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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen abonnieren        RSS Feed

Haste was, biste was!

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Ruthless (TV)

Horace Wendig und Vic Lambdin waren einmal Freunde. Horaces skrupelloser Umgang mit Menschen führte schließlich zu einem Bruch. Nun scheint es so, als ob Horace – der mittlerweile ein schwerreicher Mann ist – seine moralische Seite entdeckt hat: Er stiftet den Großteil seines Vermögens einer wohltätigen Stiftung und will Frieden schließen mit jenen, die er einst ins Verderben gerissen hat. Doch die Rekapitulation seines Aufstieges weckt schlafende Hunde...

Edgar G. Ulmers Karriere war ebenso schillernd wie wechselhaft. Fast vollständig auf dem Gebiet des klassischen B-Filmes operierend, schuf er kleine Meisterwerke, aber auch abgründigen Schlonz. Wer jemals die mit Marionetten erstellten Tiefseetaucher-Szenen von ISLE OF FORGOTTEN SINS gesehen hat, weiß, was ich meine. Sein Teenager-Musical JIVE JUNCTION dürfte wohl das billigste sein, das jemals hergestellt wurde. Gleichzeitig handelt es sich bei Noir-Thrillern wie DETOUR oder MURDER IS MY BEAT um Juwelen, die jedem Fan des Genres vertraut sein sollten. Auch RUTHLESS gehört in diese Kategorie, wenngleich seine von zwei langen Rückblenden dominierte Narrative nicht genretypisch ist, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zachary Scotts Horace Wendig ist einer jener Aasgeier, die in Hollywood-Mainstreamern gerne als gewissenlose Schurken angeboten werden. Die erste Rückblende schlüsselt auf, wie er zu einem Mann ohne Herz geworden ist: Horace wurde von seiner strengen Mutter aufgezogen, die ihn mit eiserner Hand drangsalierte und eine intensive Haßliebe in dem Jungen heranwachsen ließ. Als sie ihn schließlich aus selbstsüchtigen Gründen in ein Internat abschieben will, ist er zum letzten Mal in seinem Leben entsetzt. Danach dreht sich bei ihm alles um die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Um zu den Großen zu gehören, ist ihm jedes Mittel recht. Seinen hohl klingenden Sozialdarwinismus zieht er immer dann heran, wenn Freund Louis Hayward und die Frauen ihn ins Wanken bringen. Man spürt bei solchen Gelegenheiten aber auch immer eine völlige Hilflosigkeit, denn seine verkrüppelte Persönlichkeit ahnt um das, was er verloren hat bzw. vielleicht auch niemals haben durfte. Trotz der Skrupellosigkeit, mit der er gestandene Männer zerrüttet und in den Selbstmord treibt, ist er grundsätzlich ein bedauernswerter Charakter, und die weiblichen Figuren, die von ihm geschädigt werden, reagieren auch eher mit Traurigkeit, nicht mit Haß. Ein preisgünstig produzierter, aber immens spannender und effektiver Film, der uns einiges über das vermittelt, was jetzt als „Raubtierkapitalismus“ in aller Munde ist. Ein elegantes und spannendes Noir-Drama. Läuft gerade auf „Kinowelt TV“.

Heiliger Bimbam

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La bimba di Satana (DVD)

Auf dem Schloß von Antonio Aguilar (Aldo Sambrell) geht das Grauen um, seit seine Gattin Maria (Pornostar Marina Frajese) das Zeitliche gesegnet hat. Ihre Titten sind noch nicht kalt geworden, als sich die jungfräuliche Tochter Miria bereits aufzuführen beginnt wie eine Hafendirne. Auch verwandelt sie sich manchmal in ihre Mutter, deren Geist in sie gefahren zu sein scheint, um den Bösewichten zu geben, was der Bösewichte ist...

