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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE LORDS OF FLATBUSH (Martin Davidson, Stephen Verona/USA 1974)


"You want a ring? I got a ring for ya. In my bathtub."

The Lords Of Flatbush (Brooklyn Blues - Das Gesetz der Gosse) ~ USA 1974
Directed By: Martin Davidson/Stephen Verona

Brooklyn, Ende der Fünfziger. Die vier unzertrennlichen Kumpels Chico (Perry King), Stanley (Sylvester Stallone), Butchey (Henry Winkler) und Wimpy (Paul Mace) sind die "Lords" - ausgestattet mit den größten Klappen des Viertels, frech wie Rotz, renitent in der Schule, hinter jedem greifbaren Rock her und brav zu ihren Mamas. Als Chico mit seinen Sprüchen bei der etwas besser gestellten Jane (Susan Blakely) abblitzt und Stanley Freundin Frannie (Maria Smith) schwanger wird, linst langsam das Erwachsenwerden um die Ecke.

Die Probleme der frühen Adoleszenz - wir alle kennen sie. In "The Lords Of Flatbush", einem filmischen Bindeglied zwischen Scorseses "Mean Streets" und Kaufmans "The Wanderers", das freilich weder die existenzialistische Beschwernis des ersteren noch die exakte Milieubeobachtung des letzteren gebraucht, sondern einfach nur umweglos und unkompliziert seine kleine Geschichte erzählen möchte, treten sie wiederum zu Tage. Das Leben scheint einen nicht zu wollen und erst die Erkenntnis, dass der Globus sich auch ohne einen weiterdreht, ganz egal, wie quer man sich stellt, bringt eine gewisse Form der Erleichterung mit sich. Am Ende steht, wie schon Generationen zuvor, der Sprung ins Familienleben und zugleich in das vorstädtische Mini-Establishment. Man heiratet in den Bahnen der eigene Ethnie (hier: italoamerikanisch); das gibt keine Probleme und ist gut fürs Blut. Der Mikrokosmos sucht und findet neue Opfer. Das kann man deprimierend finden oder als karmischen Lauf der Dinge abtun - als Film ist es nett anzusehen und tut niemandem weh.

6/10

Martin Davidson Stephen Verona Brooklyn New York period piece Subkultur Teenager Coming of Age Freundschaft Gangs


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POSTCARDS FROM THE EDGE (Mike Nichols/USA 1990)


"Go on and cry. You'll pee less, as my grandma used to say."

Postcards From The Edge (Grüße aus Hollywood) ~ USA 1990
Directed By: Mike Nichols

Nach einem überdosierten, lebensgefährlichen Medikamente-Cocktail muss der süchtigen Film-Aktrice Suzanne Vale (Meryl Streep) der Magen ausgepumpt werden. Für sie ein deutliches Signal, etwas zu ändern. Der folgende Aufenthalt in einer Suchtklinik bringt sie deutlich nach vorn, doch die Bewährungsproben, die das Leben in Form promisker Hollywood-Produzenten (Dennis Quaid) und vor allem in Person ihrer gelinde gesagt komplizierten Mutter (Shirley MacLaine) für sie bereithält, stellen erst die wahre Bewährungsprobe für Suzanne dar...

