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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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NURSE 3-D (Douglas Aarniokoski/USA 2013)


"Let's start by amputating your arms."

Nurse 3-D ~ USA 2013
Directed By: Douglas Aarniokoski

Die just examinierte New Yorker Krankenschwester Danni (Katrina Bowden) lernt bei ihrem Dienstantritt die eindrucksvolle Kolegin Abby Russell (Paz de la Huerta) kennen, die sich sogleich aufopferungsvoll um Danni kümmert. Doch hinter der fürsorglichen Fassade Abbys lauert ein männerhassendes Monster: Nicht nur tötet Abby gleich in Serie untreue Familienväter, die ihren offensiven Anmachtaktiken ins Netz gehen, sie entwickelt auch eine tödliche Obsession bezüglich Danni, die sich bald in blanke Raserei verwandelt...

Das ist natürlich camp in Reinkultur, was Douglas Aarionoski hier in spektakulärer Manier unters Volk wirft. Das famose Teaser-Poster, auf dem die bis zum Hals in Kunstblut getauchte, nackte Paz de la Huerta nackt, in Seitansicht und mit Schwesternhäubchen posiert (ein zweites zeigt sie im hautengen, weißen Wachskleid auf einer riesigen Spritze reitend), tingelt ja nunmehr schon seit rund drei Jahren durchs Netz. Schon damals wusste ich, dass ich diesen Film würde sehen müssen und habe mich bewusst möglichst wenig über ihn informiert (wobei ich dies nach Möglichkeit eigentlich sowieso stets so zu handhaben versuche). Das fetischisierende Plakat verrät dann eigentlich auch das Meiste über den Film. Die mordende, in obsessiver (homosexueller) Liebe umherberserkernde Krankenschwester ist ja nicht eben ein sonderlich exklusives Genremotiv und als solches versucht der inflationär grelle "Nurse 3-D" es glücklicherweise auch gar nicht erst zu veräußern. Die wundervolle Paz de la Huerta, die gleich in mehreren Szenen ohne Höschen durchs Bild stolziert, inkarniert eine sehr selbstbewusste Erotik, die, kombiniert mit dem simpel gehaltenen Plotverlauf, durchaus ordentlich einhergeht. Judd Nelson lässt sich wieder mal blicken als eines ihrer es kaum besser verdienenden, patriarchalischen Opfer und die putzige Katrina Bowden als Unschuld vom Lande, die letztlich nicht mit Abby Russell (die ja in Wahrheit Sarah Price heißt) fertig wird, ergibt eine passende Antipodin.
Ob man "Nurse 3-D", der nun ganz bestimmt alles ist, bloß nicht intelligent oder gar subtil, eine misogyne Botschaft unterjubeln möchte, liegt wohl im Auge des Betrachters. Lass die Frauen- und Krankenswesternverbände ruhig Sturm laufen. Ich kleiner Mann empfand ihn als hübsches, pulpiges guilty pleasure, garantiert frei von bösen Absichten.

6/10

Douglas Aarniokoski femme fatale Krankenhaus Slasher Splatter Madness 3-D New York Serienmord camp


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TWIN PEAKS: FIRE WALK WITH ME (David Lynch/USA 1992)


"You always hurt the ones you love."

Twin Peaks: Fire Walk With Me (Twin Peaks - Der Film) ~ USA 1992
Directed By: David Lynch

Nachdem sein Kollege Chester Desmond (Chris Isaak) bei der Aufklärung des Mordfalls um eine Teresa Banks (Pamela Gidley) spurlos verschwindet, übernimmt Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) die weiteren Nachforschungen. Teresas "Bekannte" Laura Palmer (Sheryl Lee) kämpft derweil rund ein Jahr später mit der irrationalen Angst vor einem sie verfolgenden Psychopathen namens Bob (Frank Silva), der wohl auch Teresa auf dem Gewissen hatte. Als Laura feststellt, dass ihr eigener Vater (Ray Wise) von Bob besessen ist, kompensiert sie ihre kaum greifbare Todesangst nur mit noch mehr Kokain und Ausschweifungen. Doch Lauras grauenvolle Nemesis lässt sich nicht einfach wegschnupfen...

