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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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PAIN & GAIN (Michael Bay/USA 2013)


"There's some complex engineering in these things."

Pain & Gain ~ USA 2013
Directed By: Michael Bay

Der Bodybuilding-Coach Daniel Lugo (Mark Wahlberg) hält sich für gewitzter als er tatsächlich ist. Um auch mal an die ganz großen Moneten zu kommen, tüftelt er einen Plan aus, um seinen Kunden Victor Kershaw (Tony Shalhoub), einen unsympathischen Sandwichbuden-König, zu entführen und sein Vermögen aus ihm herauszupressen. Seine zwei kaum großzügiger beschlagenen Kumpels Adrian (Anthony Mackie) und Paul (Dwayne Johnson) unterstützen ihn dabei. Trotz einiger Umwege funktioniert ihr Coup tatsächlich und man gönnt sich Saus und Braus. Da das Trio jedoch zu ungeschickt ist, um Kershaw endgültig abzuservieren, engagiert dieser den Detektiv Ed DuBois (Ed Harris), der den Dreien auf die Schliche kommt, nachdem ihr zweiter Kidnapping-Versuch um den Pornokönig Frank Griga (Michael Rispoli) bös gescheitert ist.

Getreu dem Motto, dass das Leben die besten Geschichten schreibt, knöpfte sich Michael Bay inmitten seiner "Transformers"-Megalomanien diesen authentischen Folklore-Kriminalfall aus dem Florida der Mittneunziger vor und fertigte daraus einen für seine Verhältnisse mutmaßlich recht persönlich gefärbten Film. Was in Anbetracht all seiner grotesken Wendungen und urkomischen Figuren- und Situationszeichnungen eigentlich ein eindeutiges Projekt für die Coens hätte sein mögen (wofür bereits die Verpflichtung ihres früheren standards Tony Shalhoub in einer entsprechenden Rolle bürgt), nimmt sich bei Bay mitsamt seiner gewohnt sonnendurchfluteten Ästethetik hier und da womöglich etwas vulgärer, ansonsten jedoch erstaunlicherweise kaum minder vervollkommnet aus; wenngleich doch der untrügliche Eindruck, dass hier den besagten Vorbildern nachgeeifert wird, sich nie ganz verflüchtigt.
Dennoch: Dieser Einblick ins Bodybuilding-Milieu mit all seinen kleinen Gernegroß-Lichtern zeugt von einem teilweise bissigen Humor, den man diesem Filmemacher in solcher Offenheit nicht unbedingt zugetraut hätte. Eine positive Identifikationsfigur schenkt man sich, stattdessen gibt es three muscle-bound stooges.
Jeder der drei Probanden zerfällt hinter seinen imposanten Tri- und Bizepsen zu einem intellektuellen Streichholzmännchen; ob Daniel, der seine umfassend geglaubte Bildung aus Erfolgsbiographien und Gangsterfilmen bezieht, ob Paul (größter personeller Schatz des Films: Dwayne Johnson), dessen zwei Lebensmaximen sich in Jesus Christus und Kokain inkarnieren oder Adrian, den sein Steroid-Missbrauch impotent gemacht hat. Einer solch dullen Truppe bei ihrem großflächigen Scheitern beizuwohnen, evoziert selbstverständlich ein hohes Maß voyeuristischer Schadenfreude. Möglicherweise hat Bay mit "Pain & Gain" sogar ein paar ursprünglich joviale Fans vergrätzt, dafür aber hat er ausnahmsweise mal einen ansehnlichen Film vorzuweisen.

8/10

Michael Bay Florida Miami Bodybuilding Satire period piece Freundschaft Kokain Kidnapping


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THE BROTHERHOOD (Martin Ritt/USA 1968)


"Remeber the 41?"

