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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE ORPHAN KILLER (Matt Farnsworth/USA 2011)


"I already hated you as a child."

The Orphan Killer ~ USA 2011
Directed By: Matt Farnsworth

Der seit frühestem Kindesalter infolge des Raubmordes an den Eltern schwer traumatisierte und stets gewalttätige Marcus (David Backus) sitzt im streng katholischen St.-Michael's-Stift in einem verbarrikadierten Raum. Eines Tages gelingt ihm die Flucht - der Startschuss für einen blutigen Rachefeldzug, der in dem Mord an Marcus' jüngerer Schwester Audrey (Diane Foster) gipfeln soll, von der Marcus sich seit damals verraten fühlt.

Was ich letzthin im Schlusswort zu "Boggy Creek" schrieb, gilt für "The Orphan Killer" nochmals potenziert: Ein ekelhaft dummer, stilloser Film mit - eigentlich vermeide ich solche grob verallgemeinernden Termini nach Möglichkeit, hierfür jedoch scheinen sie gespuckt - dem ordinären "Gorebauern" als Hauptadressaten; mitsamt - auch dies soll eine Gebrauchsausnahme sein - tatsächlich selbstzweckhafter Gewaltdarstellung (ja, sowas gibt's tatsächlich).
Farnsworth, der sein imbeziles Werk mit restringierten Verbal-Fanfaren öffentlich hochzujubeln versuchte, trachtet, durch bewusste visuelle Schädigung und Schändung geistlichen Personals und Zubehörs, ein Höchstmaß an Provokation zu erreichen: Nonnen werden aufgeschlitzt, ein Pater (Edward Winrow) gefoltert; das Hauptopfer erhält eine buchstäblich christliche Folterbehandlung. Formale Spielereien wie etwa immer wieder eingestreute Helishots in verzerrtem Breitbild erweisen sich rasch als völlig bedeutungsloses Stilgewichse. Untermalt wird das Ganze von nervtötendem Billig-Metal zweier Combos namens Bullet Tooth und Sumerian (zum Auftakt gibt es gleich ein schreckliches Vulgär-Cover des "Lost Boys"-Klassikers "Cry Little Sister"), der so unpassend zum Einsatz kommt, dass Gehör und Auge sich in Kombination beleidigt finden. Wie sich John Savage (ja, der John Savage) in einem Gastauftritt als Polizist hierher verirren konnte, das wissen nur die Filmgötter.
Ein wahrlich bodenloser Dreck auf pubertärem Niveau, todlangweilig und dabei unangenehm pöbelnd-prollig, herz- und hirnlos.

1/10

Matt Farnsworth Trash Splatter Rache Waisenhaus torture porn Trauma Madness


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THE REAPING (Stephen Hopkins/USA 2007)


"There's still six more left."

The Reaping ~ USA 2007
Directed By: Stephen Hopkins

Die einst Gott und Glauben zugewandte und nunmehr atheistisch lebende Universitäts-Professorin Katherine Winter (Hilary Swank) verdingt sich seit dem Tod ihres Mannes (Burgess Jenkins) und ihrer Tochter (Sabrina A. Junius) damit, in aller Welt ausgerufene sakrale Wunder und Erscheinungen als wissenschaftlich erklärbare Vorgänge zu widerlegen. Als sie der Kleinstadt-Lehrer Doug Blackwell (David Morrissey) aufsucht, eine in seinem Heimatort Haven vorgehende, blutrote Flussfärbung zu untersuchen, reist sie nach anfänglichen Bedenken mit ihrem Kollegen Ben (Idris Elba) dorthin. Die Befürchtung der Kleinstädter, es handele sichbei dem Ereignis lediglich um die erste der zehn Biblischen Plagen, scheint sich rasch zu bewahrheiten: Tote Frösche und Rinder, Insekten, Läuse und Blattern tauchen auf. Verantwortlich gemacht für all die Unbill wird die kleine Loren McConnell (AnnaSophia Robb), ein verwahrlostes Hillbilly-Kind, das angeblich auch seinen Bruder (Mark Lynch) ermordet haben soll. Horrende Visionen und ein Anruf bei ihrem alten Freund Pater Costigan (Stephen Rea) liefern Katherine Gewissheit: Hier ist niemand Geringerer als Satan persönlich am Werk und Loren seine jüngste Inkarnation auf Erden!

