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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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FANG SHIH YU YU HU HUI CHIEN (Chang Cheh/HK 1976)


Zitat entfällt.

Fang Shih Yu Yu Hu Hui Chien (Shaolin - Die Rache mit der Todeshand) ~ HK 1976
Directed By: Chang Cheh

Die von Norden her eindringenden Mandschuren, unter ihnen der berüchtige Wu-Tang Clan, machen zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine ganze Provinz unsicher. Die beiden in Shaolin-Kung-Fu-Techniken bewanderten Brüder Shi Yu (Alexander Fu Sheng) und Xia Yu (Tang Yen Tsan) sowie der von Shi Yu ausgebildete Kämpfer Hui Quan Hu (Chi Kuan Chun) haben allesamt private Rechnungen mit den Wu-Tangs offen. Jeder aus dem Trio hat durch die Rücksichtslosigkeiten der Bösewichte mindestens einen Elternteil verloren. Nachdem die ersten Schergen, wie der böse Lao Lu Hei (Lung Fei), bereits in Einzelduellen abserviert werden konnten, kommt es zu einer gewaltigen Schlacht, im Zuge derer die drei Freunde gegen eine riesige Übermacht anzutreten haben.

Shaw Bros. go queer: Um die Entstehungszeit von "Fang Shih Yu Yu Hu Hui Chien" waren die Erzählmuster der Shaw-Eastern längst etabliert, dutzendfach erprobt und perfektioniert worden. Für Chang Cheh eine Gelegenheit, seine Rachegeschichte um wüste Unholde und gestählte Nachwuchskämpfer ein wenig zu variieren: Der Film setzt mit dem Showdown ein und zeigt die origins und Motivlagen der drei Helden in episodischer Rückblendenform nebst einiger schicker Rotblenden, die man aber bereits von Cheh kennt. Besonders die matriarchalische (!) Schmiedekunst um den bereits ins Mystische abgleitenden, superheldenartigen Shi Yu, dessen späteres Markenzeichen ein stets eilig wedelnder Fächer ist (wie Alexander Fu Sheng überhaupt ein recht offensives Spiel um die offen homoerotischen Tendenzen seiner Figur zum Besten gibt), präsentiert sich spektakulär - er muss sich von seinem Bruder über Wochen blutig peitschen lassen und danach in einem Fass mit sengender Brühe niederlassen, um schließlich unverwundbar zu werden wie weiland der in Drachenblut gebadete Siegfried. Freilich hat auch Shi Yu eine letzte verwundbare Stelle: den After. Als der abtrünnige Mönch Pai Mei (Lou Chen Hui) davon Wind bekommt, setzt er seine Lanze zum tödlichen Stoß an. Die blutige anale Entjungferung ist zugleich Shi Yus Ende, wie auch die beiden anderen Helden im Angesicht der einfach zu großen Übermacht fallen müssen.

8/10

Chang Cheh Shaw Bros. China Shaolin Martial Arts Brüder Rache


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ONCE UPON A SPY (Ivan Nagy/USA 1980)


"No more outer missions, please."

Once Upon A Spy (Agent wider Willen) ~ USA 1980
Directed By: Ivan Nagy

Der eher biedere IT-Spezialist Jack Chenault (Ted Danson) wird vom Geheimdienst für eine Außenmission rekrutiert, weil ein Supercomputer auf unerklärliche Weise verschwunden ist. Zusammen mit seiner Kollegin Paige Tannehill (Mary Louise Weller) stößt Chenault bald auf die Ursache: Der Multimillonär Jack Valorium (Christopher Lee) hat eine Methode gefunden, jedwedes beliebige Objekt zu miniaturisieren. Um seine größenwahnsinnigen Pläne, die die gesamte Welt in vorübergehendes Chaos stürzen sollen, in die Tat umzusetzen, benötigt Valorium den entwendeten Computer, denn nur mit dessen Hilfe kann er von seinem geheimen Stützpunkt aus agieren. Chenault und Tannehill jedoch setzen Valoriums sinistrem Tun ein Ende.

