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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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NOBODY'S FOOL (Robert Benton/USA 1994)


"You're a man among men."

Nobody's Fool ~ USA 1994
Directed By: Robert Benton


North Bath, Upstate New York. In dem kleinen, eingeschneiten Städtchen geht alles seinen idyllischen Gang, auch wenn manche der Einwohner dies vermutlich ganz anders sehen. Besonders der alternde Filou Donald 'Sully' Sullivan (Paul Newman) blickt mit Bedauern auf die meisten seiner Lebensentscheidungen zurück. Und während die meisten seiner Nachbarn ihn für einen Verlierer und Tagedieb halten, ist er doch unentbehrlich für North Bath. In diesem Winter bekommt er die von ihm dann auch wohlfeil genutzte Gelegenheit, auch für sich persönlich Einiges an Vermasseltem wieder gut zu machen.

Wunderbare Altersrolle für Paul Newman; wahrscheinlich sogar die schönste, die er nach 90 noch spielen durfte. "Nobody's Fool" ist das betont realitätsverbundene, warmherzige Porträt einer typischen US-Kleinstadt, in der selbst ein steifer Winter gar nichts mehr verlangsamen kann, weil sowieso alles stets im Zeitlupentempo geschieht. Im Laufe der Jahre hat das Granteln und gegenseitige Beschimpfen in North Bath Methode bekommen und auch, wenn niemand es zugeben würde: Die Leute bilden eine felsebfeste Gemeinschaft und lieben und ehren sich insgeheim alle. Selbst Sully und sein Intimfeind Carl Roebuck (Bruce Willis) sind im Prinzip die besten Freunde und können privat nicht voneinander lassen. Benton profiliert seine Figuren mit unsagbar viel Feingefühl und Sensibilität und räumt selbst Nebencharakteren noch gebührend viel Platz ein, um nicht zu bloßen Schießbudenfiguren degradiert zu werden. Zusammen mit Newmans in so gut wie jeder Szene zu bewundernden, überstrahlend-rührenden Performance summiert sich das zu einem Vorzeigefilm seines Jahrzehnts, der, im besten Sinne, leider zu klein ist, um je für weitflächige Popularität gesorgt zu haben.

9/10

Schnee Richard Russo Working Class Kleinstadt Robert Benton New York


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COMING TO AMERICA (John Landis/USA 1988)


"I want a woman that will arouse my intellect as well as my loins."

Coming To America (Der Prinz aus Zamunda) ~ USA 1988
Directed By: John Landis


Als Prinz Akeem (Edie Murphy), Thronfolger im wohlhabenden, afrikanischen Märchen-Ministaat Zamunda, zum 21. Geburtstag seine ihm vorbestimmte Braut (Vanessa Bell) heiraten soll, entschließt er sich spontan, nach New York zu reisen, um sich dort richtig zu verlieben. Dort angekommen, gibt er sich als armer Bettelstudent und Ziegenhirt aus, um nur ja kein Mädchen nur um des Geldes Willen anzulocken. Bald verkuckt sich Akeem in Lisa (Shari Headley), die Tochter des Fast-Food-Managers McDowell (John Amos). Doch damit fangen die Probleme erst an.

Landis' letzter Film, der noch den alten Esprit konservieren konnte. Einst einer der von mir hochgeschätztesten Regisseure, der unter meinen Lieblingsfilmen immerhin vier Titel platziert, begann für ihn genau nach "Coming To America" die große kreative Talfahrt. Zunächst noch zaghaft mit zumindest halbwegs passablen Arbeiten konsequent gen Bodennähe navigierend, markierte nach dem endgültig letzten Aufglimmen "Bloody Mary" der nichtswürdige "Beverly Hlls Cop III" den Niedergang dieses einst doch so formidablen Komödienfilmers. Ich habe oft darüber gerätselt, welche Ursachen für seinen bedauerlichen Niedergang verantwortlich sein mögen, doch letzten Endes lässt sich ohnehin nichts daran ändern und es bleibt ja immer noch eine umfangreiche, durchweg liebenswerte Hinterlassenschaft, zu der eben auch "Coming To America" gehört. Landis gelingt es darin vorzüglich, seine eigene, lakonische Spezialkomik mit einer Hommage an die alten Hollywood-Märchen von Lubitsch und Capra zu verbinden und so eine oberflächlich als solche bereits hinreichend goutierbare RomCom zu schaffen. Darunter jedoch tut sich eine Rundum-Satire betreffs des schwarzen New Yorker Lebensstils zum Ende der Achtziger auf - das Slumleben von Queens wird aufs Liebevollste karikiert, der unbeirrbare Glaube an großmäulige Eckkirchenprediger lässt sich nicht einschläfern, der wirtschaftliche Emporkömmling indes ist nach wie vor bloß ein armes Würstchen - alles ist Klischee und das Beste ist, der Film weiß das ganz genau. Eine Flut von Querverweisen und Insidergags betreffs des landis'schen Gesamtwerks abfeuernd, wird der Film endgültig zu einem humoristischen Rundumgenuss. See you next Wednesday.

