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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen - Filmforen.de - Seite 22,5

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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen


776 Antworten in diesem Thema

#646 Cjamango

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Geschrieben 17. März 2009, 22:00

The Lost (DVD)

Ray Pye ist ein Muster ohne Wert, und fast jeder in dem Kleinstadtmilieu, in dem er aufwächst, weiß das. Obwohl er Schlag bei Frauen hat, hängt er meistens mit seiner Schnalle Jennifer und Kumpel Tim ab. Eines Abends kommt es zur Katastrophe, als Ray aus heiterem Himmel auf die Idee kommt, zwei Frauen umzubringen, die ihnen an einem See über den Weg laufen. Nach erfolgter Tat verwischt Ray die Spuren, und tatsächlich kommen die „Thrill Killer“ ungeschoren davon. Doch vier Jahre später zeigt es sich, daß Ray noch viel mehr auf dem Kasten hat...

Diese Verfilmung von Jack Ketchums gleichnamigem Roman ist mehr oder weniger das gemeinsame Kind von Lucky McKee (MAY, THE WOODS) und seinem Freund Chris Sivertson. Sehr ausführlich schildern sie das Privatleben eines gerade erwachsen gewordenen Psychopathen, seine Versuche, die gewalttätigen Impulse unter Kontrolle zu halten und sein letztendliches Scheitern. Der relativ preisgünstig produzierte Film profitiert von den guten Schauspielern, allen voran Marc Senter, der Ray Pye als einen gemeingefährlichen Kasper anlegt. Ray ist jugendlicher Narzißmus pur. In seiner schwarzen Lederkluft und seinen zurückgegelten Haaren wirkt er wie ein drolliger Anachronismus, eine Art 50er-Jahre-„Juvenile Delinquent“, nur daß der Halbstarke längst vergessen hat, wo seine selbstgewählte Rolle enden muß. Obwohl das Publikum dank des grausamen Anfangs weiß, wozu Ray fähig ist, wird der Film eine ganze Zeit lang entwickelt wie ein handelsüblicher Jugendfilm: Man bekommt sein ziemlich lächerliches, aber bemerkenswert erfolgreiches Balzverhalten mit (na ja, Kleinstadt!), seine Probleme mit den Kumpels, sein eigenwilliges Verhältnis zur Mutter, einer Hotelbesitzerin. Es gibt Drogenparties, renitente Polizisten und Herzeleid. Ray schnupft reichlich Koks und benimmt sich entsprechend überdreht und dummdreist. Wann immer seine Masche nicht verfängt, reagiert er hektisch, fast panisch, wie ein Kind, das nicht bekommt, was es haben will. Seine Sexualität ist mindestens ambivalent, aber Frauen dienen ihm eben dazu, sein Ego zu streicheln, und gewalttätige Ausbrüche sind niemals weit weg. Ich habe Ketchums Vorlage nicht gelesen, aber was ich gelesen habe, läßt vermuten, daß die psychologische Gestaltung des Protagonisten wohl auch im Zentrum des Romans gestanden haben wird. Sivertson schildert die Vorgänge einigermaßen zurückhaltend, läßt die Schauspieler in langen Einstellungen ganz einfach mal machen, immer eine Ahnung von schwarzer Komödie im Handgepäck. So richtig über Bord geht diese Tendenz am Schluß, als sich Ray sein ganz persönliches Heldenfinale bastelt, halt gesehen durch die Augen eines unter Drogen stehenden Psychopathen. Da wird grimassiert bis zum Abwinken, aber da der Schluß richtig biestig grausam wird, hat man nicht mehr wirklich Gelegenheit dazu, sich über ihn lustig zu machen. Ray Pye besitzt keine wie auch immer geartete tragische Dimension, keinen erzieherischen Nährwert – er ist einfach nur ein gemeines Stück Dreck, eine deformierte Kreatur ohne Herz, ein amoralischer Kasper, der sich seiner eigenen Lächerlichkeit vage bewußt ist, aber umso maßloser reagiert, wenn er sich angegriffen wähnt. Ein böses Kind. THE LOST ist verstörend, aber durchweg intelligent gemacht und ansprechend gespielt. Zudem ist die Soundtrackmusik exzellent ausgewählt. Ein Film, der beißt.

Bearbeitet von Cjamango, 17. März 2009, 22:02.

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#647 Cjamango

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Geschrieben 18. März 2009, 01:14

Red (DVD)

Und gleich noch eine Jack-Ketchum-Verfilmung hinterhergeschoben...

Avery Ludlow (Brian Cox), Witwer und Kriegsveteran, lebt allein mit seinem Hund Red auf einer kleinen Farm in Maryland. Als er eines Tages angeln geht, tauchen ein paar Jüngelchen auf und fangen ein Gespräch mit ihm an. Wie sich zeigt, legen sie es darauf an, ihn auszurauben. Da Avery kein Geld dabei hat, erschießen sie aus Jux seinen Hund. Der alte Mann ist am Boden zerstört, findet aber heraus, daß der Anführer der Bande der Sohn eines reichen Fabrikbesitzers aus der Gegend ist. Als er dort auftaucht, nimmt man ihn nicht für voll – er wird vom Vater des Jungen auf die Straße gesetzt. Auch rechtliche Schritte scheinen nichts zu fruchten. Doch Avery denkt gar nicht daran, klein beizugeben, und hartnäckig macht er sich daran, den Tod seines Hundes zu vergelten...

Huch? Nach dem doch recht brutalen und düsteren THE LOST auf einmal ein Film über einen alten Mann und seinen Hund? Die Vorlage erschien kurz nach „The Lost“, und leider kenne ich auch sie nicht. Die Geschichte hätte verschiedene Pfade beschreiten können. Beispiel 1: Avery kauft sich eine Kalaschnikow und metzelt Tom Sizemore und seine mißratene Brut blutig nieder. (Hundebesitzer werden diese Variante favorisieren.) Beispiel 2: Avery kommt immer wieder zurück und holt sich eine um die andere Demütigung ab. (Eine Komödie um einen kauzigen alten Knaben mit dem Herz aus Gold.) Beispiel 3: Avery schleicht sich – als Hund verkleidet – in Tom Sizemores Villa ein, vergewaltigt die ganze Sippschaft und wird Damenimitator in Las Vegas. (Mein Favorit.) Es ist nicht zuletzt der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Brian Cox zu verdanken, daß keine der genannten Optionen zutrifft. Stattdessen entwickelt sich der Film zu einem Drama über Sinn und Unsinn von Rache. Avery Ludlow ist nämlich ein Mann, der an all die schönen Dinge glaubt, die unten an der Freiheitsstatue stehen und der einfach nur den Sieg der Wahrheit erleben will. Wenn die Wahrheit sich ziert, hilft er eben etwas nach. Avery hat alles verloren, was ihm nach dem Krieg an Leben geblieben war. Mit dem Hund hat man ihm jetzt auch seine letzte Orientierungshilfe genommen. Er will nicht wahrhaben, daß das alles sein soll. Mit aller Kraft klammert er sich an den Gedanken, daß man die Menschen bessern kann, wenn man nur will. Deshalb tut er alles, was in seiner bescheidenen Macht steht, um bei den Übeltätern Zerknirschung zu erreichen. Das führt schließlich auch zu Mord & Totschlag, aber nicht in der Weise, die ich bei Jack Ketchum erwartet hätte, dessen Bücher man ja meistens mit sehr abgründigen Psychopathologiestudien und sehr grausamen Details verbindet. Hier zeigt sich eher der Moralist Ketchum, der seinen Protagonisten – der eigentlich am Nullpunkt angelangt ist – nicht klein beigeben lassen möchte. Als Regisseur zeichnet einmal mehr Lucky McKee verantwortlich, der hier mit dem Dänen Trygve Allister Diesen zusammengearbeitet hat. Das Resultat ist ein hübscher, bescheidener Film, der leicht zu einer seichten Seifenoper oder einem simplen Brutalo-Quatsch hätte geraten können, aber er macht es richtig. Man erwarte nur halt nichts in Richtung EVIL oder so. Sympathischer Film für Hundefreunde.

Bearbeitet von Cjamango, 18. März 2009, 01:17.

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#648 Cjamango

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Geschrieben 18. März 2009, 01:47

Mirrors (DVD)

Jack Bauer, äh, Ben Carson (Kiefer Sutherland) war mal verdeckter Ermittler und hat durch einen fürchterlichen Fehler seinen Job verloren. Nun muß er sehen, wie er sich und seine von ihm getrennt lebende Familie über Wasser hält. Eine Anstellung als Nachtwächter in einem bei einer Feuersbrunst ausgekokelten Kaufhaus verspricht Hilfe. Schon nach einer Nacht weiß Ben aber, daß er sich mit diesem Job eine waschechte Zitrone an Land gezogen hat, denn es spukt, es spukt gewaltig. Wie es scheint, wohnen in den großzügig in der Ruine verteilten Spiegeln Geister oder Dämonen, die Ben fortan das Leben schwer machen. So ist er denn gezwungen, der Historie des Gebäudes nachzuspüren, um sich und seine Familie zu retten...

Von Alexandre Aja erwarte ich nach HIGH TENSION ja eine ganze Menge. Tatsächlich sieht MIRRORS optisch verflucht gut aus. Das Kaufhaus etwa ist erste Sahne. Zwar erscheint es ein wenig unglaubhaft, daß selbst die geschmacklosen Amerikaner ein solchermaßen barock zugekitschtes Monstrum als Konsumtempel akzeptiert hätten, aber mit Spinnweben und rostigen SILENT HILL-Türen überall sieht das schon ganz proper aus. Leider, leider, leider hat diese Neuverfilmung eines koreanischen Originals (das ich nicht kenne) einige Schwierigkeiten. Schwierigkeit Nummer Eins liegt auf der Hand: Kiefer Sutherland IST Jack Bauer. Fans der Serie „24“ (zu denen ich mich zähle) werden darüber nicht hinwegsehen können. Man wartet immer darauf, daß der Mann sein Handy rausholt und „Ich geh´ jetzt rein!“ hineinbrummelt. Man vergleicht halt doch immer. Der müßte jetzt schon einen einbeinigen Eskimo-Transvestiten spielen, um da wieder rauszukommen. Daß er in der deutschen Fassung die prägnante Spitzenstimme von Tobias Meister hat, hilft da nicht wirklich. Das ist der Bauer, da gibt's kein Vertun. Problem Nummer 2: Das Drehbuch strapaziert die Glaubwürdigkeit des Zuschauers arg. Warum, zum Beispiel, rücken die Krankenhausmokel einem trunksüchtigen Ex-Cop sofort Patientenakten und Videoaufzeichnungen raus, ohne groß Fragen zu stellen? (Ohne Rückfrage bei der C.T.U.?) Im wirklichen Leben wäre der nicht einmal beim Pförtner vorbeigekommen. Problem Nummer 3: Die eigentlich attraktive Grundidee, die Dämonen in Spiegelbildern und dann irgendwie auch im realen Leben tätig werden zu lassen, sorgt für zuviel Verwirrung: Können die jetzt immer im selben Raum killen, oder in einem Radius von 5 Metern, oder wie oder was? Problem 4: Der Schangel-Faktor. Spätestens bei den computergenerierten Flammenopfern habe ich gejault. Und mit CGI wird man leider zugekübelt. Ganz schlimm ist die dämonische Nonne am Schluß geraten. Die sieht aus wie ein Butzemann, der bei RESIDENT EVIL rausgeflogen ist. Auf der Haben-Seite gibt es neben dem tollen Kaufhaus-Set eine auf originelle Weise blutrünstige Szene mit Unterkieferbezug und ein recht effektives Ende, aber unterm Strich war ich sehr enttäuscht. Definitiv keiner für die Galerie.

Wer hingegen einen guten Film mit Kiefer Sutherland kucken möchte, kann sich mal das Gefängnisdrama LAST LIGHT ausleihen, das zwar frisch auf DVD rausgekommen ist, tatsächlich aber von 1993 stammt und Sutherlands erste Regiearbeit darstellt. Da spielt er einen völlig derangierten Killer im Todestrakt, der im „Poor White Trash“-Milieu aufgewachsen ist und jetzt auf den elektrischen Stuhl soll. Forest Whitaker ist sein Wärter. Eine Art Vorstudie zu DEAD MAN WALKING, aber nicht minder effektiv. Ein Beleg dafür, daß gut gemachte TV-Filme manchmal über deutlich gescheitere Drehbücher verfügen als so mancher groß produzierte Kinofilm. Den würde ich mal flugs in einer Reihe mit Farrah Fawcetts TV-Ehedrama DAS BRENNENDE BETT nennen. Ziemlich gut.
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#649 Cjamango

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Geschrieben 20. März 2009, 13:18

Against The Dark (DVD)

In der näheren Zukunft: Ein Virus ist außer Kontrolle geraten und verwandelt alle Menschen in blutdürstige Zombies. Eine Gruppe junger Menschen verschanzt sich in einem Krankenhaus, das aber vor Zombies nur so wimmelt, also kein wirklich guter Ort zum Verschanzen ist. Vielleicht helfen ihnen ja die „Jäger“, eine Gruppe von furchtlosen Ex-Soldaten, die sich jetzt durch die Ruinen der Zivilisation bewegt, um alles zu „säubern“, wie sie das nennen...

