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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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HERE COMES THE BOOM (Frank Coraci/USA 2012)


"Let's do this. Let's lose."

Here Comes The Boom (Das Schwergewicht) ~ USA 2012
Directed By: Frank Coraci

Um seinem idealistischen Kollegen, dem Musikpädagogen Marty Streb (Henry Winkler) die Wegrationalisierung durch ein hoffnungslos ökonomisiertes Schulmanagement zu ersparen, tritt der Biologielehrer Scott Voss (Kevin James) als MMA-Kämpfer an. Trainieren lässt er sich von dem holländischstämmigen Sportler Niko (Bas Rutten), den Voss aus einem von ihm geleiteten Einbürgerungsseminar kennt. Nach anfänglichen Misserfolgen entwickelt sich Voss mehr und mehr zum durchaus ernstzunehmenden Kämpfer, der bei einem Schaukampf in Vegas die Gelegenheit erhält, die fehlende Summe für die Rettung von Martys Stelle auf einen Schlag zu gewinnen: Er muss lediglich den amtierenden Schwergewichtsmeister (Krzyzstov Soszynski) besiegen...

Coracis zweite Kollaboration mit Kevin James, wiederum von Happy Madison coproduziert, ist ein merkwürdiger Film, der eine klare Linie vermissen lässt und nach einem durchaus starken, mitreißenden Finale kurz vor den end credits urplötzlich einen unangenehmen, patriotischen Ton anschlägt. Nach einigen mehr oder minder komischen Situationen, deren teils durchaus treffsicherer Humor sich vornehmlich daraus speist, dass Kevin James sich im Ring wahlweise ungeschickt anstellt oder in irgendwelche Fettnäpfchen tritt, entwickelt "Here Comes The Boom" im recht harten, zäsurgleichen Finale einen beinahe 'rockyesken' Zug, den man in dieser exponierten Form sicherlich nicht erwartet hätte. Ob und inwieweit da Authentizität transportiert wird, lässt sich anhand der grandiosen Montage nur mutmaßen, die Choreographie des Kampfes ist jedoch auch so als perfekt zu erkennen und James macht gar keine schlechte Figur bei seiner MMA-Feuertaufe. Nach einigen - Zufall oder nicht - ohnehin unübersehbaren, inhaltlichen Analogien fühlt man sich angesichts der Szene noch deutlicher in die Nähe des exzellenten "Warrior" gerückt, "Here Comes The Boom" scheint im Direktvergleich zu "Zookeeper" ein erstaunlich erwachsener Film zu sein. So weit, so unikal. Was dann jedoch die letzten Minuten darstellen sollen, die ein auf bizarre Weise plump anmutendes Hohelied auf Amerika und seine ethnische Kulturvielfalt anstimmen und mit der wehenden Flagge im Sonnenlicht abschließen, bleibt ein Rätsel. Nachdem man gerade überzeugt war, einen wirklichen netten Film kredenzt bekommen zu haben, diese Ohrfeige. Hm. Im Zweifel für die Angeklagten und ihre sonstigen Verdienste wollen wir es diesmal ausnahmsweise bei einer Verwarnung belassen.

7/10

Frank Coraci Adam Sandler Boston Martial Arts Faustkampf Schule Las Vegas Freundschaft


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ZOOKEEPER (Frank Coraci/USA 2011)


"And you, sir?" - "Thirty oranges."

