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Antoine Doinels Filmtagebuch





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La vie d'Adele - Chapitres 1 et 2



Die ersten beiden Kapitel aus Adeles Leben zu erzählen, verspricht der Originaltitel. Der Film tut dies,
indem er vor allem Gesichter und Körper in Großaufnahme zeigt. Und im Mittelpunkt steht das
Gesicht von Adele(Adele Exarchopoulos), zu Beginn des dreistündigen Filmes eine Schülerin, am
Ende eine junge Grundschullehrerin. Ich muss gestehen, ich konnte gar nicht genug von diesem
jugendlichen Gesicht und all den Emotionen, die sich darin widerspiegeln, bekommen. Dieser
seine sexuelle Identität suchende Teenager lernt die um einiges ältere, offen lesbisch lebende,
angehende Kunstmalerin Emma, (Lea Seydoux) kennen und lieben.Und diese intensive Beziehung
wird Adeles Leben prägen.

Sehr oft beobachtet man in diesem Film im Breitwandformat die Protagonisten beim Essen, oder auch beim Sex. Die intensiven Sexszenen sind von großer Sinnlichkeit, und ich weiß nun, was es mit den "Scissors-Sisters" so auf sich hat. Der Film erklärt nichts sondern zeigt einfach. Er entwickelt dabei
einen ganz eigenen, höchst attraktiven Fluss der Bilder, der die Zeit wie im Flug vergehen lässt und
einer eigenen, dem Film inhärenten Logik folgt. Vielleicht wurde dieser ungewöhnliche Stil von der Comicvorlage, "Le Bleu est une couleur chaude", die auch den deutschen (und englischen)Verleihtitel erklärt, inspiriert.
Dadurch bleiben so manche Frage offen, die üblicherweise geklärt werden. So erfährt man etwa nicht, wie Adeles liebevolle Eltern damit umgehen, quasi eine Schwiegertochter zu haben. Emma besucht diese zwar einmal, aber als ältere Freundin in fixer heterosexueller Beziehung, die ihr bei Schulaufgaben hilft. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen. Auch die Jahre, die im Laufe des Handlung vergehen, kann man nur durch einige Indizien erahnen. Dies mindert aber die Grandiosität dieses Werkes nicht im geringsten.

La vie d'Adele ist ein sinnliches Meisterwerk, das das Leben feiert ohne Kitsch und ohne die
dunklen Seiten zu verbergen. Und er führt dabei die Frage nach Hetero- oder Homosexualität und
alles was dabei dazu gehört(etwa religiöse und moralische Fragen) ad absurdum.
Es würde mich freuen weitere Kapitel aus Adeles Leben kennenzulernen, denn es ist
schon länger her, dass mich ein Film derart begeistern konnte.

P.S.
Ich habe den Film im Rahmen der Viennale gesehen. Im vollen, mehr als 700 Zuschauer fassenden,
erhabenen Gartenbaukino mit seiner riesigen Leinwand. Und zwar in der 5. Reihe am Rand, was alles andere als ein idealer Platz ist. Und in der Reihe vor mir saß ein Mann dessen Hinterkopf in die Leinwand ragte, und zwar genau in der Mitte der Untertitel, wodurch diese fast unleserlich wurden. Und mein Küchenfranzösich reicht bei weitem nicht aus, einen Film halbwegs zu verfolgen. Deswegen träumte
Ich vom "Gartenbaukino Kettensägen Massaker", wo ich diesen lästigen Hinterkopf auf die passende
Höhe zurückstutzen könnte. Und dabei mag ich Splatterfilme eigentlich gar nicht. Aber letztendlich
konnte der Hinterkopf den großen Genuss nicht entscheident verringern. Und am Ende der Vorstellung
gab es starken Applaus.

Blau ist eine warme Farbe Abdellatif Kechiche Goldene Palme von Cannes



Habe ich mit Interesse gelesen - wobei ich jetzt wegen Unkenntnis des Films selbst einräumen muß, daß mir besonders das P.S. großes Vergnügen bereitet hat, denn den Hinterkopf, der entscheidende Teile der Untertitel abdeckt, ist ein mir wohlbekanntes Problem, und auch Dein Lösungsansatz ist zwar gewiß radikal, hat aber unbedingt seinen Charme... :D
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Irgendwann im Dezember läuft er regulär an. Ich kann ihn wirklich nur wärmstens empfehlen, ich bin geradezu aus dem Kino geschwebt. Der Film zeugt von einer großen formalen Meisterschaft,die zu einer unglaublichen emotionalen Tiefe und Vielschichtigkeit führt. Ich kann nachvollziehen, dass er in Cannes
die goldene Palme gewonnen hat, Gleichzeitig muss ich gestehen,
noch nie zuvor von diesem Filmemacher gehört zu haben

Es ist mir schon lange her, dass mich ein Kopf derart gestört und gehindert hat, da kann man schon auf abseitige Gedanken kommen.
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Gab es um den Regisseur nicht letztens irgendeine Kontroverse?
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Schöner Eintrag. Film ist vorgemerkt. :)
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Das Gartenbau ist ohnehin schon problematisch, auch ohne das Kopf-Problem. Südbahnhof-Zeiten Atmosphäre...

War dort zum letzten mal vor ein paar Jahren, als Akiresu to kame von Kitano lief.
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Bastro sagte am 05. November 2013, 00:40:

Gab es um den Regisseur nicht letztens irgendeine Kontroverse?

Also ich weiß nichts davon.
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