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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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ZULU (Cy Endfield/UK 1964)


"Why is it us? Why us?" - "Because we're here, lad. Nobody else. Just us."

Zulu ~ UK 1964
Directed By: Cy Endfield

Nach der vernichtenden Schlacht von Isandhlwana im Januar 1879 rückt eine Abteilung Zulu-Krieger gegen eine kleine Missionsstation bei Rorke's Drift vor, die von knapp 140 Briten, darunter auch Verletzte und Arretierte, gehalten wird. Unter herben Verlusten bewältigen die Soldaten das Unglaubliche: Sie verteidigen das Areal erfolgreich gegen 4000 Zulu, die sich nach rund 36 Stunden Belagerungs- und Stellungskrieg schließlich unter lautstarker Ehrerbietung ihrer Feinde geschlagen geben und zurückziehen.

Der unabhängig produzierte "Zulu" markiert einen großen Meilensrein des britischen Kinos, das sich mit diesem Film in der Tadition der Kordas und der von Powell/Pressburger neuerlich erfolgreich mühte, an Hollywood-Standards zu kratzen und auch einmal abseits von einem David Lean großes und edles Historienkino auf Weltniveau zu kredenzen. In gebührender Breite und mit allem gebotenen Glanz und Gloria berichtet "Zulu" von der Zähigkeit einiger weniger Soldaten, die in einen unerklärten Krieg verwickelt werden, mit dem sie nur insofern zu tun haben, als dass ihre eigene Armee ihn sinnloserweise angezettelt hat und es nunmehr mit den unabwendbaren Konsequenzen zu tun bekommen. Dem strategischen Geschick und der Unerbittlichkeit der im Kampf eigentlich unerfahrenen Offiziere Bromfield (Michael Caine) und Chard (Stanley Baker) ist es letzten Endes zu verdanken, dass die Briten als Sieger aus jenem Scharmützel hervorgehen. Endfield inszeniert die klaustrophobische Spannung, die dieser eigentlich hoffnungslosen Situation auf britischer Seite innewohnen musste, mit allem gebührenden dramaturgischen Geschick, lässt hinreichend Platz für ausführliche Charakterzeichnung und malt seine Bilder in leuchtenden Farben, flankiert von John Barrys famoser Musik.
Gibt nichts, was an diesem Meisterstück zu optimieren wäre; es ist und bleibt in seiner beeindruckenden Form perfekt.

10/10

Cy Endfield Historie period piece Kolonialismus Afrika Südafrika


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ZULU DAWN (Douglas Hickox/UK, SA, NL 1979)


"Bullets run out... and those bloody spears don't."

Zulu Dawn (Die letzte Offensive) ~ UK/SA/NL 1979
Directed By: Douglas Hickox

Im Januar 1879 greifen die Briten von Natal aus die benachbarte Zulunation an, weil sich deren König Cetshwayo (Simon Sabela) beständig weigert, seine bedrohliche Truppenstärke herabzusenken. Der unerklärte Krieg der Imperialmacht findet für die zahlenmäßig völlig unterlegenen Briten mit der Schlacht von Isandhlwana eine vorläufige, pompöse Niederlage, die mit der nahezu ölligen Aufreibung der Garnisonen des arroganten Lord Chelmsford (Peter O'Toole) endet.

Pünktlich zum einhundertsten Geburtstag des Zulu-Kriegs lieferte Douglas Hickox mit "Zulu Dawn" ein spektakuläres Prequel zu Cy Endfields 15 Jahre älterem "Zulu", der die kurz auf Isandhlwana folgende Schlacht bei Rorke's Drift thematisiert hatte. Im Gegensatz zu Endfields Film verfolgt "Zulu Dawn" die Chronik eines irrwitzigen Angriffs, der aus purer kolonialistischer Arroganz heraus geführt wird und mit einem verdienten Debakel für die königliche Armee endet - sofern man den Begriff 'verdient' angesichts der gigantischen Verlustzahlen, die jene Kämpfe mit sich brachten, überhaupt verwenden darf. Immerhin ging mit Chelmsford einer der strategischen Hauptinitiatoren jener militärischen Fehloperation als späterer Sieger nach der siegreichen Schlacht um Ulundi, der Hauptstadt des damaligen Zululandes, hervor. Hickox' prächtiges Epos scheut sich nicht davor, bar jeder Geschichtsklitterung den ungeheuerlichen Hochmut, der das Empire zu weiteren Eroberungen trieb, zu porträtieren und glänzt neben seiner formalen Reife mit einer vorzüglichen Besetzung, die neben dem erwähnten O'Toole auch Burt Lancaster, Simon Ward, Denholm Elliott und Phil Daniels aus "Quadrophenia" präsentiert. Ausgezeichnetes Geschichtskino!

