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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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LONG HU DOU (Wang Yu/HK 1970)


Zitat entfällt.

Long Hu Dou (Wang Yu - Sein Schlag war tödlich) ~ HK 1970
Directed By: Wang Yu

Der hundsföttische Ganove Diao Erh-ye (Chao Hsiung) lässt sich etwas Besonderes einfallen, um die Kontrolle über eine chinesische Kleinstadt zu übernehmen: Erst erledigt er mithilfe dreier japanischer Schergen (u.a. Lo Lieh) das vornehmlichste Hindernis, nämlich den Kung-Fu-Lehrer Li (Fang Mieng) und dessen Schülerschaft und eröffnet danach ein Spielcasino, in dem die vergnügungssüchtigen Bürger gepflegt zur Kasse gebeten werden. Doch die Attacke auf Meister Lis Schule hat jemand - wenn auch schwer verletzt - überlebt: Wang Yu (Wang Yu). Um mit den Karate-Techniken der Japaner mithalten zu können, trainiert Wang Yu verbissen und verwandelt seine Hände in schmerzunempfindliche Todeswaffen. Danach tilgt er die böse Brut in einer beispiellosen Racheaktion vom Planeten.

Das macht Freude, das bringt Spaß: Wenngleich "Long Hu Dou" den imposanten Ruf bekleidet, einer der ersten wirklich bedrohlichen, fernöstlichen Feinde bundesdeutscher Zensur geworden zu sein, sind seine moralische Geisteshaltung und vor allem deren Veräußerung in etwa mit denen eines Vierjährigen zu vergleichen. Es gibt die Guten und die Bösen, die sich durch entsprechendes Gebahren eindeutig voneinander unterscheiden und mehr braucht es auch gar nicht. Der Rest manifestiert sich in inflationärem, stets schön zu betrachtendem Gekloppe, das hier und da zwar nicht mit grellrotem Kunstblut geizt, ganz besonders gut jedoch veranschaulicht, über welche Kindergeburtstagsfeiern sich früher noch hocherrötend ereifert werden musste. Schön auch zu verfolgen, wie Wang Yu im deutschen Sprachraum als Markenname vom Schlage Bruce Lees etabliert werden sollte: Er erscheint im Titel, nimmt Regie und Protagonisteninterpretation für sich in Anspruch und behält der Einfachheit halber in der (alten) deutschen Synchronfassung gleich noch seinen Namen. Wie so häufig im Falle der alten Shaw-Prügel sollte diese sich nicht gemisst finden: Elmar Wepper, Christian Marschall, Hartmut Neugebauer - das sind Stimmen, deren Wandel auf dem schmalen Grat zwischen höchster Eleganz und veritablem Schmier noch heute immens verzücken!
Falls es (außer mir) wen interessiert: ich habe mir wegen des hier in vielerlei Hinsicht erfahrenen Spaßfaktors übrigens vorgenommen, im Laufe der nächsten Wochen viel mehr classic martial arts aufzufrischen und neu zu entdecken. Mal sehen, wie lange ich durchhalte...

8/10

Wang Yu Shaw Bros. China Duell Rache


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GRIZZLY (David Hackl/USA, CA 2014)


"Welcome home."

Grizzly (Red Machine - Hunt Or Be Hunted) ~ USA/CA 2014
Directed By: David Hackl

Nach einer siebenjährigen Gefängnisstrafe wegen Totschlags kehrt Rowan (James Marsden) in sein Heimatstädtchen zurück. Dort ist sein älterer Bruder Beckett (Thomas Jane) nach wie vor Deputy und schlecht auf Rowan zu sprechen. Doch dieser hat einen konkreten Grund, hier zu sein: Mary (Mariel Belanger), die Frau seines alten Kumpels Johnny (Adam Beach), hat ihn hergerufen, um ihr zu helfen. Johnny hat sich offenbar einer Gruppe Bärenwilderer angeschlossen, die bereits seit Tagen in den Wäldern verschollen sind. Der Grund dafür zeigt sich bald - ein riesiger Grizzly läuft Amok und tötet jeden Menschen, der ihm über den Weg läuft. Rowan und Beckett und auch der fanatische Bärentöter Douglas (Billy Bob Thornton) machen sich, zunächst alle unabhängig voneinander, auf den Weg in das undurchdringliche Waldstück 'Grizzly Maze', um den Killer unschädlich zu machen.

