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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE OSTERMAN WEEKEND (Sam Peckinpah/USA 1983)


"I think you tend to be a little strident."

The Osterman Weekend ~ USA 1983
Directed By: Sam Peckinpah

Wie jedes Jahr im Sommer findet auch heuer wieder das "Osterman-Wochenende" statt, ein Treffen vier alter Freunde, in dessen Zuge sich an die gute alte Zeit erinnert und Champagner in rauen Mengen konsumiert wird. Mittlerweile stehen sie alle finanziell betrachtet auf der Sonnenseite John Tanner (Rutger Hauer), Bernie Osterman (Crtaig T. Nelson), Richard Tremayne (Dennis Hopper) und Joseph Cardone) bekleiden alle respektierte Positionen in der Gesellschaft und können, sofern vorhanden, ihren Frauen und Familien ein wahres Lotterleben ermöglichen. Da tritt der CIA-Agent Lawrence Fassett (John Hurt) an Tanner heran: Seine drei Freunde sollen angeblich mit der Organisation "Omega" paktieren, einem amerikanisch-sowjetischen Spionagering. Zunächst skeptisch, glaubt der erzliberale Tanner bald Fassetts Anschuldigungen. Er lässt sein gesamtes Haus verkabeln, mit Kameras ausstatten und von Fassett überwachen. Das angebliche Ziel der Aktion: Mindestens einer der drei vermeintlichen Doppelagenten soll zur Rückkehr bewegt werden. Doch Fassett hat ganz anderes im Sinn als eine ordinäre Spionageaktion...

Vergeltungsplan - Verfolgungswahn. Was die wenigsten wissen: mit 58 Jahren hat Sam Peckinpah, vollends dem Kokain verfallen, schwer inkontinent und stets eine Handfeuerwaffe griffbereit, noch ein letztes großes Meisterwerk geschaffen: "The Osterman Weekend". Die Vorlage des Trivial-Politthriller-Autoren Robert Ludlum verwandelt sich unter Peckinpahs Ägide und der seines Scriptautors Alan Sharp in ein exzellentes Paranoia-Epos um Manipulation und mediale Gaukelei, das darüberhinaus ganz wunderbar als böser Schattenriss des zur gleichen Zeit erschienen "The Big Chill" von Lawrence Kasdan funktioniert. Alte Freundschaften im Zeichen politischen Intellektualismus verblassen angesichts an ihre Stelle tretender konservativer Wertmaßstäbe wie Karriere und Familie sowie einer zeitverpflichteten hohlen, neuen Yuppie-Lehre. In "The Big Chil" spricht man sich noch aus, adaptiert sich mittels Selbsttherapie an die veränderte Zeit; bei Peckinpah endet das neue Misstrauen in Konfrontation und Tod.
Fassetts schwarzer Racheakt an einem System, das ihm mit einem Wimpernzucken alles genommen hat, fügt sich am Ende zu einer brillant eingefädelten Conclusio; einem Puzzle des Todes, einem Manifest wechselseitiger Vergeltung. Danach allerdings wird die Welt nie mehr dieselbe sein, schon gar nicht für den einst so tapfer rosarot sehenden John Tanner.

9/10

Sam Peckinpah Robert Ludlum Verschwörung Rache CIA Kalter Krieg


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GORKY PARK (Michael Apted/USA 1983)


"Girls like screwing foreigners, don't they? It's almost as good as travel."

Gorky Park ~ USA 1983
Directed By: Michael Apted

Im winterlichen Moskauer Gorky Park werden drei Leichen gefunden, die von ihrem Mörder unidentifizierbar gemacht wurden, indem er ihnen die Gesichtshaut abgetrennt hat. Für den Polizeioffizier Arkady Renko (William Hurt) eine harte Nuss: Wer steckt hinter dem eiskalten Verbrechen und was war sein Motiv. Als er tiefer bohrt, stößt Renko auf ein Wespennest aus Korruption und Verrat, auf einen US-Sheriff (Brian Dennehy), der in Moskau auf eigene Faust ermittelt sowie auf den zwielichtigen amerikanischen Pelzhändler Jack Osborne (Lee Marvin).

