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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE MOUSE THAT ROARED (Jack Arnold/UK 1959)


"Just don't talk!" - "Can we scream a little?"

The Mouse That Roared (Die Maus, die brüllte) ~ UK 1959
Directed By: Jack Arnold

Dem Herzogtum Groß-Fenwick, dem kleinstem Staat der Welt, geht es wirtschaftlich schlecht, seit ein kalifornischer Winzer seinen einzig nennenswerten Exportartikel, den hauseigenen Rotwein, plagiiert. Für den findigen Premierminister Rupert von Mountjoy (Peter Sellers) gibt es nur einen Ausweg aus der Misere: Einen von vornherein zum Scheitern verurteilten Angriff auf die USA, den diese mit fürsorglichen Reparationen entgelten sollen. Der mit der Attacke beauftragte Förster Tulley Bascombe (Peter Sellers) jedoch nimmt die ganze Sache ernster als vermutet und hat zudem mehr Glück als Verstand. So gelingt es ihm, Professor Kokintz (David Kossoff), den Erfinder der furchtbarsten Waffe der Welt, der "Q-Bombe", mitsamt seinem scharfen Vernichtungsapparat und seiner Tochter Helen (Jean Seberg) zu kidnappen. Die USA geben sich Groß-Fenwick geschlagen, die Q-Bombe entpuppt sich als Blindgänger und für Tulley und Helen läuten bald die Hochzeitsglocken.

Jack Arnolds Liebäugelei mit der schwarzhumorigen, britischen Komödie ist eine unmittelbare Vorwegnahme der Weltuntergangs-Satire "Dr. Strangelove" - nicht allein wegen Peter Sellers' berühmtem multi-part-acting. In "The Mouse That Roared" übernahm der Meisterkomiker drei Rollen - die erwähnten des Premierministers und seines über sich hinauswachsenden, unfreiwilligen Handlangers sowie die der Erzherzogin Gloriana, Staatsoberhaupt von Groß-Fenwick. Als jene formuliert Sellers zugleich einige der schönsten Zitate des Films, die zumeist darauf abzielen, dass der beabsichtigte Angriff auf die Großmacht doch bitte schön möglichst nachhaltig und ohne Aggression von Statten gehen möchte. Auch sonst steckt Arnolds lustiger kleiner Film voller liebenswerter Seitenhiebe auf die unmögliche Weltsituation jener Tage, der ihre schlimmsten Prüfungen eigentlich doch erst noch bevorstanden, die sich hier jedoch bereits mit wohlweislichem Blick analysiert und persifliert fand. Vielleicht nicht so unerbittlich, scharfkantig und wirkmächtig wie das bald nachfolgende Meisterwerk Kubricks, dafür aber von leichterer, weil unbedarfterer Hand gewebt.

8/10

Jack Arnold Satire Kalter Krieg Atombombe


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MAN HUNT (Fritz Lang/USA 1941)


"May you never lodge it in the wrong heart."

Man Hunt (Menschenjagd) ~ USA 1941
Directed By: Fritz Lang

Der arrivierte englische Großwild-Jäger Alan Thorndike (Walter Pidgeon) testet in der Praxis, ob ein Attentat gegen Adolf Hitler (Carl Ekberg) durchführbar wäre. Bevor er jedoch vor Ort eine echte Patrone ins Ziel feuern kann, erwischen ihn die Schergen des Führers. Der Gestapo-Oberst Quive-Smith (George Sanders) will Thorndike nötigen, ein Geständnis zu unterschreiben, demzufolge er zugibt, im Auftrag der britischen Regierung gehandelt zu haben, um Hitler somit einen öffentlichen Grund zu liefern, gegen England ins Feld zu ziehen. Thorndike weigert sich jedoch beständig und es gelingt ihm schließlich die Flucht zurück zur Insel, Quive-Smith und seine Leute stets dicht auf den Fersen. Schutz und Unterstützung findet Thorndike bei dem hübschen, naiven Arbeitermädchen Jerry (Joan Bennett), dessen Involvierung in seine Affäre er jedoch bald zutiefst bereut...