Fraglos als Pilot für eine nie realisierte TV-Serie kreiert, ist "Once Upon A Spy" der ebenso niedliche wie nachgerade völlig zum Scheitern verurteilte Versuch, eine verspätete amerikanische Bond-Version zu kreieren. Nagys Film veranschaulicht geradezu überdeutlich, was das ursprüngliche Bond-Universum so unikal und begehrenswert gestaltet, indem er ebenjene Werte wahlweise ins Gegenteil verkehrt oder sie zu einer billigen Kirmesshow degradiert: Der Held wird als nerdiger Sonderling und Angsthase eingeführt, zeigt sich aber bald jeder noch so riskanten Situation als todesmutig gewachsen - warum, wieso und woher diese urplötzliche Wendung seines Charakters rührt, das erfährt man nicht. Exotische Schauplätze gibt es nicht, da man sich - vermutlich budgetbedingt - mit US-Drehorten begnügen musste und die exaltierten, teuren set designs eines Ken Adam weichen hier mäßig einfallsreichen Pappkonstruktionen. Die Story schließlich entpuppt sich als mehr oder minder lupenreines Plagiat von der aus "The Pink Panther Strikes Again". Einzig Christopher Lee, der seine Rolle als Francisco Scaramanga aus "The Man With The Golden Gun" reanimiert, indem er wiederum einen steinreichen Superbösewicht gibt, der mit Laserstrahlen herumspielt, verleiht "Once Upon A Spy" ein wenig authentische Grandezza. Ich finde den Film trotz allem recht liebenswert, weil ich warme Kindheitserinnerungen an ihn hege. Das spendiert ihm wie so häufig einen ordentlichen Nostalgiebonus meinerseits, macht ihn aber deshalb freilich nicht besser als er ist.

6/10

Ivan Nagy Bond-Spoof Madness TV-Film Computer Miniaturisierung Mad Scientist Jimmy Sangster


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LONG HU DOU (Wang Yu/HK 1970)


Zitat entfällt.

Long Hu Dou (Wang Yu - Sein Schlag war tödlich) ~ HK 1970
Directed By: Wang Yu

Der hundsföttische Ganove Diao Erh-ye (Chao Hsiung) lässt sich etwas Besonderes einfallen, um die Kontrolle über eine chinesische Kleinstadt zu übernehmen: Erst erledigt er mithilfe dreier japanischer Schergen (u.a. Lo Lieh) das vornehmlichste Hindernis, nämlich den Kung-Fu-Lehrer Li (Fang Mieng) und dessen Schülerschaft und eröffnet danach ein Spielcasino, in dem die vergnügungssüchtigen Bürger gepflegt zur Kasse gebeten werden. Doch die Attacke auf Meister Lis Schule hat jemand - wenn auch schwer verletzt - überlebt: Wang Yu (Wang Yu). Um mit den Karate-Techniken der Japaner mithalten zu können, trainiert Wang Yu verbissen und verwandelt seine Hände in schmerzunempfindliche Todeswaffen. Danach tilgt er die böse Brut in einer beispiellosen Racheaktion vom Planeten.

