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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE MASTER OF BALLANTRAE (William Keighley/USA 1953)


"I have a style of my own."

The Master Of Ballantrae (Der Freibeuter) ~ USA 1953
Directed By: William Keighley

Schottland, Mitte des 18. Jahrhunderts: Nach der verlorenen Schlacht bei Culloden irrt Bonnie Prince Charlie, jüngster Repräsentat des alten Königshauses der Stuarts, durch das Hochland, stets auf der Flucht vor den Regierungstruppen Georgs II. Unter den Edelleuten hat er jedoch nach wie vor viele Sympathisanten, so den Gutserben Jamie Durie (Errol Flynn), der als Partisan gegen die englischen Besatzer kämpft, jedoch bald selbst zur Flucht gezwungen ist. Zusammen mit dem Iren Burke (Roger Livesey) glaubt Jamie sich irrigerweise von seinem jüngeren Bruder Henry (Anthony Steel) verraten und gerät über Umwege zu den Westindischen Inseln, wo er sich mitsamt seinem Freund bald mitten im Piraten-Milieu wiederfindet. Zusammen kapert man eine spanische Galeone und reist zurück in die Heimat, um die offenen Rechnungen zu begleichen.

Farbenprächtiges Flynn-Vehikel, das den langsam doch älter werdenden und vor allem infolge seiner privaten Exzesse etwas aufgedunsen wirkenden Hollywood-Charmeur durch seine Atelier-Kulissen jagt. Nicht ganz so berauschend wie der kurz zuvor entstandene "Against All Flags" führt Flynns jüngster Brot- bzw. Whiskey-Erwerb ihn neuerlich zumindest behauptet in sonnige Gefilde, sprich die Karibik. Hier erhält der von daheim Vertriebene und sich verraten glaubende Gentleman die Chance, Manneserfahrungen zu sammeln, indem er einen alten, versoffenen Piratenkapitän (Charles Goldner) aufs Kreuz legt und einen anderen, zudem eitlen, französischen Gecken (Jacques Berthier) im Fechtzweikampf in die Schranken weist. Das alles funktioniert natürlich wie am Schnürchen, so dass die Erzählzeit nicht überstrapaziert wird und Jamie Durie flugs wieder diesseits des Atlantiks zurückfindet. Dort wird dann noch ein par Rotröcken gepflegt der Hintern versohlt, das schwelende, brüderliche Missverständnis aufgeklärt und - geheiratet! Alles wieder im Lot nördlich des Hadrianswalls. Oder zumindest im hauseigenen Umfeld.

7/10

William Keighley Schottland Historie Karibik Piraten Seefahrt Widerstand period piece Brüder Freundschaft Rache Jack Cardiff


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THE FOUR FEATHERS (Zoltan Korda/UK 1939)


"Why worry? Be a coward and be happy."

The Four Feathers (Vier Federn) ~ UK 1939
Directed By: Zoltan Korda

Unmittelbar vor seiner Abordnung in das unter dem aufständischen Mahdi brodelnde Nordostafrika quittiert der junge Offizier Harry Faversham (John Clements) seinen Dienst, teils aufgrund seiner pazifistischen Überzeugung, teils aus Unsicherheit betreffs seines regelkorrekten Verhaltens im Einsatz. Seine drei besten Soldatenfreunde und auch seine Braut Ethne (June Duprez) quittieren Harrys Entscheidung mit ernüchterter Enttäuschung und lassen ihm als Zeichen ihrer Verhöhnung vier Federn zukommen. Harry, der diese Schmach nicht erträgt, schifft sich insgeheim doch noch Richtung Nil ein und gibt sich vor Ort als geächteter Eingeborener aus. In dieser Rolle erhält Harry die Möglichkeit, seinem im Einsatz erblindeten Freund Durrance (John Richardson) zunächst unerkannt das Leben zu retten und dem später in Khartoum einrückenden Sirdar Kitchener entscheidende Rückendeckung bescheren. Harry kehrt als Held nach England zurück.

