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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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LITTLE FOCKERS (Paul Weitz/USA 2010)


"Are you prepared to be... the Godfocker?"

Little Fockers (Meine Frau, unsere Kinder und ich) ~ USA 2010
Directed By: Paul Weitz

Pam (Blythe Danner) und Greg Fockers (Ben Stiller) Zwillinge Samantha (Daisy Tahan) und Henry (Colin Baiocchi) feiern bald ihren fünften Geburtstag. Dazu haben sich beide Großelternpaare angekündigt. Jack Byrnes (Robert De Niro) macht sich angesichts einer Herzattacke zudem Sorgen um das Fortleben seines Status als Familienpatriarch und plant, Greg auf seine zukünftige Rolle vorzubereiten, zumal sein anderer Schwiegersohn (Tom McCarthy) dessen Frau just verlassen hat. Natürlich zieht das paranoide Verhalten Jacks, der sogleich bei seinem Besuch auch bei den Fockers eine Ehekrise vermutet, Greg der Fremdgeherei bezichtigt und das etwas seltsame VerhaltePams mehr und mehr durchdrehender Ex-Lover Kevin Rawley (Owen Wilson) wieder auf der Bildfläche auf...

Auch wenn "Little Fockers" den ersten beiden (meine Eindrücke zum ersten Sequel lassen sich hier nachlesen), von Jay Roach inszenierten Filmen der Trilogie nicht ganz das Wasser reichen kann, lässt er sich dennoch als durchaus witzige Fortsetzung goutieren. Das grundsätzlich identische Konzept der beiden Vorgänger, unpassende Familienmitglieder aufeinanderprallen und hochnotpeinliche Situationen meistern zu lassen, ging hier jedoch zwangsläufig nicht mehr auf. Stattdessen vertieft man die Beziehungsgeflechte der bereits etablierten Figuren und demonstriert, dass jede zwischenzeitliche Aussöhnung zwischen Schwiegervater Jack und Schwiegersohn Greg lediglich einen Aufschub für die endgültige, in Handgreiflichkeiten ausartende Kulmination bedeutete. Die Ausschlag gebende Situation markieren nun auch nicht mehr potenziell aufregende Szenarien wie Heiratsantrag und Familienplanung/ -zusammenführung, sondern das profane Leben danach und die dazugehörigen, unausweichlichen Krisen. Als Stimme der Versuchung stellt man Stiller die leckere Jessica Alba gegenüber, als zusätzlichen Nerventester indes Harvey Keitel, der einen schmierigen Bau-Vorarbeiter mit sichtlichem Vergnügen interpretiert. Owen Wilsons Part des sich auf esoterische Irpfade begebenden Kevin Rawley gleicht mittlerweile vollends dem des Eli Cash aus "The Royal Tenenbaums" und ist damit der größte komödiantische Markstein dieses ansonsten eher zu gepflegtem Schmunzeln anregenden Films.

7/10

Paul Weitz Chicago Sequel Familie Ehe


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MEET THE PARENTS (Jay Roach/USA 2000)


"I will be watching you..."

Meet The Parents (Meine Braut, ihr Vater und ich) ~ USA 2000
Directed By: Jay Roach

Bevor er seiner geliebten Pam (BlytheDanner) einen Heiratsantrag macht, will der Chicagoer Krankenpfleger Greg Focker (Ben Stiller) zunächst die Zustimmung von Pams Vater Jack Byrnes (Robert De Niro) einholen. Für dieses Unterfangen wählt er das Hochzeitswochende von Pams jüngerer Schwester Debbie (Nicole DeHuff). Jack entpuppt sich nicht nur als Ex-CIA-Agent, sondern zudem als erzkonservativer, paranoider Kontrollfreak und Albtraum von einem Spießer, dessen Vorstellungen vom perfekten Schwiergersohn garantiert niemand gerecht werden könnte. Greg lässt sich durch das inquisitorische Gehabe seines zukünftigen Schwiergervaters jedoch schwer aus der Ruhe bringen und tritt in ein Fettnäpfchen nach dem anderen.

