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und die Erde ist doch eine Scheibe ...

Sehen, ob das FTB gegen den Alzheimer hilft ...

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Secuestrados - Kidnapped


Kidnapped (Spanien/Frankreich 2010)

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Inhalt: Jaime und Marta ziehen mit ihrer 16 jährigen Tochter Isa in ein neues, luxuriöses Haus ein. Die Eltern wollen bei dem Abendessen den Einzug mit Champagner begießen, aber die Tochter möchte zu einer Teen-Party. Nachdem die Möbelpacker ihre Arbeit erledigt haben, streitet sich Isa mit ihrer Mutter und sie wiederrum mit ihrem Mann über die Erziehung der Tochter, bis der Streit abrupt durch drei Einbrecher beendet wird. Die brutalen Geiselnehmer terrorisieren die Familie gnadenlos …

Das Subgenre Torture Porn hat sich in den letzten 20 Jahren im Bereich Horror etabliert. Hierbei geht es um die Übertragung des seelischen Schmerzes auf die Zuschauer infolge eines dargestellten physischen Schmerzes (Präsentation der Verletzung). Man kann den Zuschauern eines Torture Porns, sadistische oder masochistische Gelüste vorwerfen, Fakt bleibt, daß viele Menschen dieses intensive Seherlebnis, das ihre Aufmerksamkeit voll beansprucht und ihr Herz höher schlagen läßt, nicht widerstehen können. Vielleicht ist es auch einfacher, sich an dem Leid der anderen Menschen teilhaben lassen, als an dem Glück! Denn hierbei die Gefühle wie Neid und Eifersucht nicht hinderlich wirken. Vielleicht ist auch Angst ein ansteckendes Gefühl, das den Menschen bei der Arterhaltung mehr Dienste erwiesen hat als Freude. Umgekehrt in der realen Welt ist auch die Bereitschaft der Menschen bei dem Überlebenskampf hilfesuchend ihr Leid mit den anderen zu teilen höher als ihr Glück im Normalfall. Das ist wahrscheinlich nicht alles angeboren, sondern vieles kulturell und sozial bedingt anerzogen. Im Bezug auf die Filmwelt könnte man den Schluß ziehen, daß das Publikum mit einem Torture Porn schneller und einfacher zu beeindrucken wäre als mit einer Liebeskomödie.

Daß es nicht so einfach funktioniert, merkt man bei den mißlungenen Genre-Vertretern wie „Mother's Day". Denn vor allem bei einem Torture Porn ist die Glaubwürdigkeit der Handlung extrem wichtig, damit die Identifikation des Zuschauers mit dem Opfer oder dem Täter auf der Leinwand gelingen kann. Diese Glaubwürdigkeit setzt handwerkliches Können der Filmemacher (Schnitt, Ton, Erzähltempo, Kamera,…) voraus. Bei einer Liebeskomödie fallen Schnittfehler i.d.R. kaum auf, bei einem Horrorfilm aber sofort! (Denn die Zuschauer hier aufgeregter/aufmerksamer sind und solche Störungen weniger verzeihen!).

Es gibt auch viele Autorenfilmer, die die Elemente von Torture Porn in ihren Meisterwerken einbauen, um die Wirkung des Geschehens und somit die Eindringlichkeit ihrer Botschaft zu intensivieren. Beispiele: "Die 120 Tage von Sodom", "Antichrist", "A Serbian Film" oder "Funny Games".
Das darf aber nicht die Funktionalität von Torture Porn in Frage stellen! Die Aufgabe eines Torture Porns , in seiner "reinen" Form, ist nicht sich mit einem relevanten Thema auseinanderzusetzen, sondern nur zu schocken! Daher auch einem Terrorfilm wie "Kidnapped" vorzuwerfen, daß er anspruchslos oder gar minderwertig sei, weil er bloß auf Gewaltdarstellung setzt und die Hitergründe der menschlichen Beziehungen nicht aufleuchtet oder die Charaktere nicht präzise analysiert, halte ich für genauso absurd, wie das Rügen eines Pornofilmes nur weil die Akteure vor dem Sex nicht kirchlich heiraten! Entweder man lehnt die Filme mit Gewalt prinzipiell ab, oder man macht sich bewußt, daß sowohl ein Film wie "Kidnapped" als auch ein Film wie "Funny Games" 100%ig gelungen sind, jeweils in ihrer eigenen Anspruchswelt!

