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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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DANZA MACABRA (Antonio Margheriti/I, F 1964)


Zitat entfällt.

Danza Macabra ~ I/F 1964
Directed By: Antonio Margeriti

Eigentlich kommt der Reporter Alan Foster (Georges Rivière) nur in die trübe Schänke "Four Devils", um den just in England weilenden Literaten Edgar Allan Poe (Silvano Tranquilli) zu interviewen. Das Treffen endet jedoch mit einer Wette, die Foster der ebenfalls anwesende Lord Blackwood (Umberto Raho) stellt: Foster möge eine Nacht in seinem verlassenen Landsitz verbringen und werde dort lernen, an das Übernatürliche und seine irdischen Manifestationen zu glauben. Foster lässt sich auf die Wette ein und begegnet im nur vermeintlich leerstehenden Blackwood Castle gheheimnisvollen Frauen (Barbara Steele, Margrete Robsahm), einem muskulösen Brutalinski (Giovanni Cianfriglia) sowie einem Doktor (Aturo Dominici), der die Grenzübergänge zwischen Tod und Leben erforscht. Wenngleich ihm zumindest die schöne Elisabeth (Steele) wohlgesonnen scheint, muss Foster bald wahrlich um sein Leben bangen...

Anschmiegsame gothic tale des noch jungen Margheriti, der aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln das Beste herausholte und den gerade im Erstarken begriffenen, italienischen Horrorkino eines seiner schönsten Frühwerke schenkte. Margheritis Neigung zur Exploitation erschöpft sich hier noch in der kurzen Zurschaustellung eines blanken Busenpaars; ansonsten bleiben die vampiresken Bedürfnisse und Praktiken der untoten Hausbewohner, deren Zahl sich jeweilsjubilarisch erhöht, von gediegenen Bildern umkränzt. Zusammen mit dem Zuschauer lernt Foster die wahre Natur des von Spinnweben und klappernden Fensterläden gesäumten Schlösschens kennen; der Friedhof im Vorpark, die Gruft im Keller und vor allem die unterschiedlichen Beweggründe der gespenstischen Wohngenossen, die am Ende doch alle auf dasselbe hinauslaufen, präsentieren und erschließen sich erst im weiteren Verlauf der Nacht, via Rückblende und Erlebnisbericht. Schließlich wird Alan Foster an die zuvor so vehement durch ihn belächelten Phänomene glauben, doch nicht, ohne seinen Tribut entrichtet zu haben...

8/10

Antonio Margheriti Schloss Edgar Allan Poe Vampire Sergio Corbucci


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AS ABOVE, SO BELOW (John Erick Dowdle/USA 2014)


"There's only one option: to reach the exit, we must go deeper underground."

As Above, So Below (Katakomben) ~ USA 2014
Directed By: John Erick Dowdle

Die Jungforscherin Scarlett (Perdita Weeks) wandelt auf den wissenschaftlichen Spuren ihres Vaters: Dieser hat sich mit den frühen Alchimisten befasst und dem legendären "Stein der Weisen" nachgespürt. Ein signifikanter Hinweis im Iran führt Scarlett zu den Katakomben von Paris, in denen bekanntlich die Gebeine von 6 Millionen Toten lagern. Scarlett schart ein kleines Team um sich, darunter den Dokumentarfilmer Benji (Edwin Hodge), ihren Ex-Kompagnon George (Ben Feldman) und den ortskundigen, geldgierigen Papillon (François Civil) und dringt durch einen wenig bekannten Eingang in das Tunnellabyrinth vor. Seltsame Erlebnisse wie die Zeremonie eines bizarren Totenkults oder das urplötzliche Erscheinen des seit langem hier vermissten La Taupe (Cosme Castro) schrecken Scarlett nicht und schließlich gelangt sie an ihr lang ersehntes Ziel. Doch mit dem Fund des Steins der weisen bricht in den Katakomben die buchstäbliche Hölle los.

