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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE QUIET ONES (John Pogue/UK 2014)


"I'm sorry."

The Quiet Ones ~ UK 2014
Directed By: John Pogue

Der Kette rauchende und ehrgeizige Universitätsprofessor auf dem Fachgebiet "abseitiger Psychologie" Coupland (Jared Harris) ist der festen Überzeugung, dass psychotische Patienten, denen Besessenheit nachgesagt wird, in Wahrheit bloß über telekinetische Kräfte verfügen, vor denen sie sich selbst so sehr fürchten, dass sie eine Art Persönlichkeitsspaltung entwickeln und ein zweites Ich herbeifabulieren. So, so glaubt Coupland, ist es auch im Falle der jungen Jane Harper (Olivia Cooke), die unter zeitweiliger Amnesie leidet, mehrere Heim- und Psychiatrieaufenthalte hinter sich hat und glaubt, ein böses Mädchen namens "Evey" lebe in ihrem Körper. Zusammen mit seinen beiden Studierenden Krissi (Erin Richards) und Harry (Rory Fleck-Byrne) sowie dem für die filmische Dokumentation zuständigen Brian (Sam Claflin) wagt Coupland ein gefährliches Experiment: In einem abgelegen Landhaus will er die isolierte und schwer verstörte Jane dazu bringen, sich von ihrem vermeintlichen alter ego Evey zu lösen. Doch die Wahrheit mag er nicht akzeptieren, selbst dann nicht, als sie ihn bei der Kehle hat...

"The Quiet Ones", die mittlerweile sechste aktuelle Produktion der reaktivierten Hammer-Produktion, nimmt sich dann doch deutlich wichtiger als sie es letzten Endes ist. "The Haunting", "The Asphyx", "The Legend Of Hell House", "Poltergeist", "Prince Of Darkness" winken mit ihren modrigen Tüchlein: Wenn Genreconnaisseure eines längst gelernt haben, dann, dass die Wissenschaft dem Übernatürlichen trotz noch so geschickter Versuchsanordnungen stets haushoch unterlegen bleibt. Geister und Dämonen, insbesondere die bösen unter ihnen, lassen durch ESP und EMF-Geräte vielleicht erkennen, aber niemals einfangen, geschweige denn aus der Welt tilgen. So ist denn auch der ganze Vorlauf nebst dem Trara um mögliche Effektschwindeleien seitens des keinesfalls koscheren Professor Coupland vollkommen überflüssig. "The Quiet Ones" hält sich viel zu lang damit auf, unsere Identifikationsfigur, den ungläubigen Brian, durch seine Unsicherheitstrips zu jagen, bis er dann schließlich die dämonische Wahrheit herausfindet, aus der viel mehr hätte erstehen können. Ist einmal klar, dass sich hinter Janes Anfällen kein Mummenschanz verbirgt sondern ein tatsächlicher sumerischer Feuerdämon, der einige Jahre in den Untiefen von Janes verwirrter Psyche verborgen war, ist der Film schon fast wieder vorbei. Es fehlt ihm schlicht an Aktion und Effektezauber, die seine bloßen Verunsicherungsstrategien leider nicht aufzuwiegen vermögen. Dazu mangelt es Autorenschaft und Regie dann doch etwas zu sehr an formaler Kompetenz.

5/10

John Pogue Oxford Hammer Parapsychologie Dämon Besessenheit period piece embedded filming


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IN FEAR (Jeremy Lovering/UK 2013)


"Did you tell her? Tom? Tom?"

In Fear ~ UK 2013
Directed By: Jeremy Lovering

Tom (Iain De Caestecker) und Lucy (Alice Englert) kennen sich erst seit zwei Wochen. Dennoch lässt Lucy sich von Tom überreden, mit ihm per Auto zu einem Festival in der irischen Provinz zu fahren. Man trifft sich bereits einen Tag vor Beginn der Veranstaltung und reist durch die Landschaft. Ein Zwischenstopp in einem Pub endet unerfreulich, es gibt einen kleinen, aber scheinbar unbedeutenden Konflikt mit den einheimischen Gästen. Auf der Weiterfahrt bietet Tom Alice an, eine Nacht mit ihm in einem abgelegenen Hotel zu verbringen. Das Zimmer habe er bereits von daheim aus online gebucht. Trotz Navigationsgerät und Beschilderung verfahren sich die beiden in der entlegenen Gegend und bewegen sich dazu noch im Kreis. Bald geht ihnen auf, dass sie nicht allein sind und irgendwer ein perfides Spiel mit ihnen treibt. Als sie den verletzten Max (Allen Leech) im Wagen mitnehmen, kulminieren die Ereignisse.