Ich bin ja ein Fan von Killer-Grizzlys seit William Girdlers bislang unerreichtem Original, das seinerseits eigentlich bereits ein Plagiat darstellte. Wo Girdler Spielbergs "Jaws" nacheiferte, wagt David Hackl doch tatsächlich das Unglaubliche und versetzt nach über 30 Jahren Michael Andersons ebenfalls sehr schönen "Orca" in das Milieu der Rocky Mountains. Der titelgebende Bär ist nämlich auf einem Rachefeldzug gegen das Raubtier Mensch, nachdem das böse Wilderer-Trio seine Gefährtin mitsamt ihren Jungen dahingeschlachtet hat. Und auch ein Pendant für Richard Harris gibt es: Billy Bob Thornton als eine Art Käpt'n Ahab unter den Grizzly-Jägern dieser Welt!
Angesichts der erwartbar immens löchrigen Story und der kostengünstigen Präsentation des Films (am Ende gibt es eine dermaßen beschissen aussehende CGI-Feuersbrunst, dass ich mich ernsthaft fragte, ob ich da lediglich eines workprint ansichtig war) mutet es schon recht unglaublich an, welch darstellerische Prominenz-Power dieses Abschreibungsobjekt veredelte: Neben den bereits Erwähnten finden sich noch die nach wie vor überaus ansehnliche Piper Perabo (in einer albernen Rolle als taubstumme Naturliebhaberin) und Scott Glenn ein; nicht zu vergessen der unverwüstliche Filmbär Little Bart, Nachfolger des gleichnamigen Originals, das zu seinem Lebensende eine exklusivere Filmographie auf dem pelzigen Nacken hatte als manch menschlicher Star. Dass diese selbst jedem Hollywood-Großprojekt zur Ehre gereichende, natürlich auch etwas überreife Besetzung ausgerechnet einem kleinen Tierhorrorfilm zur Verfügung stand, zeugt möglicherweise von einer neuerlichen Präambel-Verschiebung im Schauspiel-Karussel: "Man muss nehmen, was man kommt - auch wenn es stinkt, ein bisschen." (Helge Schneider)

5/10

David Hackl Tierhorror Bär Jagd Brüder


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MAN ON FIRE (Élie Chouraqui/ I, F 1987)


"Guys like us ain't got nobody in the world... but not us."

Man On Fire ~ I/F 1987
Directed By: Élie Chouraqui

Der frühere CIA-Mann Creasy (Scott Glenn) lebt nach unguten "Geschäftserfahrungen" nunmehr von der Hand in den Mund. Sein Kumpel David (Joe Pesci) organisiert ihm einen Posten im Personenschutz in der Nähe von Mailand. Er soll Samantha (Jade Malle), die zwölfjährige Tochter eines wohlhabenden Geschäftsehepaars (Paul Shenar, Brooke Adams) im Auge behalten. Aus dem zunächst unangenehmen Job wird eine Lebensaufgabe: als das Eis einmal geschmolzen ist, werden Sam und Creasy, beide einsame Seeleninsulaner, dicke Freunde. Als Sam dann von einer Gruppe übler Ganoven entführt wird, und Creasy schwer angeschossen wird, sieht dieser rot und schießt sich den Weg bis zu dem Mädchen frei.

