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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE WOMAN IN BLACK (James Watkins/UK, CA, S 2012)


"Don't go chasing shadows, Arthur."

The Woman In Black (Die Frau in Schwarz) ~ UK/CA/S 2012
Directed By: James Watkins

Für den Londoner Angestellten Arthur Kipps (Daniel Radcliffe), verwitweter und alleinerziehender Vater eines vierjährigen Jungen (Misha Handley), wird es brenzlig: Seine depressiven Episoden haben ihn schon beinahe seine Anstellung gekostet, als er den Auftrag erhält, den Nachlass einer verstorbenen Dame, Mrs. Drablow, zu sichten, die ihr abgelegenes Haus Eel Marsh mitten im nordenglischen Marschland, in der Nähe des Dörfchens Gifford bewohnte. Mit Ausnahme des offenherzigen Squire Sam Dailey (Ciarán Hinds) begegnen ihm die Einwohner Giffords durchweg mit hohem Misstrauen. Niemand will etwas mit Eel Marsh House zu tun haben oder darüber sprechen. Der Grund dafür wird Arthur bald nur zu einleuchtend: In dem Haus hat sich dereinst Mrs. Drablows Schwester Jennet Humfrye (Liz White) das Leben genommen, nachdem man ihr zunächst ihren Sohn Nathaniel weggenommen hat und dieser dann im Marschland ertrunken ist. Ihr hinterlassener Fluch besagt nun, dass jedesmal, wenn sie als geisterhafte "Frau in Schwarz" jemandem erscheint, eines oder mehrere Kinder sterben müssen. Arthur erfährt diese Weissagung bald am eigenen Leibe, und mehr, als ihm lieb sein kann...

Nach dem im heutigen New York angesiedelten, sehr konventionellen Thriller "The Resident" bildet "The Woman In Black" die nächste Produktion der revitalisierten Hammer; ein in jeder Beziehung hinreißender, vor allem jedoch erlesen fotografierter Gruselfilm im viktorianischen Gewand; sich auf "alte" Tugenden des Genres besinnend, indem er von langen Einstellungen und gemächlichen Kamerafahrten Gebrauch macht und überhaupt sehr geschmackvoll mit seinen vortrefflichen Ingredienzien verfährt. Der auf einem - angesichts seiner in punkto Zeitkolorit blendend getroffenen Atmosphäre - noch erstaunlich jungen Roman (1983) von Susan Hill basierende gothic horror verzichtet dabei bis auf wenige, dafür umso wirkungsvoller eingesetzte Ausnahmen auf modischen Digitalkintopp. Stattdessen gedenkt man der früheren Hammer-Qualitäten: set pieces, Interieurs, Kostüme sind von ausgesuchter Noblesse und Authentizität, die Landschaftsbilder gleichen oftmals den Gemälden zeitgenössischer Romantiker und sogar Daniel Radcliffe als trauriger junger Notarsadlatus in direkter Erbfolge eines Jonathan Harker überzeugt trotz seiner schweren Zauberer-Bürde. Für alle Liebhaber von haunted house movies, besonders von jenen, die in England (oder zumindest in Neu-England) angesiedelt sind, eine unbedingte Pflichtveranstaltung!

9/10

James Watkins Victorian Age Haus Spuk Fluch Geister England Dorf


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DER FLUCH (Ralf Huettner/AU, BRD 1988)


"Mama, wo gehen eigentlich die toten Kinder hin?"

