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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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BURKE & HARE (John Landis/UK 2010)


"I did it for love!"

Burke & Hare ~ UK 2010
Directed By: John Landis

Edimburgh, 1827: Die beiden höchst unterschiedlichen Mediziner Dr. Knox (Tom Wilkinson) und Dr. Monro (Tim Curry) konkurrieren um das größte Renommee ihrer Zunft in der Stadt. Hauptbestandteil ihres jeweiligen Ruhm sind anatomische Studien, wozu sie permanent neue Leichen benötigen. Als die beiden Ganoven und Berufsnepper William Burke (Simon Pegg) und William Hare (Andy Serkis) dies spitz bekommen, wittern sie eine veritable Geldquelle. Und tatsächlich: Dr. Knox zeigt sich hocherfreut über ihre "Lieferungen" und ermöglicht Burke und Hare mit seinen Zahlungen ein luxuriöses Leben. Zunächst fallen den Beiden die Leichen noch wie zufällig in den Schoß, als der Nachschub jedoch zu versiegen droht, nehmen Burke und Hare die Sache selbst in die Hand...

John Landis ist für mich stets ein Sorgenkind gewesen. Nachdem er drei seiner Komödien aus den Siebzigern und Achtzigern auf den vorderen Plätzen meiner Lieblingsfilme platzieren und den Rest als kaum minder geschätzte Qualitätsobjekte in meinem Kopf zu verankern wusste, kam irgendwann das große, böse Loch in den Neunzigern. Nach dem immer noch gloriosen "Coming To America" brach Landis ein; man munkelt, dass daran ein langwieriger und zermübender Gerichtsprozess betreffs fahrlässiger Tötung im Zuge des "Twilight Zone"-Projekts nicht ganz unschuldig war. Hierbei waren der Schauspieler Vic Morrow und zwei widerrechtlich am Set anwesende Kinder vom Rotor eines Helikopters enthauptet und hernach Landis mitsamt einem Großteil der am Set anwesenden unter Anklage gestellt worden. Zwar wurde der Komödienmeister freigesprochen, doch seine Filme litten fortan unter einer kritisch höchstens mühevoll zu umreißenden Kraft- und Formlosigkeit. "Beverly Hills Cop III", "Susan's Plan" und "Blues Brothers 2000" sind dafür drei hervorstechende Beispiele. Es folgte eine elfjährige Absenz von der Leinwand-Inszenierung, die nun mit "Burke & Hare" ihr vorläufiges Ende fand. Für Landis und sein Publikum bedeutet dieser Film etwas geflissentlich Unerwartetes, nämlich die Rückkehr zu alter Größe; einen Film, der sich kein bisschen um gegenwärtige Vorgaben schert, sondern formal und atmosphärisch an frühere Großtaten anschließt. Mittels perfekt eingefangenen Lokalkolorits und einer ästhetisch ausgesucht reizvollen Bildsprache erzählt "Burke & Hare" die bereits mehrfach erfolgreich adaptierte Geschichte der West-Port-Morde, allein mit der Neuerung, dass die Titelhelden sich diesmal als zwei überaus liebenswerte Zeitgenossen gezeichnet finden, die lediglich einem etwas unkonventionellen Beruf nachgehen. Besonders Simon Pegg, der sich zum Mäzen einer mittellosen Bühnen-Aktrice (Isla Fisher) aufschwingt muss man einfach ganz doll liebhaben. Hinzu kommen angemessen verrückte, regelrecht tiefschürfende Meditationen und historische Mutmaßungen, die die beiden Protagonisten nachträglich zu Helden des Zeitalters der Aufklärung deklarieren, die Medizin und Kunst um wichtige Schritte nach vorn gebracht haben.
Mit Landis ist also wieder zu rechnen. Das macht mich glücklich.

9/10

John Landis West-Port-Morde Schottland Edinburgh Groteske period piece Historie Serienmord Medizin Aufklärung Burke & Hare


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ESCAPE FROM L.A. (John Carpenter/USA 1996)


"Sad story. You got a smoke?"

