Zum Inhalt wechseln


In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


Foto

GORGO (Eugène Lourié/UK 1961)


"Is that possible?" - "Yes, it's possible."

Gorgo ~ UK 1961
Directed By: Eugène Lourié

Die beiden Seeleute Joe Ryan (Bill Travers) und Sam Slade (William Sylvester) entdecken vor der irischen Westküste ein riesiges Ungeheuer, das offenbar durch einen unterseeischen Vulkanausbruch hochgeschreckt wurde. Sie schaffen es, das Biest zu fangen und an einen Londoner Zirkusbesitzer (Martin Benson) zu verscherbeln, der es 'Gorgo' tauft und als Sensation in seiner Menagerie zur Schau stellt. Als die skeptischen Wissenschaftler der Universität zu Dublin ihre Warnungen aussprechen, ist es bereits geschehen: Gorgo ist lediglich ein Jungtier, dessen noch vielfach größere Mutter sich bereits zur Rettung ihres Kleinen Richtung London aufmacht und alles, was ihr den Weg versperrt, in Schutt und Asche legt. Als Mutter und Kind vereint sind, kehren sie friedlich ins Meer zurück, eine Schneise der Verwüstung hinter sich lassend.

Diverse Monsterfilme von "King Kong" über Louriés eigenen "The Beast From 20,000 Fathoms" standen Pate für diesen schönen, britischen Genre-Epigonen, der auf stop motion verzichtet und stattdessen mit monster suit und prima Rückprojektionen seinen stoffeligen Charme entwickelt. Speziell das Finale, in dem Gorgos Mutter die wichtigsten Londoner Wahrzeichen kaputthaut und in dem die nächtliche Stadt von Explosionen, Feuerschein und Neonreklamen eingefärbt und erhellt wird, ist visuell durchaus beeindruckend geraten. Zusätzlich besprochen wird der Monster-Amok von einem rhetorisch gar vollblütigen Fernsehmann, der die Attacken des Tieres mindestens so blumig kommentiert wie ein WM-Finale. Ein Film, den ganz besonders die kleinen und großen Kinder des Atomzeitalters lieben dürften.

7/10

Eugène Lourié Monster Irland London Zirkus


Foto

I SPIT ON YOUR GRAVE 2 (Steven R. Monroe/USA 2013)


"You'll enjoy this."

I Spit On Your Grave 2 ~ USA 2013
Directed By: Steven R. Monroe

Die hübsche, junge und selbstbewusste New Yorkerin Katie (Jemma Dallender) ist auf der Suche nach einem ernsthaften Engagement als Fotomodell. Als sie an den zwielichtigen Fotografen Ivan (Joe Absolom) gerät, bedeutet dies den Auftakt einer Reise in die Hölle: Ivans Freund, der emotional gestörte Georgy (Yavor Baharov) stellt Katie nach, vergewaltigt sie schließlich in ihrer Wohnung und tötet den Hausmeister (Michael Dixon). Nachdem Ivan und der Dritte im Bunde, Nicolay (Aleksandar Aleksiev), herbeigerufen sind, setzt man Katie unter Drogen. Sie erwacht in einem schmutzigen Keller, bereits vielfach vergewaltigt und anderweitig erniedrigt. Als ihr die Flucht gelingt, stellt sie fest, dass man sie nach Sofia verschleppt hat und die vermeintlichen Fotografen Menschenhändler sind, die im Auftrage der vorgeblichen Frauenaktivistin Ana (Mary Stockley) arbeiten. Nach einer letzten furchtbaren Folter soll Katie "entsorgt" werden, doch wie durch ein Wunder kann sie fliehen. Ihre Rache ist furchtbar.

