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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE VAULT OF HORROR (Roy Ward Baker/UK, USA 1973)


"So that's what our destinies are meant to be..."

The Vault Of Horror (In der Schlinge des Teufels) ~ UK/USA 1973
Directed By: Roy Ward Baker

Im Fahrstuhl eines Geschäftsgebäudes steigen nach und nach fünf sich unbekannte Männer zu, die anstatt im Erdgeschoss auf einer "Sonderetage" landen, wo ein runder Tisch mit Getränken auf sie wartet. Das Quintett beginnt sich gegenseitig seine bösesten Albträume zu beichten: Rogers (Daniel Massey) will seine Schwester Donna (Anna Massey) hinsichtlich einer Familienerbschaft übervorteilen und tötet sie. Was er nicht weiß: Donna und etliche andere Bewohner ihrer Kleinstadt sind Vampire, die Rogers buchstäblich anzapfen. / Critchit (Terry-Thomas) treibt mit seiner neurotischen Pedanterie seine Ehefrau (Glynis Johns) in den Wahnsinn, die ihn daraufhin in sorgsame Einzelteile sortiert. / Das Magierpaar Sebastian (Curd Jürgens) und seine Gattin Inez (Dawn Addams) ist in Indien auf der Suche nach neuen Tricks für seine Zauberrevue. Dabei entlarvt Sebastian einen alten Fakir (Ishaq Bux) als Scharlatan, was dessen Tochter (Jasmina Hilton) zu einer arglistigen Racheaktion mit ihrem verhexten Seil bewegt. / Maitland (Michael Craig) will seine Lebensversicherung verfrüht kassieren, täuscht seinen Tod vor und lässt sich lebendig begraben. Sein narrensicherer Plan scheitert jedoch an zwei Medizinstudenten (Robin Nedwell, Geoffrey Davies), die ihm zufällig in die Parade fahren. / Der Maler Moore (Tom Baker) erfährt in der Karibik, dass seine drei Londoner Kompagnons (Denholm Elliott, Terence Alexander, John Witty) ihn übervorteilt und seine Bilder für teures Geld verkauft haben. Für seine Rache eignet er sich Voodoo-Kräfte an, deren Einsatz jedoch auf ihn selbst zurückfallen...

Der sechste und vorletzte große Omnibus-Horrorfilm der Amicus basiert wie bereits der mittelbare Vorgänger "Tales From The Crypt" auf der gleichnamigen E.C.-Comics-Serie, in der es einen dem Crypt Keeper nachempfunden Vault Keeper gab, einen sardonischen, alten Greis mit Fletschauge und Warzen, der standesgemäß immer einen gemeinen Spruch auf Lager hatte, um die bösen Fettnäpfchen, in die "seine" Protagonisten zu treten pflegten, zu kommentieren. Leider kommt er in Roy Ward Bakers Film nicht vor; die Ideenvielfalt, die sorgsame Inszenierung und der stets leichtfüßige Camp-Grusel, der wesentlich zur Materie gehört, bleiben aber trotzdem erhalten. Wie eh und je sind auch hier die Erzähler und Ersinner ihrer grauenhaften Werdegänge die eigentlichen Bösewichte und das, was ihnen schlussendlich widerfährt, lediglich das angemessene Waldesecho: Amoralische Gierhälse, Haustyrannen und Todsünder sind sie allesamt, was sie (in vieren der beschriebenen Fälle) schließlich zu Mördern werden und ihre Strafe auf dem Fuße folgen lässt: Vampire, die einen Blutdrink zum Diner bevorzugen, Komplettzerteilung, Autounfälle und ein mörderisches Zauberseil sind ihre übernatürlichen Richtschwerter! Adäquat besetzt mit einigen wohlbekannten, gesetzten Darstellern in Haupt- und Nebenrollen und wie gewohnt in ausgesuchtem Ambiente spielend, steht "The Vault Of Horror" in allerbester Tradition und seinen liebenswerten Vorgängern somit in nichts nach.

8/10

Roy Ward Baker Amicus Episodenfilm E.C.


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GRIZZLY (David Hackl/USA, CA 2014)


"Welcome home."