Der Fluch ~ AU/BRD 1988
Directed By: Ralf Huettner

Ein verhängnisvoller Ausflug ins Gebirge: Zusammen mit ihren Eltern (Dominic Raacke, Barbrara May) begeht die kleine Melanie (Romina Nowack) einen zwecks Kurzwanderung geplanten Trip in die nahegelegenen Vor-Alpen. Doch mit Beginn der Ankunft im kleinen Kurort Silberhorn beginnt Melanie, sich seltsam zu verhalten: Sie verdreht Wegweiser und lässt nach dem Besuch einer einsamen Bergkapelle die Wanderkarte verschwinden. Man verläuft sich und ist zur Übernachtung in einer abgelegenen Hütte gezwungen, in deren Nähe Melanie eine halbgefrorene Mädchenleiche entdeckt. Drei weitere Mädchen wandern in der Ferne singend im Mondlicht auf dem Berg herum. Um die seltsamen Vorkommnisse zu entschlüsseln, bleibt Vater Rolf in der Gegend und unterhält sich mit dem Ortshistoriker (Gerd Lohmeyer). Dieser berichtet von vier vor rund 130 Jahren von ihren Eltern verpfändeten Mädchen, für deren "Tausch" in der Gegend Silber gefunden wurde, dass die Leute in der Gegend zwar reich, aber unglücklich zurückließ. Und heuer sieht es so aus, als forderten die Seelen jener kindlichen Opfer von einst ihren Tribut...

Ralf Huettners poetischen Horrorfilm, ein Kleinod der deutschen Kinolandschaft, habe ich zum ersten und bis dato letzten Mal bim Zuge einer gefühlte Ewigkeiten zurückliegenden TV-Ausstrahlung gesehen. Ich erinnere mich noch, dass der Film ganz normal im Abendprogramm lief und am nächsten Tag Gesprächsthema Nummer 1 in der Schule war - die ungewohnt grauselige Stimmung, die schließlich in einer kleinen Prophezeiungs-Apokalypse mündet und sich damit überaus böse auflöst, hatte uns Blagen insgeheim mehr mitgenommen als jeder hin und her getauschte Video Nasty. Ich habe mich an "Der Fluch" im Laufe der Jahrzehnte mehr oder weniger regelmäßig immer wieder erinnert und bin jetzt endlich dazu gekommen, ihn mir wieder anzuschauen. Man ist ja nun um einige rezeptorische Erfahrungen reicher, doch die Faszination, die Huettner damals bei mir ausgelöst hatte, konnte erfreulicherweise (in modifizierter Form selbstverständlich) mühelos reaktiviert werden. "Der Fluch" hält sich so weit als möglich streng an die Erlebens-Perspektive der achtjährigen Melanie, die bei einem Schulfreund zwar gewohnheitsmäßig harte Horror-Videos schaut, in deren Welt die realis um Tod und Sterben jedoch noch Begriffe von höchster Abstraktion sind. Nur selten wechselt Huettner den Blickwinkel, etwa, wenn er zu einer offenbar medial begabten, halbwahnsinnigen Frau (Ortrud Beginnen) schaltet, die mit Melanie am Abend vor ihrer Reise einen kleinen Verkehrsunfall hat und die unweigerliche Todesdetermination des Kindes erkennt, oder zum Vater, der dem Geheimnis um die gesichteten Geistermädchen nachspürt. Dass sich am Ende alles zu einem schauerlichen Gesamtbild fügt, in dem der titelgebende "Fluch", Rache, Katastrophe, Erfüllung, Schicksalhaftigkeit und auch Erlösung zu einer beunruhigend sinnstiftenden Conclusio geführt werden, vollendet diesen mit offensichtlichen und doch wirkungsvollsten Mitteln gefertigten Mini-Klassiker.
Baldige DVD-Veröffentlichung unumgänglich.

9/10

Ralf Huettner Alpen Fluch Kinder Geister Berg


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L'ORRIBILE SEGRETO DEL DR. HICHCOCK (Riccardo Freda/I 1962)


Zitat entfällt.

