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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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MEN IN WAR (Anthony Mann/USA 1957)


"I want to live as long as I can."

Men In War (Tag ohne Ende) ~ USA 1957
Directed By: Anthony Mann

Während des Koreakrieges bewegt sich ein siebzehnköpfiges Bataillon von US-Marines unter der Führung von Lt. Benson (Robert Ryan) mitten durchs Feindgebiet. Es gilt, die Höhe 46 zu erreichen, auf der heimische Truppen lagern sollen. Unterwegs trifft das Platoon auf Sergeant Montana (Aldo Ray) und seinen schwer traumatisierten Colonel (Robert Keith), die sich Benson und seinen Männern mehr oder wenig unfreiwillig anschließen. Der Weg zur Höhe 46 führt durch Haubitzenbeschuss und Mienenfelder, doch der größte Schrecken wartet am Ziel: Der Hügel befindet sich bereits in Feindeshand und muss zurückerobert werden.

Bereits die minimalistisch-karge, fast kammerspielartige Form, die Anthony Mann für seinen Kriegsfilm gewählt hat, verleiht seiner Intention Glaubwürdigkeit. In schmucklosem Schwarzweiß gefilmt, zeitlich begrenzt auf einen singulären Tag, erzählt "Men In War" von der persönlichen Hölle, die der versprengte, zunehmend dezimierte Soldatenhaufen durchlebt. Daran ist nichts Glorioses und nichts Feierliches, manche Szenen, speziell jene, in deren Zuge die Gruppe sich mit einer weiteren Todesfalle konfrontiert sehen, werden bis an die Grenzen der Erträglichkeit gedehnt. Man meint förmlich, die stickig-feuchte Luft und die schwitzige Atmosphäre omnipräsenter Todesangst atmen zu können. Von hausgemachter Romantik, wie sie etwa "Thunder Bay", aber auch andere Filme Manns versprühen, ist in "Men In War" garantiert nichts zu spüren. Gut, die Finalminute - Lt. Benson verteilt zu ferner Zapfenstreichmusik poshume Tapferkeitsmedaillen an seine gefallenen Kameraden - trägt dann doch einem wie auch immer gearteten Heldenethos Rechnung, lässt sich allerdings auch wohlwollend in einen kritischen Subtext setzen. "Men In War" hätte ebensogut auch von Ray, Fuller, Milestone oder Aldrich stammen mögen; den traurigen Fatalismus ihrer Kriegsfilme teilt er in melancholischem Gedenken.

8/10

Anthony Mann Freundschaft Koreakrieg period piece Historie


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RIDE WITH THE DEVIL (Ang Lee/USA 1999)


"Are you a virgin?" - "Woman, I have killed fifteen men."

Ride With The Devil ~ USA 1999
Directed By: Ang Lee

In Ost-Missouri sind die Fronten zu Beginn des Sezessionskrieges noch teilweise ungeklärt: Während sich manch Alteingesessener zu den Föderalisten bekennt, denken andere nicht daran, ihre tradierte Lebensart aboltionistischen Ideen zu opfern. Hier, fernab der Kampfschauplätze des Ostens, bildet sich eine eigene Front: Yankee-Sympathisanten flüchten sich in die Jayhawker-Miliz, während die Konföderierten sich als Bushwackers sammeln. Die folgenden Scharmützel stehen den großen Armeeschlachten in punkto Brutalität nicht nach. Als sich abzeichnet, dass Lincoln und General Grant den Krieg siegreich beenden werden, beginnen die Milizen zu plündern und zu brandschatzen und sich als Outlaws durchs Feld zu schlagen. Der deutschstämmige Jake Rodel (Tobey Maguire) und der Ex-Sklave Daniel Holt (Jeffrey Wright) stellen sich dieser Entwicklung entgegen und haben bald Feinde auf der einstmals eigenen Seite.