Dass ein David Lynch sich nicht so einfach das Zepter aus der Hand nehmen lässt, schon gar nicht von einem stinkordinären TV-Konsortium namens 'ABC', stellte er bereits kurz nach der Absetzung von "Twin Peaks" unter Beweis. Anstatt jedoch den Fehler zu begehen, die abrupt endende Story mit all ihren losen Fäden wieder aufzunehmen, tat Lynch einen großen Schritt zurück und erzählte von etwas wesentlich Interessanterem: den letzten Tagen im Leben der Laura Palmer nämlich, die wir nicht etwa als jene Scheinperson kennenlernen, als die sie noch anfänglich in der Serie vorgestellt wurde. Nein, Lynch geht gleich in medias res. Nachdem die etwas mysteriös anmutende Vorgeschichte um Agent Desmond und Teresa Banks Revue passiert hat, kommt Laura Palmer ins Spiel, die vor dem Schlafengehen im Kinderzimmer gern Cocktails aus Bourbon und Koks konsumiert oder in schummrigen Halbweltschuppen herumhängt, wo sie mit Gestalten wie dem eher unappetitlichen Kanadier Jacques Renault (Walter Olkewicz) oder irgendwelchen dahergelaufenen Freiern für ein Trinkgeld Körperflüssigkeiten austauscht. Dass Laura das Opfer eines zumindest latenten sexuellen Missbrauchs seitens ihres Vaters Leland Palmer (Ray Wise) ist, daran lässt ihr psychologisches Profil wenig Zweifel, ob mit oder ohne Bob im Nacken. Ihrer Freundin Donna (leider nicht mehr gespielt von Lara Flynn Boyle, sondern deren blassem Substitut Moira Kelly) gönnt sie nicht den Abstieg in Promiskuität und Dauerrausch. Soweit hinab dürfen nur ausgewiesene Borderline-Persönlichkeiten wie Laura selbst.
In "Fire Walk With Me" gibt es jedenfalls auch Brüste zu bewundern und pittoreske Einschusslöcher in Köpfen; Graphisches also, dass anno 1990 noch keine Option war im Fernsehen. Auch darin liegt eine gewisse lynchsche Vendetta und Rückmeldung:
Das Kino darf eben doch stets noch ein bisschen mehr.

8/10

David Lynch Kleinstadt FBI Dämon Serienmord Kokain Prostitution Prequel


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DAS STUNDENHOTEL VON ST. PAULI (Rolf Olsen/BRD 1970)


"Wenn das 'n doppelter Cognac war, dann nehm' ich noch einen!"

Das Stundenhotel von St. Pauli ~ BRD 1970
Directed By: Rolf Olsen

Eine schlimme Nacht für den schwer übermüdeten Kommissar Canisisius (Curd Jürgens) von der Hamburger Kripo: Erst wird sein Sohn (Manfred Tümmler) bei einer anti-kapitalistischen Demo schwer verletzt und liegt nun unterm Messer; dann geschieht in einem berüchtigten Stundenhotel ein Mord an einem Homosexuellen (Laurence Bien), dessen Aufklärung Canisius' ganze Aufmerksamkeit erfordert. Das Hotel ist zur Tatzeit nämlich reich besucht und der Verdächtigen gibt es nicht eben wenige. Nur gut, dass Canisius mit deutlich mehr Milieu-Empathie vorgeht als sein nervöser Vorgesetzter, Kriminalrat Marschall (Konrad Georg)...

