Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


Foto

NIGHT LIFE (David Acomba/USA 1989)


"Just kidding."

Night Life ~ USA 1989
Directed By: David Acomba

Teenager Archie Melville (Scott Grimes) wird von seinen Mitschülern fast durchweg höhnisch belächelt: Er arbeitet nämlich im Bestattungsunternehmen seines Onkels (John Astin) und empfindet den alltäglichen Umgang mit Leichen als ganz gewöhnliches Handwerk. Allein mit der KFZ-Mechanikerin Charly (Cheryl Pollak), wie er eine Außenseiterin, verbindet ihn eine unausgesprochene Romanze. Besonders die Football-Bullys Rog (Kenneth Ian Davies) und Allen (Mark Pellegrino) setzen Archie immer wieder zu - daher ist er auch nicht sonderlich erschüttert, als die Jungs mitsamt ihren Freundinnen (Darcy DeMoss, Lisa Fuller) eines Nachts bei einem Autounfall das Zeitliche segnen. Es kommt, wie es kommen muss, das pöbelnde Quartett landet durchweg auf Archies "Werkbank" - wird jedoch durch einen blitzeinschlag wieder zum Leben erweckt und stellt Archie und Charly toterdings weiter nach...

Außer in den ersten beiden "Critters"-Filmen und eben "Night Life" war von Scott Grimes in Leinwand-Breitengraden eher wenig zu sehen, er verschwand irgendwann in den Niederungen der TV-Serials und lugte daraus nur mal kurz als Will Scarlet für Scotts "Robin Hood" wieder hervor. Schade, denn jener ebenso augenzwinkernde wie sympathische Bursche war ehedem immer für einen Lacher gut - wie "Night Life", eine schelmische Mixtur aus Zombie-Splatter und Coming-of-Age-Comedy beweist. Im Prinzip fährt Acombas Film atmosphärisch natürlich gänzlich auf der Schiene ähnlich gelagerter Produktionen des Jahrzehnts rund um 'teenagers in heat' und könnte ebensogut auch als eine kammerspielartige Variation von "Return Of The Living Dead" bezeichnet werden, mit dem er sich einige Topoi teilt. "Night Life" allerdings verzichtet auch nicht auf baren Slapstick und schwarzen Humor beinahe klassischer Façon, etwa, wenn der linkische Archie unter Zeitdruck stehend die fachgerechte Präparierung einer Leiche vorlegen soll und dies unter einigem geschmacklosem Getöse völlig vermasselt. Im Finale werden die Schrauben dann nochmals mächtig angezogen, wenn es um die endgültige Entsorgung der bereits im Leben unsympathischen Zeitgenossen geht.
Hierzulande genießt der meines Erachtens sträflich vernachlässigte "Night Life" immerhin ein minimales Popularitätsniveau als einer der letzten §-131-Streifen, wobei es sich bei ihm vermutlich wirklich um den einen Film handelt, dessen Zwangsexilierung die lächerlichste, unangebrachteste und willkürlichste bundesdeutscher Zwangszensur markiert.
Right then: Eventually free "Night Life" and get'm on some fuckin' BR.

7/10

David Acomba Teenager Zombies Leichenbestatter Splatter Kleinstadt


Foto

MARY REILLY (Stephen Frears/USA 1996)


"I always knew you'd be the death of us."

Mary Reilly ~ USA 1996
Directed By: Stephen Frears

Im London der 1880er Jahre erhält die als Kind schwer misshandelte und somit stark traumatisierte Mary Reilly (Julia Roberts) eine Anstellung als Hausmädchen bei dem renommierten Arzt Dr. Jekyll (John Malkovich). Die ebenso liebenswerte wie linkische Art des seltsamen Medziners fasziniert Mary und alsbald entsteht ein wechselseitiges, zartes Vertrauensverhältnis, das der Rest des Gesindes, allen voran der misstrauische Poole (George Cole), eher kritisch beäugt und das auf eine zusätzlich harte Probe gestellt wird, als Jekylls neuer Assistent, ein gewisser Mr. Hyde (John Malkovich), im Hause zu verkehren beginnt...

