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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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HOME MOVIES (Brian De Palma/USA 1980)


"Cut!"

Home Movies (Home Movies - Wie du mir, so ich dir) ~ USA 1980
Directed By: Brian De Palma

Der Filmdozent "The Maestro" (Kirk Douglas) erzählt seinen Studenten die Geschichte des schrulligen Denis Byrd (Keith Gordon), eines einst vielversprechenden Talents der Guerilla-Filmerei, das jedoch infolge diverser Familienkrisen, einer Kopfverletzung und unerfüllter Liebe zu einem bedauernswerten Idioten wurde - denkt der Maestro. Denn tatsächlich gibt es auch für Dennis das vielgeliebte Happy End mitsamt seiner Kristina (Nancy Allen) und abseits vom chaotischen Filmfach.

Unabhängige Produktion von De Palma, zwischen seine zwei Meisterwerke "The Fury" und "Dressed To Kill" eingeflochten und mit einer Schnittmengenbesetzung beider Filme realisiert. Metaleptisch pendelt De Palma zwischen den 16mm-Berichten des 'Maestro' (von Kirk Douglas unter kaum fassbarer Selbstnegierung wunderbar gekonnt interpretiert) und "seiner eigenen Erzählung" in 35mm umher, den künstlerischen und emotionalen Eulenspiegel Dennis Byrd stets im Zentrum des Geweses. Diese formale Konfusion nutzt De Palma zugleich für einen Rundum-Attacke gegen alles, was ihn derzeit so anpisst: verlogenes Spießertum, Männlichkeitswahn, Disziplinierungsirrsinn, New-Age-Idiotie, Rassismus, Polizeigewalt. Und vor allem: das Ende von New Hollywood, dessen einstige Gallionsfigur er immerhin zu sein pflegte. Oder zumindest eine davon. All das wird in den brodelnden Pott geworfen, verrührt und mit lustvoll eklektizistischer Hand serviert. Dabei schreckt De Palma, trotz gewohnter Verwendung seiner Spezialitäten wie etwa der ausführlichen, zentral angelegten Plansequenz, selbst vor Untypischem wie hemmungslosem, ins Surrealistische abgleitenden Slapstick nicht zurück. Für eine Retrospektive des Regisseurs schon aufgrund ihrer anarchistischen Ausprägung unerlässliche Arbeit; wer De Palmas berühmte Thriller jedoch nicht wegen ihm sondern ihrer Spannung wegen liebt, der sollte vielleicht besser einen großen Bogen um "Home Movies" machen.

7/10

Brian De Palma Independent New Hollywood Film im Film Metalepse Familie Satire Groteske Brüder Coming of Age


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THE FRONT (Martin Ritt/USA 1976)


"A writer looks for trouble."- "No, wrong. A lunatic looks for trouble."

The Front (Der Strohmann) ~ USA 1976
Directed By: Martin Ritt

Weil er in den Fünfzigern auf der Schwarzen Liste des HUAC landet, bittet der TV-Autor Alfred Miller (Michael Murphy) seinen Kumpel Howard Prince (Woody Allen), einen stets kurz vor der Pleite stehenden, unbedarften Kneipier und Buchmacher, die von Miller geschrieben Scripts gegen einen fairen Obolus unter seinem Namen weiterzuleiten. Der Plan funktioniert und bald darauf lassen sich zwei weitere Berufsgenossen Millers (Lloyd Gough, David Margulies) von Howard repräsentieren. Howard wird ein Star der Branche, verdient gutes Geld, bekommt eine bezaubernde Freundin (Andrea Marcovicci) - und zieht prompt die Aufmerksamkeit des HUAC auf sich. Dieses bringt zugleich unbarmherzig die Karriere des einstmals beliebten TV-Darstellers Hecky Brown (Zero Mostel) zu Fall. Als Howard schließlich selbst vor dem HUAC aussagen soll, bleibt ihm nurmehr die Wahl zwischen Verrat und Integrität...