Höhle oder Hölle, das ist hier die Frage! In diesem nicht vollends versagenden, jedoch in zahlreichen Belangen enttäuschenden Beitrag zum Subgenre des 'embedded filming': Es beginnt bereits damit, dass ebenjene Stilkonzeption im Rahmen der Geschichte von "As Above, So Below" recht selbstzweckhaft daherkommt. Um mich nicht missverstanden zu wissen: Dies tut sie natürlich häufig, doch speziell in diesem Falle fragt man sich in frequentiertem Maße allenthalben, ob nicht die gute alte Objektive dem Film deutlich besser zu Gesicht gestanden hätte. Um möglichst rasche Perspektivwechsel zu ermöglichen hat - selbstredend - jeder der unterirdischen Mitläufer seine eigene Kamera auf dem Schutzhelm, was die wie von Geisterhand gelenkte Schnittmontage höchst fragwürdig gestaltet. Damit muss man ergo via großzügigen good wills zurechtkommen.
Seine Story indes legt Dowdle irgendwo zwischen den archäologischen Fantasy-Eskapaden eines "Indiana Jones" und "Flatliners" an: ein sagenumwobenes Artefakt wird gesucht und manch unzweideutiger Warnung zum Trotze auch gefunden. Doch tritt die naive, wissenschaftliche Neugier der Forscher wiederum großes Unheil los, denn unter Paris liegt nichts Geringeres als ein (weiteres) Portal zum Inferno. Jenes manifestiert sich in Form einer Art "Spiegelwelt" zur Oberflächenrealität und führt den jenem Grauen Ausgelieferten neben allerlei dämonischem Umtrieb auch ihre jeweils schlimmste Lebenssünde vor Augen. Damit kommt nicht jeder der Eingschlossenen zurecht und so erhöht sich bald die Zahl der hier eingelagerten Leichen. Dass Dowdle durchaus etwas davon versteht, unheimliche Augenblicke und Stimmungen zu kreieren, beweist er hinreichend, doch nahezu jeder in dieser Hinsicht positive Ansatz versandet ebenso schnell wieder, wie er sich zuvor eingeschlichen hat. Die oberkluge Protagonistin und ihr unermesslicher Reichtum an Durchblick (warum braucht die Dame den Stein der Weisen überhaupt? weiß doch eh schon alles) nerven irgendwann beträchtlich und das Ende hinterlässt einen kaum befriedigter. Hier hätte sich ein hübsch apokalyptisches Statement geradezu aufgedrängt, doch auf einmal ist alles wieder beim Alten. So ähnlich wie im gesamten Film.

5/10

John Erick Dowdle embedded filming Paris Hölle Archäologie Höhle


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PHANTASM IV: OBLIVION (Don Coscarelli/USA 1998)


"Some cops can be real assholes."

Phantasm IV: Oblivion ~ USA 1998
Directed By: Don Coscarelli

Mike (A. Michael Baldwin) und Reggie (Reggie Bannister) werden wieder einmal getrennt: Während Reggie neuerlich durch den Südwesten tuckert auf der Suche nach weiterem Ärger mit dem Großen Mann (Angus Scrimm), fährt Mike in die Wüste, wo er eine ganze Legion von Dimensionsportalen entdeckt. Auch Jody (Bill Thornbury) taucht wieder auf, nur dass seine Absichten noch mysteriöser sind als zuvor. Mike entlarvt derweil die wahre Herkunft des Großen Mannes: Vor über 140 Jahren war er ein Arzt und Metaphysiker namens Jebediah Morningside (angus Scrimm), der sich mit der Möglichkeit der Existenz außerirdischer Dimensionen befasste und irgendwie dem Bösen verfallen ist. Nach einem mal wieder eher unangenehm endenden Techtelmechtel mit einer unterwegs aufgelesenen Blondine (Heidi Marnhout) findet Reggie schließlich Mike wieder und versucht ihm im letzten Duell mit dem Großen Mann beizustehen.