Basierend auf Carrie Fishers semibiographischem Roman und Script wandte sich Mike Nichols nach seinem völlig zu Unrecht untergegangenen, weil sehr sehenswerter Militärdramödie "Biloxi Blues" einem weiteren aufzuarbeitenden Frauenschicksal zu; wiederum mit der begnadeten Meryl Streep. Diese gibt die für sie ungewöhnliche Rolle einer drogensüchtigen Schauspielerin, also eine im Vergleich zu ihrer realen persona recht diametral angelegte Charakterstudie. Nachdem sie in "Ironweed" bereits eine Alkoholikerin darzustellen hatte, war sie auf diesem Terrain zumindest nicht mehr ganz unbeleckt. Den eigentlichen Nukleus der Geschichte bildet allerdings nicht so sehr die nach und nach in den Griff bekommene Medikamentensucht Suzanne Vales, sondern das schwierige Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter, einem einstmals selbst gefeierten, welkenden Hollywoodstar, der wiederum mit zunehmender Altersverzweiflung dem Alkohol zuspricht und nicht einsehen will, das seine Zeit abgelaufen und reif für eine Beerbung ist. Fishers Erzählung, eine Spiegelung ihrer eigenen, von Schwierigkeiten geprägten Beziehung zu ihrer Mutter Debbie Reynolds (die sogar die entsprechende Rolle im Film spielen wollte, jedoch zu Gunsten MacLaines fallengelassen wurde) und Nichols' Inszenierung legen das Hauptaugenmerk auf ebendiesen Generationskonflikt sowie haufenweise mehr oder minder satirisch gefärbter Seitenhiebe gegen die faktisch menschenverachtende Filmindustrie. Während Ebert bemängelte, dass der Film die Chance verpasst, sich erschöpfend mit einer Suchtrekonvaleszenz auseinanderzusetzen, halte ich gerade dies für eine seiner Stärken inmitten des üblichen "Qualitätskino-Syndroms": Entgiftung, Entwöhnung, Entsagung kann man andernorts wesentlich authentischer und berührender dargestellt vorfinden als von einer für solche Fälle ohnehin eher ungeeigneten Streep. So läuft "Postcards From The Edge", abgesehen von mancherlei allzu sehr geglätteten Facetten, die mit Nichols ohnehin zunehmend domestizierter Art der Werkbearbeitung einhergehen, vornehmlich reibungslos.

7/10

Mike Nichols Carrie Fisher Hollywood Mutter-Tochter Drogen Alkohol Sucht Film im Film Kalifornien


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WORKING GIRL (Mike Nichols/USA 1988)


"Nothing happened."

Working Girl (Die Waffen der Frauen) ~ USA 1988
Directed By: Mike Nichols

Die Karrierepläne der New Yorker Bürokraft Tess McGill (Melanie Griffith) scheitern letztlich nicht an ihrer ohnehin nicht zu unterschätzenden Intelligenz, sondern daran, dass sie ihre proletarische Staten-Island-Herkunft in Manhattan nie ganz abstreifen konnte. Als sie bei der arroganten Katharine Parker (Sigourney Weaver) als Sekretärin anfängt, lernt sie von dieser unfreiwillkigerweise einiges über opportunistisches Geschäftsgebahren - Tess' Eintrittskarte zur Welt der Hochfinanz.

Jeder, der behauptet, "Working Girl" gehöre mit zum Unausstehlichsten, was die Kinoindustrie in den achtziger Jahren ausgekotzt hat, der hat wohl vollkommen Recht. Dennoch leistet Nichols' dritter Frauenfilm innerhalb dieser Dekade gleichfalls Beträchtliches. Er bietet nämlich eine historische Lehrstunde über die Ellbogenmentalität der Generation Yuppie sowie ein Transportmittel für die bizarren Auswüchse des amerikanischen Erfolgstraums. Als Schmachtfetzen für all die Kaffekocherinnen und Telefondamen dieser Welt - temporary hair crimes included - begreift er sich wohl ebenso als romantic comedy; diese irrelevante Selbstwahrnehmung hat heute aber kaum mehr Nachhall. Stattdessen erhält man, wie bereits ein Jahr zuvor im Zuge von Herbert Ross' "The Secret Of My Succe$s" die Möglichkeit, einem gutherzigen, sozialen Naivling auf seinem gerechten Weg Richtung Spitze zu begleiten und die Suggestion, sich dabei mit ihm bzw. ihr gut fühlen zu sollen. Dass das Zeugnis solcherlei erzkapitalistisches Strebertumes eher einer Tortur gleichkommt, konnte ich selbst erst mit dem Abstand der Jahre für mich herausfiltern. Lediglich die letzte Einstellung, die demonstriert, auf dem Rücken wie vieler Kleinsträdchen die großstädtische Wirtschaft eigentlich operiert, scheint mir eines einstigen New-Hollywood-Regisseurs würdig. Immerhin: Von all den "kleineren" Gallionsfiguren dieser Periode ist Nichols einer der wenigen, der am Ball bleiben und sich bis heute durchkämpfen konnte. Damit entspricht die Mentalität dieses Films vermutlich auch zu einem gewissen Maß seinem persönlichen Gusto. In memoriam Monte Hellman, Richard Rush, Hal Ashby et. al..
Dennoch muss ich zugeben, "Working Girl" von Zeit zu Zeit noch immer gern anzuschauen. My bad.

