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Antoine Doinels Filmtagebuch


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Ich seh Ich seh


was du nicht siehst, und das ist ...

Ein abgelegenes, mondänes Haus mit einer schrecklich sterilen Inneneinrichtung.
Ein Maisfeld (wurde extra für den Film gepflanzt), Wald, die herb-bizarr-schöne
Landschaft des Waldviertels, einem Hochplateau, etwa 100 km nördlich von Wien.
Es ist Sommer. Zwei Buben um die zehn, Zwillinge die kaum zu unterscheiden sind,
toben durch das Maisfeld. "Du bist", sagt da der eine zum anderen.
Mutter, die nach einer (Schönheits) Operation heimkommt, den Kopf einbandagiert,
so wie wohl nur in einem Gruselfilm ein Kopf einbandagiert werden kann. "Sie ist so
komisch", meinen die Zwillinge im Film, der das Geschehen konsequent aus der
Sicht der Kinder zeigt. Die Stimmung ist unterkühlt. Ein Vater ist nicht vorhanden,
sein Abbild wurde aus dem Fotoalbum entfernt. "Du bist nicht unsere Mama!"
schreit ein Kind später die Mutter an, es kommt zur Eskalation.

Ich seh Ich seh ist ein schaurig schöner und wunderschön fotografierter(35 mm)
psychologischer und poetischer Horrorfilm, der sich innerhalb altbewährter aber damit auch altbekannter Genrepfade bewegt. Musik, sphärische Klänge von Olga Neuwirth, setzt er nur sparsam aber durchaus effektvoll ein. Er setzt mehr auf Atmosphäre, auf visuelle Irritationen
als auf grelle Schockeffekte, um innerhalb der Genregrenzen seine Geschichte einer
Entfremdung zu erzählen. Ein Thema, das typisch ist für den österreichischen
Autorenfilm, wie er durch Haneke international bekannt wurde. Seine "emotionale Vergletscherung" ist auch hier zu spüren und zu sehen, während auf Seidl, der den Film produzierte eigentlich wenig verweist. Ein wenig sitzt der Film zwischen den Stühlen, denn ein einfach zu konsumierender Gruselfilm, wo man bei Popcorn und Cola sich einfach erschrecken
lässt, und das Blut in Strömen fließt, ist er nicht. Es bedarf einer gewissen Aufmerksamkeit
und Geduld, womit ihm wohl das ganz große Publikum verwehrt bleiben wird.

Das ändert aber nichts daran, dass dieser kleine Horrorfilm recht gelungen ist, und
zu recht auf große positive internationale Resonanz stößt.

Veronika Franz Severin Fiala Horrorgenre


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Viennale 2014


Viennale, das bedeutet berstend volle Kinos, Napoli Drageekeksis soviel man möchte (weil diese
Süßigkeit vom Hauptsponsor, einer Telekomfirma, tonnenweise kostenlos zur Verfügung gestellt
wird), eine unübersichtlich große Filmauswahl innerhalb kurzer Zeit, Regisseure und Schauspieler,
die bei der Aufführung ihrer Filme anwesend sind, und vieles andere mehr. Kurz gesagt, das Festival
bietet einen besonderen Rahmen für besondere Filme. Und dies gilt wohl mehr oder minder für
alle Festivals dieser Welt. Und dieser besondere Rahmen ist für viele, mich eingeschlossen, recht
attraktiv. Denn während Programmkinos im Zeitalter der Digitalisierung und dem damit verbunden
leichten Zugang zu Filmen via Internet mit Zuschauerschwund zu kämpfen haben, boomen
Festivals (und Cinemathequen). So konnte die Viennale auch heuer wieder trotz des gewohnt sperrigen
Programms einen neuen Zuschauerrekord vermelden.(98T). Vier Filme habe ich gesehen, und kein
einziger hat mich enttäuscht. Allerdings konnte mich auch keiner so begeistern wie Vie d'Adele im
Vorjahr.