9/10

John Landis Afrika Satire New York Erwachsenenmaerchen Ethnics


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THE STING (George Roy Hill/USA 1973)


"If this thing blows up, the Feds will be the least of our problems!"

The Sting (Der Clou) ~ USA 1973
Directed By: George Roy Hill


Joliet, 1936: Die kleinen Trickbetrüger Johnny Hooker (Robert Redford) und Luther Coleman (Robert Earl Jones) nehmen versehentlich einen Geldboten (James Sloyan) des mächtigen New Yorker Gangsterbosses Doyle Lonnegan (Robert Shaw) aus - was dieser sich nicht gefallen lässt. Nur wenige Stunden später ist Luther tot und Johnny auf der Flucht. Im Süden von Chicago trifft er auf Henry Gondorff (Paul Newman), den ungekrönten Meister aller Abzocker. Zusammen mit ihm will sich Johnny auf subtile Weise an Lonnegan rächen und ihn dort treffen, wo's am meisten schmerzt: Bei seiner Geldbörse.

"The Sting", erst auf den dritten Blick als Sequel zu "Butch Cassidy & Sundance Kid" identifizierbar, wäre wohl das, was am Ehesten als einen 'Evergreen' bezeichnet. Primär durch inflationäre TV-Einsätze eingemeindet in den Kulturkanon der Bevölkerung, innig geliebt, hundertfach genossen und bald unwillkürlich auswendig gelernt. Der große Twist am Ende, bei dem selbst der Zuschauer genarrt wird, ist längst keiner mehr, weil sowieso ein jeder darum weiß. So entblättern sich im Laufe der Jahre und des wachsenden Liebgewinnens erst die anderen, eigentlichen Qualitäten des Films, ganz abseits von der Tatsache, dass er schmerzlich perfektes Erzählkino feilbietet. Obschon die Depressionsära im Umfeld von New Hollywood häufig anzutreffen ist - mit "The Sting" schufen Hill und Davd S. Ward womöglich das ultimative 'period piece', auf verblüffende Weise in seiner authentischen Reproduktion von Lokal- und Zeitkolorit und dabei doch zumindest betreffs einer winzigen Facette ein Puristengreuel - die Ragtime-Musik, die den Score bestimmt, war anno 36 längst schon wieder aus der Mode.

10/10

George Roy Hill Chicago Freundschaft period piece New Hollywood Great Depression


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PRIVATE SCHOOL (Noel Black/USA 1983)


"Sex education? That's my favorite subject!"

Private School ~ USA 1983
Directed By: Noel Black

Wenn ein Mädchen- und ein Jungeninternat benachbart sind, weiß der geneigte Teeniefilmkucker bereits, was zu erwarten steht: Schwerenot, Samenkoller und Pseudo-Gepimper allerorten. Immerhin kommt gegen Ende auch die wahre Liebe nicht zu kurz.

Alle haben mal klein angefangen, selbst Matthew Modine, der, ein Jahr, bevor er mit dem wundervollen "Birdy" in die Prämiumklasse der Hollywood-Akteure aufstieg, eine schmalsinnige Peinlichkeit namens "Private School" um seine Präsenz bereicherte. Tatsächlich finden sich sogar mehrere klangvolle Namen auf der Besetzungsliste dieser amerikanischen "Eskimo Limon"-Variante, in der der Hauptjokus, offenbar seiner unerschöpflichen Witzigkeit wegen, permanent repetiert wird. Jener besteht - hehe - darin, dass irgendein Spanner - hoho - beim Fensterln vom Sims in die - hihi - Rosenbüsche fliegt. Ansonsten gibt es noch einige flaue Titten- und Wet-T-Shirt-Witzchen, die in der Regel auf das Konto der immerhin überaus wohlgeformten Betsy Russell gehen, jene nunmehr als Serienkillerwitwe zu neuer Semiprominenzblüte gelangt. Die hysterisch-rotbirnige Verklemmtheit, mittels derer diese Gags dargebracht werden, sucht allerdings ihresgleichen und dürfte bestenfalls beim mittfünfzigjährigen Taschenbillardmeister aus Reihenhaus 69b für Belustigung und ausgebeulte Buchsen sorgen. Ich hingegen fand's leider bloß zum Fremdschämen, das aber dafür volle Ölle.