8/10

Douglas Hickox period piece Historie Afrika Südafrika Kolonialismus Prequel


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INVISIBLE AGENT (Edwin L. Marin/USA 1942)


"Are you insane?" - "No, just transparent."

Invisible Agent (Der unsichtbare Agent) ~ USA 1942
Directed By: Edwin L. Marin

Gestapo und Japaner versuchen vereint, Frank Raymond (Jon Hall), dem Enkel des legendären "Unsichtbaren Mannes" Jack Griffin, die revolutionäre Formel seines Großvaters abzuluchsen. Raymond weigert sich heldenhaft, erkennt jedoch, dass sein Familiengeheimnis in den richtigen Händen kriegsentscheidend sein kann. Im Auftrag der Briten nimmt Frank den Unsichtbarkeitstrunk zu sich und reist im Geheimen nach Berlin, um von den neuesten Eroberungsplänen der Nazis zu erfahren. Dort lernt er die Agentin Maria (Ilona Massey) kennen und lieben, kämpft gegen übles Gesocks wie Gestapochef Stauffer (Cedric Hardwicke), und dessen Buckler Heiser (J. Edward Bromberg) sowie den geheimnisvollen Japaner Ikito (Peter Lorre) und erfährt, dass Hitler in die USA einmarschieren will.

Ein loser Eintrag in das "Invisible"-Franchise der Universal, sowie der einzige Fall, in dem sich einer der klassischen Monsterzyklen des Studios mit dem hollywood'schen Propagandafilm jener Tage kombiniert fand. Die Geschichte ist natürlich schlüssig: Die einst von Wells ersonnene Unsichtbarkeitsformel muss die Phantasie eines jeden Kriegsstrategen in höchstem Maße beflügelt haben und bot somit auch Platz für eine entsprechende Kinophantasie. Hier ist von dem buchstäblichen Irrsinn, der die früheren Konsumenten des Serums noch binnen kurzer Zeit befiel, nichts mehr verlautbart; der Unsichtbare, dargestellt von Universals B-Flynn der Vierziger, Jon Hall, ist der Held ein strahlender Abenteuer, dessen Scherze gegen das dekadente Herrenmenschenpack, allen voran den ebenso feisten wie geilen Kleiser, der die Eroberung der Anrainer-Staaten vor allem zur Aufbesserung seines kulinarischen Arsenals nutzt, sogar mit dem Screwball-Fach liebäugeln. Von dem in "The Invisible Man Returns" immerhin noch ansätzlich nachvollziehbaren Horrorwurzeln der Story ist bei Marin und Siodmak derweil nichts mehr zu spüren. "Invisible Agent" ist nicht mehr und nicht weniger denn ein wohllauniger, kleiner Reißer, der auf komische Weise Front gegen Hitler und seine Schergen macht und mit Peter Lorre die erwartungsgemäß größte personelle Stärke aufbietet.

6/10

Edwin L. Marin Curt Siodmak George Waggner Universal-Monster Nationalsozialismus WWII Unsichtbarkeit Berlin Spionage Propaganda


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THE PURPLE PLAIN (Robert Parrish/UK 1954)


"You know exactly where I belong to."

The Purple Plain (Flammen über Fernost) ~ UK 1954
Directed By: Robert Parrish

Der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Burma stationierte RAF-Pilot Bill Forrester (Gregory Peck) ist todessehnsüchtig, seit er seine Frau in der Heimat noch am Vermählungstag durch einen Fliegerangriff verlor. Der ihm freundschaftlich zugetane Lagerarzt Harris (Bernard Lee) sorgt dafür, dass Forrester die schöne Burmesin Anna (Win Min Than) kennenlernt, die wie er weiß, was Verlust bedeutet. Tatsächlich verlieben sich die beiden ineinander und Forrester überwindet sein Trauma. Seinen neuen (Über-)Lebenswillen kann er bald unter Beweis stellen, als sein Flugzeug über Feindgebiet abstürzt. Zusammen mit dem blasierten Physiker Blore (Maurice Denham) und dem schwerverletzten Carrington (Lyndon Brook) muss sich Forrester durch den Glutofen Burmas zurück zur Zivilisation schleppen.

