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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE PASSAGE (J. Lee Thompson/UK 1979)


"Knock-knock."

The Passage (Der Pass des Todes) ~ UK 1979
Directed By: J. Lee Thompson

Die Résistance will den Wissenschaftler Professor Bergson (James Mason) in Sicherheit vor den Nazis und über die Pyrenäen nach Spanien bringen. Dabei soll ihr ein baskischer Schafhirte (Anthony Quinn), der sich im Gebirge besonders gut auskennt, behilflich sein. Als der Baske erfährt, dass Bergson von seiner Frau (Patricia Neal) und seinen beiden Kindern (Kay Lenz, Paul Clemens) begleitet wird, will er den Auftrag zunächst ablehnen, sagt dann aber doch zu. Den wahnsinnigen SS-Offizier Von Berkow (Malcom McDowell) stets dicht auf den Fersen, führt der Baske die Familie auf ihrer entbehrungsreichen Flucht durch die verschneiten Berge.

Thompson streift in seinem hier und da entfesselt wirkenden Kriegsdrama bisweilen durchaus die Grenzen zur Naziploitation, da hilft ihm selbst das große internationale Stardropping, von welchem "The Passage" breit flankiert wird, kaum aus. Der Fortlauf der an Klassiker des Genres wie "The Mortal Storm" angelehnten Geschichte ist gespickt mit unglaubwürdigen, mitunter ins Halsbrecherische abgleitenden Wendungen; andere Szenen wiederum sind von unangenehmer Intensität. Für die beiden Altstars Quinn und Mason, die um diese Zeit in einer Vielzahl ähnlich produzierter Filme auftraten, ist das Ganze übliches Routinement; Malcolm McDowell indes festigt seinen Status als der sichere Mann fürs Wahnsinnige nach "A Clockwork Orange" und kurz vor "Caligula" aufs Neue. Böse mit den Augen rollend scheitelt er in einer allessagenden Szene vor dem Spiegel sein Haupthaar und hält sich dann einen schwarzen Kamm vor die Oberlippe - ganz der Führer im Miniformat. Christopher Lee hat einen schönen Auftritt als mutiger Zigeuner-Patriarch und Michael Lonsdale, der von McDowell (zwar offscreen, trotzdem superfies) die Finger zerschnippelt bekommt und Marcel Bozzuffi - ausnahmsweise mal Sympathieträger - geben zwei nicht minder tapfere Résistance-Mitglieder zum Besten.
Mir hat dieser in einer bekanntermaßen seltsam orientierungslosen Kinophase entstandene, wie geschrieben wild zwischen Starkino und Exploitation oszillierende und nunmehr selten erwähnte Film trotz seiner offenkundigen Schwächen jedenfalls sehr gut gefallen.

8/10

J. Lee Thompson Nationalsozialismus Pyrenäen Gebirge Widerstand Zigeuner WWII Holocaust


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DESTINATION GOBI (Robert Wise/USA 1953)


"What a guy!"

Destination Gobi (Durch die gelbe Hölle) ~ USA 1953
Directed By: Robert Wise

Januar 1945: Um die herben Kriegsgerätsverluste etwas auffangen zu können, errichtet die Navy überall in Zentralasien Wettterstationen. Eine davon nahe der Wüste Gobi obliegt der Aufsicht des zerknirschten Sam McHale (Richard Widmark). Als die Japaner sich dem Camp nähern, überredet McHale eine dort ebenfalls campierende Gruppe mongolischer Nomaden, sich ihm und seinen Männern gegen den Feind anzuschließen. Eine japanische Luftattacke vernichtet schließlich die gesamte Basis, schlägt die Mongolen scheinbar in die Flucht und zwingt McHale und seine Männer, sich zu Fuß auf den Weg Richtung Küste zu machen - nur, dass diese 800 Meilen entfernt liegt und sich dazwischen die Wüste befindet...