Zookeeper (Der Zoowärter) ~ USA 2011
Directed By: Frank Coraci

Der Bostoner Zoowärter Griffin Keyes (Kevin James) ist bis heute nicht über die fünf Jahre zurückliegende Trennung von seiner damaligen Freundin Stephanie (Leslie Bibb) hinweggekommen. Als er androht, den Zoo zu verlassen, um sich beruflich zu verbessern. Die ihn durch die Bank liebenden Tiere beschließen, um dem vorzubeugen, ihren Ehrenkodex zu brechen, demzufolge es streng verboten ist, mit Menschen zu sprechen. Besonders der depressive Gorilla Bernie wird Griffin ein guter Freund. Die fruchtbaren Beziehungstipps der Tiere helfen Griffin schließlich, Stephanie mit viel Mühe und Not zurückzugewinnen, dann jeoch nimmt er, um sie gewogen zu halten, doch einen Job als Verkäufer im Luxus-Autohaus seines Bruders (Nat Faxon) an. Es dauert eine Zeit, bis Griffin endlich bemerkt, dass er sich mit dieser verblendeten Existenz nur etwas vormacht und dass er eigentlich seine Kollegin Kate (Rosario Dawson) liebt.

Frank Coraci ist neben Dennis Dugan eigentlich Adam Sandlers Haus- und Hofregisseur, hat jedoch mit Sandlers Buddy Kevin James zuletzt auch zwei Solo-Projekte eingestielt, die der Sandman immerhin coproduzierte. Im ersten davon, "The Zookeeper", spricht Sandler außerdem die Rolle des kalauernden Kapuzineräffchens Donald. Der Film hätte sich im Prinzip auch recht gut in das darstellerische Werk Sandlers eingefügt, da es sich wie dort so oft auch hierin um einen erwachsenen Mann dreht, der sein rechtes Lebensmaß noch nicht gefunden hat und erst einiges an Hilfe bedarf, um auf den rechten Weg geführt zu werden. Jene Unterstützung erhält er von seinen heimlichen Freunden, den Tieren des von ihm aufopferungsvoll betreuten Zoos; freilich das Element, das "The Zookeeper" die Basis für die meisten seiner Gags liefert und ihn darüberhinaus überaus multigenerationstauglich - und damit zweifelsohne auch kommerziell deutlich relevanter - macht. Witze unter der Gürtellinie gehören somit nicht zum Konzept des Films, die Vermittlung seiner Lebensweisheiten vollzieht "The Zookeeper" deutlich geradliniger und uncodierter als frühere Sandler-Hauptrollen-Filme. Kevin James ist aber wohl auch einfach nicht der Typ für Derbheiten. Somit kann sich "The Zookeeper" auch nicht ganz einer offensichtlichen Familienkompatibilität und Biederkeit verleugnen, was ihn, so habe ich es empfunden, etwas schwächt. Nicht zuletzt wegen des von Nick Nolte kongenial vertonten Gorillas Bernie und wegen der unverschämt attraktiven Rosario Dawson dennoch deutlich im Plus.

6/10

Frank Coraci Zoo Adam Sandler Sprechende Tiere Boston


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SUGAR HILL (Paul Maslansky/USA 1974)


"My particular special, a drink that I'm famous for... the Zombie!"

Sugar Hill (Die schwarzen Zombies von Sugar Hill) ~ USA 1974
Directed By: Paul Maslansky

Als ihr Freund, der Nachtclubbesitzer Langston (Larry Don Johnson) zu Tode geprügelt wird, weil er seinen Laden nicht verkaufen will, sinnt Langstons Freundin Sugar Hill (Marki Bey) auf Rache. In den Bayous sucht sie die alte Voodoopriesterin Mama Maitresse (Zara Cully) auf. Diese wiederum führt Sugar zu Baron Samedi (Don Pedro Colley), dem Herrn der Untoten. Mit seiner aus ehemaligen Sklaven bestehenden Zombie-Armee erledigt Samedi die Drecksarbeit für Sugar: Sämtliche von Langstons Mördern inklusive dem Auftraggeber Morgan (Robert Quarry) sterben eines grausamen Todes...