Ein in wunderschönen Farben gefilmtes Kriegsabenteuer, ausnahmsweise aus britischer Fertigung, jedoch mit einem amerikanischen Star als Gallionsfigur. Gregory Peck, unruhig träumend und schwitzend unter dem Moskitonetz, das kommt mir rückblickend wie ein beinahe schon ikonisches Dramabild dieser Tage vor. Als dem Wahnsinn nahes, schwer traumatisiertes Fliegeras, in dessen Brust natürlich die denkbar größte Heldenseele wohnt, ist Peck einmal mehr phantastisch, zumal ihm die Rolle auf den Leib geschneidert scheint. Selbstredend folgt die Erlösung für ihn auf dem Fuße, überhaupt darum geht es in "The Purple Plain"; um die Rückgewinnung und Erprobung verlorenen Lebensmutes. Davon, dass Parrish ein großartiger, formvollendeter Abenteuerfilm geglückt ist, dessen Bildpracht ihn visuell und auch atmosphärisch sehr nahe an die Arbeiten von Powell und Pressburger rückt, gar nicht zu reden.

9/10

Robert Parrish WWII Pazifikkrieg Burma Fliegerei Trauma period piece


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KING RAT (Bryan Forbes/USA 1965)


"You're like all criminals: you're greedy."

King Rat (Sie nannten ihn King) ~ USA 1965
Directed By: Bryan Forbes

Changi auf Malaysia ist eines der gefürchtetsten japanischen Kriegsgefangenenlager der späten Weltkriegstage. Die britischen, amerikanischen und australischen Gefangenen haben aufgrund der desolaten Lage des Gefängnisses keine Möglichkeit zur Flucht und sind weitestgehend der Selbstorganisation unterstellt. Der Amerikaner Corporal King (George Segal) vertsteht es derweil, selbst unter diesen Umständen seinen Reibach zu machen und verdient sich eine goldene Nase mit allerlei Diebstählen, Schiebereien, üblen Tricks und dem gezielten Aufbau eines Vertrautennetzes. Dabei ist er besonders dem englischen Lagerpolizisten Grey (Tom Courtenay) ein Dorn im Auge. Die Freundschaft des Dolmetschers Marlowe (James Fox) weiß King sich indes zu sichern, ganz zu Greys neuerlichem Missfallen.

Dieser auf einem Roman von James Clavell basierende POW-Klassiker lässt sich mit augenscheinlich ähnlich angelegten Filmen wie Wilders "Stalag 17", Leans "The Bridge On The River Kwai" oder Sturges' "The Great Escape" nur schwerlich unter einen Hut bringen. "King Rat" ist vielmehr daran gelegen, eine Reflexion über eine zum Zwang mutierte Form der Existenz zu verhandeln und die unterschiedlichen Arten, wie man sich mit arrangieren kann. Allein der Gedanke an Flucht erübrigt sich in Changi, es gilt einzig und allein, sich bis zum Ende des Krieges durchzuschlagen. Während andere sich der Psychose anheim fallen lassen oder schlicht in den Tag hinein und wieder heraus vegetieren, den Lebenswillen verlieren oder apathisch werden, nutzt King die Gunst der Stunde, Karrierist zu werden: Stets ordentlich frisiert und gekleidet, mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen, bewegt er sich erhobenen Hauptes durch die Reihen seiner zusammenbrechenden Mitgefangenen. Sein Freund Marlowe, der für den sich altruistische Emotionen verbietenden King zum besten Vertrauten wird, begreift und bewundert Kings Methode, mit dem ominpräsenten Wahnsinn fertig zu werden, obschon sein Opportunismus auch Marlowe hier und da fragwürdig erscheint. Am Ende, als der Krieg vorbei ist und auf King die Gewöhnlichkeit des Zivillebens wartet, fällt es ihm fast schwer, Changi zu verlassen. Immerhin war er hier ein König.

9/10

Bryan Forbes James Clavell WWII POW Pazifikkrieg Gefängnis Parabel


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THE SEASONING HOUSE (Paul Hyett/UK 2012)


"I'd never do you any harm and you know that."