Ein weiterer, vielversprechend beginnender Film, der am Ende durch seine akute Erklärungsnot in sich zusammenfällt. Der zweite von vier Akten spielt die große Stärke und zudem die sicher auch grundierende Prämisse der Geschichte aus: Eine scheinbar end- und ziellose Fahrt durch weit abgelegene Wald- und Feldwege, Einbahnstraßen ohne echte Orientierungspunkte, mit vertauschten Wegsweisern, bei zunehmend schlechtem Wetter und dämmerndem Licht. Verirrung. Zu diesem Zeitpunkt ist nicht klar, warum all das eigentlich geschieht; die Analyse-Optionen gestalten sich noch multipel; die Verunsicherung des den Protagonisten in ihrem Wissen gleichgestellten Zuschauers erweist sich als Initiallösung für die wachsend unangenehme Atmosphäre. Wer oder was steckt hinter der ganzen Irreführung? Einheimische Spaßvögel vielleicht? Möglicherweise die Leute aus dem Pub, mit denen der Stadtmensch Tom sich angelegt hat? Vielleicht ist er selbst gar ein Unhold? Oder ist nachher doch alles bloß Einbildung im Angesicht sich steigernder Verunsicherung bis hin zu einer halbwegs irrational bedingten Panik? Dann jedoch holt Lovering sein Publikum genau da ab, wo es im Idealfall gar nicht erst hingewollt hätte und "In Fear" ergibt sich der biederen Konventionalität vorgefertigter Expertise. "The Hitcher" lässt grüßen, der ebenso geisteskranke wie todessehnsüchtige Max stellt sich als derjenige heraus, der hier die ganze Zeit für psychische Derangierung seiner Opfer gesorgt, auf der Terrorklaviatur gespielt und Alice demonstriert hat, dass sich in jedem Menschen, so es ihm nur hinreichend bedrohlich an den Kragen geht, ein unerbittlicher Opportunist verbirgt. Ob Lovering auf den Verkauf dieser Erkenntnis sonderlich stolz ist, weiß ich nicht, aber ich finde es einigermaßen bedauernswert, dass selbst im Genrefilm nichts mehr zu gehen scheint ohne die Bemühung strenger Rationalität.

5/10

Jeremy Lovering Irland Provinz amour fou Madness Nacht Terrorfilm


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SAVAGED (Michael S. Ojeda/USA 2013)


"Baby's still alive!"

Savaged ~ USA 2013
Directed By: Michael S. Ojeda

Die taubstumme Zoe (Amanda Adrienne) fährt allein mit dem GTO ihres verstorbenen Vaters zu ihrem Freund Dane (Marc Anthony Samuel) an die Westküste, den sie dort heiraten will. In Acme, New Mexico überfährt sie beinahe einen Apachen (Rick Mora), dem sie noch zur Hilfe eilen will, der dann jedoch von einer ihn jagenden Gang von Rednecks ermordet wird. Die Männer überwältigen Zoe, nehmen sie mit, vergewaltigen und quälen sie, um sie dann zu ermorden und in der Wüste zu verscharren. Ein alter Medizinmann (Joseph Runningfox) findet ihren geschändeten Leichnam und versucht, sie wieder zum Leben zu erwecken. Bei diesem Ritual fährt jedoch der Geist des vor hundert Jahren verratenen und ermordeten Häuptlings Mangas in Zoes Körper. Als Untote mit zwei Seelen in der Brust begibt sich Zoe nun auf einen gnadenlosen Rachefeldzug, denn die Männer, die sie getötet haben, sind just die Nachkommen von Mangas' Mördern.