Zum Film: Dem Regisseur Miguel Ángel Vivas ist mit seinem zweiten Spielfilm "Kidnapped" ein sehr effektiver und eindrucksvoller Terrorfilm gelungen. Der Film revolutioniert das Genre Terrorfilm genauso wenig, wie jeder Pornofilm, die Porno-Welt, aber er kann seine Schock-Wirkung voll entfalten. Es ist nicht zu übersehen, daß der Regisseur viele Genre-Highlights als Vorbilder genommen hat, er schafft aber gekonnt aus diesen Vorbildern, gewürzt mit einigen technischen Raffinessen (geile Splitscreen-Zusammenfügung), so zu zitieren, daß selbst die Genre-Kenner sich keine Sekunde langweilen. Vivas wurde zu Recht beim Austin Fantastic Fest als bester Regisseur ausgezeichnet.

Vivas drehte den Streifen innerhalb von zwölf Tagen und Nächten mit genauso vielen Szenen. Jede Szene kommt angeblich ohne Schnitt aus, was dem Zuschauer den Eindruck vermittelt dem Geschehen in Realzeit beizuwohnen. Die fundierte Kameraführung (immer nah an den und schnell reagierend auf die Bewegungen der Akteure) trägt zur Effizient des Horrors bei.

Die Schauspieler sind keinesfalls so gefordert oder überragend wie die Schauspieler in "Funny Games", aber sie machen ihre Arbeit mehr als solide. Man könnte es zwar bemängeln, daß die Tochter nicht immer logisch handelt oder mit ihrem Geschrei an den Nerven sägt, ich halte dies jedoch nicht für einen Kritikpunkt, denn in so einer Extremsituation, wenn es ums nackte Überleben geht, erwarte ich von einem 16 jährigen Teen-Mädchen nicht, ständig abgeklärt und logisch zu agieren. Authentisch heißt hier verständlich, nachvollziehbar und realitätsnah und nicht logisch oder vernünftig!
Obwohl das Ende des Films besonders hart den Zuschauer in die Magengrube schlägt und das Drehbuch sehr stimmig ist, gibt es von mir wegen mangelnder Innovation in der Story einen Punktabzug. Es ist zu hoffen, daß Vivas nach diesem Erfolg nicht wie sein Kollege Alexandre Aja (nach dem High Tension) von Film zu Film abbaut, sondern sein hohes Horror-Niveau beibehält.

Fazit: Perfekter Terrorfilm mit dichter Atmosphäre und maximaler Schockwirkung. Die Mischung aus "Funny Games (1997)", "Irreversibel (2002)" und "The Collector (2009)" hat genug ei­gen­e Einfälle um bei den Horrorfans zu einem Kultfilm zu avancieren. 9/10 Punkte

Frankreich Spanien Miguel Ángel Vivas 2010


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Dreamhome


Dream Home (Hong Kong 2010)

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Inhalt: Eine Telefonverkäuferin für Banking-Produkte hat nur einen Traum. Sie will eine schöne Wohnung mit Hafenblick in ihrer Heimatstadt Hongkong. Da dieser Wunsch mit der Zeit zur Besessenheit wird und sie trotz Fleiß und harter Arbeit nicht genug Geld für solche Wohnung sparen kann, hilft ihr nur eine Preissenkung der Wohnanlagen durch Serienmord in der gewünschten Wohngegend …

Regisseur Ho-Cheung Pang möchte mit "dreamHome" einen anspruchsvollen Horrorfilm inszenieren. Genau da liegt auch die Schwäche des Filmes. Die Mischung aus Sozialkritischem Drama, Tragödie und blutigem Splatter will nicht sich zu einem Ganzen formieren. Er kann keinem Genre richtig gerecht werden. Vor allem die Rückblende in die Kindheit der Serienmörderin, die aus armen Verhältnissen stammt, sind sehr kitschig und nervtötend. Auch die Darstellung der Männer, die alle neben der Familie, eine Sex-Gespielin haben, und somit als verlässlicher Partner nichts taugen bzw. die neokapitalistischen Arbeitsbedingungen in den Banken, vermögen nicht als Erklärung für die Morde oder für den psychisch labilen Zustand der Mörderin überzeugen. Der Zuschauer hat einfach kein Verständnis für die Täterin. Da die Opfer auch allesamt unsympathische Personen sind, empfindet man auch für sie kein Mitleid.
Lediglich bei einer Szene /Spoiler am Bett ihres kranken sterbenden Vaters Spoilerende/ konnte mich der Film emotional etwas berühren.