Wenn "der liebe" Gott in Horror macht, dann wird es schnell mal albern. Leider nimmt "The Reaping" nach unterhaltsamen ersten siebzig Minuten Erzählzeit tatsächlich ebenjene gefürchtete Wende: Die anfänglich noch als Teufelstrick ausgerufenen, im Schnelldurchlauf exerzierten Plagen entpuppen sich am Ende tatsächlich als Warnsignal göttlichen Ursprungs gegen eine generationenalte Satanistensekte, die in Haven gemeinwesenhaften Umgang treibt und die Katherine, ein wie sie selbst von Gott abgewandtes Individuum, als Attentäter gegen das Christ(en)kind Loren - bislang die einzige Zweitgeborene, die die Havener nicht töten konnten - verwenden will. Einen Schuss "Rosemary's Baby" spendiert man dem Ganzen noch und auch den frappanten "Einfluss" anderer Genre-Klassiker von "The Omen" bis "The Sentinel" kann man nicht verhehlen. Als die bösen Kultisten, natürlich allesamt Erstgeborene, zum Opfer der letzten Plage werden, ist damit zugleich auch ganz Haven von der Landkarte getilgt. Als Belohnung für ihre rechtzeitige Einsicht erhält Katherine Loren als Tochterersatz und ihren Glauben in voller Ausprägung zurück. Doch der Gehörnte, das wissen wir als alte Filmsatanisten eh längst, arbeitet mit gar fiesen Tricks zur Durchsetzung seiner Ziele. Immerhin hat er somit noch einen halbwegs hübschen Abschluss-Abschluss parat nach soviel, *ächz*, numinoser Machtdemonstration...

4/10

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CHROMESKULL: LAID TO REST 2 (Robert Hall/USA 2011)


"What are we gonna do now?" - "Trying to survive."

Chromeskull: Laid To Rest 2 ~ USA 2011
Directed By: Robert Hall

Der nach dem Tankstellen-Massaker tot geglaubte Chromeskull-Killer Jesse Cromeans (Nick Principe) kann von einer geheimen Organisation, der er vorsteht, gerettet und über mehrere Monate in einem leerstehenden Lagerhaus von seinem treusorgenden Faktotum Spann (Danielle Harris) gesundgepflegt werden. Für Cromeans potenziellen Nachfolger Preston (Brian Austin Green) eine willkommene Möglichkeit, seine eigenen Mordfähigkeiten zu erproben, indem er das amnesische Mädchen (Allison Kyler) ermordet und ihrem jugendlichen Retter Tommy (Thomas Dekker) nachstellt und mitten aus einem Polizeiverhör heraus entführt. Auch Cromeans nächstes, planmäßiges Opfer, das kurz vor der Erblindung stehende Mädchen Jessica (Mimi Michaels), wird von Preston gekidnappt. Zeitgleich ist Cromeans wieder hinreichend hergestellt für neue Bluttaten, wobei Prestonss eigeninitiatives Vorpreschen ihm überhaupt nicht gefällt...

