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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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SHENANDOAH (Andrew V. McLaglen/USA 1965)


"If we don't try we don't do. And if we don't do, why are we here on this Earth?"

Shenandoah (Der Mann vom großen Fluss) ~ USA 1965
Directed By: Andrew V. McLaglen

Virginia, 1864: Der verwitwete Famer Charlie Anderson (James Stewart), Vater von sechs Söhnen und einer Tochter, hält aus Prinzip keine Sklaven und sich und seine Familie stoisch aus dem Kriegsgeschehen heraus. Wenngleich er von der konföderierten Armee und seinen Nachbarn misstrauisch beäugt wird, entpuppt sich seine kriegsfeindliche Haltung als äußerst bodenständig und weithin effektiv. Zumindest hat Anderson nicht den Verlust eines oder mehrerer Söhne zu beklagen. Als jedoch sein in einer Soldatenuniform spielender Jüngster Boy (Phillip Alford) von Unionssoldaten gefangen genommen und verschleppt wird, sieht sich Anderson gezwungen, zum Teil des Bruderkriegs zu werden. Zusammen mit vieren seiner Söhne und seiner Tochter Jennie (Rosemary Forsyth) zieht er los, um Boy zurückzuholen. Diese Aktion wird ihn viele Verluste und viel Schmerz kosten.

"Shenandoah" ist einer von McLaglens wichtigsten und schönsten Filmen, dessen Geist und Bedeutungskraft weit über das übliche inszenatorische Routinement des Regisseurs hinausragen. Nicht nur als Western, sondern auch als Antikriegsfilm und als Charakterporträt eines verzweifelt Strampelnden funktioniert "Shenandoah" ganz ausgezeichnet. Dies wird besonders gegen Ende deutlich, als ein desillusionierter Familienvater am Grab seiner Frau, zweier verlorener Söhne und einer Schwiegertochter einsehen muss, dass die Gewalt über die Geschicke einer Familie längst nicht bei ihrem Patriarchen verbleiben kann. Stewart musste in vielen seiner dramatischen Rollen ein entsetztes, geschocktes und trauriges Gesicht aufsetzen - hier jedoch rollen Tränen. Besonders bitter erscheint die Sequenz, dass der komplette, grundsätzlich durchaus positiv zu wertende Aktionismus, den Anderson im Laufe der Geschichte an den Tag legt, völlig nutzlos und ineffektiv bleibt. Gerade das aber verleiht "Shenandoah" zugleich eine Lebensweisheit, die man nur äußerst selten im Hollywoodkino, und gerade im Western findet. "The Wild Geese" ist und bleibt mein Lieblingsfilm von McLaglen, aber mit dieser jüngsten von mittlerweile sehr vielen Sichtungen rückt "Shenandoah" ein gutes Stück auf.

9/10

Andrew V. McLaglen Virginia Sezessionskrieg Familie Farm


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DESTRY RIDES AGAIN (George Marshall/USA 1939)


"All I want is to be a cowboy and to wear my own pants!"

Destry Rides Again (Der große Bluff) ~ USA 1939
Directed By: George Marshall

Da der krumme Saloonbesitzer Kent (Brian Donlevy) den vormaligen Sheriff des lockerlebigen Städtchens Bottleneck kurzerhand beseitigen ließ, wird der alte Säufer Washington "Wash" Dimsdale (Charles Winninger) zum neuen Amtsinhaber gekürt. Dieser lässt fortan den Schnaps Schnaps sein und besorgt sich mit dem jungen Tom Destry (James Stewart) erstmal einen "in Aufräumarbeiten erfahrenen" Assistenten. Umso größer Washs Enttäuschung und die allgemeine Belustigung, als Destry auftaucht und nichtmal einen Revolver trägt. Die Tingeltangelsängerin Frenchy (Marlene Dietrich) wirft dennoch ein interessiertes Auge auf den durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Destry...