5/10

Mike Nichols New York Yuppie Feminismus


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HEARTBURN (Mike Nichols/USA 1986)


"I don't believe in marriage." - "Neither do I."

Heartburn (Sodbrennen) ~ USA 1986
Directed By: Mike Nichols

Trotz einiger Bedenken an ihrem Hochzeitstermin lässt sich die zweifelnde Rachel (Meryl Streep) schließlich doch breitschlagen, ihren Mark (Jack Nicholson) zu heiraten. Ihr Zusammenleben entwickelt sich jedoch trotz vieler schöner Episoden zu einer mittleren Katastrophe - verschuldet durch Mark, der nicht aufhören kann, außereheliche Affären zu pflegen.

Als eine Art periodischer, weiblicher Woody Allen verfügte Nora Ephron ehedem über das fabelhafte Talent, Beziehungsebenen und -desaster gleichermaßen pointiert und entlarvend zu vivisezieren. Später verkam diese Beobachtungsgabe dann zu einer Zuwendung hin zum völlig bedeutungslosen Kitsch- und Hausfrauenkino, dem immerhin die klassische Oscar-Damenriege Hollywoods jedoch die Treue hielt. "Heartburn", basierend auf Ephrons gleichnamigem Roman, kann zudem auf die erfahrene Inszenierung Mike Nichols' zurückgreifen, der als einer von Jack Nicholsons drei Hausregisseuren (neben Bob Rafelson und später James L. Brooks) auf hinreichend gute Erfahrungen mit selbigem zurückgreifen und ihn regelmäßig zu Höchstleistungen anzuspornen wusste. So auch hier, wobei des Films primärer Antriebsmotor sich zwar in Person der angenehm methodisch agierenden Streep (in einer komplett diametralen Vorstellung zu ihrer Rolle in "Kramer Vs. Kramer) findet, mit der Besetzung Nicholsons jedoch gleichermaßen eine treffliche Konterkarierung erfährt.
Zudem bietet die Geschichte eine der raren filmischen Gelegenheiten, gelebten Feminismus im Kommerzkino als wahres, wichtiges und vor allem für Männer ungefährliches Zeitzeichen zu goutieren. Qualitätskino im besten, unterhaltendsten Wortsinne.

8/10

Mike Nichols Nora Ephron Washington D.C. New York Ehe Familie


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TROPIC THUNDER - DIRECTOR'S CUT (Ben Stiller/USA, UK, D 2008)


"We're supposed to be a unit!" - "Suck my unit."

Tropic Thunder - Director's Cut ~ USA/UK/D 2008
Directed By: Ben Stiller

Um einige Derbheiten reicher gestaltet sich der rating-freie Director's Cut von Ben Stillers frecher Studio-Satire, für den, um man ihn hierzulande sehen zu können, man einen Blu-ray-Player benötigt. Insgesamt hat mir der Film dennoch etwas weniger gut gefallen als beim ersten Mal und die Satire kam mir nicht mehr ganz so schnittig vor sowie um den einstigen, seinerzeit Staunen machenden Überraschungseffekt beraubt. Trotzdem bleibt "Tropic Thunder" ein recht erquicklicher Spaß um den Traumfabrik-Wahnsinn der alles verschlingenden US-Filmindustrie, der jedoch als Produkt ebendieser Dienstleistungssparte wiederum genügend Vernunft wird walten lassen, um niemandem aus dem realen Biz wirklich ans Bein zu pinkeln. Dass die Darsteller allesamt zur Eigenverballhornung fähig sind, wenn nicht sogar neigen, haben sie ja längst alle mal unter Beweis gestellt. Ben Stiller zum Beispiel ist ja eine wandelnde Selbstparodie (und sieht dennoch stets aus wie aus dem Ei gepellt, der eitle Geck), insofern soll er ruhig den leicht debilen Star auf Oscar-Fang geben. Im Endeffekt ist das vermutlich ohnehin er selbst.

7/10

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STAY HUNGRY (Bob Rafelson/USA 1976)


"You gotta choose: Start shitting or stand up from your toilet!"