Jeder Film, der über die unfassbaren Praktiken des HUAC entstanden ist oder dereinst noch entstehen soll, ist a priori von eminenter Bedeutung. Wenn daraus noch eine so gallige, erstklassige Dramödie wie "The Front" entsteht, dann ergänzen sich Pflicht und Kür zu einer ebenso aufwühlenden wie hervorragenden Einheit. Etliche ehemals "schwarzgelistete" Künstler, darunter Martin Ritt, der Autor Walter Bernstein und der bewegend agierende Zero Mostel wirkten an der Entstehung dieses filmischen Sägemessers mit, ohne sich im Nachspann die verspätete Ehre zu versagen, ihre einstige Involvierung in "unamerikanische Umtriebe" schriftlich zu Protokoll bzw. das Datum ihrer Listung bekanntzugeben. Bernstein macht dabei keinen Hehl daraus, dass etliche der geschäftsverbannten Künstler tatsächlich Kommunisten oder zumindest Sympathisanten waren, derweil andere vielleicht einmal bei einer Demo oder Kundgebung aufkreuzten und deswegen zu Denunziationen gezwungen wurden. "The Front" beschönigt nichts und verschweigt ebensowenig. Manch einen Gelisteten trieb das unausgesprochene Berufsverbot in den verzweifelten Freitod, andere in Depression und Isolation. Wie hier unter Senator McCarthy das so fanfarisch herausposaunte "Recht auf freie Meinungsäußerung" mit Füßen getreten wurde in einem Land, dass sich seiner freiheitlich-demokratischen Grundordnung rühmt wie kein anderes, das ist noch immer von Schaudern machender Doppelmoral. Und selten so sehenswert wie in diesem Fall.

10/10

Martin Ritt McCarthy-Ära New York Freundschaft Satire period piece Fernsehen


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L.A. STORY (Mick Jackson/USA 1991)


"I keep thinking I'm a grown up, but I'm not."

L.A. Story ~ USA 1991
Directed By: Steve Martin

Harris K. Telemacher (Steve Martin) ist als komödiantischer Wetterfrosch bei einem lokalen Fernsehsender längst festes Mitglied der High Snobiety von L.A.. Mit seiner Freundin Trudi (Marilu Henner) lebt er ein unausgegorenes Leben zwischen Unzufriedenheit und Betrug, sein junger Boss (Woody Harrelson) ist ein rechter Kotzbrocken. Als ihm eines Tages die so erfischend konventionelle Londoner Journalistin Sara McDowel (Jessica Tennant) begegnet, krempelt sich sein von Oberflächlichkeiten umrahmtes Leben entscheidend um.

Steve Martins "Woody-Allen-Film", in dem wohl alles diametral gehalten ist zum bebrillten Regisseur und Klarinettisten. L.A. ist nicht New York. Und Martin ist nicht Allen. Sein Protagonist ist kein neurotischer Autor, sondern ein unkreativer Spaßvogel mit etwas einfältigen Methoden der Freizeitgestaltung. Marcel Ophüls, Freud, Bergman oder Strindberg sind für Martin kein Thema, mit Django Reinhardt und Chansons kann jedoch auch er etwas anfangen. Dafür ist Martins Ansatz, eine Hommage an seine Stadt zu schaffen, ein weitaus filmischerer. Er scheut sich nicht vor visuellen Tricks und Surrealismen; Blumen im Zeitraffer, Gedankenbläschen mit Mel Gibson darin oder der traumhaften Rückverwandlung eines frischverliebten Paares in seine Kleinkindesgestalt. Ebenjene Momente sind es, die "L.A. Story" seine spezifische, unwiderstehliche Magie verleihen. Das honorierten auch des Autors Komikerkollegen Chevy Chase, Rick Moranis und Terry Jones, die in feinen Cameos (letzterer in einem rein auditiven) dabei sind. Mich würde interessieren, ob Allen Martins, Verzeihung, Jacksons Film einmal gesehen hat und, falls ja, wie er ihm gefiel. Ich bleibe insgesamt betrachtet lieber bei Allen und New York, mag Martins Städte-Hommage aber dennoch sehr, insbesondere wegen ihrer fürstlichen Musikuntermalung mit sphärischen Enya-Songs. Und Django Reinhardt.
Ein Kompliment noch für Patrick Stewarts gnadenlos witzigen Gastauftritt und, in diesem Zusammenhang, auch an die ausnahmsweise wahrlich bravouröse deutsche Synchronfassung mitsamt Martins bestem, leider allzu selten in Anspruch genommenem Sprecher Eckart Dux.

