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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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A THUNDER OF DRUMS (Joseph M. Newman/USA 1961)


"Bachelors make the best soldiers. All they have to lose is their loneliness."

A Thunder Of Drums (Massaker im Morgengrauen) ~ USA 1961
Directed By: Joseph M. Newman

Eine Gruppe Indianer, vermeintlich Komantschen, überfällt die Farm der Familie Detweiler und lässt nur die kleine, zutiefst verstörte Laurie (Tammy Marihugh) am Leben. Soldaten des Forts Canby finden das Mädchen und nehmen es in ihre Obhut. Zeitgleich erreicht der ortskundige Nachwuchsoffizier McQuade (George Hamilton), ein selbstsicherer, etwas arroganter, junger Mustersoldat das Fort. Der kommandierende Captain Maddocks (Richard Boone) nimmt ihm jedoch sogleich den Wind aus den Segeln, worauf eine weitere Schlappe für McQuade folgt: Seine frühere Geliebte Tracey Hamilton (Luana Patten) hat sich in seiner Abwesenheit mit Lieutenant Gresham (James Douglas) verlobt. Als dieser von McQuades und Traceys Liaison erfährt, führt er blindlings eine Strafexpedition gegen die Indianer an, die für die gesamte Abordnung tödlich endet. Maddocks und McQuade rücken mit einer Gruppe Soldaten hinterher und können die marodierenden Indianer, die sich als Apachen auf dem Kriegspfad zu erkennen geben, besiegen. McQuade gewinnt endlich Maddocks' Anerkennung, muss Tracey, die Fort Canby zusammen mit der kleinen Laurie verlässt, jedoch zunächst aufgeben.

Die sich bereits nach wenigen Minuten aufdrängende Ähnlichkeit mit Fords großer Kavallerie-Trilogie und auch mit "The Searchers" kommt nicht von ungefähr: Nicht nur dem großen Regiemeister selbst eifert Newman unverkennbar nach; das Script stammt zudem von James Warner Bellah, der die zugrunde liegenden Storys für "Fort Apache", "She Wore A Yellow Ribbon" und "Rio Grande" verfasste. Hier wie dort observiert man das Alltagsleben in einem militärischen Außenposten inmitten des außerweltlich anmutenden Indianergebiets: Verbrechen an unschuldigen Zivilisten sind ebenso an der Tagesordnung wie unermüdliche Belagerungszustände, permanente Scharmützel mit dem Feind oder, im Gegenzuge, Feste, Familiengründungen und Freund- sowie Feindschaften innerhalb der Fortmauern. Am Zahltag lassen die Rekruten sich gehörig volllaufen und machen den Eindruck verlotterter Suffköpfe, doch im Feld sind sie einer wie der andere zuverlässige, abgeklärte Profis.
Erwartungsemäß fehlen "A Thunder Of Drums" die Anmut und Eleganz, kurzum: das Genie, welches die bevorbildeten Musterarbeiten Fords auszeichnet. Böse Zungen könnten gar behaupten, Newmans vorletzte Kino-Inszenierung stelle eine Vulgärversion der ford'schen USC-Porträts dar, zumal die Blauröcke (allen voran Charles Bronson, Slim Pickens und Frank Gerstle) hierin weniger wirken wie die Protagonisten klassischer Tragödienstoffe, sondern tatsächlich wie instinktgesteuerte Haudegen; Typen, die nichts anderes gelernt haben und für eine Flasche Bourbon und eine aparte Squaw alles andere stehen und liegen lassen. Ich mag die ehrliche Handwerkskoloratur von "A Thunder Of Drums" sehr gern und finde, dass Boone, Hamilton und Bronson einen durchaus passablen Ersatz bieten für Duke Wayne, John Agar und Victor McLaglen.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Freundschaft Arizona Indianer


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FORT MASSACRE (Joseph M. Newman/USA 1958)


"I need a six-foot hole dug. Any volunteers?"

