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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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LEPRECHAUN 3 (Brian Trenchard-Smith/USA 1995)


"For pulling this trick, I'll chop off your dick!"

Leprechaun 3 (Leprechaun - Tödliches Spiel in Las Vegas) ~ USA 1995
Directed By: Brian Trenchard-Smith

Der in Las Vegas ansässige Pfandleiher Gupta (Marcelo Tubert) kauft von einem durchreisenden Kunden einen in Stein eingefassten Leprechaun (Warwick Davis). Unvorsichtigerweise nimmt er diesem das Medaillon vom Hals und schon fängt der Kobold zu wüten an. Parallel dazu kommt das Landei Scott (John Gatins) auf dem Weg nach L.A. durch die Glitzerstadt und lernt die Magiergehilfin Tammy (Lee Armstrong) kennen. Nachdem Scott im Casino sein komplettes Studienbudget verjubelt hat, gerät er per Zufall an eine von des Leprechauns Münzen - der Auftakt für eine irrwitzige Verfolgungsjagd, in deren Verlauf sich Scott selbst in einen Leprechaun verwandelt...

Mit ihrem dritten, vom langjährig in Australien arbeitenden Briten Brian Trenchard-Smith inszenierten Teil landete die Slasher-Reihe im DTV-Segment - und lieferte damit kurioserweise ihren besten Beitrag. "Leprechaun 3" vollzieht den finalen Schritt zur Splatterkomödie nach dem bereits in den Vorgängern zunehmend präsenten Hang zu humoriger Groteske. Vor dem Schauplatz Las Vegas gerät das Franchise endgültig zum ausgelassenen Kasperletheater mit enormer Gagdichte und bringt mit hemmungslos albernen Scherzen und einigem Blutzoll sein Publikum zum wiehern. Als sich das Szenario im letzten Viertel in ein Krankenhaus verlagert, in das sich Scott von Tammy einliefern lässt, um seine Mutation zum Leprechaun zu bremsen, gibt es endgültig kein Halten mehr; nutzt der Film jene Szenen doch zu einigen grenzbrillanten Seitenhieben (nicht nur) gegen das amerikanische Gesundheitssystem. Gekrönt wird die Befriedigung primär männlicher Evokationsbedürfnisse schließlich durch die wohlproportionierte Augenweide Lee Armstrong, die nahezu durch den gesamten Film im großzügig dekolletierten Lederdress stiefelt.

7/10

Brian Trenchard-Smith Leprechaun Las Vegas Casino Krankenhaus Satire Splatter Slasher Sequel DTV


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LEPRECHAUN 2 (Rodman Flender/USA 1994)


"The only whiskey is Irish whiskey!"

Leprechaun 2 ~ USA 1994
Directed By: Rodman Flender

Ein unter der Villa des Entfesselungskünstlers Houdini gefangener Leprechaun (Warwick Davis) wartet seit 1000 Jahren darauf, eine neue Braut freien zu können. Diese findet er in Bridget (Shevonne Durkin), der Freundin des abgebrannten Hollywood-Touristenführers Cody (Charlie Heath). Der Leprechaun entführt und sperrt sie in sein unterirdisches Verlies, derweil Codys versoffener Onkel Morty (Sandy Baron) von dem Schatz des Leprechaun erfährt, und diesen um jeden Preis in seinen Besitz bringen will. Cody gerät an eine der Goldmünzen und will mittels dieser wieder freipressen. Doch der Leprechaun lässt sich nicht ohne weiteres übers Ohr hauen…

Der launige zweite Teil des „Leprechaun“-Franchise kultiviert das nerdige Horror-Potenzial des Vorgängers zu Ungunsten der Fantasy-Elemente. Der hier involvierte Leprechaun (wenngleich Warwick Davis stets die Titelrolle in gleicher Maske und Kostümierung übernahm, handelte es sich offenbar doch immer wieder um unterschiedliche Vertreter der garstigen irischen Mythologievertreter) geht noch um einiges kompromissloser zur Sache als sein Vorgänger und lässt sich recht fiese Scherze einfallen, um selbst halbwegs Unbeteiligte, die das Pech haben, seinen Weg zu kreuzen, ins Jenseits zu befördern, so dass man mit diesem Sequel endgültig von der Kreierung einer Slasher-Reihe sprechen kann. Unter seiner charmanten Maskierung blüht der mit seiner ansonsten so sympathischen Mimik kokettierende Warwick Davis förmlich auf in der Rolle des Killerkobolds, dessen dämonisches Grinsen selbst durch die dick aufgetragenen Latexschichten authentisch wirkt. Als wirklich hervorragender Nebendarsteller mitsamt einigen spaßigen Kneipenszenen sorgt der großartige Sandy Baron für zusätzlichen Lustgewinn, so dass der erste Nachfolger das domestizierte, noch halbwegs familientaugliche Original gründlich überbügelt und, gewissermaßen, optimiert.

