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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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IL MIO NOME È NESSUNO (Tonino Valerii/I, F, BRD 1973)


Zitat entfällt.

Il Mio Nome È Nessuno (Mein Name ist Nobody) ~ I/F/BRD 1973
Directed By: Tonino Valerii

Jack Beauregard (Henry Fonda) ist einer der letzten, legendären gunslinger des Alten Westens. Da er sein Gnadenbrot in Ruhe und möglichst unbehelligt einnehmen möchte, plant er eine Reise nach Europa. Doch es gibt noch alte, offene Rechnungen - so den Tod seines Bruders Nevada, der in krumme Geschäfte mit dem Goldmieneneigner Sullivan (Jean Martin) verstrickt war. Dieser würde Beauregard am Liebsten in einen Maßsarg stecken und hat neben ein paar anderen, gedungenen Killern bereits die legendäre "Wilde Horde" angeheuert - 150 Männer, die reiten und schießen wie 1000. Zu Beauregards Glück kreuzt allenthalben der schlitzohrige Nobody (Terence Hill) seinen Weg, eine Art Wildwest-Eulenspiegel, der seinen Colt nur bei sich trägt, um ungewinnbare Wetten zu gewinnen und sich ansonsten mit Backpfeifen und Ohrlaschen Resapekt verschafft. Nobody rettet Beauregard immer wieder das Leben und entwickelt sich langsam zu dessen Schutzengel - mit manch prophetischem Hintergedanken...

Dass Sergio Leone unkreditierter Co-Regisseur dieses Spät-Spätwesterns war, sieht man dem Resultat in vielen seiner elegischen Szenen unschwer an, wie der Meister des operesken Staub- und Stiefelkinos eigentlich dem ganzen Film seine Signatur aufgedrückt hat. Sei es ein enevierend lautes Uhrenticken, das einen Barbier-Besuch akustisch untermalt oder Morricones gar nicht mal ausgesprochen parodistisch gemeinte, musikalische Selbstzitate aus "C'Era Una Volta Il West".
Natürlich konnte und musste "Il Mio Nome È Nessuno" einzig als italienische Co-Produktion entstehen, zeigt er doch vor allem - und eigentlich schon etwas zu spät - das Weiterreichen der Erfolgsfackel, Vom klassischen Genrekino, wie die Italiener es sich kontinental zu eigen gemacht hatten, gesäumt von lauten Schnellschüssern und vielen Leichen hin zum damals in Europa so beliebten Spaß- und Prügelwestern um Bud Spencer und Terence Hill. Die Generationen treffen aufeinander in der Person Henry Fondas, einer großen Gattungs-Ikone, der stoischen Ernst und ruhige Gelassenheit über die Dekaden trefflich präserviert hat (und nach "C'Era Una Volta Il West" wieder weg ist vom Schweinhündischen) sowie in der Terence Hills, jenes buchstäblich spitzbübischen Chilibohnen-Fanatikers und Streichespielers, der sich anschickt, die mittlerweile auf Sehhilfen angewiesene Väterlein-Generation nicht nur zu beerben, sondern ihr gleichfalls noch einen adäquaten Abgang von der nach immer weiteren Legenden gierenden Öffentlichkeitsbühne zu verschaffen.
Heraus kam dabei ein ganz besonders unikaler Film, wahrscheinlich gar der einzige, der es fertigbrachte, eine wohlfeil abgemischte Schnittmenge aus klassisch-amerikanischem, klassisch-mediterranem und Neo-Spaß-Western samt gleichmäßig dargebrachten Anteilen zu kredenzen. Dass die deutsche, von Rainer Brandt erstellte Sprachfassung keine Gefangenen macht und die üblichen, verbalen Nonsenssegel setzt, gehört ebenso zur Geschichte dieses Films wie Morricones grauselig verzerrter Walküren-Ritt.

9/10

Sergio Leone Tonino Valerii Italowestern Freundschaft Hommage Parabel


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DAS FINSTERE TAL (Andreas Prochaska/AT, D 2014)


"Gimme the gun!" - "Woas?"