"Destination Gobi" ist einer jener speziell in den Fünfzigern entstandenen Studiofilme, die den Krieg als zwar strapaziöses, aber dennoch spaßig anzuschauendes Männerabenteuer schildern und seinem Publikum reuelose Abenteuerunterhaltung boten. Kantige Heroen, deren absehbarer Erfolg auf Freundschaft und Verlässlichkeit, also guten, amerikanischen Tugenden, fußt, schlagen sich durch unwegsames, altweltliches Gelände, das sich von Grundauf wenig gastfreundlich, um nicht zu sagen: feindselig ausnimmt und in dem sich zwangsläufig jeweils nur die grundsätzlich exotisch gezeichneten Einheimischen zurechtfinden. Der dem Amerikaner eigene Pioniergeist bezwingt jedoch auch diese Widrigkeiten und bringt einmal mehr eine neue Heldengeneration hervor. Die Aufdeckung der Tatsache, dass Sam McHale und seine Jungs ohne den Mongolenhäuptling Kengtu (Murvyn Vye) völlig aufgeschmissen wären, überlässt "Destination Gobi" vorsorglich den deduktiven Fähigkeiten des Zuschauers, wobei er sich ebenso breit grinsend darüber amüsiert, dass die ach so unzivilisierten Nomaden keine Fotoaaparate kennen und alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber so sind sie, die Eingeborenen. Von edelmütigem Menschentum und eigentlich ganz lieb, aber eben auch'n bissken doof. Genau wie Wises Film.

7/10

Robert Wise Wüste Gobi Mongolei China Pazifikkrieg WWII Militär


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HALLS OF MONTEZUMA (Lewis Milestone/USA 1950)


"War is hell."

Halls Of Montezuma (Die Hölle von Okinawa) ~ USA 1950
Directed By: Lewis Milestone

Die Invasion von Okinawa steht unmittelbar bevor. Der unter heftigen Panikattacken leidende Lieutenant Anderson (Richard Widmark) und seine Männer rücken immer weiter ins Landesinnere vor, unter ständigem Beschuss von schwerem Artilleriefeuer aus einer unsichtbaren Quelle. Während einer nach dem anderen aus Andersons Truppe im Kampf fällt, kann eine Gruppe japanischer Soldaten gefangengenommen werden, die den Standort der Kanonen kennt.

Im Gegensatz zu der betroffen machenden Inszenierung seines rund zwanzig Jahre älteren, diese Kategorisierung wirklich verdienenden 'Antikriegsfilms' "All Quiet On The Western Front" konnte Milestone sich hier der lockenden Verführung der ihm zur Verfügung stehenden production goods nicht entziehen und kreierte einen mitreißenden Actionfilm. "Halls Of Montezuma", dessen Titel sich auf die erste Zeile aus der "Marine's Hymn" bezieht, nimmt sich zwar Zeit für nachdenkliche Zwischentöne und verzichtet auf allzu pathetische Heldenverehrung, ist aber dennoch kein Film, der sich hinreichend ernsthaft mit seinem abstrakten Gegenstand auseinandersetzt. Stattdessen gibt es einige der üblichen Archivaufnahmen von Militäreinsätzen und es wird dem Marine Corps heftig für die Möglichkeit gedankt, dessen Flugzeugträger und Panzer im Film vorführen zu dürfen. Dass bei aller Kritik "Halls Of Montezuma" sich dennoch fernab davon hüten kann, sich zur bloßen, Rekrutenwerbung zu entwickeln, dürfte schließlich immer noch seinem versierten Regisseur zuzuschreiben sein, wenngleich dieser innerhalb seines Werks mit dem Zweiten Weltkrieg durchweg und prinzipiell deutlich kommerzfreundlicher umzuspringen pflegte als mit dem Ersten. Schnitt und Montage zeugen allerdings von meisterhafter Könnerschaft.

8/10

Lewis Milestone WWII Pazifikkrieg Okinawa Japan Insel Militär


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THE HUMAN SHIELD (Ted Post/USA 1991)


"You'll die in hell!"