Nachdem bereits "Dracula" und "Frankenstein" durch Coppola und Brannagh zu Beginn respektive gegen Mitte der Dekade zeitgemäß konstruierte Neuinterpretationen im Kino erfahren hatten, kam mit dem vordergründig unscheinbar betitelten "Mary Reilly" auch die klassische Mär von Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu aufgefrischten Ehren, allerdings in einer bereits literarisch umstrukturierten Variation, die ich allerdings stets sehr mochte. Hierin wechselt die Erzählperspektive zugunsten des von der Autorin Valerie Martin eigens neu eingeführten Hausmädchens Mary Reilly, eines ebenso verhuschten wie zartfühlenden Geschöpfes, das, ebenso wie der Hausherr, höchst abseitige libidinöse Untiefen beherbergt. Anders als im altbekannten Kontext, demzufolge Jekyll seine animalische Seite zu befreien trachtet und deshalb Mr. Hyde freisetzt, deutet Martin das Bedürfnis des Doktors nach innerer Befreiung als Resultat einer schweren Depression gekoppelt mit bleierner Todessehnsucht. Hyde ist hierin also eher die Entsprechung eines selbstzerstörerischen Geistes. Auch die Titelfigur ist ein Musterexempel für freudianische Analysierorgien; offenbar hat die einstmalige Misshandlung durch ihren versoffenen Vater (James Gambon) eine leichte Note masochistischer Unterwürfigkeit bei ihr hinterlassen, die sich in einer ihr selbst unerklärlichen Schwäche für Mr. Hyde manifestiert und sie in Verbindung mit ihren rational erklärbaren Gefühlen für Dr. Jekyll zu einer vollständigen Liebenden macht. Leider findet dieses im Grunde ideale Paar nicht zusammen, denn die Geschichte endet, wie sie eben endet - jedoch deutlich romantischer als gewohnt.

8/10

Stephen Frears Jekyll und Hyde London amour fou Victorian Age Serienmord period piece Madness mad scientist


Foto

INSIDIOUS: CHAPTER 2 (James Wan/USA, CA 2013)


"Be a good girl, Marilyn!"

Insidious: Chapter 2 ~ USA/CA 2013
Directed By: James Wan

Josh Lamberts (Patrick Wilson) Astralkörper hat im Kampf um seinen Sohn Dalton (Ty Simpkins) den Weg zurück aus der Ewigwelt nicht bewältigen können und ist von jener mysteriösen alten Frau, die ihn seit seiner Kindheit verfolgt, überrumpelt worden. Nun steckt diese in Joshs Körper. Wie jedoch die beiden Parapsychologen Specs (Leigh Wannell) und Tucker (Angus Sampson) mithilfe von Elises (Lin Shaye) altem Kollegen Carl (Steve Coulter) und Joshs Mutter (Barbara Hershey) herausfinden, handelt es sich bei dem Josh infiltrierenden Geist mitnichten um eine alte Frau, sondern um den toten Serienkiller Parker Crane (Tom Fitzpatrick), einen zu Lebenszeiten von einem mörderischen Mutterkomplex gesteuerten Frauenmörder, dessen Opfer bis heute keinen Frieden gefunden haben. Der Kampf um eine Lambert-Seele entbrennt aufs Neue, doch dismal muss der Sohn den Vater zurückeskortieren...

Returning behind the red door: James Wan war im letzten Jahr besonders fleißig und hat neben dem schönen Revival-Grusler "The Conjuring" noch dieses Sequel zu seiner drei Jahre älteren "Poltergeist"-Reminiszenz "Insidious" nachgeschoben. Sämtliche Figuren aus dem Vorgänger begegnen uns in der Fortsetzung wieder, selbst die ermordete Elise Rainier, die den Helden hilft, gegen den Geist Parker Cranes vorzugehen, und, wie der Epilog verrät, künftig noch öfter als jenseitige Parapsychologin aktiv sein wird. Erwies sich schon der Erstling als hier und da recht einfältig, kann man dies noch umso mehr von dem chronologisch unmittelbar an diesen anknüpfenden Nachfolger behaupten: Die Ewigwelt verliert an Schrecken und wird zum relativ einfach zu besuchenden Zwischenreich; der fiese, wahrhaft teuflisch gezeichnete Dämon des Originals weicht einem vergleichsweise konventionellen Serienkillergeist, der sich als verkleidete "bride in black" entpuppt - eine wirkliche, böse Alte, siehe "The Conjuring", wäre da doch um Einiges schrecklicher und erklecklicher gewesen. So bleibt eine routinierte Geistermär, wiederum mit den immergleichen Tricks zugegeben versiert Spannung erzeugend und für ein unterhaltsames déjá-vu gut, so ähnlich, wie die alljährliche Kirmes-Geisterbahn, die, wenngleich altbekannt und schon leicht muffig riechend, doch stets den gleichen, liebsamen alten Schauer erzeugt.

