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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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SCHREIE IN DER NACHT (Antonio Margheriti/BRD, I 1969)


Zitat entfällt.

Schreie in der Nacht ~ BRD/I 1969
Directed By: Antonio Margheriti

England in den Spätzwanzigern: Auf dem Weg zu seiner Villa in Brighton bleibt der Wagen des reichen Archibald Barrett (Giuliano Raffaeli) im regennassen Matsch stecken. Ihn begleiten sein Notar Ben Taylor (Joachim Fuchsberger), dessen Frau Vivian (Marianne Koch), Barretts Frau Margarete (Dominique Boschero) und das Hausfaktotum Alfred (Claudio Camaso). In der Nähe befindet sich weit und brei lediglich ein finsteres, altes Haus, in dem die Gruppe Unterschlupf findet. Dort findet man den merkwürdigen Uriat (Luciano Pigozzi) und seine noch merkwürdigere Mutter (Marianne Leibl) vor - offenbar ein Medium. Flugs lassen sich die Herren der Runde nach einem Glas speziellen Weines zu einer Séance überreden und werden daraufhin mit ihren alten Sünden konfrontiert. Denn jeder der Anwesenden hat schweren Dreck am Stecken...

Nicht ganz so spektakulär wie der zuvor gesehene Trash-Reißer "I Criminali Della Galassia" kommt dieser Versuch Antonio Margheritis daher, sein Faible für gothic horror mit der bereits Abebben befindlichen Wallace-Welle zu kombinieren. Vielleicht war die meinerseitige Erwartung auch schlicht eine andere, zu diesem Zeitpunkt unerfüllbare. Jedenfalls hält sich "Schreie in der Nacht", der im Co-Produktionsland Italien als "Contranatura" lief, eher an gedeckte Sepia-Farben, erfreut sich am ruchhaften Zwanziger-Look mit Zigarettenspitze und pomadiertem Mittelscheitel und seinem etwas albern veräußerten Naiv-Mystizismus, von dem man nach dem etwas verwirrenden Ende gar nicht recht weiß, ob er nun real war oder doch bloß in den Augen der von schlechtem Gewissen geplagten, schuldigen Intriganzia existierte. Dazu gibt es noch etwas unausgegorene Lesben-Erotik, der ausgerechnet die zumindest mir stets als etwas biedere Dame im Sinn befindliche Marianne Koch als geifernde Schöpfkelle vorsteht, die jeder anderen Frau unbedingt (und immer erfolglos) an die Wäsche will. War wie erwähnt nicht ganz so mein Fall, trotzdem okay.

5/10

Antonio Margheriti period piece Rache Haus Nacht amour fou Mutter & Sohn


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I CRIMINALI DELLA GALASSIA (Antonio Margheriti/I 1966)


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I Criminali Della Galassia (Raumschiff Alpha) ~ I 1966
Directed By: Antonio Margheriti

In der Zukunft gehört es zum Alltag, dass die Menschheit im All herumgondelt. Verschiedene Interessengruppen aus Politik, Polizei und Wissenschaft koexistieren mehr oder weniger friedlich und kommen sich gegenseitig nur selten ins Gehege. Der sinistre Wissenschaftler Dr. Nurmi (Massimo Serato) jedoch führt ganz eigene Pläne im Schilde: Er plant die Erschaffung einer neuen Menschenrasse mit perfekten körperlichen Eigenschaften. Dazu lässt er von seinen Mitarbeitern unbescholtene Erdenbürger entführen und auf Barbie-Puppen-Größe schrumpfen, um dann schreckliche Experimente an ihnen vorzunehmen. Ein Segen, dass der wackere Polizei-Commander Mike Halstead (Tony Russel) ihm auf die Schliche kommt, zumal Nurmi Mikes Freundin Connie (Lisa Gastoni) schöne Augen macht...