Escape From L.A. (Flucht aus L.A.) ~ USA 1996
Directed By: John Carpenter

2013 weilt der Haudegen und Söldner Snake Plissken (Kurt Russell) noch immer unter den Lebenden, hat sich jedoch neuerlichen Ärger mit der Regierung eingehandelt, so dass er in die nach einem gewaltigen Beben vom Festland abgetrennte Enklave Los Angeles abgeschoben werden soll. Dort hält sich der gesammelte moralische Abschaum der Staaten auf. Der US-Präsident (Cliff Robertson) jedoch braucht Plissken: Seine aufmüpfige Teenie-Tochter Utopia (A.J. Langer) hat sich mitsamt einer Blackbox, mit deren Hilfe jedweder Stromfluss auf dem Globus angehalten werden kann, nach L.A. abgesetzt und sich mit einem rebellischen Pseudo-Che-Guevara namens Cuervo Jones (George Corraface) zusammengetan. Plissken soll die Blackbox zurückbringen und Utopia eliminieren. Weigert er sich, wird er zum Opfer eines rasch wirkenden Designervirus, das sich bereits in seiner Blutbahn befindet.

Schwer enttäuschender Wiederaufgriff des wunderbaren "Escape From New York", die weniger als Fortsetzung denn als schlampig modifiziertes Remake durchgeht. Bis in inhaltliche Details gleicht das Sequel dem Original, bedient sich jedoch einer seltsam-grellen Form des Humors und wandelt den bärbeißigen Zynismus des Vorläufers in durchsichtige und zudem flache Allerweltsironie. Ein paar nette Einfälle wie der auf einer gigantischen Abwasserwelle ("Tsunami!") surfende Peter Fonda retten den Film ebensowenig wie seine en gros betrachtet wirklich wunderbare Besetzung, die an allen Ecken und Enden mit sympathischer Prominenz aufwartet, diese jedoch letztlich bloß böse verheizt.
Carpenter, nunmehr deutlich auf dem absteigenden Ast befindlich, macht sich hier selbst zum Opfer eines kreativen Tiefs, bleibt inszenatorisch zwar auf routinierter Höhe, kann jedoch nicht verhehlen, dass desolate Ideenlosigkeit eine von mehreren treibenden, negativen Kräften dieses Projekts gewesen sein muss. Die einstmals tatsächlich vorhandene Coolness der Plissken-Figur weicht hier einer müden Selbstkarikatur; die mittlerweile zum Kino-Alltag gehörende Darstellung von Dystopien macht aus der einst gedankenspielerischen Story um das abgeschotteten Manhattan eine bloße Vorlage für Camp und hochbudgetierten Trash. Dann gibt es noch ein paar blamabel-unausgereifte CGI-Effekte und vorbei ist der wilde Ritt. Ist auch besser so. Bitte keine neuerliche Plissken-Reanimation mehr.

4/10

Mission Los Angeles John Carpenter Dystopie Zukunft Sequel


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MEMOIRS OF AN INVISIBLE MAN (John Carpenter/USA 1992)


"It's lonely, isn't it, when you're a freak?"

Memoirs Of An Invisible Man (Jagd auf einen Unsichtbaren) ~ USA 1992
Directed By: John Carpenter

Als der Yuppie Nick Halloway (Chevy Chase) seinen furchtbaren Kater auf einer Tagung mit einem Schläfchen im Mini-Solarium der Firma auskurieren will, ahnt er nicht, dass ihn eine kurz darauf stattfindende Kettenreaktion unsichtbar macht. Um den Vorfall geheim zu halten, aber auch, um Nick untersuchen und gegebenenfalls als Geheimwaffe einsetzen zu können, setzt der rabiate Agent Jenkins (Sam Neill) alles daran, den fortan flüchtigen Unsichtbaren einzufangen.