6/10

James Wan Sequel Geister Parapsychologie Familie Serienmord Oren Peli Mutter & Sohn Madness Spuk


Foto

V/H/S (Adam Wingard, Ti West, David Bruckner, Glenn McQuaid, Joe Swanberg u.a./USA 2012)


"I like you."

V/H/S ~ USA 2012
Directed By: Adam Wingard/Ti West/David Bruckner/Glenn McQuaid/Joe Swanberg/Radio Silence/Matt Bettinelli-Olpin/Tyler Gillett/Justin Martinez/Chad Villella

Eine Gang delinquenter Herumtreiber, die ihre üblen Aktionen gern mit einer Videokamera aufzeichnet und später verscherbelt, erhält den Auftrag, aus einem Haus vor der Stadt ein mysteriöses Tape zu bergen. In dem Gebäude findet man nicht nur eine im Fernsehsessel sitzende Leiche vor einem Turm aus flimmernden Röhrengeräten, sondern auch zahlreiche Video-Cassetten mit höchst eigenartigen Inhalten: 1.) Drei Jungs schleppen zwei vermeintlich volltrunkene Mädels aus der Disco ab, wovon sich eine im Hotelzimmer als von einem höchst abnormen Appetit gesegnet präsentiert; 2.) Ein Hochzeitspaar ist auf der Route 66 unterwegs von Motel zu Motel, wird dabei jedoch von einer mysteriösen, dritten Person verfolgt; 3.) Wendy schleppt drei ihrer Collegefreunde an einen einsam gelegenen Waldsee, wo sie als Köder für einen offenbar übernatürlichen Killer herhalten sollen, mit dem Wendy noch eine alte Rechnung offenhat; 4.) Ein eine Fernbeziehung führendes Pärchen kommuniziert via Internetchat. Sie hört merkwürdige Geräusche in ihrer Wohnung, die auf geisterhafte Erscheinungen zurückzuführen sind und hat ein eigenartiges Ekzem am Arm; 5.) Vier Kids wollen zu einem Halloween-Happening, platzen jedoch ohne es zu wissen in eine Teufelsaustreibung, die sie dummerweise auch noch fehlinterpretieren...

Recht experimentell angelegter Found-Footage-Eisodenhorror, der das genreimmanent klassische, narrative Muster einer Omnibus-Erzählung mit loser Rahmenhandlung eigentlich recht traditionell variiert, es jedoch mit dem Stilmittel des embedded filming, also der subjektiven Kamera als zusätzlichem Protagonisten anreichert. "V/H/S" nimmt sich dabei in formaler Hinsicht prononciert wild und anarchisch aus, verzichtet gezielt auf ein konzises Gesamtbild und müht sich, sein Publikum via konzeptionell bedingter Unübersichtlichkeit zu verunsichern und zu ängstigen. Die einzelnen Geschichten, die Frame-Story inbegriffen gibt es derer insgesamt sechs, können dabei durchweg gut bestehen, versuchen natürlich, jede für sich und von einem anderen Filmemacher entwickelt, eine besondere Klimax zu erreichen, kämpfen jedoch letztlich auch mit den ganz gewöhnlichen Problemen, mit denen sich jeder Horrorfilm, der sich auf die Fahne schreibt, seine Zuschauer mittels ungewöhnlicher Methoden umzupusten, konfrontiert findet: Letztlich ist man auf klassische, um nicht zu sagen obsolete Motive angewiesen, die mittlerweile eben durch die Bank und allesamt nurmehr Vorhandenes repetieren können. Auch "V/H/S" macht da keine Ausnahme, er stellt, vor allem infolge mangelnder Konzision, perzeptionell zwar eine gewisse Herausforderung dar, die sich auf dem heimischen Fernseher sicherlich einfacher bewältigen lässt denn auf der Großleinwand, benötigt für sein erklärtes Ziel der Verstörung allerdings ein halbwegs "jungfräuliches" Publikum. Dennoch ein beachtenswerter, ambitionierter Film.