Grizzly (Red Machine - Hunt Or Be Hunted) ~ USA/CA 2014
Directed By: David Hackl

Nach einer siebenjährigen Gefängnisstrafe wegen Totschlags kehrt Rowan (James Marsden) in sein Heimatstädtchen zurück. Dort ist sein älterer Bruder Beckett (Thomas Jane) nach wie vor Deputy und schlecht auf Rowan zu sprechen. Doch dieser hat einen konkreten Grund, hier zu sein: Mary (Mariel Belanger), die Frau seines alten Kumpels Johnny (Adam Beach), hat ihn hergerufen, um ihr zu helfen. Johnny hat sich offenbar einer Gruppe Bärenwilderer angeschlossen, die bereits seit Tagen in den Wäldern verschollen sind. Der Grund dafür zeigt sich bald - ein riesiger Grizzly läuft Amok und tötet jeden Menschen, der ihm über den Weg läuft. Rowan und Beckett und auch der fanatische Bärentöter Douglas (Billy Bob Thornton) machen sich, zunächst alle unabhängig voneinander, auf den Weg in das undurchdringliche Waldstück 'Grizzly Maze', um den Killer unschädlich zu machen.

Ich bin ja ein Fan von Killer-Grizzlys seit William Girdlers bislang unerreichtem Original, das seinerseits eigentlich bereits ein Plagiat darstellte. Wo Girdler Spielbergs "Jaws" nacheiferte, wagt David Hackl doch tatsächlich das Unglaubliche und versetzt nach über 30 Jahren Michael Andersons ebenfalls sehr schönen "Orca" in das Milieu der Rocky Mountains. Der titelgebende Bär ist nämlich auf einem Rachefeldzug gegen das Raubtier Mensch, nachdem das böse Wilderer-Trio seine Gefährtin mitsamt ihren Jungen dahingeschlachtet hat. Und auch ein Pendant für Richard Harris gibt es: Billy Bob Thornton als eine Art Käpt'n Ahab unter den Grizzly-Jägern dieser Welt!
Angesichts der erwartbar immens löchrigen Story und der kostengünstigen Präsentation des Films (am Ende gibt es eine dermaßen beschissen aussehende CGI-Feuersbrunst, dass ich mich ernsthaft fragte, ob ich da lediglich eines workprint ansichtig war) mutet es schon recht unglaublich an, welch darstellerische Prominenz-Power dieses Abschreibungsobjekt veredelte: Neben den bereits Erwähnten finden sich noch die nach wie vor überaus ansehnliche Piper Perabo (in einer albernen Rolle als taubstumme Naturliebhaberin) und Scott Glenn ein; nicht zu vergessen der unverwüstliche Filmbär Little Bart, Nachfolger des gleichnamigen Originals, das zu seinem Lebensende eine exklusivere Filmographie auf dem pelzigen Nacken hatte als manch menschlicher Star. Dass diese selbst jedem Hollywood-Großprojekt zur Ehre gereichende, natürlich auch etwas überreife Besetzung ausgerechnet einem kleinen Tierhorrorfilm zur Verfügung stand, zeugt möglicherweise von einer neuerlichen Präambel-Verschiebung im Schauspiel-Karussel: "Man muss nehmen, was man kommt - auch wenn es stinkt, ein bisschen." (Helge Schneider)

5/10

David Hackl Tierhorror Bär Jagd Brüder


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LA NOCHE DE LOS BRUJOS (Amando de Ossorio/E 1974)


Zitat entfällt.

La Noche De Los Brujos (Woodoo - Inferno des Grauens) ~ E 1974
Directed By: Amando de Ossorio

Eine kleine Forschergruppe reist in den Dschungel von Bumbasa, um dort bedrohte Wildtiere zu studieren. Niemand von ihnen kann ahnen, dass in direkter Nachbarschaft zu ihrem Zeltlager eine frühere Kultstätte der Eingeborenen liegt, wo selbige einst Frauen geopfert und in Vampirinnen verwandelt haben. Die Zauberer von anno dunnemals sind mitnichten tot und kehren ins Leben zurück, um auch die just angereisten Mädchen zu ihren Sklavinnen zu machen.