Leider waren Scott Glenns spärliche Gehversuche im Genre nie von dem verdienten Erfolg gekrönt; während einige seiner eher muskulös physiognomierten Kollegen im reaktionären Actionfilm der Achtziger sich zumindest im B-Film-Sektor eine geregelte fanbase erwirtschafteten, blieben für den eher nachdenklichen Akteur bestenfalls Krümelreste übrig. "Man On Fire" bildete einen der wenigen Fälle, in denen Glenn für eine Hauptrolle vorgesehen war und diese mit seinem stillen Stoizismus dann ganz vortrefflich ausfüllte. Chouraquis Rachefilm ist vielleicht einer der finstersten seines Umkreises, er zeigt ein Kaleidoskop gebrochener Typen, deren Existenz wahlweise desolat oder bemitleidenswert verläuft. Wo sich zumindest für die beiden Protagonisten Creasy und Sam ein nicht ganz unproblematischer Ausweg in Form einer unerfüllbaren Vater-Sohn-Beziehung, möglicherweise auch einer unmöglichen Liebesgeschichte eröffnet, fährt bald die äußere Gewalt durch kriminelle Umtriebe dazwischen. Das Mädchen wird entführt, später andeutungsweise auch vergewaltigt und bleibt nach seinem offenbar nicht eben kurzem Martyrium psychisch verkrüppelt zurück; der bereits vorgeschädigte Profikiller kann zwar seine selbstauferlegte Mission, das Kind zu finden und zurückzuholen, erfüllen; jedoch nur um den Preis des rücksichtsloser Vigilanterie, die mit einigen Folterungen und Hinrichtungen einhergeht, ebenjenen Methoden also, denen er eigentlich längst abgeschworen hatte. Wie es mit den beiden weitergehen wird, bleibt offen; ein "geregeltes" happy end jedenfalls hält "Man On Fire" bewusst nicht bereit.
In seiner konsequent vorgetragenen Geschichte um sich schmerzlich erfüllende Zwangswege entpuppt sich der formal eher karge Film als ein kleiner, diskursiver Meilenstein des dunklen Actionthrillers, dem bis heute viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde und von dem ich mir endlich eine adäquate Heimedition wünsche.

8/10

Élie Chouraqui Freundschaft Mailand Italien Rache Kidnapping


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GRINDHOUSE (Robert Rodriguez, Quentin Tarantino/USA 2007)


"I never miss."

Grindhouse ~ USA 2007
Directed By: Robert Rodriguez/Quentin Tarantino

Aus Robert Rodriguez' und Quentin Tarantinos dereinst recht vollmundig angekündigtem "Grindhouse"-Projekt, das eine Hommage an das bereits im Titel postulierte "Kleinkunstkino" der siebziger Jahre darstellte, wurden zunächst die beiden Einzelsegmente "Planet Terror" und "Death Proof" destilliert und als eigenständige Arbeit des jeweiligen Regisseurs vermarktet. Gewinnmaximierung, ganz im Sinne jener liebevoll hofierter und karikierter Schmuddelreißer aus besseren Kinotagen. Die beiden solitär genossenen "Hauptfilme" (deren Reihenfolge innerhalb von "Grindhouse" selbst in umgekehrter Provenienz vielleicht etwas geschickter gewesen wäre, aber achronologische Durchmengung gehört ja zu Tarantinos kleinen Spezialitäten), die in ihren Einzelversionen jeweils mit einigen Szenen angereichert und gestreckt wurden, ergeben in ihrer Kompilation mitsamt all den hübschen Trailern ein deutlich passgenaueres Vergnügen. Diverse Darsteller, ja, sogar Charaktere wie der stets gern gesehene, vom zerknirschten Michael Parks gegebene Sheriff Earl McGraw, tauchen ja in beiden Filmen auf, was dem eigentlich intendierten venue sehr zuspricht. Einerseits muss man somit zwar auf Wohlgelittenes wie etwa den Lap Dance von Vanessa Ferlito verzichten, es bleibt einem jedoch auch geflissentlich störender Füllstoff erspart. Die Sinnfälligkeit des Ganzen, insbesondere die von Form und Präsentation jedenfalls erschließt sich zur Gänze erst im Double Feature, das ich den beiden Einzelbeiträgen stets vorziehen würde.

