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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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TEXAS CHAINSAW 3D (John Luessenhop/USA 2013)


"Ain't nothing thicker than blood."

Texas Chainsaw 3D ~ USA 2013
Directed By: John Luessenhop

Nachdem Sally Hardesty (Marilyn Burns) der Sawyer-Familie entkommen konnte und der Fall publik wird, verüben die umliegenden, eilends herbeirauschenden Nachbarn eifrige Lynchjustiz an ihnen und fackeln die Horrorfarm mitsamt ihren Einwohnern ab. Einer der Täter, Gavin Miller (David Born), bringt dabei rechtzeitig ein Baby in Sicherheit. Jahre später ist Heather (Alexandra Daddario) erwachsen und erhält die Nachricht, dass sie ein Herrenhaus in Newt, Texas geerbt hat. Zusammen mit ein paar Freunden reist sie dorthin und macht umgehend Bekanntschaft mit dem im Keller des stattlichen Anwesens hausenden Leatherface (Dan Yeager), wie sich herausstellt, ihr Cousin Jed Sawyer, der einst das Lynchmassaker überlebt hat und hier seit damals Zuflucht findet. Leatherface schlachtet Heathers Freunde in bekannter Manier ab, wird jedoch zusammen mit seiner Blutsverwandten alsbald selbst zum Gejagten, denn die Übeltäter von damals wollen ihre "Aufgabe" zu Ende bringen.

"The Saw Is Family", das wissen eifrige "TCM"-Apologeten seit eh und je. Nun ist das "M" weggefallen und durch ein zeitgemäßes "3D" ersetzt worden, was jedoch die ungeheuren Schlampereien in Script und Umsetzung kaum rechtfertigen kann. Die Scriptfehler, Logikaussetzer, Inszenierungspannen und daraus resultierenden, unbeholfenen Rettungsversuche gehen im Falle "TC3D" wahrlich in erbärmliche Legionsstärke. Anschauen lässt sich Luessenhops Film somit lediglich unter der Prämisse größtmöglicher Impfung gegen derlei Unbill und der Maßgabe, dass man qualitativ nichts Wesentlich Besseres erwarten sollte als Burrs und Henkels Sequels aus den Neunzigern. Leatherface, mittlerweile ein alter, beleibter Onkel, findet sich im Laufe des Film sukzessive jedweder Bedrohlichkeit beraubt. Die immer wieder herbeizitierte Verehrung des Originals erweist sich durch massive Verkehrung desselben zur Gewöhnlichkeit hin als vollkommene Farce. Ähnlich wie einst im Falle "H2O" entschließt man sich, alle bisherigen Sequels und Remakes zu ignorieren und die Handlung von Hoopers Film weiterzuspinnen. In diesem Zuge wird man zunächst gezwungen, die Tatsache zu fressen, dass die Sawyers ein wesentlich weitläufigerer Clan sind als bislang angenommen und darüberhinaus eine bedeutsame Verbindung zu altem texanischen Geldadel ("Oma Verna") pflegen. Der überlebende Spross schließlich entwickelt sich zu einer überaus knackigen jungen Dame mit nicht minder knackigem jungen Freundeskreis und flugs haben wir unsere willfährige Schar von moralisch verruchten Opferlämmern zusammen. Gelegenheit für einige hübsch blutige Effekte, die allerdings jedes ehemalige Restmaß an Transgressivität verloren haben und in Konnexion mit den hübschen, großzügig bestückten und bauchfrei tragenden Hauptdarstellerinnen eher zum kollektiven Jauchzen einladen. Die Story entwickelt sich dann mehr und mehr zur besagten, logikfreien Groteske mitsamt in zelebriertem Schwachsinn gipfelnden Abschluss; das dereinst stets "spezielle" Franchise degradiert sich endgültig zur herkömmlichen Slasher-Serial. Ist man bereit, all diese Einbußen hinzunehmen und sich auf die immerhin erfolgreich kreierte, rein affektive Ebene des Films einzulassen, macht "TC3D" durchaus Laune. Die meisten ehernen Leatherfacianer jedoch dürften zu Recht mehr oder minder schwer enttäuscht sein.