L'Orribile Segreto Del Dr. Hichcock ~ I 1962
Directed By: Riccardo Freda

London, in den frühen 1880er Jahren: Der renommierte Chirurg Professor Bernard Hichcock (Robert Flemyng) hat ein süchtig machendes Anästhetikum entwickelt, das er allabendlich seiner Frau Margherita (Maria Teresa Vianello) verabreicht. Nach einer Überdosis der Droge stirbt Margherita. Der frustrierte Professor reist ins Ausland und kehrt zwölf Jahre später mit seiner neuen Gattin Cynthia (Barbara Steele) nach Hichcock Manor zurück. Cynthia fühlt sich gleich in der ersten Nacht im Anwesen ihres Gatten höchst unwohl; Schreie und Stöhnen durchdringen das Gemäuer und Margheritas Gemälde hängt wie ein dräuendes Schreckgebilde im Arbeitszimmer des Professors. Die ältliche Haushälterin Martha (Harriet Medin) behauptet, das Wehklagen sei auf ihre verrückte Schwester zurückzuführen, die sie während der Abwesenheit des Professors gepflegt und nunmehr in ein Heim abgeschoben habe, doch weder hören die nächtlichen Geräusche auf, noch erweist sich eine auf dem Grunde des Hauses umherirrende Frauengestalt als blanke Einbildung. Lebt Margherita möglicherweise doch noch...?

Wie das italienische Genrekino formal weit über Inhalte triumphierte, lässt sich besonders schön anhand zweier Meisterwerke in Technicolor eruieren: Mario Bavas "Operazione Paura" und der noch vier Jahre zuvor entstandene "L'Orribile Segreto Del Dr. Hichcock" sind perfekte Beispiele für erlesene Regisseurskunst, für suggestive Atmosphäre und, ganz profan, für klassischen gothic horror. Begrenzt auf sehr eingeschränkte monetäre Mittel macht Freda das Beste aus dem ihm zur Verfügung Stehenden und sogar noch mehr: Wallende Nebel, haulende Winde und klappernde Fensterläden; eine brillante Nutzung eingeschränkter Raumkonstruktionen, exquisite Einfärbung und meisterhafte Kadrierung, rondellförmig aufgebaut um die gothic queen Barbara Steele, die hier ausnahmsweise einmal als durchweg unschuldiges Opfer auftritt. Nicht ganz perfekt geht Freda zu Werke - "Dr. Hichcock" bleibt noch immer B-Kino - wenn etwa vor einer Londoner Villa plötzlich Palmengewächse auftauchen oder einzelne narrative Wendungen sich nur unbefriedigend erläutert finden. Dass sich der Film ferner und infolge seines Titels erwartungsgemäß als große Hitchcock-Hommage begreift, raubt ihm zudem einiges an inhaltlicher Originalität. Das Kerbholz der "Einflüsse" reicht von "Rebecca" über "Suspicion" und "Under Capricorn" (also im Grunde sämtliche Hitchcock-Filme über potenziell dissoziative Ehekonstrukte) bis, in subtilerem Maße, hin zu "Vertigo" und "Psycho", in denen postmortale, obsessive Hirngespinste die Oberhand ergreifen. Wenngleich es sich damit zu arrangieren gilt, könnte die Belohnung größer kaum sein: Fredas womöglich bester Film bildet einen unverzichtbaren Markstein seiner Gattung.

9/10

Riccardo Freda Victorian Age Arzt Ehe Madness


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I WAS A TEENAGE WEREWOLF (Gene Fowler Jr./USA 1957)


"What's one life compared to such a triumph?"

I Was A Teenage Werewolf (Der Tod hat schwarze Krallen) ~ USA 1957
Directed By: Gene Fowler Jr.

