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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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ODIA IL PROSSIMO TUO (Ferdinando Baldi/I 1968)


Zitat entfällt.

Odia Il Prossimo Tuo (Hasse deinen Nächsten) ~ I 1968
Directed By: Ferdinando Baldi

Weil er den Lageplan einer Goldmine besitzt, muss Pat Dakota (Claudio Castellani) mitsamt seiner Frau sterben. Übrig bleiben nur sein kleiner Sohn und und Pats Bruder Ken (Spiros Focás), der alles daran setzt, die Mörder zur Strecke zu bringen. Diese findet er mit der Hilfe des Bestattungsunternehmers Duke (Roberto Risso) in den Personen des habgierigen Gary Stevens (George Eastman) und des sadistischen Chris Malone (Horst Frank).

Ungelenk inszeniert und mit einem Minimalbudget versehen dürfte dies der schwächste Western aus Baldis Feder sein, daran ändert selbst die klassische Besetzung nebst der hübschen Nicoletta Macchiavelli nichts. Für seine Produzenten dürfte "Odia Il Prossimo Tuo" sowieso von vornherein die Funktion eines Abschreibungsobjektes erfüllt haben, denn seine mangelnde Ambition trieft dem Film aus jeder Pore. Die set pieces sehen teilweise aus wie bei uns im Hünxer Staatsforst abgefilmt, was der Ausweisung des Streifens als in Mexiko spielender Western leider nicht eben zugute kommt. Das kleine Bisschen Erwärmungsmotivation, das sich für Baldis Film aufbringen lässt, ist wirklich nur den Schauspielern zu verdanken, die, wenn sie die oben genannten, klangvollen Namen tragen, zu sehen grundsätzlich immer ein wenig Freude bereitet. Ansonsten ist dieser leidlich spannende kleine, blutarme Trasher bestenfalls etwas für Komplettisten.

4/10

Ferdinando Baldi Italowestern Mexiko Rache


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COLORADO TERRITORY (Raoul Walsh/USA 1949)


"Go forward my children. Follow the trail over the pass beyond the Canyon of the Dead."

Colorado Territory (Vogelfrei) ~ USA 1949
Directed By: Raoul Walsh

Ein letzter großer Coup noch, dann wartet endlich der Ruhestand vom ewigen Banditendasein. Dies zumindest erhofft sich Wes McQueen (Joel McCrea), als er aus dem Gefängnis ausbricht, um sich seinem alten Gönner Rickard (Dave Ruysdael) anzuschließen um dessen Plan, einen Zug in Colorado zu überfallen, mit auszuführen. Dummerweise sind Wes' Partner höchst unzuverlässige und gierige Gesellen, die einen erfolgreichen Abschluss der Sache verhindern. Eine glückliche Zukunft mit der unterdessen kenen- und lieben gelernten Tingeltangelsängerin Colorado (Virginia Mayo), das erkennt Wes bald, muss und wird ein schöner, kurzer Traum bleiben.