Clouds of Sils Maria Olivier Assayas OmU Gartenbaukino

Die Filme von Assayas, der für mich zu den besten und liebsten zeitgenössischen Regisseuren zählt,
haben eine unglaubliche stilistische Bandbreite. Sie reichen von actionreichen Filmen wie die beiden letzten(Carlos, Apres mai) bis zu an Rohmer erinnernde Filme, wo der Dialog wichtiger ist als der Plot.
Und zu dieser Kategorie kann man auch Clouds of Sils Maria zählen. Zwei Frauen stehen
hier im Mittelpunkt. Die eine ist die berühmte Schauspielerin Maria Enders in ihren Vierzigern
(Juliette Binoche), die andere ist ihre weit jüngere, sie verehrende Assistentin Valentine(Kirsten Stewart).
Gemeinsam studieren sie in der atemberaubenden Bergwelt von Sils Maria (Engadin, Schweiz)
Enders neue Rolle ein. Es handelt sich dabei um die Wiederaufnahme jenes Stückes, mit dem
Enders einst als junges Mädchen über Nacht berühmt wurde. Darin geht es um eine sexuelle Beziehung zwischen zwei Frauen unterschiedlichen Alters, die für die ältere fatal endet. Wurde Enders durch
die Verkörperung der Jungen berühmt, muss sie nun widerwillig die Alte spielen. Dieses Grundgerüst
bietet Assayas die Möglichkeit für eine Unzahl von Spiegelungen und Verknüpfungen, für eine Unzahl von Fragen, die diesem Filmemacher, der sehr im Heute verhaftet ist, seit je her interessieren. Jene nach dem Verhältnis der Generationen ist da nur eine davon. Und selbstverständlich ist der Film auch eine Hommage an die große Juliette Binoche im speziellen und Schauspielerinnen im allgemeinen.
Das ganze wird in wunderbaren Breitwandbildkompositionen von Yorick Le Saux, mit dem
Assayas schon öfter gearbeitet hat(etwa Carlos) dargeboten.
So fiel es mir leicht, die für den Film notwendige Konzentration aufzubringen. Clouds of Sils Maria
ist kein dramatischer Film, der einem den Atem raubt, sondern ein leises Werk, dessen Wirkung
sich erst nach und nach entfaltet. Und am Ende der Vorstellung wurde ordentlich applaudiert.

P.S.
Dieser französische Film, koproduziert von Deutschland und der Schweiz ist in englischer Sprache,
was bei allen diesbezüglichen Bemühungen durch Assayas nur bedingt schlüssig ist. Aber englisch=
sprachige Filme sind auf den Weltmarkt halt leichter unterzubringen.


Bande a part Jean-Luc Godard SW OmU Metro Kinokulturhaus Eric Pleskow Saal

"Cinque Fois Godard" hieß die Programmschiene in der dieser Klassiker lief. Fünf Filmemacher
wählten einen Godard-Film aus. Olivier Assayas entschied sich für Nouvelle Vague, und
Agnes Varda habe ich es zu verdanken, dass ich Bande a Part endlich sehen konnte.
Er entpuppte sich als leichtfüßiger, skizzenhafter Film im atemberaubenden Tempo
über jugendlichen Übermut und jugendliches Begehren. Die naiv kindliche Odile(Anna Karina), der schöne aber verträumte Franz(Samy Frey), und der entschlossene Arthur (Claude Brasseur) lernen sich
bei einem Englischkurs kennen. Zu dritt tanzen sie, zu dritt stürmen sie in neuer Bestzeit durch das Louvre, und zu dritt wollen sie das viele Geld holen, von dem Odile erzählte.
Ein amerikanischer Krimiroman diente Godard als Vorlage für diesen Film, der selbstverständlich
auch eine Genre-Dekonstruktion ist. Vieles erinnert hier am später gedrehten und von mir sehr geschätzten Alphaville, der aber sicherlich der bessere, weil tiefsinnigere Film ist.
Bande a Part ist wohl nur ein Nebenwerk Godards, aber eines das unglaublich viel Spaß macht,
und gerade deswegen nicht zu unterschätzen ist.


Pasolini Abel Ferrara OmU Gartenbaukino

Ferrara, der anwesend war, und sich anschließend den Fragen des Publikums stellte, beschränkt
sich in seinem Film über den von ihm verehrten italienischen Filmemacher, auf dessen letzten Tage.
Dazu verfilmt er auszugsweise Pasolinis letztes Drehbuch, das er nach Salo in Angriff nehmen wollte.
Diese beiden Ebenen ergänzen und kommentieren einander. Das ergibt in Summe einen ziemlich
eindrucksvollen Film, und das ist es auch was er macht, nämlich Eindrücke zu vermitteln, anstatt
wie bei einem gängigen Biopic üblich, die Biographie nachzuerzählen. So weiß ich nun genausowenig
über Pasolini wie zuvor, habe aber dafür viele interessante Eindrücke gewonnen. Einzig die Sprache
fand ich ein wenig gewöhnungsbedürftig. Pasolini (Defoe) spricht Englisch, alle anderen aber Italienisch,
was einen eigentümlichen Verfremdungseffekt ergibt.
Dies war übrigens mein erster Film von Abel Ferrara, und ich bedaure nicht ihn kennengelernt zu haben.


Bande de Filles OmU Celine Sciama Metro Kinokulturhaus Großer Saal

Dieser Film erzählt von der Entwicklung von Marieme, einem halbwüchsigen schwarzen Mädel
aus der Pariser Vorstadt, den berühmt berüchtigten Banlieu. Der Film beginnt damit, dass sie sich der titelgebenden (schwarzen) Mädchenbande anschließt. Gemeinsam zieht man durch Paris, stiehlt
Kleider, und mietet sich mit von weißen Mitschülerinnen erpresstem Geld in Hotelzimmer ein.
Sciamma, eine weiße lesbische Filmemacherin gelingen da wirklich großartige Bilder jugendlicher
Ausgelassenheit. Diese Ausgelassenheit kann aber nicht hinwegtäuschen, dass die Zukunfts=
aussichten Mariemes, und die der anderen Mädchen nicht die besten sind. Marieme bleibt
wegen schlechter Noten eine weiterführende Schulbildung verwehrt, und so wie ihre
Mutter als Putzfrau zu arbeiten, kommt für sie nicht in Frage.