6/10

Rodman Flender Leprechaun Los Angeles Alkohol Slasher


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BETTER OFF DEAD... (Savage Steve Holland/USA 1985)


"Two dollars!"

Better Off Dead.. (Lanny dreht auf) ~ USA 1985
Directed By: Savage Steve Holland

Als seine heißgeliebte Freundin Beth (Amanda Wyss) ihn sitzen lässt, macht sich bei dem Oberprimaner Lane Meyer, genannt 'Lanny', eine gewisse, wenngleich nicht allzu ernstzunehmende Todessehnsucht breit. Doch will er andererseits gegen Roy (Aaron Dozier), seinen Nachfolger an Beths Seite, nicht einfach so abstinken. Daher nimmt sich Lanny vor, Roy auf dessen Spezialgebiet, der Ski-Abfahrt, herauszufordern. Dafür bedarf es jedoch noch einer ordentlichen Portion Selbstbewusstseins, die ihm die französische Austauschschülerin Monique (Diane Franklin) eintrichtert.

Hübsch absurde Rabauken-Komödie, die dem Teenagerflüsterer John Hughes und seinen Vasallen vermutlich viel zu albern gewesen wäre. Es geht ja in "Better Off Dead..." auch weniger darum, Generationsnöte transparent zu machen und jene bierernst zu analysieren, als vielmehr um den Spaß an der Blödelei sowie dem Nachspüren der ewigen Lebensfrage nach "der Richtigen", die einem vielleicht gerade dann zuläuft, wenn man am wenigsten damit rechnet. John Cusack hat sich ja damals auch nie recht zum Brat-Pack-Kern gesellen wollen - einerseits war er wohl etwas zu jung, andererseits hat er jedoch immer lieber den ausgelasseneren Slapstick-Flügel der teenage comedy bedient. Dabei verfügt "Better Off Dead..." bei aller grotesken Absurdität durchaus über eine ernstzunehmende Basis wie auch über viele schöne visuelle Einfälle: Tanzende Hamburger oder lebendig werdende Papierzeichnungen. Für hinreichend Spaß ist gesorgt.

7/10

Savage Steve Holland Coming of Age Teenager Familie Kalifornien Weihnachten Wintersport


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LEPRECHAUN (Mark Jones/USA 1993)


"I need me gold!"

Leprechaun ~ USA 1993
Directed By: Mark Jones

Der alte Dan O'Grady (Shay Duffin) hat in Irland einen Leprechaun (Warwick Davis) überlistet und ihm dessen Sack voll Goldmünzen entwendet. Um den aggressiven Sagenzwerg zu bannen, sperrt O'Grady ihn im Keller seines Hauses in eine Holzkiste und beschwert diese mit einem vierblättrigen Kleeblatt - der einzige Weg, einen Leprechaun zu schwächen und in Schach zu halten. Doch diese Maßnahme nützt O'Grady nicht viel - er bekommt einen Schlaganfall und landet im Pflegeheim. Zehn Jahre später ziehen J.D. Reding (John Sanderford) und seine verwöhnte Tochter Tory (Jennifer Aniston) in O'Gradys Haus. Es dauert nicht lang, bis der Leprechaun befreit wird und umgehend nach seinem Schatz sucht - dabei wird jeder, der ihn aufzuhalten versucht oder mit dem Gold in Verbindung kommt, gnadenlos attackiert. Zusammen mit dem Anstreichertrio Nathan (Ken Olandt), Ozzie (Mark Holton) und Alex (Robert Gorman) bekämpft Tory den fiesen Leprechaun mit allen Mitteln.