Tadelloser Thriller, der einem allein aufgrund James Horners unverkennbarer, percussionlastiger Musik sogleich das vertraute Gefühl des 'Nachhausekommens' vermittelt. Vornehmlich in Finnland als Moskau-Substitut gedreht, ist Apted mit "Gorky Park" ein schnörkelloser Genrebeitrag und darüberhinaus sein wahrscheinlich bester Film geglückt, dessen kleiner philosophischer Gehalt, eine Meditation über Sinn und Unsinn von Systemtreue, in den letzten Einstellungen nochmal einen bravourösen Aufschwung nimmt. Doch auch in seiner dichten Schilderung der interfiguralen Entwicklungen, die, mit Aiusnahme der Heldenfigur natürlich, ganz klassisch von der Undurchsichtigkeit in die manchmal unangenehme Luzidität führen, ist der Film beispielhaft inszeniert. Und der große Lee Marvin adelt ihn gleich nochmal mit seinen spärlichen, aber umso heller scheinenden Auftritten.

8/10

Michael Apted UDSSR Russland Moskau Verschwörung Martin Cruz Smith


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A DANDY IN ASPIC (Anthony Mann/UK 1968)


"What's an existentialist, then?" - "Well, it's slightly more complex than romping around naked."

A Dandy In Aspic (Der Todestanz eines Killers) ~ UK 1968
Directed By: Anthony Mann

Der sowjetische Doppelagent Krasnevin (Laurence Harvey) infiltriert als ein gewisser 'Eberlin' den britischen Geheimdienst und hat bereits einige Mitarbeiter aus dessen Reihen im Namen von Mütterchen Russland liquidiert. Krasnevin wünscht sich allerdings nichts sehnlicher, als endlich das schmutzige Spionagegeschäft quittieren und in die Heimat zurückkehren zu können. Da erhält er just von den Briten den Auftrag, in Berlin einen russischen Killer mit unbekannter Herkunft ausfindig zu machen und zu töten - einen gewissen Krasnevin - und damit sich selbst. Zusammen mit dem übereifrigen Gatiss (Tom Courtenay) begibt er sich in der Mauerstadt auf eine höchst prekäre Jagd.

Anthony Mann konnte seinen letzten Film nicht mehr fertigstellen; ein vor Ort in Berlin erlittener Herzinfarkt kostete ihn das Leben. Der Hauptdarsteller Laurence Harvey stellte die fehlenden Teile an seiner Statt fertig.
"A Dandy In Aspic" wagt den nicht immer ganz schlüssigen Brückenschlag zwischen der lebensunfreundlichen Spionage-Tristesse eines Le Carré und den fröhlichen Bond-Plagiaten des 'Swinging London'. Laurence Harveys Figur pendelt als eine Art bipolar gestörter Charakter zwischen depressiver Lebensmüdigkeit und viriler Agenteneleganz. Stets wie aus dem Ei gepellt auftretend wünscht er sich einerseits einen Schlussstrich, hat jedoch auch nichts dagegen, mit dem quirlig-naiven Bohème-Mädchen Caroline (Mia Farrow) in die Federn zu hüpfen. Die narrative Kunst des Films besteht in dem bewährten Suspensekniff, den Zuschauer auf das Wissensniveau des Protagonisten herabzulassen, so dass man das teils verwirrende Szenario als ebenso heillos wahrnimmt wie der (Anti-)Held der Geschichte. Über jeden Zweifel erhaben sind die erlesenen Formalia von "A Dandy In Aspic": die endzeitlich anmutenden, sepiafarbenen Bilder Londons und Berlins und Quincy Jones' atmosphärische Klänge. Derart gefällig kombiniert ergeben sie einen formidablen Rückblick auf jene paranoide Epoche.

8/10

Anthony Mann Derek Marlowe Kalter Krieg Spionage London Berlin DDR


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THE HOUSE ON CARROLL STREET (Peter Yates/USA 1988)


"That's not where I need it."