5/10

John Luessenhop Sequel Texas Familie Slasher 3-D Leatherface Splatter Madness


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THE TALL MAN (Pascal Laugier/USA, CA, F 2012)


"I guess it's better this way, right?"

The Tall Man ~ USA/CA/F 2012
Directed By: Pascal Laugier

Das dereinst florierende Bergabeiter-Städtchen Cold Rock in Washington ist nunmehr ein Opfer von Strukturwandel und sozialem Verfall. Die Familien darben dahin, die Kinder wachsen in Armut und Misshandlung auf. Dennoch verschwinden von ihnen in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen immer wieder welche spurlos. Die Einwohner von Cold Rock haben sich auch bereits einen Sündenbock dafür herbeifabuliert: Den großen Mann, einen vermummten Gesellen aus den Wäldern, der die Kinder holt und sonstwas mit ihnen anstellt. Als der kleine David entführt wird, macht sich die verwitwete Krankenschwester Julia (Jessica Biel) an die Verfolgung des Übeltäters.

Nun ist also auch Pascal Laugier in Hollywood angekommen und legt neuerlich einen doppelbödigen Film vor, den man in Konstruktion und Aussage vor zehn Jahren noch fest mit seinem Kollegen M. Night Shyamalan assoziiert hätte. Es ist gut, nichts oder zumindest nicht zu viel über die Geschichte von "The Tall Man" zu wissen, dann geht zumindest das mit der Überraschung und Nachdenklichkeit des Zuschauers spielende, narrative Konzept auf. Zudem gefällt, dass Laugier seine Conclusio, die gedanklich mit der Vision einer Art "entbürokratisiertem Privatjugendamtes" spielt, selbst auf ein wackliges moralisches Fundament stellt. Denn bei aller Liebe und Ehrbarkeit - gefragt wird hier niemand nach seinem Schicksalswunsch, ihre wohlmeinende Prädestination wird den "zu behandelnden" Subjekten schlicht und einfach vorgesetzt. Und dass sich nie einer jener "Klienten" im Nachhinein beklagt oder den global agierenden Laden hat auffliegen lassen, erscheint zudem etwas sehr phantastisch. Aber so ist das mit und in diesem Genrefilm, der in Wahrheit gar kein Genrefilm ist: Friss oder stirb. Ob "The Tall Man" angesichts all dessen ein wahrhaft brauchbares Werk ist, werde ich allerdings wohl erst nach einer Zweitbetrachtung eruieren können.

7/10

Pascal Laugier Washington Seattle Kinder Kidnapping


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FLOSSIE (Mac Ahlberg/S 1974)


Zitat entfällt.

Flossie (Die Keusche mit den feuchten Lippen) ~ S 1974
Directed By: Mac Ahlberg

Der Geschäftsmann Jack (Jack Frank) stößt in Stockholm auf Eva (Kim Frank) und ihre Freundin Flossie (Marie Forså), die umgehend zur Sache kommen: Jacks Männlichkeit ist gefragt, wobei er bis zu Flossies Penetration noch einige erotische Geschichten hören und erzählen sowie durchleben muss.

Hübsch schmieriger kleiner Softporno aus Skandinavien, eine "Jugend-" Sünde des später relativ erfolgreichen Hollywood-dp Ahlberg mit dem Charme nikotinvergilbter alter Photographien, die man verbotenerweise ganz hinten in Onkel Jupps unterster Schreibtischschublade entdeckt hat. Sehenswert sind ihre Filme ja grundsätzlich wegen der hübschen, eine heutzutage weithin verloren gegangene Natürlichkeit ausstrahlenden Marie Forså, die anderen Kolleginnen zudem voraus hat, dass ihre offenherzigen Selbstpräsentationen ihr niemals unangenehm zu sein scheinen. Nun weiß ich nicht, ob die Version des Films, die ich gesehen habe, unzensiert ist, aber es gibt sicherlich Schlüpfrigeres aus dieser Zeit und Region. Somit als voyeuristisches Objekt einserseits halbwegs gediegen, andererseits aber auch etwas, nun ja, "unbefriedigend".