Der unzugänglichste (und mit Abstand am schlampigsten synchronisierte) Teil der "Phantasm"-Serie ist dieses überaus eigene Drittsequel, in dessen Untertitel die römische IV sichtlich perfekten Platz fand. "Oblivion" ist eigentlich nurmehr ein Film für eingefleischte Zuschauer der Serie, die hinlänglich wissen, was sie prinzipiell erwartet oder sich zumindest nicht mehr sonderlich überrascht zeigen, wenn nicht jede Fügung zwingend einem logischen Kausalitätsschema entspringt. Coscarelli setzt voraus, dass sich mit "Phantasm IV" zumindest weitestgehend ausschließlich ein Publikum befasst, das mit Figuren und Narrativik hinreichend vertraut ist und somit von allzu großer Verwunderung verschont bleibt. Nichtsdestotrotz wirft "Oblivion" im Laufe seiner Spielzeit sicherlich mehr inhaltliche Fragen auf als dass er welche beantwortet und wäre daher, trotz der eigentlich vorzüglich konludierenden Tatsache, dass vom Original noch einiges an unverwendetem Material bereitstand, welches sich hier hervorragend verwenden und einbinden ließ, als Finalteil sehr unbefriedigend ausgefallen. Dennoch sah es jahrelang so aus, dass nichts Neues mehr käme, bis sich mit "Phantasm: Ravager" eine weitere Fortsetzung angekündigt fand, die im nächsten Jahre Premiere feiern soll, nochmal die Originalbesetzung [darunter den mittlerweile knapp neunzigjährigen (!) Angus Scrimm] vereint und erstmals von einem "Fremdregisseur", einem Kinodebütanten zudem, der zuvor vornehmlich halbgare Kinder-Cartoons fürs Fernsehen gemacht hat, inszeniert wird. Das könnte megalomäßig in die Hose gehen oder ebensogut ein zutiefst unerwarteter Geniestreich werden - es ist wohl alles drin. Also bis dann, Großer Mann.

6/10.

Don Coscarelli Sequel Wüste Surrealismus


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PHANTASM III: LORD OF THE DEAD (Don Coscarelli/USA 1994)


"It's never over!"

Phantasm III: Lord Of The Dead (Das Böse III) ~ USA 1994
Directed By: Don Coscarelli

Für den früheren Eisverkäufer Reggie (Reggie Bannister) setzt sich die Odysse durch das innerlich von den Armeen des Großen Mannes (Angus Scrimm) zerfressenen Amerika fort, nachdem Mike (A. Michael Baldwin) nach weiteren Scharmützeln vom Großen Mann persönlich entführt wird; sein großer Bruder Jody (Bill Thornbury) lebt indes unvermutet weiter in Form einer schwarzen Sphäre. Auf der Suche nach Mike geht es für Reggie neuerlich durch verlassene und leergefegte Kleinstädte und mysteriöse Mausoleen. Dabei trifft er auf den wehrhaften, kleinen Tim (Kevin Connors) und die amazonenartige Rocky (Gloria Lynne Henry), ein Ass am Nunchaku. Mit dieser Verstärkung zieht Reggie zur Rettung Mikes aus - nur ist dieser überhaupt noch zu retten?

Nach wieder mal sehr fruchtbaren Betrachtungen der ersten beiden Filme der "Phantasm"-Reihe (besonders das Original wusste mich zu verzücken wie eh und je) schob man diesmal auch die von mir stets als etwas anstrengender empfunden Teile III und IV hinterdrein. Resümierend muss ich "Lord Of The Dead" nun als den bislang schwächsten Beitrag zur Reihe verorten. Die Hauptschuld daran tragen weniger die sich geflissentlich ausreizenden Ideen um Sphären und Dimensionstore, sondern das von Coscarelli offensichtlich zur Auflockerung und Familienfreundlichkeit bereitgestellte Figuren-Inventar, allen voran Reggies Sidekicks Tim und Rocky. Ein kleiner, verwaister Junge mit Super-Schießfertigkeiten, der alles unverhältnismäßig witzig und humorig nimmt und versucht, wie ein Erwachsener aufzutreten; dazu eine Blaxploitation-Kriegerin im Grace-Jones-Gedächtnislook und einem permanent flotten Emanzenspruch in der Backe? Falls das witzig gemeint sollte: Ist es nicht. Tatsächlich nervt diese Combo-Erweiterung schon nach kurzer Zeit ungemein, beraubt die stets so wunderbar ihrer spezifischen Traumlogik gehorchenden "Phantasm"-Realität sogar um Einiges ihrer Mystizität und versucht, "Phantasm" nach dem eher für ältere Teenager konzipierten gothic splatter des unmittelbaren Vorgängers wieder für Kids interessant zu machen. Leider geht dieser Schuss bei aller sonst nach wie vor lobzupreisenden Innovativität, zu der etliche visuelle Einfälle und Neuerungen (so halten nunmehr etwa auch Zombies Einzug in die Armeen des Großen Mannes) zählen, recht sparsam nach hinten los. Mag sein, dass es Leute gibt, die mit "Phantasm III" riesigen Spaß haben; mich nervt er über allzu weite Strecken einfach zu sehr an, um seinem Franchise reell Ehre zu machen.