"Destry Rides Again" ist innerhalb von nur sieben Jahren bereits die zweite Adaption der Geschichte um den unkonventionellen Gesetzeshüter Tom Destry, der in der Erstverfilmung von Tom Mix gespielt wurde. Später gab es dann noch eine Variation mit Audie Murphy. George Marshalls Version mit der Dietrich und Jimmy Stewart gilt gemeinhin als die beste und schönste und liefert einen weiteren elementaren Beitrag zum Western-Superjahr 1939, in dem fast jedes der großen Studios mindestens einen maßgeblichen Genrebeitrag ins Rennen warf. "Destry Rides Again" quillt über vor Glamour und Eleganz (die er vornehmlich der selten schöneren Marlene Dietrich verdankt) und läuft trotz seines Status als "Westernkomödie" niemals Gefahr, albern zu werden (im Grunde enthält er auch nicht mehr comic relief als jeder Errol-Flynn-Western). Im Gegenteil ist er ein Musterbeispiel an dialogischer Coolness - wie "die Luft da oben" sei fragt die angesichts Stewarts Größe sichtlich beeindruckte Dietrich ihn bei der ersten Begegnung und entgegnet ihm später, als er sagt, er wolle sie nicht beim Abendessen stören, dies sei ihr Frühstück. Natürlich war Hollywoods decency damals noch nicht ganz reif für soviel nachtschwärmerisches Selbstbewusstsein und ebensowenig durfte der Charakter der Frenchy mit ihren einmal begangenen Sünden davonkommen - wenngleich man sie am Ende zwangsläufig lieben muss. Also stirbt sie den (angemessen flamboyant inszenierten) Heldentod und Jimmy heiratet ein spießiges Bürgermädchen. Kinorealität anno 39, nichtsdestotrotz hochklassig.

9/10

George Marshall Poker Saloon


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THE MAN FROM THE ALAMO (Budd Boetticher/USA 1953)


"That's the answer you're going to get."

The Man From The Alamo (Der Mann aus Alamo) ~ USA 1953
Directed By: Budd Boetticher

Texas, 1836: In Fort Alamo stehen die letzten Überlebenden gegen die Truppen General Santa Annas. Um den Farmen und Familien der Milizkämpfer weiter nördlich gegen den drohenden mexikanischen Ansturm zu beschützen, wird John Stroud (Glenn Ford) per Losverfahren ausersehen, Alamo zu verlassen und in der Heimat nach dem Rechten zu sehen. Dort angelangt, muss Stroud feststellen, dass sämtliche Farmen dem Erdboden gleichgemacht und ihre Bewohner wurden - von amerikanischen Banditen in mexikanischer Kleidung, wie er von dem Waisenjungen Carlos (Marc cavell) erfährt. Im benachbarten Städtchen Franklin machen sich die Bewohner derweil soeben auf, vor den Mexikanern zu fliehen - Alamo ist gefallen. Als bekannt wird, dass Stroud kurz zuvor von dort weggeritten ist, wird er als Feigling und Deserteur gebrandmarkt. Doch er kann fliehen, die verhassten Gangster aufspüren und seine ehrliche Gesinnung beweisen.

Das Boetticher immer wieder begegnende Thema des loners, der seine Frau oder seine Familie an skrupellose Bösewichte verloren hat und sich nun auf einen blutigen Rachefeldzug begibt, findet auch in "The Man From The Alamo" seinen Platz. Ein harter, gänzlich humorfreier Western ist dieser geworden, zwar eher routiniert und noch nicht ganz so formvollendet wie die späteren Filme mit Randolph Scott, aber doch von einiger Qualität. Nicht nur um Rache, Schuld und Sühne geht es allerdings bei Boetticher, auch um die Reinwaschung des guten Namens des Helden - oftmals befindet sich dieser nämlich in einer schicksalhaften, prekären Situation, die ihn in einem völlig falschen Licht dastehen lässt, das erst wieder zurecht gerückt werden will - so auch in "The Man From The Alamo", in dem es um Feigheit vor dem Feinde und damit auch gegenüber der Heimatflagge geht. John Stroud ist allerdings viel zu stolz, um gegen die populistische Dummheit seiner Widersprecher anzugehen sowie, erschüttert über den Verlust seiner Familie und seines KJampfes, schon bereit, sein Verleumdungs-Schicksal anzunehmen. Schließlich bestimmt aber doch der Wunsch nach Gerechtigkeit sein Wirken. Glenn Ford, eher der hausmännliche, bürgerliche Typ, war nie ganz der große Star wie seine Kollegen, dennoch zählen viele seiner Western zu den bemerkenswertesten Genrebeiträgen. Warum das so ist, demonstriert Boettichers Film wieder einmal zur Genüge.