Ähnlich wie im "Saw"-Franchise findet sich das Mysterium um den gesichtsverstümmelten Serienkiller Jesse Cromeans im Sequel auf ein "globaleres" Niveau ausgeweitet: Der Maskenmörder, von dem bereits im Original die Annahme gesät wurde, dass er über beträchtliche Mittel verfügt, um sein Handwerk in solcher Perfektion verrichten zu können, steht, wie man nunmehr erfährt, einem ganzen, straff hierarchisierten Mitarbeiterstab vor, der einer Art Kult zu huldigen scheint und ein großes, unbekanntes Planziel verfolgt; das FBI bereits seit längerem auf den Fersen.
Abseits von diesem mäßig bahnbrechenden Erkenntnisgewinn lässt sich "Chromeskull: Laid To Rest 2" von konventioneller Slasher-Dramaturgie tragen, die mit wie gewohnt tadellos hergestellten Gore-Effekten prunkt. Tatsächlich gewinnen jene jedoch im Sequel, ganz im Gegensatz dazu, wie es noch im Erstling gehandhabt wurde, die hauptmotorische Funktion. Ohne seine zweifelsohne prächtigen Make-Up-Eskapaden hätte der Film kaum mehr zu bieten als irgendeine Episode eines x-beliebigen TV-Krimiserien-Formats. Mehr oder weniger krampfhaft versucht Hall, Mysterium und Undurchsichtigkeit weiterhin zu schüren, gar zu steigern, scheitert jedoch letzten Endes daran, dass er auf inhaltlicher Ebene allzuviel im Dunkeln lässt und darauf baut, dass "Laid To Rest" zu einem breitfächrigen Serial ausgebaut werden wird. Bis dato ist von einem solchen allerdings weit und breit nichts zu vernehmen. Ein auf der momentanen Basis verharrender inhaltlicher Abschluss nähme sich dann doch höchst unbefriedigend aus.

5/10

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LAID TO REST (Robert Hall/USA 2009)


"Drive!"

Laid To Rest ~ USA 2009
Directed By: Robert Hall

Eine junge Frau (Bobbi Sue Luther) erwacht des Nachts in einem Sarg in einer Leichenhalle, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können - weder weiß sie, wer sie ist, noch wie sie hierherkam. Kaum jedoch, dass sie bei Bewusstsein ist, zeigt sich der mutmaßlich Verantwortliche für ihren Zustand: Ein stummer Wahnsinniger hinter einer Totenkopf-Chrommaske geht auf sie los. Sie kann jedoch fliehen und wird von Tucker (Kevin Gage) aufgelesen, der sie mit zu sich und seiner Frau Cindy (Lena Headey) nach Haus nimmt. Doch auch hier ist niemand sicher: der Maskenmann hat sie bereits ausfindig gemacht und verrichtet weiter sein blutiges Handwerk an der armen Cindy. Auf der weiteren Flucht gesellt sich noch der nerdige Steven (Sean Whalen) zu Tucker und der Dame, den irren Killer stets auf den Fersen...

Hartes Gore-Kino zum Angewöhnen, wenngleich garantiert bar jedweder Originalitätsmerkmale: Ein leichter, nie zu aufdringlicher Humor, aber allgegenwärtiger schwebt über "Laid To Rest", der die visuelle Ultrahärte des Dargestellten auf erstaunliche Weise konterkariert, ja, sogar kompensiert und dem Film so eine breitflächigere Zugänglichkeit verschafft. Dabei werden die Widerlichkeiten in quantitativer Hinsicht niemals ausufernd, sondern bewegen sich innerhalb eines eher traditionell vorgegebenen Rahmens. Interessant auch die filmische Topographie und die hin- und herführenden Wege, die das Heldentrio zurücklegt. Die Nacht selbst wird hier zum Spielplatz des Killers. So erhält das aktuelle Horrorkino mit 'Chromeskull' weiteren, aparten Mörder-Zuwachs, dessen Herkunft und Motive sich in diesem ersten Film allerdings noch nicht schlüssig erläutert finden.
Mittlerweile haben die jungen Wilden da ja schon eine Riege zusammengestellt, die es durchaus mit ihren Achtziger-Urahnen aufnehmen könnte (man denke an Jigsaw, den Reeker, Victor Crowley, den Collector, die "Wrong-Turn"-Mutanten oder den norwegischen Geir Olav Brath) - wobei heuer ja doch weniger übernatürliche oder gar untote Zeitgenossen zu Werke gehen; die Chancen wären also doch ungleich verteilt. Dennoch, ein solches Filmprojekt, das wäre schon einen Nerd-Orgasmus wert...

7/10

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BOGGY CREEK (Brian T. Jaynes/USA 2010)


"Not really!"

