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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE STORY OF RUTH (Henry Koster/USA 1960)


"Where are His blessings?" - "You are one of them."

The Story Of Ruth (Das Buch Ruth) ~ USA 1960
Directed By: Henry Koster

Um 1000 v. Chr.: Die moabitische Priesterin Ruth (Elana Eden) ist im strengen Glauben an den Gott Kemosch erzogen worden, dem regelmäßig kleine Mädchen geopfert werden und der den reichen Führungsriege im Lande als Götzenbild dient. Als Ruth den Judäer Mahlon (Tom Tryon) kennenlernt, der ihr von seinem christlichen Gott berichtet, beginnt sie an Kemosch zu zweifeln und stört schließlich die Opferung der von ihr schwesterlich geliebten Tebah (Daphne Einhorn). Daraufhin wird Mahlon zur Arbeit im Steinbruch verdonnert und Ruth zur Besinnung ihrer selbst ins Gefängnis gesteckt. Nach ihrer Entlassung sorgt sie für Mahlons Flucht, doch der Unglückliche wird tödlich verwundet. Zusammen mit Mahlons Mutter Naomi (Peggy Wood) erreicht Ruth schließlich Judäa, wo sie den Grundbesitzer Boaz (Stuart Whitman) kennenlernt, der die Moabiter hasst. Nun ist es an Ruth, einen anderen Menschen zur Besinnung zu bringen und zur Toleranz zu erziehen, über viele Hindernisse hinweg.

Sieben Jahre nach "The Robe" noch ein koster'scher Bibelschinken für die diesbezüglich spezialisierte Fox, diesmal alttestamentarisch gewichtet, jedoch nicht weniger bunt, breit und pathetisch als das Vorbild. Populärere Stars bleiben in "The Story Of Ruth" Mangelware; den bekanntesten Namen stellt bezeichnenderweise Stuart Whitman und die Titelrolle spielt die zuvor gänzlich uneschriebene, israelische Bühnenaktrice Elana Eden, die dem Filmgeschäft danach ganz schnell wieder den Rücken kehrte.
Wie die meisten hollywood'schen Bibel-Adaptionen ist auch "The Story Of Ruth" unglaublich campy und geradezu perfid in seiner vordergründigen Anpreisung des Christentums: Die wesentlich buntere, interessantere weil verruchtere Gottheit wohnt nämlich jenseits des Jordan, in Moab, wo das Gold glänzt, der Prunk prunkt und alte, glatzköpfige Männer junge Mädchen für ihr Vergnügen züchten. Wie langweilig und spießig muten dagegen die Judäaer an, die sich mit kargen, staubigen Ähren begnügen müssen, ihre Nachbarn in Verruf bringen und im Grunde doch kaum minder abergläubisch und blutrünstig sind als ihr Nachbarvolk, nur, dass hier alles unter dem Deckmäntelchen bescheidener Sittsamkeit gärt.
Dabei sind auch die Judäer am Glücklichsten, wenn sie einen Sündenbock steinigen können oder Feste mit Wein, folkloristischem Tanz und willigen Mädchen feiern können. Ob Koster sich jener ambivalenten Dimension seines Films bewusst war, weiß ich nicht. Falls ja, gebührt ihm allerhöchstes Lob. falls nicht, bewies er zumindest unterschwellig ein bravouröses Gespür für die Ausstellung krankhafter Bigotterie.

7/10

Henry Koster Bibel Israel Camp period piece


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DÉSIRÉE (Henry Koster/USA 1954)


"Don't worry, no one's going to pull up my skirts and look!"