3/10

Softsex Noel Black Teenager Schule


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THE LADIES MAN (Jerry Lewis/USA 1961)


"Ma-Ma!!!"

The Ladies Man (Zu heiß gebadet) ~ USA 1961
Directed By: Jerry Lewis


Nachdem seine Freundin ihn rigoros abgesäbelt hat, will Herbert H. Heebert (Jerry Lewis) am liebsten erst gar keine attraktive Frau seines Alters mehr zu Gesicht bekommen. Umso verdutzter reagiert der junge Mann, als er feststellen muss, dass er seine neue Stelle als Hausfaktotum von Miss Wellenmellon (Helen Traubel) nirgendwo anders als in einem Mädchenpensionat anzutreten hat.

Ähnlich wie bereits in "The Bellboy" hält Lewis hier nicht viel von narrativer Stringenz - "The Ladies Man" ist eher eine (bis zur Schmerzgrenze perfektionierte) Abfolge von Slapstick-Nummern, die unter anderem um ein nur scheinbar gefährliches Haustier namens "Baby", diverse exzentrische, weibliche Nachwuchstalente und die von hier ab ständige Lewis-Begleiterin Kathleen Freeman sowie natürlich den titelgebenden Tolpatsch kreisen. Der wahre Star des Films ist allerdings das gigantische, dabei puppenhausgleiche Set, das stets so gefilmt ist, dass in Frontalansicht die sich über drei Etagen verteilenden, diversen Korridore, Treppen und Fahrstühle und darüberhinaus fast sämtliche Räume permanent einsehbar werden lässt. In Kombination mit der exzellenten Kameraarbeit ein veritables Meisterstück der Kulissenkunst. Dann schaut aus unerfindlichen Gründen noch kurz George Raft als er selbst vorbei und demonstriert, dass er entgegen seinem eher finsteren Ruf als Gangster-Adlatus durchaus Spaß verstehen konnte.
Einer von Lewis' Besten.

8/10

Slapstick Hollywood Jerry Lewis


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CINDERFELLA (Frank Tashlin/USA 1960)


"I wanna be a person!"

Cinderfella (Aschenblödel) ~ USA 1960
Directed By: Frank Tashlin


Der Millionenerbe Fowler (Jerry Lewis) ist leider zu dämlich, als dass er merken würde, dass er sich von seiner Stiefmutter (Judith Anderson) und seinen beiden Stiefbrüdern Henry Silva, Robert Hutton) gar nicht herumschubsen zu lassen bräuchte, wie es tagtäglich der Fall ist. Eines Tages erscheint ihm eine gute Fee (Ed Wynn) und erzählt ihm etwas von der großen Liebe, die schon in Form einer europäischen Prinzessin (Anna Maria Alberghetti) am Horizont winkt.

Return to Tashlin: Nach "The Bellboy" also wieder zurück in bewährte Regisseurshände, diesmal im Zeichen einer überdrehten Parodie von Grimm's (fast) gleichnamigem Märchen. Count Basie gibt sich die Ehre mit ein paar flotten Swing-Nummern, Lewis himself gestattet sich einen sanften Vorgriff auf sein späteres Meisterwerk "The Nutty Professor" und schwingt schließlich noch ein wenig die Moralkeule, wenn er in der (zugegebenermaßen wunderschön gefilmten) Schlusseinstellung alles für die wahre Liebe opfert. Denkwürdigste Szene aber: Das Familiendiner, in dem Lewis permanent vom einen zum anderen Tischende rennen muss und dabei andauernd das Sakko wechselt. Als er dann versucht (!), Henry Silva eine Zigarette anzuzünden, muss man nur mal dessen versteinertes Gesicht beobachten - es lohnt!

