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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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PHANTOM OF THE RUE MORGUE (Roy Del Ruth/USA 1954)


"I sure didn't kill anyone. My consciousness is clean as my hands, as they say!"

Phantom Of The Rue Morgue (Der Würger von Paris) ~ USA 1954
Directed By: Roy Del Ruth

Paris um die vorletzte Jahrhundertwende. Ein Frauenmörder, der über die Dächer der Stadt kommt und geht, macht die Metropole unsicher. Besonders ungewöhnlich dabei vor allem die Vorgehensweise des Täters, der seine Opfer mit ungeheurer Kraft verstümmelt und deren Wohnungseinrichtungen zertrümmert. Die Spuren - signierte Fotografien, kleine Schmuckgeschenke und ähnliches - führen den schnell mit Verdachtsmomenten bei der Hand befindlichen Inspecteur Bonnard (Claude Duphin) ins Studentenmilieu und weiter zu dem jungen Professor Dupin (Steve Forrest), der sich durch eine persönliche Mörderhatz unglücklicherweise noch verdächtiger macht. Doch Dupin gibt nicht auf und hat alsbald die rettende Idee: Der "Täter" muss ein konditionierter Affe sein; etwas, womit Dupins Kollege Marais (Karl Malden) einige Erfahrung hat...

Ähnlich wie Robert Floreys 1932 entstandener "Murders In The Rue Morgue" präsentiert diese lose auf Poes Kurzgeschichte basierende Adaption einen bösen menschlichen Geist hinter den äffischen Attacken. Diesmal geht der Plot allerdings nicht ganz so sehr in Richtung Science Fiction, sondern stellt einen verwirrten, beziehungskranken Verhaltensforscher in sein Zentrum, gespielt von einem wie immer höchst sehenswerten Karl Malden, der damals noch häufiger als gestörter Widerwart im Kino zu sehen war. "Phantom Of The Rue Morgue" gehörte, ebenso wie André De Toths atmosphärisch recht ähnlich gelagerter "House Of Wax", zu einer kleinen Offensive, im Zuge derer das besorgende Studio sich anschickte, Genrefilme in schickem Warnercolor und Zweistreifen-3D ins Kino zu bringen - mit wechselhaftem Erfolg. Heute sind vor allem die schönen Atelierbauten und Kostüme von gehobenem Interesse, sowie natürlich der arme, verwirrte Gorilla 'Sultan' (eine weitere Freiheit gegenüber Poe, bei dem der Amok laufende Primat ein Orang Utan war), wie uns der Film versichert, ein eigentlich liebenswerter Kerl, an dessen beschissener Sozialisation bloß ein halbgescheiter Matrose (Anthony Caruso) und eben dieser misogyne Wissenschaftler mit Freud-Tick Schuld tragen. Wie dereinst King Kong wird der Ärmste am Ende zusammengeschossen, nachdem er die Schöne (Patricia Medina) wieder hat laufen lassen und, immerhin, nachdem er sich seiner beiden selbsternannten Herren zuvor entledigt hat.

8/10

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OLTRE IL GUADO (Lorenzo Bianchini/I 2013)


Zitat entfällt.

Oltre Il Guado (Across The River) ~ I 2013
Directed By: Lorenzo Bianchini

Der Wildtier-Biologe Marco Contrada (Marco Marchese) ist mitten im Dezember allein mit seinem Kleinbus im venetischen Grenzgebiet unterwegs, um in dem riesigen Waldgebiet die Wildschein- und Fuchspopulation und deren Nachtverhalten zu studieren. Seine Reise führt ihn auch über einen Fluss, den er angesichts der soeben einsetzenden Regenfälle in letzter Minute überqueren kann. Bald schon fallen ihm einige Absonderlichkeiten auf: Ein Kinderkleid treibt durch den Fluss, im Sucher der Nachtkamera bewegt sich noch etwas anderes als die Tiere, schreiähnliche Geräusche aus der Ferne sind zu hören, die Rinde eines Baumes ist kreisrund abgeschält, ein Fuchs scheint von einem größeren Tier getötet worden zu sein. Marco stößt auf ein verfallenes Dorf, das vor langer Zeit offenbar fluchtartig verlassen und zu Teilen niedergebrannt wurde. Während unablässiger Regen fällt, mehren sich die Zeichen, dass etwas in den Steinmauern des Dorfes umgeht, dem Marco unbedingt auf die Spur kommen will.