4/10

Mac Ahlberg Schweden Stockholm Internat


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UN HOMBRE LLAMADO NOON (Peter Collinson/E, UK, I 1973)


"You wanna quarrel? I'll make it easier on you: you smell."

Um Hombre Llamado Noon (Der Mann aus El Paso) ~ E/UK/I 1973
Directed By: Peter Collinson

Nachdem er im Zuge eines Mordanschlages von einer Kugel am Kopf getroffen wurde, verliert ein Mann (Richard Crenna) das Gedächtnis. Durch die Hilfe des freundlichen Gunman Rimes (Stephen Boyd) kommt er jedoch seiner Vergangenheit langsam auf die Spur: Offenbar ist er ein Profikiller namens Ruble Noon mit nebulöser Vergangenheit, dessen jüngstes Anschlagsopfer ihm zuvor gekommen ist. Zudem verfügt er, ohne es zunächst zu wissen, über einen beträchtlichen Goldschatz, den ihm der gierige Richter Niland (Farley Granger) abzujagen gedenkt.

"Un Hombre Llanado Noon" ist ein seltsamer Film, entstanden als dritter Teil einer von Euan Lloyd produzierten, britisch-spanischen Western-Trilogie nach Vorlagen des Autors Louis L'Amour, die jeweils mit ansehnlichem Staraufgebot und von einem halbwegs renommierten Regisseur als späte Eurowestern unter konstengünstiger Herstellung in Spanien gefertigt wurden. Er gewinnt durch seine schöne Atmosphäre, er fängt die Gegend um Alméria unter ganz ungewohnten, dämmrigen Lichtverhältnissen ein und spart die gleißende Wüstensonne, wie man sie üblicherweise mit diesem Ort in Verbindung bringt, bewusst aus. Ruble Noons Erinnerung symbolisierend liegt alles unter einem mysteriösen Schleier verborgen.
Ansonsten ist "Un Hombre Llanado Noon" vor allem eine Arbeit von durchaus versierten Zeitgenossen, die aber offenkundig dennoch gern wer anders wären, um nicht zu sagen, prominenteren Vorbildern nacheifern: Collinson selbst wäre gern Leone, Crenna Charles Bronson, Stephen Boyd Clint Eastwood und Luis Bacalov Ennio Morricone. Überhaupt dessen Musik - anstatt eines kleinen Mystery-Western scheint sie monumentales Bibelkino untermalen zu wollen.

6/10

Peter Collinson Eurowestern Texas Amnesie Gold Louis LAmour


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SORRY, WRONG NUMBER (Anatole Litvak/USA 1948)


"Henry! Save me!"

Sorry, Wrong Number (Du lebst noch 105 Minuten) ~ USA 1948
Directed By: Anatole Litvak

Die unbewusst unter starken psychosomatischen Beschwerden leidende Leona Stevenson (Barbara Stanwyck) verbringt ihre Zeit vornehmlich im Bett. Als sie eines Abends ihren Mann Henry (Burt Lancaster) telefonisch nicht erreichen kann und stattdessen ein fremdes Gespräch mitverfolgt, in dem die Ermordung einer Frau durchgesprochen wird, beginnt für sie eine Nacht des Grauens...

