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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE TRUMAN SHOW (Peter Weir/USA 1998)


"Cue the sun!"

The Truman Show ~ USA 1998
Directed By: Peter Weir

Um das adoptierte Baby Truman Burbank herum wird eine eigens für ihn kreierte TV-Show in einem hermetischem Interieur in Form einer gewaltigen Kuppel konzipiert, die fortan weltweit vierundzwanzig Stunden live zu sehen ist und das gesamte Leben des Protagonisten wiedergibt. Dass Truman, der nichts anderes als die kleine Welt von "Seahaven" kennt, im Laufe der Jahre auch individuelle, nicht steuerbare Wesenszüge entwickelt, versuchen die Macher der Show durch mehr oder weniger unbeholfene Konditionierungspraktiken abzuwenden. Doch erfolglos: Als Truman (Jim Carrey) sein dreißigstes Lebensjahr erreicht hat, wird der Drang, seinem unsichtbaren Käfig zu entfliehen, existenziell.

Eine bei genauerer Betrachtung sehr grimmige, böse TV-Dystopie eröffnen Weir und Scriptautor Andrew Niccol uns mit der Geschichte des Truman Burbank, eine, die bezüglich ihrer durchaus realitätsverhafteten Perfidie all die Live-Menschenjagd-Klassiker von "Das Millionenspiel" über "Le Prix Du Danger" bis hin zu "The Running Man" locker in den Schatten stellt. Der Einfall, eine komplette Existenz zum reinen Zwecke der Einschaltquote in einen totalitären Mini-Kosmos zu packen und dort rundum zu steuern, deren sämtliche Lern- und Sozialisationsprozesse unter einer bonbonfarbenen, pervertierten Werberealität zu fassen und dabei die weitgehend freie Entwicklung eines Menschen rein kommerziellen ["Truman"-Erfinder Christof (Ed Harris) würde natürlich sagen: künstlerischen] Zwecken zu opfern, ist wohl eine der grandiosesten und auch grausamsten Satire-Ideen, die das Kino zum Thema Fernsehen hervorgebracht hat. Für den bis dato stets albernen Jim Carrey bot sich endlich die Gelegenheit, sein sechs Jahre lang kultiviertes (und von mir übrigens leidenschaftlich verachtetes) Image des grimassierenden Vollidioten ad acta zu legen und sich Ernsthafterem zu widmen. Carrey verleiht dem Film eine ganz wesentliche Nuance; die der Märchenhaftigkeit nämlich. Mit einem anderen Hauptdarsteller wäre "The Truman Show" in seiner konsequenten Albtraumhaftigkeit vermutlich kaum zu ertragen. Ähnliches gilt für Weirs hypersensible Inszenierung. Was ein vulgärer Regisseur mit dem Stoff hätte anstellen können, darüber mag man besser gar nicht weiter nachsinnieren.

9/10

Simplicissimus Hollywood Biopic Satire Peter Weir Andrew Niccol Dystopie Fernsehen


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THE HANGOVER PART II (Todd Phillips/USA, D 2011)


"It happened again."

The Hangover Part II ~ USA/D 2011
Directed By: Todd Phillips

Als Stu (Ed Helms) seine Verlobte Lauren (Jamie Chung) in Thailand heiraten will, achtet er sorgsam darauf, dass diesmal alles richtig läuft: Einen Junggesellenabschied soll es erst gar nicht geben und der spleenige Alan (Zach Galifianakis) soll erst gar nicht kommen. Doch es kommt alles ganz anders: Der schließlich doch noch geladene Alan schießt sich prompt auf Stus zukünftigen Schwager Teddy (Mason Lee) ein, doch der diesem zu Lasten geplante Streich geht völlig nach hinten los. Am Morgen nach einem (als solchen geplanten) gemütlichen Strandbier erwachen Stu, Alan und Phil (Bradley Cooper) ohne jede Erinnerung in Bangkok. Teddy ist, mit Ausnahme eines Fingers, verschwunden, dafür ist der verrückte Mr. Chow (Ken Jeong) plötzlich wieder da...