Stay Hungry (Mr. Universum) ~ USA 1976
Directed By: Bob Rafelson

Der Millionenerbe und Dynastiefortführer Craig Blake (Jeff Bridges) weiß wenig mit seinem Leben anzufangen als herumzuhängen und in den Tag hinein zu vegetieren. Allein bewohnt er das stattliche Haus seiner Eltern bei Birmingham, Alabama, lässt sich von seinem Firmenmanagement die Ohren vollsäuseln und sucht nach Abwechslungen im Alltag. Der Gang in ein renovierbedürftiges Fitness-Studio führt ihn mit dem aus Österreich stammenden Bodybuilder Joe Santo (Arnold Schwarzenegger) zusammen, der gerade für die Wahl zum Mr. Universum trainiert. Santo, entgegen seiner hünenhaften Physis ein überaus gewitzter und kultivierter Sportsmann, überlässt Blake bald bereitwillig seine Freundin Mary Tate (Sally Field). Die Zusammenführung zwischen den Bodybuilding-Freaks und der Südstaaten-High-Snobiety will Craig jedoch nicht recht gelingen. Als der alternde Studiobesitzer Erickson (R. G. Armstrong) eine Überdosis Poppers nimmt, kündigt sich eine große Wende an.

Rafelsons frühere Filme gehorchen - zumindest zu großen Teilen ihrer jeweiligen Erzählzeit - nicht selten einer gewissen Rauschmittellogik; tatsächlich bekleiden Drogen und veränderte Wahrnehmung nicht nur in ihnen, sondern auch mit ihnen einen entscheidenden Raumfaktor. Auch auf "Stay Hungry", der sich dem Sportphänomen Bodybuilding auf eine denkbar unvoreingenommene und geradezu sympathisierende Weise nähert, trifft dies zu: Eine für Außenstehende ganz merkwürdig anmutende Subkultur wird hier porträtiert, in die sich der Zuschauer zusammen mit dem Tagedieb Craig Blake, der in den frühen Neunzigern als 'Slacker' bezeichnet worden wäre, mit seltsamer Faszination hineinfallen lassen kann. Die Muskelmann-Kaste zeigt sich als eine Gruppe von auf ein für Außenstrehende nicht nachvollziehbares Ziel zusteuernden Besessenen, beseelt von einer kaum zu fassenden Willenskraft, keinesfalls verblödet, dafür aber in höchstem Maße verrückt. Gegen Ende dreht Rafelson, dem mit Robert Englund, Joe Spinell, Scatman Crothers, Ed Begley jr. oder Roger E. Mosley eine gar grandiose supporting cast beschwert ward, dann völlig auf: R. G. Armstrong ergibt sich einem Sex- und Drogenrausch und läuft Amok, derweil eine ganze Horde Bodybuilder öffentlich auf den Straßen Birminghams posiert. Dabei ist "Stay Hungry" vordergründig ein pädagogisch sogar wertvoller Erweckungsfilm, der für einen sinnvollen Lebenswandel plädiert. Nur dass er sich in all seiner Sperrigkeit niemandem vorsätzlich anbiedert, will wiederum nicht so recht dazu passen.

8/10

Bob Rafelson Alabama Südstaaten New Hollywood Bodybuilding Freundschaft Coming of Age


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THE DENTIST (Brian Yuzna/USA 1996)


"Open wide!"

The Dentist ~ USA 1996
Directed By: Brian Yuzna

Als der krankhaft penible Neurotiker und Zahnarzt Dr. Feinstone (Corbin Bernsen) eines Morgens seine Frau Brooke (Linda Hoffman) beim buchstäblichen Tête-à-Tête mit dem Poolreiniger (Michael Stedvec) beobachtet, reißt sein letzter Verbindungsfaden zur Beherrschung. Der so unflätig Gehörnte dreht durch und lässt sein gesamtes soziales Umfeld spüren, was passiert, wenn ein geachteter Dentist die Beherrschung verliert.