Der Film hat seine Stärken in seinen Kill-Szenen, die zwar nicht immer aber meist überzeugen. Zwar auch hier kommt nicht Hochspannung auf, da die Attacken nicht überraschend daher kommen, aber die Gore-Effekte sind weitestgehend gelungen.

Loben muß man noch den Kameramann Nelson Yu Lik-wai. Bei manchen Szenen schwebt die Kamera in den Gängen und den Räumen aus den Ecken heraus und erzeugt eine unheimliche Stimmung.

Die Hauptdarstellerin Josie Ho ist in Hong-Kong eine beliebte Sängerin. Ihr kann man zwar ein gewisses schauspielerisches Talent und ein niedliches Aussehen nicht absprechen, ich halte sie jedoch für eine Fehlbesetzung, da ihr zu keinem Zeitpunkt gelingt, einen diabolischen Eindruck zu hinterlassen.


Fazit: mittelmäßiger, teils spannender, um Sozialkritik bemühter, brutaler Horrorfilm mit schnulzigen Passagen, der in den letzten 20 Minuten an Fahrt gewinnt und somit für die Splatterfans einen Blick wert ist: 5,5/10 Punkte

PS: Der Vater von Josie Ho heißt Stanley Ho; Er gehört zu den 10 reichsten Chinesen. Er besitzt zahlreiche Casinos und Wettbüros und ist ein Polygamist (vier Ehefrauen).

Hong Kong 2010


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Mother's Day (USA 2010)


Mother's Day (USA 2010)

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Inhalt: Drei Bankräuber wollen sich in ihrem alten Haus verstecken. Das Haus wurde aber vor Jahren an einem Yuppie-Paar verkauft, welches gerade eine Party mit einigen Gästen feiert. Die drei Bankräuber gehören zu einer gestörten Familie. Als die dominante Mutter und die labile Schwester der Familie dazu stoßen, fängt der psychische und physische Terror erst an … bis zu dem Show-down zwischen zwei "Müttern" …

Hier werden sämtliche dummen Klischees aufgetischt, die man in einem skrupellose-Geiselnehmer-terrorisieren-unschuldige, dumm agierende-Gutmenschen-Film befürchten kann. Ausnahmen: 1. Hier schreit keine acht jährige Göre ständig "Daddy, daddy, ..." 2. Die Geisel sind alles andere als sympathische Gutmenschen ... mit denen hat man eigentlich kein Mitleid! ich muß zugeben, daß ich eher Sympathie für einige von Geiselnehmer hatte. Was Funxton nicht genügend in seinem FTB würdigt: die Präsenz und die wie immer beeindruckende Leistung von Rebecca De Mornay. Die Frau hat mit 50 immer noch ihre Aura wie früher. Daß sie nicht die verdiente Karriere in Hallywood machen konnte, liegt wahrscheinlich daran, daß sie viel zu gut für Hollywood ist: viel zu weiblich und sexy, viel zu formidabel ihre Schauspielkunst, viel zu intelligent ihre Art...

Bei diesem Popcornfilmchen sollte man den Verstand vollständig ausschalten können (auch wenn es hier sehr schwer fällt), damit die unzähligen unlogischen Handlungen der Akteure und die klischeehafte Darstellung der Geiselnehmer den kleinen Spaß an diesem bedeutungslosen Film nicht verderben können. Wer das nicht kann, der sollte lieber Filmklassiker dieses Genre wie "The Desperate Hours (1955) mit Humphrey Bogart", "Cry Terror! (1959)", "Ransom! (1956)" oder das Remake "Desperate Hours (1991)" oder "Funny Games (1997)" sich ansehen.
Der Film langweilt trotz seiner dummen Charaktere, aufgrund seiner temporeichen Erzählweise keine Sekunde.

Fazit: Terrorkino mit einer unorigineller Story und den stereotypischen unterbelichteten Figuren, in dem nur Rebecca De Mornay zu glänzen versteht. Ihretwegen die Note: 4,5/10 Punkte

PS: Leider kenne ich Charles Kaufmans Original von 1980 nicht! Daher fehlt meinerseits eine richtige film-historische Einordnung.

