Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


Foto

PRISON (Renny Harlin/USA 1988)


"You give me back my ball, I'll give you yours."

Prison ~ USA 1988
Directed By: Renny Harlin

Nach Jahrzehnten der Brachlage wird das Creedmore-Gefängnis wiedereröffnet, zum besonderen Unwohlsein der Sozialarbeiterin Katherine Walker (Chelsea Field) mit dem reaktivierten Direktor Sharpe (Lane Smith) an der Spitze. Dabei hatte dieser einst die Hinrichtung des unschuldigen insassen Charlie Forsythe (Viggo Mortensen/Kane Hodder) initiiert, dessen unbefriedeter Geist noch immer den Mauern von Creedmore innewohnt. Bald kommt es zu den ersten, furchtbaren Todesfällen, deren wahre Ursache Sharpe und sein Aufseherteam voller Ignoranz und Drakonie ignorieren...

Kurz bevor er den vierten Teil des "Nightmare On Elm Street"-Franchise inszenieren durfte, fertigte Renny Harlin mit "Prison" für die B-Produktionsfirma Empire seinen ersten reinen US-Film. Obschon das Script teilweise unausgegoren daherkommt (so bleibt etwa die physiognomische Ähnlichkeit zwischen Forsythe und dem heldenhaften Autoknacker Burke der Interpretation des Zuschauers überlassen), kann man Harlin angemessene inszenatorische Fähigkeiten zusprechen, die dann auch Sorge dafür tragen, dass "Prison" das Gros des üblichen Empire-Ausstoßes mühelos überflügelt. Die F/X sind toll und wirken auch heute noch nicht antiquiert, dazu gibt es eine untadelige Besetzung.
Ein wenig Straffung hier und da, respektive ein paar mehr Derbheiten äquivalent zu den ohnehin vorgestellten, hätten "Prison" nach meinem Dafürhalten noch optimiert, doch auf solch hohem Niveau zu jammern, das kann man sich ruhigen Gewissens ebensogut sparen.

7/10

Renny Harlin Gefängnis Rache Dämon Fluch Empire


Foto

WOLF CREEK 2 (Greg Mclean/AU 2013)


"Welcome to Australia, British cocksucker!"

Wolf Creek 2 ~ AU 2013
Directed By: Greg Mclean

Der irre Serienmörder Mick Taylor (John Jarratt) mordet sich weiter unbehelligt durchs Outback. Nachdem er zwei Cops (Shane Connor, Ben Gerrard) und ein deutsch-holländisches Rucksack-Touristenpärchen (Shannon Ashlyn, Philippe Klaus) hopps genommen hat, widmet er sich dem englischstämmigen Aussteiger Paul (Ryan Corr), den er nach einer umständlichen Jagd doch noch fangen kann und in seinen hauseigenen Katakomben zu einem gemeinen Spiel einlädt...

Da "Wolf Creek 2" die etwas umständlich formulierte Exposition des Erstlings fehlt und er, im besten Bewusstsein, dass Mick Taylor sich mittlerweile seinen Platz im Olymp der großen Kinopsychopathen eingenommen hat, gleich zur Sache kommt, ist er über seine gesamte Distanz deutlich temporeicher und spannender als das Original. Mcleans Sequel bietet ehrlichen, respektlosen Fun-Splatter mit einer großzügigen Dosis schwarzen Aussi-Humors und unterstreicht nochmals den breitgestreuten Irrsinn Mick Taylors, der im ersten Moment nach wie vor wie ein typischer, kauzig-freundlicher Kangarooboy wirkt, um sein Gegenüber dann schon im nächsten fachmännisch auszuweiden und zu zerlegen. Im letzten Viertel erhalten wir dann noch Einblick in Taylors katakombenartigen Folterkeller, dessen Ausstattung uns zudem ein wenig Laien-Profiling betreffs Taylor erlauben. Dieser leidet nämlich ganz offensichtlich unter pathologischer Misogynie und einem bösen Sexualkomplex, da nahezu all seine schwer durch die Mangel gedrehten Opfer - und derer gibt es eine großzügige Anzahl - junge Frauen sind. So erinnert Taylors Kellerlabyrinth wohl nicht von ungefähr akut an das der Sawyer-Familie unter dem texanischen Freizeitpark in "TCM 2".
"Wolf Creek 2" ist somit einen guten Schlag kränker als der Vorgänger, was ihm wirklich gut tut.