Fort Massacre (Die Letzten der 2. Schwadron) ~ USA 1958
Directed By: Joseph M. Newman

Nach einem Scharmützel mit feindlichen Apachen bleibt von einem Kavallerie-Regiment, das ursprünglich zur Eskortierung eines Siedlertrecks unterwegs ist, nurmehr ein versprengter Haufen. Als ranghöchster Offizier übernimmt Sergeant Vinson (Joel McCrea) das Kommando über die Männer, ein von tiefem Hass zerfressener Fanatiker, der einst seine Frau und seine beiden Kinder infolge eines Indianerüberfalls verlor. Die Apachen ständig im Nacken, missbraucht Vinson die verbleibenden Soldaten für seinen persönlichen Rachefeldzug und trifft einige strategisch höchst fragwürdige Entscheidungen, die wiederum mehrere Männer das Leben kostet. In einem verlassen Begräbnis-Pueblo kommt es zur letzten Schlacht, an deren Ende der zuvor stets neutral verbliebene Rekrut Travis (John Russell) endlich Partei ergreift...

In seiner späten Karrierephase fertigte der eher als Routinier bekannte Regisseur Joseph M. Newman noch zwei sehenswerte Kavallerie-Western, wovon "Fort Massacre" der erste ist. Darin ist der sonst beinahe stets in untadeligen Heldenrollen besetzte Veteran Joel McCrea in der Rolle eines psychisch schwer angeschlagenen Indianerhassers zu sehen, der die sich ihm zufällig bietende Chance einer notwendigen Kommando-Führung zu egoistischen Zwecken missbraucht. Die ihm unterstehenden Männer gehorchen zwar seinen Anordnungen, stehen diesen aber zurecht zunehmend kritisch gegenüber und halten, nachdem Vinsons Aktionen immer mehr unnötige Todesopfer fordern, selbst mit offensiven Verbalangriffen nicht länger hinterm Berg. Einzig in dem gebildeten, wenngleich zur Meinungspassivität neigenden Private Travis findet Vinson einen weithin verständigen Gesprächspartner, der allerdings schließlich auch nicht anders kann, als Vinson eine unkontrollierbare Gefährlichkeit zu attestieren und sich gezwungen sieht, dessen Despotismus gewaltsam zu beenden. McCrea gibt eine eindrucksvolle Vorstellung ab, die eine Art Diametralentwurf zu seiner großen Rolle in Wellmans "Buffalo Bill" darstellt, als der er ehern für die Indianerrechte einzutreten pflegte.
Ein psychologisch ausgereifter, ebenso spannender wie kammerspielartiger Western, der die Wiederentdeckung lohnt.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Indianer New Mexico Madness


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A TOWN CALLED HELL (Robert Parrish/UK, E 1971)


"Where is Aguila?"

A Town Called Hell (Kein Requiem für San Bastardo) ~ UK/E 1971
Directed By: Robert Parrish

Um 1894 kämpfen zwei Männer, ein irischer Aussteiger (Robert Shaw) und ein mexikanischer Rebell (Martin Landau), Seite an Seite gegen das feudalistische Regime unter Präsident Diáz. Besonders auf reiche Grundbesitzer und Kirchenvertreter haben sie es abgesehen unter wüten unter diesen wie Berserker. Zehn Jahre später ist der Ire selbst Priester in einer kleinen, verlotterten Stadt. Eine mysteriöse Frau namens Alvira (Stella Stevens) kommt mit einem Begleiter (Dudley Sutton) nebst Leichenwagen in die Stadt und bietet eine hohe Geldsumme für die Denunziation des geheimnisvollen Aguila, der ihren Mann auf dem Gewissen haben soll. Der vor Ort das Heft haltende Bandit Don Carlos (Telly Savalas) erpresst die Stadtbevölkerung, doch erfolglos. Nachdem sein Kompagnon Bomba (Al Lettieri) ihn erschossen hat, rückt der damalige Genosse des Iren, mittlerweile Offizier im Staatsdienst, mit seinen Männern ein. Auch er ist auf der Suche nach jenem geheimnisvollen Aguila.