Hinreißend-meditativer Bürgerkriegswestern von Ang Lee, der sich gemächlich und mit manchmal blutigen Eruptionen seinen Weg durch die vier Kriegsjahre mäandert, die sich verdichtende Freundschaft zwischen einem engstirnigen Südstaaten-Jungspund und einem früheren Sklaven und die mitunter abgründigen Lebenssituationen in Zeiten des Krieges zu seinen Hauptthemen macht. James Schamus und Lee verkneifen sich alte figurale Klischees, in denen der faulzahnige Missouri-Redneck seine inzestuös gezüchtete Idiotie nicht mehr ablegen kann oder der gutmütige Plantagennigger vor lauter Dankbarkeit auf die Knie geht, wenn er eine Schweinespeckseite bekommt. "Ride With The Devil" nimmt seine Charaktere stattdessen denkbar ernst und gesteht ihnen Entwicklungen zu, die, ähnlich wie in "The Ice Storm", in die Mündigkeit führen und die erwachsene Fähigkeit, sich mit den Unebenheiten des Lebens zu arrangieren ohne Waffengewalt. Damit ist "Ride The Devil" auch ein hochpazifistischer Film, dem die multinationale Perspektive herzlich guttut. Dass er von aufreizend schönen Bildern seiner Schauplätze getragen wird, sollte in diesem Zusammehang nicht als bloße Bonus aufgefasst werden.

8/10

Sezessionskrieg Südstaaten Ang Lee Missouri Kansas Freundschaft


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APOCALYPSE NOW (Francis Ford Coppola/USA 1979)


"They train young men to drop fire on people. But their commanders won't allow them to write 'fuck' on their airplanes because it is obscene."

Apocalypse Now ~ USA 1979
Directed By: Francis Ford Coppola

Der ausgebrannte Captain Willard (Martin Sheen) erfüllt während des Vietnamkrieges strenggeheime Aufträge für die CIA. Dazwischen sitzt er, desillusioniert und nutzlos, in seinem Hotelzimmer in Saigon und wartet. Seine aktuelle Mission führt ihn über die Grenze in das Dschungelbiet von Kambodscha. Hierher hat sich ein hochdekorierter Offizier namens Kurtz (Marlon Brando) abgesetzt und unter den Eingeborenen ein despotisches Regime errichtet, dem sich bereits andere G.I.s angeschlossen haben. Da die Kommandantur Kurtz für wahnsinnig hält, soll Willard ihn aufspüren und ermorden. Zuvor muss er mit einem kleinen, mit einer Gruppe durchgedrehter Jungsoldaten (Albert Hall, Frederic Forrest, Laurence Fishburne, Sam Bottoms) besetzten Patrouillenboot den Nung-Fluss hinauffahren. Die Erlebnisse auf Willards Reise, während der er ausgiebig Kurtz' Dossier studiert, werden zunehmend bizarrer: Eine Luftlandevision surft mitten im Kampfesgebiet auf den sich durch Bombenexplosionen türmenden Flusswellen, eine Gruppe Playmates soll einen Haufen sexuell ausgehungerter G.I.s bespaßen, im nächtlichen Urwald lauert ein Tiger, die Soldaten am letzten Grenzposten vor Kambodscha schießen orientierungslos ins Dschungeldickicht. Dazwischen immer wieder Drogenkonsum, Joints und LSD. Am Ende wartet Kurtz, der Willard mit seiner Sicht der Dinge konfrontiert, bevor er um seinen Tod bittet.

