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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE YELLOW MOUNTAIN (Jesse Hibbs/USA 1954)


"It's gettin' cold outside." - "Yeah, icy."

The Yellow Mountain (Gold aus Nevada) ~ USA 1954
Directed By: Jesse Hibbs

Eigentlich kommt Andy Martin (Lex Barker) ausschließlich deshalb nach Goldfield, Nevada, um die schulden von seinem früheren Partner Pete Menlo (Howard Duff) einzutreiben. Als Andy jedoch sieht, dass Pete ein gut gehendes Casino betreibt und versucht, mit einer just erworbenen Mine ins Goldgeschäft einzusteigen, lässt er sich von diesem kurzerhand zum Teilhaber machen, zumal die schöne Nevada (Mala Powers), Tochter des alten Prospektors Jackpot Wray (William Demarest) es ihm angetan hat. Gemeinsam stellt man sich gegen den Monopolisten Bannon (John McIntire), der versucht, sämtliche Konzessionen der Gegend aufzukaufen.

Ein hübscher B-Western, so ehrlich gealtert wie eine abgewetzte Fransenlederjacke. Barker und Duff spielen ihr rauflustiges Freundesteam mit viel Elan und Enthusiasmus, William Demarest ist ein liebenswerter Kauz, wie ihn Walter Brennan in den etwas größeren Produktionen zu spielen pflegte und dass, nicht zuletzt angesichts der Mitwirkung seines Hausregisseurs, nirgends Audie Murphy auftaucht, verwundert ein Stück weit. Besoffene sind stets für einen Lacher gut und mit lästigen Elementen wie psychologischer Charakter-Unterfütterung gibt man sich gar nicht erst ab; alles bleibt abenteuerlich, lustig und simpel. Es bedurfte sicher nicht viel, Genrewerk wie "The Yellow Mountain" herzustellen, doch Seele und Herz waren allemal dabei.

6/10

Jesse Hibbs Nevada Freundschaft Gold


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MAN IN THE SADDLE (André De Toth/USA 1951)


"You can't run away forever."

Man In The Saddle ~ USA 1951
Directed By: André De Toth

Nachdem der reiche Rancher Will Isham (Alexander Knox) sich Owen Merritts (Randolph Scott) Jugendliebe Laurie (Joan Leslie) weggeschnappt und geehelicht hat, bleibt der Geprellte erstaunlich gelassen zurück. Im Gegensatz zu Isham, der vorsorglich den berüchtigten Gunman Fay Dutcher (Richard Rober) engagiert, um Merritt bei der erstbesten Gelegenheit niederzuschießen. Tatsächlich kommt es zu immer neuen Reibereien und Provokationen, denen auch einige von Merritts Arbeitern zum Opfer fallen, bis Merritt erkennt, dass er eigentlich längst eine Andere liebt, nämlich die resolute Nan Melotte (Ellen Drew). Nichtsdestotrotz lassen ihn Isham und Dutcher nicht in Ruhe und es kommt zum unausweichlichen Showdown.

Einer der vielen von Randolph Scott und Harry Joe Brown coproduzierten, kleinen Western, die in ihrer Gesamtheit gemeinhin als "Ranown"-Zyklus populär wurden und deren unbestrittene Höhepunkte in der Regel von Burt Kennedy gescriptet und von Budd Boetticher inszeniert wurde. "Man In The Saddle", der jenen reiferen Werken vorausgeht, besitzt zwar bereits einige der wesentlichen späteren Merkmale der Ranown-Filme, erinnert infolge diverser komischer Auflockerungen und seiner vergleichsweise aktionsbefreiten Atmosphäre noch eher an die vielen B-Western der Vierziger. Randy Scott spielt hierin seinen gewohnten West-Archetypus; einen stoischen, wortkargen Rancher, der am Liebsten von allen in Ruhe gelassen würde, auf genau das jedoch aus Gründen, die nur das Schicksal kennt, verzichten muss. Obschon Owen Merritt als Meisterschütze bekannt und respektiert ist, befindet er sich längst in einem Alter, in dem Herz und Nerven geschont werden wollen. Doch es kann der Frömmste bekanntlich nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt und so bleibt selbst dem nach Ruhe und Frieden strebenden Merritt bald nurmehr der Griff zum Schießeisen. Motive wie Rache, Schuld und Sühne bleiben in De Toths solider Regiearbeit noch ebenso zurückhaltend wie psychologische oder gar metaphysische Elemente - das nicht jedes Genrestück aus Meisterhand indes auch zwangsläufig ein Meisterwerk sein kann, ist derweil irgendwie auch ganz wohltuend zu beobachten.