"Savaged" erweist sich schnell als kein besonders cleverer Film, der sich jedoch mittels schicker, ausgeblichener Photographie und einer an längst verjährt geglaubte MTV-Ästhetik orientierten, ruhelosen Bildsprache eine besondere Bedeutung zu verleihen sucht. Im Hinblick auf die übrigen Aspekte des Films muss man dies als im großen Stil gescheitert bezeichnen. "Savaged" erweist sich bereits nach den ersten Erzählminuten primär als ein Film der Zitate und der Revision: Neowestern um überlegene indianische Outlaws von "Billy Jack" über "Johnny Firecloud" bis hin zu De Angelis' "Thunder"-Trilogie wanderten hier ebenso in Lewis' großzügig angelegten "Inspirationsfundus" wie Girdlers "The Manitou", klassische Rape-&-Revenge-Movies von "I Spit On Your Grave" bis, noch eindeutiger, "Ms. 45" und natürlich "The Crow", dessen morbide Liebesgeschichte sich in leicht abgewandelter Form auch hier wiederfindet. Entsprechend diesen diversen Vorbildern und Motivlieferanten nebst ihrer freizügigen Ausbeutung kann von innovativem Genrekino kaum mehr die Rede sein. Was man Lewis dennoch zugute halten kann, ist das unerschütterliche Selbstbewusstsein, mit dem er zu Werke geht: Eine zumindest für Gattungsfreunde ansprechende Konturierung besitzt sein Film nämlich trotz aller Analogien und bietet zudem eine Menge reueloser Gekröse-Matschereien plus einem gloriosen, finalen Duell Tomahawk gegen Motorsäge, bei dem dann wahrlich der Busch brennt. Man erwarte wenig Hochwertiges und finde sich damit zufrieden.

5/10

Michael S. Ojeda Dämon New Mexico Rache Vergewaltigung rape & revenge Indianer Splatter Slasher


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THE THAW (Mark A. Lewis/CAN, USA 2009)


"I just had the most painful piss of my life."

The Thaw (Frozen - Etwas hat überlebt) ~ CAN/USA 2009
Directed By: Mark A. Lewis

Der renommierte Klimaforscher Dr. Kruipen (Val Kilmer) entdeckt in der rasant abtauenden Arktis ein gut erhaltenes Wollhaar-Mammut. Dieses wimmelt von wurmartigen Parasiten, die sofort alles und jeden anfallen, das oder der in ihre Nähe gerät und ihre Eier im jeweiligen Wirt subkutan ablegen. Die ausschlüpfende Brut ernährt sich dann vom Fleisch des infizierten, rasch an Fieber sterbenden Opfers. Kruipens alsbald infizierte Lebensgefährtin und Kollegin Jane (Anne Marie DeLuise) ahnt, dass der fantaische Wissenschaftler mehr mit den Parasiten vorhat als deren bloße Erforschung. Derweil reisen Kruipens Tochter (Evelyn (Martha MacIsaac) und drei Studenten (Aaron Ashmore, Kyle Schmid, Steph Song) Richtung Nordpol, um an Kruipens Forschungen zu partizipieren. Sie ahnen nicht, welches Grauen sie erwartet.

Spätestens seit Cronenbergs "Shivers" gehören parasitäre Schleimwürmer, die die von ihnen befallenen Leiber okkupieren und physisch und/oder psychisch verrotten, zum festen Inventar des Genrefilms. Die letzten erwähnenswerten Ausläufer um die kleinen Ekelpakete vor "The Thaw" waren Lawrence Kasdans "Dreamcatcher" und James Gunns "Slither", in denen die Kreaturen jeweils als Vorhut einer extraterrestrischen Invasion tätig waren. Welcher Herkunft sie bei Lewis sind, erfährt man nicht recht, grundsätzlich geht er jedoch den umgekehrten Weg. Hier sind die - übrigens als Wirbeltiere klassifizierten - Parasiten Relikte archaischer Zeiten, die die letzte Eiszeit wohlig schlummernd in ihrem Opfer überdauerten, um jetzt, im Zeitalter der Polkappenschmelze, wieder in Aktion zu treten. Ihre blitzartige Vermehrung und Infizierung jeglicher organischer Wirte könnte in der Zivilisation gigantische Schäden und Dezimierungen anrichten. Der wahnsinnig gewordene Kruipen plant, mithilfe der Parasiten und um sich selbst als Märtyrer, ein warnendes Signal gegen die Klimakatastrophe zu setzen und seine kleinen Freunde auf die Menschheit loszulassen. Ausgerechnet seine ihm seit jeher ohnehin ambivalent gegenüberstehende Tochter bildet schließlich die letzte Bastion der Gegenwehr.
Ein paar ansprechende Splatter- und Ekeleffekte, darunter eine pittoresk abgefressene Leiche, wiegen die ansonsten recht konventionelle Inszenierung des Films, dessen größten Minuspunkt die zumeist drittrangigen Darsteller bilden, zumindest zu Teilen auf. Hier und da wirkt Lewis' Regie unbeholfen und ratlos, dann gewinnt sie wieder ordentlich an Fahrt, um nach kurzem Aufatmen im erwartungsgemäßen Cliffhanger zu kulminieren.