Ein Horrorfilm, der die Langsamkeit neu erfindet und genau damit seinen inhärentes Grauen schürt, das steht ziemlich offensichtlich im Kontrast zum jüngeren US-Ausstoß, der wahlweise das actionreiche Splattersegment oder schnell montierten Grusel mit vielen Schockeffekten umfasst. In "Oltre Il Guado" reduziert sich die Geschichte auf eine einzige Person, mit Ausnahme weniger Szenen um ein altes Ehepaar, das um das Geheimnis des einst von Partisanen niedergebrannten Dörfchens weiß und einen Rettungstrupp, der sich auf die Suche nach dem bald als vermisst gemeldeten Marco macht. Entsprechend karg und vereinzelt nehmen sich Dialog bzw. Monolog aus.
Der namenlose "Fluss" des Titels (wobei die korrekte Übersetzung das wesentlich poetischer gelagerte Furt wäre, 'Fluss' heißt nämlich auf italienisch 'fiume') nimmt dabei eine deutlich allegorisch herausgearbeitete Funktion ein: Jenseits seines "gegenüberliegenden" Ufers beginnt nicht nur Osteuropa, hier scheinen auch Zeit, Raum und Zweck ihre Bedeutung zu verlieren, die Welt wird urplötzlich farblos und Moder und Tristesse kündigen baldigen Schrecken an. Vielleicht liegt dort die Hölle selbst. Im Prinzip geschieht zunächst nicht viel Offensichtliches und lediglich die spärlichen Erläuterungen des alten Mannes (Renzo Gariup) gegenüber der Suchmannschaft geben Auskunft über die Ursache des Übels: Zwei nicht altern wollende, dämonisch entstellte Zwillingsschwestern haben hier zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gelebt, die sich irgendwann als böse und aggressiv entpuppt haben und damals auch der Feuersbrunst der Widerständler nicht zum Opfer gefallen sind. Ebenjene treiben offenkundig noch heute ihr Unwesen und scheinen zudem sirenenartige Lockrufe auszusenden. Da steckt auf rein narrativer Ebene auch eine Menge "Blair Witch Project" drin: Unübersichtliche, kalte Natur, zunächst geringe, dann immer akuter werdende Hinweise auf das dräuende Böse, Desorientierung, schließlich der Moment der Erkenntnis und am Ende die panische Konfrontation. Keiner kommt hier lebend raus, selbst die Retter nicht.

8/10

Lorenzo Bianchini Dämon Zwillinge Madness Winter Ruine Dorf WWII Grenze


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NIGHT OF THE COMET (Thom Eberhardt/USA 1984)


"I'm not crazy, I just don't give a fuck."

Night Of The Comet (Der Komet) ~ USA 1984
Directed By: Thom Eberhardt

Die gesamte Welt wartet gespannt auf das nächtliche Passieren des periodisch vorbeiziehenden Halleyschen Kometen. Dessen stellarer Einfluss hinterlässt jedoch sehr unschöne Folgen: Wer sich unter freiem Himmel befand, hat sich wahlweise in roten Calcium-Staub aufgelöst oder sich in ein ansteckend irrsinniges, zombieähnliches Wesen verwandelt. Regina (Catherine Mary Stewart), ihre jüngere Schwester Samantha (Kelli Maroney) und der Trucker Hector (Robert Beltran) bleiben jedoch verschont, ebenso wie ein in einer Wüstenbasis operierendes Forscherteam, das bereits emsig nach einem Heilmittel gegen die Seuche sucht. Schon bald kommt es zum Konflikt zwischen den Parteien.