"A Town Called Hell", einer der vielen um diese Zeit entstandenen, harten und pronociert humorlosen Western, die unter hauptsächlich britischer Produktionsbeteiligung in Almería gedreht wurden, hatte es nie leicht. Zu überfrachtet sei er, viel zu anspruchsvoll gegenüber sich selbst und dabei doch bedeutungslos, langweilig und kleingeistig. Selbst Joe Hembus, der in vielem sonst negativ Beleumundetem noch ein Fünkchen brauchbarer Füllnis aufzufinden pflegte, urteilte hart gegenüber Parrishs Film. Nun, vieles von dem Gesagten und Geschriebenen kann ich bestätigen. Zuallererst ist "A Town Called Hell" ein überaus hässlicher Film, und das weniger aufgrund seines bewusst kargen, schmutzigen Äußeren, sondern weil er ganz einfach dahingeschludert und herzlos wirkt. Die Hauptschuld dafür ist sicherlich Robert Parrish anzulasten, der es nicht versteht, seine wirklich vorteilhaften Ressourcen zu optimieren bzw. daran möglicherweise gar nicht interessiert war. Es gibt vor allem ein großartiges Hauptdarsteller-Quintett bei bester Spiellaune sowie eine betont metatextuelle, nicht unintelligente Analyse des mexikanischen Revolutionswesens. Dass der Film trotzdem über weite Strecken langweilig, zerfahren und insbesondere formal beinahe amateurhaft bleibt, ist in Anbetracht dieser Voraussetzungen nicht nur schade, sondern unentschuldbar.
Für vollständigkeitsbeflissene Chronisten von Revolutions- und Eurowestern bildet "A Town Called Hell" trotz alledem eine Pflichtveranstaltung, der man sich jedoch eher ungern wiederholt aussetzt. Nicht eben das vorteilhafteste Resümee.

5/10

Robert Parrish Mexikanische Revolution Mexiko period piece Rache Parabel Irving Lerner


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IL MIO NOME È NESSUNO (Tonino Valerii/I, F, BRD 1973)


Zitat entfällt.

Il Mio Nome È Nessuno (Mein Name ist Nobody) ~ I/F/BRD 1973
Directed By: Tonino Valerii

Jack Beauregard (Henry Fonda) ist einer der letzten, legendären Gunmen des Alten Westens. Da er sein Gnadenbrot in Ruhe und möglichst unbehelligt einnehmen möchte, plant er eine Reise nach Europa. Doch es gibt noch alte, offene Rechnungen - so den Tod seines Bruders Nevada, der in krumme Geschäfte mit dem Goldmieneneigner Sullivan (Jean Martin) verstrickt war. Dieser würde Beauregard am Liebsten in einen Maßsarg stecken und hat neben ein paar anderen, gedungenen Killern bereits die legendäre "Wilde Horde" angeheuert - 150 Männer, die reiten und schießen wie 1000. Zu Beauregards Glück kreuzt allenthalben der schlitzohrige Nobody (Terence Hill) seinen Weg, eine Art Wildwest-Eulenspiegel, der seinen Colt nur bei sich trägt, um ungewinnbare Wetten zu gewinnen und sich ansonsten mit Backpfeifen und Ohrlaschen Resapekt verschafft. Nobody rettet Beauregard immer wieder das Leben und entwickelt sich langsam zu dessen Schutzengel - mit manch prophetischem Hintergedanken...

Dass Sergio Leone unkreditierter Co-Regisseur dieses Spät-Spätwesterns war, sieht man dem Resultat in vielen seiner elegischen Szenen unschwer an, wie der Meister des operesken Staub- und Stiefelkinos eigentlich dem ganzen Film seine Signatur aufgedrückt hat. Sei es ein enevierend lautes Uhrenticken, das einen Barbier-Besuch akustisch untermalt oder Morricones gar nicht mal ausgesprochen parodistisch gemeinte, musikalische Selbstzitate aus "C'Era Una Volta Il West".
Natürlich konnte und musste "Il Mio Nome È Nessuno" einzig als italienische Co-Produktion entstehen, zeigt er doch vor allem - und eigentlich schon etwas zu spät - das Weiterreichen der Erfolgsfackel. Vom klassischen Genrekino, wie die Italiener es sich kontinental zu eigen gemacht hatten, gesäumt von lauten Schnellschüssern und vielen Leichen hin zum damals in Europa so beliebten Spaß- und Prügelwestern um Bud Spencer und Terence Hill, der sich mit diesem Film hinreichend von seinem ewigen Duettpartner emanzipieren konnte. Die Generationen treffen aufeinander in der Person Henry Fondas, einer großen Gattungs-Ikone, der stoischen Ernst und ruhige Gelassenheit über die Dekaden trefflich präserviert hat (und nach "C'Era Una Volta Il West" wieder weg ist vom Schweinhündischen) sowie in der Hills, jenes buchstäblich spitzbübischen Chilibohnen-Fanatikers und Streichespielers, der sich anschickt, die mittlerweile auf Sehhilfen angewiesene Väterlein-Generation nicht nur zu beerben, sondern ihr gleichfalls noch einen adäquaten Abgang von der nach immer weiteren Legenden gierenden Öffentlichkeitsbühne zu verschaffen.
Heraus kam dabei ein ganz besonders unikaler Film, wahrscheinlich gar der einzige, der es fertigbrachte, eine wohlfeil abgemischte Schnittmenge aus klassisch-amerikanischem, klassisch-mediterranem und Neo-Spaß-Western samt gleichmäßig dargebrachten Anteilen zu kredenzen. Dass die deutsche, von Rainer Brandt erstellte Sprachfassung keine Gefangenen macht und die üblichen, verbalen Nonsenssegel setzt, gehört ebenso zur Geschichte dieses Films wie Morricones ohrwurmgarantierender, grauselig verzerrter Walküren-Ritt.

