Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


Foto

POMPEII (Paul W.S. Anderson/USA, CA, D 2014)


"They who are about to die salute you!"

Pompeii ~ USA/CA/D 2014
Directed By: Paul W.S. Anderson

Der Gladiator Milo (Kit Harrington) ist der letzte Überlebende eines von dem damaligen Feldherrn und jetzigem Senator Corvus (Kiefer Sutherland) gnadenlos niedergeschlagenen Kelten-Aufstands. Als Kind (Dylan Schombing) hatte Milo mit ansehen müssen, wie Corvus höchstpersönlich seine Eltern abschlachtete. Nunmehr steht er im Dienste des Gladiatorenbesitzers Graecus (Joe Pingue), der ihn nach Pompeii bringt, um dort die durch den reichen Patrizier Severus (Jared Harris) geplante Stadtrenovierung mittels seiner Spiele zu begleiten. Milo verliebt sich in Severus' Tochter Cassia (Emily Browning), auf die auch der sich ebenfalls vor Ort befindende Corvus ein Auge geworfen hat und schließt Freundschaft mit einem eigentlichen Todfeind, dem Gladiatoren Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje). Bevor Corvus Severus nötigen kann, ihm Cassia zur Gemahlin zu geben, bricht der Vesuv aus und begräbt die Stadt unter sich - nicht ohne Milo Zeit für seine Rache zu lassen.

Dass derart reuelos gefertigter Camp wie "Pompeii" auch heute noch, da alles nach Perfektion und Reibungslosigkeit strebt, in die Kinos gelangt, mag nicht unbedingt als schlechtes Zeichen gelten. Ich kenne längst nicht alle seine Filme, aber ich schätze, Paul W.S. Anderson zählte und zählt kaum zu den filigraner vorgehenden Studio-Handwerkern. Hier aktualisiert er keinesfalls (und wie ich bis dato glaubte) die berühmte Geschichte von Bulwer-Lytton um Glaucus und Ione, sondern eine neu erfundene Story, die mehr oder minder grob die letzten fünfzehn Jahre popkultureller Aufbereitung des Römischen Reichs unter einen Hut zu bringen versucht. Ohne Gladiatoren geht es also schonmal nicht und weil "Game Of Thrones" momentan alle Welt umtreibt, holte man sich kurzerhand noch Jon Snow für die Hauptrolle hinzu. Das Script und auch seine Umsetzung nehmen sich in etwa so elegant aus wie ein Wikinger-Essen; im Grunde stimmt hier vorne nichts und hinten schon gar nichts. Man mag bei der Inszenierung beginnen, die sich nicht von gängigen TV-Formaten abgrenzen kann (oder will?), beim Script, das aber auch wirklich kein noch so offensichtliches Klischee-Fettnäpfchen auslässt fortfahren und von den Darstellern, von denen bestenfalls Kiefer Sutherland die Leinwand auszufüllen imstande wäre, der sich hier jedoch dem allgemeinen Niveau anpasst, zum Einsatz des audiovisuellen Effektefundus' gelangen, der sich ganz schamlos zum primären Entertainmentfaktor deklariert. Kurzum: "Pompeii" ist unverhohlen strunzdämlich, steht jedoch zu sich und seinem schlichten Geflecht in unerschütterlicher Selbstverleugnung und bereitet gerade deshalb schuldiges Vergnügen. Leider fällt er alles in allem ein wenig zu brav aus. Dennoch: ein glatter Anachronismus, der sicher noch in ein paar Jahrzehnten seine ihm kultisch ergebenen Anhänger haben wird.

5/10

Paul W.S. Anderson Rom period piece Camp Pompeii Vulkan Rache Gladiatoren 3-D


Foto

THE MAGIC SWORD (Bert I. Gordon/USA 1962)


"I'd recognize you amongst thousands!"

