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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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GUNSLINGER (Roger Corman/USA 1956)


"You're not bad, you're just no good."

Gunslinger (Sonntag sollst du sterben) ~ USA 1956
Directed By: Roger Corman

Nachdem ihr Mann Marshal Hood (William Schallert) ermordet wurde, übernimmt dessen knallharte Witwe Rose (Beverly Garland) vorübergehend den Posten des Gesetzeshüters in der Kleinstadt Oracle. Ihre Erzfeindin, die Saloonbesitzerin Erica Page (Allison Hayes), die gerade dabei ist, sich sämtliche Grundstückskonzessionen für den geplanten Bau der Eisenbahn unter den Nagel zu reißen, fackelt nicht lang und engagiert den Revolverhelden Cane Miro (John Ireland), Rose unter die Erde zu bringen. Doch die beiden sind sich alles andere als abhold...

Ein sagenhaft schlechter Film, gespickt mit so ziemlich allem, was man falsch machen kann und demzufolge ein taugliches Lehrstück für das akademische Seminar "Don'ts in filmmaking". Eilends heruntergekurbelt in schäbigen Lattenkulissen und bei Lichtverhältnissen, die jeden halbwegs beflissenen dp in die Flucht schlagen müssten, dazu gesäumt von potthässlichem, schmierigem Pathé-Color, besetzt mit einer Ägide mieser und dazu noch miesaufgelegter Darsteller und mit einem Dialogscript bestückt, das sich einem katzenjammerartig die Zehnägel hochrollen lässt. Die Story ist ein Abklatsch von "Johnny Guitar", ohnehin ein künstlerisches Monument, im Direktvergleich eine Offenbarung. Die Crawford und die McCambridge hätten die Garland und die Hayes jeweils mit einem Pusteruhr zur Hölle gejagt. Und Corman? Der wird sich damals, noch jung und unverschämt, vielleicht gedacht haben: "Was der Ray bei der Republic kann, das kann ich schon lange, nur mit weniger Patte und Motivation und wahrscheinlich lieben mich die blöden Froschschenkelfresser von drüben dafür nicht weniger." Pustekuchen, mein Alter. Das Konzept vom billigst Verfügbaren geht eben nicht immer auf. "Gunslinger" bietet jedenfalls Corman at his horrifying worst.

2/10

Roger Corman


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HIGH NOON (Fred Zinnemann/USA 1952)


"I've got to, that's the whole thing."

High Noon (12 Uhr Mittags) ~ USA 1952
Directed By: Fred Zinnemann

Marshal Will Kane (Gary Cooper) hat soeben seine bezaubernde Braut, die Quäkerin Amy (Grace Kelly) geehelicht, da erreicht ihn die Nachricht, dass sein alter Erzfeind Frank Miller (Ian MacDonald) aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich im Mittagszug nach Hadleyville befindet. Kane hatte den gewissenlosen Miller einst dingfest gemacht und seine Bande zerschlagen. Um Punkt 12 wird der Zug einfahren, in 80 Minuten. Jedermann rät Will, mit seiner Frau das Weite zu suchen, doch für den Gerechtigkeitsfanatiker Kane kommt Flucht bloß purer Feigheit gleich und damit nicht in Frage. Andererseits findet er unter den Einwohnern der Stadt jedoch auch keinerlei Unterstützung; alle sind zu ängstlich oder haben andere, fadenscheinige Gründe, ihn im Stich zu lassen. Darüberhinaus gefällt der pazifistischen Amy Wills Verhalten überhaupt nicht. Schließlich steht Kane alleine gegen Miller, seinen Bruder (Sheb Wooley) und zwei weitere Ganoven (Lee Van Cleef, Robert Wilke).