7/10

Greg Mclean Australien Outback Serienmord torture porn Madness Sequel Splatter


Foto

MANIAC COP 3: BADGE OF SILENCE (William Lustig/USA 1993)


"I don't like your sense of humor. Better go and help these people!"

Maniac Cop 3: Badge Of Silence ~ USA 1993
Directed By: William Lustig

Durch die Beschwörungen eines Voodoo-Priesters (Julius W. Harris) erwacht der Horror-Polizist Matt Cordell (Robert Z'Dar) zu neuem Leben und begibt sich auf eine weitere Mission zur Tilgung unflätigen Unrechts. Die als schießwütig geltende Nachwuchs-Polizistin Kate Sullivan (Gretchen Becker) muss sich bei einem Einsatz gegen die Räuber (Jackie Earle Haley, Vanessa Marquez) zur Wehr setzen, wird selbst schwer verletzt und sieht sich danach öffentlich in den Medien, denen ein gezielt verstümmeltes Tape der Aktion zugespielt wird, verleumdet. Kates Mentor ist jedoch Detective McKinney (Robert Davi), der mit Cordell bereits seine Erfahrungen gemacht hat und nun alles daran setzt, Kate vor dem aktionistischen Zombiecop zu beschützen.

Der letzte Klapp der "Maniac Cop"-Reihe fällt gegenüber den beiden Vorgängern etwas ab. Eine allseitige Müdigkeit betreffs des ansonsten sicherlich durchaus serienkompatiblen Franchise zeichnet sich ab; der Bezug zum bislang Geschehenen, das sich ja auf immerhin zwei Filme ausdehnen ließ, wird durch den etwas halbgaren Voodoo-Plot um jenseitige Gerechtigkeitssuche verwässert und die Figur Matt Cordells für meinen Geschmack allzu weit in die hinteren Reihen drängt. Dafür wird Cordell, der durch seine Braterei im letzten Film jetzt endgültig wie Jason Voorhees ausschaut, zum Slasher hochgepusht, der seinen Opfern mit einfallsreichen Methoden (zum Beispiel einem Defibrillator oder einer Überdosis Röntgenstrahlung) zu Leibe rückt. Lustigs und Cohens Einsatz bleibt vergleichsweise verhalten. Dennoch fügt dieses Finale der Serie weder Schaden noch Schande zu und trägt sie halbwegs würdig zu Grabe. Mit seiner kleinen Freundin an der verbrutzelten Seite sollte Matt Cordell ja nun auch seinen lang verdienten Frieden gefunden haben; trotz verdächtiger letzter Zuckungen auf der Bahre.

6/10

William Lustig Larry Cohen New York Rache Voodoo


Foto

MANIAC COP 2 (William Lustig/USA 1990)


"You're the prettiest one in my collection so far..."

Maniac Cop 2 ~ USA 1990
Directed By: William Lustig

Der Killer-Cop Matt Cordell (Robert Z'Dar) kann dem Tod ein weiteres Mal von der Schippe springen und "patrouilliert" wieder durch Manhattan. Noch wütender auf sein ehemaliges Department unterstützt Cordell ab jetzt sogar gezielt Kriminelle und lässt stattdessen brave Bürger über die Klinge springen. Zudem rächt er sich umgehend an Jack Forrest (Bruce Campbell) und Teresa Mallory (Laurene Landon), die das letzte Duell gegen ihn gewonnen hatten. Doch der hartgekochte Detective Sean McKinney (Robert Davi) und die Polizeipsychologin Susan Riley (Claudia Christian) sind bereits zur Stelle, um den Kampf gegen den nicht tot zu bekommenden Cordell aufzunehmen. Dieser bleibt derweil nicht untätig und sucht sich in dem irren Serienkiller Steven Turkell (Leo Rossi) einen willfährigen Adlatus.

