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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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PROGRAMMED TO KILL (Allan Holzman, Robert Short/USA 1987)


"First napalm, then Agent Orange and now this!"

Programmed To Kill (Retaliator) ~ USA 1987
Directed By: Allan Holzman/Robert Short

Nachdem eine arabische Terrorgruppe um die eiskalte Killerin Samira (Sandahl Bergman) zwei amerikanische Kinder entführt, ist es an dem Spezialisten Eric Mathews (Robert Ginty), die Sache wieder ins Lot zu bringen. Mathews kann die Kinder befreien und Samira ausschalten, wird jedoch selbst schwer verwundet. Zurück in den USA findet Mathews, halbwegs wiedr genesen, Unglaubliches heraus: Eine für die Regierung arbeitende Firma unter der Leitung von Dr. Brock (James Booth) hat Samiras Körper zu einer superstarken, programmierbaren Kampfmaschine umoperiert und will sie nun gegen ihre alten Verbündeten einsetzen. Doch kurz nach dem Einsatz brennen ihr die Sicherungen durch und Samira wendet sich gegen ihre "Schöpfer" - wozu sie im weiteren Sinne auch Mathews zählt...

Die CIA und der Scheiß, den sie im internationalen "Berater- und Interventions-"Geschäft so baut, ist Gegenstand vieler Genrefilme der achtziger Jahre. Dazu gehört auch "Programmed To Kill", der Knautschgesicht Robert Ginty und die androgyne Körperfrau Sandahl Bergman kombiniert, leider nicht in romantischer Hinsicht, sondern als erbitterte, sich gegenseitig jagende Feinde.
Eric Mathews ist zwar ein Handlanger des amerikanischen Weltpolizei-Apparats, immerhin jedoch einer, der das Denken nicht ganz verlernt hat und dessen Frau (Louise Caire Clark) und Sohn (Paul Walker) trotz gravierender Bedenken Erics Sicherheit betreffend, hinter ihm stehen. So zeichnet sich dann auch ab, dass der Fall 'Samira' der vorläufig letzte sein wird, für den Mathews in die Bresche springt.
Samira indes vereint in sich genau jenen unbändigen Hass und todbringenden Fanatismus, den der Westen nach wie vor hinter jedem orientalischen Gotteskrieger vermutet. Vor allem die Tatsache, dass sie als Frau recht weit oben in der Führungshierarchie ihrer Gruppe agiert, macht sie dabei unberechenbar und zu einer überaus interessanten Figur innerhalb der erweiterten Genre-Genealogie.
Natürlich verkneift sich Holzman nicht jedwede Zugeständnisse an den unweigerlich zu erwartenden "Terminator"-Spoof: Als Samira, zur buchstäblich rot sehenden Mensch-Maschine umfunktioniert, wieder auf eigene Rechnung zu arbeiten beginnt, gibt es einige Szenen und Momente (Kleideraneignung, unflätige Reaktionen), die wohl zumindest ihren Einfluss nicht verleugnen können.
Die, wie ich eben mit Schrecken registrierte, gegenwärtige imdb-Wertung von 3,8 ist allerdings kaum mehr denn ein ganz übler Witz und völlig daneben.

6/10

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THE AMAZING SPIDER-MAN 2 (Marc Webb/USA 2014)


"I just wanted everybody to see me..."

The Amazing Spider-Man 2 ~ USA 2014
Directed By: Marc Webb

Spider-Man (Andrew Garfield) liebt New York und New York liebt Spider-Man. Allerdings hat der Netzschwinger starke Gewissensbisse, wenn es um die Beziehung zu seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone) geht, deren Polizisten-Vater (Dennis Leary) durch den zur Echse mutierten Curt Connors getötet wurde. Doch schon zieht weiterer Ärger auf, in dessen Zentrum einmal mehr das Unternehmen 'Oscorp' steht: Der Senior (Chris Cooper) segnet das Zeitliche und vermacht seinem Sohnemann Harry (Dane DeHaan) nicht nur die Firmenleitung, sondern auch das fatale genetische Erbe des 'Green Goblin'. Außerdem kommt es durch einen Unfall im hauseigenen Kraftwerk zu einer Kettenreaktion, in deren Zentrum der einsame Ingenieur Max Dillon (Jamie Foxx) steht. Dillon verwandelt sich in das Starkstrom-Wesen 'Electro' mit der Fähigkeit, sämtliche elektrischen Kräfte für sich nutzbar zu machen und wird so von einem vormaligen Bewunderer zum tödlichen Gegner Spider-Mans. Kaum dass dieser Electro zusammen mit Gwen zu Fall gebracht hat, taucht der neue Green Goblin auf - mit einer tödlichen Botschaft für sein verhasstes Gegenüber...

