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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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SADDLE THE WIND (Robert Parrish/USA 1958)


"I know all about the brother and the sickness inside him. He didn't get that from Steve, he was born with it."

Saddle The Wind (Vom Teufel geritten) ~ USA 1958
Directed By: Robert Parrish

Als Steve Sinclairs (Robert Taylor) jüngerer Bruder Tony (John Cassavetes) von einem Viehtrieb auf die heimische Ranch zurückkehrt, bringt er nicht nur gleich seine Zukünftige Joan (Julie London) mit, sondern auch einen Schnellschuss-Colt. Dieser steht symbolisch für Tonys tiefliegende, immar akuter werdende Aggressivität, die sich häufig in eruptiven Emotionswallungen entlädt. Als eine Gruppe Farmer ins örtliche Tal kommt, eskaliert die Situation: Tony, der die Neuankömmlinge mit tiefer Verachtung straft, gerät nicht nur mit dem alternden Viehzüchter-Patriarchen Deneen (Donald Crisp) aneinander, sondern auch mit Steve, auf dessen Seite sich längst auch Joan geschlagen hat...

Der zornige, junge Mann im Westen: Zu Brando und Newman gesellte sich etwas abseits der junge John Cassavetes, Bohémien, Selbsträsonist und aufstrebender Filmemacher aus New York, um gegen den altehrwürdigen Hollywood-Recken Robert Taylor, im Film zugleich sein Bruder und Ziehvater, aufzubegehren. In dieser Konstellation steckt natürlich eine ganz erhebende Symbolik: Cassavetes, gerade in der Vorbereitung für sein eigenes Regiedebüt "Shadows" steckend, verdiente sich in einer Studioproduktion ein paar zusätzliche Kröten dazu, um die nötige Finanzierung etwas stabiler zu gestalten. In "Saddle The Wind", an dem unkredititiert auch John Sturges mitarbeitete, spielt er einen von übermächtigen Dämonen getriebenen, jungen Mann, der stets das Gegenteil tut von dem, was die Autorität - in dem Falle sein deutlich älterer Bruder - gutheißt: Er ist impulsiv, säuft, zieht mit anderen Taugenichtsen durch die Gegend und ist zudem maßlos schießwütig und ein wenig todessehnsüchtig. Das leicht wahnsinnige Grinsen mit Augenrollen, welches hier mehrfach zum Einsatz kommt, kennt man bei Cassavetes besonders gut - bezeichnenderweise hat er es zumeist bemüht, wenn er unter fremder Regie auftrat.
"Saddle In The Wind" ist, mit all seinem schönen Sinn für inszenatorische Details, das, was man semi-wissenschaftlich-oberflächlich einen "psychologischen Western" titulieren mag, mit klassischer dramatischer Ausgangslage, angesichts derer es fast schon ein bisschen verwundert, dass Crisp lediglich als Vaterfigur, nicht als wirklicher Vater auftritt.

8/10

Robert Parrish John Sturges Colorado Brüder


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THE VIOLENT MEN (Rudolph Maté/USA 1955)


"I fight for the privilege of being left alone."

The Violent Men (Rauhe Gesellen) ~ USA 1955
Directed By: Rudolph Maté

Nach dem Bürgerkrieg will der Ex-Offizier John Parrish (Glenn Ford) in Ruhe seine kleine Ranch bewirtschaften. Da ist jedoch der Viehbaron Lew Wilkison (Edward G. Robinson) vor, der sämtliche Farmer und Kleinbauern der Gegend wenn nötig mit Gewalt zum spottbilligen Verkauf ihrer Besitztümer nötigt. Tatsächlich ist Wilkisons intrigante Frau Martha (Barbara Stanwyck) die treibende Kraft hinter der zunehmend Verbitterung des alten Patriarchen. Dieser will nicht wahrhaben, dass Martha mit seinem jüngeren Bruder Cole (Brian Keith) fremdgeht und eigentlich nurmehr auf Lews Ende wartet. Parrish indes wählt nach anfänglicher Zurückhaltung und einigen Vorwarnungen den offenen Kampf gegen Wilkisons gewalttätige Methoden und zahlt ihm jede Aktion doppelt und dreifach zurück - erfolgreich, dank seiner im Krieg erlernten Guerilla-Listen.