Exploitation-Wiz Antonio Margheriti war in den Sechzigern noch bekannt bzw. berüchtigt für seine Science-Fiction-Filme, wobei insbesondere "I Criminali Della Galassia" einen speziellen Ruf genießt. Der Grund dafür liegt offen auf der Hand: Mit billigsten Mitteln, größtem Einfallsreichtum, vor allem jedoch völlig schamlos schickt Margheriti Plastikautos durch deutlichst als solche erkennbare Miniaturlandschaften, Pappraketen durch ein Pappuniversum und swingende Aliens mit Sonnenbrille und zusätzlichem Armpaar auf Menschenraub. Das semi-kretinistische Geschwätz auf der Dialogspur gibt dabei ebensoviel her wie die wirklich grandios selektierten Ausstattungsstücke und Interieurs, die ebenso liebevoll den Zeitgeist widerspiegeln (bzw. den damaligen Begriff von futuristischem Leben) wie der Film strunzalbern ist. Camp nennt man sowas wohl, aber im Quadrat. Vorab vielleicht noch ein Joint, und der Streifen ist garantiert dein Freund.

7/10

Antonio Margheriti Zukunft Weltraum Aliens Mars mad scientist Kidnapping Camp Trash


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LA REINE MARGOT (Patrice Chéreau/F, I, D 1994)


Zitat entfällt.

La Reine Margot (Die Bartholomäusnacht) ~ F/I/D 1994
Directed By: Patrice Chéreau

Paris, im August 1572. Nachdem die intrigante Königsmutter Katharina De Medici (Virna Lisi) ihre Tochter Margot (Isabelle Adjani) mit dem protestantischen König Henri de Navarre (Daniel Auteuil) verheiratet hat - eine rein diplomatisch bestimmte Ehe, der beide Parteien nur höchst widerwillig zustimmen - steigern sich die ohnehin latenten Aggressionen am Königshof gegen die Hugenotten, allen voran deren Führer Coligny (Jean-Claude Brialy), noch weiter. Wiederum durch den Einfluss seiner Mutter Katharina befiehlt der psychisch angeschlagene König Charles IX (Jean-Hugues Anglade) die verhängnisvolle Ermordung sämtlicher in Paris befindlicher Hugenotten. Ein beispielloses Massaker folgt, dem rund 6000 Menschen zum Opfer fallen, dem jedoch zumindest Navarre durch den Schutz Margots entgehen kann. Jene verliebt sich ihrerseits in den ebenfalls dem protestantischen Glauben frönenden Edelmann La Môle (Vincent Perez), derweil Navarre sich aus eher eigennützigen Motiven mit Charles befreundet. Sowohl dessen Mutter als auch seinem Bruder Anjou (Pascal Greggory) ist diese Freundschaft ein Dorn im Auge. Von den folgenden Mordanschlägen trifft schließlich einer Charles selbst, der sich elendig an einer Arsen-Vergiftung zu Tode quält. Auch La Môle wird getötet. Navarre flieht zurück in die Gascogne und Margot verlässt Paris, das Haupt ihres Geliebten mit sich führend.

Ein herrlich selbstverliebtes Epos, voll von Pomp, Blut, Sex und Intriganz, schwer und süffig wie ein alter Roter. Der hollywoodschen Art, Historienfilme zu erstellen bewusst entsagend, gibt sich Chéreaus Film ganz europäisch; die Dynastie derer von Medici wird ausgegeben als eine von irrläufigem Adelswahn geprägte Familie, bestehend aus zutiefst selbstgefälligen und bösen bis gestörten Mitgliedern. Über allem thronst die legendäre Katharina, die Massenmord und Attentate im Sekundentakt befiehlt und ihren unbeholfenen Sohn als Marionette missbraucht. Wer gegen die Staatsräson oder das, was die Königsfamilie darunter versteht, verstößt, wird ohne großes Zaudern aus dem Weg geräumt, selbst, wenn es eine ganze Glaubensgemeinschaft betrifft. Zwischendrin vögelt sich die nebenbei noch dauergeile Gesellschaft ihre Pfade durch die Betten des Palastes, wobei jederzeit damit gerechnet werden muss, dass ein Parfum, ein Lippenstift oder ein Glas Wein zur Todesfalle werden kann.
Chéreau versteht es ausgezeichnet, dieses gleichfalls morbide wie lebenshungrige Klima des sich neigenden Spätmittelalters mit kräftigen Farben und ausgesuchtem Chiaroscuro zu inszenieren; ohnehin zur Exzentrik neigende Darsteller wie Adjani, Anglade, Auteuil oder der deutsche Thomas Kretschmann spielen dieses ausufernde grand guignol voller beserkerhaftem overacting. Die eine oder andere Länge, die jeweils die kurze Befürchtung aufkommen lässt, "La Reine Margot" gehe gleich die Puste aus, wird durch die garantiert folgende, nächste spektakuläre Sequenz wieder entkräftet. Großes Kostümkino aus der Nachbarschaft also, auch mal schön.

