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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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CONFESIONS OF A DANGEROUS MIND (George Clooney/USA, UK, D 2002)


"When you're in a relationship, it means you are obligated to give a shit."

Confessions Of A Dangerous Mind (Geständnisse - Confessions Of a Dangerous Mind) ~ USA/UK/D 2002
Directed By: George Clooney

Der Werdgang des Game-Show-Erfinders und angeblichen CIA-Killers Chuck Barris (Sam Rockwell), basierend auf dessen "unautorisierter Autobiographie" gleichen Titels.

Nachdem sein Script zu Michel Gondrys "Human Nature" verfilmt worden war, ergab sich als nächstes diese Adaption des unter seinen Kennern vornehmlich als bizarr kategorisierten Barris-Buchs, dessen Wahrheits- bzw. Legendengehalt bis heute nicht auf den Grund gegangen werden konnte. Dem Vernehmen nach machte Barris, als er mit dem Schreiben seiner Autobiographie beschäftigt war, eine "schwere Lebenskrise" durch, was sich ja in vielerlei Ausprägung interpretieren lässt. Chuck Barris' erstes Geschenk an die Popkultur bildete der von Freddy Cannon eingesungene Hit "Palisades Park". Später wagte sich dann die ABC an seine teils trashigen Showformate wie "The Dating Game" oder "The Gong Show", die später sogar international adaptiert wurden und die basalen Wurzeln für die noch heute das Fernsehen beherrschenden "Talentshows" legten, welche natürlich nicht dazu dienen, Talente ausfindig zu machen, sondern primär dafür geschaffen sind, einsame Öffentlichkeitssuchende großflächig zu denunzieren. Irgendwann im Anfangsstadium seiner Erfolge will Barris dann von einem CIA-Mann angeworben worden und zum Profikiller ausgebildet worden sein. Im Laufe seiner "Parallelkarriere" im Nachrichtendienst hat Barris dann angeblich 33 Menschen getötet, als letztes einen weiblichen "Maulwurf" (Julia Roberts), der diverse andere Mitarbeiter der "Firma" ausgeschaltet hatte.
Barris' zusammenfabulierter Biographiewahnsinn schreit natürlich nach einer Verfilmung, zumal wenn ein fertiges Drehbuch von Charlie Kaufman dafür vorliegt. George Clooney wählte den Stoff mit großzügiger Schützenhilfe von Miramax und seinem Kumpel Soderbergh als sein Regiedebüt und machte seine Sache soweit in Ordnung. Allerdings muss man ganz klar sehen, dass Clooney sich in ebenjener Unterstützung durch Freunde und Kollegen förmlich suhlt und seine Eigenständigkeit sich in Bildmanipulationen erschöpft. Ansonsten gehört der Film ganz dem wie immer phantastischen Rockwell und natürlich Charlie Kaufman, für dessen Verhältnisse "Confessions" allerdings recht konventionell daherkommt.

7/10

Fernsehen DDR Kalter Krieg Biopic Los Angeles New York Berlin Steven Soderbergh Charlie Kaufman George Clooney period piece


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BEING JOHN MALKOVICH (Spike Jonze/USA 1999)


"Hey Malkovich, think fast!"

Being John Malkovich ~ USA 1999
Directed By: Spike Jonze

Der arbeitslose, zur Melancholie neigende Marionettenspieler und -schnitzer Craig Schwartz (John Malkovich) tritt eines Tages eine seltsame Stelle als Archivar in der 'Lestercorp' an, einer in der siebeneinhalbten Etage eines Bürohauses untergebrachten Firma. Dort geht nicht alles mit rechten Dingen zu, nicht nur die Sekretärin (Mary Kay Place), sondern auch Craigs Chef (Orson Bean) erweisen sich als bizarre Persönlichkeiten. Dafür lernt Craig eine ihn zutiefst faszinierende Frau kennen - die eiskalte Maxine, der Craig bald mit Haut und Haaren verfällt. Als er in seinem Arbeitsraum hinter einem Aktenschrank ein kleines Türchen entdeckt, hinter dem sich ein Portal befindet, das geradewegs in den Geist des Schauspielers John Malkovich (John Malkovich) führt, versucht Craig, ebendies nicht nur für seine Beziehung zu Maxine gewinnbringend zu nutzen. Diese jedoch lässt Craig weiter links liegen und verliebt sich stattdessen in seine Frau Lotte (Cameron Diaz).

