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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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EXECUTIVE DECISION (Stuart Baird/USA 1996)


"Colonel, were not gonna make it!" - "You are!"

Executive Decision (Einsame Entscheidung) ~ USA 1996
Directed By: Stuart Baird

Unter dem Vorwand, seinen Kompagnon Jaffa (Andreas Katsulas) freizupressen, entführt der Terrorist Nagi Hassan (David Suchet) eine Passagiermaschine von Athen nach Washington D.C.. Tatsächlich plant Hassan jedoch, den Flieger über der Hauptstadt abstürzen zu lassen und somit eine an Bord versteckte, riesige Menge Nervengas freizusetzen, die große Teil der Ostküste verseuchen würde. Der Terrorbekämpfungsexperte Austin Travis (Steven Seagal) mit seinen Männern sowie der CIA-Analytiker David Grant (Kurt Russell) wolle sich über ein kompliziertes Andock-Manöver in der Luft an Bord des Jets schmuggeln und Bombe und Terroristen lahmlegen. Der Plan jedoch geht geflissentlich schief, Travis kommt ums Leben und der in Feldaktionen unerfahrene Grant muss mithilfe der nunmehr führungslosen Gruppe von Seals, der Stewardess Jean (Halle Berry) sowie dem Techniker Cahill (Oliver Platt) versuchen, die verfahrene Situation zu retten.

Einer der besten Genrebeiträge der Neunziger, der angesichts seiner traditionsbewusst-handgemachten und trotz des spektakulären Sujets nie über Gebühr albern wirkenden Inszenierung selbst den meisten aktuellen Actionfilmen noch eine lange Nase zu drehen vermag. Der vornehmlich als Cutter tätige Stuart Baird hat im Falle "Executive Decision" wirklich alles richtig gemacht: Zum Einen werden klassische Werke der Gattung wie "The Delta Force" eingehend zitiert und erfahren eine schöne Ehrerbietung, zum anderen ist dieser mit Herz und Seele abgefasste Film durch eine unablässige Verkettung von Suspense-Elementen, die sich in erster Linie darauf rekurrieren, dass die heimlich an Bord befindlichen Retter nicht von den Terroristen entdeckt werden, so unglaublich spannend und straff, dass die knapp 130 Minuten Laufzeit einem kaum halb so lang erscheinen. Ferner halte ich den Einfall, Seagal dem Heldentod zu überantworten, bevor es überhaupt richtig losgeht und stattdessen den als Salonlöwen eingeführten Krawattenträger Russell, der sich zudem erst den nötigen Respekt von Travis' Crew erwirtschaften muss, den Tag retten zu lassen, immer noch für pures Ideengold.

9/10

Stuart Baird Terrorismus Kidnapping Luftfahrt Flugzeug


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LAST MAN STANDING (Joseph Merhi/USA 1995)


"I got 100 Dollars here!"

Last Man Standing ~ USA 1995
Directed By: Joseph Merhi

Detective Bellmore (Jeff Wincott) vom LAPD nimmt den Bankräuber Snake Underwood hops und wundert sich, dass dieser nach nur wenigen Stunden wieder ungefilterte Luft schnuppern kann. Bellmore wittert Korruption in der Chefetage, nominell bei seinen Vorgesetzten Seagrove (Steve Eastin) und Demayo (Michael Greene). Nicht zu Unrecht - eine öffentlich geäußerte Anschuldigung später verursacht Seagrove den Tod von Bellmores Partner Doc (Jonathan Banks) und auch Bellmore selbst steht plötzlich auf der Abschussliste. Zusammen mit seiner kaum minder waffenaffinen Frau Annabella (Jillian McWither) taucht Bellmore zunächst unter und arbeitet dann die gegnerische Seite Mann für Mann ab...