Zoltan Kordas prachtvollster Film bereicherte das internationale Kino-Superjahr 1939 um eine weitere Attraktion: Gewaltige Statistenaufmärsche in schönstem Drei-Streifen-Technicolor, aufwändige On-Location-Drehs und eine von wildem Herzschmerz geprägte Geschichte um eine buchstäblich heldenhafte Rehabilation präsentierte eindrucksvoll, das mit großem Abenteuer- und Monumentalkino nicht nur aus Hollywood zu rechnen war. A.E.W. Masons Vorlage trieb Regisseure diverser Kinoepochen um und wurde insgesamt nicht weniger als sechsmal adaptiert. Kordas Fassung gilt als die schönste und sehenswerteste darunter und wenngleich ich sonst nur die beiden jüngsten Verfilmungen kenne, bin ich geneigt, dem zuzustimmen. Um diese mittlerweile ja doch recht anachronistische Fabel um einen schlafenden Krieger im Pazifistenpelz glaubhaft darbieten zu können, bedarf es einem hohen Maß an Flamboyanz und emotionaler Auslieferung durch den Regisseur, wie sie heute, das zeigt etwa Shekhar Kapurs Version von 2002, kaum mehr zu aktivieren ist. Korda indes vermochte Harry Favershams widerwillige "Mannwerdung" noch mit adäquatem Herzblut und voller ehrlicher Inbrunst anzupreisen.

9/10

Zoltan Korda Kolonialismus Ägypten Sudan Khartoum Mahdi-Aufstand Militär Freundschaft A.E.W. Mason


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GUNGA DIN (George Stevens/USA 1939)


"Her Majesty's very touchy about having her subjects strangled."

Gunga Din (Aufstand in Sidi Hakim) ~ USA 1939
Directed By: George Stevens

Nordwestindien in den 1880ern: Die längst zerschlagen geglaubten Thuggees, eine im Zeichen der Todesgöttin Kali operierende Sekte von Attentätern, hat sich heimlich reformiert und plant unter ihrem fanatischen Oberguru (Eduardo Ciannelli) die sukzessive Zerschlagung der britischen Armee. Durch einen eher unbewussten Hinweis des einheimischen Bhisti Gunga Din (Sam Jaffe), der sein Herz für das Militär Ihrer Majestät entdeckt hat, stößt das herzliche Sauf- und Raufboldtrio Cutter (Cary Grant), MacChesney (Victor McLaglen) und Ballantine (Douglas Fairbanks Jr.) auf den verborgenen Haupttempel der Thuggees. Das Quartett gerät in Gefangenschaft und soll als Köder für die Suchmannschaft, die hinterrücks überfallen werden soll, fungieren, doch Gunga Din kann durch eine heldenhafte Aktion das Blatt in letzter Sekunde wenden.

Nach Rudyard Kiplings Heldenballade über einen indischen Wasserträger, der zum glorreichen Soldaten der Kolonialarmee wird und sein Leben für diese gibt, entstand dieser Prestige-Film der 1939 noch auf Höhe befindlichen RKO. Wenngleich Stevens' Werk gleich Kiplings Gedicht den Namen des heldenhaften, im Film von Sam Jaffe gespielten Eingeborenen trägt, spielt Gunga Din erwartungsgemäß nur eine untergeordnete Rolle und muss sich trotz anderslautend voregetragenen Epilogs mit einem realen Status als Nebenfigur begnügen. Stattdessen wird das Trio Grant/McLaglen/Fairbanks Jr. bis in höchste Sphären gejubelt: Eine todesmutige, prügellustige kleine Posse, von denen jeder allein schon mindestens zwanzig Würgern im Dienste Kalis den Hintern versohlen kann, deren geballte Kraft jedoch das Empire widerspiegelt wie nichts sonst. Stevens inszeniert dieses durchaus homoerotisch gefärbte (Fairbanks Jr. will seine von Joan Fontaine gegebene Braut Emmy heiraten, wird jedoch permanent und erfolgreich von seinen beiden Busenfreunden davon abgehalten) Machotum mit einer gewaltigen Portion Ironie, die besonders Cary Grant allerlei Raum für seine Dandy-Späße bietet. Dass sich hinter "Gunga Din" ursprünglich und tatsächlich ein feistes Prosit in Richtung Commonwealth verbirgt, erscheint angesichts des Spaßfaktors, den das hier und da farcenhafte Stück verbreitet, kaum mehr von Bedeutung. Die mehr oder weniger heimliche Liebäugelei mit dem Wildwest-Genre (gefilmt wurde quasi gleich vor der Studiotür in Lone Pine) erkannte man später als gewinnbringende Option für ein entsprechendes Remake und fertigte, unter der Regie von John Sturges, analog dazu den lustigen, aber nicht mehr ganz so schmissigen Rat-Pack-Western "Sergeant's 3".