Boggy Creek ~ USA 2010
Directed By: Brian T. Jaynes

Scheidungskind Jennifer (Melissa Carnell) will den Unfalltod ihres geliebten Vaters (Bryan Massey) bewältigen und verbringt daher ein Wochenende in dessen abgelegenem Haus in den texanischen Sümpfen. Ihr zur Seite steht ihre beste Freundin Maya (Shavon Kirksey), die zu Jennifers Aufheiterung gleich noch ein paar Kumpels mitbringt. Doch in den Wäldern lauert das Böse: Eine Horde Waldmenschen hat Fortpflanzungsbedarf und verschleppt junge Damen, derweil die jungen Herren fach-, äh, waidmännisch zerlegt werden.

Sasquatch auf Freiersfüßen: Dieses angebliche Remake des frühen Bigflootploitation-"Klassikers" "The Legend Of Boggy Creek" ist so herrlich belämmert, dass man ihm kaum ernstlich böse sein kann. Sozusagen der "Showgirls" aller Bigfoot-Filme. Vor allem das Script strotzt nur so vor Albernheiten und bereitwillig mitgenommener Fettnäpfchen, dass es eine wahre Lust ist. Die Darstellerriege ist durch die Bank unterste Kajüte und wurde ganz offensichtlich bloß nach ihrem zugegeben wohlgestalteten Äußeren besetzt. So sind die zahlreichen Bikini-Einstellungen (bare Brüste waren Brian T. Jaynes wohl leider zu prekär) denn auch wirklich ansehnlich. Nicht minder gelungen die wirklich ausgesprochen liebevoll präparierte Bigfoot-Maskerade. Leider nützen all diese Attribute herzlich wenig, wenn man bereitwillig stulles Dialogwerk mit einem Null an Geschichte und völlig falschen szenischen Gewichtungen zusammenklöppelt, dass sich beim Zuschauer Fremdscham und Häme die Klinke reichen und man sich vor lauter kognitiver Unterforderung Gedanken über interessantere Dinge macht, zum Beispiel darüber, ob die Mehrzahl von 'Bigfoot' wirklich 'Bigfeet' sein könnte. Die wirklich entsetzliche deutsche Vertonung (der hiesige Untertitel erspart sich nebenbei noch nicht einmal das Deppenleerzeichen), besorgt von allseitig katastrophalem Untalent, setzt dem Ganzen nochmal die Krone auf: Handwerk, das gar keines ist!
Egal. Filme wie "Boggy Creek" seien ausdrücklich zur Bewusstseinskur für Zeitgenossen empfohlen, deren kritischer Anspruch jeden dritten Film als minderwertig abwatscht. So sieht die Wirklichkeit aus am unteren Qualitätsspektrum!

3/10

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THE RUINS (Carter Smith/USA, AU, D 2008)


"This doesn't happen! Four Americans on a vacation don't just disappear!"

The Ruins (Ruinen) ~ USA/AU/D 2008
Directed By: Carter Smith

Yucatán, Mexiko: Kurz vor ihrem Heimflug lassen sich vier US-Jungtouristen von dem Deutschen Mathias (Joe Anderson) überreden, zusammen mit ihm und seinem Kumpel Dimitri (Dimtri Baveas) nach seinem Bruder Heinrich zu suchen, der mit dessen Frau im Urwald einen Maya-Tempel erforschen wollte und nunmehr überfällig ist. Vor Ort angekommen, werden die sechs Reisenden von einer Gruppe höchst ungehaltener Maya-Abkömmlinge empfangen, die Dimitri sogleich erschießen. Die Übrigen können sich zunächst auf den Gipfel der Pyramide retten und erfahren hier auch den Grund für die Aggression der Einfgeborenen: Der Tempel wird von einer höchst obskuren Rankenart bewohnt, die sich wie ein denkendes Wesen verhält und ihre todbringenden Samen jedem einpflanzt, der ihr zu nahe kommt...