Den wunderhübsch aussehenden, lila-weiß-orange-farbenen Stromstößen, die Max Dillon/Electro durch die Nacht schickt, könnte man stundenlang verzückt zuschauen. Ebenso ist sonst formaltechnisch alles auf allerhöchstem State-Of-The-Art-Niveau in diesem Sequel eines Reboots. Spider-Mans Turnübungen inmitten der Hochhausschluchten Manhattans gewinnen immer noch mehr an tricktechnischer Perfektion wie überhaupt der ganze Film ein Triumph der Gestalter und Macher ist. Leider aber auch nur dieser. "The Amazing Spider-Man 2" begibt sich inhaltlich wie narrativ nämlich auf rutschiges Terrain. Er erinnerte mich an die nur wenig farbüberreizten Schumacher-"Batmen" sowie an den dritten Raimi-"Spider-Man", in denen ein Gegner längst nicht mehr ausreichend ist, die vollgepfropft sind mit gehaltvollen Ingredienzien und verführerisch wie eine erlesene Dessert-Süßspeise, aber, man ahnt es, von ebensolcher Nachhaltigkeit. Die Grenzen zwischen Völlegefühl und Übelkeit angesichts der völligen Übersättigung verschwimmen da rasch. Vieles hat mir an diesem neuen "Spider-Man" nicht gefallen: Seine zwanghafte Atemlosigkeit, die trotz knapper zweieinhalb Stunden Laufzeit kaum mehr Raum und Möglichkeit lässt für wirklich differenziertes Erzählen. Die Motivationslagen der (natürlich) tragischen Schurkenfiguren, allen voran die von Electro, fungieren eher als Alibi für pseudo-komplexe Charakterstudien (wie toll war doch einst Alfred Molina als 'Doc Ock'), und Paul Giamatti als 'Rhino' in einem grenzlächerlichen Mechanik-Anzug sorgt am Ende (das nebenbei bereits ankündigt, dass die künftigen Spidey-Gegner von Doc Ock bis Vulture allesamt, ächz, 'Oscorp'-"Produkte" sein werden - Kingpin anyone?) für ein eigentlich höchst vermeidbares, langgezogenes 'Hmnaja'. Schließlich und schlussendlich hat der Peter Parker anno 14 einen fürchterlichen Musikgeschmack, wo sein alter ego von vor 35 Jahren noch auf Elvis Costello stand. Bezeichnend...
Als audiovisuelles Spektakel und für Superhelden-Fans ohnehin unverzichtbar. Wer einen guten Film zu sehen wünscht, sollte indes geflissentlich auf der Hut sein.

6/10

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MISSION KILL (David Winters/USA 1986)


"Sempfer fidelis, Harry. Semper fidelis."

Mission Kill (Mission Cobra) ~ USA 1986
Directed By: David Winters

Nur durch Zufall wird der Sprengstoffexperte und Vietnam-Veteran J.F. Cooper (Robert Ginty) in die Revolutionswirren der mittelamerikanischen Bananenrepublik Santa Maria hineingezogen: Er begleitet seinen alten Freund Harry (Cameron Mitchell), der den Guerilleros als Trucker eine LKW-Landung Waffen bringen soll. Doch J.F. und Harry werden kaum dass sie die Grenze passiert haben, von dem Waffenhändler Kennedy (Clement St. George) überfallen, wobei Harry zu Tode kommt. J.F. schwört Rache, gerät wiederum an die Guerilleros und tut sich mit ihnen zusammen. Während der Journalist Bingo Thomas (Sandy Baron) J.F. zu einem amerikanischen "Robin Hood" aufbläht, landen er und die Revolutionäre einige strategische Erfolge. Am Ende werden sie jedoch von einem der Ihren (Jorge Reynoso) verraten und komplett aufgerieben. Nun bleibt J.F. nichts anderes als der finale Schlag gegen Neudiktator Borghini (Henry Darrow). Doch dessen Gattin (Merete van Kamp) steht bereits in den Startlöchern zur Macht.