8/10

period piece Historie Biopic Mittelalter Frankreich Paris Pogrom D.C. Patrice Chéreau Alexandre Dumas Familie Geschwister Ehe


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THE SIGNAL (William Eubank/USA 2014)


"What is the truth of the matter here?"

The Signal ~ USA 2014
Directed By: William Eubank

Auf dem Weg zur Westküste, wohin sie ihre Freundin Haley (Olivia Cooke) bringen, wollen die beiden Computernerds Nic (Brenton Thwaites) und Jonah (Beau Knapp) gleich noch dem geheimnisvollen Hacker 'Nomad' einen Besuch abstatten, der sich in alle möglichen abgeschirmten Intranetze einloggen kann und das Trio somit auf Schritt und Tritt verfolgen und überwachen kann. Die Spur führt zu einer geheimnisvollen, leerstehenden Hütte auf dem Land, die jedoch nicht zu Nomad, sondern geradewegs in ein unterirdisches Labor voller schutanzugbewährter Wissenschaftler, allen voran dem wortkargen Damon (Laurence Fishburne) führt. Dieser unterstellt dem desorientierten, verdutzten Nic, Kontakt mit Aliens gehabt zu haben und möglicherweise kontaminiert zu sein. Als Nic entsetzt feststellt, dass seine Beine gegen künstliche Substitute ausgetauscht worden sind, ergreift er zusammen mit Haley die nächste Möglichkeit zur Flucht. Offenbar befindet man sich im Bereich der "Area 51", die Herrschaften aus dem Labor dicht auf den Fersen...

"The Signal" wirkt ein wenig wie ein Film aus der Frühphase des Kanadiers Vincenzo Natali; stilisiert bis zur Perfektion, formal von penibelster Sorgfalt getragen und voller guter Ideen, die sich im Nachhinein jedoch en gros als bloßes Handwerkszeug zur Kreierung eines schicken Spielfilms und somit als selbstzweckhaft entpuppen. Das Gesamtbild entschädigt zwar dafür, kann seine Natur des Aufmerksamkeitheischens jedoch kaum verhehlen. Natürlich dreht sich am Ende die gesamte Szenerie auf den Kopf mitsamt herausgefordertem Aha-Effekt, ein paar lose inhaltliche Fäden bleiben aber dennoch zurück. "The Signal" enthält dabei unverhohlen ausgespielte Elemente aus Superhelden-Filmen zwischen "Unbreakable" und "X-Men", verschafft jedoch auch diesen eine gehörige Kehrtwende, als klar wird, welcher Natur die physischen Modifikationen der Kids in Wahrheit sind.
Seine untadelige Form macht "The Signal" trotz alledem recht delektabel und ich kann mir vorstellen, ihn mir beizeiten nochmal anzusehen, um dann vielleicht sogar einen besseren Eindruck zu gewinnen. Wäre doch nett, ge'.

7/10

William Eubank Aliens Kidnapping Freundschaft Teenager Verschwörung Road Movie


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DANZA MACABRA (Antonio Margheriti/I, F 1964)


Zitat entfällt.