Pepin-Merhi waren und sind seit jeher eines meiner großen Versäumnisse, darum wollte ich wenigstens mal eines ihrer sagenumwobenen Werke beschauen Wie es aussieht, habe ich da mit der DTV-Produktion "Last Man Standing" sogleich einen überragenden Glücksgriff getan, denn Joseph Merhis Film offenbarte sich mir als mehr denn solides Genrestück, das eigentlich viel zu lang auf mich warten musste. Warum kann man "Last Man Standing" mögen, wenn nicht gar lieben? Nun, dafür gibt es mehrere Gründe; etwa den, dass der schlangenlederstiefelbewährte Jeff Wincott, untypisch für einen geschniegelt-definierten Action-Heros Mitte der Neunziger, in jeder dramaturgischen Ruhepause eine Kippe raucht. Dann ist da ein vortrefflicher Sinn für Humor, der, ob frei- oder unfreiwillig, immer wieder ins Schwarze trifft. Merhi schien zudem der Pennergilde von L.A. ein kleines Denkmal bereiten zu wollen, denn in gleich zwei Szenen hat einer von ihnen (mutmaßlich ein authentischer) einen irrwitzigen Auftritt. Die Actionszenen sind mit diversen Explosionen und Auto-Crashs recht spektakulär ausgefallen, an der Montage hätte man allerdings noch arbeiten können. Nichtsdestotrotz ein wie erwähnt schnuckeliger Nineties-Actioner, der sogar zum Dekaden-Kanon gezählt werden müsste; hinreichend brutal, verschmitzt und nicht mal unintelligent.

7/10

Joseph Merhi Pepin-Merhi DTV Los Angeles Verschwörung Korruption Rache


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YOU'RE NEXT (Adam Wingard/USA 2011)


"I wanna meet your family."

You're Next ~ USA 2013
Directed By: Adam Wingard

Die australischstämmige Erin (Sharni Vinson) freut sich, endlich die wohlhabende Familie ihres Galans Crispian (AJ Bowen), den sie als Dozenten an der Uni kennen und lieben gelernt hat, zu treffen. Doch das umfangreich aufgetragene Diner im heimischen Herrenhaus, zu dem auch Crispians Geschwister mit ihren LebensgefährtInnen geladen sind, wird jäh gestört: Eine Gruppe Meuchelmörder mit Tiermasken greift die Gesellschaft mit Machete, Axt und Armbrust an und schickt einen nach dem anderen von ihnen ins Jenseits. Womit niemand rechnet: Erin hat einst im Outback ein hartes Survival-Training durchlaufen und erweist sich in dieser Krisensituation als gnadenlose Überlebenskünstlerin.

Ein Plot, der nicht ganz von ungefähr an Agatha Christies "Ten Little Indians" erinnert und auch in seiner conclusio stark an die klassische Kriminalromancière gemahnt, verpackt in einen Wingard gemäßen, harten Terrorfilm mit deutlichen Action-Anleihen. An sich setzt "You're Next" dem bereits hinreichend ausgeschöpften Subgenre der 'home invasion'-Thriller wenig Neues hinzu und die Atmosphäre nimmt sich niemals so bedrohlich aus wie bei den in dieser Hinsicht teils sehr viel nachhaltigeren Traditionswerken. Die Tiermasken des gedungenen Killertrios sind zwar eine knorke Idee zur Publikumsverunsicherung, wenn dann jedoch einmal die unspektakulär humanen Individuen darunter offenbart wurden, verpufft rasch der letzte Hauch des Mysteriösen. Abseits davon präsentiert sich Wingards Film als von einem gesunden Sarkasmus geprägt, von immenser visueller Härte (die mich ein ums andere Mal staunen ließ, dass er ungeschnitten mit einer FSK-Freigabe davon gekommen ist) und für Gernhaber moderner Qualitätsgenreware ungezügelter Gangart geradezu verpflichtend.

8/10

Adam Wingard Home Invasion Belagerung Terrorfilm Slasher Splatter Nacht


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SAVAGE DAWN (Simon Nuchtern/USA 1985)


"Good to have you here again."