Erfindungsreiches Kolportagekino vom Allerfeinsten mal wieder aus der ewig streitenden Feder des Rolf Olsen, der hiermit bereits sein viertes "St.-Pauli"-Epos vom Stapel ließ und nimmerwüde weiter an der damals unumgänglichen, rauen Hafenromantik des Viertels strickte. Ein besserer Titel wäre "Der Kommissar St. Pauli" gewesen, denn ebenso wie zuvor als "Arzt" und gleich darauf auch noch als "Pfarrer" steht nämlich einmal mehr Curd Jürgens als verständige, aufrechte Moralinstanz mit zugedrücktem uge im Zentrum des Geschehens; ein Mann, dem die ehernen Werte über alles gehen, der jedoch auch weiß, dass er die Jungen trotz tonnenweisem Überschuss an Lebenserfahrung nie zur Vernunft wird bringen können und sich deswegen zähneknirschend mit den Dingen arrangiert. "Vielleicht haben wir Alten wirklich so viel falsch gemacht," konstatiert er in einer frühen Disput-Szene mit dem Sohnemann, "dass ihr ein Recht habt, Kritik zu üben. Aber Aggressivität und berufsmäßiges Rabaukentum, das dulde ich nicht!" Viel besser kann man Olsens ewige, zwanghafte Janusköpfigkeit nicht subsummieren: Erzspießer auf der einen Seite, schmunzelnder Voyeur auf der anderen. Aber eines unterscheidet ihn dann doch noch von Antel, Enz, Hofbauer und Konsorten: Überaus unappetitliche, regelmäßig zugeschaltete Bildergalerien von einer Operation am offenen Herzen hätten auch die nicht gezeigt. Sowas gab's dann doch wieder nur beim Rolf.

7/10

Rolf Olsen Hamburg St. Pauli Kiez Homosexualität Prostitution Sleaze Vater & Sohn


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ZIVOT I SMRT PORNO BANDE (Mladen Djordjevic/SRB 2009)


Zitat entfällt.

Zivot I Smrt Porno Bande (Leben & Tod einer Pornobande) ~ SRB 2009
Directed By: Mladen Djordjevic

Belgrad, 2001: Der sympathische Filmkünstler Marko (Mihajlo Jovanovic) bekommt kein Bein auf die Erde. Seine ambitionierten Vorstöße in den Bereich der Pornographie werden von seinem Produzenten Cane (Srdjan Miletic) als kommerziell untragbar zurückgewiesen. Also versucht er sich mit einigen Freunden aus der drogeninfizierten Undergroundszene an Porno-Cabaret, doch auch dies vergrätzt das Publikum und Cane, dem Marko mittlerweile eine gesalzene Summe Geld schuldet. Als "Pornobande" macht sich die Clique auf in die Provinz, wo man mit sozialkritisch-koitalem Improvisationstheater vor Dörflern und Bauern auftritt, jedoch rasch wiederum aneckt und einen üblen Ruf erwirbt. Alsbald macht Marko die Bekanntschaft des Snuff-Produzenten Franz (n.n.), der ihm willfährige Opfer verschafft, die sich vor der Kamera abschlachten lassen. Die entsprechende Sinnkrise der Gruppe lässt nicht lang auf sich warten, ebensowenig wie Krankheit, Tod und Wahnsinn.