El Plauzo ist wieder da: Steven Seagal betritt eine aufregende neue Phase seiner Karriere und kämpft gegen Zombies! Un-glaub-lich! Wie schlecht der Film auch ist, aber die Prämisse ist einfach unwiderstehlich. Nach den zumindest kuckbaren Actionern URBAN JUSTICE und PISTOL WHIPPED (grammatisch abenteuerlicher deutscher Titel: DEATHLY WEAPON!) und einem von mir noch nicht gesichteten Grübelwerk namens KILL SWITCH switched der Mime in den Overdrive und gibt uns einen drittklassigen Horrorschlocker, der über fast keine Handlung verfügt, aber über jede Menge blutiges Gebolze. Ungewollte Unterstützung erhält der freundliche runde Mann aus Michigan dabei von einem Drehbuch, das die unlogischen und schwer überschaubaren Vorgänge mit Nicht-Dialogen versieht, die den Bereich des Dadaistischen streifen und in ihrer undurchschaubaren Sinnlosigkeit an 80er-Jahre-Perlen wie THE RIFFS 3 erinnern. Die Zombies sind einigermaßen brauchbar designed und – gemessen an ihren italienischen Vorfahren – sogar relativ listig. Sie sind einigermaßen leicht zu entsorgen und ähnlich verletzlich wie normale Menschen, so daß sich die gewohnten Kopfschüsse erübrigen. (Was soll man mit Kopfschüssen in einem Steven-Seagal-Film auch schon ausrichten?) Seagal selber nennt sich hier Tao (hust!) und trägt anstelle der aus seinen jüngeren Werken gewohnten langen, nicht in die Hose gesteckten Hemden einen feschen schwarzen Ledermantel. Da das Blut der Zombies hochgradig infektiös ist, verwundert es etwas, daß die „Jäger“ Katana-Schwerter und andere Schnetzelwaffen benutzen, um die Zombies in den Orkus zu jagen, aber was soll man auch von einem Horrorfilm erwarten, der uns Hubertus Heil (SPD) als Helden in einer BLADE-Kopie serviert? Im „Making Of“ sprechen die Verantwortlichen (u.a. der Regisseur mit dem tollen Namen Richard Crudo!) von den großen ästhetischen Herausforderungen, die in die Herstellung des Filmes einflossen. So bemühte man sich um eine Farbkomposition, die den Bildern eine braune Textur verleiht. Eine braune Textur paßt in der Tat ganz hervorragend. Ein weiterer Produktionshansel vermutet nicht ganz zu unrecht, daß Seagal-Fans wohl erstaunt sein werden über diesen Genre-Seitensprung ihres Helden, aber vielleicht werde dem Schauspieler damit ein neues Betätigungsfeld erschlossen. Und tatsächlich – ich kann mir Seagal jetzt überall vorstellen: Western, Musicals, Space Operas, Blaxploitation, Bollywood, Pornos – die Zukunft ist grenzenlos und leuchtet verheißungsvoll. Lassen wir uns überraschen...

Wenn man gerade einige Stunden lang das Computerspiel LEFT 4 DEAD gedaddelt hat, erscheint AGAINST THE DARK als sinnvoller Abschluß des Tages – wieder einen rumgekriegt!

Bearbeitet von Cjamango, 20. März 2009, 13:22.

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#650 Cjamango

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Geschrieben 26. März 2009, 13:23

Hardcore (Video)

Dieses schillernde Schmankerl aus dem Reich der geöffneten Schenkel und wippenden Dauerlatten stellt eine der seltenen Porno-Dokumentationen dar, die das Genre des Schmuddelkinos „transparent“ gestalten sollten (wie Politiker das heute nennen). Eine Journalistin namens Pascale will eine Reportage über die Sexfilmindustrie schreiben und gerät dabei an Gérard Kikoine, der gerade seinen Film PARTIES FINES dreht. (Übrigens einer der besten P-Filme mit Brigitte Lahaie!) In der Dokumentation wird das klassisch gelöst und mit einem Hauch von Überhöhung ausgestattet: Die subjektive Kamera (=Novizin Pascale) schwebt durch einen leicht nuttig aussehenden Perlenvorhang und betritt Pornutopia: Alban Ceray, Cyril Val, Brigitte Lahaie, Cathy Stewart und andere sind da gewaltig am Orgeln. Daß die Journalistin am Schluß ihre (ohnehin unterbezahlte) Schreibkladde an den Nagel hängt und ihre Wiedergeburt als Pornostar feiert, versteht sich bei dieser Art von Produktion von selbst. Da Kikoine aber kein Stümper ist und später mit sogar mit Schauspielern wie Anthony Perkins und Oliver Reed zusammenarbeiten durfte, sieht das Ganze ausgesprochen proper aus und enthält einige ganz nette Interviews mit der Lahaie, Guy Royer und Jacques Watteau. Während sich der ursprüngliche Film alle Mühe zu geben scheint, die Pornoindustrie in einem anheimelnden Licht zu präsentieren, arbeitet die Hamburger Synchro von Alan Vydra (ob das der Reiner Brönneke war?) diesem Bestreben munter entgegen und zotet nach Leibeskräften. So hört man die deutschen Stimmen von Kermit dem Frosch oder Oskar aus der Mülltonne so sensible Sachen äußern wie „Leck sie! Los!“ oder „Verdammt, jetzt hat der wieder an ihrem Gesicht vorbeigespritzt!“ Ich bezweifele stark, daß der Film das Gefallen von Alice Schwarzer gefunden hätte, aber Amokläufe wird er mit Sicherheit keine produzieren. (Was man von den Filmen Leni Riefenstahls – die ja mal von Frau S. sauber bebauchpinselt worden ist – nicht sagen kann, aber das nur so nebenbei...) Insgesamt handelt es sich bei dem Werk (das auch unter dem Titel LA VITRINE DU PLAISIR veröffentlicht wurde) um eine mittlerweile schon nostalgisch anmutende Seltenheit aus der Ferkelecke, deren dokumentarischer Wert allerdings stramm gegen Null geht.

Bearbeitet von Cjamango, 26. März 2009, 13:23.

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#651 Cjamango

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Geschrieben 31. März 2009, 13:49

Man Made Monster (Video)

Ein Bus rasselt in einen Strommast. Viele sterben, nur einer überlebt: Dan McCormick (Lon Chaney jr.), der aufgrund seiner Jahrmarktsauftritte mit Elektrizität offenbar eine ungewöhnliche Resistenz entwickelt hat. Der junge Mann ist kerngesund, gerät aber unglücklicherweise in die Hände zweier Wissenschaftler. Der eine, Dr. Lawrence, ist gut, rechtschaffen und erhofft sich von seinem neuen Patienten wertvolle physikalische Einsichten. Doch der andere, Dr. Rigas, wird von Lionel Atwill gespielt, und das bedeutet, daß hier kein Segen wohnt. In der Folge pölsert Atwill Chaney mit mehr und mehr Elektrizität zu, bis jener völlig abhängig geworden ist vom britzelnden Strom. Durch einen von Atwill verschuldeten Umstand kommt Lawrence ums Leben. Chaney wird zum Tode verurteilt – auf dem elektrischen Stuhl...

Und dann geht die Party richtig los! Dieser relativ seltene B-Horrorfilm der Universal Studios gehört zu den kleinen Juwelen, die man als Fan klassischer Gruseleien manchmal am Wegesrand erhascht. Die absurde Prämisse ist immerhin originell und ermöglicht Lon Chaney jr. einen seiner wenigen erinnerungswürdigen Auftritte als tragischer Held, der zum Monster gemacht wird. Chaney war zu diesem Zeitpunkt noch kräftig und gutaussehend. Alkoholmißbrauch ließ ihn in nur zehn Jahren komplett auseinandergehen, bis er aussah wie ein tschechischer Vizeersatzhausmeister. Hier erstrahlt er noch in vollem Saft und darf im Schlußakt mit im Wortsinne leuchtendem Gesicht die Heldin über den Acker tragen, vollgepumpt mit Volt. Dazu trägt er ein lustiges Fetischkostüm, das entgegenkommenderweise im Laboratorium des verrückten Wissenschaftlers deponiert worden war. Lionel Atwill leuchtet auch in seiner Rolle des bösen Dr. Rigas, und zwar ganz ohne Strom. Sicher, seine Finsterlinge aus Filmen wie DR. X und DAS GEHEIMNIS DES WACHSFIGURENKABINETTS waren fraglos subtiler angelegt und enthielten auch charakterliche Schattierungen, aber was dieser Mann mit seiner prachtvollen Stimme anfangen konnte – vor allem, wenn sein Gesicht obendrein „böse“ angeleuchtet wurde –, war schon toll. Es handelt sich um einen der beiden bekannten Horrorfilme von George Waggner, der Chaney im Jahr zuvor mit dem großzügiger budgetierten THE WOLF MAN zum Horrorstar gemacht hatte. MAN MADE MONSTER verfährt mit seiner Handlung sicherlich eindimensionaler als sein Vorläufer, tut dies aber mit einer solchen Verve, daß die 58 Minuten Laufzeit vollgestopft sind mit Aktion und Remmidemmi. Da beginnt auch das Gesicht des Zuschauers unweigerlich zu leuchten! Ich würde mir sehr wünschen, den Film irgendwann einmal in einer angenehm kuckbaren Fassung zu besitzen. Der Film ist eindeutig rockbar.

Bearbeitet von Cjamango, 31. März 2009, 13:52.

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Geschrieben 01. April 2009, 11:43

The Devil Commands (Video)

Noch so ein schöner alter Grusler! Boris Karloff spielt einen an seiner Universität überaus beliebten alten Zausel wissenschaftlicher Ausrichtung, der sich mit der Herstellung von Trockenhauben beschäftigt, mit denen man Gehirnwellen aufzeichnen kann. Die Graphen, die diese Maschinen ausspucken, sind von Mensch zu Mensch völlig verschieden, wie Fingerabdrücke. Als bei einem Verkehrsunfall seine Frau Helen ums Leben kommt, ist Karloff gramgebeugt. Durch einen Unfall erfährt er aber, daß sie nicht zur Gänze verschwunden ist, denn seine fabelhafte Maschine spuckt ihren Graphen aus, obwohl niemand angeschlossen ist. Karloff vergräbt sich nun in seiner Arbeit, zieht in eine andere Stadt, und versichert sich auch der Dienste eines Mediums. Doch die Dinge geraten aus dem Ruder, als die Einwohner seiner neuen Wirkungsstätte anfangen, sich Gedanken zu machen über die sich häufenden Leichendiebstähle...

Seit der Lektüre von William K. Eversons Buch wollte ich diesen Film sehen! Von dem Gros der zu jener Zeit hergestellten Grusler – denen ihr Status als B-Kino meistens unschwer anzusehen war – setzt sich dieses Frühwerk von Edward Dmytryk ab durch eine sorgfältige Inszenierung, die auch alltägliche Szenen mit der Ahnung finsterer Machenschaften ausstattet. Das Drehbuch bemüht die hübsch bizarre Idee, daß man Menschen als Antennen für eine Verbindung zum Totenreich benutzen kann, wie in einer Seance halt, nur daß die abergläubischen Konnotationen hier mit wissenschaftlichen Mitteln ausgedeutet werden. Macht aber gar nichts, denn diese Art von Wissenschaft ist genauso unheimlich wie übernatürliches Wirken! Es ist bezeichnend, daß der Film seine Rationalisierung geheimnisvoller Zusammenhänge zu einer Zeit betrieb, als die echten Kriegsgreuel altmodischen Spukgeistern leider das Wasser abgegraben hatten. Verglichen mit aktuelleren parapsychologischen Thrillern wie THE ENTITY oder AUDREY ROSE ist THE DEVIL COMMANDS deutlich morbider und wirklich beachtlich gruselig. Toll sind die „Anrufungsszenen“, in denen Karloff mehrere Leichname im Kreis auf Stühle gesetzt hat: Bei Betätigung seiner Maschine läßt er einen merkwürdigen Energiewirbel entstehen, wodurch die Leichen ihre Köpfe vorbeugen, wie Magier bei einem archaischen Ratschluß. Diese Szenen funktionieren noch heute ganz prima, zumal sie klarstellen, daß das Mysterium des Todes allen Rationalisierungsversuchen zum Trotz immer noch Unbehagen erzeugt. Der Regisseur, Edward Dmytryk, hatte wenige Jahre später aufgrund seiner einstigen Verbindungen zu kommunistischen Zirkeln große Probleme. Er landete für mehrere Monate im Knast und wurde nach seiner Entlassung quasi mit einem Berufsverbot belegt, dessen er sich entledigte, indem er plauderte und „Namen nannte“. Dieses Einknicken führte dazu, daß er wieder Filme machen durfte, z.B. DIE CAINE WAR IHR SCHICKSAL, doch bei vielen seiner Kollegen war er unten durch und begab sich schließlich nach Europa, wo er ausschließlich Schlonz drehte. Sein bester Film ist für mich der hervorragende Psychothriller DIE 27. ETAGE mit Gregory Peck. In THE DEVIL COMMANDS brilliert neben Karloff auch die Theaterschauspielerin Anne Revere (als frösteln machendes Medium), die ebenfalls den Kommunistenjägern in die Hände fiel, allerdings keine Namen nannte und deshalb für Hollywood weitgehend gestorben war. Da lobe ich mir den großartigen Teddybär Lionel Stander, der dem Komitee verkündete: " I know of a group of fanatics who are desperately trying to undermine the Constitution of the United States by depriving artists and others of Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness without due process of law.... I can tell names and cite instances and I am one of the first victims of it.... [This is] a group of ex-Fascists and America-Firsters and anti-Semites, people who hate everybody including Negroes, minority groups and most likely themselves.... [T]hese people are engaged in a conspiracy outside all the legal processes to undermine the very fundamental American concepts upon which our entire system of democracy exists.“ Damit meinte er das Komitee, empfahl sich und ging nach Europa, wo er eine lange, erfolgreiche Karriere hatte...
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Geschrieben 02. April 2009, 09:12

Martyrs (DVD)

MARTYRS beginnt mit einem Intro, das Heimfilmaufnahmen eines jungen Mädchens zeigt, Lucy, das aus seiner ganz persönlichen Hölle entflohen ist. In einem abbruchreifen Gebäude wurde sie von unbekannten Tätern über einen langen Zeitraum hinweg übelst mißhandelt. Ärzte versuchen, den Scherbenhaufen, der aus der Seele des Kindes geworden ist, wieder zu kitten. Eine weitere Patientin, Anna, wird ihre beste Freundin. 15 Jahre später will Lucy die Unholde finden, die ihr Leben zerstört haben. Doch was nach einer simplen Lösung aussieht, erweist sich als Auftakt zu einem beispiellosen Grauen...