Savage Dawn (Die Hyänen - Einer muss sie jagen) ~ USA 1985
Directed By: Simon Nuchtern

Zeitgleich mit dem umherreisenden Einzelgänger und Kriegsveteranen Stryker (Lance Henriksen) tauchen die 'Savages', eine Bande marodierender Rocker unter ihrem Vorsitzenden Pigiron (William Forsythe) in einer Kleinstadt in Nevada auf. Nachdem der Sheriff (Leo Gordon) einen der Randalierer (Mickey Jones) inhaftiert, entbrennt ein Kleinkrieg zwischen Bürgern und Rockern, den schließlich Stryker entscheiden muss.

Fast wie absurdes Theater wirkt Nuchterns entfesselte Trash-Action rückblickend. Durchaus prominent besetzt mit einer ganzen Latte bekannter Genre-Gesichter, an deren Besetzungsspitze der in dieser Zeit überall anzutreffende (und bis dato nicht tot zu kriegende) George Kennedy genannt wird, obwohl er eigentlich bloß als 'hero's best friend' antritt. Aber so war das damals; der kantige Heldenkopf Henriksen, etwa parallel zu "Savage Dawn" als tapferer Android Bishop in Camerons "Aliens" am Start, hier wiederum als 'Stryker' - ein verpflichtender Name -, musste sich mit Platz 5 der Credits-Liste begnügen. Vor ihm noch Richard Lynch als geiler Pfaffe und Karen Black als Thekenschlampe, die wiederum zusammen von Deodatos "Inferno In Diretta"-Set herübergejettet sein könnten. "Savage Dawn" lebt irgendwie von diesen kleinen, teils sicherlich der regen Rezipientenphantasie geschuldeten Analogien und Anekdötchen, da er kaum mehr bewerkstelligt, denn irgendwo auf einem einzigartigen, schmalen Grat zwischen zeitgenössischem Endzeit-Kino, Siebziger-Jahre-Rocker-Paraphrase und Jodorowsky-Surrealismus zu wandeln. Ein wunderbar matschbirniger Streifen, der für den wahren Achtziger-Chronisten unverzichtbar sein dürfte.

5/10

Simon Nuchtern Rocker Nevada Kleinstadt Independent Trash


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ENEMIES CLOSER (Peter Hyams/CA, USA 2013)


"I hate guns."

Enemies Closer ~ CA/USA 2013
Directed By: Peter Hyams

Ein aufregender Tag für den Ex-Marine und eine Insel im kanadischen Grenzgebiet betreuenden Park Ranger Henry (Tom Everett Scott): Erst lernt er eine schöne Wildanglerin (Linzey Cocker) kennen, die ihm eindeutige Avancen macht, dann kommt Clay (Orlando Jones), der Bruder von einem von Henrys gefallenen Freunden, auf Henrys Insel um dessen Tod zu rächen. Schließlich sucht der halbirre Gangsterboss Xander (Jean-Claude Van Damme) nach einem im See abgestürzten Flugzeug, das eine große Heroinlieferung an Bord hatte und macht mächtig Rabatz.

Peter Hyams ist im Gegensatz zu früher ja ein nurmehr sehr spärlich zu Werke gehender Filmemacher. Mit "Enemies Closer", seiner ersten Regiearbeit seit vier Jahren, kooperierte er (sieht man von seiner Arbeit als dp für Sohn John ab) zum dritten Mal mit Van Damme nach "Timecop" und "Sudden Death" zusammen. Diesmal ist der Belgier als Antagonist zu sehen und übernimmt dabei ironischerweise einen ganz ähnlichen Part wie seinerzeit Powers Boothe in "Sudden Death": Eher grotesk gezeichnet ist der gewalttätige Xander ein Öko-Psychopath, der vornehmlich mit bloßen Händen oder Stichwaffen zu Werke geht, um die Schadstoff-Emissionen des Schießgeräts zu vermeiden und sich jedermann als 'Veganer' vorstellt. Mit krauser Wirrfrisur Marke Einstein sieht JCVD dazu noch extra verschroben aus. Antreten muss er als Bösewicht gegen ein zur Teamarbeit gezwungenes Buddy-Duo, das sich ursprünglich gegenseitig an die Kehle wollte und nur gemeinsam gegen Xander bestehen kann. Das in Teilen wiederum an "Die Hard" angelehnte Szenario um eine Gruppe Krimineller, die ein friedliches, abgeschottetes Territorium infiltriert und gewaltsam 'entweiht', ist altbekannt, jedoch mit schmissigen Action- und Zweikampf-Sequenzen angereichert, die inmitten der sich audiovisuell immer irrwitziger gestaltenden Genrekultur beinahe rührend altmodisch anmutet.

