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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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ROPE OF SAND (William Dieterle/USA 1949)


"You must have been such a sweet girl once."

Rope Of Sand (Blutige Diamanten) ~ USA 1949
Directed By: William Dieterle

Der Abenteurer Mike Davis (Burt Lancaster) kennt den exakten Fundort eines kleinen Diamantenfeldes innerhalb einer riesigen, eingezäunten Ära nahe Kapstadt. Nachdem der örtliche, machthungrige Polizeichef Vogel (Paul Henreid) bereits vor zwei Jahren vergebens versuchte, Mike sein Geheimnis durch Folter zu entlocken, kehrt dieser nun zurück, um sich die Edelsteine unter den Nagel zu reißen. Doch sowohl Vogel als auch der Diamantenhändler Martingale (Claude Rains), der die Glücksitterin Suzanne (Corinne Calvet) engagiert um Mike weichzukochen, sitzen ihm im Nacken.

Die Erinnerung an "Casablanca" kommt nicht ganz von ungefähr: Hal Wallis produzierte dieses in Afrika spielende, flamboyante Abenteuer um Gier, Opportunismus, Kriegstraumata, Verrat und Glücksspiel mit Burt Lancaster in der (beileibe nicht so elegant interpretierten) Rolle von Bogey, Paul Henreid in der Rolle von Conrad Veidt und Claude Rains und Peter Lorre in Wiederholung ihrer eigenen Rollen aus dem unerreichten Vorbild. Selbst einen neuen 'Sam' gibt es, in Gestalt von Davis' "Boy" John (Kenny Washington). Viele Szenen spielen in einer bezüglich Interieur und Atmosphäre an 'Rick's Café' gemahnenden Spelunke. Henreid genießt den Wandel vom aufrechten Widerstandskämpfer zum diabolischen Ekel, Sam Jaffe kommt noch vor als versoffener Arzt und die besten Auftritte hat - wie könnte es anders sein - Lorre als undurchsichtiger, kleinkrimineller Schnorrer, der wie ein kleines Gespenst immer dann auftaucht, wenn man es am wenigsten erwartet. Ein kleiner Diamant im Camp-Wust der Spätvierziger.

8/10

William Dieterle Südafrika Afrika Diamanten


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THE DEVIL-SHIP PIRATES (Don Sharp/UK 1964)


"He's still alive." - "Throw him overboard then!"

The Devil-Ship Pirates (Die Teufelspiraten) ~ UK 1964
Directed By: Don Sharp

1588: Nachdem die englische Seeflotte die Armada im Ärmelkanal erfolgreich schlagen konnte, rettet sich der schwer beschädigte, kleine Schoner 'Diablo' an die britische Küste. Was der mitreisende Don Manuel Rodriguez de Sevilla (Barry Warren) nicht weiß, ist, dass Capitano Robeles (Christopher Lee) und seine Mannen eigentlich Piraten sind, die zum Kriegsdienst gegen Elizabeth gepresst wurden. Nachdem Robeles kurzerhand desertiert, überfällt er das nächstliegende Dorf und macht sich die Unwissenheit der Bewohner zunutze, indem er Don Manuels zuvor gestreutes Gerücht, Philips Armada sei siegreich gewesen, ausnutzt. Harry (John Cairney), der Sohn des örtlichen Schmieds Tom (Anrew Keir), rebelliert gegen den grausamen Robeles und bekommt schließlich Hilfe von Don Manuel.

Der letzte Piratenfilm der Hammer ist nach meinem persönlichen Empfinden zugleich der gelungenste: Die kleinen Nachlässigkeiten der Vorgänger, die vornehmlich darin bestanden, ihre begrenzten production values zu kaschieren, fanden sich nunmehr ausgeräumt; die Geschichte, clever installiert von Jimmy Sangster und sorgsam inszeniert von Don Sharp, bleibt geschickterweise auf eine vergleichsweise übersichtliche Lokalität begrenzt, ohne dass es notbehelfend-forciert wirkt. Aus dem Widerstreit der englischen Provinzler gegen die üblen Seeräuber unter Captain Robeles wird ein kriminalistisches Kammerspiel, dass sogar bestimmende Elemente späterer home-invasion-movies vorwegnimmt - eine Gruppe anarchischer Gewaltverbrecher schneidet einen ohnehin abgelegenen Flecken von der Außenwelt ab und spielt sich hernach als Mini-Usurpatoren mit zunehmend bösartigen Besitzansprüchen auf. Zum Glück gibt es bei Hammer jedoch stets den jugendhaften Heroen, der, wenngleich unter herben privaten Verlusten, mit der Übermacht fertig wird. Großes Abenteuer in einem kleinen, feinen Film.