Ein kleines Kronjuwel des subversiven Achtziger-Genrefilms ist dem ohnehin stets zuverlässigen Thom Eberhardt mit "Night Of The Comet" gelungen. Ebenso wie Tobe Hoopers ungerechtfertigterweise ungleich bekannterer "Lifeforce" macht der Film sich die damals grassierende (entsprechende Generationen werden sich erinnern) Manie um den Halleyschen Kometen zunutze, der sich tatsächlich für 1986 anschickte, uns mal wieder "Hallo" zu sagen und dessen angekündigtes Erscheinen ungefestigteren Zeitgenossen Anlass zu gottesfürchtigen Spekulationen gab. Als Protagonistinnen wählte man zwei überaus ordinäre kalifornische teenage girls, die von ihrem militärisch engagierten Vater zufälligerweise in Waffenkunde geschult sind. Die bei Romero noch etwas subtiler gehandhabte Studie einer selbst angesichts des Untergangs noch konsumgeilen Menschheit wird bei Eberhardt zur offenen Satire umgestaltet, wie es überhaupt einige vorzügliche Gags gibt, die die omnipräsente Weltungergangsstimmung prima aufhübschen.
Eigentliches Highlight sind jedoch die Bilder des leergefegten, von einer orange-roten Atmosphäre überlagerten Los Angeles, die wiederum stark an "The Omega Man" gemahnen. Uneingeschränkt ein Klassefilm, international jetzt gleich mehrfach in exzellenten Editionen erschienen und damit zur frohen Wiederentdeckung bereitgestellt.

8/10

Apokalypse Thom Eberhardt Virus Los Angeles Schwestern


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THE ORPHAN KILLER (Matt Farnsworth/USA 2011)


"I already hated you as a child."

The Orphan Killer ~ USA 2011
Directed By: Matt Farnsworth

Der seit frühestem Kindesalter infolge des Raubmordes an den Eltern schwer traumatisierte und stets gewalttätige Marcus (David Backus) sitzt im streng katholischen St.-Michael's-Stift in einem verbarrikadierten Raum. Eines Tages gelingt ihm die Flucht - der Startschuss für einen blutigen Rachefeldzug, der in dem Mord an Marcus' jüngerer Schwester Audrey (Diane Foster) gipfeln soll, von der Marcus sich seit damals verraten fühlt.

Was ich letzthin im Schlusswort zu "Boggy Creek" schrieb, gilt für "The Orphan Killer" nochmals potenziert: Ein ekelhaft dummer, stilloser Film mit - eigentlich vermeide ich solche grob verallgemeinernden Termini nach Möglichkeit, hierfür jedoch scheinen sie gespuckt - dem ordinären "Gorebauern" als Hauptadressaten; mitsamt - auch dies soll eine Gebrauchsausnahme sein - tatsächlich selbstzweckhafter Gewaltdarstellung (ja, sowas gibt's tatsächlich).
Farnsworth, der sein imbeziles Werk mit restringierten Verbal-Fanfaren öffentlich hochzujubeln versuchte, trachtet, durch bewusste visuelle Schädigung und Schändung geistlichen Personals und Zubehörs, ein Höchstmaß an Provokation zu erreichen: Nonnen werden aufgeschlitzt, ein Pater (Edward Winrow) gefoltert; das Hauptopfer erhält eine buchstäblich christliche Folterbehandlung. Formale Spielereien wie etwa immer wieder eingestreute Helishots in verzerrtem Breitbild erweisen sich rasch als völlig bedeutungsloses Stilgewichse. Untermalt wird das Ganze von nervtötendem Billig-Metal zweier Combos namens Bullet Tooth und Sumerian (zum Auftakt gibt es gleich ein schreckliches Vulgär-Cover des "Lost Boys"-Klassikers "Cry Little Sister"), der so unpassend zum Einsatz kommt, dass Gehör und Auge sich in Kombination beleidigt finden. Wie sich John Savage (ja, der John Savage) in einem Gastauftritt als Polizist hierher verirren konnte, das wissen nur die Filmgötter.
Ein wahrlich bodenloser Dreck auf pubertärem Niveau, todlangweilig und dabei unangenehm pöbelnd-prollig, herz- und hirnlos.

1/10

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THE REAPING (Stephen Hopkins/USA 2007)


"There's still six more left."