Das Interessanteste an Amando de Ossorios Film, den er just nach dem dritten Teil seines Templer-Zyklus zubereitete, ist, wie er es schafft, aus einem nichts an Gehalt einen knapp anderthalbstündigen Spielfilm aufzublähen. "La Noche De Los Brujos" geriert sich merklich als Schnellschuss ohne besondere Ambitionen, gestrickt mit der heißen Nadel und gefilmt zwischen Tür und Angel. Das, was uns hier als zentralafrikanisches Areal verkauft wird, könnte ebensogut der Stadtpark von Bad Tupflingen sein; es gibt lediglich drei Schauplatzwechsel und die Spezialeffekte erschöpfen sich in Vampirzähnen, etwas Kunstblut, Trockeneis und einem Dummy mit appem Haupt. Der von den bösen Zauberern praktizierte Voodoo-Kult entpuppt sich als Gemengelage aus allem, was Ossorio gerade einfiel: afrikanische Folklore, Leopardenmenschen, Zombies und Vampire. Die in Untote verwandelten Girls treten urplötzlich allesamt in Buschbikini-Uniform an und hüpfen in Zeitlupe und mit gefletschten Hauern durch die - ziemlich mies - künstlich umnachteten Bilder, sind jedoch eigentlich ganz einfach zu vernichten: man braucht ihnen bloß den Schal wegzunehmen. Die Rolle des "mysteriösen" Tomunga (José Thelman) bleibt genau das: mysteriös und hier und da gibt es ein ausgesucht schönes Paar Brüste zu bewundern. Jack Taylor wird in einem Fixierbad ersäuft und das Ende wurde schamlos bei "The Fearless Vampire Killers" geklaut.
Wenn ich es mir recht überlege, zeugt die Kombination all dessen dann doch von einem höchst illustren Maß an Fantasie.

5/10

Amando de Ossorio Afrika Voodoo Zombies Vampire Europloitation


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KILLER FISH (Antonio Margheriti/I, USA, BRA, UK 1979)


"I win my wars."

Killer Fish (Piranhas II - Die Rache der Killerfische) ~ I/USA/BRA/UK 1979
Directed By: Antonio Margheriti

Eine in Brasilien umtriebige Räubergang, die ein Vermögen an Edelsteinen aus einer hiesigen Fabrik geklaut hat, rechnet nicht mit der Raffinesse ihres Mastermind Diller (James Franciscus). Dieser hat nämlich, in zielsicherer Ahnung, dass die Anderen versuchen würden, ihn übers Ohr zu hauen, das Gewässer, in dem die Klunker versteckt sind, mit Piranhas verseucht. Die bissigen Fischchen knöpfen sich nunmehr jeden vor, der versucht, die Steine für sich zu kapern. Einzig Dillers Partner Lasky (Lee Majors) ist clever genug, sich von den Piranhas fernzuhalten - bis ein vorbeiziehender Hurricane sie alle nebst dem aparten Model Gabrielle (Margaux Hemingway) und einer kleinen Schar Modefotografen in höchste Bedrängnis bringt.

Als RTL plus damals in NRW in die freie Empfangbarkeit überführt wurde - das war glaube ich im Sommer 88 - zählte "Killer Fish" zu den oft und gern gezeigten Wiederholungen des Senders. Dabei erwies sich der deutsche Titel einmal mehr als Mogelpackung, wie sie die Italiener auch selbst und im Original gern zu verkaufen pflegten; mit Joe Dantes "Piranha" hat Margheritis Film nämlich außer den titelgebenden Beißkollegen nichts gemein. Fairerweise muss man hinzufügen, dass Selbiges auch für das spätere, offizielle Sequel gilt. Wie dem auch sei, "Killer Fish", eigentlich ein Musterbeispiel für internationales Koproduzieren, zählt zu den wenig gelittenen Streifen seiner Ära. Dabei ist er gar nicht so übel - die Besetzung ist durchweg gut aufgelegt und es macht Laune, ihr zuzuschauen; die (leider erst recht spät stattfindenden) Spannungssequenzen mit den Piranhas, die sich mit viel Elan durch die Eingeweide ihrer Opfer fressen (besonders am dicken Roy Brocksmith haben sie ihre Freude), sind Margheriti ordentlich gelungen. Gut, seiner späteren Vorliebe für Pyrotechnik, Miniaturbauten und Rückprojektionen gibt Margheriti vielleicht ein-, zweimal zu oft statt, aber das kennt man ja von ihm. Ich fand dieses Wiedersehen nach langer Zeit jedenfalls durchaus erfreulich.