Noch so ein ungeheurer Auswuchs des sich seinem Ende zuneigenden New Hollywood. Während Spielberg und Lucas sich mit thematisch naiven Genrefilmen an die kommerzielle Spitze katapultierten, ging Coppola, als Regisseur der beiden ersten "The Godfather"-Filme großer Preis- und Hoffnungsträger seiner Künstlerdynastie, auf die Philippinen, um dort basierend auf Joseph Conrads kolonialismuskritischer Novelle "Heart Of Darkness" John Milius' und sein persönliches Vietnam nachzustellen. Die Produktionsgeschichte ist gemeinhin bekannt und ebenso legendär wie der Film selbst; Coppola und sein Team erlebten ein förmliches Weltuntergangsszenario, das alle Beteiligten bis an ihre Grenzen und darüberhinaus führte und dessen Strapazen man in jeder Minute des unglaublichen "Apocalypse Now" ablesen kann. Fest integriert in den Fundus popkultureller Zitate sind seine Szenen und Dialoge, und das ist kein Wunder, weil sie sich infolge ihrer nachdrücklichen Intensität gleich beim ersten Sehen unauslöschlich einbrennen. Die kräftigen Farben des Films scheinen selbst drogeninfiziert, gelbe und violettene Rauchwolken umschwirren ihn, Mörser- und Granatenbeschuss, der wie Feuerwerk aussieht und schließlich diese sich immer irrsinniger gestaltenden Begegnungen Willards mit der verzerrten Fratze des Krieges, der für die US-Intervenierer in Vietnam nochmal eine gesonderte Form der Sinnlosigkeit bereithalten musste. Die Idee, die urwüchsige Imperialismuskritik von Conrads Vorlage auf das damals noch hochbrisante Thema 'Vietnam' zu projizieren und Beides miteinander zu verweben erscheint im Nachhinein so zwingend wie genialisch; was einmal Irrsinn war, bleibt es auf ewig, insbesondere unter derart verschärften äußeren Umständen.
In "Apocalypse Now" gibt es keine einzige gesunde, freie Figur, jeder einzelne hat sich bereits mit der ihn umgebenden Hölle arrangiert und sich ihr angepasst oder ist auf dem Weg dorthin. Vom hohen Offizier, vom Regierungsagenten, bis hin zum kleinen Private bleibt keiner ungeschoren, und die zu Hause haben keine Ahnung von dem, was ihre Söhne und Ehemänner hier durchmachen. So hat Coppola auch nur wenig Zeit, sich mit den Folgen der US-Intervention für die südostasiatische Zivilbevölkerung direkt auseinanderzusetzen, das lässt der bereits in dieser Form großzügige, erzählerische Umfang schlichtweg nicht zu. Dass hier allerdings kein einziges weißes Gesicht schlussendlich am rechten Platze war, daran lässt dieses siebenköpfige und -schwänzige Monster von einem Film am Ende keinerlei Zweifel.
Bin mal wieder völlig plattgewalzt und fertig.

10*/10

Francis Ford Coppola John Milius New Hollywood Vietnam Kambodscha Vietnamkrieg Joseph Conrad period piece Marihuana LSD


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FROM HELL TO VICTORY (Umberto Lenzi/I, E, F 1979)


"To Jürgen!"

From Hell To Victory (Nur Drei kamen durch) ~ I/E/F 1979
Directed By: Umberto Lenzi

Der heraufziehende Zweite Weltkrieg durchkreuzt die so hochgelobte Freundschaft der aus unterschiedlichen Ländern stammenden, sechsköpfigen, kleinen Pariser Clique: Brett Rosson (George Peppard) plant und leitet Geheimoperationen für das US-Militär, Maurice Bernard (George Hamilton) kämpft für De Gaulle und hilft den Alliierten bei Sabotageaktionen, Jürgen Dietrich (Horst Buchholz) wird Wehrmachtsoffizier, Dick Sanders (Jean-Pierre Cassel) fliegt halsbrecherische Einsätze für die R.A.F., Ray MacDonald (Sam Wanamaker) arbeitet in London als Kriegskorrespondent und die schöne Fabienne (Anny Duperey), einzige Dame unter den Herzbuben, geht in die Résistance. Immer wieder kreuzen sich in den folgenden fünf Jahren ihre Wege, im Kampf und dazwischen - doch nur die Hälfte wird sich am 25 August 44 in jenem kleinen Café in Montmartre wiedersehen.

