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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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FLETCH (Michael Ritchie/USA 1985)


"You using the whole fist, Doc?"

Fletch ~ USA 1985
Directed By: Michael Ritchie

Seine Undercover-Ermittlungen bezüglich des florierenden Drogenhandels an einem trüben Strandabschnitt von L.A. treiben den Enthüllungsjournalisten Irwing 'Fletch' Fletcher (Chevy Chase) schließlich zu einer großangelegten Heroin-Verschwörung, an der unter anderem ein bigamistischer Milliardärsschwiegersohn (Tim Matheson) sowie der Polizeichef (Joe Don Baker) höchstpersönlich beteiligt sind.

Ganz auf Chevy Chases so typische, bizarre Unschuldsminen-Wort-Komik zugeschnittene Komödie, von der produzierenden Universal ganz offensichtlich als Konkurrenz zum Paramount-Zugpferd und Superseller "Beverly Hills Cop" ins Rennen geschickt. Wie SNL-Kollege Eddie Murphy alias Axel Foley schlüpft der großklappige Amateur-Detektiv Fletch permanent in irgendwelche überzogenen Spontanrollen (allerdings hier zusätzlich unter Zuhilfenahme teils genialischer Verkleidungstricks), die ihm dazu helfen, irgendwo herein- und somit bei seinen Ermittlungen weiterzukommen. Dabei befleißigt sich Fletch zudem permanent lustiger Codenamen wie "Dr. Rosenpenis" oder "Ted Nugent" (letzterer in der deutschen Fassung etwas derber zu "John MacPimmel" zusammengestrichen). Im Direktvergleich geht Murphy jedoch als Sieger aus dem Duell hervor, nicht zuletzt, da Axel Foley einfach mehr Schneid, Tempo und Credibility mitbringt. Chases Improvisationstalent dürfte zudem so manches Mal in Aktion getreten sein, zumindest suggerieren dies seine stets herrlichen Auftritte im Film.
Urkomisches Achtziger-Gold also, wenngleich mit unübersehbaren, leichten Abblätterungserscheinungen.

7/10

Michael Ritchie Los Angeles Utah Journalismus Heroin Verschwörung undercover


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FROM NOON TILL THREE (Frank D. Gilroy/USA 1976)


"But... I AM Graham Dorsey!"

From Noon Till Three (Zwischen zwölf und drei) ~ USA 1976
Directed By: Frank D. Gilroy

Vor der Nacht eines geplanten Banküberfalls hat Graham Dorsey (Charles Bronson), Mitglied der ansonsten durchweg eher unterbelichteten Bowers-Gang, einen unangenehmen Albtraum, in dem er und der Rest des Quintetts von den Bürgern der Stadt aufs Korn genommen und zusammengeschossen werden. Als sich am nächsten Tag sein Pferd einen Huf bricht, ist für ihn klar, dass er aus der Sache raus muss. Dabei kommt ihm die schöne Witwe Amanda Starbuck gerade recht: Während die übrige Truppe sich dem Coup widmet, bleibt Dorsey bei Amanda. Eine stürmische, nur drei Stunden währende Liaison bahnt sich zwischen den beiden an. Bald darauf erfährt man, dass Bowers (Douglas Fowley) und die anderen tatsächlich gefasst wurden und ihrer Hinrichtung harren. Die romantisch veranlagte Amanda nötigt Dorsey förmlich dazu, seine Freunde herauszuhauen, wenngleich dieser eigentlichen keinen Pfifferling für diese gäbe. Unterwegs tauscht er die Identität mit einem Wander-Zahnarzt (Howard Brunner) und wird kurzerhand für Scharlatanerie verknackt, während der Zahnarzt erschossen wird. Dessen Leiche präsentiert man der geschockten Amanda, die einige Zeit später ein zum weltweiten Kult-Bestseller avancierendes Buch über ihre kurze Romanze veröffentlicht. Als Dorsey ein Jahr später aus dem Knast kommt, will ihn niemand mehr erkennen, am wenigsten Amanda...