5/10

Don Coscarelli Sequel Surrealismus Traum Duell Road Movie


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DÈMONI 2... L'INCUBO RITORNA (Lamberto Bava/I 1986)


Zitat entfällt.

Dèmoni 2... L'Incubo Ritorna (Dämonen) ~ I 1986
Directed By: Lamberto Bava

In einem modernen Hochhaus-Neubau mit Namen 'The Tower' neigt sich der Tag dem Abend: Die enervierte Teenagerin Sally (Coralina Cataldi-Cassoni) feiert ihre Geburtstagsparty mit Freunden, die hochschwangere Nannah (Nancy Brilli) erwartet ihren im Examensstress befindlichen Mann George (David Edwin Knight) und im ersten Stock schwitzen die Muskelmänner in Hanks (Bobby Rhodes) Fitness-Studio. Derweil läuft im Fernsehen ein Film um eine Gruppe Jugendlicher, die auf der Spur verblichener Dämonen sind, die einst die Welt unsicher machten. Eines der Monster erwacht und bahnt sich den Weg in die Realität, wo es die just zuschauende Sally anfällt, die sich daraufhin selbst in einen Zombie verwandelt und ihre Gäste attackiert. Bald wimmelt der ganze 'Tower' von infizierten Dämonen und George und Hannah versuchen mit Mühe und Not, aus dem verbarrikadierten Gebäude zu entkommen.

Lamberto Bavas Sequel zu seinem "Dèmoni" wurde, ein altbekannter Hut, bei uns als erster Teil der Dublette verkauft und im Kino aufgeführt, derweil das eigentliche Original als Videopremiere erschien und das erwähnte Beschlagnahme-Schicksal erleiden musste. "Dèmoni 2" verliert gegen den Vorgänger leicht nach Punkten, wobei ich wohl zu den Wenigen gehöre, die auch das Sequel sehr schätzen. Zum Einen schmeckt mir die hierin verwendete Songauswahl, die diesmal eher in den britischen Alternative-/Gothic-Bereich linst, nochmal deutlich besser, zum anderen perfektioniert die S-F/X-Abteilung rund um Sergio Stivaletti hier gewissermaßen ihre bereits im Erstling eindrucksvoll dargebrachte Kunst. Zwar wirkt der Nachfolger in seiner Gesamtheit visuell etwas weniger drastisch, ein paar schöne Appetitlosigkeiten jedoch gibt es auch hier: Ein kleiner Junge (Marco Vivio) verwandelt sich in einen fiesen Zombie, nur, um dann aus seinen Innereien ein fieses Mini-Exemplar der dämonischen Seuchenvögel "herauszugebären", der ein wenig an die damals einigen plagiatorischen Impact hinterlassenden "Gremlins" erinnert. Bobby Rhodes ist, als einziger "Wiedergänger" aus "Dèmoni" neuerlich als großer Superchecker zu sehen, der zwar spitzenmäßige Ideen zur Verteidigung herumbellt und nach dessen lauter Pfeife alle tanzen, der aber natürlich trotzdem großmäulig ins Gras beißen muss. Schließlich ist die elfjährige Asia Argento in ihrer ersten Spielfilmrolle zu sehen und muss darin gleich miterleben, wie nacheinander beide Eltern der dämonischen Invasion zum Opfer fallen. Impazziro Papa Dario kannte eben schon damals keine Gnade mit dem Töchterlein...
Dass nach der zum Ende des Vorgängers hin bereits angedeuteten Zombie-Apokalypse plötzlich alles wieder im Lot sein soll und "Dèmoni 2" auch noch mit einem Happy End daherkommt, habe ich indes nie begriffen. Tut aber auch nichts zur Sache.

6/10

Lamberto Bava Dario Argento München Hochhaus Fernsehen Zombies Dämonen Splatter Europloitation


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DÈMONI (Lamberto Bava/I 1985)


"What the hell happened to Rosemary?"