Carpenters unmittelbarste Liebäugelei mit dem Mainstream - wenig charakteristisch für ihren Regisseur, sondern vielmehr ausgerichtet auf den trockenen Humor seines Hauptdarstellers, die Diabolik Sam Neills, die optischen Reize Daryl Hannahs und ganz besonders die teuren ILM-Effekte, hat Carpenter hier nach einer ersten längeren Inszenierungspause wenig mehr zu tun, als eine saubere, glatte Oberfläche zu kreieren, die dann von anderen Beteiligten mit Leben gefüllt wird. Vergessen die subtilen, satirischen Ansätze seiner letzten Arbeiten; die Originalität und Treffsicherheit der beiden kostengünstigen Alive-Produktionen "Prince Of Darkness" und "They Live". Stattdessen ein recht offensichtlicher Beweis dafür, dass Studios und Geld nicht selten ein schales Mittel für kreative Erstickungstode sind. Obgleich er schön aussieht und gutes Unterhaltungs-Routinement bietet, gestaltet sich "Memoirs Of An Invisible Man" vergleichsweise leer und banal. Dennoch ein Vertreter gehobener Mittelklasse.

6/10

John Carpenter San Francisco Kalifornien Unsichtbarkeit


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BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (John Carpenter/USA 1986)


"Ol' Jack always says... what the hell?"

Big Trouble In Little China ~ USA 1986
Directed By: John Carpenter

Der Trucker Jack Burton (Kurt Russell) transportiert werktags Koteletts nach Chinatown in Frisco. Als er zusammen mit seinem Freund, dem Restaurantbesitzer Wang (Dennis Dun), dessen Braut Mia Yin (Suzee Pai) aus China am Flughafen erwartet, wird man umgehend Zeugen der Entführung des Mädchens. Dahinter steckt niemand anderes als der böse Dämon Lo Pan (James Hong), der sich nach außen hin die Fassade des wohlhabenden Geschäftsmannes aufgebaut hat. Lo Pan muss ein grünäugiges Mädchen heiraten, um seine Jugend regenieren zu können und hat dafür nicht nur Miao Yin erwählt, sondern auch die Anwältin Gracie (Kim Cattrall), auf die Burton ein Auge geworfen hat. Zusammen begeben sich die Freunde wie einst Orpheus in die magische Zwischenwelt des Lo Pan...

Comiceskes, wildes Kasperltheater, das zwar formale Parallelen zu den früheren Regiearbeiten Carpenters erkennen lässt, ansonsten aber reichlich ungewohnte und innovative Kost bietet. "Big Trouble In Little Cina" oszilliert als völlig eklektischer Popfilm irgendwo zwischen den Buddykomödien der frühen bis mittleren Achtziger, der Pekingoper, Martial Arts und US-Fantasy, ist so vorzüglich getrickst, dass seine F/X noch heute frisch aussehen und scheint sich einen Dreck um jedwede Konvention zu scheren. Kurz darauf kam noch der ganz ähnlich angelegte "The Golden Child" von Michael Ritchie, ansonsten gibt es kaum einen vergleichbaren Hollywood-Stoff. Carpenter hat mit "Big Trouble" also einen immens originären Film geschaffen, der sich nach anfänglich eher skeptischer Rezeption wohl mittlerweile eine treue fan base erobert hat. Ich habe den Film - leider - noch viel zu selten gesehen, um mich gegenwärtig dazu rechnen können, ein Zustand, dem ich hoffentlich in den nächsten Jahren Abhilfe werde leisten können.

7/10

Magie ethnics San Francisco John Carpenter Martial Arts


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HISTORY OF THE WORLD: PART I (Mel Brooks/USA 1981)


"And with the birth of the artist came the inevitable afterbirth... the critic."