Die Lenzis Großproduktion zur Verfügung stehenden Ressourcen waren offenbar nicht zu verachten: Eine solche Akribie im Umgang mit Mensch und Material und im Vorzeigen seiner Mittel mutet innerhalb des Gesamtwerks des Exploitation-Wizard durchaus rar an. Ähnlich wie für den ein Jahr zuvor entstandenen "Il Grande Attacco" stand Lenzi hier eine internationale Starbesetzung zur Verfügung, die sich durch einen reichhaltigen Ausstattungsfundus und eine ganze Reihe pittoresker Originalschauplätze durchaus bestärkt gefühlt haben dürfte. Das potenziell kitschbehaftete Thema "Freundschaft in Zeiten des Krieges" eignet sich denn auch geradezu perfekt für eine Aufbereitung als mehrteilige TV-Miniserie, als welche "From Hell To Victory" möglicherweise deutlich gewinnender bestanden haben sollte. Ein Problem Lenzis liegt nämlich in der - durch wenn auch immer so rigoros reglementierten - erzählzeitlichen Korsettierung. 95 Minuten sind für ein sich über fünf Jahre erstreckendes und sechs (eigentlich sogar acht, zählt man Capucine als wehrhafte Baroness und Ray Lovelock als verlorenen Sohn hinzu) Geschichten umfassendes Kriegspanoptikum schlicht ein Witz. Da Lenzi großen Wert auf seine mitunter ausladenden Actionszenen legt, bleibt noch weniger Zeit fürs storytelling und so wirkt der Film abgehackt, da wo Epik gefragt wäre, gedrungen, wo er hätte ausladend sein müssen, silhouettiert, wo es langer Einstellungen bedarf. Hinzu kommt, dass Lenzis Stars im Schnitt zehn bis fünfzehn Jahre zu alt für ihre Rollen sind. Angesichts "From Hell To Victory" könnte man glatt dem Glauben anheim fallen, der Zweite Weltkrieg wäre ausschließlich von graumelierten Frühfünfzigern ausgefochten worden. Dennoch ist der Film ansätzlich durchaus schön, extrem unterhaltsam, macht viel Freude und nimmt in Lenzis Œuvre eine echte Sonderstellung ein.

7/10

Umberto Lenzi WWII Freundschaft Paris Résistance


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THE 300 SPARTANS (Rudolph Maté/USA 1962)


"Truth is a heady wine. A politician must never exaggerate people's capacity for it."

The 300 Spartans (Der Löwe von Sparta) ~ USA 1962
Directed By: Rudolph Maté

480 v. Chr.: Der persische König Xerxes (David Farrar) steht mit einer gewaltigen Armee vor den Toren Griechenlands. Der politische Vordenker Themistokles (Ralph Richardson) weiß, dass die einzige Möglichkeit, das morgenländische Heer zu besiegen, in der Einigkeit der griechischen Königreiche liegt. König Leonidas (Ralph Egan) von Sparta sieht dies ähnlich und bietet an, mit seinen gefürchteten Mannen die Vorhut der griechischen Infanterie zu übernehmen. Doch der spartanische Rat schiebt ihm einen Regel vor: Göttliche Feierlichkeiten verbieten den Soldaten, auszurücken. Mit seiner 300 Mann starken Leibgarde rückt Leonidas dennoch gegen Xerxes vor. Bei den Thermopylen können er und seine Getreuen die exponentiell überlegenen Perser immerhin drei Tage aufhalten und das sich im Hinterland sammelnde Hauptheer schonen, bis sie durch den Verrat des Hirten Ephialtes (Kieron Moore) vernichtend aufgerieben werden.

Ein Schlachtengemälde ganz nach meinem Geschmack, immerhin geht es einzig und allein um den mehrtägigen Kampf Leonidas' gegen Xerxes an den Thermopylen. Kleinere Handlungsbypässe wie Xerxes' Techtelmechtel mit der listigen griechischen Königin Artemisa (Anne Wakefield), die Liebesgeschichte des jungen Soldaten Phylon (Barry Coe) mit Leonidas' Nichte Ellas (Diane Baker) oder Ephialtes' niederträchtige Handlungsweise lenken nur unwesentlich vom Geschehen ab. Die Kriegskunst wird hier wirklich als solche dargestellt und bedenkenlos heroisiert, ohne die im Vergleich fast schon als widerlich zu titulierende Stilisierung der späteren Snyder-Miller-Adaption. Maté versagt sich zudem allzu redundante Ausflüge in den Camp: Obgleich diverse Italiener und Griechen an der Herstellung von "The 300 Spartans" beteiligt waren, hebt sich der Film weit vom infantil gefärbten, mediterranen Cinecittà-Sandalenkino dieser Jahre ab. Er ist vielmehr wie ein rundum befriedigender Museumsgang: Fett, satt, ausgeglichen machend.