Als Synopse für diesen wunderschönen, leider nicht hinreichend populären Western könnten ebensogut auch die Lyrics des elegischen Queen-Songs "Who Wants To Live Forever?" stehen, der die Atmosphäre von Raoul Walshs Film (freilich in einem popkulturell leicht veränderten Kontext) vorzüglich subsummiert. Doch fort von solch freien Assoziationsspielchen: Mit "Colorado Territory" fertigte Walsh eine Neuverfilmung seines eigenen "High Sierra" an, der erst acht Jahre zuvor entscheidend am stardom Humphrey Bogarts mitgefeilt hatte. Diesmal spielt sich die existenzialistisch angehauchte, melancholische Geschichte des Gangsters auf der Suche nach Erlösung im Westernmilieu ab und Walsh schafft es sogar, die letzten, ohnehin marginalen Unebenheiten von "High Sierra" durch diese Transponierung auszumerzen und ein nunmehr endgültig vollkommenes Werk zu präsentieren. Aus der dramatischen Geschichte um das behinderte Mädchen, mit dem der in Herzensangelegenheiten hoffnungslos blinde Bandit sich zunächst ein gesichertes Dasein erhofft, wird hier eine klarere, patinabefreite Episode: Dorothy Malone spielt die ebenso schöne wie kalte Farmerstochter Julie Ann, die im Gegensatz zu ihrem lieben Vater (Henry Hull) rein auf den eigenen Vorteil bedacht ist und Wes am Ende freimütig zu denunzieren versucht. Die niemals liebenswertere Virginia Mayo indes ist ein wildwüchsiges, aber dafür umso authentischeres und verlässlicheres Halbweltmädchen mit nicht ganz astreiner Vergangenheit; eine, die ein Kerl wie Wes McQueen gänzlich verdient. McCreas traurige Präsentation des von Anfang an zum Scheitern Verdammten fügt sich dem nahtlos an, wenngleich er natürlich kein Bogey war. Dennoch bewerkstelligt "Colorado Territory" das rare Kunststück, noch einen Hauch besser als seine filmische Vorlage dazustehen.

10/10

Heist Raoul Walsh Remake Colorado


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THE TRUE STORY OF JESSE JAMES (Nicholas Ray/USA 1957)


"Noone will be able to shoot me!"

The True Story Of Jesse James (Rächer der Enterbten) ~ USA 1957
Directed By: Nicholas Ray

Die letzten 18 Lebensjahre des Outlaw Jesse James (Robert Wagner), dessen letzter großer Überfall auf die Northfield-Bank in Minnesota schließlich zu seinem Verhängnis wird.

Nicholas Ray darf wohl mit Fug und Recht als einer jener Filmemacher bezeichnet werden, die den Western endgültig seiner Unschuld beraubten. Von den vier Genrefilmen, die er binnen sechs Jahren inszenierte, ist auf seine spezielle jeder Weise ein vordringliches Beispiel für gezielten Dekonstruktivismus. In "The True Story Of Jesse James", mit dem sich Ray einer authentischen Biographie annahm, triumphiert schließlich die Form über den Inhalt. Die Narration verläuft teils verwirrend achronologisch, die Fox preist ihr prestigeträchtiges Scope-Format, das sich für den Film jedoch als vollkommen nebensächlich erweist. Schließlich die Ausbleichung und Farbentledigung der Bilder. Anstelle der breit grinsenden Präsentation von knalligem DeLuxe, wofür sich Genrearbeiten üblicherweise ja vorzüglich eignen, lässt Ray seinen Film zwischen sepiafarben und trübem Grau oszillieren und somit die nihilistische Atmosphäre des Films stützen. Überhaupt wird man die letzte große Hollywood-Variation des Stoffs, Andrew Dominks "The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford" hernach mit ganz anderen Augen sehen - Dominik verdankt Rays Fassung nämlich offensichtlich nicht eben wenig.

8/10

Nicholas Ray Jesse James Biopic period piece Historie Missouri


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GUNSLINGER (Roger Corman/USA 1956)


"You're not bad, you're just no good."

Gunslinger (Sonntag sollst du sterben) ~ USA 1956
Directed By: Roger Corman

Nachdem ihr Mann Marshal Hood (William Schallert) ermordet wurde, übernimmt dessen knallharte Witwe Rose (Beverly Garland) vorübergehend den Posten des Gesetzeshüters in der Kleinstadt Oracle. Ihre Erzfeindin, die Saloonbesitzerin Erica Page (Allison Hayes), die gerade dabei ist, sich sämtliche Grundstückskonzessionen für den geplanten Bau der Eisenbahn unter den Nagel zu reißen, fackelt nicht lang und engagiert den Revolverhelden Cane Miro (John Ireland), Rose unter die Erde zu bringen. Doch die beiden sind sich alles andere als abhold...

