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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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MESSIAH OF EVIL (Willard Huyck/USA 1973)


"You're not supposed to eat that fuzz!"

Messiah Of Evil (Messias des Bösen) ~ USA 1973
Directed By: Williard Huyck

Die junge Arletty (Marianna Hill) kommt in das vornehmlich von Künstlern frequentierte Küstenstädtchen Point Dune, von wo aus ihr Vater, der Maler Joseph Long (Royal Dano), ihr zunehmend merkwürdige Briefe schickte, bis die Korrespondenz schließlich komplett abbrach. Bereits Arlettys Ankunft in Point Dune ist von merkwürdigen Zeichen geprägt. Bald lernt sie den Libertin Thom (Michael Greer) kennen, der ihr zur Seite steht und mit ihr das grauenhafte Geheimnis von Point Dune offenlegt: Ein hundert Jahre alter Fluch bewahrheitet sich nun; ausgesprochen damals von einem kannibalischen Priester, eines der Überlebenden der berüchtigten Donner Party. Auf dessen Rückkehr warten die Einwohner der Stadt, derweil sie sich in blutrünstige Berserker verwandeln.

Ein wunderbar entrückter, kleiner Film, von dem gemeinhin stets zusammenarbeitenden, mit George Lucas verbendelten Schreiberpärchen Huyck und Katz als deren Regiedebüt inszeniert. Bei der Schaffung des Werks waren mutmaßlich einige Rauschmittel im Spiel, denn der überaus ästhetische, trotz seines Sujets niemals ins Vulgäre abdriftende Film wirkt en gros selbst wie ein Hypnotikum. Die avantgardistischen Wandgemälde und die Architektur des Hauses von Arlettys Vater nehmen ebenso schöne wie beunruhigende heimliche Hauptrollen ein. Der Rollenname der Hauptfigur verweist auf die berühmte französische Darstellerin gleichen Namens; mit den Besetzungen von Elisha Cook Jr. und Royal Dano zollt man dem Silver Age Hollywoods pronociert Tribut. Und das erste Mordopfer, dessen Kehle blutig durchschnitten wird, ist der junge Walter Hill. New Hollywood pur, wenn auch garantiert in keinem entsprechenden Kanon erwähnt.
Bei diesen für sich sprechenden Attributen möchte ich es fürderhin belassen, denn ein analytisches Zerreden würde "Messiah Of Evil" doch bloß seines betörenden Zaubers und damit sein Hauptelixiers berauben.

9/10

Willard Huyck Gloria Katz Kalifornien Fluch Sekte Kannibalismus Bohéme Vater & Tochter Zombies Independent Surrealismus


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DRACULA VS. FRANKENSTEIN (Al Adamson/USA 1971)


"And all those who would meddle in the destinies of Frankenstein and Dracula will see an infernal bloodbath the likes of which has not swept the Earth before!"

Dracula Vs. Frankenstein (Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein) ~ USA 1971
Directed By: Al Adamson

Der letzte Nachkomme derer von Frankenstein sitzt nach einem Unfall im Rollstuhl leitet unter dem Namen 'Dr. Duryea' (J. Carrol Naish) ein Kuriositätenkabinett am Strand von Venice Beach. Hier braut er ein besonderes Lebenselixier zusammen, für das er jedoch organische Komponenten benötigt, die ihm sein imbeziler Diener Groton (Lon Chaney Jr.) in Form am Strande zusammengeklaubter Opfer besorgt. Auch seine Kreatur (John Bloom) liegt bereits auf dem Operationstisch und wartet auf den neuen Lebenshauch. Dummerweise interessiert sich zugleich ein weiterer Altbekannter, nämlich Graf Dracula (Zandor Vorkov), für Frankensteins Serum, da er mit dessen Hilfe eine Vampirarmee erschaffen will. Die dralle Judith (Regina Carrol) sucht derweil mit Hilfe des Surfhippies Mike (Anthony Eisley) nach ihrer verschwunden Schwester (Maria Lease) und kommt dabei den Blutfürsten in die Quere...