Abgesehen von ein paar auf der formalen Ebene unübersehbaren Schlenkern ist Yuzna und Gordon da eine herrlich bösartige Satire auf das kalifornische Vorstadt-Snobistentum geglückt, in dem gelangweilte Gattinnen hart arbeitender Großverdiener sich muskulöse Poolboys zur Privatbebürstung kommen lassen (müssen), korrupte Steuerfahnder (Earl Boen) ihren wehrlosen Opfern nachstellen und die geplagten Ehemänner irgendwann zwangsläufig Ratio und Geduld einbüßen. Damit einem solch subtil arrangierten Amoklauf auch der 08/15-Gorehound etwas abgewinnen kann, treibt der als Fachgenie bekannten Dr. Feinstone (wunderbarer Figurenname übrigens) allerlei geschmacklosen Schabernack mit seiner Patientenschaft, die denn auch durchweg aus verdorbenen Sozialsubjekten besteht und ihre schmerzhaften Aderlässe zumindest moralisch absolut verdient. Die (für mich persönlich nie ganz nachvollziehbare) zivilisatorische Urangst vor Zahnarztbesuchen tut dazu natürlich ihr Übriges. Und wie zur Bestätigung dieser These darf am Ende zumindest die "rein gebliebene" Sarah (Virginya Keehne) halbwegs 'unbehandelt' wieder aus dem Zahnarztstuhl aufstehen."The Dentist" braucht denn auch keinen ausufernd-explosiven Showdown mit dreimaligem Aufbäumen des Killers - Dr. Feinstone bricht angesichts der unschuldigen Zartheit einer von ihm auf seiner Flucht zufällig unterbrochenen Arienprobe zusammen und lässt sich widerstandslos verhaften. Not your usual gore flick.

7/10

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THE LAST DRAGON (MIchael Schultz/USA 1985)


"Kiss my Converse!"

The Last Dragon (Der Tanz des Drachen) ~ USA 1985
Directed By: Michael Schultz

Der in seinen eigenen Sphären schwebende, jugendliche Kung-Fu-Kämpfer Leroy Green (Taimak) gerät an den verrückten Manager-Gangster Eddie Arkadian (Christopher Murney) und an Sho'nuff (Julius Carry) den selbsternannten "Shogun von Harlem". Während Arkadian der berühmten Videoclip-Präsentöse Laura Charles (Vanity) nachstellt, um seine eigenen Clips bei ihr promoten zu können, will Sho'nuff Leroy permanent zum Duell herausfordern, um ihm zu seigen, wer denn hier der größte Mack vor Ort ist. Am Ende schlägt der wackere Junge alle(s) mit einer Klappe.

Eines dieser prachtvollen Achtziger-Traumlogik-Relikte der Kategorie "Muss man erstmal gesehen haben, um es glauben zu können". Oszillierend zwischen Martial Arts, Tanz- und Popfilm, Kinder- und Märchenfantasy, black zeitgeist und MTV, ist "The Last Dragon" eine unwirkliche Verquirlung populärer Vorbilder, von "Saturday Night Fever" über "Streets Of Fire" und "Purple Rain" bis hin zu "Karate Kid". Dass diese eigenwillige Mixtur ihren eigenen Spaßcharakter entwickelt und zur naiven Hochkunst gerät, verwundert angesichts solcher Vergleiche kaum mehr. Alles ist hier bonbonfarbener Pop, und zugleich less than keimfreier halbgarer Achtiger R'n'B, wie ihn die mittlerweile völlig korrumpierte Motown nach den großen Sechzigern und Siebzigern, den Zeiten von Genies wie Marvin Gaye und Stevie Wonder, auszukotzen pflegte. Abgesehen von Rap wurde die schwarze Musik orientierungslos, Gaye war erschossen worden, Wonder brachte beliebigen Synthiezucker, Michael Jackson war schon damals weißer als gekochte Abtrocknentücher und Prince blieb wohlweislich für sich. Angesichts solcher ethnischer Orientierungslosigkeiten brauchte es neue Sphären, die man im schon zehn Jahre zuvor bemühten Eastern-Sektor suchte und fand und für die man frische Gesichter wie das des später kaum mehr bemühten Strahlemanns Taimak benutzte. Michael Schultz, der schon immer Pfade zwischen weißer Massen- und schwarzer Nischenkultur zu beschreiten suchte, war der richtige Mann dafür. Und Bruce Lee der richtige Mentor - wenn er mal nicht, wie vermutlich bald darauf auch angesichts des unweit gelagerten "No Retreat, No Surrender", in seinem Seattler Grabe rotiert ist. Knallah, anyway.