Grandiose Groteske und konspirative Komödie - "Being John Malkovich" bildet das Kindodebüt des zuvor primär als Videoclip-Künstler arbeitenden Spike Jonze und darüberhinaus seine erste Kollaboration mit dem Autor Charlie Kaufman. Dass die geballte, enervierende Kreativität dieses Duo Infernale gar Großartiges zu schaffen in der Lage ist, beweist dieser Film, eine traumhafte, keine Obskuritäten und Widrigkeiten scheuende Verhandlung seelischer Notstände, in der der Titelheld John Malkovich sich auf eine Weise exponiert und zerpflücken lässt, die man nur als höchst wagemutig bezeichnen kann. Andererseits wird er sich vielleicht auch geehrt gefühlt haben, zum inkarnierten MacGuffin dieser absonderlichen Dreiecksgeschichte auserkoren worden zu sein und das Projekt und seine Involvierung mit Kusshand begrüßt haben. Doch ist jedwede Spekulation in dieser Richtung ohnehin redundant, denn dieses vollendete Kunstwerk, das es fertigbringt, die Gratwanderung zwischen seinem bizarren, originär-jüdischem Humor und dem entsetzlichen, todtraurigen Gefühl des Abgeweistwerdens blindlings zu meistern, spricht ganz allein für sich und seine monolithische, innovative Präsenz. Einer jener immer rarer werdenden Filme, die dazu taugen, das Kino zu retten.

10/10

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GO (Doug Liman/USA 1999)


"Can we make a deal?"

Go ~ USA 1999
Directed By: Doug Liman

Was diverse Personen ausgehend von einem stinknormalen Freitagittag ausgehend in Suburban L.A. bzw. Vegas rund um einen vergeigten Ecstasy-Deal, zwei aufgebrachte Stripclub-Besitzer (Jimmy Shubert, J.E. Freeman) sowie eine versemmelte Undercover-Aktion der Polizei erleben, erweist sich als mitunter äußerst haarsträubend.

Temporeiche drug comedy aus Zeiten, als Doug Liman noch erfrischend flottes Kino zu machen imstand war, dessen Erzählstrukturen zwar nicht neu, aber dennoch von involvierender Kraft waren und das nicht gleich ins Agenten- oder SciFi-Milieu gehen musste, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen. In "Go" geht von der narrativen Warte aus betrachtet, alles noch vergleichsweise bodenständig zu, wenn auch die obskuren, sich teils kreuzenden Ereignisse bereits jene Richtung andeuten, die Liman später verfolgen sollte. Grob beschränkt sich die Story auf drei Episoden mit jeweils identischem Ausgangspunkt; nämlich die sich als schicksalhaft erweisende Bitte des Supermarkt-Kassierers Simon (Desmond Askew) an seine Kollegin Ronna (Sarah Polley), für ihn die Mittagsschicht zu übernehmen. Ronnas Zusage macht den nun folgenden Strudel der Ereignisse erst möglich. Ein Augenblick als bestimmendes, eruptives Moment der nächsten 24 Stunden.
"Go" ist somit auch eine - wenn auch eher auf spaßigen Krawall gebürstete - Vorwegnahme der Schicksalsmeditationen von Iñárritu und Arriaga und als solche absolut auf der Höhe. Ergänzend gibt es nämlich einen brachial-kruden Spaßfaktor, der nicht immer ganz geschmacks- dafür aber stets treffsicher bleibt.