The Reaping ~ USA 2007
Directed By: Stephen Hopkins

Die einst Gott und Glauben zugewandte und nunmehr atheistisch lebende Universitäts-Professorin Katherine Winter (Hilary Swank) verdingt sich seit dem Tod ihres Mannes (Burgess Jenkins) und ihrer Tochter (Sabrina A. Junius) damit, in aller Welt ausgerufene sakrale Wunder und Erscheinungen als wissenschaftlich erklärbare Vorgänge zu widerlegen. Als sie der Kleinstadt-Lehrer Doug Blackwell (David Morrissey) aufsucht, eine in seinem Heimatort Haven vorgehende, blutrote Flussfärbung zu untersuchen, reist sie nach anfänglichen Bedenken mit ihrem Kollegen Ben (Idris Elba) dorthin. Die Befürchtung der Kleinstädter, es handele sichbei dem Ereignis lediglich um die erste der zehn Biblischen Plagen, scheint sich rasch zu bewahrheiten: Tote Frösche und Rinder, Insekten, Läuse und Blattern tauchen auf. Verantwortlich gemacht für all die Unbill wird die kleine Loren McConnell (AnnaSophia Robb), ein verwahrlostes Hillbilly-Kind, das angeblich auch seinen Bruder (Mark Lynch) ermordet haben soll. Horrende Visionen und ein Anruf bei ihrem alten Freund Pater Costigan (Stephen Rea) liefern Katherine Gewissheit: Hier ist niemand Geringerer als Satan persönlich am Werk und Loren seine jüngste Inkarnation auf Erden!

Wenn "der liebe" Gott in Horror macht, dann wird es schnell mal albern. Leider nimmt "The Reaping" nach unterhaltsamen ersten siebzig Minuten Erzählzeit tatsächlich ebenjene gefürchtete Wende: Die anfänglich noch als Teufelstrick ausgerufenen, im Schnelldurchlauf exerzierten Plagen entpuppen sich am Ende tatsächlich als Warnsignal göttlichen Ursprungs gegen eine generationenalte Satanistensekte, die in Haven gemeinwesenhaften Umgang treibt und die Katherine, ein wie sie selbst von Gott abgewandtes Individuum, als Attentäter gegen das Christ(en)kind Loren - bislang die einzige Zweitgeborene, die die Havener nicht töten konnten - verwenden will. Einen Schuss "Rosemary's Baby" spendiert man dem Ganzen noch und auch den frappanten "Einfluss" anderer Genre-Klassiker von "The Omen" bis "The Sentinel" kann man nicht verhehlen. Als die bösen Kultisten, natürlich allesamt Erstgeborene, zum Opfer der letzten Plage werden, ist damit zugleich auch ganz Haven von der Landkarte getilgt. Als Belohnung für ihre rechtzeitige Einsicht erhält Katherine Loren als Tochterersatz und ihren Glauben in voller Ausprägung zurück. Doch der Gehörnte, das wissen wir als alte Filmsatanisten eh längst, arbeitet mit gar fiesen Tricks zur Durchsetzung seiner Ziele. Immerhin hat er somit noch einen halbwegs hübschen Abschluss-Abschluss parat nach soviel, *ächz*, numinoser Machtdemonstration...

4/10

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CHROMESKULL: LAID TO REST 2 (Robert Hall/USA 2011)


"What are we gonna do now?" - "Trying to survive."

Chromeskull: Laid To Rest 2 ~ USA 2011
Directed By: Robert Hall

Der nach dem Tankstellen-Massaker tot geglaubte Chromeskull-Killer Jesse Cromeans (Nick Principe) kann von einer geheimen Organisation, der er vorsteht, gerettet und über mehrere Monate in einem leerstehenden Lagerhaus von seinem treusorgenden Faktotum Spann (Danielle Harris) gesundgepflegt werden. Für Cromeans potenziellen Nachfolger Preston (Brian Austin Green) eine willkommene Möglichkeit, seine eigenen Mordfähigkeiten zu erproben, indem er das amnesische Mädchen (Allison Kyler) ermordet und ihrem jugendlichen Retter Tommy (Thomas Dekker) nachstellt und mitten aus einem Polizeiverhör heraus entführt. Auch Cromeans nächstes, planmäßiges Opfer, das kurz vor der Erblindung stehende Mädchen Jessica (Mimi Michaels), wird von Preston gekidnappt. Zeitgleich ist Cromeans wieder hinreichend hergestellt für neue Bluttaten, wobei Prestonss eigeninitiatives Vorpreschen ihm überhaupt nicht gefällt...

