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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE FAMILY JEWELS (Jerry Lewis/USA 1965)


"Shht. Don't disturb him. He's playing."

The Family Jewels (Das Familienjuwel) ~ USA 1965
Directed By: Jerry Lewis

Das kleine, schwerreiche Waisenmädchen Donna Peyton (Donna Butterworth) soll sich einen seiner exzentrischen Onkel als neuen Adoptivvater aussuchen und zu diesem Zweck jeweils zwei Wochen mit jedem von ihnen verbringen. Ihr potenzieller Ersatzvater, der gutmütige, aber trottelige Chauffeur Willard Woodward (Jerry Lewis) ist leider von der Wahl ausgeschlossen. Wer wird es also werden, der neue Gutenachtgeschichtenvorleser der bezaubernden kleinen Donna: der liebe, alte Seebär James (Jerry Lewis), der niederträchtige Zirkusclown Everett (Jerry Lewis), der durchgedrehte Fotokünstler Julius (Jerry Lewis), der aufschneiderische Pilot Eddie (Jerry Lewis), der geniale Detektiv Skylock (Jerry Lewis) oder doch der asoziale Gangster Bugs (Jerry Lewis)?

"The Family Jewels" markierte das Ende der bis dato faktisch karrierelangen Partnerschaft zwischen Jerry Lewis und seinem Hausstudio Paramount; nachdem er sich bereits knappe zehn Jahre zuvor mit Dean Martin zerstritten hatte, also eine weitere große Zäsur für den Meisterkomödianten. Wenn Lewis mit "The Nutty Professor" bereits seinen speziellen Humor perfektioniert hatte, so konnte er ihn mit "The Family Jewels" nun endgültig zur Kunst erheben. Natürlich ist auch diese Arbeit in erster Linie eine große, bunte Nummernrevue, in der Lewis in bereits bekannte (sein Julius Peyton ist, die Namensvetternschaft verrät's, eine Reprise von Julius Kelp) und noch unbekannte Rollen schlüpfen und erneut seine Kinderliebe unter Beweis stellen kann, sozusagen eine große "Best Of"-Gala seiner ganzen Bandbreite. Die mit hemmungslos vorprogrammiertem Ende arbeitende Story dient lediglich als Alibi für diverse Sketche und Gags, die mit fortlaufender Erzählzeit mehr und mehr an Fahrt gewinnen, um sich schon bald zu einem nahezu irrwitzigen Tempo zu steigern und dann im Finale als endgültige Lachbombe zu explodieren. Hier führt Lewis nämlich die grandioseste seiner sieben Rollen spazieren, die des Gauners 'Bugs' Peyton. Als schiefzähniger, völlig verblödeter Entführer mit großer Klappe reißt Lewis alles um, was nicht sowieso schon vor Lachen auf dem Boden liegt - eine Ode an die clowneske Albernheit, wie eigentlich dieser ganze, wunderbare Film eine ist.

9/10

Jerry Lewis Familie Kidnapping


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VISIT TO A SMALL PLANET (Norman Taurog/USA 1960)


"A sandwich anybody?"

Visit To A Small Planet (Besuch auf einem kleinen Planeten) ~ USA 1960
Directed By: Norman Taurog

Das Alien Kreton (Jerry Lewis) interessiert sich brennend für den etliche Lichtjahre entfernten Planeten und seine Bewohner, obgleich sein Lehrer Delton (John Williams) ständig versucht, Kreton diese Faszination auszutreiben. Als der junge Mann mal wieder unerlaubt ausbüchst, lässt Denton ihn fürs Erste ziehen, um vor Ort eigene Erfahrungen zu machen. Kreton möchte den Blauen Planeten zwar eigentlich pünktlich zum Sezessionskrieg besuchen, landet jedoch rund hundert Jahre später bei der Familie Spelding. Diese nimmt ihn freundlich auf, doch es gibt bald Eifersüchteleien zwischen Kreton und Conrad (Earl Holliman), dem Verlobten Ellens, der Tochter (Joan Blackman) des Hauses, gegen desse handfeste Argumentation Kreton besonders aufgrund Dentons permanentes didaktisches Eingreifen bald keine Schnitte mehr hat.