"One night in Bangkok makes a hard man humble", sang Murray Head 1984, und diese Weisheit, heuer musikalisch von Überraschungs-Hochzeitsgast Iron Mike rezitiert, scheint ihre Gültigkeit auch 27 Jahre später noch zu besitzen. Glücklicherweise versucht Todd Phillips nicht, den lauten Wahnsinn des Vorgängers in seinem Sequel noch zu toppen, tatsächlich scheint dieses sogar vergleichsweise zurückgenommen. Die Figuren sind ja nunmehr etabliert; der Königskomiker Zach Galifianakis macht einmal mehr das, was er am Besten beherrscht, nämlich schlicht und einfach vollkommen bescheuert sein, derweil auch die übrigen Herren (Justin Bartha als Doug hat diesmal wenig bis gar nichts zu tun) weiter ihre "Wolf-Pack"-Gruppenmosaik-Funktionen erfüllen, wobei diesmal dem ehedem noch als schüchtern bekannte Dentisten Stu die endgültige, weltklassige Entdeckung vorbehalten ist, dass irgendwo in jeder Maus auch ein Tiger schlummert. Tally Ho! in Bangkok also - wobei, ein Drogencocktail, der eine zwölfstündige und vor allem vollkommen abrupt auftretende Totalamnesie nach sich zieht, derweil seine Konsumenten noch immer in vollstem Aktionismus zu schwelgen in der Lage sind, der muss, glaube ich, erst noch erfunden werden.

8/10

Todd Phillips Thailand Bangkok Alkohol Drogen Amnesie Freundschaft Hochzeit Sequel


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GREEN CARD (Peter Weir/USA, F, AU 1990)


"I am the husband!"

Green Card ~ USA/F/AU 1990
Directed By: Peter Weir

Er heiratet, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, sie, um in ihre Traumwohnung ziehen zu können, in der die gestenge Mietervereinigung nur Eheleute lassen möchte. Darum planen Brontë (Andie MacDowell) und Georges (Gérard Depardieu) auch, sich nach dem Tag ihrer Eheschließung nicht wiederzusehen. Als die Einwanderungsbehörde jedoch zu bohren beginnt, wird es brenzlig für die beiden und sie müssen eine traute Zweisamkeit vorspielen, die bald schon weniger getürkt als echt ist.

Neben "Groundhog Day" die für mich einzig gültige Hollywood-RomCom der Neunziger und dies liegt NICHT speziell an der MacDowell, die rein zufällig in beiden Filmen auftritt und deren andere Fiesimatenten wie zum Beispiel "Four Weddings And A Funeral" mir herzlich gestohlen bleiben können. "Green Card" ist schlicht ein Liebesfilm für ein mündiges Publikum und fällt deshalb so traumhaft schön und ungekünstelt aus. Selbst Hans Zimmers afrikanöse Klänge entbehren glücklicherweise ihres späteren Pomps und sind eine bereichernde Untermalung von Weirs Inszenierung. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist wahnsinnig und sie scheinen sich darüberhinaus in ihrer reizvollen, völligen Diversität noch gegenseitig anzuspornen. Natürlich ist die stille Vitalität des Films zuvorderst Peter Weir zuzuschreiben, der zum ersten Mal seit acht Jahren wieder ein eigenes Script verfilmte und produzierte. Der wunderschöne "Green Card" ist also ganz sein Baby, und ein prachtvoll-bittersüßes noch dazu.

9/10

Peter Weir New York Ehe


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SUSAN'S PLAN (John Landis/USA 1998)


"Paul's going to be all right." - "Shit!" - "Fuck!" - "Damn it!"