6/10

Mark A. Lewis Alaska Virus Parasiten Arktis mad scientist Madness


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AHÍ VA EL DIABLO (Adrián García Bogliano/MEX 2012)


Zitat entfällt.

Ahí Va El Diablo (Here Comes The Devil) ~ MEX 2012
Directed By: Adrián García Bogliano

Ein Besuch in der benachbarten Provinz erweist sich für Sara (Michele Garcia) und Adolfo (Alan Martinez), die Kinder von Sol (Laura Caro) und Felix (Francisco Barreiro) als verhängnisvoll. Denn als die Geschwister einen eigenständigen Ausflug zu einem Berg und einer auf diesem gelegenen Höhle unternehmen, bleiben sie nicht nur gute zwölf Stunden verschwunden, sondern kommen danach auch seltsam verändert zurück. Sie wirken fortan teilnahmslos und lethargisch und schwänzen, wie Sol herausfindet, täglich die Schule, um immer wieder zu der Höhle zurückzukehren. Zudem scheint Sara während ihrer Abwesenheit Opfer eines mysteriösen, koitalen Aktes geworden zu sein. Felix und Sol verdächtigen prompt den vor Ort angetroffenen Lieferanten Lucio (David Arturo Cabezud) der Vergewaltigung und fühlen sich bestätigt, als sie Saras am bewussten Tag verlorene Unterhose bei ihm zu Hause finden. Die beiden machen sich eines furchtbaen Selbstjustiz-Verbrechens an Lucio schuldig und werden erst, als es bereits viel zu spät ist, gewahr, dass Sara und Adolfo möglicherweise gar nicht mehr sie selbst sind...

Ein zumindest im Ansatz durchaus ansprechender, vor allem infolge seiner stilistischen Traditionsverbundenheit beachtenswerter Film, der am Ende jedoch, und damit teilt er das Schicksal vieler Genrestücke, unter akuter, dabei allerdings redundanter Erklärungsnot leidet und sich genötigt sieht, eine forciert wirkende Conclusio für die zuvor ausgespielten, mysteriösen Ereignisse herbeizuzaubern. Es bleibt dann nicht mehr viel übrig an Phantasie-Freiräumen, wie sie zu Beginn noch in kompetenter Weisse von Bogliano evoziert werden. Da steht eine erotische, gewalttätig endende Prätitel-Sequenz in zunächst unerklärlichem Kausalität zu der sich im Folgenden entrollenden Story um eine zerbrechliche Familie, die durch die erwachende Geschlechtsreife der Tochter in eine tiefe Krise gestürzt wird. Man ahnt zunächst nicht recht, wo das Ganze hinführen mag und lässt sich insofern von den folgenden, unangenehmen Teilenthüllungen mitsamt dem barbarischen Mord an einem Unschuldigen, willkürlich einspinnen. Bis das Ganze dann schlussendlich von einem geschwätzigen, jedoch im Bilde befindlichen Tankwart (!) in eine vergleichsweise schematische Richtung geführt wird mitsamt dämonischem, zumindest jedoch erfreulich effektarmem Body-Snatcher-Trara. Hier wäre ein klares 'Weniger' wünschenswert gewesen. Peter Weir hat in seinem "Picnic At Hanging Rock", von dem Bogliano fraglos und großzügig zehrt, immerhin siebenundrreißig Jahre zuvor gezeigt, wie so etwas weithin makellos zu deichseln ist.

