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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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BLOOD BEACH (Jeffrey Bloom/USA 1980)


"That's not the way we do it in Chicago."

Blood Beach ~ USA 1980
Directed By: Jeffrey Bloom

Ein unterirdisch hausendes Monster macht einen idyllischen, südkalifornischen Strand unsicher und zieht diverse Opfer unter den Sand, um sie dort seiner hauseigenen Vorratskammer einzuverleiben. Der Rettungsschwimmer Harry Caulder (David Huffman) und die ortsansässige Polizei haben einige Schwierigkeiten, das Ungetüm ausfindig zu machen.

"Blood Beach" stellt so etwas wie die Monsterfilm-Variante von Coscarellis "Phantasm" dar; verschroben-dickköpfiges Auteur-Kino im kleinen, aber dafür umso großzügiger gefassten Genre-Korsett. Immer wieder werden die Gattungs-Stereotypismen von liebevoller Milieuschilderung durchbrochen, die oftmals vergessen lässt, in was für einer Art Film man sich hier eigentlich befindet. Stattdessen wähnt man sich zuweilen in einer Art Proletariervariante von "Cannery Row".
Ohnehin erblickt das Untier erst in den letzten Filmminuten das Scheinwerferlicht der Kameras; zuvor hält es sich genau dort auf, wo niemand, einschließlich dem Publikum, es zu sehen bekäme. Irgendwie bewerkstelligt Bloom es jedoch, dass man das Vieh auch überhaupt nicht vermisst; stattdessen lässt man sich von Charakterköpfen wie Burt Young und John Saxon, als Polizisten zu sehen, sanft wogend durch die in Hamilton-Manier weichgefilterten Bilder lotsen und schaut ohne zu hinterfragen. Allein eine solch relaxte Atmosphäre zu erstellen bedarf es einiges schreiberischen Talents, das Bloom sichtbar vozuweisen hat.

6/10

Independent Jeffrey Bloom Kalifornien Strand Monster


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TATORT - BIS ZUM HALS IM DRECK (Peter Carpentier/D 1991)


"Haben Sie nicht schon genug angerichtet?"

Tatort - Bis zum Hals im Dreck ~ D 1991
Directed By: Peter Carpentier

Während eines Zelturlaubs auf dem Land gerät Schimanski (Götz George) in einen Kleinkrieg zwischen der Familie Faber und den übrigen ansässigen Bauern. Als Schimanski den Veterinär Ascher (Max Herbrechter), der die Faber-Tochter Silke (Ilona Schulz) ehelichen will, ausgerechnet am Morgen seiner Hochzeit an einem Baum erhangen findet, alarmiert er Thanner (Eberhard Feik). Zusammen kommen die Ermittler einem Skandal um illegal verabreichte Hormone auf die Spur, der das Dörfchen in seinen Grundfesten erschüttert.

Moralische Gewissensfragen beginnen sich aufzutürmen, als Schimanski durch seine kriminalistischen Bohrungen die Existenz eines ganzen Dorfes ruiniert. Einst war er selbst Zeuge der Werksstilllegung in Rheinhausen und hatte dafür nur Verachtung gegenüber den Wirtschaftsmanagern übrig. Diesmal jedoch gilt es, ein Verbrechen aufzuklären, das, wie sich am Ende herausstellt, die Tat eines verletzten Eifersüchtlings und keinesfalls als Spurenlegung für etwas Größeres geplant war. Am Ende steht Schimanski vor den Trümmern einer kleinen, landwirtschaftlich organisierten Ortschaft, die demnächst ein Geisterstädtchen sein wird: Rheinhausen im Miniformat. Und dennoch möchte auch Schimanski gern, Luxusarsch hin oder her, sein Kalbsschnitzel irgendwie gern östrogenfrei genießen.

7/10

Schimanski Tatort TV-Film Peter Carpentier Dorf


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STAY HUNGRY (Bob Rafelson/USA 1976)


"You gotta choose: Start shitting or stand up from your toilet!"