The Magic Sword (Ascalon - Das Zauberschwert) ~ USA 1962
Directed By: Bert I. Gordon

Im finsteren Mittelalter entführt der böse Zauberer Lodac (Basil Rathbone) des Königs schöne Tochter Helene (Anne Helm) um sie seinem stets hungrigen Drachen zum Fraße vorzuwerfen. Da ist jedoch noch der fesche Jüngling George (Gary Lockwood) vor, der Helene zwar nur durch Bilder aus einem magischen See kennt, sie aber trotzdem von Herzen liebt. Von seiner schusseligen Ziehmutter Sybil (Estelle Winwood) mit dem nötigen Equipment für eine solch gefahrvolle Expedition ausagestattet, zieht er ohne deren Billigung los, sechs Ritter aus allen Teilen Europas sowie den undurchsichtigen Hofritter Branton (Liam Sullivan) an der Seite. Sieben Flüche gilt es auf dem Weg zu Lodacs Feste zu übwerwinden, einer schrecklicher als der andere.

Eigentlich ein Fall für Nathan Juran und Ray Harryhausen, wurde "The Magic Sword" zu einem, na ja, semi-erfolgreichen Versuch des stets günstig arbeitenden Monsterbarden Bert I. Gordon, traditionelle Märchen- und Fabelmuster in einem bunten, familientauglichen Abenteuerfilm unterzubringen. Auch viele Pulp-Horror-Elemente sind enthalten: Es gibt einen Riesenwerwolf, ein nebliges Moor mit säurehaltigen Tümpeln, eine hässliche Dämonenhexe, Geister, allerlei mutiertes Zaubervolk (Zwerge, Eierköpfe und Vogelmenschen) und natürlich den handlungsstiftenden Drachen. Das alles scheint mir, unter vornehmlicher Verwendung von Rückprojektionen und Bildmontagen, halbwegs passabel getrickst, insgesamt jedoch mit zu wenig Schmiss und zuviel Routine dargebracht. Die Besetzung um die beiden seniorigen Kontrahenten Rathbone und Winwood hält immerhin ein paar kleine Überraschungen bereit: In Cameos finden sich Vampira und Angelo Rossitto an, letzterer allerdings im Zuge eines eher undankbaren Auftritts.

5/10

Bert I. Gordon Ritter Magie Märchen Monster Drache Hexe


Foto

NOAH (Darren Aronofsky/USA 2014)


"Now you're a man."

Noah ~ USA 2014
Directed By: Darren Aronofsky

In grauer Vorzeit: Der dem allmächtigen "Schöpfer" hörige Noah (Russell Crowe) erhält eines Tages eine wegweisende Vision. Ein gewaltiger Regen wird die gesamte Welt überfluten und es ist an ihm, Noah, die Unschuldigen, nämlich die Tiere, in Sicherheit zu bringen. Zu diesem Zwecke soll er ein gewaltiges Schiff bauen, eine Arche, auf der je zwei Exemplare jeder Art Platz finden. Auch Noah und seine Familie dürfen als Erbauer und letzte Human-Vertreter darauf mitfahren. Mithilfe der "Wächter", steinerner Riesen, in deren Innerem sich die himmlischen Heerscharen des Schöpfers verbergen, gelingt Noah der Bau der Arche und auch das Zurückschlagen der anrückenden Horden des Tubal-Kain (Ray Winstone), der dereinst Noahs Vater (Marton Czokas) erschlug. Der Tyrann selbst allerdings kann sich in die Arche einschleichen und sich dort mithilfe von Noahs rachsüchtigem Mittleren Ham (Logan Lerman) verstecken. Derweil ist Noahs zumal unfruchtbare Adoptivtochter Ila (Emma Watson) schwanger. Dies steht jedoch dem Masterplan zur vollständigen Tilgung der Menschheit entgegen. Noah muss eine Entscheidung treffen...