Angereichert mit deutlich selbstironischen Subtönen striff die AIP, bekanntermaßen das Hausstudio für bodenständige Blaxploitation, mit "Sugar Hill" endlich auch das bis dato sträflich vernachlässigte Voodoo-/Zombie-Genre. Nachdem William Marshall bereits in zwei Filmen den "Blacula" gegeben hatte, trat nun der formidable Don Pedro Colley als Baron Samedi auf den Plan, den weißen Rassistenabschaum ins Jenseits zu befördern. Erst ein Jahr zuvor war Baron Samedi als Sidekick des Bösewichts im Bond-Film "Live And Let Die" aufgetreten; für "Sugar Hill" wurde die Figur nochmal deutlich bedeutungsschwangerer umgeschrieben. Sogar die unvergessliche Szene mit dem Sarg voller Schlangen wärmte Maslansky nochmal auf. Mit Robert Quarry, vormalig als "Count Yorga" unterwegs, warf "Sugar Hill" darüberhinaus sogar noch einen kleinen Hausstar ins Rennen. Marki Bey ist trotz schöner Kurven allerdings keine Pam Grier und der sichtlich billige, in visueller Hinsicht zudem leider völlig harmlose Film insgesamt auch nicht ganz der Schlager, der er hätte sein mögen.

5/10

Paul Maslansky Blaxploitation Rache Voodoo Zombies Louisiana Südstaaten Trash


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THE HOT CHICK (Tom Brady/USA 2002)


"Ling Ling, you forgot your bling bling."

The Hot Chick (Hot Chick - Verrückte Hühner) ~ USA 2002
Directed By: Tom Brady

Durch den Einfluss eines Paars uralter abessinischer Ohrringe tauschen die Highschoo-Zicke Jessica (Rachel McAdams) und der Glücksritter Clive (Rob Schneider) die Körper. Dem ersten Schock folgen bald die jeweiligen Arrangements: Jessica und ihre beste Freundin April (Anna Faris) giggeln über den lustigen Piephahn zwischen Jessicas Schenkeln, derweil Clive sich jetzt seine Kröten als Striptänzerin verdient. Natürlich, darüber ist sich zumindest Jessica bald klar, kann dieser Zustand nicht von Dauer sein und nach der üblichen Erwachsenwerdensphase switcht man wieder zurück.

Mein lieber Freund Oliver Nöding, sich gegenwärtig wie gewohnt fundiert-analytisch mit den komödiantischen Kosmen Adam Sandlers und Rob Schneiders befassend, deren Schaffen sich unter Sandlers "Happy Madison"-Schirm vereint, war immerhin so sehr von diesem Film angetan, dass er ihn mir bei seinem gestrigen Besuch vorführte. Normalerweise habe ich blindes Vetrauen in Olis (insbesondere komdiantische) Sensoren; ohne ihn hätte ich vermutlich etwa niemals Tuchfühlung mit Will Ferrell aufgenommen. Nun also "The Hot Chick". Ich schätze, der Film hält gewissermaßen, was der Titel verspricht. Es handelt sich um eine Body-Switch-/High-School-Comedy, ein Subgenre also, das in der zweiten Hälfte der Achtziger mit damalig chargierendem Kleinvieh wie "Like Father Like Son", "Vice Versa", "18 Again!" und etwas später noch "Switch!", an dessen Gender-Fersen sich "The Hot Chick" im Speziellen heftet, kurzweilig reüssieren konnte - allesamt Titel, die im heutigen Filmbewusstsein kaum mehr präsent sind und vermutlich in erster Linie Menschen etwas sagen, die sich wie ich damals im akkuraten Alter befunden haben, um sich über sie amüsieren zu können. Ich mutmaße, dass die komödiantische Halbwertzeit dieser durchweg nach dem selben Prinzip verarbeiteten Werke - sich fix erschöpfte, um dann endgültig spurlos zu verdampfen. Ebenso verhält es sich mit "The Hot Chick". Anstatt eine breitenoffensive Satire bezüglich der Antikultur quietschender kalifornischer Cheerleader-Mädchen vorzulegen, setzt er sich justament und selbstzufrieden in ebendieses Milieu hinein wie in einen gigantischen, wimmelnden Ameisenhaufen, nur um sich am Ende zu wundern, dass der Arsch juckt. Bradys Film fühlt sich wohl damit, dass avisierte Publikumsklientel und Figureninventar identisch sind und legt eine den Brechreiz unentwegt stimulierende Mischung aus Dreizehnjährige erfreuenden Pipi-Witzchen und rührseliger Zuckerwattenromanze vor, die ich, derweil Oli zwischenzeitlich entschlummerte, nur bis zum Ende ertragen konnte, um "so was überhaupt mal gesehen zu haben". Zumindest rechtfertige ich so mein tapferes Durchhalten. Man muss ja auch immer wissen, wo der Feind sich gerade befindet. Das beziehe ich - ich bin gleich fertig, Oli - keinesfalls auf den Vorführer, der ist ansonsten ein ganz integrer Mensch und stand vermutlich unter dem Einfluss dämonischer Strahlung von der Wega, als er diesen Film in seinem Blog bejubelte. Vielleicht wurde auch bloß ich gestern bestrahlt, als sich der Betrachtungseffekt von "The Hot Chick" in körperlichem Schmerz zu manifestieren dohte. Keine Ahnung. Einen Bonuspunkt für des Sandmans Gastauftritt als debiler Ethnohaiopai, Michael O'Keefe und Robert Davi in Gastrollen und zwei gute Songeinspieler (Jimmy Eat World, The White Stripes).