Der Originaltitel passt hier ausnehmend gut, denn "The Violent Men" präsentiert wirklich eine ganze Schar ausnehmend gewalttätiger Herrschaften, zu denen sich nach einigem pazifistischen Gebahren zu Beginn auch John Parrish gesellt und zwar in vorderster Reihe. Nachdem er sich Wilkisons Spiel und dessen zunehmenden Kontrollverlust über sein Imperium und im Speziellen seine Männer, wie etwa den gemeingefährlichen Wade Matlock (Richard Jaeckel), angeschaut hat, schlägt Parrish erbarmungslos zurück. Einen solch rigiden Kampfesgeist gab es im häufig um psychologische Tragfähigkeit bemühten Western dieser Jahre eher selten zu sehen. Parrish präsentiert sich infolge seiner eruptiv ausbrechenden und zugleich von kühler Strategie geprägten Gewaltpraxis eher wie ein früher Urahn John Rambos: Just aus dem Kriege heimgekehrt lässt man ihn nicht gewähren in seinem stillen Bedürfnis nach ruhiger Existenz, hört nicht auf seine Warnungen und zahlt für das Wiedererwecken einer gestählten Kämpfernatur mit doppelter Münze. Cool.

8/10

Rudolph Maté Ranch Texas


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THE MAN FROM COLORADO (Henry Levin/USA 1948)


"In fact, you're crazy!"

The Man From Colorado (Der Richter von Colorado) ~ USA 1948
Directed By: Henry Levin

Noch am letzten Tag des Bürgerkriegs lässt der Unions-Colonel Owen Deveraux (Glenn Ford) ein Konöderierten-Bataillon, das die Weiße Fahne zeigt, mit Artillerie beschießen. Fast sämtliche der Männer kommen dabei um. Der Krieg hat Deveraux zu einem passionierten Massenmörder werden lassen, der längst die Kontrolle über sein Handeln verloren hat. Sein Freund Del Stewart (William Holden) betrachtet diese Entwicklung mit Sorge, zumal Deveraux nach der Rückkehr ins gemeinsame Heimatstädtchen zum Bundesrichter ernannt wird und die gemeinsame Jugendliebe Caroline (Ellen Drew) ehelicht. Dels Befürchtungen werden wahr: Deveraux lässt sich zur Marionette rücksichtsloser Goldminen-Ausbeuter machen und verwechselt Rechtsprechung mit Lynchjustiz. Del sieht nurmehr offene Gewalt als letzten Ausweg...

Nach dem lichtdurchfuteten "Texas" ein weiterer 'Nachkriegsfilm', der die vormaligen Freunde und Kameraden Ford und Holden mit dem Zivilleben konfrontiert als künftige Gegner ausstellt. Im Gegensatz zu Marshall pflegt Levin trotz leuchtenden Technicolors keinen leichten, humoristischen, sondern einen bierernsten Ansatz, der gleich zu Beginn keine Zweifel daran aufommen lässt, dass Owen Deveraux ein schwer kranker Mann ist, den man von der Öffentlichkeit isolieren sollte, anstatt ihn auch noch ein richterliches Amt bekleiden zu lassen. Das war ja das Wunderbare an Ford; er konnte den gutmütigen Provinzler ebensogut darstellen wie den veritablen madman, wobei letzteres ihm in "The Man From Colorado" ausgesprochen gut gelingt. Auf seine psychische Störung angesprochen, reißt Ford jedesmal die Augen auf und es brennt ihm eine weitere Sicherung durch. Wirklich grandios.
Nicht nur deshalb einer der vielen Spätvierziger-Western, deren großflächige Wiederentdeckung ich ausdrücklich propagieren möchte!

9/10

Henry Levin Sezessionskrieg Colorado Freundschaft Madness


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TEXAS (George Marshall/USA 1941)


"Ah! Gold!"