8/10

Don Sharp Jimmy Sangster Michael Carreras Hammer Piraten Seefahrt Historie period piece Sumpf


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THE PIRATES OF BLOOD RIVER (John Gilling/UK 1962)


"If I kill, it is to achieve a purpose, not for the sake of killing."

The Pirates Of Blood River (Piraten vom Todesfluss) ~ UK 1962
Directed By: John Gilling

Der exilierte Hugenotten-Abkömmling Jonathan Standing (Kerwin Matthews) wird zum Exil in einem Straflager verurteilt, weil er mit der Ehefrau (Diane Aubrey) eines der örtlichen Patriarchen (Dennis Waterman) angebendelt hat. Standing flieht nach kurzer Zeit aus der unsäglichen Arbeitshaft und gerät an den Piratenkapitän LaRoche (Christopher Lee) und seine Bande. LaRoche ist überzeugt, dass in der Hugenottenkolonie hochwertige Schätze versteckt sind und geleitet Jonathan unter einem falschen Vorwand heimwärts...

Wer klassische Piratenfilme mit prächtigen Schonern, ausgeprägter Takelage und opulenten Seeschlachten mag, ist bei der Hammer eher unglücklich aufgehoben - deren Korsarengeschichten spielen sich nämlich in der Hauptsache stets am Festland ab, da sich dieses wahlweise an der Südküste der britischen Insel abfilmen oder auch schön im Atelier nachstellen ließ. Die Außenaufnahmen zu "The Pirates Of Blood River" wurden zwar in Buckinghamshire gedreht, weil jedoch der Eindruck eines exotisch gelegenen Eilands evoziert werden musste, platzierte man hier und dort geschickt ein paar Palmwedel und Farne. Ein seichtes Flüsschen dient als Mangrovensumpf, plätschernde Wasser sollen Piranha-Schwärme symbolisieren. Man mag der Hammer ja manches vorwerfen - nicht jedoch, dass man kein Geschick im Hinblick auf die manchmal eingeschränkten Produktionsbedingungen bewies. Die Besetzung glänzt neben Mathews und Lee samt schurkischer Augenklappe und verkrüppeltem Arm noch mit einem just in den Startlöchern befindlichen Oliver Reed sowie den Hammer-Standards Andrew Keir und Michael Ripper. Mission accomplished.

7/10

John Gilling Piraten Hammer Insel Vater & Sohn Gold period piece


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FURY AT SMUGGLER'S BAY (John Gilling/UK 1961)


"I shall see yer foreman!"

Fury At Smugglers Bay (Die Bucht der Schmuggler) ~ UK 1961
Directed By: John Gilling

An der Südküste von Cornwall tummeln sich im 18. Jahrhundert Schmuggler und Piraten, die Handelsschiffe auf die Klippen lotsen und dann ausplündern. Doch Schmuggler ist nicht gleich Schmuggler - der brutale Bandenchef Black John (Bernard Lee) etwa ist ein rechter Halsabschneider, während sein Konkurrent, der "Captain" (William Franklyn), als galanter Schurke vom alten Schlage daherkommt. Squire Trevenyan (Peter Cushing) jedoch empfindet jedweden von ihnen als besorgniserregend und versucht, mit aller Härte gegen die Räuber vorzugehen - nicht ohne Bedacht, denn Black John hat den Squire aufgrund eines pikanten Geheimnisses in der Hand. Und auch dass sein Sohn Christopher (John Fraser) mit der Tochter (Michéle Mercier) eines von ihm selbst verurteilten Hehlers (George Coulouris) pussiert, passt ihm überhaupt nicht.