Einige gelungene Lacher und mancher Flachpfiff machen Taurogs nach den schönen VistaVision-Arbeiten von Frank Tashlin wieder in reduziertem Schwarzweiß entstandene Lewis-Komödie zu einer eher unauffälligen Zwischenstation in des Entertainers Schaffen. Klassisch nimmt sich "Visit To A Small Planet" dennoch wegen seiner grandiosen Beatnik-Persiflierung aus; die ansonsten spießbürgerlich erzogene Ellen verkehrt nämlich mit Vorliebe in einer so genannten "Existenzialisten-Kneipe", in der die zumeist bärtigen Typen vornehmlich mit gelangweiltem bis verklärtem Schlafzimmerblick in den verqualmten Saal blicken und sich in faulem Nichtstun und großspurigem Parlieren üben. Auch Cormans "A Bucket Of Blood" lugt da nochmals hervor. Gott bewahre uns vor der Gammlerkultur! Später werden dann einmal mehr die Beschirmten durch den Kakao gezogen - wie man vielleicht weiß, eine gern benutzte Spottzielscheibe Lewis' - die sich wie üblich vollkommen doof anstellen. Am Ende kann das extraterrestrische Fazit nur lauten: Die irdische Existenz ist das Grauen und nicht zur Nachahmung empfohlen! Und ab nach Haus.

7/10

Norman Taurog Jerry Lewis Familie Beatniks Aliens


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WHO'S MINDING THE STORE? (Frank Tashlin/USA 1963)


"Barbara is NOT doing fine. Barbara is in love with an imbecile!"

Who's Minding The Store? (Der Ladenhüter) ~ USA 1963
Directed By: Frank Tashlin

Um die Hochzeit ihrer Tochter Barbara (Jill St. John), künftige Millionerbin der "Tuttle-Warenhaus"-Kette mit dem trotteligen, aber grundehrlichen Norman Phiffier (Jerry Lewis), zu verhindern, der von Barbaras wahrer Identität nichts ahnen darf, weil er der konservativen Meinung ist, der Ehemann müsse für seine Familie aufkommen, denkt sich die garstige Mrs. Tuttle (Agnes Moorehead) einen genialen Plan aus: Norman soll im Warenhaus, in dem Barbara zur Zeit als Liftgirl jobbt, eine Anstellung und nur die unmöglichsten Aufgaben zugeteilt bekommen, bis er das Weite sucht und sich von seiner unzuverlässigen Seite zeigt. Doch weit gefehlt - wenngleich Norman jede ihm auferlegte Mission garantiert ins Chaos führt, hält er doch tapfer durch und kann zudem die Sympathie seines - unbekannterweise - künftigen Schwiergervaters (John McGiver) verbuchen.

Neuerlich Bravouröses aus der Tashlin-/Lewis-Factory, diesmal vor dem grandiosen Komödienschauplatz 'Warenhaus', der in der US-Lachmaschinerie eine lange Tradition vorweisen kann. Auch "Who's Minding The Store?" kann getrost als Klassiker dieser kleinen Untergattung kategorisiert werden; Lewis findet für jede Kaufhaus-Etage, die er gezwungenermaßen durchläuft, irgendwelche mehr oder minder halbgaren Gags und Sketche. Den absoluten komischen Höhepunkt und zugleich auch den gloriosen Showdown des Films bildet ein von Norman Phiffier frisierter Staubsauger, der eine halbe Haushaltswarenabteilung inklusive Schosshündchen und Damenmieder einsaugt. Zuvor muss Norman unter anderem eine Fahnenmastspitze anstreichen, frittierte Heuschrecken und Ameisen in der Delikatessen-Abteilung verkaufen (und vertilgen), einer schwergewichtigen Ringerin Pantoletten verkaufen und einen Sommerschlussverkauf in der Damenkonfektion ausrichten. Man kann sich unschwer vorstellen, wie sowas bei und mit Lewis ausschaut. Wenngleich die farbliche VistaVision-Brillanz der beiden zuvor geschauten Filme hierin ausbleibt - "Who's Minding The Store?" ist ein unbedingter Meilenstein seines Kreativ-Teams und ein Manifest der hemmungslosen Albernheit, das außerdem Lewis' geniale, legendäre Improvisation zu "The Typewriter" beinhaltet.

8/10

Frank Tashlin Jerry Lewis Kaufhaus Familie Slapstick


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THE GEISHA BOY (Frank Tashlin/USA 1958)


"This is the bridge on... the pond."