History Of The World: Part I (Mel Brooks' verrückte Geschichte der Welt) ~ USA 1981
Directed By: Mel Brooks

Mel Brooks erzählt seine Sicht der Menschheitsgeschichte: Vom Frühmenschen, der die rudimentären Geellschafts- und Kulturmechanismen ent- und aufdeckt, geht es über die Verabreichung der fünfzehn, pardon, zehn Gebote gleich weiter zum alten Rom unter Kaiser Nero (Dom DeLuise) und Christus (John Hurt) beim letzten Abendmal in Judäa, dann zur spanischen Inquisition, von Torquemada (Mel Brooks) als einzige große Musicalnummer samt Wasserballett abgehalten und schließlich zur französischen Revolution, auf deren blutigem Höhepunkt beinahe ein Pisspage (Mel Brooks) an des Königs (Mel Brooks) statt guillotiniert wird.

Hübsche kleine Beknacktheit von Brooks, der kein Witz zu dämlich und kein Gag zu abgebrüht ist. Dabei gibt es immer wieder traumhafte Ideen, aber eben auch so manches Füllsel, ganz so, wie man es von dem großen Komiker gewohnt ist. Brooks vereint im Grunde die humorigen Tendenzen der Zeit; zeigt sich beeinflusst von den parodistischen Kalauern des ZAZ-Trios, den Absurditäten Monty Pythons und sogar dem Kifferhumor von Cheech und Chong, wobei er alles in seiner unnachahmlichen Art verquirlt und seine eigene Signatur fett unter alles druntersetzt. Gastauftritte von großen US-Comedians wie Henny Youngman und Charlie Callas fehlen ebensowenig wie Furz- und Schwulengags und man kann sicher sein, dass ein nach Charlton-Heston-Manier ausstaffierter Moses (Mel Brooks) einige schemelhafte jiddische Flüche ausstößt. Leider, leider hat Brooks seinem Publikum den am Ende angedrohten, zweiten Teil der Weltgeschichte erspart, der ungemein Spannendes verheißt wie "Hitler On Ice", eine "Wikinger-Beerdigung" und "Juden im Weltall".
Lustig, lustig, trallerallala.

7/10

Steinzeit Roemisches Reich period piece Satire Historie Mel Brooks Revolution


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LA BANDA DEL TRUCIDO (Stelvio Massi/I 1977)


Zitat entfällt.

La Banda Del Trucido (Die Gangster-Akademie) ~ I 1977
Directed By: Stelvio Massi

Verzweifelt versucht der wenig zimperliche Commissario Ghini (Luc Merenda), den schießwütigen und überaus brutalen Gangster Belli (Elio Zamuto) festzunageln. Mithilfe des Erzganoven Sergio "Monnezza" Marazzi (in der deutschen Fassung "Tresi", Tomas Milian), der hinter der Fassade der kleinbürgerlichen Trattoria "Zum Furzgeräusch" seine höchstpersönliche "Gangster-Akademie" aufzieht und sich mit seiner rundlichen Freundin (Nicoletta Piersanti), zugleich Mutter seines Söhnchens, herumärgert, kann Ghini Belli und seine Kumpanen schließlich festnageln.

Der dritte "Monnezza"-Film, diesmal nicht von Lenzi, sondern von Stelvio Massi inszeniert, kann mit den Vorzügen der zweieinhalb Vorgänger nicht ganz konkurrieren. Die Geschichten von Ghini und Monezza werden praktisch "gegeneinander" erzählt und wirken stark episodisch angelegt, eine wirklich flüssig ablaufende Fusion gibt es nicht, so dass "La Banda" einen recht inkonsisten, zerfallenen Eindruck hinterlässt. Bis auf die letzten Minuten, in denen er sich des Mentekels der Kleinganoven-Rache bedient, gleicht Monnezza mehr und mehr seinem Polizisten-Pendant Nico Giraldi. Die meiste Zeit macht er lustige bis dämliche Sprüche und jammert seinem geliebten kleinen Filius, jener freilich noch im Säuglingsalter, von den wesentlichen Nöten des nichtsnutzigen, ehelosen Ganovenvaters vor. Luc Merenda als Ghini gibt derweil den wie üblich betont unkorrupten, eisenharten Bullen, der unnachgiebig seinen Weg verfolgt. Dass die Wege dieser beiden höchst unterschiedlichen Charaktere sich im Laufe der Geschichte zweimal kreuzen, ist obligat, in welchem Rahmen sich dieser inhaltliche "Kniff" jedoch vollzieht, bleibt gewissermaßen streitbar.
Unerwartet gelungen die Synchronisation. Milian wird diesmal von der ungewohnten, rauen Stimme Kurt Goldsteins, im Vergleich zu seinen üblichen Sprechern Randolf Kronberg und Thomas Danneberg mit einem höchst differenten Timbre ausgestattet, übersetzt, die im Kontext des Films jedoch erstaunlich gut funktioniert und dabei unwidersprochene Lebensweisheiten wie die folgene absondern darf: "Es gibt immer zwei Dinge, die nach Fisch riechen. Eins davon ist Fisch."
Tutto sommato vielleicht kein ausgesprochener Höhepunkt des Poliziottesco, aber immer noch ein durchaus brauchbarer Eintrag.