6/10

Antonio Margheriti Brasilien Piranhas Heist Europloitation


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NELLA STRETTA MORSA DEL RAGNO (Antonio Margheriti/I, D, F 1970)


Zitat entfällt.

Nella Stretta Morsa Del Ragno (Dracula im Schloss des Schreckens) ~ I/D/F 1970
Directed By: Antonio Margheriti

Der Journalist Alan Foster (Anthony Franciosa) kommt in eine Taverne, um den Schriftsteller Edgar Allan Poe (Klaus Kinski) zu interviewen und platzt mitten in ein Gespräch zwischen Poe und seinem Bekannten Lord Blackwood (Enrico Osterman). Foster erklärt, dass er nicht an Übernatürliches glaube und wettet mit Blackwood, dass er unbeschadet eine Nacht in dessen Spukschloss verbringen könne. Tatsächlich muss sich Foster in den folgenden Stunden nicht nur eines Schlimmeren belehren lassen - diese Nacht in Blackwood Castle wird zugleich die letzte seines irdischen Lebens sein...

Mit "Nella Stretta Morsa Del Ragno", dem man in der deutschen Fassung unsinnigerweise eine Dracula-Konnexion angedichtet hat (wohl, weil es damals schick war und das trademark "Dracula" zu jener Zeit ein flugs einlösbares Versprechen für flotten Billighorror), ist ein Remake in eigener Sache. Margheriti verfilmte nämlich seinen erst sieben Jahre zuvor entstandenen "Danza Macabra" nochmal, wobei dieses "Auffrischung" schon ein wenig im Verdacht verhobener Sinnfälligkeit steht. Margheriti kann eigentlich unmöglich geglaubt haben, seinem Publikum mit "Nella Stretta" etwas besonders Exklusives darzubieten. Die Geschichte wurde faktisch 1:1 übernommen, die sehr anmutige Poesie des Originals jedoch nicht. Stattdessen gibt es diesmal Farbe und Scope und mit Franciosa und Kinski immerhin zwei hervorragende Schauspieler. Dafür muss man wiederum Barbara Steele missen, die ja ein gutes Stück zur Ikonographie von "Danza Macabra" beigetragen hatte. Zumindest sie erhält Michèle Mercier als undead dame in distress kein gleichwertiges Substitut. Den verrückten Professor präsentiert diesmal Peter Carsten, der vortreffliche Score stammt wiederum von Riz Ortolani.
Vergisst man zumindest streckenweise den ja eigentlich zwingenden Vergleich zwischen Alt und Neu findet man aufgrund der vielseitigen Kompetenz dann doch noch einen ganz schönen Film vor, der um diese Zeit sicherlich einen der besseren Margheritis darstellt. Das Schüren von Atmosphäre und Schauerromantik gelingt ihm nämlich doch noch ganz passabel und man schaut somit gern hin. Das ist mehr als die meisten aktuellen Genre-Produktionen von sich behaupten können.

7/10

Antonio Margheriti Remake period piece Edgar Allan Poe Bruno Corbucci Schloss Vampire


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HONEYMOON (Leigh Janiak/USA 2014)


"But you're different. You're different."

Honeymoon ~ USA 2014
Directed By: Leigh Janiak

Frisch verheiratet begeben sich Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway) für ihre Flitterwochen in das Cottage von Beas Eltern, das an einem idyllischen Waldsee liegt. Eines Nachts läuft Bea in den Wald und Paul findet sie dort ohne ihr Nachthemd und wie hypnotisiert. In den nächsten Tagen meint er, immer schwerwiegendere Veränderungen an ihr vorzufinden: Bea kann sich nicht an bestimmte Begebenheiten oder Wörter in ihrer gemeinsamen Vergangenheit erinnern, probt ganze Sätze vor dem Spiegel, wenn sie sich allein wähnt und vermeidet Körperlichkeiten. Ihr Nachthemd findet Paul zerrissen und mit Schleimspuren daran im Wald. Irgend etwas muss mit Bea in der betreffenden Nacht geschehen sein - und zwar nicht bloß somnambules Umhergetappse.