Bande de Filles ist ein interessanter und sehenswerter Film über die Träume weiblicher
Jugendlicher in einer in vielfacher Beziehung schwierigen Umgebung. Und er ist definitiv
keine betroffen machende Sozialstudio.

Clouds of Sils Maria Bande a part Pasolini Bande de Filles


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Magical History Tour: To be or not to be


I am a jew. Have not a jew eyes? Have not a jew hands, organs, dimensions, affections, passions?
Fed with the same food, hurt with the same weapons, subject to the same means, warmed and
cooled by the same winter and sommer, as a Christian is? If you prick us, do we not bleed?
If you tickle us, do we not laugh? If you poison us, do we not die? And if you wrong us, shall we
not revenge?

Shylocks Monolog aus "Der Kaufmann von Venedig" von William Shakespeare

Warschau im Sommer 39, in dem noch Frieden herrscht. Da taucht plötzlich Adolf Hitler in der
Innenstadt auf, was bei den Passanten große Verwunderung auslöst. Dann schneidet der Film zum Gestapo - Hauptquartier, das sich aber nach einiger Zeit als Theaterkulisse entpuppt, und Hitler als Schauspieler, der auf der Straße seine Glaubwürdigkeit testen will.

So beginnt Ernst Lubitsch' Film, in dessen Mittelpunkt eine Warschauer Theatertruppe mit den
Stars des Ensembles Josef Tura (Jack Benny, herrlich blöd in seiner Selbstüberschätzung) und seine notorisch untreue Ehefrau Maria Tura (Carole Lombard, äußerst attraktiv, und ihrem Mann in allen Belangen überlegen) an der Spitze. Und dieser Beginn, in dem nichts so ist, wie es zu sein scheint, ist prototypisch für den ganzen Film.
Wenn in Tarantinos Inglourious Basterds das Kino die Nazis besiegt, und der traditionellen filmischen
Darstellung der Nazis der Kampf angesagt wird, so sind es hier die Mittel des Theaters, mit denen ihre
Selbstinszenierung als hohle Schmierenkomödie entlarvt und ihnen ein Schnippchen geschlagen wird.

Das Nazi-Stück wird auf Druck der Regierung abgesetzt, statt dessen gibt es wieder Shakespeares
Hamlet. Doch bald überfällt Deutschland Polen und das Theater wird geschlossen. Ab nun setzt
das Ensemble seine Fähigkeiten dazu ein, um einem Nazi-Kollaborateur eine Liste mit polnischen
Untergrundkämpfern abzuluchsen, und um ihr Überleben zu sichern. Sie spielen um Sein oder Nichtsein.
Weiter ließe sich die Geschichte selbst nach oftmaligem Ansehen des Filmes und bei bestem Willen
nicht nacherzählen, denn dazu ist diese grandiose Farce viel zu verschachtelt, wechseln die
Fronten und Verkleidungen geradezu im Minutentakt. Trotzdem, und trotz der vielen Auslassungen
in der Handlung, die die Zuschauer zum Mitdenken zwingen, erscheint der Film in sich vollkommen
logisch und aus einem Guss zu sein.

Interessant ist, dass der Film das Wort Jude unter allen Umständen vermeidet. So ist Greenberg,
(Felix Spessart, so wie Lubitsch eine Jude aus Deutschland) nicht nur durch den Namen eindeutig
als Jude zu erkennen, aber ausgesprochen wird es nicht. Und es ist natürlich Greenberg, der öfter aus
Shylocks Monolog rezitiert, in dem aber ebenfalls das Wort Jude eliminiert wurde. War dafür der Hayes-
Code verantwortlich, oder war es Lubitsch Idee jüdische Identität so zu behandeln wie sonst
sexuelle Angelegenheiten?

Wie auch immer, To be or not to be ist eine meisterhafte Farce, getragen von großartigen
Schauspielern, die blendenst unterhält, und die Nazis und ihre Inszenierung der Macht
entlarvt und der Lächerlichkeit Preis gibt. Die manchmal nachwievor geäußerten Zweifel,
ob eine Komödie dem ernsten Thema angemessen ist (wenn Lubitsch das volle Ausmaß
der Gräuel gekannt hätte, dann u.s.w.) kann ich nicht einmal ansatzweise teilen.
In meinem Lieblingsbuch wird in einem mittelalterliche Kloster gemordet, weil jemand
befürchtet, ein Buch über die Komödie könnte die Gottesfurcht untergraben. Denn Lachen
untergräbt die Macht. Es gibt zwar auch das systemstabilisierende Zerstreuungslachen,
wozu mir in diesem Zusammenhang die Feuerzangenbowle einfällt, doch in diesem Meisterwerk
ist das Lachen eindeutig subversiver Natur.