8/10

Mick Jackson Steve Martin Los Angeles Kalifornien Hommage Satire Groteske Erwachsenenmärchen


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JACK AND JILL (Dennis Dugan/USA 2011)


"Where was I? Audience?"

Jack And Jill (Jack und Jill) ~ USA 2011
Directed By: Dennis Dugan

Jack (Adam Sandler) und Jill Sadelstein (Adam Sandler) sind zweieiige Zwillinge. Während jedoch Jack sich "normal" entwickelt und eine Familie gegründet hat, unter der Sonne Kaliforniens als erfolgreicher Werbekreativer arbeitet und sich seines Lebens freut, hat sich Jill in New York um die just verstorbene Mutter gekümmert und stets auf das eigene Glück verzichtet. Bei ihrer etwas gewöhnungsbedürftigen Art und ihrer kräftigen Statur fällt es ihr ohnehin schwer, das männliche Geschlecht für sich zu gewinnen. Als sie sich wie jedes Jahr über Thanksgiving bei Jack und seiner Familie zu Besuch ankündigt, gerät dieser sogleich ins Schwitzen. Ein Zustand, der sich noch verstärkt, als Jill ihren Aufenthalt in L.A. gleich nochmal auf unbestimmte Zeit verlängert. Immerhin stellt sie für Jack eine unerwartete Hilfe dar als dieser Al Pacino (Al Pacino) für einen Donut-Clip zu gewinnen versucht...

Sandlers gegenwärtig vorletzter Film wird ja gern großflächig gehasst und ins Abseits gestellt, eine Entwicklung, die sich bereits im Dunstkreis der meisten seiner letzten Arbeiten abzeichnete und die mit "Jack And Jill" ihren vorläufigen, negativen Höhepunkt erreicht zu haben scheint. Des Sandman großes Thema, der vordergründig erfolgreiche amerikanische Mann in der Mittlebenskrise, greift auch hier wieder, wobei es diesmal nicht um verjährte Beuteschemata oder psychische Regression geht, sondern um Familienzusammenführung. Dass bei Sandler die Denunziation der Rührseligkeit vorausgeht, liegt allerdings in der Natur der Sache. Man muss Jack Sadelstein verstehen: Seine Zwillingsschwester Jill ist infantil, laut, obszön und unsensibel, hässlich, mit der Statur (und Kraft) eines sibirischen Gewichthebers versehen und von Transpirationsproblemen heimgesucht. Umso härter die Erkenntnisfindung, dass Geschwister, insbesondere Zwillinge, auch viele Gemeinsamkeiten verbindet und Zusammenhalt stärker macht. Beide Seiten. Ob man dem Sandman diese Fabel am Ende abnehmen möchte, hängt wohl etwas mit der persönlichen Sympathie ihm gegenüber zusammen. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, da ich ihm sowieso alles verzeihe, selbst diese teils bewusst an den Nerven sägende Zwillingsmär.
Sandler jedenfalls wird, wenn er seine Linie so tapfer durchhält wie bisher und auch weiterhin darauf verzichtet, sich den falschen Adressaten anzubiedern, irgendwann auf ein beispielloses komödiantisches Lebenswerk zurückblicken können, das in komprimierter Form im Schnitt jedem dritten Vertreter des männlich-amerikanischen Mittelstands den kostspieligen Besuch beim Analytiker ersparen sollte.

6/10

Dennis Dugan Adam Sandler Los Angeles Kalifornien Ethnics Werbung Zwillinge Familie


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AMERICAN BEAUTY (Sam Mendes/USA 1999)


"Welcome to America's weirdest home videos."