7/10

Adrián García Bogliano Berg Höhle Kinder Geschwister Familie Mexiko Selbstjustiz Rache Ehe


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MAMULA (Milan Todorovic/SER 2014)


Zitat entfällt.

Mamula (Nymph - Mysteriös. Verführerisch. Tödlich.) ~ SER 2014
Directed By: Milan Todorovic

Die beiden amerikanischen Freundinnen Kelly (Kristina Klebe) und Lucy (Natalie Burn) machen Ferien an der montenegrinischen Adria, wo sie ihren früheren Kommilitonen Alex (Slobodan Stefanovic) besuchen, mit dem Lucy einst liiert war. Zusammen mit Alex' Verlobter Yasmin (Sofija Rajovic) und dem Abenteurer Boban (Dragan Micanovic) besuchen sie, trotz eingehender Warnungen des mysteriösen Alten Niko (Franco Nero) Mamula, eine ehemalige, verlassene Gefängnisinsel vor der Küste. Dort entdecken die Freunde Unglaubliches: Ein älterer Fischer (Miodrag Krstovic) wirft abgetrennte, menschliche Gliedmaßen in einen Brunnen und macht, nachdem er sich ertappt wähnt, Jagd auf die Clique; unter den Ruinen gibt es Wasserzugänge, aus denen Töne hervordringen, die nur die beiden Männer hören und es scheint dort ein schönes Mädchen (Zorana Kostic Obradovic) gefangen zu sein...

Monströse Meerjungfrauen sind ein tolles Fantasy-/Horror-Sujet, wie ich finde. Leider gibt es bis dato kaum wirklich ansprechende, filmische Umsetzungen zum Thema - "Las Garras De Lorelei" fiele mir da gerade mal spontan ein. Auch "Mamula", der zuallererst einmal ein durchaus redliches Unterfangen markiert als ein weiterer Versuch der serbischen Filmkultur, sich durch Genrekino einen internationales Renommee zu erarbeiten, bildet bestimmt keinen diesbezüglichen, unerlässlichen Meilenstein. Aufsehen erregt der Film sicherlich durch seinen Besetzungscoup mit Franco Nero, der einen um den Skylla-Mythos im Bilde befindlichen, rettenden Helden spielt, und dies durchaus ansehnlich. Tatsächlich heben sich jene Szenen, die er mit seiner Präsenz anreichert, deutlich vom Rest des Films ab. Das erste, lediglich der Figureneinführung dienende Drittel lässt bereits eine mittlere Katastrophe befürchten. Natalie Burn ist zwar nett anzuschauen, ihr Schauspielvermögen jedoch ist, ebenso wie das ihrer Kolleginnen und Kollegen von beängstigender Bescheidenheit. Selbiges gilt für das extrem dulle Dialogscript und die keine Ruhe findende Kamera. Im weiteren Verlauf erstarkt der Film dann glücklicherweise allmählich - wenngleich weiterhin stete Mängel zu beklagen bleiben -, bis er zum Showdown hin (in dem auch Neros 'Niko' endlich eine gewichtige Rolle spielt) gar eine geflissentlich poetische Ebene ankratzt. Wäre der gesamte Film von ebendieser atmosphärischen Qualität, er könnte sich rühmen, im Genre-Einerlei etwas Besonderes abzubilden. In seiner nunmehr bestehenden Form bleibt er unterdurchschnittlich.

4/10

Milan Todorovic Serbien Insel Monster Nixe Splatter Montengero Mittelmeer


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APOLLO 18 (Gonzalo López-Gallego/USA, CA 2011)


"Let me in, Ben! Let me in!"