Hier und da begab sich der reaktionäre Actionfilm der mittleren und späteren achtziger Jahre häufiger an aktuelle Nebenschauplätze wie Mittelamerika oder die Karibik, wo es in Ministaaten wie Grenada, Nicaragua oder El Salvador permanent brodelte und US-Militärberater nebst inoffiziell geschalteter Subventionen irgendwelche Juntachefs zu Marionetten der Reagan-Regierung im Norden heranzogen. Die hierzu im Film "verwendeten" Kleinstrepubliken waren jedoch in der Regel fiktiver Natur (mit dem geographisch sehr viel weiter entfernten Nahen Osten tat man sich da bezeichnenderweise weniger schwer).
Freilich arbeitet J.F. Cooper (ja, der heißt wirklich so) weniger für außenpolitische Ideale denn auf eigene Rechnung. "Auf welcher Seite der Revolution stand sie?" fragt er traurig seine neuen Genossen, als er wie weiland Lee Marvin in "The Big Red One" ein totes Kind als Versinnbildlichung des Kriegsgeschwürs auf den Armen trägt. Was die beiden gegnerischen Seiten eigentlich wollen; wofür sie kämpfen, bleibt dann auch eher nebulös. Es lässt sich davon ausgehen, dass El Presidente Ariban (Eduardo López Rojas), der Exekutionen politischer Gefangener und kleine Mädchen mag, ein Putschist mit pseudokommunistischem Hintergrund ist, derweil die Männer des Rebellen Juan (Jorge Zepeda) wohl einen funktionalen Neo-Sozialismus etablieren wollen. Dass solcherlei schonmal gar nicht ohne den erfahrenen, militärstrategischen Impact eines US-Kriegers zu bewältigen ist, muss man dem Film schon glauben. Dass aber selbst der große blonde Gringo nichts gegen Verräter aus den eigenen Reihen auszurichten vermag, ist eine bittere Pille für alle Beteiligten. Die Revolution muss am Ende scheitern; ihre schöne, kalte Erbin jedoch wartet bereits.

6/10

David Winters Mittelamerika Revolution Guerilla Freundschaft Rache


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HOMEFRONT (Gary Fleder/USA 2013)


"Whatever you're thinking - rethink it."

Homefront ~ USA 2013
Directed By: Gary Fleder

Um nach seinem letzten Undercover-Auftrag in der Rockerszene unerkannt zur Ruhe zu kommen, zieht sich der verwitwete FBI-Mann Phil Broker (Jason Statham) mit seiner kleinen Tochter Maddy (Izabela Vidovic) in die Provinz zurück. Doch selbst dort zieht er den Ärger an wie Scheiße die Fliegen: Nachdem Maddy in der Schule Streit mit ihrem Klassenkameraden Teddy (Austin Craig) hat, schalten sich dessen Eltern ein. Zufällig ist Teddys Onkel Gator Bodine (James Franco) der ungekrönte Drogenzar der Gegend, der nicht nur Brokers wahre Identität herausfindet, sondern auch noch versucht, diese Information gewinnbringend für sich einzusetzen. Doch da hat er nicht mit Brokers buchstäblicher Hatnäckigkeit gerechnet...