The Human Shield (Marine Fighter) ~ USA 1991
Directed By: Ted Post

Fünf Jahre, nachdem der im Ersten Golfkrieg vor Ort befindliche Elitesoldat Doug Matthews (Michael Dudikoff) heimgekehrt ist, ziehen neue Wolken des Unheils über dem Irak auf: Der mit Vorliebe Zivilisten ausradierende, menschenverachtend vorgehende Offizier Ali Dallal (Steve Inwood) hat Dougs Bruder Ben (Tommy Hinkley) in seiner Gewalt, um so seinen alten Intimfeind zur Rückkehr und finalen Abrechnung zu zwingen. Als Doug von der Entführung Bens entfährt, reist er sofort in das Zweistromland ein und legt sich mit Dallals kompletter Armee an - ohne auf die Unterstützung seinjer eigenen Leute bauen zu können. Mithilfe seines alten kurdischen Freundes Tanzi (Uri Gavriel) sowie seiner früheren Geliebten und Dallals Jetzt-Ehefrau Lila (Hana Azoulay-Hasfari) zieht Doug gegen Dallal ins Feld.

Unschwer erkennbar von der Cannon produziert, ist "The Human Shield" ein Musterbeispiel der für die Company so typischen, antiarabischen Tendenzen: Der Unhold, ein haltloser Militärdespot, der nach unten tritt, um nach oben zu buckeln, macht dieser Bezeichnung wahrlich alle Ehre. Nicht nur, dass dieser Ali Dallal sich aufführt wie die Wildsau in der Suhle, er erschießt auch wahllos Frauen und Kinder (bzw. lässt sie erschießen), tötet Dougs besten Kumpel Tanzi, vergewaltigt und prügelt seine eigene Ehefrau und will seinen Sohn bei einer Exekution zuschauen lassen. Dudikoff als "deutsch" betitelter "Marine Fighter" bleibt da nahezu vollkommen blass; seine Auftritte wirken eher wie auffallend fremdkörperliche Störfaktoren in diesem aggressiven Potpourri der Nachbarsdenunziation. Wenn Doug Mattews die Bildfläche betritt, weiß man, dass es gleich ein paar Leichen gibt, wartet insgeheim jedoch schon auf Steve Inwoods nächste Szene und was er darin wohl wieder treibt. Verwunderlich, dass Israel auf eine offizielle Nennung als Produktionsland verzichtet hat; ist Posts vorletzter Film doch komplett dort entstanden, während der Stab ein Übriges verrät. Überlassen wir den Schwarzen Peter also lieber dem Großen Bruder.

5/10

Ted Post Golfkriege Irak Militär Cannon


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JUNGLE WOLF (Charlie Ordoñez/USA 1986)


"I've been stuck in traffic."

Jungle Wolf (Der Dschungelwolf) ~ USA 1986
Directed By: Charlie Ordoñez

Der Einzelkämpfer und Vietnamveteran Steve Parrish (Ron Marchini) soll mal wieder die Kastanien aus dem Feuer holen: Im mittelamerikanischen Bananenstaat San Sebastian haben die roten Rebellen unter dem verrückten Hernandez (Romy Diaz) einen US-Botschafter (Tony Carreon) gekidnappt, um mit ihm einen den Partisanen-Ältesten Zapien (Joonee Gamboa) aus der Gefangenschaft freizupressen. In San Sebastian angekommen, muss Parrish feststellen, dass er keineswegs offene Türen einrennt, befreit Zapien in einer Nacht- und Nebelaktion und bringt ihn, verfolgt von Regierungstruppen, zu Hernandez. Dieser knallt Zapien kurzerhand ab und nimmt Parrish gefangen. Es gelingt ihm, sich zu befreien, den Botschafter rauszuhauen und den Urwald unter Feuer zu setzen. Am Ende wird er jedoch von der eigenen Regierung verraten und mitten im Feindgebiet zurückgelassen.