Das macht Freude, das bringt Spaß: Wenngleich "Long Hu Dou" den imposanten Ruf bekleidet, einer der ersten wirklich bedrohlichen, fernöstlichen Feinde bundesdeutscher Zensur geworden zu sein, sind seine moralische Geisteshaltung und vor allem deren Veräußerung in etwa mit denen eines Vierjährigen zu vergleichen. Es gibt die Guten und die Bösen, die sich durch entsprechendes Gebahren eindeutig voneinander unterscheiden und mehr braucht es auch gar nicht. Der Rest manifestiert sich in inflationärem, stets schön zu betrachtendem Gekloppe, das hier und da zwar nicht mit grellrotem Kunstblut geizt, ganz besonders gut jedoch veranschaulicht, über welche Kindergeburtstagsfeiern sich früher noch hocherrötend ereifert werden musste. Schön auch zu verfolgen, wie Wang Yu im deutschen Sprachraum als Markenname vom Schlage Bruce Lees etabliert werden sollte: Er erscheint im Titel, nimmt Regie und Protagonisteninterpretation für sich in Anspruch und behält der Einfachheit halber in der (alten) deutschen Synchronfassung gleich noch seinen Namen. Wie so häufig im Falle der alten Shaw-Prügel sollte diese sich nicht gemisst finden: Elmar Wepper, Christian Marschall, Hartmut Neugebauer - das sind Stimmen, deren Wandel auf dem schmalen Grat zwischen höchster Eleganz und veritablem Schmier noch heute immens verzücken!
Falls es (außer mir) wen interessiert: ich habe mir wegen des hier in vielerlei Hinsicht erfahrenen Spaßfaktors übrigens vorgenommen, im Laufe der nächsten Wochen viel mehr classic martial arts aufzufrischen und neu zu entdecken. Mal sehen, wie lange ich durchhalte...

8/10

Wang Yu Shaw Bros. China Duell Rache


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GRIZZLY (David Hackl/USA, CA 2014)


"Welcome home."

Grizzly (Red Machine - Hunt Or Be Hunted) ~ USA/CA 2014
Directed By: David Hackl

Nach einer siebenjährigen Gefängnisstrafe wegen Totschlags kehrt Rowan (James Marsden) in sein Heimatstädtchen zurück. Dort ist sein älterer Bruder Beckett (Thomas Jane) nach wie vor Deputy und schlecht auf Rowan zu sprechen. Doch dieser hat einen konkreten Grund, hier zu sein: Mary (Mariel Belanger), die Frau seines alten Kumpels Johnny (Adam Beach), hat ihn hergerufen, um ihr zu helfen. Johnny hat sich offenbar einer Gruppe Bärenwilderer angeschlossen, die bereits seit Tagen in den Wäldern verschollen sind. Der Grund dafür zeigt sich bald - ein riesiger Grizzly läuft Amok und tötet jeden Menschen, der ihm über den Weg läuft. Rowan und Beckett und auch der fanatische Bärentöter Douglas (Billy Bob Thornton) machen sich, zunächst alle unabhängig voneinander, auf den Weg in das undurchdringliche Waldstück 'Grizzly Maze', um den Killer unschädlich zu machen.

Ich bin ja ein Fan von Killer-Grizzlys seit William Girdlers bislang unerreichtem Original, das seinerseits eigentlich bereits ein Plagiat darstellte. Wo Girdler Spielbergs "Jaws" nacheiferte, wagt David Hackl doch tatsächlich das Unglaubliche und versetzt nach über 30 Jahren Michael Andersons ebenfalls sehr schönen "Orca" in das Milieu der Rocky Mountains. Der titelgebende Bär ist nämlich auf einem Rachefeldzug gegen das Raubtier Mensch, nachdem das böse Wilderer-Trio seine Gefährtin mitsamt ihren Jungen dahingeschlachtet hat. Und auch ein Pendant für Richard Harris gibt es: Billy Bob Thornton als eine Art Käpt'n Ahab unter den Grizzly-Jägern dieser Welt!
Angesichts der erwartbar immens löchrigen Story und der kostengünstigen Präsentation des Films (am Ende gibt es eine dermaßen beschissen aussehende CGI-Feuersbrunst, dass ich mich ernsthaft fragte, ob ich da lediglich eines workprint ansichtig war) mutet es schon recht unglaublich an, welch darstellerische Prominenz-Power dieses Abschreibungsobjekt veredelte: Neben den bereits Erwähnten finden sich noch die nach wie vor überaus ansehnliche Piper Perabo (in einer albernen Rolle als taubstumme Naturliebhaberin) und Scott Glenn ein; nicht zu vergessen der unverwüstliche Filmbär Little Bart, Nachfolger des gleichnamigen Originals, das zu seinem Lebensende eine exklusivere Filmographie auf dem pelzigen Nacken hatte als manch menschlicher Star. Dass diese selbst jedem Hollywood-Großprojekt zur Ehre gereichende, natürlich auch etwas überreife Besetzung ausgerechnet einem kleinen Tierhorrorfilm zur Verfügung stand, zeugt möglicherweise von einer neuerlichen Präambel-Verschiebung im Schauspiel-Karussel: "Man muss nehmen, was man kommt - auch wenn es stinkt, ein bisschen." (Helge Schneider)