Susan's Plan (Die Again) ~ USA 1998
Directed By: John Landis

Susans (Nastassia Kinski) Plan, mithilfe einiger mehr oder weniger idiotischer Gehilfen (Billy Zane, Michael Biehn, Rob Schneider, Dan Aykroyd, Lara Flynn Boyle) ihren Ex-Mann Paul (Adrian Paul) um die Ecke zu bringen, um dann dessen großzügige Lebensversicherung zu kassieren, geht mit Pauken und Trompeten in die Hose. Kein Wunder, bei solch einer Vollpfostentruppe.

Lieber John,

ich möchte mich im Nachhinein herzlichst dafür entschuldigen, dass ich deinen während einer kommerziellen Dürreperiode entstandenen Film "Susan's Plan" gute zwölf Jahre lang allerorten schlecht gemacht und zerredet habe. Ich kann mich heutzutage über meine damalige Arroganz nur wundern und muss einige wohl mehr oder weniger unbrauchbare Ausflüchte bemühen, um mich überhaupt rechtfertigen zu können. Vermutlich war ich a.) einstweilen übersättigt von Filmen wie diesen, die ich manchmal vorschnell in die Ablage "Tarantino-Zögling" zu stecken geneigt war, hatte b.) noch den (leider wirklich miesen) "Beverly Hills Cop III" im Nacken sitzen und war diesbezüglich c.) nachhaltig beleidigt und somit d.) außer Stande, diesem neuerlichen, verschmitzten kleinen Rotzer von Film die gebührende Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Natürlich muss jeder darin Bewanderte auch in "Susan's Plan" den guten alten, höchst unikalen Landis-Humor wiederfinden, die duften Gastauftritte von Jeff Morris (der Bob von "Bobs Country Bunker") und Jake Steinfeld oder den Regie-Kollegen Randal Kleiser und Stuart Gordon beim Flachwitzreißen anhimmeln und deinen ausnehmend guten Frauengeschmack teilen. Gut, mit den (Alb-)Traum-Sequenzen hast du es vielleicht ein wenig zu gut gemeint, aber andererseits gehört die maßlose Übertreibung ja auch zu deinem speziellen humoristischen Arsenal und ist deswegen ein Obligatorium.
Ich habe jedenfalls just mal wieder überprüfen können, warum du einer meiner ewigen Lieblingsfilmemacher bist und verbleibe in aufrichtiger Zuneigung und Dankbarkeit,

Dein Funxton

8/10

Los Angeles Taranteenie Farce John Landis Hollywood Ensemblefilm


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MR. DEEDS GOES TO TOWN (Frank Capra/USA 1936)


"You are not only sane, but you're the sanest man that ever walked into this courtroom!"

Mr. Deeds Goes To Town (Mr. Deeds Goes To Town) ~ USA 1936
Directed By: Frank Capra

Das bodenständige, bei jeder Gelegenheit an den "gesunden Menschenverstand" appellierende Landei Longfellow Deeds (Gary Cooper) erbt unerwartet einen gigantischen Millionenbetrag und muss zu Verwaltungszwecken erstmal aus seiner beschaulichen Heimatstadt Mandrake Falls nach New York. Hier fangen sogleich die Probleme an: Gierige Anwälte, Erbschleicher, Schnorrer und Journalisten verfolgen den prompt als Kindisch und naiv verschrieenen Deeds überall hin. Als er die Wahrheit über die verdeckt arbeitende Reporterin Babe Bennett (Jean Arthur), die sich an ihn rangemacht und dann verächtliche Storys über ihn geschrieben hat, erfährt, ist Deeds schwer betrübt. Er beschließt, sein Vermögen gerecht an zweitausend mittellose Farmer umzuverteilen, damit diese eine neue Existenz gründen können. Die Folge: Deeds wird vor Gericht zitiert, um auf seinen Geisteszustand hin überprüft zu werden.