John Gilling, Peter Cushing, Miles Malleson - Namen die verdächtig an die Hammer-Produktionen gemahnen, in diesem Falle jedoch zu Unrecht. Möglicherweise jedoch hat das Schmuggler- und Piraten-Sujet von "Fury At Smugglers Bay" das renommierte Studio so weit angefixt, dass es binnen der folgenden zwei Jahre selbst eine entsprechende, lose Trilogie fertigte, deren erster Beitrag "Captain Clegg" noch mit der Phantastik liebäugelte und wiederum über Peter Cushing verfügen konnte. Ich muss auch gleich einräumen, dass mir selbiger besser gefällt als der doch strunzbrave Abenteuerstreifen "Fury At Smugglers Bay", der zwar vor Professionalität und Sorgfalt glänzt, sich alles in allem jedoch überaus überraschungsarm und konventionell zuträgt. So ein richtig mieses oder auch nur mysteriöses Subjekt hat es hier nicht, auch wenn Bernard Lee sich alle Mühe gibt, eins zu sein. Irgendwie ist er aber nicht der Typ dafür. Am Anfang hatte ich noch kurz darauf gehofft, dass Cushing als Squire (ähnlich wie in "Captain Clegg" der Vikar) sich im Nachhinein als der heimliche Drahtzieher und graue Eminenz hinter all den üblen Geschehnissen in der Schmugglerbucht erweisen möge, doch nichts dergleichen. Überraschungen darf man hier keine erwarten.

6/10

John Gilling Piraten period piece England Cornwall


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DR. CYCLOPS (Ernest B. Schoedsack/USA 1940)


"Strange, how absorbed man has been in the size of things!"

Dr. Cyclops (Dr. Zyklop) ~ USA 1940
Directed By: Ernest B. Schoedsack

Eine imposant angelegte Expedition in den Amazonasdschungel, wo der geniale Biologe Dr. Thorkel (Albert Dekker) seine geheimen Experimente durchführt, erweist sich für die Beteiligten - den exzentrischen Dr. Bulfinch (Charles Halton), seine Kollegin Dr. Robinson (Janice Logan), den Abenteurer Stockton (Thomas Coley), den Muli-Züchter Baker (Victor Kilian) und den Einheimischen Pedro (Frank Yaconelli) als Farce: Thorkel benötigt lediglich einen kurzen Ersatz für seine schwer nachlassende Sehkraft und kanzelt die Angereisten hernach kurzerhand ab. Weil man sich jedoch nicht so ad hoc wieder nach Hause schicken zu lassen gedenkt, wird man aufdringlich. Thorkel quittiert dies mit einer schrecklichen Strafe: Er offenbart kurzerhand die wahre Natur seiner Versuche und schrumpft die fünf Expeditionsteilnehmer auf eine Größe von 25 Zentimetern. Der folgende Kampf gegen den wahnsinnigen Wissenschaftler und die Tücken des Urwalds ist hart.

Ein schöner Genreklassiker, ausnahmsweise nicht aus den führenden Genre-Studios Universal oder RKO, sondern von der Paramount produziert. Im Grunde eine weitere Abhandlung des Topos aus "The Most Dangerous Game" - eine Kleingruppe muss sich auf exotisch-unwirklichem Terrain gegen einen veritablen Madman zur Wehr setzen - nur dass in diesem Falle die Gejagten auf ein Siebtel ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft sind und der Jäger ein durchgedrehter, zudem kurzsichtiger Forscher ist. Etwas notdürftig hergestellte Analogien zur Zyklopen-Episode der Odyssee bestimmen den Titel. Die Größenverhältnis- und Rückprojektions-Effekte sind liebevoll gefertigt und mit Albert Dekker eine nachgerade ikonische Gattungsfigur erschaffen. Über den naiven, durchaus infantilen Abenteuerplot mag man hinwegsehen. Der größte Star des Films ist sowieso das zu jener Zeit für phantastische Stoffe höchst ungewöhnlich gewählte, wunderschöne Drei-Streifen-Technicolor, das sogar einem ordinären Papagei eine halluzinatorische Aura verleiht.

8/10

Ernest B. Schoedsack Miniaturisierung Dschungel Madness mad scientist


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EL KÁRATE, EL COLT Y EL IMPOSTOR (Antonio Margheriti/E, I, HK, USA 1974)


Zitat entfällt.