6/10

André De Toth amour fou Duell


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INTO THE BADLANDS (Sam Pillsbury/USA 1991)


"I smell the aroma of cash."

Into The Badlands (Land der Vergessenen) ~ USA 1991
Directed By: Sam Pillsbury

Drei düstere Wildwest-Geschichten verzahnen sich lose durch den jeweils involvierten Kopfgeldjäger T.L. Barston (Bruce Dern): Der gesuchte Outlaw McComas (Dylan McDermott) findet kurz vor der fluchtbedingten Überquerung des Rio Grande in der Hure Blossom (Helen Hunt) seine große Liebe, muss sich jedoch noch seinem Jäger Sheriff Starett (Andrew Robinson) stellen. // Die Farmersfrau Alma Heusser (Mariel Hemingway) will sich um ihre von ihrem Ehemann (Loren Haynes) zurückgelassene Nachbarin Sarah (Lisa Pelikan) kümmern, findet in dieser jedoch nurmehr ein fieberndes, psychisches Wrack vor. Derweil tobt draußen ein Schneesturm und ein aggressives Wolfsrudel sucht nach Beute. // Barston fängt und erschießt den gesuchten Schwerverbrecher Red Roundtree (Michael J. Metzger). Als er dessen Leiche in sein Heimatstädtchen zurückkarrt, muss er feststellen, dass dort nurmehr ein paar verwitterte Männer leben, die ihren alten Kumpel Red ordnungsgemäß beerdigen wollen. Barston will die "wervolle" Leiche jedoch nicht herausrücken. Dass er sich im Folgenden in der Wüste verirrt, erleichtert ihm seinen Beutefang nicht...

Ein durchaus beachtlicher TV-Western, der aus der kurzen Renaissance heraus entstand, die das Genre in den Frühneunzigern im Gefolge von "Dances With Wolves" erlebte. In "Into The Badlands" werden drei Kurzgeschichten unterschiedlicher AutorInnen zu einem mitunter bewusst sperrigen Mystery-Stück voll von einiger allegorischer Undurchsichtigkeit verwoben. Schemen, Trugbilder und Übernatürliches gewinnen im Laufe des Films immer mehr an Bedeutsamkeit und kulminieren schließlich in der starken "Hauptstory" um den von Bruce Dern herrlich gespielten bounty hunter Barston. Der Kopfgeldjäger erlebt in diesem Zuge eine erneuerte Ikonographie als eine der unsterblichen Gestalten wildwestlicher Mythologie: Er ist als sicherlich makelbehaftete Figur aus dem Gefüge der Sagen von einst ebenswenig wegzudenken wie Sheriffs und Marshalls, Kavalleristen und Indianer, Desperados und Outlaws. Insofern ist es nur recht und billig, dass T.L. Barston sich mit seinem unglamourösen Ende als verirrter und ausgehungerter Verlierer nicht zufrieden geben mag und kurzerhand wieder aus seinem erdigen Grab aufersteht, um als ikonologische Entität auf der Suche nach Kriminellen und Belohnungen weiter durch den Staub zu pilgern.

7/10

Sam Pillsbury TV-Film Episodenfilm Kopfgeldjagd


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THE SALVATION (Kristian Levring/DK, S, UK, SA, B 2014)


"No, please don't!"

The Salvation ~ DK/S/UK/SA/B 2014
Directed By: Kristian Levring

Der mittlere Westen, 1871: Nach sieben Jahren des Existenzaufbaus holt der dänische Emigrant Jon (Mad Mikkelsen) Frau (Nanna Øland Fabricius) und Sohn (Toke Lars Bjarke) nach auf seine kleine Farm. Doch kaum, dass sie angekommen ist, wird Jons kleine Familie auch schon von zwei in der selben Postkutsche fahrenden Halsabschneidern ermordet. Jons Rache folgt auf dem Fuße, doch einer der beiden Lumpen ist der jüngere Bruder des hiesigen Gangsters Dealrue (Jeffrey Dean Morgan), der die Kleinstadt Black Creek unter seinem Daumen hat. Delarue lässt sich Jon ausliefern, der jedoch mithilfe seines Bruders Peter (Mikael Persbrandt) wieder entkommen kann. Als Delarue auch noch Peter auf sein Gewissen lädt, gibt es für Jon nur noch den reinen Tisch.