Kein Sequel im eigentlichen Sinne, sondern eine Variation des ebenfalls von Monroe inszenierten Vorgängers. Wie dieser macht auch "I Spit On You Grave 2" keine Gefangenen, tatsächlich legt er sogar noch ein Schippchen drauf. Sorgsam in zwei Hälften gesplittet, steht die erste ganz im Zeichen von Exposition, Gefangennahme und Vergewaltigungsfolter an Katie, die zweite dann gehört ganz ihrer katalytischen, göttlich legitimierten Rache, die natürlich auch für den Rezipienten von einigem kathartischen Wert ist. Wie es sich für Filme dieses Sujets ziemt, spielt Monroe heftigst auf der Gefühls- und Ertragensklaviatur seines Publikums, lässt Katie in einem furchtbarten Passionsspiel entblößt und erniedrigt durch alle Demütigungshöllen wandeln, nur um sie dann mit vielfach potenzierter Härte zurückschlagen zu lassen. Die Methoden, derer sie sich dabei bedient, zeugen von einiger abgründiger Kreativität und sollen an dieser Stelle nicht breitgetreten werden.
Von kontroversem Potenzial ist Monroes Film natürlich in multipler Hinsicht: Einmal mehr im torture porn finden sich die Wurzeln allen Bösen in Osteuropa lokalisiert, im als zivilisationsfern veräußerten Umbruchsland, in dem Recht und Ordnung vor der Menschenverachtung kuschen und einem zum Überleben nur der Griff zur Selbstjustiz bleibt. Auch die von Monroe mittels suggestivster Methoden evozierte Auge-um-Auge-Moral, die er gewissermaßen noch theistisch legitimiert, mag sich als recht fragwürdig kategorisiert finden. Doch wie immer in solchen Fällen gilt ohnehin: Wer sanften Gemütes ist und dem sadistischen Schweinhund in sich nicht manchmal Zunder geben muss, der braucht sich auch "I Spit On Your Grave 2" nicht anzusehen und kann auf dementsprechende Apologien sicherlich getrost verzichten. Ich Sau hingegen warte insgeheim und kalt lächelnd bereits auf Teil 3, diesmal vielleicht in... der Ukraine?

6/10

Steven R. Monroe Sequel New York Bulgarien Sofia torture porn Rache Terrorfilm Vergewaltigung Rape & Revenge


Foto

BLUE SUNSHINE (Jeff Lieberman/USA 1978)


"I'll get your Wayne! He's gone crazy from that acid you sold him, and so did your wife!"

Blue Sunshine ~ USA 1978
Directed By: Jeff Lieberman

Nachdem sein bester Freund Frannie (Richard Crystal) auf seiner eigenen Party durchgedreht ist, einen der weiblichen Gäste in den offenen Kamin geschubst hat und hernach auf der Flucht von einem Auto überfahren wird, gilt zunächst der ahnungslose Jerry Zipkin (Zalman King) als verdächtig. Doch Jerry kann und will sich damit nicht einfach abfinden: Wieso trug Frannie eine Perücke über einer gut versteckten Glatze? Und woher stammte seine urplötzlich auftretende Raserei? Bald erfährt Jerry von ähnlichen Fällen, die sich allesamt in der Person des im Wahlkampf befindlichen, künftigen congressman Ed Flemming (Mark Goddard) führen: Dieser hat offensichtlich vor zehn Jahren in Stanford einen LSD-Verschnitt namens 'Blue Sunshine' an diverse ahnungslose Konsumenten verhökert, die es nun mit dem Langzeiteffekt zu tun bekommen...

Insgesamt ein feiner zweiter (Lang-)Film des mittlerweile leider nurmehr rar arbeitenden Jeff Lieberman, hier und da ungeachtete seines Minimalbudgets jedoch auch versehen mit mancher Kritikschanze. Dass "Blue Sunshine" heute anmutet wie ein früher, etwas kantenloserer Cronenberg, ist okay, in diesem Punkt ist Lieberman sicherlich kein Vorwurf zu machen. Der aufstrebende Politiker als insgeheimer Schweinhund mit finsterer Drogendealer-Vergangenheit, auch das ist, wenn schon wenig innovativ, so dennoch eine probate Idee zur Plotentschlüsselung. Dann aber ergeben sich hier und da auch manche, zumeist inhaltlich bedingte, lose Enden: Jerry scheint irgendeine Art von PSI-Kräften zu besitzen, er kann Tatort-Szenarien nachempfinden und Gefahren vorausahnen - ein Faktum, das der Zuschauer allerdings als gegeben und ohne weitere Erklärungsnöte tolerieren muss. Auch die Rolle von Jerrys Doktorkumpel Blume (Robert Walden) bleibt mysteriös: Ist er nun selbst ein ehemaliger "Blue-Sunshine"-Konsument oder einfach nur so etwas durch den Wind? Zudem erscheinen die (zumindest wenigen) Actionsequenzen ziemlich unbeholfen und wie unter Zwang inszeniert. Man spürt deutlich, dass dies Liebermans Sache nicht war. Der Film bleibt alles in allem unter seinen Möglichkeiten.
Dennoch, bei aller, sich zugegebenermaßen sehr verwöhnt darstellenden, obigen Nörgelei meinerseits sticht "Blue Sunshine" markant aus dem damaligen Genregros heraus und ist noch heute sehr sehenswert, zumal als satirische kolorierte Abrechnung mit hohlen 68er-Träumereien.