2/10

Tom Brady Teenager Body Switch Adam Sandler Kalifornien Schule Coming of Age


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THE GLASS BOTTOM BOAT (Frank Tashlin/USA 1966)


"She's a pretty strange acting female."

The Glass Bottom Boat (Spion in Spitzenhöschen) ~ USA 1966
Directed By: Frank Tashlin

Der NASA-Wissenschaftler Bruce Templeton (RobertTaylor) verliebt sich während der Arbeit an einem streng geheimen Gravitations-Überwindungsprojekt namens 'GISMO' in die verwitwete Fremdenführerin Jenny Nelson (Doris Day). Ein übereifriger Überwachungsangestellter (Paul Lynde) hält Jenny aufgrund ihrer etwas verwunderlichen Verhaltensweisen, zu denen unter anderem regelmäßige Anrufe zu Hause bei ihrem Hund zählen, fälschlicherweise für eine feindliche Agentin. Da sich parallel zu dieser Konfusion ein echter (Amateur-)Spion (Dom DeLuise) in Templetons Haus einklinkt, gerät die ahnungslose Jenny mehr und mehr unter Verdacht...

Putzig, wie die meisten Doris-Day-Komödien dieser Tage; trotz Frank Tashlin jedoch nicht ganz so schön wie die Clinch-Grotesken mit Rock Hudson. Das bewährte Prinzip der Zähmung der im Mittel zwischen 'brav' und 'widerspenstig' befindlichen Ur-Amerikanerin findet sich auch hierin noch, die Day erotisiert ihre eigenartige, aber wirkungsvolle Hausfrauenerotik zunehmend professionell (und, mit 42 Jahren, freilich in den letzten Zügen), wirkt jedoch etwas braver und demanzipierter. Dass sie sich einmal durch die Blume etwa als dumm bezeichnen lassen muss, steckt sie relativ gelassen weg. Kein Ruhmesblatt für die Frauenbewegung. Und die Cold-War-Satire mag gut gemeint sein, ist aber schlussendlich ebenso ungefährlich wie Days Handtascheninhalt. Fazit: bieder.

6/10

Frank Tashlin Kalifornien Kalter Krieg Raumfahrt Satire


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THE MAN WITH TWO BRAINS (Carl Reiner/USA 1983)


The Man With Two Brains (Der Mann mit zwei Gehirnen) ~ USA 1983
Directed By: Carl Reiner