Rebecca De Mornay 2010 USA


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Bedevilled - Zeit der Vergeltung


Bedevilled - Zeit der Vergeltung (Südkorea 2010)

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Inhalt: Eine schöne, gefühlskalte, egoistische Bankangestellte wird Zeuge eines Mordversuchs. Aus purer Herzlosigkeit verweigert sie bei der Gegenüberstellung die Täter zu identifizieren. Da sie ansonsten auch nervlich am Ende ist und bei den Kollegen unangenehm auffällt, verordnet ihr Chef ihr einen Zwangsurlaub. Sie beschließt die Zeit zu nutzen und ein paar Tage auf der abgelegenen Insel "Moo-do", wo sie geboren ist, zu verbringen. Dort angekommen stellt sie fest, daß ihre ehemalige Freundin wie eine Sklavin gehalten wird. Sie wird ständig gedemütigt, vergewaltigt und als Arbeitstier missbraucht. Die einzige Freude in ihrem ansonsten unerträglichen Leben ist ihre kleine Tochter …

Was für ein Spiegelbild unserer Zeit: Einerseits die Einsamkeit, die Kälte, die Gerissenheit und die Existenzängste in den modernen Großstädten andererseits der Stillstand, die Armut, die archaischen erbarmungslosen Strukturen und die sexuellen Abartigkeiten in der zivilisationsentfernten Provinz. Und der einzige Hoffnungsschimmer in dieser grausamen Welt ist eine einfältige, selbstlose, unschuldige Bäuerin, die ein Martyrium auszuhalten hat, das an die Passion des Messias, Jesus Christus erinnert.

Wenn das Leid unerträglich und die letzte Hoffnung erlöscht scheinen, erst dann erlöst sich die Bäuerin und befreit sich von allen Leiden und Ängsten und wird zum Rache-Engel im Auftrag des Himmels, schreitet unaufhaltsam auf dem Weg des Märtyrertums. Während Lars von Trier im schematisch ähnlich angelegten Film „Dogville" extrem minimalistisch auf jegliche Utensilien verzichtet, benutzt der Regisseur Chul-soo Yang hier sämtliche Gegenstände (Häuser, Motorboot, Sichel, …) und Naturlandschaften um den Seelenzustand der Charaktere zu beschreiben. Während das traumhaft blau schimmernde jedoch isolierende Meer, das trockene unnachgiebige Ackerland, die erbarmungslos helle Sonne, allesamt die hässlichen Feindseligkeiten unter den Menschen bezeugen und sich gegen das Glück der Bäuerin verschwören scheinen, werden sie, nach dem sie die Stimme der Sonne wahrnimmt, zu ihrer Verbündeten!

Auch wie der Film sich Zeit nimmt und die Entwicklung der Beziehungen, vor allem das Verhältnis zwischen beiden „Freundinnen" und dessen Einfluß auf die Umgebung und auf die Reifung der Frauen zu neuen erwachseneren Menschen beleuchtet, ist beeindruckend.

Der Film weist aber leider auch kleine Schwächen auf: 1. Gerade am Anfang werden einige Nebenfiguren, wie die Männer auf der Insel klischeehaft dargestellt. (sie sind nicht nur böse und dumm, sondern die gucken auch ständig böse und dumm aus der Wäsche) 2. Da Horrorfilme sich besser verkaufen als anspruchsvolle Dramen, hat der Regisseur hier einige harte Splatter-Szenen einbauen müssen, die vor allem bei den Geschehnissen in der "Haftzelle" eher störend und deplatziert wirken und anstatt die verstörende Wirkung der Geschichte zu verstärken eher davon ablenken.

Fazit: verstörendes Meisterwerk über die existenziellen Nöte und die daraus resultierenden Abhängigkeiten, die Zivilcourage und den erlösenden Märtyrerweg mit kleinen Kompromissen zugunsten des kommerziellen Revenge-Genre. Ein Pflichtfilm für jeden Filmfan!
8,5/10 Punkte

Südkorea 2010 Chul-soo Jang


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Hetzjagd - Lauf um dein Leben


Hetzjagd - Lauf um dein Leben (Rußland 2008)

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Inhalt: Eine neue Reality Show im russischen Fernsehen. Fünf Jungs und fünf Mädchen um 20 Jahre, konkurrieren um das sechsstellige Preisgeld. Das Geld bekommt die Person, die bis zum Schluß in "Poinierlager" durchhält und nicht raus gewählt wird. Zu spät merken sie es, daß im Lager nicht der TV-Regisseur die Anweisungen gibt, sondern ein Psychopath, der die Teenies eins nach dem anderen nach bekannten Mustern abmurksen will …