Danza Macabra ~ I/F 1964
Directed By: Antonio Margeriti

Eigentlich kommt der Reporter Alan Foster (Georges Rivière) nur in die trübe Schänke "Four Devils", um den just in England weilenden Literaten Edgar Allan Poe (Silvano Tranquilli) zu interviewen. Das Treffen endet jedoch mit einer Wette, die Foster der ebenfalls anwesende Lord Blackwood (Umberto Raho) stellt: Foster möge eine Nacht in seinem verlassenen Landsitz verbringen und werde dort lernen, an das Übernatürliche und seine irdischen Manifestationen zu glauben. Foster lässt sich auf die Wette ein und begegnet im nur vermeintlich leerstehenden Blackwood Castle gheheimnisvollen Frauen (Barbara Steele, Margrete Robsahm), einem muskulösen Brutalinski (Giovanni Cianfriglia) sowie einem Doktor (Aturo Dominici), der die Grenzübergänge zwischen Tod und Leben erforscht. Wenngleich ihm zumindest die schöne Elisabeth (Steele) wohlgesonnen scheint, muss Foster bald wahrlich um sein Leben bangen...

Anschmiegsame gothic tale des noch jungen Margheriti, der aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausholte und den gerade im Erstarken begriffenen, italienischen Horrorkino eines seiner schönsten Frühwerke schenkte. Margheritis Neigung zur Exploitation erschöpft sich hier noch in der kurzen Zurschaustellung eines blanken Busenpaars; ansonsten bleiben die vampiresken Bedürfnisse und Praktiken der untoten Hausbewohner, deren Zahl sich jeweilsjubilarisch erhöht, von gediegenen Bildern umkränzt. Zusammen mit dem Zuschauer lernt Foster die wahre Natur des von Spinnweben und klappernden Fensterläden gesäumten Schlösschens kennen; der Friedhof im Vorpark, die Gruft im Keller und vor allem die unterschiedlichen Beweggründe der gespenstischen Wohngenossen, die am Ende doch alle auf dasselbe hinauslaufen, präsentieren und erschließen sich erst im weiteren Verlauf der Nacht, via Rückblende und Erlebnisbericht. Schließlich wird Alan Foster an die zuvor so vehement durch ihn belächelten Phänomene glauben, doch nicht, ohne seinen Tribut entrichtet zu haben...

8/10

Antonio Margheriti Schloss Edgar Allan Poe Vampire Sergio Corbucci


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A THUNDER OF DRUMS (Joseph M. Newman/USA 1961)


"Bachelors make the best soldiers. All they have to lose is their loneliness."

A Thunder Of Drums (Massaker im Morgengrauen) ~ USA 1961
Directed By: Joseph M. Newman

Eine Gruppe Indianer, vermeintlich Komantschen, überfällt die Farm der Familie Detweiler und lässt nur die kleine, zutiefst verstörte Laurie (Tammy Marihugh) am Leben. Soldaten des Forts Canby finden das Mädchen und nehmen es in ihre Obhut. Zeitgleich erreicht der ortskundige Nachwuchsoffizier McQuade (George Hamilton), ein selbstsicherer, etwas arroganter, junger Mustersoldat das Fort. Der kommandierende Captain Maddocks (Richard Boone) nimmt ihm jedoch sogleich den Wind aus den Segeln, worauf eine weitere Schlappe für McQuade folgt: Seine frühere Geliebte Tracey Hamilton (Luana Patten) hat sich in seiner Abwesenheit mit Lieutenant Gresham (James Douglas) verlobt. Als dieser von McQuades und Traceys Liaison erfährt, führt er blindlings eine Strafexpedition gegen die Indianer an, die für die gesamte Abordnung tödlich endet. Maddocks und McQuade rücken mit einer Gruppe Soldaten hinterher und können die marodierenden Indianer, die sich als Apachen auf dem Kriegspfad zu erkennen geben, besiegen. McQuade gewinnt endlich Maddocks' Anerkennung, muss Tracey, die Fort Canby zusammen mit der kleinen Laurie verlässt, jedoch zunächst aufgeben.