Das war (und ist) natürlich ganz großes Kino, das Al Adamson hier dereinst auf die Menschheit losließ; Guerillafilmemachen, wie es nur zu Zeiten von LSD, swingin' und surfin' möglich war, als der heimische Pazifismus gegen den Krieg in Fernost noch wahre Monster gebierte. "Dracula Vs. Frankenstein" erscheint auf den ersten Blick wie eine typisch C- oder D-Gurke im Gedenken an Ed Wood Jr. und seine Gesinnungsgenossen, liefert mit all seinen wild zusammengeworfenen Ingedienzien jedoch eine unnachahmlichen Eintopf, der schmackhafter kaum sein könnte. Verbrauchte Gestalten vom Schlage eines Lon Chaney, die im wahren Leben mittlerweile gruseliger waren denn all ihre Monsterrollen zusammen, erhielten hier die Chance, sich abseits der schmalen Rente ein paar Flaschen Whiskey leisten zu können. Stichwort Chaney: Der braucht hier erst gar nicht mehr zu sprechen, sondern nurmehr zu grunzen; zudem sind fast alle seine Einstzellungen so gefilmt, dass niemand mit ihm zu interagieren hatte. Immer noch besser als wirklich seine Axt in den Schädel zu bekommen...
J. Carrol Naish und Zandore Vorkov sondern (in der deutschen Fassung mit den arrivierten Stimmen von Klaus Miedel und Joachim Kemmer) unglaublichste Verse ab und Russ Tamblyn gibt einen Rocker namens Rico "auf der Suche nach 'ner neuen Mutter". Auch das rettet ihn nicht vor Lon Chaneys Axt. Als weiteres Verbindungsglied zwischen cineastischer Klassik und Moderne bietet Adamson den wie immer grandiosen, zwergenwüchsigen Angelo Rossitto auf, dessen Filmographie von Brownings "Freaks" bis hin zu Burrs "The Offspring" reicht und damit voll ist von wundersamen Rohdiamanten (zu welchen selbstredend auch dieser aus Adamsons Schaffenskrone gehört).

6/10

Al Adamson Dracula Frankenstein Venice Beach Kalifornien Independent Crossover Mad Scientist Monster Vampire camp Trash


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SUPERSTITION (James W. Roberson/CAN 1982)


"Leave the cellar right now or I'm gonna kick you out!"

Superstition (The Witch) ~ CAN 1982
Directed By: James W. Roberson

Der untote Geist der vor rund drei Jahrhunderten hingerichteten Hexe Elvira Sharack (Jacquelyn Hyde) treibt auf dem Areal der damaligen Ereignisse noch immer sein Unwesen - wer zu neugierig ist oder zu lange verweilt, muss eines grausamen Todes sterben. Ausgerechnet der dem Suff verfallene Geistliche George Leahy (Larry Pennell) soll nun mit seiner Familie die auf Elviras Land stehende Villa beziehen - ganz zum Unbehagen des bereits in mehreren hiesigen Mordfällen ermittelnden Inspector Sturgess (Albert Salmi). Der junge Pfarrer Thompson (James Houghton) spürt derweil der Legende um Elvira Sharack nach und stößt auf böse Waherheiten...

Ein feiner, kleiner Genrefilm ist James W. Roberson mit "Superstition" geglückt, der den noch immer präsenten Okkultismus-Horror der Vorgängerdekade mit dem zeitgenössischen Naturalismus des Splatterfilms kombinierte und so einen Miniklassiker hervorbrachte, der heuer leider weitgehend der Vergessenheit anheim gefallen ist. Ich selbst habe von ihm im Zuge einer Unterhaltung mit der irischstämmigen Frau eines Freundes erfahren, in der es um frühe Erinnerungen an Horrorfilme ging. Sie erzählte mir von "Superstitition", den sie als Kind in Kanada gesehen und der nachhaltigen Eindruck bei ihr hinterlassen hatte. Ich versprach ihr, den Film nachzuholen - das seit knapp einem Jahr erhältliche, sehr empfehlenswerte, deutsche DVD-Release bot sich hierfür an - und bin nun selbst mittelschwer angetan.
"Superstition" beherbergt subsummierend alles, was der Aficionado wünscht: Eine gepflegt-abseitige Atmosphäre, Satansspuk, harten Splatter und den einen oder anderen wirklichen Gruseleffekt, der etwa dadurch geschickt evoziert wird, dass man von der dämonisierten Elvira Sharack nie die Gesamterscheinung, sondern mit Ausnahme der Klauenhände lediglich die schreckenverheißende Silhouette zu sehen bekommt.
Vielleicht ist Robersons Werk in seiner Gesamtheit dann doch zu unangepasst und eigensinnig, um zwischen "The Sentinel" und "Poltergeist" seinen ihm genealogisch gebührenden Platz einzunehmen; nichtsdestotrotz lohnt es, sich ihm zu widmen.