Désirée ~ USA 1954
Directed By: Henry Koster

1794 erscheinen der junge Korse Napoleon Bonaparte (Marlon Brando) und sein Bruder Joseph (Cameron Mitchell), wo sie die Schneiderfamilie Clary kennenlernen. Deren jüngste Tochter Désirée (Jean Simmons) verliebt sich heftig in den ebenso exzentrischen wie zielstrebigen Napoleon, der sich anschikt, die Ideale der Revolution in ganz Europa zu verbreiten. Nachdem Napoleon nach Paris abgereist ist und lange nichts von sich hören lässt, reist Désirée im besorgt nach. Zu ihrem Entsetzen muss sie vor Ort feststellen, dass Napoleon mittlerweile seine Hand bereits der gesellschaftlich etablierten Josephine de Beauharnais (Merle Oberon) angetragen hat. Während Napoleons Aufstieg unaufhaltsam voranschreitet, finde Désirée Trost in den Armen des Hofmarschalls Bernadotte (Michael Rennie). Doch Napoleons Liebe zu der einst aus strategischen Gründen Verschmähten versiegt nie ganz. Désirée findet jedoch ihr Glück an der Seite ihres Mannes, der als gewählter König von Schweden schließlich zu einem der Todfeinde und Besieger Napoleons avanciert. Sein endgültiges Exil auf St. Helena tritt Napoleon erst an, nachdem Désirée ein letztes Mal mit ihm zusammentrifft.

Ein edler Schmachtfetzen, der nach "The Robe" neuerlich Henry Kosters Kunst im Umgang mit dem noch jungen CinemaScope-Format demonstriert. Neben den exquisiten Kostümen und Interieurs gestalten sich somit vor allem Bildgestaltung und Kadrage als veritabler Augenschmaus. Im betonten Verzicht darauf, eine Napoleon-Biographie oder gar ein Schlachtengemälde zu präsentieren, weichen sowohl der stets aus verdunkelten Augen linsende Brando als auch jedwede eventuelle Form gewaltigen Aktionismus' aus der Dramaturgie des Films, der seinem Titel gemäß tatsächlich um eine Charakterstudie seiner liebenswerten Titelfigur bemüht bleibt. Wenngleich die rund 21 erzählte Jahre umfassende Geschichte um Désirée Clary eng mit Aufstieg und Fall des sich selbst krönenden Imperators verwoben ist, tritt dieser trotz unentwegter Omnipräsenz ("Désirée" lässt keinen Zweifel daran, dass dieser kleine Mann und sein gigantisches Ego die gesamte Ära in außerodentlichem Maße prägen) gewissermaßen in den personellen Hintergrund. Gerade dieser bewusste Verzicht auf eine Exponierung seiner Person verleihen "Désirée" eine für den hollywoodschen Kostümfilm jener Jahre ungewohnte Zurückhaltung und Intimität. Umso höher ist er, mancher Klischeefalle zum Trotz, als eigenständiges Stück Kino ein- und wertzuschätzen.

8/10

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DIE GELIEBTEN SCHWESTERN (Dominik Graf/D, AU, CH 2014)


"Sie haben die falsche Schöne begrüßt."

Die geliebten Schwestern ~ D/AU/CH 2014
Directed By: Dominik Graf

1788 begegnet der junge Friedrich Schiller (Florian Stetter) in Weimar erstmals seine zukünftige Gattin Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius), die gerade in Erziehungsfragen bei der Familienfreundin Charlotte von Stein (Maja Maranov) weilt. Bei einem späteren Besuch in ihrer Heimat Rudolstadt lernt Schiller dann auch Charlotte ältere, bereits in einer "Vernunftehe" situierte Schwester Caroline (Hannah Herzsprung) kennen und verliebt sich gleichermaßen in sie. Die Dreiecksbeziehung hält sich zunächst und bleibt selbst über Schillers Eheschließung mit Charlotte hinaus beständig. Als das Paar jedoch das erste Kind zur Welt bringt, kommt es zwischen den Schwestern zum Zerwürfnis, zumal offenbar bald auch Caroline ein Kind von Schiller erwartet. Erst wenige Monate vor dem Tod des großen Dichters findet die Familie wieder zusammen.