7/10

Budd Boetticher Alamo Texas Rache


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¡MÁTALO! (Cesare Canevari/E, I 1970)


Zitat entfällt.

¡Mátalo! (Willkommen in der Hölle) ~ E/I 1970
Directed By: Cesare Canevari

Drei ruchlose Desperados (Corrado Pani, Antonio Salines, Luis Dávila) und ihr Gangsterliebchen (Claudia Gravy) verstecken sich mit ihrem aus einem Postkutschenraub stammenden Gold in einer staubigen Geisterstadt. Dort lebt nurmehr eine schrullige Alte (Ana María Noé) im verblassenden Glanz ihrer früheren Tage, die schnell überwätigt ist. Als zwei Fremde, der umherziehende Ray (Lou Castel) und die verlassene Bridget (Ana María Mendoza) in die Stadt kommen, freut sich das bösartige Quartett zunächst, dass es was zum Demütigen hat. Dann jedoch kann sich Ray befreien und seine Peiniger zum Teufel jagen.

"¡Mátalo!" hat es als jenes delirierende Stück Film, das es letzten Endes geworden ist, bis heute schwer, willfährige Abnehmer zu finden. Allzu sperrig und eigenbrötlerisch gestaltet sich Canevaris sehr eigenwilliger Genrebeitrag, ist dabei weder außerordentlich blutig, noch sonderlich stringent erzählt. Der Plot bildet lediglich ein in variierter Form bereits tausendmal durchexerziertes, substanzloses Nichts und somit keine rechte Wirbelsäule - nur die Form gestaltet sich letztlich als aufsehenerregend, dies jedoch auf bizarre Art und Weise. Vermutlich hätte an Canevaris wilden, dialogarmen Bildern auch Jodorowsky seine Freude gehabt; die Musik peitscht mittels psychdelischer Rockgitarren durch den Staub, das Bild friert für Sekunden ein, immer wieder wird für ein, zwei Frames ein quietschendes Auge ins Geschehen geschnitten. Und am Ende fliegen dann die Bumerangs. Vermutlich will "¡Mátalo!" gar nicht gesehen, sondern erfahren werden. Halluzinogene und/oder andere Rauschmittel als Impressionsverstärker möchten an dieser Stelle zwar nicht ausdrücklich empfohlen, aber doch optional suggeriert werden. Huiuiui.

7/10

Cesare Canevari Geisterstadt Italowestern


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LAWMAN (Michael Winner/USA 1971)


"Did you feel the world turn beneath your feet?"

Lawman ~ USA 1971
Directed By: Michael Winner

Marshal Maddox (Burt Lancaster) kommt nach Sabbath, um fünf Mordverdächtige festzunehmen, die in seiner Stadt Bannock in volltrunkenem Übermut einen alten Mann getötet haben. Die fünf Männer, allesamt beim Großrancher Bronson (Lee J. Cobb) angestellt bzw. mit ihm verwandt, weigern sich, sich einer ordnungsgemäßen Verhandlung zu stellen und versuchen sich der Festnahme durch Maddox per Flucht oder Gegenwehr zu entziehen. Doch der Marshal ist unerbittlich in seinem Vorgehen.

Es ist, wie es ist. Gesetze gibt es, um Ordnung im Chaos zu schaffen und wer sich nicht an sie halten mag, muss mit den Konsequenzen leben. Oder mit ihnen sterben. Eine recht einfache Formel, die Michael Winners ersten von nur zweien (und damit grundsätzlich deutlich zu wenigen) Western jedoch ganz gut subsummiert. Gerald Maddox ist viel zu alt und viel zu abgeklärt, um seine Vorgehensweise noch moralischen Reflexionen zu unterziehen und als er es am Ende, in einem winzigen Augenblick der läuternden Hoffnung, doch mal kurz probiert, straft ihn die Realität auf der staubigen Straße prompt Lügen. Völlig erbost über jene brutale Antwort des Schicksals erschießt Maddox kaltblütig einen flüchtenden, unbewaffneten Feigling von hinten. Damit hat er endgültig jedwede Chance auf Erlösung verwirkt und die bereits zuvor akut drohende Versteinerung seines Wesens dürfte perfekt sein.
"Lawman" ist, wie "Chato's Land", ein tiefschwarzer und knüppelharter Gattungsbeitrag, dem der distanzierte Blickwinkel des britischen Filmemachers nur guttut. Die frühen Siebziger waren bekanntlich eine gute Zeit für Genreabgesänge und Requiems und "Lawman", als Kühlerfigur einer ohnehin großartigen Besetzung einen alternden, abgeklärten Burt Lancaster vorweisend, dessen letztes, zähnebleckendes Lächeln bereits vor vielen Jahren gelächelt wurde, ist einer der wegweisendsten unter ihnen.