8/10

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FOUR LIONS (Chris Morris/UK 2010)


"That's what jihad's really about!"

Four Lions ~ UK 2010
Directed By: Chris Morris

Mit diesem Quartett auf seiner Seite ist der Jihad von vornherein im Arsch: Die vier selbsternannten, in Sheffield beheimateten Islamritter und Weltenretter Omar (Riz Ahmed), Waj (Kayvan Novak), Barry (Nigel Lindsay) und Faisal (Adeel Akhtar) sind nämlich dämlicher als die Polizei erlaubt. Omar, Vater einer netten, kleinen Familie (Preeya Kalidas, Mohammad Aqil), ist vom Fanatismus so geblendet, dass er die wesentliche Zufriedenheit, die sein Leben ihm bietet, glatt übersieht. Waj ist ein imbeziler Kindskopf, der ohne "Bro' Omar" noch nichtmal den Gang zur nächsten Toilette meistern kann. Barry ist ein eingeborener Soziopath und Paranoiiker, der sich für den islamischen Terrorismus entschieden hat, weil er anderswo nicht Fuß fassen kann und Faisal ist, nun ja, eben Faisal. Ergänzt durch den nicht minder belämmerten Rapper Hassan (Arsher Ali), den Barry bei einer Islam-Debatte aufreißt, planen die "vier Löwen" einen (nicht autorisierten!) terroristischen Anschlag auf irgendein verdientes imperialistisches Ziel. Als dieses wählt man schließlich den London-Marathon...

Brillante Satire, die den Topos "blinder Fundamentalismus und seine Folgen" in einer Weise verhandelt, die ich als die denkbar adäquateste bezeichnen möchte. (Nicht allein im Zeichen der Religiosität auftretenden) Gewaltverbrechern den Spiegel vorzuhalten, sie lächerlich zu machen und ihnen und der Welt zu demonstrieren, dass sie, zumindest in der Dimension des Irdischen, weder als Helden noch als Märtyrer verdienen, abgefeiert zu werden, sondern bloß als geistig beschiedene Dummköpfe bedauert werden können, scheint mir bei jeder weiteren Reflexion als eine grandios-wirkungsvolle Methode. Seinen an sich sehr sensiblen, höchst tragischen Themenkomplex versieht Chris Morris mit einer Gagdichte von Allahs höchsten Gnaden. An die alten "Flying Circus"-Sketche reicht die erfrischende Komik zuweilen heran und selbst, wenn sich am Ende die bittere Konsequenz aller Himmelskrieger einlöst, kann man das irgendwie noch als tiefschwarzen Brithumor verbuchen. Grandios, wie der Film seine Antihelden zugleich als "Opfer" okzidentaler Kultur auf der einen und Opfer ihres Fanatismus' auf der anderen Seite charakterisiert. Ausgerechnet was sie verachten (oder zu verachten glauben), bestimmt nämlich ihre Persönlichkeiten: modische Klamotten und Frisuren, iPhones, X-Box, Counterstrike, Tupac Shakur, Walt Disney, Coverversionen von Seventies-Schnulzen, cockney accent etc.pp. Sie können nicht mit - aber ohne genauso wenig.
Einzig um Omars Familie tut es einem am Ende wirklich leid, speziell um sein putziges Söhnchen, das künftig als Halbwaise aufwachsen muss, nachdem sein Märtyrerpapi sich in einer Woge tückischer Emotionalität für die dunkle Seite entschieden, dem Filius die Saat des Verderbens zuvor per geflissentlich umgedichteter "Lion King"-Gutenachtgeschichte allerdings noch (mutmaßlich) erfolgreich eingeimpft hat. Der Hass stirbt nie - die höchst bittere Konsequenz des wahrscheinlich witzigsten Films des letzten Jahres.

10/10

Sheffield Terrorismus Pakistan Chris Morris Satire Groteske London


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OCEAN'S ELEVEN (Lewis Milestone/USA 1960)


"Don't you like drinkin'?"