Mutter von Lengefeld (Claudia Messner) und ihre beiden Töchter waren, so suggeriert der Film mit der Stimme des Freundes Wilhelm von Wolzogen (Ronald Zehrfeld), ein familiär verwurzeltes Frauen-Triumvirat, das lebte, um seine Männer zu überleben. Am Ende, nach rund sechzehn Jahren erzählter Zeit, ist die Ausgangslage wieder erreicht: Die drei Frauen sind mitsamt ihren mittlerweile geborenen Kindern wieder zurück in die feimistische Dreieinigkeit zurückgekehrt. Ohne sich allzu sklavisch an historische Fakten zu klammern - auktoriale Kommentare zum zeitlich komprimierten Werdegang der Protagonisten streut Graf selbst in regelmäßigen Abständen ein - interessiert sich der Regisseur vor allem für das aufklärerisch gefärbte Leben der beiden Schwestern von Lengefeld: Beide verweigern sich den recht streng gefassten, gesellschaftlichen Konventionen und Normen von Stand und Zeit; besonders Caroline schwelgt in selbstgewählter Promiskuität und persönlichen Lebensentscheidungen. Sie schreibt erfolgreich einen Fortsetzungsroman unter Pseudonym, bringt ihr uneheliches Kind zur Welt und ringt die Scheidung von ihrem ersten, ungeliebten Ehemann von Beulwitz (Andreas Pietschmann), den sie dereinst lediglich heiratete, um den Tod des Vaters wirtschaftlich abzufedern.
Graf gelingt somit ein ansehnliches Zeit- und Sittengemälde mit einigen charmanten Regieeinfällen, das in seiner präferierten Schnittfassung eine stattliche Laufzeit erreicht. Dennoch muss ich den "geliebten Schwestern" bescheinigen, die immanente Spannung vieler in den letzten Jahren vornehmlich fürs Fernsehen und dazumal auch fürs Kino entstandenen Werke nicht zu erreichen. Dafür ist der Film dann hier und da vielleicht doch zu gesetzt, etwas zu zufrieden mit sich selbst.

7/10

Dominik Graf Historie Biopic period piece amour fou Ehe Literatur Bohème Sittengemälde


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SHORT CUTS (Robert Altman/USA 1993)


"That was a 35 dollar belt!"

Short Cuts ~ USA 1993
Directed By: Robert Altman

L.A. Stories: Fliegengift, Dysfunktionale Beziehungen,Gleichgültigkeit, Spießertum, Lügen, Betrug, Eigennutz, Unfähigkeit zu Empathie und/oder Lebensrevision, Überreaktionen, Liebe, Hass und Tod.

Wie im vorhergehden Eintrag zu "Grand Canyon" erwähnt, nicht nur ein companion piece zu selbigem, sondern zugleich dessen contradiction piece. Wo uns Kasdan noch hoffnungsvolle Wege aus dem allumfassenden, südkalifornischen Existenzelend aufzeigt, bringt Altman alles in einer von mehreren großartigen, von Annie Ross gesungenen Jazzballaden auf den Punkt: "I'm a prisoner of life".
"Short Cuts" ist ein manchmal absurd komisches, manchmal todtrauriges Präludium zum zivilisatorischen Armageddon: Die Geschichten sind nicht meta-existenziell, symbolisch oder gar exemplarisch angelegt wie bei Kasdan, sie sind Momentaufnahmen stinknormaler Alltagsereignisse. Zwar befinden mehrere der auftretenden Protagonisten sich wahlweise an der Schwelle zur Psychose, haben diese bereits überschritten oder können sich gerade noch davor retten, doch auch das kommentiert der bereits reife Altman mit dem ihm eigenen, sarkastischen Achselzucken. Es ist, wie es ist und daran ändert sowieso keiner etwas. Möglicherweise schlägt auch bloß die widerwillig planierte, planquadrierte Natur zurück: Das nächtens über der Stadt verteilte Anti-Fruchtfliegengift scheint wenig förderlich für Kontaktpersonen zu sein; die Sommerhitze tut ihr Übriges, ein Erdbeben kündigt sich durch humane Aggressionsentladungen an. So wirklich identifikationstauglich - der vielleicht größte Kniff des Films auf emotionaler Ebene - ist keiner der sich immer wieder wechselseitig begegnenden Handlungsträger. Alle machen gleich mehrere elementare Fehler, vergessen Moral und Ratio und zerbrechen womöglich daran. Am exemplarischsten für die allseitige, mitunter in pures Grauen umkippende Narretei ist vielleicht Tim Robbins' Figur des Motorradpolizisten Gene Shepard: Der Mann ist ein komplettverschnürtes Ekelpaket, er lügt, betrügt, nutzt seine berufliche Position auf das Unangenehmste aus, ist inkonsequent wie ein Kleinkind und macht alles falsch, was er nur falsch machen kann. "Short Cuts" hat mich bei der gestrigen Betrachtung so sehr mitgerissen, dass ich nach dem Film selbst vorübergehend das schwindlerische Gefühl hatte, nurmehr durch eine schwenkende "Altman-Linse" zu blicken.
Ein irrsinniger, monströser Film von bleibendem Wert, ein großes Meisterwerk seines Regisseurs und überhaupt.