9/10

Michael Winner Ranch


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RUN OF THE ARROW (Samuel Fuller/USA 1957)


"I got no stomach for politics."

Run Of The Arrow (Hölle der tausend Martern) ~ USA 1957
Directed By: Samuel Fuller

Der Konförderierten-Private O'Meara (Rod Steiger) erlangt traurige Berühmtheit als der die letzte Kugel des Bürgerkriegs abfeuernde Soldat von Appomatox. Sein Opfer Lieutenant Driscoll (Ralph Meeker) überlebt den Anschlag jedoch schwer verletzt und wird von O'Meara eigens zum nächsten Lazarett gebracht. Schwer frustriert über Lees Kapitulation dreht O'Meara seiner Heimat den Rücken und zieht als Abenteurer gen Westen, wo er dem alten, vormals als Scout beschäftigten Ogalala-Sioux Walking Coyote (Jay C. Flippen) begegnet, der zu seinem Volk zurückkehren möchte. Als O'Meara und Walking Coyote schließlich dem Sioux Crazy Wolf (H.M. Wynant) begegnen, wird ihr Leben der Prüfung des "Laufs des Pfeils" überantwortet: Das Opfer bekommt eine Pfeilschusslänge Vorsprung und muss dann barfuß vor seinen Häschern fliehen. Wird es erreicht, obliegt sein Leben den Verfolgern. Walking Coyote überlebt die Prüfung nicht, O'Meara wird von der Indianerin Yellow Moccasin (Sarita Montiel) in Obhut genommen. Als erster die Prüfung überlebender Mann wünscht sich O'Meara als Yellow Moccasins Gatte in den Stamm der Sioux aufgenommen zu werden, was ihm der kluge Häuptling Blue Buffalo (Charles Bronson) gewährt. Bald darauf zieht eine Kavallerieabteilung durch das Land, der auch der mittlerweile genesene Lieutenant Driscoll angehört und von der O'Meara sich als Scout anheuern lässt. Als dieser nach dem Tode des Kommandanten (Brian Keith) ranghöchster Offizier des Bataillons wird, begeht er einige folgenschwere militärische Fehler, die einen Krieg mit Blue Buffalo heraufbeschwören. O'Meara muss sich nunmehr für eine Seite entscheiden.