Ähnlich wie beim zwei Jahre jüngeren "Primal" geht es auch in "Ruins" um eine uralte, bizarre Naturgewalt, die sich auf einen urweltlichen Punkt konzentriert und sich von hier aus offensichtlich auszubreiten versucht. Die Herkunft des bösartigen Gewächses bleibt ungeklärt; es könnte ebenso außerirdischen Ursprungs sein wie ein bislang unentdecktes Relikt aus prähistorischer Zeit. Ziemlich scary sind die Pflänzchen mitsamt ihren pulsierenden Blüten in jedem Falle: Sie imitieren schrille Geräusche jedweder Art, bauen sich in lebenden Organismen ihre Nestchen und ernähren sich von Totem. Allein die Tatsache, dass sie offenbar größere tierische Wirte benötigt, um sich auszubreiten, hält das Gewächs an einem Ort fest. "The Ruins" steht damit in der Genre-Tradition böser Pflanzen, die bis Nathaniel Hawthorne und sicherlich auch noch weiter zurückreicht und die von der Prämisse zehrt, dass unsere stummen, grünen Zeitgenossen nicht immer so friedlich sind, wie sie scheinen und ganz besonders infolge wissenschaftlicher oder außerirdischer Modifikation zu höchst bedrohlichem Eigenleben erwachen können. Wenn das Ganze so spannend, deftig und farbenfroh Gestalt annimmt wie im Falle "The Ruins", bin ich immer gern für einen solchen vegetarischen Einschub zu haben.

7/10

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THE FRANKENSTEIN THEORY (Andrew Weiner/USA 2013)


"Whatever you do - don't run!"

The Frankenstein Theory ~ USA 2013
Directed By: Andrew Weiner

Der als genial geltende Jungwissenschaftler Jonathan Venkenheim (Kris Lemche) ist der festen Überzeugung, dass sein Urahn und seine Arbeit dereinst das authentische Vorbild für Mary W. Shelleys Roman "Frankenstein" bildeten. Vor allem jedoch glaubt er, dass die Kreatur, die sein Ururgroßvater dereinst geschaffen hat, noch immer durch die Arktis stapft. Um zu verhindern, öffentlich als Spinner abgestempelt zu werden und seine wissemnschaftliche Seriosität zu wahren, reist Jonathan zusammen mit einer vierköpfigen Gruppe Dokumentarfilmer und dem Führer Karl (Timothy V. Murphy) nach Kanada bis zum nördlichen Polarkreis, wo er das Monster gegenwärtig vermutet. Dass Jonathan in Teilen seiner These richtig liegt, stellt man vor Ort bald fest - allerdings hat er mit anderen Dingen Unrecht, das Ungeheuer ist nämlich keineswegs zugänglich für Kontaktaufnahmen...

Im letzten Jahr erlebte der "Frankenstein"-Mythos zu seinem 195. Erscheinungsjubiläum einen kleinen Boom. Andrew Weiner leistete, ebenso wie der Niederländer Richard Raaphorst, einen Beitrag dazu, indem er die Story nicht nur um einen legitimen Erben des Original-Wissenschaftlers weitersponn (so könnte man "The Frankenstein Theory" in genealogischer Hinsicht auch als mögliches Sequel zu dem unmittelbar zuvor geschauten "Frankenstein's Army" betrachten), sondern das Ganze zudem in einen 'embedded-filming'-Rahmen setzt.
Leider versandet der Film am Ende inhaltlich in einer Art, die ihm ansonsten überhaupt nicht zukommt. Er beginnt spannend und seriös, belegt, dass gutes Genrekino auch immer noch abseits von zuviel Blut und Gekröse onscreen funktionieren kann und hält sein Niveau im Prinzip bis zum Showdown durch. Dann jedoch weiß er sich nicht besser zu helfen, als mit der denkbar langweiligsten Zielvariante: Ja, die Kreatur existiert, und ja, sie ist böse und plättet alles um sich herum. Die kreative Angst davor, vielleicht doch ein wenig in Shelleys (und Jonathan Venkenheims) Sinn zu handeln und dem Monster eine Stimme von Frustration und Vernunft zu verleihen, entpuppt sich als leider übermächtig.
Vielleicht hätten die Kids den Film verlacht, was in unserer viralen Zeit ja rasch einer kommerziellen Katastrophe gleichkommen kann. Möglicherweise aber wäre er auf diese Weise auch zu einem starken Finish gelangt. So bleibt ein durchaus ansehnlicher, gerade darum letztlich jedoch umso bitterer enttäuschender Beitrag zum attraktiven Subgenre "Wir filmen unser Ende und ihr alle dürft uns dabei zuschauen".