Verschachtelter Thriller mit meisterlicher Spannungskurve, dessen Plot zwar reichlich konstruiert wirkt, der aber ohnehin vielmehr als formal ausgeklügeltes Suspense-Experiment Bestand erhält. Das Kommunikationsmedium Telefon fungiert in "Sorry, Wrong Number" gleichermaßen als gewaltiger MacGuffin wie als Todesbote; durch die Gespräche, die Leona von zu Hause aus führt, erschließt sich ihr in einem Geflecht komplexer Rückblenden binnen knapper zwei Stunden erzählter (und runder neunzig Minuten Erzähl-) Zeit die gesamte, bislang erfolgreich ausgeblendete Tragödie ihres Lebens: Als verhätscheltes Einzelkind des Pharmamoguls J.B. Cotterell (Ed Begley) wurde sie zeitlebens zur trotzigen Angstneurotikerin hin konditioniert; die Ehe mit dem aus proletarischem Hause stammenden Henry erweist sich als langjährige, von Leona selbst sukzessive vermasselte Farce, die ihren Gatten von einem zunächst frustrierten, dann depressiven zu einem schließlich kriminellen Versager gestempelt hat. Diese unbewusste Arroganz und Ignoranz hat sie schlussendlich mit dem Leben zu bezahlen. Lucille Fletchers auf einem eigenen Hörspiel basierendes Script spielt dabei geschickt mit den Publikumssympathien; die Stanwyck als neurotisches, egozentrisches Psychowrack macht es einem nicht eben schwer, ihr lauerndes Gealtableben zu akzeptieren, derweil Lancaster als in die Ecke gedrängter Täter mehr Mitgefühl evoziert als die allermeisten beauftragenden Kinomörder. Und dennoch ist das beinhahe hysterische, einem Knall gleichende Finale von einer ihresgleichen suchenden Spannung. Famos.

9/10

Anatole Litvak New York film noir Ehe


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STATE OF THE UNION (Frank Capra/USA 1948)


"There's all the difference in the world: They're in and we're out!"

State Of The Union (Der beste Mann) ~ USA 1948
Directed By: Frank Capra

Die skrupellose, erzrepublikanische Pressezarin Kay Thorndike (Angela Lansbury) will mithilfe des Wahlkampfmanagers Jim Conover (Adolphe Menjou) den idealistischen Flugzeugbauer Grant Matthews (Spencer Tracy) ins Weiße Haus bringen. Matthews, der von Politik eigentlich gar nichts und Kays Idee für Humbug hält, ist bald Feuer und Flamme für seine mögliche, zukünftige Aufgabe und hält überall im Land flammende Reden. Seine Frau Mary (Katharine Hepburn), die weiß, dass Grant und Kay eine Affäre haben, beißt die Zähne zusammen und unterstützt ihren Gatten nach Kräften. Ohne es zu merken, lässt sich Grant jedoch schleichend korrumpieren, hält vorgefertigte Reden und wird zum Spielball einflussreicher Lobbyisten. Erst eine heimische Wahlsendung fürs Fernsehen, die ganz anders läuft als geplant, holt ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Politik ist ihrem Wesen nach böse, verlogen und frisst ihre Protagonisten unbarmherzig auf. Ein Film von Frank Capra muss und kann nur diese Aussage vertreten. "State Of The Union" führt die US-Politik vor, bringt viel Unangenehmes, Totgeschwiegenes zur Sprache und formuliert klare Botschaften. Allerdings hält er, auch dies kennt man von Capra, keine vorgefertigten Antworten bereit. Er liefert lediglich Denkanstöße und mündet zum Schluss einmal mehr in die naive Phantastik eines großen Philanthropen, Moralisten und Staatsapologeten, der Freiheit und Demokratie schätzt, nicht jedoch die Irrwege, die sie in den letzten Jahrzehnten genommen haben. Wie alle "Bildungsreisenden" bei Capra verläuft sich auch Grant Matthews, beziehungsweise wird er durch die Skrupellosigkeit seiner vermeintlichen Unterstützer in die Irre geführt, findet jedoch in letzter Sekunde auf den Pfad der Tugend zurück: Mr. Deeds, Mr. Smith und John Doe hielten sie dereinst und auch Grant Matthews kommt sie selbstverständlich zu: Die große, finale Rede, die die moralische Weste wieder reinwäscht und das unterdessen stark überzogene Sympathiekonto wieder ausgleicht. Capras Konsequenz allerdings, die da lauten mag: Wer wahrhaft altruistisch gefärbte Politik machen will, der kehre ihr am Besten den Rücken zu, zeugt von keiner allzu hellsichtigen Weltperspektive. Aber die erwartet man ja auch kaum in einem Film diesen Regisseurs.