9/10

Sergio Leone Tonino Valerii Italowestern Freundschaft Hommage Parabel


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DAS FINSTERE TAL (Andreas Prochaska/AT, D 2014)


"Gimme the gun!" - "Woas?"

Das finstere Tal ~ AT/D 2014
Directed By: Andreas Prochaska

Südtirol, irgendwann im 19. Jahrhundert: Ein aus Amerika kommender Fremder namens Greider (Sam Riley) mietet sich in einem einsamen Taldorf für den Winter als Logiergast bei einer Bäuerin (Carmen Gratl) und ihrer Tochter (Paula Beer) ein.
Wie sich herausstellt, wird das Dorf noch althergebracht-feudalistisch regiert: Über allem ragt bedrohlich der Schatten des wohlhabenden Holzbauern Brenner (Hans-Michael Rehberg) und seiner sechs Söhne, die hier tun und lassen, was ihnen beliebt. Doch mit der Ankunft Greiders im Tal beginnt ihre lokale Allmacht zu bröckeln. Nachdem bereits zwei der Brenner-Söhne tödlichen Unfällen zum Opfer gefallen ist, wird klar, dass nur Greider den Mut besitzen kann, gegen den Despoten aufzubegehren. Und tatsächlich hat der schweigsame, jedoch wild entschlossene junge Mann eine viele Jahre zurückliegende Rechnung zu begleichen...

Die im Zusammenhang mit dem Film vielfach verwendete Kategorisierung als "Alpenwestern" trifft "Das finstere Tal" in der Tat hervorragend. Wobei man das "Alpen-"-Präfix auch einfach weglassen könnte und ihm immer noch vollends gerecht würde. Denn natürlich ist Prochaskas erfrischend lichtferner Film ein in der Tradition vor allem von Leone und Corbucci stehender Euro-Western, der eben ausnahmsweise auch einmal vor Ort spielt und in dem die Leute mit Südtiroler Dialekt sprechen. Ansonsten sind die figurale Ausstattung, die Geschichte mitsamt ihren sanften politischen Implikationen und selbst die Landschaft durchweg als unverwechselbare Genre-Medien identifizierbar. Der karg kommunizierende Fremde, der als personifizierter Tod in die Einöde kommt, um als Erlöserfigur die armen Menschen vom Joch ihrer Usurpatoren und verlogenen Vergangenheit zu befreien - traditionsbewusster geht es ja kaum. Wobei das in solch einem Falle der Außenwelt-Abschottung akute Problem von Zwangsinzest und Blutlinienfortführung hier meines Wissens erstmals so unzweideutig umrissen wird.
Entsprechend knüppelhart pflanzt sich des Greiders Rache-Odyssee - auch Verrat und Bigotterie bleiben nicht ungesühnt - bis zu ihrem unvermeidlichen Ende hin fort, vom Jüngsten hinauf bis hin zum Ältesten, sozusagen. Dann kommt der Frühling ins Tal und mit ihm die längst überfällige Chance auf einen Neubeginn.

8/10

Andreas Prochaska Österreich Berge Südtirol Rache period piece Winter Brüder Familie


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CRY BLOOD, APACHE (Jack Starrett/USA 1970)


"That's the way it was back then."