8/10

period piece Indien George Stevens Kolonialismus Rudyard Kipling


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THE TIME MACHINE (George Pal/USA 1960)


"Which three books would you have taken?"

The Time Machine (Die Zeitmaschine) ~ USA 1960
Directed By: George Pal

Am Silvesterabend des Jahres 1899 reist der Erfinder George Wells (Rod Taylor) mit seiner selbstkonstruierten Zeitmaschine in die Zukunft. Er ist mit der allgemeinen Kriegstreiberei seiner Ära unzufrieden und sucht nach einem möglichen, künftigen Utopia, in dem die Menschheit endlich gelernt hat, in Frieden miteinander auszukommen. Doch die jeweils nur kurz beobachteten Ereignisse belehren ihn eines Besseren: Nach dem Ersten Weltkrieg folgen noch ein Zweiter und ein Dritter, möglicherweise sogar noch mehr, wobei jeder von ihnen die Menschheit mit immer größeren Verlusten bezahlen lässt. Irgendwann im 803. Jahrtausend hält George seine Zeitmaschine an. Die Welt ist wieder grün und üppig, doch die noch lebenden Menschen sind zu hübschen, blonden, gleichförmigen Idioten retardiert. Nichts mehr interessiert sie, bewegt sie, affiziert sie: Der Preis für globalen Frieden? Doch ist dieses, sich selbst Eloi nennende Volk nicht das einzige noch existente. Im Schutze unterirdischer Dunkelheit wohnen die zu verstrahlten Albinos mutierten Morlocks, die zu Kannibalen geworden sind und die Eloi als Nutzvieh halten und züchten. George, der sich in das Eloi-Mädchen Weena (Yvette Mimieux) verliebt, führt die vormals so lethargischen Autisten zur längst überfälligen Revolution gegen die Morlocks. Zurück in der Vergangenheit, glauben seine Freunde, mit Ausnahme seines Nachbarn Filby (Alan Young), George kein Wort von seiner Geschichte...

Nicht allein anlässlich Rod Taylors Tod eine sowieso längst überfällige Wiederbetrachtung dieses Sci-Fi-Meisterwerks aus den Spätfünfzigern. "The Time Machine", der früher einmal mit einiger Regelmäßigkeit im Fernsehen wiederholt wurde, war eigentlich schon seit eh und je einer meiner Lieblingsfilme. Die Gründe dafür sind, wie mir gestern wieder klar wurde, naheliegend: Pals Film demonstriert auf naive Weise die schrecklichen Folgen von Aufrüstung und Waffenstarre, die uns irgendwann in den Abgrund reißen muss, um hernach in kaum vorstellbarer, ferner Zukunft in ein abartiges Feudalsystem zu münden. Diese Kausalkette begreift selbst ein weltpolitisch ungebildeter Steppke im Grundschulalter ziemlich schrankenlos. Die Morlocks sind hübsch eklige Mutantenmonster mit Leuchtaugen, so eine Art Mixtur aus Zombies und Kannibalen und somit unvergessliches Genre-Inventar. Doch auch Kleinigkeiten und Details wie die Schaufensterpuppe in Filbys Laden oder die Veränderung von Georges Grundstück; die starke Farbgebung und die ganz wunderbare Musik von Russell Garcia; Alan Youngs freundliches Gesicht und natürlich Yvette Mimieux, die mit ihrer rigorosen Kleinmädchen-Expression natürlich sehr apart auf kleine Jungs wirkt, sind unvergesslich. Ein Film somit zum bedingungslosen Liebhaben, Immerwiederanschauen und garantiert Niemüdedabeiwerden.

10/10

George Pal H.G. Wells Zeitreise Dystopie Apokalypse Zukunft Mutanten England Victorian Age Fin de Siècle Kannibalismus


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CASABLANCA (Michael Curtiz/USA 1942)


"Of all the gin joints, in all the towns, in all the world, she walks into mine."