10*/10

Robert Altman Raymond Carver Los Angeles Ehe Ensemblefilm Freundschaft Alkohol Familie Hund Sommer Madness Malerei Unfall


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HIGH SPIRITS (Neil Jordan/UK, USA 1988)


"This is not easy, this is very, very difficult!"

High Spirits ~ UK/USA 1988
Directed By: Neil Jordan

Der versoffene Burgerbe Peter Plunkett (Peter O'Toole) hat alle Hände voll damit zu tun, sein modriges, irisches Erbgut vor einem Verkauf nach Malibu zu retten. Um sich neue Touristenschichten zu erschließen, staffiert er mit seinen Angestellten Plunkett Castle zu einem Spukschloss um, wobei jeder einen bestimmten Geisterpart zu erfüllen hat. Was weder Plunkett noch die bereits herannahenden US-Urlauber ahnen: Auf Schloss Plunkett spukt es wirklich und die beiden über 200 Jahre alten Gespenster Mary (Daryl Hannah) und Martin (Liam Neeson) langweilen sich ob ihres sich allnächtlich wiederholenden Beziehungsdramas buchstäblich zu Tode. Trefflich ergo, dass mit Jack (Steve Guttenberg) und Sharon (Beverly D'Angelo) ein lebendes Pärchen anreist, dem es keinen Deut besser geht...

Wie Neil Jordan seine Gespensterkomödie stets lustvoll an der Beinahekatastrophe vorbeiinszeniert und aus einer potenziellen Gurke dann doch noch eine schönes Grusical mit viel Herz fertigt, das schaut man sich gern an. "High Spirits" hätte nämlich, mit einem unambitionierten, sprich: "falschen" Regisseur an der Hand, auch völlig in die Hose gehen können. Das überaus eigenwillige Script steckt nämlich voller entsprechender Stolpersteine, die Jordan jedoch durchweg bravourös umschifft. Dabei bleibt alles recht moderat und unübertrieben: Der Chaoshumor des Stücks, die Phantastik, die Romantik. Peter O'Toole war bei diversen Auftritten wohl wirklich ziemlich blau, schlingert aber ebenso cool wie souverän durch den Film. Die übrigen Darsteller, eine sehr feine Besetzung nebenbei, geben durch die Bank Vollgas und sind gut wie selten. Besonders Liam Neeson als furzender, dauergeiler Geist ist urkomisch.
Ich war ja als Dreizehnjähriger mal schwerstens in Daryl Hannah verliebt und habe mir "High Spirits" (ebenso wie ihre anderen bis dato verfügbaren Sachen) entsprechend häufig angeschaut. Heuer kann ich konstatieren: In diesem Falle war die Zeit nicht verschwendet.

8/10

Neil Jordan Irland Schloss Spuk Geister Tourismus Parapsychologie


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FRIDA (Julie Taymor/USA, CA, MEX 2002)


"I just want your serious opinion."

Frida ~ USA/CA/MEX 2002
Directed By: Julie Taymor

Nach einem fast tödlich verlaufenen Busunfall lernt die junge Mexikanerin Frida Kahlo (Salma Hayek) während ihrer langen, qualvollen Genesung, ihre Emotionen in Zeichnungen und Malerei zu kanalisieren. Kurz darauf lernt sie den von ihr insgeheim bereits länger bewunderten Künstler Diego Rivera (Alfred Molina) kennen. Neben ihrer politischen Aktivität als Kommunisten lernt sich das ungleiche Paar bald lieben und übersteht einige schwere Krisen, doch Diegos stete Promiskuität, deren Gipfel sich in einer Liebesnacht mit Fridas Schwester Christina (Mía Maestro) manifestiert, treibt sie wieder fort von ihm. Als Frida und Diego dem flüchtigen Leo Trotzki (Geoffrey Rush) Schutz und Asyl gewähren, finden sie wieder zueinander und heiraten ein zweites Mal. Doch Fridas Gesundheit verschlechtert sich zusehends...