The Geisha Boy (Der Geisha-Boy) ~ USA 1958
Directed By: Frank Tashlin

Der erfolglose Zauberer Gilbert Wooley (Jerry Lewis) ist völlig abgebrannt und fliegt deswegen mit weiteren Entertainern sowie seinem weißen Kaninchen Harry zur Truppenbetreuung nach Japan und Korea. Ein kleiner Disput am Flughafen mit der ebenfalls mitgereisten Filmdiva Lola Livingston (Mary McDonald) erheitert das Herz des kleinen Waisenjungen Mitsuo (Robert Hirano) so sehr, dass seine hübsche Tante Kimi (Nobu McCarthy) sich dafür überschwänglich bei Gilbert bedankt. Sowohl Junge als auch Tante erregen Gilberts nachhaltige Sympathie, doch die Army und seine Geldknappheit machen ihm fürderhin das Leben schwer...

In direkter Folge zu "Rock-A-Bye Baby" fertigten Tashlin und Lewis diese ausgelassene Slapstick-Komödie, die schon mit deutlich prunkvolleren Gags glänzt als der dann doch etwas betuliche Vorgänger. Besonders die hemmungslos albernen Witzchen um Karnickel Harry sind von allerfeinstem Schwachsinn - Harry frisst Obst vom Hut einer schlafenden Dame, liegt hernach krank mit einem Wärmkissen auf dem Kopf im Bett, rutscht auf Treppengeländern, liegt mit Sonnenbrille und Badehose auf einer kleinen Matratze im Pool, holt sich einen Sonnenbrand und so fort. Kurz gesagt: von Harry kann man nicht genug bekommen. Famos auch eine vollkommen absurde Überschwemmungsszene in einem japanischen Bad sowie Sessue Hayakawas Eigenparodie seiner "River Kwai"-Rolle, auf deutsch sogar mit demselben Synchronsprecher, Werner Peters, plus dessen identisch gestelztem Akzent! Gegen Ende überfällt Tashlin und Lewis dann wieder die obligatorische Melancholie, die bereits theoretisch neu gegründete Patchwork-Familie muss sich noch finden und zusammenkommen. Aber das gehört eben dazu zu Lewis' großem, clownesken Weltverbesserungsplan. Wir haben uns alle lieb.

8/10

Jerry Lewis Japan culture clash Frank Tashlin Zauberer Kind Freundschaft Slapstick Korea Militär


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ROCK-A-BYE BABY (Frank Tashlin/USA 1958)


"Five! I'm better than the matador!"

Rock-A-Bye Baby (Der Babysitter) ~ USA 1958
Directed By: Frank Tashlin

Als ihr bewusst wird, dass sie ein Baby erwartet, sieht die Hollywood-Diva Carla Naples (Marilyn Maxwell) ihre Karrierefelle davonschwimmen. Doch ihr Manager Harold Hermann (Reginald Gardiner) hat den rettenden Einfall: Für die Zeit des nächsten Drehs soll Carla ihr Neugeborenes in die vorübergehende Pflege einer zuverlässigen Pflegeperson geben. Dafür kommt nur Carlas Jugendliebe, der treu-naive Clayton Poole (Jerry Lewis) in Frage. Dieser staunt nicht schlecht, als ihm nach der Gefallens-Zusage an Carla Drillinge ins Haus flattern, doch Clayton bewältigt seine ersatzväterlichen Aufgaben meisterlich und mit Hingabe. Derweil bemerkt Carlas Vater Gigi (Salvatore Baccaloni), der von seiner berühmt gewordenen Tochter eigentlich nichts mehr wissen will, die Familienähnlichkeit, riecht Lunte und wird weichherzig, während seine jüngere Tochter Sandra (Connie Stevens) Clayton umschwirrte wie eine Motte das Licht.

Turbulente Musical-Comedy im bewährten Tashlin-Lewis-Stil, mit ähnlich vielen Gesangsnummern wie die vergangenen Kollaborationen mit Dean Martin ausnahmslos in quietschvergnügter VistaVision-Atelierkulisse gefilmt und daher noch zusätzlich realitätsentrückt wirkend. Der Anarchie-Faktor der Gags wird diesmal zugunsten eines potenzierten Familientauglichkeitsfaktors nochmals gedrosselt - "Rock-A-Bye Baby" ist so zuckersüß und brav wie ein Disney-Film und daher auch weitestgehend ohne echten Biss. Dafür sorgt noch zusätzlich die - ansonsten sehr sympathisch ausfallende - Installation von Lewis' Co-Star, des fülligen Tenors Baccaloni, der seinen Part des verwitweten Klischee-Italo-Patriarchen gleichermaßen aufbrausend wie weichherzig ausfüllt und beinahe schon als der heimliche Protagonist des Films bezeichnet werden darf. So ist das Ganze auch die märchenhaft anmutende Story einer Familienzusammenführung im ethnischen Kleinstadt-Milieu, die, wie so oft bei Lewis, prononciert, dass das Herz Amerikas eigentlich ein kunterbuntes Völker-Flickwerk ist.