Good old fashioned genre movie, nicht zuletzt der Scriptkünste Sylvester Stallones wegen, der "Homefront" dereinst als "Rambo"-Film geplant hatte. Auch so mutet Fleders lediglich durch modische Schnittrasanz aufgepeppte Film ganz wie ein Kinorelikt der Spätachtziger oder Frühneunziger an, respetive wie ein späteres DTV-Projekt, in dessen Vaterrolle man sich auch vortrefflich Seagal, Van Damme oder Lundgren vorstellen könnte. Letzterer war ja sogar tatsächlich auch mal an einer Verfilmung interessiert. Bleibt mit Statham ja irgendwie doch alles in der Familie - der Gute teilt aus wie weiland der gute Steven, haut seine ungelenken Redneckgegner massenweise kaputt und darf am Ende dann auch die gute, alte, großkalibrige Schrotflinte auspacken. Coole Sau, die er nunmal ist, erinnern seine Aufräumarbeiten und der entsprechende Auslöser nicht ganz von ungefähr an einen gewissen, muskulösen Film namens "Commando", der die faktisch selbe Story schonmal vor 28 Jahren berichtete - mit geringfügig mehr Mut zur Selbstironie allerdings.

7/10

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PRONTO AD UCCIDERE (Francesco Prosperi/I 1976)


Zitat entfällt.

Pronto Ad Uccidere (Tote pflastern seinen Weg) ~ I 1976
Directed By: Francesco Prosperi

Der römische Polizist Massimo Torlani (Ray Lovelock) lässt sich, getarnt als Juwelendieb, ins Gefängnis einschleusen, um dort die Bekanntschaft und das Vetrauen des Gangsters Giulianelli (Martin Balsam) zu gewinnen und dessen Organisation zu zerschlagen. Torlani wird dabei von einer höchst persönlichen Motivation angetrieben: Einst haben zwei der dazugehörigen Laufburschen seine Mutter (Anna Tadei) zum Krüppel geschossen. Nach ihrer gemeinsamen Flucht aus dem Knast muss Torlani jedoch feststellen, dass Giulianelli keinesfalls einer der ganz Großen im Rauschgiftgeschäft ist, sondern dass ihm noch einige geachtete Großbürger überstehen. Zudem zieht im Hintergrund jemand Unbekanntes seine eigenen Fäden und räumt einen nach dem anderen der Bosse aus dem Weg.

Grundsolider Poliziotteso, in dem Ray Lovelock sich einige Sprüche wegen seines hübschen Äußeren gefallen lassen muss. Dass der gut aussehende, junge Mann mit der charateristischen Schneidezahnlücke nichtsdestotrotz auch ordentlich austeilen kann, stellt er mehrfach nachhaltig unter Beweis, wobei seine Methoden - zum Unwillen seines Vorgesetzten Commissario Sacchi (Riccardo Cucciolla) - häufig die Grenzen zur Selbstjustiz überschreiten. Dennoch gelingt es Torlani, in den rechten Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren und seine Mission ohne besondere Hilfe des ihn beäugenden Polizeiapparats im Alleingang zu vollenden. Bleibt am Ende freilich die letzte Hürde, einen unerwarteten Gegner stellen zu müssen, was Prosperi als bedeutungsschwangeres Knallbonbon bildeinfriert, obschon damit von langer Hand zu rechnen war. Ansonsten bleibt "Pronto Ad Uccidere" erfreulich längenfrei, wobei noch besonders eine beachtlich inszenierte Verfolgungsjagd durch die ligurischen Serpentinen Erwähnung finden soll und in Erinnerung bleibt. Da bekommt man gleich Fernweh.

7/10

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WOLF CREEK 2 (Greg Mclean/AU 2013)


"Welcome to Australia, British cocksucker!"

Wolf Creek 2 ~ AU 2013
Directed By: Greg Mclean

Der irre Serienmörder Mick Taylor (John Jarratt) mordet sich weiter unbehelligt durchs Outback. Nachdem er zwei Cops (Shane Connor, Ben Gerrard) und ein deutsch-holländisches Rucksack-Touristenpärchen (Shannon Ashlyn, Philippe Klaus) hopps genommen hat, widmet er sich dem englischstämmigen Aussteiger Paul (Ryan Corr), den er nach einer umständlichen Jagd doch noch fangen kann und in seinen hauseigenen Katakomben zu einem gemeinen Spiel einlädt...