Texas (Flucht nach Texas) ~ USA 1941
Directed By: George Marshall

Kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs geraten die beiden Herumtreiber Tod Ramsey (Glenn Ford) und Dan Thomas (William Holden) erst mehrfach in die Patsche und dann in eine texanische Kleinstadt, wo sich ihre Wege zunächst trennen und erst nach einigen Monaten wieder kreuzen. Tod hat mittlerweile eine ehrbare Stelle als Ranchverwalter bei der schönen Mike King (Claire Trevor), deren Vater ermordet wurde, derweil Dan sich mit dem lichtscheuen Gesindel um Mikes Konkurrenten Lashan (Addison Richards) abgibt, dessen Rinderbestand vornehmlich zusammengeklaut wurde. Nicht nur in gesetzlicher Hinsicht stehen die Freunde auf diametralem Posten, auch, was die Gunst Mikes anbelangt gibt es keine eindeutige Entscheidung. Schließlich soll Dan Tod im Auftrag des heimlichen Bandenchefs Doc Thorpe (Edgar Buchanan) erschießen, weigert sich jedoch beharrlich.

"Destry Rides Again" gilt als die vordringlichste der etlichen Westernkomödien, die George Marshall im Laufe mehrerer Dekaden inszenierte, doch ist gerade der nur zwei Jahre jüngere "Texas" ein Film, der es in punkto Witz und Charme mühelos und jederzeit mit "Destry" aufnehmen kann - allein, dass er keine Marlene hat und das Schicksal so vieler dem Vergessen anheim gefallenen Genrefilme teilt, nämlich das, vergessen zu sein. Dass William Holden und Glenn Ford tatsächlich mal so jung gewesen sein sollen, erscheint bei jeder weiteren Betrachtung aufs Neue bald halluzinatorisch - beide in den frühen Zwanzigern mag man kaum glauben, dass die in erster Linie durch deutlich spätere Meriten in Erinnerung befindlichen Akteure auch mal als taufrische Hollywood-Greenhorns angefangen haben. Ihre Vitalität und Spielfreude zeichnet "Texas" ebenso aus wie die knorrigen performances der alten, nichtsdestotrotz stets liebenswert gezeichneten Gauner George Bancroft und Edgar Buchanan. Besonders letzterem gelang in einer seltenen Mischung aus freundlich-musikalscher Beschützernatur und jähzorniger Bedrohung eine wunderbar nuancierte Darbietung.

8/10

George Marshall Texas Viehtrieb Freundschaft


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EL KÁRATE, EL COLT Y EL IMPOSTOR (Antonio Margheriti/E, I, HK, USA 1974)


Zitat entfällt.

El Kárate, El Colt Y El Impostor (In meiner Wut wieg' ich vier Zentner) ~ E/I/HK/USA 1974
Directed By: Antonio Margheriti

Bei dem Versuch, seinen Tresor zu sprengen, kann der Halunke Dakota (Lee Van Cleef) nicht verhindern, dass der wohlhabende chinesische Geschäftsmann Wang (Al Tung) ums Leben kommt. Als dessen Bruder (Pai-Chen Yang) in China davon erfährt, schickter den Kung-Fu-Kämpfer Ho Chiang (Lo Lieh), zugleich Wangs Neffe, nach Monterey in Amerika. Dort schließen sich Dakota und Ho zusammen, um Wangs Erbschaft ausfindig zu machen. Dafür müssen sie jedoch zunächst ein Rätsel lösen, dessen einzelne Bestandteile Wang dereinst auf vier weibliche Popos tätowierte. Eines davon gehört der frivolen Gattin (Erika Blanc) des verrückten Predigers Hobbitt (Julián Ugarte), der sich, als er davon erfährt, selbst Wangs Schatz unter den Nagel reißen will.