El Kárate, El Colt Y El Impostor (In meiner Wut wieg' ich vier Zentner) ~ E/I/HK/USA 1974
Directed By: Antonio Margheriti

Bei dem Versuch, seinen Tresor zu sprengen, kann der Halunke Dakota (Lee Van Cleef) nicht verhindern, dass der wohlhabende chinesische Geschäftsmann Wang (Al Tung) ums Leben kommt. Als dessen Bruder (Pai-Chen Yang) in China davon erfährt, schickter den Kung-Fu-Kämpfer Ho Chiang (Lo Lieh), zugleich Wangs Neffe, nach Monterey in Amerika. Dort schließen sich Dakota und Ho zusammen, um Wangs Erbschaft ausfindig zu machen. Dafür müssen sie jedoch zunächst ein Rätsel lösen, dessen einzelne Bestandteile Wang dereinst auf vier weibliche Popos tätowierte. Eines davon gehört der frivolen Gattin (Erika Blanc) des verrückten Predigers Hobbitt (Julián Ugarte), der sich, als er davon erfährt, selbst Wangs Schatz unter den Nagel reißen will.

Dass es sich für den (Euro-)Western und fernöstliches Kampf-Procedere durchaus lohnt, eine fruchtbare Kurzehe einzugehen, hatte Bond-Regisseur Terence Young bereits drei Jahre zuvor mit "Soleil Rouge" bewiesen, in dem ein japanischer Samurai und ein amerikanischer Gunslinger sich notgedrungen zusammenraufen müssen, um ein begehrtes Objekt (in diesem Falle handelte es sich um ein Schwert) zu erringen. Für "El Kárate, El Colt Y El Impostor" gingen derweil die Hong Konger Shaw Brothers eine ihrer Ost-West-Kollaborationen ein, um zwei große Unterhaltungsmärkte zu bedienen. Inszeniert wurde der Spaß von dem in Crossover-Dingen keinesfalls unerfahrenen Genre-Ass Margheriti, der hierfür sein berühmtes Pseudonym 'Anthony M. Dawson' verwendete. "El Kárate, El Colt Y El Impostor" ist erwartungsgemäß witzig und bewegt sich bis zum knalligen Showdown etwa in den Breitengeraden eines Spencer-/Hill-Western; soll heißen, es wird mehr geprügelt denn geschossen und es gibt, nicht zuletzt aufgrund der pobackigen Story-Prämisse, mancherlei Gelegenheit für schlüpfrige Hintern-Witzchen. Wer derlei Kuriositäten mag und beispielsweise mit der Hofbauer/Kuei-Zusammenarbeit "Yang Chi" etwas anzufangen weiß, der wird ganz bestimmt auch bei Lee Van Cleef und Lo Lieh auf seine Kosten kommen.

6/10

Antonio Margheriti Shaw Bros. Crossover Martial Arts Italowestern Europloitation


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THE FIRST GREAT TRAIN ROBBERY (Michael Crichton/UK 1978)


"You look a sight."

The First Great Train Robbery (Der große Eisenbahnraub) ~ UK 1978
Directed By: Michael Crichton

London, 1855. Der gewiefte Halunke Edward Pierce (Sean Connery) plant etwas bisher nie Dagewesenes: Den Überfall auf einen fahrenden Zug. Als Beute soll die Soldkasse für die auf der Krim stationierten Soldaten, die wöchentlich von london abtransportiert wird und stets 25.000 Pfund enthält, herhalten. Zuvor gilt es jedoch, vier voneinander unabhängig aufbewahrte Schlüssel nachzubereiten, um damit den sprengsicheren Tresor öffnen zu können. Mithilfe diverser Komplizen, allen voran seiner Geliebten Miriam (Lesley-Anne Down) und dem Trickbetrüger Agar (Donald Sutherland) arbeitet sich Pierce trotz diverser Unwägbarkeiten immer weiter an das Ziel seiner Bemühungen vor...