Da im Western sowieso alles längst gesagt ist, zählt nurmehr die Präsentation. Selbige kann man betreffs "The Salvation" als weithin gelungen bezeichnen: Zwar wurde in Südafrika gefilmt, was der Authentizität der Bilder jedoch keinesfalls abträglich ist. Die Motive der Handlungsblaupause entpuppen sich als Gemengelage etlicher Klassiker des Genres, die für Inhalt ("Last Train From Gun Hill") sowie Form ("C'Era Una Volta Il West") Pate zu stehen hatten. "The Salvation", der die alte Tradition von im Heimatland des Western angesiedelten Non-US-Western wieder aufgreift, lässt sich somit als Lobpreisung des Genres betrachten, der ein beeindruckter Filmemacher einen schönen Tribut zollen möchte, was ihm dann auch recht ordentlich gelingt. Der Illusion, innovatives Kino machen zu können, gibt sich Levring dabei gar nicht erst hin, sondern beschreitet seine ausgetrampelten Pfade mit hochglänzenden Stiefeln nebst glattpolierten Sporen. Daran ist nichts Verwerfliches.

7/10

Kristian Levring Rache Duell Kleinstadt


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SILVER LODE (Allan Dwan/USA 1954)


"Just ten minutes ago you all wanted to kill me. And now you're telling me you're sorry..."

Silver Lode (Stadt der Verdammten) ~ USA 1954
Directed By: Allan Dwan

Just am Tage seiner Hochzeit mit der schönen Rose Evans (Lizbeth Scott), die auf den 4. Juli gelegt wurde, erhält der allseits geachtete Kleinstadtbürger Dan Ballard (John Payne) Besuch von einem angeblichen Marshall McCarthy (Dan Duryea) und seinem Deputy-Gefolge. McCarthy bezichtigt Ballard, vor zwei Jahren hinterrücks seinen Bruder niedergeschossen zu haben und sich mit einer hohen, geraubten Geldsumme aus dem Staube gemacht zu haben. Wenngleich zunächst niemand dem urplötzlich auftauchenden Tross Glauben Schenken mag, gelingt es McCarthy, immer mehr von Ballards Nachbarn und Freunden auf seine Seite zu ziehen, bis der Ärmste die ganze Stadt gegen sich hat. Nur seine Braut und das Barmädchen Dolly (Dolores Moran) stehen tapfer zu ihm und können McCarthy schließlich als den Schwindler entlarven, der er ist.

Wie ein dahergelaufener Scharlatan namens McCarthy sich mit marktschreierischen Sprüchen die vox populi zu Eigen macht, indem er sich selbst und seine politische Paranoia zur ultima ratio erklärt, etliche unmündige Naivlinge mitzieht und sie sogar dazu bringt, langjährige Bekannte und Freunde zu verachten und sogar zu denunzieren, das erlebte Amerika gerade in der Realität, als die RKO einen kleinen B-Western namens "Silver Lode" vom Stapel ließ, der sich ebenjene unhaltbaren Vorgänge allegorisch abzublden traute und damit zu einem der politischsten und mutigsten Filme seiner Ära geriet. Der falsche Prophet trägt in diesem Falle gar den Namen seines tatsächlichen Pendants: Ein intriganter, brutaler Hund, der sich tatsächlich sogar wesentlich mehr für das verschwundene Geld interessiert als für die Rache am Tod seines Bruders. Wesentlich eindrucksvoller allerdings gelingt Dwan, binnen 77 Minuten Spielzeit zu demonstrieren, wie eine ganze Gemeinde sich von demagogischer Stimme in eine hetzerischen Mob versäuseln lässt, nur um hernach räuspernd wieder zum Alltagsgeschäft zurückzukehren. Am Ende wird der Bösewicht tödlich von einer von ihm selbst abgefeuerten Kugel getroffen, die an einer Nachbildung der originalen Liberty Bell abprallt. Ein überaus konsequentes Ende für einen ausgemachten Hundsfott. Dass "Silver Lode" sich rein dramaturgisch betrachtet nicht wenig bei Fred Zinnemanns "High Noon" bedient, sei ihm angesichts seines starken Symbolismus' großmütig nachgesehen.
Ein wichtiger, unerlässlicher Genrebeitrag.