7/10

Los Angeles Adam Wingard Ti West David Bruckner Glenn McQuaid Joe Swanberg Radio Silence Matt Bettinelli-Olpin Tyler Gillett Justin Martinez Chad Villella Episodenfilm found footage embedded filming Splatter


Foto

MALABIMBA (Andrea Bianchi/I 1979)


Zitat entfällt.

Malabimba (Komm und mach's mit mir) ~ I 1979
Directed By: Andrea Bianchi

Kein geringerer Geist als der von Lucrezia Borgia persönlich fährt (nach zweiter Wahl, wie man ergänzend erwähnen muss) in den Körper der aufkeimenden Bimba Karoli (Katell Laennec), Spross des finanziell notleidenden Blaublütigen Andrea Caroli (Enzo Fischiella). Um sich gesundstoßen zu können, lässt jener sich von der Noch-Ehefrau seines infolge eines Schlaganfalls komplett funktionsuntüchtigen Bruders Adolfo (Giuseppe Marocco) in die Kiste zerren, während Bimba nächtens durchs Schloss pilgert und allen beim Bumsen zuschaut oder andere versaute Dingelchen anstellt. Für die wohlgläubige Schwester Sofia (Mariangela Giordano) unhaltbare Zustände, die da ihren üblen Lauf nehmen...

Ein weiteres Highlight von dem nie sonderlich sensitiv salbadernden Anrdrea Bianchi, bei dem der schmalzige Schmier aus allen Rillen der Bahnhofskino-Leinwand respektive des Fernsehgeräts trieft und tropft. Für ein immer noch weiteres "Exorcist"-Rip-Off waren sich die Italiener ja bekanntermaßen nie zu schade und so folgte nach den sogar vergleichsweise feinsinnigen "Chi Sei?" und "L'Anticristo" mit einigem Abstand noch diese Knallschote, die ganz unverfangen die sexuellen Aspekte schweinischer Besessenheit in den Vordergrund stellt und dem ganzen ohnedies unheiligen Gebahren einen gehörigen Batzen lustiger Vögelei auf die Krone setzt. Selbstredend macht auch die Münchener Synchronfassung, die durchweg an die eines (damals ja auch noch stets prominent vertonten) Pornos erinnert, keinerlei Gefangene. Durch ein paar relativ nachlässig eingefügte HC-Inserts geht die Gleichung dann sogar auf und es ergießt sich eine gehörige Brause multipler Fiesimatenten über den geneigten Zuschauer, der zartbesaiteten Mitbetrachtern auch und insesondere heute (noch) die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte. Megamäßig, I say.

6/10

Andrea Bianchi Adel Familie Besessenheit Europloitation Sleaze


Foto

EMBRYO (Ralph Nelson/USA 1976)


"No. Don't."

Embryo ~ USA 1976
Directed By: Ralph Nelson

Der Genetik-Wissenschaftler Paul Hollison (Rock Hudson) fährt nachts auf regennasser Straße eine trächtige Dobermann-Hündin an. Das Tier stirbt, doch Hollison gelingt es, einen der Föten mithilfe einer von ihm entwickelten, placentalen Lösung außerhalb des Mutterleibs am Leben zu erhalten. Binnen einer Rekordzeit von wenigen Tagen entwickelt sich das kleine Wesen nicht nur zu einem ausgewachsenen, prächtigen Hund, sondern erweist sich zudem als hyperintelligent, lernbegierg und vor allem von insgeheim grausamem Wesen. Hollison beschließt, dasselbe Experiment mit einem menschlichen, weiblichen Embryo durchzuführen. Er erhält ein Versuchsobjekt, dessen Mutter Selbstmord begangen hat. Auch hier gelingt die Anordnung mit derselben Rasanz wie bei der 'No. 1' getauften Hündin. 'Victoria' (Barbara Carrera) wächst rasch zur erwachsenen, superintelligenten Schönheit heran. Hollison gibt sie als Assistentin aus und verliebt sich in sie, derweil Victorias Alterungsprozess nach wenigen Tagen Pause wieder rapide einsetzt. Um zu überleben, benötigt sie die Zellen eines sechs Monate alten Fötus. Und ausgerechnet Hollisons Schwiegertochter (Anne Schedeen) ist just in der passenden Schwangerschaftswoche...