7/10

Jeff Lieberman Drogen LSD Los Angeles Independent


Foto

PET SEMATARY (Mary Lambert/USA 1989)


"The soil in a man's heart is stonier..."

Pet Sematary (Friedhof der Kuscheltiere) ~ USA 1989
Directed By: Mary Lambert

Der junge Mediziner Louis Creed (Dale Midkiff) zieht mit seiner Frau Rachel (Denise Crosby) und seinen beiden Kindern Ellie (Blaze Berdahl) und Gage (Miko Hughes) in ein idyllisches Häuschen in Neuengland. Einzig die unentwegt von LKW befahrene Straße vor dem Grundstück stört den ländlichen Frieden - und das, wie Louis erfährt, bereits seit Jahrzehnten: Sein alter Nachbar Judd Crandall (Fred Gwynne) nämlich präsentiert ihm und seiner Familie einen im Wald gelegenen Tierfriedhof, auf dem die im Laufe der Jahre überfahrenen Haustiere der Gegend begraben liegen. Als auch Ellies Kater Church überfahren wird, entschließt sich Judd zur Offenbarung eines weiteren Geheimnisses: Jenseits des Tierfriedhofs gibt es noch eine schwer zugängliche, geheime Begräbnisstätte der Míkmaq-Indianer, die, wie Judd weiß, ihre dort bestatteten Toten wieder auferstehen lässt. Allerdings sind sie danach nicht mehr dieselben, sondern von Tod und Wahn gezeichnet. Louis wagt der noch unwissenden Ellie zuliebe das Experiment und tatsächlich kehrt Church am folgenden Tag zurück. Als dann auch der kleine Gage von einem Lastwagen überfahren wird, erwächst in Louis' Kopf eine unheilige Idee mit tödlichen Folgen...

Wenn ich von "gelungenen King-Adaptionen" spreche, dann möge man mich nicht missverstehen, diese Kategorisierung bezieht sich nach meinem Verständnis nämlich lediglich darauf, wie mir der entsprechende Film gefallen hat und nicht, wie wohl eigentlich anzunehmen wäre, auf das Maß an Kongenialität des verfilmten Stoffs hinsichtlich der Vorlage. Wie mehrfach erwähnt, bin ich alles andere als ein großer Apologet king'scher Literatur, sehr wohl jedoch der meisten der (im Kino gelaufenen) Verfilmungen. "Pet Sematary" von Mary Lambert halte ich, mit Ausnahme der beiden Auteur-Filme "Carrie" und "The Shining", für die bis dato beste Adaption eines King-Romans, wohlwissend, dass er hierfür selbst das Script verfasst hat - eine Tätigkeit, der er sich häufiger hätte widmen sollen, anstatt überdimensionierte Wälzer zu ersinnen. Der Film besitzt nicht nur eine unikale Atmosphäre des Morbiden, er stellt zugleich auch eine im Rahmen eines Genrefilms denkbar geglückte, sensible Verhandlk mit dem Thema 'Tod' dar, mit der Akzeptanz des Unvermeidlichen und dem notwendigen Lernprozess, um damit umgehen zu können. Der knarzige alte Crandall, von Fred 'Herman Munster' Gwynne mustergültig gespielt, versucht, den noch unerfahrenen Familiengründer Louis Creed anzuleiten, als es darum geht, seiner langsam nachfragenden Tochter den Tod auseinanderzusetzen. Leider erweist sich Crandalls gut gemeinte Hilfe als im Nachhinein tragisch kontraproduktiv. Zeitgleich kommt aus dem Geisterreich die Hilfe des Unfallopfers Victor Pascow (Brad Greenquist), der Louis unter den Händen weggestorben ist. Doch irgendwann begreift auch der tote Victor: Einen zu allem entschlossenen, liebenden Familienvater kann man nicht missionieren. Die von Mary Lambert höchst suggestiv fabrizierten Bilder von Rachels entstellter Schwester Zelda und später die des wiedergekehrten kleinen Gage wirken auf mich noch immer tief und nach. Und zum Abschluss dann, bang, die Ramones. Ein rundum famoser Film, wie gesagt.