Einer der ersten echten Propagandafilme aus Hollywood, sozusagen als präventives Werk für die kurz darauf folgende Atlantik-Charta und das US-Engagement im Zweiten Weltkrieg. Mit der Verfolgung Unschuldiger durch Übermächte hatte Lang bereits vormals geliebäugelt; in "Fury" oder "You Only Live Once". "Man Hunt" jedoch setzte diesen verzweifelten Topos in einen noch weitaus kosmopolitischeren Zusammenhang: Hier kamen die Nazis ins Spiel, das damalige Reich des Bösen, das seit kurzem die Welt ins Chaos stürzte. Basierend auf dem erst kurz zuvor erschienenen Roman "Rogue Male" des britischen Autoren Geoffrey Household, ging alles ganz schnell: Die Fox erhielt die Rechte und binnen kürzester Zeit wurde "Man Hunt", ursprünglich als Projekt für John Ford vorgesehen, der parallel jedoch an "The Grapes Of Wrath" arbeitete, von dem eilends hinzugezogenen Fritz Lang inszeniert. Als dessen Projekt eignete sich "Man Hunt" ohnedies in idealer Weise: Lang konnte erstmals im Kino mit dem ihm zutiefst verhassten Nationalsozialismus abrechnen und sein oben erwähntes, bevorzugtes Thema der Jagd auf das Individuum neuerlich kultivieren. Dabei geht er besonders gegen Ende mit wütender Entschlossenheit zur Sache: Die, wie dem Protagonisten Thorndike jedem Rezipienten zuvor eingehend ans Herz geheftete, bezaubernde Jerry wird zum Opfer der Nazis und damit zum Grund für Thorndikes erbitterte Rachsucht. Nachdem er sich mitsamt Präzisionsgewehr von der Truppe verabschiedet hat und auf eigene Faust nach Hitler sucht,hält "Man Hunt" am Schluss beschwörend fest, dass die braune Brut in ihm nur einen von vielen erbitterten Gegnern hätten, vor denen man auf der Hut sein sollte. Nehmt euch in Acht, ihr Nazis! Hier kommt Amerika!

9/10

Nationalsozialismus Deutschland England London WWII Fritz Lang Flucht Propaganda


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CROMWELL (Ken Hughes/UK 1970)


"Every man who wages war believes God is on his side. I'll warrant God should often wonder who is on his."

Cromwell ~ UK 1970
Directed By: Ken Hughes

1642 plant der Gutsherr Oliver Cromwell (Richard Harris) bereits die Abreise nach Amerika, als der eherne Parlamentarier Ireton (Michael Jayston) ihn bei seinem rebellischen Ehrgeiz packt: Die Politik König Charles I. (Alec Guinness) würde einzig zugunsten von Geld und Gut geführt, derweil die arme Landbevölkerung unter Willkür und Knechtschaft zu leiden hätte. Cromwell findet bald heraus, dass diese Vorwürfe nicht unbegründet sind und dass sämtliche Vermittlungsversuche zwischen Unter- und Königshaus scheitern. Als Charles das Parlament auflöst, kommt es zum Bürgerkrieg und, nach der fortwährenden Weigerung des Königs zum Kompromiss, zu dessen Absetzung und Exekutierung. Für einige Jahre wird England zu einer Republik mit Cromwell als sogenanntem "Lord Protector".

Geschichtsstündlein in epischer narrativer und formaler Breite sind bei mir stets gern gesehen, auch, wenn sie hier und da ungenau ausfallen, raffen, "übersehen" oder gar klittern. "Cromwell" ist von vornherein angelegt als Heldenepos, das den nicht selten rücksichtslos vorgehenden Usurpator (heute spräche man von einer "Militärdiktatur") als Pionier und Helden der Demokratie feiert. Von den späteren, teils von Rachsucht geprägten Feldzügen gegen Iren und Schotten sowie seinem harten Vorgehen gegen Katholiken berichtet Hughes wohlweislich nichts und überlässt es dem wie so häufig zielstrebig aufspielenden Harris, aus der Titelfigur einen gerechten, hellsichtigen Zweifler zu machen, der häufig mit sich selbst hadern muss ob harter Entscheidungen. Nichtsdestotrotz sind die Schlachtenaufzüge von erster Grandeur und sollten jeden Liebhaber monumentaler Bewegtbilder reizen. Zudem begegnen dem Zuschauer in "Cromwell" viele große britische Köpfe aus jener Zeit, darunter auch diverse primär dem Phantastikfreund geläufige: Charles Gray, Robert Morley, Patrick Wymark, Patrick Magee, Ian McCulloch, Geoffrey Keen und Frank Finlay geben sich die auserlesene Ehre. Guter Stoff.