5/10

David Hackl Tierhorror Bär Jagd Brüder


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MAN ON FIRE (Élie Chouraqui/ I, F 1987)


"Guys like us ain't got nobody in the world... but not us."

Man On Fire ~ I/F 1987
Directed By: Élie Chouraqui

Der frühere CIA-Mann Creasy (Scott Glenn) lebt nach unguten "Geschäftserfahrungen" nunmehr von der Hand in den Mund. Sein Kumpel David (Joe Pesci) organisiert ihm einen Posten im Personenschutz in der Nähe von Mailand. Er soll Samantha (Jade Malle), die zwölfjährige Tochter eines wohlhabenden Geschäftsehepaars (Paul Shenar, Brooke Adams) im Auge behalten. Aus dem zunächst unangenehmen Job wird eine Lebensaufgabe: als das Eis einmal geschmolzen ist, werden Sam und Creasy, beide einsame Seeleninsulaner, dicke Freunde. Als Sam dann von einer Gruppe übler Ganoven entführt wird, und Creasy schwer angeschossen wird, sieht dieser rot und schießt sich den Weg bis zu dem Mädchen frei.

Leider waren Scott Glenns spärliche Gehversuche im Genre nie von dem verdienten Erfolg gekrönt; während einige seiner eher muskulös physiognomierten Kollegen im reaktionären Actionfilm der Achtziger sich zumindest im B-Film-Sektor eine geregelte fanbase erwirtschafteten, blieben für den eher nachdenklichen Akteur bestenfalls Krümelreste übrig. "Man On Fire" bildete einen der wenigen Fälle, in denen Glenn für eine Hauptrolle vorgesehen war und diese mit seinem stillen Stoizismus dann ganz vortrefflich ausfüllte. Chouraquis Rachefilm ist vielleicht einer der finstersten seines Umkreises, er zeigt ein Kaleidoskop gebrochener Typen, deren Existenz wahlweise desolat oder bemitleidenswert verläuft. Wo sich zumindest für die beiden Protagonisten Creasy und Sam ein nicht ganz unproblematischer Ausweg in Form einer unerfüllbaren Vater-Sohn-Beziehung, möglicherweise auch einer unmöglichen Liebesgeschichte eröffnet, fährt bald die äußere Gewalt durch kriminelle Umtriebe dazwischen. Das Mädchen wird entführt, später andeutungsweise auch vergewaltigt und bleibt nach seinem offenbar nicht eben kurzem Martyrium psychisch verkrüppelt zurück; der bereits vorgeschädigte Profikiller kann zwar seine selbstauferlegte Mission, das Kind zu finden und zurückzuholen, erfüllen; jedoch nur um den Preis des rücksichtsloser Vigilanterie, die mit einigen Folterungen und Hinrichtungen einhergeht, ebenjenen Methoden also, denen er eigentlich längst abgeschworen hatte. Wie es mit den beiden weitergehen wird, bleibt offen; ein "geregeltes" happy end jedenfalls hält "Man On Fire" bewusst nicht bereit.
In seiner konsequent vorgetragenen Geschichte um sich schmerzlich erfüllende Zwangswege entpuppt sich der formal eher karge Film als ein kleiner, diskursiver Meilenstein des dunklen Actionthrillers, dem bis heute viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde und von dem ich mir endlich eine adäquate Heimedition wünsche.

8/10

Élie Chouraqui Freundschaft Mailand Italien Rache Kidnapping


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GRINDHOUSE (Robert Rodriguez, Quentin Tarantino/USA 2007)


"I never miss."