8/10

Frank Capra Washington D.C. Politik Wahlkampf Ehe Satire


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THE SEA OF GRASS (Elia Kazan/USA 1947)


"If you love me, then why don't you support me?"

The Sea Of Grass (Endlos ist die Prärie) ~ USA 1947
Directed By: Elia Kazan

In den 1880ern heiratet die wohlhabende Patriziertochter Lutie (Katharine Hepburn) aus dem Süden den Viehbaron Jim Brewton (Spencer Tracy). Die Ehe bedeutet für sie eine Reise von St. Louis nach New Mexico, wo sie mit der Einsamkeit und der Härte ihres Mannes bezüglich einiger Existenzfragen umzugehen lernen muss. Als der Hass Brewtons auf die immer wieder auf den umliegenden Weidegründen siedelnden Kleinfarmer schließlich die einzige Freundschaft Luties mit der Farmersfrau Selina (Ruth Nelson) zerstört, flüchtet sich Lutie gekränkt in eine Affäre mit dem Advokaten Chamberlain (Melvyn Douglas), aus der neun Monate später ein Sohn hervorgeht. Als Jim erfährt, dass er nicht der leibliche Vater dieses zweiten Kindes ist, wirft er Lutie aus dem Haus und erzieht den kleinen Brock wie sein eigenes Kind. Dieser jedoch beginnt schon als junger Mann die wahren Hintergründe seiner Existenz zu ahnen und entwickelt sich zu einem renitenten Lebemann zwischen Sauferei und Glücksspiel. Als sein loses Auftreten ihn eines Tages in höchste Lebensgefahr bringt, kehrt Lutie nach dem Westen zurück. Erst Brocks Tod kann sie nach so vielen Jahren wieder mit Jim versöhnen.

Der - wenn ich mich nicht verzähle - vierte von neun gemeinsamen Filmen des Paares Tracy/Hepburn findet sich zwar im Westmilieu der Jahrhundertwende angesiedelt, besitzt jedoch eher die Gestalt eines Ehe- und Familiendramas, das gleichermaßen wie eine etwas spartanischer ausgestattete Vorstudie zu George Stevens' pompöser Ferber-Adaption "Giant" wirkt. Hier wie dort erweist sich die Illusion eines naiven Mädchens aus dem Osten, sich mit einem gänzlich praktisch veranlagten, kernigen Rancher im Südwesten arrangieren und problemlos mit ihm leben zu können, als großer Ehe-Stolperstein. "The Sea Of Grass" entwickelt allerdings einen noch wesentlich dramatischeren Sog. Denn wo später (im Film) der unangepasste Jett Rink letzten Endes als Blitzableiter für die familiären Probleme der Benedicts herzuhalten hat und diese sich somit wieder einpendeln können, müssen die Brewtons ein halbes Leben ohneeinander verbringen, wenngleich ihre Liebe zueinander nie versiegt und sie beide keinen neuen Partner finden können oder wollen. Darin liegt wohl die größte tragische Erkenntnis dieses schönen, sehenswerten Kleinepos'; dass Stolz und Stumpfsinn manchmal große Teile eines Lebens zur Beinahe-Verschwendung degradieren können.

8/10

Elia Kazan Ehe Familie Prärie New Mexico Conrad Richter


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DESERT FURY (Lewis Allen/USA 1947)


"'Night, Fritzi."