"High Noon" ist ja irgendwann zu einem Meta- und Schulfilm geworden, der wohl nicht selten fast schon zu Tode analysiert worden wäre wegen seiner Montage, seiner crane shots und Leitmotivik umfassenden Kamerafahrten und blablabla. Joe Hembus konstatierte, der Film "halte zuallererst mal sehr viel von seinen eigenen Qualitäten", was nicht eben sonderlich charmant formuliert ist. Zinnemann selbst frohlockte in einem Filminterview von Charlotte Kerr, "High Noon" sei im Grunde gar kein Western, er könne sich im Prinzip vor jedem Milieu ereignen und trüge nur der äußeren Simplifikation halber dieses Gewand. Das ist natürlich völliger Mumpitz, ebenso wie die besonders gern von Laien vertretene Aussage, erst dieser Film habe die Psychologie und gesellschaftspolitische Implikationen in den Filmwestern gebracht.
Selbstverständlich ist diese kraftvolle, kernige Geschichte einzig und allein in dieser Form, nämlich als Western, denkbar, angesiedelt in einer staubigen Kleinstadt voller bigotter Kirch- und Saloongänger, in der irgendwo Pferde im Stall stehen, Stetsons und Heftsterne getragen werden und Patronengurts am Haken hängen; kurz: in der Gary Cooper Marshall ist, wenn auch - kein Wunder - nicht mehr lange. Man sollte wirklich auf nichts und niemanden hören betreffs "High Noon", es entginge einem die pure, unverderbbare Magie jenes Films, der mit Sicherheit nicht der beste und tollste Western aller Zeiten ist, aber zusammen mit vielen, vielen anderen trotzdem aufs Siegertreppchen gehört.

10/10

Fred Zinnemann Echtzeit Rache


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THE GLORY GUYS (Arnold Laven/USA 1965)


"It's your turn now."

The Glory Guys (Die glorreichen Reiter) ~ USA 1965
Directed By: Arnold Laven

In Windeseile muss Captain Harrod (Tom Tryon) von der 3. Kavallerie ein Regiment zusammenstellen und für einen von seinem karrieresüchtigen Vorgesetzten General McCabe (Andrew Duggan) geplanten Feldzug gegen die Sioux ausbilden. Nicht nur, dass Harrods Männer fast durch die Bank undisziplinierte Amateure darstellen, die besonderen Schliffs bedürfen, hat er sich auch noch mit dem Scout Sol Rogers (Harve Presnell) um die Liebe der schönen Lou (Senta Berger) zu rivalisieren und unter dem Größenwahn des Generals zu leiden. Am Ende bekommen jedoch fast alle, was sie verdienen.

Verhältnismäßig wenig bekannter, dafür umso feinerer Kavallerie-Western in der Tradition der entsprechenden Filme Fords; versehen mit einem epischen Hauch, aufwändig inszeniert und mit großangelegten Massenszenen garniert. Viel Herzschmerz, Männerfreundschaft und Heldentum kennzeichnen die noch recht geordnete, weithin unschattierte Welt von "The Glory Guys". Das entsprechende Script dazu stammt von Peckinpah, der sich in Teilen bei der späten Biographie General Custers bediente. Abgesehen von der wohl bewusst unterschiedlich gehaltenen Physiognomie entspricht der Charakter General McCabes recht exakt dem historisch verbrieften von Custer und auch die finale Schlacht zwischen Indianern und Soldaten ähnelt stark den berühmten Ereignissen vom Little Big Horn.
Peckinpah soll wohl auch angefangen haben, den Film zu inszenieren, um dann später vom B-Film-Routinier Laven abgelöst zu werdeen; davon ist jedoch bestenfalls wenig zu spüren. Allerdings sprechen manche Details dann doch dafür, etwa die Besetzungsauswahl. Ansonsten finde ich bemerkenswert, dass ich die Gratwanderung zwischen Western und Kriegsfilm selten so zugespitzt vorgefunden habe, wie im Falle von "The Glory Guys". Die Indianerkriege dienen nämlich vor allem als geschichtliche Blaupause für ein mit allen Wassern gewaschenes Kriegsepos, was eine Klassifizierung des Films als letzteres denn auch umweglos ermöglicht.

8/10

Indianer Kavallerie Sam Peckinpah Arnold Laven Indianerkriege


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THE DEERSLAYER (Kurt Neumann/USA 1957)


"Well, all Indians are superstitious."