9/10

Mary Lambert Maine Stephen King Zombies Familie Tod Friedhof


Foto

SALEM'S LOT (Tobe Hooper/USA 1979)


"You'll enjoy Mr. Barlow. And he'll enjoy you."

Salem's Lot (Brennen muss Salem) ~ USA 1979
Directed By: Tobe Hooper

Der Autor Ben Mears (David Soul) kehrt in sein Geburtsstädtchen Salem's Lot in Maine zurück. Aus einem unerfindlichen Grund beschäftigt ihn das alte Marsten-Landhaus, in dem Ben schon als Kind ein geisterhaftes Erlebnis hatte. Zeitgleich mit Ben kommen zwei weitere neue Zuzieher nach Salem's Lot, die ausgerechnet das Marsten-Haus beziehen und einen Antiquitätenladen in der Stadt eröffnen: Der alte Straker (James Mason) und sein Kompagnon Mr. Barlow (Reggie Nalder), den allerdings niemand zu Gesicht bekommt. Es kommt zu unerklärlichen Todes- und Krankheitsfällen, die der örtliche, bodenständige Internist Dr. Norton (Ed Flanders) allesamt auf eine plötzlich auftretende Anämie zurückführt. Für Ben, seinen früheren Lehrer Mr. Burke (Lew Ayres) und den sich für übersinnliche Phänomene begeisternden, jungen Mark (Lance Kerwin) wird jedoch bald eine böse Ahnung zur Gewissheit: Barlow ist ein Vampir und Straker sein humaner Gehilfe. Zusammen wollen sie Salem's Lot in eine Stadt der Untoten verwandeln...

"Salem's Lot" bildete die zweite Adaption eines Stephen-King-Romans nach De Palmas "Carrie" und begründete die lange, bis heute anhaltende Tradition überlanger TV-Verfilmungen seiner Bücher. Was mich anbelangt, so ist Hoopers Film neben vielleicht noch "It" von Tommy Lee Wallace zugleich auch die einzige wirklich sehenswerte Mini-Serie nach King geblieben; wobei ich hinzufügend einräumen muss, dass ich die jüngeren eigentlich stets stoisch gemieden habe. Schon "Salem's Lot" weist infolge seiner stattlichen Spielzeit nämlich ebendas auf, was mich bei Kings Geschriebenem fast immer stört: Eine ellenlange Exposition mit allzu großzügiger Einführung kleinstädtischer Figuren und Beziehungsgeflechte. Die meisten mag dieser Hang zu gezielter Milieuobservierung ja reizen, ich empfand sie im Rahmen klassischer Genreliteratur hingegen schon immer als hinderlich und überflüssig. Hooper jedoch bringt das Kunststück fertig, die Atmosphäre, die das damalige US-Horrorkino eigentlich durchweg auszuzeichnen pflegte -, eine bleierne Ernsthaftigkeit mit latent apokalyptischem Touch nämlich -, auf sein Fernsehstück zu übertragen. "Salem's Lot", der sich umweglos als modernisierte "Dracula"-Variation identifizieren lässt, erhebt sich recht mühelos über den traditionellen TV-Stil. Gäbe es die typischen, teleplay-verpflichteten Szenenwechsel mit Ab-und Aufblenden, die die Werbepausen suggerieren, nicht, der Film wäre durchaus gut im Kino aufgehoben gewesen.
Besonders toll sind die zombieesken Vampirmasken geworden, die ihre Träger noch immer schön bedrohlich wirken lassen: allen voran den stumm bleibenden Reggie Nalder, schon unmaskiert ein physiognomischer Alb, in einer schicken "Nosferatu"-Hommage. Trotz seiner minimalen Einsätze überstrahlt er den gesamten Film.