Das finstere Tal ~ AT/D 2014
Directed By: Andreas Prochaska

Südtirol, irgendwann im 19. Jahrhundert: Ein aus Amerika kommender Fremder namens Greider (Sam Riley) mietet sich in einem einsamen Taldorf für den Winter als Logiergast bei einer Bäuerin (Carmen Gratl) und ihrer Tochter (Paula Beer) ein.
Wie sich herausstellt, wird das Dorf noch althergebracht-feudalistisch regiert: Über allem ragt bedrohlich der Schatten des wohlhabenden Holzbauern Brenner (Hans-Michael Rehberg) und seiner sechs Söhne, die hier tun und lassen, was ihnen beliebt. Doch mit der Ankunft Greiders im Tal beginnt ihre lokale Allmacht zu bröckeln. Nachdem bereits zwei der Brenner-Söhne tödlichen Unfällen zum Opfer gefallen ist, wird klar, dass nur Greider den Mut besitzen kann, gegen den Despoten aufzubegehren. Und tatsächlich hat der schweigsame, jedoch wild entschlossene junge Mann eine viele Jahre zurückliegende Rechnung zu begleichen...

Die im Zusammenhang mit dem Film vielfach verwendete Kategorisierung als "Alpenwestern" trifft "Das finstere Tal" in der Tat hervorragend. Wobei man das "Alpen-"-Präfix auch einfach weglassen könnte und ihm immer noch vollends gerecht würde. Denn natürlich ist Prochaskas erfrischend lichtferner Film ein in der Tradition vor allem von Leone und Corbucci stehender Euro-Western, der eben ausnahmsweise auch einmal vor Ort spielt und in dem die Leute mit Südtiroler Dialekt sprechen. Ansonsten sind die figurale Ausstattung, die Geschichte mitsamt ihren sanften politischen Implikationen und selbst die Landschaft durchweg als unverwechselbare Genre-Medien identifizierbar. Der karg kommunizierende Fremde, der als personifizierter Tod in die Einöde kommt, um als Erlöserfigur die armen Menschen vom Joch ihrer Usurpatoren und verlogenen Vergangenheit zu befreien - traditionsbewusster geht es ja kaum. Wobei das in solch einem Falle der Außenwelt-Abschottung akute Problem von Zwangsinzest und Blutlinienfortführung hier meines Wissens erstmals so unzweideutig umrissen wird.
Entsprechend knüppelhart pflanzt sich des Greiders Rache-Odyssee - auch Verrat und Bigotterie bleiben nicht ungesühnt - bis zu ihrem unvermeidlichen Ende hin fort, vom Jüngsten hinauf bis hin zum Ältesten, sozusagen. Dann kommt der Frühling ins Tal und mit ihm die längst überfällige Chance auf einen Neubeginn.

8/10

Andreas Prochaska Österreich Berge Südtirol Rache period piece Winter Brüder Familie


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CRY BLOOD, APACHE (Jack Starrett/USA 1970)


"That's the way it was back then."

Cry Blood, Apache (Schreit, wenn wir verrecken) ~ USA 1970
Directed By: Jack Starrett

Der alte Pitcalin (Joel McCrea) kommt zurück an jenen Ort, an dem er einst beinahe ums Leben gekommen wäre und erinnert sich: Zusammen mit vier anderen Outlaws, dem Kartentrickser Charlie (Robert Tessier), dem verrückten Prediger Deacon (Jack Starrett) und den Dawson-Brüdern Benji (Don Henley) und Billy (Rick Nervick) ist er viele Jahre zuvor als junger Mann (Jody McCrea) im Apachengebiet unterwegs. Die Männer quälen und töten eine schutzlose Indianerfamilie, derweil deren Oberhaupt Vittorio (Dan Kemp) unterwegs ist. Einzig Vittorios Schwester Jemme (Marie Gahva) lassen sie am Leben, weil sie vorgibt, das Versteck größerer Goldvorkommen zu kennen. Zu diesem macht man sich alsbald auf den Weg. Inzwischen findet der heimgekehrte Vittorio seine ermordete Familie und verfolgt die Weißen unbarmherzig...