Der verwitwete Gehirnchirurg Dr. Hfuhruhurr (Steve Martin) fährt versehentlich die bösartige Millionärsgattin Dolores (Kathleen Turner) an, operiert und heiratet sie. Doch das Miststück hat sich über ihren Unfall hinaus nicht verändert: Sie hungert Dr. Hfuhruhurr sexuell aus und treibt es stattdessen mit Ramón (Natividad Vacío), dem Gärtner. Außerdem hat sie es lediglich auf das Verrmögen ihres Gatten abgesehen. Als Hfuhruhurr zu einem Kongress in Wien eingeladen wird, wo gerade der berüchtigte Fahrstuhlmörder sein Unwesen treibt, lernt er neben dem Kollegen Dr. Necessiter (David Warner), der Gehirnaktivitäten per Strom übertragen kann, das Gehirn von Anne Uumellmahaye kennen, in das er sich verliebt. Anne benötigt einen Körper, um am Leben zu bleiben - doch woher nehmen, wenn nicht töten?

Wine weitere formidable Reiner/Martin-Komödie, in der man sich diesmal die B-Genrefilme der fünfziger Jahre vorknöpft. "Donovan's Brain" findet sich sogar direkt erwähnt. Der Film quillt von Anfang bis Ende über vor brillanten Gags, die sich einerseits aus verrückten Einfällen von Reiner und Martin speisen und andererseits aus der herrlichen Komik des Hauptdarstellers, die ja dereinst, bevor er sich solcherlei Albernheiten zu verkneifen pflegte, vor allem darin bestand, vollkommen absurde Szenen völlig selbstverständlich zu spielen und dabei sein seriös-gepflegtes Äußeres stets zu wahren. Doch auch Kathleen Turner, möglicherweise der weibliche Hollywood-Hot-Spot der ersten Achtzigerhälfte, ist schlichtweg zum Niederknien. Und was ein echter Gehirn-Schocker ist, der kann auch einen kostümierten Pseudogorilla vorweisen, wobei hier Don McLeod unübersehbar im selben Ganzkörperpelz steckt, den er kurz darauf wieder in "Trading Places" tragen wird. Qualität hat eben Bestand.

8/10

Carl Reiner Mad Scientist Gehirn Groteske Slapstick Ehe Medizin Österreich Wien


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BLOCK-HEADS (John G. Blystone/USA 1938)


"If you want me to go, I'll stay as long as you like."

Block-Heads (Die Klotzköpfe) ~ USA 1938
Directed By: John G. Blystone

Nachdem Stan (Stan Laurel) 20 Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs seine Wachstellung in einem französischen Schützengraben gehalten hat, berichtet ihm ein von ihm attackierter Pilot (George Sorel), dass der Krieg schon seit längerem vorbei sei. Stan gibt daraufhin seine stellung auf und geht in ein Veteranenheim. Als sein alter, mittlerweile unglücklich verheirateter Kumpel Ollie (Oliver Hardy) davon Wind bekommt, holt er Stan ab und nimmt ihn mit in sein Appartment. Das Chaos ist vorprogrammiert und am Ende bleibt nur die Flucht nach vorn.

"Block-Heads" gilt als einer der schönsten Spielfilmklassiker um Stan und Ollie. In weniger als einer Stunde liefert das Duo eine inhaltlich zunehmend zerfasernde Glanzvorstellung, in denen sich lustvoll physikalische Gesetzmäßigkeiten auf den Kopf gestellt finden und ein Hohelied auf wahre Männerfreundschaft gesungen wird. Ollies feine Ehefrau (Mina Gombell) ist ein Höllenweib, das seinen armen Gatten an der kurzen Leine hält, ihm Taschengeld ausbezahlt und jeden Minimalanlass zu furienhafter Raserei nutzt. So kann und darf es nicht weitergehen.
Ganz wunderbar vor dieser dramaturgischen Prämisse die in "Block-Heads" hochkultivierte, symbiotische Beziehung zwischen dem Protagonistenpaar: Sobald sie sich begegnen, herrschen um sie herum Konfusion, Unordnung und Chaos und doch fußt ihr gesamtes Existenzprinzip auf gegenseitiger Nähe. Obschon Ollie im Grunde ahnt, dass Stan ihn bereits nach Sekunden garantiert aus der Haut fahren lassen wird, holt er ihn zu sich, gerner und zweifelsohne vor dem latenten Bewusstsein, dass ihn dieser Schritt seine Ehe - ohnehin eine lediglich der oberflächlichen Gesellschaftsordnung geschuldete Farce - kosten wird.