8/10

Ken Hughes Historie period piece England Biopic


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SLAUGHTERHOUSE-FIVE (George Roy Hill/USA 1972)


"Hello. Farewell."

Slaughterhouse-Five (Schlachthof 5) ~ USA 1972
Directed By: George Roy Hill

Der Weltkriegsveteran und wohlhabende Firmenvorsitzende Billy Pilgrim (Michael Sacks) besitzt die Fähigkeit, inmitten seines eigenen Bewusstseins ohne Zeit- und Raumbarrieren umherzureisen. So kann es sein, dass er in der einen Sekunde in seinem Körper als alter Mann in der heimischen Villa steckt, nur um sich in der nächsten als junger G.I. hinter feindlichen Linien in den Ardennen wiederzufinden. Das bedeutet auch, dass Billy den genauen Zeitpunkt und die Umstände seines Todes kennt. Ferner sind Aliens vom Planeten Tralfamadore auf ihn aufmerksam geworden, die wie er, vierdimensionale Lebewesen sind und ihn daher mitsamt seinem Lebensbegleiter und Hund Spot und seiner heimlichen Lebensliebe, dem Pin-Up-Girl Montana Wildhack (Valerie Perrine) auf ihren Planeten holen, um dort in abgeschirmtem Areal eine Familie zu gründen.

Drei Jahre nach Erscheinen von Vonneguts monolithischem Roman "Slaughterhouse-5 or The Children's Crusade: A Duty-Dance With Death" machte sich George Roy Hill an dessen Verfilmung und schuf mit ihr ein vordringliches Meisterwerk der Literaturadaption. Hinter einer komplex-tragikomischen Biographie, die, angesiedelt in New Hampshire statt in Minnesota und vielleicht noch ergänzend angereichert mit einem Bären, in ganz ähnlicher Form später auch von einem John Irving hätte stammen mögen, verbirgt sich ein zutiefst involvierendes Antikriegs-Pamphlet (Vonnegut hatte die Bombardierung Dresdens tatsächlich als Kriegsgefangener in jenem städtischen Schlachthof miterlebt und beidem durch den Roman eine weitaus größere Öffentlichkeit eingetragen), und, ganz beiläufig und profan, der weise Ratschlag, sich auf die schönen, wertvollen, unwiederbringlichen Momente im Leben zu konzentrieren und die bösen, traurigen, verzichtbaren beiseite zu schieben. Dabei sind die Science-Fiction-Elemente durchaus diskutabel bzw. lassen sich als eine Art literarischer Katabolismus begreifen: Ob Billy Pilgrim nur wirklich das "Zweite Gesicht" und die Fähigkeit zur vierdimensionaler Flexibilität besitzt oder sich wie jeder alternde Mensch lediglich bildhaft an Vergangenes erinnert, ob Tralfamadore nun wirklich ein ferner Planet oder vielleicht doch bloß ein bewusstseinsverändernder Schmerzlöser ist, das alles spielt letzten Endes eine untergeordnete Rolle. Was "Slaughterhouse-5" bestimmt und so wertvoll macht, ist seine leise, aber umso unmissverständlicher vorgetragene Botschaft.

10/10

George Roy Hill Kurt Vonnegut Jr. WWII Ardennen-Offensive Dresden Minnesota Biopic period piece Aliens Satire Groteske New Hollywood


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JOHN CARTER (Andrew Stanton/USA 2012)


"Did I not tell you he could jump!"

