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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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BONES (Ernest Dickerson/USA 2001)


"I'm on a high... a supernatural high!"

Bones ~ USA 2001
Direced By: Ernest Dickerson

Vor zwanzig Jahren galt Jimmy Bones (Snoop Dogg), der sein Vermögen als Lotterie-Organisator machte und "sein" Viertel als guter Samariter stets bei Laune zu halten wusste, als leuchtender urbaner Held. Dann jedoch wurde er von einem Team aus vermeintlichen Partnern und korrupten Cops hintergangen und ermordet, als es darum ging, in Bones' Nachbarschaft einen umfassenden Crack-Markt zu etablieren. Heute steht Bones' Haus immer noch leer, es gilt als verflucht und tatsächlich muss jeder, der in die Nähe des Gemäuers gelangt, um Leib und Seele fürchten, denn Bones' unheiliger Geist bevölkert tatsächlich noch das alte Gebäude. Ausgerechnet hier will Patrick (Khalil Kain), Sohn eines der einstigen Mitverschwörer gegen Bones, Jeremiah Peet (Clifton Powell), einen hippen Musikclub eröffnen. Entgegen der Ängste seines Dads, der um den Fluch, der auf dem Haus lastet, weiß, realisieren Patrick und seine Kumpels diesen Plan und bekommen es bald mit dem wiedererwachten Bones zu tun, der auf späte Rache sinnt...

Eine tolle Blaxploitation-Reaktivierung mit ordentlich Soul und Blut in den Eingeweiden. Für Snoop Dogg eine willkommene Gelegenheit zur Selbstdarstellung als ordnungsliebender pimp, den man jedoch nicht über Gebühr reizen sollte, machen vor allem Dickersons inszenatorische Ideen den Film zu einem großen Spaß: Zunächst wäre da Bones' Wohnhaus zu nennen, außen wie innen eine wundervoll modrige location, dann sind da die famos inszenierten Rückblenden in die Spätsiebziger, die wunderbar albernen Einschübe um sprücheklopfende, abgetrennte Schädel und schließlich des Films Ehererbietung an vergangene Genre-Zeiten, indem er sein Blut so dickflüssig und hellrot wie anno dazumal fließen lässt.
"Bones" gibt sich rundum artifiziell, konstruiert, sowie als liebenswerte Hommage und bewältigt diese Intention letztlich bravourös. Dass er auf der anderen Seite als originärer Genrefilm vermutlich weitgehend inakzeptabel ist, sollte einen nicht von einer nächtlichen Liaison mit Jimmy Bones abhalten...

7/10

Ernest Dickerson Blaxploitation Fluch Haus Splatter Rache


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HATCHET III (BJ McDonnell/USA 2013)


"I should have gone on the swamp tour."

Hatchet III ~ USA 2013
Directed By: BJ McDonnell

Marybeth (Danielle Harris) glaubt, sie habe Victor Crowley (Kane Hodder) endgültig erledigt, doch der Unhold ersteht bereits in der folgenden Nacht in seiner vorherigen Form wieder auf. Ein Spurensicherungs-Team, das Honey Island untersucht, nachdem Marybeth sich bei Sheriff Fowler (Zach Galligan) gemeldet hat und von diesem wegen dringenden Tatverdachts verhaftet wird, bekommt es mit Crowley zu tun, der kurzerhand aus fast allen Anwesenden Schaschlik macht. Fowler rückt mit einer SWAT-Einheit nach, doch auch diese ist, wie sich zeigt, schlecht beraten, sich vor Ort einzufinden - trotz schwerer Artillerie. Derweil hat Fowlers Ex-Frau, die Crowley-Expertin Amanda (Caroline Williams), eine todsichere Idee, wie dem unzerstörbaren Geist ein für allemal der Garaus zu machen ist...

