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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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GROWN UPS (Dennis Dugan/USA 2010)


"Motion 78!"

Grown Ups (Kindsköpfe) ~ USA 2010
Directed By: Dennis Dugan


Anlässlich der Beerdigung ihres früheren Basketball-Trainers (Blake Clark) treffen sich fünf Schulfreunde wieder, von denen jeder eine Klischeefacette des amerikanischen Mannes repräsentiert: Lenny (Adam Sandler) ist erfolgreicher Agent in Hollywood und schämt sich dafür, Eric (Kevin James) ist arbeitslos und schämt sich dafür, Kurt (Chris Rock) ist Hausmann und hütet die Kinder und schämt sich dafür, Rob (Rob Schneider) ist ein leicht beknackter Physiotherapeut mit diversen gescheiterten Ehen und Marcus (David Spade), der als einziger noch kleine Familie gegründet, geschweige denn, es versucht hat, frönt nach wie vor dem Wein und dem Weibe. Ein verlängertes Wochenende in einem idyllisch gelegenen Ferienhaus lässt sie alle ihre privaten Probleme kitten und reformiert ihre Freundschaft.

"The Big Chill" 2010; - "The Big Chill" Sandler-Style. Heuer, 27 Jahre später, sitzen keine vom real existierenden Kapitalismus desorientierten Alt-68er mehr zusammen und diskutieren bei Booze und Joints ihre verlorenen Ideale; jetzt findet jene gesundheitsliebende Generation zusammen, die von Anbeginn an erst gar keine Ideale hatte. Entsprechend geringfügig sind auch die "Probleme" der Beteiligten; keine suizidbegünstigen Depressionen und Identitätskrisen mehr, nur noch leicht rissige Familienfassaden. Wenn Lenny sich darüber echauffiert, dass seine Kids lieber blutrünstige Egoshooter spielen als Steichen auf dem See hüpfen zu lassen, dann ist das weniger ein Ausdruck von Kritik als vielmehr ein sehnsüchtiger Ausdruck von Naivität. Und so zieht es sich den ganzen Film über, der nebenbei in erster Linie ein (sic) "Wochend"-Projekt für den Sandler-Spaßclan gewesen sein dürfte. Dafür bürgt etwa das Vorhandensein zahlreicher improviserter Dialoge und Gags, sowie das Faktum, dass der Sandman hier selbst so oft herzlich (und ehrlich) lacht wie in keinem anderen seiner Filme. Und darin liegt auch der (einzige) große Pluspunkt von "Grown Ups" - er transportiert ein spürbar großes Maß an Authentizität, Dokumentarismus gar. So war und ist sie, die (Film-)Welt des Adam Sandler. Bunt, schön, klar, familienfreundlich, falten- und knitterfrei. Und am Ende dermaßen durchgemangelt, begradigt und glattgebügelt, dass Vokabeln wie "Krise" und "Sorge" wie altklingonisch erscheinen. Das brauche ich als einer seiner gemäßigten Fans nicht jedes Wochenende, aber so ein bisschen regelmäßig, vielleicht zwei-, drei-, viermal im Jahr, brauche ich es dann doch. Auch, um mich kurz mal selbst bescheißen und für ein paar Minuten besser fühlen zu können.

6/10

Beerdigung Dennis Dugan Adam Sandler Wochenende


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THE ERRAND BOY (Jerry Lewis/USA 1961)


"I like you." - "I like you, too."

The Errand Boy (Der Bürotrottel) ~ USA 1961
Directed By: Jerry Lewis


Um den unmäßigen Ausgaben seiner Filmproduzenten und -regisseure auf die Spur zu kommen, engagiert Tom Paramutual (Brian Donlevy), Chef der Paramutual-Studios, den tolpatschigen Plakatkleber Morty Tashman (Jerry Lewis) als Spion. Getarnt als Laufbursche soll Morty herumschnüffeln und regelmäßige Protokolle über die Vorgänge in den Büros abliefern. Dass der Gute selbst keinen Handschlag tun kann, ohne ein Chaos nach sich zu ziehen, bemerkt Paramutual erst, als es schon fast zu spät ist.