7/10

Tobe Hooper TV-Film Maine Kleinstadt Vampire Stephen King TV-Fassung


Foto

BIGFOOT: THE LOST COAST TAPES (Corey Grant/USA 2012)


"This is NOT Bigfoot!"

Bigfoot: The Lost Coast Tapes (Bigfoot - Blutrausch einer Legende) ~ USA 2012
Directed By: Corey Grant

Zusammen mit seiner Exfreundin Robyn (Ashley Wood) und den zwei Technikern Kevin (Noah Weisberg) und Darryl (Rich McDonald) macht sich der Investigativjournalist Sean Reynolds (Drew Rausch) auf den Weg an die nordkalifornische Pazifikküste. Hier will der Jäger Carl Drybeck (Frank Ashmore) die Leiche eines Bigfoot gefunden und gehortet haben. Am Ziel angekommen, wirkt Rybecks geheimnistuerische Art höchst verdächtig auf Sean und seine Kollegen - man verdächtigt den Alten der windigen Geschäftemacherei. Doch die folgenden Ereignisse strafen die unwissenden, jungen Leute Lügen - zumal nicht der Bigfoot auf Blutfang aus ist...

Der Bigfoot oder Sasquatch ist bekanntermaßen Ausgangspunkt für eine der letzten Mythenfabeln, die immer mal wieder für eine Episode bei Dan Aykroyds "Bullshit Or Not" oder für kleine, billige Genrebeiträge wie den vorliegenden herhalten muss. Zudem stellt er nach wie vor den ersten und einzigen Einbruch phantastischer Elemte in das "???"-Universum dar (in meiner ewigen Lieblingsfolge Nr. 14, "Die ??? und das Bergmonster"), was etwas heißen soll, denn die drei findigen Jungs aus Rocky Beach haben bisher noch jeden Spuk als groben Unfug entlarvt. Nur - jaha, nur den Bigfoot nicht!
Nun hatte ich meinerseits mal wieder Lust auf ein bisschen Found-Footage-Zeug und entschied mich - zumal als alter Campfire-Tale-Lover sowie nicht zuletzt in Ermangelung ratsamerer Alternativen - für den nicht sonderlich beleumundeten "Bigfoot: The Lost Coast Tapes". Das zunehmend wacklige Subgenre, das ja mittlerweile prinzipiell jedem dahergelaufenen Garagenregisseur die Möglichkeit bietet, sich kreativ auszutoben, konnte mir Grants Film nicht verderben. Tatsächlich fand ich zuvorderst, die Story klänge ganz vielversprechend; ein wenig folkloristischer Grausel in der Art von "Trolljegeren" oder so. Damit wäre ich denn auch hinreichend glücklich geworden. Zuviel an "Bigfoot: The Lost Coast Tapes" ist jedoch bloß hübsch an- aber leider nicht zu Ende gedacht worden. Dies bezieht sich auf formale wie inhaltliche Entscheidungen. Um verschiedene Schauplätze darstellen und so bestimmte Storyfaktoren kulminativ gegeneinander schneiden zu können, bedient sich Grant etwa des lauen Tricks, einfach jedem Darsteller seine eigene Kamera in die Hand zu geben, was gewissermaßen dem Sinn solcher Filmexperimente doch arg zuwiderläuft. Die hübsche Postmontage wirkt denn auch nochmal zusätzlich "unsachlich". Hinzu kommen weithin uninteressante Figuren gespielt von mauen Chargen, die einen mit ihrer schablonenhaften Präsentation irgendwann nurmehr einen Kehrricht scheren. Und: Der nahezu vollkommene Verzicht auf F/X, der sich allerdings, im Gegensatz zu ihrem probaten Unterlassen bei "The Blair Witch Project", als wiederum stark kontraproduktiv erweist. Zumal man es hier angeblich nicht nur mit Bigfoots (oder heißt es 'Bigfeet'...?) zu tun bekommt, sondern auch mit irgendwelchen mysteriösen Naturdämonen, die als die ewigen, bösen Gegenspieler der naturliebenden Waldprimaten gezeichnet werden. Entsprechend gern hätte man doch einen, zwei der jeweiligen Speziesvertreter gern mal gesichtet, herrje. Jedoch allein, man erblickt nur des Lichtes hellen Schein. Das reicht nicht ganz für wahrhaftig anmutende Found-Footage-Kost. Nächstes Mal bitte etwas mehr Sachverstand, Mr. Grant.