Ron Marchini, der Billigactionfilmfans liebstes Turnschuhgesicht und spätestens im Showdown seiner paar Filme häufig im gelben Muskelshirt unterwegs, ersann und produzierte dieses sparsame Sequel zu "Forgotten Warrior" mit seiner Firma "Romarc Inc." im Alleingang und ließ es wiederum von Charlie Ordoñez inszenieren. Die Folge ist eine ziemlich beliebige Abfolge von Ballereien und Explosionen, die den geneigten Zuschauer bei aller Liebe etwas zu ermüden drohen und dessen Geduld und Toleranz auf eine harte Probe stellen. Nicht nur, dass die Lateinamerikaner durchweg sichtbr von Philippinos gespielt werden, offenbart das Drehbuch auch noch herbe politische Unkenntnis. Ständig ist von einem "neuen Vietnam" die Rede, dass es unbedingt abzuwenden gelte und dessentwegen Parrish sich trotz aller heimischen Idylle mit seinem Sohnemann (Dax Nicholas) trotzdem wieder ins Feuer begibt. Heute ist die Parrish-Trilogie, wahrscheinlich zu Recht, weitgehend vergessen - ich persönlich mag sie als nostalgische Frühjugend-Erinnerung immer noch ganz gern. Bin aber zugegebenermaßen nicht sonderlich stolz darauf.

4/10

Charlie Ordoñez Sequel Trash Ron Marchini Independent


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THE MERCENARIES (Jack Cardiff/UK, USA 1968)


"Piss off!"

The Mercenaries (Katanga) ~ UK/USA 1968
Directed By: Jack Cardiff

Kongo, zu Beginn der sechtiger Jahre: Kurz nach dem Abzug der belgischen Kolonialregierung herrscht Aufruhr und Anarchie im Land. Die Söldner Curry (Rod Taylor) und Ruffo (Jim Brown) sollen im Auftrage einer Mining Company und des kongolesischen Präsidenten Ubi (Calvin Lockhart) eine Gruppe Kolonialisten sowie ein größeres Kontigent Diamanten aus einer von Rebellen kontrollierten Zone herausholen. Dazu steht ihnen ein Güterzug zur Verfügung sowie eine mittelmäßig ausgebildete Soldatengruppe, der der nazistische Offizier Henlein (Peter Carsten) vorsteht. Während Curry von dem ursprünglich im Lande beheimateten Ruffo Manches über Moral und menschliche Integrität lernt, schmiedet Henlein bereits eigene Pläne bezüglich der Diamanten. Nachdem der Auftrag unter harten, besonders zivilen Verlusten durchgeführt werden konnte, schlägt Henleins Stunde...

Beinharter Söldnerkracher, der immerhin zehn Jahre vor McLaglens "The Wild Geese" nahezu alles Wichtige zum Thema formuliert und zeigt - in Bildern freilich, deren Farbkompositionen lediglich die Kategorsierung 'Poesie' gerecht wird; die, wenngleich sichtlich nicht in Afrika, sondern in der Karibik aufgenommen, der visuellen Sprache eines Jack Cardiff würdig sind. Wobei das Kameragenie es hier beim Inszenieren belassen hat. Dennoch wird der Mastermind sich nicht lumpen lassen haben, hier und da auch einmal eine Einstellung vorzunehmen. "The African Queen" lässt grüßen.
An "The Mercenaries" ist neben seiner Bildpracht jedoch noch vieles andere denkwürdig: Sein antirassistischer Habitus etwa, der freilich um den Preis einer deutlich expliziteren Gewaltdarstellung als damals im Studiofilm üblich, seinen Platz einnahm; die Musik Jacques Loussiers und die feine Besetzung, innerhalb derer man auch die schöne Yvette Mimieux oder den altgedienten Hammer-Recken André Morell antrifft. Die Jahre haben "The Mercenaries" ein wenig von seiner früheren Wuchtigkeit einbüßen lassen, dennoch ist und bleibt er einer der elementaren Urväter des in den Folgejahrzehnten zur Blüte gereiften Söldnerfilms.

8/10

Jack Cardiff Afrika Kongo Söldner Diamanten


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THE MORTAL STORM (Frank Borzage/USA 1940)


"I've never prized safety. I prized courage."

