden wäre, wenn Neumann, dem wir The Fly und Rocketship-XM verdanken, die Regie geführt hätte. Vermutlich hätte er die Geschichte straffer erzählen können, mit weniger hirnverbiegenden Schlenkern. Aber auch so lohnt sich ein Blick auf den Film allemal.

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Jahresrückblick 2013


Nun liegt mein letzter Tagebucheintrag auch schon wieder fast ein halbes Jahr zurück, und so schließt sich an die Halbjahresbilanz auch gleich mein Jahresrückblick 2013 an. Derzeit bleibt mir wenig Zeit für eine umfangreichere Forumsaktivität. Filme sehe ich nach wie vor recht viele, und bin seit geraumer Zeit ehrenamtlich selbst zu einem Kino-Mitgestalter geworden (was viel Zeit bindet aber auch Spaß bereitet). Der Austausch über gesehene Filme geschieht dabei stärker denn je im Kreise Gleichgesinnter vor Ort. Dennoch herzliche Grüße meinerseits hier in die Runde.


Mein Jahresrückblick 2013


Mein beeindruckendstes FILMERLEBNIS 2013:
  • Die Nibelungen (Fritz Lang)
Ein wahrlich „großer“ DVD-Abend im Freundeskreis bescherte mir mit dem monumentalen Stummfilm-Zweiteiler von Fritz Lang mein stärkstes Filmerlebnis 2013. Schon lange vor mir hergeschoben kamen „Die Nibelungen“ durch Anregung eines Freundes ganz unverhofft auf das österliche Festtagsfilmprogramm. Ein großes Epos in ausdrucksstarken sepiagefärbten Bildern unglaublicher Tiefenschärfe, unentrinnbar erzählt und inszenatorisch aufgetafelt. Die theatralisch agierenden Schauspieler der ganz simpel reduzierten Figuren steigerten die epische Wirkung ebenso wie die Kulissen und Kostüme sowie die eindringliche Filmmusik, der beim Stummfilm standesgemäß eine große Rolle zukommt, aber hier für mich einen der wichtigsten Bausteine für das Gelingen von „Die Nibelungen“ darstellt. Die hin und wieder sehr charmant eingefügten „kleinen“ Trickeffekte ordneten sich ganz selbstverständlich der Geschichte unter (umso erbärmlicher wirken dagegen die meisten der heutigen Effekt-Filmmonster) und eine tolle Entdeckung auf den zweiten Blick sind die kunstvoll verzierten und figurenzugeordneten Initialen der Zwischentitel. Alles in allem ein wahrhaft großartiger Film.



10 weitere ältere ENTDECKUNGEN
(alphabetisch)
  • 12 Uhr Mittags (Fred Zinnemann)*
  • Bändigung des Feuers (Daniil Jakowlewitsch Chrabrowizki)
  • Calendar (Atom Egoyan)
  • Extrablatt (Billy Wilder)
  • The Haunting – Bis das Blut gefriert (Robert Wise)
  • My Son, My Son, what have you done (Werner Herzog)
  • Roter Psalm (Miklos Jancso)
  • Shoah (Claude Lanzmann)
  • Tanz der Vampire (Roman Polanski)
  • Wenn der Klempner kommt (Peter Weir)
* Wiederentdeckung des Jahres