4/10

Corey Grant found footage embedded filming Kalifornien Bigfoot Wald Independent Dämon


Foto

BAD MOON (Eric Red/USA 1996)


"You know you're always welcome here."

Bad Moon ~ USA 1996
Directed By: Eric Red

Nachdem der Naturforscher Ted (Michael Paré) bei einer Reise in den indischen Urwald von einem Werwolf angefallen wurde, hat er sich, zurück in den Staaten, in die tiefen Wälder Washingtons zurückgezogen, um möglichst wenige Menschen zu gefährden. Doch seine allnächtlichen Streifzüge als Monster fordern trotz aller Schutzmaßnahmen stets neue Opfer. Als Teds Schwester Janet (Mariel Hemingway), die allein mit Söhnchen Brett (Mason Gamble) und Schäferhund Thor in einer Kleinstadt nahe Seattle lebt, Ted einlädt, sich mit seinem Trailer in ihrem Garten einzurichten, ahnt sie nicht, dass sie sich damit den Tod ins Haus holt. Einzig Thor weiß um die böse Natur des neuen Hausgasts, doch der auch in Menschengestalt immer durchtriebener agierende Ted sorgt dafür, dass der brave Hund ins Tierasyl kommt...

Sowohl für Freunde von Werwolffilmen als auch für Hundeliebhaber ist "Bad Moon" gleichermaßen ein Geschenk; ich persönlich halte ihn sogar für einen der feinsten Vertreter des lykanthropen Subgenres, insbesondere im Kontext der allgemein vergleichsweise faden Neunziger. Zudem stellt er eine schöne Hommage dar an Hitchcocks "Shadow Of A Doubt", wenngleich unter etwas weniger subtilen Vorzeichen: Der vermeintlich liebe Onkel, dessen janusköpfige, finstere Natur im Verborgenen liegt, kommt ins Haus seiner Schwester. Anstelle der Nichte ist es hier allerdings der treue Schäferhund Thor (nach dem auch die Romanvorlage von Wayne Smith benannt ist), der um die heimliche Natur des Hausgasts weiß und sich gerade dafür unschuldig verbrämt findet. Am Ende wird glücklicherweise alles gut.
"Bad Moon" ist, wie alle Filme von Eric Red, sehr konzentriert und von eigener, zuweilen verschroben wirkender Note, mit einer ungewöhnlich kurzen Laufzeit versehen. Hier und da gibt er sich wie ein paraphrasierter Kinderfilm, insbesondere in der Schilderung der Beziehung zwischen Brett und Thor, macht hinsichtlich seines Effekteinsatzes jedoch keine Gefangenen. Die für die finale Verwandlungsszene bemühten CGI wirken hier und da noch recht unfertig, wie Reds Film auch sonst rasch zur Zielscheibe für übereifrige Kritiker herhalten mag. Ich für meinen Teil lasse mich davon jedoch nicht belullen.

8/10

Eric Red Werwolf Familie Bruder & Schwester Hund Monster


Foto

TOURIST TRAP (David Schmoeller/USA 1979)


"We're going to have a party!"