9/10

Robert Rodriguez Quentin Tarantino Texas Hommage Splatter Zombies Virus car chase Freundschaft Exploitation


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KILL BILL (Quentin Tarantino/USA 2003/04)


"That woman deserves her revenge and we deserve to die."

Kill Bill ~ USA 2003/04
Directed By: Quentin Tarantino

Beatrix Kiddo (Uma Thurman) gehörte einst der "Deadly Viper Assassination Squad" an, einer sechsköpfigen Gruppe von in fernöstlichen Tötungskünsten ausgebildeten Profikillern. Dieser steht Bill (David Carradine) vor, ein alternder, zynischer Amerikaner, der mit Beatrix eine Liaison pflegte bis zu dem Tag, als sie sich zum Ausstieg entschloss. Schwanger von Bill wollte sie ihrer Tochter ein Leben abseits ihres einstigen Milieus ermöglichen und suchte sich unter neuem Namen Tommy Plympton (Chris Nelson), einen Plattenladenbesitzer aus El Paso, als künftigen Ehemann und Ziehvater des Kindes aus. Der rachsüchtige Bill bekommt jedoch Wind von Beatrix' Plänen und überfällt sie mit dem Rest der Truppe bereits bei der Hochzeitsprobe. Vermeintlich tot und um das Leben des Babys gebracht verbringt Beatrix vier Jahre im Koma, während derer sie ein schmieriger Krankenpfleger (Michael Bowen) als willenloses Vergewaltigungsopfer feilbietet. Infolge eines Mückenstichs erwacht Beatrix nach dieser langen Zeit und begibt sich auf einen beispiellosen Rachefeldzug, an dessenen Ende sich Berge von von Leichen auftürmen und sie ihre kleine Tochter (Perla Haney-Jardine) doch noch in die Arme schließen kann.

Ich mag es ja. ohnehin Zusammengehöriges in einem Guss zu betrachten und soweit als möglich auch wahrzunehmen und zu bewerten. Im Falle "Kill Bill", der im Abstand von sechs Monaten in zwei Teilen mit den Untertiteln "Vol. 1" und "Vol. 2" ins Kino kam, erscheint mir diese Art der Rezeption als probat. Zwar scheinen die meisten Zeitgenossen nur allzu gern auf die Divergenz der beiden Segmente zu pochen, mich interessiert dies jedoch bestenfalls geringfügig. Sicherlich gibt es offenkundige Einzelheiten, die jedem der beiden volumes halbwegs eindeutig zuzurechnen sind: Der erste Film liebäugelt noch sehr viel mehr als der zweite mit ostasiatischen "traditionals": Zu Beginn kommt das altehrwürdige ShawScope-Logo, eines der Kapitel ist als Anime gestaltet, Sonny Chiba und Gordon Liu treten auf, es geht nach Japan und gegen eine Yakuza-Chefin (Lucy Liu) , die vormals zur Viper Squad gehörte. Fontänen von Blut und herumfliegenden Extremitäten im üblich gnadenlos überzeichneten Finale gemahnen an Vertraut-Klassisches wie die "One Armed Swordsman"-Reihe oder die "Kozure-Ôkami"- und "Goyôkiba"-Serials. Der zweite Film beinhaltet dann noch einen Rückblick, in dem Beatrix, die erst hierin ihren wahren Namen zurückerhält und vormals lediglich als "The Bride" firmierte, ihre kämpferische Ausbildung bei dem höhnisch-arroganten Meister Pai Mei (Gordon Liu in einem Zweitauftritt) begeht. Ansonsten führt sie ihr Weg nach Texas und Mexiko, wo sie den übrigen Schergen Bills begegnet, darunter seinem jüngeren Bruder Budd (Michael Madsen), dessen ehrloser Verzicht auf kämpferische Tradition sie am Dichtesten an die Schwelle des Heldinnen-Todes trägt. Sie wird lebendig begraben, kann sich jedoch durch eine von Pai Meis Techniken befreien. Eine weitere verleiht ihr zugleich die elementarste Handhabe, selbst mit dem Oberboss Bill fertig zu werden, der sich am Ende und recht zufrieden mit dem Verlauf der Ereignisse seinem Schicksal stellt.
Selbstredend kann "der eine" nicht ohne "den anderen" Film bestehen und es wird niemand ernstlich behaupten können, sich mit der Beschau des zuerst aufgeführten Teils, also unter Verzicht auf den inhaltlich komplexeren und wesentlich emotionaleren zweiten Film, zufrieden geben zu wollen. Tatsächlich haben beide ihre spezifischen, besonderen Vorzüge und decken im Prinzip das gesamte Spektrum tarantino'scher Interessen ab. Vol. 1 bietet subsummiert karnevalesken, von einem Maximum an Referenzen getragenen, knallbunten Intentionstrash, Vol. 2 legt dann mehr Wert auf leise Töne, zärtliche Tragik und jenes bisschen an Vulgärpsychologie, zu dem Tarantino eben fähig ist. Dem umfassenden Erlebnis der "ganzen, blutigen Affäre" trägt man allerdings einzig mit bedingungsloser Nahtlosigkeit adäquat Rechnung. Vier Stunden sollten sich dann auch hinreichend planungsaffin ausnehmen.