Tony Rivers (Michael Landon) ist ein zu explosiven Aggressionen neigender Teenager, der jeden noch so kleinen Disput nur mittels einer Schlägerei zu lösen geneigt ist. Als sein Problem endgültig Überhand nimmt, hört er auf die Bitten von Detective Donovan (Barney Phillips) sowie die seiner Freundin Arlen (Yvonne Fedderson) und wird beim Therapeuten Dr. Brandon (Whit Bissell) vorstellig. Bei diesem handelt es sich jedoch mitnichten um einen seriösen Vertreter seiner Zunft: Brandon sucht vielmehr ein humanes Versuchsobjekt, an dem er sein selbstentwickeltes Serum testen kann, das Menschen in ihr atavistisches Ich zurückverwandelt und zu willenlosen Marionetten ihrer eigenen Triebhaftigkeit macht. Tony verwandelt sich daraufhin in einen blutrünstigen Werwolf, der in seinem animalischen Zustand auf Beutezug geht...

Allerbestes Drive-In-Kino der Spätfünfziger, ein wahres Vorzeigeexemplar seiner Gattung. Ausgerechnet der junge Michael Landon, der später als liebenswerter TV-Farmpatriarch und dann als noch liebenswerterer TV-Engel auszog, die Menschheit zu retten, gibt hier die personifizierte Destrudo. Als 2nd-Hand-Heir von Brando und Dean ist er ein rebellischer Youngster, dessen alleinerziehender Vater (Malcolm Atterbury) an seinem Filius verzweifelt, der schon mit seinen jungen Jahren polizeibekannt ist und den Eltern (John Launer, Doroth Crehan) seiner Freundin Kopfzerbrechen bereitet; einer, der gern üble Streiche spielt, dessen eigene Lunte jedoch milimeterkurz ist. Ein willkommenes Versuchskaninchen für den natürlich obligatorischen, geisteskranken Akademiker, der die Welt verändern will, indem er die Menschheit in Tiere zurückverwandelt. Eine Anbindung an den folkloristischen Werwolf-Topos, wie ihn gut zehn Jahre zuvor noch Lon Chaney Jr. im Kino inkarnierte, bleibt vage Behauptung - der lykanthrope Tony Rivers ist vielmehr ein 'misfit of science', einer, der für seine ausgelebte Monstrosität nichts kann, dennoch mit dem Leben bezahlen muss und damit eine umso tragischere Figur ist. "It's not for man to interfere in the ways of God", schließt sein vormaliger, polizeilicher Frühsprecher den ungewöhnlichen Fall und subsummiert somit gleichermaßen die Irrwege des üblichen, diabolischen Forschungsdrangs verrückter Filmwissenschaftler als auch jene einer delinquenten Rebellion "ohne Grund".

8/10

Gene Fowler Jr. Werwolf Monster Teenager mad scientist


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THE NESTING (Armand Weston/USA 1981)


"You're free to leave!"

The Nesting ~ USA 1981
Directed By: Armand Weston

Die New Yorker Autorin Lauren Cochran (Robin Groves) leidet unter einer agoraphobischen Störung, der sie entgegenwirken will, indem sie für einige Zeit in de Provinz zieht. Lauren mietet sich in ein sie gleich bei der ersten Besichtigung vereinnahmenden, achteckigen Landhaus ein, um dort ihren neuesten Roman zu schreiben. Schon bald befällt sie jedoch das Gefühl, dass es in dem dem alten Colonel LeBrun (John Carradine) gehörenden Haus umgeht: Merkwürdige Träume, Visionen und Flashbacks in vergangene Zeiten bemächtigen sich ihrer und bald gibt es höchst seltsame Todesfälle zu beklagen. Daniel (Michael David Lally), der just heimgekehrte Enkel des Colonels, betreibt Nachforschungen über die Vergangenheit des Hauses und findet bald höchst Obskures heraus...