Heute bin ich angetreten, um für dieses viel zu wenig beachtete Meisterwerk endlich einmal eine längst überfällige Lanze zu brechen: Im Geiste von Fords großmächtiger Geschichtsallegorie "The Man Who Shot Liberty Valance" und Penns brillanter Satire "Little Big Man" stehend, inszenierte der als Regisseur eher unbekannte Frank D. Gilroy einen auf eigenen Schriften basierenden Film, in dem der mündlich und medial hyperromantisierte Westen schlussendlich zu einem reinen Tollhaus im wahrsten Wortsinne wird. Darüber hinaus ist "From Noon Till Three" das schönste cineastische Geschenk an die vielköpfige Partnerschaft der Eheleute Bronson/Ireland. Von deren spürbar knisternden und vor allem aufrichtigen Zuneigung füreinander lebt Gilroys Film in der ersten Hälfte, nur um ihr dann in der zweiten gleichermaßen einen herzzereißenden Arschtritt zu versetzen. Danach ist es Bronson im Alleingang vorbehalten, sein eigenes Image zu demontieren. Wo die nach Trivialitäten lechzende Öffentlichkeit einen hochgewachsenen, schneidigen Schurken vom Schlage eines Rhett Butler vor Augen hat, erscheint dieser gedrungene Zausel mit slawischer Einwanderer-Physiognomie und flucht wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Vergangenheit und Verklärung haben, mit ein wenig Unterstützung durch die Zeit, die Realität längst überholt und singuläre Momente, zumal ohnehin von etwas absurder Gestalt, lassen sich nicht mehr revitalisieren. Liebe und Romantik sind nur fadenscheinige Valenzen ohne jegliche Wirklichkeitsverankerung.
Am Schluss, nachdem Graham Dorsey der ihn mit Gewalt ignorierenden Welt zum letzten Mal den Mittelfinger präsentiert hat, sperrt man ihn wie einen "eingebildeten Napoleon" in die geschlossene Psychiatrie. Dort, in einer Art letzten Sackgasse der Wahrheit, akzeptiert man ihn, heißt ihn freudig willkommen und weiß längst um seine Identität. Vermutlich sind es sogar Billy The Kid, Jesse James, Wild Bill Hickok und John Wesley Hardin, die ihn hier schon im weißen Kittel erwarten. Und möglicherweise sind auch Liberty Valance und Ransom Stoddard dabei.

9/10

Frank D. Gilroy Satire Parabel Heist


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WHAT ABOUT BOB? (Frank Oz/USA 1991)


"What are we doing?" - "Death Therapy, Bob. It's a guaranteed cure."

What About Bob? (Was ist mit Bob?) ~ USA 1991
Directed By: Frank Oz

Als ihn sein neuer, hochneurotischer und hochaufdringlicher Patient Bob Wiley (Bill Murray) bis zu seinem Feriendomizil in New Hampshire verfolgt, ist der renommierte New Yorker Psychotherapeut Dr. Leo Marvin (Richard Dreyfuss) bereits der Verzweiflung nahe. Bobs sukzessive Selbst-Integration in den Familienalltag der Marvins treibt den armen Analytiker jedoch endgültig in den Wahnsinn.