Grindhouse ~ USA 2007
Directed By: Robert Rodriguez/Quentin Tarantino

Aus Robert Rodriguez' und Quentin Tarantinos dereinst recht vollmundig angekündigtem "Grindhouse"-Projekt, das eine Hommage an das bereits im Titel postulierte "Kleinkunstkino" der siebziger Jahre darstellte, wurden zunächst die beiden Einzelsegmente "Planet Terror" und "Death Proof" destilliert und als eigenständige Arbeit des jeweiligen Regisseurs vermarktet. Gewinnmaximierung, ganz im Sinne jener liebevoll hofierter und karikierter Schmuddelreißer aus besseren Kinotagen. Die beiden solitär genossenen "Hauptfilme" (deren Reihenfolge innerhalb von "Grindhouse" selbst in umgekehrter Provenienz vielleicht etwas geschickter gewesen wäre, aber achronologische Durchmengung gehört ja zu Tarantinos kleinen Spezialitäten), die in ihren Einzelversionen jeweils mit einigen Szenen angereichert und gestreckt wurden, ergeben in ihrer Kompilation mitsamt all den hübschen Trailern ein deutlich passgenaueres Vergnügen. Diverse Darsteller, ja, sogar Charaktere wie der stets gern gesehene, vom zerknirschten Michael Parks gegebene Sheriff Earl McGraw, tauchen ja in beiden Filmen auf, was dem eigentlich intendierten venue sehr zuspricht. Einerseits muss man somit zwar auf Wohlgelittenes wie etwa den Lap Dance von Vanessa Ferlito verzichten, es bleibt einem jedoch auch geflissentlich störender Füllstoff erspart. Die Sinnfälligkeit des Ganzen, insbesondere die von Form und Präsentation jedenfalls erschließt sich zur Gänze erst im Double Feature, das ich den beiden Einzelbeiträgen stets vorziehen würde.

9/10

Robert Rodriguez Quentin Tarantino Texas Hommage Splatter Zombies Virus car chase Freundschaft Exploitation


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KILL BILL (Quentin Tarantino/USA 2003/04)


"That woman deserves her revenge and we deserve to die."

Kill Bill ~ USA 2003/04
Directed By: Quentin Tarantino

Beatrix Kiddo (Uma Thurman) gehörte einst der "Deadly Viper Assassination Squad" an, einer sechsköpfigen Gruppe von in fernöstlichen Tötungskünsten ausgebildeten Profikillern. Dieser steht Bill (David Carradine) vor, ein alternder, zynischer Amerikaner, der mit Beatrix eine Liaison pflegte bis zu dem Tag, als sie sich zum Ausstieg entschloss. Schwanger von Bill wollte sie ihrer Tochter ein Leben abseits ihres einstigen Milieus ermöglichen und suchte sich unter neuem Namen Tommy Plympton (Chris Nelson), einen Plattenladenbesitzer aus El Paso, als künftigen Ehemann und Ziehvater des Kindes aus. Der rachsüchtige Bill bekommt jedoch Wind von Beatrix' Plänen und überfällt sie mit dem Rest der Truppe bereits bei der Hochzeitsprobe. Vermeintlich tot und um das Leben des Babys gebracht verbringt Beatrix vier Jahre im Koma, während derer sie ein schmieriger Krankenpfleger (Michael Bowen) als willenloses Vergewaltigungsopfer feilbietet. Infolge eines Mückenstichs erwacht Beatrix nach dieser langen Zeit und begibt sich auf einen beispiellosen Rachefeldzug, an dessenen Ende sich Berge von von Leichen auftürmen und sie ihre kleine Tochter (Perla Haney-Jardine) doch noch in die Arme schließen kann.