Die Ehe, die große Unbekannte. Man kann sich ja noch so gut kennen, aber erst der Ringtausch scheint eine Lizenz zu beinhalten, sein Inneres vor dem Anderen nach außen zu kehren und diverse Dinge fallen einem nach und nach auf, die vielleicht zuvor in dieser Form undenkbar gewesen wären. "Honeymoon" lässt sich recht umweglos als metaphorisches Konstrukt bezüglich dieser Phänmenologie lesen - das geliebte Wesen verwandelt sich mittelbar nach der Hochzeit in etwas, das man gar nicht mehr so wie vorher lieben kann, geschweige denn möchte. An Zulawskis "Possession", der ja auch eheliche Entfremdung zum Thema hat, erinnert "Honeymoon" hier und da: Auch diesmal gibt es Schleim und Monströses anstelle von besiegelter Zweisamkeit, allerdings in verhaltenerer und etwas weniger mehrdeutiger Form. Einer wirklichen conclusio enthält sich Janiaks Film, wenngleich sich recht gezielte Vermutungen anstellen lassen. Vielmehr geht es ihm um das sachte Anwachsen des Unbehagens, den höchst privaten Schrecken, der einen befällt, wenn das vertraut Geglaubte sich plötzlich als Mysterium erweist.

8/10

Leigh Janiak Ehe Wald Flitterwochen


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GRINDHOUSE (Robert Rodriguez, Quentin Tarantino/USA 2007)


"I never miss."

Grindhouse ~ USA 2007
Directed By: Robert Rodriguez/Quentin Tarantino

Aus Robert Rodriguez' und Quentin Tarantinos dereinst recht vollmundig angekündigtem "Grindhouse"-Projekt, das eine Hommage an das bereits im Titel postulierte "Kleinkunstkino" der siebziger Jahre darstellte, wurden zunächst die beiden Einzelsegmente "Planet Terror" und "Death Proof" destilliert und als eigenständige Arbeit des jeweiligen Regisseurs vermarktet. Gewinnmaximierung, ganz im Sinne jener liebevoll hofierter und karikierter Schmuddelreißer aus besseren Kinotagen. Die beiden solitär genossenen "Hauptfilme" (deren Reihenfolge innerhalb von "Grindhouse" selbst in umgekehrter Provenienz vielleicht etwas geschickter gewesen wäre, aber achronologische Durchmengung gehört ja zu Tarantinos kleinen Spezialitäten), die in ihren Einzelversionen jeweils mit einigen Szenen angereichert und gestreckt wurden, ergeben in ihrer Kompilation mitsamt all den hübschen Trailern ein deutlich passgenaueres Vergnügen. Diverse Darsteller, ja, sogar Charaktere wie der stets gern gesehene, vom zerknirschten Michael Parks gegebene Sheriff Earl McGraw, tauchen ja in beiden Filmen auf, was dem eigentlich intendierten venue sehr zuspricht. Einerseits muss man somit zwar auf Wohlgelittenes wie etwa den Lap Dance von Vanessa Ferlito verzichten, es bleibt einem jedoch auch geflissentlich störender Füllstoff erspart. Die Sinnfälligkeit des Ganzen, insbesondere die von Form und Präsentation jedenfalls erschließt sich zur Gänze erst im Double Feature, das ich den beiden Einzelbeiträgen stets vorziehen würde.

9/10

Robert Rodriguez Quentin Tarantino Texas Hommage Splatter Zombies Virus car chase Freundschaft Exploitation


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REDD INC. (Daniel Krige/USA 2012)


"This is your fifth and last caution!"