The Brotherhood (Auftrag Mord) ~ USA 1968
Directed By: Martin Ritt

Frank Ginetta (Kirk Douglas), sizilianischstämmiger Altmafioso in New York, ist zunächst sehr erfreut, als sein jüngerer Bruder Vince (Alex Cord) ihm an dessen Hochzeitstag mitteilt, dass auch er in die "Familie" einzusteigen gedenkt. Frank ist ein Gangster alten Schlages, er liebt die Tradition und die Werte der alten Heimat, hält sich lieber ehrbar und bedeckt, anstatt mit der unaufhörlichen Machtausweitung zu liebäugeln. Damit ist er jedoch den anderen Ostküsten-Dons ein Dorn im Auge. Gezielt versucht man, Frank durch den aufstrebenden Vince auszuboten. Als Frank dann herausfindet, dass ausgerechnet Vinces Schwiegerpapa (Luther Adler), selbst ein fädenziehendes Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft, für den viele Jahre zurückliegenden Verrat und damit dem Mord an seinem und Vinces Vater verantwortlich ist und diesen liquidiert, ist sein Leben keine Lira mehr wert. Frank zieht sich nach Sizilien zurück, erhält jedoch bald Besuch von Vince...

Drei Jahre vor ihrem weit ausholenden Kommerschlag mit "The Godfather" konnte die Paramount schonmal unbewusst ein paar mafiöse Probezüge vollziehen. Ritts "The Brotherhood" weist denn auch sehr viele inhaltliche Parallelen zu Coppolas Meisterwerk auf, wobei er zugleich er dessen ungeheuren Stilwillen und epochale Monumentalität nie erreicht. Auch in "The Brotherhood" gibt es den alternden Patriarchen, der sich weigert, sich mit neuen Methoden zu zwangsarrangieren und der dafür abgestraft wird; auch hier werden Ehrenkodexe transparent, brüderlicher Bruch und Verrat zum Thema gemacht, gibt es eine Flucht zurück zu den sizilianischen Wurzeln - in diesem Falle allerdings weithin zwecklos. Kirk Douglas, der "The Brotherhood" mitproduziert hat, lag offenbar viel an dem Werk. Entsprechend engagiert sein Spiel. Heute leider weitgehend in die Annalen zurückgedrängt, ist Ritts Gangsterfilm ganz gewiss ein Wegeebner und ein Stück Kino, das, ich erwähne es ja immer mal wieder gern, wie so viele andere seine über die Jahre anwachsende Ignoranz einfach nicht verdient.

8/10

Martin Ritt New York Mafia Italien Sizilien Brüder Rache


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PRONTO AD UCCIDERE (Francesco Prosperi/I 1976)


Zitat entfällt.

Pronto Ad Uccidere (Tote pflastern seinen Weg) ~ I 1976
Directed By: Francesco Prosperi

Der römische Polizist Massimo Torlani (Ray Lovelock) lässt sich, getarnt als Juwelendieb, ins Gefängnis einschleusen, um dort die Bekanntschaft und das Vetrauen des Gangsters Giulianelli (Martin Balsam) zu gewinnen und dessen Organisation zu zerschlagen. Torlani wird dabei von einer höchst persönlichen Motivation angetrieben: Einst haben zwei der dazugehörigen Laufburschen seine Mutter (Anna Tadei) zum Krüppel geschossen. Nach ihrer gemeinsamen Flucht aus dem Knast muss Torlani jedoch feststellen, dass Giulianelli keinesfalls einer der ganz Großen im Rauschgiftgeschäft ist, sondern dass ihm noch einige geachtete Großbürger überstehen. Zudem zieht im Hintergrund jemand Unbekanntes seine eigenen Fäden und räumt einen nach dem anderen der Bosse aus dem Weg.