Der Film fängt viel versprechend an. Man glaubt hier eine spannende Mischung aus Splatter und Medienkritik mit hübschen, sexy Teenagern zu sehen bekommen. Nach etwa 30 Minuten schleicht sich allmählich die Ernüchterung ein. Der Film wird zunehmend unlogisch, langweilig, unoriginell und somit nervig. Am Ende begreift man die wahre Intention des Filmes, nämlich zu zeigen:

Die Russen können genauso überflüssigen, spannungsarmen Teenie-Horror produzieren wie die Amerikaner. Immerhin wird hier nicht zu oft zu laut gekreischt: 4/10 Punkte

Rußland 2008


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El día de la bestia


El día de la bestia (Spanien 1995)

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Inhalt: Ein Priester ist davon überzeugt, daß der Antichrist am 25. Dezember in Madrid geboren wird. Um das zu verhindern bleibt ihm nicht viel Zeit übrig. Nachdem seine Versuche, den Teufel mittels böser Taten heraufzubeschwören, alle kläglich scheitern, holt er sich Unterstützung bei einem Death-Metal-Jünger und einem Fernseh-Hellseher …

Der spanischer Regisseur Álex de la Iglesia möchte hier einen rabenschwarze Komödie kreieren. Dies gelingt ihm aber nur bedingt. Obwohl die Figuren sehr sympathisch sind und von ziemlich guten Schauspielern präsentiert werden, sind leider die Gags selten boshaft genug, um das ganze Potential der Grundidee auszuschöpfen. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, daß hier das Salz in der Suppe fehlt. Man hat die Figuren gern, sieht ihnen bei ihren Tollpatschigkeiten gerne zu, schmunzelt über die Situationskomik, aber echte Lacher gibt es kaum im Film. Hier wünschte ich mir mehr Respektlosigkeit, mehr Slapstick-Gewalt, gruseligere Schock-Momente und schärfere Medien- und Kirchenkritik, ähnlich wie man es bei Monty Python gewohnt war.

Fazit: Groteske Satanhatz mit satirischen Ansätzen, die für einen schwarzhumorigen Kultfilm zu brav geraten ist. Dank den liebenswürdigen, schrägen Figuren und der charmanten Inszenierung ist der Film nett genug für einen unterhaltsamen Kinoabend: 5,5/10 Punkte

Spanien 1995 Álex de la Iglesia


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Murder Set Pieces


Murder Set Pieces (USA 2008)

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Inhalt: Ein deutscher Fotograph lebend in Las Vegas entpuppt sich als sadistisch veranlagter Nazi, der aufgrund seines sportlichen Aussehens leichtes Spiel hat als Frauenkiller, an die Beute ranzukommen. Zwanghaft zerstückelt er die jungen Frauen während oder nach dem Sex …

Die Verfilmung des Buches American Psycho von Bret Easton Ellis im Jahr 2000 (mit C.Bale) war dem Herrn Nick Palumbo nicht blutig genug. Kurzerhand beschließt er den Roman filmisch neu umzusetzen. Und das ist das Ergebnis!

Der Film ist in jeder Hinsicht so dilettantisch, daß der Zuschauer in den ersten zwei Drittel der Laufzeit auf ihn, trotz der düsteren Grundstimmung, nur mit Schmunzeln oder Kopfschütteln reagieren kann. Es gibt sogar eine urkomische Überfall-Szene (cooler Gastauftritt von Candyman's Darsteller Tony Todd) in einem Sex-Shop, bei der ich laut lachen mußte. Und dann passiert ein Tabubruch: man sieht wie ein etwa ein jähriges Kind in einer blutigen Szene mitspielen muß. Dem Kind passiert zwar physisch nichts, aber ich halte das Einsetzen eines kleinen Kindes, das gerade mal das Laufen gelernt hat, in so einem Set für sehr bedenklich! (ich frage mich ob es in den USA keine Kinderschutz-Gesetze gibt?). Ab dem Zeitpunkt war mir das Lachen vergangen und meine Stimmung tief im Keller. Im Selbigen wird noch ein 11 jähriges Mädchen mit einer Kettensäge vom Hauptdarsteller (gespielt vom talentfreien Hannoveraner, Sven Garrett) bedroht.