Wechselseitige Radikaltherapie in Frank Oz' wiederum vorzüglicher, schwarzer Duellisten-Komödie. Nachdem in seinem Remake "Dirty Rotten Soundrels" Steve Martin und Michael Caine aufeinandertrafen und sich mittels fieser Streiche gegenseitig in die Pfanne hauten, griff Oz drei Jahre später nochmal das flexibel variierbare Konzept der peu à peu eskalierenden Katz-und-Maus-Fehde auf und schuf damit erneut einen überaus delikaten, wenn auch etwas schwächeren Spaß für passionierte Sozialsadisten. Nebenbei bekommt man noch eine veritable Satire betreffs der klassischen Psychoanalyse - der arme Dr. Freud und sein Töchterlein müssen sich postum einiges von Oz und seinen Ideenlieferanten Sargent und Ziskin gefallen lassen. Besonders komisch Dr. Marvins Familiensubstitute in Form kleiner Handpuppen und die finale Explosionsszene, die an Hausstand lediglich des Doktors heißgeliebte Bronzebüste des Wiener Seelenforschers überlebt. Allerdings: Satire ist nicht gleich Denunziation - die Versicherung, dass Therapien an der Psyche, so sie auch unkonventionell und impulsiv stattfinden mögen, durchaus von einigem Erfolg gekrönt sein können, bleibt "What About Bob?" am Ende nicht schuldig, ein Sequel über den nachfolgenden Schwagerkrieg der beiden Rivalen wider Willen indes leider schon. Hinreichendes Potenzial dafür wäre gegeben gewesen.

8/10

Frank Oz New York New Hampshire Psychiatrie Satire Schwarze Komödie Ferien


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DIRTY DINGUS MAGEE (Burt Kennedy/USA 1970)


"It's the Code of the West."

Dirty Dingus Magee (Der schärfste aller Banditen) ~ USA 1970
Directed By: Burt Kennedy

Nachdem der lustige Gauner Dingus Magee (Frank Sinatra) seinen alten, etwas langsamen Kumpel Hoke (George Kennedy) wiedergetroffen und ausgeraubt hat, will dieser Genugtuung. Von der Puffmutter Belle (Anne Jackson) lässt sich Hoke kurzerhand zum Sheriff machen und versucht, Dingus mit allerlei legalen und illegalen Methoden hiner Schloss und Riegel zu bringen. Dieser hat jedoch noch weitaus größere Probleme, da sich die schnieke Häuptlingstochter Anna (Michele Carey) in ihn verguckt hat und ihr Papa Verrückter Mokassin (Paul Fix) sie flugs unter der Haube und außerdem Dingus' Flinte zum Tausch haben will. Allerlei turbulente Verwicklungen, in die sogar der gesuchte Bandit John Wesley Hardin (Jack Elam) gezogen wird, sind die Folge.

Wie ausgebrannt einstmals gut beschäftigte Filmemacher wie Burt Kennedy um das Jahr 1970 waren, als New Hollywood voll im Kommen begriffen und die alten Routiniers sich abgeschrieben fanden, demonstrieren wenige Filme so eindringlich wie die flaue Parodie "Dirty Dingus Magee". Nachdem Kennedy seine größten Erfolge als Scriptautor für Budd Boetticher feiern konnte, fing er Mitte der Sechziger irgendwann selbst an, Western zu inszenieren. Diese standen meist in einem betont komischen Kontext und ließen von der einstigen Grandezza des Genres kaum mehr etwas durchblicken; dennoch war brauchbarer Stoff wie "The Rounders" oder "The War Wagon" darunter, für den ihm zumeist noch mittlerweile angegraute Altstars beisprangen. "Dirty Dingus Magee" jedoch bildet einen Tiefpunkt: Frank Sinatra in der Titelrolle ist ein übler Witz - so übel, dass er danach erstmal für zehn Jahre von der Leinwand verschwand. Er wird über seine alberne Vorstellung und vor allem die oberbescheuerte Perücke hinreichend entsetzt gewesen sein. Doch ist Ol' Blue Eyes nicht der einzige Faux-pas des Films: Kennedys Regie ist uninspiriert, gelangweilt, klamaukig und schlicht mies. Der Film hat so gut wie keinen Stil und setzt auf Zoten statt auf Humor. Westernfreunde mögen sich wahlweise an den Auftritten vormaliger standards wie Harry Carey jr., Albert Dehner, Paul Fix oder Jack Elam erfreuen - oder sich auch ebensogut entsetzt abwenden. Mit Ausnahme seiner mageren filmhistorischen Relevanz erscheint "Dirty Dingus Magee" jedenfalls noch heute als eine einzige ärgerliche und weithin verzichtbare Peinlichkeit.