Mit den immens blutrünstigen Horrorfilmen, die im Gefolge von Alexandre Ajas HIGH TENSION aus Frankreich kamen, habe ich bisher meistens Probleme gehabt. Sachen wie FRONTIER(S) oder INSIDE konnte man handwerklich nichts Schlechtes nachsagen. Sie waren darstellerisch überzeugend und begannen durchaus vielversprechend. Jedoch versandeten die Themen, die ihren Stories als Aufhänger dienten (Gewaltbereitschaft im französischen Hinterland bzw. die ambivalenten Gefühle einer werdenden Mutter), in beiden Fällen in unklug gesetzten Exploitation-Elementen, die die eigentlich Sensibilität erfordernde Materie mit einem trashigen Hangeln nach dem immer größeren Exzeß förmlich totdroschen. Bei MARTYRS wünscht man sich manchmal fast, er wäre ebenso verfahren, denn ich kann mich an keine Filmsichtung in der jüngeren Zeit erinnern, die mir dermaßen viel abverlangt hätte. Zuerst einmal: Der Film ist grandios gemacht. Ich kann leider nicht intensiver auf inhaltliche Aspekte eingehen, da man dann diverse Twists verraten und somit die verstörende Wirkung des Filmes beeinträchtigen würde. Man kann den Film generell in drei Partien aufgliedern: Teil 1 handelt von Mißhandlung – Mißhandlung von Kindern und was diese in deren Seelen anrichtet. Teil 2 zeigt dann einen ebensolchen Zerstörungsprozeß, ausgespielt bis an die Grenze des Ankuckbaren. Der Schluß „erklärt“ dann in gewisser Weise die Motive für diese Zerstörung, die aber so fremdartig und grauenerregend sind, daß sie den Zuschauer nicht wirklich erlösen, sondern in einer Welt zurücklassen, die aus endlosem Schmerz und Isolation besteht, aus der Hoffnung auf eine Erlösung, die aber erst nach einer Transformation erfolgen kann. Es wird viel mit der fleischlichen Hülle des Menschen angestellt, Themen wie Sadomasochismus und Body Modification werden angeschnitten. Regisseur Pascal Laugier entscheidet sich für die minutiöse und kraß naturalistische Darstellung eines grundsätzlich religiösen Grundgedankens, ohne sich am Schluß (der vieldeutig ist) für eine Richtung zu entscheiden. Man wird als Zuschauer alleingelassen, verstört und trostlos. MARTYRS gehört zu den wenigen Filmen, die so grauenhaft waren, daß sie mir an manchen Stellen Tränen des Entsetzens in die Augen getrieben haben. CANNIBAL HOLOCAUST und DIE 120 TAGE VON SODOM fallen mir da noch ein. Ich empfand seinen Umgang mit dem Thema aber als gänzlich unzynisch, als sehr integer. Er zeigt eben die Verheerungen, die in schreienden Seelen herrschen. Vermutlich wird man ihn hierzulande häufig in Relation zu den sogenannten „torture porn“-Idiotien setzen, was aber völlig in die falsche Richtung zielt. Mir ist hier erst aufgefallen, was für ein unreifer Kasperkram HOSTEL tatsächlich ist. Überraschend, daß der Film es scheinbar ohne zensorielle Eingriffe auf DVD geschafft hat, aber vielleicht rechnete man ihm tatsächlich seine Herangehensweise an, die sich nicht in einem „Höher, härter, weiter“ erschöpft, sondern die Figuren ernstnimmt. Ich möchte für MARTYRS aber eine deutliche Gesundheitswarnung aussprechen: Wer sich nicht bis ins Mark verstören lassen möchte, sollte vom Betrachten des Filmes absehen. Auch Zuschauer mit einer ausgeprägten autoaggressiven Historie sollten sich den Film besser nicht anschauen. Spaß macht MARTYRS keine Sekunde. Er ist aber wirklich erstklassig gemacht. Bin beeindruckt.

P.S.: Laugier soll demnächst HELLRAISER neuverfilmen. Das wird immerhin mal interessant...

Bearbeitet von Cjamango, 02. April 2009, 09:15.

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Geschrieben 02. April 2009, 11:46

Diary Of The Dead (DVD)

Einige Filmschulbratzen drehen einen billigen Horrorfilm und werden während der Dreharbeiten davon überrascht, daß die Toten wiederauferstehen und sich an den Lebenden vergehen, äh, sie essen, will sagen. Gemeinsam ist man stark und boxt sich quer durch das zunehmend entvölkerte Hinterland.

George A. Romero habe ich niemals für einen überragenden Künstler gehalten, aber für einen grundsympathischen Mann, der Filme macht, die ich mir bis zum Ende anschaue. (Dario Argento z.B. halte ich für einen großen Künstler, dessen Filme ich mir aber nicht alle bis zum Ende ansehe, vgl. etwa DAS PHANTOM DER OPER - da war beim Rattenwagen Schluß!) Angesichts der bösen Verrisse, die DIARY OF THE DEAD gesammelt hat, war ich auf einiges gefaßt, muß aber feststellen, daß ich auch diesen Film brav durchgekuckt habe, und zwar durchaus wohlwollend. Bei aller Sympathie für Romero muß man allerdings anmerken, daß er vielleicht mal wieder etwas anderes machen sollte als Zombiefilme. Gut, gemessen an den anderen Zombie-Schlockern, die derzeit inflationär über die DVD-Konsumenten ausgekübelt werden, ist DIARY sogar recht ordentlich. Er führt die internationale Apokalypse von DAY OF THE DEAD wieder zurück auf den Überlebenskampf einer überschaubaren Gruppe von Normalos, die sich mit den mittlerweile sattsam gewohnten Problemen herumschlagen muß. Romeros neuester Werbefilm für die Schönheiten von Pittsburgh und Umgebung führt als Neuerung die Einbeziehung von Webblogs, YouTube und so fort in den Kanon ein. Zu diesem Behufe bedient er sich des mittlerweile auch schon recht ausgelutschten BLAIR WITCH-Formates mit den „dokumentarischen“ Handkameraaufnahmen. Dabei schneidet er immer noch deutlich besser ab als der ähnlich gelagerte britische Zombiefilm, den ich neulich gelangweilt abgebrochen habe, aber man wird trotzdem den Eindruck nicht los, daß ein in die Jahre gekommener Regisseur mit neuen Formaten herumspielt, die wohl nur ihm kraftvoll und neu erschienen sind. Es ergeben sich zwangsläufig die üblichen Probleme: Warum, zum Geier, gibt es immer einen Clown, der sich die Kamera vor die Visage hält, während um ihn herum die Menschen sterben? Wenn schon jemand das Material nachbearbeitet hat, warum hat dieser Jemand die ganzen Stellen dringelassen, an denen der Akku alle war? Und was soll das mit der nachträglich eingefügten Musik? Das alles sind Logikmosereien, die letztlich etwas am Punkt vorbeizielen. Spaß gemacht hat mir der Film durchaus, und es sind viele Romero-typische Einfälle zu bewundern. (Mein Favorit ist wohl der kurze Auftritt der Nationalgarde. Der war schon recht trocken.) Nett ist das Resultat allemal, aber man erwartet gerade bei George A. Romero doch leider zwangsläufig etwas mehr. Die Apokalypse von DAWN war 1978 noch wirklich neu und hatte entsprechende Sprengkraft. DIARY nimmt sich aus wie ein relativ kurzweiliger Epigone des einstigen Glanzes, und man kann ihn kucken, wenn man nicht zuviel erwartet. Aber ich wünsche dem netten Biffbaff für die Zukunft originellere Drehbücher. Trotzdem, bleibe dabei, die Argento-Route befährt Romero noch nicht. Er liebäugelt lediglich mit der Abfahrt und fummelt mit dem Straßenatlas herum.
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#655 Cjamango

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Geschrieben 05. April 2009, 11:54

The Fall Of The House Of Usher (1928) (US-DVD)

Als ich 12 Jahre alt war, lief im noaddeutschen dritten Programm eine Reihe, die sich „Das Gruselkabinett“ nannte. (Kenner werden sich noch an den hübschen Vorspann erinnern: „Mumien... Monstren... Mutationen!“ Dann quietschte immer eine Tür.) Durch diese Sendung hatte ich damals Gelegenheit, bereits im vorpubertären Alter Bekanntschaft mit einigen Horrorfilmen zu schließen. Da lief z.B. DR. X in einer untertitelten Fassung, da lief Dreyers VAMPYR, aber auch HOLLYWOOD BOULEVARD von Dante & Arkush. Ein Film, den ich verpaßte, war diese Stummfilmbearbeitung von Edgar Allan Poes „Der Untergang des Hauses Usher“, gedreht vom Filmtheoretiker und Gelegenheitsregisseur Jean Epstein, an der auch Salvador Dali mitwirkte. Die Legende will es, daß Dali sich vom Projekt lossagte, als ihm aufging, daß Epstein nicht daran gelegen war, die Vorlage Poes buchstabengetreu zu transponieren, sondern recht frei mit der Erzählung umging. So wird aus Roderick Usher und seiner Madeleine Mann und Frau, was den dezent inzestuösen Charakter der Vorlage entfernt. Im Mittelpunkt von Epsteins Interpretation steht die künstlerische Identität des hypersensiblen Roderick, der zusammen mit seiner hochgradig fragilen Frau in einem maroden Anwesen wohnt, das von nicht minder maroder Landschaft umgeben ist. Seinem angereisten Besucher Allan verkündet er mit leuchtenden Augen, daß Madeleine sein einziges Modell gewesen ist, das er in immer neuen Variationen auf die Leinwand gebannt hat. Dort – in den Bildern – sei es, wo Madeleine wirklich lebt. Besonders konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf ein Gemälde, das von einem Rahmen umgeben ist, der es fast wie einen Spiegel aussehen läßt. Und tatsächlich verbirgt sich hinter der Konzentration des Künstlers auf seine geliebte Muse eine narzißtische Fixierung auf die eigene Deutung der Umwelt, die sich völlig von den realen Gegebenheiten losgelöst hat. Jean Debucourt spielt Roderick als einen zwar nervösen, aber tief in sich ruhenden Soziopathen, dessen Welt ins Wanken gerät, als Madeleine stirbt. Danach wartet er, ungeduldig und leidend. Als Madeleine schließlich aus ihrer Gruft „aufersteht“, leuchten seine Augen, und während der in seinem Wahn bestätigte Hausbesitzer der in ein Brautkleid gehüllten Schönen entgegenwankt, flieht der entsetzte Gast Allan. Ob auch der Betrachter des Filmes flieht, liegt sehr an seiner Bereitschaft, sich mit dem schwergängigen Werk auseinanderzusetzen. Anders als etwa Dreyers VAMPYR, der seine Traumwelt sehr gegenständlich und nachvollziehbar gestaltet, löst LA CHUTE DE LA MAISON USHER das Traumgespinst auf in eine Vielzahl von häufig scheinbar beziehungslosen Einzelmotiven, deren impressionistischer Charakter sich um eine Nachbildung von Gefühlen bemüht, nicht unähnlich der Arbeitsweise Poes. Die Bilder, deren sich Epstein bedient, sind dabei häufig von beachtlicher Schönheit, gerade wenn es um die das Haus umgebende Natur geht. Er scheut dabei auch nicht vor surrealen Überblendungen zurück, etwa im Fall der Beerdigung Madeleines, wo aus den Bäumen, die den Weg des Sargganges säumen, brennende Kerzen werden. Diese recht einzigartige Form von impressionistischem Experimentalkino mag manchem heutigen Betrachter als zu akademisch erscheinen, aber wenn man sich auf sie einläßt, ist der Film doch sehr lohnend, wenngleich er kaum zu den offenen Mündern führen wird, die bei Dreyers Meisterwerk (einer meiner absoluten Lieblingsfilme!) zu erwarten sind. Die US-DVD präsentiert den Film in guter Qualität, wenngleich mir die Musik irgendwann mörderisch auf den Zeiger gegangen ist. Auch arbeitet die (immerhin von Jean-Pierre Aumont) gesprochene Übersetzung der Titelkarten etwas gegen ein müheloses „Reinsacken“ in die Welt von Epsteins Usher-Version. Als ungewöhnliche Herangehensweise an das Genre des „Gothic Horror“ wird der Film einschlägig vorbelastete Cineasten aber in jedem Fall faszinieren. 16-Jährigen hingegen, die im Begriff stehen, auf eine Goa-Party zu gehen, ist vom Betrachten des Filmes abzuraten. Die haben aber eh Sex und Drogen und brauchen nicht die Tröstungen stummen Traumkinos... *kicher*
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Geschrieben 07. April 2009, 19:58