Einer der vielen um diese Zeit entstandenen Spukhaus- und Geisterfilme, der sich betreffs der Kreierung von Atmosphäre und Mysterium relativ nahtlos in das Gros der Welle einfügt. Durch seine Liebäugeleien mit exploitativen Elementen und einige seltsame dramaturgische Kapriolen verschafft "The Nesting" sich dann aber doch ein unikales Element: Bei dem Spukhaus handelt es sich nämlich um ein ehemaliges Bordell, in dem zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs vornehmlich G.I.s auf Heimaturlaub "verkehrten" und das durch ein ungesühntes Verbrechen verflucht ist. Die damals per Auftrag von einem örtlichen Hillbilly-Trio in wildem Blutrausch erschossenen Huren (die Puffmutter wird von einer seltsam wenig gealterten Gloria Grahame gespielt) bemächtigen sich Lauren als willkürlichem Rache-Medium und geben, nachdem sie ihre Vergeltung gehabt haben, auch schon wieder Ruhe. Westons Film schließt daraufhin höchst wichtigtuerisch mit Bach, lässt einige offene Fragen kurzerhand unbeantwortet und darf sich durch sein chaotisches, selbstsicheres Auftreten sicher sein, beim Zuschauer zumindest zwei bis drei Widerhaken hinterlassen zu haben. Mission erfüllt.

6/10

Armand Weston Spuk Haus Geister Standesdünkel Rache


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WOLFCOP (Lowell Dean/USA 2014)


"Could you once again report what happened?" - "Yeah. It was a big fuckin' wolf."

WolfCop ~ USA 2014
Directed By: Lowell Dean

Der versoffene Kleinstadt-Cop Lou Garou (Leo Fafard) wacht eines morgens und ohne Erinnerung an die Nacht zuvor mit einem großen, eingeritzten Pentagramm auf der Brust auf. Bei Aufzug von Vollmond und Sonnenfinsternis verwandelt sich Lou schon in der nächsten Nacht um Punkt 10 p.m. in einen Werwolf. Mithilfe des durchgeknallten Waffenladenbesitzers Willie (Jonathan Cherry) hebt der im lykanthropen Zustand noch immer bei Bewusstsein befindliche daraufhin erstmal das örtliche Nest von Crystal-Meth-Rockern aus und pimpt sein Polizeiauto zum Wolfsmobil auf. Doch sein Zustand kommt nicht von ungefähr: Das Provinznest wird nämlich schon seit Jahrhunderten unerkannt von einer echsenhaften Gestaltwandler-Sippe beherrscht, die alle 32 Jahre frisches Werwolfsblut benötigt um ihren Fortbestand zu sichern...

Ein liebenswertes kleines Fun-Splatter-Flick von Fans für Fans, gut sichtbar mit durchweg handgemachten, nostalgieverhafteten Latexeffekten ausgestattet, manchmal etwas über-albern, doch in der Regel durchaus cool, lässig und gewitzt. Der kreative Kopf hinter "WolfCop", Lowell Dean, hat dabei vor allem seine Hausaufgaben betreffs adäquater Genre-Verwurzelung bravourös erledigt: Aus diversen Gattungsbeiträgen der letzten Jahrzehnte finden sich kleine und große hints, von der "Howling"-Reihe über "Teen Wolf" bis hin zu "Full Eclipse". Der bereits präventiv als Serienheld angelegte Antiheld Lou Garou (eine Texttafel am Schluss verkündet groß: "WolfCop will return in 2015") macht in seiner origin dabei eine katapultartige Entwicklung vom versoffenen Dümmling hin zum haarigen Supermann durch, der üble kriminelle und/oder paranormale Elemente wahlweise anpisst, unter Pistolenfeuer nimmt, oder gleich um teils lebenswichtige Gliedmaßen erleichtert. Eine comiceske Figur, wie geschaffen für weitere Abenteuer. Nun, solange diese weiterhin so amüsant eingestielt sind, bin ich gern dabei.

6/10

Lowell Dean Independent Splatter Groteske Werwolf Monster Hommage Trash


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ALL CHEERLEADERS DIE (Lucky McKee, Chris Sivertson/USA 2013)


"Bitches go!"