Die sich bereits nach wenigen Minuten aufdrängende Ähnlichkeit mit Fords großer Kavallerie-Trilogie und auch mit "The Searchers" kommt nicht von ungefähr: Nicht nur dem großen Regiemeister selbst eifert Newman unverkennbar nach; das Script stammt zudem von James Warner Bellah, der die zugrunde liegenden Storys für "Fort Apache", "She Wore A Yellow Ribbon" und "Rio Grande" verfasste. Hier wie dort observiert man das Alltagsleben in einem militärischen Außenposten inmitten des außerweltlich anmutenden Indianergebiets: Verbrechen an unschuldigen Zivilisten sind ebenso an der Tagesordnung wie unermüdliche Belagerungszustände, permanente Scharmützel mit dem Feind oder, im Gegenzuge, Feste, Familiengründungen und Freund- sowie Feindschaften innerhalb der Fortmauern. Am Zahltag lassen die Rekruten sich gehörig volllaufen und machen den Eindruck verlotterter Suffköpfe, doch im Feld sind sie einer wie der andere zuverlässige, abgeklärte Profis.
Erwartungsemäß fehlen "A Thunder Of Drums" die Anmut und Eleganz, kurzum: das Genie, welches die bevorbildeten Musterarbeiten Fords auszeichnet. Böse Zungen könnten gar behaupten, Newmans vorletzte Kino-Inszenierung stelle eine Vulgärversion der ford'schen USC-Porträts dar, zumal die Blauröcke (allen voran Charles Bronson, Slim Pickens und Frank Gerstle) hierin weniger wirken wie die Protagonisten klassischer Tragödienstoffe, sondern tatsächlich wie instinktgesteuerte Haudegen; Typen, die nichts anderes gelernt haben und für eine Flasche Bourbon und eine aparte Squaw alles andere stehen und liegen lassen. Ich mag die ehrliche Handwerkskoloratur von "A Thunder Of Drums" sehr gern und finde, dass Boone, Hamilton und Bronson einen durchaus passablen Ersatz bieten für Duke Wayne, John Agar und Victor McLaglen.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Freundschaft Arizona Indianer


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FORT MASSACRE (Joseph M. Newman/USA 1958)


"I need a six-foot hole dug. Any volunteers?"

Fort Massacre (Die Letzten der 2. Schwadron) ~ USA 1958
Directed By: Joseph M. Newman

Nach einem Scharmützel mit feindlichen Apachen bleibt von einem Kavallerie-Regiment, das ursprünglich zur Eskortierung eines Siedlertrecks unterwegs ist, nurmehr ein versprengter Haufen. Als ranghöchster Offizier übernimmt Sergeant Vinson (Joel McCrea) das Kommando über die Männer, ein von tiefem Hass zerfressener Fanatiker, der einst seine Frau und seine beiden Kinder infolge eines Indianerüberfalls verlor. Die Apachen ständig im Nacken, missbraucht Vinson die verbleibenden Soldaten für seinen persönlichen Rachefeldzug und trifft einige strategisch höchst fragwürdige Entscheidungen, die wiederum mehrere Männer das Leben kostet. In einem verlassen Begräbnis-Pueblo kommt es zur letzten Schlacht, an deren Ende der zuvor stets neutral verbliebene Rekrut Travis (John Russell) endlich Partei ergreift...

In seiner späten Karrierephase fertigte der eher als Routinier bekannte Regisseur Joseph M. Newman noch zwei sehenswerte Kavallerie-Western, wovon "Fort Massacre" der erste ist. Darin ist der sonst beinahe stets in untadeligen Heldenrollen besetzte Veteran Joel McCrea in der Rolle eines psychisch schwer angeschlagenen Indianerhassers zu sehen, der die sich ihm zufällig bietende Chance einer notwendigen Kommando-Führung zu egoistischen Zwecken missbraucht. Die ihm unterstehenden Männer gehorchen zwar seinen Anordnungen, stehen diesen aber zurecht zunehmend kritisch gegenüber und halten, nachdem Vinsons Aktionen immer mehr unnötige Todesopfer fordern, selbst mit offensiven Verbalangriffen nicht länger hinterm Berg. Einzig in dem gebildeten, wenngleich zur Meinungspassivität neigenden Private Travis findet Vinson einen weithin verständigen Gesprächspartner, der allerdings schließlich auch nicht anders kann, als Vinson eine unkontrollierbare Gefährlichkeit zu attestieren und sich gezwungen sieht, dessen Despotismus gewaltsam zu beenden. McCrea gibt eine eindrucksvolle Vorstellung ab, die eine Art Diametralentwurf zu seiner großen Rolle in Wellmans "Buffalo Bill" darstellt, als der er ehern für die Indianerrechte einzutreten pflegte.
Ein psychologisch ausgereifter, ebenso spannender wie kammerspielartiger Western, der die Wiederentdeckung lohnt.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Indianer New Mexico Madness