Vorzügliche Fremdschäm-Komödie, die das von Ben Stiller regelmäßig bediente Konzept, seine Figuren als Sympathieträger in scheinbar ausweglose oder höchst blamable Situationen aufs Neue variiert und im Grunde eine, wenn auch vollends perfektionierte, Abfolge von Volten abliefert, an deren Ende die große Konfliktlösung wartet. Der vordergründige Ideenreichtum speist sich primär aus der Passionsgeschichte des Gaylord Focker, für den sich ein im Prinzip simpler Heiratsantrag zur Tortur seines Lebens ausweitet. Sekundär ist die Konterkarierung der von Stiller und De Niro inerpretierten Figuren für das außerordentlich reibungslose Funktionieren der Geschichte verantwortlich - der unkonventionelle, aus ultraliberalem Hause stammende Frauenversteher vs. den überkommenen Cold-War-Machismo desalten Knochens Byrnes. Dass Stiller sich jedes zweite Ding, dessen De Niro ihn verdächtigt, tatsächlich selbst lappt, gehört natürlich ebenso zur elementaren formalen Grundausstattung.

8/10

Jay Roach Verlobung Wochenende Chicago Familie Duell


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STAND BY ME (Rob Reiner/USA 1986)


"I never had any friends later on like the ones I had when I was twelve."

Stand By Me ~ USA 1986
Directed By: Rob Reiner

Angesichts der Ermordung seines Jugendfreundes Chris (River Phoenix) erinnert sich der Schriftsteller Gordie Lachance (Richard Dreyfuss) an seine Kindheitsjahre, in denen er (Wil Wheaton) sich zusammen mit seinen drei besten Freunden Chris, Teddy (Corey Feldman) und Vern (Jerry O'Connell) auf die abenteuerliche Suche nach der Leiche eines gleichaltrigen Jungen macht. Der schlussendliche Fund des Toten wird zu einer biographischen Zäsur für alle Beteiligten.

Ich habe das große Glück, mit Stand By Me aufgewachsen zu sein. Als ich den Film seinerzeit mit meinem besten Freund im Kino gesehen habe, waren wir etwa imselben Alter wie Gordie, Chris,Teddy und Vern und deswegen ebenso weltverständig und emotionsoffen, wie es elf- und zwölfjährige Jungs eben sind, bevor Mädchen und Bier zu den existenzbestimmenden Themen werden. Einen besseren Zeitpunkt für die Premiere von Reiners wahrscheinlich schönstem Film kann ich mir im Nachhinein jedenfalls nicht vorstellen. "Stand By Me" hat mich im Laufe der letzten 25 Jahre stets begleitet und ist nie wieder von meiner Seite gewichen. Die Perspektive allerdings hat irgendwann ganz unmerklich von dem jungen hin zum alten Gordie gewechselt, dessen Blick auf seine Kindheit und jenes zugleich so schöne wie morbide Erlebnis auf der Straße zum Erwachsenwerden ja ebenso nostalgieverklärt sind wie die eigenen Rückblicke, die man, um diverse Erfahrungen reicher und gereifter, so pflegt. Diese universelle Erzählsprache, die nicht allein Stephen Kings Vorlage "The Body", sondern auch dem filmgenuinen Script und natürlich Reiners brillanter Inszenierung zuzuschreiben ist, die witzige popkulturelle Zitate pflegt und die die Musikhits der Zeit hörbar macht, ist es, die "Stand By Me" erst zu seiner speziellen Empathie und seiner so gemeinverständlichem Persönlichkeit verhilft. Ganz davon abgesehen, dass er einen der besten mir bekannten Filme über Freundschaft und Unschuldsverlust darstellt.

10/10

period piece Coming of Age Stephen King Rob Reiner Oregon Freundschaft Road Movie


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THE HORROR OF FRANKENSTEIN (Jimmy Sangster/UK 1970)


"Good boy. Well done."