Der damals etwa zeitgleich zu Srdjan Spasojevics "Srpski Film" entstandene, kaum minder skandalös aufgenomme "Zivot I Smrt Porno Bande" schlägt jenen in den meisten Kategorien recht anstandslos. Djordjevics Film ist noch sehr viel eindeutiger als Sozialparabel identifizierbar, trotz seiner teils schwer erträglichen, extrem real anmutenden Bilder von einer großen Zärtlichkeit für seine durchweg zum Sterben verdammten Figuren geprägt und dementsprechend nachhaltig zupackend. Markos Trip durch das serbische Hinterland steht symbolisch für einen Reise in das verfinsterte Herz einer gebrochenen Nation. Man begegnet, in ebendieser Reihenfolge: Missverstandenen, Ausgestoßenen, Kriegstraumatisierten, Strahlenopfern. Das, was die ohnehin vorgeschädigten Freunde an inneren und äußeren Extremen durchmachen müssen, wird, analog zu diesem verkrüppelten Humaninventar, mehr und mehr bizarr; von halluzinogenen Drogentrips über Epiphanien, Suizid und Seuche bis hin zu grün leuchtenden Rindern reicht die Bandbreite ihrer Erlebnisse, man verwandelt sich von ohnehin mental Aussätzigen immer mehr zu einer Art archaischer Gauklertruppe, deren Engagements sich um des schwindenden Selbstrettungsbedürfnis' Willen zunehmend pathologischer ausnehmen. Schuldgefühle, psychischer und physischer Zerfall gewinnen schließlich die vollständige Übermacht; Thanatos übertrumpft Eros - wie Marko es uns gleich zu Beginn ankündigt.
Dabei könnte die Vorarbeit hinreichender gar nicht geleistet worden sein: Der zweite apokalyptische Reiter hat das Land und die Seelen seiner Bewohner längst ausgehöhlt.

9/10

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DELIRIO CALDO (Renato Polselli/I 1972)


Zitat entfällt.

Delirio Caldo (Das Grauen kommt nachts) ~ I 1972
Directed By: Renato Polselli

Der sich für die Polizei als Profiler betätigende Psychologe Dr. Herbert Lyutak (Mickey Hargitay) leidet selbst unter schweren Störungen: Er ist impotent, sadistisch veranlagt, hat hyänenhafte Sexual-Halluzinationen und wird bisweilen zum - Frauenmörder! Seine eigene Gattin Marzia (Rita Calderoni) ahnt um die Anwandlungen ihres Mannes und betätigt sich selbst als Gewaltverbrecherin, um ihn zu decken. Welche Pläne jedoch verfolgt die Nichte der beiden, die flotte Joaquine (Christa Barrymore)? Und sind die ermittelnden Polizisten betreffs ihrer Garderobenwahl wirklich so geschmacksgeschädigt, wie wir mutmaßen müssen?

Kein Belatschern - Renato Polsellis "Delirio Caldo" gehört zu den blühendsten Auswüchsen psychotronischem Filmschaffens, derer man die auserwählte Ehre hat ansichtig zu werden. Von der ersten Sekunde an nimmt dieser entrückte Streifen einen mit auf eine Reise in die Bereiche des unmöglich Geglaubten und vermag es immer noch wieder, einen draufzusetzen, ohne Rücksicht auf Verluste sozusagen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Schnittfassungen, so unter anderem eine, in der Dr. Lyutaks neurotische Anwandlungen auf ein Vietnam-Trauma geschoben werden. Doch bereits die herkömmliche - so man eine solch ordinäre Kategorisierung im Zusammenhang mit "Delirio Caldo" überhaupt verwenden darf - tut vortrefflich ihre unheilvolle, hiernzersetzende Wirkung beim Rezipienten; vorausgesetzt natürlich, man bedient sich der ohnehin verpflichtenden, deutschen Sychronisation, die aus der berühmten Münchener Schier-Fabrikation (nach dem Dialogautor Heinz G. Schier benannt) stammt, allerdings erst zu frühen Achtziger-VHS-Zeiten erstellt wurde und voll poetischer Strahlkraft ist. Letzteres nicht zuletzt wegen des wunderbaren Christian Marschall auf Mickey Hargitay, der noch jede semantische Absonderlichkeit seriös klingen lassen konnte. Fraglos kommt man in diesem Zusammhang nicht umhin, die zwei berühmtesten Bonmots zu zitieren: "Ich bin's, der Kartoffel" sowie "Ich habe einen instinktiven Verdacht metaphysischen Charakters". Doch auch seltener Hervorgehebene Fäkalanalogien wie "Jetzt drückt er" oder "Ich habe sie erst gesehen, als ich mich von meinem Schiss erhob" lassen Nonsensträume wahr werden, von all den anderen, paradoxen Basisambitionen, wie die, Italien unbedingt nach London ausschauen zu lassen und damit völlig auf die Schnauze zu fallen, gar nicht zu reden. Soviel Stuss unter einem Zylinder, das kann doch nur große Kunst sein.