Aus dem damaligen kleinen Fantasy-Slasher ist mittlerweile ein stattliches DTV-Franchise geworden, das bereits fünf Fortsetzungen, denen ich mich in den nächsten Tagen widmen werde, sowie ein momentan in der Produktion befindliches Prequel nach sich zog.
Die frühen Neunziger markierten eine etwas ratlose Periode angesichts der damals stagnierenden Horror- bzw. Slasher-Franchises, die in der Vordekade aus dem Boden gestampft worden waren und florierten: "Halloween", "TCM" und "A Nightmare On Elm Street) hatten gerade längere Auszeiten durchzustehen und wechselten teilweise die Rechte-Schirmherren, bei "Friday The 13th" war dies bereits geschehen und Jason Voorhees wurde auch onscreen zu seiner eigenen Essenz regradiert, "Phantasm", "Basket Case" oder "Hellraiser" verflachten zusehends und für Remakes oder Reboots war die Zeit aufgrund der Publikumsstruktur noch nicht reif. Effektorientierter Horror war nicht mehr recht en vogue und alternative Ideen mussten her. Eine davon schlug sich im "Leprechaun" nieder, einem unübersehbar als slasher comedy für ein halbwüchsiges Publikum konzipierten Fantasy-/Horrorstreifen, der sich mit seiner eher possierlichen Titelfigur im Fahrwasser von Filmen wie "Gremlins", "Critters", "The Gate" oder "The Monster Squad" bewegte: Die Helden und Widerstreiter des/der Monster(s) befinden sich im (teils jüngeren) Teenager-Alter und bieten sich somit auch als Identifikationsfiguren für eine gleichaltrige Rezipiemtenschaft an, die Atmosphäre bleibt stets abenteuerlich und vergleichsweise licht unter Verzicht auf tatsächlich grauen- oder gar albtraumhafte Szenarien. Das bedeutet zugleich, dass angesichts der stark veränderten Sehgewohnheiten nunmehr ein auf reine Evokation zielender Konsum dieses Films weitgehend ausgeschlossen ist und man sich ihm aus anderer Perspektive nähern muss. In seiner gestalterischen Ambition ist er nämlich durchaus ansehnlich, die Ideen um den Goldsack am Ende des Regenbogens, Leprechauns Schuhputz-Ambitionen oder auch um Mark Holton als etwas zurückgebliebenem Schelm und heimlichen Helden überzeugen. Ganz bestimmt kein Spätgewinner oder besonderer Wiederentdeckungskandidat aber für eine Genrechronologie von Wert.

6/10

Mark Jones Sage Leprechaun Slasher Kalifornien


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THE AMBULANCE (Larry Cohen/USA 1990)


"I assure you you'll be in perfect health when you die!"

The Ambulance ~ USA 1990
Directed By: Larry Cohen

Der bei Marvel Comics angestellte Zeichner Josh Baker (Eric Roberts) interessiert sich für eine junge Dame, die ihm in jeder Mittagspause auf der 5th Avenue über den Weg läuft. Als er eines Tages den Mut findet, Cheryl (Janine Turner) anzusprechen, währt die Kennenlernfreude nicht lang: Cheryl klappt auf der Straße zusammen und wird kurz darauf von ein paar Sanitätern in einen Krankenwagen älteren Baujahrs geladen und abtransportiert. Als Josh sie am Abend in der Unfallklinik besuchen will, hat dort niemand Cheryl gesehen - sie ist wie vom Erdboden verschluckt. Der alternde Lieutenant Spencer (James Earl Jones), an den Josh sich daraufhin wendet, hält seine Story von dem mysteriösen Krankenwagen für höchst fadenscheinig - und doch verschwindet bald auch Cheryls Mitbewohnerin (Jill Gatsby), die, wie Josh erfährt, wie Cheryl Diabetikerin ist. Zusammen mit der emsigen Polizistin Sandra (Megan Gallagher) und dem Senior-Journalisten Elias (Red Buttons) kommt Josh bald darauf einem illegal praktizierenden Chirurgen (Eric Braeden) auf die Spur, der mit einer landesweit operierenden Organisation für menschliche Versuchsobjekte zusammenarbeitet. Und dieser lässt sich nicht gern in die Karten schauen...