Casablanca ~ USA 1942
Directed By: Michael Curtiz

Das in Marokko liegende Casablanca dient 1942 als Zwischenstation für Nazi-Flüchtlinge, die von hier aus via Lissabon in die Staaten reisen wollen. Dafür benötigt man jedoch Pässe, Ausweise und Papiere die auf dem hiesigen Schwarzmarkt nur für teures Geld zu bekommen sind. Einer der Hauptumschlagsplätze ist "Rick's Café", ein beliebter Nachtclub, der von dem undurchsichtigen und als höchst arrogant geltendem Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart) geführt wird. Von dem Kleinganoven Ugarte (Peter Lorre) erhält Rick eines Abends kurz vor dessen Verhaftung zwei von ermordeten deutschen Kurieren gestohlene Transit-Visa, die ungehindertes Geleit nach Lissabon garantieren. Jene sind gedacht für den flüchtigen Widerständler Victor Laszlo (Paul Henreid) und seine Frau Ilsa Lund (Ingrid Bergman). Doch Rick, der einst in Paris eine Affäre mit Ilsa hatte und sich von ihr sitzengelassen glaubt, weigert sich aus trotzigem Stolz, ihnen die Visa zu überlassen. Für Laszlo wird die Situation derweil zunehmend brenzlig: Der Gestapo-Major Strasser (Conrad Veidt) ist ihm auf den Fersen. Ilsa liebt Rick noch immer und will zu ihm zurückkehren, wenn er zumindest Victor Laszlo eines der Visa überlässt. Doch gerade noch rechtzeitig erwacht in dem herzlosen Zyniker Rick der alte, rebellische Widerstandsgeist und sein verdorrtes Herz beginnt wieder zu schlagen...

"Casablanca" ist Meta-Kino in seiner denkbar pursten Form und eine gar nicht oft genug zu genießende, unerlässliche Lektion, wenn man etwas über den amerikanischen Film und Film per se zu lernen wünscht; und dies nicht allein, weil seine vielen Dialogzeilen, Standfotos, Songs und Filmplakate solitär in ganz besonders ihrer geballten Form an Einfluss beispiellose Bestandteile des popkulturellen Kanons sind. "Casablanca" ist sehr viel mehr: die vielleicht schönste Liebesgeschichte des Kinos; in jedem Falle die schönst unerfüllte; er ist ein leuchtendes Fanal für den Sieg von Integrität über Opportunismus; hat den coolsten Protagonisten aller Kinofilme und dazu eine Ménagerie zumeist zwielichtiger, aber, bis auf den Nazi Strasser, durchweg liebenswerter Charaktere. Selbst der ölige Gauner und Kriecher Ugarte erhält seinen Platz im Herzen des Publikums; immerhin hatte er hinreichend Chuzpe, zwei deutsche Funktionäre zu ermorden und ist im Grunde auch nur einer der vielen Träumer in Casablanca, zumindest aber einer, der (vielleicht unbedachten) Aktionismus lähmender Passivität vorzieht. Ferner darf man nicht vergessen: Ugarte ist der eigentliche Motor der geschilderten Ereignisse. Dann wäre da der dicke Sidney Greenstreet als Signor Ferrari, Besitzer des "Blue Parrot", ein unverwechselbarer Typ, der vielleicht älter und unbeweglicher ist als sein Geschäftskonkurrent Rick, ansonsten jedoch ein recht exaktes mentales Pendant zu diesem darstellt. Oberhaupt des ideologisch nebulösen Tribunals ist Louis Renault, der hiesige Polizei-Präfekt, der, wie er selbst eingesteht, sein Fähnchen stets nach dem Wind zu hängen pflegt. Ein ungewöhnlicher Repräsentant einer vormals revolutionären, stolzen Nation, durch die infolge des unglückseligen Teufelspakt Henri Philippe Pétains ein tiefer Riss verläuft: Irgendwo in Renault schlummert noch der ruhmreiche Patriotismus seiner Väter, sein Hang zu Spiel, Alkohl und schönen Frauen jedoch macht ihn zu einem noch unsteteren Wendehals als Rick. So gewinnt "Casablanca" zum Abschluss dann doch noch sein (vielleicht ohnehin einzig denkbares) Happy End - zwei einstmals schätzenswerte Individuen haben zu ihrer alten Klasse zurückgefunden und können mit wechselseitiger Unterstützung einen neuen Lebensabschnitt beginnen, über dem, soviel ist sicher, insbesondere wegen Männern wie ihnen eines Tages nicht mehr die Hakenkreuz-Flagge wehen wird.

10*/10

Michael Curtiz Marokko Casablanca WWII Nationalsozialismus Vichy-Frankreich Freundschaft amour fou based on play Paris Alkohol Widerstand film noir Propaganda Best Picture


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CITY BENEATH THE SEA (Budd Boetticher/USA 1953)


"Wait for us in New Orleans!"