The Seasoning House ~ UK 2012
Directed By: Paul Hyett

Ein taubstummes bosnisches Mädchen überlebt als einziges Mitglied ihrer Familie ein von einer serbischen Miliz angerichtetes Massaker gegen Ende des Bosnienkrieges. Es gerät in die Fänge des Bordellbesitzers Viktor (Kevin Howarth), der es 'Angel' tauft, als Hausfaktotum hält und ihm trotz der barbarischen Behandlung "seiner" zwangsprostituierten Mädchen einen Hauch von Zuneigung vorzugaukeln weiß. Als eines Tages der Milizenchef Goran (Sean Pertwee), der einst auch Angels Familie massakriert und sie versklavt hat, mit seinen Soldaten bei Viktor zu Gast ist, wird Angels Freundin Vanja (Dominique Provost-Chalkley), die ebenfalls die Gebärdensprache beherrscht, von einem der Männer (Ryan Oliva) zu Tode vergewaltigt. Impulsiv rächt Angel, die sich im labyrinthischen Belüftungssystem des Hauses zurecht findet, ihre Freundin noch in der Minute deren Todes. Goran beginnt eine gnadenlosen Rachehatz auf Angel.

Ein formal ordentlich gestaltetes Regiedebüt, dessen Ambition, ein im Prinzip herkömmliches "Rape & Revenge"-Drama vor der Kulisse des Bosnienkrieges anzusiedeln,wohl seinen letzten Rest von Streitbarkeit ausmacht. Ansonsten bewegt sich "The Seasoning House" genau auf jenem Grat zwischen stilisierter Gewaltästhetik und moralisch legitimiertem (Rache-)Aktionismus', den das selbsterkoren transgressive Kino der letzten Jahre längst verinnerlicht und zu einem seiner Hauptmerkmale gemacht hat. Ein in irgendeiner Hinsicht überraschendes Werk ist Hyetts Film somit in keinster Weise und die sicherlich beabsichtigte Wirkung der perzeptiven Grenzauslotung dürfte sich zumindest bei den allermeisten Gewohnheitsschauern nicht (mehr) einstellen. Das ist eben der Fluch einer Ära, die kaum mehr visuelle Tabus kennt. Ansonsten ist "The Seasoning House" für just am Subgenre Interessierte einen Blick wert.

6/10

Paul Hyett Prostitution Vergewaltigung Rache Balkankonflikt Bosnien-Herzegowina Transgression rape & revenge


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THE LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE KING (Peter Jackson/USA, NZ 2003)


"Smeagol lied!"

The Lord Of The Rings: The Return Of The King (Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs) ~ USA/NZ 2003
Directed By: Peter Jackson

Nach Sarumans (Christopher Lee) Niederlage und Tod beim Orthanc mobilisieren Gandalf (Ian McKellen), Aragorn (Viggo Mortensen) und die anderen, vornehmlich durch Pippins (Billy Boyd) Initiative, nahezu alle zerstrittenen Stämme des Westens, sich in der gewaltigen Schlacht gegen die auf Minas Tirith herannahenden Truppen Saurons zu verbünden. Dabei gilt es auch, den über die Nachricht von Boromirs (Sean Bean) Tod wahnsinnig gewordenen Truchsess von Gondor, Denethor (John Noble), zu 'umgehen'. Aragorn, Legolas (Orlando Bloom) und Gimli (John Rhys-Davies) rufen indes die 'Geister der Eidbrüchigen' zur Hilfe, eine riesige Armee verfluchter Zwischenreichler, die nur der Schiedspruch des wahren Thronfolgers von ihrem Schattendasein erlösen kann. Diese versammelte, große Streitmacht erringt schließlich den Sieg bei Minas Tirith und rückt hernach gegen Barad-dûr, die Feste Saurons, vor. Der unterdessen nach Gollums (Andy Serkis) Verrat, der Trennung von Sam (Sean Astin) und dem Kampf gegen die fürchterliche Kankra in Saurons Gefangenschaft geratene Frodo (Elijah Wood) kann von dem treuen Sam befreit werden. Nachdem Frodo sich auf dem Schicksalsberg von der Macht des Rings ein letztes Mal verführen lässt, landet dieser durch Gollums Intervention in der flammenden Glut und vergeht. Damit ist auch Saurons Macht endgültiggebrochen. Das Ende des Dritten Zeitalters von Mittelerde, der Exodus der Elben und auch der von Gandalf und Frodo, die mit Schiffen gen Westen aufbrechen, ist gekommen.