Nicht vom Universal Tellerwäscher, sondern vom Paramutual Geländespitzel geht es hier hinauf, zum true stardom. Einer der lustigsten und schönsten Filme von Lewis als Regisseur ergibt das, gleich nach den sehr ähnlich gestalteten "The Bellboy" und "The Ladies' Man" entstanden, die auf analoge Weise eine auf Spielfilmformat aufgepumpte Nummernrevue mit Lewis als ihrem König darbieten, sie in ein Alibiplot-Korsett pfropfen und bei strengster Ort- und Zeiteinheit jeweils davon leben, wie Lewis mit irgendwelchen kaum minder minderbemittelten Individuen in Interaktion tritt. Hier wäre da allen voran der cholerische Stanley Adams zu nennen, den Morty mit seiner Türknallerei zur Weißglut treibt. Inmitten all des Slapstick scheut sich Lewis selbst nicht, zwei zunächst wie Fremdkörper erscheinende, poetische Szenen mit seltsamen Handpüppchen unterzubringen, die "The Errand Boy" bei näherem Hinsehen genau jene magische Tiefe verleihen, die ihn von ähnlich Geratenem unverwechselbar abgrenzen. Hier, und nur hier, gestattet sich (und ich schreibe ganz bewusst 'sich' und nicht etwa 'seinem Protagonisten' oder 'seinem Charakter Morty Tashman') Lewis, Mensch statt Kunstfigur zu sein und lässt tief blicken in sein kindliches Künstlerherz.

8/10

Satire Jerry Lewis Hollywood Los Angeles Slapstick Filmstudio Farce


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NEUE VAHR SÜD (Hermine Huntgeburth/D 2010)


"Atomblitz!"

Neue Vahr Süd ~ D 2010
Directed By: Hermine Huntgeburth


Bremen, 1980: Frank Lehmann (Frederick Lau) vergisst, rechtzeitig seinen Antrag auf Wehrdienstverweigerung zu stellen und muss zum Bund. Die dem uniformierten System innewohnende Idiotie bekommt Frank bald mit all ihrer unerbittlichen Härte zu spüren. Zu Hause in seiner antifaschistischen Zelle läuft derweil auch nicht mehr alles so entspannt wie früher. Dafür sorgt eine betreffs ihrer Zusammensitzung ziemlich unmögliche WG, in der Frank unterkommt, sowie seine Liebe zu der etwas wankelmütigen Sibille (Miriam Stein).

"1980 waren unsere Jugendlichen noch politisch" mag man denken angesichts Sven Regeners zweitem (dabei jedoch als Prequel gestalteten) Lehmann-Romans und auch dieser schönen Adaption desselben. Film kann ja speziell in Bezug auf die Darstellung von Zeitkolorit manches mehr leisten als Literatur. Durch die Verwendung diverser zeitgenössischer Reliquien und Memorabilia, zu der neben Frisuren, Möbeln, Kleidung, Sprache und Autos auch und insbesondere die Musik (deren Auswahl hierin als besonders sorgfältig und geglückt bezeichnet werden darf; es gibt vornehmlich Punk, New Wave und Reggae) zählt, rutscht man, sofern die entsprechende Gestaltung - wie im vorliegenden Falle - hinreichend stimmig ist, rasch hinein in Jahr und Tag. Da verzeiht man sogar, dass offenbar keine Telefonzelle von anno 80 aufzutreiben war (das im Film gezeigte Modell kam meines Wissens erst einige Jahre später). Die autonome Subkultur jedenfalls, die damals noch mit Pflastersteinen gegen das öffentliche Gelöbnis im Bremer Weserstadion antrat, eine Gruppe, die man einst als so gern als "Bombenleger" und "Zecken" bezeichnete, scheint ihren Aktionsradius mittlerweile merklich eingegrenzt zu haben, zumindest wenn man den Bildvergleich anzustellen bereit ist. Eine echte Schau in "Neue Vahr Süd" ist mal wieder Uli Mathes, der als stockärschiger Bundeswehr-Hauptmann entgegen allen Voraussetzungen sogar noch einen Tropfen Sympathie aus seiner Figur herausquetscht. Scheiße, der kann spielen, der Mathes.