Grundsolider Poliziotteso, in dem Ray Lovelock sich einige Sprüche wegen seines hübschen Äußeren gefallen lassen muss. Dass der gut aussehende, junge Mann mit der charateristischen Schneidezahnlücke nichtsdestotrotz auch ordentlich austeilen kann, stellt er mehrfach nachhaltig unter Beweis, wobei seine Methoden - zum Unwillen seines Vorgesetzten Commissario Sacchi (Riccardo Cucciolla) - häufig die Grenzen zur Selbstjustiz überschreiten. Dennoch gelingt es Torlani, in den rechten Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Mission ohne besondere Hilfe des ihn beäugenden Polizeiapparats im Alleingang zu vollenden. Bleibt am Ende freilich die letzte Hürde, einen unerwarteten Gegner stellen zu müssen, was Prosperi als bedeutungsschwangeres Knallbonbon bildeinfriert, obschon damit von langer Hand zu rechnen war. Ansonsten bleibt "Pronto Ad Uccidere" erfreulich längenfrei, wobei noch besonders eine beachtlich inszenierte Verfolgungsjagd durch die ligurischen Serpentinen Erwähnung finden soll und in Erinnerung bleibt. Da bekommt man gleich Fernweh.

7/10

Francesco Prosperi Rom Genua San Remo Rache Mafia undercover Gefängnis Poliziottesco


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THE VALACHI PAPERS (Terence Young/F, I 1972)


"You made my decision."

The Valachi Papers (Die Valachi-Papiere) ~ F/I 1972
Directed By: Terence Young

Der Gangster Joe Valachi (Charles Bronson), einst lange Jahre als Fahrer für diverse New Yorker Unterweltgrößen tätig, landet im Knast und damit prompt auf der Todesliste des ebenfalls einsitzenden Paten Vito Genovese (Lino Ventura), der hinter Valachi einen heimlichen Kronzeugen fürs FBI vermutet. Erst nach einer offenen Mordankündigung durch Genovese ntschließt sich Valachi, wirklich auszupacken und berichtet dem Beamten Ryan (Gerald O'Loughlin) in langwierigen Sitzungen alles, was er über die Cosa Nostra weiß und bei ihr gelernt hat.

Nach "The Godfather" boomte der Mafiafilm, wobei besonders authentizitätsverhaftete Geschichten, die den Mob auf jene spezifische Weise zugleich ent- und remystifizierten, von Interesse waren. Die De-Laurentiis-Produktion "The Valachi Papers" bediente sich der authentischen Geschichte um das Mafia-Mitglied Joseph Valachi, der in Todesangst zum ersten öffentlich aussagenden Informanten des FBI wurde und trotz hochdotierter Kopfgelder eines natürlichen Todes im Gefängnis starb. Das Original war vermutlich nicht ganz so kernig wie sein von Bronson gespieltes Pendant auf der Leinwand, zu Beginn befremdlich schäuzerlos und mit grau gepuderter Perrücke auftretend. Doch dies bildet keinen Störfaktor. So spannend und ergiebig das Thema, so Vieles löst der Film ein: der mit viel Zeitkolorit garnierte Einblick in die hierarchischen Strukturen und Rituale der 'famiglia' nebst Ehrenkox und Vergeltungsschlag, sein authentisches Personal sowie die erlesene Besetzung, aus der neben Bronson und Ventura vor allem Joseph Wiseman und Guido Leontini hervorstechen Die Inszenierung unter Terence Young bleibt allerdings stets arg routiniert und programmatisch. Ein prägnanterer Regisseur mit etwas mehr Mut zur Extravaganz hätte "The Valachi Papers", der aufgrund seiner inhaltlichen Komplexität doch so viel hergibt, vielleicht zu einem Werk von Weltformat gemacht, wie es 18 Jahre später auch der ganz ähnlich konnotierte "Goodfellas" wurde.

8/10

Terence Young New York Mafia period piece Historie Gefängnis Verhör Biopic


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DE LA PART DES COPAINS (Terence Young/F, I, B 1970)


"Killing him wouldn't be murder. It would be like cleaning a cesspool."