Ocean's Eleven (Frankie und seine Spießgesellen) ~ USA 1960
Directed By: Lewis Milestone

Der Fallschirmjägerveteran Danny Ocean (Frank Sinatra) aktiviert zehn seiner alten Divisionskumpel für einen gewaltigen Coup: Die fünf größten Casinos in Vegas sollen zeitgleich in der Silvesternacht leergeräumt werden. Auch wenn der Bruch selbst infolge minutiöser Planung noch reibungslos über die Bühne geht, lässt sich der Zufall weder in die Karten sehen noch spielen.

Wie gewonnen, so zerronnen: Eine Steilvorlage bildete "Ocean's Eleven" für das Rat Pack um Sinatra und Dino Martin, die hier sozusagen eine reine Stammtischaktion vor Ort auszuführen hatten. Was während "Ocean's Eleven" an Hochprozentigem die Sängerkehlen heruntergeronnen ist, lässt sich nur schwer mutmaßen, angesichts Martins permanent verklärtem Blick dürfte es sich jedoch um nicht eben knappe Mengen gehandelt haben. Aber der Alkohol gehört ja unweigerlich dazu, zum Mythos und zur Mythoskreierung um die alten Vegas-Helden, genau wie die Mafia und die Frauen. "Ocean's Eleven" geriert sich als Event Movie von heutzutage undenkbarem Internhumor; ein Geschenk, dass die Rat-Pack-Jungs nicht nur dem Publikum, sondern vor allem sich selbst und der Wüstenstadt gemacht haben dürften und das schon allein deshalb nie vor seinen späteren Sockelsägern, nämlich dem Soderbergh-Remake und dessen Sequels, zu zittern brauchte.
Like the fella once said - "Ain't that a kick in the head?"

7/10

Freundschaft Rat Pack Lewis Milestone Las Vegas Heist Casino Beverly Hills


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MODESTY BLAISE (Joseph Losey/UK 1966)


"I'm the one and only scoundrel in this drama!"

Modesty Blaise ~ UK 1966
Directed By: Joseph Losey

Die englische Superagentin Modesty Blaise (Monica Vitti) hat sich eigentlich zur Ruhe gesetzt, doch ihreem früheren Chef Sir Gerald (Harry Andrews) gelingt es, sie für einen weiteren Auftrag zu gewinnen: Modesty soll, zusammen mit ihrem Lieblingspartner Willie Garvin (Terence Stamp) den sicheren Transport einer wertvollen Diamantenladung in den Nahen Osten sichern. Jenen hat nämlich zugleich der exzentrische Supergangster Gabriel (Dirk Bogarde) auf dem Kieker...

Rein inhaltlich und dramaturgisch kommt "Modesty Blaise" beinahe einer Tortur gleich; es geschieht im Prinzip nichts von Belang, alles reine Genre-Etikette, Parodie, Geschwätz, Schall und Rauch. Hauptsache, es ist schön grell und möglichst ausgeflippt. Als Artefakt für Popkulturforscher wäre "Modesty Blaise" indes unverzichtbar und er dürfte am Schönsten anzuschauen sein, wenn er in irgendeinem Soul-&-Easy-Listening-Club parallel zum Liquid Wheel läuft. Visuell ist Loseys Film nämlich ein wahrter Gedichtband psychedelischer Sechziger-Kunst, auch wenn er an einen "Danger: Diabolik" nicht heranreicht. Die Stars um "Nasenfrau" Monica Vitti werden vermutlich auch ihren bekifften Spaß gehabt haben - kein Wunder angesichts solch beknackter Dialoge wie denen im Script, die vom Rezipienten annähernd Decodierungsfähigkeiten einfordern. Spaßig und anstrengend zugleich - das gibt's nicht oft.

6/10

Joseph Losey Bond-Spoof Amsterdam Diamanten


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TRANSYLVANIA 6-5000 (Rudy De Luca/USA, YU 1985)


"Is good! Is funny!"

