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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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DJANGO UNCHAINED (Quentin Tarantino/USA 2012)


"Auf Wiedersehen."

Django Unchained ~ USA 2012
Directed By: Quentin Tarantino

Kurz vor dem Sezessionskrieg befreit der deutschstämmige Kopfgeldjäger und Dentist Dr. King Schultz (Christoph Waltz) den Schwarzen Django (Jamie Foxx) aus den Händen von Sklavenhändlern. Er hofft, durch Djangos Mithilfe ein gesuchtes Brüdertrio zu finden, das sich irgendwo in Mississippi auf einer Baumwollplantage als Aufseher verdingt. Nachdem Schultz sich von Djangos Qualitäten als Schütze überzeugt hat, bietet er ihm an, als Kompagnon für ihn zu arbeiten. Im Gegenzug würde Schultz Django helfen, im nächsten Frühjahr seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) ausfindig zu machen und auszulösen. Django schlägt ein und die beiden werden ein bewährtes, gesetzlich legitimiertes Killerduo. Schließlich finden sie Broomhilda auf dem Anwesen des öligen Rassisten Calvin Candie (Leonardo Di Caprio), ihr Plan zu ihrer Auslösung geht jedoch zunächst schief. Nun kennt Django kein Halten mehr.

Tarantino as usual. Diesmal erweist der Mann dem Spaghetti-Western seine knapp dreistündige Ehrerbietung, die sich natürlich, man kennt das mittlerweile, bei genauerem Hinsehen vor allem selbstreferenziell ausnimmt. Großartige Cameos alt- und scheinbar ausgedienter Filmhelden, die vor allem dem Eingeweihten diverses Anerkennen entlocken sollten, eine formidable Soundtrack-Kompilation, gedehnte Dialogszenen mit teil ominösesten Inhalten, die vor allem Tarantinos schwarzem Humorverständnis geschuldet sind, schließlich stark überzogene Gewaltdarstellungen, die in ihrer typischen Funktion als zusätzliches comic relief allerdings selbst für zartbesaitete Feuilletonisten stets goutierbar bleiben. Wie jedes Tarantino-Werk unterhält "Django Unchained" über seine gesamte Erzählzeit vorzüglich, beinhaltet befreiende Lacher, sorgt für manches Hallo und bewährt sich in seinen vorgefassten Bahnen. Ich würde mir jedoch wünschen, dass seine nicht kleiner zu werden scheinende Anhängerschar sich nicht immer wieder der Illusion hingibt, in seinen Werken etwas besonders Innovatives oder gar "Geniales" ausfindig machen zu können - dafür arbeitet der Mann auf inhaltlicher Ebene ganz einfach zu schematisch und wird aufgrund seiner tatsächlich sehr engmaschig gesteckten kreativen Grenzen augenscheinlich auch nie etwas Anderes zustande bringen. Das, was er macht, macht er so gut wie kein anderer; an den authentischen Dreck, an die aufrichtige Verruchtheit, den apokalyptischen Zynismus des ansonsten vielfach zitierten Originals und seiner Mitwerke aber traute sich Tarantino vermutlich nie heran. Was sollten seine Fans auch sagen? Nachher müssten sie vielleicht schlecht träumen und ihrem Idol beim nächsten Film den Rücken zukehren und wer hätte da schon etwas davon? Christoph Waltz vielleicht? Nein nein, "Django Unchained" ist ein stilvoller, spaßiger, ein guter Film, jedoch, und das ist ein nicht zu leugnender Dorn in seiner so makellos scheinenden Seite - in jeder Hinsicht völlig erwartbar.

8/10

Quentin Tarantino Texas Mississippi Südstaaten Sklaverei Freundschaft Rassismus Splatter Kopfgeldjagd Hommage Parodie


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THE FIGHTING KENTUCKIAN (George Waggner/USA 1949)


"Wouldn't you take a look to the horses?" - "I'll see to the horses."