8/10

Laurel & Hardy John G. Blystone Slapstick WWI Freundschaft


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LEPRECHAUN IN THE HOOD (Rob Spera/USA 2000)


"Lep in the Hood, come to do no good!"

Leprechaun In The Hood ~ USA 2000
Directed By: Rob Spera

Dereinst hat der Kleingangster Mack Daddy (Ice-T) einen Leprechaun (Warwick Davis) um dessen sagenhafte Flöte erleichtert und den Kobold hernach festgesetzt. Mithilfe des kleinen instruments ist Mack Daddy daraufhin zum Musikproduzenten-Millionär avanciert. Eher zufällig gerät Jahre später das erfolglose Rap-Trio Postmaster P. (Anthony Montgomery), Stray Bullet (Rashaan Nall) und Butch (Red Grant) im Zuge eines Überfalls in den Besitz jener Flöte und hat fortan sowohl Mack Daddy als auch den ungehaltenen Leprechaun am Hals.

Falls jemand irrigerweise den im Weltraum spielenden vierten Teil des "Leprechaun"-Franchise für die denkbar groteskeste Variation des Themas hielt, würde ich zu gern wissen, wie dieser Jemand erst auf "Leprechaun In The Hood" reagiert. Oder - eigentlich möchte ich's gar nicht wissen, ich weiß es schon - schließlich habe ich diesen völligen Blödsinn letzte Nacht am eigenen Leibe ertragen. Eine völlig konfuse Zusammenführung aus Hip-Hop-Komödie und "Leprechaun"-Sequel, idiotisch bis ins Mark und vor allem deshalb nachgerade erstaunlich, da Trimark den Film offenbar ruhigen Gewissens abgesegnet hat. Wahrscheinlich wurde die Produktion eher als subkulturelles Happening in L.A. angelegt, dessen Beteiligte, inklusive des durch die Kulissen torkelnden Coolio, sich ob der dichten Marihuanaschwaden kaum mehr an den Dreh werden erinnern können. Der Leprechaun trifft Ice-T wird zum "Lep", raucht kiloweise Gras, hält sich flotte bitches und rappt am Ende das Haus. Mehr muss dazu eigentlich nicht gesagt werden.

3/10

Rob Spera Leprechaun Sequel Musik Los Angeles Slum Marihuana Groteske Satire Splatter Subkultur Trash


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HITCHCOCK (Sacha Gervasi/USA 2012)


"The only worse than a visit to the dentist is a visit to the censor."

Hitchcock ~ USA 2012
Directed By: Sacha Gervasi

Nach "North By Northwest" gerät Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) in eine kreative Talsohle, die sich mit der Lektüre von Robert Blochs Roman "Psycho" sehr schnell wieder verflüchtigt. Als er von der Paramount eine Absage bezüglich der Produktionskosten erhält, übernimmt Hitchcock zusammen mit seiner Frau Alma Reville (Helen Mirren) selbst die Finanzierung. Gesundheitliche Probleme, Almas Liebäugelei mit einem promisken Scriptautoren (Dany Huston) und schließlich der Druck von Verleih und Zensur machen die Dreharbeiten alles andere als einfach. Der spätere, triumphale Erfolg jedoch gibt dem Meister Recht in all seinen Entscheidungen.