Die Bibel ist ja ein duftes Märchenbuch, wenngleich über weite Passagen ziemlich mies geschrieben und mit allzu vielen Namen unübersichtlich aufgepimpt. Dennoch gab und gibt sie Fernseh- und insbesondere Hollywood-Studios immer wieder Anlass zu Demonstrationen von production values und vor allem zu solchen wahnhaften Vulgärglaubens. In das klassische Segment ebenjener Art Bibel-Adaption fällt auch Darren Aronofskys jüngster Film, dem ja in Kürze noch einige Konkurrenz-Produktionen folgen werden. Bibel ist anno 2014 wieder in. Was liefert nun der vorliegende, betont allegorisch arrangierte Gattungsvertreter? Edeltrash? Ziemlich sicher. Das Exempel eines in Ehren gescheiterten Großprojekts? Ganz bestimmt. Aronofsky gilt ja gemeinhin als ambitioniert zu werke gehender Filmemacher mit höchst spezifischer Note. "Noah" entwickelt erwartungsgemäß mancherlei Parallelen zu Aronofskys bisher unzugänglichstem Werk "The Fountain", das sich ebenfalls als philosophische Flexion verstand und sich verstärkt mit existenzialistischen Topoi auseinandersetzte. Ebenso wie im erwähnten The Fountain" geht es auch in "Noah" um Persistenz. Die der Menschheit selbst nämlich. Fragen über Fragen werden aufgeworfen wie die nach der grundsätzlichen Existenzberechtigung einer vernunftbegabten Spezies in einem an sich idealen natürlichen Gefüge. Ob die Welt nicht vielleicht besser ohne uns drehte, da sich mit dem Einschleichen geistiger Gewandtheit zugleich auch all unsere negativen Attribute potenzierten: maßloser Raubbau an allem, Krieg, Neid, Hass, Gier. Angesichts einer sich weiter drehenden Erde, auf der Dinge geschehen, wie sie aktuell omnipräsent sind, wirft "Noah" gleich noch die dräuende Frage nach dem möglichen Wert einer ultimativen Euthanasie auf, wie sie die biblische Sintflut ja dereinst vollzog: Gänzlich erholen könne sich unsere kranke, faulende Welt nurmehr ohne uns.
Natürlich ist das finale Fazit ein im humanistischen Sinne positives: durch das, was uns wesenhaft auszeichnet, durch Herz, Seele und die Fähigkeit, Barmherzigkeit zu entwickeln, verdienen auch wir weiterhin unsere Chancen; regelmäßige göttliche Warnschüsse vor den Bug allerdings und natürlich inbegriffen.
Dazwischen immer wieder beeindruckend gestaltete, aronofskysche Bilderfluten: von der Schöpfungsgeschichte über die sich forttragende Botschaft des Schöpfers an die Tiere, zur Arche zu kommen; vom Sündenfall bis hin zu Noahs Epiphanien. Ein wenig als drug movie nimmt sich "Noah" somit auch aus, in Kombination mit einer frappierend an die Tolkien-Adaptionen erinnernden Fantasy-Ästhetik allerdings als kein weltbewegendes. Manchmal, da ist er sogar direkt albern.

6/10

Darren Aronofsky Bibel Familie 3-D


Foto

THE RUINS (Carter Smith/USA, AU, D 2008)


"This doesn't happen! Four Americans on a vacation don't just disappear!"

The Ruins (Ruinen) ~ USA/AU/D 2008
Directed By: Carter Smith

Yucatán, Mexiko: Kurz vor ihrem Heimflug lassen sich vier US-Jungtouristen von dem Deutschen Mathias (Joe Anderson) überreden, zusammen mit ihm und seinem Kumpel Dimitri (Dimtri Baveas) nach seinem Bruder Heinrich zu suchen, der mit dessen Frau im Urwald einen Maya-Tempel erforschen wollte und nunmehr überfällig ist. Vor Ort angekommen, werden die sechs Reisenden von einer Gruppe höchst ungehaltener Maya-Abkömmlinge empfangen, die Dimitri sogleich erschießen. Die Übrigen können sich zunächst auf den Gipfel der Pyramide retten und erfahren hier auch den Grund für die Aggression der Einfgeborenen: Der Tempel wird von einer höchst obskuren Rankenart bewohnt, die sich wie ein denkendes Wesen verhält und ihre todbringenden Samen jedem einpflanzt, der ihr zu nahe kommt...