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AS ABOVE, SO BELOW (John Erick Dowdle/USA 2014)


"There's only one option: to reach the exit, we must go deeper underground."

As Above, So Below (Katakomben) ~ USA 2014
Directed By: John Erick Dowdle

Die Jungforscherin Scarlett (Perdita Weeks) wandelt auf den wissenschaftlichen Spuren ihres Vaters: Dieser hat sich mit den frühen Alchimisten befasst und dem legendären "Stein der Weisen" nachgespürt. Ein signifikanter Hinweis im Iran führt Scarlett zu den Katakomben von Paris, in denen bekanntlich die Gebeine von 6 Millionen Toten lagern. Scarlett schart ein kleines Team um sich, darunter den Dokumentarfilmer Benji (Edwin Hodge), ihren Ex-Kompagnon George (Ben Feldman) und den ortskundigen, geldgierigen Papillon (François Civil) und dringt durch einen wenig bekannten Eingang in das Tunnellabyrinth vor. Seltsame Erlebnisse wie die Zeremonie eines bizarren Totenkults oder das urplötzliche Erscheinen des seit langem hier vermissten La Taupe (Cosme Castro) schrecken Scarlett nicht und schließlich gelangt sie an ihr lang ersehntes Ziel. Doch mit dem Fund des Steins der weisen bricht in den Katakomben die buchstäbliche Hölle los.

Höhle oder Hölle, das ist hier die Frage! In diesem nicht vollends versagenden, jedoch in zahlreichen Belangen enttäuschenden Beitrag zum Subgenre des 'embedded filming': Es beginnt bereits damit, dass ebenjene Stilkonzeption im Rahmen der Geschichte von "As Above, So Below" recht selbstzweckhaft daherkommt. Um mich nicht missverstanden zu wissen: Dies tut sie natürlich häufig, doch speziell in diesem Falle fragt man sich in frequentiertem Maße allenthalben, ob nicht die gute alte Objektive dem Film deutlich besser zu Gesicht gestanden hätte. Um möglichst rasche Perspektivwechsel zu ermöglichen hat - selbstredend - jeder der unterirdischen Mitläufer seine eigene Kamera auf dem Schutzhelm, was die wie von Geisterhand gelenkte Schnittmontage höchst fragwürdig gestaltet. Damit muss man ergo via großzügigen good wills zurechtkommen.
Seine Story indes legt Dowdle irgendwo zwischen den archäologischen Fantasy-Eskapaden eines "Indiana Jones" und "Flatliners" an: ein sagenumwobenes Artefakt wird gesucht und manch unzweideutiger Warnung zum Trotze auch gefunden. Doch tritt die naive, wissenschaftliche Neugier der Forscher wiederum großes Unheil los, denn unter Paris liegt nichts Geringeres als ein (weiteres) Portal zum Inferno. Jenes manifestiert sich in Form einer Art "Spiegelwelt" zur Oberflächenrealität und führt den jenem Grauen Ausgelieferten neben allerlei dämonischem Umtrieb auch ihre jeweils schlimmste Lebenssünde vor Augen. Damit kommt nicht jeder der Eingschlossenen zurecht und so erhöht sich bald die Zahl der hier eingelagerten Leichen. Dass Dowdle durchaus etwas davon versteht, unheimliche Augenblicke und Stimmungen zu kreieren, beweist er hinreichend, doch nahezu jeder in dieser Hinsicht positive Ansatz versandet ebenso schnell wieder, wie er sich zuvor eingeschlichen hat. Die oberkluge Protagonistin und ihr unermesslicher Reichtum an Durchblick (warum braucht die Dame den Stein der Weisen überhaupt? weiß doch eh schon alles) nerven irgendwann beträchtlich und das Ende hinterlässt einen kaum befriedigter. Hier hätte sich ein hübsch apokalyptisches Statement geradezu aufgedrängt, doch auf einmal ist alles wieder beim Alten. So ähnlich wie im gesamten Film.