Seven Footprints To Satan (keine Ahnung, irgendwas Italienisches)

Nach seinem vielleicht berühmtesten Werk, HEXEN, drehte der Däne Benjamin Christensen vor Schreck erst einmal zwei Filme in Deutschland, bevor er nach Hollywood aufbrach. Die dort entstandenen Werke – sechs an der Zahl – sind entweder verschollen oder verdammt schwer aufzutreiben. Gesehen habe ich davon nur das Lon-Chaney-Melodram MOCKERY und SEVEN FOOTPRINTS TO SATAN, welcher in der Tradition der Gruselkomödien um THE BAT und THE CAT AND THE CANARY steht. Von dieser Gruppe ist er mit Abstand das exzentrischste Beispiel und erzählt die Erlebnisse eines Pärchens, das in schlechte Gesellschaft gelangt.

Hauptfigur ist ein reicher Erbe namens James, der ein wenig wie der Stummfilmkomiker Harry Langdon ausschaut, also reichlich unbedarft. Wenn es nach ihm ginge, würde er im dunkelsten Afrika herumturnen und sich als Forscher und Abenteurer bewähren. Vorher aber gerät der junge Mann auf eine Abendgesellschaft, auf der der Vater seiner Verlobten Eva seine Juwelen herumzeigen will. (Nicht anzüglich gemeint.) Wie sich herausstellt, sind Betrüger anwesend, Schüsse fallen, und James und sein Evchen werden gekidnappt. Ziel der Verschleppung ist ein altes Haus, und dort laufen nur ausgesprochen eigentümliche Gestalten herum: ein Zwerg (Angelo Rossitto aus FREAKS!), eine Schrumpfkopf-Lady, ein werwölfiger Professor namens Moriarty, eine fesche Sexhexe mit heißem Ausschnitt, ein Fu-Manchu-Verschnitt und ein krückenbewehrter Verbrecher, den alle nur „Die Spinne“ nennen. Zu allem Überfuß ist auch noch ein Riesenaffe ausgerissen – „Satans Gorilla“, wie dem mittlerweile stark desorientierten James erklärt wird. Der Grund für all dies liegt auf der Hand: Satan ist der Hausherr, und dem Pärchen dräut Arges...

SEVEN FOOTPRINTS ist eine ausgelassene Angelegenheit und wirkt fast so, als habe man die dekorativen Spannungsfilme Fritz Langs (DR. MABUSE, SPIONE, DIE SPINNEN) durch den Kakao ziehen wollen. Auch bietet sich ein Vergleich mit dem deutlich späteren HELLZAPOPPIN´ an, der die vertraute Ordnung der Gesellschaftskomödien in ein heilloses Durcheinander stürzte. Die Horroranteile sind zwar überdreht, werden aber angenehm „straight“ serviert, dürften also damals für einige schreiende Publikumsbestandteile gesorgt haben. Christensen spielt mit den Mitteln des expressionistischen deutschen Stummfilms, arbeitet viel mit Schatten. In einer hübschen Szene schleicht der schlotternde Nerd-Held einen Korridor entlang, nur daß der Schatten an der Wand nicht ihm, sondern dem zotteligen Gorilla gehört, der ihm auf flauschigen Pfoten folgt. Worauf sich der Titel bezieht, mag ich nicht verraten, aber er hat mit dem gleichsam extravaganten Finale zu tun. Heldin Thelma Todd – ein lecker Meisje – wurde wenige Jahre später leider Opfer eines als Selbstmord getarnten Verbrechens, das im Zusammenhang mit ihrem Lebensgefährten, dem Regisseur Roland THE BAT West stand. Christensen selber begab sich bald darauf zurück nach Dänemark. SEVEN FOOTPRINTS TO SATAN ist eine sehr lustige Geschichte, steht aber noch nicht in einer wirklich befriedigenden Fassung zur Verfügung. Hoffen wir mal, daß sich „Kino“ oder „Criterion“ seiner erbarmen. Verdient hätte er es!
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Geschrieben 10. April 2009, 10:12

The Bells (1926) (US-DVD)

Lionel Barrymore spielt einen alten Zausel namens Mathias, der mit Frau und Tochter in einem kleinen europäischen Dorf ein Wirtshaus betreibt. Außerdem gehört ihm noch eine Mühle, aber die ist egal. Viel wichtiger ist die Schuldmühle, in der Mathias sitzt, und alleine für dieses Wortspiel sollte man mich steinigen. Na ja, ist Karfreitag heut. Mathias hat also Schulden, und zwar beim groben Frantz, der von Gustav von Seyffertitz gegeben wird. Besagten Gustav von Seyffertitz (prächtiger Name!) habe ich gerade in Mary Pickfords vergnüglich frommen Südstaaten-Waisen-Melodram SPARROWS gesehen, wo er gleichsam den Schubiak verkörperte. Um die grimmige Last von sich abzustreifen, braucht Mathias also Geld. Da kommt Baruch Kowalski, „der polnische Jude“ (wie die Zwischentitel ihn nennen), in das Wirtshaus und wedelt unklug mit seinem Geldgürtel herum. Mathias erkennt einen Trottel, wenn er einen sieht, und macht ihn drauß im Walde platt mit seiner Axt. Im Todeskampf wedelt Kowalski nicht mit seinem Gürtel, sondern mit einem Schellenring – halt einer jener törichten Einfälle, die man als Sterbender so hat. Der Klang der Glöckchen soll aber Mathias auf seinem weiteren Lebensweg begleiten, denn auch wenn er jetzt reich ist und zum Bürgermeister gewählt wird – das rächende Gewissen läßt ihn nicht aus seinen Klauen...

Dieser sehr altmodische Theaterstandard wurde in der Stummfilmzeit einige Male auf die Leinwand gebracht. James Youngs Version von 1926 ist die bekannteste. Ursprünglich basiert die Story auf einem Gedicht von Poe, welches dann zuerst von Franzosen, dann von Briten adaptiert wurde für die Bretter, die die Welt bedeuten. Man kann fast froh sein, daß Lionel Barrymore für seine Darstellung eine theatralische Herangehensweise gewählt hat, denn diese sichert dem Film immerhin noch einige Lacher. Nach europäischem Empfinden muß THE BELLS schon damals in seiner frömmelnden Verbeugung vor der alten Maxime „Wohltun trägt Zinsen und Schlechttun trägt Pansen“ sehr staubig gewirkt haben. Was die Logik angeht – nu ja, da wird ein Mann mit einer Axt erschlagen, offensichtlich aus Habgier. WER hat gerade eine Erbschaft gemacht und kann sich damit aller Schulden entledigen? Rätsel, Rätsel, Popätsel. Selbst der Gendarm der Ortschaft, der den schönen Namen Christian trägt, ist nicht in der Lage, diese schwere Nuß zu knacken. Schade eigentlich, daß nicht Barrymores Bruder John die Rolle übernehmen konnte, denn jenen mußte man zu diesem Zeitpunkt angeblich bereits auf der Bühne festbinden, damit er spielen konnte, von wegen Alkoholismus. Was die „gruseligen“ Anteile des Filmes angeht, so halten diese sich in Grenzen. Die mit Überblendungen erreichten Auftritte des „Geistes“ (bei dem ich immer an Tewje den Milchmann denken mußte!) sind nicht furchterregend, auch wenn Lionel sich windet und krümmt vor Seelenpein. Der Schluß des Werkes ist allerdings eine ziemliche Überraschung, aber so was verrate ich ja grundsätzlich nicht. Die DVD ist von ordentlicher Qualität, sieht man einmal von der lausigen Synthetik-Mucke ab, die mal wirklich für'n Poe ist...

Bearbeitet von Cjamango, 10. April 2009, 10:13.

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Geschrieben 11. April 2009, 10:09

Where East Is East (US-DVD)

Vampalarm!!!

Tiger Haynes (Lon Chaney) ist ein Jäger und Abenteurer, der seine Zelte in China aufgeschlagen hat. Das einzige, was er mehr liebt als seinen freien Lebensstil, ist seine Tochter Toyo (Lupe Velez). Als sie ihm berichtet, daß sie sich in den jungen Bobby verliebt hat, ist er zuerst sehr skeptisch, lernt den jungen Mann dann aber schätzen und akzeptiert ihn als Schwiegersohn. Das Leben könnte so schön sein, wenn nicht eine geheimnisvolle Frau in Bobbys Leben treten würde – Madame de Sylva (Estelle Taylor). Bobby weiß noch nicht, daß sie in Wahrheit Toyos leibliche Mutter ist, und so verfällt er ihren (beträchtlichen) Reizen mit Mann und Muschi. Tiger Haynes weiß aber um die Verruchtheit seiner ehemaligen Gespielin, und so tut er alles, um das Glück seiner Tochter zu retten...

Nicht zu glauben, daß man Tod Browning heutzutage in erster Linie wegen seines DRACULA kennt und schätzt, ist dieser doch eher einer seiner schwächsten Filme. WHERE EAST IS EAST beginnt verhalten, entwickelt sich dann aber zu einem knalligen Melodram, das zwar nicht ganz so pervers ist wie WEST OF ZANZIBAR, aber ähnlich unterhaltsam und mitreißend. Trotz Lon Chaneys wie üblich hervorragender Leistung – hier unterstützt von einem tollen Narben-Makeup – ist es die „femme fatale“, die im Mittelpunkt steht. Estelle Taylor brilliert als Frau ohne Gewissen, die ihre Energie aus dem Unglück bezieht, das sie anderen Menschen zufügt. Daß Toyo ihre Tochter ist, stört sie nicht im Geringsten, sondern ist ein zusätzlicher „Kick“. Ihre Tochter dient ihr als Instrument, um sich an dem Mann zu rächen, der sie einst verschmähte aufgrund ihrer offensichtlichen Charakterschwächen. Auffällig wird erneut der Unterschied zwischen der deutschen und der angelsächsischen Ausprägung des Vamp-Typus: Während der deutsche Vamp (z.B. Wedekinds „Lulu“) seine Naturkräfte arglos entfesselt und unbewußt zum Katalysator für die Selbstzerstörung des gutbürgerlichen Mannes wird, genießt die puritanische Variante ihr Zerstörungswerk in vollen Zügen. Madame de Sylva etwa definiert sich über die Macht, die sie über Männer hat – ihrer Tochter den Bobby auszuspannen und beide damit zu vernichten, ist ihr ein innerer Vorbeimarsch und läßt ihr Herz juchzen im Busen. Die Konzeption des Vamps hat einen zweischneidigen Charakter: Einerseits ist sie die Verkörperung der Angst vor Frauen, die man als Mann so hegen mag; andererseits stellen die „femme fatales“ die Frau als starkes Wesen dar, das sich in einer patriarchalisch kontrollierten Gesellschaft behauptet. Anders ausgedrückt: Sie haben mehr Saft in den Eiern als die Männer, die ihren Reizen verfallen und mit dem Kopf gegen die Wand donnern. Neulich ist ja eine Taube durch die Scheibe meines Küchenfensters gedonnert. Es hat fast eine halbe Stunde gedauert, bis ich das arme Tier wieder rausbugsiert hatte, denn es ratterte partout immer wieder panisch gegen Hindernisse. Das war bestimmt ein Täuberich.