The Horror Of Frankenstein (Frankensteins Schrecken) ~ UK 1970
Directed By: Jimmy Sangster

Baron Victor Frankenstein (Ralph Bates), einem gewissenlosen Dandy, ist zur Verfolgung seiner Ziele jedes Mittel Recht. Frankenstein plant, den Tod selbst zu besiegen und leblose Körper mittels galvanischer Kräfte neue Vitalität einzuhauchen. Seine Experimente kulminieren in der Schaffung eines aus Leichenteilen bestehenden, bösen Flickwerkmonsters (David Prowse), das mit Ausnahme seines Herrn und eines kleinen Mädchens (Carol Jeayes) jedwede Person ins Jenseits befördert, die zufällig seine Wege kreuzt.

Anstatt nach fünf "Frankenstein"-Filmen mit Peter Cushing nonchalant den sechsten Teil hinterher zu schieben (dieser ließ noch vier weitere Jahre auf sich warten, hatte dann aber wiederum David Prowse im Gepäck, diesmal als haarigen Affenmenschen), entschloss sich die Hammer zunächst für etwas, das im gegenwärtigen Kino in aller Munde ist: Ein Reboot. "The Horror Of Frankenstein" lässt sich im Direktvergleich zu den durchweg traditionellen Cushing-Filmen denn auch recht eindeutig als eine schwarze Komödie einordnen. Ralph Bates ist als großmäuliger, arroganter Youngster zu sehen, dessen Egomanie so weit geht, dass er zu keiner weiteren gefühlsmäßigen Regung denn zur Autoerotik fähig ist und dass er jeden Menschen, der ihm etwas bedeuten sollte, kurzerhand aus dem Weg räumt. Als sein Vater (George Belbin) ihm den Geldhahn zudreht, präpariert er dessen Lieblingsflinte, als sein bester Freund Wilhelm (Graham James) ihm den Rücken zukehrt, setzt Frankenstein ihn unter Strom. Diverse Mitwisser und Erpresser werden ebenfalls von ihm oder seinem ungeschlachten Hausfaktotum eliminiert. Ferner nutzt er die Notlage der schönen, ihn liebenden Elisabeth (Veronica Carlson) schamlos aus und engagiert sie - als Hausmädchen!
Das Beste jedoch: Wo Peter Cushing jeweils am Ende der omnipräsenten Kinomoral, derzufolge Verbrechen sich nicht lohnt, nachzugeben hatte, kommt Ralph Bates ungeschoren davon. Das einzige Beweismittel für seine Skrupellosigkeit endet zwar unreiwillig im Säurebad - das war's aber auch schon. Am Ende bleibt nur sein etwas genervtes Antlitz im Closeup - muss eben ein neues Ungetüm her. Selbiges blieb jedoch Wunschdenken, denn das zweite, potenzielle "Frankenstein"-Franchise aus dem Hause Hammer blieb bei diesem recht obskuren, aber zumindest witzigem, singulären Einzelschuss.

6/10

Jimmy Sangster Hammer Frankenstein Groteske Schwarze Komödie period piece mad scientist Madness


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JOHNNY BE GOOD (Bud S. Smith/USA 1988)


"You should just spend a minute thinkin', old man."

Johnny Be Good ~ USA 1988
Directed By: Bud S. Smith

Der kurz vor seinem High-School-Abschluss stehende Footballspieler Johnny Walker (Anthony Michael Hall) ist der Star des örtlichen Schulteams und erhält permanent Stipendienangebote und Anwerbungen von Unis aus allen Ecken der Staaten, die das kommende Idol unbedingt unter ihrem Dach parken wollen. Die inflationäre Aufmerksamkeit droht dem aus einem höchst bodenständigen Vorstadt-Haushalt stammenden Johnny schwer zu Kopf zu steigen, schließlich trifft der junge Mann jedoch die sinnvollste Entscheidung.