7/10

James W. Roberson Hexe Dämon Fluch Kirche Splatter


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NIGHT OF THE DEMON (James C. Wasson/USA 1980)


"Feeling better now?"

Night Of The Demon (Der Teufel tanzt weiter) ~ USA 1980
Directed By: James C. Wasson

Als einziger Überlebender einer Gebirgsexkursion wird Professor Nugent (Michael Cutt) mit schweren Gesichtsverbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Geschichte, die er den ermittelnden Polizisten und seinen Ärzten erzählt, ist haarsträubend: In den Bergen sind Nugent und seine Studenten angeblich auf einen Eremiten, einen Satanskult und eine die verwaiste, junge Einsiedlerin Wanda (Melanie Graham) getroffen sowie ein haariges Ungetüm, das die gesamte Gruppe dezimierte und mit Wanda offenbar in unheilvoller Verbindung steht...

Viel gibt es nicht zu berichten über diesen kleinen Monsterstreifen, der primär durch einige derbe Gekröseszenen im Gedächtnis bleibt, ansonsten jedoch minimal oberhalb der Amateurfilmgrenze entlangschrappt und dessen krude Story augenscheinlich täglich vor Ort weitergesponnen wurde. Der sich erst in den letzten Minuten (und in vollkommen unmotivierter Zeitlupe wütende) Bigfoot sieht denn auch eher aus wie ein hochgewachsener Troglodyt mit besonders starker Rückenbehaarung.
Immerhin ist "Night Of The Demon" von höchster unfreiwilliger Komik und nicht zuletzt eben auch einer jener kleinen Schätze, die ganz besonders durch ihre bunte, internationale Zensurgeschichte auf sich aufmerksam machen.

4/10

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THE COLLECTION (Marcus Dunstan/USA 2012)


"Are you here to kill me?"

The Collection ~ USA 2012
Directed By: Marcus Dunstan

Arkin O'Brien (Josh Stewart), der nach einem harten Duell doch noch vom Collector (Randall Archer) gefangen und verschleppt wurde, soll nun, wie es die Tradition vorgibt, Zeuge des neuesten Streichs des wahnsinnigen Killers werden. Diesmal hat jener sich eine komplette Underground-Disco als Wirkungsstätte ausgesucht, in der er ein umfangreiches Massaker anrichtet. Einzige Überlebende - und somit neuestes Sammlestück des Collector - ist die Millionärstochter Elena Peters (Emma Fitzpatrick). Arkin jedoch kann diesmal entkommen, nicht allerdings, ohne bald darauf eine perfide Genesungskarte des Collector zu erhalten. Grund genug für Arkin, sich einem Eliteteam anzuschließen, das Elenas Vater (Christopher McDonald) kurzerhand zusammengestellt hat. Dieses will sich von Arkin zum Versteck des Killers führen lassen, um diesen endlich dingfest zu machen und Elena zu befreien. Doch das Domizil des Collector ist eine Menagerie des Todes, aus der ohne Weiteres niemand mehr entkommen kann.

