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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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ALICE, SWEET ALICE (Alfred Sole/USA 1976)


"Where are you going?" - "None of your business, fatso."

Alice, Sweet Alice (Communion - Messe des Grauens) ~ USA 1976
Directed By: Alfred Sole

Zwei Schwestern, die eine, Karen (Brooke Shields) ein braves Zuckermäuschen, Alice (Paula Sheppard), die andere, ein fieses Biest, die darunter leidet, dass die Eltern sich getrennt haben und den Frust darüber, dass die Mutter (Linda Miller) ihre Liebe ziemlich ungleich verteilt, nur allzu gern an der jüngeren Karen auslässt. Ausgerechnet am Tage ihrer Erstkommunion wird Karen dann grausamst in der Kirche erdrosselt. Und es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall: Tante Annie (Jane Lowry) wird mit einem Fleischermesser attackiert, Alices Vater (Miles McMaster) und der dicke Vermieter Mr. Alphonso (Alphonso DeNoble) werden ermordet. Doch die anfangs verdächtigte Alice scheidet wegen wasserfester Alibis aus. Wer also verbirgt sich unter Hexenmaske und gelbem Regenparka?

Im Gefolge von Romeros "Martin" eine weitere Studie um Vorstadt-Puritanismus, Irrsinn und Bigotterie. New Jersey schaut zwar nicht ganz so neoindustriell-schäbig aus der Wäsche wie Pittsburgh, schräge Figuren wie die hysterische Tante oder der fette Alphonso mit riesigem Pissfleck in der Haushose jedoch sorgen bereits ohnedies für eine konstant wenig heimelige Stimmung in der Gegend.
Alfred Soles Erzählung allerdings fällt im Vergleich zu seinem inszenatorischen Talent bezüglich Stimmungen und Gesichtern etwas ab. Eine im Prinzip sicher gelegte Fährte im Hinblick auf die Übeltäterin erweist sich als falsch, dafür wird zum letzten Drittel urplötzlich eine ganz unerwartete Person mit recht fadenscheiniger Motivation als Mordseele aus dem Hut gezogen. Außerdem ist der Film gut zehn Minuten zu lang, was seine vielen positiv zu wertenden Facetten allzu sehr unnötig in den Hintergrund drängt. Ansonsten aber ein brauchbares Stück blutigen Thrills für den willfährigen 70er-Genre-Chronisten.

6/10

New Jersey Kirche Familie Schwestern Madness Slasher


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DARK TOURIST (Suri Krishnamma/USA 2012)


"You're disgusting."

Dark Tourist ~ USA 2012
Directed By: Suri Krishnamma

Der Wachmann Jim (Michael Cudlitz) hegt ein immenses Interesse an historischen Gewaltverbrechern. Gegenwärtig gilt eine ganze Konzentration dem Serienmörder und Brandstifter Carl Marznap (Pruitt Taylor Vince), der um die Mitte des 20. Jahrhunderts in der kalifornischen Provinz aktiv war und unter anderem seine eigenen Eltern getötet hat. Während seines Urlaubs reist Jim an die authentischen Schauplätze, um Marznaps Leben und Wirken nachzuspüren. Dabei verliert Jim in sich selbst und beginnt, sich mit dem ihm erscheinenden Marznap zu identifizieren...

Hervorragendes, pointiertes Serienkiller-Psychogramm, das, dessen bin ich mir bereits nach dieser Erstbetrachtung gewiss, zu den Höhepunkten des Subgenres gezählt werden kann. Krishnamma und Script-Autor Frank John Hughes tauchen tief hinab in die Psyche des tief gestörten Jim, zeigen seine diversen Zwangsneurosen und psychischen und physischen Narben, die offenbar von schwerem Missbrauch während seiner Kindheits- und/oder Jugendjahre herrühren, wie beiläufig und wählen stattdessen vornehmlich die subjektive Ich-Perspektive für ihre Erzählung. Erst ganz zaghaft, dann mit weiterreichender Konsequenz und schließlich im Nachhinein vervollständigt sich das zuvor infolge der bewusst einseitigen Berichterstattung brüchiges Identitätsporträt Jims, der unter komplexen Störungen leidet und sich infolge dessen ein gewalttätiges Ventil suchen. Krishnamma findet für diesen Abstieg in eine zutiefst menschliche Innenhölle betörend schöne und infolge dessen bald widersprüchliche Bilder und legt nicht nur diesbezüglich einen der beachtenswertesten Filme der jüngeren Zeit vor.