In diesem Sinne:

Heil myself!

Ernst Lubitsch 1942


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La vie d'Adele - Chapitres 1 et 2


Die ersten beiden Kapitel aus Adeles Leben zu erzählen, verspricht der Originaltitel. Der Film tut dies,
indem er vor allem Gesichter und Körper in Großaufnahme zeigt. Und im Mittelpunkt steht das
Gesicht von Adele(Adele Exarchopoulos), zu Beginn des dreistündigen Filmes eine Schülerin, am
Ende eine junge Grundschullehrerin. Ich muss gestehen, ich konnte gar nicht genug von diesem
jugendlichen Gesicht und all den Emotionen, die sich darin widerspiegeln, bekommen. Dieser
seine sexuelle Identität suchende Teenager lernt die um einiges ältere, offen lesbisch lebende,
angehende Kunstmalerin Emma, (Lea Seydoux) kennen und lieben.Und diese intensive Beziehung
wird Adeles Leben prägen.

Sehr oft beobachtet man in diesem Film im Breitwandformat die Protagonisten beim Essen, oder auch beim Sex. Die intensiven Sexszenen sind von großer Sinnlichkeit, und ich weiß nun, was es mit den "Scissors-Sisters" so auf sich hat. Der Film erklärt nichts sondern zeigt einfach. Er entwickelt dabei
einen ganz eigenen, höchst attraktiven Fluss der Bilder, der die Zeit wie im Flug vergehen lässt und
einer eigenen, dem Film inhärenten Logik folgt. Vielleicht wurde dieser ungewöhnliche Stil von der Comicvorlage, "Le Bleu est une couleur chaude", die auch den deutschen (und englischen)Verleihtitel erklärt, inspiriert.
Dadurch bleiben so manche Frage offen, die üblicherweise geklärt werden. So erfährt man etwa nicht, wie Adeles liebevolle Eltern damit umgehen, quasi eine Schwiegertochter zu haben. Emma besucht diese zwar einmal, aber als ältere Freundin in fixer heterosexueller Beziehung, die ihr bei Schulaufgaben hilft. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen. Auch die Jahre, die im Laufe des Handlung vergehen, kann man nur durch einige Indizien erahnen. Dies mindert aber die Grandiosität dieses Werkes nicht im geringsten.

La vie d'Adele ist ein sinnliches Meisterwerk, das das Leben feiert ohne Kitsch und ohne die
dunklen Seiten zu verbergen. Und er führt dabei die Frage nach Hetero- oder Homosexualität und
alles was dabei dazu gehört(etwa religiöse und moralische Fragen) ad absurdum.
Es würde mich freuen weitere Kapitel aus Adeles Leben kennenzulernen, denn es ist
schon länger her, dass mich ein Film derart begeistern konnte.

P.S.
Ich habe den Film im Rahmen der Viennale gesehen. Im vollen, mehr als 700 Zuschauer fassenden,
erhabenen Gartenbaukino mit seiner riesigen Leinwand. Und zwar in der 5. Reihe am Rand, was alles andere als ein idealer Platz ist. Und in der Reihe vor mir saß ein Mann dessen Hinterkopf in die Leinwand ragte, und zwar genau in der Mitte der Untertitel, wodurch diese fast unleserlich wurden. Und mein Küchenfranzösich reicht bei weitem nicht aus, einen Film halbwegs zu verfolgen. Deswegen träumte
Ich vom "Gartenbaukino Kettensägen Massaker", wo ich diesen lästigen Hinterkopf auf die passende
Höhe zurückstutzen könnte. Und dabei mag ich Splatterfilme eigentlich gar nicht. Aber letztendlich
konnte der Hinterkopf den großen Genuss nicht entscheident verringern. Und am Ende der Vorstellung
gab es starken Applaus.

Blau ist eine warme Farbe Abdellatif Kechiche Goldene Palme von Cannes


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Magical History Tour: The 39 Steps


The 39 Steps Alfred Hitchcock SW 1935

Richard Hannay, ein Kanadier in London, lernt unter turbulenten Umständen in einer Music Hall,
der britischen Variante des Varietetheaters, eine attraktive Frau kennen. Sie bittet ihn, sie
mit nach Hause zu nehmen. Dort angekommen, faselt sie etwas von einer brandgefährlichen
Spionageorganisation namens 39 Steps, die dabei ist für GB lebenswichtige Militärgeheimnisse
aus dem Land zu schmuggeln, und dass deren diabolischer Chef im schottischen Hochland zu
finden ist. Schließlich landet sie doch noch in Hannays Bett, leider mit einem Messer im Rücken.
Womit Hannay aus seiner bürgerlichen Existenz gerissen wird, von der Polizei als Mörder
gesucht, verfolgt von den Agenten der 39 Steps, macht er sich auf den Weg nach Schottland, um
diese wiederzuerlangen.