City Beneath The Sea (Die Stadt unter dem Meer) ~ USA 1953
Directed By: Budd Boetticher

Die beiden Profitaucher und besten Freunde Brad Carlton (Robert Ryan) und Tony Bartlett (Anthony Quinn) werden von dem in Kingston sitzenden Banker Trevor (Karel Stepanek) angeheuert, um das versunkene Schiff 'Lady Luck' zu finden, an dessen Bord sich Goldbarren im Wert von einer Million Dollar befanden und das vor Jamaica gesunken ist. Brad und Tony ahnen nicht, dass Trevor ein doppeltes Spiel spielt: Er steht mit dem als tot geltenden Kapitän Meade (George Mathews) von der Lady Luck in Kontakt, der um die wahre Sinkstelle des Schiffes weiß. Zusammen will man sich die Goldbarren unter den Nagel reißen. Brad und Tony suchen in einem Gebiet weitab der tatsächlichen Unglücksstelle und finden erwartungsgemäß nichts. Als Trevor und Meade sich zerstreiten, heuert letzterer Tony an, um mit ihm das Gold zu bergen. Brad hält dies aufgrund der Illegalität des Unterfangens für keine gute Idee und ein böser Konflikt entbrennt.

Kernige Kerle, willige Weiber, karibischer Rum, Kneipenschlägereien, Calypso und Technicolor: Die Universal mauserte sich um die frühen Fünfziger als Produzent entsprechender B-Abenteuer die erste Adresse am Platze, spätestens, nachdem kleinere Studios wie Republic und RKO sich aufgrund mancher Verhebung nach und nach aus dem aktiven (Leinwand-)Dienst zu verabschieden hatten. Ob es nun in die arabischen Nächte von tausendundeiner Nacht ging, ins Mittelalter, zu galanten Piraten, in den Wilden Westen, in die dramatischen Gefilde eines Douglas Sirk oder gleich ins Weltall: Das renommierte Studio verstand es wie kein anderes aus dem imposanten Konkurrenz-Pool, seine Schnellschüsse zu vor farbiger Vitalität nur so strotzenden Kinoerlebnissen zu machen, deren überbordender Charme ungebrochen bleibt. "City Beneath The Sea" ist dafür eines der vorzeigbarsten Exempel; ein ökonomisch arbeitender Profiregisseur, zwei bestens aufgelegte Hauptdarsteller (die das Publikum jeweils witzigerweise eher als raubeinige Schurken gewohnt war), deren Kumpanei vollkommen authentisch wirkt, ein wenig Eingeborenen-Folklore und durchweg gute Laune. Und diie Welt? Die gerät am Schluss wieder in ihr herbeifabuliertes Lot; die Bösen gehen über Bord, die Guten raufen sich nach ihrem Streit wieder zusammen und kriegen ihre Mädels, obwohl diese eigentlich keine Chance haben, denn die Liebe, die diese beiden Wasserratten zum Überleben brauchen, können sie sich nur wechselseitig zuschustern. So einfach, so schön, so echt.

8/10

Budd Boetticher Karibik Jamaica Schatz Gold Freundschaft


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GUARDIANS OF THE GALAXY (James Gunn/USA 2014)


"I am going to die surrounded by the biggest idiots in the galaxy."

Guardians Of The Galaxy ~ USA 2014
Directed By: James Gunn

Am Todestag seiner krebskranken Mutter (Laura Haddok) wird der kleine Peter Quill (Wyatt Oleff) von einem außerirdischen Raumschiff eingesackt und mitgenommen, nur im Besitz eines Walkman mitsamt 70s-Mixtape. Die Erde sieht er nie wieder. Als Erwachsener (Chris Pratt) nennt sich Peter "Star-Lord" und ist als Söldner und Artefakthändler in den Weiten der Galaxie unterwegs. Als er das 'Orb' findet, eine kleine Metallkugel, die einen der legendären sechs Infinty-Steine enthält, welche ihrem Besitzer, so er ihren gleichfalls unheilvollen Kräften standhalten kann, gewaltige Macht verleihen, werden sowohl seine vormaligen Kameraden, die Ravagers, unter Führung des Renegaten Yondu Odonta (Michael Rooker) auf ihn aufmerksam als auch der rachsüchtige Kree-Diktator Ronan (Lee Pace), der mit dem wahnsinnigen Thanos von Titan (Josh Brolin) zusammenarbeitet. Auf seiner nun folgenden Flucht gerät Peter an das intergalaktische Polizeikorps der Nova, das auf dem Planeten Xandar stationiert ist. Er kommt ins Gefängnis, zusammen mit dem mutierten Waschbären Rocket (Bradley Cooper), dem Baumwesen Groot (Vin Diesel) und der Kriegerin Gamora (Zoe Saldana). Dort ergänzt sich die Truppe um den etwas unterbelichteten Drax (Dave Bautista). Gemeinsam macht man sich auf, das Orb zu sichern und gegen den mittlerweile in dessen Besitz befindlichen Ronan zu Felde zu ziehen, der droht, Xandar zu vernichten...