8/10

Rudolph Maté Historie Antike Griechenland Schlacht


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KANSAS RAIDERS (Ray Enright/USA 1950)


"There are some things a woman simply cannot understand."

Kansas Raiders (Reiter ohne Gnade) ~ USA 1950
Directed By: Ray Enright

Die Brüderpaare Jesse (Audie Murphy) und Frank James (Richard Long), Cole (James Best) und James Younger (Dewey Martin) sowie ihr Freund Kit Dalton (Tony Curtis) schließen sich, nachdem ihr Grund und Boden in Missouri von marodierenden Redlegs verbrannt wurde, der Bushwacker-Miliz des Konföderierten-Offiziers William Quantrill (Brian Donlevy) an. Schnell realisiert Jesse, dass Quantrill Ideal und Umsetzung nicht in Einklang zu bringen vermag und seine Plünderungsaktionen nicht besser sind als die der verhassten Yankees. Quantrill, der in Jesse eine Art Mündel zu sehen beginnt, bringen die Vorwürfe des wütenden jungen Mannes zum Nachdenken. Er trennt sich von seinen mordlüsternen Verbündeten und will mit Jesse und seinen Freunden neue militärische Wege beschreiten, doch es ist zu spät: Die Nordstaatler haben Quantrill bereits auf dem Kerbholz.

Hübsche Geschichtsklitterung Marke Hollywood bietet der Regie-Routinier Ray Enright mit diesem von famoser Technicolor-Dramaturgie aufgewerteten, naiven Bürgerkriegsdrama. Die historischen Fakten biegt sich der Film gerade so zurecht, wie er sie für den Verkauf seiner Story benötigt - tatsächlich kämpfte lediglich Jesses älterer Bruder Frank unter Quantrills Kommando; der gut vier Jahre jüngere Jesse folgte Frank erst später nach, nachdem dieser sich der Guerillatruppe Fletch Taylors angeschlossen hatte. Später wechselte man gemeinsam zu dem berüchtigten Bloody Bill Anderson. Erst während dieser Zeit begann tatsächlich die unheilige Allianz der James- und der Younger-Brüder, die nach Kriegsende zu den bekannten Outlaw-Anekdoten führte.
Wie Quantrill sich in "Kansas Raiders" von dem rechtschaffenen Jesse James zum Guten und Ehrenvollen bekehren lässt, ist so romantisch verlogen inszeniert wie nur was, macht in jener dramatisierten Form aber viel Freude. Ob ferner der milchgesichtige Audie Murphy die optimale Wahl darstellte, um Missouris berühmtem Gangsterrebellen sein Antlitz zu leihen, sei dahingestellt - es gab jedoch sicherlich auch schlechtere James-Akteure und das Gelingen des Films gibt am Ende jeder zweifelhaften Entscheidung Recht.

8/10

Ray Enright Sezessionskrieg Jesse James Historie Kansas


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GONE WITH THE WIND (Victor Fleming/USA 1939)


"Frankly, my dear, I don't give a damn."