6/10

Serienmord Madness Psychiatrie Renato Polselli Europloitation Trash Giallo Profiling


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DRUM (Steve Carver/USA 1976)


"If my niggers stop fornicatin', we stop eatin'!"

Drum (Die Sklavenhölle der Mandingos) ~ USA 1976
Directed By: Steve Carver

Der mittlerweile gealterte Plantagenbesitzer Maxwell Hammond (Warren Oates) kommt nach New Orleans, um sich neben ein paar neuen Sklaven auch eine weiße Hausfrau auf seinen Besitz zu holen. In dem Mandingo Drum (Ken Norton), Sohn eines afrikanischen Stammeshäuptlings und der weißen Bordellbesitzerin Marianna (Isela Vega) wird er ebenso fündig wie in der entehrten High-Class-Lady Augusta Chavet (Fiona Lewis). Zurück auf Falconhurst entwickelt sich Drum schnell zum vorbildlichen Vorarbeiter und Aufseher, in dem der weit weniger angepasste Blaise (Yaphet Kotto) einen guten Freund findet. Als Blaise beschuldigt wird, Hammonds verdorbene Tochter Sophie (Rainbeaux Smith) zu belästigen, spitzt sich die Situation dramatisch zu: Am Verlobungsabend von Hammond und Augusta startet der in Ketten gelegte Blaise einen Sklavenaufstand. Drum muss sich für eine Seite entscheiden...

Das Sequel zu Richard Fleischers denkwürdigem Camper "Mandingo" wandelt auf deutlich anderen Pfaden denn das Original. Von dessen beiden vorgezeichneten Pfaden verzichtet "Drum" nahezu völlig auf den transgressiven; verbannt das bei Fleischer noch bestimmende, skandalöse, schockierende Element ebenso aus seinem Rahmen wie dessen künstlerische Ambitionen. Es bleibt ein eindeutiges Bekenntnis zur Exploitation, das nicht allein durch die Besetzung von Yaphet Kotto und Pam Grier, sondern zudem in Form eines Übermaß' weiblicher Nacktheit entsprechende Ambitionen belegt. Die Gewaltsszenen bleiben, mit Ausnahme der manuell vorgenommenen Kastration des eklig-bösen John Colicos durch Ken Norton (die sich allerdings auch noch verhalten präsentiert), in domestizierte Bahnen. Die einzige Darstellerin, die in derselben Rolle von "Mandingo" nach "Drum" überlebt, ist die füllige Lillian Hayman als stets verlässliche Haus-Mammy Lucretia Borgia. Perry King, der seinerzeit den noch deutlich unbeherrschteren Maxwell Hammond verkörperte, wird, einen größeren Handlungs-Zeitsprung zwischen den beiden Filmen implizierend, durch Warren Oates ersetzt. Mit Oates, der sich ein neuerliches Stelldichein mit Isela Vega, seiner Partnerin aus "Bring Me The Head Of Alfredo Garcia" gibt, ändert sich auch das Persönlichkeitsbild des Charakters völlig: Aus dem zur Barbarei neigenden Soziopathen wird ein lustiger Lebemann, dessen tiefsitzender Rassismus eher einer persönlichen Bildungsschwäche denn Generationen intrafamiliären Zerfalls zugeschrieben werden darf. So entsteht gar ein gewisses Freundschaftsband zwischen Drum und seinem Master, das am Ende die (sogar eher unfreiwillige) Flucht der Titelfigur ermöglicht. Susan Georges vormalige Rolle pflanzt sich hier in der von Rainbeaux Smith fort; denn in einen waschechten Sklavenfilm gehört von jeher auch ein kleines, pervertiertes weißes Luder. Inszenatorisch hält sich "Drum" eher auf TV-Niveau - weder der ursprüngliche regisseur Burt Kennedy, noch sein spätes Substitut, der vormalige Corman-Schützling Carver (welcher unfairerweise als alleiniger Regisseur kreditiert wird) leisten sich - offenbar ganz bewusst - keinerlei Extravaganzen.