Desert Fury ~ USA 1947
Directed By: Lewis Allen

Die neunzehnjährige Paula Haller (Lizabeth Scott) und ihre Mutter Fritzi (Mary Astor), die ein gut gehendes Spielcasino in Chuckawalla, Nevada besitzt, verbindet eine tiefe Hassliebe. Paula neigt dazu, vor Krisen wegzulaufen und einen postpubertären Fehler nach dem anderen zu machen. Als sie einmal mehr von einer teuren Privatschule geflogen ist, kommt sie zurück nach Hause. Zeitgleich erscheinen die beiden zwielichtigen Gauner Eddie Bendix (John Hodiak) und Johnny Ryan (Wendell Corey) in Chuckawalla. Bendix steht im Verdacht, vor einiger Zeit seine Frau ermordet zu haben, was ihm jedoch vom örtlichen Sheriff Tom Hanson (Burt Lancaster) nie nachgewiesen werden konnte. Außerdem hatte er vor vielen Jahren ein Verhältnis mit Fritzi. Nunmehr verguckt sich Paula in den kalten Filou, was seinem Freund Johnny überhaupt nicht gefällt...

Auch das gibt es: Einen knallbunten film noir in leuchtendem Drei-Streifen-Technicolor; geradezu aufreizend bunt und somit wie ein lebendig gewordener Eklektizismus anmutend. Dennoch; die Stimmung, die "Desert Fury" kreiert, pendelt ganz wunderbar souverän zwischen pulp und camp; Allens Film atmet schwüle Wüstenerotik aus allen Poren. Wer hier was mit wem hatte, wann und warum, das entwickelt sich nach und nach zum einzigen Bestimmungszweck der irrlichternden Präriegestalten. Bendix und Ryan verbindet eine akute Homosexualität, die von Bendix mehr oder minder erfolgreich negiert und lediglich von Ryan als solche anerkannt wird. In solch eindeutiger Form findet man dieses Thema selten im golden age Hollywoods formuliert. Lancasters Hanson, uniformierter Held und reaktionärer Kleinstadtbulle, ist eigentlich der langweiligste, weil spießigste und farbloseste Charakter des Films. Seine breitschultrige Virilität verdeutlicht von vornherein, dass er am Ende als Gewinner aus der Geschichte hervorgehen wird, eine Tazsache, die sich endgültig klärt, als er den dandyhaften, zudem betrunkenen Bendix einmal mühelos zusammenschlägt. Somit ist das vermeintliche happy end zwischen Hanson und Paula eigentlich gar kein richtiges, weil es im Prinzip lediglich trockener Vernunft geschuldet ist, nicht jedoch der lebensstiftenden Libido.

8/10

Lewis Allen film noir Nevada amour fou Mutter & Tochter Robert Rossen


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FROM THE EARTH TO THE MOON (Byron Haskin/USA 1958)


"Why didn't you tell me before...?"

From The Earth To The Moon (Von der Erde zum Mond) ~ USA 1958
Directed By: Byron Haskin

Nach dem Ende des Bürgerkriegs setzt sich die Rivalität zwischen dem unionistischen Waffenfabrikanten Victor Barbicane (Joseph Cotten) und seinem konföderierten Konkurrenten Stuyvesant Nicholl (George Sanders) beinahe nahtlos fort. Barbicane hat einen superstarken Sprengstoff namens 'Power X' entwickelt, mit dem sich jedes beliebige Ziel auf der Erde von jedem beliebigen Punkt attackieren lässt. Nicholl hält mit einer neuen Metalllegierung dagegen. Als Präsident Grant (Morris Ankrum) um die Gefährlichkeit von 'Power X' erfährt, ersucht er Barbicane persönlich, jede weitere Arbeit mit dem Material sofort zu unterlassen. Stattdessen wächst in ihm die Idee, mithilfe von Nicholls Spezialmetall eine Rakete zu bauen, die bis zum Mond fliegen soll.