5/10

John Erick Dowdle embedded filming Paris Hölle Archäologie Höhle


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PELLE EROBREREN (Bille August/DK, S 1987)


Zitat entfällt.

Pelle Erobreren (Pelle, der Eroberer) ~ DK/S 1987
Directed By: Bille August

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Nach dem Tod seiner Frau emigriert der alternde schwedische Landarbeiter Lasse Karlsson (Max von Sydow) mit seinem achtjährigen Sohn Pelle (Pelle Hvengaard) ins verheißungsvolle Dänemark. Dort verspricht sich der bildungsferne Alte sein kleines Glück: ein geregeltes Auskommen, eine neue Ehefrau und eine Zukunft für den geliebten Jungen. Auf Bornholm finden die beiden eine Anstellung auf dem Steinhof des Grundbesitzers Kongstrup (Axel Stroybø). Der überlässt die Schindereien und Kleinmachereien seiner Knechtschaft dem garstigen Verwalter (Erik Paaske). In den folgenden zweieinhalb Jahren lernt Pelle viel über das Gefälle zwischen den Ständen, über Bigotterie, Aubeutertum und die Verlogenheit der Oberklasse. Schließlich macht er den Traum des kämpferischen Vorarbeiters Erik (Bjørn Granath) wahr und macht sich auf nach Amerika.

In seinem pompösen Sittengemälde konzentriert sich Bille August auf die frühen Lehrjahre des Protagonisten Pelle Karlsson, der in Martin Andersen Nexøs deutlich weitläufigerem Romanzyklus, in dem Pelle als junger Mann weiter nach Kopenhagen zieht und dort im Laufe der Jahre zu einem Helden der unterdrückten Arbeiterklasse wird. Das Filmende kommt indes deutlich märchenhafter daher, wenngleich im Rahmen der Transponierung nicht unpassender: Pelle schafft es, sich dem sackgassenhaften Knechtschicksal, das sein zunehmend entkräfteter Vater längst für sich akzeptiert hat, zu entfliehen und nach neuen Ufern zu suchen. Ob er diese nun mittelfristig im lobgepriesenen Amerika oder im deutlich näher gelegenen Sjælland finden mag, ist für das Ende des Films zunächst unerheblich; wichtig ist der Emanzipationsgedanke. Pelle erreicht dieses frühe Ziel durch Bildung, die sich sowohl durch althergebrachte schulische und katechistische wie auch eine gehöroge Portion Autodidaktik vollzieht. Pelle lernt, die Menschen zu beobachten und einzuschätzen; wie sie bereit sind, sich für einen Hungerlohn und einen Hering zu verkaufen und demütigen zu lassen und dass es nur wenige gibt, die die innere Kraft zum Aufbegehren gegen den althergebrachten Status aufbringen. Über allem schwebt stets der bedrohliche Geist der "Obrigkeit", die Pelle in Form eilends herbeigerufener Uniformierter nebst geschlossener Droschke wahrnimmt, die jene abholen, die sich in irgendeiner Form schuldig gemacht haben. Wie die unglückliche Magd Anna (Kristina Törnqvist), die ein uneheliches Kind zur Welt gebracht und getötet hat. Andere kommen glimpflicher davon, so Frau Kongstrup (Astrid Villaume), die ihren Gatten, nachdem dieser die minderjährige Nichte Sine (Sofie Gråbøl) geschwängert hat, kurzerhand kastriert. So etwas fällt dann unter großfamiliären "Unfällen". Pelles eigentliches Vorbild, der zum revolutionären Gestus neigende Erik, fällt eines Tages, bevor er sich zur längst fälligen Aktion aufraffen kann, einem beklagenswerten Unfall zum Opfer: Ein Steinklotz raubt ihm Hirn, Verstand und Rebellionswillen. Erik wird zur geistlosen, lobotomierten Hülle. Doch Pelle vergisst dessen Versprechen, dereinst mit ihm die Welt zu bereisen, nicht und macht sich schlussendlich allein auf den Weg.
Weltgeschichte durch die unbefleckten Augen eines Kindes - oder Simplicissimus - zu betrachten, liefert häufig eine segensreiche Erzählperspektive in Literatur und Film. "Pelle Erobreren" macht da keine Ausnahme. Ein Film, für den man sich ob seiner doch recht intensiven Emotionalität (auf deren Klaviatur August ja stets vortrefflich zu spielen versteht) mit gutem Mut wappnen mag, der jedoch sein Publikum geradezu fürstlich entlohnt.