Für einen der schönsten und wichtigsten Western seiner Dekade ist es eine Schande, dass Fullers Meisterwerk "Run Of The Arrow" bis heute keine adäquate Veröffentlichung erfahren hat. Die kürzlich bei uns erschienene DVD jedenfalls macht ihm alles andere als seine verdiente Ehre und auch sonst gibt es weltweit bislang keine ernsthafte Alternative. Man kann nur hoffen, dass sich irgendwann ein renommiertes Label wie Criterion oder Eureka dieses großartigen Films annimmt und ihm ein gebührliches Release spendiert.
"Run Of The Arrow" ist ein Film über Lektionen und Identitätssuche, über Schuld, Sühne und charakterliche Borniertheit. Die das komplette Werk durchziehende Unkonventionalität beginnt bereits mit der Wahl des Protagonisten: Der zu einer strahlenden Heldenfigur sowieso wenig taugliche, weil im klassischen Sinne hässliche Rod Steiger spielt mit der ihm eigenen professionellen Brillanz einen unverbesserlichen, intellektuell schlicht gestrickten Kommisskopf, der große Mühe hat, die Zeichen der Zeit anzuerkennen, geschweige denn zu akzeptieren, und der mit seiner nach dem Krieg übrigbleibenden Missgunst gegenüber der nationalen Situation nicht fertig wird. Seine zuletzt abgefeuerte Kugel, mit der er jenen (instinktiv zu Recht) verhassten Nordstaaten-Offizier verwundete, behält er als eine Art Tailsman, der am Ende dann doch noch, als Akt der Gnade freilich, seiner ursprünglichen Determination zugeführt werden kann.
Dann ist da die Annäherung zwischen Weiß und Rot. Da wir es mit einem Fuller-Film zu tun haben, kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass "schmalzige Romantik", wie der Regisseur sie vermutlich im thematisch ähnlich gestrickten "Broken Arrow" von Delmer Daves ausgemacht haben wird, großräumig zu umschiffen ist; ein Maximum an narrativen Wendlungen wird in ein relatives Minimum an Erzählzeit gepresst. Dennoch wirkt sein Film niemals gehetzt, bleibt im Gegenteil stets vollends schlüssig, konzentriert und pointiert. Und trotz jener oberflächlich ausbleibenden Emotionalität gibt es herzzereißende Szenen: Ein Kavalleriesoldat bezahlt die Rettung eines stummen Indianerkindes (Billy Miller) aus Treibsand mit dem eigenen Leben; für O'Meara ein Anlass, seine misanthropische Haltung gegenüber den verhassten Nordstaatlern vielleicht doch noch einmal zu überdenken. Ebenso wie die sich behutsam aufbauende Freundschaft zu dem Regimentskommandaten Clark (Keith), der als ebenso geduldiger wie deutlich intellektuellerer Diskussionspartner dem sturen O'Meara einige neue Perspektiven zu eröffnen weiß. "Run Of The Arrow" feiert auch die Individualität. Ihm geht es nicht um Nationen, Stämme, Rassen oder verfeindete Armeen, sondern um Menschen; er reduziert das Wesen der Zwischenmenschlichkeit sozusagen auf seinen kleinsten gemeinsamen Nenner. Darüberhinaus wartet seine Inszenierung mit immens unbequemem Naturalismus auf. Unter anderem dürfte "Run Of The Arrow" einen der ersten Kopfschüsse in Großaufnahme zeigen - ein regelrechter visual shock.

10/10

Samuel Fuller Indianer Sezessionskrieg Kavallerie Militär


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CATTLE QUEEN OF MONTANA (Allan Dwan/USA 1954)


"New job, new gun."

Cattle Queen Of Montana (Königin der Berge) ~ USA 1954
Directed By: Allan Dwan

Kaum an ihrem neu erworbenen Stück Land in Montana angelangt, werden Pop Jones (Morris Ankrum) und seine Tochter Sierra (Barbara Stanwyck) von dem abtrünnigen Blackfoot Natchakoa (Anthony Caruso) und seinen Männern überfallen. Der Indianer tötet den alten Jones nebst fast aller seiner Mitarbeiter und stiehlt die gesamte mitgebrachte Viehherde. Als der wohlerzogene Häuptlingssohn Colorados (Lance Fuller) Sierra und den alten Nat (Chubby Johnson) findet, nimmt er sie mit und pflegt sie gesund. Sierra muss lernen, dass Indianer nicht gleich Indianer ist, zumal der längst dem Feuerwasser verfallene Natchakoa nur im Auftrag des gierigen Ranchers McCord (Gene Evans) handelt. In Colorados und dem verdeckt ermittelnden Agenten Farrell (Ronald Reagan) findet Sierra treue Gefährten im Kampf gegen McCord und Natchakoa.

Naiver Klischeewestern, der seinen weiblichen Star und Titelhelden, die damals immerhin 46-jährige Stanwyck, als junges Gör zu verkaufen sucht und seinem bildungsfernen Publikum einige erleuchtende Weisheiten über die natives mitgibt: Richtig böse war nämlich eigentlich keiner von denen, nur der ihnen vom weißen Mann verabreichte Whiskey hat das Monster in ihnen hervorgelockt. Dann gab es noch die, die eine weiße Edukation genießen durften, wie den braven Colorados, dessen Lieblingssatz denn auch der folgende ist: "Mein Herz ist schwer". Solche domestizierten Insmen sind uns und dem Film natürlich am liebsten. Der als Schauspieler immerhin noch mittelmäßig talentierte Reagan sorgt für einige Twists in der mauen Geschichte. Man ahnt gleich bei seinem ersten Auftritt, dass der Kerl eigentlich ganz okay sein muss, später gibt er sich dann undurchsichtig, bis der erlösende Knutscher von Barbara alle Zweifel beseitigt.
"Cattle Queen" ist, um mich nochmals fazitär zu wiederholen, ein - bis auf seine schönen Farbkompositionen - ziemlich einfältiger, kleiner Film, der Liberalität heuchelt, in Wahrheit jedoch erzkonservativ daherkommt und dem immerhin die Krautwestern der Sechziger viel Fleisch für ihrer Illustration des "edlen Wilden" verdanken.