Für den weiterhin formidablen Abschluss der "Hatchet"-Trilogie überließ Green dem renommierten Kameraschwinger BJ McDonnell das Regiefeld und fuhr damit alles andere als schlecht: In Breitwand und erlesenen Bildern lässt McDonnell Victor Crowley in nochmals vergrößertem Maßstab eine veritable Splatterorgie vom Stapel brechen, in der, so nicht bereits in den Vorgängern geschehen, kaum eine Idee, die jeder altgediente gorehound entweder bereits halbherzig durchgeführt erlebt hat oder aber sich im stillen Kämmerlein ausgedacht und nie vorzutragen gewagt hat, durchzuexerzieren unterlassen wird. Etwas unkomplizierter formuliert: Es geht wieder zur Sache, ma chère, und nicht zu knapp. Dass Green und McDonnell uns am Ende mit einer wunderbar handgemachten melting sequence beglücken, ist da nur das Tüpfelchen auf dem i, wobei, wenn ich richtig aufgepasst habe, doch noch ein Hintertürchen für eine weitere Fortsetzung offengelassen wurde. Nachdem Crowley/Kane Hodder im letzten Film gegen "Leatherface" R.A. Mihailoff anzutreten hatte, kämpft er diesmal übrigens gegen keinen geringeren als Derek Mears, wie man viellewicht weiß, der Remake-Jason-Vorrhees. Zwei Generationen Jason gegeneinander, das ist allerbestes Fanfutter. Wie auch die weitere Besetzung manches Wiedersehen mit alten Genre-Bekannt- und Liebschaften ermöglicht; den guten Sid Haig sowie die in den Vorgängern sich die Ehre gebenden Tom Holland, John Carl Buechler, Lloyd Kaufman oder Mike Mendez kann, darf und mag kein name dropper unerwähnt lassen.

7/10

Adam Green BJ McDonnell Victor Crowley Sequel Louisiana New Orleans Sumpf Splatter Slasher


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HATCHET II (Adam Green/USA 2010)


"Hey, man. Who's Victor Crowley?"

Hatchet II ~ USA 2010
Directed By: Adam Green

Marybeth (Danielle Harris) überlebt mit Mühe und Not die Konfrontation mit Victor Crowley (Kane Hodder) und kann sich zurück in die Stadt retten. Dort geht sie schnurstracks zu Reverend Zombie (Tony Todd), der alles über Crowleys Geschichte weiß und den Marybeth um Hilfe bittet, dem Monster endgültig den Garaus zu machen. Zombie jedoch spielt sein höchsteigenes Spiel: Er organisiert eine großangelegte Jagd auf Crowley mit dem Ziel, dass dieser seine eigentliche Rache vollenden kann, der Fluch sich löst und Zombie wieder gefahrlose Sumpffahrten organisieren kann. Doch Victor Crowley lässt sich nicht manipulieren...

Nahtlos an den Vorgänger anknüpfend und bei gleichbleibender Qualität wurde die Protagonistin mit der bezaubernden Danielle Harris umbesetzt, Tony Todds Part, zuvor lediglich als Cameo angelegt, entschieden ausgebaut und das Gaststar-Konzept ebenfalls deutlich umfassender gestaltet. Adam Greens eigener Cameo aus Teil 1 entwickelt sich weiter zum Running Gag und auch die Reminiszenzen, Selbstverweise und in-jokes gestalten sich nunmehr noch vielgestaltiger. Crowley bekommt durch eine potenziell wesentlich höhere Opferanzahl entsprechend mehr zu tun und scheint seiner "Aufgabe" sogar noch etwas pedantischer nachzugehen als zuvor. Einmal mehr wird deutlich, was die einstigen "Friday The 13th"-Macher sich ein Vierteljahrhundert zuvor versagen mussten und was im Gegensatz zu damals heute visuell möglich ist. Damals hätten die Fanboys davon geträumt, Jason so eingehend bei der Arbeit zusehen zu können, heute, im Dunstkreis um einen Victor Crowley, stellt all das kein Problem mehr dar. Unrated, uncensored, ungebremst. Wobei Tony Todd den großartigsten kill abbekommen hat. Wow.