Ich mag es ja. ohnehin Zusammengehöriges in einem Guss zu betrachten und soweit als möglich auch wahrzunehmen und zu bewerten. Im Falle "Kill Bill", der im Abstand von sechs Monaten in zwei Teilen mit den Untertiteln "Vol. 1" und "Vol. 2" ins Kino kam, erscheint mir diese Art der Rezeption als probat. Zwar scheinen die meisten Zeitgenossen nur allzu gern auf die Divergenz der beiden Segmente zu pochen, mich interessiert dies jedoch bestenfalls geringfügig. Sicherlich gibt es offenkundige Einzelheiten, die jedem der beiden volumes halbwegs eindeutig zuzurechnen sind: Der erste Film liebäugelt noch sehr viel mehr als der zweite mit ostasiatischen "traditionals": Zu Beginn kommt das altehrwürdige ShawScope-Logo, eines der Kapitel ist als Anime gestaltet, Sonny Chiba und Gordon Liu treten auf, es geht nach Japan und gegen eine Yakuza-Chefin (Lucy Liu) , die vormals zur Viper Squad gehörte. Fontänen von Blut und herumfliegenden Extremitäten im üblich gnadenlos überzeichneten Finale gemahnen an Vertraut-Klassisches wie die "One Armed Swordsman"-Reihe oder die "Kozure-Ôkami"- und "Goyôkiba"-Serials. Der zweite Film beinhaltet dann noch einen Rückblick, in dem Beatrix, die erst hierin ihren wahren Namen zurückerhält und vormals lediglich als "The Bride" firmierte, ihre kämpferische Ausbildung bei dem höhnisch-arroganten Meister Pai Mei (Gordon Liu in einem Zweitauftritt) begeht. Ansonsten führt sie ihr Weg nach Texas und Mexiko, wo sie den übrigen Schergen Bills begegnet, darunter seinem jüngeren Bruder Budd (Michael Madsen), dessen ehrloser Verzicht auf kämpferische Tradition sie am Dichtesten an die Schwelle des Heldinnen-Todes trägt. Sie wird lebendig begraben, kann sich jedoch durch eine von Pai Meis Techniken befreien. Eine weitere verleiht ihr zugleich die elementarste Handhabe, selbst mit dem Oberboss Bill fertig zu werden, der sich am Ende und recht zufrieden mit dem Verlauf der Ereignisse seinem Schicksal stellt.
Selbstredend kann "der eine" nicht ohne "den anderen" Film bestehen und es wird niemand ernstlich behaupten können, sich mit der Beschau des zuerst aufgeführten Teils, also unter Verzicht auf den inhaltlich komplexeren und wesentlich emotionaleren zweiten Film, zufrieden geben zu wollen. Tatsächlich haben beide ihre spezifischen, besonderen Vorzüge und decken im Prinzip das gesamte Spektrum tarantino'scher Interessen ab. Vol. 1 bietet subsummiert karnevalesken, von einem Maximum an Referenzen getragenen, knallbunten Intentionstrash, Vol. 2 legt dann mehr Wert auf leise Töne, zärtliche Tragik und jenes bisschen an Vulgärpsychologie, zu dem Tarantino eben fähig ist. Dem umfassenden Erlebnis der "ganzen, blutigen Affäre" trägt man allerdings einzig mit bedingungsloser Nahtlosigkeit adäquat Rechnung. Vier Stunden sollten sich dann auch hinreichend planungsaffin ausnehmen.

9/10

Quentin Tarantino Hommage Martial Arts Texas Profikiller Japan Okinawa Tokio Rache Splatter Mexiko


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JOHN WICK (Chad Stahelski/USA, CA, CN 2014)


"People don't change. Times do."

John Wick ~ USA/CA/CN 2014
Directed By: Chad Stahelski

Der frühere Superkiller John Wick (Keanu Reeves) hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen, nachdem er seine Zukünftige Helen (Bridget Moynahan) kennengelernt hat. Diese stirbt jedoch schon nach wenigen Jahren Ehe an Krebs und John bleibt als Erinnerung ein kleiner Beagle-Welpe, den Helen ihm zum "Abschied" vermacht. Als John während einer Spritztour mit seinem Ford Mustang Iosef (Alfie Allen), der Sohn des John nicht unbekannten Gangsterbosses Viggo Tarasov (Michael Nyqvist) begegnet, will dieser ihm den Wagen abkaufen. Nach seiner Weigerung überfällt Iosef John in seinem Haus, tötet den kleinen Hund und raubt den Wagen. Der folgende Rachefeldzug führt John Wick gegen das gesamte Syndikat von Boss Tarasov...