6/10

Kanada Schnee Expedition embedded filming Frankenstein Monster Andrew Weiner


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FRANKENSTEIN'S ARMY (Richard Raaphorst/NL, CZ, USA 2013)


"Men will be more efficient if they have hammers and screwdrivers instead of fingers."

Frankenstein's Army ~ NL/CZ/USA 2013
Directed By: Richard Raaphorst

Ostpreußen, Frühjahr 1945: Die Rote Armee befindet sich auf dem Vormarsch gegen die versporengten Reste der Wehrmachtsbesatzer. Ein kleines Batallion wird auf seinem Weg nach Westen von dem Dokumentaristen Dimitri (Alexander Mercury) begleitet, der im Auftrag von Stalin höchstpersönlich mit einer Handkamera Wesentliches festhält. Das Notsignal einer anderen russischen Abteilung lockt die Gruppe zu einem Dörfchen, das zunächst verlassen scheint. Bald jedoch erscheinen die ersten, monströsen Kreaturen: Biomechanische Zombies mit furchtbaren Waffen anstelle von Extremitäten oder Köpfen, die auf die Russen Jagd machen und kaum aufzuhalten sind. Sie alle stammen aus einem geheimen Labor, in dem niemand Geringerer als Dr. Frankensteins Enkel Viktor (Karel Roden) unaussprechliche Experimente im Auftrag der Heeresleitung durchführt.

Eine flotte Idee, die Richard Raaphorsts wundervoll abseitigem Film zugrunde liegt: Der gotteslästerliche Geist Viktor Frankensteins lebt in seinem noch geisteskrankeren, jedoch wissenschaftlich kaum minder gesalbtem Enkel fort und bahnt sich im Auftrage des Führers seinen furchtbaren Weg durch die Wirren des Deutsch-Russischen Krieges.
Zudem bedient sich Raaphorst des, gemessen an der handlungstragenden Zeitperiode zunächst gewagt scheinenden Found-Footage-Stils (mit durchwchsenem bis streitbarem Resultat) und verpasst seinem bösen Märchen ein computerspielartiges Finish, das, soweit ich als Laie dies überhaupt beurteilen kann, an die Ästhetik diverser Ego Shooter der letzten zwei Jahrzehnte angelehnt ist.
Heraus kommt liebenswert-geschmackloser Pulp, der mit seinen teils wirklich ausgefallenen Monsterschöpfungen (einen Zombiesoldaten mit Flugzeugpropellerkopf gibt's da oder einen Teddybären mit Frauenkopf zudem Einiges von dem Geist früherer Groschenroman-Serien wie "Larry Brent" konserviert. Raaphorst, der, zusammen mit Tom Six wohl so eine Art niederländisches duo infernale des neo-pathologischen Genrekinos bildet, muss hier und da schon darauf achten, dass er selbst nicht in unter all seinen Leichenteilen und Gedärmen ersäuft, schafft dies aber am Ende mit einiger Bravour und kreiert somit einen beachtlichen kleinen Genrebeitrag.

7/10

Richard Raaphorst WWII Russland Mad Scientist Madness Cyborg embedded filming Schnee Frankenstein Zombies Winter


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PRIMAL (Josh Reed/AU 2010)


"Down on your knees and lick my cunt!"