Gone With The Wind (Vom Winde verweht) ~ USA 1939
Directed By: Victor Fleming

Georgia, 1861: Scarlett (Vivien Leigh), älteste Tochter des Plantagenbesitzers Gerald O'Hara (Thomas Mitchell), wird von jungen Männern umschwirrt wie ein Gaslicht von Motten, doch sie interessiert sich nur für den Nachbarssohn Ashley Wilkes (Leslie Howard), der wiederum bereits seiner Cousine Melanie (Olivia de Havilland) das Eheversprechen gegeben hat. In diese romantischen Wirren platzt der Sezessionskrieg, der die kriegslüsternen Konföderierten schwer in die Schranken weist und die eilends mit einem Jungspund (Rand Brooks) verheiratete Scarlett erstmals zur Witwe macht. In unregelmäßigen Abständen begegnet sie auch immer wieder dem zynischen Filou Rhett Butler (Clark Gable), der als bekennender Opportunist mit dem Krieg Geschäfte zu machen versteht, immer wieder jedoch Durchbrüche der Moral erlebt. Als Butler einige Jahre später schließlich Scarletts mittlerweile dritter Ehemann wird, lebt das Paar trotzig aneinander vorbei, obgleich man sich tief im Herzen doch liebt.

Der Schwulst dieses monumentalen Epos kann seine tiefe innere Schönheit zum Glück trotz aller Bemühungen nicht zukleistern. Ebensowenig wie der ihm innewohnende, akute Rassismus, der gegenüber Margaret Mitchells literarischer Vorlage immerhin noch deutlich abgemildert wurde. Dennoch graust es einem doch bisweilen, mit welchem Selbstverständnis das alte Hollywood noch das zwangsläufige Untermenschentum des Afroamerikaners thetoretisierte. Die bloße szenische Darstellung der Schwarzen im Film kann man ihm nicht anlasten, die entspricht vermutlich (wohl eher noch in beschönigender Form) dem südstaatlichen Zeitkolorit der Sklavenära. Dass die 'Neger' allerdings stets als unterbelichtete comic relieves herhalten müssen, deren dunkle Pigmentierung mit einer eindeutigen Form geistiger Behinderung parallelisiert wird, lässt sich nur angesichts des Alters von "Gone With The Wind" guten Gewissens ertragen. Doch welcher Pomp, welch große Gefühle lauern über diesem Trübsal: Eine Farbenpracht von größtmöglicher Schönheit, Verschwendungssucht allerorten und natürlich ein bleibend aktueller Antikriegsfilm. Bei der Betrachtung des Werkes stellt sich unweigerlich eine ganz spezielle Gefühlslage ein; diese kenne ich nur hierher und von den Filmen David Leans. Große Traurigkeit, schicksalhafte Endgültigkeit. Diese Menschen wussten offensichtlich noch, wie man mit Würde zu leiden hatte. Und wie unglaublich die Vergänglichkeit der Zeit: Bei der Kinopremiere von "Gone With The Wind" in Atlanta waren noch wirkliche konföderierte Veteranen unter den Gästen (die von der MGM freilich mit großem Trara dorthingerollt wurden, doch egal) und die Distanz zwischen der Gegenwart und der Filmentstehung entspricht in etwa der zwischen dem Ende des Sezessionskrieges und seiner Premiere. Ein Wahnsinn, das alles.

9/10

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THE ALAMO (John Wayne/USA 1960)


"Republic. I like the sound of the word."

The Alamo ~ USA 1960
Directed By: John Wayne

Texas, 1836: Der mexikanische General Santa Anna rückt gen Norden vor, um der dräuenden Republikwerdung des Staates entgegenzuwirken. Auf der anderen Seite steht General Sam Houston (Richard Boone), der die Interessen der vorwiegend nordamerikanischen Siedler vertritt. Zwischen den beiden Armeen befinden sich nurmehr der Rio Grande und die halb verfallene Mission Alamo, von Colonel William Travis (Laurence Harvey) kurzerhand zum Fort und zur letzten Verteidigungsbastion gegen den unaufhaltsam gegen Houston ziehenden Santa Anna ausgerufen. Neben dem dandyhaften Travis verschanzen sich noch die beiden Colonels und Milizenführer Jim Bowie (Richard Widmark) und Davy Crockett (John Wayne) mit ihren Leuten in Alamo. Rund 180 Soldaten stehen gegen eine 7000 Mann starke Armee und das Fort kann immerhin dreizehn wertvolle Tage gehalten werden, bevor Santa Anna es endgültig erstürmt.