American Beauty ~ USA 1999
Directed By: Sam Mendes

Mit 42 realisiert der Vorstadtbewohner und Familienvater Lester Burnham (Kevin Spacey), dass sein Leben nurmehr ein Schutthaufen ist. Seine Frau Carolyn (Annette Benning), eine erfolglose Immobilienmaklerin, hat die Spießigkeit zu ihrer Privatreligion erklärt und seine fünfzehnjährige Tochter Janie (Thora Birch) ist ein Musterbeispiel der Generation "Emo". Als Lester in Janies Freundin Angela (Mena Suvari) sein persönliches Lustfanal entdeckt und parallel dazu nebenan die Familie Fitts einzieht, ändert sich alles. Deren Sohn Ricky (Wes Bentley), etwas älter als Jane, kultiviert das letzte bisschen an Rebellion, das es im Amerika vor der Jahrtausendwende überhaupt noch zu kultivieren gibt: Er dealt im vergleichsweise großen Stil mit Marihuana und ist dazu Amateurkunstfilmer. Seinem fanatischen Vater Frank (Chris Cooper), Marine-Offizier denkbar härtester Prägung, hat er gelernt, aus Selbstschutzgründen stets das Wort zu reden, da Diskussionen mit ihm nicht möglich sind. Ricky und Janie verlieben sich ineinander, Lester kündigt seinen Job und tut erstmals im Leben, was er wirklich will, und ist, wenngleich sein Verhalten hoffnungslos regressiv ist, endlich einmal sein eigener Herr. Ein solch hohes Maß gelebter Autonomie ist in seiner Welt jedoch zu viel des Guten...

Das amerikanische Vorstadtspießertum gehörig aufs Korn zu nehmen wird der Konsens von Sam Mendes und Alan Ball, beide eigentlich vom Theater kommend, gewesen sein. In Form dieser finsteren Satire, die mit Lester Burnhams Gehirn an seiner weiß getünchten Küchenwand endet, just in jenem Augenblick, als er sich wieder seiner Verantwortung als Ehemann und Vater zu besinnen scheint, verwirklichen sie ihren Plan recht effektiv. Formal und darstellerisch gibt es daher auch wenig bis nichts anzukreiden. Von seiner einstmalig durchschlagenden Wirkung scheint mir "American Beauty" allerdings hier und da etwas eingebüßt zu haben. Die Figuren erscheinen mir recht stereotyp angelegt und auch realisiert worden zu sein, was allerdings durch den angestrebten Charakter der Allgemeingültigkeit der Story noch zu rechtfertigen ist. Weniger gut gefällt mir ein eher vage greifbarer, sich einstellender Eindruck der inszenatorischen Arroganz. Mendes baut eine distanzierte Kühle auf, als fürchte er sich vor Konsequenzen. 'Theatralik' ist vielleicht das beste Attribut für diese sicherlich sehr persönliche Impression: Eine wirkliche Identifikation mit dem Ensemble bleibt stete Behauptung, so dass "American Beauty" trotz des vielfachen Einsatzes filmischer Mittel immer bühnenhaft und im nachteilig konnotierten Wortsinne 'inszeniert' wirkt. Die Auseinandersetzung mit seinem ja doch recht gewaltigen Topos bleibt mir am Ende zu schematisch. Was nicht heißen soll, dass es insgesamt betrachtet kein guter Film wäre; das ist und bleibt er dann doch ganz bestimmt.

8/10

Sam Mendes Satire Familie Midlife Crisis Marihuana Coming of Age Herbst Vorort


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SLEUTH (Joseph L. Mankiewicz/UK, USA 1972)


"There's nothing like a little bit of mayhem to cheer one up."

Sleuth (Mord mit kleinen Fehlern) ~ UK/USA 1972
Directed By: Joseph L. Mankiewicz

Der narzisstische Kriminalautor Andrew Wyke (Laurence Olivier) will sich keinesfalls gefallen lassen, dass der deutlich jüngere, schnieke Friseur Milo Tindle (Michael Caine) ihm so ohne Weiteres seine Frau Marguerite abspenstig macht. Also denkt er sich einen perfiden Racheplan in Form einer bitterbösen Scharade aus, deren Finale Tindle an seine psychischen Grenzen führt. Dieser wiederum kehrt wenige Tage später tief gekränkt zu Wyke zurück und demonstriert seinem erklärten Gegenspieler eindringlich via eines seinerseits erdachten Spiels, wie des einen Freud sehr rasch zu des anderen Leid werden kann.