3/10

Burt Kennedy Parodie Bordell Kavallerie Duell Indianer New Mexico


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RED STATE (Kevin Smith/USA 2011)


"Even the Nazis think this guy is nuckin' futs."

Red State ~ USA 2011
Directed By: Kevin Smith

Die drei auf ein Sexabenteuer versessenen Teenager Travis (Michael Angarano), Jarod (Kyle Gallner) und Billy-Ray (Nicholas Braun) geraten in die Fänge des größenwahnsinnigen Sektierers Abin Cooper (Michael Parks) und seiner Familie. Cooper, ein berüchtigter Hassprediger, zieht gegen jedwede sexuelle und soziale Alternativentwürfe zu Felde, verdammt Homosexuelle und Promiske und propagiert ganz offen deren Ermordung im Namen Gottes. Als bekannt wird, dass die Jugendlichen von ihm gefangen gehalten werden, rückt die State Police unter Führung von Agent Keenan (John Goodman) an - mit der ausdrücklichen Absegnung, jeden Verdächtigen zu erschießen. Ein furchtbares Blutbad ist die Folge.

Nach anfänglichem Widerwillen meinerseits, der vor allem durch die etwas ungeschickte Einführung der drei unsympathischen teenage boys evoziert wurde, nahm mich Smiths jüngster Streich irgendwann doch noch für sich ein. Dafür verantwortlich waren wohl primär die wie immer beeindruckenden Parks und Goodman sowie die kompromisslose Härte, mit der der betont gegen weltliches und geistliches Autoritätsgehabe aufbegehrende Film zu Werke geht. Nichts und niemand ist hier davor sicher, gefressen zu werden und es gibt irgendwo garantiert immer noch einen verrückteren Bastard als den zuletzt vorgestellten. Man merkt "Red State" ebenso wie seinen zuletzt getexteten Comics überdeutlich an, dass der den Halluzinogenen in letzter Zeit ja auch ganz öffentlich zugetane Smith kaum mehr etwas mit seinen füheren, netten bis bissigen Love- und Coming-of-Age-Stories zu tun haben will. Alles scheint sich mehr und mehr auf den Kopf zu stellen in seinem Universum und selbst sein früherer, penetranter Hang zur Christentumspropaganda wandelt sich zu einer stark ironisierten Anti-Haltung. Ganz kurz fühlte ich mich an den von mir leidenschaftlich gehassten "Dogma" erinnert, als plötzlich die Trompeten von Jericho zu erklingen scheinen, doch auch dieses Symbol bricht Smith schon in der nächsten Szene wieder wohlfeil auf ein äußerst weltliches Maß herunter. Die letzte Einstellung mit ihrer schlichten finalen Konsequenz ist dann sogar veritables Gold wert.

7/10

Kevin Smith Bigotterie Kirche Groteske Satire Kalifornien Schwarze Komödie


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REVENGE OF THE NERDS II: NERDS IN PARADISE (Joe Roth/USA 1987)


"Kick it up to 37. Let's live dangerously."

Revenge Of The Nerds II: Nerds In Paradise (Die Supertrottel) ~ USA 1987
Directed By: Joe Roth

Die Nerds von der Lambda-Lambda-Lambda-Verbindung sind zurück. Diesmal treten Lewis (Robert Carradine), Popel (Curtis Armstrong), Lamar (Larry B. Scott) und Arnold (Harold Poindexter) zu einem landesweit organisierten, studentischen Verbindungstreffen im sonnigen Florida an. Der arme Gilbert (Anthony Edwards) muss mit gebrochenem Bein zu Hause bleiben. Natürlich sind ihre Erzfeinde, die Alphabetas, darunter der tierähnliche Oger (Donald Gibb), nicht weit und versuchen wieder alles, den 'Kackern' die Suppe zu versalzen. Doch wie gehabt lässt ihr Genie die Tri-Lambdas über sich hinauswachsen und den schmierigen Sunnyboys zeigen, was eine echte Hornbrillen-Harke ist.