6/10

Steve Carver Burt Kennedy Sklaverei Südstaaten New Orleans Louisiana ethnics Rache Sequel Blaxploitation


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THE COUNSELOR (Ridley Scott/USA, UK 2013)


"Why wasn't Jesus Christ born in Mexico? Because you couldn't find three wise men or a virgin there."

The Counselor ~ USA/UK 2013
Directed By: Ridley Scott

Der Berater und Anwalt (Michael Fassbender) des Großdealers Reiner (Javier Bardem) gerät in eine empfindliche Situation, als man ihn verdächtigt, eine gewaltige Lieferung Kokain aus Mexiko gestohlen zu haben. Der Anwalt hatte den Deal nach Beratung mit Reiner und unter Vermittlung des hintergründigen Westray (Brad Pitt) eingefädelt, um sich noch mehr Luxus gönnen und mit seiner schönen Verlobten Laura (Penélope Cruz) in Reichtum schwelgen zu können. Er ahnt nicht, dass er einem eiskalt ersonnenen Plan von Reiners Liebchen Malkina (Cameron Diaz) aufsitzt, die tatsächlich hinter dem Kokaindiebstahl steckt und damit die Ermordung sämtlicher Beteiligten durch die rachsüchtigen Mexikaner nicht nur in Kauf nimmt, sondern ausdrücklich herbeiführt.

Vielleicht könnte man "The Counselor" in Scotts Gesamtwerk etwa jene Stellung zuordnen, die "Showgirls" in Paul Verhoevens Œuvre innehat: Eine mehr oder weniger freiwillige Liebäugelung mit Camp und Sleaze, die unter Inkaufnahme einer geradezu offensiven Exaltiertheit mit Sex und Amoral hausieren geht und die Schlechtigkeit der Welt ausstellt in einer Form, die wohl vornehmlich dazu angetan ist, ein eher bürgerliches Publikum zu schockieren; dem in Genrebelangen "erfahreneren" Betrachter - und dies dürften, davon gehe ich einfach mal aus - ohnehin die meisten sein, die sich "The Counseor" widmen, allerdings lediglich eine Variation altbekannter Themen kredenzt. "Scarface", "Traffic", "Blow", "Savages", "Spring Breakers" stehen in der Ahnenreihe dieses mit verlockenden Bildern protzenden Epos, in dem sogar Ströme von Jauche noch toll aussiehen: Leg' dich nicht mit Latino-Gangstern an, die sind nämlich die härtesten, kranksten und brutalsten Bastarde der Welt, die Föten und Schlimmeres zum Frühstück verspeisen! Wesentlich mehr sitzt eigentlich nicht drin in Scotts wie mit einem riesigen Nudelholz ausgewalzten Geschichte eines Niedergangs, die mir allerdings trotzdem prima gefallen hat, weil ich seit eh und je auf des Regisseurs selbstherrliches, schwelgerisches Stilgewichse abfahre und mich mit selbigem stets hinreichend wohl gefühlt habe. Hervorragende Darsteller, schöne Menschen, die, mit Ausnahme der armen Penélope Cruz (die es ausgerechnet am härtesten erwischt), kriegen, was sie verdienen und am Ende aber auch gar nichts mitnehmen können von Dolce oder Gabana, das kann auch mal schön sein. Und dann der mir omnipräsent scheinende Michael Fassbender. Mir fast schon unheimlich, dass ich, ganz unbewusst, schon so Vieles mit ihm angeschaut habe (ich zählte überraschterdings just ganze zwölf Filme, with many more to come). Ist aber auch echt okay, der Junge.