Der Serienmörder als Massenmörder, auch das eine von vielen Parallelen zum "Saw"-Franchise, gibt sich zu Beginn des bereits titulär vielsagenden "Collector"-Sequels "The Collection" die blutrünstige Ehre. Eine riesige Dreschmaschine fährt auf Hüfthöhe mitten durch eine Gruppe ausgelassen feiernder, junger Menschen, um selbige in ihre Atome zu zerlegen. Diese, natürlich nicht bierernst zu nehmende, Ausgangssequenz gibt exakt die Richtung dieser doch um Einiges ungelenkeren Fortsetzung vor. Wie versprochen erhalten wir diesmal Einblick in die Sammlung des Sammlers, welche da multiple Psychosen vermuten, und, ein weiteres Sequel bereits antizipierend, eigentlich eine ganze Sammler-Schar hinter all den morbiden Kunstwerken vermuten lässt. Das, was der Geistesgestörte hier zusammenträgt, ist jedenfalls eine Art gesammelter Werke diverser Kino-Killer der letzten Dekaden - des Collectors Galerien wecken Erinnerungen an "Maniac", "Resurrection", "The Bone Collector" oder auch das "TCM"-Mobiliar und bestimmt noch zig andere, die mir gerade nicht einfallen oder die ich nicht kenne. Die Idee mit dem nach und nach dezimierten 'Platoon' war erst kürzlich noch im ersten "Hatchet"-Sequel nachzulesen. Man kann Marcus Dunstan angesichts soviel Reminiszenz-Gewese sicherlich vieles andichten - Innovativität zählt nicht dazu. Was bleibt, ist eine filmische Abrissbirne, ein großer, fetter Schaschlik-Spieß, der auf eher ungesunde Art völlt.

5/10

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THE COLLECTOR (Marcus Dunstan/USA 2009)


"What's the time?"

The Collector ~ USA 2009
Directed By: Marcus Dunstan

Arkin O'Brien (Josh Stewart) renoviert als einer von vielen Handwerkern die rural gelegene Villa der Familie Chase. Was die Chases nicht ahnen: Der freundliche Arbeiter ist ein Ex-Knacki, dessen Frau Lisa (Daniella Alonso) einen riesigen Schuldenberg abzutragen hat. Also hat Arkin bereits den kompletten Hausgrundriss ausbaldowert, um in der folgenden Nacht - die Chases sind angeblich außer Haus - einen kleinen Bruch zu machen und den Tresor zu leeren. Leider jedoch ist Arkin nicht der einzige nächtliche Besucher. Zeitgleich mit ihm ist der 'Collector' zu Gast im Hause Chase - ein berüchtigter Serienmörder, der immer nur ein einziges Opfer am Leben lässt und dieses am Ende mit sich nimmt. Der Collector hat bereits das gesamte Haus mit tödlichen Fallen versehen und die Eltern Chase (Michael Reilly Burke, Andrea Roth) in seiner Gewalt. Nun ist der Einbrecher Arkin der einzige, unfreiwillige Verbündete der Chases. Ein tödliches Duell zwischen ihm und dem Collector entbrennt.

Marcus Dunstan, ein feister, freundlicher Herr Ende 30, der ein bisschen aussieht wie der dickere Zwillingsbuder von Eddie Vedder, hat bereits eifrig an den letzten vier "Saw"-Filmen mitgewerkelt, was bereits unzweideutige Hinweise auf seine Vorlieben offenbart. Tatsächlich schlummern fiesesete Ideen in dem Mann, der sich immer dann am wohlsten zu fühlen scheint, wenn er sich, stellvertretend für seine restlos abartig veranlagten Kinomörder, sadistische Fallen ausdenken kann, die ihre ahnungslosen Opfer in tausend Teile zerfetzen. Auch "The Collector" funktioniert nach diesem Schema: Ein verrückter Maskenmann (dessen Sackdesign ein wenig an das von Cronenberg in "Nightbreed" erinnert), der nicht nur über außerordentliche Intelligenz, sondern auch über eine extrem pathologische Kreativität verfügt, ver"mint" eine komplette Villa mit diversen Klingen, Bärenfallen und Spießen, um hernach die Einwohner mittendurch zu jagen. Wer sich am gescheitesten anstellt, wandert später in die Sammlung, denn natürlich hat der Collector, wie weiland sein literarischer Ahnherr Freddie Clegg, ein Faible für seltene Exemplare vom Schmetterling bis hin zum Zweibeiner.
Ähnlich sehenswert wie die meisten jüngeren "Home-Invasion"-Schocker zeugt auch Dunstans Werk von einigem Geschick und großer technischer Versiertheit, die sich im ziemlich ansehnlichen Stil des Films, der bei allem Herumgematsche höchsten ästhetischen Ansprüchen genügt, niederschlägt.