9/10

Quentin Tarantino Hommage Martial Arts Texas Profikiller Japan Okinawa Tokio Rache Splatter Mexiko


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JOHN WICK (Chad Stahelski/USA, CA, CN 2014)


"People don't change. Times do."

John Wick ~ USA/CA/CN 2014
Directed By: Chad Stahelski

Der frühere Superkiller John Wick (Keanu Reeves) hat sich aus dem Geschäft zurückgezogen, nachdem er seine Zukünftige Helen (Bridget Moynahan) kennengelernt hat. Diese stirbt jedoch schon nach wenigen Jahren Ehe an Krebs und John bleibt als Erinnerung ein kleiner Beagle-Welpe, den Helen ihm zum "Abschied" vermacht. Als John während einer Spritztour mit seinem Ford Mustang Iosef (Alfie Allen), der Sohn des John nicht unbekannten Gangsterbosses Viggo Tarasov (Michael Nyqvist) begegnet, will dieser ihm den Wagen abkaufen. Nach seiner Weigerung überfällt Iosef John in seinem Haus, tötet den kleinen Hund und raubt den Wagen. Der folgende Rachefeldzug führt John Wick gegen das gesamte Syndikat von Boss Tarasov...

Im Gefolge des "The Equalizer"-Revivals ein weiterer, höchst leichenreicher Actionfilm, in dem es ein Einzelgänger mit der Russenmafia aufnimmt und seine versierten Qualitäten als Killermaschine in voller Blüte zum Einsatz bringt. Nicht ganz so bärbeißig wie in Fuquas Film, dafür mit einem ausgereiften Gespür für visuell reiche Lokalitäten und Szenarien ist "John Wick" vor allem ein Film der Form. Die perfide Initiation der höchst effektiven Entfesselung von John Wicks Racheritus ist angesichts der wahrlich beeindruckend minutiösen Choreographie seiner diversen Nachtclub- und Disco-Schlachten schon bald vergessen und der Film damit ohne seinen eigentlichen Motor. Als hartes event und glamour movie mit feinen Ideen wie der, mitten in New York ein Hotel ausschließlich für im Einsatz befindliche Auftragskiller (mitsamt eigener Goldmünzen-Währung) zu platzieren oder John Patrick Kelly als allzeit bereiten Kopf eines Cleaner-Teams einzusetzen, wird "John Wick" noch so manchen Zuschauer zu begeistern wissen; unter seiner glattpolierten, hochglänzenden Oberfläche lässt sich derweil nicht viel mehr entdecken.