Dèmoni (Dämonen 2) ~ I 1985
Directed By: Lamberto Bava

Berlin. Ein merkwürdig maskierter Herr (Michele Soavi) verteilt auf der Straße Eintrittskarten für einen am Abend im "Metropol"-Kino laufenden Horrorfilm. Neben einigen anderen Zuschauern kommen auch die beiden Studentinnen Cheryl (Natasha Hovey) und Kathy (Paola Cozzo) in die Soirée, ebenso wie George (Urbano Barberini) und Ken (Karl Zinny), die sie vor Ort kennenlernen. Im sich auf der Leinwand abrollenden Film entdeckt eine Gruppe Jugendlicher auf einem Friedhof das Grab des Nostradamus, in dem sich eine mysteriöse Maske befindet. Einder der Kids setzt sie sich aufs Gesicht und schneidet sich daran, um sich hernach in ein zombieartiges Monster zu verwandeln. Parallel dazu geschieht in der Realität das Gleiche: Die Nutte Rosemary (Geretta Geretta) schneidet sich an einer Maske aus der Foyer-Reklame und verwandelt sich auf der Toilette in ebensolch einen Dämonen wie der auf der Kinoleinwand. Im Theaterraum bricht daraufhin das Chaos aus; wer nicht gleich dem sich zum Virus ausweitenden Zombieterror zum Opfer fällt, flieht durch die Räumlichkeiten, denn es gibt keinen Weg mehr nach draußen: Sämtliche Ausgänge sind urplötzlich zugemauert. Erst das Eintreffen eines Punker-Quartetts auf der Flucht vor der Polizei bringt die Wende: Cheryl und George können schließlich fliehen, nur um draußen feststellen zu müssen, dass die Dämonen bereits die ganze Mauerstadt eingenommen haben...

Einer der letzten großen Italo-Splatter-Klassiker, in Deutschland zudem veredelt durch das beliebte Prädikat "§131". Mario-Filius Lamberto Bava lässt es mit Unterstützung einiger anderer großer Mitstreiter des Genrefilms wie Dario Argento (dessen Stilismen sich durch eine recht eindeutige inszenatorische Partizipation niederschlagen), Michele Soavi oder Dardano Sacchetti gehörig krachen. Es wird geblutet und gekotzt im Quadrat; Baby-Dämonen schälen sich aus den Rücken Infizierter heraus, die sich wiederum mit leuchtenden Augen, Reißzähnen und vor grünem Geifer triefend durch die Reihen ihrer Opfer metzeln und, anders als ihre schlurfenden Ahnherren, auch von Waffen Gebrauch machen und überhaupt sehr viel böser denn instinktgetrieben auftreten. Das Kino nebst dem dort laufenden Film als streng limitierter, doppelbödiger Handlungsort erweist sich eine sehr hübsche Location-Idee; überhaupt gefällt es, dass ein italienischer Genrefilm ausnahmsweise einmal in West-Berlin spielt, das Bava überaus pittoresk ins Bild setzt. Auf der Tonspur gibt es unterdessen neben einigen, wie ja beim Schirmherrn Argento üblich, ziemlich eklektisch anmutenden Metal-Songs auch einige damals hippe, flotte Popnummern zu hören von Go West ("We Close Our Eyes") oder Billy Idol ("White Wedding"), zu denen die vier Punks sich im Auto ihre Linien ziehen. Dass weder Dialog (besonders Bobby Rhodes' Sprüche) noch Conclusio (warum bitteschön werden die erwählten Zuschauer im Kino eingesperrt, wenn die Dämonen draußen doch ebenso längst ihr Unwesen treiben? Und wie schaffen sie es analog dazu binnen weniger Stunden eine Millionenstadt ins Armageddon zu stürzen?) sonderlich intelligent, geschweige denn sinnstiftend daher kommen, gehört eben zum Programm und will geflissentlich übersehen sein. Der gesamte Rest ist schließlich hinreichend flott.

7/10

Lamberto Bava Kino Film im Film Berlin Michele Soavi Dario Argento Zombies Dämonen Splatter Europloitation


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BERBERIAN SOUND STUDIO (Peter Strickland/UK 2012)


"You'll get used to it, Gilderoy."