8/10

Suri Krishnamma Serienmord Madness Kalifornien Paraphilie


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MOONTRAP (Robert Dyke/USA 1989)


"That's what we are - spare parts."

Moontrap ~ USA 1989
Directed By: Robert Dyke

Die NASA-Astronauten Grant (Walter Koenig) und Tanner (Bruce Campbell) finden eine gewaltige, extraterrestrische Raumschiff-Ruine im All, gemeinsam mit einer mumifizierten Leiche und einem Football-ähnlichen Gebilde. Zurück auf der Erde entpuppt sich dieses im Labor als 14.000 Jahre alter Techno-Organismus, der sich prompt sämtliche Apparaturen in seiner Nähe assimiliert und als Killer-Android zum Angriff übergeht. Grant und Tanner können ihre Vorgesetzten überreden, die Spur der Aliens auf dem Mond zurückzuverfolgen. Hier finden sie eine bereits vor Ewigkeiten entführte Erdenfrau (Leigh Lombardi) im Tiefschlaf und sehen sich einer ganzen Armee der Robot-Invasoren gegenüber, die nicht nur tote, sondern auch organische Materie assimilieren und mithilfe von Grants und Tanners Mondlandefähre als letztem fehlenden Puzzlestück für ihr defektes Schiff die endgültige Übernahme der Erde planen.

Nette B-Fiction, im Gefolge stilistischer Einflüsse der Cameron-Filme "The Terminator", "Aliens" und "The Abyss" als späte Invasions-Mär entstanden. Aus seinen recht bescheidenen Produktionsmitteln holt Robert Dyke das Bestmögliche heraus, findet Zeit für ein wenig Exploitation und bringt die ansonsten eher bescheidene Dramaturgie damit brauchbar über die Runden. Walter Koenig, wohlbekannt als eher unglorioser Maschinenpultler Chekov aus "Star Trek", als 'leading man' einzusetzen, ist sicherlich nach wie vor etwas streitbar, funktioniert aber dann doch irgendwie. Für Bruce Campbell gibt es nach seinem (zu frühen) Heldentod immerhin noch ein angemessenes Requiem und die anfänglich etwas lächerlich wirkenden Elektro-Außerirdischen erweisen sich erst in ihrer "reinrassigen" Form als durch Sehnen und Muskeln verbundene Mordmaschinen zu ihrem wahren Potenzial. Der Showdown an Bord der Fremden ist sogar ziemlich toll geworden, wobei Grants Überlistung der Androiden doch etwas einfältig von Statten geht. Dennoch, als - wenngleich unbedeutendes - Genre-Relikt einen Blick wert.

6/10

Robert Dyke Raumfahrt Aliens Mond Freundschaft Invasion


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YOU'RE NEXT (Adam Wingard/USA 2011)


"I wanna meet your family."

You're Next ~ USA 2013
Directed By: Adam Wingard

Die australischstämmige Erin (Sharni Vinson) freut sich, endlich die wohlhabende Familie ihres Galans Crispian (AJ Bowen), den sie als Dozenten an der Uni kennen und lieben gelernt hat, zu treffen. Doch das umfangreich aufgetragene Diner im heimischen Herrenhaus, zu dem auch Crispians Geschwister mit ihren LebensgefährtInnen geladen sind, wird jäh gestört: Eine Gruppe Meuchelmörder mit Tiermasken greift die Gesellschaft mit Machete, Axt und Armbrust an und schickt einen nach dem anderen von ihnen ins Jenseits. Womit niemand rechnet: Erin hat einst im Outback ein hartes Survival-Training durchlaufen und erweist sich in dieser Krisensituation als gnadenlose Überlebenskünstlerin.