7/10

Peter Hyams Rache Drogen


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ESCAPE PLAN (Mikael Håfström/USA 2013)


"Du bist der Deufel!"

Escape Plan ~ USA 2013
Directed By: Mikael Håfström

Der Ex-Staatsanwalt Ray Breslin (Sylvester Stallone) hat sich mittlerweile zum führenden Tester für Gefängnissicherheit gemausert. In cognito lässt er sich in die großen Hochsicherheitsanstalten der USA einweisen, um dann mittels seiner stets erfolgreich verlaufenden Ausbrüche deren Schwächen aufzuzeigen. Sein neuester Job führt ihn in einen semilegalen Superknast namens 'Das Grab'. Unversehens wird Breslin jedoch zum Opfer einer Verschwörung und landet als wirklicher Insasse ohne den üblichen Evakuierungscode in jenem Komplex, der ausgerechnet unter emsigster Verwendung von Breslins Aufzeichnungen konstruiert wurde. Im 'Grab' lernt er dann Emil Rottmayer (Arnold Schwarzenegger) kennen, der sich als wertvoller Partner für Breslins kommende Ausbruchspläne erweist.

Nach den beiden Happening-Spektakeln "The Expendables" und "The Expendables 2" erfolgt nun mit "Escape Plan" also wirklich das, was anno dunnemals unsere feuchten Jungsträume beherrschte und zumindest ehedem physikalisch unmöglich schien: Stallone und Schwarzenegger als gleichberechtigte Protagonisten in ein- und demselben Film! Was wir damals eben nicht auf dem naiven Plan hatten, war die Tatsache, dass auch diese beiden virilen, unzerstörbar und vor allem ewig in Form scheinenden Muskelpakete dereinst Falten werfen und unter anderen höchst sterblichen Begleiterscheinungen wie Runzeln, Altersflecken und grauem Haar leiden würden. Auf ihrem Popularitätszenit lebten die beiden ja davon, dass sie, wie bei einem Bodybuilding-Contest, ihre öffentlichkeitswirksam inszenierte Rivalität zur Schau stellen und zeitweilig sogar in thematisch oder zumindest titulär parallel gelagerten Konkurrenzproduktionen gegeneinander antreten konnten. Für uns damals als zwölf-, dreizehn-, vierzehnjährige VHS-Fresser (wobei ich manche Eskapaden dank Geleit meiner lieben Mama schon damals im Kino genießen durfte) war das Gang, Gebe und Weltgeschlossenheit. Undenkbar die Tatsache, diese beiden Testosteron-Schleudern vereint auf Leinwand oder Mattscheibe anhimmeln zu dürfen.
Doch heute, da sind sie alt und insofern respektiert und dennoch irgendwie belächelt, diese zwei Opas mit ihren stark geäderten Faltenarmen und roten Puterhälsen. Selbstironie und -reverenz gehört mittlerweile zu ihrem Tagesgeschäft, bei Politikversager Schwarzenegger zwangsläufig noch deutlich mehr als bei seinem Freund Stallone. Das in jeder Beziehung einleuchtendste kommerzielle und popularitätsschürende Fazit dieser Entwicklung musste ein Team-Up sein, schon allein deshalb, weil eine globale Generation Enddreißiger und Frühvierziger ihnen (insgeheim) noch immer treu ist und besagte Feuchtträume sich endlich erfüllt finden würde.
Das Resultat ist, mit wenigen Anstrichen, erfreulich. Die Senioren spielen altersgemäße Rollen in einem sauberen Genrefilm, der ohne megalomanisch zu versagen in ähnlicher Form durchaus auch zu den Hochphasen seiner Hauptdarsteller hätte entstehen mögen. Futuristische Ausbruchsfilme wie "Fortress" und "No Escape" datieren ja in jenen Zeiten, insofern passt's. Vor allem Schwarzenegger reüssiert, sein Einzelhaft-Ablenkungsmanöver, im Zuge dessen er (im Orginal) österreichisch parliert, ist sogar phantastisch. Wie einige andere Gags, die gepflegt und nie selbstherrlich wirken wie in den "Expendables"-Filmen. Gut, Arnies finaler Griff zum Maschinengewehr, von Håfström wie eine erlösende Abfuhr nach eineinhalbstündiger Verstopfungsqual inszeniert, muss dann doch der Albernheit in Erwartung dumpfer Publikumsovationen stattgeben, aber sei's drum: der Erzrepublikaner als kosmopolitisch agierender Robin Hood, der bei Bedarf die Hochfinanz kollabieren lassen kann - diese fast subversive Idee macht vieles wieder wett. Jetzt aber bitte wieder weg vom Event und jeder zurück zum persönlichen Schwanengesang (in zwanzig Jahren).