The Deerslayer (Lederstrumpf: Der Wildtöter) ~ USA 1957
Directed By: Kurt Neumann

Zu Zeiten des Englisch-französischen Krieges gerät auch der Kampf der Siedler gegen die Ostküsten-Stämme der nordamerikanischen Indianer zu einem erbitterten Nebenschauplatz: Die Huronen, Delawaren, Mohikaner, Irokesen und Mingos gehen erbarmungslos gegen die weiße Landnahme vor, was dazu führt, dass die Skalpjägerei auf der Seite der Weißen zu einem gesetlich legitimierten, einträglichen Geschäft wird. Inmitten dieser Scharmützel treffen die Blutsbrüder Wildtöter (Lex Barker) und der Mohikanerhäuptling Chingachcook (Carlos Rivas) auf den fanatischen alten Skalpjäger Hutter (Jay C. Flippen), seine beiden Töchter Hetty (Rita Moreno) und Judith (Cathy O'Donnell), sowie seinen Geschäftspartner Harry March (Forrest Tucker). Die Mingos sind hinter Hutters Skalps her und Wildtöter und Chingachcook beschützen ihn nach Kräften vor den grausamen Indianern, wenngleich sie mit seiner Vorgehensweise alles andere als einverstanden sind.

Ausnahmsweise ein reiner Erfahrungsbericht: Die jüngst auf DVD erschienene, mir vorliegende Fassung von "The Deerslayer" zu beurteilen, erweist sich als praktisch unmöglich, da sie keinesfalls den von Neumann inszenierten Integralschnitt beinhaltet, sondern eine im Deutschland der Sechziger ummontierte "Spezialversion". Diese entstand, um Lex Barker, der als Natty Bumpoo im Grunde nichts anderes als eine Vorstudie zu seinem Old Shatterhand gibt, vor dem Hintergrund der May-Filme von Rialto und CCC eine zusätzliche Erfolgsplattform im deutschen Kino zu verschaffen. 1965 wurde der Film, erleichtert um einige Skalpier-Sequenzen und stattdessen "angereichert" mit einigen im Grunde völlig unpassenden Actionszenen aus Ernst Hofbauers "Die schwarzen Adler von Santa Fé", von den Münchenern neu synchronisiert (u.a. mit Barkers jetzigem Stammsprecher G.G. Hoffmann) und mit typischer "Euro-Musik" von Gert Wilden ausgestattet, wiederaufgeführt, um die wachsende Zahl May-Fans in die Kinos zu holen. Aus diesem Umstand heraus erfolgt wohl auch die Nennung des mysteriösen Zweitregisseurs "Clinf Reinard", dessen reale Existenz ich für fraglich halte. Erwartungsgemäß ist infolge all dieser Modifikationen vom Original wenig übrig geblieben und wenngleich die Ummontierung durchaus sorgfältig gelungen ist, so bleibt sie doch eine künstlerisch überaus fragwürdige Angelegenheit, die retrospektiv bestenfalls eine sekundäre Vergleichsfunktion erfüllen kann. Natürlich ist es rein basal betrachtet nicht nur völliger Blödsinn, sondern darüber hinaus eine handfeste Unverschämtheit, die von Cooper vor dem historischen Hintergrund des Siebenjährigen Krieges angesiedelten "Lederstrumpf"-Geschichten um handelsübliche Wildwest-Sequenzen mit Planwagen und Militärforts zu ergänzen, die sich, laut Off-Erzähler-Weissagung, zudem im Osten des Landes befinden sollen, dabei jedoch ganz offensichtlich den Westen darstellen, und dem gutwilligen Zuschauer somit eine blamable Halbbildung zu unterstellen. Ebendiese Version, die wie erwähnt kaum mehr als ein nationales, filmhistorisches Kuriosum markiert, befindet sich jedoch, in immerhin schöner Qualität, als einzige auf der DVD. Von Neumanns ursprünglicher Fassung ist weit und breit nichts zu sehen und die Anschaffung des Silberlings damit höchstens für Komplettisten zuzuraten. Bleibt zu hoffen, dass uns irgendwann auch die Integralversion mit originaler Synchro zugänglich gemacht werden kann.

period piece Kurt Neumann Lederstrumpf J.F. Cooper French-/Indian War Siebenjähriger Krieg


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MAD DOG MORGAN (Philippe Mora/AU 1976)


"What a beautiful day today."

