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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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EXISTS (Eduardo Sánchez/USA 2014)


"Hey you! I wanna be your friend!"

Exists ~ USA 2014
Directed By: Eduardo Sánchez

Fünf Freunde reisen zu einem Wochenendtrip in eine Jagdhütte inmitten der texanischen Wälder. Bei der nächtlichen Anreise fahren sie etwas nicht Definierbares mit dem Wagen an, denken sich jedoch zunächst nichts dabei. Brian (Chris Osborn), dessen Onkel Bob (Jeff Schwan) die Hütte gehört, weiß allerdings etwas mehr als die Anderen: Hier draußen soll der legendäre Bigfoot umtriebig sein, weshalb Brian auch gleich eine Minikamera dabeihat - nämlich um die mögliche, unheimliche Begenung dokumentieren zu können. Tatsächlich schließt man bald Bekanntschaft mit dem haarigen Gesellen, doch der ist - aus verständlichen Gründen - alles andere als gut auf die Kids zu sprechen und knöpft sich einen nach dem anderen von ihnen vor...

Niemand Gerinigerer als Eduardo Sánchez, der die nicht abebben wollende found footage/embedded filming-Welle dereinst mit "The Blair Witch Project" erst lostrat, wagte sich an den jüngsten Beitrag zu einem ebenfalls alles andere als unbehauenen Subgenre-Mythos: Dem des Bigfoot oder Sasquatch nämlich. Dass dieser praktisch mit der subjektiven Kamera als Protagonistenauge einhergeht, ist ebenso wenig innovativ wie überhaupt das gesamte Szenario, das sich Sánchez für seine Mär zurechtgelegt hat. Zu Beginn erfahren wird mit einem kleinen, aber wesentlichen Postulat noch Wichtiges: Der Bigfoot ist normalerweise friedlich und harmlos - es sei denn, man provoziert ihn! Dass die spaßsüchtigen Städter genau dies - wenn auch unbeabsichtigt - auf das Böseste exerzieren und noch nichtmal einen Schimmer davon haben, ist der Motor dieser neuerlichen Sasquatch-Attacke. Immerhin darf man Sánchez gratulieren: Gewönne sein Film auch mit Sicherheit keinen Innovationspreis, so ist er doch zumindest der bisher ansehnlichste der jüngeren Bigfoot-Schocker. Hier und da wird es ordentlich spannend, die Bigfoot-Verkleidung sieht wirklich gut aus und das dann sogar halbwegs versöhnliche Ende bringt ein wenig ökologische Differenzierung mit ins Boot (...okay, das ist möglicherweise ein wenig übertrieben, aber zum Schönreden gestattet).
Der "Orca" unter den Bigfoot-Filmen!

6/10

Eduardo Sánchez Texas embedded filming Bigfoot Rache Monster Slasher


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THE BORDERLANDS (Elliot Goldner/UK 2013)


"I apologize for now serving another master."

The Borderlands ~ UK 2013
Directed By: Elliot Goldner

Zusammen mit dem Hobby-Filmer Gray (Robin Hill) haben zwei Kongregationasmönche des Vatikan, Deacon (Gordon Kennedy) und Mark (Aidan McArdle), die Aufgabe, der Authentizität einer angeblichen himmlischen Manifestation in einer kleinen englischen Provinzkirche nachzugehen. Der dort tätige Pater Crellick (Luke Neal), der dem Ereignis beigewohnt hat, glaubt felsenfest an die Auserwähltheit seines Gotteshauses, derweil die drei Investigatoren von einer Inszenierung seitens Crellick ausgehen. Doch bald lassen sich bestimmte Fakten nicht länger verleugnen: In der Kirche ist urplötzlich Babygewimmer zu hören, Dinge bewegen sich wie von selbst und ein unsichtbares Wesen scheint umher zu schleichen. Schließlich entdeckt Deacon hinter einem Bücherregal einen uralten Gang, der in die Tiefe führt. Der schließlich herbeigerufene, in Exorzismusdingen bewanderte Vater Calvino (Patrick Godfrey) ist sich sicher: Diese Kirche ist kein Himmelszugang, sondern führt zur genau diametralen Institution...