8/10

Mikael Håfström Gefängnis Freundschaft Schiff


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WHAT WAITS BELOW (Don Sharp/UK 1985)


"This can't be human."

What Waits Below (Das Geheimnis der Phantom-Höhlen) ~ UK 1985
Directed By: Don Sharp

Der in Mittelamerika tätige Söldner Rupert 'Wolf' Wolfsen (Robert Powell) wird nach Belize gerufen, um dort eine aus Höhlenforschern und Militärs bestehende Gruppe zu unterstützen. Man will in Vorarbeit für ein globales Manöver einen Sender in einem riesigen Höhlenkomplex installieren und benötigt dafür die Sprengerfahrungen Wolfsens. Doch in den Höhlen lauert eine unbekannte Gefahr in Form von lichtscheuen, aggressiven Wesen, die offenbar bereits vor Äonen von den Sternen kamen, hier gestrandet sind und sich unter der Erde in albinöse Kreaturen mit primitiver Sozialordnung zurückverwandelt haben.

Don Sharps letzte Arbeit fürs Kino ist, man kennt das bereits durch etliche andere Beispiele, nicht der große Abgesang, der sie sie eigentlich hätte sein müssen. Der zumindest betreffs seiner Grundprämisse ein wenig an die Quatermass-Storys erinnernde Plot erweist sich als zu wenig ergiebig, um daraus einen tragfähigen B-Film machen zu können. Alles ist ein wenig seltsam - ein aus dem Stein kommendes, riesenwurmartiges Monster mit Fangzähnen markiert da noch den schicksten Einfall. Design und Gebahren der im Abspann als 'Lemurians' bezeichneten, schlohweißen Gesellen, die infolge ihres beschränkten Genpools vermutlich inzestuös derangiert sind, liebäugelt ein wenig mit dem der Morlocks aus Pals "The Time Machine", wobei die dann doch noch eine gute Portion hässlicher waren. Der Einfall, die Lemurians mittels Walgesängen kommunizieren zu lassen, entpuppt sich als Mixtur aus albern und innovativ - ich konnte mich bis dato noch nicht recht entscheiden. Den SciFi-Subplot, der den Hinweis darauf gibt, dass die albinösen Grottenolme tatsächlich Aliens sein müssen (man findet eine verrostete Raumschiff-Armatur) und dem Film damit einen überflüssigen von-Däniken-Touch mitgibt entzaubert das Ganze redundanterweise ein wenig. Mediokres Genre-Entertainment von einem einstmals zuverlässigen Handwerker, der seine großen Zeiten spürbar lang hinter sich hat.

5/10

Don Sharp Aliens Mutanten Höhle Belize Freddie Francis


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THE DEVIL-SHIP PIRATES (Don Sharp/UK 1964)


"He's still alive." - "Throw him overboard then!"