Und gleich noch mein Lieblings-Capra hinterher. "It Happened One Night" mag der Romantischste sein, "It's A Wonderful Life" der Schönste, "Mr. Smith Goes To Washington" der Leidenschaftlichste. Aber keiner vereint all diese Attribute so erfolgreich und öffnet Capras Weltanschauung selbst für frühkindliches Verständnis in solch vollkommener, luzider Weise wie es bei "Mr. Deeds Goes To Town" der Fall ist. Außerdem hat keiner der anderen Gary Cooper, der trat dann später dafür nochmal in "Here Is John Doe" für Capra an. Trotz dieser kleinen, heutzutage womöglich geradezu ekelhaft erscheinenden Szene, in der Deeds vor Grants Grabmal steht und angesichts dessen Biografie sinniert: "Such things only happen in America!" (man muss natürlich den Zeitkontext in Betracht ziehen, um zu erkennen, wie ernst gemeint diese Worte tatsächlich sind) ist "Mr. Deeds" rote Politisierung in höchster Vollendung. Nichts weniger als Sozialismus und Vermögensumverteilung wird hier gepredigt vor der berechtigten Frage: 'Wofür brauche ich soviel Geld, während andere hungern?' Dass die Anzugträger angesichts dieser so revolutionären wie naheliegenden und zugleich unmöglichen Idee einen politischen Erdrutsch befürchten und Deeds in ihrer Panik flugs unterstellen, geisteskrank zu sein, passt wie die Faust aufs Auge. Eine solch grandiose Finanzsatire kam erst knapp fünfzig Jahre später mit Landis' "Trading Places" wieder ans Tageslicht. Doch "Mr. Deeds" hat noch weitaus mehr zu bieten: Eine schöne Romanze zwischen der Arthur und Cooper beispielsweise (die kurz darauf in DeMilles "The Plainsman" fortgesetzt werden sollte), den tollen Lionel Stander als Deeds' ratio recta und einen herrlichen Kurzauftritt von Walter Catlett als versoffenen Schriftsteller, der in der deutschen Fassung (das Originalzitat habe ich leider gerade nicht zur Hand, ist aber auch egal) ankündigt: "Wir machen eine Sause, dagegen wirkt Omar, der versoffene persische Philosoph, wie ein Wassertrinker!" Daraufhin musste ich mir dann wie immer an dieser Stelle erstmal ein Pils aufmachen und dem großen Mr. Capra auf seiner rosaroten Wolke 7 in stillem Gedenken zuprosten.

10/10

Geld New York Erwachsenenmärchen Satire Frank Capra Simplicissimus


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IT HAPPENED ONE NIGHT (Frank Capra/USA 1934)


"Behold the walls of Jericho!"

It Happened One Night (Es geschah in einer Nacht) ~ USA 1934
Directed By: Frank Capra

Das ebenso verwöhnte wie trotzköpfige Millionärstöchterlein Ellie Andrews (Claudette Colbert) reißt von ihrem Vater (Walter Connolly) aus, da dieser ihr nicht seinen Segen für die kurz bevorstehende Hochzeit mit einem schmierigen Piloten (Jameson Thomas) geben will. So gut wie mittellos macht sich Ellie auf den Weg von Florida nach New York und wählt dazu - ganz unspektakulär - eine Nachtbus-Passage. Dabei wird der windige Reporter Peter Warne (Clark Gable) auf sie aufmerksam und verspricht sich eine profitträchtige Story von Ellies Flucht. Die Liebe jedoch macht beiden einen kräftigen Strich durch ihre Pläne.