7/10

Chad Stahelski Profikiller Rache Russenmafia New York


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RESERVOIR DOGS (Quentin Tarantino/USA 1992)


"You ever listen to K-Billy's "Super Sounds of the Seventies" weekend? It's my personal favorite."

Reservoir Dogs ~ USA 1992
Directed By: Quentin Tarantino

Ein von dem Gangsterboss Joe Cabot (Lawrence Tierney) und seinem Sohn Nice Guy Eddie (Chris Penn) angeheuertes, aus sechs Gaunern bestehendes Team soll einen akkurat geplanten Diamantenraub vollführen. Doch die Sache läuft gehörig aus dem Ruder, weil einer der sich zuvor untereinander unbekannten Teilnehmer ein Undercover-Cop ist, der bereits im Vorhinein seine Leute zum Schauplatz des Verbrechens beordert hat. Nachdem der schießwütige Mr. Blonde (Michael Madsen) vor Ort ein Massaker angerichtet hat und bereits zwei der Ganoven, Mr. Blue (Eddie Bunker) und Mr. Brown (Quentin Tarantino) dran glauben mussten, treffen die Übrigen nach und nach am verabredeten Treffpunkt, einer Lagerhalle, ein. Mr. Orange (Tim Roth) hat einen Bauchschuss und verblutet langsam, derweil Mr. White (Harvey Keitel) und Mr. Pink (Steve Buscemi) die Sache halbwegs ruhig und überlegt überblicken. Als Mr. Blonde mit einem gekidnappten Polizisten (Kirk Baltz) auftaucht, wartet bereits die nächste Katastrophe...

Als Quentin Tarantinos erste Filme bei uns auftauchten, sprich "Reservoir Dogs" und der von ihm gescriptete "True Romance", war ich wie viele andere ein ausgemachter Fan des Mannes und himmelte seine Arbeiten an - für einen 17- bis 20-jährigen Kinogänger zu dieser Zeit ganz gewiss nichts Ungewöhnliches. Als ich dann zu studieren anfing und in jeder noch so abgewichsten Klitsche, in der sich eine Party abspielte, ein "Pulp Fiction"-Poster vorfand, erkaltete meine Bewunderung für diesen plötzlich zum langweiligen Salonthema avancierten Filmemacher und verwandelte sich in eine Art Ernüchterung; ich wollte ihn bestenfalls nurmehr nett finden und jedes ihm gewidmete Gespräch aus der Laienecke mit demonstrativem Gähnen quittieren. Tarantino als "everybody's darling", der dann auch noch von Hinz und Kunz plagiiert wurde - das gefiel mir, der ich mich Trends stets tapfer verweigert habe, ganz und gar nicht. Dass er mit "Jackie Brown" seinen, wie ich bis heute finde, stärksten Film vorgelegt hat und im Gefolge von "Hype Fiction" eigentlich alles genau richtig gemacht hat, war mir dann demonstrativ egal.
"Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction habe ich nach zuvor mitunter pathologischen Überdosierungen zum letzten Mal vor geschätzt fünfzehn Jahren gesehen und jetzt mal wieder Lust drauf bekommen. Zu ersterem darf ich schonmal sagen, dass er mich neuerlich begeistert konnte. Als einen ungeheuer frischen Film habe ich ihn just wieder wahrgenommen, voll von leidenschaftlichem fandom, angenehm exzessiv, getragen von einem unschlagbaren Narzissmus und, wenngleich betreffs seiner inszenatorischen Qualität weit hinter den meisten wirklich großen, klassischen amerikanischen Regisseuren liegend, als ein Musterexemplar seiner Gattung, dem längst selbst ein Platz im Olymp der nachwuchsinspirierenden Werke gebührt. Gewissermaßen schade angesichs dessen, dass Tarantino gezwungenermaßen zum Opfer seines eigenen Kults wurde - und es bis heute, ebenso gezwungenermaßen, geblieben ist.