Mad Dog Morgan ~ AU 1976
Directed By: Philippe Mora

Victoria, 1854: Der Goldsucher Daniel Morgan (Dennis Hopper) wird Zeuge eines brutalen, rassistisch motivierten Überfalls auf eine chinesische Opiumhöhle, verübt infolge polizeilicher Willkür. Hernach wird er selbst zum Räuber, in der Folge jedoch geschnappt und für viele Jahre in ein Arbeitslager gesteckt, das er wegen guter Führung vorzeitig verlassen darf. Frustriert von der staatlichen Arroganz setzt Morgan seinen vormals eingeschlagenen Kurs fort, tut sich mit dem Halb-Aborigine Billy (David Gulpilil) zusammen und beginnt im Hinterland von New South Wales ein mehrjähriges Outlaw-Dasein. Als er später, von Billy getrennt, die Grenze zurück nach Victoria übertritt, kann die ihn bereits lange suchende Polizei stellen und erschießen.

Einer der wichtigsten australischen Filme der siebziger Jahre, die das Erstarken des hier im Entstehen begriffenen, neuen lokalen Kinos förderte und begünstigte. Der schillernde Charakter des Daniel Morgan, seines Zeichens Alkoholiker, Gewaltverbrecher und freiheitsliebender, obrigkeitsfeindlicher Anarchist, scheint wie geschaffen für Dennis Hopper, der zu dieser Zeit selbst etwas den Boden unter den Füßen verloren hatte und das zuweilen stark in irrationale geistige Gefilde abdriftende Vorbild somit perfekt verköpern konnte. "Mad Dog Morgan", der Film, ist ähnlich wie "Walkabout" und "Picnic At Hanging Rock" auch eine Meditation über die urwüchsige Natur des Kontinents; Mora schwelgt und schwebt mittels langer Einstellungen durch die uns Europäern höchst befremdlich erscheinende Landschaft, verharrt gern vor ovalen Felsen und bunten Blumenwiesen und schneidet seinen Protagonisten dazwischen wie ein in der Wildnis aufgegangenes Rumpelstilzchen, das, dem Suff ergeben, gern auch mal die Kanonen sprechen lässt. Dem der Commonwealth-Autorität ohnehin stark abgeneigten Landvolk ist Morgan eine Art republikanischer Antiheld, ein Art verjüngter Cromwell, der allerdings von vornherein bloß zur Mythenbildung taugt: Australien ist schlicht zu weitläufig, heiß und verträumt, um hier offensiv Revolution zu machen. Umso besser für das geneigte Publikum, das sich somit ganz entspannt in "Mad Dog Moras" Meisterstück fallen lassen kann.

9/10

Alkohol Biopic Philippe Mora Historie period piece Australien


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BUCHANAN RIDES ALONE (Budd Boetticher/USA 1958)


"You don't like this town?" - "I don't like some of its people."

Buchanan Rides Alone (Sein Colt war schneller) ~ USA 1958
Directed By: Budd Boetticher

Tom Buchanan (Randolph Scott), der im mexikanischen Bürgerkrieg für die Juáristen gekämpft hat, überquert in Kalifornien die Grenze heimwärts, um in Westtexas eine Ranch zu gründen. Als er durch das von den drei feisten Agry-Brüdern (Tol Avery, Barry Kelley, Peter Whitney) beherrschte Grenzstädtchen Agry Town kommt, schlägt ihm eine Welle der Unsympathie entgegen. Als der junge Mexikaner Juan (Manuel Rojas) den betrunkenen Roy Agry (William Leslie), Sohn des Bürgermeisters Lew (Avery), der Juans Schwester vergewaltigt hat, erschießt und daraufhin von einer Übermacht zusammengechlagen wird, kommt ihm Buchanan zur Hilfe. Beide landen im Gefängnis und sollen hingerichtet werden - Juan in aller Öffentlichkeit, Buchanan weit außerhalb der Stadt, da er zum Schein freigesprochen wird. Doch kann er seiner Exekution entgehen und Juan rechtzeitig retten. Den Agry-Brüdern wird derweil ihre Geldgier zum Verhängnis.