Ein sagenhaft schlechter Film, gespickt mit so ziemlich allem, was man falsch machen kann und demzufolge ein taugliches Lehrstück für das akademische Seminar "Don'ts in filmmaking". Eilends heruntergekurbelt in schäbigen Lattenkulissen und bei Lichtverhältnissen, die jeden halbwegs beflissenen dp in die Flucht schlagen müssten, dazu gesäumt von potthässlichem, schmierigem Pathé-Color, besetzt mit einer Ägide mieser und dazu noch miesaufgelegter Darsteller und mit einem Dialogscript bestückt, das sich einem katzenjammerartig die Zehnägel hochrollen lässt. Die Story ist ein Abklatsch von "Johnny Guitar", ohnehin ein künstlerisches Monument, im Direktvergleich eine Offenbarung. Die Crawford und die McCambridge hätten die Garland und die Hayes jeweils mit einem Pusteruhr zur Hölle gejagt. Und Corman? Der wird sich damals, noch jung und unverschämt, vielleicht gedacht haben: "Was der Ray bei der Republic kann, das kann ich schon lange, nur mit weniger Patte und Motivation und wahrscheinlich lieben mich die blöden Froschschenkelfresser von drüben dafür nicht weniger." Pustekuchen, mein Alter. Das Konzept vom billigst Verfügbaren geht eben nicht immer auf. "Gunslinger" bietet jedenfalls Corman at his horrifying worst.

2/10

Roger Corman


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HIGH NOON (Fred Zinnemann/USA 1952)


"I've got to, that's the whole thing."

High Noon (12 Uhr Mittags) ~ USA 1952
Directed By: Fred Zinnemann

Marshal Will Kane (Gary Cooper) hat soeben seine bezaubernde Braut, die Quäkerin Amy (Grace Kelly) geehelicht, da erreicht ihn die Nachricht, dass sein alter Erzfeind Frank Miller (Ian MacDonald) aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich im Mittagszug nach Hadleyville befindet. Kane hatte den gewissenlosen Miller einst dingfest gemacht und seine Bande zerschlagen. Um Punkt 12 wird der Zug einfahren, in 80 Minuten. Jedermann rät Will, mit seiner Frau das Weite zu suchen, doch für den Gerechtigkeitsfanatiker Kane kommt Flucht bloß purer Feigheit gleich und damit nicht in Frage. Andererseits findet er unter den Einwohnern der Stadt jedoch auch keinerlei Unterstützung; alle sind zu ängstlich oder haben andere, fadenscheinige Gründe, ihn im Stich zu lassen. Darüberhinaus gefällt der pazifistischen Amy Wills Verhalten überhaupt nicht. Schließlich steht Kane alleine gegen Miller, seinen Bruder (Sheb Wooley) und zwei weitere Ganoven (Lee Van Cleef, Robert Wilke).

"High Noon" ist ja irgendwann zu einem Meta- und Schulfilm geworden, der wohl nicht selten fast schon zu Tode analysiert worden wäre wegen seiner Montage, seiner crane shots und Leitmotivik umfassenden Kamerafahrten und blablabla. Joe Hembus konstatierte, der Film "halte zuallererst mal sehr viel von seinen eigenen Qualitäten", was nicht eben sonderlich charmant formuliert ist. Zinnemann selbst frohlockte in einem Filminterview von Charlotte Kerr, "High Noon" sei im Grunde gar kein Western, er könne sich im Prinzip vor jedem Milieu ereignen und trüge nur der äußeren Simplifikation halber dieses Gewand. Das ist natürlich völliger Mumpitz, ebenso wie die besonders gern von Laien vertretene Aussage, erst dieser Film habe die Psychologie und gesellschaftspolitische Implikationen in den Filmwestern gebracht.
Selbstverständlich ist diese kraftvolle, kernige Geschichte einzig und allein in dieser Form, nämlich als Western, denkbar, angesiedelt in einer staubigen Kleinstadt voller bigotter Kirch- und Saloongänger, in der irgendwo Pferde im Stall stehen, Stetsons und Heftsterne getragen werden und Patronengurts am Haken hängen; kurz: in der Gary Cooper Marshall ist, wenn auch - kein Wunder - nicht mehr lange. Man sollte wirklich auf nichts und niemanden hören betreffs "High Noon", es entginge einem die pure, unverderbbare Magie jenes Films, der mit Sicherheit nicht der beste und tollste Western aller Zeiten ist, aber zusammen mit vielen, vielen anderen trotzdem aufs Siegertreppchen gehört.