Stay Hungry (Mr. Universum) ~ USA 1976
Directed By: Bob Rafelson

Der Millionenerbe und Dynastiefortführer Craig Blake (Jeff Bridges) weiß wenig mit seinem Leben anzufangen als herumzuhängen und in den Tag hinein zu vegetieren. Allein bewohnt er das stattliche Haus seiner Eltern bei Birmingham, Alabama, lässt sich von seinem Firmenmanagement die Ohren vollsäuseln und sucht nach Abwechslungen im Alltag. Der Gang in ein renovierbedürftiges Fitness-Studio führt ihn mit dem aus Österreich stammenden Bodybuilder Joe Santo (Arnold Schwarzenegger) zusammen, der gerade für die Wahl zum Mr. Universum trainiert. Santo, entgegen seiner hünenhaften Physis ein überaus gewitzter und kultivierter Sportsmann, überlässt Blake bald bereitwillig seine Freundin Mary Tate (Sally Field). Die Zusammenführung zwischen den Bodybuilding-Freaks und der Südstaaten-High-Snobiety will Craig jedoch nicht recht gelingen. Als der alternde Studiobesitzer Erickson (R. G. Armstrong) eine Überdosis Poppers nimmt, kündigt sich eine große Wende an.

Rafelsons frühere Filme gehorchen - zumindest zu großen Teilen ihrer jeweiligen Erzählzeit - nicht selten einer gewissen Rauschmittellogik; tatsächlich bekleiden Drogen und veränderte Wahrnehmung nicht nur in ihnen, sondern auch mit ihnen einen entscheidenden Raumfaktor. Auch auf "Stay Hungry", der sich dem Sportphänomen Bodybuilding auf eine denkbar unvoreingenommene und geradezu sympathisierende Weise nähert, trifft dies zu: Eine für Außenstehende ganz merkwürdig anmutende Subkultur wird hier porträtiert, in die sich der Zuschauer zusammen mit dem Tagedieb Craig Blake, der in den frühen Neunzigern als 'Slacker' bezeichnet worden wäre, mit seltsamer Faszination hineinfallen lassen kann. Die Muskelmann-Kaste zeigt sich als eine Gruppe von auf ein für Außenstrehende nicht nachvollziehbares Ziel zusteuernden Besessenen, beseelt von einer kaum zu fassenden Willenskraft, keinesfalls verblödet, dafür aber in höchstem Maße verrückt. Gegen Ende dreht Rafelson, dem mit Robert Englund, Joe Spinell, Scatman Crothers, Ed Begley jr. oder Roger E. Mosley eine gar grandiose supporting cast beschwert ward, dann völlig auf: R. G. Armstrong ergibt sich einem Sex- und Drogenrausch und läuft Amok, derweil eine ganze Horde Bodybuilder öffentlich auf den Straßen Birminghams posiert. Dabei ist "Stay Hungry" vordergründig ein pädagogisch sogar wertvoller Erweckungsfilm, der für einen sinnvollen Lebenswandel plädiert. Nur dass er sich in all seiner Sperrigkeit niemandem vorsätzlich anbiedert, will wiederum nicht so recht dazu passen.

8/10

Bob Rafelson Alabama Südstaaten New Hollywood Bodybuilding Freundschaft Coming of Age


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THE DENTIST (Brian Yuzna/USA 1996)


"Open wide!"

The Dentist ~ USA 1996
Directed By: Brian Yuzna

Als der krankhaft penible Neurotiker und Zahnarzt Dr. Feinstone (Corbin Bernsen) eines Morgens seine Frau Brooke (Linda Hoffman) beim buchstäblichen Tête-à-Tête mit dem Poolreiniger (Michael Stedvec) beobachtet, reißt sein letzter Verbindungsfaden zur Beherrschung. Der so unflätig Gehörnte dreht durch und lässt sein gesamtes soziales Umfeld spüren, was passiert, wenn ein geachteter Dentist die Beherrschung verliert.