Ein weiterer "Reinigungs-Western" aus dem Hause Boetticher/Scott. Diesmal gerät Randolph als Tom Buchanan ganz motivationslos und unvermittelt in das feindliche Geschehen, muss jedoch durch seine mehr oder weniger unfreiwillige Involvierung das begonnene Befreiungsgeschäft zu Ende führen. Die drei Agrys sind dabei Musterexemplare des fetten, kapitalistischjen Despoten: Böse, faul und geldgierig lauern sie auf jede Gelegenheit, einen schnellen Dollar zu machen und ihre Machtkompetenzen zu erweitern. Dass bei soviel gegenseitiger Übervorteilung ein symbolischer Schuss nach hinten losgehen muss, ist lediglich eine Frage der Zeit. Buchanan sorgt mit seinem Erscheinen in Agry Town für den rechten Anlass und bricht die Regentschaft der Agrys im Prinzip ohne viel eigenes Zutun und lediglich dadurch, dass er seinen gestohlenen Besitz zurückfordert. Lediglich sein gerechtigkeitsliebendes Wesen sorgt für die nötige Portion Chuzpe. Diesmal darf Scott dann auch als zufriedener, künftiger Rancher weiterreiten ohne dass es einer moralischen Läuterung bedürfte und sein Leben leben, wie er es sich vorgestellt hat.

8/10

Kalifornien Ranown Budd Boetticher Mexiko


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DECISION AT SUNDOWN (Budd Boetticher/USA 1957)


"Even a rattler gives a warning."

Decision At Sundown (Fahrkarte ins Jenseits) ~ USA 1957
Directed By: Budd Boetticher

Der Bürgerkriegsveteran Bart Allison (Randolph Scott) kommt mit seinem Freund Sam (Noah Beery Jr.) in das Nest Sundown, um den heimlichen Stadtoberen Tate Kimbrough (John Carroll) zu töten. Kimbrough hatte während Allisons Militärdienst mit dessen Frau Mary angebendelt, woraufhin diese sich das Leben genommen hat. Nun ist Allison blind vor Rachedurst. Für die ängstlichen Bürger von Sundown ergibt sich dadurch ein mehr oder weniger angenehmer Schicksalswink; stehen sie doch allesamt unter Kimbroughs Knute. Kimbrough, der just am Tage von Allisons Ankunft in Sundown heiraten will, sieht nach anfänglicher Selbstsicherheit seine Felle davonschwimmen...

Das dritte von insgesamt sieben kleinen Boetticher-Scott-Meisterwerken, die den B-Western Ende der fünfziger Jahre nachhaltig revolutionierten. "Decision At Sundown" gehört zu jenen Genrefilmen, in deren Mittelpunkt eine Städte-Katharsis steht: Durch ein rebellisches inneres oder äußeres Element sieht sich die bürgerliche Gemeinschaft genötigt, aus ihrer bisherigen Stasis zu erwachen und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. In "Decision" besorgt der rachedürstige Bart Allison, von Randolph Scott wie meist in den Boetticher-Filmen als knüppelharter Vergeltungssucher interpretiert, dieses Geschäft. Erst durch sein aufbegehrendes Verhalten erleben die Einwohner von Sundown, dass Unterwürfigkeit weniger ein Zeichen von Unterlegenheit, denn eines von Passivität bedeutet. Am wunderbarsten der kaum zu erwartende Schluss: Der vormalige Bösewicht wird nach einiger Vorbereitung als läuterungsfähiger Widersacher charakterisiert, der, wenn auch mit eingekniffenem Schwanz, das Weite suchen darf, um sich zu bessern. Tatsächlich geht Allison als Verlierer aus der Affäre hervor. Seine unbedachte Aktion hat letzten Endes das Leben seines besten Freundes gefordert. "Decision At Sundown" besteht somit als bravourös geschriebener und inszenierter Höhepunkt innerhalb seiner kleinen Reihe.