GROSSE RETROSPEKTIVE:
Alfred Hitchcock

Schon lange stand Meister Hitchcock in meiner Warteschlange umfangreich aufzuarbeitender Filmemacher, dieses Jahr schlug nun seine große Stunde. Ausschlaggebend war übrigens der Film „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins Anfang des Jahres. 45 Filme von Alfred Hitchcock konnte ich von Frühjahr bis Herbst 2013 sehen und kenne damit nun insgesamt 46 seiner Filme (einzig „Der Mieter“ hatte ich von den zuvor schon bekannten Filmen nicht wiederholt). Nur 7 Filme aus seiner britischen Phase sind mir nun noch unbekannt (und vermutlich meist auch vernachlässigbar). Unerwarteter Weise ist Hitchcock doch ein Filmemacher der mir insgesamt sehr liegt, das war mir anfangs gar nicht so klar. Nur selten konnte er mich mit seinen Filmen nicht wenigstens im Grundsatz gewinnen (Sklavin des Herzens, Der zerrissene Vorhang, Marnie) und gar nur einen einzigen Film halte ich für richtig misslungen (Nummer Siebzehn). Aus seiner Stummfilmzeit schätze ich vor allem „The Ring – Der Weltmeister“ (den „Blancanieves“ dieses Jahr ironisch zitiert), „The Lodger – Der Mieter“ und „Blackmail – Erpressung“. Letzteren rechne ich persönlich noch den Stummfilmen zu (ich habe auch zuerst die Stummfilmfassung geschaut), Truffaut zählt ihn bereits zu den Tonfilmen, da Hitchcock durch den Nachdreh einiger Szenen ein zweite Fassung mit Ton schuf. Bei den Tonfilmen aus Hitchcocks britischem Schaffen sind meine Favoriten „Eine Dame verschwindet“, „Mord – Sir John greift ein“ und „Jung und unschuldig“.
Wie für viele andere auch stellt die „amerikanische Ära“ für mich die Zeit von Hitchcocks größtem filmischen Schaffen dar, und da besonders die Periode von „Der Fremde im Zug“ (1951) bis „Psycho“ (1960), aus der dann auch meine am meisten geschätzten Hitchcock-Filme stammen, ohne die vielen anderen tollen Filme schmälern zu wollen.
Schönstes Sichtungserlebnis in meiner Hitchcock-Retrospektive war ohne Zweifel die Wiederaufführung von „Die Vögel“ im Kino anlässlich des 50. Jahrestages seiner deutschen Kinoerstaufführung im September, eine Veranstaltung an der ich letztlich selbst aktiv beteiligt war.
Und endlich hab ich „Vertigo“ vollständig sehen können. Vor mehr als 10 Jahren war ich schon einmal zu diesem Film im Kino, nur leider war da die zerschlissene Kopie kurz vor Ende unreparabel gerissen und blieb mir die finale Auflösung schuldig. Ein echtes Trauma, das ich nun überwunden habe. ;-)

Meine Hitchcock Top 5 (ungeordnet):
  • Das Fenster zum Hof
  • Psycho
  • Immer Ärger mit Harry
  • Vertigo
  • Der unsichtbare Dritte


KLEINE RETROSPEKTIVE:
Apichatpong Weerasethakul

Neben Hitchcock gab es nur noch Platz für eine weitere kleine Retrospektive, in der ich mich mit Sichtung von 5 Langfilmen an den geheimnisvollen Magier Apichatpong Weerasethakul und seine meditativen Erzählungen, Geister und Seelenwanderungen näher herangetastet und vor allem (die zuvor schon bekannten) „Uncle Boonmee“ und „Tropical Maladay“ gemocht habe.



Anregende TRIPLE FEATURES:
Fett markiert ist mein jeweiliger Favorit, bis auf die Dolan-Reihe ist das immer der älteste/erste der drei Filme.


Margarethe von Trotta & Barbara Sukowa
Die bleierne Zeit | Rosa Luxemburg | Hannah Arendt

Reha Erdem
Bes Vakit - Times and Winds | Hayat Var - My only Sunshine | Jin

Nikita Michalkow
Die Sonne, die uns täuscht | Die Sonne, die uns täuscht - Der Exodus | Die Sonne, die uns täuscht - Die Zitadelle

Ulrich Seidl
Paradies: Liebe | Paradies: Glaube | Paradies: Hoffnung

Richard Linklater & Julie Delpy & Ethan Hawke
Before Sunrise | Before Sunset | Before Midnight

Xavier Dolan
I Killed my Mother | Herzensbrecher | Laurence Anyways

Bela Tarr (Frühwerk)
Csaladi Tyzfeszek - Family Nest | Szabadgyalog - The Outsider | Panelkapcsolat - The Prefab People



FESTIVALFILME 2013 & PREVIEWS 2014

Starke Eindrücke, mit zeitlichem Abstand Gewachsenes, formal Bestaunenswertes, lobenswert Gewagtes, im Festivalstress Festgebissenes, Sympathisches, …