Ähnlich wie im "Saw"-Franchise findet sich das Mysterium um den gesichtsverstümmelten Serienkiller Jesse Cromeans im Sequel auf ein "globaleres" Niveau ausgeweitet: Der Maskenmörder, von dem bereits im Original die Annahme gesät wurde, dass er über beträchtliche Mittel verfügt, um sein Handwerk in solcher Perfektion verrichten zu können, steht, wie man nunmehr erfährt, einem ganzen, straff hierarchisierten Mitarbeiterstab vor, der einer Art Kult zu huldigen scheint und ein großes, unbekanntes Planziel verfolgt; das FBI bereits seit längerem auf den Fersen.
Abseits von diesem mäßig bahnbrechenden Erkenntnisgewinn lässt sich "Chromeskull: Laid To Rest 2" von konventioneller Slasher-Dramaturgie tragen, die mit wie gewohnt tadellos hergestellten Gore-Effekten prunkt. Tatsächlich gewinnen jene jedoch im Sequel, ganz im Gegensatz dazu, wie es noch im Erstling gehandhabt wurde, die hauptmotorische Funktion. Ohne seine zweifelsohne prächtigen Make-Up-Eskapaden hätte der Film kaum mehr zu bieten als irgendeine Episode eines x-beliebigen TV-Krimiserien-Formats. Mehr oder weniger krampfhaft versucht Hall, Mysterium und Undurchsichtigkeit weiterhin zu schüren, gar zu steigern, scheitert jedoch letzten Endes daran, dass er auf inhaltlicher Ebene allzuviel im Dunkeln lässt und darauf baut, dass "Laid To Rest" zu einem breitfächrigen Serial ausgebaut werden wird. Bis dato ist von einem solchen allerdings weit und breit nichts zu vernehmen. Ein auf der momentanen Basis verharrender inhaltlicher Abschluss nähme sich dann doch höchst unbefriedigend aus.

5/10

Robert Hall Slasher Splatter Sequel Serienmord Nacht


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LAID TO REST (Robert Hall/USA 2009)


"Drive!"

Laid To Rest ~ USA 2009
Directed By: Robert Hall

Eine junge Frau (Bobbi Sue Luther) erwacht des Nachts in einem Sarg in einer Leichenhalle, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können - weder weiß sie, wer sie ist, noch wie sie hierherkam. Kaum jedoch, dass sie bei Bewusstsein ist, zeigt sich der mutmaßlich Verantwortliche für ihren Zustand: Ein stummer Wahnsinniger hinter einer Totenkopf-Chrommaske geht auf sie los. Sie kann jedoch fliehen und wird von Tucker (Kevin Gage) aufgelesen, der sie mit zu sich und seiner Frau Cindy (Lena Headey) nach Haus nimmt. Doch auch hier ist niemand sicher: der Maskenmann hat sie bereits ausfindig gemacht und verrichtet weiter sein blutiges Handwerk an der armen Cindy. Auf der weiteren Flucht gesellt sich noch der nerdige Steven (Sean Whalen) zu Tucker und der Dame, den irren Killer stets auf den Fersen...

Hartes Gore-Kino zum Angewöhnen, wenngleich garantiert bar jedweder Originalitätsmerkmale: Ein leichter, nie zu aufdringlicher Humor, aber allgegenwärtiger schwebt über "Laid To Rest", der die visuelle Ultrahärte des Dargestellten auf erstaunliche Weise konterkariert, ja, sogar kompensiert und dem Film so eine breitflächigere Zugänglichkeit verschafft. Dabei werden die Widerlichkeiten in quantitativer Hinsicht niemals ausufernd, sondern bewegen sich innerhalb eines eher traditionell vorgegebenen Rahmens. Interessant auch die filmische Topographie und die hin- und herführenden Wege, die das Heldentrio zurücklegt. Die Nacht selbst wird hier zum Spielplatz des Killers. So erhält das aktuelle Horrorkino mit 'Chromeskull' weiteren, aparten Mörder-Zuwachs, dessen Herkunft und Motive sich in diesem ersten Film allerdings noch nicht schlüssig erläutert finden.
Mittlerweile haben die jungen Wilden da ja schon eine Riege zusammengestellt, die es durchaus mit ihren Achtziger-Urahnen aufnehmen könnte (man denke an Jigsaw, den Reeker, Victor Crowley, den Collector, die "Wrong-Turn"-Mutanten oder den norwegischen Geir Olav Brath) - wobei heuer ja doch weniger übernatürliche oder gar untote Zeitgenossen zu Werke gehen; die Chancen wären also doch ungleich verteilt. Dennoch, ein solches Filmprojekt, das wäre schon einen Nerd-Orgasmus wert...

7/10

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BOGGY CREEK (Brian T. Jaynes/USA 2010)


"Not really!"