Ähnlich wie beim zwei Jahre jüngeren "Primal" geht es auch in "Ruins" um eine uralte, bizarre Naturgewalt, die sich auf einen urweltlichen Punkt konzentriert und sich von hier aus offensichtlich auszubreiten versucht. Die Herkunft des bösartigen Gewächses bleibt ungeklärt; es könnte ebenso außerirdischen Ursprungs sein wie ein bislang unentdecktes Relikt aus prähistorischer Zeit. Ziemlich scary sind die Pflänzchen mitsamt ihren pulsierenden Blüten in jedem Falle: Sie imitieren schrille Geräusche jedweder Art, bauen sich in lebenden Organismen ihre Nestchen und ernähren sich von Totem. Allein die Tatsache, dass sie offenbar größere tierische Wirte benötigt, um sich auszubreiten, hält das Gewächs an einem Ort fest. "The Ruins" steht damit in der Genre-Tradition böser Pflanzen, die bis Nathaniel Hawthorne und sicherlich auch noch weiter zurückreicht und die von der Prämisse zehrt, dass unsere stummen, grünen Zeitgenossen nicht immer so friedlich sind, wie sie scheinen und ganz besonders infolge wissenschaftlicher oder außerirdischer Modifikation zu höchst bedrohlichem Eigenleben erwachen können. Wenn das Ganze so spannend, deftig und farbenfroh Gestalt annimmt wie im Falle "The Ruins", bin ich immer gern für einen solchen vegetarischen Einschub zu haben.

7/10

Carter Smith Ben Stiller Mexiko Maya Tempel Pflanzen Madness Belagerung Splatter Ruine


Foto

THE FRANKENSTEIN THEORY (Andrew Weiner/USA 2013)


"Whatever you do - don't run!"

The Frankenstein Theory ~ USA 2013
Directed By: Andrew Weiner

Der als genial geltende Jungwissenschaftler Jonathan Venkenheim (Kris Lemche) ist der festen Überzeugung, dass sein Urahn und seine Arbeit dereinst das authentische Vorbild für Mary W. Shelleys Roman "Frankenstein" bildeten. Vor allem jedoch glaubt er, dass die Kreatur, die sein Ururgroßvater dereinst geschaffen hat, noch immer durch die Arktis stapft. Um zu verhindern, öffentlich als Spinner abgestempelt zu werden und seine wissemnschaftliche Seriosität zu wahren, reist Jonathan zusammen mit einer vierköpfigen Gruppe Dokumentarfilmer und dem Führer Karl (Timothy V. Murphy) nach Kanada bis zum nördlichen Polarkreis, wo er das Monster gegenwärtig vermutet. Dass Jonathan in Teilen seiner These richtig liegt, stellt man vor Ort bald fest - allerdings hat er mit anderen Dingen Unrecht, das Ungeheuer ist nämlich keineswegs zugänglich für Kontaktaufnahmen...

Im letzten Jahr erlebte der "Frankenstein"-Mythos zu seinem 195. Erscheinungsjubiläum einen kleinen Boom. Andrew Weiner leistete, ebenso wie der Niederländer Richard Raaphorst, einen Beitrag dazu, indem er die Story nicht nur um einen legitimen Erben des Original-Wissenschaftlers weitersponn (so könnte man "The Frankenstein Theory" in genealogischer Hinsicht auch als mögliches Sequel zu dem unmittelbar zuvor geschauten "Frankenstein's Army" betrachten), sondern das Ganze zudem in einen 'embedded-filming'-Rahmen setzt.
Leider versandet der Film am Ende inhaltlich in einer Art, die ihm ansonsten überhaupt nicht zukommt. Er beginnt spannend und seriös, belegt, dass gutes Genrekino auch immer noch abseits von zuviel Blut und Gekröse onscreen funktionieren kann und hält sein Niveau im Prinzip bis zum Showdown durch. Dann jedoch weiß er sich nicht besser zu helfen, als mit der denkbar langweiligsten Zielvariante: Ja, die Kreatur existiert, und ja, sie ist böse und plättet alles um sich herum. Die kreative Angst davor, vielleicht doch ein wenig in Shelleys (und Jonathan Venkenheims) Sinn zu handeln und dem Monster eine Stimme von Frustration und Vernunft zu verleihen, entpuppt sich als leider übermächtig.
Vielleicht hätten die Kids den Film verlacht, was in unserer viralen Zeit ja rasch einer kommerziellen Katastrophe gleichkommen kann. Möglicherweise aber wäre er auf diese Weise auch zu einem starken Finish gelangt. So bleibt ein durchaus ansehnlicher, gerade darum letztlich jedoch umso bitterer enttäuschender Beitrag zum attraktiven Subgenre "Wir filmen unser Ende und ihr alle dürft uns dabei zuschauen".