Ein Plot, der nicht ganz von ungefähr an Agatha Christies "Ten Little Indians" erinnert und auch in seiner conclusio stark an die klassische Kriminalromancière gemahnt, verpackt in einen Wingard gemäßen, harten Terrorfilm mit deutlichen Action-Anleihen. An sich setzt "You're Next" dem bereits hinreichend ausgeschöpften Subgenre der 'home invasion'-Thriller wenig Neues hinzu und die Atmosphäre nimmt sich niemals so bedrohlich aus wie bei den in dieser Hinsicht teils sehr viel nachhaltigeren Traditionswerken. Die Tiermasken des gedungenen Killertrios sind zwar eine knorke Idee zur Publikumsverunsicherung, wenn dann jedoch einmal die unspektakulär humanen Individuen darunter offenbart wurden, verpufft rasch der letzte Hauch des Mysteriösen. Abseits davon präsentiert sich Wingards Film als von einem gesunden Sarkasmus geprägt, von immenser visueller Härte (die mich ein ums andere Mal staunen ließ, dass er ungeschnitten mit einer FSK-Freigabe davon gekommen ist) und für Gernhaber moderner Qualitätsgenreware ungezügelter Gangart geradezu verpflichtend.

8/10

Adam Wingard Home Invasion Belagerung Terrorfilm Slasher Splatter Nacht


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CARRIE (Kimberly Peirce/USA 2013)


"I'm warning you, moma."

Carrie ~ USA 2013
Directed By: Kimberly Peirce

Mit dem späten Beginn ihrer Geschlechtsreife beginnt die unter ihrer psychisch kranken, bigotten Mutter (Julianne Moore) leidende Carrie White (Chloë Grace Moretz) auch, ihre bisher latent aufgetretenen telekinetischen Kräfte weiterzuentwickeln. Während einige garstige Schulkameradinnen, allen voran die rotzige Chris (Portia Doubleday) Carrie mittels peinlicher Handyvideos, die sie auch noch ins Internet stellen, mobben, steht die reumütige Sue (Gabriella Wilde) ihr zur Seite. Sie überredet sogar ihren Freund Tommy (Ansel Egort), mit Carrie zum Abschlussball der Schule zu gehen. Doch hier entfesselt Chris die längst lauernde Katastrophe...

De Pamas monolithisches Original muss sich durch diese Neuverfilmung - und da geht es ihm wie nahezu sämtlichen anderen, mittlerweile in Legion gehenden Genreklassikern, die aufs Neue durch die Tretmühlen Hollywoods gejagt wurden und werden, in keinster Weise bedroht fühlen. Tatsächlich scheint mir Peirces "Carrie" wohl sogar eines der redundantesten Remakes jener nicht abreißen wollenden Welle (auf der ich allerdings zugegebenermaßen nach wie vor gern mitsurfe) zu sein, da es De Palma faktisch kaum etwas hinzusetzen kann. Das Thema 'Mobbing' ist natürlich infolge der neuen Medien, die eine virale Verbreitung entsprechender Aktionen in Blitzeile gestatten, hochaktuell und auch die Tatsache, dass Margaret White eine untherapierte Borderlinerin ist, veräußert die Neufassung wesentlich plastischer, das war's dann aber auch: Weder von der exzessiven, multivalenten Emotionalität des Originals, die neben De Palmas hochsensibler, kluger Inszenierung vor allem der durchweg wunderbaren Darstellerriege zu verdanken ist, ist noch etwas übrig geblieben, noch von der fatalistisch-bleiernen Bedrohlichkeit, die im eskaliernden Schulballfinale und insbesondere bei Carries anschließender, reumütiger Heimkehr zu spüren ist. Vor allem der häufig zu vernehmende Vorwurf, die eher als attraktiv wahrnehmbare Chloë Grace Moretz sei als verschlossene Außenseiterin fehlbesetzt, greift in geradezu verhängnisvoller Weise. Das nimmt dir jedenfalls keiner ab, Hit-Girl.
So hat "Carrie" 2013 wohl bestenfalls eine Berechtigung als refreshment für gegenwärtige Pennälerinnen, die sich auf einer Pyjama-Party mit Energydrinks zudröhnen und sich domestiziert gruseln wollen. Aber auch so was darf und muss es ja geben.

5/10

Kimberly Peirce Stephen King Remake Coming of Age Mutter & Tochter Kleinstadt Teenager


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SOMETIMES THEY COME BACK (Tom McLoughlin/USA 1991)


"Time to rock, jock!"