7/10

Parodie Jerry Lewis Maerchen Slapstick


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THE BELLBOY (Jerry Lewis/USA 1960)


"On the double!"

The Bellboy (Hallo, Page!) ~ USA 1960
Directed By: Jerry Lewis


Die kleinen und großen Abenteuer des schweigsamen, aber stets für eine Überraschung guten Hotelpagen Stanley (Jerry Lewis), der im Luxusschuppen 'Fontainebleau' in Miami Beach angestellt ist.

Weniger klassisches Erzählkino, sonder, wie uns prologisch gleich auch Jack Kruschen versichert, mehr eine sich an einem roten Faden entlanghangelnde Abfolge von Lewis-Sketchen, die selbiger dazu nutzte, seine erste Regiearbeit in eigener Sache zu veröffentlichen. Lewis huldigt sich per self appearance nicht nur selbst in "The Bellboy", er rollt auch den roten Teppich aus für das gesamte US-Showgeschäft: Eine Vielzahl von Komikerkollegen, darunter Milton Berle und der unglaubliche Laurel-Parodist Bill Richmond hüpfen durchs Bild. Die Gags sind mal mehr, mal weniger sinnig, aber immer unterhaltsam zu beobachten, sei es Lewis bei Essen eines unsichtbaren Apfels, Lewis wie er eine frische Tonplastik verunstaltet, Lewis, wie er eine Saal voll Stühle stellt oder Lewis wie er mit seiner Blitzkamera eine Vollmondnacht beendet. Faszinierender Nonsens.

7/10

Florida Hotel Slapstick Jerry Lewis Miami


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ARTISTS & MODELS (Frank Tashlin/USA 1955)


"I never met a lady cartoonist before." - "All lady cartoonists are extremely grateful."

Artists & Models (Maler und Mädchen) ~ USA 1955
Directed By: Frank Tashlin


Die beiden Bohémiens Rick Todd (Dean Martin) und Eugene Fullstack (Jerry Lewis) hausen zusammen in Greenwich Village und halten sich mit kleinen Gelegenheitsjobs über Wasser, da weder Ricks Malerei noch Eugenes ausufernde Fabulierlust zum großen Erfolg führen. Als die Cartoonistin Abby (Dorothy Malone) und ihre Freundin Bessie (Shirley MacLaine) über ihnen einziehen, winkt Rick und Eugene zumindest schonmal das Glück der trauten Zwei- bzw. Viersamkeit, die von feindlichen Agenten allerdings kurz mal durcheinandergebracht wird.

Leider scheint "Artist & Models" der einzige Martin/Lewis-Film zu sein, den es bei uns auf DVD gibt - eine Schande, denn diese kleine Komiker-Sondersektion des Rat Pack ist mir noch vielfach in bester Ferbseherinnerung aus Kindheitstagen. Mit ihren diversen Live- und TV-Shows waren Martin und Lewis einst ein Renner im US-Showgeschäft, der sowohl für gleichermaßen gekonnte wie bizarre Blödeleien als auch für sein musikalisches Potenzial berühmt war. Irgendwann in der zweiten Hälfte der Fünfziger trennte man sich dann im Streit und ließ künftig die Finger voneinander.
"Artists & Models", wie viele Filme des Duos vom eigenwilligen Comedy-Auteur Frank Tashlin inszeniert, ist besonders aufgrund seines prachtvollen VistaVision ein echtes Liebhaberstück. Ich kenne nur wenige Filme, die nach über fünfzig Jahren noch so brillant und farbkräftig aussehen; alles scheint förmlich zu bersten vor lauter buchstäblicher Bildorgiastik. Da geraten Martins und Lewis' nichtsdestotrotz höchst charmant choreographierte Träller- und Albereien fast ins Hintertreffen. Aber nur fast: Die Szene, in der Lewis und seine Partnerin MacLaine zusammen im Treppenhaus "Innamorata" singen und tanzen, ist allerbestes Entertainment, ebenso wie die Comic-Gala im Showdown.

8/10

Frank Tashlin Slapstick New York Comic Satire Martin/Lewis Musik Jerry Lewis


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DIE HAMBURGER KRANKHEIT (Peter Fleischmann/BRD, F 1979)


"Woran ist die Ratte gestorben?"