Dass es sich für den (Euro-)Western und fernöstliches Kampf-Procedere durchaus lohnt, eine fruchtbare Kurzehe einzugehen, hatte Bond-Regisseur Terence Young bereits drei Jahre zuvor mit "Soleil Rouge" bewiesen, in dem ein japanischer Samurai und ein amerikanischer Gunslinger sich notgedrungen zusammenraufen müssen, um ein begehrtes Objekt (in diesem Falle handelte es sich um ein Schwert) zu erringen. Für "El Kárate, El Colt Y El Impostor" gingen derweil die Hong Konger Shaw Brothers eine ihrer Ost-West-Kollaborationen ein, um zwei große Unterhaltungsmärkte zu bedienen. Inszeniert wurde der Spaß von dem in Crossover-Dingen keinesfalls unerfahrenen Genre-Ass Margheriti, der hierfür sein berühmtes Pseudonym 'Anthony M. Dawson' verwendete. "El Kárate, El Colt Y El Impostor" ist erwartungsgemäß witzig und bewegt sich bis zum knalligen Showdown etwa in den Breitengeraden eines Spencer-/Hill-Western; soll heißen, es wird mehr geprügelt denn geschossen und es gibt, nicht zuletzt aufgrund der pobackigen Story-Prämisse, mancherlei Gelegenheit für schlüpfrige Hintern-Witzchen. Wer derlei Kuriositäten mag und beispielsweise mit der Hofbauer/Kuei-Zusammenarbeit "Yang Chi" etwas anzufangen weiß, der wird ganz bestimmt auch bei Lee Van Cleef und Lo Lieh auf seine Kosten kommen.

6/10

Antonio Margheriti Shaw Bros. Crossover Martial Arts Italowestern Europloitation


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RUN FOR COVER (Nicholas Ray/USA 1955)


"It's the ones like you who cause all the trouble, everywhere."

Run For Cover (Im Schatten des Galgens) ~ USA 1955
Directed By: Nicholas Ray

Der Abenteurer Matt Dow (James Cagney) kommt auf der Suche nach settlement nach Colorado, wo er den jungen Davey Bishop (John Derek) trifft. Die beiden schließen sich zusammen und werden aufgrund eines dummen Zufalls unschuldig als Zugräuber verfolgt. Dabei wird Davey niedergeschossen. Matt pflegt ihn auf der Farm der gastfreundlichen, schwedischstämmigen Swensons gesund, kann damit jedoch nicht Daveys ungestümes Temperament zügeln. Schließlich machen die Einwohner der benachbarten Stadt Matt zum neuen Sheriff, der wiederum Davey zum Deputy ernennt - eine Aufgabe, der der zornige junge Mann nicht gewachsen ist. Als Matts frühere Kumpane um den Banditen Gentry (Grant Withers) die lokale Bank ausrauben, muss Matt während der sich anschließenden Verfolgung erkennen, dass Davey längst die Seiten gewechselt hat - er arbeitet mit dem Ganoven Morgan (Ernest Borgnine) zusammen.

Nick Rays zweiter Western, kurz nach "Johnny Guitar" entstanden, von dessen formaler Inbrunst und Flamboyanz jedoch ein gutes Stück weit entfernt. In "Run For Cover" widmet sich der Regisseur eher der straight erzählten Geschichte einer substituierten, und wohl nicht zuletzt deshalb zum Scheitern verurteilten Vater-Sohn-Beziehung. Spätestens mit seinem aufopfernden Anpeitschen Daveys, dem der Arzt prophezeit, dass er sein verletztes Bein nie wieder werde gebrauchen können, lässt der alternde Matt Dow seine wahren Gefühle für den jungen Mann durchblicken. Wie wir später erfahren werden, hatte Matt einst tatsächlich einen Sohn, der allzu früh das Zeitliche segnen musste. Immer wieder versucht Matt, einst selbst ein outlaw und späterer 'jailbird', den renitenten Davey, der über sein Dasein als Vollwaise nie hinweggekommen ist, zum Guten zu bekehren und sein mit Habsucht und Gewaltsucht liebäugelndes Naturell zu domestizieren - umsonst. Davey wird endgültig zum Verräter an seinem Ersatzvater und Mentor, nimmt sogar dessen wahrscheinlichen Tod in Kauf. Dennoch wartet am Ende die Erlösung auf ihn. Die thematische Verwandtschaft zum nachfolgenden "Rebel Without A Cause" ist unübersehbar: Trotz Perspektivchangierung von alt nach jung und ausgefeilterer (weil womöglich zeitgenössischerer) Charakterzeichnungen geht es um die Unvereinbarkeit zweier Generationen und den daraus erwachsenden Konflikt. Während "Rebel" diesen schlussendlich - unter Opfern - lösen kann, bleibt in "Run For Cover" am Ende nur das Weitermachen - und das Warten auf neue, bessere Tage.