Sometimes They Come Back (Manchmal kommen sie wieder) ~ USA 1991
Directed By: Tom McLoughlin

27 Jahre nach dem durch vier Kleinstadt-Bullys hervorgerufenen Tod seines älteren Bruders Wayne (Chris Demetral), infolge dessen drei Jungs des Quartetts selbst zu Unfallopfern wurden, kehrt der nach wie vor traumatisierte Jim Norman (Tim Matheson), mittlerweile Lehrer und mit Frau (Brooke Adams) und Sohn (Robert Hy Gorman) gesegnet, in die alte Heimat zurück, um dort an der Highschool zu unterrichten. Doch nicht nur Jim ist wieder da, auch seine totgeglaubten, alten Erzfeinde (Robert Rusler, Nicholas Sadler, Bentley Mitchum) geben sich ein neues Stelldichein - wundersamerweise um keinen Tag gealtert und nicht minder rotzig als anno 63. Tatsächlich wollen sie eine alte Rechnung begleichen und knöpfen sich zunächst einige von Jims Schülern vor, um hernach auch noch seine Familie zu bedrohen...

Die letzte Vorstellung innerhalb eines Quintetts von King-Adaptionen, in denen der kleine Mogul Dino De Laurentiis seine produzierenden Finger hatte und die lediglich internationale Kinoeinsätze erlebte, derweil sie in den USA ausschließlich als TV-Film lanciert wurde. Basierend auf einer Kurzgeschichte aus der älteren Anthologie "Night Shift" sollte die Story eigentlich als Segment des Episodenfilms "Cat's Eye" zum Einsatz kommen, bekam jedoch auf De Laurentiis Insistieren hin ihren eigenen Galaauftritt. Wobei - dies ist vielleicht etwas hoch gegriffen, den abseits von solider Genrekost mit einigen netten Einfällen hier und da vermag "Sometimes They Come Back" nicht wirklich viel zu leisten. Wenngleich sich sicherlich behaupten lässt, dass der Film fürs Fernsehen insgesamt zu schade ist; angenehme production values und vor allem die giggelnden Auftritte der drei Höllenpöbler, die wohl nicht ganz von ungefähr in Gebahren und Auftreten an die "Lost Boys" erinnern, halten den Zuschauer durchaus im Gewogenen und McLoughlins Arbeit auf Leinwandniveau.

6/10

Tom McLoughlin Stephen King Kleinstadt Fluch Rache Lehrer Dämon Brüder TV-Film


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RITUALS (Peter Carter/CA, USA 1977)


"Sorry, Mitzi! Just a moment!"

Rituals ~ CA/USA 1977
Directed By: Peter Carter

Fünf befreundete Mediziner im mittleren Alter machen sich einen Spaß daraus, ihren Abenteuerurlaub jedes Jahr in zunehmend unwirtlichen Territorien ohne jeglichen Zivilisationsanschluss zu verleben. Erst nach einer Woche lassen sie sich vom Privatpiloten wieder abholen. Diesmal führt sie ihre Tour in ein wildes, entwässertes Tal im Gebiet von Ontario. Schon nach der ersten Nacht sind sämtliche Stiefel verschwunden, woraufhin sich D.J., der jüngste der Truppe und Bruder von Martin (Robin Gammell), der als einziger Ersatzschuhwerk bei sich hat, aufmacht, zu der weiter entfernten Talsperre zu gelangen, um von dort aus Hilfe zu holen - denn, soviel ist klar - die Männer sind hier nicht allein. Schon bald folgen die Übrigen D.J. und sehen sich seltsamen Streichen und Fallen ausgesetzt, die in schweren Unfällen enden. Schließlich sind nur noch Harry (Hal Holbrook) und Mitzi (Lawrence Dane) übrig, die sich der Ursache des Terrors gegenübersehen...