Da "Wolf Creek 2" die etwas umständlich formulierte Exposition des Erstlings fehlt und er, im besten Bewusstsein, dass Mick Taylor sich mittlerweile seinen Platz im Olymp der großen Kinopsychopathen eingenommen hat, gleich zur Sache kommt, ist er über seine gesamte Distanz deutlich temporeicher und spannender als das Original. Mcleans Sequel bietet ehrlichen, respektlosen Fun-Splatter mit einer großzügigen Dosis schwarzen Aussi-Humors und unterstreicht nochmals den breitgestreuten Irrsinn Mick Taylors, der im ersten Moment nach wie vor wie ein typischer, kauzig-freundlicher Kangarooboy wirkt, um sein Gegenüber dann schon im nächsten fachmännisch auszuweiden und zu zerlegen. Im letzten Viertel erhalten wir dann noch Einblick in Taylors katakombenartigen Folterkeller, dessen Ausstattung uns zudem ein wenig Laien-Profiling betreffs Taylor erlauben. Dieser leidet nämlich ganz offensichtlich unter pathologischer Misogynie und einem bösen Sexualkomplex, da nahezu all seine schwer durch die Mangel gedrehten Opfer - und derer gibt es eine großzügige Anzahl - junge Frauen sind. So erinnert Taylors Kellerlabyrinth wohl nicht von ungefähr akut an das der Sawyer-Familie unter dem texanischen Freizeitpark in "TCM 2".
"Wolf Creek 2" ist somit einen guten Schlag kränker als der Vorgänger, was ihm wirklich gut tut.

7/10

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MANIAC COP 3: BADGE OF SILENCE (William Lustig/USA 1993)


"I don't like your sense of humor. Better go and help these people!"

Maniac Cop 3: Badge Of Silence ~ USA 1993
Directed By: William Lustig

Durch die Beschwörungen eines Voodoo-Priesters (Julius W. Harris) erwacht der Horror-Polizist Matt Cordell (Robert Z'Dar) zu neuem Leben und begibt sich auf eine weitere Mission zur Tilgung unflätigen Unrechts. Die als schießwütig geltende Nachwuchs-Polizistin Kate Sullivan (Gretchen Becker) muss sich bei einem Einsatz gegen die Räuber (Jackie Earle Haley, Vanessa Marquez) zur Wehr setzen, wird selbst schwer verletzt und sieht sich danach öffentlich in den Medien, denen ein gezielt verstümmeltes Tape der Aktion zugespielt wird, verleumdet. Kates Mentor ist jedoch Detective McKinney (Robert Davi), der mit Cordell bereits seine Erfahrungen gemacht hat und nun alles daran setzt, Kate vor dem aktionistischen Zombiecop zu beschützen.

Der letzte Klapp der "Maniac Cop"-Reihe fällt gegenüber den beiden Vorgängern etwas ab. Eine allseitige Müdigkeit betreffs des ansonsten sicherlich durchaus serienkompatiblen Franchise zeichnet sich ab; der Bezug zum bislang Geschehenen, das sich ja auf immerhin zwei Filme ausdehnen ließ, wird durch den etwas halbgaren Voodoo-Plot um jenseitige Gerechtigkeitssuche verwässert und die Figur Matt Cordells für meinen Geschmack allzu weit in die hinteren Reihen drängt. Dafür wird Cordell, der durch seine Braterei im letzten Film jetzt endgültig wie Jason Voorhees ausschaut, zum Slasher hochgepusht, der seinen Opfern mit einfallsreichen Methoden (zum Beispiel einem Defibrillator oder einer Überdosis Röntgenstrahlung) zu Leibe rückt. Lustigs und Cohens Einsatz bleibt vergleichsweise verhalten. Dennoch fügt dieses Finale der Serie weder Schaden noch Schande zu und trägt sie halbwegs würdig zu Grabe. Mit seiner kleinen Freundin an der verbrutzelten Seite sollte Matt Cordell ja nun auch seinen lang verdienten Frieden gefunden haben; trotz verdächtiger letzter Zuckungen auf der Bahre.

6/10

William Lustig Larry Cohen New York Rache Voodoo


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MANIAC COP 2 (William Lustig/USA 1990)


"You're the prettiest one in my collection so far..."