Wenn die Tage kurz werden und die Novembernebel wallen, dann sollte man, sofern man nicht gerade an cineastischem diabetes mellitus leidet, sich ein, zwei Capras aus dem Regal greifen, um sein Herz damit nachhaltig etwas anzuwärmen. "It Happened One Night" bildete bekanntermaßen den Durchruch für den amerikanophilen Regisseur und war auch sonst gleich in mehrerlei Hinsicht eine Sensation. Er gewann als erster von bis heute nur drei Filmen die fünf "Hauptoscars" für Film, Regie, Script und Hauptdarsteller und räumte damit in jeder nominierten Kategorie ab. Für die MGM, die ihren Vertragsschauspieler Gable lediglich an die Columbia ausgeliehen hatte, kam dies einem mittleren Skandal gleich. Die als "schwierig" geltende Colbert, sonst bei Paramount daheim, soll den Film anfangs gehasst haben, während Capra sehr von dem Projekt angetan war und in für einen damals tätigen Regisseur ungewohnt löwenhafter Weise für die Realisation des Projekts gekämpft hat. Dass "It Happened One Night" mancherorts als "erste Screwball Comedy" bezeichnet wird, ist derweil natürlich Unsinn.
Erwartungsgemäß sind die allermeisten Lorbeeren für Capras Film als ein Muster seiner Gattung jedoch höchst berechtigt: Eine ebenso sorgfältige wie vielschichtige Charakterzeichnung sowie ein scharfer Blick für die soziale Realität, beides fraglos dem brillanten Drehbuch von Robert Riskin geschuldet, sorgen neben Capras frischer Inszenierung dafür, dass der Film seine Schönheit und Klasse in zeitloser Weise konservieren kann.

9/10

Frank Capra Screwball Road Movie Journalismus Florida New York Bus Great Depression


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LEIDENSCHAFTLICHE BLÜMCHEN (André Farwagi/BRD 1978)


"Jestatten, Carlos. Hundert Prozent Spanier. Ick bin jeboren in Berlin!"

Leidenschaftliche Blümchen ~ BRD 1978
Directed By: André Farwagi

Schweiz, 1958: Im Internat "St. Clara" für Töchter gehobener Familien haben es einige der jungen Damen faustdick hinter den Ohren - oder besser: unterm Rock, denn das Einzige, was ihnen durch den Kopf spukt, ist die möglichst baldige Defloration. Als die Amerikanerin Debbie Collins (Nastassja Kinski) nach St. Clara kommt, wird der Laden ordentlich aufgemischt. Nicht nur, dass Debbie ein äußerst kesses Gör ist, sie stiftet ihre neuen Freundinnen auch noch mit der blitzgescheiten Idee an, ein hauseigenes Bordell zu eröffnen, in dem die Herren des benachbarten Jungeninternats verkehren sollen. Spaß und Kommerz soll eine flotte Verbindung eingehen. Dummerweise geht nahezu jedes Tête-à-Tête böse in die Hose. Immerhin findet Debbie ihre große Liebe (Gerry Sundquist).

Habe ich mir gekauft in der voyeuristischen Hoffnung, ein paar gezielte Blicke auf den biegsamen Leib der jungen Nastassja Kinski werfen zu können - für mich immer noch ein absolut ätherisches Symbol formvollendeter Weiblichkeit. Diese Rechnung ging leider nur zu Teilen auf, denn "Leidenschaftliche Blümchen ist weit weniger schmierig, als Titel und Thema es vermuten lassen. Tatsächlich hat das Ganze eher ein naives Flair von "Hanni und Nanni als Puffmütter" und versteht sich als ein flockiges Sittenbild wider die knauserige Prüderie der Nachkriegsära. Die Zielgruppe ist denn wohl auch tatsächlich eher "Bravo"-Leserinnen zu suchen denn beim steifen (ähem) Trenchcoat-Senioren. Dennoch lässt David Hamilton hier und da kurz mal grüßen.
Ob man das toll finden kann, sei mal dahingestellt - ich mag's dann doch lieber ein bisschen derber in Sprache und Gestus. Dennoch gibt es hier und da ein paar lustige Stellen, die zumeist dem feisten Stefano D'Amato zu verdanken sind, dessen komische Auftitte (natürlich mit der Synchronstimme Joachim Tennstedts, der zumeist auch auf Zachi Noy besetzt wurde) dem recht biederen Schwank eine gute Portion Auflockerung spendieren. Ansonsten mag man Verzicht üben - die Bilder der schönen Nasti haben's für mich persönlich aber zumindest noch halbwegs ansehnlich gemacht.