7/10

Adam Green Victor Crowley Sequel New Orleans Splatter Slasher Sumpf Louisiana


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HATCHET (Adam Green/USA 2006)


"Have you ever heard of 'Bayou Beavers'?"

Hatchet ~ USA 2006
Directed By: Adam Green

Um sich von einer verflossenen Liebschaft abzulenken, überredet New-Orleans-Tourist Ben (Joel David Moore) seinen Kumpel Marcus (Deon Richmond), dem Trubel des Mardi Gras für einen Abend den Rücken zuzuwenden und eine Bootsgruseltour durch die Sümpfe zu unternehmen. Zusammen mit sechs weiteren Passagieren samt hoffnungslos inkompetentem Captain (Parry Shen) kentert die Gruppe im verregneten Honey-Island-Sumpf, wo, wie die ebenfalls mitgefahrene Marybeth (Tamara Feldman) den Übrigen erläutert, der Geist des entstellten Victor Crowley (Kane Hodder) sein Unwesen treibt. Er soll kurz zuvor Marybeths Dad (Robbert Englund) und ihren Bruder (Joshua Leonard) ermordet haben. Es kommt, wie es kommen muss: Crowley taucht auf und metzelt die gesamte Gruppe unter sprühenden Blut- und Gekröseduschen nieder.

Ausgemacht spaßiger Splatter, der ganz als Fanboyfilm für Convention-Teilnehmer und solche die es werden wollen konzipiert ist und dessen zahlreiche, liebenswerte Ornamentierungen sich mit den beiden nachfolgenden Teilen erst richtig entfalten. In diesem Original hat es einige nette Cameos von Englund und Tony Todd, einen betont imbezilen Plot, diverse ziemlich flaue Gags und, in vorderster Front, handgearbeitete Gore-Effekte, wie sie sich jeder Anhänger von Achtziger-Jahre-Slasher-Franchises sehnlichst herbeiwünscht. Dass Stuntkoordinator Kane Hodder, der in fünf Filmen hinter der Maske Jason Voorhees' steckte, sich heuer als Victor Crowley ein Stelldichein gibt, ist dabei kein Zufall: Crowleys mutierte Physiognomie weist, ebenso wie sein Gestus als untoter Superkiller, geradezu frappante Ähnlichkeit mit der des späteren Jason auf, wobei seine Latzhose ebenfalls kein schlechtes Identifikationsmerkmal darstellt. In jedem der drei Filme kommt es jeweils zum "Duell" mit einer anderen, darstellerischen Horror-Ikone; in diesem darf es Freddy Krueger sein, der gegen Hodder antreten und verlieren muss. Ein Partyknaller, vordergründig hirnlos, kurz und saumäßig blutig.

7/10

Adam Green Victor Crowley New Orleans Louisiana Sumpf Fluch Slasher Splatter Mardi Gras


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GORGO (Eugène Lourié/UK 1961)


"Is that possible?" - "Yes, it's possible."

Gorgo ~ UK 1961
Directed By: Eugène Lourié

Die beiden Seeleute Joe Ryan (Bill Travers) und Sam Slade (William Sylvester) entdecken vor der irischen Westküste ein riesiges Ungeheuer, das offenbar durch einen unterseeischen Vulkanausbruch hochgeschreckt wurde. Sie schaffen es, das Biest zu fangen und an einen Londoner Zirkusbesitzer (Martin Benson) zu verscherbeln, der es 'Gorgo' tauft und als Sensation in seiner Menagerie zur Schau stellt. Als die skeptischen Wissenschaftler der Universität zu Dublin ihre Warnungen aussprechen, ist es bereits geschehen: Gorgo ist lediglich ein Jungtier, dessen noch vielfach größere Mutter sich bereits zur Rettung ihres Kleinen Richtung London aufmacht und alles, was ihr den Weg versperrt, in Schutt und Asche legt. Als Mutter und Kind vereint sind, kehren sie friedlich ins Meer zurück, eine Schneise der Verwüstung hinter sich lassend.