"The Alamo" ist das Lebenswerk von John Wayne, sein Traumprojekt, das ihn ein ums andere Mal fast in den Bankrott getrieben und für das er gekämpft hat wie für keine andere Arbeit sonst. Zahlreiche Anekdoten und Legenden ranken sich um die Entstehungsgeschichte dieses durch und durch prachtvollen Films, der, wie Joe Hembus es so schön formuliert, Wayne-Hassern wie Wayne-Verehrern allen nötigen Zündstoff zur Untermauerung ihrer jeweiligen Argumentationsbollwerke liefert. "The Alamo" hofiert die US-Staatsräson wie nur wenige andere Kinostücke, faselt in polithistorisch denkbar naivsten Tönen von Freiheit und Demokratie und kultiviert Heldentum wie Reispflanzen, derweil sich der Weltpolizist im realten Kalten Krieg sowie inmitten der zwei Prügeleien von Korea und Vietnam befand.
"The Alamo" jedoch schlug Dukes ganz persönliche Schlacht, und wie er dies vollführte, ist von einer formalen und atmosphärischen Brillanz, die im Prinzip alle Neider mundtot machen sollte: Wayne stellt unter Beweis, mit welch aufmerksamer Lernfähigkeit er Ford und Hawks über die Schultern geschaut hat, lässt nach "Rio Bravo" erneut Tiomkins "Deguello" erklingen, derweil jeder den Ausgang dieses Mammutprojekts kennen dürfte und sich selbst die Frage danach, warum man drei Stunden mit Helden fiebern soll, deren Tod am Ende sowieso unausweichlich determiniert ist, zur Beiläufigkeit degradiert findet. Leider ist die Langfassung nach wie vor weder als DVD noch als Blu-ray erhältlich; die vorliegende Version ist, wenngleich noch immer höchst delektabel, um eine gute halbe Stunde erleichtert. Neben einigen Handlungsschnitten fehlen etwa Ouvertüre und Intermission. Eine cineastische Scharte, die hoffentlich in Bälde ausgewetzt wird. Das fünfzigjährige Jubiläum vor zwei Jahren hätte einen wohlfeilen Anlass abgegeben, aber diesen hat man ärgerlicherweise verpennt.

9/10

John Wayne Alamo Texas period piece Historie James Edward Grant Belagerung


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SCORTICATELI VIVI (Mario Siciliano/I 1978)


Zitat entfällt.

Scorticateli Vivi (Häutet sie lebend - Unternehmen Wildgänse) ~ I 1978
Directed By: Mario Siciliano

Weil er Ärger mit der örtlichen Mafia hat, tritt Hallodri Rudy (Bryan Rostron) kurzerhand die Flucht nach vorn an: Zu seinem älteren Bruder Frank (Charles Borromel), der mit seiner Söldnertruppe im Sudan linke Rebellen bekämpft. Rudy weiß, dass Frank auch in die eigene Tasche arbeitet und sich allenthalben Diamanten unter den Nagel reißt. Auf diese hat es Rudy abgesehen. Dummerweise wird Frank kurz nach Rudys Ankunft von den Putschisten gekidnappt und soll für seine Kriegsverbrechen vor ein Militärtribunal gestellt werden. Rudy und Franks Männer machen sich gemeinsam an eine Befreiungsaktion.