10/10

Fred Zinnemann Echtzeit Rache


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THE GLORY GUYS (Arnold Laven/USA 1965)


"It's your turn now."

The Glory Guys (Die glorreichen Reiter) ~ USA 1965
Directed By: Arnold Laven

In Windeseile muss Captain Harrod (Tom Tryon) von der 3. Kavallerie ein Regiment zusammenstellen und für einen von seinem karrieresüchtigen Vorgesetzten General McCabe (Andrew Duggan) geplanten Feldzug gegen die Sioux ausbilden. Nicht nur, dass Harrods Männer fast durch die Bank undisziplinierte Amateure darstellen, die besonderen Schliffs bedürfen, hat er sich auch noch mit dem Scout Sol Rogers (Harve Presnell) um die Liebe der schönen Lou (Senta Berger) zu rivalisieren und unter dem Größenwahn des Generals zu leiden. Am Ende bekommen jedoch fast alle, was sie verdienen.

Verhältnismäßig wenig bekannter, dafür umso feinerer Kavallerie-Western in der Tradition der entsprechenden Filme Fords; versehen mit einem epischen Hauch, aufwändig inszeniert und mit großangelegten Massenszenen garniert. Viel Herzschmerz, Männerfreundschaft und Heldentum kennzeichnen die noch recht geordnete, weithin unschattierte Welt von "The Glory Guys". Das entsprechende Script dazu stammt von Peckinpah, der sich in Teilen bei der späten Biographie General Custers bediente. Abgesehen von der wohl bewusst unterschiedlich gehaltenen Physiognomie entspricht der Charakter General McCabes recht exakt dem historisch verbrieften von Custer und auch die finale Schlacht zwischen Indianern und Soldaten ähnelt stark den berühmten Ereignissen vom Little Big Horn.
Peckinpah soll wohl auch angefangen haben, den Film zu inszenieren, um dann später vom B-Film-Routinier Laven abgelöst zu werdeen; davon ist jedoch bestenfalls wenig zu spüren. Allerdings sprechen manche Details dann doch dafür, etwa die Besetzungsauswahl. Ansonsten finde ich bemerkenswert, dass ich die Gratwanderung zwischen Western und Kriegsfilm selten so zugespitzt vorgefunden habe, wie im Falle von "The Glory Guys". Die Indianerkriege dienen nämlich vor allem als geschichtliche Blaupause für ein mit allen Wassern gewaschenes Kriegsepos, was eine Klassifizierung des Films als letzteres denn auch umweglos ermöglicht.

8/10

Indianer Kavallerie Sam Peckinpah Arnold Laven Indianerkriege


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THE DEERSLAYER (Kurt Neumann/USA 1957)


"Well, all Indians are superstitious."

The Deerslayer (Lederstrumpf: Der Wildtöter) ~ USA 1957
Directed By: Kurt Neumann

Zu Zeiten des Englisch-französischen Krieges gerät auch der Kampf der Siedler gegen die Ostküsten-Stämme der nordamerikanischen Indianer zu einem erbitterten Nebenschauplatz: Die Huronen, Delawaren, Mohikaner, Irokesen und Mingos gehen erbarmungslos gegen die weiße Landnahme vor, was dazu führt, dass die Skalpjägerei auf der Seite der Weißen zu einem gesetlich legitimierten, einträglichen Geschäft wird. Inmitten dieser Scharmützel treffen die Blutsbrüder Wildtöter (Lex Barker) und der Mohikanerhäuptling Chingachcook (Carlos Rivas) auf den fanatischen alten Skalpjäger Hutter (Jay C. Flippen), seine beiden Töchter Hetty (Rita Moreno) und Judith (Cathy O'Donnell), sowie seinen Geschäftspartner Harry March (Forrest Tucker). Die Mingos sind hinter Hutters Skalps her und Wildtöter und Chingachcook beschützen ihn nach Kräften vor den grausamen Indianern, wenngleich sie mit seiner Vorgehensweise alles andere als einverstanden sind.