8/10

Nicholas Ray Colorado Freundschaft


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THE ELECTRIC HORSEMAN (Sydney Pollack/USA 1979)


"You're all bent. Are you sick?" - "Nope. Just bent."

The Electric Horseman (Der elektrische Reiter) ~ USA 1979
Directed By: Sydney Pollack

Der frühere Rodeo-Star Sonny Steele (Robert Redford) führt nurmehr eine daueralkoholisierte Existenz als Werbeflaggschiff für den Multi 'Ampco', deren Frühstücksflocken er bewirbt. Seine Einsätze erschöpfen sich in lustlosen Auftritten als Discokugel zu Ross und im Glühlämpchen-Anzug. Bei einer Veranstaltung in Vegas platzt Sonny dann eines Tages der Kragen. Der einstmals stolze Tournierhengst 'Rising Star' wird unter starke Narkotika gesetzt, um seine zerschundene Vorderhand nicht mehr spüren zu müssen und um vor den Zuschauermassen nicht in Panik zu geraten. Kurzerhand entführt Sonny Rising Star, reitet mit ihm in die Wüste hinaus und plant, ihn bei einer Mustangherde in Utah wieder auszuwildern. Die TV-Journalistin Hallie Martin (Jane Fonda) wittert eine große Story und folgt Sonny in die Prärie...

Zu banal für New Hollywood: Pollacks erste Liebäugelei mit dem profanen Mainstreamkino - unter weiestgehender Missachtung großer politischer oder philosophischer Topoi, in vertretbarem Sinne unliterarisch, uramerikanisch, mit Sinn für Herz und Romantik und betont ohne Schwere inszeniert. Fast (aber wirklich nur 'fast') ein Republikaner-Film. Redford darf seiner bekannten Pferdeliebe frönen (die sich später in seinem eigenen "The Horse Whisperer" nochmal richtig breitärschig präsentieren durfte) und als kerniger Herzensbrecher mit Schnorres die robuste Feministin Fonda betören. Das alles markiert natürlich keinen Weltstoff und auch keinen Fall fürs Pantheon großer Kinomythen; es ist wahrscheinlich noch am Ehesten der Versuch eines Filmemachers, sich von gewissen, als einengend empfundenen Zwängen freizustrampeln; Zwängen von Schwere und Bedeutungsfülle, wie sie noch sein vorheriges Meisterwerk "Bobby Deerfield" kennzeichneten. "The Electric Horseman" nimmt sich im Gegensatz zu diesem opulenten, aber wunderschönen Rührstuck so frugal aus wie das Grillen von Dosenwürstchen am Stock überm Lagerfeuer. Der Existenzialismus hält hierin ein Nickerchen unter der Hutkrempe, Redford schnitzt an seinem eigenen, specksteinigen Denkmal als Frauentyp, Willie Nelson intoniert Cowboy-Songs auf der Tonspur und unser Zossen, ein Brauner, stiefelt als lebender McGuffin durch die ockerfarbenen Täler von Nevada und Utah. Zugegeben: Pollack und Redford haben es sich hier verdammt einfach gemacht. Aber mutmaßlich hatten sie auch gar nichts anderes im Sinn.

6/10

Sydney Pollack Rodeo Pferd Las Vegas Nevada Utah Journalismus Neowestern


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HOT SPUR (Lee Frost/USA 1968)


"You're my wife and that's why you have to obey!"