Apollo 18 ~ USA/CA
Directed By: Gonzalo López-Gallego

Überraschend aufgetauchtes Filmmaterial beweist es: Apollo 17 war nicht der letzte bemannte Raumflug zum Mond, es gab noch eine weitere Mission. Die drei Astronauten Ben Anderson (Warren Christie), Nate Walker (Lloyd Owen) und John Grey (Ryan Robbins) starten unter strengster Geheimhaltung (selbst ihre Familien dürfen nichts wissen) hinauf zum Erdtrabanten. Anderson und Walker setzen sich mit einer Mondfähre am Südpol ab, derweil Grey mit dem Raumschiff im Orbit bleibt.
Das Bodenteam stellt alsbald einige Merkwürdigkeiten fest: Offenbar war zuvor bereits eine sowjetische Kosmonautentruppe inoffiziell gelandet. Man entdeckt die Leiche eines der Ost-Kollegen, dessen aufgerissener Raumanzug keinen Zweifel daran lässt, dass er ermordet wurde. Kurz darauf finden Walker und Anderson nichtmenschliche Spuren auf der Oberfläche. Walker wird von etwas in seinem Anzug befindlichen angegriffen und leidet an einer seltsamen Infektion. Als der zwischenzeitlich abgebrochene Kontakt nach Houston wieder hergestellt ist, beseitigen sich Andersons letzte Zweifel: Das hierher entsandte Trio fungiert als nichts anderes denn als Versuchskaninchen für den Nachweis, dass es auf dem Mond, feindselige, tödliche Organismen gibt.

Die Mondexpeditionen und -landungen bieten ja allerlei Fruchtbares für unverbesserliche Verschwörungstheoretiker und solche, die es werden wollen. Warum also nicht das Naheliegendste tun und eine entsprechende Mockumentary kreieren, die über das übliche Brimborium hinaus geht und Aliens und nacktes Grauen ins Spiel bringt? Ein dankbares Sujet für einen konzeptionellen Found-Footage-Stoff, halbwegs clever mit einer Original-Arriflex-16 (die selbst zum Protagonisten wird) gefilmt und somit um mediale Authentizität buhlend. Dass ein entsprechender, viral gestarteter Hype auch vor drei Jahren nicht mehr ganz up to date war, ignoriert man geflissentlich und errichtet sein kleines, lunares Schreckgespenst mit viel Enthusiasmus. Die gar schröckliche Conclusio besagt, dass sich hinter jedem Stückchen Mondgestein, auch hinter solchem natürlich, das zur Erde mitgebracht und in aller Herren Länder verschenkt und weitergereicht wurde, ein potenzieller sleeper der Mondmonster befinden könnte. Deren perfekte Camouflage besteht nämlich darin, sich als Steinchen zu tarnen, um im rechten Moment einen Wirt anzufallen, ihn zu okkupieren und willenlos und böse zu machen. Buh! Leider gelingt es López-Gallego nie ganz, die zum Einkauf einer solchen Geschichte wirklich nötige Bedrohlichkeit zu evozieren. Der experimentelle Anordnungscharakter des Ganzen, das sich mithilfe verschiedener Kameras und somit Perspektiven seine spezifische Dramaturgie zu verschaffen sucht, bleibt stets im Vordergrund und weicht, wie es im wirklich gelungenen Falle sein sollte, nie ganz in die Unmerklichkeit zurück. So empfand ich "Apollo 18" zwar nicht als gänzlich misslungen, ebensowenig aber als einen der wirklich bahnbrechenden Beiträge zum embedded filming.

5/10

Gonzalo López-Gallego period piece found footage embedded filming Raumfahrt Mond Freundschaft Verschwörung Aliens Virus


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PHANTOM OF THE RUE MORGUE (Roy Del Ruth/USA 1954)


"I sure didn't kill anyone. My consciousness is clean as my hands, as they say!"

Phantom Of The Rue Morgue (Der Würger von Paris) ~ USA 1954
Directed By: Roy Del Ruth

Paris um die vorletzte Jahrhundertwende. Ein Frauenmörder, der über die Dächer der Stadt kommt und geht, macht die Metropole unsicher. Besonders ungewöhnlich dabei vor allem die Vorgehensweise des Täters, der seine Opfer mit ungeheurer Kraft verstümmelt und deren Wohnungseinrichtungen zertrümmert. Die Spuren - signierte Fotografien, kleine Schmuckgeschenke und ähnliches - führen den schnell mit Verdachtsmomenten bei der Hand befindlichen Inspecteur Bonnard (Claude Duphin) ins Studentenmilieu und weiter zu dem jungen Professor Dupin (Steve Forrest), der sich durch eine persönliche Mörderhatz unglücklicherweise noch verdächtiger macht. Doch Dupin gibt nicht auf und hat alsbald die rettende Idee: Der "Täter" muss ein konditionierter Affe sein; etwas, womit Dupins Kollege Marais (Karl Malden) einige Erfahrung hat...