Cry Blood, Apache (Schreit, wenn wir verrecken) ~ USA 1970
Directed By: Jack Starrett

Der alte Pitcalin (Joel McCrea) kommt zurück an jenen Ort, an dem er einst beinahe ums Leben gekommen wäre und erinnert sich: Zusammen mit vier anderen Outlaws, dem Kartentrickser Charlie (Robert Tessier), dem verrückten Prediger Deacon (Jack Starrett) und den Dawson-Brüdern Benji (Don Henley) und Billy (Rick Nervick) ist er viele Jahre zuvor als junger Mann (Jody McCrea) im Apachengebiet unterwegs. Die Männer quälen und töten eine schutzlose Indianerfamilie, derweil deren Oberhaupt Vittorio (Dan Kemp) unterwegs ist. Einzig Vittorios Schwester Jemme (Marie Gahva) lassen sie am Leben, weil sie vorgibt, das Versteck größerer Goldvorkommen zu kennen. Zu diesem macht man sich alsbald auf den Weg. Inzwischen findet der heimgekehrte Vittorio seine ermordete Familie und verfolgt die Weißen unbarmherzig...

Ähnlich minimalistisch und karg wie die beiden Hellman-Western "The Shooting" und "Ride In The Whirlwind" und diesen gewissermaßen mental nachspürend, wenngleich weithin um ihre Kryptik erleichtert, inszenierte Jack Starrett diesen sträflich unterbewerteten Indie-Western, der zudem, obschon personell und auch sonst deutlich reduziert, Michael Winners "Chato's Land" antizipiert. Auch in "Cry Blood, Apache" obliegt es einem sich der weißen Zivilisation verweigernden Indianer, Rache an einer Gruppe sadistischer, feiger Mörder zu nehmen, die Schande über sein Heim gebracht haben. Einzig Pitcalin versündigt sich nicht und steht der gekidnappten Jemme nicht nur bei, sondern hält seine schützende Hand über sie, was ihm am Ende wiederum als Einzigem das Leben rettet. Vittorios Mordmethoden sind hübsch perfid, wobei sich zumindest deren graphische Drastik in Grenzen hält. Trotzdem möchte wohl keiner sterben wie die vier von ihm abgestraften Verbrecher.
Starretts Regie arrangiert sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und lässt seinem faktischen No-Budget-Western"Cry Blood, Apache" trotz ökonomischer Widernisse Ambition und Eigenständigkeit nie ausgehen.

7/10

Jack Starrett Indianer Rache Gold Manhunt Independent New Mexico


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CIMARRON (Wesley Ruggles/USA 1931)


"Sugar, if we all took root and squatted, there would never be any new country."

Cimarron (Pioniere des Wilden Westens) ~ USA 1931
Directed By: Wesley Ruggles

Davon, dass er sein erstes Landnahme-Wettrennen gegen die unehrenhafte Dixie Lee (Estelle Taylor) verloren hat, lässt sich der rastlose Pionier Yancey Cravat (Richard Dix) keinesfalls entmutigen: Kurzerhand klemmt er sich daheim in Wichita Frau Sabra (Irene Dunne) und Söhnchen Cim (Junior Johnson) unter den Arm und reist mit ihnen dorthin, wo soeben die Stadt Oklahoma City im Entstehen begriffen ist. Von nun an betätigt sich Cravat als Lokalpolitiker und unbestechlicher Zeitungsverleger und wird so zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt. Doch lange halten ihn auch diese Aufgaben nicht; Yancey zieht es noch weiter gen Westen, derweil Sabra die Verlagsleitung übernimmt und ihre Kinder zu ehrenhaften jungen Leuten heranwachsen.

"Go west, young man": Über einen Zeitraum von vierzig Jahren erstreckt sich die Familienchronik der Cravats, die ein Hohelied auf den überseeischen Pioniergeist anstimmt und Menschen wie den porträtierten Yancey Cravat trotz all ihrer notwendigen Unzuverlässigkeit in Familiendingen zu den heimlichen Landesvätern deklariert. Dabei bemüht sich der bei der damals noch starken RKO produzierte Film nach Leibeskräften, auch den liberalen Geist der Nation einzufangen, indem er die langsame Überwindung des allseitigen Rassismus thematisiert, damit jedoch in Ehren scheitert. Cravat kämpft unter anderem auch für die Belange ortsansässiger Indianerstämme und will ihnen sogar freies Wahlrecht ermöglichen - ganz zum Unverständnis Sabras, die umso entsetzter ist, als der mittlerweile erwachsene Cim (Don Dillaway) eine Häuptlingstochter (Dolores Brown) ehelichen will.
Weniger zimperlich gibt sich das Erzählte hinsichtlich afroamerikanischer Gleichstellungsfragen - der junge Hausdiener der Cravats, Isaiah (Eugene Jackson), wird als ebenso lustiger wie sich aufopfernder, aber auch hoffnungslos zurückgebliebener Schimpanse charakterisiert und ist somit ein trauriges, wenngleich authentisches Beispiel für den omnipräsenten Rassismus jener Jahre im die Gesellschaft widerspiegelnden Hollywood.
Regisseurssignaturen waren seinerzeit übrigens noch wenig öffentlichkeitswirksam. Wesley Ruggles' Name taucht nicht als der des Inszenierenden auf.