8/10

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MEATBALLS (Ivan Reitman/CA 1979)


"What? No mustard?"

Meatballs (Babyspeck und Fleischklößchen) ~ CA 1979
Directed By: Ivan Reitman

Ein Sommer in Camp Northstar, wo dumme Streiche an der Tagesordnung sind, Autorität nichts gilt, Liebe und Freundschaft dafür aber umso mehr. Da kann selbst die uniformierte Konkurrenz vom benachbarten Camp Mohawk nicht mithalten...

Die Mutter aller Sommercamp-Filme, echtes nordamerikanisches Kulturgut, von dem es in den Achtzigern und Neunzigern speziell auf dem Video- und Fernsehmarkt Dutzende von lauwarmen Rip-Offs respektive Nachzüglern hagelte. Für Bill Murray in der Hauptrolle des ebenso flapsigen wie gutherzigen Camp-Vizechefs Tripper bietet sich hier ausreichend Gelegenheit für eine ausgedehnte One-Man-Show, deren Erfolg neben seiner wunderbar lässigen Komik wohl auch seinem Improvisationstalent zu verdanken ist. Ansonsten zieht nicht unbedingt jeder Gag, dafür sind manch andere umso witziger. Von der übrigen Besetzung, die durchweg aus frischen und sympathischen Jungtalenten besteht, hat es meines Wissens jedenfalls keiner mehr zu größerem Erfolg gebracht. Eigentlich verwunderlich angesichts des durchaus netten Ensembles.
"Meatballs" ist nun gewiss nichts Besonderes, aber rustikale Qualitätsarbeit und grundehrliches Handwerk, was man ihm noch heute zu jeder Sekunde anmerkt.

7/10

Ivan Reitman Kanada Feriencamp Ferien


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FLETCH LIVES (Michael Ritchie/USA 1989)


"It takes a big man to admit when he's wrong. I am not a big man."

Fletch Lives (Fletch II - Der Troublemaker kehrt zurück) ~ USA 1989
Directd By: Michael Ritchie

Als Reportr Irwin 'Fletch' Fletcher (Cheva Chase) davon erfährt, dass er von seiner Tante ein stattliches Südstaaten-Anwesen in Mississippi geerbt hat, kündigt er kurzerhand seinen Job und jettet zum Magnolienstaat. Dort angekommen macht sich schnell Ernüchterung breit, denn der alte Bau ist doch recht verfallen. Als nach einer Liebesnacht mit der Notarin (Patricia Kalember) diese tot aufgefunden wird, sitzt Fletch sogleich wieder in der Patsche. Bei seinen Folgeermittlungen stößt er u.a. auf einen durchgeknallten Fernsehprediger (R. Lee Ermey), dessen Tochter (Julianne Phillips), eine Horde ungeschlachter Motorrad-Rocker und einen nur vorgeblich tumben 'Haussklaven' (Cleavon Little).

Dem ersten Film praktisch und faktisch nahezu ebenbürtiges Sequel, das dem bewährten Duo Ritchie/Chase vor allem dazu dient, den nur allzu verlockend-parodistischen Südstaatenmief aufs Korn zu nehmen: Bigotterie, Rassenhass und eine kaum wegzuleugnende, genetisch bedingte, der hiesigen Landbevölkerung möglicherweise durch inzestuöse Fortpflanzung eingepflanzte Debilität finden bei "Fletch Lives" reißenden Absatz. Geoffrey Lewis hat einen formidablen Auftritt als gelangweilter KKK-Wizard und die Szene, in der Chevy Chase als Geisterheiler in Reverend Farnsworths (Ermey) TV-Show auftritt und einen Bedauernswerten (Ebbe Roe Smith) von seiner Kurzzeit-Migräne befreit, gehört mit Sicherheit zu den Sternstunden im Œuvre des Komikers. Zudem schmücken einige große Namen die Nebenbesetzungsliste. Spaß in Tüten also.

7/10

Michael Ritchie Sequel Südstaaten Mississippi Journalismus Kirche Rocker





Filmtagebuch von...

Funxton

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