Ähnlich minimalistisch und karg wie die beiden Hellman-Western "The Shooting" und "Ride In The Whirlwind" und diesen gewissermaßen mental nachspürend, wenngleich weithin um ihre Kryptik erleichtert, inszenierte Jack Starrett diesen sträflich unterbewerteten Indie-Western, der zudem, obschon personell und auch sonst deutlich reduziert, Michael Winners "Chato's Land" antizipiert. Auch in "Cry Blood, Apache" obliegt es einem sich der weißen Zivilisation verweigernden Indianer, Rache an einer Gruppe sadistischer, feiger Mörder zu nehmen, die Schande über sein Heim gebracht haben. Einzig Pitcalin versündigt sich nicht und steht der gekidnappten Jemme nicht nur bei, sondern hält seine schützende Hand über sie, was ihm am Ende wiederum als Einzigem das Leben rettet. Vittorios Mordmethoden sind hübsch perfid, wobei sich zumindest deren graphische Drastik in Grenzen hält. Trotzdem möchte wohl keiner sterben wie die vier von ihm abgestraften Verbrecher.
Starretts Regie arrangiert sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und lässt seinem faktischen No-Budget-Western"Cry Blood, Apache" trotz ökonomischer Widernisse Ambition und Eigenständigkeit nie ausgehen.

7/10

Jack Starrett Indianer Rache Gold Manhunt Independent New Mexico


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CIMARRON (Wesley Ruggles/USA 1931)


"Sugar, if we all took root and squatted, there would never be any new country."

Cimarron (Pioniere des Wilden Westens) ~ USA 1931
Directed By: Wesley Ruggles

Davon, dass er sein erstes Landnahme-Wettrennen gegen die unehrenhafte Dixie Lee (Estelle Taylor) verloren hat, lässt sich der rastlose Pionier Yancey Cravat (Richard Dix) keinesfalls entmutigen: Kurzerhand klemmt er sich daheim in Wichita Frau Sabra (Irene Dunne) und Söhnchen Cim (Junior Johnson) unter den Arm und reist mit ihnen dorthin, wo soeben die Stadt Oklahoma City im Entstehen begriffen ist. Von nun an betätigt sich Cravat als Lokalpolitiker und unbestechlicher Zeitungsverleger und wird so zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt. Doch lange halten ihn auch diese Aufgaben nicht; Yancey zieht es noch weiter gen Westen, derweil Sabra die Verlagsleitung übernimmt und ihre Kinder zu ehrenhaften jungen Leuten heranwachsen.

"Go west, young man": Über einen Zeitraum von vierzig Jahren erstreckt sich die Familienchronik der Cravats, die ein Hohelied auf den überseeischen Pioniergeist anstimmt und Menschen wie den porträtierten Yancey Cravat trotz all ihrer notwendigen Unzuverlässigkeit in Familiendingen zu den heimlichen Landesvätern deklariert. Dabei bemüht sich der bei der damals noch starken RKO produzierte Film nach Leibeskräften, auch den liberalen Geist der Nation einzufangen, indem er die langsame Überwindung des allseitigen Rassismus thematisiert, damit jedoch in Ehren scheitert. Cravat kämpft unter anderem auch für die Belange ortsansässiger Indianerstämme und will ihnen sogar freies Wahlrecht ermöglichen - ganz zum Unverständnis Sabras, die umso entsetzter ist, als der mittlerweile erwachsene Cim (Don Dillaway) eine Häuptlingstochter (Dolores Brown) ehelichen will.
Weniger zimperlich gibt sich das Erzählte hinsichtlich afroamerikanischer Gleichstellungsfragen - der junge Hausdiener der Cravats, Isaiah (Eugene Jackson), wird als ebenso lustiger wie sich aufopfernder, aber auch hoffnungslos zurückgebliebener Schimpanse charakterisiert und ist somit ein trauriges, wenngleich authentisches Beispiel für den omnipräsenten Rassismus jener Jahre im die Gesellschaft widerspiegelnden Hollywood.
Regisseurssignaturen waren seinerzeit übrigens noch wenig öffentlichkeitswirksam. Wesley Ruggles' Name taucht nicht als der des Inszenierenden auf.