Ich mag "Sleuth" bei Weitem nicht so sehr wie viele andere geschätzte Zeitgenossen. Schuld daran tragen nicht zuletzt das die filmischen Möglichkeiten eher eingeschränkt nutzende Theatersetting sowie das auf zwei Personen beschränkte aktionistische und rhetorische Antagonistenduell. Jenes entpuppt sich erwartungsgemäß primär als Wett- und Schaulaufen zweier großartiger Akteure, die dann auch in jeweiligen Sternstunden ihres Könnens zu bewundern sind. Mankiewicz, der sich in boshaft aufbereiteten Dialogstücken schon immer am heimischsten fühlte, nutzte "Sleuth" dann auch als Anlass seiner finalen Arbeit, bevor er sich für immerhin noch gut zwanzig Jahre aufs Altenteil zurückzog. Eine sympathische Entscheidung. "Sleuth" nun ist als Filmersatz für einen kriminalistisch angehauchten Theaterabend sicherlich gut gewählt; als exemplarische Zuschaustellung von Mankiewicz' außergewöhnlichen Fähigkeiten würde ich ihn - wiederum im Gegensatz zu manch anderem - aber wohl kaum heranziehen.

7/10

Joseph L. Mankiewicz Anthony Shaffer based on play England Rache Schwarze Komödie


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THERE WAS A CROOKED MAN... (Joseph L. Mankiewicz/USA 1970)


"They're killing me by inches!"

There Was A Crooked Man... (Zwei dreckige Halunken) ~ USA 1970
Directed By: Joseph L. Mankiewicz

Der geschickte Bandit Paris Pitman Jr. (Kirk Douglas) wird nach einem Raubüberfall auf einen reichen Geschätsmann (Arthur O'Connell) durch einen dummen Zufall erwischt und zu einer zehnjährigen Haftstrafe in einem Wüstengefängnis verurteilt. Dort versichert er sich der Freundschaft diverser Mithäftlinge und wiegt den neuen Direktor Woodward Lopeman (Henry Fonda) vorsorglich in Sicherheit, derweil er seinen Ausbruch von langer Hand plant. Als Pitman diesen dann mit aller gebührlichen Skrupellosigkeit durchführt, wird auch Lopemans moralische Integrität auf eine harte Probe gestellt.

Mankiewicz' vorletzter Film liegt ganz auf der Linie all der zynischen Westernkomödien dieser Zeit, die samtens auch irgendwie ein Stück New Hollywood symbolisieren. Die Zeit der dreifach chemisch gereinigten, der geläuterten und selbst die der zweifelnden Helden von Errol Flynn über Randolph Scott bis hin zu Jimmy Stewart ist nun endgültig vorüber. Das Genre ist einmal über den Atlantik gerauscht und mit kurzer Verweildauer am Stiefel sowie um einige Lebenserfahrung reicher wieder zurückgekehrt. Was mit den alten Heroen geschehen kann, zeigte ganz besonders Leones "C'Era Una Volta Il West", in dem der einst so strahlend amerikanische Henry Fonda tabakrotzend Kinder abknallte, Krüppel zusammendrosch und Frauen annektierte. Einen kleinen Hauch 'Frank' hat am Ende auch Woodward Lopeman abbekommen, als er der von ihm so begehrlich vorangetriebenen Resozialisierung den Mittelfinger zeigt und über die Grenze abhaut. Ganz besonders fies aber zeigt sich hier Kirk Douglas, der ja zeitlebens immer mal gern auch als Lump zu gebrauchen war. Während man fast den gesamten Film über noch Sympathien zu ihm hegt, ist gegen Schluss, als er kalt lächelnd dem Opportunismus frönt, der Ofen aus und sein Tod im Zuge göttlicher/Hollywood-Gerechtigkeit erscheint überaus gerechtfertigt. Ansonsten ist der Film als einer der wenigen Knastwestern sicherlich etwas Besonderes, wenngleich erzählzeitlich leicht überstrapaziert. Warren Oates' Part fällt zu klein aus, der von Trini Lopez schmissig vorgetragene Titelsong, dessen Refraingestalt nun gar nicht mehr so offensichtlich ist wie noch zu Beginn, reflektiert indes das volle Maß an Zeitflair.