9/10

Allan Dwan Rache Kleinstadt


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A THUNDER OF DRUMS (Joseph M. Newman/USA 1961)


"Bachelors make the best soldiers. All they have to lose is their loneliness."

A Thunder Of Drums (Massaker im Morgengrauen) ~ USA 1961
Directed By: Joseph M. Newman

Eine Gruppe Indianer, vermeintlich Komantschen, überfällt die Farm der Familie Detweiler und lässt nur die kleine, zutiefst verstörte Laurie (Tammy Marihugh) am Leben. Soldaten des Forts Canby finden das Mädchen und nehmen es in ihre Obhut. Zeitgleich erreicht der ortskundige Nachwuchsoffizier McQuade (George Hamilton), ein selbstsicherer, etwas arroganter, junger Mustersoldat das Fort. Der kommandierende Captain Maddocks (Richard Boone) nimmt ihm jedoch sogleich den Wind aus den Segeln, worauf eine weitere Schlappe für McQuade folgt: Seine frühere Geliebte Tracey Hamilton (Luana Patten) hat sich in seiner Abwesenheit mit Lieutenant Gresham (James Douglas) verlobt. Als dieser von McQuades und Traceys Liaison erfährt, führt er blindlings eine Strafexpedition gegen die Indianer an, die für die gesamte Abordnung tödlich endet. Maddocks und McQuade rücken mit einer Gruppe Soldaten hinterher und können die marodierenden Indianer, die sich als Apachen auf dem Kriegspfad zu erkennen geben, besiegen. McQuade gewinnt endlich Maddocks' Anerkennung, muss Tracey, die Fort Canby zusammen mit der kleinen Laurie verlässt, jedoch zunächst aufgeben.

Die sich bereits nach wenigen Minuten aufdrängende Ähnlichkeit mit Fords großer Kavallerie-Trilogie und auch mit "The Searchers" kommt nicht von ungefähr: Nicht nur dem großen Regiemeister selbst eifert Newman unverkennbar nach; das Script stammt zudem von James Warner Bellah, der die zugrunde liegenden Storys für "Fort Apache", "She Wore A Yellow Ribbon" und "Rio Grande" verfasste. Hier wie dort observiert man das Alltagsleben in einem militärischen Außenposten inmitten des außerweltlich anmutenden Indianergebiets: Verbrechen an unschuldigen Zivilisten sind ebenso an der Tagesordnung wie unermüdliche Belagerungszustände, permanente Scharmützel mit dem Feind oder, im Gegenzuge, Feste, Familiengründungen und Freund- sowie Feindschaften innerhalb der Fortmauern. Am Zahltag lassen die Rekruten sich gehörig volllaufen und machen den Eindruck verlotterter Suffköpfe, doch im Feld sind sie einer wie der andere zuverlässige, abgeklärte Profis.
Erwartungsemäß fehlen "A Thunder Of Drums" die Anmut und Eleganz, kurzum: das Genie, welches die bevorbildeten Musterarbeiten Fords auszeichnet. Böse Zungen könnten gar behaupten, Newmans vorletzte Kino-Inszenierung stelle eine Vulgärversion der ford'schen USC-Porträts dar, zumal die Blauröcke (allen voran Charles Bronson, Slim Pickens und Frank Gerstle) hierin weniger wirken wie die Protagonisten klassischer Tragödienstoffe, sondern tatsächlich wie instinktgesteuerte Haudegen; Typen, die nichts anderes gelernt haben und für eine Flasche Bourbon und eine aparte Squaw alles andere stehen und liegen lassen. Ich mag die ehrliche Handwerkskoloratur von "A Thunder Of Drums" sehr gern und finde, dass Boone, Hamilton und Bronson einen durchaus passablen Ersatz bieten für Duke Wayne, John Agar und Victor McLaglen.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Freundschaft Arizona Indianer


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FORT MASSACRE (Joseph M. Newman/USA 1958)


"I need a six-foot hole dug. Any volunteers?"