De La Part Des Copains (Kalter Schweiß) ~ F/I/B 1970
Directed By: Terence Young

Der Indochina-Veteran und entflohene Ex-Knacki Joe Martin (Charles Bronson) hat sich bereits vor längerem mit Frau Fabienne (Liv Ullman) und Stieftochter Michèle (Yanick Delulle) an der Côte D'Azur niedergelassen, wo er mit einigem Erfolg reichen Amateurkapitänen das Navigieren auf See beibringt. Eines Tages tauchen jedoch seine vier früheren Mitgefangenen Katanga (Jean Topart), Ross (James Mason), Gelardi (Luigi Pistilli) und Whitey (Michel Constantin) nebst dem Gangsterblondchen Moira (Jill Ireland) auf. Joe hatte sie einst während des Ausbruchs in dem deutschen Militärgefängnis zurücklassen und ohne sie türmen müssen. Nun folgt die Abrechnung: Nachdem Joe den Vorboten Whitey erledigen kann, nehmen die verbleibenden Finsterlinge Fabienne und Michèle als Geiseln. Joe soll die Gangster mit seinem Boot in die Ägäis bringen. Doch der wehrhafte Familienvater lässt sich nicht beugen.

Schnörkelloser Eurokrimi, der eine frühe Paraderolle für Bronson transportiert und von Terence Young pointiert inszeniert wurde. Weg vom noch künstlerisch beflisseneren Genrekino der letzten Jahre silhouettiert "De La Part Des Copains" bereits Bronsons kommenden Archetypus - den des unerbittlichen, kantigen Helden, der sich mit wenigen Worten seinen Weg bahnt und der Bedrohungen der eigenen Person und vor allem der Familie mit doppelter Münze vergilt. Dem vorausgeschickten Whitey bricht Joe nach einem Zweikampf das Genick, den besonders boshaft (da misogyn, pädophil, und egozentrisch) charakterisierten Katanga setzt er am Schluss in Flammen. Dass Young an existenzialistischer Schwere nicht explizit interessiert ist, zeigen andererseits vergleichsweise versöhnliche Momente: Die zurückkehrende Besonnenheit des verblutenden James Mason angesichts des nahenden Todes etwa, der sich doch noch gegen seine Kumpane stellt oder die Schlussminute, die dem besorgten Zuschauer gewissermaßen garantieren soll, dass den Martins trotz der schweren Stunden zuvor ein untraumatisiertes, glückliches Weiterleben garantiert ist. Brosons privates Rennen gegen die Zeit und zwei Motorrad-Flics in einem roten Granada-Cabrio über die Provinz-Serpentinen ist ein kleines Meisterstück zeitgenössischen Actionkinos.

7/10

Terence Young Familie Kidnapping Côte dAzur car chase


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ADIEU L'AMI (Jean Herman/F, I 1968)


Zitat entfällt.

Adieu L'Ami (Bei Bullen "singen" Freunde nicht) ~ F/I 1968
Directed By: Jean Herman

Erst bei ihrer Ankunft in Marseille lernen sich die beiden Algerienkriegsveteranen Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson) kennen. Barran ist Arzt und durch die versehentliche Erschießung seines besten Freundes in Depressionen verfallen, Propp indes ein lebenslustiger Gauner, der vor keiner Möglichkeit, schnelles Geld zu machen zurückschreckt. Als Barran die geheimnisvolle Isabelle (Olga Georges-Picot) kennenlernt, veranlasst diese ihn zu einem Bruch bei einem Pariser Multi. Doch anstatt den Safe leerzuräumen, soll Barran zuvor entwendete Dokumente wieder darin platzieren. Während des Jobs taucht plötzlich auch Propp auf und beide werden im Safe eingesperrt. Nachdem ihnen viele Stunden später die Flucht glückt, gerät Propp in die Fänge der Polizei. Doch an ihm hat der ermittelnde Inspektor Méloutis (Bernard Fresson) eine harte Nuss zu knacken...