Nett, ehrenwert, possierlich auch: Ein großer Wurf ist Sacha Gervasi mit "Hitchcock", der vielleicht besser "The Making Of "Psycho"" oder ähnlich gehießen hätte, nicht geglückt. Dafür ist sein Film, schon infolge des verhandelten Sujets - Filmemacher besiegt inner Dämonen und rettet seine kriselnde Ehe durch professionelle Sublimierung - schlichterdings zu überraschungsarm und bieder geraten. Ein paar schöne Ideen wie Hitchcocks mental geführte Zwiegespräche mit Ed Gein (Michael Wincott) oder eine nächtliche Pastetenfressorgie vor dem Kühlschrank vermögen es nicht, die selbst dem Laien altbekannten Themen wie Hitchcocks mehr oder weniger heimliche Obsessionen bezüglich seiner Hauptdarstellerinnen und seine daraus resultierenden Ehekrisen mit Alma, sein merkwürdiges Verhältnis zu Eros und Thanatos sowie seine Exzentrik im Umgang mit Financiers und Zensoren an innovativer Kraft aufzuwiegen. Immerhin bekommt man mal Ralph Macchio (als Scriptautor Joe Stefano) wieder zu sehen, der, man glaubt es kaum, tatsächlich gealtert ist. Nun, unterhaltsam ist "Hitchcock" sicherlich und man merkt den Beteiligten samt und sonders die Ehrfurcht an, an der dramatisierten Dokumentierung der Entstehung eines solch monolithischen Kunstwerks mitwirken zu dürfen; ein vereinzelter, schnell gedachter Gedanke an den eigentlichen 'Stein des Anstoßes' veranschaulicht jedoch überaus rasch wieder den Unterschied zwischen Kunst und Mediokrem.

6/10

Alfred Hitchcock Ed Gein Film im Film Hollywood period piece Historie Sacha Gervasi Hommage Biopic Ehe


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LEPRECHAUN 4: IN SPACE (Brian Trenchard-Smith/USA 1996)


"As Shakespeare said, shit happens."

Leprechaun 4: In Space (Space Platoon) ~ USA 1996
Directed By: Brian Trenchard-Smith

Im späten 21. Jahrhundert hat eine Gruppe Marines die Aufgabe, ein vermeintliches Alien, das die Golderträge einer interplanetaren Handelsgesellschaft dezimiert, dingfest zu machen. Tatsächlich handelt es sich mitnichten um ein außerirdisches Wesen, sondern um einen Leprechaun (Warwick Davis), der gerade dabei ist, auf einem entlegenen Planeten seine Hochzeit mit einer verwöhnten Königstochter (Rebecca Carlton) vorzubereiten. Die Marines führen den Auftrag vermeintlich erfolgreich durch, lassen den Leprechaun scheinbar tot zurück und nehmen die komatöse Prinzessin mit an Bord eines Raumschiffes des verrückten Wissenschaftlers Dr. Mittenhand (Guy Siner). Doch hier materialisiert sich der Leprechaun wieder und möchte gern schleunigst seine ihm zuvor entwendeten Dinge zurück.

Herrlich gaga, dieser wiederum von Trenchard-Smith vorgelegte Viertauftritt des Leprechaun. Die Reihe wandelt sich mit dieser Folge noch mehr zur Groteske als zuvor ohnehin schon und veranstaltet unter semi-verzweifelter Akzeptanz ihrer schmalen Produktionsbedingungen einfach ein betont schlechtes Trashfest, das eine Menge von absurdem Theater hat. Tatsächlich ist "Leprechaun 4" einer jener Filme, deren Unverwechselbarkeit man wohl selbst 'erfahren' haben muss, um sich einen treffende Vorstellung machen zu können von dem Gebotenen. An der Splatterfront lässt das Drittsequel derweil stark nach, die wenigen visuellen Effekte sind so hanebüchen, dass man offenbar nicht mehr davon zeigen konnte - oder wollte. So passt sich die schmierige "The Fly"-Hommage am Ende, die der Einfachheit halber gleich Original und Remake in ein und derselben Szene zitiert, dem übrigen Niveau des Films an: Himmelschreiend. Aber eben auch urkomisch.

5/10

Brian Trenchard-Smith DTV Sequel Leprechaun Militär Söldner Mad Scientist Monster Trash Slasher Zukunft Groteske





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Funxton

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