Ausnahmsweise ein reiner Erfahrungsbericht: Die jüngst auf DVD erschienene, mir vorliegende Fassung von "The Deerslayer" zu beurteilen, erweist sich als praktisch unmöglich, da sie keinesfalls den von Neumann inszenierten Integralschnitt beinhaltet, sondern eine im Deutschland der Sechziger ummontierte "Spezialversion". Diese entstand, um Lex Barker, der als Natty Bumpoo im Grunde nichts anderes als eine Vorstudie zu seinem Old Shatterhand gibt, vor dem Hintergrund der May-Filme von Rialto und CCC eine zusätzliche Erfolgsplattform im deutschen Kino zu verschaffen. 1965 wurde der Film, erleichtert um einige Skalpier-Sequenzen und stattdessen "angereichert" mit einigen im Grunde völlig unpassenden Actionszenen aus Ernst Hofbauers "Die schwarzen Adler von Santa Fé", von den Münchenern neu synchronisiert (u.a. mit Barkers jetzigem Stammsprecher G.G. Hoffmann) und mit typischer "Euro-Musik" von Gert Wilden ausgestattet, wiederaufgeführt, um die wachsende Zahl May-Fans in die Kinos zu holen. Aus diesem Umstand heraus erfolgt wohl auch die Nennung des mysteriösen Zweitregisseurs "Clinf Reinard", dessen reale Existenz ich für fraglich halte. Erwartungsgemäß ist infolge all dieser Modifikationen vom Original wenig übrig geblieben und wenngleich die Ummontierung durchaus sorgfältig gelungen ist, so bleibt sie doch eine künstlerisch überaus fragwürdige Angelegenheit, die retrospektiv bestenfalls eine sekundäre Vergleichsfunktion erfüllen kann. Natürlich ist es rein basal betrachtet nicht nur völliger Blödsinn, sondern darüber hinaus eine handfeste Unverschämtheit, die von Cooper vor dem historischen Hintergrund des Siebenjährigen Krieges angesiedelten "Lederstrumpf"-Geschichten um handelsübliche Wildwest-Sequenzen mit Planwagen und Militärforts zu ergänzen, die sich, laut Off-Erzähler-Weissagung, zudem im Osten des Landes befinden sollen, dabei jedoch ganz offensichtlich den Westen darstellen, und dem gutwilligen Zuschauer somit eine blamable Halbbildung zu unterstellen. Ebendiese Version, die wie erwähnt kaum mehr als ein nationales, filmhistorisches Kuriosum markiert, befindet sich jedoch, in immerhin schöner Qualität, als einzige auf der DVD. Von Neumanns ursprünglicher Fassung ist weit und breit nichts zu sehen und die Anschaffung des Silberlings damit höchstens für Komplettisten zuzuraten. Bleibt zu hoffen, dass uns irgendwann auch die Integralversion mit originaler Synchro zugänglich gemacht werden kann.

period piece Kurt Neumann Lederstrumpf J.F. Cooper French-/Indian War Siebenjähriger Krieg


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MAD DOG MORGAN (Philippe Mora/AU 1976)


"What a beautiful day today."