Fort Massacre (Die Letzten der 2. Schwadron) ~ USA 1958
Directed By: Joseph M. Newman

Nach einem Scharmützel mit feindlichen Apachen bleibt von einem Kavallerie-Regiment, das ursprünglich zur Eskortierung eines Siedlertrecks unterwegs ist, nurmehr ein versprengter Haufen. Als ranghöchster Offizier übernimmt Sergeant Vinson (Joel McCrea) das Kommando über die Männer, ein von tiefem Hass zerfressener Fanatiker, der einst seine Frau und seine beiden Kinder infolge eines Indianerüberfalls verlor. Die Apachen ständig im Nacken, missbraucht Vinson die verbleibenden Soldaten für seinen persönlichen Rachefeldzug und trifft einige strategisch höchst fragwürdige Entscheidungen, die wiederum mehrere Männer das Leben kostet. In einem verlassen Begräbnis-Pueblo kommt es zur letzten Schlacht, an deren Ende der zuvor stets neutral verbliebene Rekrut Travis (John Russell) endlich Partei ergreift...

In seiner späten Karrierephase fertigte der eher als Routinier bekannte Regisseur Joseph M. Newman noch zwei sehenswerte Kavallerie-Western, wovon "Fort Massacre" der erste ist. Darin ist der sonst beinahe stets in untadeligen Heldenrollen besetzte Veteran Joel McCrea in der Rolle eines psychisch schwer angeschlagenen Indianerhassers zu sehen, der die sich ihm zufällig bietende Chance einer notwendigen Kommando-Führung zu egoistischen Zwecken missbraucht. Die ihm unterstehenden Männer gehorchen zwar seinen Anordnungen, stehen diesen aber zurecht zunehmend kritisch gegenüber und halten, nachdem Vinsons Aktionen immer mehr unnötige Todesopfer fordern, selbst mit offensiven Verbalangriffen nicht länger hinterm Berg. Einzig in dem gebildeten, wenngleich zur Meinungspassivität neigenden Private Travis findet Vinson einen weithin verständigen Gesprächspartner, der allerdings schließlich auch nicht anders kann, als Vinson eine unkontrollierbare Gefährlichkeit zu attestieren und sich gezwungen sieht, dessen Despotismus gewaltsam zu beenden. McCrea gibt eine eindrucksvolle Vorstellung ab, die eine Art Diametralentwurf zu seiner großen Rolle in Wellmans "Buffalo Bill" darstellt, als der er ehern für die Indianerrechte einzutreten pflegte.
Ein psychologisch ausgereifter, ebenso spannender wie kammerspielartiger Western, der die Wiederentdeckung lohnt.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Indianer New Mexico Madness


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A TOWN CALLED HELL (Robert Parrish/UK, E 1971)


"Where is Aguila?"

A Town Called Hell (Kein Requiem für San Bastardo) ~ UK/E 1971
Directed By: Robert Parrish

Um 1894 kämpfen zwei Männer, ein irischer Aussteiger (Robert Shaw) und ein mexikanischer Rebell (Martin Landau), Seite an Seite gegen das feudalistische Regime unter Präsident Diáz. Besonders auf reiche Grundbesitzer und Kirchenvertreter haben sie es abgesehen unter wüten unter diesen wie Berserker. Zehn Jahre später ist der Ire selbst Priester in einer kleinen, verlotterten Stadt. Eine mysteriöse Frau namens Alvira (Stella Stevens) kommt mit einem Begleiter (Dudley Sutton) nebst Leichenwagen in die Stadt und bietet eine hohe Geldsumme für die Denunziation des geheimnisvollen Aguila, der ihren Mann auf dem Gewissen haben soll. Der vor Ort das Heft haltende Bandit Don Carlos (Telly Savalas) erpresst die Stadtbevölkerung, doch erfolglos. Nachdem sein Kompagnon Bomba (Al Lettieri) ihn erschossen hat, rückt der damalige Genosse des Iren, mittlerweile Offizier im Staatsdienst, mit seinen Männern ein. Auch er ist auf der Suche nach jenem geheimnisvollen Aguila.