Ich fand Julie Taymors Biopic schon immer ganz wunderbar, besonders, weil es solch ein immenses Savoir-vivre versprüht und mit Salma Hayek und Alfred Molina zwei wahrhaft leidenschaftlich aufspielende Hauptdarsteller vorweist, die es in dieser Kombination scheinbar mühelos vermochten, bereits einen ganzen Film allein zu tragen. Hinzu kommt, qua krönender Höhepunkt, Taymors nicht minder fabelhafte Art (im ursprünglichen Wortsinne) der Inszenierung, die mittels kraftvoller Farbgebung und vor allem etlicher wunderschön arrangierter tableaux vivants Fridas ebenso zärtliche wie niederschmetternde Kunst zu filmischem Leben erweckt. Wenngleich auch hierin Vieles nicht immer streng authentisch wiedergegeben wird, so begreift man doch die Motivation der Titelfigur, zweifelsohne einer der größten Frauen des 20. Jahrhunderts, ihr Leben so zu gestalten und zu pflegen, wie sie es tat. Frida Kahlo musste so viele furchtbare Niederschläge hinnehmen, darunter jenen entsetzlichen Unfall im Alter von nur 18 Jahren, der ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen wird: nahezu omnipräsente Schmerzen, Fehlgeburten, später die Amputation eines Unterschenkels sind die un- und mittelbaren Folgen; dazu Diegos unsteter Lebenswandel, der ihr gleich mehrfach das Herz bricht, dass man nur voller Bewunderung sein kann für die scheinbar unerschöpfliche Stärke, mit der diese Frau ihre gleichfalls viel zu kurze Biographie beschritt.

10/10

Juliey Taymor period piece Historie Mexiko New York Malerei Bohème Ehe Unfall Alkohol Paris


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POLLOCK (Ed Harris/USA 2000)


"I AM nature!"

Pollock ~ USA 2000
Directed By: Ed Harris

Die letzten fünfzehn Jahre im Leben des Actionpainters Jackson Pollock (Ed Harris) im Schnelldurchlauf: Seine Heirat mit der Künstlerin Lee Krasner (Marcia Gay Harden), seine Entdeckung durch die Galersistin Peggy Guggenheim (Amy Madigan), die Findung seines persönlichen Malstils, seine selbstzerstörerischen Tendenzen, sein schwerer Alkoholismus, später seine Trennung von Peggy und die Liaison mit Ruth Kligman (Jennifer Connelly), die seinem nicht ganz unfreiwillig herbeigeführtem Unfalltod vorausgeht.

Als abstrakter Künstler gelingt es Jackson Pollock noch heute, die Meinungen über Malerei und ihr Wesen in tiefe Lager zu spalten, wobei die sich unverständig Gebenden häufig bloß, wie das ja oftmals ist, eine allzu geringe Beschäftigungsfrequenz mit Künstler und Werk vorzuweisen haben. Speziell Pollocks Technik des drip painting, bei dem mit dem Pinsel scheinbar wahllos Farbe auf Leinwand geklatscht wird und dabei Sprenkelmuster entstehen, ist für Kontroversen gut. Dass Ed Harris Pollock begriffen hat, darf man nach dem Genuss seines Regiedebüts indes stark vermuten. Er zeigt den Maler als ebenso narzisstisches wie psychotisches Individuum, das, insbesondere im Gefolge heftiger Saufexzesse, immer wieder die Anbindung an die Realität verliert; in dem tief drin eine höllische Wut schlummert, die sich durch seine Kunst in kraftvoller Weise sublimiert findet. Dass Pollock im Privatleben über weite Phasen hinweg unmöglich, wenn nicht gar ein ausgesprochener Kotzbrocken sein konnte, verschweigt der Film ebensowenig wie sein Versagen in familiären Dingen. Hier liegt also der glückliche Fall einer keineswegs unkritisch konnotierten Heldenverehrung vor, die sich tendentiöser Kommentare sowohl bezüglich des Künstlers als auch bezüglich seiner Arbeit enthält. Insofern hätten wir hier den Glücksfall eines Biopic. Dass Harris noch nicht der Regisseur ist, der er sein müsste, um "Pollock" zur vollendeten Perfektion zu führen, ist in diesem Zusammenhang beinahe unwichtig. Was zählt ist das, was da ist. Und das ist, wie es ist, große Kunst.

9/10

Ed Harris Malerei New York period piece Biopic Bohème Alkohol


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PENNY SERENADE (George Stevens/USA 1941)


"When that happens to two people, there's nothing left."