The House On Carroll Street (Das Haus in der Carroll Street) ~ USA 1988
Directed By: Peter Yates

Zur Zeit des McCarthyismus wird die engagierte Journalistin Emily Crane (Kelly McGillis) zu einer HUAC-Anhörung zitiert, weigert sich jedoch, auszusagen. Daraufhin verliert sie ihren Job und nimmt kurzfristig eine Stelle als Vorleserin für die alte Miss Venable (Jessica Tandy) an, derweil sie vom FBI-Mitarbeiter Cochran (Jeff Daniels) beschattet wird. Im an Miss Venables Garten angrenzenden Grundstück bemerkt Emily schließlich mysteriöse Vorgänge. Gesetzte Herren verschiedener Nationalität gehen dort ein und aus und ein dort tätiger, junger Dolmetscher (Christopher Buchholz) bekommt es mit der Angst. Als der junge Mann von Anzugträgern mit einem Messer angegriffen wird und in Emilys Armen stirbt, ist ihr klar, dass es sich um eine Verschwörung ersten Ranges handelt, der sie da auf der Spur ist. Und tatsächlich: Der vor antikommunistischer Gesinnung überbordernde Congressman Salwen (Mandy Patinkin) holt NS-Kriegsverbrecher ins Land und stattet sie mit neuen Identitäten aus. Zusammen mit Cochran geht Emily gegen Salwen und seine Schergen vor.

Mit einem der wenigen US-Politthriller, die sich infolge ihrer "hehren Gesinnung" auch auf späten DDR-Leinwänden gut machten, ist Peter Yates in seiner kreativen Hochzeit ein weiterer ordentlicher Film gelungen, der sich ein wenig in der Tradition hitchcockscher Spannungsdramen findet um starke Frauengestalten, die ein Mysterium zu durchdringen haben und dabei in höchste Lebensgefahr geraten. Vor allem "Notorious", in dem es ja ebenfalls um herausgeschleuste Nazis geht, schießt einem unweigerlich durch den Kopf, aber auch "Spellbound" oder "Rebecca". Somit ist Yates weithin unauffällig inszenierter, auf ein gediegenes Äußeres Wert legender Krimi vor allem ein Geschenk für die ehedem kantige Kelly McGillis, die hier eine ihrer schönsten Rollen kredenzt bekam. Jeff Daniels als unvermeidlicher männlicher Gegenpart hat eigentlich bloß die Aufgabe, Emilys besonders im Rahmen jener Zeit unabhängige Femininität auszuloten und ihr auch eine erotische Identität zu verleihen. Wie so oft spielt Daniels die Rolle des eher im Hintergrund befindlichen Unterstützers. Toll ist auch Mandy Patinkin als gefährlich-diabolischer McCarthy-Rädelsführer, dessen Patriotismus groteske Formen annimmt. Sein hübsch grelles Ende im Showdown enthebt "The House On Carroll Street" allerdings jedweden Restes von zuvor schwerlich geschürter Ernsthaftigkeit.

7/10

Peter Yates New York period piece FBI McCarthy-Ära Nationalsozialismus Verschwörung


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ELENI (Peter Yates/USA 1985)


"My children!"

Eleni ~ USA 1985
Directed By: Peter Yates

Dreißig Jahre nach der Ermordung seiner Mutter Eleni (Kate Nelligan) während der Wirren des griechischen Bürgerkriegs und seiner eigenen Emigration nach Amerika kann der mittlerweile als erfolgreicher Journalist tätige Familienvater Nick Gage (John Malkovich) die Vergangenheit nicht ruhen lassen, nicht, solange die Verantwortlichen noch frei und ungestraft herumlaufen. Unter dem Deckmantel der Korrespondenz reist der rachedurstige Nick nach Athen und wird dort mit der Vergangenheit seiner Familie und seiner Mutter konfrontiert, die einst, nachdem sie ihren Kindern die Flucht ermöglichte, von den kommunistischen Partisanen als Faschistin verleumdet, gefoltert und hingerichtet wurde. Nach einer investigativen Odyssee durch halb Südosteuropa steht Nick schließlich dem Mann (Oliver Cotton) gegenüber, der für den Tod seiner Mutter verantwortlich ist.