Schmierlappenware der Güteklasse A! Was kann man von Mario Bianchi anderes erwarten, der uns auch das nachdenklich machende Drama DER GEILE TAXI-FICKER bescherte? Der Produzent dieses Spektakels hieß Gabriele Crisanti, der sich in erster Linie dadurch auszeichnete, daß er seine Ehefrau – die hübsche Mariangela Giordano – in einigen wirklich bemerkenswert niederträchtigen Schleimfilmen unterbrachte, u.a. auch dem großartigen MALABIMBA (KOMM UND MACH'S MIT MIR), dem LA BIMBA DI SATANA deutlich nachempfunden ist. Zu den eindrücklichen Attraktionen dieses Werkes gehört der debile Butler, der dann und wann vom Bösen besessen wird, wild grimassierend auf dem Boden herumrollt und einem Hahn die Kehle durchbeißt (=Spezialeffekt). Auch redet er mit den Mumien, die in der Familiengruft herumliegen. Eigentlich muß man das nicht erwähnen, aber ausnahmslos jeder Schauspieler blamiert sich hier bis auf die Knochen. Crisantis Ehefrau darf sich als Nonne Sol zwischen den Beinen herumgrabbeln und auch etwas an Frau Frajese herumknuspern, deren üppigen Reize besonders in der längeren Pornofassung ausgiebigst zu bewundern sind. In Deutschland ist unter dem Titel SATANS BABY DOLL – SEXORGIEN IM SATANSSCHLOSS eine Fassung erschienen, die aber zumindest der zwei HC-Sequenzen entbehrt. Ich möchte aber versichern, daß man deshalb keine Krokodilstränen weinen sollte. (Aldo Sambrell darf kurz an die Frajese, wenn auch nur mit eingeschobenen Fremdgenitalien, und sein gelähmter Bruder bekommt kurz die Bill-Clinton-Spezialbehandlung, landet dann aber in der Grube.) Ich habe MALABIMBA lange nicht mehr gesehen, nehme aber schwer an, daß hier dasselbe Schloß verwendet wurde. Am meisten beeindruckt hat mich doch der Hausdiener-Geek, dessen ganze Existenz darin zu bestehen scheint, in der Gegend herumzustehen, mit Mumien zu sprechen und gelegentlich auf dem Fußboden herumzurollen – alternative Lebensgestaltung vom Feinsten! MALABIMBA war deutlich besser, aber ich habe ja ein Herz für Schlonz...

Polizeiknüppeldick

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MR 73 (DVD)

Kommissar Louis Schneider (Daniel Auteil) hatte mal eine Familie. Dann war die Familie weg. Seine Frau liegt behindert im Krankenhaus. Alles, was er hat, ist sein Beruf. Und da sieht er Leichen, Leichen und Schmerzen. Einige seiner Vorgesetzten decken ihn, obwohl sein Leben aus dem Leim geht. Aber es gibt auch richtige Arschlochbullen, die ihn fertigmachen wollen. Und je mehr er sich gegen sein Geschick wehrt, umso mehr zieht es ihn mit sich...

Regisseur Olivier Marchal war früher selbst Polizist. Sein vielbeachteter 36 mit Auteuil und Depardieu war bereits eine reife Leistung. Bei MR 73 ist wirklich ganz Feierabend. Mit der Einfachheit und ästhetischen Präzision des klassischen französischen Kriminalkinos schildert er die Tragödie eines einfachen Polizisten, der in seinem Beruf verloren geht. Sein eigenes Privatleben ist vor die Hunde gegangen, und so klammert er sich verzweifelt an das Privatleben anderer, macht die Verletzungen der Opfer zu seinen eigenen, vertraut auf eine Gerechtigkeit, von der er intuitiv weiß, daß sie schwerer zu greifen ist als ein Strohhalm im Wirbelsturm. Anders als in der klassischen Tragödie erscheint das Schicksal hier nicht als ein von Göttern produziertes Schauspiel, in das die Menschen hineingezwungen sind. Die Menschen erschaffen sich ihr Schicksal selbst, sind aufgrund ihrer Natur entsprechend vorgeprägt, tun das, was sie eben tun müssen. Zu Beginn des Filmes entführt ein komplett betrunkener Kommissar einen Linienbus und wird vom Überfallkommando hoppgenommen. Da Schneider auf große Erfolge zurückblicken kann, wird ihm seine Familienkatastrophe angerechnet. Er kommt mit einem blauen Auge davon. Doch ist er von nun an auf der Abschußliste. Auteuil spielt den zerbrechenden Mann grandios, und wäre das Material in anderen Händen vielleicht zu einem Selbstjustizspektakel geworden, konzentriert sich Marchal auf die Verletzungen, die bei allen Menschen vorliegen. Was soll man machen, wenn selbst die Ärzte krank sind? Was soll man machen, wenn Gott nicht zu finden ist? Man macht Dienst nach Vorschrift und versucht, sein Leiden und das der anderen zu lindern. MR 73 ist ein existentialistischer Polizistenfilm, der eine unglaubliche Intensität entwickelt. Ein Vergleich mit den Meisterwerken Jean-Pierre Melvilles liegt nahe und ist in diesem Fall sogar angemessen. Neben Auteuil gibt es noch andere exzellente Schauspieler, darunter Marchals Ehefrau Catherine (als Polizeipsychologin) und Philippe Nahon (der Fleischer aus MENSCHENFEIND) als Gewalttäter, der zum lieben Gott gefunden hat. MR 73 ist ein waschechtes Meisterwerk, das von Anfang bis Ende den richtigen Ton trifft. Mein lieber Herr Gesangverein, bin ich durchgerüttelt...