Bronson in Europa, Bronson in Frankreich. Hier hat der polnischstämmige US-Akteur einige seiner schönsten und stilvollsten Filme hinterlassen, die einerseits Wegbereiter für sein späteres Hartarsch-Image abgaben, andererseits jedoch in formal krassem Gegensatz im Besonderen zu seinem darstellerischen Werk in den Achtzigern stehen. In "Adieu L'Ami" ist er ein Sonnyboy, der als unwesentlich mehr denn als Stichwortgeber für den damals weitaus größeren Star Alain Delon fungiert. Die beiden als buddies zu besetzen, die sich, wie es sih ziemt, zunächst an die Kehle gehen, um dann höchsten Respekt und Vertrauen gegenüber dem jeweils Anderen zu entwickeln, zeugt jedoch von einigem Gespür. Der robuste, rustikale Bronson und der charmante gentilhomme Delon formulieren reizende Gegensätze, die ihre unfreiwillig beginnende Partnerschaft umso glaubwürdiger erscheinen lassen.
Dem gegenüber stehen einige mitunter seltsam anmutende Volten, die Script und Inszenierung vollziehen und aus denen ich nicht immer schlau werde. Die Schlusseinstellung etwa repräsentiert dies vorzüglich. Jene vermögen jedoch den positiven Gesamteindruck, den "Adieu L'Ami" resümierend hinterlässt, nicht wesentlich zu trüben.

7/10

Jean Herman Marseille Paris Buddy Movie Heist femme fatale Fremdenlegion


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RESURRECTION MAN (Marc Evans/UK 1998)


"My Victor was a good boy. Write that in your paper!"

Resurrection Man ~ UK 1998
Directed By: Marc Evans

Belfast, 70er Jahre: Eine Gruppe protestantischer Gewaltverbrecher, die sich selbst 'Resurrection Man' nennt, macht die ohnehin krisengeschüttelte Stadt noch unsicherer. Willkürlich greift man sich vornehmlich männliche, alternde katholische Bürger und quält sie zu Tode. Als inoffizielles Aushängeschild von Resurrection Man fungiert der junge Protestant Victor Kelly (Stuart Townsend), ein von ödipalen Komplexen zerfressener, sadistischer Psychopath. Der selbst unter psychischen Problemen leidende Journalist Ryan (James Nesbitt) setzt sich auf die Spur Kellys und verfolgt dessen letzten Lebensabschnitt.

Basierend auf den Gräueltaten der damals tatsächlich existenten 'Shankill Butchers', einer protestantisch geprägten Terrorgruppe, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Nordirland unsicher machte, entstand zunächst Eoin McNamees Roman "Resurrection Man", aus dem der Autor dann das Script für Evans' Film destillierte. Vornehmlich bietet dieser die Chronik des inoffiziell ausgetragenen Duells zwischen Kelly und Ryan, zweier gleichermaßen sozial inkompatibler Individuen, die ihre desolaten psychischen Zustände auf ihre jeweils spezielle Weise ausleben oder kontrollieren. Nur einmal begegnet man sich; die Fronten werden geklärt, alles weitere geschieht einfach.
"Resurrection Man" macht es seinem Publikum nicht leicht - sein Personal besteht ausschließlich aus Typen, von denen man sich im wahren Leben despektierlich fernhielte, allen voran natürlich der asoziale, gemeingefährliche Victor Kelly, der auf seinen Mordzügen gezielt nach Stellvertretern für seinen unbändigen Vaterhass sucht. Stuart Townsend hat für die Interpretation dieses Menschenmonsters offenbar sehr akribisch Vincent D'Onofrios Prä-Suizid-Szene aus "Full Metal Jacket" studiert; zumindest bemüht er sich um eine entsprechende Mimik.
In jedem Falle sehenswert, insbesondere für Liebhaber des britischen period gangster movie, muss man sich allerdings darauf entstellen, mit Evans' Werk eines sehr kalten, emotionsentleerten Filmes ansichtig zu werden, an dessen fröstelnde, unbeteilte Objektivität im Hinblick auf das Dargestellte man sich erst einmal gewöhnen muss.