P.S.: Estelle Taylor war übrigens die letzte Frau, die Lupe Velez lebend gesehen hat. Jene beging nämlich – wie bei Kenneth Anger nachzulesen – auf äußerst jämmerliche Weise Selbstmord, als ihre Blüte brach. Vamp und Opfer wurden nämlich im wirklichen Leben gute Freundinnen. Das finde ich hübsch.
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Geschrieben 12. April 2009, 10:22

Le golem (1936) (FR-Video)

Die Geschichte des Lehmmannes, der den Juden bei ihrer mißlichen Situation im Prager Ghetto zur Hand geht, in einer von mir lange gesuchten Version aus Frankreich, die vom französischen Routinier Julien Duvivier (DON CAMILLO UND PEPPONE) stammt. Die Erwartungen, die durch das einsame Foto in William Eversons „Klassiker des Horrorfilms“ in mir genährt wurden, erwiesen sich als trügerisch: Duvivier inszeniert die Geschichte als großformatiges Unterhaltungskino, in dem auch schwankhafte Elemente ihren Platz haben. Der Großteil des Filmes illustriert das Leben am Hofe des Kaiser Rudolf II., der von Harry Baur als cholerischer und trunksüchtiger Popanz gegeben wird. Ein wenig habe ich mich an den prachtvollen Helmut Qualtinger erinnert gefühlt. Umgeben von eitlen Hofschranzen, hält er sich ein ganzes Nest von Alchimisten, die seine okkulten Interessen verfolgen. Auch am Geheimnis des Golem ist er dran, doch der Lehmmann hält sein Schweigen. Erst, als der Wind zuungunsten der Juden umschlägt, kommt der Befreier in die Puschen und kloppt alles kaputt. Rabbi Loew war zum Zeitpunkt der Geschichte bereits unter der Erde, weshalb für ihn ein Rabbi Jacob einspringen muß, was mir das eine oder andere Schmunzeln ins Gesicht zauberte. LE GOLEM ist gestalterisch sehr eindrucksvoll inszeniert und verwendet für das Prager Ghetto Bauten, deren expressionistischer Charakter noch sehr viel direkter mit dem deutschen Stummfilm verbunden ist, als das etwa bei den frühen „Universal“-Horrorfilmen (u.a. FRANKENSTEIN) der Fall gewesen war. Wer einen Gruselfilm erwartet, wird enttäuscht werden, denn der Golem – der aussieht wie ein fiktiver ostdeutscher Kabarettist mit Magenbeschwerden – kommt erst in der Schlußviertelstunde zum Einsatz. Trotzdem fand ich den Film recht faszinierend. Wenn jemals Paul Wegeners DER GOLEM UND DIE TÄNZERIN wieder auftauchen sollte, ist wohl Ähnliches zu erwarten.
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Geschrieben 13. April 2009, 15:30

The Penalty (US-DVD)

Lon Chaney...

Der Prolog zeigt zwei Ärzte, von denen der jüngere gerade die irrtümliche Beinamputation eines kleinen Jungen verschuldet hat. Dieser beispiellose Pfusch soll vertuscht werden. Zwar hört der kleine Junge im Halbschlaf die beiden Ärzte miteinander reden, aber niemand will ihm glauben. 15 Jahre später: Aus dem kleinen Mr. No-Legs ist jetzt Blizzard geworden, ein ruchloser Verbrecher, der mit beispielloser Grausamkeit und diamantenem Verstand ein Netzwerk des Grauens errichtet hat, das sich anschickt, ganz San Francisco zu unterjochen. Die Bundesbehörde schickt die hübsche Rose als Undercover-Agentin in Blizzards Lasterhöhle. Jener plant einen großen Coup. Zuerst aber will er die Tochter des Arztes vernichten, der seine Beine auf dem Gewissen hat...

Ein großartiger Stummfilm, der Lon Chaney mit einer seiner besten Rollen versah. Tatsächlich mußte der Mime den ganzen Film über mit peinsam zurückgebundenen Beinen herumstalksen, was ihm nur für kurze Zeit am Stück möglich war, so sehr schmerzte die Tortur. Sein Blizzard ist ein völlig heruntergekommener Bösewicht, dem vom Schicksal üble Karten verteilt worden sind. Trotz seiner schändlichen Taten wird überdeutlich, daß es das Verschulden anderer war, das ihn auf die krumme Bahn gehievt hat. Der (etwas weit hergeholte) Schluß macht das endgültig klar. Moralische Fragen werden in dieser Sorte von gotischem Melodram, in dem Chaney so brillierte, freilich nur angeschnitten. Viel eher delektiert sich der vor Ehrfurcht gleichfalls stumme Betrachter an dem aufreibenden Kraftakt, den der Schauspieler absolviert, an den kleinen Nuancen ebenso wie an den Exzessen. Großartig zum Beispiel die Szene, in der er sich einer Frau, in die er verliebt ist, offenbart und sie erschrocken über ihn lacht. Da verliert der Mann dermaßen die Contenance, daß man richtig Angst vor ihm bekommt! Auch schön seine ausgedehnten Stunden am Klavier – er ist Musikliebhaber –, bei denen ausgewählte Tanzmädchen vor ihm kriechen und die Pedale bedienen müssen... Woah, was für ein Kracher! Statt des eigentlich für diese Sorte Film prädestinierten Tod Browning stand hier Wallace Worsley zur Verfügung, der drei Jahre später DER GLÖCKNER VON NOTRE-DAME machen sollte, in dem Chaney zwar ebenfalls groß auftrumpft, aber der Wille zum Ornament etwas zu überbordend geraten ist. (Die 1939er Version mit Charles Laughton ist deutlich besser.) THE PENALTY überrascht schließlich auch noch mit seinem Soundtrack, der klingt, als hätten Industrial-Jünger einen Score von Michael Nyman in die Hand bekommen und sogar Techno-Anklänge hineingemixt, incl. eigentümlicher Samplings. Während ich normalerweise solche anachronistischen Bearbeitungen von Stummfilmen ablehne, funktioniert der Score im Zusammenspiel mit den leidenschaftlichen Vorgängen auf der Leinwand aber tatsächlich ziemlich gut. Was zum Mitschnipsen... Lon Chaney – Fußballgott, auch ohne Beine!
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Geschrieben 22. April 2009, 15:55

Der Mann, der niemals lebte (DVD)

Roger Ferris (Leonardo di Caprio) arbeitet als Undercover-Agent für die C.I.A. Sein Job ist es, im Nahen Osten nach den Hintermännern von Al-Qaida zu fahnden. Statt des doofen Bin Laden werden jene repräsentiert von einem souverän wirkenden Grandseigneur, der Ali Salami heißt (oder so ähnlich). Nachdem verschiedenen Geheimoperationen nur mäßiger Erfolg beschieden gewesen war, hat Ferris die Idee, einen unbescholtenen Strohmann zum neuen Superterroristen aufzubauen, um Ali Salami aus seiner Höhle zu locken. Doch selbst dem C.I.A. geht mal was schief: Der Plan mißlingt, und dann beginnt der große Ärger...

Das Drehbuch zu Ridley Scotts neuestem Werk stammt von William Monahan, der vorher für Martin Scorseses ichfindejanundoch guten THE DEPARTED verantwortlich zeichnete sowie für Scotts Kreuzfahrer-Opus KÖNIGREICH DER HIMMEL. (Äh, „Kreuzfahrer“ jetzt nicht im Sinne von dicken, perlenbehangenen Touristinnen aus Deutschland, sondern „the real deal“, mit Abendländern und Morgenländern. Und Niederländern, aber davon nur ganz wenige.) Wie das bei ernsthaften Agentenfilmen halt so ist, gibt es auch hier fast ausschließlich niederträchtige Charaktere, die sich als Identifikationsfiguren nur begrenzt anbieten. Am nettesten fand ich noch den jordanischen Geheimdienstchef, der sehr ordentlich von Mark Strong gespielt wird. Russell Crowe gibt den Leiter des C.I.A. für den Nahen Osten als dicklichen Baseballpapi mit Headset. Wie vieles andere in diesem Film eine Karikatur, aber immerhin eine unterhaltsame. Den üblichen mulmigen Muselmanen werden gemäß dem Zeitgeist noch hinterfotzige Westagenten gegenübergestellt. Auch Di Caprio macht sich der Bildung von Lügengeweben schuldig wie auch des fortgesetzten Pfusches. Wie schon gesagt, der Jordanier ist deutlich netter. BODY OF LIES ist ein weiterer ordentlich produzierter Reißer, der die gegenwärtige politische Situation als Hintergrund für eine Räuberpistole verwendet. Als solche ist der Film von akzeptabler Spannung und vermeidet weitgehend die Geschichtsklitterei, die mir Scotts BLACK HAWK DOWN so verleidet hat. Historische Fakten spielen in BODY OF LIES nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen geht es um das Spiel mit liebgewonnenen Agentenfilmklischees, die hier und da auch mal nett durchkreuzt werden. Ansonsten gilt mein neuer Nutzertitel.
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Geschrieben 27. April 2009, 13:48

The Face Behind The Mask (Video)

Peter Lorre spielt den ungarischen Einwanderer Janos, der im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sein Glück machen will. Mit nur 59 Dollar in der Tasche sucht er sich ein Hotel. Das Schicksal will es aber, daß das von ihm gewählte Hotel in Flammen aufgeht. Janos´ Gesicht wird vollkommen zerstört. Die Schreckensmaske, in die sich sein Äußeres verwandelt hat, macht es ihm unmöglich, einen Job zu finden. Die Menschen kehren sich von ihm mit Abscheu ab. Der einzige, der zu ihm hält, ist ein kleiner Ganove namens Dinky. Über ihn gerät Janos an eine Bande von professionellen Verbrechern, mit denen er nun einige Raubüberfälle begeht. Als er die blinde Helen kennenlernt, regt sich in ihm der brave Mensch von einst. Er will aussteigen, doch Erlösung gibt es im Leben nicht umsonst...

Ein ganz fabelhafter kleiner Film, der mit viel Sensibilität und Sinn für knalliges Melodram die Geschichte eines tragischen Helden erzählt, dessen Leben ohne eigenes Zutun in den Morast gerät. Der Film steht und fällt mit der brillanten Leistung Peter Lorres, der zu diesem Zeitpunkt festgelegt schien auf sinistre Charaktere (z.B. sein Dr. Gogol aus Karl Freunds tollem MAD LOVE) oder neurotische kleine Wiesel (ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN). Zu Beginn von THE FACE BEHIND THE MASK liefert er eine großartige komödiantische Leistung ab, da Janos zwar liebenswert und unschuldig, aber eben auch sehr naiv ist. Voller Gutglauben blickt er in eine Welt, die er für seinen Freund hält. Seine Liebenswürdigkeit ist entwaffnend. Umso schockierender erscheint da das schlimme Schicksal, das ihn ereilt. Man sieht sein entstelltes Gesicht nur einmal kurz, als er zum ersten Mal in einen Spiegel blickt, um das Ausmaß der Katastrophe zu begutachten. Der Schock, den er dabei erleidet, überträgt sich auf den Zuschauer und begleitet ihn durch den ganzen Film. Nach etwa der Hälfte der Laufzeit kann Janos eine speziell hergestellte Maske tragen, die das Schlimmste überdeckt und es den Menschen wieder ermöglicht, ihn anzuschauen. Die besondere Herausforderung an Lorre besteht darin, das zerbrechliche Wesen des nunmehr hart gewordenen Mannes aufscheinen zu lassen. Dies bewerkstelligt Lorre mit seiner unvergleichlichen Diktion und sorgfältig bemessener Körpersprache, die sich erst ändert, als er wieder den Mut faßt, sein verschüttetes wahres Wesen zu reanimieren. Der peinsame Prozeß wird von Lorre herausragend gemeistert, aber seine Leistung wäre nur halb so viel wert ohne eine ansprechende Inszenierung. Regisseur Robert Florey kennt man am ehesten durch den bizarren Lugosi-Film MURDERS IN THE RUE MORGUE und den dekorativen Horrorthriller THE BEAST WITH FIVE FINGERS (ebenfalls mit Lorre). Die wenigsten wissen, daß er als Experimentalfilmer begann. Von seinen Frühwerken kenne ich nur den ebenso komischen wie surrealen THE LIFE AND DEATH OF 9413, A HOLLYWOOD EXTRA (1928). Obwohl die für seine Filme kennzeichnende Betonung der formalen Eigenschaften in FACE deutlich zurückgenommen ist, gibt es auch hier entsprechende Sequenzen, z.B. jene, in der Dinky von seinen ehemaligen Spießgesellen gefoltert wird, um Lorres Schlupfwinkel herauszubekommen. Insgesamt dominiert allerdings der Inhalt, das Charaktermelodrama, das sich mit der Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und innerem Wesen befaßt. Ein zu Unrecht vergessener Film, der eine Ausgrabung nachhaltig lohnt. In mancherlei Hinsicht sogar deutlich besser als der berühmte Gesichtsverlust-Noir-Thriller DARK PASSAGE (DAS UNBEKANNTE GESICHT) von Delmer Daves.
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Geschrieben 01. Mai 2009, 15:39

Racket (Video)

Rom – eine Weltstadt auf den Knien! Finstere Gauner und Ganoven triezen harmlose Geschäftsleute, um Schutzgelder zu erpressen. Die Polizei steht dem brutalen Treiben machtlos gegenüber. Selbst Inspektor Nico Palmieri (Fabio Testi) muß trotz seiner unorthodoxen Methoden erkennen, daß er dem Unkraut nicht Einhalt gebieten kann. Selbst von staatlicher Seite bekommen die Verbrecher Schützenhilfe. Schließlich versammelt Palmieri eine Handvoll Verzweifelter um sich, die ihm beim Großreinemachen behilflich sein sollen...