Tourist Trap ~ USA 1979
Directed By: David Schmoeller

Fünf junge Leute (Jocelyn Jones, Jon Van Ness, Tanya Roberts, Robin Sherwood, Keith McDermott) reisen durch die Provinz. Nach einer Reifenpanne bleiben sie in der Nähe des anseits gelegenen Hauses von Mr. Slausen (Chuck Connors) hängen, der mitten im Nirgendwo ein kleines Wachsfigurenkabinett betreibt. Nach und nach verschwindet einer nach dem anderen aus der Clique und Slausen, der vorbibt, sich um Hilfe zu bemühen und die Kids vor seinem "gefährlichen Bruder" warnt, benimmt sich zunehmend seltsam. Zudem scheinen seine Figuren und Puppen ein merkwürdiges Eigenleben zu führen...

Die Bezeichnung "Tourist Trap" steht ursprünglich für provinzielle Andenkennepper, die an den zahllosen Interstates mit Sehenswürdigkeiten wie dem "Größten Staubkorn der Welt" wetteifern, um entsprechend geneigten Ausflüglern ein paar Kröten aus den Taschen zu jubeln. In Schmoellers wunderbarem kleinen,von einem damals noch freistehenden Charles Band produziertem Horrorfilm gewinnt dieser Name jedoch an verhängnisvoller Zweideutigkeit. Das für die Kinoaufführung erteilte PG-Rating, das dem visuell sehr zurückhaltenden, eher hinterrücks verstörendem Werk seinerzeit auferlegt wurde, sorgte ironischerweise für einen anfänglichen Kasseneinbruch, denn die Kids wollten Blut und Messer. Seinen Klassikerstatus erlangte Schmoellers wohl schönste Arbeit erst im Laufe der Folgejahre, als man nach und nach seines wahren Potenzials gewahr wurde. Chuck Connors als gestörter Backwood-Psycho, der augenscheinlich über telekinetische und Bauchredner-Fähigkeiten verfügt, ist in der Rolle seines Lebens zu sehen. Lustvoll gestaltet er den Part des ebenso schizophrenen wie sadistischen Psychotikers, der seine Opfer ersteinmal heftigst in Panik zu versetzen versteht, bevor er sie dann seiner Sammlung einverleibt. Ganz famos auch die deutsche Synchronfassung, in der Arnold Marquis auf Connors eine meisterhafte Kostprobe seines stimmlichen Könnens zum Besten gibt.
Was in Slausens Gestaden wirklich vorgeht; ob die Puppen ein unseliges Eigenleben führen oder nur durch die Kräfte ihres Herrn und Meisters in Bewegung und Gelächter versetzt werden, bleibt bis zum Ende unklar. Gut so, denn gerade diese vagen, leisen Vermutungen machen "Tourist Trap" so schön bedrohlich und anders als den Rest.

8/10

David Schmoeller Backwood Terrorfilm Charles Band Madness Slasher Serienmord Puppen


Foto

THE FACULTY (Robert Rodriguez/USA 1998)


"I don't think that a person should run unless he's being chased."

The Faculty ~ USA 1998
Directed By: Robert Rodriguez

Die Herrington High in Ohio wird zum Ausgangspunkt einer Alien-Invasion. Als erster bemerkt der als Klassenarsch verschriene Casey Connor (Elijah Wood), dass das Lehrerkollegium sich in auffallender Weise verändert: Das zuvor ratlose und eher resignierende Lehrpersonal gibt sich nämlich urplötzlich aufgeweckt und offensiv. Da kann was nicht stimmen! Zusammen mit fünf Mitschülern (Josh Hartnett, Clea DuVall, Sjawn Hatosy, Jordana Brewster, Laura Harris) entschließt sich Casey, gegen die sich rasant ausbreitende, außerirdische Körperübernahme vorzugehen: mit eigens gekochten Drogen als patentiertes Allheilmittel!