Eine - es wurmt mich geradezu, das so schreiben zu müssen - ziemlich müde Verne-Verfilmung, die aus ihren Gegebenheiten, zu denen neben der wirklich wunderbaren Besetzung auch einige liebevolle production values wie hübsche Ausstattungsrequisiten ganz im Sinne ihres Ersinners oder ein paar nette matte paintings, kaum etwas macht. Haskin bekommt niemals die Kurve zu einer auch nur halbwegs spannungsreichen Geschichte; vielmehr tangiert einen das beinahe tragisch endende Duell zwischen Barbicane und Nicholl überhaupt nicht, was zur Folge hat, dass mit dem Herzstück auch der Rest des Films versandet. Besonders schmerzlich erscheint dies angesichts all der anderen, schönen Verne-Adaptionen dieser Jahre rund um "20,000 Miles Under The Sea" oder "Journey To The Center Of The Earth", die, nicht minder naiv, die gleichermaßen kindliche wie visionäre Gemengelage aus Vernes Phantasie so treffend auf die Leinwand zu zaubern wussten. Eine schwer verschenkte Chance.
Und es möge bitte mal jemand SchröderMedia ersuchen, keine eigenen Synchronisationen mehr anfertigen zu lassen, sondern das Budget lieber in halbwegs fehlerfreie Untertitelspuren zu investieren. Sämtliche der diesbezüglich bisher von mir vernommenen Vertonungsfragmente sind nämlich, jede für sich genommen, ein Schwerverbrechen an der Synchronkunst.

4/10

Byron Haskin period piece Sezessionskrieg Jules Verne Duell Mond Raumschiff


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LIFE OF PI (Ang Lee/USA, TW 2012)


"Religion is darkness."

Life Of Pi ~ USA/TW 2012
Directed By: Ang Lee

Der Universitätsdozent Pi Patel (Irrfan Khan) berichtet einem in einer Schaffenskrise befindlichen Romancier (Rafe Spall) die unglaubliche Geschichte seines einstigen Schiffbruchs während einer Pazifiküberfahrt von Indien an die nordamerikanische Westküste: Pis Vater hatte dereinst auswandern und seine Zootiere nach Kanada verkaufen wollen und zu diesem Zwecke eine Schiffspassage für seine Familie und die Tiere gebucht. Nur Pi selbst, ein Zebra mit gebrochenem Bein, eine Hyäne, ein Orang Utan und der bengalische Tiger Richard Parker können sich auf ein Rettungsboot flüchten. Bald leben nur noch Pi und der Tiger und es entsteht eine von gegenseitigem Lernen geprägte Zwangssymbiose zwischen den beiden so unterschiedlichen Kreaturen.

Yann Martels Buch, das jenes existenzialistische, komplexe Abenteuer von Pi Patel und dem Tiger Richard Parker beschreibt, liebe ich sehr - ein zu Tränen rührender Abriss der Biographie eines gelernten Philanthropen und Weltenkenners, einer der wenigen unterhaltungskulturellen Schriften, in denen ich die philosophische Annäherung an Religion und Glaubensfragen akzeptieren kann und die geprägt ist von einer wohlmeinenden Schönheit, welche das Leben selbst in die Arme zu schließen versucht. Zugleich handelt es sich um eine Meditation über das Wesen von Erzählungen und Faktenwiedergabe und den persönlichen Preis des Erzählers.
Ang Lees Adaption ist dann auch weitestgehend tatsächlich jener vielgefeierte Glücksfall einer rundum geglückten Literaturadaption, sie rettet den Geist und Seele der magischen Vorlage hinüber auf Film und ist gleichermaßen eine stürmische Liebeserklärung an dieselbe. Während des Films musste ich an genau derselben Stelle weinen wie bei der Romanlektüre - ich denke, anderen wird es da ähnlich ergehen. Jedenfalls macht "Life Of Pi" glücklich - der Film beinahe so sehr wie der Roman.

9/10

Ang Lee Yann Martel Indien Kanada Tiger Freundschaft Reise Religion Ozean Pazifik Zoo