Abgesehen von ein paar auf der formalen Ebene unübersehbaren Schlenkern ist Yuzna und Gordon da eine herrlich bösartige Satire auf das kalifornische Vorstadt-Snobistentum geglückt, in dem gelangweilte Gattinnen hart arbeitender Großverdiener sich muskulöse Poolboys zur Privatbebürstung kommen lassen (müssen), korrupte Steuerfahnder (Earl Boen) ihren wehrlosen Opfern nachstellen und die geplagten Ehemänner irgendwann zwangsläufig Ratio und Geduld einbüßen. Damit einem solch subtil arrangierten Amoklauf auch der 08/15-Gorehound etwas abgewinnen kann, treibt der als Fachgenie bekannten Dr. Feinstone (wunderbarer Figurenname übrigens) allerlei geschmacklosen Schabernack mit seiner Patientenschaft, die denn auch durchweg aus verdorbenen Sozialsubjekten besteht und ihre schmerzhaften Aderlässe zumindest moralisch absolut verdient. Die (für mich persönlich nie ganz nachvollziehbare) zivilisatorische Urangst vor Zahnarztbesuchen tut dazu natürlich ihr Übriges. Und wie zur Bestätigung dieser These darf am Ende zumindest die "rein gebliebene" Sarah (Virginya Keehne) halbwegs 'unbehandelt' wieder aus dem Zahnarztstuhl aufstehen."The Dentist" braucht denn auch keinen ausufernd-explosiven Showdown mit dreimaligem Aufbäumen des Killers - Dr. Feinstone bricht angesichts der unschuldigen Zartheit einer von ihm auf seiner Flucht zufällig unterbrochenen Arienprobe zusammen und lässt sich widerstandslos verhaften. Not your usual gore flick.

7/10

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DIE HINRICHTUNG (Denis Héroux/BRD, I, F, CA 1976)


"Be quiet. Nothing's gonna happen to you. I promise."

Die Hinrichtung ~ BRD/I/F/CA 1976
Directed By: Denis Héroux

Auf dem Nachhauseweg landet der in Vietnam desertierte G.I. Cain (Mathieu Carrière) im ebenfalls von Unruhen durchgeschüttelten Belfast, wo er ein paar Nächte in einem Obdachlosenheim verbringt. Als er auf ein Schwesternwohnheim aufmerksam wird, bricht Cains Psychose vollends durch. Er bringt die acht jungen Frauen in seine Gewalt und tötet sie eine nach der anderen.

Der Beweis dafür, dass Terrorfilme rein sujetbedingt noch lange keinen exploitativen Charakter aufzuweisen haben. Laut Héroux' in "Die Hinrichtung" gezeichnetem Weltbild ist der gesamte Planet (neben Vietnam und Nordirland wird gegen Ende auch der Nahe Osten kurz ins Spiel gebracht) einem global um sich greifenden Irrsinn erlegen, der die Menschen sogartig assimiliert und schlimmstenfalls zu tickenden soziopathischen Zeitbomben macht. Nicht umsonst basieren die dargestellten Ereignisse auf realen Begebenheiten (die sich allerdings wiederum kommentarisch in den Film einbezogen finden). "Die Hinrichtung" wirkt gerade dadurch verstörend, dass er sich so prononciert nüchtern und unbeteiligt gibt. Mit fast dokumentarischer Genauigkeit verfolgt Héroux den Weg des psychisch vollkommen zertrümmerten Vietnam-Veteranen, der, anders als etwa ein Krug Stillo und seine Gang, niemals zu einem vollwertigen Hassobjekt des Publikums verkommt. Weder ist Cain Adamson besonders unsympathisch noch je übermäßig aufbrausend. In stoischer Gleichmut verrichtet er sein Wahnsinnswerk, das, wäre es nicht von derart unmenschlicher Barbarei, auch als nachdrückliche Protestaktion gegen den gegenwärtigen Zustand der Welt verstanden werden könnte - immerhin wählt der Täter für seinen Anschlag auf die Conditio humana ausgerechnet eine Gruppe von Menschen, für die Barmherzigkeit nicht nur ein Tagesgeschäft darstellt, sondern die sogar ihm selbst zuvor noch mit offenen Armen begegnet ist.
Ein paar - vor allem im Hinblick auf eine Massenrezeption - grenzwertiger Einstellungen zum Trotz hält sich Héroux daher auch ganz bewusst vom Sleaze fern und wirkt dadurch nur umso abgründiger. Und was war Carrière doch einst für ein phantastischer Schauspieler...