The Mortal Storm (Tödlicher Sturm) ~ USA 1940
Directed By: Frank Borzage

Als Hitler und die Nazis 1933 in den Reichstag einziehen, stehen Deutschland selbst im tiefsten Bayern noch einschneidende Veränderungen bevor. Der biologische Gleichheit und Antirassismus predigende, jüdische Professor Roth (Frank Morgan) landet alsbald im KZ, sein familiärer Freund Martin Breitner (James Stewart), der Roths Tochter Freya (Margaret Sullavan) liebt, zieht indes die Flucht über die österreichische Grenze vor. Als auch Freya in tödliche Gefahr gerät, kehrt Martin ein letztes Mal zurück, um sie zu sich zu holen.

Eine der ersten Hollywood-Reaktionen auf den von Hitler vom Zaun gebrochenen Zweiten Weltkrieg in Europa, sozusagen ein Avantgarde-Propaganda-Stück. Borzage inszeniert sein Plädoyer für Freiheit und Gleichheit geradeheraus; mit beeindruckender, poetischer Leidenschaft. "The Mortal Storm" wühlt in den Emotionen seines Publikums, besonders denen des deutschen (wenn selbiges auch erst zwölf Jahre nach Kriegsende erstmals offiziell in den Genuss dieses wunderbaren Films kommen durfte), auf eine für die damalige Zeit unerhört intime Weise. Wenn auch nicht sonderlich differenziert, so wird doch versinnbildlichend dargestellt, wie schnell es mit jedweder Entspannung vorbei sein kann, wenn urplötzlich Faschisten das Sagen haben und alles und jeden Andersdenkenden bereits kurz nach der Machtübernahme sukzessive auszumerzen beginnen - durch Drohungen, aktive Gewalt, Wegsperren, Exekution, wenn nötig. Bücherverbrennungen erschüttern die ohnehin von Sorgenfalten gekrauste Stirn des Professors, ehemalige Nachbarn und Freunde, Familienmitglieder gar, lassen sich blind und euphorisch von der braunen Welle mitreißen. Wie gut nachvollziehbar sich da in des jungen Jimmy Stewarts Gesicht Unverständnis, Wut, Trauer und Fassungslosigkeit widerspiegeln angesichts solcher Entwicklungen im einstmals geliebten Vaterland - das lässt staunen und evoziert sogar Empathie, wenngleich hier Hollywood dabei ist, altweltliche Geschichte zu illustrieren.
Mit Ward Bond als sadistischem Nazischergen.

9/10

Frank Borzage Holocaust Nationalsozialismus Widerstand Flucht Bayern Alpen Berge Familie period piece WWII


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THE NIGHT OF THE GENERALS (Anatole Litvak/UK, F 1967)


"Murder is the occupation of Generals."

The Night Of The Generals (Die Nacht der Generale) ~ UK/F 1967
Directed By: Anatole Litvak

Warschau, 1942: Major Grau (Omar Sharif) von der Abwehr will den bestialischen Mord an einer Prostituierten aufklären, den augenscheinlich ein Wehrmachtsgeneral begangen hat. Drei Verdächtige kommen als Täter in Frage: Der paraphil veranlagte von Seidlitz-Graber (Charles Gray), der hintergründige Kahlenberg (Donald Pleasence) und der eben eingetroffene Kriegsheld Tanz (Peter O'Toole). Als Grau zu bohren anfängt, wird er just befördert und nach Paris abkommandiert, wo zwei Jahre später, kurz vor der Verschwörung vom 20. Juli, wiederum alle drei Generäle anwesend sind und wiederum eine Prostituierte getötet wird. Als Grau den Täter ermittelt, wird er von diesem erschossen. Rund zwanzig Jahre später macht sich Inspector Monard (Philippe Noiret), einst bei der Résistance und Dympathisant von Grau auf, den Fall seines ermordeten Freundes zu einem runden Abschluss zu bringen. Die Spur führt nach Hamburg, wo soeben eine Hafendirne erstochen wurde...