Spannender "embedded filming"-Beitrag aus England, in dem aus einem Minimum an Ressourcen ein Maximum an Wirkung evoziert wurde. Mit einem dem wesentlich breitgefächerter flankierten "As Above, So Below" nicht unähnlichen Topos, nämlich der Entdeckung eines unterirdischen Labyrinths, das ein Tor zur Hölle bildet, liegt hier das eindeutig bessere, gewichtigere Werk vor. Unter Verzicht auf nahezu jedweden S-F/X-Mummenschanz macht Goldner mit einfachsten Mitteln einen bösen, kleinen Genrefilm, in dem allein unlokalisierbare Geräusche und kurz aufblitzende Erscheinungen im Bildwinkel bereits eine Gänsehaut erzeugen. Mit dem Gang in das in der Tiefe liegende Labyrinth erreicht der Nervenkitzel schließlich seine höchsten Sphären, zumal man zu jenem Zeitpunkt ahnt, aber nicht recht weiß, was dort unten lauert. Eine definitive Antwort diesbezüglich bleibt Goldner uns dann auch ganz bewusst schuldig, wie überhaupt Ursächlichkeiten und Kausalitätsschemata hier und da stark von der Interpretation des Zuschauers abhängen. Doch verleiht gerade das "The Borderlands" seinen Status des Sehenswerten.

8/10

Elliot Goldner Independent embedded filming Kirche Hölle Exorzismus


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SPHERE (Barry Levinson/USA 1998)


"No, Jerry. Don't do that."

Sphere ~ USA 1998
Directed By: Barry Levinson

Vier Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen, der Psychologe Norman Goodman (Dustin Hoffman), die Biologin Beth Halperin (Sharon Stone), der Mathematiker Harry Adams (Samuel L. Jackson) und der Astrophysiker Ted Fielding 8Liev Schreiber) werden zu einem streng geheimen Stützpunkt im Pazifik geflogen, ohne ihre Aufgaben zu kennen. Am Zielort angekommen, erfahren sie, warum man sie hergebracht hat: In rund 300 Metern Tiefe befindet sich ein riesiges Raumschiff, das dort offenbar bereits seit über zwei Jahrhunderten schlummert, von dessen Bord jedoch noch immer Signaltätigkeiten gemessen werden. Nach einem Tauchgang zu einem unterseeischen Forschungslabor, dem 'Habitat', betreten die Angereisten das Schiff und stellen fest, dass es irdischer Herkunft ist, aus der Zukunft stammt und in der Zeit zurückgereist ist. Zudem befindet sich ein außerirdisches Artefakt an Bord, eine große, golden schimmernde Kugel mit durchlässiger, flüssiger Außenhülle. Nachdem jeder der Forscher nach und nach Kontakt mit dem Gebilde hatte, beginnt es mit ihnen zu kommunizieren: Es handelt sich um eine extraterrestrische Entität, die Menschen ermöglicht, ihre Geistesphantasien Form annehmen zu lassen. Die Ängste der Wissenschaftler manifestieren sich und werden für alle Beteiligten zur tödlichen Gefahr...