The Fighting Kentuckian (In letzter Sekunde) ~ USA 1949
Directed By: George Waggner

Nach Napoleons Niederlage und Exil emigrieren einige der ehemaligen Bonapartisten mitsamt ihren Familien in die Neue Welt, erwerben Land in Alabama und bauen sich dort eine neue Existenz auf. John Breen (John Wayne) von der Kentucky-Miliz verliebt sich in die Generalstochter Fleurette De Marchand (Vera Ralston), die jedoch bereits dem vermeintlich heldenhaften Geschäftsmann Blake Randolph (John Howard) versprochen ist. Während seiner Werbung um Fleurette und seiner Rivalität mit Randolph deckt Breen, der sich zusammen mit seinem besten Freund Paine (Oliver Hardy) als Landvermesser tarnt, um in Fleurettes Nähe bleiben zu können, einen Grundstücksschwindel zu Ungunsten der französischen Siedler auf, der in einem Überfall auf Fleurettes Vater kulminieren soll.

Ebenso flotte wie komische Semi-Western-Romaze, die für einen veritablen Genrefilm nicht ganz das recht Setting und die rechte Ära widerspiegelt. Immerhin liefert Waggner mit "The Fighting Kentuckian", der Duke Seite an Seite mit Oliver Hardy in Fransenjacke und Waschbären-Fellmütze präsentiert, einen ungewohnten, cineastisch faktisch unbeackerten historischen Hintergrund, in dem Waterloo-Veteranen auf Südstaaten-Milizen treffen, was Gelegenheit zu einigem Hurra-Patriotismus und Ehrbekundungen gibt. Bedenkt man, dass die gesamte Geschichte derweil vor einer Romanze konstruiert wurde, könnte man sich allerdings besser Errol Flynn in der Titelrolle vorstellen als Duke, doch jener war als Warner-Zugpferd für eine Republic-Produktion vermutlich unabkömmlich. Müßig, darüber zu spekulieren, denn "The Fighting Kentuckian" ist auch so durchaus gelungen. Besonders schön natürlich die ungewöhnliche Partnerschaft zwischen Wayne und seinem comic sidekick Hardy, der sich in einem besonderen Ausnahmefall von seinem Dauerpartner Stan Laurel absentierte, auch neben Duke eine im wahrsten Wortsinne imposante Figur macht und der durch seine liebenswerte Performance viel von dem Film rettet.

7/10

George Waggner Alabama Südstaaten period piece


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CAVE OF OUTLAWS (William Castle/USA 1951)


"Whom shall I trust now?"

Cave Of Outlaws (Die Höhle der Gesetzlosen) ~ USA 1951
Directed By: William Castle

Nach fünfzehn Jahren wird der einst als Teenager (Russ Tamblyn) verknackte Pete Carver (Macdonald Carey) aus dem Staatsgefägnis entlassen. Das einst von seinem Vater bei einem Zugüberfall geraubte und in einer Höhle versteckte Geld ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. So heftet sich umgehend ein Pinkerton-Detektiv (Edgar Buchanan) an Carvers Fersen in der Hoffnung, der Ex-Knacki möge den Schatz in Kürze heben. Jener zeigt derweil gehobenes Interesse an der Zeitungsredakteurin Elizabeth Trent (Alexis Smith), ganz zum Unwillen des hiesigen Kupferbarons Ben Cross (Victor Jory), der seinerseits längst ein Auge auf Elizabeth geworfen hat und gewohnt ist, unliebsame Widersacher kurzerhand aus dem Weg zu räumen...

Der erste von neuneinhalb B-Western, die der berühmte "Gimmick-Regisseur" William Castle Anfang bis Mitte der fünfziger Jahre dirigierte, ein überaus gefälliger, erstaunlich wenig exploitativer Film. Zudem verhielt es sich mit "Cave Of Outlaws" wohl vergleichsweise ernsthaft - zumindest ließ Castle hier noch die Finger von Geschichtsklitterung und albernem Hurra-Patriotismus. Wenngleich ohne große Stars auskommend und fraglos der typischen 'Abteilung Abschreibung' der Universal-Western-Produktion zuzurechnen, fasziniert "Cave Of Outlaws" somit dennoch aufgrund seiner wirklich sorgfältigen, sauberen Inszenierung und des herrlichen Technicolor, das Castle wie eine alles überlappende Ölschicht nutzt und beinahe zu einem zusätzlichen Protagonisten macht. Der - psychologisch freilich uninteressante und für die Genrehistorie von bestenfalls sekundärer Bedeutung befindliche - "Cave Of Outlaws" bildet daher eine kurzfristig höchst reizvoll affizierende Augenweide, die besonders Freunde des trivialen, kleinen Unterhaltungswestern nebst passionierten G.F.-Unger-Lesern optimal bedient.