Ein unterschätzter Castellari der oberen Bleimantelgeschoß-Liga! Nachdem Franco Nero einigen der vorherigen Castellari-Gewaltepen eine Ahnung von Schauspielkunst verliehen hat, steht mit Fabio Testi jemand bereit, der zwar nicht über Neros thespische Qualitäten verfügt, aber eine athletische Erscheinung mit grimmiger Entschlossenheit verbindet, und let's face it – das ist es haargenau, was man für diese Art von Kino braucht! Der Wind weht von rechts, von stramm rechts, aber RACKET zeichnet den Aufstand des vergrämten Gesetzeshüters in so grellen Farben, daß ich teilweise aus dem Gelächter nicht mehr herausgekommen bin. Allein die Menagerie, die Testi am Schluß zusammensucht: ein Amokschütze, ein geisteskranker Restaurantbesitzer, ein entmenschter Tontaubenchampion, ein verkrüppelter Glücksspieler – die Eins mit Sternchen! Trotz eines hohen Gewaltlevels – der von der Berliner Schnodder-Synchro nicht gerade gemäßigt wird – umweht den Film ein Hauch von Walt Disney. Verbrecher wie Gesetzeshüter sind komplett am Überchargieren und Augenrollen, bis auf Testi natürlich, der den bestaussehenden hölzernen Indianer der freien westlichen Welt gibt. Als Leihgabe aus den Vereinigten Staaten gibt es Vincent Gardenia, der hier eher eine komödiantische Rolle versieht. Ansonsten sind sie alle dabei: Sal Borgese, Giovanni Cianfriglia, Romano Puppo, Roberto dell'Acqua, Massimo Vanni, Gianni Loffredo, die ganze Castellari-Clique. Die Kinofassung war wohl leicht gekürzt, enthält aber immer noch viel Wumm. Inszenatorisch belegt der Film erneut, daß es in Italien niemanden gab, der Castellari das Wasser reichen konnte, wenn es darum ging, auf niedrigem Budget rasante Actionkost zu zimmern. Ich würde mir sehr wünschen, daß dieser Kracher in anständiger Form seinen Weg in das DVD-Regal findet. Ich ziehe die Zehn!
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Geschrieben 03. Mai 2009, 13:26

Beast Creatures (Video)

Statt einer Inhaltsangabe zitiere ich mal den vorzüglichen Klappentext der Videokassette: „Ein gigantischer Sturm verwandelt die Seereise in einen blutigen Alptraum. Ein verheerendes Feuer an Bord, und der riesige Ocean-Liner wird in die stille Tiefe des Atlantic (sic) gerissen. Ein Bild des Schreckens. Gestrandet! Gerettet! Das Desaster wird zur Horror-Reise. Fleischfressende Säuren und gleißende Augen suchen in rasender Gier ihre wehrlosen Opfer. Steinerne Götzen und Dämonen werden belebt von unheimlicher Gewalt. Wo gibt es ein Entrinnen? Wer sind die Beast Creatures? Beast Creatures ist knisternde Spannung bis zum letzten Atemzug. Ein Abenteuer, das Ihre Nerven teuer bezahlen. Die Schrecksekunden sind minutenlang.“

Dem läßt sich kaum etwas hinzufügen. Ich werde es trotzdem probieren: Das Cover zeigt eine diabolische Bestie mit gefletschten Zähnen, darunter die Zeile: „Hölle, Horror, Wahn!“ Die hyperbolisch beschriebene Schiffskatastrophe bekommen wir nicht zu sehen. Gleich zu Anfang sitzen die Überlebenden in einem Ruderboot und quasseln dummes Zeug. Es mendelt sich gleich heraus, daß der alte Morgan der Stinkstiefel des Filmes sein wird, was auch gut ist, denn er wird von der deutschen Stimme von Homer Simpson (Norbert Gastell) gesprochen. Der Held ist der mickrige Chefsteward, dem Christian Tramitz seine Stimme leiht. Nach einigen Minuten landen die Leute auf einer Insel – tatsächlich Connecticut, wo der Film entstand. Einer der Schiffbrüchigen haucht sein Leben aus und wird sogleich von unbekannten Zähnen komplett abgenagt und in ein Biologieskelett verwandelt. („Wer kann das gewesen sein?“ – „Was weiß ich – Ratten??“ – „Ja, aber so schnell?“) Ein weiterer Kollege wäscht sich in einem Säureteich das Gesicht und ist auf einmal mit roter Watte bedeckt, bevor er gleichsam als Biologieskelett endet. Derweil das Trockeneis traulich blubbert. BEAST CREATURES outet sich sodann als erstklassiges Exemplar des Krauchfilm-Genres: Minutenlange Schrecksekunden, in denen Darsteller, die einer oberbayrischen Dorfkirchweih gut zu Gesichte stehen würden, durch einen Wald laufen und törichten Kram schwätzen, z.B. „Ich mache das verdammte Spiel nicht mehr mit!“ Zwischendurch wird die unerträgliche Spannung aufgelockert durch dramatische Zooms in grünes Buschwerk, in dem rein gar nichts zu sehen ist. Der erste Angriff der Beast Creatures erfolgt bei Nacht und ist ein ziemlicher Lachschlager: Die kleinen Trolle werden von ca. 30 cm großen, knallroten Plastikpuppen verkörpert, die alle einen lustigen Haarpuschel auf dem Kopf haben. Es gibt diese alte Sesamstraßen-Episode, wo Ernie eine häßliche Puppe hat, die einen merkwürdigen Quäklaut von sich gibt, wenn man auf sie drückt. Exakt so sehen die Beast Creatures aus! Was diesen Amateurfilm aber von einem gewöhnlichen Stinker zu einem rauschhaften Erlebnis werden läßt, ist der Umstand, daß die Macher keinen Trashfilm beabsichtigt haben, sondern ihr Bestes tun, um berstende Spannung zu erzeugen. Die Szenen, in denen schreiende Schauspieler mit roten Plastikpuppen beworfen werden, muß man einfach gesehen haben! Toll, wie Handpuppen von hinten in Schultern beißen oder an Lianen durch die Luft segeln. Die Puppen sind selbstredend völlig unbeweglich, so daß sie entweder mit mehr oder weniger unsichtbaren Stöcken von außerhalb des Bildes animiert werden oder aber von den Spezialeffektetechnikern ungelenk vor die Kamera gehalten. Die darauffolgende Attacke am hellichtem Tage ist noch besser, da der Zuschauer reichhaltig Gelegenheit bekommt, die lustigen Puppen zu bewundern. Da es sich bei dem Werk obendrein um einen Kostümfilm handelt, der in den 1920er Jahren spielt, hat man die Darsteller („Schauspieler“ ist eigentlich zu viel gesagt!) obendrein in Kostüme gesteckt, die mehr als nur ein wenig an Andy Milligans Bizarro-Epen à la BLOODTHIRSTY BUTCHERS erinnern. BEAST CREATURES wurde 1983 gedreht, also zu einer Zeit, als „Direct To Video“-Horror noch weitgehend unbekannt war. Die im amerikanischen Hinterland beheimateten Macher griffen hier eindeutig nach den Sternen, was das Unternehmen mit einem rätselhaften Charme versieht. „Chuzpe“ trifft es wohl auch. Ein Publikum von Gleichgesinnten, womöglich unter dem Einfluß weicher Rauschdrogen, kann von diesem Film in ein amorphes Bündel zuckenden Gelächters verwandelt werden! Ein unfaßbarer Kracher...
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Geschrieben 04. Mai 2009, 13:26

Footsoldier (DVD)

Carlton Leach begann einst als gefürchteter Hooligan. Über das Rausschmeißergewerbe gelangt er flugs in den Bereich der Drogenkriminalität, macht ungünstige Freunde und noch ungünstigere Feinde. Doch, wie schon das alte Indianersprichwort sagt: „Der Vogel, der am Abend singt, hat schönere Lieder als Kaktus in Tal der Trolle“...

Ein irritierend überharter Gangsterfilm aus Großbritannien, der auf den authentischen Erinnerungen eines authentischen Hooligans basiert. So viel, wie der gesoffen zu haben scheint, kann man die Authentizität des Gezeigten durchaus in Frage stellen. Mir fehlen Erste-Hand-Erfahrungen sowohl im Bereich der britischen Hooligan- als auch in jenem der Gangsterszene, so daß ich das nicht beurteilen kann. Sollte es dort wirklich so zugehen, bin ich für flächendeckendes Bombardement. Da Regisseur Julian Gilbey mit seinem dritten Film allerdings den festen Willen verrät, eine Art Hochoktan-Version von GOODFELLAS und den anderen Gangsterfilmen von Scorsese zu präsentieren, zielt die Frage nach dem Realitätsbezug wohl auch daneben. Gut inszeniert und sauber gespielt (vor allem von Hauptdarsteller Ricci Harnett) ist der Film fraglos, doch hatte ich so meine Probleme damit, dem Film mit der angemessenen sittlichen Reife zu folgen. Für zartere Gemüter dürften die Gewaltorgien des Spektakels eine harte Belastungsprobe darstellen, und ich denke mal, daß RISE OF THE FOOTSOLDIER zu ähnlichen Kontroversen geführt haben wird wie seinerzeit ROMPER STOMPER. Daß Gewalt in Filmen gerne als dekoratives Element verwendet wird, ist nicht erst seit Kubricks UHRWERK ORANGE bekannt. Daß diese dekorative Verwendung bei labilen Gemütern zu sittlichen Verheerungen führen kann, liegt leider in der Natur der Sache, ist für mich aber nicht die Schuld der Filme. Meine Bedenken haben nichts mit dem möglichen Nachahmungsreiz zu tun, den solche Filme auf Gipsköpfe besitzen mögen, sondern sind eher ästhetischen Ursprungs. Irgendwann stumpft man einfach mal ab, wenn ein Exzeß den nächsten jagt. Wer daran zweifelt, sollte mal jemanden darum bitten, ihm eine Stunde lang in den Magen zu hauen. Er wird feststellen, daß es ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr weh tut. Man stumpft einfach ab. Wenn böse Menschen von noch böseren Menschen gefoltert werden, während im Hintergrund Rave-Mucke donnert, läßt das kalt, wenn man bereits vorher gesehen hat, wie sich stumpfe Proletarier mit Eisenstangen, Bowiemessern und Miniaturäxten den Bregen rausgekloppt haben. Selbst „No Future“-Attitüde sollte komplizierter sein als solch ein Aufeinandertürmen von Wumm und Päng. Daß der Watschenmann dann schließlich selber menschliche Züge verrät, erscheint wenig plausibel, und selbst wenn – wen juckt's? Ich habe hier gelernt, daß ich professionellen Schlägern nach Möglichkeit nicht auf den Fuß treten sollte. Das hätte ich allerdings schon vor Betrachten des Filmes vermieden. Ansonsten herrschte bei mir der Eindruck vor, daß FOOTSOLDIER sein durchaus vorhandenes Potential blitzschnell verballert und dann nur noch mit Mätzchen und Kunststückchen rüberkommt. Da die Filmemacher ihr Handwerk verstehen, finde ich das eher bedauerlich. Ich gehe jetzt erst einmal ein rohes Steak kauen...
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Geschrieben 07. Mai 2009, 11:09

Three On A Meathook (NL-Video)

Billy ist ein schüchterner Junge vom Land, und Billy hat ein Problem: Wann immer er eine Frau kennenlernt, passieren fürchterliche Dinge. Dies ist auch der Fall bei vier netten Hippies, die den schlechten Geschmack beweisen, eine Autopanne in Spuckweite von Billys Farm zu haben. Nachdem die Einzelteile des Autos und der vier Mädchen beseitigt sind, tritt die Liebe ins Leben des gebeutelten Bauern. Wird Billy seine Triebe besiegen können? Oder gewinnt der Axtmann?

Das Regiedebüt von Kentuckys Lokalmatador William Girdler ist eine überraschend nette Angelegenheit, die zwar Gorefreaks nicht ganz das geben dürfte, was jene erwarten, aber durchaus mit eigenen Reizen wuchern kann. Diese liegen in erster Linie in der Ernsthaftigkeit, mit der Girdler seine ländliche Psychopathologiestudie betreibt. Für Filme wie diesen hat Sailor Ripley vom „Filmclub BO“ einst den Begriff „geil langweilig“ geprägt. Dramaturgisch gesehen passiert nach dem blutigen Auftakt nicht viel. Man erfährt einiges über das problematische Verhältnis Billys zu seinem Vater, dessen Frömmelei nach dem Tode von Billys Mutter zugenommen hat. Auch weiß er Bescheid über Billys Eigenheiten und warnt ihn regelmäßig davor, junge Frauen mit nach Hause zu nehmen. Aber der Jong will ja nicht hören... Ich bin ja auch ein Fan von Olaf Ittenbachs Ingolstädter Impressionen, die in seine Splatterfilme des öfteren eingebunden sind. William Girdler nutzt das Format des Horrorschockers, um einiges über die miefige Enge des rustikalen Umfeldes abzusondern und stellt sich damit in die Tradition von Filmen wie David Durstons DIE TOLLWÜTIGEN oder Jeff Gillens morbiden DERANGED. Wie letzterer bedient sich auch THREE ON A MEATHOOK reichhaltig bei der Geschichte von Ed Gein, wenngleich der Klappentext der holländischen Videohülle völligen Unfug erzählt, der nichts mit dem Film zu tun hat. Nach dem erstaunlich blutrünstigen Finale setzt es dann noch eine unverkennbare Imitation von Hitchcocks PSYCHO. Kurzum, wer einen Splatterfilm erwartet, der dem (tollen!) Titel gerecht wird, ist bei THREE ON A MEATHOOK vermutlich an der falschen Adresse. Wer aber einen im positiven Sinne naiven und gerade in den Nacktszenen niedlich schüchternen Film über einen Serienmörder erleben will, kann mit dem Werk durchaus sein Auskommen haben. Ich fand den Film nicht schlecht. Girdler machte danach noch einige weitere Horrorfilme, manche davon sogar mit Starbesetzung, bevor er 1978 bei einem Helikopterunglück auf den Philippinen ums Leben kam. Der junge Schauspieler, der die Rolle von Billy innehat, stürzte sich später kopfüber in die Schwulenszene von L.A. und starb mit gerade mal 44 Jahren an AIDS.