4/10

Sexualität André Farwagi Schweiz Internat period piece Schule Coming of Age Teenager


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OFFICE SPACE (Mike Judge/USA 1999)


"Fuckin' A."

Office Space (Alles Routine) ~ USA 1999
Directed By: Mike Judge

Peter Gibbons (Ron Livingston) ist nachhaltig frustrierter Angestellter bei der Firma 'IniTech' - sein nicht besonders toll bezahlter Job ist eine Quelle der Belanglosigkeit, sein Vorgesetzter (Gary Cole) ist vermutlich das weltgrößte Arschloch überhaupt und um diese Stelle muss man auch noch fürchten - denn es naht das Qualitätsmanagement in Form zweier garstiger Unternehmensberater (John C. McGinley, Paul Willson). Da wird eine unfällig unterbrochene Hypnosesitzung zum Erwecker aus dem Dornröschenschlaf der Depression: Peter wird zum Freidenker, tut nur noch, was ihm persönlich sinnvoll erscheint und beeindruckt mit seiner neuen "Leck-Mich"-Attitüde nicht nur seine Kollegen. Bald ist ein böser Gedanke geboren: IniTech müsste doch mittels eines gezielten Hackeranschlags um diverse Rundungsbeträge erleichtert werden können - würden Peter und seine Kumpels (David Herman, Ajay Naidu) sich bloß nicht so dämlich anstellen...

Entstanden aus den Sketchen um das kleine personelle Getrieberädchen Milton Waddams (folglich der heimliche Held in "Office Space") lieferte Mike Judge diese intelligente kleine, retrograde Komödie ab, die im Prinzip noch ganz dem Geiste der alten Screwball-Könige verpflichtet fühlt und sich ihren kleinen amerikanischen Helden aus dem Pazifischen Ozean der Abermillionen von Büroangestellten herausfischt. Das Geheimnis der Beliebtheit von "Office Space" liegt wohl auch genau darin, in der gewaltigen Identifikationsbasis, die die Geschichte ihrem Publikum anbietet. Denn angestellt sind ja nun die Meisten und nicht wenige von denen verabscheuen vermutlich ihre eintönigen, öden Bürojobs. Für all jene ist der Film ein Gottesgeschenk: Einmal den Mut besitzen, dem nach oben buckelnden und nach unten tretenden Chef ein kraftvolles "Fuck you!" mitsamt erhobenem Mittelfinger entgegenzurecken, einmal die Firma so richtig nach Strich und Faden bescheißen - wer träumt davon nicht hier und da? Mit liebevoll-sezierendem Blick zeichnet Judge den drögen Firmenalltag nach und porträtiert seine personelle Riege mit der gekonnten Schule des Charaktererfinders. Ein wunderbares, komödiantisches Kleinod kommt da heraus, das jedem, der die Ekelattacken eines "Stromberg" schätzt, dringendst zuzuraten ist.

8/10

Mike Judge Satire Büro Firma


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THE PALM BEACH STORY (Preston Sturges/USA 1942)


"You have no idea what a long-legged woman can do without doing anything."

The Palm Beach Story (Atemlos nach Florida) ~ USA 1942
Directed By: Preston Sturges

Obschon sie Ihren Ehemann Tom (Joel McCrea) noch liebt wie am ersten Tage, sitzt Gerry Jeffers (Claudette Colbert) der fixen Idee auf, sie müsse ihn verlassen, um ihm endlich ermöglichen zu können, auf einen beruflich grünen Zweig zu kommen - die arme Gerry versteht sich als berufliche Bremse. Ihr Plan sieht vor, sich kurzfristig einen reichen Neu-Gatten zu suchen, um Tom eine gebührliche Abfindung zahlen zu können, mit der er sein Traumprojekt - einen schwebenden Flughafen über Manhattan - finanzieren kann. Ebenjener wohlhabende Patron scheint sich in der Person des Millionenerbes John D. Hackensacker III (Rudy Vallee) einzustellen. Doch Tom lässt sich nicht ohne Weiteres abservieren.