Ein brillanter, unverhohlen avantgardistischer Horrorfilm, der sich aus einer fruchtbaren Schnittmenge des dräuenden Öko-Mystizismus eines Peter Weir, blankem Backwood-Terror vom Schlage eines "Deliverance" und unkonventioneller Genrekost wie "The Wicker Man" speist: Fünf Götter in weiß, wie viele im Ergrauen begriffene Herren ihres beruflichen Schlags berauscht von der eigenen Fachkompetenz und höchst selbsträsonistisch, entpuppen sich als psychische Wackelkandidaten, denen bereits innere Spannungen schwer zu schaffen machen und die durch die äußere, zunächst nicht greifbare Bedrohung endgültig umfallen wie Kartenhäuschen im Sturm. So inhaltlich unwesentlich die Conclusio letzten Endes auch sein mag - dass sie sich als Denunzierung des Kriegwesens und seiner vergessenen Gespenster versteht, verleiht dem Film noch eine zusätzliche Dimension der Zivilisationskritik. Dass "Rituals" hinzukommend noch brillant inszeniert ist, kreuzungemütlich und kunstvoll-unübersichtlich gleichermaßen, macht ihn zu einer echten Perle des Subgenres. Die für die Zweitauflage von X-Rated eigens angefertigte, späte Synchronfassung lohnt übrigens.

9/10

Peter Carter Kanada Wald Freundschaft Terrorfilm Backwood Slasher


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THE UNNAMABLE II: THE STATEMENT OF RANDOLPH CARTER (Jean-Paul Ouellette/USA 1992)


"She's something special..."

The Unnamable II: The Statement Of Randolph Carter (The Unnamable) ~ USA 1992
Directed By: Jean-Pierre Ouellette

Unmittelbar nach der grauenhaften Nacht im Winthrop-Haus kann der von den Ereignissen noch ganz berauschte Randolph Carter (Mary Kinsey Stephenson) den Parapsychologen Professor Warren (John Rhys-Davies) unter Vorlage des 'Necronomicon' überzeugen, mit ihm in die Gewölbe unter dem Anwesen zurückzukehren. Auch der mittlerweile genesene Howard (Charles Klausmeyer), dem der alte Winthrop (Mike Gordon) im Traum erscheint, begleitet die beiden. Man findet die verfluchte Kreatur und kann mittels einer List den Körper von Winthrops Tochter Alyda (Maria Ford) von dem des Dämons (Julie Strain) separieren. Die schöne Alyda, trotz 300 Jahre auf dem Buckel noch so jung und knackig wie ehedem, schmeißt sich sogleich an Carter heran, der es als seine ritterliche Pflicht empfindet, das mittlerweile auf dem Miskatonic-Campus Amok laufende und nach Alyda suchende Monster zu vernichten.

Die erst nach einigen Jahren erfolgte Fortsetzung des kleinen Horrorfilms "The Unnamable" schließt inhaltlich nahtlos an den Erstling an und setzt dessen ohnehin etwas unfertig wirkende Story fast ohne Einbußen fort. Zwar wurde die zuvor noch als wichtig veräußerte Figur der Tanya fallengelassen, Carter und Howard jedoch sind wieder dabei und ein paar Genregrößen, namentlich David Warner und der erwähnte Rhys-Davies sowie Reagan-Lookalike Bryan Clark erhalten witzige Gastauftritte. Die gezwungenermaßen vornehmlich nackt umherlaufende Maria Ford erfreut des geneigten Mannes Linse und das (sich seltsamerweise auch nach der Trennung von Alyda äußerlich nicht verändernde) Monster bekommt noch mehr Gelegenheit zum Herumaasen als im Vorgänger. Überhaupt scheint der Film dem Grundsatz der Genreöffnung nicht abgeneigt; er gibt sich deutlich humoriger und romantischer als der Vorgänger und versucht, nicht nurmehr der getreuen 'Fangoria'-Leser anzusprechen, sondern vielleicht auch dessen etwas weniger geekige Kumpels. Was jedoch keinen partout besseren Film verheißt, mit Verlaub.

6/10

Jean-Paul Ouellette H.P. Lovecraft Monster Sequel


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THE UNNAMABLE (Jean-Paul Ouellette/USA 1988)


"I think she's afraid of men."