Maniac Cop 2 ~ USA 1990
Directed By: William Lustig

Der Killer-Cop Matt Cordell (Robert Z'Dar) kann dem Tod ein weiteres Mal von der Schippe springen und "patrouilliert" wieder durch Manhattan. Noch wütender auf sein ehemaliges Department unterstützt Cordell ab jetzt sogar gezielt Kriminelle und lässt stattdessen brave Bürger über die Klinge springen. Zudem rächt er sich umgehend an Jack Forrest (Bruce Campbell) und Teresa Mallory (Laurene Landon), die das letzte Duell gegen ihn gewonnen hatten. Doch der hartgekochte Detective Sean McKinney (Robert Davi) und die Polizeipsychologin Susan Riley (Claudia Christian) sind bereits zur Stelle, um den Kampf gegen den nicht tot zu bekommenden Cordell aufzunehmen. Dieser bleibt derweil nicht untätig und sucht sich in dem irren Serienkiller Steven Turkell (Leo Rossi) einen willfährigen Adlatus.

Eigentlich seltsam, aber der Verzicht von James Glickenhaus, dem Franchise weiterhin treu zu bleiben, sorgt nochmals für einen Qualitätsanstieg, so dass "Maniac Cop 2" den Höhepunkt der Trilogie um den nunmehr endgültig zum Zombie-Polizisten deklarierten Matt Cordell bildet. Das Sequel ist über weite Strecken deutlich temporeicher als der Erstling, der Humor etwas subtiler, der Kamerastil wesentlich eloquenter. Wo das Original oft großzügig ausgeleuchtet war, gibt es jetzt noireske Schattierungen, erlsene, neonlichtdurchflutete Schauplätze (wie Turkells schickes Souterrain-Appartment), eine interessantere Charakterriege und darüber hinaus eine dem Vorgänger nicht nachstehende, edle Besetzung. Zudem fallen zwei offene Liebeserklärungen an das Genrekino der ausklingenden Dekade ins Auge: Gleich zu Beginn gibt es eine Variation der Eingangssequenz aus "Cobra", mit Marco Rodríguez in einer (unkreditierten) Reprise seiner vormaligen Rolle als übergeschnappter, schrotflintenbewährter Supermarktkiller, im weiteren Verlauf überfällt der unaufhaltsame Matt Cordell, wie weiland der Terminator, ein Polizeirevier und lässt dabei keinen Stein auf dem anderen. Das Gefängnisfinale bietet schließlich einen Overkill spektakulärer Actionsequenzen.
Ein durchweg toller Film ergo, der in der deutschen Fassung ferner (wie schon der Vorgänger) durch seine sorgfältige Synchronisation aus dem Rahmen fällt. Und eines der seltenen Beispiele einer gegenüber ihrem Original ambitionierteren Fortsetzung.

8/10

William Lustig Larry Cohen New York Rache Serienmord


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MANIAC COP (William Lustig/USA 1988)


"He'll kill again... he enjoys killing."

Maniac Cop ~ USA 1988
Directed By: William Lustig

Ein Killer in Polizeiuniform macht Manhattan unsicher. Hauptverdächtiger ist der Streifenpolizist Jack Forrest (Bruce Campbell), der sich nicht ganz zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort befand. Doch der emsige Ermittler Frank McRae (Tom Atkins) ist bereits der Wahrheit auf der Spur: Der totgeglaubte Cop Matt Cordell (Robert Z'Dar), der einst von den Stadtoberen verladen und nach Sing-Sing verfrachtet wurde, um dort von seinen früheren Verhaftungsopfern schwer misshandelt zu werden, lebt noch, hat jedoch den Verstand verloren und befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen die gesamte Stadt. Als McRae selbst zum Opfer Cordells wird, stehen nurmehr Forrest und seine Freundin Theresa (Laurene Landon) gegen den Wahnsinnigen.