Engagiertes Politdrama, in dem sich autobiographische Episoden um den griechischstämmigen US-Journalisten Nicholas Gage und seine Suche nach Wahrheit und Vergeltung aufbereitet finden. Der als Enthüllungsjournalist in brisanten Fragen tätige Times-Mitarbeiter wendete sich in "Eleni" der tragischen Vergangenheit seiner Familie zu und erzählte darin weniger seine eigene Geschichte, denn die seiner Mutter Eleni, einer stolzen, integren Frau, die sich geduldig jedwede Demütigung und Ungerechtigkeit seitens der in der Provinz wütenden DSE-Kämpfer gefallen lässt, bis ihre Kinder in sozialistische Staaten verschickt werden sollen. Als diese Bedrohung über sie hereinbricht, stellt sich Eleni gegen die uneingeladenen Landnehmer und bezahlt dafür mit dem Tode. Ungeachtet seiner sicherlich tendenziösen Machart, die ein wenig an den thematisch nicht unverwandten "Dr. Zhivago" erinnert, ist Yates erneut eine große, bewegende Tragödie geglückt, die ganz besonders durch das aufrüttelnde Spiel Kate Nelligans fasziniert. Auch die Entscheidung, Vergangenheit und Gegenwart als zwei erzählerisch gleichberechtigte Stränge parallel nebeneinander herlaufen zu lassen, erweist sich als überaus tragfähig.
Leider ist die mir vorliegende, deutsche DVD durch verwaschenes Vollbild verhunzt. Hier wäre so schnell als möglich noch etwas Adäquates nachzulegen. Ansonsten überaus sehenswert.

8/10

Peter Yates Griechenland Griechischer Bürgerkrieg Rückblende Familie Rache


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TWILIGHT'S LAST GLEAMING (Robert Aldrich/USA, BRD 1977)


"You try one more goddamn stunt and I'll light up the fucking sky!"

Twilight's Last Gleaming (Das Ultimatum) ~ USA/BRD 1977
Directed By: Robert Aldrich

Der einst geschasste, weil als Querulant berüchtigte Air-Force-General Dell (Burt Lancaster) bricht aus dem Gefängnis aus und bemächtigt sich zusammen mit drei kriminellen Mitstreitern (Paul Winfield, Burt Young, William Smith) eines Atomraketensilos in Montana. Von hier aus droht er, die neun auf die Sowjetunion gerichteten Titan-Flugkörper zu starten, wenn der amtierende US-Präsident (Charles Durning) nicht die wahren Gründe für das US-Engagement in Vietnam bekannt gibt.

Ein exzellenter Thriller von Robert Aldrich, der einmal mehr unter Beweis stellt, welchen Biss insbesondere seine in den Siebzigern gefertigten, etwas handzahm als 'Alterswerk' firmierenden Filme besitzen. Ebenso wütend und zielstrebig wie sein Protagonist walzt sich Aldrich durch die Story um Terror und Geheimnis und lässt nach anfänglicher Unsicherheit die vermeintlich Bösen rasch zu Sympathisanten werden. Der wahre Feind ist nicht der raketenkapernde Veteran, sondern er befindet sich im Inneren, im sogenannten 'Beratungsstab' des Weißen Hauses, wo alte Männer die Geschicke der westlichen Welt lenken und der Präsident selbst sich als entbehrliche Marionette einer heimlichen politischen Machtkaste entpuppt. General Dell traut man anfangs noch zu, dass er seinen Plan, den Dritten Weltkrieg vom Stapel zu lassen, in die Tat umsetzt; irgendwann jedoch schaltet sich, die anderen beiden sind bereits tot, sein Partner Powell (Winfield) als Quasi-Volksstimme dazwischen und vergegenwärtigt ihm seine eigene und die äußeren Realität: Kein politisches Geheimnis der Welt sei es wert, dass man selbige ins Grab schickt, und das wisse Dell insgeheim auch. Angesichts dieser Erdung droht Dell zu verzweifeln; für Lancaster eine Gelegenheit, seine große Schauspielkunst zu demonstrieren. Nach zwei Stunden sich auftürmender Spannung, nach deren Ablauf mit allem zu rechnen ist, kommt dann das einzig denkbare Ende: Endlich hatte Aldrich selbst sein Publikum so weit, dass es den gesamten Erdball mit all seinem intriganten, verlogenen Politgesocks ins postnukleare Nirwana wünscht, da machen - so einfach ist das - ein paar Scharfschützen dem apokalyptischen Traum ein Ende. Der status quo bleibt erhalten, der Globus weiterhin brav am Abgrund und General Dell, potenzieller neuer Messias und Märtyrer des liberalen Menschheitsfügels, nurmehr eine unbequeme Behauptung erfolgreicher Rebellion.

10/10

Robert Aldrich Atombombe Zukunft Vietnamkrieg Terrorismus


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ARGO (Ben Affleck/USA 2012)


"Argo fuck yourself."