Ich habe vor nicht all zu langer Zeit, den gleichnamigen Roman von John Buchan auf den
der Film äußerst lose (sehr zum Ärger des Autors) basiert, quergelesen. Es handelt sich dabei
um einen ziemlich trivialen und antiquiert wirkenden Abenteuerroman.

Dies alles trifft sich auf den Film nicht zu. Er ist ein fast abstraktes ja surreales und
filmtechnich innovatives Werk der
Angstlust, in dem der Held im atemberaubenden Tempo gefährliche, lustige
und auch erotische Episoden erlebt. Drei Frauen begegnet er dabei. Die erste ist bald
tot, und für sein Schlamassel verantwortlich. Die zweite rettet ihn vor der Polizei, und
auch unbewusst sein Leben. Die dritte schließlich, eine kühle Blonde, wie es sich
für Hitchcock gehört, kann er erobern.

So nebenbei gelingt Hitchcock in einer Episode auch ein geradezu herzzerreissndes Portrait
einer jungen lebenshungrigen Frau, die von ihrem weit älteren Mann schwerstens
unterdrückt wird. Ob da Alma Reville ihre Hände im Spiel hatte?
Und die absurde Episode, in der Hannay, gerade von der Polizei entkommen, in seiner
Verzweilung eine flammende, mit Begeisterung aufgenommene, Wahlrede halten muss,
die aber nur aus nichtssagenden Floskeln besteht, erinnert mich an die zeitgenössischen
Politik.

Am Ende geht es wieder nach London, und die 39 Steps und das Geheimnis, dass sie
außer Landes bringen wollen, entpuppen sich als das, was sie immer waren. Nur ein
Vorwand, ein McGuffin, um Hitchcock die Möglichkeit zu geben, mit sadistischer Lust
einem Mann die bürgerliche Existenz und die damit verbundenen Konventionen zu
rauben, und zu schaun was dann passiert.

Der Film war ungeheuer erfolgreich. Er ist auch der älteste Hitchcock den ich kenne, zählt
aber zu meinen (vielen) Lieblingsfilmen Hitchcocks. Er selbst hat später noch zwei weitere
Varianten dieses Grundschemas gedreht, Saboteur und North by Northwest.

Magical History Tour Alfred Hitchcock


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4 Filme über das Filmemachen


Es ist kein Zufall, dass alle vier Filme europäische Produktionen sind. Drei, die zur klassischen
Moderne zu zählen sind, und einer, der zur zeitgenössischen Postmoderne gehört. Nicht, dass
es nicht auch amerikanische Filme gibt, in denen es in irgendeiner Form um das Fimemachen geht,
man denke etwa an Singing in the Rain, oder Shadows of the Vampire, der von den Dreharbeiten
zu Murnus Stummfilmklassiker Nosferatu unter der Annahme erzählt, Murnau hätte einen
echten Vampir für die Titelrolle aufgetrieben. Und selbstverständlich fällt mir auch David
Lynchs Meisterwerk Mulholland Dr. ein, in dem Hollywood ein verwunschener Ort ist, der von
dämonischen Kräften gelenkt wird. Doch jene Art der Selbstreflexion, die für die von
mir ausgewählten Filme typisch ist, fehlt in der Regel amerikanischen Filmen zu diesem
Thema. Dies vielleicht auch deswegen, weil das nicht zur Art wie Hollywood erzählt, passt.

Die vier Filme, mit denen ich mich näher befasse sind selbstverständlich auch höchst
unterschiedlich, aber sie haben u. a. gemeinsam, dass ich sie für großartig halte, und
sie zu meinen Lieblingsfilmen zählen.


Otto e Mezzo/Achteinhalb SW Federico Fellini

Guido Anselmi(Marcello Mastroianni) ist ein höchst erfolgreicher Regisseur Mitte 40, der
in eine Lebenskrise geraten ist, und nicht weiß wie es weitergehen soll, in seinem Leben
und mit seinem nächsten Film, für den sein Produzent schon ein sündteures Raumschiff
als Kulisse errichten hat lassen. In einem Spa sucht er Erholung und Inspiration,
doch auch dort wird er von Produzenten und Drehbuchautoren, von Kritikern,
von Stars und Sternchen, von seiner intellektuellen Frau und seiner animalischen
Geliebten heimgesucht.

Der Film verzichtet auf eine klassische Narration, der Übergang zwischen realer Handlung
und Traumsequenzen ist fließend, sondern bietet statt dessen eine
Innenansicht Anselmis. Er zeigt seine Ängste und seine oft egoistischen Sehnsüchte,
und auch seine Kindheitserinnerungen nehmen einen breiten Platz ein.
Beiing Guido Anselmi wäre ein passender Titel dafür, und es macht verdammt viel Spaß
das Innerste dieses Manns kennenzulernen. Daran, dass hinter Anselmi niemand anderer
als Fellini selbst steht, lässt der Film keinen Zweifel.