Einer von Larry Cohens Ausflügen in den Suspense, der vor allem hitchcockschen Erzählstrukturen immens viel verdankt: Ein unbescholtener, großstädtischer Angestellter kommt einem grenzfantastischen Komplott auf die Spur, wird von offizieller Stelle für unzurechnungsfähig erklärt und muss daraufhin auf eigene Faust gegen die Übeltäter ermitteln. Anders als beim Altmeister gibt es hier jedoch keine landesfeindlichen Spionageaktivitäten, Saboteure oder Verräter, sondern, und da wird die Brücke zum von Cohen stets kultivierten B-Movie-Kosmos geschlagen, einen wahnsinnigen Arzt, mit sadistischen Neigungen, der an seinen unfreiwilligen Patienten medizinische Experimente mit nur allzu bereitwillig akzeptierter Todesfolge praktiziert. "The Ambulance" ist daher auch in erster Linie eine schwarze Komödie, deren Besetzung durch die Bank lustvoll überagiert: Eric Roberts mit verbrecherischem Vokuhila-Schnitt praktizierte derzeit offenbar eine großzügig unterfütterte Kokain-Therapie, James Earl Jones karikiert seine Rolle buchstäblich bis zum letzten Atemzug und der alte Red Buttons ist einfach nur putzig - wobei er das ja eigentlich immer schon war. Der legendäre Marvel-Wizard Stan Lee hat einen bezaubernden Auftritt als er selbst mit deutlich mehr Text als in seinen jüngeren Cameos, der damaligen Comicnerds das Feuchte in die Augen getrieben haben wird; ebenso wie die Einblicke in Marvels Zeichenetage, die von Werken von Frank Miller (Joshs Cheryl-Zeichnung) und Gene Colan (Dr. Strong) gesäumt ist und offenbar einen Ausdruck von Cohens persönlicher Liebe zum Medium darstellt. Allein diesbezüglich lohnt "The Ambulance" bereits, wenngleich er auch sonst einen gleichermaßen unkonventionellen wie aufreizend lässig inszenierten Genrebeitrag bietet.

8/10

Larry Cohen New York mad scientist Marvel Kidnapping Medizin


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COCOON: THE RETURN (Daniel Petrie/USA 1988)


"You're my favorite Martian."

Cocoon: The Return (Cocoon II - Die Rückkehr) ~ USA 1988
Directed By: Daniel Petrie

Fünf Jahre nach ihrer extraterrestrischen Emigration Richtung Antaria kehren drei der Seniorenpaare für einen Kurzaufenthalt wieder zurück auf die Erde, zum einen, weil ihre außerirdischen Gastgeber die im Meer lagernden, durch Seebeben gefährdeten Kokons endgültig abholen wollen, zum anderen aus persönlichen Gründen - um sich von Freunden und Familie noch einmal richtig verabschieden zu können. Doch die wenigen Tage Erdaufenthalt bringen entscheidende Wendungen mit sich: Joes (Hume Cronyn) Tumor macht sich wieder bemerkbar, seine Frau Alma (Jessica Tandy) hat einen schweren Autounfall, Bess (Gwen Verdon) wird schwanger und Ben (Wilford Brimley) und Mary (Maureen Stapleton) hadern mit ihrem unirdisch verlängerten Leben auf Antaria. Derweil kommt Bernie (Jack Gilford) immer noch nicht über den Tod seiner Frau Rose (Herta Ware) hinweg. Als einer der Kokons von Meereswissenschaftlern gefunden, geborgen und in ein Labor gebracht wird, heißt es schließlich für die Truppe, einen letzten gemeinsamen Rettungseinsatz zu begehen.