Wie viele eigentlich keinem Genre direkt verpflichteten Filmemacher versuchte sich auch Ralph Nelson Mitte der Siebziger an einem phantastischen Stoff: Ein Retortenbaby, äußerlich und innerlich perfekt, dabei jedoch zugleich von folgerichtiger emotionaler Kälte, wird zur femme fatale, die um des eigenen Überlebens Willen die Familie ihres "Erschaffers" zerstört. Erst viel zu spät erkennt Paul Hollison, der sich von der faszinierenden Schönheit und Intelligenz Victorias blenden ließ, welch gottlosen Fehler er gemacht hat und versucht hernach mit aller Vehemenz, diesen wieder auszuwetzen. Hierin liegt zugleich auch die Unentschlossenheit des ansonsten durchaus respektablen Films: Er findet keine vollwertige Balance zwischen seinem grellen Horrorthema einerseits und dem Drama des frankenstein'schen Geschöpfs andererseits. Wie alle Homunculi in Literatur und Film will Victoria lediglich das, was ihr von der Sekunde ihrer "Geburt" an metamoralisch zusteht: Mehr Leben. Dass sie, um sich jenes anzueignen, Schritte unternehmen muss, die andere Existenzen gefährden, ist weniger einem wie auch immer gearteten, bösartigen Naturell zuzuordnen, sondern ihrer emotionalen Ungeschliffenheit: Durch ihren überlegenen Genotyp ist Victoria zwar in der Lage, sich körperlich und geistig bis zur Vollkommenheit zu entwickeln, ihre Fähigkeit zur Empathie, zu emotionaler Reife somit, muss jedoch im Stadium eines eine Woche alten Kindes verbleiben. Folglich bleibt Nelson seinem Publikum vor allem zum Ende hin die Frage schuldig, ob er eher klassischen SciFi-Horror oder ein fortschrittskritisch-existenzialistisches Drama intendierte.

6/10

Ralph Nelson amour fou mad scientist Hund Schwangerschaft Experiment Genforschung


Foto

INCUBUS (John Hough/CA 1982)


"There's too much of that stuff for one man."

Incubus ~ CA 1982
Directed By: John Hough

In der Kleinstadt Galen geschehen mehrere Vergewaltigungen, die zumeist den Tod des jeweiligen Opfers nach sich ziehen: Der Uterus ist stets völlig zerfetzt und Unmengen blutroten Spermas finden sich in den Leichnamen. Für den Internisten Dr. Cordell (John Cassavetes), der erst seit einem Jahr mit seiner Tochter Jenny (Erin Noble) in Galen lebt, sind diese Fälle ein Rätsel. Allerdings scheint Jennys Freund Tim (Duncan McIntosh) etwas mit den Verbrechen zu tun zu haben: Ihn plagen schreckliche Träume von Hexenfolterungen und somnambule Zustände. Doch kann Tim unmöglich der Täter sein; allzu grauenhaft verstümmelt sind die Opfer. Wer oder was verbirgt sich tatsächlich hinter den Bluttaten?

Ein reichlich bizarrer Film, in den sich Cassavetes auf der Suche nach schnellen Dollars sowie der mit 68 ziemlich durchwindete John Ireland als kundiger Dorfpolizist, beide wohl ziemlich 'boozed', da geschleppt haben: Teils abenteuerlich montiert, überhastet zusammengeschrieben und angewiesen auf ein Publikum mit gehöriger Portion good will nimmt sich "Incubus" aus; eine an sich gar nicht mal unschmucke Idee von einer monströsen Dämonenkreatur in (geschickter) menschlicher Tarnung und angetrieben von stetem Reproduktionstrieb. In die stets etwas abseitig erscheinende Filmographie von John Hough passt der Film dennoch ganz gut, so wirklich linear scheint mir nämlich auch sonst keiner seiner bisher von mir geschauten Filme auszufallen. Ihnen allen scheint eine immanente Widerborstigkeit gemein, hinter der sich dann doch ein gar nicht mal unansehnliches Stück B-Kino verbirgt. Diesen Kern muss man allerdings erstmal freischaufeln und das kostet Mühe und Beschäftigung, die Hough ganz bestimmt nicht aufs Geratewohl von jedem Allerweltszuschauer verlangen kann.

5/10

John Hough Hexen Monster Dämon Traum Vergewaltigung


Foto

RETRIBUTION (Guy Magar/USA 1987)


"Once more..."