8/10

William Castle New Mexico Schatz Höhle Duell


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UN HOMBRE LLAMADO NOON (Peter Collinson/E, UK, I 1973)


"You wanna quarrel? I'll make it easier on you: you smell."

Um Hombre Llamado Noon (Der Mann aus El Paso) ~ E/UK/I 1973
Directed By: Peter Collinson

Nachdem er im Zuge eines Mordanschlages von einer Kugel am Kopf getroffen wurde, verliert ein Mann (Richard Crenna) das Gedächtnis. Durch die Hilfe des freundlichen Gunman Rimes (Stephen Boyd) kommt er jedoch seiner Vergangenheit langsam auf die Spur: Offenbar ist er ein Profikiller namens Ruble Noon mit nebulöser Vergangenheit, dessen jüngstes Anschlagsopfer ihm zuvor gekommen ist. Zudem verfügt er, ohne es zunächst zu wissen, über einen beträchtlichen Goldschatz, den ihm der gierige Richter Niland (Farley Granger) abzujagen gedenkt.

"Un Hombre Llanado Noon" ist ein seltsamer Film, entstanden als dritter Teil einer von Euan Lloyd produzierten, britisch-spanischen Western-Trilogie nach Vorlagen des Autors Louis L'Amour, die jeweils mit ansehnlichem Staraufgebot und von einem halbwegs renommierten Regisseur als späte Eurowestern unter konstengünstiger Herstellung in Spanien gefertigt wurden. Er gewinnt durch seine schöne Atmosphäre, er fängt die Gegend um Alméria unter ganz ungewohnten, dämmrigen Lichtverhältnissen ein und spart die gleißende Wüstensonne, wie man sie üblicherweise mit diesem Ort in Verbindung bringt, bewusst aus. Ruble Noons Erinnerung symbolisierend liegt alles unter einem mysteriösen Schleier verborgen.
Ansonsten ist "Un Hombre Llanado Noon" vor allem eine Arbeit von durchaus versierten Zeitgenossen, die aber offenkundig dennoch gern wer anders wären, um nicht zu sagen, prominenteren Vorbildern nacheifern: Collinson selbst wäre gern Leone, Crenna Charles Bronson, Stephen Boyd Clint Eastwood und Luis Bacalov Ennio Morricone. Überhaupt dessen Musik - anstatt eines kleinen Mystery-Western scheint sie monumentales Bibelkino untermalen zu wollen.

6/10

Peter Collinson Eurowestern Texas Amnesie Gold Louis LAmour


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THE SEA OF GRASS (Elia Kazan/USA 1947)


"If you love me, then why don't you support me?"

The Sea Of Grass (Endlos ist die Prärie) ~ USA 1947
Directed By: Elia Kazan

In den 1880ern heiratet die wohlhabende Patriziertochter Lutie (Katharine Hepburn) aus dem Süden den Viehbaron Jim Brewton (Spencer Tracy). Die Ehe bedeutet für sie eine Reise von St. Louis nach New Mexico, wo sie mit der Einsamkeit und der Härte ihres Mannes bezüglich einiger Existenzfragen umzugehen lernen muss. Als der Hass Brewtons auf die immer wieder auf den umliegenden Weidegründen siedelnden Kleinfarmer schließlich die einzige Freundschaft Luties mit der Farmersfrau Selina (Ruth Nelson) zerstört, flüchtet sich Lutie gekränkt in eine Affäre mit dem Advokaten Chamberlain (Melvyn Douglas), aus der neun Monate später ein Sohn hervorgeht. Als Jim erfährt, dass er nicht der leibliche Vater dieses zweiten Kindes ist, wirft er Lutie aus dem Haus und erzieht den kleinen Brock wie sein eigenes Kind. Dieser jedoch beginnt schon als junger Mann die wahren Hintergründe seiner Existenz zu ahnen und entwickelt sich zu einem renitenten Lebemann zwischen Sauferei und Glücksspiel. Als sein loses Auftreten ihn eines Tages in höchste Lebensgefahr bringt, kehrt Lutie nach dem Westen zurück. Erst Brocks Tod kann sie nach so vielen Jahren wieder mit Jim versöhnen.