7/10

Frank Tashlin Jerry Lewis Baby Kleinstadt Preston Sturges


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NORTH DALLAS FORTY (Ted Kotcheff/USA 1979)


"Hell coach, I love needles."

North Dallas Forty (Die Bullen von Dallas) ~ USA 1979
Directed By: Ted Kotcheff

Phil Elliott (Nick Nolte) reibt sich vollkommen auf für sein Football-Team, die "North Dallas Bulls". Körperlich längst ein Wrack mit kaputtem Knie und kaputter Schulter, übersteht er die Tage bloß mittels unablässiger Schmerzmitteleinnahme und diversen Joints und dem Traum von einer Pferderanch in der Provinz. Hinzu kommen die zermürbenden Partys nach den Spielen, Orgien voller Alkohol und willfähriger Groupies. Als man Elliott vor einem Spiel gegen Chicago wegen einer schmerzhaften Medikamententherapie an einem Mitspieler falsche Versprechungen macht und dieser die Unverfrorenheit seines Managements durchschaut, wird er für eine Lappalie geschasst. Für Elliott die im Grunde lang ersehnte Chance für einen Neuanfang.

Großartiger Sportfilm, nur oberflächlich betrachtet in höchstem Maße amoralisch und bravourös getragen nicht nur von seinem zermürbenden Job in einer Mischung aus ehrlich gemeinter Pflichterfüllung und sich schürendem persönlichen Ekel nachkommenden Nick Nolte als "Spielmacher", sondern auch von der supporting cast, die mit den unvergesslichen Stieren Bo Svenson und John Matuszak trumpft. Als eines der intelligenteren Teammitglieder lässt sich Elliott derweil nicht so leicht beugen wie jene etwas schlichter konstruierten Starspieler und ist deswegen dem Besitzer (Steve Forrest) und dem Coach (G.D. Spradlin) ein ewiger Dorn im Auge. Dennoch locken Geld und ein Rest Ehrbarkeit, die jedoch längst passé ist - Football ist längst nurmehr ein Geschäft ohne Herz, nichts weiter. Besonders toll an "North Dallas Forty" ist seine episodische Erzählweise, die sich auf die Ereignisse innerhalb einer Woche beschränkt. Für die Spieler beginnt die Werkswoche am Donnerstag mit der Trainingsphase und endet am Sonntag mit dem jeweils nächsten Spiel, eine vermeintlich verquere Lebensuhr. Binnen der ersten Wochentage besteht das Leben aus Zerstreuung in Form von Alkohol, Sex, Drogen und Schmerztoleranz, bis zur nächsten qualerfüllten Trainingsphase. The footbally circle of life.

8/10

Ted Kotcheff Football Alkohol Marihuana Freundschaft


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THE DRESSER (Peter Yates/UK 1983)


"Stop that train!"

The Dresser (Ein ungleiches Paar) ~ UK 1983
Directed By: Peter Yates

England im Zweiten Weltkrieg: Während der deutschen Bomberangriffe tourt der große Shakespeare-Mime Sir (Albert Finney) zusammen mit seinem Ensemble unverdrossen weiter über die Insel und hält der Bevölkerung mit seinen Aufführungen die Stange. Angewiesen ist Sir dabei a priori auf seinen Garderobier Norman (Tom Courtenay), der seit sechzehn Jahren Sirs Mädchen für alles ist und ihn durch und durch kennt. Am Tage seiner 227. Interpretation des King Lear wird Sir dann zum Opfer seiner bereits lange schlummernden Demenz. Während rings um das Theater Bomben fallen, schafft es Norman mit Mühe und Not, Sir auf die Bühne zu bewegen und ihn schließlich eine weitere, gefeierte Vorstellung geben zu lassen. Zwischen den Akten beginnt Sir derweil, sein Testament aufzusetzen...