9/10

Ranown Budd Boetticher Rache Belagerung


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BLAZING SADDLES (Mel Brooks/USA 1974)


"Mornin', ma'am. And isn't it a lovely mornin'?" - "Up yours, nigger."

Blazing Saddles (Der wilde, wilde Westen) ~ USA 1974
Directed By: Mel Brooks

Das Städtchen Rock Ridge soll der Eisenbahn weichen, weswegen der böse Hedley Lamarr (Harvey Korman) alles dafür tut, die Einwohner zu vertreiben. Nachdem selbst der Einsatz des schwarzen Sheriffs Bart (Cleavon Little) nebst einigen anderen Gemeinheiten nicht den gewünschten Effekt besorgt, heuert Lamarr sämtliche Desperados und Galgenvögel der Umgebung an, um Rock Ridge dem Erdboden gleich zu machen. Doch Bart und sein neuer Kumpel Waco Kid (Gene Wilder) haben eine Wahnsinnsidee...

Respektlose Westernparodie, die zugleich eine wunderhübsche Rassismus-Satire abgibt. Brooks selbst ist in zwei Rollen zu sehen, als schielender, notgeiler Gouverneur und als jiddisch sprechender Sioux-Chief, jeweils absolute Highlights des Films. Ansonsten wäre natürlich die berühmte "Lagerfeuer-Szene" hervorzuheben, in der etwa zwanzig Cowboys schweigend um besagte Wärmequelle herumhocken, Bohnen essen und in vollster Lautstärke furzen und rülpsen. Vermutlich handelt es sich hier um eine Pionierleistung - die erste große Furzszene der Leinwand. Schließlich darf die große Madeline Khan als Tingeltangelsängerin Lili von Shtupp nicht vergessen werden, die eine unglaubliche Dietrich-Persiflage hinlegt. Der helle Wahnsinn.

8/10

Rassismus Mel Brooks Parodie Satire Eisenbahn Farce


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BLUE (Silvio Narizzano/USA 1968)


"Let me do this."

Blue (Inferno am Fluss) ~ USA 1968
Directed By: Silvio Narrizano

Der verwaiste Azul (Terence Stamp) hat sich infolge seiner Adoption durch den mexikanischen Bandenführers Ortega (Richardo Montalban) dessen Bande angeschlossen. Der schweigsame, junge Revolverheld genießt das Töten und hat bisweilen regelrecht gewalttätige Momente. Dies ändert sich jedoch im Zuge eines Überfalls, den Ortega und seine Leute auf eine Farmersiedlung nördlich des Grenzflusses verüben. Unter Einsatz seines eigenen Lebens kann Azul gerade noch die Vergewaltigung der Arzttochter Joanne (Joanna Pettit) durch seinen Stiefbruder (Statis Giallelis) verhindern. Joanne und ihr Vater (Karl Malden) pflegen Blue, wie sie Azul nun nennen, gesund. Doch die Idylle ist nur vorübergehend. Als Ortega feststellen muss, dass Azul sich von ihm abgewandt hat, schwört er Rache. Es kommt zum offenen Krieg zwischen den von Blue angeführten Farmern und den Banditen.