5/10

Allan Dwan Montana Indianer


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THE CALL OF THE WILD (William A. Wellman/USA 1935)


"I'll take bourbon. It kills you slower, but a lot more pleasant like."

The Call Of The Wild (Goldfieber In Alaska) ~ USA 1935
Directed By: William A. Wellman

Alaska, 1900: Durch Zufall erfährt der Glücksritter Jack Thornton (Clark Gable) von einem vakanten Claim in der Wildnis, dessen ehemaliger Besitzer kürzlich verstorben ist. Zusammen mit seinem Kumpel Shorty (Jack Oakie) und dem ungebärdigen, aber treuen Bernhardiner Buck macht sich Thornton auf, die Schürfstelle zu finden und in Beschlag zu nehmen. Mitten im Schnee lesen sie die verlassene Claire Blake (Loretta Young) auf, deren Ehemann John (Frank Conroy) von einer Jagd nicht zurückgekehrt ist. Jack verliebt sich in Claire, nicht ahnend, dass John noch lebt.

Brave London-Adaption von William Wellman, die weniger von einer Romanze in den eisigen Weiten des nördlichsten US-Staates erzählt, denn von der Freundschaft eines Mannes zu seinem Hund. Der knuffige Buck dient dabei als etwas plump codiertes Symbol des typisch maskulinen Freiheits- und Paarungsdranges: Während der bärenstarke Bernhardiner eine Romanze mit einer Wolfsdame pflegt, hat der arme Thornton beziehungstechnisch leider das Nachsehen. Wenngleich sich sich ihm die schöne Loretta bereits zur Hälfte hingegeben hat, so ergreifen ganz fix wieder zivilisatorische Domestizierung und Ratio Besitz von ihr, als ihr totgeglaubter Ehemann schließlich doch wieder auf der Bildfläche erscheint. Immerhin ist Buck mittlerweile stolzer Papa ein paar süßer kleiner Berner-Wolf-Bastarde und Jack und Shorty werden stinkreich. Auch nicht die schlechteste Entwicklung für ein Trio gestandener Mannsbilder.

7/10

William A. Wellman Alaska Goldrausch period piece Hund Jack London


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WESTBOUND (Budd Boetticher/USA 1959)


"I'd appreciate that."

Westbound (Messer an der Kehle) ~ USA 1959
Directed By: Budd Boetticher

Während des Sezessionskrieges wird der Unionsoffizier John Hayes (Randolph Scott) mit der Spezialmission betraut, eine für die Armee strategisch wichtige Postkutschenstation der Overland-Linie in dem Nest Julesburg, Colorado aufzubauen, um von dort aus die Goldtransporte von Kalifornien nach dem Osten besser überwachen und vor konföderierten Plünderern sichern zu können. Zusammen mit dem jungen Kriegsinvaliden Miller (Michael Dante) und dessen Frau (Karen Steele) gelingt das Vorhaben, doch der südstaatentreue Stadtobere Putnam (Andrew Duggan), ein alter Rivale von Hayes, der zudem dessen frühere Geliebte (Virginia Mayo) geheiratet hat, versucht mit allen Mitteln, Hayes' Aktivitäten in Julesburg zu durchkreuzen. Dabei unterstützen ihn besonders der rücksichtslose Bandit Mace (Michael Pate) und dessen Gang.

