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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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PHANTOM RAIDERS (Sonny Sanders/USA, PH 1988)


"You may be a soldier - but you are not a killer."

Phantom Raiders ~ USA/PH 1988
Directed By: Sonny Sanders

Um den zu den Kommunisten übergelaufenen Offizier Marshall (Mike Monty) zu stoppen, muss der Elitekämpfer Python Lang (Miles O'Keeffe) ein Trio alter Kameraden reaktivieren, trainieren und zurück in den Dschungel Vietnams führen. Auch Marshalls vernachlässigter Sohn nimmt an der Mission teil.

Krudes Stück Veteranen-Action, in dem eine unglaubliche Anzahl an Statisten (vermutlich immer dieselben acht bis zehn) das Zeitliche zu segnen hat und dessen Bodycount gegen Ende rekordverdächtige Ausmaße annimmt, um nicht zu sagen, in etwa denselben satirischen Impact hat wie Evan Kims Kampf gegen Dr. Klans Armee in "Kentucky Fried Movie". Dabei ist die Story von "Phantom Raiders", so man sich überhaupt großmütig genug wähnt, von einer solchen zu sprechen, geprägt von geradezu bewundernswerter Belanglosigkeit: Conrads "Heart Of Darkness" resp. "Apocalypse Now" lassen kurz grüßen, ansonsten ist man eigentlich durchweg bass erstaunt über ein derartiges Maß vorsätzlich präsentierter Hohlköpfigkeit. Man erfährt von Miles O'Keeffe, dass heutzutage ja ohne Ninjitsu gar nichts mehr ginge und seine Kampfesgenossen allesamt schwarze Kapuzen aufzuziehen hätten - warum, das bleibt sein großes Geheimnis, wie manches andere auch! Ein bisschen Ninja-Flair wollte der Regisseur Sonny Sanders, fraglos ein rechter Sonnyboy, sich offenbar nicht verkneifen müssen. So wird sich denn u.a. mit Wurfsternen und handlichen Kieselsteinen vor und zurück durch den Urwald gemordet; genug zu tun, um ein ganzes Drittel der Erzähleit als Finale zu deklarieren, gibt es jedenfalls allemal. Und am Ende bleibt noch ein trauriger, kleiner, verwaister Junge zurück, der seine Misere Python Lang und seinen Vasallen verdankt und den Film und Regisseur schlicht vergessen - ich aber nicht, ätsch!
Als eine Reise quer durch die Harmonien des bereits zum Abendrot dämmernden Ballerfilms könnte man "Phantom Raiders" bezeichnen - oder eben auch nur als sagenhaft dumme Asi-Klitsche. Wie würden Sie entscheiden?

5/10

Sonny Sanders Vietnam Vietnamkrieg Trash Exploitation Veteran


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COMMANDER (Ignazio Dolce/I 1988)


"I always thought you were a bastard." - "Neither did I."

Commander (The Last American Soldier) ~ I 1988
Directed By: Ignazio Dolce

Der Ex-Elitesoldat Roger Craig (Craig Alan), genannt 'Der Commander', ist, okkupiert von Schuldgefühlen, nach dem Rückzug der US-Streitkräfte aus Vietnam in Südostasien geblieben und bekämpft nun die Kommunisten mittels gezielter Guerilla-Aktionen von Thailand aus. Ein verlockendes Angebot seines früheren Vorgesetzten, Versorgungsgüter von einem sowjetischen Schiff im Mekong zu stehlen, nimmt Craig an gegen die Versicherung, mit seiner schwangeren Gattin Cho Lin (Tanya Gomez) in die USA ausreisen zu können. Doch die Russen machen Cho Lins Dorf, das zugleich als Craigs Unterschlupf dient, dem Erdboben gleich und entführen die junge Frau. Als Craig sie nur noch tot befreien kann, schwört er blutige Rache.