8/10

Ridley Scott Mexiko Arizona Drogen femme fatale


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LES AVALEUSES (Jess Franco/F, B 1973)


Zitat entfällt.

Les Avaleuses (Entfesselte Begierde) ~ F/B 1973
Directed By: Jess Franco

Einsam, stumm, depressiv, jahrtausendealt, dauergeil: Die Vampirin Irina Karlstein (Lina Romay) hat's nicht leicht. Auf der schönen Insel Madeira sucht sie sich ihre Opfer, denen sie sämtliche Lebenssäfte bei Fellatio und Cunnilingus aus den Genitalien saugt und sie hernach glücklich, aber tot zurücklässt. Für den Gerichtsmediziner Dr. Roberts (Jess Franco) ein klarer Fall, ebenso wie für den mysteriösen, blinden Parapsychologen Dr. Orloff (Jean-Pierre Bouyxou). Selbst die Liebe zu dem Lyriker Baron Von Rathony (Jack Taylor) vermag Irina nicht auf den rechten Weg zu führen und so ist sie am Ende froh, dass ihre Ahnen sie wieder zurück in die nebulöse Dunkelheit rufen, aus der sie einst emporstieg.

Bilder und Töne in meditativer Einheit - als solcher und nur solcher muss man "Les Avalseuses" begegnen. Der Film ist denkbar purster Franco, schundig, schäbig, imbezil, avantgardistisch und höchst poetisch, er findet wie so häufig wieder (s)eine erstaunliche Nische zwischen Konzeptkunst und unverhohlenem Trash. Francos jüngste Muse und Ehefrau Lina Romay erwies sich ja als überaus zeigefreudig und stets bereit, jede noch so schmutzige Avance ihres Gatten vor der Kamera umzusetzen, so dass sie auch dieses Machwerk zur Gänze trägt. Die Szenen derweil, in denen der Meister selbst oder der noch hölzernere Bouyxou vor der Kamera zu agieren haben, präsentieren unglaubliches Schmierentheater hinter kaum fassbarem, ominösem Dialog (für dessen Einsprechung sich in der deutschen Vertonung selbst ein Erik Schumann nicht zu schade war). Aber das ist eben, wie hinreichend erwähnt, die höchsteigene Signatur dieses zu Lebzeiten nimmermüden Kino-Dynamos (oder, wie Schifferle ihn so schön nennt, 'Cinemanen').

5/10

Vampire Portugal Madeira Insel Sucht Jess Franco Europloitation


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BLACK SHAMPOO (Greydon Clark/USA 1976)


"So you're that hairbender..."

Black Shampoo ~ USA 1976
Directed By: Greydon Clark

Mr. Jonathan (John Daniels) besitzt nicht nur einen funky barbershop, er steht im Hinterzimmer desselben auch vornehmlich weißen, gut betuchten und einsamen Damen mit speziellen, alternativen Dienstleistungen zur Verfügung. Wirklich verliebt ist er allerdings in seine neue Empfangsdame Brenda (Tanya Boyd), eine echte Gazelle vor dem Herrn. Doch Tanya ist leider auch die Ex von Gangsterboss Mr. Wilson (Joe Ortiz) und selbiger lässt sich nicht gern die Fäden aus der Hand nehmen. Also verbimst er Jonathans Friseur Artie (Skip E. Lowe) und lässt den Laden zu Klump hauen. Brenda ist derweil nicht faul und tut so, als käme sie zu Wilson zurück - nur um ihm dessen Terminkalender zu klauen, der Wilsons sämtliche kriminellen Aktivitäten offenbart. Der Fiesling lässt sich selbiges nicht gefallen und es geht Mann gegen Mann...