7/10

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TRAIN (Gideon Raff/USA 2008)


"If you do this, you're not better than us." - "Perhaps I'm not."

Train ~ USA 2008
Directed By: Gideon Raff

Sechs Mitglieder der in Russland antretenden US-Ringer-Mannschaft, darunter die eher mittelmäßig motivierte Alex (Thora Birch) und ihr Freund Todd (Derek Magyar), nehmen einen außerplanmäßigen Zug Richtung Odessa. Wie sich bald herausstellt, sind sie alle in die Fänge einer lokal operierenden Organmafia gegangen, die mit diesem Zug große Metropolen in Osteuropa anfährt und ahnungslose Touristen verschleppt, um ihnen im letzten Wagon bei lebendigem Leibe die benötigten Körperteile zu extrahieren. Als man sich sämtlicher von Alex' Freunden "angenommen" hat und nurmehr sie selbst übrig ist, entschließt sie sich endlich zu entschiedener Gegenwehr.

"Train" gehört zu jenen Filmen, denen ich im Prinzip lediglich deshalb mein gehobenes Augenmerk widme(te), weil sie (in ungekürzter Form) in Deutschland nach §131 StGb beschlagnahmt und damit für den hiesig sesshaften Gore-Enthusiasten gewissermaßen von besonders funkelndem Interesse sind. Ansonsten wüsste ich vermutlich nicht einmal von seiner Existenz.
Nun, die Sadismen und fiesen Ideen, die Gideon Raff in seinem zweiten und bis dato letzten - mittlerweile scheint er sich nurmehr auf das etwas gewinnversprechendere Fernsehen zu kaprizieren - Langfilm vorlegt, entsprechen, zumal in ihrem stereotyp formulierten Kontext, sicherlich schon dem, was den einen oder anderen selbsternannten Sittenwächter auf die Protestbarrikaden treibt. Doch bei allem Brimborium: Unwesentlich anderes als eine "Hostel"-Variante im Zug bietet "Train" nicht. Das Organhandel-Motiv kennt man noch aus "Turistas", mit Thora Birch konnte immerhin eine vormals renommierte Aktrice als 'final girl' gewonnen werden. Und die Slawen, die, das weiß man aus anderen Genrevertretern, ihre neugewonnene Freiheit vor allem gezielt dazu nutzen, ahnungslose Westtouristen (im wahrsten Wortsinne) auszunehmen, repräsentieren einmal mehr dankbare Feindbilder. An manchen Enden spürt man schon, dass "Train" formal gegen sein spekulatives Foltergewand zu arbeiten versucht; sich gar etwas mehr Würde, Konsumierbarkeit und Eleganz verleihen möchte, als es seinem Sujet gemeinhin zusteht. Das wirkt dann bestimmt possierlich, am Ende jedoch zwecklos: Ich kann nicht allen Ernstes in einer Sekunde eine offene Wirbelsäule zermeißeln lassen, um dann in der nächsten auf der Soundspur zu klingen wie Hans Zimmer und von den Zuschauern erwarten, dass sie das kommentarlos fressen.
Wie gehabt also: Anschaulicher, nicht allzu inflationär vorgetragener Splatter für Zeitgenossen, die genau dies wünschen.

6/10

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HAUNTER (Vincenzo Natali/CAN, F 2013)


"How can sleep when we're... dead?"