Der - wenn ich mich nicht verzähle - vierte von neun gemeinsamen Filmen des Paares Tracy/Hepburn findet sich zwar im Westmilieu der Jahrhundertwende angesiedelt, besitzt jedoch eher die Gestalt eines Ehe- und Familiendramas, das gleichermaßen wie eine etwas spartanischer ausgestattete Vorstudie zu George Stevens' pompöser Ferber-Adaption "Giant" wirkt. Hier wie dort erweist sich die Illusion eines naiven Mädchens aus dem Osten, sich mit einem gänzlich praktisch veranlagten, kernigen Rancher im Südwesten arrangieren und problemlos mit ihm leben zu können, als großer Ehe-Stolperstein. "The Sea Of Grass" entwickelt allerdings einen noch wesentlich dramatischeren Sog. Denn wo später (im Film) der unangepasste Jett Rink letzten Endes als Blitzableiter für die familiären Probleme der Benedicts herzuhalten hat und diese sich somit wieder einpendeln können, müssen die Brewtons ein halbes Leben ohneeinander verbringen, wenngleich ihre Liebe zueinander nie versiegt und sie beide keinen neuen Partner finden können oder wollen. Darin liegt wohl die größte tragische Erkenntnis dieses schönen, sehenswerten Kleinepos'; dass Stolz und Stumpfsinn manchmal große Teile eines Lebens zur Beinahe-Verschwendung degradieren können.

8/10

Elia Kazan Ehe Familie Prärie New Mexico Conrad Richter


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THE REVENGERS (Daniel Mann/USA, MEX 1972)


"Shut up, Hoop."

The Revengers ~ USA/MEX 1972
Directed By: Daniel Mann

Nachdem seine gesamte Familie von marodierenden Comancheros massakriert wird, macht sich der Bürgerkriegsveteran und Rancher John Benedict (William Holden) auf eine lange Suche nach den Schuldigen. Als Unterstützung befreit er im Alleingang sechs abgerissene Häftlinge aus einem mexikanischen Gefängnis: Den verlotterten Säufer Hoop (Ernest Borgnine), den Ex-Sklaven Job (Woody Strode), den Franzosen Quiberon (Roger Hanin), den Deutschen Zweig (Reinhard Kolldehoff), und die beiden Mexikaner Cholo (Jorge Martínez de Hoyos) und Chamaco (Jorge Luke). Nach anfänglichen Übervorteilungen wächst die Truppe zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen, ein Zwist zwischen Benedict und Chamaco endet für ersteren jedoch beinahe tödlich. Als man sich wieder zusammengerauft hat, geht es in einen letzten großen Kampf gegen die Comancheros.

Ein deutlich unbehenderer, uneleganterer Spätwestern kam anno 72 von Daniel Mann. Der sich eine ähnliche Prämisse wie "The Professionals" und "The Wild Bunch" auferlegende Kumpelfilm erinnert nicht von ungefähr auch an "The Dirty Dozen"; hier wie dort gewinnt eine ganze Gruppe übler Galgenstricke ihre persönliche Inegrität zurück, indem sie nach langen Jahren der moralischen Verlotterung wieder für etwas einstehen - möge jener Zweck auch noch so fragwürdig sein. Ganz interessant sind dabei die Überkreuzungen im Bereich der Akteure; Ernest Borgnine taucht in vielen dieser Filme auf, auch William Holden und Woody Strode sind häufig anzutreffen. Daniel Mann wird demzufolge nicht von ungefähr auf diese drei Darsteller zurückgegriffen haben, garantieren sie doch bereits a priori eine rein personelle Assoziativität beim Publikum. Holden trägt sogar dieselbe Kluft wie in "The Wild Bunch" und wurde - passenderweise - in der deutschen Vertonung gleich noch mit demselben Sprecher (Holger Hagen) begütert. Nun ist "The Revengers" bestimmt weder das Werk eines großen Regisseurs, noch darf er sich zuschreiben, das Genre in irgendeiner Form entscheidend bereichert zu haben. Vielmehr schielt er recht unverhohlen in Richtung des mediterranen Genrefilms und gibt nicht mehr oder weniger her denn einen bodenständigen, derb gedrischten Spaß mit einigen lauten Kampfeinlagen, den ein ausnahmsweise mal recht bornierter Joe Hembus als "abstoßend hässlich" bezeichnete. Da gingen die Pferdchen dann aber doch mal durch mit ihm.