8/10

Denis Héroux Nordirland Belfast Vietnamkrieg Terrorfilm Madness Nacht Massenmord Veteran


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THE NUN'S STORY (Fred Zinnemann/USA 1959)


"Do good, then disappear."

The Nun's Story (Geschichte einer Nonne) ~ USA 1959
Directed By: Fred Zinnemann

Nachdem die Chirurgentochter Gabrielle Van Der Mal (Audrey Hepburn) als Nonne in ein belgisches Konvent eingetreten ist, findet sie sich unter einer andauernden inneren Konfliktsituation: Der weltliche Stolz auf ihre generöse Arbeit als Krankenpflegerin steht nämlich in höchstem Widerspruch zu ihrem Bescheidenheitsgelöbnis als Ordensschwester. Nach einigen Jahren Tätigkeit im Kongo muss sie zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nach Belgien zurückkehren, wo sie, wiederum konträr zu ihrer Berufung, passiv den Widerstand unterstützt und die Nazis hassen lernt. Als Konsequenz verlässt sie den Orden endgültig.

Sanftmütig ausformuliertes Nonnendrama, das Zinnemanns kunstvoller Regie und Hepburns intensivem Spiel alles verdankt. Der Regisseur ist sich der wesensimmanenten Kitschbeladenheit seiner Geschichte jederzeit vollends bewusst und umschifft somit gekonnt jedwede melodramatische Steilvorlage, die andere Studio-Filmemacher - man denke an Henry King oder William Wyler - nur umso mehr gereizt hätten und "The Nun's Story" zu heillosem (unfreiwilligem) Camp hätten werden lassen. In dieser Form jedoch, die mittels denkbar besonnener, ausgiebiger Narration die Vita einer Nonne als entbehrungsreiche und harte, wenn nicht gar abstoßende Existenzspielart bar jeglicher überflüssiger Romantisierung einordnet, wird der Film allerdings zu genau jener intellektuell tragfähigen Auseinandersetzung, die dem Thema gebührt. Selbst für ein ordinär-weltliches Publikum wie meinereiner.

8/10

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ATTACK THE BLOCK (Joe Cornish/UK 2011)


"Smells like a shit did a shit."

Attack The Block ~ UK 2011
Directed By: Joe Cornish

Als mitten in der Guy Fawkes Night ein merkwürdiges, hundegroßes Alien vom Himmel über South London stürzt und sogleich den jugendlichen Gangboss Moses (John Boyega) attackiert, rächt sich dieser umgehend und bringt das Vieh zur Strecke. Ein dummer Fehler, denn nur kurze Zeit später folgt dem extraterrestrischen Wesen noch eine gewaltige, aggressive Nachhut und nimmt Moses und seine Freunde in die Zange. Damit nicht genug bekommt Moses auch noch Ärger mit dem üblen Gangster Hi-Hatz (Jumayn Hunter)...

Erfreulich laxer und gegenwartsoffener Genrebeitrag, der sich auf zweierlei Arten lesen lässt: Als handelsübliche Invasionsgeschichte in etwas befremdlicher Ghetto-Gewandung oder gleichermaßen als seherische Parabel über die von Tottenham ausgegangenen riots im Spätsommer des letzten Jahres. Daraus, dass die Lage hier permanent kurz vorm Überkochen steht, macht Cornish von Anfang an keinen Hehl - da kommt die Invasion der gefährlichen, aber tumben Säbelzahn-Aliens zur Vereitelung schlimmerer Geschehnisse gerade recht. Sie trägt nämlich zu wechselseitigem Verständnis bei - alters-, demografie- und rassenbezogen. So zaubert Joe Cornish eine kleine, didaktisch überaus wertvolle Sozialstudie hervor, die, von den "richtigen" Personengruppen konsumiert, auf unterhaltsame Weise ein bisschen was über Ethos und funktionierendes Miteinander vermittelt, ohne sich dabei zeitgleich als lehrfilmartig oder moralinsauer präsentieren zu müssen. Außerdem ist es verdammt beruhigend, zu erfahren, dass Aliens die Erde nicht per se von Nordamerika aus zu entern versuchen.

8/10

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RUNNING ON EMPTY (John Clark/AU 1982)


"I've got some nitrous oxide injection 'round that's a sweet sensation."