9/10

Bille August period piece Standesdünkel Coming of Age Vater & Sohn Dänemark Sittengemälde Martin Andersen Nexø amour fou


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MORTE SOSPETTA DI UNA MINORENNE (Sergio Martino/I 1975)


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Morte Sospetta Di Una Minorenne (The Suspicious Death Of A Minor) ~ I 1975
Directed By: Sergio Martino

Im Zuge eines Undercover-Einsatzes macht sich der Mailänder Commissario Germi (Claudio Cassinelli) an die junge Prostituierte Marisa (Patrizia Castaldi) heran - nur um diese kurze Zeit später mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung aufzufinden. Seine nachfolgenden Ermittlungen mithilfe des Trickganoven Giannino (Adolfo Caruso) führen Germi nicht nur tiefer ins Rotlichtmilieu, sondern auch zu einer längst geklärt scheinenden Kindsentführung, Versicherungsbetrug im großen Stil und schließlich einem Verbund arrivierter Geschäftsmänner, dem der aalgatte Pesce (Massimo Girotti) vorsitzt. In diesem hat Germi bald seinen persönlichen Intimfeind, zumal sein Chef (Mel Ferrer) zwecks Skandalsvermeidung um jeden Preis verhindern will, dass Pesce öffentlich an den Pranger gestellt wird...

Mit "Morte Sospetta Di Una Minorenne" legte Alleskönner Sergio Martino einen ebenso schönen wie ungewöhnlichen Spagat zwischen den drei damals aktuellen Erfolgslinien im italienischen Kriminalfilm vor: Das Stück beginnt wie ein Giallo, verwandelt sich später, nachdem die zuvor mysteriös gehaltene Rolle des Protagonisten Germi sich geklärt hat, in einen Poliziottesco und enthält darüberhinaus latente, an die Rizzo- und Giraldi-Reihen angelehnte Humor-Elemente, die natürlich zumeist im Zusammenhang mit den Auftritten von Germis Sidekick Giannino stehen; darunter eine ebenso actionreich wie komisch inszenierte Verfolgungsjagd mit Ente. Hinzu gesellen sich die Aufklärung einer brutalen Mordserie, für die vordergründig ein Killer mit verspiegelter Sonnenbrille verantwortlich zeichnet, die übliche Dosis Gesellschaftskritik, die hinter den organisierten verbrecherischen Schweinereien die ehrbarsten Gesellschaftsmitglieder der Stadt nebst einer mundtot geschalteten Justiz verortet un ein klein wenig Exolitation. Alles in allem ergibt das einen kleinen Sonderling auf dem großzügig beackerten Areal des mediterranen Thrillers, in dem ganz besonders Claudio Cassinelli zu glänzen weiß. Wie der sich nach einer scheinbar resignierten Fügung in den Lauf der ungerechten Dinge doch noch zum Racheengel aufschwingt, das ist einfach überaus wohlschmeckend.

8/10

Sergio Martino Mailand Giallo Poliziottesco Rache Freundschaft





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