Mad Dog Morgan ~ AU 1976
Directed By: Philippe Mora

Victoria, 1854: Der Goldsucher Daniel Morgan (Dennis Hopper) wird Zeuge eines brutalen, rassistisch motivierten Überfalls auf eine chinesische Opiumhöhle, verübt infolge polizeilicher Willkür. Hernach wird er selbst zum Räuber, in der Folge jedoch geschnappt und für viele Jahre in ein Arbeitslager gesteckt, das er wegen guter Führung vorzeitig verlassen darf. Frustriert von der staatlichen Arroganz setzt Morgan seinen vormals eingeschlagenen Kurs fort, tut sich mit dem Halb-Aborigine Billy (David Gulpilil) zusammen und beginnt im Hinterland von New South Wales ein mehrjähriges Outlaw-Dasein. Als er später, von Billy getrennt, die Grenze zurück nach Victoria übertritt, kann die ihn bereits lange suchende Polizei stellen und erschießen.

Einer der wichtigsten australischen Filme der siebziger Jahre, die das Erstarken des hier im Entstehen begriffenen, neuen lokalen Kinos förderte und begünstigte. Der schillernde Charakter des Daniel Morgan, seines Zeichens Alkoholiker, Gewaltverbrecher und freiheitsliebender, obrigkeitsfeindlicher Anarchist, scheint wie geschaffen für Dennis Hopper, der zu dieser Zeit selbst etwas den Boden unter den Füßen verloren hatte und das zuweilen stark in irrationale geistige Gefilde abdriftende Vorbild somit perfekt verköpern konnte. "Mad Dog Morgan", der Film, ist ähnlich wie "Walkabout" und "Picnic At Hanging Rock" auch eine Meditation über die urwüchsige Natur des Kontinents; Mora schwelgt und schwebt mittels langer Einstellungen durch die uns Europäern höchst befremdlich erscheinende Landschaft, verharrt gern vor ovalen Felsen und bunten Blumenwiesen und schneidet seinen Protagonisten dazwischen wie ein in der Wildnis aufgegangenes Rumpelstilzchen, das, dem Suff ergeben, gern auch mal die Kanonen sprechen lässt. Dem der Commonwealth-Autorität ohnehin stark abgeneigten Landvolk ist Morgan eine Art republikanischer Antiheld, ein Art verjüngter Cromwell, der allerdings von vornherein bloß zur Mythenbildung taugt: Australien ist schlicht zu weitläufig, heiß und verträumt, um hier offensiv Revolution zu machen. Umso besser für das geneigte Publikum, das sich somit ganz entspannt in "Mad Dog Moras" Meisterstück fallen lassen kann.

9/10

Alkohol Biopic Philippe Mora Historie period piece Australien


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BUCHANAN RIDES ALONE (Budd Boetticher/USA 1958)


"You don't like this town?" - "I don't like some of its people."

Buchanan Rides Alone (Sein Colt war schneller) ~ USA 1958
Directed By: Budd Boetticher

Tom Buchanan (Randolph Scott), der im mexikanischen Bürgerkrieg für die Juáristen gekämpft hat, überquert in Kalifornien die Grenze heimwärts, um in Westtexas eine Ranch zu gründen. Als er durch das von den drei feisten Agry-Brüdern (Tol Avery, Barry Kelley, Peter Whitney) beherrschte Grenzstädtchen Agry Town kommt, schlägt ihm eine Welle der Unsympathie entgegen. Als der junge Mexikaner Juan (Manuel Rojas) den betrunkenen Roy Agry (William Leslie), Sohn des Bürgermeisters Lew (Avery), der Juans Schwester vergewaltigt hat, erschießt und daraufhin von einer Übermacht zusammengechlagen wird, kommt ihm Buchanan zur Hilfe. Beide landen im Gefängnis und sollen hingerichtet werden - Juan in aller Öffentlichkeit, Buchanan weit außerhalb der Stadt, da er zum Schein freigesprochen wird. Doch kann er seiner Exekution entgehen und Juan rechtzeitig retten. Den Agry-Brüdern wird derweil ihre Geldgier zum Verhängnis.