8/10

Bremen Militaer Subkultur Sven Regener Alkohol Coming of Age Hermine Huntgeburth TV-Film


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SCARED STIFF (George Marshall/USA 1953)


"You killed a perfect stranger?" - "Nobody's perfect."

Scared Stiff (Starr vor Angst) ~ USA 1953
Directed By: George Marshall


Die beiden Nachtclub-Entertainer Larry (Dean Martin) und Myron (Jerry Lewis) geraten in die Bredouille, als sie zunächst Ärger mit dem Gangsterboss Shorty (Leonard Strong) bekommen und dann per Zufall auf die Millionenerbin Mary Carroll (Lizabeth Scott) stoßen, die ein altes Gemäuer vor der Küste Kubas in Empfang nehmen will. Da sich unter diesem ein Schatz verbirgt, sind in der staubigen Hütte nicht nur Geister und Zombies sondern auch schießwütige Killer anzutreffen...

Spaßiges Grusical aus den frühen Martin/Lewis-Tagen, das ganz gut aufzeigt, welcher Typisierung das Spaßmacher-Duo sich unterzuordnen hatte: Martin ist der leicht schmalzige Schlagersänger mit Schlagseite bei hübschen Frauen, Lewis der asuxelle, infantile Clown, der dafür zu sorgen hat, dass die dürftige Geschichte sich nur möglichst stockend weiterentwickelt und darüberhinaus natürlich den wesentlich anspruchsvolleren Part innehat. Wenn Lewis mit quäkender Stimme nach 'Laaarryyyy' ruft, dann bleibt einem nur die bloße Faszination angesichts einer derartigen Form von Selbstaufgabe. Bei nMartin lässt einen das Gefühl nicht los, dass er sowieso nur sich selbst spielt, wenn er in "Scared Stiff" auch nicht einen Martini Dry zu trinken bekommt.

7/10

Martin/Lewis Schloss Kuba Voodoo Karibik George Marshall Zombies Jerry Lewis


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THE DISORDERLY ORDERLY (Frank Tashlin/USA 1964)


"Unfortunately that's not Christmas, it's even not New Year's Eve."

The Disorderly Orderly (Der Tölpel vom Dienst) ~ USA 1964
Directed By: Frank Tashlin


Obwohl Jerome Littlefield (Jerry Lewis) längst als Arzt arbeiten könnte, leidet er unter einem seltsamen Empathie-Syndrom, das ihn die von seinen Patienten geschilderten Leiden komplett nachfühlen lässt. Es bleibt also zunächst bei der Krankenpflegerei. Sein Berufsalltag besteht nun darin, Oberschwester Higgins (Kathleen Freeman) mit seinen gutgemeinten Chaos-Aktionen regelmäßig um den Verstand zu bringen. Dann gerät der Gute auch noch in Liebesbredouillen, als sein Highschool-Schwarm (Susan Oliver) wegen eines Selbstmordversuchs bei ihm eingeliefert wird, was Jeromes Freundin (Karen Sharpe) gar nicht gefällt.

Frank Tashlin lässt es nochmal ordentlich krachen in seiner achten und letzten Zusammenarbeit mit Jerry Lewis, in der sich das seit damals kaum verbesserte US-Krankenversicherungswesen sich teils bitterer Satire unterziehen muss. Während der Komiker einmal mehr den naiven Sonderling gibt, dessen Beziehungsängste diesmal allerdings noch konfuser ausfallen als gewohnt, lässt die teilweise angesetzte, cartooneske Schärfe der Gags, die mitunter im Surrealen gipfeln, wiederum Tashlins Handschrift erkennen. Speziell das Finale, in dem zwei Krankenwagen und zwei Rolltragen sich gegenseitig verfolgend durch die unebenen Straßenschluchten San Franciscos rollen und unter anderem für kugelnde Mülltonnen und einen wahren Büchsenregen in einem Supermarkt sorgen, dürfte mit seinen grotesken Arrangements und dem unbedingten Willen, stets noch eins draufzusetzen, problemlos das Prädikat "unerreicht" davontragen.