Haunter ~ CAN/F 2013
Directed By: Vincenzo Natali

Die junge Lisa (Abigail Breslin) stellt nicht nur fest, dass sie den Tag vor ihrem 16. Geburtstag immer wieder erlebt; sie muss zugleich auch einsehen, dass sie und ihre Familie bereits lange tot und in einer zwischenweltlichen Spirale gefangen sind. Ihre nunmehr angestellten Nachforschungen zeigen Lisa, dass sie, ebenso wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, Opfer eines diabolischen Serienkillers namens Edgar (Stephen McHattie) geworden sind, der auch noch nach seinem Tod sein Unwesen treibt, indem er eigentlich brave Familienväter als Wirt für sein böses Geschäft benutzt. Zusammen mit ihren Leidensgenossinnen aus einem halben Jahrhundert nimmt Lisa den Kampf gegen Edgar auf.

Dafür, dass der kanadische Regisseur Vincenzo Natali nur so selten Neues von sich hören lässt, scheint mir sein jüngstes Werk "Haunter" etwas uninspiriert und außerdem recht ordinärgewachsen. Seine gewohnt elegante Form der Inszenierung pflegt Natali auch weiterhin, doch wo einst doppelbödige, innovativ ersonnene stories und settings sein filmisches Universum bestimmten, kommt er just mit einem doch eher konventionellen, an diversen, wohlbekannten Vorbildern orientierten, zudem nicht vorhandene Komplexität heuchelnden Geisterplot um die Ecke. Dies verwundert eben insbesondere angesichts dieses Filmemachers, den ich in "Haunter" niemal wiedererkannt, geschweige denn hinter dem Film vermutet hätte, die Mitwirkung seines standards David Thewlis einmal außen vor gelassen. Abseits dieses nicht unwesentlichen Dämpfers erhält man eine zumindest gepflegt unterhaltende Jenseitsgeschichte, die niemandem weh tun will. Brav, Vincenzo.

6/10

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FURANKENSHUTAIN NO KAIJÛ: SANDA TAI GAIRA (Ishirô Honda/J 1966)


Zitat entfällt.

Furankenshutain No Kaijû: Sanda Tai Gaira (Frankenstein - Zweikampf der Giganten) ~ J 1966
Directed By: Ishirô Honda

Ein grünes, menschenfressendes Riesenmonster erscheint vor der Küste Japans - für die beiden Wissenschaftler Dr. Kitai (Russ Tamblyn), Majida (Kenji Sahara) und ihre Assisatentin Akemi (Kumi Mizuno) ein Rätsel, scheint es sich doch um den einst von ihnen gehegten und später verschwundenen Frankenstein zu handeln, der jedoch Vegetarier ist und eigentlich versteckt in den Bergen hausen sollte. Das Militär fackelt nicht lang und greift den grünen Giganten an - da taucht der originale Frankenstein mit braunem Fell auf und hilft seinem Artgenossen zu fliehen. Man findet heraus, dass der grüne Frankenstein ein Zellableger des ursprünglichen, braunen Monsters ist - leider mit komplett anderen Verhaltensmustern ausgestattet. Als der Braune herausfindet, dass sein grüner Kumpel zutiefst vefressen und böse ist, geht er zum Angriff über. Ihr Zweikampf setzt sich bis in eine Bucht vor Tokio fort, wo urplötzlich ein unterseeischer Vulkan ausbricht und beide Monster vernichtet.

Diesen sehr schöne Monsterschinken, der ausnahmsweise mal weniger für ein Kinderpublikum geschaffen wurde, habe ich bereits als kleiner Steppke im TV schauen dürfen, wo er irgendwann im frühen Dienstagabend-Programm des ZDF ausgestrahlt wurde. Damals hat mich der Streifen durchaus fesseln können, da er ja zum einen einer überaus schlicht gestrickten Story folgt und zum anderen mit viel Fantasie und, was ihn für mich noch heute zur erfreulichen Ausnahme-Erscheinung macht, weder mit Gummiechsen- noch mit Roboteranzügen um die Ecke kommt. Stattdessen gibt es schön äffisch-humanoide Felldresses, was der Illusion von Riesenmonstern durchaus zu Gute kommt. Die Rückprojektionen sind zumeist ausnehmend gut gelungen wie auch die ein oder andere "King Kong"-Hommage von Reiz ist. Ich bin zwar kein ausgesprochener Kaijû-Experte, möchte aber behaupten, dass Honda mit dem zweiten "Furankenshutain"-Film einer seiner besseren Beiträge zum japanoschen Monsterkino geglückt ist.
Mit Russ Tamblyn tritt diesmal ein noch renommierterer US-Darsteller an, der in fünf Jahren Post - "West Side Story" allerdings sichtlich zugelegt hat und sichtlich erfreut war, ausnahmsweise einmal nicht in langweiligen Episoden x-beliebiger TV-Serials auftreten zu müssen.