Streitbar, ob der dritte Film "The Return Of The King", der Höhepunkt der Trilogie sein soll, wie es etwa die vielen bestätigenden Stimmen oder auch die rekordbrechende Verleihung von elf Academy Awards (die im Prinzip natürlich an die gesamte Reihe gingen) suggerieren könnte. Peter Jackson hat neben dem ohnehin überaus ereignisreichen Finale mit all seinen spektakulären Wendungen und der gigantischen Aufwändung unterschiedlichster, kriegsbeteiligter Parteien, noch Frodos Kampf gegen die Riesenspinne Kankra, der eigentlich bereits im zweiten Band stattfindet, hinzugefügt. Somit platzt "The Return Of The King" bezüglich Aktionsradius und Ereignisbreite förmlich aus allen dramaturgischen Nähten und ist - erwartungsgemäß - eine gigantische Geisterbahn von nachgerade unglaublicher Affektspanne nebst diversen Gänsehautsequenzen sowie ausführlich-bittersüßen Abschiedsklängen, die allerdings bei weitem nicht so umfangreich ausfallen wie in Tolkiens Vorlage.
Zudem befällt einen am Ende jenes berauschende Gefühl, das einen nach Beendigung klassischer Filmserien, zumindest, so sich diese selbst als 'gelungen' zu schimpfen rühren, eigentlich immer ereilen sollte: Jene Gewissheit, jüngst etwas wahrhaft Weltbewegendem beigewohnt zu haben und selbst ein Teil davon geworden zu sein. Denn wie eigentlich jedes große Abenteuerepos respektive jeder legendäre Kinozyklus besitzt auch "LOTR" eine immersive Kraft, die weit über das übliche Maß an Affizierung hinausgeht - sie suggeriert dem offenen Zuschauer auf sublime Weise, er habe als passiver Mitreisender an der soeben auskonsumierten Heldenodyssee selbst teil genommen. Ein Kulturartefakt, dass dies vermag, gehört ohnehin inthronisiert. Wie der gute Aragorn, der am Ende nicht nur die Krone, sondern, wie es sich gehört, nebenbei sein Halbelbenmädchen Arwen (Liv Tyler) bekommt.

9/10

Peter Jackson J.R.R. Tolkien Söldner Road Movie Reise Belagerung D.C.


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THE LORD OF THE RINGS: THE TWO TOWERS (Peter Jackson/USA, NZ 2002)


"My... preciousssss..."

The Lord Of The Rings: The Two Towers (Der Herr der Ringe - Die zwei Türme) ~ USA/NZ 2002
Directed By: Peter Jackson

Auf ihrem Weg nach Mordor gibt sich Frodo (Elijah Wood) und Sam (Sean Astin) endlich der sie verfolgende, frühere Ringbesitzer Gollum (Andy Serkis) zu erkennen, einst selbst ein Hobbit namens Smeagol, den der Ring im Laufe der Jahrhunderte in einen kleinen Unhold verwandelt hat. Merri (Dominic Monaghan) und Pippin (Billy Boyd) landen derweil bei dem Ent Baumbart, einem uralten Waldeswächter. Der totgeglaubte Gandalf (Ian McKellen) taucht wieder auf und nennt sich jetzt 'Gandalf, der Weiße'. Derweil stellen Streicher, der sich als sein Erbe ablehnender Königssohn Aragorn entpuppt hat, Gimli (John Rhys-Davies) und Legolas (Orlando Bloom) fest, dass Theoden (Bernard Hill), König des Reitervolks von Rohan, von Sarumans (Christopher Lee) Diener Grima Schlangenzunge (Brad Dourif) in eine Willenlose Marionette verwandelt wurde. Mit Gandalfs Hilfe kommt Theoden wieder zu Kräften und zieht mit seinen Untertanen nach der Bergfeste Helms Klamm, von wo aus eine gigantische Schlacht gegen Sarumans riesige Uruk-Hai-Armee geführt werden soll. Frodo, Sam und Gollum stoßen in der Zwischenzeit auf Boromirs (Sean Bean) jüngeren Bruder Faramir (David Wenham), der wie einst der tote Boromir nach dem Ring giert, um Gondor und Minas Tirith gegen Sauron verteidigen zu können. Schließlich erkennt er jedoch den Sinn von Frodos Mission und lässt die drei wieder ziehen. Derweil können Theoden, Aragorn und die anderen im letzten Moment mit der Hilfe des herbeieilenden Heers von Theodens Neffen Eomer (Karl Urban), geführt von Gandalf, die Uruk-Hai schlagen, während die Ents unter Baumbart parallel dazu Isengard dem Erdboden gleich machen. Saruman ist bezwungen.