Retribution (Die Rückkehr des Unbegreiflichen) ~ USA 1987
Directed By: Guy Magar

Als der schwer depressive Maler George Miller (Dennis Lipscomb) sich umzubringen versucht, verbindet sich der rachsüchtige Geist des exakt zeitgleich ermordeten Spielers Vito Minelli (Mike Muscat) mit dem seinen. Fortan plagen George schreckliche Albträume, die bald noch weitere Auswirkungen zeigen: Nächtens verirrt sich George in ihm bislang unbekannte Gegenden der Stadt, gesteuert wie von fremder Hand, und beginnt, fremde Menschen zu töten. George ist zur Marionette von Minellis übernatürlicher Rache geworden und es gibt nur einen Weg, sich wieder aus dessen eisigen Klauen zu lösen...

Ein fast vergessenes Kleinod des Achtziger-Horrorfilms, der sich neben all den Teenie-Slashern, Serials und trashigen Troma-Produktionen als angenehme Ausnahme präsentiert: Für einen Genrefilm überdurchnschnittlich deftig, ansonsten jedoch ungewohnt differenziert. Bereits mit dem psychisch kranken Selbstmörder George Miller stellt "Retribution" einen Helden in den Mittelpunkt, der verhältnismäßig unkonventionell daherkommt - von betont schlichtem Äußeren, sensibel, schüchtern, verletzlich und liebenswert neigt er dazu, den Gegenströmungen des Lebens wie die meisten Menschen mit Flucht- und Vermeidungsstrategien zu begegnen. Dabei gibt es viele Menschen, die ihn schätzen: Seine ihm freundschaftlich zugetane Therapeutin (Leslie Wing) etwa oder die verschrobenen Mitbewohner seines Langzeit-Hotels, darunter insbesondere die flippige Prostituierte Angel (Suzanne Snyder), die, in jeder Hinsicht Georges Gegenteil, sogar in den einsamen Mann verliebt ist. Dass ausgerechnet ein solch grauer Mäuserich mit den Widernissen dämonischer Besessenheit zu tun bekommt, ist mal ganz was anderes. Magars Porträt der Metropole und ihrer Menschen führt ferner weit über das hinaus, was der handelsübliche, harte Horrorfilm dieser Tage üblicherweise aufbietet. Er zeigt ein wesentlich höheres Interesse an seinen Charakteren und ihrer Entwicklung als gewohnt, was seine Wiederentdeckung eigentlich noch zusätzlich unabdingbar macht.

7/10

Guy Magar Dämon Madness Psychiatrie Splatter Los Angeles Parapsychologie


Foto

FAUST: LOVE OF THE DAMNED (Brian Yuzna/E 2000)


"I am the pornography that gets you hot!"

Faust: Love Of The Damned ~ E 2000
Directed By: Brian Yuzna

Der Künstler John Jaspers (Mark Frost) verliert seine Holde (Jennifer Rope) durch den überraschend auf ihn und sie verübten Gewaltakt einer übler Gang. Um seine Vergeltung zu bekommen, besiegelt er voller Verzweiflung einen Pakt mit dem mysteriösen M (Andrew Divoff), der einer geheimen Sekte namens "The Hand" vorsteht. Jaspers verwandelt sich fortan bei Bedarf in einen metzelnden Racheengel, der alles filetiert, was ihm vor die Klingen kommt. Geliebt von der schönen Psychologin Jade (Isabel Brook) und beschattet von dem eifrigen Lieutenant Margolies (Jeffrey Combs) bahnt sich Jaspers seinen blutigen Weg durch den kriminellen Untergrund. Auch der sinistre M, der eine dämonische Entität, den 'Homunculus' auf die Erde rufen will, muss sich Jaspers mittelfristig stellen.