Ich habe noch nie in einem Film so viel (Film-)Blut gesehen. Interessant für das männliche Publikum: die meisten Opfer sind sehr hübsche junge sexy Frauen, die völlig nackt zu sehen sind. Auch wenn die Effekte nicht besonders gut sind (für die ist übrigens Fred Vogel verantwortlich, den man als Macher von üblen Amateurwerken wie August Underground's Filme kennt, in denen es nur um die langweilige, lächerlich dargestellte Tabu-Brüche geht), hinterlässt der Film am Ende ein bedrückendes Gefühl. Denn so viel Erbärmlichkeit und Unvermögen in einem Film ausgehalten zu haben, macht eben depressiv.
Die Krönung der Dämlichkeit setzt Nick Palumbo auf sein Machwerk, in dem er im Filmabspann Heinrich Himmler, Hermann Göring und Joseph Goebbels als Produzenten angibt und sich bei Leni Riefenstahl und Werner Herzog bedankt. Da der Film extrem trashig ist, sollen diejenigen, die den Schwachsinn sich ansehen wollen, ihn unbedingt in der unsäglichen, konstupiden, deutschen Synchronisation sehen, damit sie Dialoge wie „ich f*cke dich du Hure" oder „Du verf*ckte Bitch, wie gefällt dir das?" nicht verpassen.

Fazit: Statt Sozialkritik bietet der trostlose, ultrabrutale Gewaltporno nur noch Folter- und Vergewaltigungsexzessen. Die Dialoge und die Schauspieler sind so unterirdisch schlecht, daß sie bisweilen für den unfreiwilligen Humor sorgen und somit der Film zumindest die Amateurfilmfans leidlich unterhalten kann. Daher: 3/10 Punkte

USA 2008 Nick Palumbo


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7 Days


7 Days - Les 7 jours du talion (Kanada 2010)

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Inhalt: Glückliches Elternpaar: Mann Chirurg, Frau Galeristin, Tochter ein liebes 8 jähriges Kind, leben zusammen in der idyllischen Gegend in Kanada. Eines Morgens schicken die Eltern wie üblich die Tochter in die Schule. Am Nachmittag erfahren sie, daß die Tochter gar nicht in der Schule anwesend war. Aufgeregt rufen sie die Polizei an. Zwei Polizisten und der Vater gehen den Schulweg einmal durch. In einem naheliegenden Park findet der Vater die Leiche seiner Tochter. Blass, leblos und teilweise ausgezogen mit blutigen Flecken am Unterleib! … Tage später verhaftet die Polizei einen angeblich pädophilen Verdächtigen. Der Vater hat nur noch einen Gedanken: 7 Tage lang Rache nehmen …

Ein heikles Thema: Kann ein Vater, der abrupt sein geliebtes Kind und damit seinen Lebenssinn auf diese grauenhafte Weise verliert und nur noch aus Wut und Trauer besteht, den vermeintlichen Täter dem Justiz überlassen (und sich mit den möglichen 15 Jahren Haft zufrieden geben) oder vielmehr hat man Verständnis für sein Vergeltungsbedürfnis. Und das bei einem Verdächtigen, der gar keine Reue zeigen kann. So ein Thema verdient sicherlich eine besonders sorgfältige Inszenierung. Bei so einem Film darf niemand Unterhaltung erwarten, nein hier ist Betroffenheit und Nachdenklichkeit angebracht. Der Zuschauer soll hier in das Seelenleben des Opfers bzw. des Täters eintauchen. (Wobei die Täter-/Opfer-Rolle hier interessanterweise nicht immer eindeutig bestimmt ist). Das Thema beansprucht die Aufmerksamkeit des Betrachters zwangsläufig. Filmische Manipulationstricks sind fehl am Platz. Passenderweise setzt man solche Geschichten in einem lakonischen Film um!
Patrick Senécal der mit Stephen King in seinen besten Zeiten verglichen wird, ist verantwortlich für die Romanvorlage und das Drehbuch. Er macht eigentlich alles richtig: kein Satz zu viel, kurze prägnante Dialoge, wortkarge Charaktere. Das Drehbuch von „7 Days" ist hervorragend. Der Film liefert am Ende keine plausiblen endgültigen Antworten auf die gestellten kontroversen Fragen, was ich positiv bewerte.