9/10

Quentin Tarantino Ensemblefilm undercover Freundschaft Los Angeles Heist


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ONNA HISSATSU KEN (Kazuhiko Yamaguchi/J 1974)


Zitat entfällt.

Onna Hissatsu Ken (Die Karate-Tiger) ~ J 1974
Directed By: Kazuhiko Yamaguchi

In Hong Kong erfährt die Karate-Meisterin Koryu (Etsuko Shihomi), dass ihr verschwundener Bruder Mansei (Hiroshi Miyauchi) als Undercover-Agent für die Polizei gearbeitet hat. Koryu verfolgt Manseis Spur in übelste Rauschgifthändler-Kreise und stößt auf den Unterwelt-Boss Kakuzaki (Bin Amatsu), der sich Weltklasse-Kämpfer aller Couleur wie einen Privatzoo hält. An diesem muss Koryu erst vorbei, um sich zu Mansei, der in Kazuakis Verlies als gezüchtetes Heroinwrack dahinvegetiert, durchzuschlagen. Behilflich ist ihr dabei unter anderem der Shaolin-Meister Hibiki (Sonny Chiba).

Japanischer Karate-Irrsinn vom Feinsten, mitsamt 180-Grad-Kopfesverdrehung und herausquellendem Gedärm im Finale. Vorher schleppt sich "Onna Hissatsu Ken" hier und da etwas träge über die Runden, schließlich will ein Sinn erst installiert sein. Es gibt natürlich einstweilen auch viel zu lachen, wenn all die Superkämpfer vorgestellt werden, die da gegeneinander antreten - zum einen die zynischen, lichtscheuen Yakuza-Killer mit ihren duften Outfits und Spezialwaffen, zum anderen die Tempel-Schüler, die unter der Swastika des Glücks Nächstenliebe gepredigt bekommen und dass man nur kämpfen darf, um sich zu verteidigen (dann aber richtig, nämlich "wie ein Tiger"). Dass alles ist gerade so verrückt wie japanischer Sleaze der Mittsiebziger es eben zu sein hat und bereitet dementsprechend Vergnügen. Der zu englisch auch als "Sister Street Fighter" bekannte, und sich damit an die Chiba-Filme anlehnende Knaller hält zwar mit selbigen nicht ganz Schritt, langt aber immer noch ordentlich hin und, das Wichtigste, lässt die schwitzende, sich abrackernde Protagonistin als eine erscheinen, die es ernst meint.

6/10

Kazuhiko Yamaguchi Hong Kong Yakuza Martial Arts Japan Sleaze


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THE MASTER OF BALLANTRAE (William Keighley/USA 1953)


"I have a style of my own."

The Master Of Ballantrae (Der Freibeuter) ~ USA 1953
Directed By: William Keighley

Schottland, Mitte des 18. Jahrhunderts: Nach der verlorenen Schlacht bei Culloden irrt Bonnie Prince Charlie, jüngster Repräsentat des alten Königshauses der Stuarts, durch das Hochland, stets auf der Flucht vor den Regierungstruppen Georgs II. Unter den Edelleuten hat er jedoch nach wie vor viele Sympathisanten, so den Gutserben Jamie Durie (Errol Flynn), der als Partisan gegen die englischen Besatzer kämpft, jedoch bald selbst zur Flucht gezwungen ist. Zusammen mit dem Iren Burke (Roger Livesey) glaubt Jamie sich irrigerweise von seinem jüngeren Bruder Henry (Anthony Steel) verraten und gerät über Umwege zu den Westindischen Inseln, wo er sich mitsamt seinem Freund bald mitten im Piraten-Milieu wiederfindet. Zusammen kapert man eine spanische Galeone und reist zurück in die Heimat, um die offenen Rechnungen zu begleichen.