6/10

Rom Stelvio Massi Monnezza Poliziottesco


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ARSENIC AND OLD LACE (Frank Capra/USA 1944)


"Where am I? Oh, here I am."

Arsenic And Old Lace (Arsen und Spitzenhäubchen) ~ USA 1944
Directed By: Frank Capra

Just am Tage seiner Trauung mit der süßen Nachbarstochter Elaine (Priscilla Lane) muss der zuvor eingefleischte Junggeselle Mortimer Brewster (Cary Grant) feststellen, dass seine beiden reizenden alten, allseits beliebten Tanten Abby (Josephine Hull) und Martha (Jean Adair) gewohnheitsmäßige Serienmörderinnen sind, die bereits zwölf einsame Herren vergiftet und mithilfe von Mortimers verrücktem Bruder Teddy (John Alexander) im hauseigenen Keller verbuddelt haben. Freilich meinen die beiden Damen das ganze nicht böse, sie bringen die alleinstehenden Männer nach eigenem Bekunden lediglich "näher zu Gott". Nicht nur, dass durch diese Eröffnung Mortimers Flitterwochen geplatzt scheinen, es taucht auch noch sein zweiter Bruder Jonathan (Raymond Massey), ein polizeilich gesuchter Irrer und Krimineller nebst dessen Adlatus Dr. Einstein (Peter Lorre) im Hause der Tanten auf.

Cary Grant beherrschte als großer Komödiant das Fach souverän: Entweder er reagierte auf Turbulenzen mit stoischer Ruhe, wie man es von ihm in seinen späteren Filmen gewohnt war, oder er wurde wahlweise zu einem wandelnden, der Einweisung nahen Nervenündel, wie in diesem wunderbaren, morbiden, komplett durchgeschossenen Capra-Kleinod. Als dem Horror-Genre keineswegs unverwandter Film könnte man konstatieren, "Arsenic And Old Lace" habe die klassische Screwball-Comedy zu ihrem logischen Endpunkt geführt. Zwar enthält der auf einem Stück von Joseph Kesselring basierende Film sämtliche Ingredienzien für einen typischen Gattungsvertreter - blitzschnell abgehaltene Dialoge, ein bizarres Figureninventar, eine Legion narrativer Wendungen und Drehungen, running gags und vor allem heilloses Durcheinander - aber mit Serienmördern, dazu noch mehreren, hatte man es in diesem Fach bislang nicht zu tun. Der ungeheuerliche, grandios maskierte Raymond Massey ist dabei wirklich schrecklicher als sein physiognomisches Pendant, Frankensteins Monster, mit dem er so ungern verglichen wird; der wie immer großartige Peter Lorre bringt ein gewisses Element der Unberechenbarkeit mit ein. Wären Grant und die Lane nicht als lose Rettungsanker, der Film gewönne endgültig ein leichtes Übergewicht hin zum Sinstren. Ganz herrlich auch die Idee, Grant an seinem Genpool zweifeln zu lassen: Wer aus einer ausschließlich aus Verrückten bestehenden Familie wie den Brewsters stammt, so Mortimers berechtigte Sorge, sollte sich vielleicht nicht verheiraten (bzw. als Äquivalent dazu auch noch fortpflanzen). Das obligatorische Happy End für alle macht diese Hürde jedoch vergessen und Grant und Lane können, gottlob und unbesorgt, zu den Niagara-Fällen starten.