Hier sollen die Emotionen weniger über das Gesprochene als vielmehr über den Gesichtsausdruck der Schauspieler transportiert werden. Dies geschieht jedoch ungenügend, denn vor allem Claude Legault (spielt den Vater) wie auch Rémy Girard (spielt den Polizisten) spielen höchst durchschnittlich. Anstatt traurig, wütend, depressiv agieren die beide eher unbeteiligt, uninteressiert oder nervös vor der Kamera. Dass der Film jedoch voll gescheitert ist, liegt nicht in erster Linie an den Beiden, sondern das Kinodebüt vom TV-Regisseur Daniel Grou (sieht wie Zwillingsbruder von Van Trier aus) ist inszenatorisch missglückt! Wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal eine Kamera in der Hand hält, und sämtliche Funktionen der Kamera ausprobiert, tobt sich Herr Grou mit allen Spielereien aus, die man mit der Kamerabewegung zustande bringen kann. Mal ein Schwung von links nach rechts, dann wieder umgekehrt von rechts nach links, mal harte Schnitte mit langen Blenden, dann wieder kurze Schnitte, meist aber unnötige Schnitte, mal Einzoomen zum Mittelpunkt des Bildes, dann wieder Auszoomen, mal kreisförmiges Umgehen mit der Kamera, dann geradlinige Kamerafahrt usw. usf. und das alles ohne Sinn und Verstand! Bei den Szenenwechseln sind plötzlich die Personen am äußersten Rand des Bildes oder gar nicht im Bild, sondern erst sichtbar durch einen dummen Kameraschwung von der Raum-Ecke zum Darsteller. Die Gesichter werden meist nicht in Großaufnahmen frontal, sondern mit störendem Abstand von der Seite gefilmt. Herr Grou möchte gerne zeigen was er alles bei den TV-Produktionen gelernt (bzw. nicht gelernt) habe, nur schade, daß es in seinem Film nicht um einen lustigen Tag mit seinem Hund geht, sondern um ein verdammt ernstes Thema, von dem man durch diese Dummheiten abgelenkt wird. Lakonisch heißt eben nicht nur wortkarg und ohne Hintergrundmusik, sondern auch mit minimalem, ruhigem Perspektive-Wechsel beschränkt auf wenigen Schauplätzen. Zwar sind die Kamerabewegungen/Schnitte nie hektisch aber meist überflüssig!

Fazit: Trotz des guten Drehbuches scheitert der Film an dem unerfahrenen Regisseur (schlecht geschnitten, falsche Kameraperspektive gewählt …) und an den mittelmäßigen Schauspielern. Einige starke Dialoge und krasse Bilder hinterlassen jedoch das Gefühl der Betroffenheit bei den Zuschauern. Daher: 4/10 Punkte

PS: Regisseur Michael Haneke hätte bei dem Thema mit dem Drehbuch ein einmaliges Meisterwerk geliefert.

Kanada 2010 Daniel Grou


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Tucker & Dale vs Evil


Tucker & Dale vs Evil (Canada 2010)

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Inhalt: Eine Gruppe von College-Studenten, die zu viele Horrorfilme konsumiert haben, macht einen Ausflug in die abgelegenen Gebieten in der Provinz. Diese Teenager werden Opfer ihrer eigenen Vorurteile gegenüber den Einheimischen, die sie als "Dorftrottel" bezeichnen …

Ich will an dieser Stelle nicht viel verraten, nur so viel: ich habe selten bei einem Film so herzhaft gelacht wie bei diesem Film. Die Zuschauer mit Vorliebe für den angelsächsischen schwarzen Humor werden hier sich vor Lachanfälle nicht retten können. Wer sich mit den Horror-Kultstreifen wie "Texas Chainsaw Massacre" auskennt, kann sich über die Referenzen auf diese Filme köstlich amüsieren, aber auch ohne diese Vorkenntnisse funktioniert der Film hervorragend. Nicht verpassen! 9,5/10 Punkte

Kanada 2010 Eli Craig Tyler Labine Alan Tudyk


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Barraduca – Vorsicht Nachbar!


Barraduca – Vorsicht Nachbar! (France 1997)

mit: Jean Rochefort ("Der Uhrmacher von St. Paul", "Ein Elefant irrt sich gewaltig"); Guillaume Canet ("The Beach", "Liebe mich, wenn Du Dich traust")

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Inhalt: Der junge, ins Wohnhaus neueingezogene Luc stellt sich seinem Nachbar, Monsieur Clément vor. Der alte, etwas schrullig wirkende Mann lädt Luc zum Abendessen ein, damit er auch seine Frau, Madame Clément kennenlernen kann. Luc nimmt die Einladung an, was sich als Fehler erweisen wird …

Diese kammerartige Horrorgroteske unterhält den Zuschauer mit einer hochspannenden Geschichte, boshaftem Humor, teilweise lynchisch kunstvoller Optik mit auffallend schöner Farbgestaltung, geschliffenen Dialogen und vor allem mit der Schauspielkunst der französischen Leinwandlegende, Jean Rochefort (famos auch in "Der Mann der Friseuse") . Der fesselnde Psychothriller ist gleichzeitig eine beängstigende Studie über die Einsamkeit und die daraus resultierende schizoaffektive Störung.