7/10

Daniel Mann Rache Mexiko Colorado


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MONTE WALSH (William A. Fraker/USA 1970)


"I ain't gonna spit on my whole life."

Monte Walsh ~ USA 1970
Directed By: William A. Fraker

Die beiden Cowboys Monte Walsh (Lee Marvin) und Chet Rollins (Jack Palance) kehren nach der Wintersaison als Trapper in den Bergen zurück nach Arizona, um zusammen auf einer Ranch ihrer Hauptberufung nachzugehen. Doch die Zeiten ändern sich: Die großen Viehbarone kaufen mittlerweile jedes Gut in der Gegend und Cowboys sind kaum mehr gefragt. Chet verliebt sich derweil in die Witwe (Allyn Ann McLerie) eines Eisenwarenhändlers, heiratet sie und wird sesshaft, während Monte nicht bereit ist, seine Freiheit für die eigentlich von ihm heißgeliebte Hure Martine (Jeanne Moreau) zu opfern. Als Shorty Austin (Mitch Ryan), ein junger Berufsgenosse von Chet und Monte, der wegen eines Unfalls von der Justiz gesucht wird, Chet wegen ein paar lumpiger Dollar erschießt, verfolgt und tötet ihn Monte. Martine stirbt an gebrochenem Herzen und Monte reitet als Relikt vergangener Tage einsam durch die Reste der Wildnis.

Begleitet von einer tiefmelancholischen Stimmung ist "Monte Walsh" ein Spätwestern in Moll, einer aus der passiven Kategorie, in denen, anders als in "The Wild Bunch" oder "The Hunting Party" etwa, die Helden nicht mit einem Feuerwerk gehen, sondern nach einem letztmaligen Aufbäumen vereinsamt und hoffnungslos einen denkbar unglorreichen Tod erleben oder selbigem zumindest betrübt entgegenzusehen haben. Frakers Film steht damit in einer Reihe mit Meisterwerken wie "Lonely Are The Brave", "The Ballad Of Cable Hogue" oder "The Cowboys", die den Untergang des alten Westens weniger als zivilisatorische Notwendigkeit domestizierter Moderne definieren, sondern als höchst traurigen Untergang von Freiheit und Individualität. Nicht nur das eigene Alter, auch die sich immer weiter ungemütlich gestaltenden Außenbedingungen grenzen Originale wie Monte Walsh ein; die gemachten Fehler sind dabei keinesfalls allein der Grenzverschiebung und der Landnahme zuzuschreiben, sondern auch der Unbeweglichkeit ihrer stoischen Charaktere. Wäre Walsh bereit, als Attraktion für eine Wildwest-Show zu arbeiten, hätte er seine Schäfchen im Trockenen und sähe einem gemütlichen Lebensabend mit seiner Martine entgegen. Doch das Erlebnis um Chet Rollins bestätigt ihn in seinem Sackgassenglauben: Wer sich wie er niederlässt, negiert nicht nur seine Persönlichkeit, sondern wird aus der Welt getilgt. Somit ist Montes Rachefeldzug nicht allein dem Andenken seines besten Kumpels gewidmet, sondern auch ein privater Protest gegen die Zeichen der Zeit.

9/10

William A. Fraker Cowboys Arizona Freundschaft Rache


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VILLA RIDES! (Buzz Kulik/USA 1968)


"It's very much better that I die a fool trusting too much, than live a tyrant trusting no one at all."