Martys bunte Puzzlekiste

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Shutter Island (Schauburg, Gelsenkirchen)

U.S. Marshal Teddy Daniels (Leonardo di Caprio) begibt sich zusammen mit seinem Kollegen Chuck Aule (Mark Ruffalo) nach Shutter Island. Auf dieser Insel ist eine Anstalt für kriminelle Geisteskranke beheimatet. Eine Insassin, die als extrem gefährlich eingestuft wird, ist entflohen. Bei ihren Nachforschungen stoßen Daniels und Aule auf zahlreiche Ungereimtheiten. Zudem wird Daniels von bizarren Alpträumen und Visionen heimgesucht, die ihm nahelegen, daß die Vorgänge nicht nach ihrer Oberfläche beurteilt werden dürfen. Mit der Hartnäckigkeit eines Spürhundes macht er sich daran, das düstere Geheimnis der Insel zu entblättern...

Ob man Martin Scorseses neuesten Film mag oder nicht, dürfte sehr mit der Erwartungshaltung des Zuschauers zusammenhängen. Im Vorfeld bekam ich einige Kommentare mit, die sich befremdet darüber zeigten, daß Scorsese sich nun am Genrekino versucht. Tatsächlich ist SHUTTER ISLAND überhaupt kein Genrefilm, bedient sich nur zahlreicher Genrekonventionen, vornehmlich aus dem Bereich des Horrorkinos. Faszinierend an dem Film fand ich vor allen Dingen, daß das Geheimnis von Shutter Island eigentlich gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht, wie das bei einem Psycho- oder Horrorthriller gemeinhin der Fall wäre. Scorsese annonciert schon früh, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Wenn man den Film zum zweiten Mal sieht (und ich werde das ganz bestimmt tun!), wird man unzählige Hinweise finden, die häufig auch sehr subtil sind. (Streichhölzer!) SHUTTER ISLAND wirft mit freudianischen Symbolen um sich wie ein geisteskranker Psychotherapeut, bewegt sich dabei auf den Bahnen des Horrorkinos: Wendeltreppen, Labyrinthe (Station C!), Insel und Meer etc. Daß der Film sich dabei einer Künstlichkeit bedient, die ganz bewußt als Kunstgriff eingesetzt wird, unterscheidet ihn ein wenig von den früheren Scorseses, die für ihre Schuld-Geschichten einen weniger abstrakten Modus verwendeten. Der Film ist schwer einzuschätzen, bleibt doppelbödig. Di Caprio beginnt seine Darstellung auf einer komödiantischen Note, wenn er auf dem Schiff, das ihn zur Insel bringt, der Seekrankheit Tribut zollen muß. (Na, genaugenommen ist er hydrophob, was bereits der erste Hinweis ist.) Dann gibt es eine prachtvolle Szenenfolge, wenn das Auto seine Insassen in die Klapsmühle bringt und dabei auch den Zuschauer in die Anstalt förmlich hineinfährt (was im Kino wirklich prima funktioniert). Dann gibt es ein wenig traditionelle Kriminalgeschichte mit schauerromantischem Zierat. Es gibt Kriegsrückblenden mit Nazis, die fast untrennbar mit dem Haupterzählstrang verwoben sind. Dann paranoides Geraune und Gewisper, wenn die Erkundungsreise durch Neu-Bedlam beginnt. SHUTTER ISLAND ist samten inszeniert, Pracht lauert hinter jeder Ecke. Die Darsteller (darunter immerhin Ben Kingsley, Max von Sydow und Elias Koteas) leisten Beachtliches, auch wenn man sich bei den sehr präzise eingefangenen Darstellungen – wie bei Di Caprio – niemals so ganz sicher sein kann, wohin die Reise geht. Alles ist sehr befremdlich und desorientierend. Was ich von SHUTTER ISLAND halten soll, weiß ich noch nicht so ganz. Ich muß ihn erst einmal sacken lassen. Daß er mir riesig gefallen hat, weiß ich aber schon jetzt. Und ja, dies ist einer jener Filme, die man definitiv im Kino abpassen sollte...