Ein später Nachklapp zu der Unterwasser-Genrefilmwelle der Spätachtziger und bereits Barry Levinsons zweite Crichton-Adaption nach "Disclosure" und für einige Zeit sein erster echter Genrefilm. Dass im Falle "Sphere" aus einmal gemachten Fehlern keine fruchtbaren Rückschlüsse für eine progressive Weiterarbeit gezogen wurden, erweist sich als das Augenfälligste am letztlich freigegebenen Resultat. Wie im "Vorgänger" überschreitet Levinson häufig und dabei scheinbar blindlings die Grenzen zur Albernheit, was sich speziell in den Szenen äußert, wenn das Alien Kontakt zu den menschlichen Besuchern aufnimmt und der Film sich nie gänzlich entscheiden kann, ob er der Wesenheit in ihrem kindlich-naiven Gestus Sympathie entgegenbringen oder es als handfeste Bedrohung ausmachen soll.
Die Chance, speziell im Hinblick auf den limitierten Handlungsort eine wirklich klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen verpasst der Film; was sich da alles wie und warum in physische Gegenwärtigkeit und Gefahr verwandelt, wird nicht immer ganz schlüssig aufgelöst und bedient häufig eher den rein oberflächlichen Affekt - so etwa die Sache mit den Jules-Verne-Büchern, die ab Seite 87 leer sind. Im Prinzip gerät "Sphere" spätestens nach der Laborbrand-Sequenz, die die Wissenschaftler zum neurotischen Trio dezimiert, in jene Bredouille der Hilflosigkeit, die den weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder in beachtliche Trash-Nähe rückt. Das Ende, das die drei Überlebenden erkennen lässt, dass sie nunmehr allmächtig sind und sie dann kurzerhand ihre Fähigkeiten zwecks einer selbstgewählten Vollamnesie gebrauchen lässt, markiert schließlich den Gipfel der Zugeständnisse an Wasauchimmer.
Man liest, dass während der bereits laufenden Produktion das Budget stark gekürzt wurde - ob speziell dieses Faktum sich nachteilig auf Levinsons Film auswirkte, kann ich nur mutmaßen. In jedem Fall fand ich es ärgerlich, dass bei so vil ohnehin vorhandener Liebäugelei mit Camp und B-Movie nicht wenigstens noch der Riesenkrake zu sehen ist.

5/10

Barry Levinson Michael Crichton Kurt Wimmer Aliens Ozean Zeitreise


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AUX YEUX DES VIVANTS (Alexandre Bustillo, Julien Maury/F 2014)


Zitat entfällt.

Aux Yeux Des Vivants (Among The Living) ~ F 2014
Directed By: Alexandre Bustillo/Julien Maury

Drei jugendliche Freunde inmitten ihrer Pubertät, Victor (Théo Fernandez), Tom (Zacharie Chasseriaud) und Dan (Damien Ferdel), die unter höchst unterschiedlichen familiären Problemen zu leiden haben und gern Streiche aller Art spielen, machen eines Tages eine grauenvolle Entdeckung: Auf einem verlassen Filmstudio-Gelände inmitten der Felder treiben ein geisteskranker Mann (Francis Renaud) und sein mutierter, noch verrückterer Sohn (Fabien Jegoudez) ihr Unwesen und verrichten dort offenbar allenthalben blutigen Irrsinn.
Die Jungen können zunächst nach Hause fliehen, zwei unterwegs angetroffene Polizisten glauben ihnen nicht. Doch das mit einer Clownsmaske bewährte Monster verfolgt sie und macht sie mitsamt ihren Begleitern gnadenlos nieder - bis auf Victor, der seine Mutter (Anne Marivin) und seine beiden kleinen Schwestern gegen den Unhold verteidigt.

Children in heat: Bustillo und Maury haben wieder zugeschlagen. Ihr jüngstes Werk hat mir wieder um Einiges mehr zugesagt als der mit mystischem Geisterspuk hantierende "Livide". Ähnlich wie im Falle von J.J. Abrams' "Super 8" haben wir hier eine Hommage an das amerikanische Jungs-Abenteuer- und Coming-Of-Age-Kino der Achtziger, in denen eine Gruppe Kids sich mit unvorhergesehenen, spektakulären Abenteuern und/oder Schrecken zu arrangieren hat. Freilich sind wir hier nicht bei Rob Reiner oder Steven Spielberg, sondern im Film zweier französischer Harcore-Horreuristen und daher darf man mit Gnade gar nicht erst rechnen. Nach einem bereits heftigen Prolog, der den Grundstein für die kommenden Ereignisse vorgibt, folgen vergleichsweise gemächliche Minuten, die zwar bereits aufzeigen, dass die drei Protagonistenfreunde jeweils kein leichtes Leben führen, ihr festes Freundschaftsband dann aber doch noch hinreichend zelebrieren können. Einzig Tom, der von seinem asozialen Vater (Emmanuel Lanzi) schwer misshandelt wird, wirkt wie eine erste Vorwegnahme des sich noch auftürmenden Grauens.
Man veranschauliche sich folgende Prämisse: Die Goonies treffen im tiefen Keller auf Sloth, bloß dass der jetzt mitnichten noch jener süße Mutant von anno 85 ist, sondern ein verrücktes Monster, das ihnen justament die Köpfe ab- und die Herzen herausreißt. Dann hat man in etwa eine Ahnung von dem, was "Aux Yeux Des Vivants" aufbietet; eine überaus geglückte Melange nämlich aus den zuvor unvereinbar scheinenden Strängen Kinderabenteuer und hartem Slasher. Gut gefallen hat mir zudem die eingangs gelieferte Erläuterung um die Derangiertheiten von Vater und Sohn: Sowohl die psychische Veränderung des Patriarchen als auch die furchtbare Mutation seines Erbguts werden zurückgeführt auf den Einsatz biologischer Kampfstoffe im Kriegseinsatz. Butillo und Maury haben also auch "Apocalisse Domani" und "Combat Shock" gesehen. Sympathisch, die Jungs. Und haben mit Fabien Jegoudez gleich noch einen zweiten Michael Berryman aufgetan.