John Carter ~ USA 2012
Directed By: Andrew Stanton

Einige Jahre nach der Beendigung des Sezessionskrieges soll der junge Edgar Rice Burroughs (Daryl Sabara) das Erbe seines Onkels John Carter (Taylor Kitsch) in Empfang nehmen, der im Kriege als Captain der Konföderierten gedient hat und nun einem urplötzlichen, rätselhaften Tod erlegen, in seinem Mausoleum bestattet ist. Die Lektüre von Carters Tagebuch klärt Burroughs über die tatsächlichen Umstände um das "Versterben" seines Onkels auf: Von einer geheimen Höhle in Arizona aus wurde Carter im Zuge einer Fluchtaktion vor den Unionisten einst mithilfe eines außerirdischen Artefakts auf den Mars transportiert. Dort geriet er in die Wirren eines weiteren, lokalen Bürgerkriegs unter Beteiligung mehrerer Parteien: Der vierarmigen, archaisch lebenden Tharks, der humanoiden, fortschrittlicheren Bürger der Städte Helium und Zodanga sowie der rätselhaften Therns. Carter, der unter den atmosphärischen Bedingungen des Mars Superkräfte erlangte, gelang es damals im Zuge vieler Abenteuer, die verfeindeten Parteien zu befrieden, bevor er unfreiwillig wieder zurück zur Erde transportiert wurde.

Schade, dass "John Carter" so bös gefloppt ist, aber es ist offensichtlich so: Wenn effektvolles, teures Mainstreamkino einmal wirklich auf risikoreicher Basis und weniger einem kalkulierten Reißbrettmuster folgend entsteht, wird dies entweder, wie im vorliegenden Falle, gar nicht oder wenn, dann lediglich in Ausnahmefällen belohnt.
Stantons Film setzt sich ganz bewusst zwischen Stühle; er adaptiert eine rund einhundert Jahre alte, auf durchaus gewöhnungsbedürftigem Storykonstrukt fußende Pulp-Serie, lässt sich nicht eben unkompliziert folgen aufgrund des überfordernden Kontingents von Namen, Völkern und Beziehungsgeflechten, in das Carter auf dem Mars (oder, nach hiesiger Bezeichnung 'Barsoom') unversehens hineingeschubst wird und erfordert zudem den elementaren good will eines begeisterungsfähigen Publikums, sich bereitwillig auf jahrzehntealte Mythengeflechte und kindesbeinige Spinnereien einzulassen. Wenn CGI wie hier wenig selbstzweckhaft, sondern durchaus phantasievoll und das Gesamtkonzept unterstützend eingesetzt werden, dann habe ich ferner überhaupt nichts dagegen. "John Carter" hätte im besten Falle der Startschuss für ein schönes, neues Franchise geben können, steckt in der Geschichte um den schlussendlich freiwillig Gestrandeten doch noch massig Potenzial. Die Welt jedoch war offenbar anderer Ansicht. Und das ist verdammt schade.

8/10

Andrew Stanton Sezessionskrieg Edgar Rice Burroughs Mars Aliens period piece Pulp 3-D


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ROCKY MOUNTAIN (William Keighley/USA 1950)


"Hoise the flag!"

Rocky Mountain (Herr der rauhen Berge) ~ USA 1950
Directed By: William Keighley

Der Konföderierten-Captain Barstow (Errol Flynn) ist mit einer Posse von sieben weiteren Männern nach Kalifornien unterwegs, um dort mithilfe des Süd-Sympathisanten Cole Smith (Howard Petrie) und dessen Gefolge die Stadt Sacramento einzunehmen und so größere Teile der Unionsarmee in den fernen Westen zu locken. Auf dem Wege werden sie Zeugen eines Indianerüberfalls auf eine Postkutsche und können nurmehr den Kutscher (Chubby Johnson) und die Mitreisende Johanna Carter (Patrice Wymore) retten, letztere die Verlobte eines Unionsoffiziers (Scott Forbes) auf dem Weg zu ihrem Bräutigam Lt. Rickey (Scott Forbes). Bald darauf treffen auch Rickey und seine Leute ein, die von Barstow überrumpelt und gefangen genommen werden. Die den Nordstaatlern als Scouts dienenden Schoschonen wagen einen Ausbruch, den nur der Älteste (Nakai Snez) überlebt. Dieser bläst daraufhin zum Großangriff auf die Eingeschlossenen.