Transylvania 6-5000 ~ USA/YU 1985
Directed By: Rudy De Luca

Die beiden vertrottelten amerikanischen Boulevardreporter Jack (Jeff Goldblum) und Gil (Ed Begley Jr.) sollen auf Geheiß ihres Chefs (Norman Fell) herausfinden, ob das Frankensteinmonster in Transsylvanien noch immer sein Unwesen treibt. Dazu mietet man sich in einem lustigen Eventhotel ein, dessen Betreiber (Jeffrey Jones) mitsamt dem örtlichen Polizeichef (Bozidar Smiljanic) irgendwie Dreck am Stecken zu haben scheint. Als dann noch ein verrückter Wissenschaftler (Joseph Bologna) auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos perfekt.

Hemmungslos alberner Schwank, dem kein Flachwitz zu doof ist und der genau daraus seinen ganz eigentümlichen Charme bezieht. Der Titel ist natürlich auf wundersame Weise abgeleitet von Glenn Millers Swingklassiker "Pennsylvania 6-5000", der demzufolge auch einige appearances im Film genießt. Wie bei mancher Genrepersiflage der Achtziger (schlag nach bei "The Monster Squad", "Waxwork") üblich, pfropfte man sämtliche der klassischen (Universal-)Monster (Dracula, Frankenstein-Kreatur, Wolfsmensch, Mumie, Buckliger, Mad Scientist) in ein- und dasselbe Geschehen und ließ jene Unholde dann auch zusammen auf einer Bildfläche agieren. Dass die Monster sich schließlich allesamt als das Genau Gegenteil des Veranschlagten entpuppen und die adretten Herren Politiker als wahre Fieslinge geoutet werden, passt dann wiederum gut zur klassischen Zentralaussage aus Brownings "Freaks".
Einige schöne Reminiszenzen also in diesem in etwa auf einer Humorschiene mit "Pandemonium" und "Jekyll & Hyde... Together Again" befindlichem Klamöttchen, das Freunde der Genannten sicher ebenso zu begeistern weiß. Absolute Anspieltipps sind der wie immer während dieser Jahre großartige Jeffrey Jones und Heulboje Michael Richards, ein ganz spezieller Komödiantenfall. Dennoch ist der wahre Star hier ausnahmsweise der wohl aus Jugoslawien stammende Requisiteur gewesen. Sollte ich jemals auch nur eines der vielen wundervollen Gadgets aus dem Film habhaft werden, bin ich ein glücklicherer Mensch!

6/10

Rudy De Luca Rumänien Groteske Satire Journalismus Hotel Madness


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SUPERUOMINI, SUPERDONNE, SUPERBOTTE (Alfonso Brescia/I, HK, MEX 1975)


Zitat entfällt.

Superuomini, Superdonne, Superbotte (Supermänner gegen Amazonen) ~ I/HK/MEX 1975
Directed By: Alfonso Brescia

Eine aggressive Amazonenschar versucht, das gesamte von kleinen Dörfern besiedelte Tal, in dem sie lebt, unter ihre Fuchtel zu bringen. Dagegen hat allerdings der flotte Kämpfer Dharma (Aldo Canti) mancherlei einzuwenden. Zusammen mit dem bärenstarken Farbigen Moog (Marc Hannibal) und dem asiatischen Kampfkünstler Chung (Hua Yueh) tritt er gegen die Amazonen an und zeigt ihnen, was eine Harke ist.