Diverse Monsterfilme von "King Kong" über Louriés eigenen "The Beast From 20,000 Fathoms" standen Pate für diesen schönen, britischen Genre-Epigonen, der auf stop motion verzichtet und stattdessen mit monster suit und prima Rückprojektionen seinen stoffeligen Charme entwickelt. Speziell das Finale, in dem Gorgos Mutter die wichtigsten Londoner Wahrzeichen kaputthaut und in dem die nächtliche Stadt von Explosionen, Feuerschein und Neonreklamen eingefärbt und erhellt wird, ist visuell durchaus beeindruckend geraten. Zusätzlich besprochen wird der Monster-Amok von einem rhetorisch gar vollblütigen Fernsehmann, der die Attacken des Tieres mindestens so blumig kommentiert wie ein WM-Finale. Ein Film, den ganz besonders die kleinen und großen Kinder des Atomzeitalters lieben dürften.

7/10

Eugène Lourié Monster Irland London Zirkus


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I SPIT ON YOUR GRAVE 2 (Steven R. Monroe/USA 2013)


"You'll enjoy this."

I Spit On Your Grave 2 ~ USA 2013
Directed By: Steven R. Monroe

Die hübsche, junge und selbstbewusste New Yorkerin Katie (Jemma Dallender) ist auf der Suche nach einem ernsthaften Engagement als Fotomodell. Als sie an den zwielichtigen Fotografen Ivan (Joe Absolom) gerät, bedeutet dies den Auftakt einer Reise in die Hölle: Ivans Freund, der emotional gestörte Georgy (Yavor Baharov) stellt Katie nach, vergewaltigt sie schließlich in ihrer Wohnung und tötet den Hausmeister (Michael Dixon). Nachdem Ivan und der Dritte im Bunde, Nicolay (Aleksandar Aleksiev), herbeigerufen sind, setzt man Katie unter Drogen. Sie erwacht in einem schmutzigen Keller, bereits vielfach vergewaltigt und anderweitig erniedrigt. Als ihr die Flucht gelingt, stellt sie fest, dass man sie nach Sofia verschleppt hat und die vermeintlichen Fotografen Menschenhändler sind, die im Auftrage der vorgeblichen Frauenaktivistin Ana (Mary Stockley) arbeiten. Nach einer letzten furchtbaren Folter soll Katie "entsorgt" werden, doch wie durch ein Wunder kann sie fliehen. Ihre Rache ist furchtbar.

Kein Sequel im eigentlichen Sinne, sondern eine Variation des ebenfalls von Monroe inszenierten Vorgängers. Wie dieser macht auch "I Spit On You Grave 2" keine Gefangenen, tatsächlich legt er sogar noch ein Schippchen drauf. Sorgsam in zwei Hälften gesplittet, steht die erste ganz im Zeichen von Exposition, Gefangennahme und Vergewaltigungsfolter an Katie, die zweite dann gehört ganz ihrer katalytischen, göttlich legitimierten Rache, die natürlich auch für den Rezipienten von einigem kathartischen Wert ist. Wie es sich für Filme dieses Sujets ziemt, spielt Monroe heftigst auf der Gefühls- und Ertragensklaviatur seines Publikums, lässt Katie in einem furchtbarten Passionsspiel entblößt und erniedrigt durch alle Demütigungshöllen wandeln, nur um sie dann mit vielfach potenzierter Härte zurückschlagen zu lassen. Die Methoden, derer sie sich dabei bedient, zeugen von einiger abgründiger Kreativität und sollen an dieser Stelle nicht breitgetreten werden.
Von kontroversem Potenzial ist Monroes Film natürlich in multipler Hinsicht: Einmal mehr im torture porn finden sich die Wurzeln allen Bösen in Osteuropa lokalisiert, im als zivilisationsfern veräußerten Umbruchsland, in dem Recht und Ordnung vor der Menschenverachtung kuschen und einem zum Überleben nur der Griff zur Selbstjustiz bleibt. Auch die von Monroe mittels suggestivster Methoden evozierte Auge-um-Auge-Moral, die er gewissermaßen noch theistisch legitimiert, mag sich als recht fragwürdig kategorisiert finden. Doch wie immer in solchen Fällen gilt ohnehin: Wer sanften Gemütes ist und dem sadistischen Schweinhund in sich nicht manchmal Zunder geben muss, der braucht sich auch "I Spit On Your Grave 2" nicht anzusehen und kann auf dementsprechende Apologien sicherlich getrost verzichten. Ich Sau hingegen warte insgeheim und kalt lächelnd bereits auf Teil 3, diesmal vielleicht in... der Ukraine?