Seinen letzten Western inszenierte für den im öffentlichen Bewusstsein zusehends weniger präsenten Errol Flynn mit William Keighley nochmal einer seiner Hausregisseure bei Warner Bros., bevor Jack Warner den Altstar im Zuge einer Art personellen Flurbereinigung seines Studios vor die Tür setzte und damit Flynns endgültigen Karriereabstieg einläutete. Patrice Wymore wurde seine dritte und letzte Ehefrau und damit Zeugin seines gesundheitlichen Verfalls. In "Rocky Mountain" jedoch ließ Flynn nochmals die alte, liebgewonnene Flamboyanz seiner diversen Heldenrollen aufleben. Als tragischer Gettysburg-Veteran, der infolge nicht eindeutig entschlüsselter, offenbar jedoch furchtbarer persönlicher Erfahrungen zum Kriegsengagement gezwungen wurde und als moralisch integrer Plantagenbesitzer für den Erhalt des Alten Südens eintritt. Ähnlich heroisch (mit einer notwendigen Ausnahme) seine Männer, echte Patrioten zwischen sechzehn und sechzig, die für den Schutz der erretteten Dame auch schonmal die militärische Pflicht beiseite schieben. Keighley vergab sich nichts und inszenierte den Stoff mit einer Wucht, die auch einem Michael Curtiz oder Raoul Walsh zur Ehre gereicht hätte. Ein schöner, klassischer Western demzufolge und trotz seines im Endeffekt traurigen biographischen Status für Flynn ein Film, der seinem Hauptdarsteller alles andere als Schande macht.

8/10

William Keighley Sezessionskrieg Kalifornien Belagerung


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MEGAFORCE (Hal Needham/USA, HK 1982)


"It's all on the wheel, it all comes around."

Megaforce ~ USA/HK 1982
Directed By: Hal Needham

Wenn's kriselt und nichts mehr hilft, muss die 'Megaforce' her - eine geheime, aufeinander eingespielte Eliteeinheit von Supersoldaten, die mit unfassbarem technischen Equipment Herr jeder Lage wird. Um die Krise zwischen den beiden Wüstenstaaten Sardun und Gamibia beizulegen, ruft man die Megaforce unter Commander Ace Hunter (Barry Bostwick) ins Feld. Als dieser erfährt, dass sein alter Söldnerkumpel Guerera (Henry Silva) die gegnerischen Truppen befehligt, freut er sich bereits auf ein Wiedersehen.

Was dazumal noch jeden Kindergeburtstag bereicherte, zumal aufgrund der (eventuellen, hier hatten wir sie) Indizierung ein hübsch heißes Eisen, kann sich anno itzo eines ziemlich käsigen Aromas nicht erwehren. Man kennt das als entsprechender Generationsvertreter ja zur Genüge; ein für diese Art der Entzauberung dermaßen akutes Beispiel wie Hal Needhams "Megaforce" jedoch begegnet einem nur alle Jubeljahre mal. Dieser Film, entstanden zwischen den beiden "Cannonball Run"-Epen und wiederum mit Produktionsflanke von Golden Harvest in Hong Kong, lässt einen wahlweise mit zerstörtem Kortex oder offenem Mund (möglicherweise auch beidem) zurück. Obschon das Ganze in der Gegenwart angesiedelt ist, ziehen die Helden mit Geländefahrzeugen wie aus den Endzeitfilmen ins Feld, arbeiten mit Laserstrahlern, Hologrammen und fliegenden Motorrädern und kleiden sich wie zum Gang in die Schwulendisco in hautenge, goldene Spandex-Anzüge. Rainer Brandt hat wieder mal erkannt (sic!) was die Stunde geschlagen hat und das Ganze mit einer wundervoll affigen Flapsvertonung garniert, wobei "Megaforce" sich wohl auch schon im Original nicht allzu bierernst genommen haben wird. Dass sich das Wesen des Krieges hierin völlig gewaltlos und infantilisiert zum Abenteuerspiel für Heranwachsende im Grundschulalter simplifiziert findet, an dessen Ende sich zwei Kumpels nochmal grinsend zusammenraufen, wird der eigentliche Grund für das langfristige Verharren dieses wahrlich albernen Trashtakels auf dem deutschen Index gewesen sein. Als hätte Needham vorsätzlich die damals frisch gegründeten Grünen ärgern wollen. Heutzutage noch sehr viel undenkbarer als das allermeiste Andere aus jenen Jahren.