10/10

Familie New York Herbst Halloween based on play Screwball Madness Serienmord Farce Frank Capra


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THE RETURN OF CAPTAIN INVINCIBLE (Philippe Mora/AU 1984)


"Same old dreary demands. Self righteous, messianic, moralistic and increasingly tedious."

The Return Of Captain Invincible (Captain Invincible - Wer fürchtet sich vor Amerika?) ~ AU 1984
Directed By: Philippe Mora

Captain Invincible (Alan Arkin), einst eherner Verbrechensbekämpfer und zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs Amerikas wirkungsvollste und mit Abstand patriotischste Waffe im Kampf gegen die Nazis, hat sich einst frustriert aus dem Superhelden-Biz zurückgezogen, nachdem eine Intrige seines alten Erzfeindes Dr. Midnight (Christopher Lee) ihn vor dem Senat für unamerikanische Umtriebe kaltgestellt hatte. Mittlerweile lebt der Captain depressiv und daueralkoholisiert in der Gosse von Sidney, wo er eines Tages vom eigens eingereisten US-Präsidenten (Michael Pate) re-rekrutiert werden kann. Der Regierung der Staaten wurde nämlich der "Hypno-Strahler" gestohlen, eine Geheimwaffe zur heimlichen Willens-Indoktrination. Dahinter steckt niemand anderes als Dr. Midnight, der einigen Schabernack mit "seinem" neuen Spielzeug anstellt. Allerdings muss Captain Invincible erstmal lernen, seine alten Kräfte, Computergehirn, Automagnetismus und vor allem die Fliegerei, zu reaktivieren.

Liebevoll gemachte Superheldensatire, spottbillig zwar, aber zugleich sprühend vor Bizarrerien und subversivem Witz, dabei jedoch nie ein Verräter an seinen Quellen und Inspirationen. So etwas muss man erstmal hinbekommen, aber der am Script beteiligte Steven E. de Souza hatte ja schon immer ein spezielles Händchen für ironisch konnotierte Genre-Artefakte. "Captain Invincible" scheut sich noch nichtmal, sich ab Minute Zwanzig in ein Musical zu verwandeln, dessen Nummern nicht von ungefähr an die "Rocky Horror Picture Show" erinnern, war doch auch an den vorliegenden maßgeblich Richard O'Brien beteiligt. Gar genialisch wird es zum Schluss, als Christopher Lee, der kurz darauf für Mora noch in dessen nicht minder herrlich eklektischem "Howling II - Your Sister Is A Werewolf" mitspielte, Captain Invincible mit einem astronomisch ausgestatteten Spirituosen-Schränkchen und dem diabolisch vorgetragenen Stück "Name Your Poison" rückfällig zu machen und damit zu besiegen versucht. Eine besondere Bank natürlich auch stets Alan Arkin, dessen humoriges Talent bekanntlich primär darin besteht, in den absurdesten Situationen einen heiligen Ernst vor sich herzutragen wie der Kreuzritter sein Glaubenssymbol.
Into the Blue!

8/10

Philippe Mora Farce Superhelden Kalter Krieg New York Satire Australien Alkohol


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HIGH ANXIETY (Mel Brooks/USA 1977)


"Too much bondage. Not enough discipline!"