8/10

Alexandre Bustillo Julien Maury Splatter Slasher Monster Mutant Vater & Sohn Hommage


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THE BABADOOK (Jennifer Kent/AUS, CA 2014)


"You can bring me the boy."

The Babadook ~ AUS/CA 2014
Directed By: Jennifer Kent

Die Altenpflegein Amelia (Essie Davis) lebt mit ihrem knapp siebenjährigen Sohn Samuel (Noah Wiseman) in einem Vorort von Adelaide. Samuel ist nicht eben wie andere Kinder; seine blühende Phantasie gebiert Monster, die es zu bekämpfen gilt, er neigt zum Außenseitertum und die anderen Kinder meiden ihn, wenn sie ihn nicht gerade aus der Reserve zu locken versuchen. Amelia versucht sich so gut es geht mit der Situation zu arrangieren, wünscht sich jedoch insgeheim, ein ganz "normales", unkompiziertes Kind zu haben. Damit nicht genug, hadert sie mit ihrem Dasein als Witwe und alleinerziehende Mutter: Ihr Mann Oskar (Benjamin Winspear), Sams Vater, ist just bei einem Autounfall in jener Nacht ums Leben gekommen, in der er Amelia zur Entbindung ins Krankenhaus fuhr.
Als Sam das Kinderbuch "Mister Babadook" entdeckt und sich von Amelia vorlesen lässt, wird dessen Titelgestalt, ein finsteres, böses Wesen, zu einer neuerlichen Obsession Sams. Doch diesmal ist alles noch schlimmer als sonst: Sam scheint wirklich von der Existenz des Babadook überzeugt zu sein und bald mehren sich auch für Amelia die Zeichen, dass es sich beim Babadook um mehr als eine Phantasiegestalt handeln muss...

Mit "The Babadook" ist der Jungfilmeacherin Jennifer Kent ein ausgezeichnetes Langfilmdebüt geglückt. Nicht nur einer der grausligsten und spannendsten Horrorfilme der letzten Monate und Jahre ist dabei herausgekommen, sondern vor allem eine intelligente Reflexion über die möglichen Nöte der modernen, westlichen Mutter. Die These, dass der Babadook (trotz all seiner schrecklichen Auftritte und Lebenszeichen im Film) lediglich als Metapher zu begreifen ist für Amelias psychisches Konglomerat aus verdrängter Trauer und erzieherischer Unwägbarkeit, gekoppelt vielleicht noch mit weiterverzweigten Problemen wie Isolation und Stress, halte ich im Nachhinein für geradezu zwingend. Vieles spricht ohne Umschweife dafür. Allein Amelias Haus und dessen Einrichtung in tristem Schwarz und Grautönen symbolisieren eine merkwürdige Morbidität, die zum Einen nicht recht zu der jungen Frau passen mag und zum Anderen völlig fehlgewählt als Lebensumgebung eines kleinen Kindes scheint. Dann der Junge: Ein sich mitunter wahrlich schrecklich gebärdendes Gör, bei dessen Verhaltensausfällen einem selbst noch vor der Mattscheibe die Fremdscham die Krause hochkrabbelt. Kurzum: Amelia, zu Beginn des Films noch ganz Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, hat sich in den folgenden neunzig Minuten durch genau einen solchen zu kämpfen - in seinen denkbar schrecklichsten, konsequentesten Auswüchsen sozusagen.
Wenn Horror und Poesie ihre ja genuin sehr enge Verwandtschaft so luzide durchscheinen lassen wie in "The Babadook", dann weiß man, man hat es mit jemandem zu tun, der Film und Genre begriffen hat, zumal das ultimative Grauen sich hierin als genau das identifiziert findet, was es stets war: als eine Spiegelung seelischer Abgründe.