5/10

Hal Needham Trash Wüste


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TORNADO (Antonio Margheriti/I 1983)


Zitat entfällt.

Tornado (Im Wendekreis des Söldners) ~ I 1983
Directed By: Antonio Margheriti

In den letzten Tagen des Vietnamkrieges hat der heldenhafte Sergeant Maggio (Giancarlo Prete) so seine liebe Not mit seinem vorgesetzten Offizier Harlow (Antonio Marsina). Bei diesem handelt es sich nämlich um einen ehernen Fanatiker, der glaubt, dass Politik nicht in den Hallen der Mächtigen geschrieben wird, sondern auf dem Schlachtfeld und der den Krieg noch lange nicht verloren wähnt. Um seine rücksichtslosen Ziele immer neuer erfolgreicher Einsätze zu erreichen, schickt er diverse G.I.s unnötig in den Tod, lässt sie im Stich oder nimmt in Kauf, dass sie zu Krüppeln werden. Nachdem Maggio Harlow attackiert und wegen einer erfolgenden Disziplinarstrafe in den Knast wandert, kann er fliehen. Er gerät jedoch in die Gefangenschaft des Vietcong und muss sich den Weg zurück in die Freiheit erkämpfen.

Margheritis Abschluss seiner inoffiziellen Vietnamkriegstrilogie, die er unter der Ägide des Produzenten Gianfranco Couyoumdjian inszenierte und die mit "L'Ultimo Cacciatore" und "Fuga Dall'Archipelago Maledetto", zwei Filmen mit David Warbeck ind der Hauptrolle, begonnen hatte Letzterer wies im Vergleich zum Vorgänger einige deutliche Schwächen auf, was befürchten ließ, das der noch folgende "Tornado", zumal mit Giancarlo Prete besetzt, einen nochmaligen Qualitätsabstieg bedeuten könne. Dem ist jedoch mitnichten so. Tatsächlich ist "Tornado" sogar einer der am versiertesten inszenierten Actionfilme Margheritis, von der ghanzen Könnerschaft des Regisseurs zeugend, spürbar ambitioniert, deutlich weniger albern als viele noch nachfolgende Vietnam-Italiener, knackig brutal und mit gigantischen Pyro-Einlagen versehen, schließlich mit Prete über einen überraschend aussagekräftigen Helden verfügend. Erwin C. Dietrich brachte "Tornado" in den deutschsprachigen Verleih und verpasste ihm in kommerzieller Erwägung den völlig schwachsinnigen Titel "Im Wendekreis des Söldners", der einen höchst farbenprächtigen Brückenschlag zwischen Henry Miller und James Glickenhaus suggerierte, jenes Versprechen allerdings leider nicht zu halten wusste. Von Söldnern oder auch nur einem davon natürlich keine Spur.
Der wie zumeist vorzüglichen Berliner Synchronisation tut dies allerdings keinen Abbruch und als Bindeglied zu der kurz darauf folgenden (diesmal tatsächlich als solche firmierenden) Söldner-Trilogie, die Margheriti für Dietrich inszenieren sollte, ein wirklich lohnender, kerniger Genrebeitrag.

7/10

Antonio Margheriti Europloitation Vietnam Vietnamkrieg period piece Militär


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ZULU (Cy Endfield/UK 1964)


"Why is it us? Why us?" - "Because we're here, lad. Nobody else. Just us."

Zulu ~ UK 1964
Directed By: Cy Endfield

Nach der vernichtenden Schlacht von Isandhlwana im Januar 1879 rückt eine Abteilung Zulu-Krieger gegen eine kleine Missionsstation bei Rorke's Drift vor, die von knapp 140 Briten, darunter auch Verletzte und Arretierte, gehalten wird. Unter herben Verlusten bewältigen die Soldaten das Unglaubliche: Sie verteidigen das Areal erfolgreich gegen 4000 Zulu, die sich nach rund 36 Stunden Belagerungs- und Stellungskrieg schließlich unter lautstarker Ehrerbietung ihrer Feinde geschlagen geben und zurückziehen.