Die Hamburger Krankheit ~ BRD/F 1979
Directed By: Peter Fleischmann


Von Hamburg aus breitet sich strahlenförmig eine tödliche Seuche über die Bundesrepublik aus. Bei den Opfern sind im Vorhinein keinerlei Symptome zu entdecken, ebensowenig lässt sich der Inkubationsweg festlegen. Der Tod tritt ganz abrupt ein und hinterlässt seine Opfer in gekrümmter Embryonalstellung.
Der Gerontologe Sebastian (Helmut Griem), die junge Ulrike (Carline Seiser), der dichtende Krüppel Ottokar (Fernando Arrabal) und der Pommesverkäufer Heribert (Ulrich Wildgruber) flüchten in wechselnder Konstellation Richtung Süden, wo Sebastian eine Almhütte besitzt. Die geheimnisvolle Krankheit und die schlecht organisierten, übereifrigen Behörden raffen sie jedoch einen nach dem anderen dahin.

Eine fürstlich groteske Dystopie von Gesellschaftsanalytiker Fleischmann, mit dessen Humorbegriff ich sehr konform gehe. Filme über pestähnliche Seuchen und ihre sozialen Auswirkungen gab es ja besonders in den letzten zehn Jahren zuhauf, wobei die meisten von ihnen sich primär an althergebrachter Zombie-Motivik orientieren. Bei Fleischmann ist die namenlose Krankheit schlicht nichts anderes als die längst überfällige Symptomatik einer überfressen-dekadenten Konsumgesellschaft, deren Luxus sie geradewegs in die Zivilisations-Hölle peitscht. Zwischen seine deliranten Jagdszenen aus Mitteleuropa setzt Fleischmann dann noch diverse bizarre Gestalten wie Rainer Langhans, der einen esoterisch veranlagten Wohnwagen-Überführer spielt, Tilo Prückner als verhärmten Todessehnsüchtigen, der sein Fluchtheil grundsätzlich auf Bäumen und Dächern sucht, oder den Transsexuellen Romy Haag. Als Ulrike sich gegen Ende in eine groteske Heidi verwandelt, deren Alm-Öhi-Großvater, als sie von einem staatlich beauftragten Gebirgsjäger-Korps geschnappt wird, erstmal quer durch die Alpen jodelt, hat der Rezipient nurmehr die Wahl, Fleischmann als Ersinner großer Kunst oder als poteniellen Klapsmühlen-Insassen ins Auge zu fassen. Ich halte ersteres für unabdingbar.

8/10

Hamburg Virus Groteske Road Movie Peter Fleischmann Surrealismus


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MANHATTAN MURDER MYSTERY (Woody Allen/USA 1993)


"Jesus. Claustrophobia and a dead body - a neurotic's jackpot!"

Manhattan Murder Mystery ~ USA 1993
Directed By:


Mithilfe des Nervenkitzels infolge der betont amateurhaften Aufklärung eines Mordfalls in ihrer Nachbarschaft gelingt es dem New Yorker Ehepaar Larry (Woody Allen) und Carol Lipton (Diane Keaton), sein marode Ehe wieder zu kitten.

Allen legt sich selbst einmal mehr ein Feuerwerk an klugen Gags in den schmalen Mund, das jedem Comedy-Gourmet auf der Zunge zergehen muss. Seine lediglich an der oberflächliche vorhandene Kriminalgeschichte ist voll von inhaltlichen und formalen Seitenhieben in Richtung des film noir und der nouvelle vague und selbstverständlich ebenso angefüllt mit Autoreflexionen. Dass Allen trotz differierender Namen und beruflicher Tätigkeiten immer wieder dieselbe mythische Kunstfigur zum Besten gibt, ist nichts neues; ebensowenig die Tatsache, dass seine Nebendarsteller letzten Endes bloß Allens amüsante Mixtur aus Selbstkarikatur und Egomanie stützen. Wesentlich interessanter sind da die kleinen, alibihaften Ausbruchs- und Öffnungsversuche - ein Handicam-Spirenzchen hier, kleine Montage-Fisimatenten dort. Hauptsache, die Leute bekommen zumindest ein bisschen das Gefühl von Frische suggeriert. Dass ich mich von Allen stets gern auf den Arm nehmen lasse, habe ich glaube ich mal erwähnt. Für mich ist der Mann ein ewiges Garant für rundum intelligent ausgefüllte Kurzweil.

8/10

New York Ehe Woody Allen





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Funxton

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