Nach mehreren Auftritten bei John Hughes als Loser der Nation war es an Anthony Michael Hall, den diametralen Part des frenetisch gefeierten Teenie-Idols zu geben. Als begehrtestem Nachwuchssportler der gesamten Vereinigten Staaten und mit Uma Thurman als knackigem Girlfriend hat er diesmal den Verlockungen der Prominentenkorruption zu begegnen und Stand zu halten. Die Welt der "Football-Unis" mit all ihren irrsinnigen Dekanen und Trainern, in denen Starsportler wahlweise maschinell gezüchtet und überwacht, oder mit hübschen Mädchen, Doping, Alkohol und sonstigen Drogen gefügig gemacht werden, greift mit ihren gierigen Tentakeln nach unserem braven suburbian brat, das mit der schönen Uma und Robert Downey Jr. als best buddy im Rücken natürlich rechtzeitig wieder die Füße auf den Boden zurückbekommt.
Bemerkenswert an Smiths alberner, ansonsten jedoch erstaunlich wenig witziger Komödie, deren Quatsch-Attitüde mithilfe der deutschen Blödelsynchro noch potenziert wird, ist freilich die Besetzung. Große Charakterköpfe aus dem who's who der supporting casts trifft man hier in gesammelter Legion: Paul Gleason, Seymour Cassel, Marshal Bell - Klassedarsteller, deren Namen vielleicht nicht jedermann geläufig, deren Gesichter den Test der Zeit jedoch als umso einprägsamer überstanden haben. Mit Michael Greene, Steve James und John Pankow gibt es außerdem ein kleines Klassentreffen zu "To Live And Die In L.A." - ohne gemeinsame Szene zwar, aber die gab's ja auch zwei Jahre zuvor schon nicht so richtig. Leider genügt das große Hallo nicht ganz, um aus "Johnny Be Good" zugleich einen guten Film zu machen - aber was soll's. Zur rechten Zeit serviert schmeckt 'ne Phosphatstange mit Pommes + Salbe schließlich auch besser als Ente à l'Orange.

5/10

American Football Bud S. Smith Teenager Schule Satire Coming of Age


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THIS IS ENGLAND '86 (Tom Harper, Shane Meadows/UK 2010)


"I love you. I know you don't love me but I love you."

This Is England '86 ~ UK 2010
Directed By: Tom Harper/Shane Meadows

Drei Jahre nach seiner Zeit mit dem Skin Woody (Joseph Gilgun) und seiner Clique hat sich der mittlerweile fünfzehn Jahre alte Shaun (Thomas Turgoose) wieder ganz in sich zurückzegogen. Allzu gravierend die Ereignisse des Abends, an dem der bekiffte Combo (Stephen Graham) den farbigen Milky (Andrew Shim) unvermittels krankenhausreif geprügelt hat. Woody und seine Freundin Lol (Vicky McClure) wollen derweil heiraten, die Hochzeit muss jedoch wegen Woodys Zögern vertagt werden. Als Lols Vater (Johnny Harris), ein veritables Schwein, wieder in der Gegend auftaucht, zieht sich die junge Frau noch mehr in sich zurück. Nicht lange, da kommt es auch schon zur Katastrophe mit ungeahnten Konsequenzen...