Die Adaption des zweiten Romanteils fällt schon deutlich finsterer und pompöser aus als "The Fellowship Of The Ring"; als Mittelteil einer als solchen konzipierten Trilogie erfüllt er zudem die relativ undankbare Funktion des 'Muffenstücks', also der dramaturgischen Verbindung zwischen Exposition und großem Finale. Mit der umfassenden Defensivschlacht gegen Saurons Helfershelfer Saruman, die an zwei Orten parallel geschlagen wird, ergibt sich für Jackson jedoch nichtsdestotrotz eine Gelegenheit für ausufernde, fulminante Action. Der Kampf um Helms Klamm ist ein Meisterstück zusammengefügter Massenszenen und CGI. Wie viele ähnlich gelagerte Filme auch zehrt ab dem zweiten Teil auch "LOTR" ganz immens von den von Mel Gibson für "Braveheart" kultivierten Massenschlachtengemälden; es wird geholzt und gehobelt, mit Schert, Bogen, Katapult und Streitaxt und Abertausende von bewusst unmenschlich gezeichneten Orks und Uruk-Hai finden sich am Ende entleibt wieder. Das bereits im Buch verwirrend multiple Konglomerat aus Personen, Namen und Schauplätzen wird im Film relativ überschaubar gehalten; mit exotischen Bezeichnungen vertraute Fantasy- und Rollenspielerfreunde dürften es jedoch definitiv leichter haben, sich zwischen Emyn Muil und Orthanc zurecht zu finden. Doch angesichts ddes Stoffes sind solche Jammereien ohnehin völlig unangebracht: "The Two Towers" bietet formvollendetes Ereigniskino in allerhöchster Perfektion, besessen von dem Wunsch, etwas einzigartiges, monolithisches für die Leinwand zu schaffen und bei aller kommerziell unerlässlichen Massenkompatibilität den Stempeldruck des ehernen Autoren nie zu vernachlässigen. Diese Mission erfüllt Sonderling Peter Jackson, gleich seinem überlasteten Helden Frodo Beutlin, unter Aufwändung von viel Blut, Schweiß und Tränen - und dem finalen Lächeln des Gewinners, der es ihnen allen gezeigt hat.

9/10

Peter Jackson J.R.R. Tolkien Monster Road Movie Reise Freundschaft Belagerung D.C.


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CASTLE KEEP (Sydney Pollack/USA 1969)


"Everybody should eat more bread. Feeds the heart."

Castle Keep (Das Schloss in den Ardennen) ~ USA 1969
Directed By: Sydney Pollack

Während der Ardennen-Offensive im Winter 44 besetzen Major Falconer (Burt Lancaster) und seine siebenköpfige Einheit das einsam gelegene Schloss des Grafen Maldorais (Jean-Pierre Aumont), das genau auf der Durchmarschroute der Wehrmacht liegt. Maldorais lebt in einer inzestuösen Beziehung mit seiner Nichte Therese (Astrid Heeren) und hat in seinem Domizil zahlreiche Kunstschätze gehortet, die besonders den entsprechend beflissenen Historiker Captain Beckman (Patrick O'Neal) zutiefst beeindrucken. Während Falconer eine unverhohlene Affäre mit Therese beginnt, schlagen die restlichen Männer die zermürbende Wartezeit mit Suff, Philosophieren oder Besuchen in dem benachbarten Dorf St. Croix tot, wo der Puff "La Reine Rouge" zu finden ist und Sergeant Rossi (Peter Falk) sich in die Witwe (Olga Bisera) des hiesigen Bäckers verliebt. Als die Deutschen schließlich mit einer gewaltigen Übermacht anrücken stellt sich die gesamte Aktion als kalkulierter Wahnsinn heraus, der Hitlers Armee lediglich dezimiert und der in strategischer Hinsicht im Prinzip völlig vermeidbar gewesen wäre.