Im Gefolge des "The Equalizer"-Revivals ein weiterer, höchst leichenreicher Actionfilm, in dem es ein Einzelgänger mit der Russenmafia aufnimmt und seine versierten Qualitäten als Killermaschine in voller Blüte zum Einsatz bringt. Nicht ganz so bärbeißig wie in Fuquas Film, dafür mit einem ausgereiften Gespür für visuell reiche Lokalitäten und Szenarien ist "John Wick" vor allem ein Film der Form. Die perfide Initiation der höchst effektiven Entfesselung von John Wicks Racheritus ist angesichts der wahrlich beeindruckend minutiösen Choreographie seiner diversen Nachtclub- und Disco-Schlachten schon bald vergessen und der Film damit ohne seinen eigentlichen Motor. Als hartes event und glamour movie mit feinen Ideen wie der, mitten in New York ein Hotel ausschließlich für im Einsatz befindliche Auftragskiller (mitsamt eigener Goldmünzen-Währung) zu platzieren oder John Patrick Kelly als allzeit bereiten Kopf eines Cleaner-Teams einzusetzen, wird "John Wick" noch so manchen Zuschauer zu begeistern wissen; unter seiner glattpolierten, hochglänzenden Oberfläche lässt sich derweil nicht viel mehr entdecken.

7/10

Chad Stahelski Profikiller Rache Russenmafia New York


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RESERVOIR DOGS (Quentin Tarantino/USA 1992)


"You ever listen to K-Billy's "Super Sounds of the Seventies" weekend? It's my personal favorite."

Reservoir Dogs ~ USA 1992
Directed By: Quentin Tarantino

Ein von dem Gangsterboss Joe Cabot (Lawrence Tierney) und seinem Sohn Nice Guy Eddie (Chris Penn) angeheuertes, aus sechs Gaunern bestehendes Team soll einen akkurat geplanten Diamantenraub vollführen. Doch die Sache läuft gehörig aus dem Ruder, weil einer der sich zuvor untereinander unbekannten Teilnehmer ein Undercover-Cop ist, der bereits im Vorhinein seine Leute zum Schauplatz des Verbrechens beordert hat. Nachdem der schießwütige Mr. Blonde (Michael Madsen) vor Ort ein Massaker angerichtet hat und bereits zwei der Ganoven, Mr. Blue (Eddie Bunker) und Mr. Brown (Quentin Tarantino) dran glauben mussten, treffen die Übrigen nach und nach am verabredeten Treffpunkt, einer Lagerhalle, ein. Mr. Orange (Tim Roth) hat einen Bauchschuss und verblutet langsam, derweil Mr. White (Harvey Keitel) und Mr. Pink (Steve Buscemi) die Sache halbwegs ruhig und überlegt überblicken. Als Mr. Blonde mit einem gekidnappten Polizisten (Kirk Baltz) auftaucht, wartet bereits die nächste Katastrophe...