Allein durch die gut doppelte Erzählzeit hat (und nutzt) Shane Meadows in seiner fürs Fernsehen produzierten Fortsetzung der Skinhead-Saga "This Is England" die Möglichkeit, noch sehr viel differenzierte Figurenporträts anzulegen und die die teilweise nur oberflächlich eingeführten Charaktere des Originalfilms deutlich schärfer zu konturieren. Dass ausgerechnet die bislang als kaum mehr denn als liebenswerte Heldenfreundin gezeichnete Lol ganz sacht ins narrative und emotionale Zentrum der kleine Reihe gerückt wird, indem die Geschichte ihr sowohl eine schwierige Lebenskrise aufbürdet als auch einige unfassbare Details aus ihrer familiären Vergangenheit preisgibt, wäre kaum zu vermuten gewesen. Auch der am Ende von "This Is England" noch so prächtig in seiner Absage an die National-Front-Nazismus stilisierte Shaun steht vor neuen Identitätskrisen: Seine Mom (Jo Hartley) bendelt mit dem Einzelwarenhändler Sandhu (Kriss Dosanjh) an. Immerhin ist Shaun mittlerweile alt und groß genug, um seinerseits wirklich etwas mit der exaltierten Smell (Rosamund Hanson) abstarten zu können. Der zuvor noch so fürchtenswerte Banjo (George Newton) ist derweil ein nettes Lämmchen geworden und voll in die Clique integriert, während man von Combo zunächst überhaupt nichts hört, seine spätere Einlassung aber umso dramatischer ausfällt. Lieben, Hassen, Freud, Leid, Leben, Ska, Pop, Punk. Und über allem schweben Thatcherismus und die Fußball-WM in Mexiko. Alles in gut drei Stunden "This Is England '86" geballt und im Überfluss vorhanden. Mehr geht nicht. Es lohnt sich daher, sich davon mitreißen zu lassen und am Ende um weitere Anekdoten um Lol & Co. zu betteln. Tatsächlich ist das nächste update ja bereits am Start. Gut für mich.

10/10

Tom Harper Shane Meadows England period piece Subkultur Freundschaft Sexueller Missbrauch Rape & Revenge Sequel TV-Serie


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JASON LIVES: FRIDAY THE 13TH PART VI (Tom McLoughlin/USA 1986)


"Wherever the red dot goes, you bang."

Jason Lives: Friday The 13th Part VI (Freitag der 13. - Jason lebt) ~ USA 1986
Directed By: Tom McLoughlin

Den arg gebeutelten Tommy Jarvis (Thom Matthews) lässt das Jason-Trauma einfach nicht los: Ein letztes mal will er das Grab des Mörders (C.J. Graham) öffnen und den Leichnam in Brand setzen. Doch es kommt alles anders: Ein Blitzeinschlag lässt den mit Maden übersäten Jason wieder auferstehen. Prompt macht dieser sich auf, sein altes Zuhause Camp Crystal Lake, das wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit jetzt Forrest Green heißt, von dem wieder mal dort hausenden Teenager-Gesocks zu befreien. Tommy bekommt es derweil mit dem amtierenden Sheriff (David Kagen) zu tun, der das hysterische Getue des jungen Mannes zu Recht missinterpretiert...

Mit seinem exaltiert-selbstparodistischen Gestus war mir der sechste Teil, zudem der erste, den ich damals überhaupt aus der Reihe gesehen habe, der erste, dem bei uns kein Kinoeinsatz mehr vergönnt war und vor allem der erste, dessen Scriptautor den Film auch selbst inszenieren durfte (Danny Steinmann war beim direkten Vorgänger lediglich als Co-Writer aktiv), stets der liebste. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Jason Lives" entfernt sich ein gutes Stück von den bereits damals kaum mehr zeitgemäßen Ansätzen der früheren Filme, dem Publikum nach Jahren der Übersättigung noch einen ernsthaften Slasher vorzusetzen und legt sein Hauptaugenmerk stattdessen darauf, eine launige Horrorkomödie zu kreieren, die vor allerlei fanbasiertem name dropping Marke Joe Dante und sogar vor frechem Sophismus nicht zurückschreckt. Da gibt es zahlreiche Einstellungen, die vielleicht erst bei der zweiten oder dritten Betrachtung augenfällig werden und die ein hohes Maß an Vergnügen schüren und wiederum eine klare Abgrenzung zur grobkonturierten Komik von "A New Beginning" bilden.
Dass McLoughlin, der sowohl den mythologischen als auch den sozialmedialen Charakter des Franchise grandios zu durchschauen und zu interpretieren wusste, dabei jedoch keinesfalls respektlos mit dem Erbe der früheren Filme verfährt, lässt sich vermittels Jasons noch berserkerhafteren Vorgehensweise nachvollziehen. Der untote Killer ist jetzt endgültig zum unzerstörbaren Superzombie mutiert; mühelos schraubt er Köpfe ab und bricht einen erwachsenen Mann entzwei. Dass die MPAA dies wieder einmal nicht tributlos durchgehen ließ ist ein weiterer Nachweis dafür, welch Lieblingszensorenkind die "Friday"-Filme in den Achtzigern doch waren. Andererseits verliert "Jason Lives" im Direktvergleich mit dem Nachfolger durch die Kürzungen keinerlei Meriten; er bleibt auch so noch ein astreiner, sauber gefertigter und höchst vergnüglicher Reihenbeitrag. Und ist der erste komplett drogenfreie Film der Serie!