William Lustig, Larry Cohen, James Glickenhaus - drei Namen, bei denen Aficionados hocherfreut die Ohren klingeln, und nicht nur diese. Alle drei sind sie bekannt für großartiges New Yorker Genrekino aus dem eher zwielichten Bereich und haben jeweils Einiges an Liebhaberstücken auf dem Kerbholz. Für "Maniac Cop", den man durchaus als frühes "happening movie" bezeichnen könnte, wie sie ja heute Gang und Gebe sind, vereinten die drei Kollegen ihre kreative Power (Glickenhaus als Produzent, Cohen als Autor und Lustig als Regisseur) und schufen einen ironisch konnotierten Hybriden aus Action- und Horrorfilm, der zudem eine angemessen genrebeflissene Besetzung mit mancherlei klangvollen Namen aufweisen konnte - und, bei diesem Hinter-Kamera-Trio wenig verwunderlich, eine große Liebeserklärung an den urbanen Moloch New York darstellte. Zudem hat man einige Trümpfe in der Hinterhand, wenn man etwa den zuvor als Haupthelden charakterisierten Tom Atkins frühzeitig aus dem Film nimmt und Bruce Campbell gezielt zu seinem Nachfolger deklariert, oder auch insofern, als dass man Matt Cordells entstelltes Antlitz erst gegen Ende frontal der Linse offeriert.
Ein witziger, sehenswerter kleiner Klassiker, für jeden Freund eines der oben Genannten (wobei, wahrscheinlich wird jeder, der einen von ihnen mag auch die beiden anderen mögen -) sowieso Pflichtprogramm.

7/10

William Lustig James Glickenhaus Larry Cohen New York Madness Rache


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BORN AMERICAN (Renny Harlin/USA, FIN 1986)


"Sleep, my little friend. You deserve a better world."

Born American ~ USA/FIN 1986
Directed By: Renny Harlin

Die drei jungen amerikanischen Freunde Savoy (Mike Norris), Mitch (Steve Durham) und K.C. (David Coburn) bereisen Europa. In der finnischen Provinz, in die sie zum Jagen gekommen sind, sitzen sie aus einer bierseligen Laune heraus auf der verhängnisvolle Idee auf, aus reinem Jux die sowjetische Grenze zu überschreiten, hinter der sie sich dann prompt verirren. In einem nahe gelegenen Dorf hält man sie für die Mörder eines erst kurz zuvor getöteten Mädchens und es kommt zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, bei der sich das Trio gegen flugs anrückende Militärs zur Wehr setzen muss. Man wird gefasst und landet in einem desolaten Gefängnis. Mitch verfrachtet man in den Trakt mit den Verrückten, der schwer verletzte K.C. wird von einem Mitgefangenen "erlöst". Savoy trifft auf den geheimnisvollen 'Admiral' (Thalmus Rasulala), einen politischen US-Gefangenen im Besitz vieler brisanter Geheimnisse um CIA und KGB. Mit seiner Hilfe soll Savoy aus jenen gräulichen Mauern und zurück über die Grenze fliehen.

Sein Langfilmdebüt, ein wütendes, offen populistisches Pamphlet gegen das damalige "Reich des Bösen", brachte Renny Harlin erwartungsgemäß zunächst nur wenige Freunde auf liberaler Seite ein. In einer mehr oder weniger eindeutigen Replik auf und zu Alan Parkers "Midnight Express" ließ Harlin die Söhne von Chuck Norris und James Coburn in russische Gefangenschaft geraten, deren Methodik die Menschenrechte dem Vernehmen nach ebenso mit Füßen trat wie die türkische weiter südlich. Wer hier keine Beziehungen oder einen übermächtig starken Willen besitzt, der ist unausweichlich zum Tode verdammt; sei es durch Kälte, Hunger, äußere Gewalt oder, am Wahrscheinlichsten, das schiere Abdriften in den Wahn.
Mike Norris als Savoy Brown (toller Rollenname) wird gleich von Beginn an als besonnenster und stärkster des Freundetrios charakterisiert, der Grund, warum er auch als einziger am Leben bleibt. Die kick moves hat er sich beim berühmten Papi abgeschaut und auch der zielsichere Umgang mit der Uzi und anderem Feuerwerk deutet auf dessen stramme häusliche Erziehung hin.
Ansonsten scheinen mir die durchaus ambitionierte, zu einiger Dramatik neigende Inszenierung und das vergleichsweise tendenziöse Script nicht immer in homogener Weise zu arbeiten; man glaubt häufig zu spüren, dass Harlin doch mehr wollte, als er es letztlich zu formulieren im Stande war. Nichtsdestotrotz ein beachtliches Zeitporträt auf Augenhöhe mit Milius' gesinnungsgenössischem "Red Dawn".

5/10

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