Boggy Creek ~ USA 2010
Directed By: Brian T. Jaynes

Scheidungskind Jennifer (Melissa Carnell) will den Unfalltod ihres geliebten Vaters (Bryan Massey) bewältigen und verbringt daher ein Wochenende in dessen abgelegenem Haus in den texanischen Sümpfen. Ihr zur Seite steht ihre beste Freundin Maya (Shavon Kirksey), die zu Jennifers Aufheiterung gleich noch ein paar Kumpels mitbringt. Doch in den Wäldern lauert das Böse: Eine Horde Waldmenschen hat Fortpflanzungsbedarf und verschleppt junge Damen, derweil die jungen Herren fach-, äh, waidmännisch zerlegt werden.

Sasquatch auf Freiersfüßen: Dieses angebliche Remake des frühen Bigflootploitation-"Klassikers" "The Legend Of Boggy Creek" ist so herrlich belämmert, dass man ihm kaum ernstlich böse sein kann. Sozusagen der "Showgirls" aller Bigfoot-Filme. Vor allem das Script strotzt nur so vor Albernheiten und bereitwillig mitgenommener Fettnäpfchen, dass es eine wahre Lust ist. Die Darstellerriege ist durch die Bank unterste Kajüte und wurde ganz offensichtlich bloß nach ihrem zugegeben wohlgestalteten Äußeren besetzt. So sind die zahlreichen Bikini-Einstellungen (bare Brüste waren Brian T. Jaynes wohl leider zu prekär) denn auch wirklich ansehnlich. Nicht minder gelungen die wirklich ausgesprochen liebevoll präparierte Bigfoot-Maskerade. Leider nützen all diese Attribute herzlich wenig, wenn man bereitwillig stulles Dialogwerk mit einem Null an Geschichte und völlig falschen szenischen Gewichtungen zusammenklöppelt, dass sich beim Zuschauer Fremdscham und Häme die Klinke reichen und man sich vor lauter kognitiver Unterforderung Gedanken über interessantere Dinge macht, zum Beispiel darüber, ob die Mehrzahl von 'Bigfoot' wirklich 'Bigfeet' sein könnte. Die wirklich entsetzliche deutsche Vertonung (der hiesige Untertitel erspart sich nebenbei noch nicht einmal das Deppenleerzeichen), besorgt von allseitig katastrophalem Untalent, setzt dem Ganzen nochmal die Krone auf: Handwerk, das gar keines ist!
Egal. Filme wie "Boggy Creek" seien ausdrücklich zur Bewusstseinskur für Zeitgenossen empfohlen, deren kritischer Anspruch jeden dritten Film als minderwertig abwatscht. So sieht die Wirklichkeit aus am unteren Qualitätsspektrum!

3/10

Brian T. Jaynes Bigfoot Südstaaten Texas Remake Sumpf Splatter Trash Monster


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THE RUINS (Carter Smith/USA, AU, D 2008)


"This doesn't happen! Four Americans on a vacation don't just disappear!"

The Ruins (Ruinen) ~ USA/AU/D 2008
Directed By: Carter Smith

Yucatán, Mexiko: Kurz vor ihrem Heimflug lassen sich vier US-Jungtouristen von dem Deutschen Mathias (Joe Anderson) überreden, zusammen mit ihm und seinem Kumpel Dimitri (Dimtri Baveas) nach seinem Bruder Heinrich zu suchen, der mit dessen Frau im Urwald einen Maya-Tempel erforschen wollte und nunmehr überfällig ist. Vor Ort angekommen, werden die sechs Reisenden von einer Gruppe höchst ungehaltener Maya-Abkömmlinge empfangen, die Dimitri sogleich erschießen. Die Übrigen können sich zunächst auf den Gipfel der Pyramide retten und erfahren hier auch den Grund für die Aggression der Einfgeborenen: Der Tempel wird von einer höchst obskuren Rankenart bewohnt, die sich wie ein denkendes Wesen verhält und ihre todbringenden Samen jedem einpflanzt, der ihr zu nahe kommt...