6/10

Wesley Ruggles Familie Oklahoma Pioniere Best Picture Edna Ferber


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TRACK OF THE CAT (William A. Wellman/USA 1954)


"Them damned thieving women..."

Track Of The Cat (Spur in den Bergen) ~ USA 1954
Directed By: William A. Wellman

Während des harten Winters in den Rocky Mountains werden einige Rinder auf der Ranch der Familie Bridges zum Opfer eines marodierenden Pumas. Die beiden grundverschiedenen, älteren Brüder Arthur (William Hopper) und Curt (Robert Mitchum) machen sich auf, das Tier zu erlegen, derweil der Jüngste, Harold (Tab Hunter), dessen Braut Gwen (Diana Lynn) bei den Bridges' zu Gast ist, im Hause bleibt. Arthur wird von dem Puma getötet, Curt sucht alleine nach der Bestie weiter und findet selbst den Tod. Nun ist es an dem ängstlichen Harold, sich gegen das Tier - und gegen seine Familie - zu behaupten.

Wie "The Ox-Bow Incident" basiert auch "Track Of The Cat" auf einer Romanvorlage des Westernautors Walter Van Tilburg Clark. Im Gegensatz zu dem sujetbedingt sehr konzentriert gesponnenen Ersteren ist der von Duke Waynes 'Batjac' produzierte "Track Of The Cat" jedoch ein vielschichtiges Familienkaleidoskop, das deutlich mehr mit den großen amerikanischen Dramaturgen des vergangenen Jahrhunderts zu tun hat denn mit einer ordinären Jagdgeschichte. Wellmans Film, ein im positivsten Wortsinne wahrlich 'schwerer Brocken', steckt voller Symbolik und großer CinemaScope-Bilder, die man rein gewohnheitsbedingt eher von einem Elia Kazan oder Richard Brooks inszeniert glauben würde. Und doch stemmt der große alte Routinier sein Paket auf bewundernswert involvierende Weise, verleiht jeder einzelnen Figur eine lückenlose Charakteristik und findet zwischendurch immer wieder Zeit für eine unikale Filmsprache, die garantiert beispiellos ist. Es geht unter anderem, knapp resümiert, - eine umfassende Analyse mag Telefonbuchstärke erreichen - um unangemessene, matriarchalische Gewalt, Bigotterie, Geschwisterhass, Alkoholismus, Natursymbolik, Landnahme, Bildung und vor allem um Emanzipation.
Mitchums Sterbeszene spricht Bände: Um sich vor der Kälte zu schützen, will der Verirrte nächtens unter einem Baum ein Feuer entzünden, doch kurze Windstöße löschen jedes Streichholz. Da kommt er auf die Idee, einen bei der Leiche seines Bruders gefundenen Gedichtband von Keats zu zerreißen, um damit die Flamme zu schüren. Es löst sich jedoch eine Schneemasse von einem Ast über ihm und erstickt auch dieses Feuer. Da sieht er die Signalflamme, die Harold bereits daheim für ihn angesteckt hat und läuft kopflos darauf zu, nur um dann einen Abhang herunterzurutschen und eine Schlucht hinabzustürzen. Ein paar Minuten erzählter Zeit, die bereits Wesentlichstes über Wellmans Film, ein großes Meisterwerk im Übrigen, berichten.

9/10

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DJANGO IL BASTARDO (Sergio Garrone/I 1969)


Zitat entfällt.

Django Il Bastardo (Django und die Bande der Bluthunde) ~ I 1969
Directed By: Sergio Garrone

Viele Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs kommt der frühere Konföderierten-Soldat Django (Anthony Steffen) in eine kleine Stadt, um sich seinen damaligen Offizieren zu retten. Diese hatten ihn und den Rest der Garnison an die Nordstaatler verraten und erschießen lassen. Auch Django glaubte man tot, doch ist dieser nun zurück, um gewissenhaft Holzkreuze mit dem Namen des künftigen Opfers nebst Todesdatum vor den Häusern seiner alten Feinde zu platzieren. Und niemand entkommt ihm...