Craig Alan mit seiner schiefen Nase ist einer der unbesungen Helden des Achtziger-B-Actionfilms. In insgesamt nur fünf Filmen war der zugegeben wenig charismatische, dafür aber umso sympathischere Darsteller mit dem schlichten Gesichtsausdruck zu sehen - "Commander", dem man bei uns, um eine Verwechslung mit dem etwa zeitgleich erschienenen Söldnerfilm von Antonio Margheriti zu vermeiden, einen etwas komplizierten, wenngleich semipoetischen anglophilen Verleihtitel kredenzte, ist einer von zweien der hierzulande mit ihm erhältlichen Filme. Der andere ist der nicht minder vergnügliche "Get The Terrorists", besser bekannt als "Cobra Force II". "Commander" bietet im Großen und Ganzen ein weiteres, mehr oder weniger lupenreines Plagiat von "Rambo: First Blood Part II". Craig Alan trägt sogar Stirnband und Mantamähne und veranstaltet zu unerträglich schlechter Synthie-Musik einen Rachefeldzug gegen das üble Kommi-Kroppzeug, das ihm mit Gewalt seine liebliche Einheimische abhold macht. Das Resultat ist genau das, wogegen die Jugendschützer vor 25 Jahren so leidenschaftlich zu Felde zogen: Ein verrohendes Gewaltvideo, in dem kritiklos Legionen gelber, Verzeihung, roter Männchen niedergemäht werden und das im wahrsten Wortsinne keine Gefangenen macht - am Wenigsten sich selbst. Ganz kurz hüpft übrigens noch Italo-Standard Mike Monty durchs Bild und gibt dem Film damit einen gewissen, zusätzlichen Segen.

5/10

Ignazio Dolce Vietnamkrieg Trash Europloitation Vietnam Thailand


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SHANGHAI (Mikael Håfström/USA, CN 2010)


"Leave Shanghai - before it's too late!"

Shanghai ~ USA/CN 2010
Directed By: Mikael Håfström

Oktober 1941: Der Agent Paul Soames (John Cusack) tingelt, im Auftrag für die US-Regierung und getarnt als Journalist, durch die Krisenherde der Welt. In der kurz vor der Invasion durch die Japaner stehenden chinesischen Metropole Shanghai soll Soames aktuell aufklären, wer seinen Berufsgenossen und Freund Conner (Jeffrey Dean Morgan) ermordet haben könnte und warum. Soames, der sich im Nu in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen der Stadt bewegt und Kontakte mit undurchsichtigen Menschen wie dem Triaden-Boss Anthony Lan Ting (Chow Yun-Fat), dessen Frau, der Untergrundkämpferin Anna (Gong Li) sowie dem japanischen Offizier Tanaka (Ken Watanabe) pflegt, findet bald heraus, dass Conner um geheimnisvolle maritime Truppenbewegungen der Japaner wusste. Als diese Pearl Harbor bombardieren und den Staaten den Krieg erklären, wird die Lage für Soames überaus brenzlig.

Spannender, im Noir-Stil gehaltener und stilvoller Politthriller, der ganz in der Tradition klassischen Hollywoodkinos zwischen prachtvoller Ausstattung und erlesener Garderobe steht. In bewusst unaufgeregter Weise entfaltet sich die von kühl-analytischen Voice-Over-Kommentaren durch den Protagonisten begleitete Geschichte an einem der illustersten, exotischen Kriegsschauplätze der Welt und steht damit in ähnlich guter Tradition wie die nicht minder romantisch konnotierten "Casablanca", "From Here To Eternity", "Love Is A Many-Splendored Thing" et.al.. In "Shanghai" knistert es nun zwischen John Cusack und der wunderschönen Gong Li, wobei sich ihre kleine amour fou leider nie gänzlich entfalten kann - zu undurchsichtig der Gegenpart für den jeweils Anderen, zu brisant ihre gedachte Romanze, zu explosiv der Schauplatz. Dass mit der Figur des Captain Tanaka sogar ein immerhin halbwegs sympathischer Widersacher eingeflochten wurde, ist dem Film, der immerhin aus chinesischer Ko-Produktion stammt, durchaus hoch anzurechnen. Auf welch feindselige Weise man dort im Film schon traditionell mit den verhassten Okkupanten umspringt, ist bekannt und die Beispiele dafür sind Legion. "Shanghai" lässt neben manch anderem durchblicken, dass die Zeit für eine Annäherung noch nicht zu spät ist.