6/10

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BLUE SUNSHINE (Jeff Lieberman/USA 1978)


"I'll get your Wayne! He's gone crazy from that acid you sold him, and so did your wife!"

Blue Sunshine ~ USA 1978
Directed By: Jeff Lieberman

Nachdem sein bester Freund Frannie (Richard Crystal) auf seiner eigenen Party durchgedreht ist, einen der weiblichen Gäste in den offenen Kamin geschubst hat und hernach auf der Flucht von einem Auto überfahren wird, gilt zunächst der ahnungslose Jerry Zipkin (Zalman King) als verdächtig. Doch Jerry kann und will sich damit nicht einfach abfinden: Wieso trug Frannie eine Perücke über einer gut versteckten Glatze? Und woher stammte seine urplötzlich auftretende Raserei? Bald erfährt Jerry von ähnlichen Fällen, die sich allesamt in der Person des im Wahlkampf befindlichen, künftigen congressman Ed Flemming (Mark Goddard) führen: Dieser hat offensichtlich vor zehn Jahren in Stanford einen LSD-Verschnitt namens 'Blue Sunshine' an diverse ahnungslose Konsumenten verhökert, die es nun mit dem Langzeiteffekt zu tun bekommen...

Insgesamt ein feiner zweiter (Lang-)Film des mittlerweile leider nurmehr rar arbeitenden Jeff Lieberman, hier und da ungeachtete seines Minimalbudgets jedoch auch versehen mit mancher Kritikschanze. Dass "Blue Sunshine" heute anmutet wie ein früher, etwas kantenloserer Cronenberg, ist okay, in diesem Punkt ist Lieberman sicherlich kein Vorwurf zu machen. Der aufstrebende Politiker als insgeheimer Schweinhund mit finsterer Drogendealer-Vergangenheit, auch das ist, wenn schon wenig innovativ, so dennoch eine probate Idee zur Plotentschlüsselung. Dann aber ergeben sich hier und da auch manche, zumeist inhaltlich bedingte, lose Enden: Jerry scheint irgendeine Art von PSI-Kräften zu besitzen, er kann Tatort-Szenarien nachempfinden und Gefahren vorausahnen - ein Faktum, das der Zuschauer allerdings als gegeben und ohne weitere Erklärungsnöte tolerieren muss. Auch die Rolle von Jerrys Doktorkumpel Blume (Robert Walden) bleibt mysteriös: Ist er nun selbst ein ehemaliger "Blue-Sunshine"-Konsument oder einfach nur so etwas durch den Wind? Zudem erscheinen die (zumindest wenigen) Actionsequenzen ziemlich unbeholfen und wie unter Zwang inszeniert. Man spürt deutlich, dass dies Liebermans Sache nicht war. Der Film bleibt alles in allem unter seinen Möglichkeiten.
Dennoch, bei aller, sich zugegebenermaßen sehr verwöhnt darstellenden, obigen Nörgelei meinerseits sticht "Blue Sunshine" markant aus dem damaligen Genregros heraus und ist noch heute sehr sehenswert, zumal als satirische kolorierte Abrechnung mit hohlen 68er-Träumereien.

7/10

Jeff Lieberman Drogen LSD Los Angeles Independent


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PET SEMATARY (Mary Lambert/USA 1989)


"The soil in a man's heart is stonier..."