7/10

Joseph L. Mankiewicz Gefängnis Robert Benton New Mexico Schwarze Komödie


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GRIECHISCHE FEIGEN (Siggi Götz/BRD 1976)


"Was guckst'n so blöd?"

Griechische Feigen ~ BRD 1976
Directed By: Siggi Götz

Anstatt wie mit ihren Eltern ausgemacht nach München zu fliegen, bleibt die neunzehnjährige Patricia (Betty Vergès) einfach in Griechenland und veranstaltet vor Ort eine planlose, freizügige Entdeckungsreise. Diese führt sie vor allem durch die Triebwelt maskuliner Begattungsmanöver aller Couleur, führt ihr aber ein ums andere Mal auch ihre eigene Unreife vor Augen. Am Ende erkennt sie, dass man am besten bei dem Mann bleibt, den man wirklich liebt.

Diese von einer Dame namens Patrizia Piccardi (mutmaßlich ein Pseudonym) gescriptete "Coming-of-Age"-Story ist recht untypisch für die LISA-Disco-Komödie jener Tage, da in ihr auf hohle Witzchen weithin verzichtet wird und man stattdessen einen weiblichen Simplicissimus hinaus in die Inselwelt der Ägäis entsendet, um dort das zu lernen, was die Menschheit eigentlich bereits seit ihrem Anbeginn wissen sollte. Gewissermaßen torpediert die Münchner LISA damit ihren äußeren Anspruch, Freizügigkeit und libertinären Lebensstil in frivoler Art und Weise zu kultivieren: Ihre sexuellen Abenteuer und Gelüste lassen die als so selbstbestimmt charakterisierte und ebenso auftretende Patricia nämlich ein ums andere Mal erscheinen wie ein dummes, kleines Rotzbalg, das am Ende dann sowieso nur reumütig zu seinem Liebsten zurückkehren kann. Jener Tom (Claus Richt) kann einem trotz Patricias überaus wohlgeformter Physis andererseits nur leid tun - er wird noch eine harte Zeit mit der rebellischen Antibourgeoise erleben. Vielleicht bekommt sie dann auch endlich mal, wonach sie unterbewusst ohnehin permanent zu verlangen scheint - links und rechts ein paar um die Löffel, gern auch um die hinteren.

5/10

Siggi Götz Griechenland Disco-Komödie Coming of Age Lisa-Film


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PAINT YOUR WAGON (Joshua Logan/USA 1969)


"Looks like I married myself a tourist attraction."

Paint Your Wagon (Westwärts zieht der Wind) ~ USA 1969
Directed By: Joshua Logan

Der alternde Goldwäscher Ben Rumson (Lee Marvin) rettet einem jungen Farmer (Clint Eastwood) das Leben und mach ihn zu seinem Kompagnon, logisch und kurzab 'Pardner' genannt. Das Städtchen No Name City, in dessen Nachbarschaft sie hausen, besteht jedoch leider aus einer ausschließlich männlichen Population und so ist die etwas unkonventionelle eingestielte Hochzeit Bens mit der hübschen Elizabeth (Jean Seberg) eine lokale Sensation. Auch der Pardner verliebt sich in Elizabeth - also leb man fortan zu dritt. Um ein wenig mehr Zivilisation nach No Name City zu bringen, leitet Ben schließlich eine Postkutsche mit sechs Huren auf dem Weg nach Sonora um - der Beginn eines großangelegten Sündenbabels, das neben der Prostitution auch Suff und Glücksspiel beinhaltet. Als Ben und ein paar Kumpels ein verzweigtes Tunnelsystem unter den Häusern der Stadt graben, um den durch die vielen Saloondielen rieselnden Goldstaub abgreifen zu können, besiegeln sie zugleich den Untergang von No Name City - wortwörtlich...