Ein Mystik-Western aus italienischer Fertigung, der ein wenig wie ein Verbundsfilm von Margheritis kurz darauf gestartetem "E Dio Disse A Caino" daherkommt und ganz nebenbei noch Eastwoods "High Plains Drifter" antizipiert. Der Fremde besitzt hier allerdings einen Namen, und der verpflichtet. Tatsächlich ist dies auch im Mediterranen ein "Django"-Film, der sich mit dem Original zudem die Veteranenbasis der Titelfigur teilt. Anthony Steffen kann sogar als ein ziemlich toller Django reüssieren, der mit zusammengekniffenen Augen und schwarzem Poncho (der stets manieristisch über die linke Schulter geworfen wird, bevor es Tote gibt - auch diese ikonische Bewegung kennt man aus "Per Un Pugno Di Dollari") seine Vernichtungsschneise durch die kleine, lokalitätsstiftende Stadt pflügt. Zudem gibt es mit dem irren Luciano Rossi einen (unter mehreren) sehr markanten Bösewicht, dessen albinohaftes Äußeres neben seinem auch im Film exponierten Irrsinn für denkwürdige Momente sorgt. Nicht nur aufgrund dieser vermag es "der fünfte Sergio" Garroni in seinem dem Vernehmen nach besten Film eine eigentümlich finstere Atmosphäre zu kreieren, die "Django Il Bastardo" als eines der hervorhebenswertesten Django-Rip-Offs Bestand verleihen.

7/10

Sergio Garrone Django Italowestern Rache Sezessionskrieg


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BLACK ROBE (Bruce Beresford/CAN, AUS, USA 1991)


"Is the Blackrobe a demon?"

Black Robe ~ CAN/AUS/USA 1991
Directed By: Bruce Beresford

Der Jesuitenpater Laforgue (Lothaire Bluteau) entschließt sich anno 1634, von einer frankokanadischen Siedlung aus eine Reise zu einer nördlich gelegenen, weit entfernten Huronen-Mission anzutreten. Begleitet wird er von dem jungen Daniel (Aden Young). Eine Gruppe Algonkin-Indianer soll die beiden Männer eskortieren, wenngleich ihre Überlebenschancen aufgrund der vielen Gefahren, die sie auf dem Weg erwarten, ohnehin sehr gering ausfallen. Tatsächlich beginnen nicht nur die Algonkin, den enthaltsamen, stillen Laforgue bald als undurchsichtiges Wesen zu fürchten, auch ein von ihnen aufgesuchter, zwergenwüchsiger Schamane (Yvan Labelle) beäugt ihn mit abergläubischem Misstrauen. Nachdem die Gruppe von Irokesen überfallen und aufgerieben wird, ist Laforgue auf sich allein gestellt. Er gelangt dennoch an sein Ziel, doch auch die von einer Seuche dezimierten Huronen fürchten seinen schwarzen Rock.

Beresfords möglicherweise eindringlichstes Werk ist ein trister, harter Film, der von der Abenteuerromantik eines J.F. Cooper weiter gar nicht entfernt sein könnte und eher in der Tradition von Aldrichs "Ulzana's Raid" steht denn in der des zeitnah entstandenen "Dances With Wolves". Wo dieser zumindest von Chancen berichtete, illustriert der beinahe endzeitlich anmutende "Black Robe" das Aufeinanderprallen zweier unvereinbarer Kulturen, deren Konfrontation nicht zuletzt aufgrund des puritanischen, selbstverleugnenden Starrsinns des gottesfürchtigen Missionars zu einer Parabel um Scheitern und Verlust gerät. Die Kolonisten aus der Alten Welt zeigen sich bereits in diesem noch recht frühen Stadium ihrer Okkupation als viel zu arrogant und rassistisch, um ein auch nur funktionales Verhältnis zu den ihnen unbegreiflichen Eingeborenen schaffen zu können, derweil allerdings auch die Indianer den Eindringlingen und ihren Bräuchen mit Stutzen und Unverständnis begegnen. Und tatsächlich bergen Geleit und Beschützen des Schwarzrocks Tod und Verderben für sie. Eine bitterere conclusio dürfte in einem Film dieser Thematik kaum vorstellbar sein, gerade darum ist er als Kontrastprogramm zu Costner jedoch von solch elementarer Größe.

9/10

Bruce Beresford Kanada Indianer Mission Kirche period piece Reise