7/10

Ishirô Honda Frankenstein Duell Japan Tokio Monster Sequel


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FURANKENSHUTAIN TAI CHITEI KAIJÛ BARAGON (Ishirô Honda/J 1965)


Zitat entfällt.

Furankenshutain Tai Chitei Kaijû Baragon (Frankenstein - Der Schrecken mit dem Affengesicht) ~ J 1965
Directed By: Ishirô Honda

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelingt es der kaiserlich-japanischen Flotte, das unsterbliche Herz des Frankenstein-Monsters zu bergen. Dieses gelangt bis nach Hiroshima, wo nach dem Atombomben-Abwurf neues Leben aus ihm ersteht in Form eines verwegen aussehenden Jungen, der unerkannt auf der Straße lebt. Die drei Wissenschaftler Bowen (Nick Adams), Kawaji (Tadao Takashima) und Togami (Kumi Mizuno) nehmen sich der Kreatur an und entschlüsseln ihr Geheimnis. Binnen kürzester Zeit wächst das Kind zu einem haushohen Giganten (Kôji Furuhata) mit monströsen Manieren heran, dem bald die Flucht in die Wildnis gelingt. Dort trifft es auf die riesige Urweltechse Baragon, mit der es sich ein Duell auf Leben und Tod liefert.

Der erste von zwei namentlich "echten" Frankenstein-Filmen der Toho, die diese in Kooperation mit der US-Produktionsfirma UPA herstellte. Hier beging man den schon als 'klassisch' zu bezeichnenden Faux-pas, dem Monster den Namen seines Schöpfers angedeihen zu lassen, was im Sequel zu noch lustigeren Kapriolen führen sollte. Der Riese mit Wasserkopf und Überbiss heißt also kurzerhand 'Frankenstein' und legte, neben der Tatsache, dass er infolge der radioaktiven Strahlung das Zehnfache seiner ursprünglichen Größe erreichte, urplötzlich auch ein orientalisches Aussehen an den Tag. Die berühmten Elektroden und Nähte allerdings waren nunmehr, bei aller übrigen Ähnlichkeit, verschwunden. Da den Japanern (und in diesem Fall auch den Amerikanern) ein Monster selten genügte, holte man kurzerhand noch den schildkrötenartigen Baragon dazu, der wie Godzilla Strahlen speien kann und putzige Kulleraugen hat. Müßig zu erwähnen, dass Frankenstein den Kampf gegen Baragon für sich entscheidet, am Ende jedoch gemeinsam mit dem Besiegten in einer Erdspalte verschwindet. "Für die Welt ist es das Beste", wie uns etwas traurigen Monsterliebhabern das tapfere Wissenschaftlertrio tröstend versichert.
In der ursprünglichen, japanischen Fassung hat Frankenstein nach dem Sieg über Baragon auch noch gegen einen Riesenkraken anzutreten, der urplötzlich hinter einem Felsen hervorgekrabbelt kommt und seinen Gegner schließlich mit ins Meer zieht. Bleibt finalerweise nur die Frage zu beantworten, wer den nun eigentlich "Der Schrecken mit dem Affengesicht" sein mag - der US-Schauspieler Nick Adams möglicherweise? Man wird es nie erfahren...

6/10

Ishirô Honda Kaiju Japan Tokio Monster Frankenstein Duell WWII Hiroshima Atombombe mad scientist





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