8/10

Mikael Håfström China Shanghai WWII Pearl Harbor Spionage film noir neo noir Pazifikkrieg


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NAM'S ANGELS (Jack Starrett/USA 1970)


"Ever been to China?"

Nam's Angels (Verdammt, verloren, verkommen - The Losers) ~ USA 1970
Directed By: Jack Starrett

Der Rocker Link (William Smith) und seine vier Kumpels Duke (Adam Roarke), Speed (Eugene Cornelius), Limpy (Paul Koslo) und Dirty Denny (Houston Savage) werden in Vietnam eingeflogen, um einen jenseits der kambodschanischen Grenze festgehaltenen CIA-Agenten (Jack Starrett) zu befreien. Dass dieser zufällig ein alter Intimfeind Links ist, übersieht jener großmütig. Bevor die renitenten Motorradjungs jedoch ihrem eigentlichen Auftrag nachgehen, sorgen sie in der nächsten Stadt noch für ordentlich Rambazamba.

Interessanter Beitrag zur Rockerfilm-Welle, der sich das für dieses Subgenre ungewohnte Terrain des Vietnamkriegs aussuchte. Da zwei der an der inoffiziellen Befreiungsaktion beteiligten Benzinesel-Brüder (Roarke, Savage) bereits Veteranen sind, die in Vietnam ihre große Liebe gefunden bzw. ein Rotlicht-Etablissement eröffnet haben, kann die bei genauerer Betrachtung wenig kalorienhaltige Story noch etwas aufgemöbelt werden. Mit Ausnahme des Oberhelden William Smith, der einen sehr gradlinigen und vergleichsweise wenig problematischen Vertreter seiner Zunft spielt, haben nämlich alle Rocker kleine bis mittelschwere Problemepisoden durchzustehen und eifrig Zeit, Bier zu trinken, sich einheimische Damen in die Kiste zu holen oder Joints und Opiumpfeifchen zu berzen. Ein reiner Missionsfilm hätte sich in diesem speziellen Fall aber auch als unangemessen bis langweilig ausgenommen - schließlich will man einen Rocker auch und vor allem bei seinem üblichen Tagesgeschäft observieren.

6/10

Jack Starrett Vietnam Vietnamkrieg Kambodscha Rocker Drogen Exploitation Subkultur Sleaze


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THE BEDFORD INCIDENT (James B. Harris/UK, USA 1965)


"We're a determined force!"

The Bedford Incident (Zwischenfall im Atlantik) ~ UK/USA 1965
Directed By: James B. Harris

Der Journalist Ben Munceford (Sidney Poitier) kommt zeitgleich mit dem neuen Sanitätsoffizier Potter (Martin Balsam) auf den im Atlantik kreuzenden Navy-Zerstörer 'Bedford', um über dessen Kurs und ganz besonders den mysteriösen Captain Finlander (Richard Widmark) zu berichten. Sowohl Munceford als auch Potter wird rasch klar, dass die gesamte Mannschaft der Bedford unter einem enormen Druck steht, der ans Explosive grenzt. Der Grund: Captain Finlander ist ein hitzköpfiger und kriegslüsterner Fanatiker, der den Finger permanent am imaginären Abzug hat. Aktuell verfolgt und provoziert er mit Nachdruck ein sowjetisches U-Boot, das sich in grönländische Hoheitsgewässer geflüchtet hat. Bald wird die angespannte Situation für jedermann an Bord der Bedford unerträglich.