"Westbound", der fünfte Beitrag des insgesamt siebenteiligen "Boetticher-/Scott-Zyklus", gilt gemeinhin als schwächster Film jener kleinen Serie, die, für vergleichsweise geringes Geld produziert, durchweg gewisse thematische und formale Analogien aufweist und gemeinhin als geheime Meisterwerke des Genres und Spitzenkollaborationen eines Regisseurs und seines Leibdarstellers gilt; ähnlich wie bei Ford/Wayne oder Mann/Stewart. Augenscheinlich war Boetticher selbst nicht ganz mit "Westbound" zufrieden. Zum Einen schätzte er die ausnahmsweise Arbeit für Warner nicht, zum Anderen vermisste er seinen obligatorischen Mitstreiter Burt Kennedy als Scriptautor. Entsprechend oberflächlich die psychologische Zeichnung der Figuren: Scott ist als alternder Kriegsheld deutlich schattierungsärmer und simpler gezeichnet als seine oftmals zerrissenen, nach Rache dürstenden Einzelgänger in den übrigen Filmen der Reihe. Zudem fungiert er eher als väterlicher Freund des jungen Ehepaars im Film, wobei, daran lässt das Ende nur wenig Zweifel, er vermutlich und pikanterweise schließlich die wesentlich jüngere, ihm nachschmachtende Witwe heiraten wird. Auch bemäkelte Scott, dass ihm auf Seiten der Finsterlinge kein Haudegen vom Schlage eines Lee Marvin oder Claude Akins zur Verfügung stand.
Doch, wie sagt man so schön: Das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Ein Western von Boetticher, mit Schmiss und Schwung inszeniert, stets fesselnd und unterhaltend, ist auch ohne das letzte Glanzfinish immer noch ein besserer Genrefilm als achtzig Prozent aller übrigen Genrefilme.

7/10

Budd Boetticher Sezessionskrieg Militär Colorado


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THE WESTERNER (William Wyler/USA 1940)


"I'm as much an attorney as you are a judge!"

The Westerner (In die Falle gelockt) ~ USA 1940
Directed By: William Wyler

Vinegarroon, Texas in den 1880ern. Der umherziehende Abenteurer Cole Harden (Gary Cooper) trifft auf den diktatorisch agierenden "Hanging Judge" Roy Bean (Walter Brennan), der ihn sogleich wegen Pferdediebstahls anklagt und hängen will. Glücklicherweise kann Harden den Fall rasch zu seinen Gunsten aufklären und begeht hernach eine höchst seltsame Freundschaft mit dem zum Größenwahn neigenden Richter. Als dieser sich als weniger verlässlich herausstellt als Harden ihm zugetraut hätte und sich als verlängerter Arm der örtlichen Viehzüchter entpuppt, lässt sich Harden zum Hilfssheriff ernennen und stellt Bean eine Falle.

Roy Bean und sein zum Gerichtssaal umfungierter Saloon zählen zu den großen Mythen des Wilden Westens und wie es ebenjene Mythen im Allgemeinen so an sich haben, nahm sich irgendwann Hollywood ihrer an und machte einen schönen, historisch höchst unakkuraten Film daraus. Dass "The Westerner" weniger durch Authentiztitätstreue denn durch seine schöne Atmosphäre und die Beschreibung einer höchst eigenwilligen Freundschaft glänzt, gehört zum Wesen der Gattung. Die Beziehung zwischen Bean und Harden wurde von Filmhistorikern nicht selten als eine latent homoerotische erörtert, worin durchaus ein Funken Wahrheit zu finden ist. Auch wenn jeweils beide sich zu für sie nur schwer zu erobernden Damen [Bean verehrt die Sängerin Lily Langtry (Lilian Bond), während Harden der aufrechten Farmerstochter Jane (Doris Davenport) nachsteigt, die ihn schließlich sesshaft werden lässt] hingezogen fühlen, können sie einen undefinierbaren, magischen Draht zueinander, der ihr aufkeimendes Vater-Sohn-Verhältnis umso mehr erschwert, nicht leugnen. Am Ende, Brennan hat eine der schönsten Sterbeszenen im ganzen Western-Genre, ebnet Harden ihm seinen Weg ins Jenseits auf eine fast schon als zärtlich zu bezeichnende Weise. Überhaupt Walter Brennan: Sonst gern als zahnloser, väterlicher best friend von John Wayne und James Stewart besetzt, kann dieser bei allen großen Filmemachern stets gern gesehene Gast einmal zeigen, was wirklich in ihm steckte. Suff, Freundschaft, Verrat, Tod. Das Leben eben.

9/10

William Wyler Texas Cattle War Roy Bean





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