8/10

Tom McLoughlin Jason Voorhees Sequel Splatter Slasher Satire Feriencamp Nacht


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THE KILLING OF SISTER GEORGE (Robert Aldrich/USA 1968)


"Some people prefer two eggs but I think one's enough."

The Killing Of Sister George (Das Doppelleben der Sister George) ~ USA 1968
Directed By: Robert Aldrich

Nobody wants you when you're down, old and ugly - diese böse Erfahrung macht die alternde Londoner Actrice June Buckridge (Beryl Reid), die seit Jahren in der beliebten Langzeit-TV-Soap "Applehurst" die Krankenschwester George spielt. Als die BBC, im Speziellen die Directrice Mercy Croft (Coral Browne), Junes Rolle aus der Serie streichen und sie somit herausmobben will, hat man leichtes Spiel: Infolge der fragilen Beziehung mit ihrer Freundin Alice (Susannah York), um deren Fortbestand June tagtäglich fürchtet, flüchtet sie sich nämlich mit zunehmender Regelmäßigkeit in den Suff und macht dann schonmal unsittlich ein paar junge Nonnen an. Als die sich betont konservativ gebende Croft ihre eigene Leidenschaft für Alice entdeckt, ist June endgültig verloren.

Wiederum Bahnbrechendes von Aldrich, das ähnlich wie der unmittelbar zuvor gefertigte "The Legend Of Lylah Clare" bereits jene gleichermaßen zynische und desillusionierte Sicht des Regisseurs auf die Dinge des Lebens vorwegnimmt, die sein gesamtes Spätwerk bestimmen soll. Allein die beiläufig wirkende Darstellung des Londoner Lesbierinnen-Milieus in Zeiten, da die Filmkategorie 'Queer Cinema' in etwa so utopisch angemutet haben dürfte wie Tablets, nimmt sich revolutionär aus; So here Aldrich finally got, allein unter Frauen, die keine Männer (mehr) brauchen. Ohne auch nur den geringsten Schritt in Richtung Denunziation oder Feme zu unternehmen berichten Stück und Script von einer rein weiblichen Dreiecksbeziehung, an deren bösem Ende einzig der Karrierismus der Jüngeren den Stutenkampf der beiden Älteren bestimmt.
Coral Browne, die bereits in "Lylah Clare" eine wütende Matriarchin darzustellen hatte, ist wiederum fantastisch als alte Redaktionshexe mit bourgeoiser Maske und verdrängter Sexualität, derweil die noch unglaublichere Beryl Reid bis zur Selbstaufgabe eine der monumentalsten Frauenfiguren präsentiert, der ich je das erquickliche Vergnügen hatte, im Film zuzusehen. Schauspiel- und Auteurkino von allerhöchsten Himmelsgnaden ist das zutiefst berührende Resultat. Und: Aldrich at his very finest for sure.

10/10

Robert Aldrich Fernsehen London based on play Skandalfilm Alkohol Homosexualität


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KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE (Stephen Chiodo/USA 1988)


"I made it through Korea, I can make it through this bullshit!"