Berberian Sound Studio ~ UK 2012
Directed By: Peter Strickland

1976 kommt der englische Toningenieur Gilderoy (Toby Jones) nach Italien, um dort die tonale Nachbearbeitung für einen Horrorfilm um eine gefolterte Hexe und deren sich in der Gegenwart Fluch im Studio zu besorgen. Für Gilderoy, einen schüchternen Mann mittlerer Jahre, dessen Hauptbezugsperson noch immer seine Mutter darstellt, nimmt sich die Arbeit an solch einem Werk höchst befremdlich aus, nachdem er zuvor in erster Linie für TV-Kindershows tätig war. Die zahlreichen akustischen Spezialeffekte bestehen in erster Linie aus Gemüse und Obst, das auf alle möglichen Arten massakriert wird und aus gellenden Schreien der im Studio nachsynchronisierenden Darstellerinnen. Gilderoy lernt den Produzenten (Cosimo Fusco) und den Regisseur (Antonio Mancino) des Films kennen und auch die eigenartigen Beziehungsstrukturen der übrigen Mitarbeiter zueinander. Daneben wirkt sich auch die befremdliche Enge innerhalb des Studios nachteilig auf Tobys psychische Verfassung aus...

Ein Musterbeispiel für "psychoaktives" Filmemachen ist "Berberian Sound Studio". Nachdem uns mit dem Protagonisten Gilderoy (vorzüglich gespielt von Toby Jones) das klassische, verschüchterte Film-Muttersöhnchen mit einigem Nährboden für psychische Deffekte in der Tradition von Norman Bates oder Mark Lewis vorgestellt wird, zwingt uns Strickland förmlich, permanent ganz nah bei und mit diesem zu verweilen. Gilderoy wiederum wird in das karg beleuchtete Gefängnis des Tonstudios gesteckt - ohne Fenster oder sonstige Möglichkeiten der Kommunikation mit draußen verweilt der Ärmste hier für die gesamte Dauer seines - zudem nach Zahlungsschiebung riechenden - Auftrags. Zwischen der Isolation seines Zimmers und der Arbeit im Studio liegen lediglich die ganz offenkundig barbarischen Bilder des zu bearbeitenden Films, die dem Rezipienten von "Berberian Sound Studio" mit Ausnahme der vielsagenden Titelsequenz wiederum bewusst vorenthalten bzw. der Kraft dessen Phantasie vorbehalten bleiben. Offenkundig furchtbare Folter- und Mordsequenzen spielen sich da zu den Geräuschen platzender Wassermelonen oder fettbrutzelnder Bratpfannen ab, kommentiert lediglich durch Gilderoys zunächst verständnislose bis schockierte Vis-à-vis-Mimik. Was insbesondere der genreefahrene Zuschauer sich dazu an privaten Imaginarien ausmalt, kann, und das weiß Strickland natürlich ganz genau, bezieht sein Film doch gerade aus diesem Faktum seine verstörende Wirkung, keinerlei Visualisierung einlösen: Der von Gilderoy vertonte Film "The Equestrian Vortex", fraglos eine Hommage an das Kino aus Dario Argentos früh-mittlerer Schaffungsphase, muss das schrecklichste Genrestück sein, das die Realität nie erblickt hat.

9/10

Peter Strickland Film im Film Madness Surrealismus Giallo Hommage Hans W. Geißendörfer


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THE WATCHER IN THE WOODS (John Hough/UK, USA 1980)


"Something awful happened here."

The Watcher In The Woods (Schreie der Verlorenen) ~ UK/USA 1980
Directed By: John Hough

Auf der Suche nach einer großzügigen, ruralen Bleibe stößt die vierköpfige Familie Curtis in der englischen Provinz auf das Landgut der alleinstehenden, alten Mrs. Aylwood (Bette Davis), die sich selbst mittlerweile ins frühere Gesindehaus zurückgezogen hat. Mrs. Aylwood, eine etwas gruselige, aber nette Dame, nimmt die Curtises als Mieter bei sich auf, zumal sie sich für die ältere Tochter Jan (Lynn-Holly Johnson) interessiert, die sie an ihre eigene, vor dreißig Jahren spurlos verschwundene Karen (Katharine Levy) erinnert. Und tatsächlich empfangen sowohl Jan als auch ihre jüngere Schwester Ellie (Kyle Richards) bald Signale aus offenbar übersinnlichen Sphären - Karen scheint mit ihnen Kontakt aufnehmen zu wollen, während eine andere, jenseitige Macht sie davon abzuhalten versucht. Als Jan den Umständen um Karens damaliges Verschwinden nachgeht, entdeckt sie bald einen Weg, sie möglicherweise wieder zurückholen zu können.