Eigentlich seltsam, aber der Verzicht von James Glickenhaus, dem Franchise weiterhin treu zu bleiben, sorgt nochmals für einen Qualitätsanstieg, so dass "Maniac Cop 2" den Höhepunkt der Trilogie um den nunmehr endgültig zum Zombie-Polizisten deklarierten Matt Cordell bildet. Das Sequel ist über weite Strecken deutlich temporeicher als der Erstling, der Humor etwas subtiler, der Kamerastil wesentlich eloquenter. Wo das Original oft großzügig ausgeleuchtet war, gibt es jetzt noireske Schattierungen, erlsene, neonlichtdurchflutete Schauplätze (wie Turkells schickes Souterrain-Appartment), eine interessantere Charakterriege und darüber hinaus eine dem Vorgänger nicht nachstehende, edle Besetzung. Zudem fallen zwei offene Liebeserklärungen an das Genrekino der ausklingenden Dekade ins Auge: Gleich zu Beginn gibt es eine Variation der Eingangssequenz aus "Cobra", mit Marco Rodríguez in einer (unkreditierten) Reprise seiner vormaligen Rolle als übergeschnappter, schrotflintenbewährter Supermarktkiller, im weiteren Verlauf überfällt der unaufhaltsame Matt Cordell, wie weiland der Terminator, ein Polizeirevier und lässt dabei keinen Stein auf dem anderen. Das Gefängnisfinale bietet schließlich einen Overkill spektakulärer Actionsequenzen.
Ein durchweg toller Film ergo, der in der deutschen Fassung ferner (wie schon der Vorgänger) durch seine sorgfältige Synchronisation aus dem Rahmen fällt. Und eines der seltenen Beispiele einer gegenüber ihrem Original ambitionierteren Fortsetzung.

8/10

William Lustig Larry Cohen New York Rache Serienmord


Foto

MANIAC COP (William Lustig/USA 1988)


"He'll kill again... he enjoys killing."

Maniac Cop ~ USA 1988
Directed By: William Lustig

Ein Killer in Polizeiuniform macht Manhattan unsicher. Hauptverdächtiger ist der Streifenpolizist Jack Forrest (Bruce Campbell), der sich nicht ganz zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort befand. Doch der emsige Ermittler Frank McRae (Tom Atkins) ist bereits der Wahrheit auf der Spur: Der totgeglaubte Cop Matt Cordell (Robert Z'Dar), der einst von den Stadtoberen verladen und nach Sing-Sing verfrachtet wurde, um dort von seinen früheren Verhaftungsopfern schwer misshandelt zu werden, lebt noch, hat jedoch den Verstand verloren und befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen die gesamte Stadt. Als McRae selbst zum Opfer Cordells wird, stehen nurmehr Forrest und seine Freundin Theresa (Laurene Landon) gegen den Wahnsinnigen.

William Lustig, Larry Cohen, James Glickenhaus - drei Namen, bei denen Aficionados hocherfreut die Ohren klingeln, und nicht nur diese. Alle drei sind sie bekannt für großartiges New Yorker Genrekino aus dem eher zwielichten Bereich und haben jeweils Einiges an Liebhaberstücken auf dem Kerbholz. Für "Maniac Cop", den man durchaus als frühes "happening movie" bezeichnen könnte, wie sie ja heute Gang und Gebe sind, vereinten die drei Kollegen ihre kreative Power (Glickenhaus als Produzent, Cohen als Autor und Lustig als Regisseur) und schufen einen ironisch konnotierten Hybriden aus Action- und Horrorfilm, der zudem eine angemessen genrebeflissene Besetzung mit mancherlei klangvollen Namen aufweisen konnte - und, bei diesem Hinter-Kamera-Trio wenig verwunderlich, eine große Liebeserklärung an den urbanen Moloch New York darstellte. Zudem hat man einige Trümpfe in der Hinterhand, wenn man etwa den zuvor als Haupthelden charakterisierten Tom Atkins frühzeitig aus dem Film nimmt und Bruce Campbell gezielt zu seinem Nachfolger deklariert, oder auch insofern, als dass man Matt Cordells entstelltes Antlitz erst gegen Ende frontal der Linse offeriert.
Ein witziger, sehenswerter kleiner Klassiker, für jeden Freund eines der oben Genannten (wobei, wahrscheinlich wird jeder, der einen von ihnen mag auch die beiden anderen mögen -) sowieso Pflichtprogramm.

7/10

William Lustig James Glickenhaus Larry Cohen New York Madness Rache


Foto

BUG (Jeannot Szwarc/USA 1975)


"Where are you, my little fellas?"

Bug (Feuerkäfer) ~ USA 1975
Directed By: Jeannot Szwarc

In einem kalifornischen Wüstenkaff bildet sich infolge eines Erdbebens eine meterlange Bodenspalte, aus der übergroße Käfer hervorkommen. Diese können bei Kontakt mit brennbarem Material Feuer entzünden und ernähren sich von Asche. Dem Biologen James Parmiter (Bradford Dillman) werden seine emsigen Untersuchungen der Käfer bald zum Verhängnis: Ein sich in seinem Hause versteckendes Exemplar verursacht den Verbrennungstod seiner Frau Carrie (Joanna Miles). Für Parmiter wird das Studium der Tiere fortan zu einer übermächtigen Obsession: Zurückgezogen unternimmt er Kreuzungsversuche der Käfer mit Hausschaben und muss bald feststellen, dass die immer intelligenter werdenden Sprösslinge ihm den persönlichen Krieg erklärt haben.