Viel zu berichten gibt es über dieses erste Marvel-Projekt, das in die Weiten des Universums blickt und die bekannten irdischen Figuren erstmals komplett ausspart, eigentlich nicht. Abgesehen davon, dass es sich bei James Gunns Film um die Adaption eines eher unsteten und international weniger bekannten Serials handelt, bewegt sich "Guardians Of The Galaxy" sicher in den Bahnen traditioneller Mainstream-Unterhaltung. Viele der einstmals in gezeichneter Form höchst geheimnisvoll bis finster angelegten Figuren wie Drax, The Destroyer, Gamora oder der Collector werden dabei wahlweise zu vor allem witzigen Humor-Zielscheiben umgeformt, tauchen gar nicht erst auf (Adam Warlock, Mar-Vell) oder erhalten gezielt putzige Gesichter (Racoon, Groot). Der von gewaltigen Entitäten, interplanetarischen Ränken und Machtspielen wimmelnde, außerweltliche Marvelkosmos wird da zu einem geradezu göttlichen Tummelplatz für eher komisch ausgelegte, kindgerechte Unterhaltung, in der sich mehr oder weniger flaue Oneliner und ein multipel ausgespieltes Reverenzmaß bezüglich diverser klassischer Genremotive als tonangebend erweisen. Sicher, "Guardians Of The Galaxy" entwirft vorzüglich aussehende CGI-Welten, macht fairen Spaß und wird vor allem jenen Stimmen, die die zunehmend dunkle, existenzialistische Konnotation der jüngeren Verfilmungen als allzu selbstgefällig und nerdy aburteilten, durchaus erfreuen mögen. In meinem persönlichen Falle kombinieren sich die obligatorische Freude über jede neuerliche Comic-Adaption mit der gewissermaßenen Ernüchterung, dass nicht zwangsläufig alle Marvel-Verfilmungen sich als echte Volltreffer erweisen müssen und der akuten Gemahnung und Rückbesinnung darauf und daran, dass es der profitorientierten Disney-Produktionsschmiede eben nicht, wie man etwa nach "The Avengers" zwischenzeitlich zu glauben geneigt war, primär um adäquate Adaptionen geht, sondern darum, neue, sprich: junge Publikumsschichten aufzutun, die ihr Taschengeld in die Konzernkassen tragen.

6/10

James Gunn Marvel Comic Aliens Superhelden


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THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG (USA/NZ 2013)


"What have we done...?"

The Hobbit: The Desolation Of Smaug (Der Hobbit - Smaugs Einöde) ~ USA/NZ 2013
Directed By: Peter Jackson

Weiter geht die Reise von Gandalf (Ian McKellen), dem Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und den dreizehn Zwergen Richtung Erebor. Nachdem man sich mit dem gefährlichen, letzten Hautwechsler Beorn (Mikael Persbrandt) arrangiert hat, geht es weiter zum Düsterwald, wo Gandalf sich von den Übrigen trennt und sich nach Dol Guldur aufmacht, wo er den Nekromanten vermutet. Bilbo und die Zwerge müssen sich derweil gegen Riesenspinnen und feindselige Elben behaupten, bevor sie mit Hilfe von Bilbos Ring und unter heftigen Attacken der sie verfolgenden Orks entfliehen können und zu der von Menschen bewohnten Flussstadt vor Erebor gelangen. Mit der Unterstützung des freischärlenden Händlers Bard (Luke Evans) gelingt ihnen der Aufstieg auf den Berg und das Eindringen in das frühere Zwergenreich, das jetzt vom schlafenden Drachen Smaug bewohnt wird. Jenen erweckt Bilbo bei seiner Suche nach dem Arkenstein und alle folgenden Versuche, Smaug zu bezwingen, scheitern. Tatsächlich wird das Monster nur höchst wütend und macht sich auf, die Flussstadt mit all ihren Einwohnern zu zerstören...