Der Versuch, eine Brücke zu schlagen zwischen klassischem Horrorkino und modernem Familienfilm konnte anno 80 natürlich nur auf dem Mist des sich damals des Öfteren im Genrebereich betätigenden Disney-Studios wachsen. Beschränkten sich zehn, zwanzig Jahre zuvor die einzigen reinen Realfilm-Versuche der Micky-Mäuse auf ausgesprochen kindgerechte Abenteuer- und Wildnis-Geschichten sowie Fantasy-Komödien, liebäugelten Disney und deren Tochter Buena Vista um den Dekadenwechsel 70/80 mit höher budgetierten Ausflügen in die etwas handfesteren Gattungsniederungen: "The Black Hole", "Condorman", "Dragonslayer", "Night Crossing", "TRON", die etwas später entstandene Bradbury-Adaption "Something Wicked This Way Comes" und eben "The Watcher In The Woods" sind allesamt Beispiele für diese etwas seltsame Tendenz. Dabei wurde stets und unter oberster Priorität versucht, Kinder oder zumindest Jugendliche als potenzielles Hauptpublikum zu bewahren. So kann man auch bei diesem Film des traditionsbeflissenen Genreregisseurs John Hough a priori davon ausgehen, dass es garantiert niemals allzu wüst zugeht, dass die Gespenster bei aller mühsam evozierten Atmosphäre lediglch moderaten Grusel verbreiten und es zudem ein feistes Happy End für alle Beteiligten gibt. Die mittlerweile etwas zauselige Bette Davis ist die perfekte Wahl für die Rolle der undurchsichtigen Oma, als Bonus obendrauf gibt's Ian Bannen, der natürlich mehr weiß, als er zunächst preiszugeben bereit ist.
Alles in allem für 'nen verkaterten Sonntagabend genau das Richtige.

6/10

John Hough Vincent McEveety England Haus Geister


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NURSE 3-D (Douglas Aarniokoski/USA 2013)


"Let's start by amputating your arms."

Nurse 3-D ~ USA 2013
Directed By: Douglas Aarniokoski

Die just examinierte New Yorker Krankenschwester Danni (Katrina Bowden) lernt bei ihrem Dienstantritt die eindrucksvolle Kolegin Abby Russell (Paz de la Huerta) kennen, die sich sogleich aufopferungsvoll um Danni kümmert. Doch hinter der fürsorglichen Fassade Abbys lauert ein männerhassendes Monster: Nicht nur tötet Abby gleich in Serie untreue Familienväter, die ihren offensiven Anmachtaktiken ins Netz gehen, sie entwickelt auch eine tödliche Obsession bezüglich Danni, die sich bald in blanke Raserei verwandelt...

Das ist natürlich camp in Reinkultur, was Douglas Aarionoski hier in spektakulärer Manier unters Volk wirft. Das famose Teaser-Poster, auf dem die bis zum Hals in Kunstblut getauchte, nackte Paz de la Huerta nackt, in Seitansicht und mit Schwesternhäubchen posiert (ein zweites zeigt sie im hautengen, weißen Wachskleid auf einer riesigen Spritze reitend), tingelt ja nunmehr schon seit rund drei Jahren durchs Netz. Schon damals wusste ich, dass ich diesen Film würde sehen müssen und habe mich bewusst möglichst wenig über ihn informiert (wobei ich dies nach Möglichkeit eigentlich sowieso stets so zu handhaben versuche). Das fetischisierende Plakat verrät dann eigentlich auch das Meiste über den Film. Die mordende, in obsessiver (homosexueller) Liebe umherberserkernde Krankenschwester ist ja nicht eben ein sonderlich exklusives Genremotiv und als solches versucht der inflationär grelle "Nurse 3-D" es glücklicherweise auch gar nicht erst zu veräußern. Die wundervolle Paz de la Huerta, die gleich in mehreren Szenen ohne Höschen durchs Bild stolziert, inkarniert eine sehr selbstbewusste Erotik, die, kombiniert mit dem simpel gehaltenen Plotverlauf, durchaus ordentlich einhergeht. Judd Nelson lässt sich wieder mal blicken als eines ihrer es kaum besser verdienenden, patriarchalischen Opfer und die putzige Katrina Bowden als Unschuld vom Lande, die letztlich nicht mit Abby Russell (die ja in Wahrheit Sarah Price heißt) fertig wird, ergibt eine passende Antipodin.
Ob man "Nurse 3-D", der nun ganz bestimmt alles ist, bloß nicht intelligent oder gar subtil, eine misogyne Botschaft unterjubeln möchte, liegt wohl im Auge des Betrachters. Lass die Frauen- und Krankenswesternverbände ruhig Sturm laufen. Ich kleiner Mann empfand ihn als hübsches, pulpiges guilty pleasure, garantiert frei von bösen Absichten.