10/10

Jennifer Kent Mutter & Sohn Madness Dämon Australien Adelaide


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THE VAULT OF HORROR (Roy Ward Baker/UK, USA 1973)


"So that's what our destinies are meant to be..."

The Vault Of Horror (In der Schlinge des Teufels) ~ UK/USA 1973
Directed By: Roy Ward Baker

Im Fahrstuhl eines Geschäftsgebäudes steigen nach und nach fünf sich unbekannte Männer zu, die anstatt im Erdgeschoss auf einer "Sonderetage" landen, wo ein runder Tisch mit Getränken auf sie wartet. Das Quintett beginnt sich gegenseitig seine bösesten Albträume zu beichten: Rogers (Daniel Massey) will seine Schwester Donna (Anna Massey) hinsichtlich einer Familienerbschaft übervorteilen und tötet sie. Was er nicht weiß: Donna und etliche andere Bewohner ihrer Kleinstadt sind Vampire, die Rogers buchstäblich anzapfen. / Critchit (Terry-Thomas) treibt mit seiner neurotischen Pedanterie seine Ehefrau (Glynis Johns) in den Wahnsinn, die ihn daraufhin in sorgsame Einzelteile sortiert. / Das Magierpaar Sebastian (Curd Jürgens) und seine Gattin Inez (Dawn Addams) ist in Indien auf der Suche nach neuen Tricks für seine Zauberrevue. Dabei entlarvt Sebastian einen alten Fakir (Ishaq Bux) als Scharlatan, was dessen Tochter (Jasmina Hilton) zu einer arglistigen Racheaktion mit ihrem verhexten Seil bewegt. / Maitland (Michael Craig) will seine Lebensversicherung verfrüht kassieren, täuscht seinen Tod vor und lässt sich lebendig begraben. Sein narrensicherer Plan scheitert jedoch an zwei Medizinstudenten (Robin Nedwell, Geoffrey Davies), die ihm zufällig in die Parade fahren. / Der Maler Moore (Tom Baker) erfährt in der Karibik, dass seine drei Londoner Kompagnons (Denholm Elliott, Terence Alexander, John Witty) ihn übervorteilt und seine Bilder für teures Geld verkauft haben. Für seine Rache eignet er sich Voodoo-Kräfte an, deren Einsatz jedoch auf ihn selbst zurückfallen...

Der sechste und vorletzte große Omnibus-Horrorfilm der Amicus basiert wie bereits der mittelbare Vorgänger "Tales From The Crypt" auf der gleichnamigen E.C.-Comics-Serie, in der es einen dem Crypt Keeper nachempfunden Vault Keeper gab, einen sardonischen, alten Greis mit Fletschauge und Warzen, der standesgemäß immer einen gemeinen Spruch auf Lager hatte, um die bösen Fettnäpfchen, in die "seine" Protagonisten zu treten pflegten, zu kommentieren. Leider kommt er in Roy Ward Bakers Film nicht vor; die Ideenvielfalt, die sorgsame Inszenierung und der stets leichtfüßige Camp-Grusel, der wesentlich zur Materie gehört, bleiben aber trotzdem erhalten. Wie eh und je sind auch hier die Erzähler und Ersinner ihrer grauenhaften Werdegänge die eigentlichen Bösewichte und das, was ihnen schlussendlich widerfährt, lediglich das angemessene Waldesecho: Amoralische Gierhälse, Haustyrannen und Todsünder sind sie allesamt, was sie (in vieren der beschriebenen Fälle) schließlich zu Mördern werden und ihre Strafe auf dem Fuße folgen lässt: Vampire, die einen Blutdrink zum Diner bevorzugen, Komplettzerteilung, Autounfälle und ein mörderisches Zauberseil sind ihre übernatürlichen Richtschwerter! Adäquat besetzt mit einigen wohlbekannten, gesetzten Darstellern in Haupt- und Nebenrollen und wie gewohnt in ausgesuchtem Ambiente spielend, steht "The Vault Of Horror" in allerbester Tradition und seinen liebenswerten Vorgängern somit in nichts nach.