Villa Rides! (Pancho Villa reitet) ~ USA 1968
Directed By: Buzz Kulik

Mexiko, 1912: Der US-Pilot Lee Arnold (Robert Mitchum) fliegt Waffen für die regierungsfeindlichen Colorados über die Grenze. Als er feststellen muss, welchen Praktiken gegen die Landbevölkerung die von ihm gelieferten Gewehre dienen, schließt er sich - zunächst mehr oder weniger freiwillig - dem Revolutionsführer Pancho Villa (Yul Brynner) an. Mit seinem Flugzeug ist Arnold eine große militärische und strategische Hilfe für Villa. Als dieser und seine Armee jedoch von dem hinterlistigen General Huerta (Herbert Lom) hintergangen werden, verfinstert sich auch die Lage für Arnold. Mit einer beträchtlichen Geldbeute setzt er sich zurück in die Staaten ab. Nachdem Villa aus der Gefangenschaft fliehen kann und Arnold in El Paso aufsucht, entschließt jener sich nach anfänglicher Ablehnung, seinem alten Freund zurück nach Mexiko zu folgen und weiter für die Revolution zu kämpfen.

Eine knallbunte Mischung aus Fakten und Fiktion, die Revolution als Abenteuer! "Villa Rides!" war ein recht teures Studioprojekt, an dem Robert Towne und Sam Peckinpah mitgeschraubt haben, das mit epischen Bildern und Massenszenen aufwarten konnte und dieses ebenso verworrene wie faszinierende Kapitel mexikanischer Historie auf ein gut aufgelegtes Männerabenteuer herunterbrach. Nicht der Titelheld spielt freilich den Part des Protagonisten, sondern der Publikumsagent Robert Mitchum, der als bodenständiger, eher profitorientierter Opportunist die Grauzonen besser auszuloten lernt und erst als freier Mann eine endgültige Entscheidung für sein Seelenheil treffen kann. "Villa Rides" ist daher in erster Instanz eine Entwicklungsgeschichte jenes freilich fiktiven Revolutionshelden. Villa und sein Gefolgsmann Rodolfo Fierro, von Charles Bronson bereits in der typischen Pose der kommenden Erfolgsjahre gespielt, finden sich derweil geradezu liebevoll als raubeinige Schießwüter porträtiert, die trotz ihrer zuweilen lockeren Kanonen auf der richtigen Seite stehen. Besonders Fierros Darstellung mutet seltsam divergent an: Gleichermaßen komische Figur zeigt man ihn als Massenmörder, der nicht nur die Hinrichtungen gefangener Gegner als lustiges Spiel praktiziert. Möglicherweise symbolisiert besonders dieser Charakter recht treffend die Bipolarität der mexikanischen Lebensart jener Ära: unbändige Existenzfreude, gepaart mit einer beinahe hingebungsvollen Akzeptanz des allgegenwärtigen Todes.

8/10

Pancho Villa Mexiko Mexikanische Revolution Buzz Kulik Sam Peckinpah Historie period piece Biopic


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THE WONDERFUL COUNTRY (Robert Parrish/USA 1959)


"What a pity then, that life is what we do, and not just what we feel."

The Wonderful Country (Heiße Grenze) ~ USA 1959
Directed By: Robert Parrish

Nachdem Martin Brady (Robert Mitchum) als junger Mann den Mörder seines Vaters getötet hatte, ist er über die Grenze nach Mexiko geflohen, wo er für die machthungrigen, verfeindeten Castro-Brüder Marcos (Victor Mendoza) und Cipriano (Pedro Armendáriz) Waffenschmuggelaufträge erledigt. Im Zuge eines Ausfluges über den Rio Grande bricht er sich ein Bein und muss einige Zeit in Texas bleiben - lang genug, um die Liebe für sein Heimatland und die Offiziersgattin Helen Colton (Julie London) zu entdecken. Als er später ohne die versprochenen Gewehre nach Mexiko zurückkehrt, entwickelt sich eine schleichende Feindschaft zwischen ihm und den Castros, die während eines Apachenaufstandes kulminiert.