Nicht nur auf den zweiten Blick frönt Horror-Hughes Kevin Williamson in "The Faculty" wieder seinem ureigenen Teenager-Vivisektionsauftrag, der mit den üblichen popkulturellen Avancen hausiert. In diesem Fall sind Heinlein und Finney, die Ersinner der 'Puppet Masters' und der 'Body Snatchers', Pflichtlektüre für den im Anti-Invasionskampf bewanderten, jugendlichen Connaisseur-Guerilla. Die schleimigen Tentakelwesen mitsamt recht früh offensichtlich getarntem Oberboss sind allerdings sowieso die heimlichen Stars des Ganzen. Ansonsten gestaltet sich "The Faculty" als ziemlich offensichtlich und erwartbar: Das sich gegen die Aliens zusammenschließende Teenagerkonglomerat entspricht nahezu exakt der altbekannten "Breakfast Club"-Konstellation aus Highschool-Archetypen, die ihre jeweiligen Stärken und Schwächen zum Einsatz bringen können. Wobei der vormalige Oberloser natürlich zum Überhelden wird, der am Ende die schniekste Biene abbekommt. Da nahm sich Hughes noch vergleichsweise realitätsgebunden aus. "The Faculty" ist also nicht nur in puncto Monsterpräsentation überaus märchenhaft angelegt...

6/10

Robert Rodriguez Kevin Williamson Hommage Aliens Invasion Schule Satire Lehrer Drogen Monster


Foto

GIANT FROM THE UNKNOWN (Richard E. Cunha/USA 1958)


"Hello? Who's there?"

Giant From The Unknown (In den Klauen des Giganten) ~ USA 1958
Directed By: Richard E. Cunha

Im idyllisch gelegenen 'Teufelstal' im Norden Kaliforniens kommt es seit Neuestem immer wieder zu seltsamen Gewaltexzessen, denen sowohl Tiere als auch Menschen zum Opfer fallen. Die Kadaver und Leichen sind jeweils schwer verstümmelt und zerfetzt. Der ortsansässige junge Geologe Wayne Brooks (Ed Kemmer) ahnt bereits, dass die Geschehnisse etwas mit seiner jüngsten Entdeckung im Teufelstal zu tun haben: Eine längst als ausgestorben geltende Eidechse hat, eingeschlossen in bleihaltigem Felsgestein, über 500 Jahre überlebt. Zusammen mit dem auf der Spur der Conquistadoren befindlichen Archäologen Dr. Cleveland (Morris Ankrum) und seiner Tochter Janet (Sally Fraser) stößt Wayne schließlich auf den uralten Eroberer Vargas (Buddy Baer), der sich wie ein Berserker durch die Gegend metzelt.

Richard E. Cunha war ein guter Mann fürs Billige. Seine hoffnungslos unterbudgetierten Genrestreifen sind stets eine Riesengaudi, weil sie ihre hanebüchnen Sujets so wunderbar ernst nehmen und Cunha aus den ihm zur Verfügung stehenden Mindermitteln nonchalant eine Tugend zu machen pflegte. 1958 war ein produktives Jahr für ihn: Vier seiner insgesamt sechs Regiearbeiten wurden darin uraufgeführt, so auch "Giant From The Unknown". In diesem tritt mit einem uralten, angeblich riesenhaften Conquistadoren ein höchst irdisches "Monster" auf den Plan, das mit seinen geschätzten 1,95 und ziemlich babyhaften Patschehändchen eigentlich nicht sonderlich monströs wirkt. Dennoch vermag Cunha es, mittels geschicker Suggestion zumindest im ersten Drittel hier und da wohlige Spannung zu erzeugen. Als dann erstmals Buddy Baers freundliches Rübezahl-Gesicht erscheint, ist es damit freilich vorbei. Den Monumentalfreunden noch als stiertötender Ursus aus "Quo Vadis" geläufigen, putzigen Protz als gnadenlosen Wüterich zu besetzen, muss als ziemlich doofer Witz kategorisiert werden. Den Vogel schießt jedoch eine 'Romantikszene' mit Kemmer und Fraser ab, die vor einer nächtlichen Seekulisse turteln sollen. Während Kemmer noch schwärmt, wie gern er "immer wieder an diesen wunderbaren Platz zurückkehre", hat der Zuschauer zwangsläufig längst gemerkt, dass die beiden vor einer ziemlich dilettantisch ins Bild gesetzten, vergrößerten Fototapete herumstehen. Ouch. But that's C, ain't it?

6/10

Richard E. Cunha Wald Monster Riese Kalifornien





Filmtagebuch von...

Funxton

    Avanti, Popolo

  • Supermoderator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 7.794 Beiträge

Neuste Kommentare