All Cheerleaders Die ~ USA 2013
Directed By:: Lucky McKee/Chris Sivertson

Das hat sich die High-School-Elevin Maddie (Caitlin Stasey) anders vorgestellt: was als großangelegte Racheaktion an dem hiesigen Football-Ass Terrie (Tom Williamson) geplant war, ewtwickelt sich nämlich nunmehr zu einem veritablen Horrortrip! Maddies ursprüngliche Idee sieht vor, sich in die oberflächiche, von Maddie eigentlich höchst gering geschätzte Cheerleader-Clique der 'Bitches' einzuschleichen, um auf diese Weise Terrys Freundin Tracy (Brooke Butler) gegen ihn aufzuhetzen. Doch ehe sie es sich versieht, stirbt Maddie zusammen mit Brooke und zwei weiteren Mädels einen durch Terry forcierten Unfalltod. Nicht jedoch für lang, denn die Maddie anhimmelnde Teenagerhexe Leena (Sianoa Smit-McPhee) entwickelt das Quartett mittels magischer Juwelen wieder zum Leben. Die Zombie-Cheerleader benötigen allerdings stets frisches Blut, um ihren Verfallsprozess aufzuhalten, wovon bald auch Terry Wind bekommt. Dieser hätte die Wundersteinchen gern allesamt für sich selbst...

Nach seinem bösen Meisterwerk "The Woman" machte sich Lucky McKee zusammen mit seinem Kollegen Chris Sivertson an dieses von mir wieder als deutlich rückschrittig empfundene Remake ihres eigenen Low-Budget-Films von 2001. Aufgrund dessen schwieriger Verfügbarkeitslage kann ich mir kein kompaktes Bild dazu machen, welchen Sinn und welche künstlerische Räson jener Neuverfilmungsansatz haben mag - am naheliegendsten erscheint mir, dass McKee und Sivertson es wohl als eine Art Schuldigkeit gegenüber sich selbst erachteten, mit höherem Etat, frischem Wind und Kinoeinsatz eine Revision ihres Debüts vorlegen wollten. Bei diesem handelt es sich jedenfalls um eine nicht unbedingt originelle High-School-Splatter-Stoner-Comedy Marke "Idle Hands", die mit viel groteskem, um nicht zu sagen: bekifftem Humor angereichert ist und die typischen Themen jener Filme von der dem amerikanischen Schulsystem immanenten Cliquenhierarchisierung bis hin zur Sexualitätsfindung streift. Hinzu kommt ein nicht allzu überbordender Voyeurismus, der vor allem den knackigen Hauptdarstellerinnen frönt, ein wenig Liebäugelei mit Comic- und Superhelden-Mythen und fertig. Da die Endtitel den Zusatz "Part 1" tragen, dürften Fortsetzungen um das schlussendlich noch romantisch verwobene Paar Maddie/Leena zum festen Plan gehören. Ob diese allerdings tatsächlich sein müssen, würde ich zum jetzigen Zeitpunkt mal dahin gestellt lassen. McKee kann's in jedem Fall auch besser.

6/10

Lucky McKee Chris Sivertson Remake Zombies Schule Teenager Freundschaft Splatter


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THE WOODS (Lucky McKee/USA, UK, D 2006)


"Got it, fire-crotch?"

The Woods ~ USA/UK/D 2006
Directed By: Lucky McKee

Im Frühling 1965 kommt die von ihren Eltern (Bruce Campbell, Emma Campbell) als überaus renitent wahrgenommene Heather Fasulo (Agnes Bruckner) in das abgelegene, renommierte Mädchen-Internat Falburn. Gleich nach ihrer Ankunft fühlt sich Heather dort unwohl. Ihre Mitschülerinnen sind spleenig bis aggressiv, das Kollegium inklusive der Schulleiterin Ms. Traverse (Patricia Clarkson) ein zugeknöpftes Altdamen-Kränzchen. Bald beginnt Heather, Stimmen aus den die Schule umgebenden Wäldern zu hören, sie hat merkwürdige Visionen und Mitschülerinnen verschwinden aus ihren Betten, wobei sie nurmehr einen Haufen welkes Laub hinterlassen. Falburn ist von einem mysteriösen Geheimnis umgeben und es ist an Heather, dieses zu lüften.