Whodunit, Naziploitation, Kitsch, Kriegsfilm, Synopse der Stauffenberg-Verschwörung: "The Night Of The Generals" will Vieles sein, und das Schönste: Er leistet alles von dem, was er sich vornimmt, seinem bravourösen Regisseur Litvak sei Dank. Höchst aufwändig und mit größter Sorgfalt an Originalschauplätzen hergestellt, nutzt Litvak die stattliche Erzählzeit für den Entwurf eines dichten Narrationsnetzwerks mit diversen gleichberechtigt agierenden Pro- und Antagonisten, wiederum verkörpert von einem grandiosen Darstellerensemble höchsten Ranges. An der Spitze des illustren Figurenmosaiks steht natürlich Peter O'Toole mit einer dankbaren Performance als dem Wahnsinn verfallener Herrenmenschen-Soldat. Über seine militärischen Pflichten hinaus Richtung NSDAP-Spitze zu katzbuckeln pflegend und dabei bereits oberflächlich ein Neurosen-Inventar (angesichts dessen Reichhaltigkeit jeder Analytiker feuchte Hände bekäme) bietend, beweist O'Toole nach "Lawrence Of Arabia" erneut, dass er nicht nur zu den großen Exzentrikern, sondern auch zu den großen Könnern der Filmschauspielwelt zählt. Doch auch Pleasence als dem Steinhäger zugetaner Verschwörer und besonders im Kino gern zelebrierten, antinazistischen Wehrmachtsoffizier ist mehr als eine Bank. Ganz kurz gibt sich Christopher Plummer als Rommel die Ehre und wie immer ist ein inspirierendes Vergnügen, "Langstreckenläufer" Tom Courtenay, der eigentlich die geheime Hauptrolle spielt, dessen Name es angesichts all der Leinwandstars jedoch sicherlich an internationaler Zugkraft vermissen ließ, zuzuschauen. Splendid.

8/10

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CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER (Joe Johnston/USA 2011)


"This isn't a back alley, Steve, this is war!"

Captain America: The First Avenger ~ USA 2011
Directed By: Joe Johnston

Die Allieerten sägen bereits beträchtlich an Hitlers Thron, als der schmächtige Gefreite Steve Rogers (Chris Evans) sich bereit erklärt, am Supersoldaten-Experiment des Wissenschaftlers Dr. Erskine (Stanley Tucci) teilzunehmen: Dieses soll dazu dienen, die Physis des Probanden mittels eines speziellen Serums und Bestrahlungen zu perfektionieren. Tatsächlich wird Steve zum Muskelprotz - seine "Mission" besteht vorläufig aber darin, an der "Heimatfront" für Kriegsanleihen zu werben. Erst ein Abstecher nach Europa macht ihm bewusst, dass seine Fähigkeiten in ganz anderer Form genutzt werden müssen. Auch der Nazi Johann Schmidt (Hugo Weaving) hat nämlich mit dem Supersoldaten-Serum herumexperimentiert und ist zum bösen, nunmehr der Organisation 'Hydra' vorstehenden Red Skull geworden. Und dessen Entschlossenheit stellt selbst Hitlers Machtstreben in den Schatten.