Feiner Grenzwestern von Robert Parrish, ein Geschenk für Robert Mitchum zudem, der hier als Identitätssuchender eine der schönsten Rollen seiner Karriere spendiert bekam. Wenngleich der deutsche Titel im Vergleich zum Original recht reißerisch anmutet, so illustriert er doch recht treffend Martin Bradys ganz persönliches Dilemma: Seine Herzenszugehörigkeit steht in jeder Hinsicht auf der Kippe. Obgleich Brady, hier Gringo, dort schmutziger Ponchoträger, zunächst fürchtet, jenseits des Grenzflusses auf Widerstand und Sanktionierung zu stoßen, begegnet man ihm zunächst allerseits mit Freundschaft und Aufgeschlossenheit. Erst der feige Mord an einem neuen Freund (Max Slaten) lässt seine Geschichte sich repetieren und so ist eine neuerliche Flucht ins politisch wie eh und je wacklige Mexiko vonnöten. Mit der nunmehr distanzierten Sicht des Zwangsimmigranten ausgestattet, spürt Brady, dass es Zeit ist, einedefinitive Entscheidung zu treffen. Die verbotene Romanze mit der schönen, aufrechten Helen Colton, die sich aufgrund der letzten Endes stärkeren Integrität der Geliebten nicht erfüllen wird, hält Brady nicht davon ab, die Wirren der ihn umgebenden Aggressionen für eine letzte Rückkehr zu nutzen - Gelegenheit für eine gar wunderschöne Schlusseinstellung.

9/10

Robert Parrish Texas Mexiko Mexikanische Revolution


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RANCHO DELUXE (Frank Perry/USA 1974)


"There's a sickness here worse than alcohol and dope. It is the pickup truck debt. And there's no cure in sight."

Rancho Deluxe ~ USA 1974
Directed By: Frank Perry

Die beiden ungleichen Kumpel Jack McKee (Jeff Bridges), ein aus wohlsituiertem Hause stammender Rebell, und der Halbindianer Cecil Kolson (Sam Waterston) bestreite ihren Lebensunterhalt mit Viehdiebstählen bei dem reichen Rancher John Brown (Clifton James). Anstatt sich um die Störenfriede zu kümmern, tun Browns zwei Vorarbeiter Curt (Harry Dean Stanton ) und Burt (Richard Bright) sich mit Jack und Cecil zusammen. Die Entführung eines gewaltigen Preisbullen funktioniert noch, doch der geplante letzte große Coup des Quartetts geht in die Hose: Der von Brown angeheuerte und vorschnell verschmähte Weidedetektiv Henry Beige (Slim Pickens) und seine Tochter Laura (Charlene Dallas) haben deutlich mehr auf dem Kasten als alle Beteiligten denken.

"Rancho Deluxe", einer der vielen Western-Endpunkte jener Jahre, weist Frank Perry als einen tragischerweise nahezu vergessenen Schlüsselregisseur New Hollywoods aus (in Biskinds "Easy Riders, Raging Bulls" wird er noch nichtmal erwähnt), mit dessem Werk man sich unbedingt eingehender befassen sollte. Zugleich wunderbar poetischer Abgesang und mitunter hysterische Komödie, erzählt "Rancho Deluxe" von der nunmehrigen Unmöglichkeit einstiger Freiheit, von der Umzäunung der Persönlichkeit, von der Domestizierung des amerikanischen Atavismus. Ein bisschen rumbumsen und kiffen, das ist hier und da noch drin, aber wer die Linie des Gestatteten merklich übertritt, der wird abgeschoben ins Arbeitslager für zwangsgeschrumpfte, moderne Outlaws. Der Halbindianer mag "Cheyenne Autumn", sein Vater das Fischen, der weiße Vorstadtsohn rebelliert gegen seine Herkunft und das elterliche Diktat, der Rancher ist als alterndes Relikt völlig aufgeschmissen gegenüber den Niederträchtigkeiten der Moderne.
"Rancho Deluxe" ist ein Anti-Anti-Film, bevölkert von Antihelden und gleichermaßen wunderschön und von bitterer Säuerlichkeit. Ein Meisterwerk.

9/10

Frank Perry Neo-Western Freundschaft New Hollywood Montana Heist





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