Für eine Handvoll Finger

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The Cottage (DVD)

David und Peter, zwei Brüder, die im Gangsterumfeld tätig sind, haben die Armut satt und entführen die blonde Schnallentochter eines Bosses. Bei der Durchführung des (ohnehin schon nicht sonderlich gut durchdachten) Planes geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Doch mehr noch als die Häscher des grimmigen Tochtervaters müssen die beiden die Landbevölkerung fürchten...

Ein kleiner britischer Film, der als teils alberne, teils aber auch sehr, sehr lustige Krimikomödie beginnt, wird bei fortschreitender Laufzeit zu einem veritablen Splatterfilm, der sich seine Freigabe ab 18 redlich verdient. Erneut zeigen die Briten, daß sie ein Händchen für diese spezielle Art des Festivalstreifens haben. Andy Serkis und Reece Shearsmith (aus SHAUN OF THE DEAD) sind ziemlich klasse als ungleiche Brüder, die sich ein wenig mehr abgebissen haben, als sie schlucken können. Das Entführungsopfer ist eine gut durchtrainierte blonde Schnepfe, die einem der beiden Möchtegernentführer sofort das Nasenbein bricht. Regelrecht rührend sind Peters Versuche (näselnd, mit gebrochener Nase halt), der jungen Dame gegenüber einen bedrohlichen Ton anzuschlagen, obwohl er bedeutend mehr Angst vor ihr hat als sie vor ihm. So ähnlich muß sich das anfühlen, wenn man von Laurel und Hardy entführt wird... Nach etwa der Hälfte wird der Film gelegentlich richtig garstig und schreckt vor keinen Unfeinheiten zurück. Ich habe bemerkenswert häufig dreckig gelacht, aber bei aller Blutrunst ist der Film vor allen Dingen eines, nämlich charmant. So ist THE COTTAGE ein dankbarer Partyfilm, der allerdings eine robuste Natur beim Zuschauer voraussetzt. Läuft im Moment auf Premiere/Sky, wenngleich ich nicht weiß, ob er dort ungeschnitten ist.

Gottes Klospülung

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Poseidon (DVD)

Jetzt habe ich endlich einmal POSEIDON gesehen! Und ist er wirklich so schlecht? Ja, er ist wirklich so schlecht. Tatsächlich wurde so ziemlich alles falsch gemacht, was man bei solch einem Projekt falsch machen kann. Das Original von Ronald Neame war ein hübsches Beispiel für das Post-AIRPORT-Katastrophenkino. Wirft man dem Remake die hölzerne Charakterzeichnung und das Beharren auf teilweise schon absurden Beispielen von Heroismus im Angesicht tödlicher Gefahr vor, so gilt das sicherlich auch für den alten Film. Doch während man POSEIDON INFERNO den bestselleresken Mumpitz gerne verzeiht und sich einfach mal so berieseln läßt, fällt das Herumkauen auf dem recht harten Tabak bei Petersens Neuverfilmung ziemlich schwer. Hauptgrund hierfür ist für mich das lausige Drehbuch. Inwieweit möglicherweise Produzenten im Nachhinein daran herumgepfuscht haben, weiß ich natürlich nicht, aber der Film macht einen massiv uneinheitlichen Eindruck. Die Flutwelle (=Gottes Klospülung) erfolgt bereits nach 15 Minuten, bevor man Gelegenheit gehabt hätte, sich auch nur minimalst für eine der Figuren zu erwärmen. So läßt einen die Katastrophe ziemlich kalt. Man freut sich bestenfalls darüber, im warmen Bettchen zu liegen. Beginnt dann der Überlebenskampf und das standardisierte Aufeinanderkellen von lebensbedrohlichen Situationen, fällt auf, daß es keinen einzigen sympathischen Charakter gibt. Josh Lucas und Kurt Russell teilen sich den Gene-Hackman-Part des Originals. Der eine ist ein zynischer Glücksspieler mit starkem Ralph-Fiennes-Einschlag; der andere ein gescheiterter Bürgermeister mit starkem Kurt-Russell-Einschlag. (Russell in der Sprungtuch-Szene zu Beginn: „Ich war auch mal bei der Feuerwehr!“) Richard Dreyfuss soll wohl einen Homosexuellen mit Liebeskummer darstellen, was deutlich an seinem Ohrring zu erkennen ist, aber abgesehen von dieser halbherzig liberalen Geste spielt das genau gar keine Rolle. Der Mann wird füchterlich verheizt. In der Szene, in der Freddy Rodriguez ins Gras beißt, muß er zudem eben jenen noch ins Gesicht treten, wozu ihn Held Lucas ausdrücklich auffordert. Das ist ja nun mal 'ne Sauerei, und während solcherlei Verhalten bei Menschen in Panik fraglos realistisch wäre, so funktioniert es natürlich überhaupt nicht, wenn man diesen Figuren die Daumen drücken möchte. Wenn man schon die Wolle über die Augen gezogen bekommt, dann doch bitte wenigstens richtig! Es gibt erneut eine feige Frau, die der Kate-Capshaw-Schule für Figurenzeichnung entstammt und mehrmals alle durch ihr hysterisches Gequake in Lebensgefahr bringt. Ein Balg ist auch noch dabei. Das Spektakel wirkt mechanisch zusammengekleistert, Möglichkeiten für menschliches Drama werden am laufenden Band vergeben, die Computereffekte sind von höchst unterschiedlicher Qualität... und ach ja, es gibt noch einen älteren Film, der in praktisch jeder Hinsicht gelungener ist! Seit John McTiernans ROLLERBALL die größte Big-Budget-Gurke, die ich gesehen habe.