Hal Ashbys "Shampoo" ist eine hellsichtige New-Hollywood-Komödie um einen straighten hairdresser on fire, dessen Gigolo-Qualitäten ihn noch um einiges erfolgreicher agieren lassen. Auf der Suche nach fruchtbar zu plagiierenden Topoi stieß das Blaxploitation-Kino dann irgendwann auf Ashbys Society-Satire und funktionierte sie zu einem veritablen, kleinen B-Klassiker um, der in seinen intellektuell eingeschränkten Grenzen durchaus für sich bestehen kann. Der zunehmend sleaziger werdende Habitus jener Subkategorie bediente sich darin wesentlich offenherzigerer Sex-Elemente, die den Film besonders im ersten Drittel hier und da wie einen Softporno wirken lassen, um später deutlich handfester Crime-Elemente in den Vordergrund zu rücken. Der Showdown schließlich macht Gebrauch von Kettensäge, Beil und Billard-Queue als tötliche Waffen und auch sonst keine Gefangenen. Mancher Szenenwechsel wird schnieke eingeleitet durch Einfrier- und Negativierungstechniken, was den Streifen zusätzlich hip erscheinen lässt, hinzu kommt eine erstklassige deutsche Synchronfassung aus München. Interessant ferner, dass ein schwules Tuckenpaar ausgerechnet in diesem sonst eher testosteronträchtig-homophoben Milieu als Sympathieträger und hero's best friends auftaucht, noch interessanter Clarks unbestechliches Auge bei der Besetzung des sich zu entkleidenden Weibsvolks. Tanya Boyd jedenfalls ist nichts weniger denn atemberaubend.

6/10

Greydon Clark Los Angeles Kalifornien Blaxploitation Sleaze


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MALABIMBA (Andrea Bianchi/I 1979)


Zitat entfällt.

Malabimba (Komm und mach's mit mir) ~ I 1979
Directed By: Andrea Bianchi

Kein geringerer Geist als der von Lucrezia Borgia persönlich fährt (nach zweiter Wahl, wie man ergänzend erwähnen muss) in den Körper der aufkeimenden Bimba Karoli (Katell Laennec), Spross des finanziell notleidenden Blaublütigen Andrea Caroli (Enzo Fischiella). Um sich gesundstoßen zu können, lässt jener sich von der Noch-Ehefrau seines infolge eines Schlaganfalls komplett funktionsuntüchtigen Bruders Adolfo (Giuseppe Marocco) in die Kiste zerren, während Bimba nächtens durchs Schloss pilgert und allen beim Bumsen zuschaut oder andere versaute Dingelchen anstellt. Für die wohlgläubige Schwester Sofia (Mariangela Giordano) unhaltbare Zustände, die da ihren üblen Lauf nehmen...

Ein weiteres Highlight von dem nie sonderlich sensitiv salbadernden Anrdrea Bianchi, bei dem der schmalzige Schmier aus allen Rillen der Bahnhofskino-Leinwand respektive des Fernsehgeräts trieft und tropft. Für ein immer noch weiteres "Exorcist"-Rip-Off waren sich die Italiener ja bekanntermaßen nie zu schade und so folgte nach den sogar vergleichsweise feinsinnigen "Chi Sei?" und "L'Anticristo" mit einigem Abstand noch diese Knallschote, die ganz unverfangen die sexuellen Aspekte schweinischer Besessenheit in den Vordergrund stellt und dem ganzen ohnedies unheiligen Gebahren einen gehörigen Batzen lustiger Vögelei auf die Krone setzt. Selbstredend macht auch die Münchener Synchronfassung, die durchweg an die eines (damals ja auch noch stets prominent vertonten) Pornos erinnert, keinerlei Gefangene. Durch ein paar relativ nachlässig eingefügte HC-Inserts geht die Gleichung dann sogar auf und es ergießt sich eine gehörige Brause multipler Fiesimatenten über den geneigten Zuschauer, der zartbesaiteten Mitbetrachtern auch und insesondere heute (noch) die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Megamäßig, I say.

6/10

Andrea Bianchi Adel Familie Besessenheit Europloitation Sleaze





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