Von logischer Fortführung kann man im Falle "Cocoon: The Return" kaum sprechen. Viele der inhaltlichen Wendungen stehen gar in vollkommenem Widerspruch zu dem, was der Rezipient im Vorgänger gelernt hat. Das Management der erzählten Zeit (der gesamte Inhalt soll sich in einer Frist von nur drei Tagen zutragen) wirkt geradezu lächerlich verfehlt. In formaler Hinsicht fehlt der Inszenierung ein versierterer Regisseur als der hauptberufliche Fernsehmacher Petrie. Man erhält den zwingenden Eindruck, dass die Fortsetzung, anders als das Original, nicht allein einen Film über Senioren darstellt, sondern zugleich einen für sie. So eine Art 'Love Boat' der Science Fiction. Und dennoch ist Daniel Petrie, vermutlich eher zufällig, mit dem Sequel ein schöner Film gelungen. Er macht nicht den Fehler, eine bloße Kopie des ersten Teils zu liefern (wenngleich strukturelle Analogien sich nicht übersehen lassen), sondern pickt sich eine von dessen Stärken, die Soap-Elemente nämlich, heraus und kultiviert sie. Noch sehr viel episodischer angelegt verwandelt sich "Cocoon: The Return" so zu einem etwas vulgären "Short Cuts", in dem diverse Probleme und Konflikte binnen einer wie erwähnt stark untertrieben kurzen Frist abgehandelt werden wollen. Das alles wird noch sehr viel rührender und gefühlsbetonter dargeboten als in "Cocoon"; James Horners Musik erklimmt passend dazu ihre womöglich tränendrückendsten Sphären ever. Dass das gesamte Ensemble (Brian Dennehy und Herta Ware lediglich in jeweils kurzen Cameos) des ersten Teils wieder zusammenfindet und sich sogar Gelegenheit für ein paar zusätzliche charakterliche Ausbuchtungen ergibt, wie etwa im Falle von Steve Guttenbergs Figur, fand ich an "Cocoon: The Return" immer schon prima.

7/10

Daniel Petrie Sequel Senioren Florida Aliens Freundschaft Krebs Ehe


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COCOON (Ron Howard/USA 1985)


"If this is the foreplay, I'm a dead man..."

Cocoon ~ USA 1985
Directed By: Ron Howard

Ben (Wilford Brimley), Joe (Hume Cronyn) und Art (Don Ameche), drei in Florida lebende, rüstige Rentner, halten sich fit, indem sie auf einem leerstehenden Grundstück den mondänen Swimmingpool benutzen. Nur ihr Freund Bernie (Jack Gilford) hat sich sein Spießertum im Alter bewahrt und hält nichts von solchen Kindereien. Just diesen Swimming-Pool wählen einige als Menschen getarnte Aliens vom Planeten Antaria aus, um eine seit den Zeiten von Atlantis auf dem Meersesgrund in Kokons schlummernde Landmannschaft, die sie zuvor mithilfe des ungläubigen Skippers Jack (Steve Guttenberg) vom Meeresgrund geborgen haben, aufzubewahren Die ihnen zunächst schleierhafte Anwesenheit der Kokons hat eine ungemein vitalisierende Wirkung auf das Seniorentrio: Ben und Art sind fit wie noch nie, beglücken ihre Frauen wie junge Hengste und tanzen Breakdance, Joes Tumor verschwindet wie von selbst. Schließlich gestattet Walter (Brian Dennehy) den Freunden, den Lebenspool weiterhin zu benutzen. Eine unbedachte Bemerkung Bernies jedoch sorgt für eine Katastrophe, die dazu führt, dass die Antarianer in Windeseile die Erde verlassen müssen, um nicht entdeckt zu werden...

Das etwas merkwürdige Subgenre des "gerontologischen Science-Fiction-Films" dauerte in den Achtzigern nur kurz an: Eine Episode in dem Serienrevival "Twilight Zone", "Batteries Not Included" und die beiden "Cocoon"-Filme repräsentierten es.
Besonders "Cocoon", dessen Grundstory um freundliche außerirdische Lichtwesen, die in menschlicher Verkleidung ihre vor Jahrtausenden hier gestrandeten Artgenossen evakuieren wollen, im Grunde kaum mehr denn eine Alibifunktion besitzt um den Hauptteil der Geschichte anzukurbeln: Alte Menschen, die über ihre verbliebene Bedeutung im Gefüge des Lebens nachgrübeln, erhalten eine "zweite Chance" in Form eines buchstäblichen Jungbrunnens, der ihnen Kraft, Geist und Jugend zurückgibt. Ein wunderbares Ensemble von ergrauten Stars aus Hollywoods Golden und Silver Age spielt diese betagten Helden, Lubitsch-, Hitchcock-, Zinnemann-, Mankiewicz-Veteranen. Wobei im Falle Wilford Brimley etwas gemogelt wurde, der ist nämlich gut 25 Jahre jünger als seine vermeintlichen Altersgenossen. Doch sei's drum. Die kleine Faltenclique ist von nachhaltig sympathischer Erscheinung und die abseits von dem ziemlich einfältigen SciFi-Plot erzählte Mär um die offerierte Gelegenheit, das bereits endende Leben auf ewig auszudehnen, nicht uninteressant. Umso fintenreicher die heimlich versteckte Botschaft des Films, den griesgrämigen Bernie Lefkovitz als wahren Helden zu zelebrieren. Dieser besitzt nämlich als einziger der Freunde den Mut, den wahren Erfordernissen und Unwägbarkeiten des Altwerdens zu begegnen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Im Sequel sind dann auch die anderen dazu gezwungen. Man mag von Ron Howard halten, was man will, "Cocoon" tut sein mangelnder Verzicht auf Kitsch und Pathos ungemein wohl. Weil er sonst schlicht belanglos wäre.