Redd Inc. (Headhunt) ~ USA 2012
Directed By: Daniel Krige

Der verurteilte Serienmörder Thomas Reddman (Nicholas Hope), der seine fünf Opfer allesamt enthauptete, gilt als tot und begraben, als sich die Kronzeugin des Prozesses, die Internet-Stripperin Annabelle (Kelly Paterniti) nach einem Überfall in der Wohnung zusammen mit den übrigen an Reddmans Verurteilung beteiligten Personen an einem mit Arbeits-Computern ausgestattetem Tisch angekettet wiederfindet. Reddman ist mitnichten tot und fordert seine Gefangenen auf, nach Beweisen für seine Unschuld zu suchen. Wenngleich eine Geisel nach der anderen das Zeitliche segnen muss, erkennt Annabelle bald, dass ihr Peiniger zwar vollkommen verrückt, aber tatsächlich mitnichten der damals gesuchte "Headhunter" ist. Der sitzt indessen unentlarvt am gleichen Tisch wie sie...

Ein langweiliger Stinker, hässlich und blöd. Da kann die "Fangoria" noch so vielversprechend als Schirmherr auftreten und Tom Savini noch hundertmal in den Credits stolz geschwellt als S-F/X-Supervisor aufgeführt werden und ein dem Streifen ein Cameo spendieren; geadelt wird das Ding dadurch trotzdem nicht. "Redd Inc." hangelt sich lediglich von einer seiner immerhin fiesen, handgemachten und ordentlichen Gore-Sequenzen zur nächsten; hat dazwischen jedoch nurmehr katastrophale Leerläufe zu bieten und entlarvt sich damit selbst als ideenloser Käse. Das Szenario - ein gemeingefährlicher Schizo verschafft sich seine Privatrache, indem er die Denunzianten an ihm und an der Moral in einer schummrigen Lokalität bis aufs Blut drangsaliert, erscheint mir mit jedem Male, da ich es seit "Saw" gesehen habe, unorigineller und obsoleter.
Daher, liebe Nachwuchsfilmer, jene repräsentierend lieber Mr. Krige -- lasst euch endlich mal was Neues einfallen, auf dass im Genre weniger redundanter Bodensatz und wieder mehr Sehenswertes entstehe. Danke und liebe Grüße, gez. ein Fan.

2/10

Daniel Krige Splatter Groteske Serienmord


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SUBLIME (Tony Krantz/USA 2007)


"Welcome to the Outback Snakehouse."

Sublime ~ USA 2007
Directed By: Tony Krantz

Aus einer routinierten Darmspiegelung kurz nach seinem 40. Geburtstag wird für den gesetzten Ehemann und Familienvater George ein nicht enden wollender Albtraum: Schwach und am Tropf hängend liegt er in seinem Krankenhauszimmer und erhält die Nachricht, dass man an ihm versehentlich eine andere Operation durchgeführt habe, die zur Reduktion körperlicher Schweißproduktion dient. Aus seinem sich nicht bessernden Zustand heraus versucht George, die Hintergründe dieses "Kunstfehlers" zu klären. Ist er möglicherweise ein zu verschleiernder Fall und darf deswegen nicht das Krankenhaus verlassen? Wer ist sein mysteriöser Pfleger (Lawrence Hilton-Jacobs) und was passiert Furchtbares in dem offiziell stillgelegten Nebenflügel des Hospitals? Soll George möglicherweise für immer zum Scheigen gebracht werden? Realität und verzerrte Wahrnehmung verschwimmen immer mehr, bis George nur einen Ausweg sieht: Die Flucht nach vorn!