Ich hatte schon längst mal vor, den ja nicht weniger als vier Teile umfassenden Nerd-Zyklus mal im Ganzen zu schauen, was sich nun in den folgenden Tagen, um nicht zu sagen, wenn die leider nur auf dem Importweg erhältlichen Teile 3 und 4 bei mir eingetrudelt sind, endlich vollziehen möge! Dem ersten Film durchaus ebenbürtig ist schonmal dieses urkomische Sequel zu dem kleinen Teenklamauk-Klassiker "Revenge Of The Nerds". Da die Story diesmal weitgehend darauf verzichtet, die Nerds als Sonderlinge zu klassifizieren, sondern sie als einmal etablierte Figuren akzeptiert, ihnen ihren etwas 'speziellen' Status umweglos zugesteht und entsprechend derbe Gags fabrizieren lässt, ist wirklich alles in Butter - vorausgesetzt natürlich, man steht auf diese leicht flauen Achtziger-College-Komödien und ihren ausgewiesen dünnen Flachwitz. Ed Lauter (dem ich derzeit ganz unverhofft des öfteren zu begegnen scheine) als böser Hotelmanager ("on duty"!) ist noch dabei und James Hong in seiner vermutlich allerbesten Rolle als Ekelopa Snotty, der zu Popels ganz persönlichem Obi Wan Kenobi wird. Ha!

6/10

Sequel Nerds-Serie Florida Summer Splash Insel College Joe Roth


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STINGRAY (Richard Taylor/USA 1978)


"Wassup, asshole?"

Stingray ~ USA 1978
Directed By: Richard Taylor

Just in Als (Christopher Mitchum) neuerworbener, feuerroter Corvette Stingray haben die Gangster Lonigan (William Watson) und Tony (Bert Hinchman) einige Beutel Heroin und eine viertel Million Dollar versteckt. Klar, dass sie das Zeug nun wiederhaben wollen und bald haben Al und sein Kumpel Elmo (Les Lannom) nicht nur die Ganoven samt ihrer durchgeknallten Chefin Abigail (Sherry Jackson) auf dem Hals, sondern auch noch den halben Staatspolizeiapparat.

"Stingray" gleicht in punkto Stil und Niveau etwa einem xxx-beliebigen, zweitklassigen Hinterhof-Porno jener Tage, bloß, dass die fetischistische Orientierung der Mise-en-scène hier bei kostengünstig choreographierten Karambolagen und Schusswaffen zu finden ist. Ansonsten kann man diesen, seine wesensimmanente Dummheit mit stolz geschwellter Brust vor sich hertragenden, schamlosen "Smokey And The Bandit"-Abklatsch getrost auf den benachbarten Schrottplatz verfrachten. Das einzig Aufhorchenswerte zwischen den "lustigen" Westerngitarren-Klängen und den durchweg inzestuös geschädigten Chargen, denen wohl irrigerweise jemand anvertraut hat, sie seien Schauspieler, sind die regelrecht eklizistisch wirkenden Gewaltausbrüche, in deren Zuge etwa alle fünfzehn Minuten einer in wohlfeiler Peckinpah-Manier durchsiebt wird. Wie kleine, dreckige Lesezeichen kommen diese Szenen mir im Nachhinein vor. Wer gern mal eineinhalb Stunden am Stück scheel grinsen möchte oder wen es nach einen Film verlangt, den man auch mit 4,4 Promille noch problemlos durchblicken kann, der sollte bei "Stingray" einen Blick riskieren. Alle anderen können's auch getrost sein lassen und ebenso glücklich sterben.

4/10

Richard Taylor car chase St. Louis Missouri Südstaaten Auto


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SCHOOL FOR SCOUNDRELS (Todd Phillips/USA 2006)


"Lie, lie, and lie some more."