Fazit: Diese Filmperle aus dem Jahr 1997 ist zwar kein originelles Meisterwerk wie Hitchcocks "Psycho", das Regiedebüt von Philippe Haïm ist jedoch gut inszeniert und aufgrund seiner exzellenten Schauspieler und der intelligenten Story absolut sehens- und empfehlenswert: 9/10 Punkte.

Frankreich 1997 Philippe Haïm Jean Rochefort Guillaume Canet


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Die Braut des Satans


Die Braut des Satans (UK 1976)

mit Richard Widmark, Christopher Lee, Honor Blackman (Bond-Girl, Mit Schirm, Charme und Melone), Nastassja Kinski

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Inhalt: Der Autor R.Widmark versucht die naive Teenie Nastassja Kinski aus den Fängen von Okkultisten zu retten …

Die vorletzte Hammer-Produktion aus dem Jahr 1975 versucht die traditionellen Hammer-Qualitäten nämlich billige aber liebenswerte Ausstattung, gruselige Atmosphäre und Kultdarsteller (hier: Christopher Lee) mit den neuen in den 70er Jahren gefragten Elementen wie z.B. der Erotik und dem Hollywood-Glanz zu kombinieren. Aus heutiger Sicht bietet der Film sicher keine Hochspannung und das unspektakuläre Ende des Filmes kann nicht wirklich überzeugen, aber er ist wegen seinem bekannten Schauspieler-Ensemble (C.Lee ist hier nackt von hinten zu sehen!) und aus Nostalgie-Gründen für die Trash-Filmfans ziemlich interessant. 6,5/10 Punkte

USA 1976 Christopher Lee


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Tokyo Gore Police


Tokyo Gore Police (Japan 2008):

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Inhalt: Zukunftsvision: eine privatisierte Polizei-Spezialeinheit in Tokyo geht erbarmungslos gegen besondere Verbrecher vor. Das besondere: die Verbrecher sind eine Mischung aus Menschen und Maschinen. Denen wachsen an den Körperstellen wo die Glieder verletzt oder abgetrennt werden, tödliche Waffen nach. Die Polizistin Ruka entdeckt das Geheimnis hinter all den Mutationen und den Zusammenhang mit dem Mord an ihrem Vater ...

Der Trash-Film wartet mit einigen wirklich schräg schönen Bildern auf, jedoch hat er leider zu viele Längen und vor allem neben den wenigen genialen Momenten zu viel infantilen Ideen (z.B.: sich berauschen durch das Malen einer Spritze auf den Unterarm <_< ), um den Status eines Kultfilmes erreichen zu können. Anstatt sich auf die Rache-Story zu konzentrieren, verkommt der Film zu einer Aneinanderreihung von Freak-Darbietungen. Gut gefallen haben mir die sozialkritischen Einfälle zwischendurch, wie z.B. die Werbung für ein Computer-Schwertspiel, in dem alle Familienmitglieder einen Jungen virtuell verletzen und nach Grad der Verletzung Punkte gewinnen.
Noch negativ auffallend: 1. Außer der Hauptfigur gespielt von der wunderschönen Eihi Shiina (bekannt aus dem Meisterwerk: "Audition") degradieren alle anderen Charaktere durch das übertriebene, slapstick-artige Overacting zu Witzfiguren. (Ein Problem, das 90% von ostasiatischen Filmen leider aufweisen).
2. Die Flüssigkeit die für die Blutfontänen verwendet wurde, ist sehr dünnflüssig und nur leicht rosa-rot … da hätte man mehr Farbe oder Ketschup der Flüssigkeit beigemischt.

Fazit: Durch mangelnde Ernsthaftigkeit verpasst der Regisseur einen unvergesslich kreativen Kultfilm zu schaffen, stattdessen ein Trash-Streifen mit ein paar schönen Einfällen. Schade: 6/10 Punkte

PS: ein amerikanisches Remake des Filmes gedreht von Q.Tarantino wäre sicher sehr interessant.

Yoshihiro Nishimura 2008 Japan Eihi Shiina