High Anxiety (Höhenkoller) ~ USA 1977
Directed By: Mel Brooks

Der in Harvard tätige, unter krankhafter Höhenangst leidende Psychiater Dr. Thorndyke (Mel Brooks) übernimmt die Leitung des "Psychoneurotischen Instituts für die sehr, SEHR Nervösen", weil sein Vorgänger urplötzlich das Zeitliche gesegnet hat. Thorndyke kommen einige Dinge in der Klinik ziemlich spanisch vor, besaonders das Personal macht einen nachhaltig verdächtigen Eindruck. Als der Doktor zu einem Symposium nach San Francisco fährt, schließt er die angenehme Bekanntschaft einer netten jungen Dame (Madeline Khan) und die unangenehme Bekanntschaft eines weniger netten Killers (Rudy De Luca), der Thorndyke ausschalten soll.

Wenn auch etwas weniger formvollendet als "Blazing Saddles" und "Young Frankenstein" ist dies doch mein Lieblings-Brooks, da er die Gratwanderung zwischen ehrlich gemeinter Hommage und klamaukiger Verarsche, wie sie in seinen späteren Filmen leider obligat wurde, am meisterlichsten beherrscht. Einige Einstellungen aus den persiflierten Hitchcock-Filmen werden nicht nur originalgetreu nachgestellt, sondern zugleich bezüglich ihres suggestiven Humors bezüglich entlarvt. Natürlich sollte ein Schwarm Vögel, der sich auf einem benachbarten Klettergerüst niederlässt, einen eigentlich weniger um sein nacktes Leben als um die Sauberkeit seiner Textilien fürchten lassen, eine so offensichtliche wie witzige Erkenntnis. Neben "The Birds" knöpft sich Brooks noch vornehmlich "Spellbound", "North By Northwest", "Vertigo" und "Psycho" vor, die ebenso liebevoll wie respektlos durch den Kakao gezogen werden. Besondere Erwähnung verdient die schon in "Young Frankenstein" brillante Cloris Leachman. Sie macht nahezu die halbe Miete dieses brooks'schen Höhenfluges.

9/10

Mel Brooks Parodie Farce San Francisco Psychiatrie Satire


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YOUNG FRANKENSTEIN (Mel Brooks/USA 1974)


"I suggest you put on a tie."

Young Frankenstein (Frankenstein Junior) ~ USA 1974
Directed By: Mel Brooks

Obschon Dr. Frederick Frankenstein (Gene Wilder) sein Familienerbe stets verleugnet hat, reist er eines Tages nach Transsylvanien, um das Schloss seines legendären Großvaters in Augenschein zu nehmen. Es dauert nicht lange, bis Frederick das geheime Labor und die Aufzeichnungen seines Vorvaters aufstöbert und seine Bestimmung erfüllt, einen toten Körper wieder zum Leben zu erwecken. Die üblichen Monsterquerellen folgen, bis Frederick es schafft, der Kreatur (Peter Boyle) per elektrischer Übertragung sein eigenes Genie einzubläuen.

Unmittelbar nach "Blazing Saddles" schuf Brooks diese nicht minder minutiöse, in frechem Schwarzweiß gefilmte Verballhornung, wobei diesmal die klassischen Horrorfilme der Universal als Zielscheibe des wohlmeinenden Spotts herhalten mussten. Speziell die ersten drei "Frankenstein"-Filme mit Boris Karloff wurden formal teils pedantisch nachgestellt, unter anderem finden sich große Teile des originalen Labor-Equipments aus dem 31er-Film wieder, das der Set-Designer Ken Strickfaden besorgte, der schon (ungenannterweise) an Whales Werk mitgearbeitet hatte. (Un-)Heimlicher Höhepunkt von "Frankenstein Junior" dürfte die erste Überland-Wanderung des Monsters sein, bei der es mit einem kleinen Mädchen (Anne Beesly) auf der Wippe spielt und den obligatorischen Eremiten (Gene Hackman) kennenlernt, der natürlich für die üblichen, hier allerdings noch originellen Blinden-Witzchen herhalten muss. Allerdings ist auch die Musical-Szene mit "Puttin' On The Ritz" nicht übel. Overall, another Lachschlager.

8/10

Frankenstein Parodie Satire Monster Farce Mel Brooks





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Funxton

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