"Supermänner, Superfrauen, Superkeile" lautet frei übersetzt der Titel von Brescias klotzhohler Gaga-Komödie, die längst zum Evergreen muffig müffelnder Videothekenwühltische avanciert ist. Rainer Brandts deutsche Synchronfassung stellt ferner ein Highlight selbst seiner albernsten Ergüsse dar und man kann somit getrosterdings sicher sein, das sich kein einziger vernünftiger Dialog auf der hiesigen Tonspur auftreiben lässt. Brandt hat sich dabei selbst die Hauptrolle (auf Aldo Canti) auferlegt und gibt mit seiner Schnodderschnüss nonsensmäßige Halbheiten von sich, die schon kaum mehr zu toppen sind. Allein deshalb lohnt sich dieser tolldreiste Unsinn schon; doch auch Brescias Regiekünste, die ich ja just erst noch in "La Bestia Nello Spazio" bewundern durfte, sind von niedersten Gnaden. Ein anbsolutes Nichts an Geschichte wird durch eine umgekehrt proportionale Menge infantiler Prügeleien "aufgewertet", wobei ausnahmsweise mal so martialisch gekleidete wie wohlgestaltete Damen zu den Hauptopfern der Faustdresche auserkoren sind. Vermutlich war es genau das, was dem Film ehedem seine vergleichsweise hohe Altersfreigabe eintrug; die visuell verniedlichte Gewalt gegen das starke, äh, schwache Geschlecht. Zwar bekommen auch ein paar Statisten Speere in den Balch geworfen, alles in allem dürfte "Superuomini" jedoch nur ein unwesentlich höheres Trauma-Potenzial beinhalten als jeder durchschnittliche Bud-Spencer-Streifen. Der groovige Soundtrack von Franco Micalizzi mitsamt Morricone-Zitaten ist derweil zum Niederknien.
Wie resümierte mein faszinierter Mitkucker so schön während des Abspanns? "Ein Meisterwerk der Huppifluppi-Komödie!" Verdammt richtig, Jensemann!

6/10

Antike Amazonen Sleaze Historie Martial Arts Crossover Shaw Bros. period piece Alfonso Brescia Europloitation Barbaren


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HOLLYWOOD OR BUST (Frank Tashlin/USA 1956)


"You like it?" - "I think it'll live forever. Maybe longer!"

Hollywood Or Bust (Alles um Anita) ~ USA 1956
Directed By: Frank Tashlin

Ihre Begegnung ist rein zufällig: Der windige Hallodri Steve Wiley (Dean Martin) schuldet einem wenig zimperlichen Buchmacher (Ben Welden) eine nicht geringe Summe Geld und hat sich für die Rückzahlung eine Lotterie ausgewählt, bei der es ein schickes Cabrio zu gewinnen gibt. Das fingierte Gewinnerlos erweist sich jedoch als veritable Niete, denn der einfältige Delikatessenverkäufer und Film-Buff Malcolm Smith (Jerry Lewis) ist im Besitz des echten Loses. Als Resultat müssen sich Steve und Malcolm den Wagen teilen und cruisen zusammen mit Malcolms dänischer Dogge Mr. Bascom Richtung Hollywood, um, wie Malcolm glaubt, dort Anita Ekberg zu treffen. Dabei will Steve Herrchen und Hund bloß klammheimlich irgendwo loswerden...

Mit viel launigem Gesang garniertes Wohlfühlkino, das das Gespann Lewis & Martin in den typischen Rollen präsentiert: Der eine ein öliger Schlagersänger mit einem Bein in der Unterwelt und dem anderen im Bett einer schönen Dame, der andere ein doofer Naivling und Träumer und zu gut für die Boshaftigkeit der Welt. Am Ende sind sie dann dicke Freunde und treffen sich irgendwo in der Mitte ihrer beiden diametralen charakterlichen Spektren. Mein persönlicher Star des Films ist jedoch Mr. Bascom, der für einige hübsche Gags gut ist und sich sogar ein Gläschen Champagner munden lassen darf. Vermenschlichte Hunde im Film - schlag auch nach unter "Road Trip", "Little Nicky" und "Half Baked" - sind mir sowieso das Höchste. Möglicherweise ist Mr. Bascom sogar der Ahnherr all der lustigen Vierbeiner in diesen Kinohöhepunkten. Ansonsten ist der Studio-Habitus wie immer in solchen Star-Vehikeln aus den goldenen Showbiz-Jahren stets bemerkenswert. Wie Martin und Lewis als stolzes Paramount-Flaggschiff hofiert wurden, das ist heutzutage unvorstellbar. Wer's nicht glaubt, der sehe sich "Hollywood Or Bust" an. Garantiert keine Zeitverschwendung.