Diese DTV-Produktion des kurzlebigen Warner-Genre-Ablegers "Raw Feed" fand ich überraschend gut. Tatsächlich vermag es der Film, sein Publikum im Gefolge des unglückseligen Protagonisten George - sofern unaufgeklärt - über mindestens zwei Drittel seiner Laufzeit im Vagen zu belassen. Ich selbst etwa dachte im Vorhinein, es würde sich um einen Organhandel-Thriller mitsamt unfreiwilligem Spender handeln, wurde dann jedoch eines deutlich Positiveren belehrt. Tatsächlich ist die gleich von der ersten Erzählsekunde an betonte, inhaltliche Komposition überaus ausgeklügelt und sinnhaft, woran sich die Form hervorragend angliedert. Sicherlich schimmern auch hier mehr oder weniger eindeutige Inspirationen und Vorbilder hervor, an Finchers "The Game" erinnert man sich gelegentlich oder hier und da an Tarsems "The Fall". Ein wirklicher Genrefilm ist "Sublime", vielleicht muss man das derart konstatieren: glücklicherweise, nicht. Dafür bekleidet er klare, existenzielle und auch medizinisch-ethische Standpunkte und propagiert an seinem bitteren, aber doch erlösungsbetonten Ende eine der elemetarsten Botschaften der Menschheitsgeschichte: den möglichst ungehinderten Gebrauch des individuellen, freien Willens.

8/10

Tony Krantz DTV Krankenhaus Koma Ehe


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HEXEN GESCHÄNDET UND ZU TODE GEQUÄLT (Adrian Hoven/BRD, UK 1973)


"Die wahren Teufel sitzen in Kutschen und leben in schönen Palästen."

Hexen geschändet und zu Tode gequält ~ BRD/UK 1973
Directed By: Adrian Hoven

Im Jahre 1780 gerät die Gräfin Elisabeth Von Salmenau (Erika Blanc) an den sadistischen Hexenjäger Balthasar "Balzer" von Ross (Anton Diffring), nachdem ihr Ehemann (Adrian Hoven) versucht hat, eine von Ross' nicht minder abartig veranlagtem Schergen Natas (Reggie Nalder) durchgeführte "Wasserprobe" zu vereiteln und dabei getötet wurde. Anstatt die ihr zustehende, weltgerichtlichliche Sühne zu erhalten, stehen die Gräfin und ihr kleiner Sohn (Percy Hoven) nebst einigen ehrbaren Kirchendienern nach einer boshaft eingefädelten Intrige Ross' bald selbst vor Gericht und unter dem Verdacht, mit Satan zu paktieren.

Stets im Schatten des wesentlich populäreren Originals "Hexen bis aufs Blut gequält" stehend, fällt dieses sich wichtig auf authentische Geschehnisse berufende von Adrian Hoven inszenierte Quasi-Sequel tatsächlich nicht mehr ganz so wirkmächtig aus. Die Effektivität des Originals rührte ja gerade aus dessen ungeheuerlichem Ansatz, aus jenem finsteren Kapitel anglo-europäischer Kirchengeschichte ein bärbeißiges exploitation movie mit Anklängen an heimatfilmische Schemata herauszuhauen. Die von Folter und Qual berichtenden Bilder und vor allem deren Affizierung des Rezipienten, die ihre Ungeheuerlichkeit insbesondere durch die Darstellung der Gräuel als Ausuferungen feudalistischer Willkür erreichte, besaßen nurmehr wenig Exklusivität. Tatsächlich scheinen die in "Hexen geschändet und zu Tode gequält" geschilderten Folterungen tatsächlich eher im Sinne einer Art visuellen Sado-Tourismus' gemacht: sie sind zwar kaum minder grausam und ekelhaft als bei Armstrong (der hierfür wohl wiederum am Script mitarbeitete), wirken aber dennoch weit weniger empörend oder aufpeitschend, sondern eben wie lupenreine, zweckdienliche exploitation. So sind die beiden "Hexen"-Filme durchaus gut geeignet, um die manchmal doch sehr feine Differenz zwischen unterschiedlich motivierten von Gewaltdarstellungen zu veranschaulichen.
Immerhin ist Hovens dritte Regiearbeit, wenngleich als brauchbare Inquisitions-Kritik wenig seriös, so doch unterhaltsam und recht spaßig geraten und mit dem meisten notwendigen Ingrediezien versehen worden. Aus "Hexen bis aufs Blut gequält" begegnen uns neben diversen Dreispitzen und anderen Requisiten auch der unvergesslichen Reggie Nalder, der immer tolle Johannes Buzalski sowie freilich Hoven Senior und Junior wieder.
Ordentliches DVD-Release längst überfällig und dringend erwünscht!

6/10

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Funxton

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