Warm up:
  • Chemi sabnis naketsi - A Fold in my Blanket (Zaza Rusadze, Georgien)
  • Geograf globus propil - Der Geograf, der den Globus austrank (Aleksandr Veledinsky, Russland)
  • Imagine (Andrzej Jakimowski, Polen)
  • Jin (Reha Erdem, Türkei)
  • Mandariinid - Mandarinen (Zaza Urushadze, Georgien/Estland)
  • Soguk - Cold (Ugur Yücel, Türkei)
Die Warm Ups ließen sich noch um einige weitere von mir sehenswert eingeschätzte Filme erweitern, müssen an dieser Stelle aber genügen, um die Aufzählung nicht beliebig lang werden zu lassen. Festivalfilme, die 2013 auch einen offiziellen deutschen Kinostart hatten, finden sich hier nicht wieder, sondern in der Rubrik „Kinostarts“. Über die Platzierungen in der Top 10 bin ich mir noch nicht ganz sicher, sollte aber den aktuellen Moment gut genug widerspiegeln. Der Platz 1 steht recht sicher, das „Kätzchen“ habe ich im Anflug einer noch recht nachhaltigen Sympathie gerade bis auf die 2 vorgeschoben, „Fynbos“ aus den Warm ups hervorgeholt und gegen den guten aber noch recht frischen Eindruck von „Imagine“ getauscht.

10. Fynbos (Harry Patramanis, Südafrika)
09. El Ultimo Elvis (Armando Bo, Argentinien)
08. Soshite chichi ni naru - Like Father, Like Son (Hirokazu Kore-eda, Japan)
07. Kinderwald (Lise Raven, USA)
06. Papusza (Joanna Kos-Krauze, Polen)
05. Tian zhu ding - A Touch of Sin (Jia Zhang-Ke, China/Japan)
04. Salvo (Fabio Grassadonia, Italien)
03. Uroki Garmonii - Harmony Lessons (Emir Baigazin, Kasachstan/BRD)
02. Das merkwürdige Kätzchen (Ramon Zürcher, BRD)
01. W Imie ... - Im Namen des (Malgorzata Szumowska, Polen)



KINOSTARTS 2013

Warm up:
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, Italien)
  • Gravity (Alfonso Cuaron, USA)
  • Io sono Li - Venezianische Freundschaft (Andrea Serge, Italien)
  • Shadow Dancer (James Marsh, Großbritannien/Irland)
  • Sightseers (Ben Wheatley, Großbritannien)
  • La vie d’Adèle - Blau ist eine warme Farbe (Abdellatif Kechiche, Frankreich)
Ich bin positiv von „La Grande Bellezza“ und „Gravity“ überrascht worden. Hätte letzterer die selbstgefällige Quasselstrippe George Cloney eher rausgekickt, hätte der Top10-Potential. „Sightseers“ besitzt den größten Sympathie-Bonus, ich fand den ungemein schön böse und musste den einfach unter den Warm ups würdigen. „La vie d’Adèle“ könnte auf lange Sicht noch am meisten wachsen, im Vergleich fand ich Kechiches „Couscous mit Fisch“ noch stärker, der damals zudem das Kunststück vollbracht hatte, mich in einen Film dermaßen stark zu involvieren, bei dem ich nach einem Drittel Spielzeit schon beinahe entnervt gegangen wäre. Das deutsche Kino findet sich dieses Jahr nicht wieder, sehr gefallen haben mir aber Thalheims „Eltern“ oder auch „Finsterworld“.

10. The Broken Circle Breakdown (Felix van Groeningen, Belgien)
09. Pozitia copilului - Mutter und Sohn (Calin Peter Netzer, Rumänien)
08. Dupa dealuri - Jenseits der Hügel (Cristian Mungiu, Rumänien)
07. Csak a szél - Just the Wind (Benedek Fliegauf, Ungarn)
06. Take this Waltz (Sarah Polley, Kanada)
05. Blancanieves (Pablo Berger, Spanien)
04. Alois Nebel (Tomas Lunak, Tschechien/BRD)
03. The Congress (Ari Folman, Israel)
02. Laurence Anyways (Xavier Dolan, Kanada)
01. Paradies: Liebe, Glaube, Hoffnung (Ulrich Seidl, Österreich)