6/10

Kanada Schnee Expedition embedded filming Frankenstein Monster Andrew Weiner


Foto

CIMARRON (Wesley Ruggles/USA 1931)


"Sugar, if we all took root and squatted, there would never be any new country."

Cimarron (Pioniere des Wilden Westens) ~ USA 1931
Directed By: Wesley Ruggles

Davon, dass er sein erstes Landnahme-Wettrennen gegen die unehrenhafte Dixie Lee (Estelle Taylor) verloren hat, lässt sich der rastlose Pionier Yancey Cravat (Richard Dix) keinesfalls entmutigen: Kurzerhand klemmt er sich daheim in Wichita Frau Sabra (Irene Dunne) und Söhnchen Cim (Junior Johnson) unter den Arm und reist mit ihnen dorthin, wo soeben die Stadt Oklahoma City im Entstehen begriffen ist. Von nun an betätigt sich Cravat als Lokalpolitiker und unbestechlicher Zeitungsverleger und wird so zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt. Doch lange halten ihn auch diese Aufgaben nicht; Yancey zieht es noch weiter gen Westen, derweil Sabra die Verlagsleitung übernimmt und ihre Kinder zu ehrenhaften jungen Leuten heranwachsen.

"Go west, young man": Über einen Zeitraum von vierzig Jahren erstreckt sich die Familienchronik der Cravats, die ein Hohelied auf den überseeischen Pioniergeist anstimmt und Menschen wie den porträtierten Yancey Cravat trotz all ihrer notwendigen Unzuverlässigkeit in Familiendingen zu den heimlichen Landesvätern deklariert. Dabei bemüht sich der bei der damals noch starken RKO produzierte Film nach Leibeskräften, auch den liberalen Geist der Nation einzufangen, indem er die langsame Überwindung des allseitigen Rassismus thematisiert, damit jedoch in Ehren scheitert. Cravat kämpft unter anderem auch für die Belange ortsansässiger Indianerstämme und will ihnen sogar freies Wahlrecht ermöglichen - ganz zum Unverständnis Sabras, die umso entsetzter ist, als der mittlerweile erwachsene Cim (Don Dillaway) eine Häuptlingstochter (Dolores Brown) ehelichen will.
Weniger zimperlich gibt sich das Erzählte hinsichtlich afroamerikanischer Gleichstellungsfragen - der junge Hausdiener der Cravats, Isaiah (Eugene Jackson), wird als ebenso lustiger wie sich aufopfernder, aber auch hoffnungslos zurückgebliebener Schimpanse charakterisiert und ist somit ein trauriges, wenngleich authentisches Beispiel für den omnipräsenten Rassismus jener Jahre im die Gesellschaft widerspiegelnden Hollywood.
Regisseurssignaturen waren seinerzeit übrigens noch wenig öffentlichkeitswirksam. Wesley Ruggles' Name taucht nicht als der des Inszenierenden auf.

6/10

Wesley Ruggles Familie Oklahoma Pioniere Best Picture Edna Ferber


Foto

ELEPHANT WALK (William Dieterle/USA 1954)


"It's just all about Wiley Sr.!"