Killer Klowns From Outer Space (Space Invaders) ~ USA 1988
Directed By: Stephen Chiodo

Gefräßige Aliens, die aussehen wie monströse Zirkusclowns, machen mit ihrem Raumhobel Halt in der US-Provinz, um das Kleinstädtchen Crescent Grove im wahrsten Sinne des Wortes "auszuschlachten". Die Killerclowns mögen nämlich am Liebsten in rosa Zuckerwatte konserviertes Menschenfleisch. Der emsige Cop Dave (John Allen Nelson) und die beiden Teenager Mike (Grant Cramer) und Debbie (Suzanne Snyder) lassen sich die derben Narreteien der extraterrestrischen Spaßmacher jedoch nicht gefallen und holen zum Gegenschlag aus.

Leider genießt Chiodos Film zumindest großflächig hierzulande nicht den Ruf, der ihm eigentlich zukäme und den er in seinem Herkunftsland innehat, weil es ihm bei uns schlicht an Bekanntheit mangelt. Allzu stiefmütterlich die bisherige Rezeptionsgeschichte - was sich möglicherweise mit dem aktuellen, überfälligen DVD-Release etwas reguliert. Stephen Chiodo, der sich diese völlig irrsinnige Geschichte mit seinen Brüdern Charles und Edward ausgedacht hat, zieht alle Register für seine liebenswerte Hommage an die Invasionsfilme der fünfziger Jahre und macht mit und aus seinem Kleinbudget ein regelrechtes Ideenfeuerwerk. Eine Vielzahl abgefahrener visueller Gags, die nahezu jedes typische Clown-Klischee zu einem Horror-Geistesblitz werden lässt - darunter ein lebendig werdendes Fingerschattenspiel, macht die "Killer Klowns" zu einer wirklich erklecklichen Genre-Comedy, die sich rühmen darf, zu den heimlichen Schätzchen des Achtziger-Kinos zu gehören.

7/10

Stephen Chiodo Aliens Monster Invasion Clowns Zirkus Kleinstadt


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CARNAGE (Roman Polanski/F, D, PL, E 2011)


"I'm glad our son kicked the shit out of your son and I wipe my ass with your human rights!"

Carnage (Der Gott des Gemetzels) ~ F/D/PL/E 2011
Directed By: Roman Polanski

Zwei bourgeoise New Yorker Elternpaare, die Longstreets (Jodie Foster, John C. Reilly) und die Cowans (Kate Winslet, Christoph Waltz), nehmen einen ausgearteten Streit ihrer jeweils elf Jahre alten Söhne zum unfreiwilligen Anlass einer wechselseitigen Selbstzerfleischungs-Session.

Verdammt, ist mit diesem Mann noch zu rechnen! Gut, der von einer ungeheuer pointierten Brillanz getragene Dialog mag der Stück-Autorin Yasmina Reza zuzurechnen sein, doch die ausgesucht stilsichere, strenge Ort- und Zeit-Inszenierung, die die Vorlage nicht nur trägt, sondern sie gar noch ergänzt und überhöht, kann allein ein Meisterfilmer wie eben Polanski derart formvollendet auf die breit gespreizten Beine stellen. Der mit spannenden Theater-Verfilmungen vertraute Regisseur zeigt sich hier erneut von einer ultrabösen Scharfsinnigkeit, die dazu ausreicht, innerhalb von achtzig Minuten eine komplette Gesellschaftsschicht bloßzustellen, ihre Geschlechterkonflikte, ihre Ehe- und Familienbegriffe, schließlich ihr hohles Geschwätz und ihre ach so selbstsichere Ortsbestimmung in der Welt auf das Leidenschaftlichste zu zertrümmern und da, wo zuvor noch vier narzisstische Oberflächenmenschen waren, ein großzügig abgestecktes Stück verbrannter Erde zu hinterlassen. Das Ganze wird getragen von einer so irrsinnigen Komik, dass man nurmehr Bauklötze zu staunen vermag. Zudem gibt es hier eine der wunderschönst gestalteten Kotz-Szenen mit anschließender Bereinigung der Filmgeschichte zu bewundern, und ja, selbst unter Berücksichtigung von "The Meaning Of Life" und "Stand By Me".
Perfekt.

10/10

Roman Polanski New York based on play Parabel Yasmina Reza Satire





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Funxton

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