Cthulhu Daddeldu

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The Call Of Cthulhu (US-DVD)

Im Nachlaß seines Großonkels findet ein junger Mann eine dämonische Götzenstatue und ein geheimnisvolles Buch, das sich als Chronologie des Schreckens herausstellt und ihn in eine Parallelwelt entführt, die die Welt der Sterblichen ins Wanken bringt...

Ein mit nur wenig Geld realisierter Versuch, H.P. Lovecraft auf die Leinwand zu bringen. Regisseur Andrew Leman verwebt in diesem gerade mal 47 Minuten dauernden Werk Themen aus unterschiedlichen Lovecraft-Stories. Als Format wählte er das des Stummfilmes, und wie bereits das Plakat von CALL OF CTHULHU auf perfekte Weise den verstaubten, aber auch anheimelnden Pomp jener Zeit nachempfindet, so schafft es der eigentliche Film auf beeindruckende Weise, nicht nur die oberflächlichen Merkmale des Stummfilmkinos kunstvoll nachzubilden, sondern sie tatsächlich zum Funktionieren zu bringen. Angesichts des niedrigen Budgets ist das für mich reines Zauberwerk. Man schmunzelt manchmal über die überdrehten Darstellungen, bestaunt die treffsicher hergestellte Stummfilmkulisse, aber jenseits der Pastiche funktioniert der Film tatsächlich. Ich möchte ganz ernsthaft behaupten, daß CALL OF CTHULHU den Geist H.P. Lovecrafts bisher am erfolgreichsten zu einem Film uminterpretiert hat. Selbst die Stop-Motion-Effekte und die preisgünstigen Modellaufnahmen am Schluß funktionieren, auf eine ähnliche Weise, wie man die Künstlichkeit von Monsterfilmen aus den 50er Jahren akzeptiert. Es paßt ganz einfach alles. Die amerikanische DVD enthält optional deutsche Titelkarten, die exzellent übersetzt sind. Der Film hat mich nicht nur beeindruckt, sondern schlichtweg umgeblasen – grandios!

Jenseits des Karnevals

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Halloween 2 (DVD)

Laurie Strode ist dem Zugriff des Maskenmannes entronnen, wenn auch schwer verletzt. Im Krankenhaus sammelt sie neue Erfahrungen im Umgang mit Serienmördern. Ist Blut wirklich dicker als Wasser?