The Unnamable (White Monster) ~ USA 1988
Directed By: Jean-Paul Ouellette

Im längst verlassenen Haus des früheren Hexenmeisters Joshua Winthrop (Delbert Spain) hinterm Campus der Miskatonic-Universität soll es umgehen. Nachdem bereits der vorwitzige Joel (Mark Parra) tödliche Bekanntschaft mit dem in einer Dachkammer hausenden Geheimnis des Gemäuers gemacht hat, laden die zwei Burschenschaftler Bruce (Eben Ham) und John (Blane Wheatley) die beiden Erstsemesterinnen Tanya (Alexandra Durell) und Wendy (Laura Albert) zur nächtlichen Erkundung des Anwesens ein. Für Wendy-Anhimmler Howard (Charles King) und den emsigen Studiosus Randolph Carter (Mark Kinsey Stephenson) hinreichend Grund, selbst mal nach dem rechten zu sehen...

Lovecraft-Adaptionen, dazu noch anschaubare, sind eine ausgesprochene Rarität im Wust des preisgünstigen Genrekinos. Anno 88 schickte sich der ansonsten eher selten in Erscheinung getretene Filmemacher Jean-Paul Ouellette somit an, unter Verwendung günstiger Mittel die solide Verfilmung einer Kurzgeschichte des umstrittenen Meisters auf Zelluloid zu bannen. Aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, derer es augenscheinlich höchst limitierte gab, machte er dann auch etwas Gutes: Einige deftige Effekte, ein innovatives Monster (mit gekonnter Maske), der Lovecraft-Held Randolph Carter, von Mark Kinsey Stephenson kongeniual personifiziert, sowie ein Script, das der bei aller Stromlinienform stets distinguierten Sprache des Autors absolut gerecht wird und nie Gefahr läuft, in derbes Teenager-Vokabular zu verfallen. Hier und da etwas mehr Drive und ein Verzicht auf die unumwunden vermeidbaren Logiklöcher und "The Unnamable" hätte das Zeug zum veritablen Klassiker erhalten. So reicht es immerhin noch zum Geheimtipp für Freunde blutigen Achtziger-Horrors und zu einem Markstein im nach wie vor allzu übersichtlichen Feld verfilmter Lovecraft-Pantasmagorie.

6/10

Jean-Paul Ouellette H.P. Lovecraft Monster Splatter


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LES AVALEUSES (Jess Franco/F, B 1973)


Zitat entfällt.

Les Avaleuses (Entfesselte Begierde) ~ F/B 1973
Directed By: Jess Franco

Einsam, stumm, depressiv, jahrtausendealt, dauergeil: Die Vampirin Irina Karlstein (Lina Romay) hat's nicht leicht. Auf der schönen Insel Madeira sucht sie sich ihre Opfer, denen sie sämtliche Lebenssäfte bei Fellatio und Cunnilingus aus den Genitalien saugt und sie hernach glücklich, aber tot zurücklässt. Für den Gerichtsmediziner Dr. Roberts (Jess Franco) ein klarer Fall, ebenso wie für den mysteriösen, blinden Parapsychologen Dr. Orloff (Jean-Pierre Bouyxou). Selbst die Liebe zu dem Lyriker Baron Von Rathony (Jack Taylor) vermag Irina nicht auf den rechten Weg zu führen und so ist sie am Ende froh, dass ihre Ahnen sie wieder zurück in die nebulöse Dunkelheit rufen, aus der sie einst emporstieg.

Bilder und Töne in meditativer Einheit - als solcher und nur solcher muss man "Les Avalseuses" begegnen. Der Film ist denkbar purster Franco, schundig, schäbig, imbezil, avantgardistisch und höchst poetisch, er findet wie so häufig wieder (s)eine erstaunliche Nische zwischen Konzeptkunst und unverhohlenem Trash. Francos jüngste Muse und Ehefrau Lina Romay erwies sich ja als überaus zeigefreudig und stets bereit, jede noch so schmutzige Avance ihres Gatten vor der Kamera umzusetzen, so dass sie auch dieses Machwerk zur Gänze trägt. Die Szenen derweil, in denen der Meister selbst oder der noch hölzernere Bouyxou vor der Kamera zu agieren haben, präsentieren unglaubliches Schmierentheater hinter kaum fassbarem, ominösem Dialog (für dessen Einsprechung sich in der deutschen Vertonung selbst ein Erik Schumann nicht zu schade war). Aber das ist eben, wie hinreichend erwähnt, die höchsteigene Signatur dieses zu Lebzeiten nimmermüden Kino-Dynamos (oder, wie Schifferle ihn so schön nennt, 'Cinemanen').

5/10

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