"Vergiss nie, dass es eine Komödie ist" einen Zettel mit diesem Inhalt soll Fellini am
Set angebracht haben. Und tatsächlich ist er voll heiterer Szenen, die es leicht
machen diesen Film ohne klassischer Handlung zu genießen. Die oppulenten SW-Bilder und
die geniale Musik Nino Rottas tun ihr übriges dazu.
Nicht die handwerkliche Herstellung eines Filmes, sondern die Ambitionen,
Ängste und Sehnsüchte des Regisseurs die in den kreativen Prozess einfließen.stehen
in diesem Meisterwerk im Mittelpunkt.


Le Mepris/die Verachtung Jean-Luc Godard

Der legendäre Regisseur Fritz Lang(er selbst) dreht in Rom eine Odyssee-Adaption.
Der amerikanische Produzent Prokosch (Jack Palance) ist mit dem, was er bis jetzt gesehen
hat überhaupt nicht zufrieden, und engagiert daher Paul Javal(Michel Piccoli) als Skript=
Doktor. Dessen schöne und finanziell anspruchsvolle Frau, Camille (Brigit Bardot) empfindet
ab einem gewissen Zeitpunkt Verachtung für ihren Mann.

Godard zeigt hier wie der Druck der Ökonomie, repräsentiert durch den vulgären Geld=
menschen Prokosch (wenn ich Kunst höre, zücke ich das Scheckbuch) die Filmkunst be=
einträchtigt, und verknüpft dies mit der Liebe, die genauso durch die Ökonomie beein=
flusst wird. So wie Prokosch sich über nackte Frauen in Langs Odyssee-Film (er wurde
von ihm selbst gestaltet, und ist damit seine letzte Regiearbeit) erfreut ist, übten
die realen Produzenten Druck auf Godard aus, Bardot nackt zu zeigen.
Dadurch kam es zu dem Prolog, er zeigt das Ehepaar Javal, sie dabei natürlich nackt.
Eine der erotischten Szenen, die ich kenne.
Was zeigt, dass Produzenteneinfluss nicht immer schlecht sein muss...
Nur ganz am Schluss sehen wir Dreharbeiten. "Herr Lang , wir sind bereit" sagt da
Godard als Langs Regieassistent, ist dieser Film u.v.a. auch eine Hommage an Fritz
Lang.

Le Mepris ist ein Farbrausch in Cinemascope. Der Vorspann, er zeigt Godards Kameramann
Raoul Coutard bei der Arbeit, wobei die Credits gesprochen werden, und mit einem Zitat von
Andre Bazin enden, gehört zu den schönsten der Filmgeschichte. Selbstverständlch wird
wie beim "verkopften" Godard üblich viel gescheites geredet, u.a. über Hölderlin, aber es
sind die sinnlichen Qualitäten durch Bild und Schnitt, die diesen Film zu einem ganz großen
Erlebnis machen.


La nuit americaine/die amerikanische Nacht Francois Truffaut

Regisseur Ferrand(Truffaut selbst) dreht im Studio La Victorine, Nizza, "Je Vous presente
Pamela"(darf ich Ihnen Pamela vorstellen) ein altbackenes Melodram, in dem sich der
Schwiegervater in die Frau seines Sohnes verliebt, was zu einer Tragödie mit tödlichem
Ausgang führt. Von all den Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben, erzählt der Film.
"Einen Film zu drehen ist wie die Fahrt in einer Postkutsche. Am Anfang hofft man auf eine
schöne Reise, am Ende ist man froh, lebendig das Ziel zu erreichen", sagt Ferrand/Truffaut.

Oberflächlich betrachtet ist der Film nur eine Hommage an das klassische Studiokino, der uns
Zuschauer erlaubt einen oft amüsanten Blick hinter die Kulissen zu werfen, wo es eine engagierte
Crew aller Widrigkeiten zum Trotz schafft, die Dreharbeiten abzuschließen. So scheint auch
Godard den Film aufgenommen zu haben, überwarf er sich doch deswegen mit Truffaut
(er bezeichnete ihn als Lüge - allein schon die Tatsache, dass der Produzent ein netter
Mann ist, wird ihn gestört haben)

Bei näherer Betrachtung entpuppt sich la nuit americaine jedoch als hochkomplexe Angelegenheit.
Wir sehen eigentlich zwei Filme, einen der zur Tradition der Qualität gehört, und der vom scharf=
züngigen Kritiker Truffaut wohl in der Luft zerrissen worden wäre, und einen der alle Merkmale
der Nouvelle Vague trägt. Die beiden Filmstile werden gegnübergestellt, wobei die Filme
immer mehr ineinander übergehen.Darüber hinaus ist er ein Dankeschön an Truffauts
Mitstreiter und ein Resümee seiner bisherigen Erfahrungen. Ein Film über Schein und Sein,
und wie das eine das andere beeinflusst, und nicht zuletzt ein Film über die Vergänglichkeit aller
menschlichen Beziehungen. Und, und, und...
Und vor allem ist es ein unglaublich großes Vergnügen ihn immer wieder anzuschauen.