Argo ~ USA 2012
Directed By: Ben Affleck

Teheran, 1979: Nachdem der todkranke Shah ins amerikanische Exil geflüchtet ist, überziehen Khomeinis fanatische Glaubensbrüder den Iran mit einer neuerlichen Welle des Terrors. Zu den Aktionen gehört auch die Erstürmung und anschließende Geiselnahme der US-Botschaft in der Hauptstadt. Sechs Mitarbeiter können jedoch rechtzeitig fliehen und sich nach Umwegen in der kanadischen Botschaft verstecken, die ständige Angst vor Entdeckung im Genick. Eine tollkühne Befreiungsaktion muss her; diese ersinnt der Spezialist Tony Mendez (Ben Affleck), indem er die Ankündigung einer angeblichen Hollywood-SciFi-Produktion namens "Argo" schaltet, in den Iran reist, sich als Produzent des Streifens ausgibt, die sechs Flüchtlinge mit falschen Pässen als weitere Stabsmitglieder ausstattet und sie so außer Landes schmuggelt.

Die "Argo"-Story ist dermaßen filmreif, dass man sich im Prinzip sehr wundern muss, warum sie erst jetzt in Angriff genommen wurde. Wie dem auch sei: Übersieht man geflissentlich das Hohelied, das Affleck auf die USA und die CIA anstimmt und mit dem die auch durch die Genannten begangen bzw. übersehenen Ungeheuerlichkeiten im Iran schlicht paraphrasiert werden, bleibt ein hervorragender Thriller, der besonders gegen Ende von nahezu unerträglicher Spannung gekrönt wird. Mit einem brillanten Auge für Zeitkolorit nutzt Affleck "Argo" nicht nur zur Wiedergabe der Ereignisse von Teheran, sondern auch als sanfte Hollywood-Satire. Die Filmmetropole, durcheinandergebracht von auteurism und einer irrwizigen Suche nach neuen, erfolgsversprechenden Stoffen durch die lahmgelegten Studiobosse, liegt ebenso brach wie ihr Wahrzeichen in den Hills. Dies war der einzige Zeitpunkt, zu dem eine solche Aktion wie sie Mendez durchführte, überhaupt nur ansatzweise möglich war. So ist "Argo" auch als temporäre Zustandsbeschreibung sehenswert - solange er sich auf amerikanischen Boden beschränkt. Mit Mendez' Einreise in den Iran geht allerdings dann auch die alttypische tendenziös-populistische Berichterstattungsweise des US-Films einher. Damit lässt sich, unter Bewahrung eines Bruchteils kritischer Blickwinkel, leben - wenn der Rest so stimmungsvoll daherkommt wie in diesem Fall. Außerdem gibt es eine kleine, aber feine Einspieler-Auswahl großartiger kontemporärer Songs.

8/10

Ben Affleck period piece Historie Iran Film im Film Hollywood CIA Best Picture


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RAID ON ENTEBBE (Irvin Kershner/USA 1976)


"Shalom! Shalom!"

Raid On Entebbe (...die keine Gnade kennen) ~ USA 1976
Directed By: Irvin Kershner

Am 27. Juni 1976 entführt eine Handvoll Terroristen unter der Führung des Deutschen Wilfried Böse (Horst Buchholz) eine Air-France-Maschine, die von Athen über Tel Aviv nach Paris fliegen soll und leiten sie um bis nach Uganda, wo Staatschef und Diktator Idi Amin (Yaphet Kotto) Hijackern und Geiseln am Flughafen Entebbe Unterschlupf gewährt. Die Terroristen verlangen die Freilassung von über 50 inhaftierten Gesinnungsgenossen, ansonsten drohen sie mit der Ermordung der zahlreichen jüdischen Geiseln. Idi Amin inszeniert sich derweil medienwirksam als Verhandlungspartner, der die Freilassung der nichtjüdischen Gefangenen erwirkt, sich zugleich jedoch auf die Seite der palästinensischen Entführer schlägt. Derweil fällt Premierminister Ytzhak Rabin (Peter Finch) die verzweifelte Entscheidung zur Genehmigung der 'Operation Thunderbolt': ein Geheimkommando unter Führung des Offiziers Shomron (Charles Bronson) soll die noch verbliebenen Geiseln in einer Nacht- und Nebel-Aktion befreien und nach Israel bringen.