6/10

Douglas Aarniokoski femme fatale Krankenhaus Slasher Splatter Madness 3-D New York Serienmord camp


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WRONG TURN 6: LAST RESORT (Valeri Milev/USA 2014)


"This... is family!"

Wrong Turn 6: Last Resort ~ USA 2014
Directed By: Valeri Milev

Der New Yorker Danny (Anthony Ilott) erbt ein halbverfallenes Kurhotel bei einer thermischen Quelle inmitten der Appalachen. Nachdem Danny sich an der Börse verspekuliert und fast sein gesamtes Hab und Gut verloren hat, ein möglicher warmer Regen für den depressiven, jungen Mann. Dennoch muss Danny erst von seiner Freundin Toni (Aqueela Zoll) überredet werden, die Reise in die Provinz anzutreten. Zur moralischen Erbauung kommen gleich noch fünf weitere Freunde der beiden mit auf den Trip. Vor Ort angekommen, ändert sich Dannys trübsinnige Attitüde überraschend schnell: Er scheint auf geheimnisvolle Weise dem seltsamen Verwalter-Pärchen (Sadie Katz, Chris Jarvis) zu verfallen, entdeckt bislang ungekannte, archaische Jagdtriebe und verfolgt hochtrabende Pläne bezüglich der Zukunft des Hotels. Als er schließlich herausfindet, welch seltsame Blüten seine hier seit Jahrhunderten ansässigen Familienwurzeln getrieben haben, bleibt er erstaunlich gelassen...

Mit dem mittlerweile fünften Sequel verlässt Declan O'Brien das seit immerhin drei Filmen von ihm entscheidend mitgeprägte DTV-Franchise. Und wie sich mit Danny frisches Blut in die zunehmend derangierten Familienbande um Three Finger (Rhys Coiro), One Eye (Asen Asenov) und Sawtooth (Danko Jordanov) begibt, bekommt auch der Regiewechsel der Reihe recht gut. Im Vergleich zu seinen graphisch doch sehr "spektakulär" geratenen Vorgängern bietet "Last Resort" eine beinahe schon intime Geschichte um den dramatischen Persönlichkeitswechsel eines jungen Großstädters, der sein bisheriges Yuppie-Dasein mit in den vermüllten DNA-Pool um die kannibalischen Hillbillys trägt und so für den (auch in ökonomischer Hinsicht) familiären Fortbestand sorgt. Da die knüppelharten F/X der letzten Teile ohnehin nicht mehr getoppt werden können, konzentriert man sich auf ein charmant-exploitatives Element mitsamt Einflüssen verquerer Erotik und den nicht mehr ganz so inflationär vorgetragenen, üblichen Schlacht- und Fressorgien. Anstatt also den sich letzthin bereits andeutenden, selbstreflexiven Humor der Serie weiter auf die Spitze zu treiben und somit den aktuell typisch-referenziellen Weg zu verfolgen, versuchen der bulgarischstämmige Regisseur Valeri Milev und der bis dato als Dokumentarist in Erscheinung getretene Scriptautor Frank H. Woodward es mit einer aufrichtigen, atmosphärischen Hinwendung zum europäischen Genrekino der Siebziger. Wenngleich dieser Ansatz sich als in der Ausführung noch nicht ganz ausgereift erweist, eine dennoch begrüßenswerte Entwicklung, wie ich finde.

6/10

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Filmtagebuch von...

Funxton

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