The Devil-Ship Pirates (Die Teufelspiraten) ~ UK 1964
Directed By: Don Sharp

1588: Nachdem die englische Seeflotte die Armada im Ärmelkanal erfolgreich schlagen konnte, rettet sich der schwer beschädigte, kleine Schoner 'Diablo' an die britische Küste. Was der mitreisende Don Manuel Rodriguez de Sevilla (Barry Warren) nicht weiß, ist, dass Capitano Robeles (Christopher Lee) und seine Mannen eigentlich Piraten sind, die zum Kriegsdienst gegen Elizabeth gepresst wurden. Nachdem Robeles kurzerhand desertiert, überfällt er das nächstliegende Dorf und macht sich die Unwissenheit der Bewohner zunutze, indem er Don Manuels zuvor gestreutes Gerücht, Philips Armada sei siegreich gewesen, ausnutzt. Harry (John Cairney), der Sohn des örtlichen Schmieds Tom (Anrew Keir), rebelliert gegen den grausamen Robeles und bekommt schließlich Hilfe von Don Manuel.

Der letzte Piratenfilm der Hammer ist nach meinem persönlichen Empfinden zugleich der gelungenste: Die kleinen Nachlässigkeiten der Vorgänger, die vornehmlich darin bestanden, ihre begrenzten production values zu kaschieren, fanden sich nunmehr ausgeräumt; die Geschichte, clever installiert von Jimmy Sangster und sorgsam inszeniert von Don Sharp, bleibt geschickterweise auf eine vergleichsweise übersichtliche Lokalität begrenzt, ohne dass es notbehelfend-forciert wirkt. Aus dem Widerstreit der englischen Provinzler gegen die üblen Seeräuber unter Captain Robeles wird ein kriminalistisches Kammerspiel, dass sogar bestimmende Elemente späterer home-invasion-movies vorwegnimmt - eine Gruppe anarchischer Gewaltverbrecher schneidet einen ohnehin abgelegenen Flecken von der Außenwelt ab und spielt sich hernach als Mini-Usurpatoren mit zunehmend bösartigen Besitzansprüchen auf. Zum Glück gibt es bei Hammer jedoch stets den jugendhaften Heroen, der, wenngleich unter herben privaten Verlusten, mit der Übermacht fertig wird. Großes Abenteuer in einem kleinen, feinen Film.

8/10

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NO MERCY (Richard Pearce/USA 1986)


"Every hooker's got a hard luck story."

No Mercy (Gnadenlos) ~ USA 1986
Directed By: Richard Pearce

Weil man ihm sein hauseigenes Liebchen Michele (Kim Basinger) wegschnappen will, macht sich der Cajun-Gangster Losado (Jeroen Krabbé) höchst persönlich von Louisiana nach Chicago auf, um seinen Nebenbuhler Paul Deveneux (Terry Kinney) vom Angesicht der Erde zu tilgen. Durch Zufall schlittern auch die beiden Cops Eddie Jilette (Richard Gere) und Joe Collins (Gary Basaraba) in die Angelegenheit hinein. Joe wird ebenso wie Deveneux getötet, Jilette verfolgt Losado und Michele bis nach New Orleans, findet die Schöne dort und flieht mit ihr in die Sümpfe. Doch Losado, der große Teile der hiesigen Justiz in der Tasche hat, lässt sich auch davon nicht aufhalten. Mit der inoffiziellen Autorisierung seines Chefs (George Dzundza) und persönlich entflammter Liebe zu Michele macht Jilette schließlich dem brutalen Verbrecher nach hartem Kampf den Garaus.