8/10

Roy Ward Baker Amicus Episodenfilm E.C.


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GRIZZLY (David Hackl/USA, CA 2014)


"Welcome home."

Grizzly (Red Machine - Hunt Or Be Hunted) ~ USA/CA 2014
Directed By: David Hackl

Nach einer siebenjährigen Gefängnisstrafe wegen Totschlags kehrt Rowan (James Marsden) in sein Heimatstädtchen zurück. Dort ist sein älterer Bruder Beckett (Thomas Jane) nach wie vor Deputy und schlecht auf Rowan zu sprechen. Doch dieser hat einen konkreten Grund, hier zu sein: Mary (Mariel Belanger), die Frau seines alten Kumpels Johnny (Adam Beach), hat ihn hergerufen, um ihr zu helfen. Johnny hat sich offenbar einer Gruppe Bärenwilderer angeschlossen, die bereits seit Tagen in den Wäldern verschollen sind. Der Grund dafür zeigt sich bald - ein riesiger Grizzly läuft Amok und tötet jeden Menschen, der ihm über den Weg läuft. Rowan und Beckett und auch der fanatische Bärentöter Douglas (Billy Bob Thornton) machen sich, zunächst alle unabhängig voneinander, auf den Weg in das undurchdringliche Waldstück 'Grizzly Maze', um den Killer unschädlich zu machen.

Ich bin ja ein Fan von Killer-Grizzlys seit William Girdlers bislang unerreichtem Original, das seinerseits eigentlich bereits ein Plagiat darstellte. Wo Girdler Spielbergs "Jaws" nacheiferte, wagt David Hackl doch tatsächlich das Unglaubliche und versetzt nach über 30 Jahren Michael Andersons ebenfalls sehr schönen "Orca" in das Milieu der Rocky Mountains. Der titelgebende Bär ist nämlich auf einem Rachefeldzug gegen das Raubtier Mensch, nachdem das böse Wilderer-Trio seine Gefährtin mitsamt ihren Jungen dahingeschlachtet hat. Und auch ein Pendant für Richard Harris gibt es: Billy Bob Thornton als eine Art Käpt'n Ahab unter den Grizzly-Jägern dieser Welt!
Angesichts der erwartbar immens löchrigen Story und der kostengünstigen Präsentation des Films (am Ende gibt es eine dermaßen beschissen aussehende CGI-Feuersbrunst, dass ich mich ernsthaft fragte, ob ich da lediglich eines workprint ansichtig war) mutet es schon recht unglaublich an, welch darstellerische Prominenz-Power dieses Abschreibungsobjekt veredelte: Neben den bereits Erwähnten finden sich noch die nach wie vor überaus ansehnliche Piper Perabo (in einer albernen Rolle als taubstumme Naturliebhaberin) und Scott Glenn ein; nicht zu vergessen der unverwüstliche Filmbär Little Bart, Nachfolger des gleichnamigen Originals, das zu seinem Lebensende eine exklusivere Filmographie auf dem pelzigen Nacken hatte als manch menschlicher Star. Dass diese selbst jedem Hollywood-Großprojekt zur Ehre gereichende, natürlich auch etwas überreife Besetzung ausgerechnet einem kleinen Tierhorrorfilm zur Verfügung stand, zeugt möglicherweise von einer neuerlichen Präambel-Verschiebung im Schauspiel-Karussel: "Man muss nehmen, was man kommt - auch wenn es stinkt, ein bisschen." (Helge Schneider)

5/10

David Hackl Tierhorror Bär Jagd Brüder


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LA NOCHE DE LOS BRUJOS (Amando de Ossorio/E 1974)


Zitat entfällt.