Running On Empty (Mike in 3,8 auf 100) ~ AU 1982
Directed By: John Clark

Autos und Geschwindigkeit sind ihr einziger Lebenszweck: Eine Gruppe illegale Rennen veranstaltender Kids praktiziert in den Vororten von Sidney alle Nase lang harte Raserduelle, bei denen es auch oft und gern einmal zu tödlichen Unfällen kommt. Ungeschlagener König der Beschleunigung ist der kriminelle Fox (Richard Moir). Für Mike (Terry Serio) gibt es indes noch Fox' exaltierte Freundin Julie (Deborah Conway), mit der ihn bald eine stümische Romanze verbindet. Von Fox zum Rennen herausgefordert, wagt Mike zunächst einen kopfklärenden Ausflug aufs Land, wo er dem blinden Autofreak Rebel (Max Cullen) begegnet. Dieser bietet Mike an, seinen Wagen hochzutunen, was dem jungen Mann und vor allem seiner Karosse jedoch überhaupt nicht bekommt - das nächste Rennen gegen Fox endet in einem gigantischen Crash. Doch Rebel besitzt noch einen kraftvollen Chevy...

Ein seltsamer, um nicht zu sagen "spezieller" Film, irgendwo zwischen Cox' "Repo Man" und Hills "Streets Of Fire", der seine porträtierte Jugendkultur wie ein unirdisches, hyperreales Fanal dastehen lässt, in das Außenstehende kaum vorzudringen mögen. Dass viele Australier schon aufgrund der lokalen Ausdehnung und der sich teils im Nirgendwo verlierenden Bevölkerungsdichte eine besondere Beziehung zu Autos hegen, spiegelte die höchst eigenständige Filmkultur des Landes bereits mehrfach wieder: "The Cars That Ate Paris" und die ersten beiden "Mad Max"-Filme sprechen diesbezüglich Bände. In "Running On Empty" überträgt sich die südliche Saga von Blut und Blech auf eine jugendliche Subkultur, in der, ganz wie man es noch aus den frühesten "Juvenile Delinquent Movies" der Fünfziger kennt, der Sieg und die höchstmögliche Geschwindigkeit alles sind. Wer verliert, ist nichts wert, der Ehrenkodex unter den Rasern zwingt ihn sogar, sich mit dem Auto nicht mehr auf die Straße zu wagen. Vor der kargen Kulisse des hierzulande stets ausgetrocknet wirkenden Kontinents entspinnen sich so intra- und interfigurale Dramen, deren Sinn, daran lässt Clarks Film schonmal keinen Zweifel, sich uns Außenstehenden weder erschließen muss noch soll. Umso faszinierter und losgelöster schaut man zu, wenngleich der emotionale Zugang eingangs praktisch verwehrt bleibt. Hier kommt man vielleicht wirklich nur als Aussi rein.

7/10

John Clark Australien Sidney Autorennen Subkultur


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TIGER BAY (J. Lee Thompson/UK 1959)


"I wouldn't have you for a friend, Gillie."

Tiger Bay ~ UK 1959
Directed By: J. Lee Thompson

Der polnischstämmige Matrose Korchinsky (Horst Buchholz) mustert in Cardiff ab, um seine Geliebte Anya (Yvonne Mitchell) zu besuchen. Diese hat sich jedoch in seiner Abwesenheit mit einem Sportkommentator (Anthony Dawson) vergnügt und lässt auf ihren verdutzten Verflossenen nun ein gerüttelt Maß an verachtendem Vokabular herniederprasseln. Wutentbrannt erschießt Korchinsky das üble Frauenzimmer - und wird dabei beobachtet von der elfjährigen Gillie (Hayley Mills), die im selben Haus wohnt. Korchinsky hat Angst vor der Denunziation durch die unfreiwillige, kleine Zeugin, bringt es jedoch ebensowenig fertig, auch sie zu töten. Eine merkwürdige, aber umso tiefere Freundschaft bahnt sich stattdessen an zwischen dem Outlaw und dem rotzigen kleinen Mädchen. Superintendent Graham (John Mills) merkt indes sofort, dass die mehrfach von ihm befragte Gillie ihm tüchtig was vorlügt.