Pet Sematary (Friedhof der Kuscheltiere) ~ USA 1989
Directed By: Mary Lambert

Der junge Mediziner Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Frau Rachel (Denise Crosby) und seinen beiden Kindern Ellie (Blaze Berdahl) und Gage (Miko Hughes) in ein idyllisches Häuschen in Neuengland. Einzig die unentwegt von LKW befahrene Straße vor dem Grundstück stört den ländlichen Frieden - und das, wie Louis erfährt, bereits seit Jahrzehnten: Sein alter Nachbar Judd Crandall (Fred Gwynne) nämlich präsentiert ihm und seiner Familie einen im Wald gelegenen Tierfriedhof, auf dem die im Laufe der Jahre überfahrenen Haustiere der Gegend begraben liegen. Als auch Ellies Kater Church überfahren wird, entschließt sich Judd zur Offenbarung eines weiteren Geheimnisses: Jenseits des Tierfriedhofs gibt es noch eine schwer zugängliche, geheime Begräbnisstätte der Míkmaq-Indianer, die, wie Judd weiß, ihre dort bestatteten Toten wieder auferstehen lässt. Allerdings sind sie danach nicht mehr dieselben, sondern von Tod und Wahn gezeichnet. Louis wagt der noch unwissenden Ellie zuliebe das Experiment und tatsächlich kehrt Church am folgenden Tag zurück. Als dann auch der kleine Gage von einem Lastwagen überfahren wird, erwächst in Louis' Kopf eine unheilige Idee mit tödlichen Folgen...

Wenn ich von "gelungenen King-Adaptionen" spreche, dann möge man mich nicht missverstehen, diese Kategorisierung bezieht sich nach meinem Verständnis nämlich lediglich darauf, wie mir der entsprechende Film gefallen hat und nicht, wie wohl eigentlich anzunehmen wäre, auf das Maß an Kongenialität des verfilmten Stoffs hinsichtlich der Vorlage. Wie mehrfach erwähnt, bin ich alles andere als ein großer Apologet king'scher Literatur, sehr wohl jedoch der meisten der (im Kino gelaufenen) Verfilmungen. "Pet Sematary" von Mary Lambert halte ich, mit Ausnahme der beiden Auteur-Filme "Carrie" und "The Shining", für die bis dato beste Adaption eines King-Romans, wohlwissend, dass er hierfür selbst das Script verfasst hat - eine Tätigkeit, der er sich häufiger hätte widmen sollen, anstatt überdimensionierte Wälzer zu ersinnen. Der Film besitzt nicht nur eine unikale Atmosphäre des Morbiden, er stellt zugleich auch eine im Rahmen eines Genrefilms denkbar geglückte, sensible Verhandlk mit dem Thema 'Tod' dar, mit der Akzeptanz des Unvermeidlichen und dem notwendigen Lernprozess, um damit umgehen zu können. Der knarzige alte Crandall, von Fred 'Herman Munster' Gwynne mustergültig gespielt, versucht, den noch unerfahrenen Familiengründer Louis Creed anzuleiten, als es darum geht, seiner langsam nachfragenden Tochter den Tod auseinanderzusetzen. Leider erweist sich Crandalls gut gemeinte Hilfe als im Nachhinein tragisch kontraproduktiv. Zeitgleich kommt aus dem Geisterreich die Hilfe des Unfallopfers Victor Pascow (Brad Greenquist), der Louis unter den Händen weggestorben ist. Doch irgendwann begreift auch der tote Victor: Einen zu allem entschlossenen, liebenden Familienvater kann man nicht missionieren. Die von Mary Lambert höchst suggestiv fabrizierten Bilder von Rachels entstellter Schwester Zelda und später die des wiedergekehrten kleinen Gage wirken auf mich noch immer tief und nach. Und zum Abschluss dann, bang, die Ramones. Ein rundum famoser Film, wie gesagt.

9/10

Mary Lambert Maine Stephen King Zombies Familie Tod Friedhof


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SALEM'S LOT (Tobe Hooper/USA 1979)


"You'll enjoy Mr. Barlow. And he'll enjoy you."