Was wie ein ordinärer Insekten-Katastrophestreifen beginnt, entwickelt sich, analog zu seinen krabbelnden Protagonsten, erst in der zweiten Hälfte zur eigentlichen Blüte: Hier gerät "Bug" zum vollblütigen Psychogramm eines dem Wahnsinn Verfallenden. Am Ende lässt sich tatsächlich kaum mehr bestimmen, ob die gezeigten Ereignisse sich nurmehr in Parmiters Kopf abspielen oder ob die in Rekordschnelle evolutionierenden Feuerkäfer tatsächlich so etwas wie Höllengesandte sind, die der Arroganz kurzsichtigen, humanen Forschungsdranges exemplarisch den Hahn abdrehen. Einige der Finalszenen sprechen für beide Ansätze und gerade diese Uneindeutigkeit fasziniert an "Bug".
Bradford Dillman gibt als besessener Forscher eine Glanzleistung, mit Sicherheit eine seiner vordringlichsten. Wie er sich, nach der Todesnachricht betreffs seiner Frau, in einer Mischung aus Schuldgefühlen, Rachsucht und unablässiger Neugier von einem freundlichen Lehrer zu einem innerlich und äußerlich verfallenden Eremiten verwandelt, das geht weit über jede gewöhnliche B-Film- oder auch Genre-Klassifikation hinaus.
Ein überraschend guter Film!

8/10

William Castle Jeannot Szwarc Kalifornien Insekten Tierhorror


Foto

ALLIGATOR II: THE MUTATION (Jon Hess/USA 1991)


"Do it! I deserve it! We both do!"

Alligator II: The Mutation ~ USA 1991
Directed By: Jon Hess

In einem Kleinstädtchen verschwinden mehrere Menschen, die sich allesamt in der Nähe des zentral gelegenen Sees oder der benachbarten Kanalisation aufgehalten haben. Detective David Hodges (Joseph Bologna), von der Chicano-Bevölkerung liebevoll 'El Solo Lobo' genannt, kann der Sache bald auf den Grund gehen: Ein durch Giftmüll mutierter Alligator frisst sich durch den unvorsichtigen Teil der Einwohner. Gleichzeitig treibt noch ein viel schlimmeres Monster sein Unwesen: der für seine krummen Grundstücksgeschäfte über Leichen gehende Unternehmer Vincent Brown (Steve Railsback).

Eigentlich ein B-Movie nach Maß, angemessen stupid, schnippisch, billig, lustig. Dafür steht die erstklassige Besetzung um Bologna, Railsback, Richard Lynch (ausnahmsweise mal als Sympathieträger) Brock Peters und Dee Wallace Stone, die sich in Cameos durch einige liebe Bekannte ergänzt findet wie Kane Hodder, Professor Toru Tanaka und vor allem - superwitzig - Voyo Goric, der bereits mit uns Winnetou und Old Shatterhand (im Tal der Toten) über die Leinwand geritten war. Insofern alles golden.
Leider, leider gibt es jedoch auch zwei extreme Störfaktoren: Zum einen sind die Alligator-Tricks im Vergleich zu Lewis Teagues zehn Jahre älterem, viel ambitionierterem Original zum Heulen. Zumeist hat man einfach echte Exemplare abgefilmt und für einige wenige Szenen Animatronik benutzt, die sich jedoch in Kopf und Schwanz erschöpft. Dies hat zur Folge, dass die Größe des Untiers permanent variiert, wobei es nie wirklich riesig und somit für ein monster movie allzu unspektakulär ist. Zum anderen ist Hess' Film schlicht zu lang. Wenngleich der Showdown nochmal Manches gut macht, hätte ein geschickterer Regisseur gute zehn Minuten unterm Schneidetisch zurückgelassen. Besonders im letzten Drittel verliert "Alligator II" sukzessive an Fahrt, dass man nicht eben selten verschämt nach dem Zählwerk schielt.