Auf seinem eigenen Roman basierend inszenierte Michael Crichton dieses schelmisch grinsende Ganoven-Stück, das sich trotz diverser Spannungsmomente (sowie einer etwas eklektisch wirkenden Szene, in der ein Verräter grausam abgestraft wird) seine Lockerheit und seinen Witz stets bewahrt und die eher fröhlichen Seiten der Viktorianischen Ära hervorkehrt. Eine Art britisches Pendant zu George Roy Hills meisterhaftem "The Sting" ist das Resultat.
In allen erforderlichen, narrativen Nuancen berichtet Crichton von der minutiösen Vorbereitung und Durchführung des Coups, der sich sogar als handfeste Kritik an der Empire-Politik festmachen lässt: Der Aufmarsch gegen die Russen in Osteuropa wird durch den Diebstahl eines kompletten Wochensolds für die königliche Armee finanziell empfindlich geschwächt. Natürlich entspringt all dies Crichtons gewitzter Fabulierkunst; die Tatsache jedoch, dass der Film von der Pike auf ganz sein persönliches Baby ist, lässt sich anhand der runden, charmanten Erscheinung desselben stets deutlich wahrnehmen.

8/10

period piece Michael Crichton London Heist Zug Victorian Age


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ZULU (Cy Endfield/UK 1964)


"Why is it us? Why us?" - "Because we're here, lad. Nobody else. Just us."

Zulu ~ UK 1964
Directed By: Cy Endfield

Nach der vernichtenden Schlacht von Isandhlwana im Januar 1879 rückt eine Abteilung Zulu-Krieger gegen eine kleine Missionsstation bei Rorke's Drift vor, die von knapp 140 Briten, darunter auch Verletzte und Arretierte, gehalten wird. Unter herben Verlusten bewältigen die Soldaten das Unglaubliche: Sie verteidigen das Areal erfolgreich gegen 4000 Zulu, die sich nach rund 36 Stunden Belagerungs- und Stellungskrieg schließlich unter lautstarker Ehrerbietung ihrer Feinde geschlagen geben und zurückziehen.

Der unabhängig produzierte "Zulu" markiert einen großen Meilensrein des britischen Kinos, das sich mit diesem Film in der Tadition der Kordas und der von Powell/Pressburger neuerlich erfolgreich mühte, an Hollywood-Standards zu kratzen und auch einmal abseits von einem David Lean großes und edles Historienkino auf Weltniveau zu kredenzen. In gebührender Breite und mit allem gebotenen Glanz und Gloria berichtet "Zulu" von der Zähigkeit einiger weniger Soldaten, die in einen unerklärten Krieg verwickelt werden, mit dem sie nur insofern zu tun haben, als dass ihre eigene Armee ihn sinnloserweise angezettelt hat und es nunmehr mit den unabwendbaren Konsequenzen zu tun bekommen. Dem strategischen Geschick und der Unerbittlichkeit der im Kampf eigentlich unerfahrenen Offiziere Bromfield (Michael Caine) und Chard (Stanley Baker) ist es letzten Endes zu verdanken, dass die Briten als Sieger aus jenem Scharmützel hervorgehen. Endfield inszeniert die klaustrophobische Spannung, die dieser eigentlich hoffnungslosen Situation auf britischer Seite innewohnen musste, mit allem gebührenden dramaturgischen Geschick, lässt hinreichend Platz für ausführliche Charakterzeichnung und malt seine Bilder in leuchtenden Farben, flankiert von John Barrys famoser Musik.
Gibt nichts, was an diesem Meisterstück zu optimieren wäre; es ist und bleibt in seiner beeindruckenden Form perfekt.

10/10

Cy Endfield Historie period piece Kolonialismus Afrika Südafrika


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ZULU DAWN (Douglas Hickox/UK, SA, NL 1979)


"Bullets run out... and those bloody spears don't."

Zulu Dawn (Die letzte Offensive) ~ UK/SA/NL 1979
Directed By: Douglas Hickox

Im Januar 1879 greifen die Briten von Natal aus die benachbarte Zulunation an, weil sich deren König Cetshwayo (Simon Sabela) beständig weigert, seine bedrohliche Truppenstärke herabzusenken. Der unerklärte Krieg der Imperialmacht findet für die zahlenmäßig völlig unterlegenen Briten mit der Schlacht von Isandhlwana eine vorläufige, pompöse Niederlage, die mit der nahezu ölligen Aufreibung der Garnisonen des arroganten Lord Chelmsford (Peter O'Toole) endet.