Primal ~ AU 2010
Directed By: Josh Reed

Um für seine Dissertation eine uralte Kultstätte der Aborigines zu erforschen und Analysen der dortigen Höhlenmalereien zu dokumentieren, reist Chad (Lindsay Farris) zusammen mit fünf Freundinnen und Freunden in ein entlegenes Fleckchen von New South Wales. Doch kaum vor Ort angekommen, sieht das Sextett sich keinesfalls dem zunächst versprochenen, idyllischen Campingtrip gegenüber, sondern einer höchst aggressiven Natur, die sich schleichend ihre Opfer sucht und sie in archaische, blutdürstige Dämonen verwandelt. Diese huldigen wiederum einem namen- und formlosen Wesen, das in der Höhle haust und seinen üblen Laich weiterverbreiten will.

Garniert mit explodierenden Farben und Shutterkamera serviert Josh Reed seiner geneigten Rezipientenschaft ein rundum ekliges Vergnügen, das trotz seiner unumwundenen Planwirtschaftlichkeit aus zweierlei Gründen erfreulich ausfällt: Weder scheut "Primal" einen selbstironischen Ton, noch ergeht er sich in überflüssigen Erklärungsmustern. Im Gegenteil bricht er das etablierte Funsplatter-Konzept auf seine Mindestanforderungen herunter, um daraus ein taugliches Produkt für den cineastischen Bluthund zu brutzeln. Dass das avisierte Publikum dabei im günstigen Fall nicht älter sein sollte als die Protagonisten, hat mich, wie üblich, nicht weiter gestört - in solchen Fällen begrüße ich die Regression. Reed hat seine klassischen Vorbilder hinreichend studiert; ein bisschen Lovecraft steckt in "Primal", vor allem aber hofiert er die bewährte Genre-Grandeur von "Evil Dead" bis hin zu "Demoni". Mir hat's Laune gemacht, und nicht zu knapp.

6/10

Josh Reed Splatter Dämon Australien Outback


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TOWER OF EVIL (Jim O'Connolly/UK 1972)


"It's... Michael!"

Tower Of Evil (Der Turm der lebenden Leichen) ~ UK 1972
Directed By: Jim O'Connolly

Auf einem kleinen Leuchtturmnsel 'Snape Island' vor Englands Südküste wird eine junge Frau (Candace Glendenning) als einzige Überlebende eines Massakers entdeckt. Da die nunmehr katatonische Dame auch den Fischer Gurney (Jack Watson) attackiert hat, gilt sie als Hauptverdächtige für die Bluttat. Der Psychiater Simpson (Anthony Valentine) entdeckt während einer Hypnose-Sitzung jedoch mehr. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich allerdings eine kleiner Forschergruppe nebst Detektiv Evan Brent (David Haliday) auf dem Eiland. Dort soll sich nämlich das antike Grabmal eines phönizischen Adligen befinden, das mit einem Götzenbild des Gottes Baal geschmückt ist...

Ein schnuckliger, kleiner Horrorfilm aus der für Werke jener Färbung fruchtbaren Brit-Ära der Frühsiebziger. Für die Felseninsel mitsamt Leuchtturmhaus erstellte man eine - unschwer als solche identifizierbare - Pappmachee-Kulisse in den Shepperton Studios; die üblich-übrigen Rückprojektionen stellten sicher, dass die Darsteller nicht einmal dass Studiogelände verlassen mussten. Entsprechend gemächlich wabert die ganze Angelegenheit vor sich hin. Unverbindlicher Sex und Marihuana-Konsum stellen die Weichen für später erfolgenden Wahnsinn und Tod; entsprechend reaktionär die O'Connollys Film zugrunde liegende Basishaltung, die in ihrer Überkommenheit natürlich nurmehr komisch wirkt.
Dass das Mordduo sich als Vater (Fredric Abbott) und Sohn (Mark McBride), hoffnungslos verwahrlost und mit dem Baal-Kult gleichermaßen der Geisteszersetzung anheim gefallen, entpuppt, ist immerhin ein netter Zug des Ganzen. Außerdem gibt es, in einer leider nur kleinen Rolle, Robin Askwith; gewissermaßen ja ein Garantstempel für lustigen Tommy-Horror anno Knutsch.

6/10

Jim OConnolly Insel Vater & Sohn Schatz Madness Archäologie





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