6/10

Wesley Ruggles Familie Oklahoma Pioniere Best Picture Edna Ferber


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TRACK OF THE CAT (William A. Wellman/USA 1954)


"Them damned thieving women..."

Track Of The Cat (Spur in den Bergen) ~ USA 1954
Directed By: William A. Wellman

Während des harten Winters in den Rocky Mountains werden einige Rinder auf der Ranch der Familie Bridges zum Opfer eines marodierenden Pumas. Die beiden grundverschiedenen, älteren Brüder Arthur (William Hopper) und Curt (Robert Mitchum) machen sich auf, das Tier zu erlegen, derweil der Jüngste, Harold (Tab Hunter), dessen Braut Gwen (Diana Lynn) bei den Bridges' zu Gast ist, im Hause bleibt. Arthur wird von dem Puma getötet, Curt sucht alleine nach der Bestie weiter und findet selbst den Tod. Nun ist es an dem ängstlichen Harold, sich gegen das Tier - und gegen seine Familie - zu behaupten.

Wie "The Ox-Bow Incident" basiert auch "Track Of The Cat" auf einer Romanvorlage des Westernautors Walter Van Tilburg Clark. Im Gegensatz zu dem sujetbedingt sehr konzentriert gesponnenen Ersteren ist der von Duke Waynes 'Batjac' produzierte "Track Of The Cat" jedoch ein vielschichtiges Familienkaleidoskop, das deutlich mehr mit den großen amerikanischen Dramaturgen des vergangenen Jahrhunderts zu tun hat denn mit einer ordinären Jagdgeschichte. Wellmans Film, ein im positivsten Wortsinne wahrlich 'schwerer Brocken', steckt voller Symbolik und großer CinemaScope-Bilder, die man rein gewohnheitsbedingt eher von einem Elia Kazan oder Richard Brooks inszeniert glauben würde. Und doch stemmt der große alte Routinier sein Paket auf bewundernswert involvierende Weise, verleiht jeder einzelnen Figur eine lückenlose Charakteristik und findet zwischendurch immer wieder Zeit für eine unikale Filmsprache, die garantiert beispiellos ist. Es geht unter anderem, knapp resümiert, - eine umfassende Analyse mag Telefonbuchstärke erreichen - um unangemessene, matriarchalische Gewalt, Bigotterie, Geschwisterhass, Alkoholismus, Natursymbolik, Landnahme, Bildung und vor allem um Emanzipation.
Mitchums Sterbeszene spricht Bände: Um sich vor der Kälte zu schützen, will der Verirrte nächtens unter einem Baum ein Feuer entzünden, doch kurze Windstöße löschen jedes Streichholz. Da kommt er auf die Idee, einen bei der Leiche seines Bruders gefundenen Gedichtband von Keats zu zerreißen, um damit die Flamme zu schüren. Es löst sich jedoch eine Schneemasse von einem Ast über ihm und erstickt auch dieses Feuer. Da sieht er die Signalflamme, die Harold bereits daheim für ihn angesteckt hat und läuft kopflos darauf zu, nur um dann einen Abhang herunterzurutschen und eine Schlucht hinabzustürzen. Ein paar Minuten erzählter Zeit, die bereits Wesentlichstes über Wellmans Film, ein großes Meisterwerk im Übrigen, berichten.

9/10

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DJANGO IL BASTARDO (Sergio Garrone/I 1969)


Zitat entfällt.