4/10

Jon Hess Sequel Alligator Monster Trash Kleinstadt Tierhorror


Foto

MESSIAH OF EVIL (Willard Huyck/USA 1973)


"You're not supposed to eat that fuzz!"

Messiah Of Evil (Messias des Bösen) ~ USA 1973
Directed By: Williard Huyck

Die junge Arletty (Marianna Hill) kommt in das vornehmlich von Künstlern frequentierte Küstenstädtchen Point Dune, von wo aus ihr Vater, der Maler Joseph Long (Royal Dano), ihr zunehmend merkwürdige Briefe schickte, bis die Korrespondenz schließlich komplett abbrach. Bereits Arlettys Ankunft in Point Dune ist von merkwürdigen Zeichen geprägt. Bald lernt sie den Libertin Thom (Michael Greer) kennen, der ihr zur Seite steht und mit ihr das grauenhafte Geheimnis von Point Dune offenlegt: Ein hundert Jahre alter Fluch bewahrheitet sich nun; ausgesprochen damals von einem kannibalischen Priester, eines der Überlebenden der berüchtigten Donner Party. Auf dessen Rückkehr warten die Einwohner der Stadt, derweil sie sich in blutrünstige Berserker verwandeln.

Ein wunderbar entrückter, kleiner Film, von dem gemeinhin stets zusammenarbeitenden, mit George Lucas verbendelten Schreiberpärchen Huyck und Katz als deren Regiedebüt inszeniert. Bei der Schaffung des Werks waren mutmaßlich einige Rauschmittel im Spiel, denn der überaus ästhetische, trotz seines Sujets niemals ins Vulgäre abdriftende Film wirkt en gros selbst wie ein Hypnotikum. Die avantgardistischen Wandgemälde und die Architektur des Hauses von Arlettys Vater nehmen ebenso schöne wie beunruhigende heimliche Hauptrollen ein. Der Rollenname der Hauptfigur verweist auf die berühmte französische Darstellerin gleichen Namens; mit den Besetzungen von Elisha Cook Jr. und Royal Dano zollt man dem Silver Age Hollywoods pronociert Tribut. Und das erste Mordopfer, dessen Kehle blutig durchschnitten wird, ist der junge Walter Hill. New Hollywood pur, wenn auch garantiert in keinem entsprechenden Kanon erwähnt.
Bei diesen für sich sprechenden Attributen möchte ich es fürderhin belassen, denn ein analytisches Zerreden würde "Messiah Of Evil" doch bloß seines betörenden Zaubers und damit sein Hauptelixiers berauben.

9/10

Willard Huyck Gloria Katz Kalifornien Fluch Sekte Kannibalismus Bohéme Vater & Tochter Zombies Independent Surrealismus


Foto

DRACULA VS. FRANKENSTEIN (Al Adamson/USA 1971)


"And all those who would meddle in the destinies of Frankenstein and Dracula will see an infernal bloodbath the likes of which has not swept the Earth before!"

Dracula Vs. Frankenstein (Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein) ~ USA 1971
Directed By: Al Adamson

Der letzte Nachkomme derer von Frankenstein sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl leitet unter dem Namen 'Dr. Duryea' (J. Carrol Naish) ein Kuriositätenkabinett am Strand von Venice Beach. Hier braut er ein besonderes Lebenselixier zusammen, für das er jedoch organische Komponenten benötigt, die ihm sein imbeziler Diener Groton (Lon Chaney Jr.) in Form am Strande zusammengeklaubter Opfer besorgt. Auch seine Kreatur (John Bloom) liegt bereits auf dem Operationstisch und wartet auf den neuen Lebenshauch. Dummerweise interessiert sich zugleich ein weiterer Altbekannter, nämlich Graf Dracula (Zandor Vorkov), für Frankensteins Serum, da er mit dessen Hilfe eine Vampirarmee erschaffen will. Die dralle Judith (Regina Carrol) sucht derweil mit Hilfe des Surfhippies Mike (Anthony Eisley) nach ihrer verschwunden Schwester (Maria Lease) und kommt dabei den Blutfürsten in die Quere...