Young girls in serious trouble - das scheint mir - keine wirklich sensationelle Enttdeckung - Lucky McKees Leib- und Magen-Thema zu sein, wenn man die vorzügliche, in Kooperation mit Trygve Allister Diesen entstanden Ketchum-Adaption "Red" einmal außen vor lässt. Nach "May" begibt sich McKee erneut in die Untiefen juveniler, übersinnlich begabter Mädchen-Psychen auf den Spuren von "Suspiria" und besonders "Phenomena", wobei Heathers Charakter, McKee-intern betrachtet, eher am diametralen Befindlichkeits-Spektralende zu verorten wäre im Vergleich etwa zu der einsamen May. Heather Fasulo kommt eher aus der rebellischen Pubertätsecke, spielt nur zu gern buchstäblich mit dem Feuer und lässt sich von niemandem bevormunden. Dass sie in dem sie in Falburn umgebenden Erwachsenenpersonal gleich ein paar uralte Waldgeister ausfindig machen muss, die es nach jungfräulichem, spiritistisch starken Mädchenseelen gelüstet, passt als Ausgangslage für ein ungewöhnliches Duell progressiv vs. konservativ nur allzu trefflich. So ist natürlich auch "The Woods" mit seinem subtilen Humorlametta metaphorisch zu lesen, als Liebeserklärung an jedweden hinterfragenden, kritischen und unangepassten Nachwuchs im Spiegel verkrusteter Autoritätsstrukturen.

7/10

Lucky McKee Wald Internat period piece Dämonen


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MAY (Lucky McKee/USA 2002)


"I like weird. I like weird a lot."

May ~ USA 2002
Directed By: Lucky McKee

May Canady (Angela Bettis) ist infolge ihrer seltsamen Mutter (Merle Kennedy) sowie durch einen Augenunfall als Kind (Chandler Riley Hecht) zeitlebens eine verschrobene Außenseiterin geblieben, deren in einem Glaskasten befindliche Puppe Lucy ihre einzige Freundin ist. Aufgrund ihrer Nähkünste arbeitet May als Tierarztgehilfin. Sie träumt davon, den Nachwuchsfilmer Adam (Jeremy Sisto), in den sie sich aus der Entfernung verliebt hat, kennenzulernen, was ihr eines Tages tatsächlich gelingt. Adam, ein beinharter Argento-Fan, liebt zwar das Ungewöhnliche, aber Mays Abseitigkeiten gehen ihm bald zu weit. Keinen echten Trost findet May fürderhin auch weder bei ihrer nymphomanen, lesbischen Arbeitskollegin Polly (Anna Faris) noch bei ihrer neuen, ehrenamtlichen Stellung als Erzieherin blinder Kinder. Bald rutscht Mays Sehnsucht nach dem perfekten Freund fürs Leben endgültig in eine pathologische Obsession ab: Sie beschließt kurzerhand, sich selbst einen zu machen...