Django Il Bastardo (Django und die Bande der Bluthunde) ~ I 1969
Directed By: Sergio Garrone

Viele Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs kommt der frühere Konföderierten-Soldat Django (Anthony Steffen) in eine kleine Stadt, um sich seinen damaligen Offizieren zu retten. Diese hatten ihn und den Rest der Garnison an die Nordstaatler verraten und erschießen lassen. Auch Django glaubte man tot, doch ist dieser nun zurück, um gewissenhaft Holzkreuze mit dem Namen des künftigen Opfers nebst Todesdatum vor den Häusern seiner alten Feinde zu platzieren. Und niemand entkommt ihm...

Ein Mystik-Western aus italienischer Fertigung, der ein wenig wie ein Verbundsfilm von Margheritis kurz darauf gestartetem "E Dio Disse A Caino" daherkommt und ganz nebenbei noch Eastwoods "High Plains Drifter" antizipiert. Der Fremde besitzt hier allerdings einen Namen, und der verpflichtet. Tatsächlich ist dies auch im Mediterranen ein "Django"-Film, der sich mit dem Original zudem die Veteranenbasis der Titelfigur teilt. Anthony Steffen kann sogar als ein ziemlich toller Django reüssieren, der mit zusammengekniffenen Augen und schwarzem Poncho (der stets manieristisch über die linke Schulter geworfen wird, bevor es Tote gibt - auch diese ikonische Bewegung kennt man aus "Per Un Pugno Di Dollari") seine Vernichtungsschneise durch die kleine, lokalitätsstiftende Stadt pflügt. Zudem gibt es mit dem irren Luciano Rossi einen (unter mehreren) sehr markanten Bösewicht, dessen albinohaftes Äußeres neben seinem auch im Film exponierten Irrsinn für denkwürdige Momente sorgt. Nicht nur aufgrund dieser vermag es "der fünfte Sergio" Garroni in seinem dem Vernehmen nach besten Film eine eigentümlich finstere Atmosphäre zu kreieren, die "Django Il Bastardo" als eines der hervorhebenswertesten Django-Rip-Offs Bestand verleihen.

7/10

Sergio Garrone Django Italowestern Rache Sezessionskrieg


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BLACK ROBE (Bruce Beresford/CAN, AUS, USA 1991)


"Is the Blackrobe a demon?"

Black Robe ~ CAN/AUS/USA 1991
Directed By: Bruce Beresford

Der Jesuitenpater Laforgue (Lothaire Bluteau) entschließt sich anno 1634, von einer frankokanadischen Siedlung aus eine Reise zu einer nördlich gelegenen, weit entfernten Huronen-Mission anzutreten. Begleitet wird er von dem jungen Daniel (Aden Young). Eine Gruppe Algonkin-Indianer soll die beiden Männer eskortieren, wenngleich ihre Überlebenschancen aufgrund der vielen Gefahren, die sie auf dem Weg erwarten, ohnehin sehr gering ausfallen. Tatsächlich beginnen nicht nur die Algonkin, den enthaltsamen, stillen Laforgue bald als undurchsichtiges Wesen zu fürchten, auch ein von ihnen aufgesuchter, zwergenwüchsiger Schamane (Yvan Labelle) beäugt ihn mit abergläubischem Misstrauen. Nachdem die Gruppe von Irokesen überfallen und aufgerieben wird, ist Laforgue auf sich allein gestellt. Er gelangt dennoch an sein Ziel, doch auch die von einer Seuche dezimierten Huronen fürchten seinen schwarzen Rock.