Spannende Studie über den Kalten Krieg und mit welch furchtbar immanenter Konsequenz dieser nicht nur vor Kuba akut heiß zu werden drohte. Dabei gestaltet sich Harris' Film vornehmlich als in schmucklosem schwarzweiß inszeniertes, konzentriertes Kammerspiel, der seinen unerbittlichen Zug aus dem permanenten Spannungsfeld vierer beteiligten Personen bezieht - allen voran der zunächst undurchsichtige Captain, von dem man lediglich erfährt, dass er von der Kommandatur in Washington stoisch bei Beförderungen übergangen wird, ferner der liberale Journalist, der philanthropische neue Schiffsarzt und ein vormals bei der deutschen Kriegsmarine beschäftigter Kommodore (Eric Portman) als graue Eminenz im Hintergrund. Nach und nach richten sich sämtliche Bemühungen und Vernunftzusprüche gegen Captain Finlander, der jedoch mit jeder räsonistischen Bemerkung nur noch trotziger zu reagieren scheint. Am Ende wartet die große Katastrophe, wie man sie bereits aus "Dr. Strangelove" und Lumets "Fail Safe" kennt. Und wie jene beiden sollte auch "The Bedford Incident" noch heute zum ausbilderischen Pflichtprogramm für jeden Fähnrich zählen.

8/10

James B. Harris Kalter Krieg Atlantik Militär U-Boot


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SHENANDOAH (Andrew V. McLaglen/USA 1965)


"If we don't try we don't do. And if we don't do, why are we here on this Earth?"

Shenandoah (Der Mann vom großen Fluss) ~ USA 1965
Directed By: Andrew V. McLaglen

Virginia, 1864: Der verwitwete Famer Charlie Anderson (James Stewart), Vater von sechs Söhnen und einer Tochter, hält aus Prinzip keine Sklaven und sich und seine Familie stoisch aus dem Kriegsgeschehen heraus. Wenngleich er von der konföderierten Armee und seinen Nachbarn misstrauisch beäugt wird, entpuppt sich seine kriegsfeindliche Haltung als äußerst bodenständig und weithin effektiv. Zumindest hat Anderson nicht den Verlust eines oder mehrerer Söhne zu beklagen. Als jedoch sein in einer Soldatenuniform spielender Jüngster Boy (Phillip Alford) von Unionssoldaten gefangen genommen und verschleppt wird, sieht sich Anderson gezwungen, zum Teil des Bruderkriegs zu werden. Zusammen mit vieren seiner Söhne und seiner Tochter Jennie (Rosemary Forsyth) zieht er los, um Boy zurückzuholen. Diese Aktion wird ihn viele Verluste und viel Schmerz kosten.

"Shenandoah" ist einer von McLaglens wichtigsten und schönsten Filmen, dessen Geist und Bedeutungskraft weit über das übliche inszenatorische Routinement des Regisseurs hinausragen. Nicht nur als Western, sondern auch als Antikriegsfilm und als Charakterporträt eines verzweifelt Strampelnden funktioniert "Shenandoah" ganz ausgezeichnet. Dies wird besonders gegen Ende deutlich, als ein desillusionierter Familienvater am Grab seiner Frau, zweier verlorener Söhne und einer Schwiegertochter einsehen muss, dass die Gewalt über die Geschicke einer Familie längst nicht bei ihrem Patriarchen verbleiben kann. Stewart musste in vielen seiner dramatischen Rollen ein entsetztes, geschocktes und trauriges Gesicht aufsetzen - hier jedoch rollen Tränen. Besonders bitter erscheint die Sequenz, dass der komplette, grundsätzlich durchaus positiv zu wertende Aktionismus, den Anderson im Laufe der Geschichte an den Tag legt, völlig nutzlos und ineffektiv bleibt. Gerade das aber verleiht "Shenandoah" zugleich eine Lebensweisheit, die man nur äußerst selten im Hollywoodkino, und gerade im Western findet. "The Wild Geese" ist und bleibt mein Lieblingsfilm von McLaglen, aber mit dieser jüngsten von mittlerweile sehr vielen Sichtungen rückt "Shenandoah" ein gutes Stück auf.