Ähnlich wie Robert Floreys 1932 entstandener "Murders In The Rue Morgue" präsentiert diese lose auf Poes Kurzgeschichte basierende Adaption einen bösen menschlichen Geist hinter den äffischen Attacken. Diesmal geht der Plot allerdings nicht ganz so sehr in Richtung Science Fiction, sondern stellt einen verwirrten, beziehungskranken Verhaltensforscher in sein Zentrum, gespielt von einem wie immer höchst sehenswerten Karl Malden, der damals noch häufiger als gestörter Widerwart im Kino zu sehen war. "Phantom Of The Rue Morgue" gehörte, ebenso wie André De Toths atmosphärisch recht ähnlich gelagerter "House Of Wax", zu einer kleinen Offensive, im Zuge derer das besorgende Studio sich anschickte, Genrefilme in schickem Warnercolor und Zweistreifen-3D ins Kino zu bringen - mit wechselhaftem Erfolg. Heute sind vor allem die schönen Atelierbauten und Kostüme von gehobenem Interesse, sowie natürlich der arme, verwirrte Gorilla 'Sultan' (eine weitere Freiheit gegenüber Poe, bei dem der Amok laufende Primat ein Orang Utan war), wie uns der Film versichert, ein eigentlich liebenswerter Kerl, an dessen beschissener Sozialisation bloß ein halbgescheiter Matrose (Anthony Caruso) und eben dieser misogyne Wissenschaftler mit Freud-Tick Schuld tragen. Wie dereinst King Kong wird der Ärmste am Ende zusammengeschossen, nachdem er die Schöne (Patricia Medina) wieder hat laufen lassen und, immerhin, nachdem er sich seiner beiden selbsternannten Herren zuvor entledigt hat.

8/10

Roy Del Ruth Edgar Allan Poe period piece Paris Serienmord Madness Mad Scientist Zoo Affe Fin de Siècle Tierhorror 3-D


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OLTRE IL GUADO (Lorenzo Bianchini/I 2013)


Zitat entfällt.

Oltre Il Guado (Across The River) ~ I 2013
Directed By: Lorenzo Bianchini

Der Wildtier-Biologe Marco Contrada (Marco Marchese) ist mitten im Dezember allein mit seinem Kleinbus im venetischen Grenzgebiet unterwegs, um in dem riesigen Waldgebiet die Wildschein- und Fuchspopulation und deren Nachtverhalten zu studieren. Seine Reise führt ihn auch über einen Fluss, den er angesichts der soeben einsetzenden Regenfälle in letzter Minute überqueren kann. Bald schon fallen ihm einige Absonderlichkeiten auf: Ein Kinderkleid treibt durch den Fluss, im Sucher der Nachtkamera bewegt sich noch etwas anderes als die Tiere, schreiähnliche Geräusche aus der Ferne sind zu hören, die Rinde eines Baumes ist kreisrund abgeschält, ein Fuchs scheint von einem größeren Tier getötet worden zu sein. Marco stößt auf ein verfallenes Dorf, das vor langer Zeit offenbar fluchtartig verlassen und zu Teilen niedergebrannt wurde. Während unablässiger Regen fällt, mehren sich die Zeichen, dass etwas in den Steinmauern des Dorfes umgeht, dem Marco unbedingt auf die Spur kommen will.