Beresfords möglicherweise eindringlichstes Werk ist ein trister, harter Film, der von der Abenteuerromantik eines J.F. Cooper weiter gar nicht entfernt sein könnte und eher in der Tradition von Aldrichs "Ulzana's Raid" steht denn in der des zeitnah entstandenen "Dances With Wolves". Wo dieser zumindest von Chancen berichtete, illustriert der beinahe endzeitlich anmutende "Black Robe" das Aufeinanderprallen zweier unvereinbarer Kulturen, deren Konfrontation nicht zuletzt aufgrund des puritanischen, selbstverleugnenden Starrsinns des gottesfürchtigen Missionars zu einer Parabel um Scheitern und Verlust gerät. Die Kolonisten aus der Alten Welt zeigen sich bereits in diesem noch recht frühen Stadium ihrer Okkupation als viel zu arrogant und rassistisch, um ein auch nur funktionales Verhältnis zu den ihnen unbegreiflichen Eingeborenen schaffen zu können, derweil allerdings auch die Indianer den Eindringlingen und ihren Bräuchen mit Stutzen und Unverständnis begegnen. Und tatsächlich bergen Geleit und Beschützen des Schwarzrocks Tod und Verderben für sie. Eine bitterere conclusio dürfte in einem Film dieser Thematik kaum vorstellbar sein, gerade darum ist er als Kontrastprogramm zu Costner jedoch von solch elementarer Größe.

9/10

Bruce Beresford Kanada Indianer Mission Kirche period piece Reise


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DANCES WITH WOLVES (Kevin Costner/USA 1990)


"Turned injun, didn't ya?"

Dances With Wolves (Der mit dem Wolf tanzt) ~ USA 1990
Directed By: Kevin Costner

Im Glauben, sein Leben sei infolge der dräuenden Amputation seines Beines ohnehin nichts mehr wert, löst der schwer verletzte Unions-Lieutenant John Dunbar (Kevin Costner) in selbstmörderischem Einsatz ein Stellungsgefecht zugunsten seiner Leute und überlebt wie durch ein Wunder nebst allen Gliedmaßen. Zur Belohnung darf der kriegsmüde Offizier zum entlegensten Armeeposten im Westen aufbrechen und dort Stellung beziehen. Dunbar findet 'Fort Sedgwick' jedoch völlig verlassen vor, es gibt Hinweise auf Kämpfe mit Indianern. Es dauert nicht lange, bis er den ersten Sioux begegnet. Aus den zaghaften Annäherungen erwachsen zunächst gutnachbarschaftliche Verhältnisse und schließlich echte Freundschaft. Besonders mit dem Medizinmann Strampelnder Vogel (Graham Greene) verbindet Dunbar bald eine fast schon spirituelle Beziehung. Als der Soldat die verwitwete, als Kind von den Sioux adoptierte Weiße Steht-mit-einer-Faust (Mary McDonnell) lieben lernt und schließlich heiratet, wird er, ohnehin längst ein geachteter Jäger und Krieger, endgültig vollwertiges Mitglied des Stammes. Ein letztes, ungeplantes Treffen mit seinen vormaligen Mitsoldaten endet in einer Katastrophe, die Dunbar fast das Leben kostet. Seine neuen Brüder können ihn jedoch befreien. Dunbar ist jedoch klar, dass er als nunmehr berüchtigter Deserteur mittelfristig eine große Gefahr für die Sioux darstellt und verlässt mit seiner Frau die Indianer, um sich der weißen Justiz zu stellen und seine Geschichte zu erzählen.