8/10

Ron Howard Aliens Florida Senioren Ehe Freundschaft Atlantis


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GWENDOLINE (Just Jaeckin/F 1984)


"Superb, you're superb!"

Gwendoline ~ F 1984
Directed By: Just Jaeckin

Gwendoline (Tawny Kitaen) sucht zusammen mit ihrer Zofe Beth (Zabou Breitman) in China ihren verschollenen Vater, der hier einer seltenen Schmetterlingsspezies auf der Spur war. Zusammen mit dem verruchten Abenteurer Willard (Brent Huff) dringen die beiden Frauen nach diversen Abenteuern zu Lande und zu Wasser in das Reich der Yik-Yak ein, das von einer wahnsinnigen Amazonenkönigin (Berndatte Lafont) beherrscht wird.

Womöglich konzipiert als eine Art "Barbarella" für die Achtziger übernahm der in Angelegenheiten der Hochglanzerotik stets ansprechbare Regisseur Just Jaeckin diese Adaption der Schmutzfinken-Comics um die gleichnamige Titelheldin, deren Schöpfer John Willie die Reihe in den Fünfzigern und Sechzigern zu Papier gebracht hatte. Willie gefiel es als Bondage-Fetischist, seine vollbusigen Heldinnen von engen Fesseln und Knebeln traktieren zu lassen und auf diese Weise ihre - und natürlich seine - geheimen Wünsche zu illustrieren. Tawny Kitaen, deren erste große Darbietung die Rolle der Gwendoline darstellte, war ehedem als Hardrock-Mäuschen bekannt, das durch dieselbe Fönfrisur wie die von ihr angehimmelten Interpreten in den entsprechenden Videos erkennbar war. Zwei Jahre war sie mit David Coverdale von Whitesnake verheiratet und trat regelmäßig in dessen Clips auf. Zusammen mit der damals sogar noch attraktiveren Zabou Breitman lüpft sie gern mal das Blüschen, mehr ist in dieser Hinsicht aber nicht dran. Da punktet "Gwendoline" schon eher mit ein paar frotzeligen Splatter-Einlagen und es kommt Freude auf, wenn ein Paar Ohren am Gefängnisgitter hängenbleibt. Ob die waghalsige Montage, die einen allenthalben glauben lässt, der Film mache urplötzliche Bocksprünge, künstlerische Motive hat oder eher Zeugnis vom Dilettantismus der Hersteller ablegt, vermag ich nicht zu sagen, erstaunt war ich denn aber doch hier und da. Man schaut, man staunt, man schüttelt den Kopf. Gewisse Filme müssen gar nicht mehr leisten.

5/10

Just Jaeckin China Dschungel Exploitation Sleaze Camp Groteske mad scientist period piece Comic


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THE V.I.P.S (Anthony Asquith/UK 1963)


"Pay no attention. Drunks cry very easily. It's only the whiskey."

The V.I.P.s (Hotel International) ~ UK 1963
Directed By: Anthony Asquith

Die Passagiere des vormittäglichen Transatlantikfluges von Heathrow nach Miami via New York haben allen Grund, sich zu ärgern: Wegen erhöhten Nebelaufkommens wird der Flug auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben. Die Passagiere der V.I.P.-Lounge werden zur Übernachtung im 'Hotel International' einquartiert, was einigen von ihnen aus besonderem Zeitdruck nicht passt: Die Industriellengattin Frances Andros (Elizabeth Taylor) plant, ihren Gatten Paul (Richard Burton) zu verlassen und mit dem als Gigolo verrufenen Glücksritter Champselle (Louis Jourdan) durchzubrennen; der Traktoren-Fabrikboss Les Mangrum (Rod Taylor) droht, sein Unternehmen an einen Multi zu verlieren, wenn er nicht eine hohe Summe aufbringen kann; der Filmproduzent Max Buda (Orson Welles) hat den britischen Fiskus hintergangen und muss nun um einen Millionenverlust fürchten; die kauzige, verarmte Gräfin von Brighton (Margaret Rutherford) schließlich will in den USA etwas Geld verdienen, um ihren Besitz zu retten.