Ein Horrorfilm, der die Langsamkeit neu erfindet und genau damit seinen inhärentes Grauen schürt, das steht ziemlich offensichtlich im Kontrast zum jüngeren US-Ausstoß, der wahlweise das actionreiche Splattersegment oder schnell montierten Grusel mit vielen Schockeffekten umfasst. In "Oltre Il Guado" reduziert sich die Geschichte auf eine einzige Person, mit Ausnahme weniger Szenen um ein altes Ehepaar, das um das Geheimnis des einst von Partisanen niedergebrannten Dörfchens weiß und einen Rettungstrupp, der sich auf die Suche nach dem bald als vermisst gemeldeten Marco macht. Entsprechend karg und vereinzelt nehmen sich Dialog bzw. Monolog aus.
Der namenlose "Fluss" des Titels (wobei die korrekte Übersetzung das wesentlich poetischer gelagerte Furt wäre, 'Fluss' heißt nämlich auf italienisch 'fiume') nimmt dabei eine deutlich allegorisch herausgearbeitete Funktion ein: Jenseits seines "gegenüberliegenden" Ufers beginnt nicht nur Osteuropa, hier scheinen auch Zeit, Raum und Zweck ihre Bedeutung zu verlieren, die Welt wird urplötzlich farblos und Moder und Tristesse kündigen baldigen Schrecken an. Vielleicht liegt dort die Hölle selbst. Im Prinzip geschieht zunächst nicht viel Offensichtliches und lediglich die spärlichen Erläuterungen des alten Mannes (Renzo Gariup) gegenüber der Suchmannschaft geben Auskunft über die Ursache des Übels: Zwei nicht altern wollende, dämonisch entstellte Zwillingsschwestern haben hier zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gelebt, die sich irgendwann als böse und aggressiv entpuppt haben und damals auch der Feuersbrunst der Widerständler nicht zum Opfer gefallen sind. Ebenjene treiben offenkundig noch heute ihr Unwesen und scheinen zudem sirenenartige Lockrufe auszusenden. Da steckt auf rein narrativer Ebene auch eine Menge "Blair Witch Project" drin: Unübersichtliche, kalte Natur, zunächst geringe, dann immer akuter werdende Hinweise auf das dräuende Böse, Desorientierung, schließlich der Moment der Erkenntnis und am Ende die panische Konfrontation. Keiner kommt hier lebend raus, selbst die Retter nicht.

8/10

Lorenzo Bianchini Dämon Zwillinge Madness Winter Ruine Dorf WWII Grenze


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NIGHT OF THE COMET (Thom Eberhardt/USA 1984)


"I'm not crazy, I just don't give a fuck."

Night Of The Comet (Der Komet) ~ USA 1984
Directed By: Thom Eberhardt

Die gesamte Welt wartet gespannt auf das nächtliche Passieren des periodisch vorbeiziehenden Halleyschen Kometen. Dessen stellarer Einfluss hinterlässt jedoch sehr unschöne Folgen: Wer sich unter freiem Himmel befand, hat sich wahlweise in roten Calcium-Staub aufgelöst oder sich in ein ansteckend irrsinniges, zombieähnliches Wesen verwandelt. Regina (Catherine Mary Stewart), ihre jüngere Schwester Samantha (Kelli Maroney) und der Trucker Hector (Robert Beltran) bleiben jedoch verschont, ebenso wie ein in einer Wüstenbasis operierendes Forscherteam, das bereits emsig nach einem Heilmittel gegen die Seuche sucht. Schon bald kommt es zum Konflikt zwischen den Parteien.

Ein kleines Kronjuwel des subversiven Achtziger-Genrefilms ist dem ohnehin stets zuverlässigen Thom Eberhardt mit "Night Of The Comet" gelungen. Ebenso wie Tobe Hoopers ungerechtfertigterweise ungleich bekannterer "Lifeforce" macht der Film sich die damals grassierende (entsprechende Generationen werden sich erinnern) Manie um den Halleyschen Kometen zunutze, der sich tatsächlich für 1986 anschickte, uns mal wieder "Hallo" zu sagen und dessen angekündigtes Erscheinen ungefestigteren Zeitgenossen Anlass zu gottesfürchtigen Spekulationen gab. Als Protagonistinnen wählte man zwei überaus ordinäre kalifornische teenage girls, die von ihrem militärisch engagierten Vater zufälligerweise in Waffenkunde geschult sind. Die bei Romero noch etwas subtiler gehandhabte Studie einer selbst angesichts des Untergangs noch konsumgeilen Menschheit wird bei Eberhardt zur offenen Satire umgestaltet, wie es überhaupt einige vorzügliche Gags gibt, die die omnipräsente Weltungergangsstimmung prima aufhübschen.
Eigentliches Highlight sind jedoch die Bilder des leergefegten, von einer orange-roten Atmosphäre überlagerten Los Angeles, die wiederum stark an "The Omega Man" gemahnen. Uneingeschränkt ein Klassefilm, international jetzt gleich mehrfach in exzellenten Editionen erschienen und damit zur frohen Wiederentdeckung bereitgestellt.

8/10

Apokalypse Thom Eberhardt Virus Los Angeles Schwestern





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