Irma Vep Olivier Assayas

Zwei Schauspieler (Jean-Pierre Leaud und Nathalie Baye) aus la nuit americaine sehen wir
hier, 23 Jahre später, wieder. Assayas wiederum schrieb zwischen 80 und 85 für die Cahiers du
Cinema.
In Irma Vep (einem Anagramm von Vampire) soll der abgehalfterte Regisseur Rene Vidal(Leaud)
ein Remake der Stummfilmklassiker "les Vampires", die übrigens keine Blutsauger, sondern
Gangster sind, drehen. Für die Titelrolle hat er sich den Hong Kong Action-Star Maggie Cheung
(sie selbst) von der er fasziniert ist, ausgesucht. Doch die Dreharbeiten, überschattet von
Eifersüchteleien der Crewmitglieder verlaufen chaotisch Und dann gibt es noch die Kostümbildnerin
Zoe (Nathalie Richard), die sich in die schöne Maggie verliebt hat.

Ausgangspunkt war das Thema "ein Ausländer in Paris". Daraus schuf Assayas einen höchst
unterhaltsamen und faszinierenden Film, der es meisterhaft versteht eine Unzahl verschiedenster
Motive harmonisch mitenander zu verknüpfen. Es geht hier neben dem Fremdsein, und den
Dreharbeiten zu dem Remake u. a. auch um einseitiges sexuelles Begehren. Die französische
Filmindustrie wird hier in einer (hoffentlich) satirischen Überzeichnung als streitsüchtig, chaotisch
und chauvinistisch gezeigt. So kommt es vor, dass niemand den ausländischen Star
nach Ende der Dreharbeiten zurück ins Hotel bringt, nur die verliebte Zoe mit ihrem Moped
bietet sich an...

Beim Anschauen der bisherigen Aufnahmen kommt es zum Eklat. Vidal hält alles für missglückt.
"Ein Bild verweist nur auf ein anderes", erklärt er. Und das erscheint mir der Kern des Filmes,
ja der filmisches Ambitionen von Assayas im allgemeinen zu sein. "Wie kann ich altbekannte
Filmmuster neu aufgreifen(was typisch ist für die Postmoderne) und dabei nicht nur wieder
auf einen anderen Film verweisen". Assayas gibt uns darauf zwei verschiedene Antworten.
Die eine, Maggie Cheung in ihrem sexy Latexanzug, die im Hotel von sich aus
als Irma Vep agiert bildet den atemberaubenden Höhepunkt des Filmes, die andere den
überraschenden Schluss.

Otto e Mezzo le Mepris la nuit americaine Irma Vep Fellini Godard Truffaut Assayas


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Zweieinhalb mal Doinel


Antoine schreitet durchs Leben wie ein Waisenkind und er ist immer auf der Suche nach Ersatz=
familien. Unglücklicherweise tendiert er dazu, die Flucht zu ergreifen, sobald er eine gefunden hat,
denn er ist und bleibt ein Ausreisser. Doinel stellt sich nicht offen der Gesellschaft entgegen, und von daher ist er kein Revolutionär, aber er geht seinen Weg am Rande der Gesellschaft, der er misstraut, und er möchte von denen akzeptiert werden, die er liebt und bewundert, denn sein guter
Wille ist total. Er besitzt viel Charme und weiß ihn einzusetzen, er lügt viel, er verlangt mehr Liebe
als er selbst geben kann, er steht nicht stellvertretend für alle Männer, er ist ein ganz besonderer Mann.

So Francois Truffaut über sein filmisches alter ego.


Antoine et Colette SW, 1962, 32 Min

Antoine Doinel (Jean-Pierre Leaud) ist 17, er hat sein eigenes Zimmer und verdient sein
eigenes Geld in der Schallplattenproduktion. Die Freizeit verbringt er bevorzugt bei speziellen
Jugendkonzerten. Da wird aber nicht die sexuelle Urkraft des Rock n Rolls erlebt, oder zu heißen Jazzrythmen gewippt, sondern ganz gesittet "ernsthafter" klassischer und zeitgenössischer Musik gelauscht. Dabei lernt er die hübsche, etwa gleichaltrige Schülerin Colette kennen. Blöd nur, dass er bei den Eltern des Mädchens mehr Erfolg hat, als beim Mädchen selbst

Dieser Kurzfilm erzählt recht unspektakulär und undramatisch eine Anekdote aus Doinels Teeniejahren. Gedreht im dokumentarisch anmutenden, und auch nach 50 Jahren noch so frisch wirkenden Stil Truffauts der frühen Jahre, noch ohne die poetischen und komödiantischen
Überhöhungen der späteren Doinel-Filme, gelingt hier eine eindringliche Beschreibung eines
unbeholfenen Außenseiters, der so gerne dazugehören möchte. Darum vergebe ich 8 von 10 von Antoine handgepressten Schallplatten.