8/10

Frank Tashlin Satire Jerry Lewis San Francisco Krankenhaus


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THE PATSY (Jerry Lewis/USA 1964)


"I'll show them..."

The Patsy (Die Heulboje) ~ USA 1964
Directed By: Jerry Lewis


Der plötzliche Unfalltod des beliebten Entertainers Wally Brandford stürzt besonders dessen sechsköpfige Entourage (Ina Balin, Everett Sloane, Keenan Wynn, Peter Lorre, John Carradine, Phil Harris) in tiefe Depressionen. Da gibt es nur eine Lösung: Ein Brandford-Nachfolger muss her! Flugs schnappt man sich den erstbesten greifbaren Probanden, den Hotelpagen Stanley Belt (Jerry Lewis), und versucht, ihn mit allen Mitteln zum Superstar aufzubauschen. Doch Stanley hat seinen eigenen Kopf, und der will nunmal nicht so wie sein selbsternanntes Management.

Ein weitere kleine Sahneschnitte aus Lewis' Autorenfilmer-Œuvre, gewidmet all den Sternchen, die es zu nichts gebracht haben und natürlich auch jenen, die es zu etwas gebracht haben, es vielleicht aber zu gar nichts bringen wollten. Wie dem auch sei, der Charakter des Stanley Belt unterscheidet sich nicht wesentlich von anderen Lewis-Figuren dieser Tage; Stanley ist ein naiver Tropf, der trotz seiner ausgewachsenen Physis im Inneren ein mentales Kleinkind beherbergt und zum Spielball der Gewalten - soll heißen, einer wahrhaft gruselig anmutenden Ansammlung alternder Krausköpfe - wird, ohne sich dessen auch nur zu einer Sekunde bewusst zu sein. Den großen Zampano der Clownerie gibt Lewis dabei mit einem stets weinenden Auge; nicht gefeit vor Misserfolgen und Publikumsflops. Erst die eigene Nummer am Ende, die als doppelbödiger Ed-Sullivan-Meilenstein gefeiert wird, beschert ihm die nötige Emanzipation. Das wird so verblüffend klar wie aufrichtig dargeboten und ist damit Lewis in Reinkultur.

8/10

Los Angeles Jerry Lewis Slapstick Hollywood


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THE NUTTY PROFESSOR (Jerry Lewis/USA 1963)


"Have some, baby?"

The Nutty Professor (Der verrückte Professor) ~ USA 1963
Directed By: Jerry Lewis


Der schüchterne Chemieprofessor Julius Kelp (Jerry Lewis) hat es nicht leicht: Seine wirren Experimente enden regelmäßig in mittelschweren Explosionen und seine Studenten haben keinerlei Respekt vor ihm. Hinzu kommt sein unvorteilhaftes Äußeres, das ihm selbst jedoch am Allermeisten zu schaffen macht. Ein Fitness-Programm im Bodybuildingstudio bringt nicht den gewünschten Erfolg, also erfindet Kelp ein Serum, mit dem er sich in den unwiderstehlichen, wenn auch arroganten Womanizer Buddy Love (Jerry Lewis) verwandeln kann. Die unabwendbare Identitätskrise lässt nicht lange auf sich warten.