Wie vor fast gexakt einem Jahr angekündigt nun die bereits ersehnte Betrachtung des Mittelstücks der neuen Tolkien-Trilogie. Zunächst darf man vor allem wohlwollend registrieren, dass die Ausdehnung des stofflich eigentlich nicht solcherlei filmische Epik hergebenden Ursprungsromans von J.R.R.Tolkien nicht nur gelungen, sondern überaus lohnenswert ausfällt. Die sich latent im Hinterkopf befindlichen Kenntnis von "Lord Of The Rings" ermöglicht zahlreiche, der Komplexität der Geschichte förderliche Brückenschläge, die etwa einen vorgezogenen Auftritt des Elbenkriegers Legolas (Orlando Bloom) oder deutliche Hinweise auf das nahende Wiedererstarken Saurons umfassen. Die halluzinatorische Szene im Düsterwald sowie die beiden vordringlichsten Actionsequenzen, nämlich die Flucht in den Weinwässern aus der Elbenfeste und der spätere Kampf gegen Smaug (den es im Buch überhaupt nicht gibt) erreichen mit ihrer unglaublichen Rasanz und Perfektion eine neue Qualität, die trotz ihrer vornehmlich artifiziellen Genese in ihrer Kernigkeit an das dreißig und mehr Jahre zurückliegende "Achterbahn-Kino" von Lucas und Spielberg erinnern. Ferner bleibt hinreichend Zeit für eine fortlaufende Charakterisierung einzelner Figuren, so des liebenswerten, alten Zwerges Balin (Ken Stott) oder der wiederum hinzuerfundenen Elbin Tauriel (Evangeline Lilly).
Jacksons filmisches Mittelerde-Epos ist um ein grandioses Kapitel reicher, das wiederum höchste Vorfreude auf den Finalteil weckt. Auch diesen werde ich mir als persönliche Premiere in der sowieso einzig gültigen, erweiterten Fassung gönnen. In einem Jahr also: gleiche Stelle, gleiche Welle.

9/10

Peter Jackson J.R.R. Tolkien Monster Road Movie Freundschaft Reise D.C. Duell Guillermo del Toro Sequel


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PAPER MOON (Peter Bogdanovich/USA 1973)


"I got scruples too, you know. You know what that is? Scruples?" - "No, I don't know what it is, but if you got 'em, it's a sure bet they belong to somebody else!"

Paper Moon ~ USA 1973
Directed By: Peter Bogdanovich

Damit hätte der schlitzohrige Trickbetrüger und Bibel-Vertreter Moses Pray (Ryan O'Neal) nicht gerechnet: Als er bei der Beerdigung einer Verflossenen vorbeischaut, drückt man ihm die neunjährige Addie Loggins (Tatum O'Neal) aufs Auge; er möchte sie doch mit nach Kansas nehmen, zu ihrer Tante Billie (Rosemary Rumbley) in St. Joseph, die sich von nun an um das Kind kümmern werde. Und dann ist da ja noch so eine seltsame, physiognomische Ähnlichkeit zwischen Moses und der kleinen Addy. Die beiden werden nach einigen Startschwierigkeiten jedenfalls ein hervorragendes Team, wenn es um das (gerechte) Abzocken naiver ZeitgenossInnen geht, landen einmal sogar fast im Gefängnis, als sie einen Bootlegger (John Hillerman) hereinlegen wollen und können sich doch kaum eingestehen, was sie eigentlich längst wissen: Dass sie zusammengehören wie Pech und Schwefel.

Fast wäre ich ja geneigt, nach dieser jüngsten Betrachtung (die letzte liegt vermutlich zwölf Jahre zurück) "Paper Moon" als Peter Bogdanovichs unumwundenes Meisterstück zu verorten, und wahrscheinlich ist er dies auch wirklich. Meine persönliche Beziehung zu "The Last Picture Show" ist, ähnlich der des Regisseurs vermutlich, jedoch eine etwas engere und auch tiefere, so dass ich dieses bis in minimalste Details vor formaler Perfektion strotzende Werk in meiner persönlichen Bogdanovich-Hitlist unter einiger Pein "lediglich" an Platz 2 setzen mag. Dabei hat er so unendlich viel Herz und Humor, dieser Film, und man möchte gar nicht, dass er aufhört, würde Moses und Addy auf dieser infiniten Straße ins Reich der Mythen und weiterer Abenteuer, kurz: des Film-Nirwana, am liebsten nacheilen und sie nie mehr aus den Augen verlieren. Das ist Kinopersonal für die Ewigkeit, ebenso übrigens, wie die diversen, vortrefflich ausgefeilten Nebencharaktere. Vater und Tochter O'Neal kann man nirgends in besserer Form antreffen, besonders Tatum, noch zigmal abgewichster und ausgebuffter als ihr liebenswerter, aber etwas unbedarfter Dad ist eine Offenbarung und straft jeden Lügen, der Kinder im Film par tout als Nervensägen und Ballast verdammt. Hätte die Academy nur ein wenig mehr Arsch in der Hose, die Kleine hätte nicht als Neben- sondern als Hauptdarstellerin nominiert werden und den Preis als solche erhalten müssen. So ein Töchterlein kann jedem Jungvater nur zur Ehre gereichen, wie ein solcher Film jeden Regisseur zum unangefochtenen Spitzenkönner deklariert.