7/10

Marc Evans Belfast Historie Nordirland Familie Mutter & Sohn Journalismus period piece Serienmord Kokain


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THE COUNSELOR (Ridley Scott/USA, UK 2013)


"Why wasn't Jesus Christ born in Mexico? Because you couldn't find three wise men or a virgin there."

The Counselor ~ USA/UK 2013
Directed By: Ridley Scott

Der Berater und Anwalt (Michael Fassbender) des Großdealers Reiner (Javier Bardem) gerät in eine empfindliche Situation, als man ihn verdächtigt, eine gewaltige Lieferung Kokain aus Mexiko gestohlen zu haben. Der Anwalt hatte den Deal nach Beratung mit Reiner und unter Vermittlung des hintergründigen Westray (Brad Pitt) eingefädelt, um sich noch mehr Luxus gönnen und mit seiner schönen Verlobten Laura (Penélope Cruz) in Reichtum schwelgen zu können. Er ahnt nicht, dass er einem eiskalt ersonnenen Plan von Reiners Liebchen Malkina (Cameron Diaz) aufsitzt, die tatsächlich hinter dem Kokaindiebstahl steckt und damit die Ermordung sämtlicher Beteiligten durch die rachsüchtigen Mexikaner nicht nur in Kauf nimmt, sondern ausdrücklich herbeiführt.

Vielleicht könnte man "The Counselor" in Scotts Gesamtwerk etwa jene Stellung zuordnen, die "Showgirls" in Paul Verhoevens Œuvre innehat: Eine mehr oder weniger freiwillige Liebäugelung mit Camp und Sleaze, die unter Inkaufnahme einer geradezu offensiven Exaltiertheit mit Sex und Amoral hausieren geht und die Schlechtigkeit der Welt ausstellt in einer Form, die wohl vornehmlich dazu angetan ist, ein eher bürgerliches Publikum zu schockieren; dem in Genrebelangen "erfahreneren" Betrachter - und dies dürften, davon gehe ich einfach mal aus - ohnehin die meisten sein, die sich "The Counseor" widmen, allerdings lediglich eine Variation altbekannter Themen kredenzt. "Scarface", "Traffic", "Blow", "Savages", "Spring Breakers" stehen in der Ahnenreihe dieses mit verlockenden Bildern protzenden Epos, in dem sogar Ströme von Jauche noch toll aussiehen: Leg' dich nicht mit Latino-Gangstern an, die sind nämlich die härtesten, kranksten und brutalsten Bastarde der Welt, die Föten und Schlimmeres zum Frühstück verspeisen! Wesentlich mehr sitzt eigentlich nicht drin in Scotts wie mit einem riesigen Nudelholz ausgewalzten Geschichte eines Niedergangs, die mir allerdings trotzdem prima gefallen hat, weil ich seit eh und je auf des Regisseurs selbstherrliches, schwelgerisches Stilgewichse abfahre und mich mit selbigem stets hinreichend wohl gefühlt habe. Hervorragende Darsteller, schöne Menschen, die, mit Ausnahme der armen Penélope Cruz (die es ausgerechnet am härtesten erwischt), kriegen, was sie verdienen und am Ende aber auch gar nichts mitnehmen können von Dolce oder Gabana, das kann auch mal schön sein. Und dann der mir omnipräsent scheinende Michael Fassbender. Mir fast schon unheimlich, dass ich, ganz unbewusst, schon so Vieles mit ihm angeschaut habe (ich zählte überraschterdings just ganze zwölf Filme, with many more to come). Ist aber auch echt okay, der Junge.

8/10

Ridley Scott Mexiko Arizona Drogen femme fatale


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SQUADRA VOLANTE (Stelvio Massi/I 1974)


Zitat entfällt.