Ähnlich wie beim zwei Jahre jüngeren "Primal" geht es auch in "Ruins" um eine uralte, bizarre Naturgewalt, die sich auf einen urweltlichen Punkt konzentriert und sich von hier aus offensichtlich auszubreiten versucht. Die Herkunft des bösartigen Gewächses bleibt ungeklärt; es könnte ebenso außerirdischen Ursprungs sein wie ein bislang unentdecktes Relikt aus prähistorischer Zeit. Ziemlich scary sind die Pflänzchen mitsamt ihren pulsierenden Blüten in jedem Falle: Sie imitieren schrille Geräusche jedweder Art, bauen sich in lebenden Organismen ihre Nestchen und ernähren sich von Totem. Allein die Tatsache, dass sie offenbar größere tierische Wirte benötigt, um sich auszubreiten, hält das Gewächs an einem Ort fest. "The Ruins" steht damit in der Genre-Tradition böser Pflanzen, die bis Nathaniel Hawthorne und sicherlich auch noch weiter zurückreicht und die von der Prämisse zehrt, dass unsere stummen, grünen Zeitgenossen nicht immer so friedlich sind, wie sie scheinen und ganz besonders infolge wissenschaftlicher oder außerirdischer Modifikation zu höchst bedrohlichem Eigenleben erwachen können. Wenn das Ganze so spannend, deftig und farbenfroh Gestalt annimmt wie im Falle "The Ruins", bin ich immer gern für einen solchen vegetarischen Einschub zu haben.

7/10

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THE FRANKENSTEIN THEORY (Andrew Weiner/USA 2013)


"Whatever you do - don't run!"

The Frankenstein Theory ~ USA 2013
Directed By: Andrew Weiner

Der als genial geltende Jungwissenschaftler Jonathan Venkenheim (Kris Lemche) ist der festen Überzeugung, dass sein Urahn und seine Arbeit dereinst das authentische Vorbild für Mary W. Shelleys Roman "Frankenstein" bildeten. Vor allem jedoch glaubt er, dass die Kreatur, die sein Ururgroßvater dereinst geschaffen hat, noch immer durch die Arktis stapft. Um zu verhindern, öffentlich als Spinner abgestempelt zu werden und seine wissemnschaftliche Seriosität zu wahren, reist Jonathan zusammen mit einer vierköpfigen Gruppe Dokumentarfilmer und dem Führer Karl (Timothy V. Murphy) nach Kanada bis zum nördlichen Polarkreis, wo er das Monster gegenwärtig vermutet. Dass Jonathan in Teilen seiner These richtig liegt, stellt man vor Ort bald fest - allerdings hat er mit anderen Dingen Unrecht, das Ungeheuer ist nämlich keineswegs zugänglich für Kontaktaufnahmen...

Im letzten Jahr erlebte der "Frankenstein"-Mythos zu seinem 195. Erscheinungsjubiläum einen kleinen Boom. Andrew Weiner leistete, ebenso wie der Niederländer Richard Raaphorst, einen Beitrag dazu, indem er die Story nicht nur um einen legitimen Erben des Original-Wissenschaftlers weitersponn (so könnte man "The Frankenstein Theory" in genealogischer Hinsicht auch als mögliches Sequel zu dem unmittelbar zuvor geschauten "Frankenstein's Army" betrachten), sondern das Ganze zudem in einen 'embedded-filming'-Rahmen setzt.
Leider versandet der Film am Ende inhaltlich in einer Art, die ihm ansonsten überhaupt nicht zukommt. Er beginnt spannend und seriös, belegt, dass gutes Genrekino auch immer noch abseits von zuviel Blut und Gekröse onscreen funktionieren kann und hält sein Niveau im Prinzip bis zum Showdown durch. Dann jedoch weiß er sich nicht besser zu helfen, als mit der denkbar langweiligsten Zielvariante: Ja, die Kreatur existiert, und ja, sie ist böse und plättet alles um sich herum. Die kreative Angst davor, vielleicht doch ein wenig in Shelleys (und Jonathan Venkenheims) Sinn zu handeln und dem Monster eine Stimme von Frustration und Vernunft zu verleihen, entpuppt sich als leider übermächtig.
Vielleicht hätten die Kids den Film verlacht, was in unserer viralen Zeit ja rasch einer kommerziellen Katastrophe gleichkommen kann. Möglicherweise aber wäre er auf diese Weise auch zu einem starken Finish gelangt. So bleibt ein durchaus ansehnlicher, gerade darum letztlich jedoch umso bitterer enttäuschender Beitrag zum attraktiven Subgenre "Wir filmen unser Ende und ihr alle dürft uns dabei zuschauen".

6/10

Kanada Schnee Expedition embedded filming Frankenstein Monster Andrew Weiner





Filmtagebuch von...

Funxton

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