"A Town Called Hell", einer der vielen um diese Zeit entstandenen, harten und pronociert humorlosen Western, die unter hauptsächlich britischer Produktionsbeteiligung in Almería gedreht wurden, hatte es nie leicht. Zu überfrachtet sei er, viel zu anspruchsvoll gegenüber sich selbst und dabei doch bedeutungslos, langweilig und kleingeistig. Selbst Joe Hembus, der in vielem sonst negativ Beleumundetem noch ein Fünkchen brauchbarer Füllnis aufzufinden pflegte, urteilte hart gegenüber Parrishs Film. Nun, vieles von dem Gesagten und Geschriebenen kann ich bestätigen. Zuallererst ist "A Town Called Hell" ein überaus hässlicher Film, und das weniger aufgrund seines bewusst kargen, schmutzigen Äußeren, sondern weil er ganz einfach dahingeschludert und herzlos wirkt. Die Hauptschuld dafür ist sicherlich Robert Parrish anzulasten, der es nicht versteht, seine wirklich vorteilhaften Ressourcen zu optimieren bzw. daran möglicherweise gar nicht interessiert war. Es gibt vor allem ein großartiges Hauptdarsteller-Quintett bei bester Spiellaune sowie eine betont metatextuelle, nicht unintelligente Analyse des mexikanischen Revolutionswesens. Dass der Film trotzdem über weite Strecken langweilig, zerfahren und insbesondere formal beinahe amateurhaft bleibt, ist in Anbetracht dieser Voraussetzungen nicht nur schade, sondern unentschuldbar.
Für vollständigkeitsbeflissene Chronisten von Revolutions- und Eurowestern bildet "A Town Called Hell" trotz alledem eine Pflichtveranstaltung, der man sich jedoch eher ungern wiederholt aussetzt. Nicht eben das vorteilhafteste Resümee.

5/10

Robert Parrish Mexikanische Revolution Mexiko period piece Rache Parabel Irving Lerner


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IL MIO NOME È NESSUNO (Tonino Valerii/I, F, BRD 1973)


Zitat entfällt.

Il Mio Nome È Nessuno (Mein Name ist Nobody) ~ I/F/BRD 1973
Directed By: Tonino Valerii

Jack Beauregard (Henry Fonda) ist einer der letzten, legendären Gunmen des Alten Westens. Da er sein Gnadenbrot in Ruhe und möglichst unbehelligt einnehmen möchte, plant er eine Reise nach Europa. Doch es gibt noch alte, offene Rechnungen - so den Tod seines Bruders Nevada, der in krumme Geschäfte mit dem Goldmieneneigner Sullivan (Jean Martin) verstrickt war. Dieser würde Beauregard am Liebsten in einen Maßsarg stecken und hat neben ein paar anderen, gedungenen Killern bereits die legendäre "Wilde Horde" angeheuert - 150 Männer, die reiten und schießen wie 1000. Zu Beauregards Glück kreuzt allenthalben der schlitzohrige Nobody (Terence Hill) seinen Weg, eine Art Wildwest-Eulenspiegel, der seinen Colt nur bei sich trägt, um ungewinnbare Wetten zu gewinnen und sich ansonsten mit Backpfeifen und Ohrlaschen Resapekt verschafft. Nobody rettet Beauregard immer wieder das Leben und entwickelt sich langsam zu dessen Schutzengel - mit manch prophetischem Hintergedanken...