Bearbeitet von Cjamango, 07. Mai 2009, 11:12.

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Geschrieben 09. Mai 2009, 10:36

Blackout (DVD)

Daß man einander im Fahrstuhl ungewöhnliche Menschen trifft, passiert alle Tage. Ich habe sogar mal eine Freundin dort kennengelernt. Wenn er steckenbleibt (der Fahrstuhl), kann man die geschlossenen Bekanntschaften sogar intensivieren. Dies setzt allerdings voraus, daß man einander gut riechen kann. Und wenn man sogar im Fahrstuhl eines Gebäudes festsitzt, bei dem es höchst unwahrscheinlich ist, daß in den nächsten Tagen Hilfe zu erwarten ist, zahlt es sich aus, wenn man mit überaus verträglichen Leuten zusammen ist. Dies ist auf dramatische Weise nicht der Fall bei einem Arzt, einer jungen Frau und einem jungen Mann, denen dieses seltene Mißgeschick widerfährt. Alle haben ihre nicht ganz unkomplizierten Hintergrundgeschichten, und nicht alle sind das, was sie scheinen. Doch einer von ihnen ist sogar richtig gefährlich...

BLACKOUT war eine ausgesprochen hübsche Überraschung und einer jener Fälle, wo ich die Bewertung in der IMDb überhaupt nicht nachvollziehen kann. Der mexikanische Regisseur Rigoberto Castaneda hat vorher den in seinem Heimatland sehr erfolgreichen Geisterfilm KM 31 gemacht, der mir auf dem Fantasy-Filmfest recht gut gefallen hatte, war er doch angenehm gemächlich aufgebaut und nervte erst am Schluß etwas durch computergenerierten Firlefanz. In BLACKOUT gibt es keinen solchen Firlefanz, sondern eine ungemein geschickt strukturierte Geschichte, in der die Vorgeschichten der jeweiligen Protagonisten durch Rückblenden nach und nach aufgezeigt werden, bis das Ausmaß der Katastrophe aufzudämmern beginnt. Ich empfand den Film als ungemein spannend, gegen Ende sogar als ausgesprochen nervig, und auch wenn die Grundsituation an ABWÄRTS erinnert, so erzeugt der Film doch eine ganz andere Art von Atmosphäre. Verraten darf ich hier nüschte, aber man wird reichlich genasführt. Ein dickes Lob an die Ersteller der Synchro, welche für eine DVD-Premiere ungewöhnlich sorgfältig geraten ist. In letzter Zeit habe ich einige „Thriller“ ausgeliehen, die gut anfingen, dann aber bald ihr Pulver verschossen. BLACKOUT macht im Rahmen seiner klaustrophobischen Geschichte alles richtig und ist zudem mit seinen gerade mal 80 Minuten angenehm kurz. Erneut: Paßt gut auf, mit wem Ihr im Fahrstuhl steckenbleibt! Das kann äußerst unerquicklich werden...

Bearbeitet von Cjamango, 09. Mai 2009, 10:39.

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Geschrieben 09. Mai 2009, 10:37

Death Knows Your Name (DVD)

Von diesem argentinischen Horrorfilm habe ich mir mehr erwartet als der Schlonz, den ich dann zu sehen bekam. Unglaublich, aber der Regisseur hatte kurz vorher einen Film mit Faye Dunaway gemacht... Es geht um den jungen Chefarzt einer Klapsmühle, in der scheinbar nur Schmierendarsteller behandelt werden. Old Man Zufall will es so, daß er einen geheimen Gebäudeflügel entdeckt, in dem er über ein Skelett stolpert. Der fragliche Mann wurde, scheint's, lebendig begraben, und zwar mitten in einem Korridor. (?) Da der Vater des Arztes – der ein wenig ausschaut wie Hellmuth Karasek - ein hohes Tier in der Forensik ist und scheinbar nichts Besseres zu tun hat, rekonstruiert er zusammen mit einer Kollegin das Gesicht des Toten, und siehe da – es sieht dem Helden täuschend ähnlich. Was geht hier vor sich?

Tja, an und für sich eine ganz interessante Prämisse, aus der ein guter Regisseur schon was hätte machen können, vorausgesetzt, er hätte einen guten Kameramann, gute Schauspieler und ein gutes Drehbuch zur Verfügung gehabt. Und hätte ich ein Brot, und hätte ich Wurst, und hätte ich Butter, dann könnte ich mir eine leckere Stulle schmieren! Leider spielt sich alles auf gehobenem Amateurfilmniveau ab. Nichts, aber auch rein gar nichts ergibt Sinn, und tatsächlich habe ich beim Betrachten des Werkes viel Spaß gehabt, fühlte mich gar erinnert an jene Höhlen-Kostbarkeit Umberto Lenzis, GATES OF HELL, die jede Gurkenparade anführen kann. Und DEATH KNOWS YOUR NAME wäre nur halb so delektabel, wäre er nicht obendrein so überaus ernst gemeint und geradezu feierlich in seinem Bemühen, den Betrachter in Angst und Schrecken zu versetzen. Statt immer schlechtere Laune zu bekommen, geriet ich jedenfalls bald ins Schmunzeln, und die Schrottsynchro tat ihr gewaltiges Bestes, um mich bei der Stange zu halten. Meine Lieblingszeile lautet: „Die Farbe ihres Blutes und ihrer Haut deuten darauf hin, daß ihre Leber geplatzt ist!“ Okay. Ebenfalls recht gelungen: „Es gab einmal einen Spiegel, der den Tod verteilte, der sich jeden Tag in ihm reflektierte...“ Kurzum, man hat es hier mit einer durch Stümperei veredelten Gurke zu tun, die man sich nicht ausleihen sollte, wenn man Qualitätsware erwartet, aber als Bäddie besitzt dieser Sondermüll einen gewissen Charme.

Bearbeitet von Cjamango, 09. Mai 2009, 10:41.

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Geschrieben 09. Mai 2009, 12:30

The Wizard Of Gore (2007) (DVD)

Ich bin selber schuld...

Okay, wo beginnen? Dieses Remake von Herschell Gordon Lewis´ spaßigem Splatter-Klassiker lutscht wie zehntausend Pornonixen und macht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Die fröhliche und unbedarfte Subversivität des Originals wird fallengelassen zugunsten einer „wissenden“ In-Joke-Attitüde, die besonders gegen Ende hin Tiefschürfendes vortäuscht, tatsächlich nur die Unfähigkeit demonstriert, eine Story simpel und klar über die Rampe zu tragen. Das ist nicht komplex, das ist einfach nur verworren. Die Geschichte von Zauberer „Montag The Magnificent“, dessen Grand-Guignol-Spektakel ihre blutigen Entsprechungen in der Realität finden, wird in dieser Verfilmung angereichert mit viel modischem Schnickschnack, viel davon computergeneriert. Als Blickfang werden dabei zahlreiche tätowierte Mädel der Suicide-Girls-Riege präsentiert, allerdings auf eine erzkonservative Art. Tätowierte Frauen sind bekanntlich Schlampen, die sich gerne hauen lassen. Der bigotte Mann wertet solche Frauen einerseits ab, andererseits findet er sie natürlich rattenscharf. Die unterliegende Misogynie wird vom blitzgescheiten Drehbuch auch lärmend thematisiert, was natürlich nichts daran ändert, daß es sich am selben Trog speist, den es zu kritisieren scheint. Transgressive Kunst wird als Freakshow präsentiert, Mapplethorpe wird zitiert, es gibt ein paar homosexuelle Anspielungen. Neben der fröhlichen Denunziation von Abweichlertum fällt vor allen Dingen auf, daß der Film – ähnlich wie Emmerichs GODZILLA – am Charme des Originals komplett vorbeigeht. Lewis´ „Magnum Opus“ war eine spielerische Planscherei im Unzeigbaren, im Geist sehr verwandt den „Grand Guignol“-Spielereien, von denen die Story handelt. Die scheinbare Naivität und Unschuld der Präsentation war das Geheimnis des Erfolgs. Das Remake baselt alles mit Rationalisierungsversuchen zu, mit Erklärungen und schlaumeiernden Gimmicks, wie z.B. dem Kachelmuster, das den Helden auf Schritt und Tritt begleitet und irgendwann nur noch nervt. Besetzungstechnisch ist anzumerken, daß ich Crispin Glover – der ein sehr feiner Schauspieler ist – mal wieder eine gute Rolle wünsche. Als Montag ist er auch ziemlich gut (zumindest in der Originalfassung, denn die Synchro ist miserabel!), doch seine Bemühungen stehen in augenzwinkernden Trashrollen wie dieser hier eindeutig auf verlorenem Posten. Auch Brad Dourif (als chinesischer Kleingangster!) kann eigentlich mehr, hat hier aber einen weiteren exzentrischen Maskottchenpart in einem Horrorfilmchen erwischt, der aus Casper keinen glücklichen Geist macht. Jeffrey Combs hat als zotteliger Geek die Rolle seines Lebens erwischt, denn man erkennt ihn nicht. Ansonsten schmiert sich alles quer durch Quebec, aber es ist ja eh nicht ernst gemeint. Ein deprimierender Film. Man greife lieber zu Herschell, denn der wußte, wo der Frosch die Locken hat.
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#670 Cjamango

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Geschrieben 14. Mai 2009, 12:14

Saint Ange (FR-DVD)

Dies ist wieder einmal ein Beleg dafür, daß man den Leserbewertungen der IMDb nur begrenzt Vertrauen schenken sollte. Das Debüt von Pascal Laugier (MARTYRS) wird dort weitgehend heruntergeputzt, und zwar in verwirrend wütender und geradezu persönlich anmutender Weise. Nach den Kommentaren erwartete ich einen Haufen Mist. Bekommen habe ich einen herausragend inszenierten und fotografierten Film, der sich auf sensible und in keiner Sekunde langweilige Weise der Paranoia annimmt, die eine herannahende Mutterschaft in labilen Gemütern auslösen kann. Eingepackt ist das Ganze in eine Geistergeschichte, die von der jungen Anna handelt (Virginie Ledoyen – schmacht!), die einen Job in einem christlichen Waisenhaus annimmt. Schon bald fallen ihr merkwürdige Dinge auf. So wispern häufig Kinderstimmen in den Korridoren, obwohl die Kinder gerade alle abwesend sind. Es scheint ein Geheimnis zu lasten auf dem Gebäude, und Anna muß tief in die Eingeweide des Hauses eindringen, um dahinter zu kommen...

Wie MARTYRS löst auch SAINT ANGE seine Story mit einem artifiziell wirkenden Finale auf, das an der Oberfläche kaum Sinn zu ergeben scheint und wie eine weitere schwer zu schluckende Schlußkasperei à la DIE PURPURNEN FLÜSSE wirkt. Tatsächlich funktioniert es aber ganz prächtig, wenn man sich darüber etwas Gedanken macht, sowohl als Geistergeschichte wie auch als Chronik der paranoiden Entwicklung einer verletzten Frau. SAINT ANGE ist sehr sorgfältig fotografiert und hält das Waisenhaus weitgehend in Grau- und Blautöne, während draußen die „Naturfarben“ Grün und Braun dominieren. Der Film ist sehr ruhig erzählt, streut aber immer genügend Hinweise und zurückhaltende optische Eleganz, um den Betrachter bei der Stange zu halten. Die Schauspielerinnen sind ebenfalls exzellent, vor allem Virginie Ledoyen als Mama unter widrigen Umständen und Jane Birkins Tochter Lou Doillon als geistig umnachtete Judith, die sich zu Annas einziger Freundin entwickelt. Als strenge Waisenhausrektorin taucht die immer noch sehr attraktive Catriona MacColl auf, die man aus alten Fulci-Filmen kennt. (Die werde ich heute abend treffen, hihi!) Nimmt man noch die zauberhafte Filmmusik von Joe Lo Duca (THE EVIL DEAD!) hinzu, hat man einen fabelhaften Film, der in der IMDb zu Unrecht verramscht wird und dem ich eine angemessene deutsche Veröffentlichung wünsche. Ich habe den Film übrigens auf französisch gesehen, hatte aber – abgesehen von der Auflösung – keine Verständnisprobleme, da die Betonung auf der visuellen Komponente liegt. Wie das bei Kino meines Erachtens auch sein sollte...
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Geschrieben 21. Mai 2009, 15:27

Harakiri (GB-DVD)

Japan um 1630: Ein geheimnisvoller Fremder (Tatsuya Nakadai) begehrt Einlaß im Anwesen eines Regionalfürsten. Er gehört zu den unzähligen Ronin, den arbeitslosen Samurai, die nach Installation des Tokugawa-Shogunats ihre Anstellung und ihre Ehre verloren haben. Wenn kein Krieg ist, hat der Krieger nichts zu lachen. Er will jetzt im Hause eines Edlen rituellen Selbstmord begehen – sagt er. Tatsächlich aber führt er mehr im Schilde, als nur seine Ehre retten zu wollen. Seinem Publikum legt er ein erschütterndes Schicksal zu Füßen, und jenes ist mehr mit dem Hause des Fürsten verknüpft, als es zunächst den Anschein hat...