Faustische Superhelden II: Ganze fünf Jahre älter als Spawn ist der noch um einiges weniger jugendfreie Faust, erdacht von den beiden Autoren Tim Vigil (Illustrationen) und David Quinn (Storys), veröffentlicht vom Underground-Verlag Rebel/Avatar. Die in schwarz-weiß publizierten Geschichten erschienen in keiner regelmäßigen Frequenz und wurden bei einer Gesamtzahl von lediglich fünfzehn Ausgaben über einen Zeitraum von 25 Jahren veröffentlicht. Wie der Name der Titelfigur berreits verrät, ist "Faust" ein direkter Nachkomme der goetheschen Gestalt, deren Antagonist Mephistopheles sich in Comic und Film zeitgenössisch als 'M' abkürzt. Yuzna wählte die Adaption als Eröffnungsstück seiner neu gegründeten, spanischen Produktionsgesellschaft Fantastic Factory, die als Subfirma des Filmax-Verleihs bis 2005 nur acht Filme herstellte und dann wieder einschlief. Gefilmt wurde in und um Barcelona - immerhin geschickt genug, um nie den Eindruck zu verwischen, es handele sich um eine amerikanische Großstadt. Der Soundtrack wurde, gemäß einer neunziger-typischen Tradition, von harten Bands geliefert, die allesamt beim Label Roadrunner unter Vertrag standen. Der Connaisseur weiß, was das bedeutet: Palaver, aber deluxe! So weit, so eigen. "Faust: Love Of The Damned" ist ein vielgehasster, vielgeschmähter Film, dessen höchst eigenwilliges Auftreten es einem tatsächlich nicht eben leicht macht. Dennoch glaube ich, hinter all dem verschrobenen, merkwürdig pastiche-artigen Gewimmel, das einer akut spürbaren Komik nicht entbehrt, eine spezifische Konzeption ausmachen zu können, den Willen dazu, etwas anderes, eigenes zu liefern ohne die direkte Tendenz der Publikumsanbiederung. Bei aller campigen Pappnasigkeit sitzt da irgendwo noch was im Verborgenen, das, wenn ich es in ferner Zukunft irgendwann benennen kann, ich hier veröffentlichen werde. Bis dahin bleibt mir bloß die Einordnung im Mittel.

5/10

Brian Yuzna Satan Comic Camp


Foto

SOCIETY (Brian Yuzna/USA 1989)


"Just a little bit paranoid, Bill, within normal ranges."

Society (Dark Society) ~ USA 1989
Directed By: Brian Yuzna

Bill Whitney (Billy Warlock) ist ein typisches Beverly-Hills-'rich-kid', ein verwöhnter Siebzehnjähriger, für den es zum Alltag gehört, zum Analytiker zu gehen, Sportwagen-Coupés zu fahren und auch sonst jedweden materiellen Wohlstand als selbstverständlich hinzunehmen. Eines Tages wird er jedoch stutzig: Seine Familie beginnt sich zunehmend merkwürdig zu verhalten, Schulkameraden ebenso und David Blanchard (Tim Bartell), ein aufdringlicher Verehrer seiner Schwester Patrice Jennings), konfrontiert Billy mit höchst obszönen Tonband-Aufnahmen und segnet kurz darauf bei eine Verkehrsunfall das Zeitliche. Zudem hat Billy ein komisches Gefühl bezüglic seiner neuen Angebeteten Clarissa (Devin DeVasquez). Schließlich muss er die Wahrheit erkennen: Diverse gesellschaftliche Schlüsselpersonen in Beverly Hills gehören einer uralten Geheimloge perverser Mutanten an, die jeden, der ihr Geheimnis entdeckt, auf unappetitliche Art beseitigen...

"Scenes From The Class Struggle in Beverly Hills" war eine prominent besetzte Satire von Paul Auster, die sich mit der Dekadenz der Reichen und Schönen im Sonnenstaat befasste. Im gleichen Jahr erschien, freilich auf deutlich kleiner Bühne und einem Zirkel Eingeweihter vorbehalten, Brian Yuznas thematisch stark anverwandter "Society", eine hübsche Grand-Guignol-Komödie rund um paranoide teenage angst und ein paar lustvoll eklige Make-Up-Eskapaden, die wie immer Yuznas pan-japanischer Kollege Screaming Mad George besorgte und die im Rahmen ihrer budgetbedingten Durchsichtigkeit als durchaus innovativ bezeichnet werden können - immerhin hat man seit Carpenters "The Thing" solch schleimige Verformungen, wie sie das große Finale von "Society" bereithält, auf der Leinwand nicht mehr bewundern dürfen. Yuznas Orientierung an den Secret-Invasion-Movies der Fünfziger, in denen häufig einem (juvenilen) Individuum bewusst wurde, dass seine Nächsten gar nicht (mehr) seine Nächsten sind, wird ferner auch Kevin Williamson stark beeinflusst haben. Sein "The Faculty" spricht diesbezüglich Bände.

7/10

Brian Yuzna Kalifornien Beverly Hills Satire Mutanten Monster Familie