Kriegsfilm als kunstvolle Parabel - das gab es nicht erst mit Coppolas "Apocalypse Now", auch Pollacks "Castle Keep", Adaption des Romans von William Eastlake und vielleicht des Regisseurs großartigster Film ,- in jedem Falle aber einer seiner ambitioniertesten -, scheut sich nicht davor, das zu dieser Zeit noch gern in Zeichen aktionsreicher, unterhaltsamer Männerunterhaltung stehende Genrekino satirisch umzukrempeln und ihm eine Dosis tiefschwarzer Bitternis in Kombination mit vortrefflichem Galgenhumor zu versetzen. Die fantastische Besetzung erhält Zeit für die implizite Vorstellung von Einzelporträts und rasch wird offenbar, dass jeder der Männer einen, vermutlich kriegsinduzierten, Sprung in der Schüssel hat. Damit stehen sie dem durch die Gegend irrenden, Choräle anstimmenden Deserteur Bix (Bruce Dern) kaum nach. Pollack derweil pflegt eine geradezu offensiv-impressionistische Inszenierung mit Sekundenschnitten und einmontierten Frames von Wasserspeiern, die das damalige Publikum, besonders in berechtigt antizipatorischer Erwartung eines halbwegs geradlinigen Kriegsabenteuers in der Manier des nur zwei Jahre zuvor aufgeführten "The Dirty Dozen", gehörig vor den Kopf gestoßen haben dürfte.
"Castle Keep", ein Meisterwerk seiner Zunft, hat somit Bestand als einer der größten (Anti-)Kriegsfilme und als wegweisendes Stück New Hollywood außerdem.

10/10

Sydney Pollack WWII Belgien Ardennen period piece Schloss New Hollywood William Eastlake Satire Parabel


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THE BLUE MAX (John Guillermin/UK 1966)


"It's a cruel world, Stachel."

The Blue Max (Der Blaue Max) ~ UK 1966
Directed By: John Guillermin

1918 stößt der zuvor im Schützengraben stationierte Bruno Stachel (George Peppard) als Leutnant zur kaiserlichen Luftwaffe. Dort nimmt er als aus bürgerlichem Hause stammender Sohn eine Sonderstellung ein; die meisten anderen Piloten, besonders die erfolgreichen und populären, besitzen adlige Wurzeln. So auch der Staffelpilot mit den meisten Abschüssen, Willi von Klugermann (Jeremy Kemp), mit dem Stachel bald eine intensive Hassfreundschaft verbindet. Von Klugermann ist bereits mit dem Orden "Pour le Mérite", auch bekannt als "Blauer Max", ausgezeichnet worden, einem hohen Orden für mindestens zwanzig gegnerische Abschüsse. Auf ebenjenen hat es auch Stachel abgesehen, ganz zum Wohlwollen von Willis Onkel General von Klugermann (James Mason), der durch das Emporkommen Stachels die bürgerliche Kriegsmoral gestärkt sieht.

Überlanges Prestigeprodukt der Fox, dessen großartiger visueller Eindruck vor allem der exzellenten Kameraarbeit des wierum meisterlich zu Werke gehenden Douglas Slocombe zu verdanken ist, der es verstand, ebenso herrliche Luftaufnahmen in den Kasten zu bekommen wie kammerspielartigen Bodenszenen einen gewissen Glanz zu verleihen. "The Blue Max" ist alles andere als das, was man landläufig gern als "Antikriegsfilm" bezeichnet; er macht sich erst gar keine Mühe, das Kriegsgeschehen zwischen 14 und 18 als menschenverschlingenden Moloch zu verdammen. Krieg bedeutet hier: Männerdomäne mit maskulinen Meriten. Mit seiner faszinierten Präsentation der damaligen Luftkämpfe wendet er sich vielmehr dem 'gentleman warfare' zu, in dem es zwar auch tödlich zuging, den seine Betreiber jedoch nur allzu gern als sportliche Auseinandersetzung unter edelblütiger Elite betrachteten. Hier scheint mir der Film auch ganz treffend; in seiner Darstellung der damaligen Kriegshelden als frühe Popstars, die unter der Bevölkerung ein ähnliches, forciertes Ansehen genossen wie es heute Casting-Show-Gewinnern vorbehalten ist.

7/10

John Guillermin WWI Fliegerei Luftkampf Militär Standesdünkel Jack D. Hunter





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