Liebe, Romantik, Herz und Schmerz: "The V.I.P.s" ist ein ebenso üppig besetzter wie bebilderter Kitschroman in Scope, der die drei Nebengeschichten um den wahrhaft zerreißenden Zentralplot mit Taylor und Burton konstruiert. Von den ehemals großen, ähnlich gelagerten Ensemblefilmen wie "Grand Hotel" bleibt da kaum mehr viel an Delikatesse zurück; hier regieren Prätention und Weichspüler. Letzten Endes bietet das kurz nach "Cleopatra" avisierte Projekt dem mutmaßlich gezielt weiblichen Publikum eine neuerliche Möglichkeit, jenem berühmt-berüchtigten Skandalpaar beim romantischen Clinch beizuwohnen, die Taylor, gefangen zwischen zwei attraktiven Männern, die sie doch -*schluchz*- beide liebt, Burton, gegen Ende des Films offenbar nicht bloß gespielt -*hicks*- besoffen.
Wie so oft liegen die "wahren" Momente des Films eher in seinen leisen Zwischentönen, in feinen Nuancen und Details. Orson Welles befüllt in seinen wenigen Szenen buchstäblich die Leinwand, die schöne Elsa Martinelli als "sein" Starlet ist eine besondere Augenweide und die Liebesgeschichte zwischen Rod Taylor und Maggie Smith tausendmal interessanter als die großartig flankierte um Taylor/Burton. Das wahre Herz des Films schlägt schließlich mit und für die großartige Margaret "Miss Marple" Rutherford, die sich einmal sogar ein Stelldichein mit ihrem Stringer "Mr. Stringer" Davis als Hotelpagen geben darf.

6/10

Anthony Asquith Ensemblefilm Hotel Flughafen amour fou Ehe Taylor/Burton


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BORN YESTERDAY (George Cukor/USA 1950)


"I'm stupid and I like it."

Born Yesterday (Die ist nicht von gestern) ~ USA 1950
Directed By: George Cukor

Der Schrottmogul Harry Brock (Broderick Crawford), um einen Kongressabgeordneten (Larry Oliver) zu schmieren und möglicherweise selbst in die Politik einzusteigen - im Schlepptau seinen Advokaten (Howard St. John) und seine dümmliche Verlobte Billie (Judy Holliday). Als Brock, selbst kein Ass in gepflegter Lonversation, feststellt, dass Billie nicht vorzeigbar ist, engagiert er den Journalisten Paul Verrall (William Holden), um dem schlichten Blondchen etwas Bildung und akkurates Benehmen einzutrichtern. Es kommt, wie es kommen muss: Das ungleiche Paar verliebt sich ineinander und Billie entschließt sich, nicht weiter Harrys Trampolin zu spielen - was diesem ganz und gar nicht gefällt.

"Pygmalion" in einer komischen Variante, eingebettet ins Gangster- und Politmilieu. Allerdings ist Paul Verrall im Vergleich zu Professor Higgins zumindest über die Distanz der erzählzeit lediglich semierfolgreich im Umpolen seiner künftigen Gespielin und das ist auch gut so. Ihr tatsächlich bezauberndes Potential zieht Judy Holliday schließlich primär aus der Porträtierung eines leicht unterbelichteten Revuemädchens mit Piepsstimme und vulgärer Rede. Eine, angesichts derer die feinen Abgeordnetengattinnen ihren zuvor genippten Tee zurück in die Tasse spucken und deren Lächeln gefriert ob soviel aufrichtiger Unangepasstheit. Man spürt, dass auch Cukor jene erfrischende Kulturlosigkeit als erotische Leitlinie fasziniert haben wird und er die Möglichkeit einer Beziehung, in der der virile Liebhaber zugleich der motivierte Lehrer ist, als probate Alternative zum gesellschaftlichen Einerlei als durchaus funktional erachtete.

9/10

George Cukor based on play Washington D.C.





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