Größtes Highlight 2013 war für mich Ulrich Seidls „Paradies“-Trilogie als Gesamtwerk, als Einzelfilm gefiel mit der eröffnende „Liebe“ am meisten, gefolgt von „Hoffnung“ und mit etwas Abstand dann „Glaube“. Ich habe Ulrichs demontierenden, schonungslosen Blick auf eine Art Menschenzoo sehr fasziniert verfolgt. Als Einzelfilme betrachtet hätten sie sich nicht ganz an der Spitze wiedergefunden.
Da wäre dann „Laurence Anyways“ mein Jahresfavorit geworden - ein großer Film über eine große Beziehung. Zwei unglaublich gute Darsteller (großartig: Melvil Poupaud, noch großartiger: Suzanne Clement) ringen mit- und umeinander. Intensität die schmerzt, oder in unvergessliche Szenen gipfelt (Stichwort: Filmball). Xavier Dolan feiert das Kino, wie nur wenige es dieses Jahr zu feiern wussten. Er ist Epigone von Pedro Almodovar und Wong Kar-Wai zugleich.
„The Congress“ ist nicht ganz so stark wie „Waltz with Bashir“, aber mich hat der anregende kreative Trip sehr berührt, so dass mir das mitunter bemängelte Zuviel an Spielerei nicht negativ auffiel. Ausgehend von einer wehmütig stimmenden Betrachtung über den Niedergang der Filmindustrie, in der echte Darsteller und echtes Handwerk durch die Digitalisierung ersetzt werden, weitet Folman den Blick auf die Gegenwart/Zukunft der Menschheit, die immer fremdgesteuerter irgendwelchen flüchtigen Idealen folgt und das reale Umfeld weder wahrnehmen noch werten kann/will. Wie schon in „Waltz with Bashir“ ist der Wechsel von Real- und Animationsszenen sehr gelungen kombiniert und eröffnet eine weitere Ebene für den Film.
„Alois Nebel“ war im vergangenen Jahr mein Festival-Favorit, den ich vor wenigen Tag noch gleich zwei weitere Male im Kino sah. Der per Rotoskopie-Verfahren entstandene kontrastreiche Schwarzweiß-Animationsfilm faszinierte mich jedes Mal aufs Neue mit seinen kleinen nicht „drüberanimierten“ sondern kaum wahrnehmbaren noch realen Details.
Die kleine Renaissance des Stummfilmes geht mit dem bezaubernden „Blancanieves“ weiter, eine spanische Schneewittchen-Hommage, die ihre Heldin in der Stierkampfarena der bösen Stiefmutter aussetzt. Ich habe dieses ironiebewusste Spielen mit dem Grimmschen Märchenstoff sehr in seiner Erzählung als auch seiner Form sehr genossen.
Sehr gemocht habe ich auch Sarah Polleys zweiten Film „Take this Waltz“, erneut ein sehr reifes Werk mit viel Gespür für Rhythmus, Musik und Gefühle, ein bittersüßer melancholischer Liebesfilm, sehr fein in warmen und lichtdurchfluteten Bildern und mit einem starken Soundtrack eingefangen. Michelle Williams ist wieder einmal richtig großartig.


Abschließend meine FLOPS 2013:
05. Der Schaum der Tage
04. Papadopoulos & Söhne
03. Der Tag wird kommen
02. Nachtzug nach Lissabon
01. Fliegende Liebende (Ohje, Pedro!)

Foto

MHT: The Hound of the Baskervilles


Magical History Tour - 1939

The Hound of the Baskervilles
[USA 1939 - Regie: Sidney Lanfield - DT: Der Hund von Baskerville]

Eingefügtes Bild

THE HOUND OF THE BASKERVILLES war der Startschuss für eine Reihe von Holmes-Verfilmungen, die mit Basil Ruthbone in der Rolle des Meisterdetektivs und mit Nigel Bruce in der Rolle dessen Partners Dr. Watson besetzt wurden. Vordergründig ist das Werk ein Krimi, bleibt aber ohne Anleihen aus dem Horrorfilm nicht aus, was bei der Handlung auch sehr richtig ist, dreht sich diese doch um eine Familiensaga, in der ein großer, blutrünstiger Hund für mehrere Morde an Erben der Baskerville-Familie verantwortlich gemacht wird. Lanfields Film hält sich nicht sklavisch an die Vorlage von Conan Doyle, womit nicht nur die kaum unvermeidbaren Kürzungen gemeint sind, sondern auch gewisse kleine Abänderungen, die in den meisten Fällen aber nur Unwichtigkeiten betreffen. Viele der B-Film-hafteren späteren Werke der vierzehnteiligen Reihe, die vornehmlich von Roy William Neill realisiert wurden, haben mir zwar besser gefallen, als diese etwas glatt geschliffene Fassung, doch Spaß gemacht hat es trotzdem, endlich einmal einen Abstecher per Filmbild nach Dartmoor zu machen, diesem düsteren Fleck, welcher Geheimnisse hortet und von verdächtigen Personen bevölkert wird, die das gesamte kombinatorische Können Sherlock Holmes' herausfordern. Kein unentbehrliches Stück zwar, gerade dann, wenn einem das Buch bereits bekannt ist, doch ebenso wenig schadet es, sich die 1939er Version anzuschauen.

B

A Hervorragend
B Gut
C Für Fans



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