Elephant Walk (Elefantenpfad) ~ USA 1954
Directed By: William Dieterle

Die junge Londoner Buchhändlerin Ruth (Elizabeth Taylor) lernt den auf Ceylon beheimateten Teepflanzer John Wiley (Peter Finch) kennen, begeht eine Blitzhochzeit mit ihm und zieht mit ihm auf dessen gewaltige Plantage 'Elefantenpfad'. Nachdem Ruth von dem dort vorherrschenden Luxus überwältigt wurde, erkennt sie, dass hier keineswegs alles dem schönen Schein gerecht wird: John ist von dem patriarchalischen Geist seines verstorbenen Vaters besessen, der stets Herrengesellschaften gab und seine imperialistischen Ideale so weit trieb, dass er sogar die einheimischen Elefanten gegen sich aufbrachte. Allerdings scheint nicht nur Johns Unterwerfung grenzenlos; auch seine Geschäftspartner und das Hauspersonal, allen voran der erwürdige Appuhamy (Abraham Sofaer) sehen in ihm eine pure Reinkarnation des Seniors. Johns Vorarbeiter Carver (Dana Andrews) macht Ruth derweil schöne Augen und tatsächlich liebäugelt sie mit einer Trennung von John. Da bricht die Cholera aus...

Mit immerhin 60 Jahren nahm sich Dieterle dieses Standish-Romans an, der ihm die Möglichkeit bot, prächtige Technicolor-Bilder vor Ort in Ceylon einzufangen und mit einem einmaligen Darstellertrio zu arbeiten. "Elephant Walk" transportiert zugleich viel von Daphne Du Mauriers "Rebecca" oder Anya Setons "Dragonwyck", in denen sich jeweils junge, naive Damen durch überstürzte Hochzeiten mit reichen Neurotikern ins Unglück stürzen. Ein klassisches Thema in der Frauenliteratur demnach, das Dieterle jedoch mit sehr viel formaler Akribie und dräuender Mystik neu entpackt. Auch hier gilt wieder: Um dem alten Filz zu entrinnen, muss dieser ersteinmal niedergetrampelt werden; es müssen Einsichten geschaffen werden, die einen Neuanfang ermöglichen. Die Elefantenherde bzw. ihr alter, wütender Bulle, denen Wiley Sr. einst den jahrtausendealten Weg zur Tränke verbaute, stehen dabei als überdeutliche Symbole eines kolonisierungsfeindlichen Landstrichs, dem auch abendländische Arroganz nicht standhält.
Elizabeth Taylor übte hier sozusagen schon einmal für ihre zwei Jahre darauf folgende Rolle der Leslie Benedict in der Ferber-Adaption "Giant", die nichts anderes als eine noch sorgfältigere Konturierung der im Prinzip selben Figur darstellen sollte. Womit sich ein weiterer Motivkreis schließt.

8/10

William Dieterle Sri Lanka Kolonialismus Freundschaft Madness Camp Ehe


Foto

THE PHYSICIAN (Phillip Stölzl/D 2013)


"I don't want to treat warts all my life."

The Physician (Der Medicus) ~ D 2013
Directed By: Phillip Stölzl

England im frühen elften Jahrhundert: Nachdem seine Mutter an der 'Seitenkrankheit', einer Blinddarmentzündung, gestorben ist, schließt sich der junge Rob Cole (Adam Wright) einem Bader (Stellan Skarsgård) an, einem fahrenden Gaukler, Barbier und Wunderheiler, der allerlei Wehwehchen heilt. Schon früh entdeckt Rob seine Gabe, per Handauflegen bei Patienten den unmittelbar nahenden Tod voraussehen zu können. Viele Jahre bleibt er bei dem Bader und erlernt dessen Geschäft, bis er als Erwachsener (Tom Payne) Zeuge wird, wie ein jüdischer Medicus (Martin Hancock) dem Bader seinen Grauen Star sticht und ihn somit vor dem Erblinden rettet. Rob wird gewahr, dass wahre Heilkunst sehr viel komplexer ist als er es bislang vermutete und entschließt sich, nach Isfahan zu reisen, wo der große Arzt Ibn Sina (Ben Kingsley) eine Schule für angehende Mediziner leitet. Zunächst tarnt sich Rob als Jude, da Christen im Orient nicht gern gesehen sind. Nach einer langen, beschwerlichen Reise gelangt er an sein Ziel und wird tatsächlich Student bei Ibn Sina. Nicht nur die Heilkunde, auch die tief religiös konnotierten Konflikte zwischen den Seldschuken und Mullahs, den Juden und den Anhängern des monarchistisch geprägten Shah (Olivier Martinez) sowie die unglückliche Liebe zu der schönen Rebecca (Emma Rigby) bestimmen fortan das abenteuerliche Leben Robs, der es in der Folge schafft, die Beulenpest aus Isfahan zu verbannen und nach der heimlich durchgeführten Obduktion eines infolge der Appendizitis verstorbenen Patienten zum Tode verurteilt, jedoch in letzter Sekunde gerettet wird und dem Shah mittels einer Blinddarm-Operation das Leben rettet. Zurück in London eröffnet Rob gemeinsam mit Rebecca ein eigenes Krankenhaus.