Ich lese eigentlich sehr selten Texte zu neuen Filmen. So wußte ich rein gar nichts über die Fortsetzung zu Rob Zombies Carpenter-Neubearbeitung. Ehrlich gesagt gefällt mir dieser zweite Teil deutlich besser als der erste, zumal Zombies HALLOWEEN – nach einem starken Anfang – zu sehr an der Story des Originals kleben blieb und somit nichts wirklich Neues offerierte. HALLOWEEN 2 beginnt auf den Spuren von Rick Rosenthals Vorgänger, kappt dann aber nach 20 Minuten die Verbindung und liefert dann einen für mein Empfinden formidablen Slasher klassischen Strickmusters, der sich von den Zirkusnummern heutiger Tage wohltuend abhebt. Formal vertraut Zombie – anders als in seinen 1000 CORPSES-Filmen – auf eine sehr reduzierte Optik, die dem Zuschauer kaum die Möglichkeit läßt, sich von den Spannungssequenzen zu lösen. Bluttriefende Detailaufnahmen gibt es vergleichsweise wenige, und gerade die Verweigerung der gewohnten Spezialeffekteschauen läßt die Vorgänge mörderisch brutal wirken. Die familiären Verstrickungen der Familie Myers werden von Zombie in den Mittelpunkt gerückt. Michaels Mutter (Zombies prachtvolle Gattin Sheri) erscheint ihm und später auch Schwester Laurie des öfteren, zusammen mit einer kindlichen Version des Killers. Die traditionelle Familie des Sheriffs Brad Dourif wird hier mit der kompromittierten Familie des Killers verglichen, und auch wenn die letztere ein Hort des Schreckens ist, so wohnt ihr doch gleichzeitig ein faszinierender Glamour inne – die Faszination des Bösen, die am Herzen so vieler Horrorfilme liegt. Gelegentlich übernimmt Zombie sich bei seinem Bemühen, Lynch und Tarantino zu imitieren, ein wenig, aber ich fand das niemals uninteressant oder gar langweilig. Die Fanboy-Einsprengsel (=Auftritte von Genre-Veteranen wie Dourif, Margot Kidder und – yohoho! – Weird Al Yankovic!) sind dezent, niemals störend. Die Idee, den Charakter von Dr. Loomis zu einem eitlen Fatzken zu machen, fand ich prima, da er im Original ja eher eine protestantisch humorlose Vaterfigur darstellt, also einen klassischen Helden. Malcolm McDowell hat an dieser Dekonstruktion sichtlichen Spaß. Brad Dourif hat endlich mal wieder eine Genre-Rolle, die über eine Name-Dropping-Beigabe hinausgeht. Und das Ende fand ich zudem wirklich schockierend. Kurzum, ein schmuddeliger Retro-Slasher mit viel Wucht und Wut, ein wenig Zirkus, zur Abwechslung mal guter Rockmusik, einer begabten Jungschauspielerin als Laurie Strode und einem Killer, der wiiirklich bedrohlich wirkt. Es gibt eine Einstellung, in der Michael einem Randcharakter ohne Maske gegenübertritt, einen verwilderten Nikolausbart im Gesicht. Der Blick, den er in einer Einstellung macht, werde ich so bald nicht vergessen... Nö, der Zombie kann's. Das ist für mich weit jenseits von simplem Gehampel. Das macht mir Spaß.

Daddys kleiner Augapfel

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Julie Darling (Video)

Harold Wilding (Anthony Franciosa) hat eine bezaubernde Tochter, Julie, die gerade die Schrecken der Pubertät durchmacht. Besonders ihre Stiefmutter hat das Blag gefressen. Als jene eines Tages von einem Unhold überfallen wird, eilt sie der verhaßten Erziehungsberechtigten nicht zur Hilfe, sondern schaut ungerührt zu. Mutti Zwei stirbt dabei. Doch Vater ist ein Frauentyp und hat noch eine andere Stiefmutter in petto – Susan (Sybil Danning), die sogar noch einen kleinen Sohn mit in die Ehe bringt. Nun ist guter Rat teuer. Julie schmiedet einen finsteren Plan...