Salem's Lot (Brennen muss Salem) ~ USA 1979
Directed By: Tobe Hooper

Der Autor Ben Mears (David Soul) kehrt in sein Geburtsstädtchen Salem's Lot in Maine zurück. Aus einem unerfindlichen Grund beschäftigt ihn das alte Marsten-Landhaus, in dem Ben schon als Kind ein geisterhaftes Erlebnis hatte. Zeitgleich mit Ben kommen zwei weitere neue Zuzieher nach Salem's Lot, die ausgerechnet das Marsten-Haus beziehen und einen Antiquitätenladen in der Stadt eröffnen: Der alte Straker (James Mason) und sein Kompagnon Mr. Barlow (Reggie Nalder), den allerdings niemand zu Gesicht bekommt. Es kommt zu unerklärlichen Todes- und Krankheitsfällen, die der örtliche, bodenständige Internist Dr. Norton (Ed Flanders) allesamt auf eine plötzlich auftretende Anämie zurückführt. Für Ben, seinen früheren Lehrer Mr. Burke (Lew Ayres) und den sich für übersinnliche Phänomene begeisternden, jungen Mark (Lance Kerwin) wird jedoch bald eine böse Ahnung zur Gewissheit: Barlow ist ein Vampir und Straker sein humaner Gehilfe. Zusammen wollen sie Salem's Lot in eine Stadt der Untoten verwandeln...

"Salem's Lot" bildete die zweite Adaption eines Stephen-King-Romans nach De Palmas "Carrie" und begründete die lange, bis heute anhaltende Tradition überlanger TV-Verfilmungen seiner Bücher. Was mich anbelangt, so ist Hoopers Film neben vielleicht noch "It" von Tommy Lee Wallace zugleich auch die einzige wirklich sehenswerte Mini-Serie nach King geblieben; wobei ich hinzufügend einräumen muss, dass ich die jüngeren eigentlich stets stoisch gemieden habe. Schon "Salem's Lot" weist infolge seiner stattlichen Spielzeit nämlich ebendas auf, was mich bei Kings Geschriebenem fast immer stört: Eine ellenlange Exposition mit allzu großzügiger Einführung kleinstädtischer Figuren und Beziehungsgeflechte. Die meisten mag dieser Hang zu gezielter Milieuobservierung ja reizen, ich empfand sie im Rahmen klassischer Genreliteratur hingegen schon immer als hinderlich und überflüssig. Hooper jedoch bringt das Kunststück fertig, die Atmosphäre, die das damalige US-Horrorkino eigentlich durchweg auszuzeichnen pflegte -, eine bleierne Ernsthaftigkeit mit latent apokalyptischem Touch nämlich -, auf sein Fernsehstück zu übertragen. "Salem's Lot", der sich umweglos als modernisierte "Dracula"-Variation identifizieren lässt, erhebt sich recht mühelos über den traditionellen TV-Stil. Gäbe es die typischen, teleplay-verpflichteten Szenenwechsel mit Ab-und Aufblenden, die die Werbepausen suggerieren, nicht, der Film wäre durchaus gut im Kino aufgehoben gewesen.
Besonders toll sind die zombieesken Vampirmasken geworden, die ihre Träger noch immer schön bedrohlich wirken lassen: allen voran den stumm bleibenden Reggie Nalder, schon unmaskiert ein physiognomischer Alb, in einer schicken "Nosferatu"-Hommage. Trotz seiner minimalen Einsätze überstrahlt er den gesamten Film.

7/10

Tobe Hooper TV-Film Maine Kleinstadt Vampire Stephen King TV-Fassung


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BIGFOOT: THE LOST COAST TAPES (Corey Grant/USA 2012)


"This is NOT Bigfoot!"