Großartiges, intimes Schauspielkino, im Prinzip ein Zwei-Personen-Stück, in dem die beiden in der "Kitchen-Sink"-Ära verwurzelten, britischen Star-Akteure Finney und Courtenay die ganze Bandbreite ihres Könnens zum Besten geben, der eine als vom Größenwahn bedrohter Gala-Mime, der andere als sein tuntiger Lakai. Fast unmerklich ersteht während ihrer mitunter von der Groteske angehauchten Dialoge eine Reflexion über unbemerkte Abhängigkeiten, Beziehungsgeflechte und deren subjektive Wahrnehmung, die am Ende, als das ahnbar Unvermeidliche eingetreten ist, kulminiert. Eine reiche, komplexe und strikt britische Tragikomödie ist das opulente Resultat.
Die Tatsache, dass Peter Yates knapp fünf Monate zuvor das naive Science-Fiction-Märchen "Krull" in die Kinos gebracht hatte, zeugt von der Bandbreite und auch von der Arbeitsweise des unberechenbaren Filmemachers. Wo der wohl nicht ganz verwunderlicherweise etwas verwaist wirkende "Krull" als Kommerzprodukt für das Studio gefertigt wurde, ist der ungleich ambitioniertere "The Dresser" auch und vor allem ein Film seines Regisseurs, und einer seiner exzellentesten noch dazu.

9/10

Peter Yates England Shakespeare Theater period piece WWII Freundschaft


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BREAKING AWAY (Peter Yates/USA 1979)


"What are we gonna do about him?" - "I don't know dear. We could always strangle him while he's asleep."

Breaking Away (Vier irre Typen - Uns schlägt keiner) ~ USA 1979
Directed By: Peter Yates

Dave (Dennis Christopher), begeisterter Radrennfahrer, und seine drei Freunde Mike (Dennis Quaid), Cyril (Daniel Stern) und Moocher (Jackie Earle Haley) leben in dem beschaulichen Universitätsstädtchen Bloomington, Indiana - allerdings nicht als vier der zahhllosen jungen Studierenden, sondern als Ableger der hier verwurzelten Steinschneider-Familien, weswegen die College-Kids die Einheimischen auch gern abschätzig als "Cutter" beschimpfen. Das Freundesquartett hat es schwer, sich gegen die Arroganz der Akademiker durchzusetzen, besonders Mike leidet unter deren Hochnäsigkeit. Als die Uni ein Team-Radrennen anberaumt, an dem jeder teilnehmen darf, ist die große Chance der vier Freunde gekommen.

Ein Hohelied auf die US-Kleinstadt im Mittelwesten und deren Einwohnerschaft und somit beinahe ein Heimatfilm. Anders als die stets dramatischen, mitunter etwas politisierten Coming-Of-Age-Storys aus dem New-Hollywood-Dunstkreis, also "The Last Picture Show", "American Graffiti" oder "Big Wednesday", versteht sich der ansonsten recht ähnlich inszenierte "Breaking Away" allerdings nicht als Abgesang auf Jugend und Unschuld, sondern als Mut- und Muntermacher, als Lebensabschnittsporträt ohne perfide Hintergedanken. Daher traut er sich auch zu manch feiner Humornote und betrachtet die zum Erwachsenwerden gehörenden Nöte und Identitätskrisen mit ruhiger Gelassenheit - am Ende warten ohnehin Sieg und Enthusiasmus und sogar ein guter Verlierer auf der Gegenseite - Entspannung allerorten.
Ein feiner, kleiner Film, getragen von einem leuchtend positiven Menschenbild, der auch für Regentage taugt. Den bescheuerten deutschen Titel wollen wir in diesem Zusammenhang getrost vergessen.

8/10

Peter Yates Radsport Indiana Freundschaft Vater & Sohn Coming of Age


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LIVING IT UP (Norman Taurog/USA 1954)


"Oooh, the fever's coming back!"

Living It Up (Der sympathische Hochstapler) ~ USA 1954
Directed By: Norman Taurog

Als überregional bekannt wird, dass der im Wüstenkaff Desert Hole beheimatete, unbedarfte Banhofsvorsteher Homer Flagg (Jerry Lewis) mit einem Wagen aus dem Atombombentestgebiet herumkutschiert, nun offenbar verseucht ist und nur noch wenige Tage zu leben hat, avanciert er zum tragischen Helden der Nation. Die New Yorker Klatschjournalistin Wally Cook (Janet Leigh) wittert einen dicken Story-Fisch und will Homers letzten Wunsch erfüllen: Zwei Wochen New York mit allem Drum und Dran, für die Wallys Chef (Fred Clark) bereitwillig die Spesen übernimmt. Homer jedoch ist mitnichten krank: Sein Kumpel, der Provinzmedizinier Steve Harris (Dean Martin) hat eine dumme Fehldiagnose erstellt. Um an die hübsche Wally heranzukommen, beschließen er und Homer jedoch, das offerierte Spiel mitzuspielen und die Vorzüge der Großstadt in vollen Zügen zu genießen - bis der Schwindel auffliegt.