JULIE DARLING gehört zu jenen Video-Erstveröffentlichungen, die mich in meiner Anfangszeit als Vidiot erreichten, oder vielmehr nicht erreichten, denn ich kam niemals dazu, ihn mir auszuleihen, bestaunte immer nur das hübsche Cover. Umso glücklicher war ich, daß mir das Schicksal jetzt, 25 Jahre später, den Film vor die Füße spieh. Und siehe da, er ist gar nicht mal schlecht! Regisseur Paul Nicolas (=Lutz Schaarwächter) kannte ich nur von dem nicht eben anspruchsvollen DAS FRAUENLAGER mit Frau Danninger und dem amerikanischen Prollmops. Auch JULIE DARLING enthält ein paar Exploitation-Zutaten (u.a. eine wunderbar ungemütliche und rein spekulative Sexszene zwischen Frau Danning und dem Hollywood-Veteran Franciosa), versucht sich ansonsten aber eher auf dem Terrain des gediegenen Psychothrillers. Dies tut er sogar ganz achtbar, und wenn man mal davon absieht, daß Subtilität nicht das starke Gewand des Drehbuches ist, so schafft es die kanadisch-deutsche Koproduktion (mit Ernst von Theumer und Frau Teuber im Sulky) durchaus, spannend zu unterhalten. Obendrein verblüfft der Film mit einer Filmmusik, die deutliche Erinnerungen an Fabio Frizzis Arbeiten aus jenen Tagen weckt. Kurzum: ein netter, bescheidener BAD SEED-Ableger mit einigen bekannten Gesichtern, einer gut besetzten jungen Dame als böses Kind und einigen politisch unkorrekten Überraschungen. Langweilig ist was anderes. Deutlich besser, als ich erwartet habe.

Im Zeichen der Gurke

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Das Ende der Welt (Video)

NASA-Wissenschaftler Andrew Boran empfängt merkwürdige Signale aus dem Weltall: Aliens, die die englische Sprache beherrschen, kündigen Katastrophen an, die kurz darauf den Erdball erschüttern. Bei seinen Nachforschungen enthüllt Boran ein unbegreifliches Kompott. Wird es ihm gelingen, die Weltkatastrophe zu verhindern? Wird der Zuschauer wach bleiben?

DAS ENDE DER WELT ist ein typisches Exploitation-Produkt: Das Plakatmotiv ist grell und aufregend, der Titel hyperbolisch, die Besetzung attraktiv, und doch hat das tatsächliche Produkt von Minute 1 an den Charakter einer massiven Mogelpackung. Auch ich empfing beim Betrachten Signale – das Worte „Gurke“ tanzte vor meinen Augen wie ein außer Rand und Band geratener Derwisch! Fangen wir mal mit dem „Wissenschaftler“ an, der den Eindruck macht, als würde er allenfalls Funkverkehr in seinen Zahnplomben empfangen: ein völliges Nullgesicht mit lustiger 70er-Jahre-Fönfrisur, Rüschenhemd und dem generellen Flair des Mannes, der im Glückauf-Motel immer die Klempnerarbeiten verrichtet. Ihm zur Seite steht Sue Lyon, die einst in Kubricks LOLITA als männermordende Nymphe debütierte und hier eine komplett sinnfreie Rolle versieht, in der sie jene Dinge macht, die blonde Frauen in Billigfilmen für gewöhnlich so tun. („Würde mir bitte jemand über die Straße helfen?“) In ähnlich nichtssagenden Nebenrollen werden auch Hollywood-Veteranen wie Lew Ayres, Macdonald Cary und Dean Jagger eingesetzt. Christopher Lee wird fürchterlich verheizt als Priester, der eigentlich ein Alien ist und lediglich seinen Weltallreiseantrieb wieder herstellen möchte. Was einen völlig wahnsinnig machen kann, ist der Umstand, daß das Radio andauernd von irgendwelchen spektakulären Katastrophen berichtet, von denen wir natürlich rein gar nichts zu sehen bekommen. Stattdessen latschen die Schauspieler durch die Pampa und reden Tinnef. Dabei laufen sie nicht gegen Möbel oder Straßenlaternen, aber das ist schon das Galanteste, was man darüber sagen kann. Als NASA-Hauptquartier fungiert ein Bürozimmer, später ergänzt durch eine Druckerpresse oder so was. Hmmh. Diese Jammerproduktion stellt eine der frühesten Arbeiten der Band-Familie dar, die sich seitdem mit unzähligen Exploitation-Heulern einen Namen geschaffen hat. Regisseur John Hayes ist bei Genrefans am bekanntesten durch den rechten netten Vampirfilm DIE GRUFT DES GRAUENS (bei uns dem Spanier Leon Klimowsky zugeschrieben) und den ebenfalls brauchbaren DREAM NO EVIL. In END OF THE WORLD hat er einen Kurzauftritt als Autofahrer, der in Flammen aufgeht. Falls das Raumschiff der Aliens von Langeweile angetrieben wird, ist dieser Film ihre Rettung.
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