9/10

Andrew V. McLaglen Virginia Sezessionskrieg Familie Farm


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MARCH OR DIE (Dick Richards/UK 1977)


"When the desert doesn't devour your measly corpses, then I will. I wouldn't know what's worse."

March Or Die (Marschier oder stirb) ~ UK 1977
Directed By: Dick Richards

Kurz nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg erhält Major Foster (Gene Hackman), Offizier in der Fremdenlegion, von oberster Stelle den Auftrag, mit seinem Regiment Ausgrabungen in Marokko vor feindlichen Beduinen zu schützen. Foster hält den Auftrag für blanken Irrsinn. Und tatsächlich: Schon kurz nach der Ankunft der Männer in Nordafrika stellt der Stammesführer El Krim (Ian Holm) unmissverständlich klar, welches Schicksal die Soldaten erwartet, sollten sie nicht umgehend wieder verschwinden. Doch Foster führt seinen Auftrag unbeirrt aus.

Die Aktivitäten der Fremdenlegion, die man ja so unwillkürlich wie unberechtigt gern mit irgendwelchen Patrouillenmärschen durch die Sahara assoziiert, boten in unregelmäßigen Abständen immer wieder Stoff für zumeist wildromantische Kinostücke. Unangefochtener Klassiker dieses kleinen Subgenres des Kriegsfilms dürfte noch immer Von Sternbergs "Morocco" sein, dem auch "March Or Die" gewissermaßen seine Reminiszenz erweist. Die Rollen von Marlene Dietrich und Gary Cooper übernehmen hier Catherine Deneuve und Terence Hill, sie verfällt ihm nach emsigem Werben, kann auf lange Sicht jedoch nicht verhindern, dass seine vor Ort entflammende Kommissköpfigkeit sich mit aller Macht durchsetzt. Am Ende, der Legionär Marco Segrain, genannt "Der Zigeuner", verdankt sein Leben nur der Gnade von El Krim, legt er den schelmischen Gestus der Leinwandkunstfigur Terence Hill gänzlich ab und fügt sich als dessen Nachfolger in das vormals als gnadenlos gezeichnete Charakterschema Major Fosters, weil er gelernt hat, dass man hier nur mit unerbittlicher Härte gegenüber sich selbst und seinem Regiment überleben kann.
Wie in den vielen europäischen, stargespickten Kriegs- und Historienfilmen der mittleren bis späten Siebziger ist hier vor allem die Kombination der Darsteller interessant, die mal wieder aus aller Herren Länder zusammengetrommelt werden konnten: Neben Hackman, Holm, Hill und der Deneuve (die für meinen Geschmack ihren Schönheitszenit bereits leicht überschritten hatte) finden sich noch der obligatorische Max von Sydow, der bullige Jack O'Halloran, der Erz-Franzose Rufus, Marcel Bozzuffi, sowie Hammer-Extra Marne Maitland ein. All diese Gesichter vereint unter einem Dach zu begutachten, hat alleine schon etwas immens Sehens- und Segenswertes. Dass Terence Hill, hier auf dem Höhepunkt seiner Popularität angelangt, kurz internationale, epische Kinoluft schnuppern durfte, zum ersten und letzten Mal nach "Preparati La Bara" mit dem dicken MG durch die Gegend mäht, markiert einen weiteren, unbedingten Bonuspunkt.

7/10

Fremdenlegion Marokko Freundschaft Schlacht period piece


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THE PASSAGE (J. Lee Thompson/UK 1979)


"Knock-knock."