Ein seltsamer Film des erst vor drei Wochen verstorbenen Silvio Narizzano. "Blue", der an den Kassen böse gefloppt ist (und dies, in Anbetracht seiner unnahbaren Gestalt, wohl nicht ganz unerwartet), nähert sich seiner Titelfigur mit ganz ähnlichem Misstrauen wie sein Nebenbuhler im Film, der Farmerssohn Jess Parker (Anthony Costello). Von Anfang an lässt die Geschichte keinen Zweifel daran, dass das genussvolle Töten einen eingefleischten Charakterzug des Rachedürstigen ausmacht. Die Rettung Joannes kommt offenbar nur infolge irregulärer Sympathien seitens Blue für ihr reizendes Aussehen zustande. Terence Stamp, dem zumindest in jungen Jahren immer etwas Bedrohliches, Unentschlüsselbares anhaftete, ist in seinem einzigen US-Film dieser Tage die perfekte physische Entsprechung dafür. Dennoch ist die wahre Spezialität des Films seine Bildsprache. Bereits ein kurzer Blick auf die Filmographie des dp Stanley Cortez ("Night Of The Hunter", "Shock Corridor") spricht Bände und macht nicht weiter verwundern, woher die unglaubliche Aufgeräumtheit der Bilder nebst ihren leuchtenden Farben stammen. Narizzano und Cortez vollbringen das Kunststück, selbst den hitzigen Süden von Texas noch kühl und wohlbelüftet erscheinen zu lassen unter dem stahlblauen Firmament. Eine hart an der Grenze zum Camp vorbeischlitternde Dämmerungsszene ist nicht minder toll. Da verzeiht man "Blue" sogar bereitwillig seine latente emotionale Distanziertheit.

7/10

Rache Silvio Narizzano Texas Mexiko


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THE BIG TREES (Felix E. Feist/USA 1952)


"I'd better get out of here. It might be catching."

The Big Trees (Für eine Handvoll Geld) ~ USA 1952
Directed By: Felix E. Feist

Im Jahre 1900 entschließt sich der windige Holzfäller-Baron Jim Fallon (Kirk Douglas), nach Kalifornien zu gehen, um sich die per Regierungsedikt freigestellten Redwood-Bäume unter den Nagel zu reißen. Trotz seines denkbar kompromisslosen Vorgehens muss Fallon bald einsehen, dass die dort angesiedelten Quäker, allen voran die ihm nicht unsympathische Witwe Alicia Chadwick (Eve Miller) irgendwie Recht haben, wenn sie die uralten, gigantischen Mammutbäume als gottgleiche Präsenz auf Erden begreifen. Als Fallons ehemaliger Partner LeCroix (John Archer) sich mit der noch skrupelloseren Konkurrenz zusammentut und ihn übervorteilen will, stellt sich der nunmehr Geläuterte auf die Seite der friedliebenden Quäkersleut.

Auch wenn man den Namen Felix E. Feist auf das erste Hören naiverweise und nicht ganz unberechtigt für das Pseudonym eines Pornofilmers halten könnte, hat selbiger, bevor er später zum Fernsehen wechselte, neben diesem hübschen kleinen Technicolor-Western noch ein paar weitere mit Randolph Scott und Lex Barker auf dem Kerbholz sowie den "Gehirnfilmklassiker" (O.-Ton ofdb) "Donovan's Brain". "The Big Trees" ist die gemächlich erzählte Geschichte einer moralischen Schuldrückzahlung, wie sie weiland auch Walshs "Silver City" erzählte. Jim Fallon nimmt das Prinzip des Kapitalismus anfangs etwas zu wörtlich und vergisst als rücksichtsloser Glücksritter jede Form der Menschlichkeit. Kirk Douglas, man denke nur an Wilders "Ace In The Hole", konnte den schurkischen Schweinhund mit "Schaf im Wolspelz"-Attitüde verkörpern wie nur wenige sonst, weshalb er hier auch besonders auftrumpfen kann. Böse Zungen mögen sogar behaupten, "The Big Trees" gehöre ganz ihm, wenn man aber Feist dabei beobachtet, wie er selbst der Faszination der majestätischen Redwood-Bäume zu erliegen scheint, dann relativieren sich Aussagen wie die obige ganz schnell wieder. Kein großer Klassiker, aber ganz bestimmt eine nette Abwechslung für zwischendrin.

6/10

Kalifornien Holz Freundschaft period piece





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Funxton

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