Eilends dem "Wildgänse"-Original hinterhergeschoben und wegen dessen Titelfreiheit in Deutschland gleich noch entsprechend getauft, setzte Teilzeitpornofilmer Siciliano einen Söldnerstreifen in Szene, der seinem Publikum weniger wegen ausufernder visueller Gewaltakte als übelriechend-matschige Schweinesuhle erscheint, sondern seines unfasslich misanthropischen Weltbildes wegen. Diesbezüglich steht "Scorticateli Vivi" dann auch eher in der Tradition von Jacopetti und Prosperi, die ja auch immensen Wert darauf legten, ihren Zuschauern die Schlechtigkeit der Menschenrasse zu demonstrieren. Bei Siciliano gibt es garantiert keine Helden, geschweige denn auch nur eine Person mit moralisch tragfähigem Fundament, die Leute sehen samtens aus wie frisch bei Thyssen aus der Schweißhalle wegengagiert und benehmen sich auch so. 'Altruismus' ist hier im wahrsten Wortsinne eine Fremdvokabel, die Söldner hauen sich permanent gegenseitig auf die Fresse und lassen sich im Dreck liegen; männliche Zivilisten werden totgeschlagen, weibliche vergewaltigt und die ohne Unterlass als "Paviane" bezeichneten Sudanesen sind auch nicht besser. Bekommen diese ihrerseits einen weißen Söldner in die Finger, wird mit dem nämlich im Gegenzug mit gleicher Münze verfahren. Bruderliebe? Für'n Arsch. Hier gewinnt, wer den längeren Atem besitzt oder nicht gerade von einem als Riesenschlange getarnten Giftreptil zu Tode gebissen wird. In diesem Fall ist das der wie Reggie Nalders etwas hübscherer Zwilling ausschauende Charles Borromel, dessen pockennarbige Physiognomie ihn dazu verdammte, stets Verrückte oder Bösewichte darzustellen. Ein New Yorker Augenzeuge leitet seinen ansonsten zu vernachlässigenden Erfahrungsbericht bei der imdb mit treffenden Worten ein: "...sorgt dafür, dass man eine Woche lang duschen und nach der Betrachtung TV und DVD-Player verbrennen möchte." Ein bisschen was ist da schon dran.

6/10

Mario Siciliano Söldner Afrika Sleaze Europloitation Sudan


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THE MEN (Fred Zinnemann/USA 1950)


"Go out! Live your life!"

The Men (Die Männer) ~ USA 1950
Directed By: Fred Zinnemann

Ken Wilcheck (Marlon Brando) ist einer von zahlreichen Kriegsveteranen, denen im Krieg der Rücken zerschossen wurde und der dadurch im Rollstuhl gelandet ist. Fast noch schlimmer als die physischen Narben erweist sich jedoch der ihn rapide verlassende Lebensmut. Ken zieht sich völlig in sich zurück und wird zum schweigsamen Eigenbrötler. Erst der Kontakt zu anderen, vom selben Schicksal gebeutelten Patienten und der unermüdliche Kampf seiner Verlobten Ellen (Teresa Wright) um seine Liebe richten Ken nach einigen herben Rückschlägen schließlich langsam wieder auf.

Nach Wylers mitreißendem "The Best Years Of Our Lives", ebenfalls mit der bezaubernden Teresa Wright, ein weiteres Kriegsheimkehrer-Drama, diesmal jedoch deutlich konzentrierter umrahmt und nicht episch, sondern als Kammerspiel angelegt. Brando, dessen Leinwanddebüt der Film ist, wirft gleich ein gutes Pfund seiner Kunst in die Waagschale und zurrt sogleich seinen zukünftigen Ruf als 'angry young man' fest: Als unnahbarer Versehrter, der parallel zum Verlust seiner Beinmuskulatur verlernt hat, sich selbst zu lieben, gibt er einen der beeindruckendsten Schauspiel-Einstände, die ich kenne. Nach Monty Clift in "The Search" war Brando somit bereits der zweite Jungakteur seiner Generation, dem Zinnemann ein Sprungbrett darbot - interessanterweise wieder in einem Nackkriegsdrama.
Der mit knapper Erzählzeit gefasste Film steht und fällt mit den beeindruckenden Darstellern; neben Brando sind das auch die famos aufspielenden Everett Sloane, Jack Webb und eine Teresa Wright, die sieben Jahre nach "Shadow Of A Doubt" wirkt, als sei sie um das Doppelte gereift. Zinnemann indes nimmt sich zugunsten der dramatischen Kraft seiner Geschichte vollkommen zurück und agiert vollends als "unsichtbarer" Regisseur. Das wäre wohl das von jedweder Eitelkeit befreite Genie eines Meisters.

9/10

Fred Zinnemann Stanley Kramer Veteran Los Angeles





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