Farbenprächtiges Flynn-Vehikel, das den langsam doch älter werdenden und vor allem infolge seiner privaten Exzesse etwas aufgedunsen wirkenden Hollywood-Charmeur durch seine Atelier-Kulissen jagt. Nicht ganz so berauschend wie der kurz zuvor entstandene "Against All Flags" führt Flynns jüngster Brot- bzw. Whiskey-Erwerb ihn neuerlich zumindest behauptet in sonnige Gefilde, sprich die Karibik. Hier erhält der von daheim Vertriebene und sich verraten glaubende Gentleman die Chance, Manneserfahrungen zu sammeln, indem er einen alten, versoffenen Piratenkapitän (Charles Goldner) aufs Kreuz legt und einen anderen, zudem eitlen, französischen Gecken (Jacques Berthier) im Fechtzweikampf in die Schranken weist. Das alles funktioniert natürlich wie am Schnürchen, so dass die Erzählzeit nicht überstrapaziert wird und Jamie Durie flugs wieder diesseits des Atlantiks zurückfindet. Dort wird dann noch ein par Rotröcken gepflegt der Hintern versohlt, das schwelende, brüderliche Missverständnis aufgeklärt und - geheiratet! Alles wieder im Lot nördlich des Hadrianswalls. Oder zumindest im hauseigenen Umfeld.

7/10

William Keighley Schottland Historie Karibik Piraten Seefahrt Widerstand period piece Brüder Freundschaft Rache Jack Cardiff


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SHAO LIN SAN SHI LIU FANG (Chia Liang Liu/HK 1978)


Zitat entfällt.

Shao Lin San Shi Liu Fang (Die 36 Kammern der Shaolin) ~ HK 1978
Directed By: Chia Liang Liu

Der in Kanton herrschende Mandschuren-Despot Tien Ta (Lo Lieh) knechtet das Volk nach persönlichem Gutdünken und erstickt jede Rebellion schon im Keim. Zu seinen Opfern zählt auch die Familie des Studenten San Te (Gordon Liu), der zu einem abgelegenen Shaolin-Kloster aufbricht, um dort die Kunst des Kung Fu zu erlernen und die erworbenen Kenntnisse in seiner Heimat weiterzugeben. Mithilfe einer solch schlagkräftigen Truppe plant er, Tien Ta zu entmachten. Zunächst jedoch muss San Te selbst die weisen Lehren Buddhas begreifen und sich zahlreichen Prüfungen stellen. Nach einigen Jahren und zum Ende seiner Ausbildung bricht er dann wieder heimwärts auf, um seine selbstauferlegte Mission zu verwirklichen.

Disziplin noch und nöcher - ist schon toll, wenn man solchen Ehrgeiz bemühen, Verzicht üben und sich zu einer drahtigen Kampfmaschine mit perfekter Technik stählen kann. Hat jeder meinen Segen, der sich das antun will, auch und vor allem Gordon Liu, der sich mit dem nötigen Charisma durch diesen "Ausbildungs"-Film wurschtelt. Einige der abzulegenen Exerzizien machen einen schon beim bloßen Zuschauen mürbe, so dass man ganz froh ist, fett und faul auf der Couch liegen und Pils trinken zu können, derweil andere sich abrackern auf der Suche nach wahrer Erleuchtung. Auch wenn der ganz bestimmt gut gemeinte philosophische Überbau des Films, von dem immer geringer werdenden Rache-Motiv einmal abgesehen, mich nicht kratzte, muss ich Chia Liang Lu doch zugestehen, einen mustergültigen Job gemacht zu haben. "Shao Lin San Shi Liu Fang" enthält sich unnötiger Albernheiten und verfolgt straight seinen Kurs, in netten Kulissen, mit schönen Kostümen und Leuten, die ihr Handwerk in jeder Hinsicht verstehen.

8/10

Chia Liang Liu Martial Arts Shaw Bros. Shaolin period piece