"Isn't it romantic?" Unfortunately, it isn't truly, because:
"The Palm Beach Story" gehört zu den anerkanntesten künstlerischen Nachlässen des Autorenfilmers Preston Sturges - und doch hat er nie das internationale Renommee vergleichbarer zeitgenössischer Screwball Comedies von Hawks, Cukor oder Lubitsch erreicht, in denen ebenso wie hier leidenschaftlich verblendete Eheleute nicht einsehen wollen, dass sie ihren Traumpartner längst im heimischen Doppelbett liegen haben, nur um nach einem kurzen Irrweg Richtung Scheidung wieder in die traute Zweisamkeit zurückkehren. Ein weiterer Beleg für die speziell hierzulande sträfliche Unterschlagung Sturges', der nachzuspüren wohl eine Dissertationsarbeit füllen könnte.
In "The Palm Beach Story" verfügt der von brillanter Dialogkunst beseelte Sturges zudem über ein besonders bezauberndes Ensemble: Die quirlige Colbert, den maskulinen McCrea sowie die beiden flippigen Filmgeschwister Rudy Vallee und Mary Astor. Dazwischen spukt noch ein aufgedrehter Sig Arno umher, der seine jeweils furiosen Auftritte nutzt, um eine wundervoll anarchische One-Man-Show abzuziehen. Höchste Komödienklasse, sag' ich da nur.

9/10

Ehe Screwball Florida New York Scheidung Preston Sturges


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CHRISTMAS IN JULY (Preston Sturges/USA 1940)


"If you can't sleep, it isn't the coffee. It's the bunk."

Christmas In July (Weihnachten im Juli) ~ USA 1940
Directed By: Preston Sturges

Das ganze Land wartet gespannt auf die Auflösung des von der Firma "Maxford Coffee" ausgeschriebenen Gewinnspiels, bei dem dazu aufgerufen wurde, einen neuen Slogan zu erfinden. Zu den Erwartungsvollen gehört auch der kleine Angestellte und Träumer Jimmy MacDonald (Dick Powell), der glaubt, mit seinem Einzeiler "Wenn Sie nicht schlafen können, so liegt das nicht am Kaffee, sondern am Bett" etwas geradezu Genialisches erfunden zu haben. Als ihm ein paar Arbeitskollegen einen Streich spielen und Jimmy ein gefälschtes Gewinntelegramm vorlegen, setzen sie eine folgenschwere Ereigniskette in Gang...

Ein kleines Hohelied auf den Kapitalismus und das Land der unbegrenzten Möglichkeiten; eine archetypische Americana, die die existenzielle Weisheit "Geld macht nicht unbedingt glücklich, aber in jedem Falle glücklicher" mit gewaltiger Chuzpe verteidigt. Zudem singt Sturges das Hohelied des "Kleinen Mannes", denn seine Sympathien gehören uneingeschränkt all den unerkannten Talenten dieser Welt, die hinter ihren Schreibtischen versauern, nur weil ihnen niemand je die richtige Chance offeriert. Schließlich erzählt "Christmas In July" auch noch vom Segen des Altruismus und dass es stets schöner und befriedigender ist, zu geben denn zu nehmen. Eine gute Stunde Erzählzeit benötigt Sturges für all das bloß, eine gute Stunde um seinen Zuschauern kurzfristige Serotoninschübe zu versetzen. Danke, Preston.

9/10

Preston Sturges Screwball Kapitalismus Satire Gewinnspiel American Dream





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Funxton

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