Manchmal trifft man auf Filme, denen man beim besten Willen nicht nachsagen kann, sie wären gut gemacht, aber aus irgendeinem Grund schließt man sie sofort ins Herz. THE CRIME OF DR. CRESPI ist solch ein Film!
Die Story bedient sich eines ähnlichen Aufhängers wie Universals im selben Jahre hergestellter THE RAVEN: Als ein namhafter Arzt bei einem schlimmen Autounfall schwer verletzt wird, bittet dessen Frau den Chefchirurgen André Crespi (Erich von Stroheim) um seine Mithilfe, da nur er ihren Gemahl retten kann. Crespi ziert sich ein wenig, da ihm der verunglückte Dr. Ross einst die Geliebte stahl, bevor er schließlich einwilligt. Tatsächlich trägt der nach außen hin gutherzige Crespi einen finsteren Plan in seinem Busen: Er injiziert Ross eine jener in Horrorfilmen dieser Art so populären Wunderdrogen, die den gehaßten Konkurrenten in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Wie er dem stocksteifen Ross in einer wundervollen Szene diabolisch gackernd mitteilt, wird dieser seine eigene Beerdigung miterleben und schließlich im Sarg die Kontrolle über seinen Körper wiedererlangen. Aber nicht alles läuft wie geplant...
Das erste Drittel von THE CRIME OF DR. CRESPI spielt fast vollständig in Crespis Büro. Später dann kommen noch einige Studiokorridore und diverse angedeutete Fahrstühle etc. dazu. Der Film hätte um meinethalben aber auch vollständig an der Wirkungsstätte des brillanten Mediziners spielen können, denn was Erich von Stroheim hier abzieht, ist schlicht unbegreiflich! Der bedeutende Regisseur wird seine Rolle kaum ernstgenommen haben, denn was ist schon ein „poverty row“-Schmalspurhorror im Vergleich zu seinen eigenen kastrierten Meisterwerken wie GREED oder QUEEN KELLY? Während der Großteil von DR. CRESPI sich irgendwie selbst inszeniert zu haben scheint – es gibt genau zwei ordentlich gestaltete Sequenzen, nämlich Crespis höhnische Ansprache an die „Leiche“ und später die Beerdigung –, so muß Regisseur Auer bei den Sequenzen mit seinem Star das Studio verlassen haben, um sich eine Stulle zu schmieren, denn Regieanweisungen wird „Von“ keine erhalten haben. Während sich Bela Lugosis bevorzugte Form des Schmierens meistens in süffisant ausgekosteten Dialogzeilen darstellte, gelingt es von Stroheim mit einer geradezu an Bill Murray erinnernden Genialität, selbst dialogfreie Passagen zu Sternstunden des Kinos zu machen. Unterstützt wird er dabei von einem sagenhaft bizarren Timing, das nicht nur ihn, sondern auch seine Nebendarsteller gelegentlich völlig im Raum hängen und völlig sinnfreie Sachen erledigen läßt, die auch vom völligen Verzicht des Filmes auf eine Hintergrundmusik in ihrer Merkwürdigkeit noch verstärkt werden. So erhält Crespi einen alarmierenden Anruf in bezug auf Dr. Ross, was Erich dazu veranlaßt, sich erst einmal ausgiebig an der Nase rumzufummeln. (Macht er öfter!) Mit großartiger Geste zündet er sich ausführlichst eine der vielen Zigaretten an, die er in dem Film raucht. Dann grimassiert er ein wenig und schreibt eine halbe Minute lang irgendwas auf ein Blatt Papier. Ich habe heulend und winselnd vor dem Fernseher gekniet – großartig! Auch hat Dr. Crespi den guten Geschmack, als Dekoration ein Baby- oder Zwergenskelett auf einem Schrank aufzubewahren, das häufig ins Bild gerückt und in einer besonders hübschen Einstellung von Crespi jovial angestupst wird. Von Stroheims Diktion ist – anders als bei Lugosi – extrem zurückgenommen und ruhig, was seine gelegentlichen cholerischen Anfälle noch brachialer erscheinen läßt. In einer Szene drischt er dem unglücklichen Dwight Frye voll eine ins Gesicht, was ziemlich echt ausschaut. Seine Augen blicken meist traurig drein wie ein Bassett, der seinen Gummiknochen verloren hat. Mit kleinsten Bewegungen sorgt der Mann für Panik, wenn er zum Beispiel väterlich der Krankenschwester seine Hand auf die Schulter legt. Eine unglaublich intensive Darstellung. So etwa muß es sich anfühlen, wenn einem Udo Kier die Hand aufs Knie legt und einem direkt in die Augen schaut. (Ist einem Freund von mir passiert!) Kurzum, der Film steht und fällt mit Erich von Stroheim, der demonstriert, was passieren kann, wenn man einen Schauspieler einfach mal so machen läßt. Ich finde den Film großartig!
Bearbeitet von Cjamango, 09. Januar 2009, 17:01.
