Pünktlich zum einhundertsten Geburtstag des Zulu-Kriegs lieferte Douglas Hickox mit "Zulu Dawn" ein spektakuläres Prequel zu Cy Endfields 15 Jahre älterem "Zulu", der die kurz auf Isandhlwana folgende Schlacht bei Rorke's Drift thematisiert hatte. Im Gegensatz zu Endfields Film verfolgt "Zulu Dawn" die Chronik eines irrwitzigen Angriffs, der aus purer kolonialistischer Arroganz heraus geführt wird und mit einem verdienten Debakel für die königliche Armee endet - sofern man den Begriff 'verdient' angesichts der gigantischen Verlustzahlen, die jene Kämpfe mit sich brachten, überhaupt verwenden darf. Immerhin ging mit Chelmsford einer der strategischen Hauptinitiatoren jener militärischen Fehloperation als späterer Sieger nach der siegreichen Schlacht um Ulundi, der Hauptstadt des damaligen Zululandes, hervor. Hickox' prächtiges Epos scheut sich nicht davor, bar jeder Geschichtsklitterung den ungeheuerlichen Hochmut, der das Empire zu weiteren Eroberungen trieb, zu porträtieren und glänzt neben seiner formalen Reife mit einer vorzüglichen Besetzung, die neben dem erwähnten O'Toole auch Burt Lancaster, Simon Ward, Denholm Elliott und Phil Daniels aus "Quadrophenia" präsentiert. Ausgezeichnetes Geschichtskino!

8/10

Douglas Hickox period piece Historie Afrika Südafrika Kolonialismus Prequel


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LA VIA DELLA PROSTITUZIONE (Joe D'Amato/I 1978)


Zitat entfällt.

La Via Della Prostituzione (Sklavenmarkt der weißen Mädchen) ~ I 1978
Directed By: Joe D'Amato

Die knallharte, abgefeimte und jeder Form freier Liebe zugetane Enthüllungsjournalistin Emanuelle (Laura Gemser) plant eine Reportage über die Irrwege illegaler Prostitution. Nach einigen erotischen Abenteuern in Kenia geht es zurück in die Staaten, wo sie sich auf die Spur des Mädchenhändlers Francis Harley (Gabriele Tinti) begibt, der ihr bereits in Nairobi aufgefallen war. Emanuelle tarnt sich als mittelloses Hippie-Mädchen und wird an den Puff der Madame Claude (Gota Gobert) in San Diego weitervermittelt. Wer Madame Claude a den Karren wird, wird wahlweise in irgendwelche Drittweltländer verschleppt oder einer Lobotomie unterzogen - ein gefährliches Pflaster für Emanuelle.

Nach zwei nicht ganz "offiziellen" Beiträgen zur Reihe ("Emanuelle Nera No. 2" mit "Ausnahme"-Schauspielerin Shulamith Lasri und "Suor Emanuelle", in der Laura Gemser eine geile Nonne spielt), lieferte Urvater Joe D'Amato mit "La Via Della Prostituzione" den dritten echten Film um die flotte Reporterin ab, die sich in allen möglichen Teilen der Welt (vorzugsweise aber in Afrika) austobt und neben regelmäßig aufsehenerregenden Schreibanlässen immer auch ordentlich was zu bumsen auftut. Ob Männlein oder Weiblein, jung und attraktiv oder alt und faltig ist dabei Nebensache, Hauptsache, die Chemie funzt - und sie funzt so gut wie immer! Gerade das machte ja auch Laura Gemsers unerreichte, spezifische Erotik aus - selbst bei der nackten Massage eines überreifen Senioren wirkt sie noch höchst vergnügt. Kein noch so niederer Sexualpartner schien dieser milchkaffeebraunen Göttin je unangemessen, im Gegenteil: Anders als im luxuriösen Ambiente einer Sylvia Kristel brauchte man hier also nicht groß zu träumen - Laura Gemser musste man nur wo treffen und die zu erwartende Nummer schien in festen Tüchern. Wie sie am Ende dieses Films eine ganze, ungewaschene Fischkutterbesatzung zum Drüberrutschen einlädt, das hat einfach Chuzpe. Abgesehen von der tatsächlich perfekt gegossenen Gemser hat es natürlich noch Nico Fidencos wie gewohnt coolen Score und D'Amatos fachmännisch inszenierte Voyeurismen. Dazu ist das ganze Ding noch überaus ulkig und als Zeuge goldener Bahnhofskinotage sowieso nur toll.

6/10

Joe DAmato Europloitation Journalismus Afrika Kenia New York San Diego