Penny Serenade (Akkorde der Liebe) ~ USA 1941
Directed By: George Stevens

Während Julie Adams (Irene Dunne) dabei ist, ihre Sachen zu packen, um sich auch häuslich von ihrem Mann Roger (Cary Grant) zu trennen, hört sie die alten Schellackplatten und erinnert sich dabei an die Stationen ihrer Ehe: Wie sie Roger einst kennen und lieben lernte, ihn Hals über Kopf heiratete und ihm, seiner Stellung als Auslandskorrespondent in Japan entsprechend, nachzog, wie ein Erdbeben ihre Träume kommenden Nachwuchses vorzeitig beendete, Rogers Selbstständigkeit mit der Eröffnung eines kleinen Tageblatts, die schwierige Adoption der kleinen Trina (Eva Lee Kuney), deren plötzlicher Tod im Schulkindalter und schließlich die Entfremdung des Paars in seiner Trauer voneinander. Es scheint keine Möglichkeit mehr zu geben, sich noch einmal zusammenzuraufen...

"Penny Serenade", das ist nicht nur der Titel eines der im Film vorgestellten Songs, sondern gewissermaßen auch bedeutungsvoll für die von Schicksalsschlägen nur so gebeutelte Geschichte von Roger und Julie Adams: eine "kleine Groschenmusik", ein Kitschständchen, gerade recht für all die dunstfreudigen Tränendrüsen dieser Welt.
Inmitten ihrer rosig erblühenden Screwball-Karrieren schoben Dunne und Grant (der sich ja nie zu schade war für ein bisschen Ernsthaftigkeit hier und da), die zuvor bereits mehrfach Seite an Seite gespielt hatten, diesen Schmachtfetzen ein, der zwar hier und da auch ein Plätzchen für auflockernden Humor ließ (etwa, wenn das Paar mithilfe von Rogers altem, von Edgar Buchanan gespielten Freund Applejack lernt, wie man ein Baby korrekt versorgt), insgesamt jedoch von viel mehr Fürchterlichem als Schönem berichtet. Dass jedoch auch ein solches Drama wohlfeilen Eskapismus vor der (Welt-)Kriegsrealität zu bieten imstand ist, dafür tragen Stevens' sichere Hand im Umgang mit Sujet und Darsteller-Ensemble Sorge. Qualitätskino.

8/10

George Stevens Ehe Adoption Japan Kind


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THE DROP (Michaël R. Roskam/USA 2014)


"They never see you coming, do they, Bob?"

The Drop ~ USA 2014
Directed By: Michaël R. Roskam

Als "Drop Bars" werden im Brooklyner Slang jene Bars bezeichnet, die für kurze Zeit als Umschlagsplatz der hiesigen Mafia benutzt werden - die örtlichen Kneipiers haben sich längst mit der Situation arrangiert. So auch "Cousin" Marv (James Gandolfini), der einst selbst einen Namen im Milieu hatte, angesichts der organisierten Übermacht jedoch klein beigegeben hat und nun in Geldnöten steckt. Marvs Cousin Bob (Tom Hardy), ein stiller, bescheidener Typ von nicht allzu hoher Intelligenz, der für Marv hinter dessen Tresen steht, findet eines Abends in der Vorgarten-Mülltonne von Nadia (Noomi Rapace) einen hilflosen Pitbull-Welpen. Gemeinsam mit seiner neuen Bekanntschaft kümmert er sich um das Tier, das bald zu seinem besten Freund avanciert. Doch das Glück bleibt nicht lang ungestört: Der soziopathisch veranlagte Eric Deeds (Matthias Schoenaerts), Nadias Ex-Freund, belagert Bob und droht, dem Hund, der eigentlich ihm gehöre, etwas anzutun. Zudem betreibt Marv unselige Geschäfte im Hintergrund, für die er auch Deeds einspannt.