J. Lee Thompson ist ja einer dieser Regisseure, die sich mit zunehmendem Alter und parallel zunehmender Arriviertheit als kaum mehr interessiert an ihrer Arbeit zeigten und zumindest augenscheinlich nur noch Filme drehten um die Butter aufs Brot zu bekommen. Nach seinen Anfängen in Großbritannien, die unter anderem dieses prächtige kleine Werk über eine ungewöhnliche Freundschaft hervorbrachten, begann Thompson, großes, campiges Studiokino zu fertigen, das, anfänglich noch von einer gewissen Selbstironie getragen, immer beliebiger wurde, bis er dann noch kurz vor der Rente bei der Cannon strandete und zu einem von deren Hausregisseuren und Aushängeschildern avancierte. "Tiger Bay" markiert jedoch noch eine ganz andere Hausnummer: Existenzialistisch gefärbtes, britisches New-Wave-Kino findet man bei diesem vor, das einen geschulten Blick in die multikulturellen Hafenviertel und Slums von Cardiff riskiert und, ganz unschuldig und absolut seriös, zwei Verlorene zusammenführt, die einander in ihrem Weltschmerz verdienen. Den Polen Korchinsky, nicht weit vom Analphabeten entfernt, hält es nirgendwo jenseits der See, weil er dort sofort in Stillstand und Depression verfällt, die kleine Gillie, wahrscheinlich ein Waisenkind, schlägt sich mit allerlei Streichen und Dummheiten durchs Leben und hat dabei die ätherische Unschuld eines Engels. Herz und Sympathie können die beiden sich im Überfluss schenken und sind doch nicht gefeit vor irdischer (und überirdischer) Rechtssprechung. Immerhin hat ihre Freundschaft nach dem als echten Nägelkauer in Szene gesetzten Showdown trotz allem noch eine Chance.

9/10

J. Lee Thompson Wales Cardiff Freundschaft Schuld & Sühne


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THE LAST AMERICAN HERO (Lamont Johnson/USA 1973)


"Nobody knows more than a rookie."

The Last American Hero (Der letzte Held Amerikas) ~ USA 1973
Directed By: Lamont Johnson

Das Herz des jungen Hillbilly-Boys Junior Jackson (Jeff Bridges) schlägt für schnelle Autos. Als wegen einer seiner Provokationen gegenüber der örtlichen Polizei sein Vater (Art Lund), der sich als illegaler Schnapsbrenner verdingt, verknackt wird, ist Junior gezwungen, semiprofessionell Rennen zu fahren, um den Anwalt bezahlen zu können. Dabei lernt er die leichtlebige Marge (Valerie Perrine) kennen.

Nettes kleines Familiendrama aus dem Hillbilly- und Redneck-Milieu, das eine dankbare frühe Hauptrolle für den jungen Jeff Bridges bereithält. Einige weitere bekannte Gesichter, unter anderem die von Gary Busey, Ed Lauter, William Smith und Ned Beatty zieren Johnsons Aufsteigerfabel, in der einmal mehr der Amerikanische Traum ausgelebt werden darf. Mit kompromissloser Dickköpfigkeit und einigen zu lernenden Lektionen in Sachen Liebe boxt Junior Jackson sich nach oben und der Film lässt am Ende durchblicken, dass sein weiterer Weg noch einiges an Erfolgsverwöhnung bereithalten wird. Glücklicherweise vermeidet Johnson eine allzu kitschige Mise-en-scène und pflegt, getreu den ungeschriebenen Gesetzen New Hollywoods, einen eher verhalten Realismus. Andererseits hätte "The Last American Hero" etwas mehr Emotionalität, in einem Maße etwa, wie sie sein etwas später entstandener "Nachfolger" "Rocky" transportierte, gut getan. So bleibt man zwar relativ untangiert von dem Geschicken Junior Jacksons, kann sich jedoch immerhin an ein paar fabelhaft inszenierten Rennsequenzen und der besagten, erstklassigen Besetzung erfreuen.

7/10

Lamont Johnson Tom Wolfe Südstaaten Appalachen Autorennen Familie Bootlegging Virginia





Filmtagebuch von...

Funxton

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