Jede® hat wohl seine Handvoll Filme, die ihn oder sie schon mit den ersten, altvertrauten Klängen und Bildern zu Tränen rühren. "Dances With Wolves", ein Werk von höchster Signifikanz und Bewahrer des Westerngenres, zählt in meinem Falle dazu. Bereits mit dem Einsatz von John Barrys Musik und Dean Semlers goldgrünen Bildern, in die sich hier und da leuchtendes Rot stiehlt, bin ich verloren an Costners Epos, dass ich paradoxerweise nur selten anschauen kann, weil es am Ende so weh tut. Dabei ist die zur Wirkung dieses Effekts befleißigte Psychologie mindestens als naiv zu bezeichnen. Warum aber sollte es auf der anderen Seite komplexer Darstellungen benötigen, wo die Fronten doch so eindeutig sind? Kevin Costner als ultimativer 'agent médiatique' führt uns unbedarfte Weißbrote ein in die Weiten des alten amerikanischen Mittelwestens, in dem sich die Schönheit der Natur und die seit Jahrtausenden unveränderte Lebensart der Ureinwohner gegenüberstehen. Wie im im Osten geführten Bürgerkrieg gibt es auch hier Konfliktparteien, die aggressiven, kriegslustigen Pawnee auf der einen und die nur selten in "unzivilisiertes" Verhalten fallenden Sioux, die sich aufs Blut bekämpfen. Aber das ist seit eh und je die Natur der Dinge vor Ort. Wirkliche Störungen der Balance bringen erst die Weißen ins Gefüge, mit Gewehren, Schnaps, rüpelhafter Dummheit und Lautstärke. John Dunbar als feingeistiger Intellektueller legt nach und nach seine alte Lebensweisen ab und assimiliert sich zunächst mental, dann auch äußerlich und schließlich psychisch an sein neues Volk, das ihn in ebensolcher Weise und nach Überwindung gesunder Vorurteile gegen den Hellhäutigen aufnimmt. Bis dahin ist "Dances With Wolves" geprägt von einer tiefen Ausgeglichenheit, die den Lebensalltag der natives illustriert; Lebenslust, Freundschaft, Liebe, Aufrichtigkeit, existenzieller Kreislauf. Dass die Sioux nicht mit sich spaßen lassen, zeigt zumindest eine in der Langfassung enthaltene Szene: Dunbar entdeckt, noch zu Beginn seiner Beziehung zu ihnen, dass die sonst eher friedlichen Indianer eine Gruppe weißer Büffelfelljäger aufgemischt, getötet und verstümmelt haben. Doch handelte es sich dabei um eine nachvollziehbare Strafexpedition. Die schließlich einfallenden Blauröcke treten dann mit allen schlechten Eigenschaften der weißen Rasse an: Als dumme, brutale Analphabeten und gefühlsentledigte Mordbrenner töten sie Dunbars geliebtes Pferd und, noch frevelhafter, den ihm auf Schritt und Tritt folgenden Wolf, das Symbol für seine Renaturierung. Mit Dunbars künstlerisch gestalteten Tagebuchseiten wischt man sich buchstäblich den Arsch und haut dem Wehrlosen gleich mehrfach einen Gewehrkolben an die Schläfe.
Eine gewaltige Konterkarierung der 'klassischen Verhältnisse' also, die freilich ihren Anfang in "Little Big Man" und "Soldier Blue" genommen hat und hier nochmals verschärft, dafür jedoch zumindest teilweise wieder gerade gerückt wird. Allerdings nicht für lange, wie uns Dunbars trauriger Abschied von seiner neuen Familie und die finale Tafel erinnern.

10/10

Kevin Costner Sezessionskrieg Indianer Freundschaft South Dakota Best Picture


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MONTANA (Ray Enright/USA 1950)


"Among other things..."

Montana ~ USA 1950
Directed By: Ray Enright

Die Rinderrancher von Montana, darunter die alleinstehende Maria Singleton (Alexis Smith) sind den von Südosten her anrückenden Schäfern gegenüber durchweg spinnefeind. Viele Opfer hat der immer wieder aufflackernde, von Vorurteilen behaftete Privatkrieg zwischen Rind- und Schafzüchtern gefordert. Dennoch versucht der ursprünglich aus Montana stammende, zwischenzeitlich nach Australien emigrierte und wieder zurückgekehrte Schäfer Morgan Lane (Errol Flynn), sich Vor Ort einen Platz für seine Tiere zu sichern. Dabei stößt er zwangsläufig auf Maria, lügt ihr jedoch zunächst vor, er sei ein durchreisender Kaufmann. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch, als sie jedoch erfährt, was er wirklich im Schilde führt, ist es mit der Freundschaft - zunächst - vorbei; da helfen auch alle weiteren Vermittlungsversuche Lanes wenig.