10/10

Peter Bogdanovich Road Movie Great Depression Vater & Tochter period piece Missouri Kansas Freundschaft New Hollywood


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SOLARBABIES (Alan Johnson/USA 1986)


"Try SURGICAL ALTERATION. Ever heard of it?"

Solarbabies (Solarfighters) ~ USA 1986
Directed By: Alan Johnson

Nach dem Großen Knall ist die Erde zu einer einzigen, große Wüstenei verdorrt. Die letzten Wasservorkommen werden nach mehreren Öko-Kriegen vom "Protektorat" und dessen allgegenwärtiger "E-Polizei" kontrolliert. Die vielen verwaisten Kinder und Jugendlichen wachsen in Erziehungscamps auf, wo sie zu Nachwuchs für die E-Polizei gedrillt werden. Jason (Jason Patric) und seine fünf Freunde Terra (Jami Gertz), Daniel (Lukas Haas), Metron (James Le Gros), Rabbit (Claude Brooks) und Tug (Peter DeLuise) vertreiben sich die Zeit jedoch lieber mit unerlaubten (aber geduldeten) Skateball-Spielen, bei denen sie als 'Solarbabies' stets reüssieren. Nach einem solchen entdeckt Daniel, der Jüngste der Gruppe, eines Tages in einer Höhle ein außerirdisches Artefakt, eine pulsierende Kugel mit dem Namen Bohdai. Diese verfügt offenbar nicht nur über eine eigene Intelligenz, sondern auch über gewaltige Macht. Als der fiese E-Polizist Grock (Richard Jordan) des Geheimnisses der sechs Kids gewahr wird, flieht der geheimnisvolle Einzelgänger Darstar (Adrien Pasdar) mit Bohdai in die Wüste, die Solarbabies und hinter diesen die E-Polizei auf den Fersen.

In den Achtzigern pflegte Hollywood, einzelne Teenager oder gleich ganze Gruppen von ihnen in verschiedene, bewährte oder zumindest erfolgversprechende Genre-Kontexte zu setzen. "Solarbabies" füllte die noch offene Lücke betreffs postapokalyptischer SciFi-Action im Angedenken an "das große Vorbild Mad Max" (dessen dritter und jüngster Reihenbeitrag "Beyond Thunderdome" ja bereits als einer Art "Peter-Panade" für entsprechende Liebäugeleien einstand). Natürlich kostete die Zielgruppenausrichtung den Film einiges an Härte und Zynismus; immerhin war "Solarbabies" als Film für zehn- bis zwölfjährige Kids konzipiert. Ältere Zuschauer mussten und müssen einiges an unausgegoren-potpourristischem New-Age-Geschwurbel über sich ergehen lassen: Die Guten oder das, was von ihnen noch übrig ist, verweisen stets auf mysteriöse Indianer- oder Hippie-Vorfahren, der alles kontrollierende Polizeistaat besitzt typisch nazieske Züge. Es gibt einen sadistischen Superroboter ('Terminex'), eine tote Eule, einen exzentrischen Alten (Willoughby Gray) in einem Gruselkabinett und natürlich die putzige Kugel Bohdai, die es sogar schafft, echtes Mitgefühl beim Publikum zu evozieren. Freilich bewegen sich bei "Solarbabies" die Grenzen zur völligen Albernheit in stetem Fluss, wer sich jedoch noch lebhaft an die Achtziger und ihre kunterbunten Kinoauswüchse zu erinnern vermag bzw. damals im entsprechenden Alter war, der wird den Film auf seine spezifische Art 'begreifen'.

6/10

Alan Johnson Apokalypse Wasser Wüste Dystopie Teenager Freundschaft Alien





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Funxton

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