8/10

Martin/Lewis Frank Tashlin Hollywood Road Movie Auto Hund Freundschaft Jerry Lewis


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WITHNAIL & I (Bruce Robinson/UK 1987)


"Free to those that can afford it, very expensive to those that can't."

Withnail & I ~ UK 1987
Directed By: Bruce Robinson

London, Ende 1969: Die swingende Dekade geht zur Neige und suhlt sich in Katerstimmung, während die beiden arbeits- und mittellosen, in einer Zweier-WG hausenden Schauspieler Marwood (Paul McGann) und Withnail (Richard E. Grant) den Absprung nicht bewältigen können. In ihrer zugemüllten Bude kreist alles um einen möglichst ungesunden Lebensstil, der nun, in der kalten Jahreszeit, einer zumindest mittelfristigen Veränderung bedarf. Raus aufs Land heißt die Devise und den buchstäblichen Schlüssel dazu hält Withnails so exzentrischer wie stockschwuler, reicher Onkel Monty (Richard Griffiths) in Händen. Nachdem Withnail Onkel Monty also die Erlaubnis zum Aufenthalt in seinem Landhaus aus den wohlbeleibten Rippen geleiert hat, geht es ab ins Blaue, pardon, Graue. Schlechtes Wetter und die argwöhnische Landbevölkerung stellen sich auch nicht al das Gelbe vom Ei heraus und als noch Monty hinterherkommt und Marwood zu verführen versucht, ist Schluss mit Lustig: Zurück nach London, wo Marwood endlich die Chance, Mitglied des Establishments zu werden, winkt.

Da habe ich so ganz mirnichts-dirnichts und ohne damit zu rechnen doch tatsächlich einen neuen Lieblingsfilm entdeckt. Eigentlich wollte ich mich "nur mal schnell" mit dem überschaubaren Regiewerk von Bruce Robinson vertraut machen, bevor in Kürze seine Thompson-Adaption "The Rum Diary" anläuft, und dann sowas: Kaputte Typen vor heimeliger Kulisse, garantiert nicht pharmazeutikainteressenlos. Dachte immer, mir ist längst alles Wesentliche aus dieser von mir heißgeliebten Sparte Film bekannt, aber nein; der wahrhaft große "Withnail & I" war mir bis dato schändlicherweise völlig durchgegangen. Mit wunderbarstem, zynischem Weltverstehen nimmt sich Robinson seiner kleinen, unspektakulären Coming-of-Age-Story an, die im besten Sinne eigenwillig daherkommt, sich jedweden erhobenen Zeigefinger verkneift und die Verschrobeheit zum obersten Daseinsprinzip erklärt. Ohne ethische Dogmen, allerhöchstens denkanstoßend, zeichnet Robinson das Ende einer Ära, den Umsturz einer Dekade der Sorglosigkeit. Dass der Kater umso schlimmer ist, je rauschender sich die Party gestaltete, ist ein Existensprinzip, das Marwood und besonders Withnail (noch) nicht ganz verinnerlicht haben. Nach der Devise "fight fire with fire" hören sie nicht auf, sondern machen einfach weiter. Dass das Ganze nichtmal didaktisch, sondern ungeheuer witzig gestaltet wurde, macht "Withnail & I" erst zu diesem Meisterwerk des Slackertums, "all along the watchtower" eingerahmt von "vodoo chile" Hendrix.
Cheech und Chong in der bildungsbürgerlichen Version, von jetzt an häusliches Pflichtprogramm bei mir.

10/10

Coming of Age Bruce Robinson Provinz London Freundschaft Herbst Homosexualität Drogen Alkohol Marihuana





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Funxton

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