Als Quentin Tarantinos erste Filme bei uns auftauchten, sprich "Reservoir Dogs" und der von ihm gescriptete "True Romance", war ich wie viele andere ein ausgemachter Fan des Mannes und himmelte seine Arbeiten an - für einen 17- bis 20-jährigen Kinogänger zu dieser Zeit ganz gewiss nichts Ungewöhnliches. Als ich dann zu studieren anfing und in jeder noch so abgewichsten Klitsche, in der sich eine Party abspielte, ein "Pulp Fiction"-Poster vorfand, erkaltete meine Bewunderung für diesen plötzlich zum langweiligen Salonthema avancierten Filmemacher und verwandelte sich in eine Art Ernüchterung; ich wollte ihn bestenfalls nurmehr nett finden und jedes ihm gewidmete Gespräch aus der Laienecke mit demonstrativem Gähnen quittieren. Tarantino als "everybody's darling", der dann auch noch von Hinz und Kunz plagiiert wurde - das gefiel mir, der ich mich Trends stets tapfer verweigert habe, ganz und gar nicht. Dass er mit "Jackie Brown" seinen, wie ich bis heute finde, stärksten Film vorgelegt hat und im Gefolge von "Hype Fiction" eigentlich alles genau richtig gemacht hat, war mir dann demonstrativ egal.
"Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction habe ich nach zuvor mitunter pathologischen Überdosierungen zum letzten Mal vor geschätzt fünfzehn Jahren gesehen und jetzt mal wieder Lust drauf bekommen. Zu ersterem darf ich schonmal sagen, dass er mich neuerlich begeistert konnte. Als einen ungeheuer frischen Film habe ich ihn just wieder wahrgenommen, voll von leidenschaftlichem fandom, angenehm exzessiv, getragen von einem unschlagbaren Narzissmus und, wenngleich betreffs seiner inszenatorischen Qualität weit hinter den meisten wirklich großen, klassischen amerikanischen Regisseuren liegend, als ein Musterexemplar seiner Gattung, dem längst selbst ein Platz im Olymp der nachwuchsinspirierenden Werke gebührt. Gewissermaßen schade angesichs dessen, dass Tarantino gezwungenermaßen zum Opfer seines eigenen Kults wurde - und es bis heute, ebenso gezwungenermaßen, geblieben ist.

9/10

Quentin Tarantino Ensemblefilm undercover Freundschaft Los Angeles Heist


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ONNA HISSATSU KEN (Kazuhiko Yamaguchi/J 1974)


Zitat entfällt.

Onna Hissatsu Ken (Die Karate-Tiger) ~ J 1974
Directed By: Kazuhiko Yamaguchi

In Hong Kong erfährt die Karate-Meisterin Koryu (Etsuko Shihomi), dass ihr verschwundener Bruder Mansei (Hiroshi Miyauchi) als Undercover-Agent für die Polizei gearbeitet hat. Koryu verfolgt Manseis Spur in übelste Rauschgifthändler-Kreise und stößt auf den Unterwelt-Boss Kakuzaki (Bin Amatsu), der sich Weltklasse-Kämpfer aller Couleur wie einen Privatzoo hält. An diesem muss Koryu erst vorbei, um sich zu Mansei, der in Kazuakis Verlies als gezüchtetes Heroinwrack dahinvegetiert, durchzuschlagen. Behilflich ist ihr dabei unter anderem der Shaolin-Meister Hibiki (Sonny Chiba).

Japanischer Karate-Irrsinn vom Feinsten, mitsamt 180-Grad-Kopfesverdrehung und herausquellendem Gedärm im Finale. Vorher schleppt sich "Onna Hissatsu Ken" hier und da etwas träge über die Runden, schließlich will ein Sinn erst installiert sein. Es gibt natürlich einstweilen auch viel zu lachen, wenn all die Superkämpfer vorgestellt werden, die da gegeneinander antreten - zum einen die zynischen, lichtscheuen Yakuza-Killer mit ihren duften Outfits und Spezialwaffen, zum anderen die Tempel-Schüler, die unter der Swastika des Glücks Nächstenliebe gepredigt bekommen und dass man nur kämpfen darf, um sich zu verteidigen (dann aber richtig, nämlich "wie ein Tiger"). Dass alles ist gerade so verrückt wie japanischer Sleaze der Mittsiebziger es eben zu sein hat und bereitet dementsprechend Vergnügen. Der zu englisch auch als "Sister Street Fighter" bekannte, und sich damit an die Chiba-Filme anlehnende Knaller hält zwar mit selbigen nicht ganz Schritt, langt aber immer noch ordentlich hin und, das Wichtigste, lässt die schwitzende, sich abrackernde Protagonistin als eine erscheinen, die es ernst meint.

6/10

Kazuhiko Yamaguchi Hong Kong Yakuza Martial Arts Japan Sleaze