Hot Spur (Heiße Sporen) ~ USA 1968
Directed By: Lee Frost

Der Mexikaner Carlo (James Arena) befindet sich auf einem Rachefeldzug: Nachdem einst seine ältere Schwester in seinem Beisein von einer Gruppe rassistischer Weißer vergewaltigt wurde und sich danach erschoss, jagt er die Übeltäter und bringt sie einen nach dem anderen zur Strecke. Auf seiner Liste fehlt nur noch der Rancher O'Hara (Joseph Mascolo), der sich seit damals um keinen Deut gebessert hat. Nicht genug damit, dass er ausschließlich schmierigstes Volk auf seinem Gut beschäftigt, behanddelt er seine Frau Susan (Virginia Gordon) auch noch wie den letzten Dreck. Carlo entführt Susan, verschanzt sich mit ihr auf einer Hütte den Bergen, macht sie sich gefügig und wartet dort auf O'Hara und seine Männer.

Der Exploitation- und Trash-Western wartet, zumal in den USA und damit dem Ursprungsland des Genre, mit nur wenigen Vertretern auf. Zwei davon, "Hot Spur" und der nachfolgende "Scavengers", die auch hierzulande eine bunte Zensurgeschichte auf dem Kerbholz haben, gehen auf das Konto des berüchtigten B-Filmers Lee Frost. "The Hot Spur" interessiert sich vor allem für die wesenhafte Misogynie der Cowboys und Westleute, die offenbar nichts anderes im Sinn hatten, als Frauen, mit Vorliebe Mexikanerinnen, für die Auslebung ihrer schmutzigen Fantasien zu missbrauchen. Frost zeigt so detailliert, wie es ein Softporno gestattet, mit welch unangenehmem Habitus man dabei vorzugehen pflegte. So ist "The Hot Spur" vor allem ein ausgesprochen hässlicher Film geworden, allerdings unter Vorsatz und vielleicht sogar ein wenig konzipiert als Zerrspiegel des klassischen Studiowestern. Ich nehme an, Frot hat sich beeinflussen lassen von Peckinpah und auch Leones "C'Era Una Volta Il West", jedenfalls sprechen diverse seiner verbratenen Einfälle dafür. Am Ende kopiert er sogar in halbwegs stilsicherer Form die Finaleinstellung aus Fords "The Searchers" und stellt nicht nur damit unter Beweis, dass ihm durchaus ein gewisser Kunstverstand zu Eigen war. Im Allgemeinen ist Frosts Inszenierung, bis auf jene langweilige, dramaturgisch oftmals forciert herbeigeführte und pathologische Zurschaustellung von Schmuddelsex in ihrer kantigen Rauheit durchaus sehenswert. So oder so - ein Mann, der was zu sagen hatte.

6/10

Lee Frost Independent Rache Exploitation Vergewaltigung


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WILD ROVERS (Blake Edwards/USA 1971)


"Well, let's rob us a bank."

Wild Rovers (Missouri) ~ USA 1971
Directed By: Blake Edwards

Trotz des Altersunterschiedes von einem Vierteljahrhundert sind die beiden Cowboys Ross Bodine (William Holden) und Frank Post (Ryan O'Neal) beste Freunde. Sie arbeiten für den Rancher Buckman (Karl Malden), der ein gestrenges, aber gerechtes Patriarchat führt. Als einer ihrer Kollegen durch einen Pferdeunfall zu Tode kommt, beginnen Bodine und Post, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Sie kommen zu dem Schluss, dass eine Lebensänderung einzig durch einen Banküberfall zu erreichen ist - bei der Bank, auf der Buckmans Vermögen lagert. Zwar gelingt der Coup mit Ach und Krach, doch Buckman schickt den beiden Flüchtigen eine Posse, angeführt von seinen Söhnen John (Tom Skerritt) und Paul (Joe Don Baker) hinterher, die sie lebend zurückbringen soll. Doch Bodine und Post ist auf ihrem Ritt Richtung Grenze ohnehin wenig Glück beschieden...