School For Scoundrels (Der Date-Profi) ~ USA 2006
Directed By: Todd Phillips

Das Hauptproblem von Obernerd Roger (Jon Heder) ist sein mangelndes Selbstvertrauen. Prekäre Situationen fühtren bei ihm umgehend zu Panikattacken und Ohnmachtsanfällen. Ein Geheimtipp führt ihn dann in eines der Motivationsseminare von Dr. P (Billy Bob Thornton), der mit der Unterstützung seines Adlatus Lesher (Michael Clarke Duncan) seinen Schülern neuen Wind in die Segel bläst. Dummerweise entpuppt sich Dr. P als genau das Ekel, das er vorstellt und der gewappnete Roger muss sogleich um seine neue Eroberung (Jacinda Barrett) fürchten, die P ihm abjagen will.

Galt es schon seit längerem nachzuholen als letzter mir noch unbekannter feature film des lokal als äußerst humorbeständig geschätzten Todd Phillips. Wenngleich "School For Scoundrels" mit einem ziemlich beschissenen deutschen Titel behangen wurde und er aufgrund ein paar ersparenswerter Einfallslosigkeiten hier und dort vermutlich als bislang schwächste Arbeit des Regisseurs gehandelt werden muss, so reichen seine mitunter herrlichen Gags immer noch für ein paar feiste Lacher allenthalben. Dafür trägt nicht nur der sich gern selbst auf die Schippe nehmende Hüne Michael Clarke Duncan Rechnung, der hier mit einigen besonderen Nettigkeiten aufwarten darf, sondern ganz speziell die Nebenbesetzung um Rogers Leidensgenossen in Dr. Ps Schwächlingsseminar. Darunter finden sich lustige Zeitgenossen wie der aus "Road Trip" bekannte Toastkellner Horatio Sanz oder Todd Louiso, der im Film bei den Damen nur Erfolge erzielen kann, weil diese ihn mit Moby verwechseln.
Als Beitrag zur im letzten Jahrzehnt recht inflationär ausgefallenen Welle von Selbstfindungskomödien der Generation Geek wäre "School For Scoundrels" als sicherlich überdurchschnittlich einzuordnen, weil sich selbst so wenig ernstnehmend; als Satire betreffs des zeitgenössischen Wirtschaftsrenners der Motivationsseminare passt er darüber hinaus auch. Prima fand ich auch die Entscheidung, am Ende die Zuschauererwartung bezüglich der aus "The Game" oder "Anger Management" geläufige conclusio des alles überschattenden, großen Überplans frech mit Füßen zu treten.
Lasst der Welt ihre Arschlöcher, sie machen sie bunt.

7/10

Todd Phillips New York Therapie Nerdism Coming of Age Remake


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ALL CREATURES GREAT AND SMALL (Claude Whatham/UK 1975)


"He's made me his partner!"

All Creatures Great And Small (Der Doktor und das liebe Vieh) ~ UK 1975
Directed By: Claude Whatham

1937 kommt der frisch ausgebildete Veterinärmediziner James Herriott (Simon Ward) in die Grafschaft Yorkshire, wo er als Assistenzarzt des etwas verschrobenen, aber allseits beliebten und resprektierten Dr. Siegfried Farnon (Anthony Hopkins). Mit Einfühlungsvermögen und Geduld sichert Herriott sich nach und nach das Wohlwollen sowohl der lokalen Bevölkerung als auch seines "schwierigen" Chefs.