Der unabhängig produzierte "Zulu" markiert einen großen Meilensrein des britischen Kinos, das sich mit diesem Film in der Tadition der Kordas und der von Powell/Pressburger neuerlich erfolgreich mühte, an Hollywood-Standards zu kratzen und auch einmal abseits von einem David Lean großes und edles Historienkino auf Weltniveau zu kredenzen. In gebührender Breite und mit allem gebotenen Glanz und Gloria berichtet "Zulu" von der Zähigkeit einiger weniger Soldaten, die in einen unerklärten Krieg verwickelt werden, mit dem sie nur insofern zu tun haben, als dass ihre eigene Armee ihn sinnloserweise angezettelt hat und es nunmehr mit den unabwendbaren Konsequenzen zu tun bekommen. Dem strategischen Geschick und der Unerbittlichkeit der im Kampf eigentlich unerfahrenen Offiziere Bromfield (Michael Caine) und Chard (Stanley Baker) ist es letzten Endes zu verdanken, dass die Briten als Sieger aus jenem Scharmützel hervorgehen. Endfield inszeniert die klaustrophobische Spannung, die dieser eigentlich hoffnungslosen Situation auf britischer Seite innewohnen musste, mit allem gebührenden dramaturgischen Geschick, lässt hinreichend Platz für ausführliche Charakterzeichnung und malt seine Bilder in leuchtenden Farben, flankiert von John Barrys famoser Musik.
Gibt nichts, was an diesem Meisterstück zu optimieren wäre; es ist und bleibt in seiner beeindruckenden Form perfekt.

10/10

Cy Endfield Historie period piece Kolonialismus Afrika Südafrika


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ZULU DAWN (Douglas Hickox/UK, SA, NL 1979)


"Bullets run out... and those bloody spears don't."

Zulu Dawn (Die letzte Offensive) ~ UK/SA/NL 1979
Directed By: Douglas Hickox

Im Januar 1879 greifen die Briten von Natal aus die benachbarte Zulunation an, weil sich deren König Cetshwayo (Simon Sabela) beständig weigert, seine bedrohliche Truppenstärke herabzusenken. Der unerklärte Krieg der Imperialmacht findet für die zahlenmäßig völlig unterlegenen Briten mit der Schlacht von Isandhlwana eine vorläufige, pompöse Niederlage, die mit der nahezu ölligen Aufreibung der Garnisonen des arroganten Lord Chelmsford (Peter O'Toole) endet.

Pünktlich zum einhundertsten Geburtstag des Zulu-Kriegs lieferte Douglas Hickox mit "Zulu Dawn" ein spektakuläres Prequel zu Cy Endfields 15 Jahre älterem "Zulu", der die kurz auf Isandhlwana folgende Schlacht bei Rorke's Drift thematisiert hatte. Im Gegensatz zu Endfields Film verfolgt "Zulu Dawn" die Chronik eines irrwitzigen Angriffs, der aus purer kolonialistischer Arroganz heraus geführt wird und mit einem verdienten Debakel für die königliche Armee endet - sofern man den Begriff 'verdient' angesichts der gigantischen Verlustzahlen, die jene Kämpfe mit sich brachten, überhaupt verwenden darf. Immerhin ging mit Chelmsford einer der strategischen Hauptinitiatoren jener militärischen Fehloperation als späterer Sieger nach der siegreichen Schlacht um Ulundi, der Hauptstadt des damaligen Zululandes, hervor. Hickox' prächtiges Epos scheut sich nicht davor, bar jeder Geschichtsklitterung den ungeheuerlichen Hochmut, der das Empire zu weiteren Eroberungen trieb, zu porträtieren und glänzt neben seiner formalen Reife mit einer vorzüglichen Besetzung, die neben dem erwähnten O'Toole auch Burt Lancaster, Simon Ward, Denholm Elliott und Phil Daniels aus "Quadrophenia" präsentiert. Ausgezeichnetes Geschichtskino!

8/10

Douglas Hickox period piece Historie Afrika Südafrika Kolonialismus Prequel





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