Bigfoot: The Lost Coast Tapes (Bigfoot - Blutrausch einer Legende) ~ USA 2012
Directed By: Corey Grant

Zusammen mit seiner Exfreundin Robyn (Ashley Wood) und den zwei Technikern Kevin (Noah Weisberg) und Darryl (Rich McDonald) macht sich der Investigativjournalist Sean Reynolds (Drew Rausch) auf den Weg an die nordkalifornische Pazifikküste. Hier will der Jäger Carl Drybeck (Frank Ashmore) die Leiche eines Bigfoot gefunden und gehortet haben. Am Ziel angekommen, wirkt Rybecks geheimnistuerische Art höchst verdächtig auf Sean und seine Kollegen - man verdächtigt den Alten der windigen Geschäftemacherei. Doch die folgenden Ereignisse strafen die unwissenden, jungen Leute Lügen - zumal nicht der Bigfoot auf Blutfang aus ist...

Der Bigfoot oder Sasquatch ist bekanntermaßen Ausgangspunkt für eine der letzten Mythenfabeln, die immer mal wieder für eine Episode bei Dan Aykroyds "Bullshit Or Not" oder für kleine, billige Genrebeiträge wie den vorliegenden herhalten muss. Zudem stellt er nach wie vor den ersten und einzigen Einbruch phantastischer Elemte in das "???"-Universum dar (in meiner ewigen Lieblingsfolge Nr. 14, "Die ??? und das Bergmonster"), was etwas heißen soll, denn die drei findigen Jungs aus Rocky Beach haben bisher noch jeden Spuk als groben Unfug entlarvt. Nur - jaha, nur den Bigfoot nicht!
Nun hatte ich meinerseits mal wieder Lust auf ein bisschen Found-Footage-Zeug und entschied mich - zumal als alter Campfire-Tale-Lover sowie nicht zuletzt in Ermangelung ratsamerer Alternativen - für den nicht sonderlich beleumundeten "Bigfoot: The Lost Coast Tapes". Das zunehmend wacklige Subgenre, das ja mittlerweile prinzipiell jedem dahergelaufenen Garagenregisseur die Möglichkeit bietet, sich kreativ auszutoben, konnte mir Grants Film nicht verderben. Tatsächlich fand ich zuvorderst, die Story klänge ganz vielversprechend; ein wenig folkloristischer Grausel in der Art von "Trolljegeren" oder so. Damit wäre ich denn auch hinreichend glücklich geworden. Zuviel an "Bigfoot: The Lost Coast Tapes" ist jedoch bloß hübsch an- aber leider nicht zu Ende gedacht worden. Dies bezieht sich auf formale wie inhaltliche Entscheidungen. Um verschiedene Schauplätze darstellen und so bestimmte Storyfaktoren kulminativ gegeneinander schneiden zu können, bedient sich Grant etwa des lauen Tricks, einfach jedem Darsteller seine eigene Kamera in die Hand zu geben, was gewissermaßen dem Sinn solcher Filmexperimente doch arg zuwiderläuft. Die hübsche Postmontage wirkt denn auch nochmal zusätzlich "unsachlich". Hinzu kommen weithin uninteressante Figuren gespielt von mauen Chargen, die einen mit ihrer schablonenhaften Präsentation irgendwann nurmehr einen Kehrricht scheren. Und: Der nahezu vollkommene Verzicht auf F/X, der sich allerdings, im Gegensatz zu ihrem probaten Unterlassen bei "The Blair Witch Project", als wiederum stark kontraproduktiv erweist. Zumal man es hier angeblich nicht nur mit Bigfoots (oder heißt es 'Bigfeet'...?) zu tun bekommt, sondern auch mit irgendwelchen mysteriösen Naturdämonen, die als die ewigen, bösen Gegenspieler der naturliebenden Waldprimaten gezeichnet werden. Entsprechend gern hätte man doch einen, zwei der jeweiligen Speziesvertreter gern mal gesichtet, herrje. Jedoch allein, man erblickt nur des Lichtes hellen Schein. Das reicht nicht ganz für wahrhaftig anmutende Found-Footage-Kost. Nächstes Mal bitte etwas mehr Sachverstand, Mr. Grant.

4/10

Corey Grant found footage embedded filming Kalifornien Bigfoot Wald Independent Dämon