Mit "The Nutty Professor" trieb Lewis seine komödiantische Kunst endgültig zu Perfektion. Nicht nur, dass der Film eine grandiose One-Man-Show für ihn als Doppel-Protagonisten bereithält, berichtet er zudem noch mustergültige Wahrheiten über Körper- und Schönheitskult, Oberflächlichkeiten und triebgesteuerte Partnersuche. Bis auf das endgültig dem Märchenreich entlehnte Ende, an dem sich die wunderhübsche Stella Stevens (nicht ohne ein letztes Augenzwinkern) gegen den potenten Testosteron-Protz Buddy Love und für den verzückten Professor Kelp entscheidet ist Lewis' auch als Horrorfilm-Parodie respektive als softe "Jekyll-&-Hyde"-Variation überaus gelungenes Meisterstück voll von sozialpsychologischen Beobachtungen, die, wenn auch in einem für das heutige Auge womöglich ungewohnten Ambiente angesiedelt, bis dato nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt haben. Schon geflissentlich bizarr, wie geringfügig die okzidentalische Kultur sich in mancherlei Hinsicht in fünf Dekaden weiterentwickelt hat.

9/10

Slapstick Parodie Jerry Lewis Satire Jekyll und Hyde Mad Scientist


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HELLFIGHTERS (Andrew V. McLaglen/USA 1969)


"Somebody wake me up!"

Hellfighters (Die Unerschrockenen) ~ USA 1969
Directed By: Andrew V. McLaglen


Chance Buckman (John Wayne) ist Spezialist für das Löschen von eigentlich unlöschbaren Ölfeldbränden und jettet daher mit seinem Team über den gesamten Globus. Nach einer gefährlichen Brustverletzung und seiner von ihm getrennt lebenden Frau (Vera Miles) zuliebe gibt Chance den Job zähneknirschend an seinen nicht minder dickköpfigen Freund und Schwiegersohn Greg (Jim Hutton) weiter. Bald jedoch steht dieser vor einem beruflichen Problem, das nur mit Chances Hilfe zu lösen ist...

Ye goode olde Duke movie. Ausnahmsweise mal nicht in die Kunstlederweste gehüllt, muss der alte Tinseltown-Rep sich gar nicht groß verstellen. Den leicht betagten Patriarchen-Brechwurz, dessen Eisenschädel prinzipiell alles besser weiß und zumeist auch richtig damit liegt, darf Wayne nämlich auch hier wieder geben. Was Dukes späte Filme, die ja sehr häufig unter der routinierten inszenatorischen Ägide von McLaglen entstanden sind, im Allgemeinen so charmant macht, ist ihre heimelige Atmosphäre - der Zuschauer hat stets das Gefühl einem Familientreffen beizuwohnen. "Hellfighters" funktioniert dabei ganz ähnlich wie Hawks' "Hatari!": Eine Gruppe (fraglos viel zu alter) Superprofis, die zur Auflockerung und der attraktiveren Optik halber von einer jungen Dame (Katharine Ross, selten attraktiver) begleitet werden, erlebt diverse abenteuerliche und lustige Episoden, ohne dass es einen roten Plotfaden gäbe. Dem größeren Wiedererkennungswert zuliebe hüpfen dazwischen noch Duke-Faktotum Bruce Cabot und Valentin de Vargas dazwischen herum. Leider sind venezolanische Ölfelder jedoch keine afrikanische Steppe und McLaglen ist kein Hawks, was man "Hellfighters" leider ohne Umschweife anmerkt. Der Film wirkt am Ende nämlich doch etwas zu trocken, um so rundum glücklich und enthusiastisch machen zu können wie ein Film des Großmeisters und reicht über schickes Unterhaltungsprogramm für Freunde des Duke nicht hinaus. Was für meine Wenigkeit freilich kein Problem darstellt, im Gegenteil.

6/10

Andrew V. McLaglen Feuerwehr Familie


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TOP SECRET! (David Zucker, Jim Abrahams, Jerry Zucker/USA 1984)


"I know a little German. He's sitting over there."

Top Secret! ~ USA 1984
Directed By: David Zucker/Jim Abrahams/Jerry Zucker


Um die Welt von ihrer wesentlichen Schlechtigkeit abzulenken, veranstalten die Parteiinternen der DDR ein Kulturfestival, auf dem als vorgebliches Zeichen des internationalen Öffnungswillens der amerikanische Rock'n'Roll-Star Nick Rivers (Val Kilmer) auftreten soll. Dieser gerät prompt in eine Spionageaffäre, wird zum Staatsfeind Nr. 1 und hilft einer Untergrund-Brigade gegen das Regime.