Während die TV-Serie mit ihrer einprägsamen Titelmelodie jedem in den mittleren Achtzigern aufgewachsenen Stöpsel ein Begriff sein dürfte (für mich persönlich etwa ist sie ein so elementarer Sonntagsbestandteil wie Kaffee und Kuchen), erfreut sich die vormalige Verfilmung (fürs Fernsehen, mit nachgeschobenem Kinoeinsatz) wohl zumindest hierzulande nicht annähernd eines solch übergroßen Bekanntheitsgrades. Auch ich kannte den Film bis dato nicht und wusste, bis ich die DVD als Wichtelgeschenk des lieben Forenfreundes pasheko bekam, noch nichteinmal um seine Existenz. Nun wäre also auch diese Scharte ausgewetzt und das ist gut so, denn dies liebenswerte Stück muss eigentlich jeden erfreuen, der wahlweise etwas für die Vorkriegszeit der dreißiger Jahre, den englischen Nordwesten oder auch einfach nur für Haustiere jedweder Kuleur übrig hat. Da ich mich für alles drei erwärmen kann und vor allem Anthony Hopkins im Film mal wieder als super sowie Lisa Harrow, die Herriotts spätere Gattin Helen spielt, als ziemlich wunderhübsch erachtete, fand ich mich schließlich verdientermaßen hochauf zufrieden.

8/10

Claude Whatham Tierarzt Yorkshire England TV-Film period piece


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DESTRY RIDES AGAIN (George Marshall/USA 1939)


"All I want is to be a cowboy and to wear my own pants!"

Destry Rides Again (Der große Bluff) ~ USA 1939
Directed By: George Marshall

Da der krumme Saloonbesitzer Kent (Brian Donlevy) den vormaligen Sheriff des lockerlebigen Städtchens Bottleneck kurzerhand beseitigen ließ, wird der alte Säufer Washington "Wash" Dimsdale (Charles Winninger) zum neuen Amtsinhaber gekürt. Dieser lässt fortan den Schnaps Schnaps sein und besorgt sich mit dem jungen Tom Destry (James Stewart) erstmal einen "in Aufräumarbeiten erfahrenen" Assistenten. Umso größer Washs Enttäuschung und die allgemeine Belustigung, als Destry auftaucht und nichtmal einen Revolver trägt. Die Tingeltangelsängerin Frenchy (Marlene Dietrich) wirft dennoch ein interessiertes Auge auf den durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Destry...

"Destry Rides Again" ist innerhalb von nur sieben Jahren bereits die zweite Adaption der Geschichte um den unkonventionellen Gesetzeshüter Tom Destry, der in der Erstverfilmung von Tom Mix gespielt wurde. Später gab es dann noch eine Variation mit Audie Murphy. George Marshalls Version mit der Dietrich und Jimmy Stewart gilt gemeinhin als die beste und schönste und liefert einen weiteren elementaren Beitrag zum Western-Superjahr 1939, in dem fast jedes der großen Studios mindestens einen maßgeblichen Genrebeitrag ins Rennen warf. "Destry Rides Again" quillt über vor Glamour und Eleganz (die er vornehmlich der selten schöneren Marlene Dietrich verdankt) und läuft trotz seines Status als "Westernkomödie" niemals Gefahr, albern zu werden (im Grunde enthält er auch nicht mehr comic relief als jeder Errol-Flynn-Western). Im Gegenteil ist er ein Musterbeispiel an dialogischer Coolness - wie "die Luft da oben" sei fragt die angesichts Stewarts Größe sichtlich beeindruckte Dietrich ihn bei der ersten Begegnung und entgegnet ihm später, als er sagt, er wolle sie nicht beim Abendessen stören, dies sei ihr Frühstück. Natürlich war Hollywoods decency damals noch nicht ganz reif für soviel nachtschwärmerisches Selbstbewusstsein und ebensowenig durfte der Charakter der Frenchy mit ihren einmal begangenen Sünden davonkommen - wenngleich man sie am Ende zwangsläufig lieben muss. Also stirbt sie den (angemessen flamboyant inszenierten) Heldentod und Jimmy heiratet ein spießiges Bürgermädchen. Kinorealität anno 39, nichtsdestotrotz hochklassig.

9/10

George Marshall Poker Saloon





Filmtagebuch von...

Funxton

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