Nur ein Western, und dann gleich ein solch meisterhafter Genrevertreter: Blake Edwards hat mit "Wild Rovers", einem melancholischen Film über Männerfreundschaft bis in den Tod, zerschossene Träume und den Verlust der Unschuld einen der besten Western der Siebziger geschaffen, trotz seiner seltenen Erwähnungen auf Augenhöhe mit den teils wesentlich profilierteren "The Wild Bunch", "The Cowboys", "Monte Walsh" oder "Pat Garret & Billy The Kid", die ja allesamt historische Endzeitszenarien entwickelten und die über Dekaden hinweg kultivierte, romantisierte Hollywood-Perzeption der Landesvergangenheit mit Präzisionsgewehren blutig, tränenreich und in Zeitlupe zur Strecke brachten. Dabei teilt sich "Wild Rovers", den Edwards ganz klassisch und episch mit Ouvertüre und Intermission versieht, gezielt in zwei Akte: Der erste zeigt die beiden Freunde auf ihrer persönlichen Erfolgsspur - unter anderem gelingt ihnen Fang und Zähmung eines Mustangs -, der zweite vollzieht eine brutale Kehrtwende in jedweder Hinsicht: Der alte Buckman wird von konkurrierenden Schafzüchtern abgeknallt, seine Söhne, die während der Verfolgung von Bodine und Post davon erfahren, vollziehen ihre Rache in der Ferne und entzweien sich. Post muss infolge eines Bauchschusses einen langen und qualvollen Tod sterben, der auch für Bodine den alleinigen Weiterritt sinnlos werden lässt. Vor der Kulisse des Monument Valley, bekanntermaßen eine von Fords bevorzugten locations, vollzieht sich das finale Drama. Danach bleibt nurmehr Leere und bleierne Traurigkeit.

10/10

Blake Edwards Freundschaft Utah Arizona Heist Flucht New Hollywood


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ANGEL AND THE BADMAN (James Edward Grant/USA 1947)


"Only a man that carries a gun ever needs one."

Angel And The Badman (Der schwarze Reiter) ~ USA 1947
Directed By: James Edward Grant

Schwer verwundet gelangt der berühmte frühere Deputy und jetzige Outlaw Quirt Evans (John Wayne) zur Farm der Quäkerfamilie Worth. Wie es sich für sie gehört, nehmen die Worths Evans vorurteilsfrei und warmherzig in ihr Heim auf - für den ansonsten eher unsteten Revolverhelden eine ganz neue Erfahrung. Besonders Penelope (Gail Russell), die Tochter des Hauses, hat es Quirt angetan. Bevor er bereit ist, von seinem bisherigen Lebenswandel Abschied zu nehmen und sich mit Penelope niederzulassen, bedarf es jedoch noch einiger Prüfungen.

Die alte Geschichte von der Sesshaftwerdung des gunslinger - hier noch zusätzlich durch das religiöse Element des besonders friedfertigen Quäker-Glaubens um eine zusätzlich pikante Note ergänzt. Für Duke bedeutete die Rolle des Quirt Evans - eines daherfabulierten früheren Kollegen Wyatt Earps und später zur Gaunerei umgeschwenkten Hallodris, der sämtliche schlechten Eigenschaften eines rauen Westgesellen in sich vereint, nur um später der Waffe abzuschwören und sich einem spießigen Farmerleben zuzuwenden, die Annahme einer relativ ungewohnten und ungewöhnlichen Perspektive. In Fonda oder Stewart hätte sie einen glaubwürdigeren Adepten gefunden, Wayne nimmt man jenen Sinneswandel bestenfalls bedingt ab. Nicht auszudenken außerdem, was Ford aus diesem Stoff gemacht, mit welcher Doppelbödigkeit und lyrischen Bilder er sich dessen angenommen hätte. So gerät "Angel And the Badman" zu einem vergleichsweise vernachlässigbaren Western, in dem vor allem Gail Russell durch ihre natürliche Attraktivität glänzt und der nunmehr vor allem für Wayne-Komplettisten von Wert sein dürfte.

6/10

James Edward Grant Arizona Quäker





Filmtagebuch von...

Funxton

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