Ende 1976 entstanden nahezu parallel zwei TV-Filme über die 'Operation Entebbe', in direkter Folge der aus jüdischer Sicht geglückten Geiselbefreiung von Uganda, beide umfangreich starbesetzt und medienwirksam produziert. Als Zeit- und Kulturdokument von hohem Interesse ist in jedem Falle dieser Beitrag, den Irvin Kershner für Fox-TV inszenierte. Der andere, "Victory At Entebbe" von Marvin J. Chomsky, startete etwa einen Monat früher und ist mir leider bis dato unbekannt. 1977 wurden beide Filme im hiesigen Kino lanciert.
Als US-Produktion rückt "Raid On Entebbe" erwartungsgemäß die israelische Perspektive in sein Zentrum; Ytzhak Rabin, verzweifelt angesichts der Situation, muss Gewissensentscheidungen treffen, deren internationale politische Ausmaße sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch in nebulöser Ferne befinden. Kershners Film interessieren diese faktisch ebensowenig. Es geht ihm um die minutiös gestaltete Aufarbeitung der Umstände vor Ort und in der Machtzentrale, wobei einige zentrale Charaktere, die natürlich von bekannten Gesichtern repräsentiert werden, Anhaltspunkte im Wirrwarr bieten. Martin Balsam als tapferer jüdischer Familienvater wiederholte jene Rolle nochmal in Menahem Golans "Delta Force", wie überhaupt zwischen den Filmen auffällige Parallelen auf der Handlungsebene nachweisbar sind.
Die mittelbaren Folgen für primär Unbeteiligte an Rabins Aktion erwiesen sich in der Realität derweil als verheerend: Die in einem ugandischen Hospital befindliche Seniorin Dora Bloch wurde nach der Befreiung auf Befehl Idi Amins ermordet, ebenso wie mehrere hundert Kenianer im Zuge einer Vergeltungsaktion des Diktators, der damit die Hilfestellung Kenias für Israel rächte. Die Kontroversen um die Aktion Rabins dauern bis heute an und schwanken zwischen einhelliger Begeisterung über den resoluten Aktionismus der Israelis und einer Verurteilung des in seiner Effektivität blind durchgeführten Befreiungsschlages.

6/10

Irvin Kershner TV-Film priod piece Historie Terrorismus Nahost-Konflikt Entebbe Uganda Kidnapping ethnics


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RIVER OF DEATH (Steve Carver/USA 1989)


"Goodbye, old friend!"

River Of Death ~ USA 1989
Directed By: Steve Carver

Im Brasilien des Jahres 1965 ist der Abenteurer Hamilton (Michael Dudikoff) zusammen mit dem Wissenschaftler Blakesley (Victor Melleney) und dessen Tochter Anna (Sarah Maur Thorp) auf der Suche nach einer "Verlorenen Stadt" tief im Amazonasgebiet. Als sie sie endlich finden, bleibt 'Hamilton nur die Möglichkeit zur Flucht vor den kriegerischen Indios, Anna muss er zurücklassen. Zurück in der Zivilisation bemüht sich Hamilton sogleich um die Finanzierung einer weiteren Expedition und tatsächlich scheinen mehrere Interessensgruppen an einer Reise zur Verlorenen Stadt interessiert: Der zwielichtige Polizeichef Diaz (Herbert Lom) etwa, der nicht minder mysteriöe Industrielle Berger (Donald Pleasence) und ein Nazijäger-Pärchen (Rufus Swart, Foziah Davdson). Wie Hamilton bald herausfindet, bildet die Verlorene Stadt nämlich nicht nur die Heimat aggressiver Indianer, sondern auch den Verbreitungspunkt eines Lepravirus und außerdem das Exil des flüchtigen Naziarztes Dr. Manteuffel (Robert Vaughn), mit dem diverse Zeitgenossen noch eine persönliche Rechnung offen haben...