La Noche De Los Brujos (Woodoo - Inferno des Grauens) ~ E 1974
Directed By: Amando de Ossorio

Eine kleine Forschergruppe reist in den Dschungel von Bumbasa, um dort bedrohte Wildtiere zu studieren. Niemand von ihnen kann ahnen, dass in direkter Nachbarschaft zu ihrem Zeltlager eine frühere Kultstätte der Eingeborenen liegt, wo selbige einst Frauen geopfert und in Vampirinnen verwandelt haben. Die Zauberer von anno dunnemals sind mitnichten tot und kehren ins Leben zurück, um auch die just angereisten Mädchen zu ihren Sklavinnen zu machen.

Das Interessanteste an Amando de Ossorios Film, den er just nach dem dritten Teil seines Templer-Zyklus zubereitete, ist, wie er es schafft, aus einem nichts an Gehalt einen knapp anderthalbstündigen Spielfilm aufzublähen. "La Noche De Los Brujos" geriert sich merklich als Schnellschuss ohne besondere Ambitionen, gestrickt mit der heißen Nadel und gefilmt zwischen Tür und Angel. Das, was uns hier als zentralafrikanisches Areal verkauft wird, könnte ebensogut der Stadtpark von Bad Tupflingen sein; es gibt lediglich drei Schauplatzwechsel und die Spezialeffekte erschöpfen sich in Vampirzähnen, etwas Kunstblut, Trockeneis und einem Dummy mit appem Haupt. Der von den bösen Zauberern praktizierte Voodoo-Kult entpuppt sich als Gemengelage aus allem, was Ossorio gerade einfiel: afrikanische Folklore, Leopardenmenschen, Zombies und Vampire. Die in Untote verwandelten Girls treten urplötzlich allesamt in Buschbikini-Uniform an und hüpfen in Zeitlupe und mit gefletschten Hauern durch die - ziemlich mies - künstlich umnachteten Bilder, sind jedoch eigentlich ganz einfach zu vernichten: man braucht ihnen bloß den Schal wegzunehmen. Die Rolle des "mysteriösen" Tomunga (José Thelman) bleibt genau das: mysteriös und hier und da gibt es ein ausgesucht schönes Paar Brüste zu bewundern. Jack Taylor wird in einem Fixierbad ersäuft und das Ende wurde schamlos bei "The Fearless Vampire Killers" geklaut.
Wenn ich es mir recht überlege, zeugt die Kombination all dessen dann doch von einem höchst illustren Maß an Fantasie.

5/10

Amando de Ossorio Afrika Voodoo Zombies Vampire Europloitation


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KILLER FISH (Antonio Margheriti/I, USA, BRA, UK 1979)


"I win my wars."

Killer Fish (Piranhas II - Die Rache der Killerfische) ~ I/USA/BRA/UK 1979
Directed By: Antonio Margheriti

Eine in Brasilien umtriebige Räubergang, die ein Vermögen an Edelsteinen aus einer hiesigen Fabrik geklaut hat, rechnet nicht mit der Raffinesse ihres Mastermind Diller (James Franciscus). Dieser hat nämlich, in zielsicherer Ahnung, dass die Anderen versuchen würden, ihn übers Ohr zu hauen, das Gewässer, in dem die Klunker versteckt sind, mit Piranhas verseucht. Die bissigen Fischchen knöpfen sich nunmehr jeden vor, der versucht, die Steine für sich zu kapern. Einzig Dillers Partner Lasky (Lee Majors) ist clever genug, sich von den Piranhas fernzuhalten - bis ein vorbeiziehender Hurricane sie alle nebst dem aparten Model Gabrielle (Margaux Hemingway) und einer kleinen Schar Modefotografen in höchste Bedrängnis bringt.