"The Drop" erinnert ein wenig an die früheren Gangsterfilme von James Gray, die ja auch die Kleinganoven des New Yorker Milieus in Augenschein nahmen und über Verrat und Todfeindschaft innerhalb zuvor fest geknüpft scheinender Familien. und Freundschaftsbande berichten. Ebenso wie Gray folgt Roskam bei aller seiner Geschichte inhärenten Gewalt einem völlig ruhigen, fast phlegmatischem Erzählgestus, der vielleicht als Spiegelung der Innenwelt seines Protagonisten Bob betrachtet werden kann. Bob mäandert scheinbar wenig selbst- aber dafür umso zielbewusster durch seinen einsamen Alltag. Er geht jeden Sontag zur Messe, nimmt jedoch nicht an den Kommunionen teil und hält den Mund, wenn er nichts gefragt wird. Um den kleinen Hund, den er Rocco tauft, nach dem Schutzpatron der Haustiere, zirkuliert bald sein ganzes Leben - in Rocco hat er einen dankbaren Freund und Schutzbefohlenen, für den es sich lohnt. Zudem verdankt er Rocco auch die zart aufkeimende Beziehung mit Nadia, die jedoch eine dunkle Vergangenheit verbirgt.
Am Reizvollsten an "The Drop" fand ich, dass nahezu jeder der vorgestellten Charaktere sich spätestens zum Ende der Geschichte hin als sein eigener Konterpart entpuppt - hinter bulliger Freundlichkeit verbirgt sich eiskalte Gewaltbereitschaft, hinter schüchterner Fassade tödliche Entschlusskraft und hinter vorgeblichem Sadismus bloß kärgliche Schwäche. Ein feiner, kleiner Film ist das.

8/10

Michaël R. Roskam New York Freundschaft Kneipe Mafia Hund Dennis Lehane


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NELLA STRETTA MORSA DEL RAGNO (Antonio Margheriti/I, D, F 1970)


Zitat entfällt.

Nella Stretta Morsa Del Ragno (Dracula im Schloss des Schreckens) ~ I/D/F 1970
Directed By: Antonio Margheriti

Der Journalist Alan Foster (Anthony Franciosa) kommt in eine Taverne, um den Schriftsteller Edgar Allan Poe (Klaus Kinski) zu interviewen und platzt mitten in ein Gespräch zwischen Poe und seinem Bekannten Lord Blackwood (Enrico Osterman). Foster erklärt, dass er nicht an Übernatürliches glaube und wettet mit Blackwood, dass er unbeschadet eine Nacht in dessen Spukschloss verbringen könne. Tatsächlich muss sich Foster in den folgenden Stunden nicht nur eines Schlimmeren belehren lassen - diese Nacht in Blackwood Castle wird zugleich die letzte seines irdischen Lebens sein...

Mit "Nella Stretta Morsa Del Ragno", dem man in der deutschen Fassung unsinnigerweise eine Dracula-Konnexion angedichtet hat (wohl, weil es damals schick war und das trademark "Dracula" zu jener Zeit ein flugs einlösbares Versprechen für flotten Billighorror), ist ein Remake in eigener Sache. Margheriti verfilmte nämlich seinen erst sieben Jahre zuvor entstandenen "Danza Macabra" nochmal, wobei dieses "Auffrischung" schon ein wenig im Verdacht verhobener Sinnfälligkeit steht. Margheriti kann eigentlich unmöglich geglaubt haben, seinem Publikum mit "Nella Stretta" etwas besonders Exklusives darzubieten. Die Geschichte wurde faktisch 1:1 übernommen, die sehr anmutige Poesie des Originals jedoch nicht. Stattdessen gibt es diesmal Farbe und Scope und mit Franciosa und Kinski immerhin zwei hervorragende Schauspieler. Dafür muss man wiederum Barbara Steele missen, die ja ein gutes Stück zur Ikonographie von "Danza Macabra" beigetragen hatte. Zumindest sie erhält Michèle Mercier als undead dame in distress kein gleichwertiges Substitut. Den verrückten Professor präsentiert diesmal Peter Carsten, der vortreffliche Score stammt wiederum von Riz Ortolani.
Vergisst man zumindest streckenweise den ja eigentlich zwingenden Vergleich zwischen Alt und Neu findet man aufgrund der vielseitigen Kompetenz dann doch noch einen ganz schönen Film vor, der um diese Zeit sicherlich einen der besseren Margheritis darstellt. Das Schüren von Atmosphäre und Schauerromantik gelingt ihm nämlich doch noch ganz passabel und man schaut somit gern hin. Das ist mehr als die meisten aktuellen Genre-Produktionen von sich behaupten können.

7/10

Antonio Margheriti Remake period piece Edgar Allan Poe Bruno Corbucci Schloss Vampire





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