Das war (und ist) natürlich ganz großes Kino, das Al Adamson hier dereinst auf die Menschheit losließ; Guerillafilmemachen, wie es nur zu Zeiten von LSD, swingin' und surfin' möglich war, als der heimische Pazifismus gegen den Krieg in Fernost noch wahre Monster gebierte. "Dracula Vs. Frankenstein" erscheint auf den ersten Blick wie eine typisch C- oder D-Gurke im Gedenken an Ed Wood Jr. und seine Gesinnungsgenossen, liefert mit all seinen wild zusammengeworfenen Ingedienzien jedoch eine unnachahmlichen Eintopf, der schmackhafter kaum sein könnte. Verbrauchte Gestalten vom Schlage eines Lon Chaney, die im wahren Leben mittlerweile gruseliger waren denn all ihre Monsterrollen zusammen, erhielten hier die Chance, sich abseits der schmalen Rente ein paar Flaschen Whiskey leisten zu können. Stichwort Chaney: Der braucht hier erst gar nicht mehr zu sprechen, sondern nurmehr zu grunzen; zudem sind fast alle seine Einstzellungen so gefilmt, dass niemand mit ihm zu interagieren hatte. Immer noch besser als wirklich seine Axt in den Schädel zu bekommen...
J. Carrol Naish und Zandore Vorkov sondern (in der deutschen Fassung mit den arrivierten Stimmen von Klaus Miedel und Joachim Kemmer) unglaublichste Verse ab und Russ Tamblyn gibt einen Rocker namens Rico "auf der Suche nach 'ner neuen Mutter". Auch das rettet ihn nicht vor Lon Chaneys Axt. Als weiteres Verbindungsglied zwischen cineastischer Klassik und Moderne bietet Adamson den wie immer grandiosen, zwergenwüchsigen Angelo Rossitto auf, dessen Filmographie von Brownings "Freaks" bis hin zu Burrs "The Offspring" reicht und damit voll ist von wundersamen Rohdiamanten (zu welchen selbstredend auch dieser aus Adamsons Schaffenskrone gehört).

6/10

Al Adamson Dracula Frankenstein Venice Beach Kalifornien Independent Crossover Mad Scientist Monster Vampire camp Trash


Foto

SUPERSTITION (James W. Roberson/CAN 1982)


"Leave the cellar right now or I'm gonna kick you out!"

Superstition (The Witch) ~ CAN 1982
Directed By: James W. Roberson

Der untote Geist der vor rund drei Jahrhunderten hingerichteten Hexe Elvira Sharack (Jacquelyn Hyde) treibt auf dem Areal der damaligen Ereignisse noch immer sein Unwesen - wer zu neugierig ist oder zu lange verweilt, muss eines grausamen Todes sterben. Ausgerechnet der dem Suff verfallene Geistliche George Leahy (Larry Pennell) soll nun mit seiner Familie die auf Elviras Land stehende Villa beziehen - ganz zum Unbehagen des bereits in mehreren hiesigen Mordfällen ermittelnden Inspector Sturgess (Albert Salmi). Der junge Pfarrer Thompson (James Houghton) spürt derweil der Legende um Elvira Sharack nach und stößt auf böse Waherheiten...

Ein feiner, kleiner Genrefilm ist James W. Roberson mit "Superstition" geglückt, der den noch immer präsenten Okkultismus-Horror der Vorgängerdekade mit dem zeitgenössischen Naturalismus des Splatterfilms kombinierte und so einen Miniklassiker hervorbrachte, der heuer leider weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen ist. Ich selbst habe von ihm im Zuge einer Unterhaltung mit der irischstämmigen Frau eines Freundes erfahren, in der es um frühe Erinnerungen an Horrorfilme ging. Sie erzählte mir von "Superstitition", den sie als Kind in Kanada gesehen und der nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen hatte. Ich versprach ihr, den Film nachzuholen - das seit knapp einem Jahr erhältliche, sehr empfehlenswerte, deutsche DVD-Release bot sich hierfür an - und bin nun selbst mittelschwer angetan.
"Superstition" beherbergt subsummierend alles, was der Aficionado wünscht: Eine gepflegt-abseitige Atmosphäre, Satansspuk, harten Splatter und den einen oder anderen wirklichen Gruseleffekt, der etwa dadurch geschickt evoziert wird, dass man von der dämonisierten Elvira Sharack nie die Gesamterscheinung, sondern mit Ausnahme der Klauenhände lediglich die schreckenverheißende Silhouette zu sehen bekommt.
Vielleicht ist Robersons Werk in seiner Gesamtheit dann doch zu unangepasst und eigensinnig, um zwischen "The Sentinel" und "Poltergeist" seinen ihm genealogisch gebührenden Platz einzunehmen; nichtsdestotrotz lohnt es, sich ihm zu widmen.

7/10

James W. Roberson Hexe Dämon Fluch Kirche Splatter