Baisers Voles / Geraubte Küsse Farbe 1968

Zauberhafte Skizzen über den Versuch eines Burschen Anfang 20 im Hintergrund der Umwälzungen des Jahres 68, im Erwachsenenleben, sowohl privat als auch beruflich,
anzukommen. So könnte man diesen Film mit einem Satz zusammenfassen.

Es beginnt alles mit Doinels unehrenhaften Entlassung aus dem Militärdienst. Aus dem Arrest
vorgeführt, fällt es ihm, der sich länger verpflichtet hat, sichtbar schwer, Betroffenheit zu heucheln, und seine Freude über das Ausscheiden zu verbergen. Die anschließenden Szenen zeigen,
wie sehr er die gewonnene Freiheit genießt. Überhaupt ist dies ein Film über Freiheit, jene der
Jugend, der viele Wege offenstehen, aber auch über jene die sich durch die gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit neu ergeben hat. Doinel ist aber nicht jemand, der sich politisch
engagiert, und etwa an Demonstrationen teilnimmt. Dazu ist er viel zu sehr mit der Eigenfindung
beschäftigt, wie die meisterhafte Szene vor seinem Badezimmerspiegel demonstriert. Außerdem
zeigt sich dass dieses Mehr an persönlicher Freiheit mit einem Mehr an Egoismus und
der Abneigung sich auf etwas festzulegen, einhergeht.

Er nimmt Kontakt mit seiner Jugendfreundin, der Geigenstudentin Christine (Claude Jade) und deren Eltern auf, und auf Umwege landet er in einem Detektivbüro, wo er recht ungewöhnliche Aufträge zu erfüllen hat, die sogar auf sein Sexualleben Auswirkungen haben.

Der Film verzichtet auf eine strenge, klassische Dramaturgie, und setzt statt dessen auf nur lose
zusammenhängende, teilweise improvisierte Szenen voller Komik und Poesie. Diese offene Form passt perfekt zu einer Geschichte über Veränderung auf vielen verschiedenen Ebenen.
Sie ergeben in Summe einen zeitlos schönen Film mit einem umwerfenden Protagonisten dem ich nur die Höchstwertung geben kann.

Truffaut widmete Baisers Voles Henri Langlois, dem Gründer und damaligen Leiter der Pariser Cinemateque, gegen dessen Absetzung viele Filmschaffende mit Truffaut, Godard und den anderen Nouvelle-Vague-Burschis an der Spitze mit Erfolg ankämpften, womit auch die Entstehungsgeschichte, den damaligen Zeitgeist widerspiegelt.




Domicile Conjugal / Tisch und Bett Farbe 1970

Man sieht nur die schönen Beine einer Frau, die Einkäufe erledigt. "Nicht Madmoiselle, Madame" antwortet sie auf die dementsprechende Anrede. Es handelt sich dabei um Christine, nun Madame Doinel.

So beginnt Domicile Conjugal, der den Versuch einer bürgerlichen Ehe zwischen Christine und Antoine zeigt. Antoine färbt beruflich Blumen im Innenhof des von ihnen bewohnten Miethauses, während Christine Geigenstunden gibt. Das Haus ist von recht skurrilen
Gestalten bewohnt, und die Kellnerin des Bistros versucht beständig Antoine ins Bett zu kriegen. Die Abende verbringt man gerne bei Christines Eltern. Eine recht biedere Ehe zwischen zwei noch sehr jungen und unreifen Menschen.
Antoine wechselt gezwungener Maßen den Job, wo er einer japanischen Versuchung erliegt und Christine bekommt ein Kind. Das sind Herausforderungen für den selbstverliebten Antoine,
denen er nicht ganz gewachsen ist.

Der Film verströmt einen ganz eigene Magie, der ich bei jeder Sichtung aufs neue erliege.
Truffaut war ein Meister des leichtfüßigen Erzählens, und in diesen Film, der dramaturgisch
geschlossener und auch visuell ausgefeilter als Baisers Voles ist, erreicht er diesbezüglich
ungeahnte Höhen. Unter all der magischen Leichtigkeit, die es so leicht macht, den Film zu genießen verbergen sich die in vielen Formen auftauchende Stiegenmetapher, Antoines irreale Jobs, die seinen kindlichen Charakter illustrieren, Truffauts generelle Skepsis gegenüber der Intitution Ehe, eine Hommage an Tati und vieles mehr.

Ehekomödien von George Cukor und Ernst Lubitsch dienten Truffaut laut eigenen Bekunden
als Inspirationsquellen. Mit Domicile Conjugal gelang ihm ein Film, der traditionelle Ehe=
komödien weit hinter sich lässt, und den ich noch stärker als Baisers Voles einstufen würde.

Truffaut




Oktober 2017

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