The Passage (Der Pass des Todes) ~ UK 1979
Directed By: J. Lee Thompson

Die Résistance will den Wissenschaftler Professor Bergson (James Mason) in Sicherheit vor den Nazis und über die Pyrenäen nach Spanien bringen. Dabei soll ihr ein baskischer Schafhirte (Anthony Quinn), der sich im Gebirge besonders gut auskennt, behilflich sein. Als der Baske erfährt, dass Bergson von seiner Frau (Patricia Neal) und seinen beiden Kindern (Kay Lenz, Paul Clemens) begleitet wird, will er den Auftrag zunächst ablehnen, sagt dann aber doch zu. Den wahnsinnigen SS-Offizier Von Berkow (Malcom McDowell) stets dicht auf den Fersen, führt der Baske die Familie auf ihrer entbehrungsreichen Flucht durch die verschneiten Berge.

Thompson streift in seinem hier und da entfesselt wirkenden Kriegsdrama bisweilen durchaus die Grenzen zur Naziploitation, da hilft ihm selbst das große internationale Stardropping, von welchem "The Passage" breit flankiert wird, kaum aus. Der Fortlauf der an Klassiker des Genres wie "The Mortal Storm" angelehnten Geschichte ist gespickt mit unglaubwürdigen, mitunter ins Halsbrecherische abgleitenden Wendungen; andere Szenen wiederum sind von unangenehmer Intensität. Für die beiden Altstars Quinn und Mason, die um diese Zeit in einer Vielzahl ähnlich produzierter Filme auftraten, ist das Ganze übliches Routinement; Malcolm McDowell indes festigt seinen Status als der sichere Mann fürs Wahnsinnige nach "A Clockwork Orange" und kurz vor "Caligula" aufs Neue. Böse mit den Augen rollend scheitelt er in einer allessagenden Szene vor dem Spiegel sein Haupthaar und hält sich dann einen schwarzen Kamm vor die Oberlippe - ganz der Führer im Miniformat. Christopher Lee hat einen schönen Auftritt als mutiger Zigeuner-Patriarch und Michael Lonsdale, der von McDowell (zwar offscreen, trotzdem superfies) die Finger zerschnippelt bekommt und Marcel Bozzuffi - ausnahmsweise mal Sympathieträger - geben zwei nicht minder tapfere Résistance-Mitglieder zum Besten.
Mir hat dieser in einer bekanntermaßen seltsam orientierungslosen Kinophase entstandene, wie geschrieben wild zwischen Starkino und Exploitation oszillierende und nunmehr selten erwähnte Film trotz seiner offenkundigen Schwächen jedenfalls sehr gut gefallen.

8/10

J. Lee Thompson Nationalsozialismus Pyrenäen Gebirge Widerstand Zigeuner WWII Holocaust


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DESTINATION GOBI (Robert Wise/USA 1953)


"What a guy!"

Destination Gobi (Durch die gelbe Hölle) ~ USA 1953
Directed By: Robert Wise

Januar 1945: Um die herben Kriegsgerätsverluste etwas auffangen zu können, errichtet die Navy überall in Zentralasien Wettterstationen. Eine davon nahe der Wüste Gobi obliegt der Aufsicht des zerknirschten Sam McHale (Richard Widmark). Als die Japaner sich dem Camp nähern, überredet McHale eine dort ebenfalls campierende Gruppe mongolischer Nomaden, sich ihm und seinen Männern gegen den Feind anzuschließen. Eine japanische Luftattacke vernichtet schließlich die gesamte Basis, schlägt die Mongolen scheinbar in die Flucht und zwingt McHale und seine Männer, sich zu Fuß auf den Weg Richtung Küste zu machen - nur, dass diese 800 Meilen entfernt liegt und sich dazwischen die Wüste befindet...