Einer der schönsten Martin-Lewis-Arbeiten, die so ziemlich alles auffährt, was die Kunst des Paares auszeichnet: Urkomische Szenen und tolle Musical-Nummern, von denen besonders der wie ein Derwisch aufdrehende Jerry Lewis profitiert. Einem Schimpansen auf Amphatamin gleich hüpft, springt und albert er sich durch den Film als gäbe es kein Morgen mehr. Dazu präsentiert "Living It Up" ganz wunderbare Kulissen, die der ohnehin latenten Irrealis der Martin/Lewis-Szenerien Rechnung tragen. Ganz offensichtlich auf dem Studiogelände der Paramount errichtet, sehen die "New Yorker" Straßenzüge in etwa so authentisch aus wie Gene Kellys Traummetropole in Minnellis "An American In Paris" - alles sauber, adrett, aus Plastik und künstlich beleuchtet; Taurog eröffnet dies ganz wunderbare Gelegenheiten zur Abwicklung von Sketchen und Gesangsszenen, eingebunden in ein klassisches Screwball-Szenario. Höhepunkte insbesondere der lewis'schen Darbietung stellen eine entfesselte Jitterbug-Sequenz mit Sheree North dar, eine Hospitalszene, in der Lewis parallel drei Spezialärzte, einen österreichischen, einen französischen und einen chinesischen, austricksen muss und sich zu diesem Zweck kurzfristig in jeden einzelnen von ihnen verwandelt, sowie die gemeinsame Darbietung mit Martin von "Ev'ry Street's a Boulevard in Old New York". Klassisches Entertainment.

8/10

Norman Taurog New York Martin/Lewis Freundschaft Journalismus New Mexico Jerry Lewis


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MONEY FROM HOME (George Marshall/USA 1953)


"Every dog has his day, but the nights are mine."

Money From Home (Der tollkühne Jockey) ~ USA 1953
Directed By: George Marshall

New York zur Prohibitionszeit: Der notorische Zocker Herman 'Honey Talk' Nelson (Dean Martin) hat einen riesigen Schuldenberg beim stadtberüchtigten Gangster Jumbo Schneider (Sheldon Leonard). Zur Begleichung derselben soll Honey Talk nach Maryland fahren, wo in Kürze ein großes Pferderennen stattfindet, und die Favoritenstute am Antritt hindern. Honey Talks tierlieber Vetter, der Veterinärsgehilfe Virgil Yokum (Jerry Lewis) soll ihn begleiten und notfalls den "tierischen" Aspekt des Jobs besorgen. In Maryland finden beide einen permanent alkoholisierten, englischen Jockey (Richard Haydn) vor, dessen Identität Virgil kurzerhand annimmt, sowie ihre jeweilige große Liebe und damit auch ihre Ehrbarkeit wieder.

Der Erfolg der Martin/Lewis-Komödien war, bei all ihrer prinzipiellen, spezifischen Stromlinienförmigkeit, immer auch ein wenig abhängig von der Güte des Scripts und dem Engagement des Regisseurs. George Marshall, ein vielbeschäftigtes Relikt aus dem golden age der Studioära, trug für drei Filme des Duos die Verantwortung und war vermutlich schlicht zu traditionsverhaftet, um mit dem basal durchaus anarchischen, neuen Humor der beiden Entertainer, zur Gänze umgehen zu können. So wirkt auch "Money From Home" sehr familienkompatibel, seine Albernheiten domestiziert und harmlos und Martin und Lewis vergleichsweise gezähmt in ihren Versuchen, gegen die korsettierte Biederhaftigkeit des Stoffes anzukämpfen.
Es ist die Frage, was man zu sehen wünscht: Als Vertreter der eher gemäßigten Entertainment-Sparte von Lewis' und Martins Geschäftsgebahren, ist "Money From Home" als durchaus repräsentativ zu bezeichnen, das, was sie in ihren Sternstunden auszeichnete, nämlich die entfesselte Ausgelassenheit ihrer beider Kunst, findet man hierin jedoch nicht vor.

6/10

George Marshall New York period piece Maryland Pferderennen Freundschaft Alkohol Martin/Lewis Jerry Lewis





Filmtagebuch von...

Funxton

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