Squadra Volante (Die gnadenlose Jagd) ~ I 1974
Directed By: Stelvio Massi

Der unkonventionelle Interpol-Ermittler Tomas Ravelli (Tomas Milian) kennt nur noch ein Ziel: Den Mörder seiner Frau zu fassen, einen französischen Bankräuber namens Marseille (Gastone Moschin), der einst im Zuge einer Fluchtaktion ein paar Querschläger auf Ravellis Gattin abgab. Marseille, der gerade wieder ein großes Ding in Multimillionenhöhe durchgezogen hat und bereits im Vorhinein insgeheim plant, seine Komplizen abzuservieren, tritt nun erneut in Erscheinung. Daraufhin verbeißt Ravelli sich gnadenlos in dessen Verfolgung.

Tomas Milian in einer Vorstudie für Nico Giraldi - zwar noch ohne dessen loses Mundwerk und exaltierte Gestik, dafür jedoch bereits mit unverwechselbaren Kennzeichen wie Baskenmütze und abgebranntem Zigarrenstummel im Mundwinkel zu Werke gehend. Doch egal wie und wodurch, der Mann ist sowieso stets eine Bank. Der markant bekieferte Gastone Moschin, den man noch aus Di Leos "Milano Calibro 9" in allerbester Erinnerung hat, markiert einen tollen Antagonisten für Milian. Leider gibt sich die schnittige Stefania Cassini als Moschins gieriges Liebchen hier etwas zugeknöpft, dafür hält Massi andernorts nicht hinterm Berg. Ich bin unglücklicherweise noch nicht mit so vielen seiner Werke vertraut, der mit allen Mitteln eines sauberen Poliziescho operierende "Squadra Volante" zumindest ist mir eines der bisher liebsten.

7/10

Stelvio Massi Duell Jagd Rache Poliziottesco


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G MEN (William Keighley/USA 1935)


"A very funny remark."

G-Men (Der FBI-Agent) ~ USA 1935
Directed By: William Keighley

Als sein freund Eddie Buchanan (Regis Toomey) erschossen wird, entschließt sich der nicht sonderlich erfolgreiche, weil immens idealistische New Yorker Anwalt Brick Davis (James Cagney), sich als G-Man beim FBI zu bewerben. Brick erweist sich für die Behörde bald als sehr nützlicher Neuzugang, denn durch seine früheren Kontakte in die Unterwelt legt er einige wertvolle Spuren offen, unter anderem die zu dem berüchtigten Bankräuber Danny Leggett (Edward Pawley).

Nachdem die klassischen Gangsterfilme um Cagney, Robinson und Muni während der Depressionsjahre ein Massenpublikum erobert hatten, stieg die Besorgnis der Zensoren bezüglich der falschen Leinwand-Ideale. Die Darstellung organisierten Verbrechens als Eskapismusfaktor im Kino und die erbarmungslose Realität der schweren Rezession vermochten, so schlussfolgerte man wohlweislich im Breen Office, verhängnisvolle Kausal-Zusammenhänge hervorrufen. Daher wurde aus dem "öffentlichen Feind" James Cagney ein aufrechter FBI-Mann, ein ebenso vorbildlich agierender wie romantischer Streiter gegen jene Elemente, die er zuvor (und später dann wieder) im Film verkörpert hatte. Seinen Brick Davis legte Cagney als liebenswerten Strahlemann an, für den Unbestechlichkeit und Integrität die obersten Maximen darstellten, der allerdings auch in zwischenmenschlicher Hinsicht ein feiner Kerl war; ganz anders eben als brutale Opportunisten und Emporkömmlinge wie Tom Powers, deren Verschlagenheit und latente Aggressivität Cagney wundersamerweise ebenso authentisch zu geben wusste wie die Liebenswürdigkeit des hier debütierenden Helden.
Dennoch funktionierte "G Men" nach wie vor nach den etablierten Schemata des Warner-Gangster-Movie, es ratterten die Thompsons und moralisch Aufrechte wie Gebeugte starben in deren Feuer. Bis auf einen leichten Perspektivwechsel konnte also das bewährte Produkt auch weiterhin an den Mann gebracht werden.

7/10

William Keighley New York Chicago FBI





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Funxton

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