Zwei der schönsten Hollywood-Stars der Achtziger fanden hier zum ersten und einzigen Mal zusammen, in einem Genrefilm, der große Teile der Gattungshistorie wie aus einem Bausatz plündert und neu zusammenfügt und der schon allein durch die ätherischen Physiognomien der beiden Hauptdarsteller märchenhaft anmutet, ohne jemals echte Originalität oder Eigenständigkeit vorweisen zu können. Gere und Basinger in den besten Jahren - allein das kam einem Versprechen für beiderlei Geschlechter gleich. New Orleans nebst den Sümpfen von Louisiana als zentrallokaler Dreh- und Angelpunkt gaben ja stets eine beliebte Kulisse für Menschenjagden und Verfolgungsszenarien ab; zusätzlichen Zunder erhält das ohnehin erotisch aufgeladene Szenario dadurch, dass Gere und Basinger aneinander zwangsgekettet sind und gar nicht anders können als sich, trotz wechselseitiger Abschätzigkeiten, ineinander zu verknallen. Dabei fangen damit die Probleme erst an. Krabbé - in diesen Jahren häufig in internationalen und Hollywood-Produktion zu Gast und dann zumeist als Antagonist, ist einer der bösesten Bösen des Jahrzehnts. Erst seine lauernde, bedrohliche Aura verleiht "No Mercy" den nötigen Pfiff, denn jeder vernünftige Actionthriller steht und fällt mit seinem Schurken.

6/10

Richard Pearce Chicago Louisiana New Orleans Sumpf Duell Rache Südstaaten


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CANICULE (Yves Boisset/F 1984)


"Shit."

Canicule (Dog Day - Ein Mann rennt um sein Leben) ~ F 1984
Directed By: Yves Boisset

Nach einem missglückten Banküberfall in einer französischen Stadt, bei dem er von seinem Partner Snake (Pierre Clémenti) hintergangen wird, flüchtet der amerikanische Bankräuber Jimmy Cobb (Lee Marvin) mitsamt der Beute vor dem ihn verfolgenden Polizeiaufgebot in die sommerliche Provinz. Dort gerät er an eine dysfunktionale Bauernfamilie, die ihm zusätzlichen Stress verschafft, da jeder einzelne von ihnen schwer gestört ist und eigene Pläne verfolgt. Bald wissen auch Cobbs verbliebene Partner, wo er sich versteckt hält und es kommt zu diversen Konfrontationen.

Der vorvorletzte Film, den Lee Marvin mit seiner Präsenz adelte (vor dem ersten "Dirty Dozen"-Sequel und "The Delta Force") setzt ein spätes Highlight in seinem ohnehin glänzenden Schaffen. Als US-Gangster in Frankreich, dessen 'Spezialität' es ist, seinen Gegnern die Kniescheiben wegzuschießen, gerät er an etwas, mit dem selbst er niocht fertig werden kann, an westeuropäische Land-Idiotie nämlich. Auf dem durchaus imposanten Hof, auf dem er nach anstrengender Flucht strandet, erwarten ihn der sexgierige, versoffene Patriarch Horace (Victor Lanoux), dessen nicht minder versoffener Bruder Socrate (Jean Carmet), Horaces Frau Jessica (Miou-Miou), deren unehelicher Sohn Chim (David Bennent), die haltlos nymphomanisch veranlagte Ségolène (Bernadette Lafont), die alte Haushälterin Gusta (Muni), sowie zwei afrikanische Landknechte (Joseph Momo, Mohamed Bekhtaoui) - ein böses, verzerrtes Spiegelbild der zeitgenössischen französischen Gesellschaft, durch die Bank verdorben und verrückt. Besonders gegen Jessicas durchtriebene Pläne (ohnehin wirkt die ebenso kluge wie schöne, stilbewusste Frau wie ein Fremdkörper unter all den Hinterwäldlern) hat Cobb keine Chance. Zu David Bennent, diesem seltsam faszinierenden Kindmann, der einen jeden Film schon durch seine bloße Anwesenheit mystisch auflädt: extraordinaire, comme toujours.
Boisset ist ein kleines, schmutziges Meisterwerk zwischen Kunst und Sleaze geglückt, dessen prononciert-grotesker Erzählfarbe sicherlich auch ein Jeunet oder Kusturica manches verdanken.

9/10

Yves Boisset Sommer Flucht Familie Groteske