Ein weiterer "Reinigungs-Western" aus dem Hause Boetticher/Scott. Diesmal gerät Randolph als Tom Buchanan ganz motivationslos und unvermittelt in das feindliche Geschehen, muss jedoch durch seine mehr oder weniger unfreiwillige Involvierung das begonnene Befreiungsgeschäft zu Ende führen. Die drei Agrys sind dabei Musterexemplare des fetten, kapitalistischjen Despoten: Böse, faul und geldgierig lauern sie auf jede Gelegenheit, einen schnellen Dollar zu machen und ihre Machtkompetenzen zu erweitern. Dass bei soviel gegenseitiger Übervorteilung ein symbolischer Schuss nach hinten losgehen muss, ist lediglich eine Frage der Zeit. Buchanan sorgt mit seinem Erscheinen in Agry Town für den rechten Anlass und bricht die Regentschaft der Agrys im Prinzip ohne viel eigenes Zutun und lediglich dadurch, dass er seinen gestohlenen Besitz zurückfordert. Lediglich sein gerechtigkeitsliebendes Wesen sorgt für die nötige Portion Chuzpe. Diesmal darf Scott dann auch als zufriedener, künftiger Rancher weiterreiten ohne dass es einer moralischen Läuterung bedürfte und sein Leben leben, wie er es sich vorgestellt hat.

8/10

Kalifornien Ranown Budd Boetticher Mexiko


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DECISION AT SUNDOWN (Budd Boetticher/USA 1957)


"Even a rattler gives a warning."

Decision At Sundown (Fahrkarte ins Jenseits) ~ USA 1957
Directed By: Budd Boetticher

Der Bürgerkriegsveteran Bart Allison (Randolph Scott) kommt mit seinem Freund Sam (Noah Beery Jr.) in das Nest Sundown, um den heimlichen Stadtoberen Tate Kimbrough (John Carroll) zu töten. Kimbrough hatte während Allisons Militärdienst mit dessen Frau Mary angebendelt, woraufhin diese sich das Leben genommen hat. Nun ist Allison blind vor Rachedurst. Für die ängstlichen Bürger von Sundown ergibt sich dadurch ein mehr oder weniger angenehmer Schicksalswink; stehen sie doch allesamt unter Kimbroughs Knute. Kimbrough, der just am Tage von Allisons Ankunft in Sundown heiraten will, sieht nach anfänglicher Selbstsicherheit seine Felle davonschwimmen...

Das dritte von insgesamt sieben kleinen Boetticher-Scott-Meisterwerken, die den B-Western Ende der fünfziger Jahre nachhaltig revolutionierten. "Decision At Sundown" gehört zu jenen Genrefilmen, in deren Mittelpunkt eine Städte-Katharsis steht: Durch ein rebellisches inneres oder äußeres Element sieht sich die bürgerliche Gemeinschaft genötigt, aus ihrer bisherigen Stasis zu erwachen und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. In "Decision" besorgt der rachedürstige Bart Allison, von Randolph Scott wie meist in den Boetticher-Filmen als knüppelharter Vergeltungssucher interpretiert, dieses Geschäft. Erst durch sein aufbegehrendes Verhalten erleben die Einwohner von Sundown, dass Unterwürfigkeit weniger ein Zeichen von Unterlegenheit, denn eines von Passivität bedeutet. Am wunderbarsten der kaum zu erwartende Schluss: Der vormalige Bösewicht wird nach einiger Vorbereitung als läuterungsfähiger Widersacher charakterisiert, der, wenn auch mit eingekniffenem Schwanz, das Weite suchen darf, um sich zu bessern. Tatsächlich geht Allison als Verlierer aus der Affäre hervor. Seine unbedachte Aktion hat letzten Endes das Leben seines besten Freundes gefordert. "Decision At Sundown" besteht somit als bravourös geschriebener und inszenierter Höhepunkt innerhalb seiner kleinen Reihe.

9/10

Ranown Budd Boetticher Rache Belagerung