Ich empfand die damalige Lektüre von Noah Gordons Romanschlager "Der Medicus" - sie mag nunmehr gute 25 Jahre zurückliegen - als sehr inspirierend und spannend und hätte mir schon dereinst eine Verfilmung gewünscht, zumal die vor Details und Opulenz strotzenden Beschreibungen des Autors geradezu nach einer luxuriösen Leinwand-Adaption schreien. Selbiges gilt übrigens auch für den Nachfolger "Der Schamane", in dem Rob Coles Nachfahren in die Neue Welt übersiedeln.
Erwartungsgemäß passt die epische Struktur des Romans nicht in einen Zweieinhalbstünder; etliche (mir wichtige) Stränge, wie seine Lehrjahre beim Bader oder die ausufernde Reiseerzählung um Robs einjährige Fahrt nach Isfahan sowie seine Konfrontationen mit Glaubensnuancen und seine anhaltenden Kollisionen mit der ewigen Divergenz zwischen Religion und Vernunft mussten weichen. Stölzls Film legt das narrative Hauptgewicht auf Robs Zeit in Isfahan und seine Beziehung zu Ibn Sina, der von Ben Kingsley erwartungsgemäß fürstlich interpretiert wird. Tiefergehende oder gar subtile Betrachtungen zu jedwedem der verhandelten Themen darf man, im Gegensatz zu inhaltlichen Simplifizierungen, von "The Physician" nicht erwarten; die Feindbilder sind mit den allen Fortschritt negierenden, glaubensverkrusteten Islamisten erwartungsgemäß höchst aktuell, was irgendwie auch erklärt, warum der Film gerade jetzt entstanden sein wird. Bei aller unterhaltenden Qualität, Bildgewalt und visuellen Wertigkeit bleibt er somit stets oberflächlich und betont unkompliziert konsumierbar. Ich meine, Gordons Buch hätte einen komplexere Umsetzung verdient gehabt.

6/10

Phillip Stölzl Mittelalter Noah Gordon Nico Hoffmann Medizin England London Iran ethnics Isfahan Wüste Pest Islam


Foto

THE WRECK OF THE MARY DEARE (Michael Anderson/UK, USA 1959)


"I'm asking you to do something for me as one man to another."

The Wreck Of The Mary Deare (Die den Tod nicht fürchten) ~ UK/USA 1959
Directed By: Michael Anderson

Vor der bretonischen Küste stößt John Sands (Charlton Heston), Skipper eines kleinen Schleppers, bei stürmischer See auf einen scheinbar verlassenen Frachter, die "Mary Deare". Als Sands das vermeintliche Geisterschiff betritt, muss er feststellen, dass er mitnichten allein ist: Der sich ihm als Kapitän vorstellende Gideon Patch (Gary Cooper) ist die letzte lebende Person an Bord. Über die Ereignisse der letzten Tage schweigt sich Patch zunächst aus. Nachdem er die "Mary Deare" mit Absicht auf ein Riff gesteuert hat, bittet Patch Sands, ihn vor dem Seegericht zu unterstützen. Denn nicht nur, dass Patch eine höchst unsaubere Biographie vorweist, vertritt er auch noch eine recht ominös scheinende Theorie um einen geplanten Versicherungsbetrug...