"Destination Gobi" ist einer jener speziell in den Fünfzigern entstandenen Studiofilme, die den Krieg als zwar strapaziöses, aber dennoch spaßig anzuschauendes Männerabenteuer schildern und seinem Publikum reuelose Abenteuerunterhaltung boten. Kantige Heroen, deren absehbarer Erfolg auf Freundschaft und Verlässlichkeit, also guten, amerikanischen Tugenden, fußt, schlagen sich durch unwegsames, altweltliches Gelände, das sich von Grundauf wenig gastfreundlich, um nicht zu sagen: feindselig ausnimmt und in dem sich zwangsläufig jeweils nur die grundsätzlich exotisch gezeichneten Einheimischen zurechtfinden. Der dem Amerikaner eigene Pioniergeist bezwingt jedoch auch diese Widrigkeiten und bringt einmal mehr eine neue Heldengeneration hervor. Die Aufdeckung der Tatsache, dass Sam McHale und seine Jungs ohne den Mongolenhäuptling Kengtu (Murvyn Vye) völlig aufgeschmissen wären, überlässt "Destination Gobi" vorsorglich den deduktiven Fähigkeiten des Zuschauers, wobei er sich ebenso breit grinsend darüber amüsiert, dass die ach so unzivilisierten Nomaden keine Fotoaaparate kennen und alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Aber so sind sie, die Eingeborenen. Von edelmütigem Menschentum und eigentlich ganz lieb, aber eben auch'n bissken doof. Genau wie Wises Film.

7/10

Robert Wise Wüste Gobi Mongolei China Pazifikkrieg WWII Militär


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HALLS OF MONTEZUMA (Lewis Milestone/USA 1950)


"War is hell."

Halls Of Montezuma (Die Hölle von Okinawa) ~ USA 1950
Directed By: Lewis Milestone

Die Invasion von Okinawa steht unmittelbar bevor. Der unter heftigen Panikattacken leidende Lieutenant Anderson (Richard Widmark) und seine Männer rücken immer weiter ins Landesinnere vor, unter ständigem Beschuss von schwerem Artilleriefeuer aus einer unsichtbaren Quelle. Während einer nach dem anderen aus Andersons Truppe im Kampf fällt, kann eine Gruppe japanischer Soldaten gefangengenommen werden, die den Standort der Kanonen kennt.

Im Gegensatz zu der betroffen machenden Inszenierung seines rund zwanzig Jahre älteren, diese Kategorisierung wirklich verdienenden 'Antikriegsfilms' "All Quiet On The Western Front" konnte Milestone sich hier der lockenden Verführung der ihm zur Verfügung stehenden production goods nicht entziehen und kreierte einen mitreißenden Actionfilm. "Halls Of Montezuma", dessen Titel sich auf die erste Zeile aus der "Marine's Hymn" bezieht, nimmt sich zwar Zeit für nachdenkliche Zwischentöne und verzichtet auf allzu pathetische Heldenverehrung, ist aber dennoch kein Film, der sich hinreichend ernsthaft mit seinem abstrakten Gegenstand auseinandersetzt. Stattdessen gibt es einige der üblichen Archivaufnahmen von Militäreinsätzen und es wird dem Marine Corps heftig für die Möglichkeit gedankt, dessen Flugzeugträger und Panzer im Film vorführen zu dürfen. Dass bei aller Kritik "Halls Of Montezuma" sich dennoch fernab davon hüten kann, sich zur bloßen, Rekrutenwerbung zu entwickeln, dürfte schließlich immer noch seinem versierten Regisseur zuzuschreiben sein, wenngleich dieser innerhalb seines Werks mit dem Zweiten Weltkrieg durchweg und prinzipiell deutlich kommerzfreundlicher umzuspringen pflegte als mit dem Ersten. Schnitt und Montage zeugen allerdings von meisterhafter Könnerschaft.

8/10

Lewis Milestone WWII Pazifikkrieg Okinawa Japan Insel Militär





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Funxton

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