Ziemlich bizarrer Streifen, den Corman-Lehrling Steve Carver da für die dämmrige Cannon inszeniert hat. "The Boys From Brazil", gepaart mit den ersten Minuten von "Raiders Of The Lost Ark" hat es hier, garniert mit einigen Altstars, die während dieser Zeit in allerlei ihrer früheren Karrieren unwürdigen Filmen auftraten, um ihre Pensionskasse aufzubessern und sich dabei zudem auffallend häufig untereinander kombiniert fanden. Ernest Borgnine und George Kennedy fehlten eigentlich noch. Nun, geteiltes Leid ist halbes Leid. Auch Peckinpah-Standard L.Q. Jones, der für Carver bereits in "Lone Wolf McQuade" spielte, gibt sich die zweifelhafte Ehre. Immerhin führen diese Auftritte regelmäßig dazu, dass man sich bisweilen in einem deutlich wertigeren Film wähnt, als man seiner letzten Endes ansichtig ist, so auch im Falle "River Of Death". Zwar müht sich Dudikoff nach Kräften, den ihn umgebenden darstellerischen Schwergewichten Paroli zu bieten, aber im Angesichte des Elefanten bleibt selbst die stärkste Ameise bloß eine Ameise (alte Funxton-Weisheit). Das völlig verworrene, sich auf den Trivialromancier Alistair MacLean berufende Storykonstrukt präsentiert sich als, gelinde formuliert, anstrengend, weil ziehfreudig anzuschauen. Was sich von "River Of Death" hält, sind seine interessanten Produktionsumstände und das Resultat als exemplarisches, anschauliches Ergebnis eines vorprogrammierten Scheiterns, einem jener Sorte, von der der Schrotthaufen der Filmgeschichte voll ist.

4/10

Cannon period piece Nationalsozialismus WWII Amazonas Brasilien Rache Alistair MacLean


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YOU ONLY LIVE TWICE (Lewis Gilbert/UK 1967)


"Welcome to Japan, Mr. Bond."

You Only Live Twice (Man lebt nur zweimal) ~ UK 1967
Directed By: Lewis Gilbert

Nachdem James Bond (Sean Connery) offiziell in Hong Kong ermordet und auf See bestattet wurde, kann er halbwegs ungestört seinem neuen Auftrag nachgehen: Von Japan aus wird allenthalben eine Abfangrakete gestartet, die abwechselnd amerikanische und russische Raumkapseln entführt und wieder zur erde bringt. Besonders die starrköpfigen US-Militärs fassen diese Aktionen als Provkation von sowjetischer Seite auf und drohen der anderen Seite im Falle der Nichtunterlassung mit einem Atomkrieg. Tatsächlich steckt hinter der ganzen Sache SPECTRE und dessen für einen ostasiatischen Auftraggeber arbeitender Kopf Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasance), den Bond mithilfe des japanischen Geheimdienstchefs Tiger Tanaka (Tetsurô Tanba) bald ausfindig gemacht hat.

Nach "Thunderball" ging es mit diesem fünften Bond-Film ziemlich rapide bergab. Sean Connery hatte infolge des immer gewaltiger werdenden Rummels um seine Person bereits während der Dreharbeiten angekündigt, dass dies sein letzter Auftritt als James Bond sein werde und er tritt auf, als wolle er dieser Ankündigung Gewicht verleihen. Doch nicht ihm, zumindest nicht primär, ist das qualitative Nachlassen der Reihe anzulasten, sondern dem rundum albernen Script, das mit geradezu kindischen Scherzen, deren Selbstreferenzialismus schlechthin nervt, zu punkten versucht. Dass James Bond zum - auch nicht annähernd glaubwürdigen - Japaner umgemodelt wird, ist, wie manch andere Scherze, einfach nur doof, die Sache mit den Ninjas nicht minder. Zudem hat der Film eine besonders im Vergleich zu den direkten beiden Vorgängern, merkwürdig unsaubere und unelegante Visualität, die anscheinend in direkten Zusammenhang mit dem ansonsten untadeligen, Ted Moore ablösenden Einmal-Bond-dp Freddie Young stand. Gerade so gettet wird "You Only Live Twice" wiederum von anderen Faktoren: Von John Barrys blendendem Score etwa, mitsamt dem grandiosen Titelsong vielleicht der bis dato schönste überhaupt, von Ken Adams langsam ins Maßlose abdriftendem, Aufesehen erregenden set design und natürlich von Blofelds Piranhas in ihrem grünem Sprudelwasser.

6/10

James Bond 007 Lewis Gilbert Japan Hong Kong Kalter Krieg Ninja Roald Dahl Tokio Vulkan Insel undercover car chase