Die Besonderheit um Andersons Film, der sich ein wenig ausnimmt wie ein leicht aus der Art geschlagenes Hitchcock-Werk, liegt in der Erzählperspektive: Berichtet wird das Ganze zu rund drei Vierteln aus der Sicht des ebenso wie der Rezipient völlig unbeschlagenen Seemannes John Sands, der Gideon Patch als einen mysteriösen, möglicherweise sogar gefährlich überkandidelten Zeitgenossen erlebt. Dem Zuschaur wird sogar noch mehr Bange gemacht, denn Patch hat, das offenbart man uns, mindestens eine Leiche im (Kohlen-)Keller. Die einzige Sicherheit betreffs dieser Figur ergibt sich durch ihren Interpreten Gary Cooper, der, soviel weiß man, stets integre Charaktere darbietet. Um einen solchen handelt es sich natürlich auch bei Gideon Patch, eine Art Will Kane auf hoher See, der als humanes Abschreibungsobjekt zum Opfer einer Verschwörung wird und sich verzweifelt Hilfe sucht, um seiner Bredouille zu entkommen. Anderson inszeniert dieses Zusammentreffen zweier Stars mit britischem understatement, dem auch die diversen Insel-Darsteller, darunter Richard Harris als gemeiner Hundsfott, Rechnung tragen. Trotz seines nach wie vor sehenswerten Prädikats haftet "The Wreck Of The Mary Deare" allerdings eine gewisse, unleugbare Patina an, die sich vor allem in Form der hier und da allzu gemächlich ausfallenden Narration bemerkbar macht.

7/10

Eric Ambler Michael Anderson Atlantik Schiff Seefahrt Verschwörung Courtroom


Foto

BLACK ROBE (Bruce Beresford/CAN, AUS, USA 1991)


"Is the Blackrobe a demon?"

Black Robe ~ CAN/AUS/USA 1991
Directed By: Bruce Beresford

Der Jesuitenpater Laforgue (Lothaire Bluteau) entschließt sich anno 1634, von einer frankokanadischen Siedlung aus eine Reise zu einer nördlich gelegenen, weit entfernten Huronen-Mission anzutreten. Begleitet wird er von dem jungen Daniel (Aden Young). Eine Gruppe Algonkin-Indianer soll die beiden Männer eskortieren, wenngleich ihre Überlebenschancen aufgrund der vielen Gefahren, die sie auf dem Weg erwarten, ohnehin sehr gering ausfallen. Tatsächlich beginnen nicht nur die Algonkin, den enthaltsamen, stillen Laforgue bald als undurchsichtiges Wesen zu fürchten, auch ein von ihnen aufgesuchter, zwergenwüchsiger Schamane (Yvan Labelle) beäugt ihn mit abergläubischem Misstrauen. Nachdem die Gruppe von Irokesen überfallen und aufgerieben wird, ist Laforgue auf sich allein gestellt. Er gelangt dennoch an sein Ziel, doch auch die von einer Seuche dezimierten Huronen fürchten seinen schwarzen Rock.

Beresfords möglicherweise eindringlichstes Werk ist ein trister, harter Film, der von der Abenteuerromantik eines J.F. Cooper weiter gar nicht entfernt sein könnte und eher in der Tradition von Aldrichs "Ulzana's Raid" steht denn in der des zeitnah entstandenen "Dances With Wolves". Wo dieser zumindest von Chancen berichtete, illustriert der beinahe endzeitlich anmutende "Black Robe" das Aufeinanderprallen zweier unvereinbarer Kulturen, deren Konfrontation nicht zuletzt aufgrund des puritanischen, selbstverleugnenden Starrsinns des gottesfürchtigen Missionars zu einer Parabel um Scheitern und Verlust gerät. Die Kolonisten aus der Alten Welt zeigen sich bereits in diesem noch recht frühen Stadium ihrer Okkupation als viel zu arrogant und rassistisch, um ein auch nur funktionales Verhältnis zu den ihnen unbegreiflichen Eingeborenen schaffen zu können, derweil allerdings auch die Indianer den Eindringlingen und ihren Bräuchen mit Stutzen und Unverständnis begegnen. Und tatsächlich bergen Geleit und Beschützen des Schwarzrocks Tod und Verderben für sie. Eine bitterere conclusio dürfte in einem Film dieser Thematik kaum vorstellbar sein, gerade darum ist er als Kontrastprogramm zu Costner jedoch von solch elementarer Größe.

9/10

Bruce Beresford Kanada Indianer Mission Kirche period piece Reise