Der erste ZAZ-Film nach dem formvollendeten Gag-Feuerwerk "Airplane!" ist zwar nicht ganz so toll wie der Quasi-Vorgänger, prangt in seiner kompromisslosen Bereitschaft zum totalen Schwachsinn und jedem noch so abgeschmackten visuellen Gag aber immer noch als ein Juwel in der Krone des späten Slapstick. "Top Secret!" berichtet dabei auch viel über die USA, die der Film als ebenso kulturhermetisch wie den real existierenden Sozialismus denunziert und einen schmierigen, verblödeten Elvis-Epigonen (mutig: Kilmer) der Kategorie B zum potenziellen Retter der östlichen (Kommie-)Welt deklariert. In der Arbeiter- und Bauernstaatsfantasie von ZAZ, deren Zielobjekt in "Top Secret!" auch nichts anderes markiert als eine unverbesserliche Fortsetzung des Dritten Reichs und dessen Darstellung ebensowenig mit Authentizität zu tun hat wie das sich automatisch öffnende Garagentor einer Bambushütte, steht die (Film-)Zeit seit Dekaden still und zur formvollendeten Subversion genügt bereits eine knallrote E-Gitarre. Omar Sharif in der vermutlich entwürdigendsten Rolle seiner gesamten Karriere tummelt sich dazwischen, zusammen mit den britischen Gruselveteranen Michael Gough und Peter Cushing (der als Ehrerbietung die wahrscheinlich famoseste Einstellung des Films abbekommen hat). Das hat Klasse, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht überhaupt gar nicht danach aussieht.

8/10

David Zucker Satire Jim Abrahams Jerry Zucker ZAZ Parodie Groteske Kalter Krieg Slapstick Spionage Widerstand DDR


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BUTCH & SUNDANCE: THE EARLY DAYS (Richard Lester/USA 1979)


"Guilty as hell - free as a bird!"

Butch & Sundance: The Early Days ~ USA 1979
Directed By: Richard Lester


Wie die beiden berühmten Gauner Butch Cassidy (Tom Berenger) und Sundance Kid (William Katt) in jungen Jahren Bekanntschaft schließen, gemeinsam durch Dick und Dünn gehen, sich gegenseitig das Leben retten und ihren ersten kühnen Eisenbahnüberfall im Angesicht größter Gefahr meistern.

Für das stets augenzwinkernde Kino des Richard Lester ist das Sujet um die zwei mit losem Mundwerk und losem Finger ausgestatteten Wildwest-Banditen ja eigentlich ein ideales. Bei genauerem Nachdenken hätte auch das große "Original" von George Roy Hill sicher die inszenatorischen Sensoren Lesters gereizt. Nun, zehn Jahre später kam er immerhin dazu, dieses kleine Prequel auf den Weg zu bringen, dass manche Reminiszenzen an Hills Version bereithält (u.a. ist hier wiederum Jeff Corey als Sheriff Bledsoe zu sehen) und dieses angemessen hofiert, ohne es auf simple Art zu kopieren. Die physiognomische Ähnlichkeit von Berenger und Katt mit Newman und Redford wirkt verblüffend, wenn sie auch schmerzlich bewusst machen, welch ungeheure auratische Präsenz die beiden großen Vorbilder ihren Figuren einst verliehen haben. Aber wie erwähnt ging es Lester wohl kaum um eine plumpe Reprise. Vielmehr erzählt er ein paar fluffige Anekdoten um zwei junge Taugenichtse, die ihre Kriminalität für mindestens ebenso ehrbar halten wie das Schusterhandwerk und ihr Leben entsprechend sorglos gestalten. Und da sind wir dann doch wieder beim Anknüpfpunkt, oder, um es in Cassidys und Kids Jargon zu sagen, bei der "Kopplung" zwischen beiden Filmen angelangt.

7/10

Richard Lester Wyoming period piece Historie





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Funxton

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