Als RTL plus damals in NRW in die freie Empfangbarkeit überführt wurde - das war glaube ich im Sommer 88 - zählte "Killer Fish" zu den oft und gern gezeigten Wiederholungen des Senders. Dabei erwies sich der deutsche Titel einmal mehr als Mogelpackung, wie sie die Italiener auch selbst und im Original gern zu verkaufen pflegten; mit Joe Dantes "Piranha" hat Margheritis Film nämlich außer den titelgebenden Beißkollegen nichts gemein. Fairerweise muss man hinzufügen, dass Selbiges auch für das spätere, offizielle Sequel gilt. Wie dem auch sei, "Killer Fish", eigentlich ein Musterbeispiel für internationales Koproduzieren, zählt zu den wenig gelittenen Streifen seiner Ära. Dabei ist er gar nicht so übel - die Besetzung ist durchweg gut aufgelegt und es macht Laune, ihr zuzuschauen; die (leider erst recht spät stattfindenden) Spannungssequenzen mit den Piranhas, die sich mit viel Elan durch die Eingeweide ihrer Opfer fressen (besonders am dicken Roy Brocksmith haben sie ihre Freude), sind Margheriti ordentlich gelungen. Gut, seiner späteren Vorliebe für Pyrotechnik, Miniaturbauten und Rückprojektionen gibt Margheriti vielleicht ein-, zweimal zu oft statt, aber das kennt man ja von ihm. Ich fand dieses Wiedersehen nach langer Zeit jedenfalls durchaus erfreulich.

6/10

Antonio Margheriti Brasilien Piranhas Heist Europloitation


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NELLA STRETTA MORSA DEL RAGNO (Antonio Margheriti/I, D, F 1970)


Zitat entfällt.

Nella Stretta Morsa Del Ragno (Dracula im Schloss des Schreckens) ~ I/D/F 1970
Directed By: Antonio Margheriti

Der Journalist Alan Foster (Anthony Franciosa) kommt in eine Taverne, um den Schriftsteller Edgar Allan Poe (Klaus Kinski) zu interviewen und platzt mitten in ein Gespräch zwischen Poe und seinem Bekannten Lord Blackwood (Enrico Osterman). Foster erklärt, dass er nicht an Übernatürliches glaube und wettet mit Blackwood, dass er unbeschadet eine Nacht in dessen Spukschloss verbringen könne. Tatsächlich muss sich Foster in den folgenden Stunden nicht nur eines Schlimmeren belehren lassen - diese Nacht in Blackwood Castle wird zugleich die letzte seines irdischen Lebens sein...

Mit "Nella Stretta Morsa Del Ragno", dem man in der deutschen Fassung unsinnigerweise eine Dracula-Konnexion angedichtet hat (wohl, weil es damals schick war und das trademark "Dracula" zu jener Zeit ein flugs einlösbares Versprechen für flotten Billighorror), ist ein Remake in eigener Sache. Margheriti verfilmte nämlich seinen erst sieben Jahre zuvor entstandenen "Danza Macabra" nochmal, wobei dieses "Auffrischung" schon ein wenig im Verdacht verhobener Sinnfälligkeit steht. Margheriti kann eigentlich unmöglich geglaubt haben, seinem Publikum mit "Nella Stretta" etwas besonders Exklusives darzubieten. Die Geschichte wurde faktisch 1:1 übernommen, die sehr anmutige Poesie des Originals jedoch nicht. Stattdessen gibt es diesmal Farbe und Scope und mit Franciosa und Kinski immerhin zwei hervorragende Schauspieler. Dafür muss man wiederum Barbara Steele missen, die ja ein gutes Stück zur Ikonographie von "Danza Macabra" beigetragen hatte. Zumindest sie erhält Michèle Mercier als undead dame in distress kein gleichwertiges Substitut. Den verrückten Professor präsentiert diesmal Peter Carsten, der vortreffliche Score stammt wiederum von Riz Ortolani.
Vergisst man zumindest streckenweise den ja eigentlich zwingenden Vergleich zwischen Alt und Neu findet man aufgrund der vielseitigen Kompetenz dann doch noch einen ganz schönen Film vor, der um diese Zeit sicherlich einen der besseren Margheritis darstellt. Das Schüren von Atmosphäre und Schauerromantik gelingt ihm nämlich doch noch ganz passabel und man schaut somit gern hin. Das ist mehr als die meisten aktuellen Genre-Produktionen von sich behaupten können.

7/10

Antonio Margheriti Remake period piece Edgar Allan Poe Bruno Corbucci Schloss Vampire