Ich wusste gar nicht mehr, wie lieb ich diesen Film, eine doch sehr unikale Mischung aus Western, Komödie, Romanze und Musical, doch habe. Auch wenn man's nicht glauben mag - die so eklektizistisch anmutenden Ausgangsstücke fügen sich nahtlos zu einem perfekten, runden Gesamtbild, in dem Eastwood sich zwischen Coogan und Callahan als freundlich-leichtherziger Schlagersänger verdingt und das Marvin in einer seiner drei, vier schönsten Rollen zeigt. Seine Darbietung von "Wand'rin Star" gehört wohl zu den unvergesslichsten Filmmusical-Nummern überhaupt. Dann ist die herrliche, ehrwürdige Photographie hervorzuheben, die dem Reigen noch einen weiteres Element hinzsetzt, das mit seiner epischen Breite auf den ersten Blick vielleicht nicht recht passen mag. Aber doch, auch diese Flamboyanz fügt sich ein in "Paint Your Wagon", der einen nicht nur oft und herzlich lachen lässt, sondern das Herz auch tauglich erwärmt. Ein wenig auch in der Tradition von "Design For Living" stehend, ist besonders der Schluss von geradezu hellsichtiger Authentizität: Eastwood, der ewige Konservative, hat sich allen Widerständen gegen das libertinäre Tunichtguttum durchgesetzt und ist bereit für ein Leben in Spießbürgerlichkeit. Marvin derweil haut lieber ab, er ist ein Mann "goin' nowhere". Manche Pioniere liefen ja auch vor der Zivilisation davon.

9/10

Joshua Logan Goldrausch Kalifornien Ménage-à-Trois Alkohol


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STRIPES (Ivan Reitman/USA 1981)


"I don't think I've ever been this happy."

Stripes (Ich glaub', mich knutscht ein Elch!) ~ USA 1981
Directed By: Ivan Reitman

Nach einem Tag voller Ärger entschließt sich der frustrierte Libertinär John Winger (Bill Murray), sich bei der Army zu verpflichten und nimmt seinen besten Kumpel Russell Ziskey (Harold Ramis) gleich noch mit. Es folgt eine lustige Zeit der Insubordination, des Drogenmissbrauchs und schließlich der - obligatorischen - Bewährungsprobe(n).

Nach dem minimal budgetierten Feriencamp-Klassiker "Meatballs" gab man Ivan Reitman etwa die zehnfache Summe um die Kommissgroteske "Stripes" zu inszenieren, mit vierfacher Comedy-Power (neben Murray und Ramis treten noch John Candy und Judge Reinhold auf), Warren Oates als Drill Sergeant und jeder Menge flauer bis gelungener Gags, die erst in ihrer geballten Konzentration natürlich einen der elementaren Komödienklassiker dieser Jahre anreichern. Ferner eine weitere spaßige Übung für das definitive Reitman/Murray/Ramis-Meisterwerk "Ghostbusters". Und ich bin ja sowieso in die damals überaus ansehnliche P.J. Soles verliebt.
Was Schnelles aus der Mottenkiste noch: "Ich glaub'..." war zu dieser Zeit eine beliebte germanistische Titelfloskel für US-Komödien: Los ging es mit "Ich glaub', mich tritt ein Pferd ("Animal House"), dann kam "Ich glaub' mich knutscht ein Elch!" ("Stripes"), dessen Übersetzungsbeknacktheit bereits rekorverdächtig schien. Doch weit gefehlt: Auf "Ich glaub', ich steh' im Wald!" ("Fast Times At Ridgemont High") folgte die definitive Taufidiotie "Ich glaub', mein Straps funkt S.O.S." ("Class Reunion"). Ich glaub' die Leute waren früher einfach echt 'ne ganze Ecke dufter.

8/10

Ivan Reitman Militär Satire Freundschaft LSD Kalter Krieg





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