Dass Sergio Leone unkreditierter Co-Regisseur dieses Spät-Spätwesterns war, sieht man dem Resultat in vielen seiner elegischen Szenen unschwer an, wie der Meister des operesken Staub- und Stiefelkinos eigentlich dem ganzen Film seine Signatur aufgedrückt hat. Sei es ein enevierend lautes Uhrenticken, das einen Barbier-Besuch akustisch untermalt oder Morricones gar nicht mal ausgesprochen parodistisch gemeinte, musikalische Selbstzitate aus "C'Era Una Volta Il West".
Natürlich konnte und musste "Il Mio Nome È Nessuno" einzig als italienische Co-Produktion entstehen, zeigt er doch vor allem - und eigentlich schon etwas zu spät - das Weiterreichen der Erfolgsfackel. Vom klassischen Genrekino, wie die Italiener es sich kontinental zu eigen gemacht hatten, gesäumt von lauten Schnellschüssern und vielen Leichen hin zum damals in Europa so beliebten Spaß- und Prügelwestern um Bud Spencer und Terence Hill, der sich mit diesem Film hinreichend von seinem ewigen Duettpartner emanzipieren konnte. Die Generationen treffen aufeinander in der Person Henry Fondas, einer großen Gattungs-Ikone, der stoischen Ernst und ruhige Gelassenheit über die Dekaden trefflich präserviert hat (und nach "C'Era Una Volta Il West" wieder weg ist vom Schweinhündischen) sowie in der Hills, jenes buchstäblich spitzbübischen Chilibohnen-Fanatikers und Streichespielers, der sich anschickt, die mittlerweile auf Sehhilfen angewiesene Väterlein-Generation nicht nur zu beerben, sondern ihr gleichfalls noch einen adäquaten Abgang von der nach immer weiteren Legenden gierenden Öffentlichkeitsbühne zu verschaffen.
Heraus kam dabei ein ganz besonders unikaler Film, wahrscheinlich gar der einzige, der es fertigbrachte, eine wohlfeil abgemischte Schnittmenge aus klassisch-amerikanischem, klassisch-mediterranem und Neo-Spaß-Western samt gleichmäßig dargebrachten Anteilen zu kredenzen. Dass die deutsche, von Rainer Brandt erstellte Sprachfassung keine Gefangenen macht und die üblichen, verbalen Nonsenssegel setzt, gehört ebenso zur Geschichte dieses Films wie Morricones ohrwurmgarantierender, grauselig verzerrter Walküren-Ritt.

9/10

Sergio Leone Tonino Valerii Italowestern Freundschaft Hommage Parabel


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DAS FINSTERE TAL (Andreas Prochaska/AT, D 2014)


"Gimme the gun!" - "Woas?"

Das finstere Tal ~ AT/D 2014
Directed By: Andreas Prochaska

Südtirol, irgendwann im 19. Jahrhundert: Ein aus Amerika kommender Fremder namens Greider (Sam Riley) mietet sich in einem einsamen Taldorf für den Winter als Logiergast bei einer Bäuerin (Carmen Gratl) und ihrer Tochter (Paula Beer) ein.
Wie sich herausstellt, wird das Dorf noch althergebracht-feudalistisch regiert: Über allem ragt bedrohlich der Schatten des wohlhabenden Holzbauern Brenner (Hans-Michael Rehberg) und seiner sechs Söhne, die hier tun und lassen, was ihnen beliebt. Doch mit der Ankunft Greiders im Tal beginnt ihre lokale Allmacht zu bröckeln. Nachdem bereits zwei der Brenner-Söhne tödlichen Unfällen zum Opfer gefallen ist, wird klar, dass nur Greider den Mut besitzen kann, gegen den Despoten aufzubegehren. Und tatsächlich hat der schweigsame, jedoch wild entschlossene junge Mann eine viele Jahre zurückliegende Rechnung zu begleichen...

Die im Zusammenhang mit dem Film vielfach verwendete Kategorisierung als "Alpenwestern" trifft "Das finstere Tal" in der Tat hervorragend. Wobei man das "Alpen-"-Präfix auch einfach weglassen könnte und ihm immer noch vollends gerecht würde. Denn natürlich ist Prochaskas erfrischend lichtferner Film ein in der Tradition vor allem von Leone und Corbucci stehender Euro-Western, der eben ausnahmsweise auch einmal vor Ort spielt und in dem die Leute mit Südtiroler Dialekt sprechen. Ansonsten sind die figurale Ausstattung, die Geschichte mitsamt ihren sanften politischen Implikationen und selbst die Landschaft durchweg als unverwechselbare Genre-Medien identifizierbar. Der karg kommunizierende Fremde, der als personifizierter Tod in die Einöde kommt, um als Erlöserfigur die armen Menschen vom Joch ihrer Usurpatoren und verlogenen Vergangenheit zu befreien - traditionsbewusster geht es ja kaum. Wobei das in solch einem Falle der Außenwelt-Abschottung akute Problem von Zwangsinzest und Blutlinienfortführung hier meines Wissens erstmals so unzweideutig umrissen wird.
Entsprechend knüppelhart pflanzt sich des Greiders Rache-Odyssee - auch Verrat und Bigotterie bleiben nicht ungesühnt - bis zu ihrem unvermeidlichen Ende hin fort, vom Jüngsten hinauf bis hin zum Ältesten, sozusagen. Dann kommt der Frühling ins Tal und mit ihm die längst überfällige Chance auf einen Neubeginn.

8/10

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Funxton

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