Der zweite der im Eintrag zu "San Antonio" erwähnten Western-Dublette mit Flynn und Smith und zugleich der schönere der beiden Filme, wofür primär das unter anderem von Borden Chse und David R. Webb gescriptete Buch verantwortlich ist. Diesmal ist sie, bereits gekennzeichnet durch leuchtend rotes statt blondem Haupthaar, als klassische Flinten-Furie zu bewundern, die zunächst einmal von ihm gezähmt und befriedet werden muss, bevor das obligatorische Happy End Einzug halten kann. Als Maria Singleton hat sie einst Vater und Bruder im Zuge der Generationen umspannenden Fehde zwischen cowboys und shepherds verloren und ist auf letztere somit nicht gut zu sprechen. Dann jedoch kommt der wie stets elegant auftretende Errol Flynn daher, der das voherrschende Klischee, Schäfer seien stets selbst iregendwie zerlumpte, unrasierte Wollknäuel mit Steppmantel und Pfeife im Mundwinkel, ganz rasch Lügen straft und somit die stolze, im Angesicht der Wahrheit umso verdutztere Rinder-Matriarchin um den Finger wickelt. Seine Methode der späteren Gehirnwäsche jenes widerspenstigen Frauenzimmers ist schließlich eine höchst unkonventionelle: Er lässt sich von ihr erst eine Kugel verpassen, bevor er sie in den Arm nimmt. Fehlschlagende Emanzipation, mit Muskete und Donnerschlag!

7/10

Ray Enright Raoul Walsh Montana Duell


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SAN ANTONIO (David Butler/USA 1945)


"This town looks as if it's full of men who step on baby chickens."

San Antonio (Ein Mann der Tat) ~ USA 1945
Directed By: David Butler

Die texanischen Rinderzüchter klagen über üble Elemente, die immer wieder große Teile ihrer Herden stehlen und später dann an den Meistbietenden veräußern. Auch der Rancher Clay Hardin (Errol Flynn), der sich nach einem fast tödlichen Konflikt zeitweilig in Mexiko aufhält, ist betroffen. Auf dem Rückweg nach dem Grenzstädtchen San Antonio trifft er die berühmte Sängerin Jeanne Starr (Alexis Smith), die von den beiden Spaßunternehmern Stuart (Paul Kelly) und Legare (Victor Francen) engagiert wurde, um in ihrem Laden aufzutreten. Die feinen Herren haben ihre Finger allerdings auch in allerlei semilegalen Geschäften, was ein Notizbuch beweist, das sich im Besitz von Hardins bestem Freund Charlie Bell (John Litel) befindet. Als dieser ermordet wird, geht Hardin, der mit Stuart ohnehin noch eine alte Rechnung offen hat, zum Gegenangriff über.

Der erste von zwei Technicolor-Western, die Flynn zusammen mit Alexis Smith und S.Z. Sakall für die Warner gedreht hat und für deren Fertigstellung sich im Endeffekt jeweils Raoul Walsh verantwortlich zeichnete. Beiden Filmen ist das Kernthema Viehzucht gemein, wobei Flynn hier wie dort einen eher unterschätzten Patron spielt, der sich mit Verve und Mut seinen Platz in der Gemeinde (zurück-)erobert. In "San Antonio" ist seine Partnerin Alexis Smith als glamouröses Starlet zu sehen, das seinen einmal in Flynns Herzen eroberten Platz verteidigt und ihm gegen die schändlichen Elemente (besonders begeisternd der ölige Victor Francen, der aussieht wie eine Figur aus einem "Lucky Luke"-Comic) von San Antonio treu zur Seite steht. Der überhastete Rückweg nach New Orleans wird von Clay Hardin, nachdem er auch den letzten Finstermann zur Strecke gebracht hat, jäh unterbrochen und Jeanne Starr, die sich unterdessen ohnehin längst als gebürtige Texanerin geoutet hat, muss mitsamt ihrem Seniorentross in San Antonio bleiben, bei ihrem Errol.

6/10

David Butler Texas Robert Florey Raoul Walsh





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