Marvels letzter Wegbereiter bevor es im nächsten Frühling endlich heißen soll: "Avengers assemble!" Nach Hulk, Iron Man und Thor nun also der finale elementare Baustein der Ur-Besetzung des Teams, der bereits 1942 in Print-Aktion getretene Captain America. Der einstmals patriotischste aller Comichelden trägt, nach all den Jahren und seinem mittlerweile handelsüblichen Tod mitsamt Auferstehung, zwar immer noch seine ikonischen Sterne und Streifen in rotweißblau, ist aber längst nicht mehr der systemtreue Naivling, als den ihn ungebildetere Zeitgenossen so gern hinzustellen trachten. Außerdem ist er die erste Figur, die durch einen inhaltlichen Kunstgriff vom Golden- ins Silver Age überführt wurde. Wie man zu Beginn der Sechziger erfährt, war Steve Rogers nämlich rund zwanzig Jahre lang in einem Eisblock eingeschlossen, konnte durch seine gesteigerten körperlichen Fähigkeiten jedoch überleben. Für die aktuelle Adaption, der vierten nach einem alten Serial aus den Vierzigern, zwei TV-Produktionen mit Reb Brown von 79 und einem rund zwanzig Jahre alten, keinesfalls so mies wie behauptetem B-Schinken von Albert Pyun, mussten daraus fette sieben Dekaden werden, wodurch der "Zeitsprung" des Helden natürlich noch deutlich an Brisanz gewinnt. Da "Captain America: The First Avenger", wie jeder Superheldenfilm ohne Ordnungszahl hinterm Titel, primär dazu dient, die origin der Titelfigur auszuwalzen, bleibt man von großen Charakterwandlungen und -wendungen verschont. Als Regisseur empfahl sich der ansonsten völlig medioker zu Erke gehende Auftragsfilmer Joe Johnston dennoch; immerhin hat er vor zwanzig Jahren das schöne vintage superhero movie "The Rocketeer" inszeniert, in dem es ebenfalls um einen wissenschaftlich bzw. technisch "verbesserten" Helden und gegen die Nazis geht. Heute dürfte es Johnston um einiges leichter gehabt haben, seinen Stoff zu illustrieren; immerhin sind Superhelden im Kino anno 11 (noch) der letzte Schrei. "Captain America" bleibt auch qualitativ vollends im Rahmen seiner Mitstreiter. Zu ambitioniert, um kläglich abzustinken, zu gedrungen, um wirklich toll zu sein, bietet Johnstons Film exakt das, was man von ihm erwarten kann.

7/10

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MASTER AND COMMANDER: THE FAR SIDE OF THE WORLD (Peter Weir/USA 2003)


"You want your children to sing the "La Marseillaise?""

Master And Commander: The Far Side Of The World (Master And Commander - Bis ans Ende der Welt) ~ USA 2003
Directed By: Peter Weir

Im Jahre 1805 kreuzt die Fregatte 'H.M.S. Surprise' der Royal Navy in Richtung Südsee, um das französische Kriegsschiff 'Acheron' zu kapern, das den Kriegszug Napoleons auf dem Seeweg bis in die Kolonien tragen soll. Der Captain der Surprise, ein erfahrener Seekriegs-Haudegen namens Jack Aubrey (Russell Crowe), lässt sich zweimal fast von der Acheron überlisten, bis er im Zuge einer teils von immens glücklichen Zufällen überschatteten Aktion das feindliche Schiff übernehmen kann.

Meisterlicher Abenteuerfilm von Peter Weir, der den Zauber vergleichbarer alter Hollywood-Produktionen wie Walshs "Captain Horatio Hornblower R.N." beschwört, ohne jedoch Gefahr zu laufen, die natürliche Patina jener Werke aufzugreifen und stattdessen einen technisch makellosen, bald jungenhaften Seekriegsfilm alter Schule schafft, der seinen fast schon aggressive Anachronistik zu seiner stärksten Waffe macht: Unter Aufwendung aller gegenwärtigen Möglichkeiten und dazu parallel ohne jedwede Anbiederung an postmoderne Kino-Couture geht Weir stur seinen Weg und erzählt seine Geschichte, als gelte es, viktorianischen Jungs von 13 Jahren den Atem zu rauben. Dass er dabei - mit Verlaub - auf das potenzielle Gegenwartspublikum pfeift wurde ihm am Box Office quittiert: "Master And Commander" floppte erwartungsgemäß brutal. Umso schöner, dass dieser offenkundige Kindheitstraum so naturbelassen zu sehen ist. Einer von Weirs schönsten und besten Filmen, so viel ist mal sicher.

10/10

Peter Weir Napoleonische Kriege period piece Seefahrt





Filmtagebuch von...

Funxton

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