Lucky McKee dürfte einer der interessantesten und gescheitesten Genregisseure des neuen Jahrtausends sein. Im Regelfalle sind seine leider nur spärlich vom Stapel gelassenen Filme von einem bösen, schwarzen Humor angehaucht und offerieren tiefe Einblicke in zutiefst gestörte und vor allem verstörende psychische Abgründe. Sein Langfilmdebüt "May" verleiht diesem signifikanten Ansatz gleich brachiale Fahrt und haucht ihm Leben ein: die eigentlich sehr hübsche, fragil erscheinende May leidet unter der konsequenten Bevormundung ihrer Mutter, deren diverse, falsche pädagogische Entscheidungen ihr Leben unbewusst zu einer Hölle der Einsamkeit werden lassen. So muss May als kleines Mädchen mit einer Augenklappe herumlaufen, was sie für die anderen Kinder als eine merkwürdige Piratin erscheinen lässt, der man besser aus dem Weg gehen sollte. Ihre einzige Erfüllung findet sie in der nun folgenden, von Abkapselung und Solipsismus geprägten Biographie, wahlweise in ihrer Profession als Näherin sowie im "Dialog" mit ihrer Puppenfreundin Lucy, einer eigentlich grausligen Porzellangestalt, die stets hinter einer Glasscheibe verborgen bleiben muss (so hat es May ihre Mutter einst eingeschärft). Als jener Glaskasten zerbricht, zerbricht damit gleichermaßen auch jene Schutzscheibe, die die Welt bislang vor May bewahrt hat. Diese lässt ihrem wahnhaften Bild von Perfektion damit endgültig freien Lauf und schafft sich, blutig mordend, ihr eigenes, lebensgroßes Frankenstein-Püppchen.

8/10

Lucky McKee Madness Puppe


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DISCOPATHE (Renaud Gauthier/CA 2013)


"I'm gonna get this guy..."

Discopathe (Discopath) ~ CA 2013
Directed By: Renaud Gauthier

New York, 1976: Seit er als Kind (Nicolas Laliberté) den Unfalltod seines Vaters (Pierre Lenoir), eines Plattentüftlers und Hobby-DJs, mitansehen musste, ist bei Duane Lewis (Jérémie Earp-Lavergne) eine gewaltige Schraube locker. Jedesmal, wenn er Disco-Musik hört, brennt eine Sicherung bei ihm durch und er muss töten. Nachdem er in der Manhattaner Disco "Seventh Heaven" eine junge Tänzerin (Katherine Cleland) grausam ermordet hat, setzt sich Duane heimlich und unter falscher Identität nach Montreal ab, wo er vier Jahre unerkannt als vorgeblich taubstummer Hausmeister in einem Mädchen-Internat arbeitet. Als dann eines Abends im ansonsten leerstehenden Haus zwei Schülerinnen ihre neuesten Singles anhören, kommt der alte Wahnsinn zurück. Und diesmal manifestiert er sich dauerhaft...

Grundsätzlich liebenswerte, in der finalen Ausführung hier und da jedoch eher gut gemeinte denn umgesetzte Hommage an das Grindhouse-/Splatter-Kino um die Spätsiebziger/Frühachtziger. Sich deutlich an "Don't Go In The House", "Maniac" und ähnlich Kuleuriertem orientierend, verbindet der ebenfalls als Musiker umtriebige Gauthier den traditionellen Psychopathen-Topos mit zeitgenössischem Elektonik- und Disco-Sound, wobei die Titelliste sich aus einigen authentischen Hits und neuen Eigenkompositionen zusammensetzt. Hinzu kommt der Score, der sich deutlich an den damaligen Klängen von Tangerine Dream und Vangelis entlanghangelt. Ein weiterer "Hommage"-Film also, diesmal allerdings einer ohne künstlich eingefügte Staubpartikel und Klebestellen, sondern gewissermaßen schon einer für den "fortgeschrittenen" Rezipienten, der seine intertextuellen Bezüge weniger in Aufgewärmten zu suchen wünscht denn in Variation. Das ist soweit okay und sicherlich auch ehrenhaft in seiner Ursprungsintention, für jenen wirklich guten, frischen Film, der "Discopath" gern wäre, jedoch von zu vielen Unwägbarkeiten durchzogen, die Gauthiers Werk in der Summe seiner Teile lediglich durchschnittlich medioker lassen. Zudem sollte man die Ersteller der katastrophalen deutschen Synchron-Vertonung, welche es ergo unbedingt zu meiden gilt, zu mindestens vier Wochen Wasser und Brot verdonnern.

5/10

Renaud Gauthier Montreal New York Disco Musik Slasher Splatter Hommage Sleaze Madness period piece