Im Zugwasser meines neuen Artikels für die „SI“ (werbungmach, werbungmach!), der von japanischen Geisterfilmen vergangener Tage handeln wird, ist mir auch dieses Kunstwerk des berühmten Regisseurs Masaki Kobayashi (KWAIDAN) untergekommen. In ungemein strenger und zurückgenommener Form wird die lange Geschichte des Ex-Samurai Hanshiro Tsugumo berichtet, der sein Leben in den Dienst der angesehenen Kriegerkaste gestellt hat. Er hat spät im Leben erkennen müssen, daß nicht alles Gold ist, was glänzt. Während viele ehemalige Samurai den Wunsch nach Selbstentleibung nur vorspielen, um Geld von den Aristokraten zu erpressen, hat er mit seinem Leben abgeschlossen. Er will aber vorher noch einige Dinge ins Reine bringen. Was zu Anfang wie ein wuchtiges historisches Drama wirkt, entwickelt sich zunehmend zu einer Art Krimi, in der die genauen Beweggründe Tsugumos aufgerollt werden. Scheint sich der Film zu Anfang noch ganz in den Dienst der für westliche Empfindsamkeit eigentümlichen Ehrbegriffe jener Tage zu stellen, macht Kobayashi mehr und mehr deutlich, daß das Tokugawa-Kastensystem auf Feigheit und Lüge beruht. Große Worte und große Gesten können nicht verdecken, daß Unrecht unter den Tisch gekehrt wird. SEPPUKU ist düster, gewaltig, traurig und für seine Entstehungszeit (1962) sehr blutig. Unter anderem enthält er die unerquicklichste Darstellung von Harakiri (bzw. Seppuku, wie der förmliche Terminus lautet), die ich je in einem Film gesehen habe. In gewisser Weise karikiert die sehr theatralische, auf reduzierte Gesten zugeschnittene Inszenierung die Praxis des titelgebenden Aktes, die vom erschütternden Finale gänzlich entwertet wird. Großes Kino. Ich bekomme wirklich Lust, mehr japanische Filme zu sehen...

Bearbeitet von Cjamango, 21. Mai 2009, 15:27.

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Geschrieben 26. Mai 2009, 13:15

The Tracey Fragments (DVD)

Die 15-jährige Tracey Berkowitz sucht nach ihrem verschwundenen Bruder.

Vom Kanadier Bruce McDonald habe ich bislang ROADKILL und HIGHWAY 61 gesehen, die mir beide gut gefallen haben. In seinem neuesten Film erzählt er die Geschichte eines unsicheren, empfindsamen, sehr verschlossenen Mädchens, das versucht, Sinn in sich selbst und seine Umwelt zu bringen. Ihr Elternhaus ist nach außen hin normal. Tatsächlich ist ihr Vater ein ziemlicher Versager, der es im Brokergeschäft zu nichts gebracht hat und seine Hilflosigkeit mit autoritären Mätzchen zu überspielen versucht. Mutter ist ein Zombie, raucht drei Schachteln am Tag und kann vom Fernseher nur durch eine OP getrennt werden, wie Tracey das ausdrückt. Abgesehen davon, daß Hauptdarstellerin Ellen Page – die ich seit HARD CANDY und AN AMERICAN CRIME lieben gelernt habe – ein echter Grund wäre, nach Kanada auszuwandern, wird THE TRACEY FRAGMENTS von seiner Ästhetik bestimmt: McDonald hat seinen auf Video gedrehten Film komplett in Multi-Screen-Einstellungen aufgelöst und ineinander verschränkte Bilder, die entweder die Realität wiedergeben oder Traceys Eindrücke davon. Ich kann mir vorstellen, daß dieser Entschluß so manchen Zuschauer überfordern wird, aber wenn man Lust hat auf ein kleines Experiment dann und wann, liegt man hier nicht verkehrt. Anders als die aufgemotzten Übungen in „style over substance“, mit denen Hollywood seit einigen Jahren die Sinne seines Publikums bombardiert, ergibt die exaltierte Gestaltung hier mal wirklich Sinn, ist sogar Thema des Filmes. Die Egozentrik der Hauptfigur und die daraus resultierende Desorientierung führt dazu, daß Traceys Realitätswahrnehmung völlig zersplittert ist. Sie versucht, die Scherben miteinander zu verbinden, um Zusammenhänge herzuleiten. Für den Zuschauer ist das gar keine so schwere Arbeit, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Man gewöhnt sich recht bald an die ungewöhnliche Erzählweise und bekommt den Eindruck, Tracey sehr genau kennenzulernen. Zudem ergibt sich ein großer Reiz aus der Zusammenstellung von Bildern, die McDonald betreibt. Man fühlt sich erinnert an die Redewendung „zwischen den Zeilen lesen“, nur daß man es hier mit einem Film zu tun hat, der zwischen seinen Bildern ein Eigenleben führt, genau wie seine Protagonistin. Ein sehr gescheiter und sensibler Film, der nur eine einzige unfragmentierte Einstellung besitzt, die die ganze Sache auf den Punkt bringt. Könnte ich mir gut im Doppelprogramm mit Todd Solondz´ WILLKOMMEN IM TOLLHAUS vorstellen. Ein erstklassiger Jugendfilm, der wahrscheinlich niemals an Schulen vorgeführt werden wird, obwohl er genau da hingehört. (Bei uns haben sie damals nur Scheißdreck wie THE BREAKFAST CLUB gezeigt...) Mit Nachdruck empfohlen.

Bearbeitet von Cjamango, 26. Mai 2009, 13:17.

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Geschrieben 26. Mai 2009, 16:09

The Alphabet Killer (DVD)

Eine junge Kriminalbeamtin untersucht eine Reihe von Kindermorden, die sich in einer ländlichen Region im Staat New York zutragen. Ihr hohes Einfühlungsvermögen und ihre Sensibilität machen sie besonders geeignet für den Job. Allerdings übernimmt sie sich dabei, erleidet einen Nervenzusammenbruch und begeht einen Selbstmordversuch. Nach zwei Jahren Rekonvaleszenz erfährt sie, daß der Mörder scheinbar wieder zugeschlagen hat. Sie glaubt, den Ermittlungen entscheidende Impulse geben zu können. Auch fühlt sie sich den toten Kindern verpflichtet. Aber nicht nur ihr Vorgesetzter fragt sich, ob das ein so guter Einfall ist...

THE ALPHABET KILLER wirkt von außen wie ein weiterer Serienmörderfilm. Ausgeliehen habe ich ihn mir, weil das Cover nett gestaltet war und mich das andauernde Verliehensein der DVD gespannt machte. Tatsächlich fällt der Film in die Kategorie „Etwas besser als ordentlich“. Er versucht sich mutig am ernsthaften Charakterdrama (was durch die gute Leistung der Hauptdarstellerin Eliza Dushku auch einigermaßen gelingt), schildert die Kriminalgeschichte glaubhaft und recht spannend. Inszeniert wurde der Film von Rob Schmidt, und er ist ihm mit Sicherheit besser gelungenen als sein vorangegangenes Werk, der Popcorn-Backwoods-Schocker WRONG TURN. Etwas abgetörnt hat mich das Ende, das reichlich konstruiert erscheint und überhaupt nicht im Einklang steht mit der lobenswerten Ernsthaftigkeit des Vorangegangenen. Das wirkt eher ein wenig wie ein Giallo aus den 70ern. Man kann es allerdings mit ein wenig Fantasie so umdeuten, daß es wesentlich nachvollziehbarer erscheint. Darf hier aber nicht spoilern – so etwas lehne ich politisch ab. Die Bezugnahme auf den echten Kriminalfall hätte man sich aber verkneifen sollen, zumal die Morde Anfang der 70er Jahre stattfanden und Kinder damals wohl noch keine Handys hatten... (Prust!) Aber sei's drum: Als simpler Unterhaltungsfilm ist er wirklich spannend, und neben Frau Dushku findet man auch noch Cary Elwes, Michael Ironside (in einem seiner dankbareren Gastauftritte) und Timothy Hutton wieder, der sich recht gut gehalten hat.
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#674 Cjamango

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Geschrieben 27. Mai 2009, 13:37

Shuttle (DVD)

Mel und Jules sind zwei hübsche Bimbos, die gerade einen Vergnügungsurlaub hinter sich haben. Am Flughafen stellen sie fest, daß sie nicht abgeholt werden. Um nach Hause zu kommen – es ist mitten in der Nacht –, logieren sie sich in einem Shuttle-Bus ein. Das hätten sie besser bleiben lassen...

Edward Andersons SHUTTLE ist eine sehr solide Übung in Suspense-Taktiken, vergleichbar mit dem ebenfalls recht spannenden MOTEL. Man nehme zwei einigermaßen glaubhafte Protagonisten, würfele sie in eine alltägliche Situation, die dann auf unerquickliche Weise entgleist. Das ist zwar ein sehr simples Konzept, aber wenn es konsequent verfolgt wird, hat man zumindest eine Nervenmühle für den Sonntagnachmittag. Allzuviel verraten darf ich nicht, da der Film von seinen Twists lebt. Die Schauspieler machen ihre Sache vergleichsweise gut. Die Bösewichte sind wirklich böse. Die Helden des Stückes benehmen sich nicht wie die Narren, sondern wie man das von Normalmenschen, die nicht McClane heißen, unter widrigen Umständen erwarten würde, d.h., sie bauen auch mal Mist, reagieren „suboptimal“, wie unser ehemaliger Kanzler das genannt hätte, aber eben nicht dermaßen bekloppt, daß man als Zuschauer ständig jault. Gegen Ende hin wird die Schraube vielleicht etwas überspannt, aber man bekommt immerhin eine saubere Überraschung geliefert und eine erlesene Schlußeinstellung... Insgesamt eine nervenstrapazierende Angelegenheit, die – wie die meisten Sachen von „Koch Media“ – auch eine gute Synchro abbekommen hat. Ansonsten sei angemerkt, daß der Film nicht auf Blutrunst setzt, wenngleich ich beim ersten Schockeffekt schon laut aufgeschrien habe – der ist wirklich perfide... (Finger!) Kann man sich also gut anschauen. Und das ist gemessen an dem Schrott, der sonst so herausgebracht wird, sehr erfreulich.

Bearbeitet von Cjamango, 27. Mai 2009, 13:38.

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#675 Cjamango

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Geschrieben 27. Mai 2009, 18:32

The Strangers (DVD)

Kristen und James kommen gerade von der Hochzeitsfeier eines Freundes. Für den Abend hatte sich James vorgenommen, seiner Freundin einen Antrag zu machen. Dies ging allerdings daneben. So ist die Stimmung gedrückt, als sie im Landhaus von James´ Eltern eintreffen. Kurz darauf klingelt es an der Tür. Eine junge Frau fragt, ob Tamara da sei. Als ihr die beiden vermelden, daß sie keine Tamara kennen, dreht sie sich um und geht. Aber das soll nicht der letzte Besuch der Nacht gewesen sein...

THE STRANGERS ist ein gut gemachter und hundsgemeiner kleiner Thriller, der keine Motivation für die Bedrohung liefert, die Kristen und James schließlich die Alptraumnacht ihres Lebens beschert. In dieser Hinsicht ähnelt er ein wenig John Carpenters ASSAULT ON PRECINCT 13, nur daß er deutlich mehr in die Horrorecke schielt. Obwohl der Film Blutrunst weitgehend meidet, ist er eine harte Nummer, da die „home invasion“-Aspekte wirklich bis an die Schmerzgrenze ausgereizt werden. In gewisser Weise stellen die Killer des Filmes – getreu der Horrorfilmtradition – eine böse, aber funktionale Familie dar, die das hübsche Pärchen – deren Beziehung weitgehend dysfunktional ist – mit den Grenzen ihrer Weltsicht konfrontiert. Nachdem die Grenze überschritten ist, wird dann die Sau rausgelassen und tobt durch die traute Heimstatt. Für ein Debütwerk ist THE STRANGERS beeindruckend stilsicher inszeniert und rattenspannend. Ein Film, den man sich definitiv bei Dunkelheit ansehen sollte. Und wenn man ihn mit jemand anders kuckt, so sollte man Wert darauf legen, daß er sich vorher die Fingernägel schneidet...
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