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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen - Filmforen.de - Seite 23,5

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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen


776 Antworten in diesem Thema

#676 Cjamango

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Geschrieben 28. Mai 2009, 16:11

Die Erpresser (DVD)

Schau an, mit den Thrillern habe ich in den letzten Tagen Glück...

ACOLYTES ist ein australischer Film, der von einigen Teenagern handelt, die im Wald eine Leiche entdecken. Auf Umwegen bekommen sie spitz, wer für die Leiche verantwortlich ist. Da die beiden männlichen Teenager als Kinder von einem „poor white trash“-Asi mißhandelt worden sind, kommen sie auf den Wahnsinnsgedanken, den Killer dafür zu benutzen, den einstigen Peiniger aus dem Wege zu räumen. Doch damit haben sie mehr abgebissen, als sie kauen können...

Jon Hewitts vierter Film ist eine abgründige Geschichte, die von einigen jungen Menschen handelt, die den Wolf in sich entdecken. Es erscheint zunächst wenig plausibel, daß sie sich zu ihrem Plan hinreißen lassen, aber es wird klarer und klarer, was der Motor ihres Handelns ist. Was wie ein nüchterner australischer Jugendfilm beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer wirklich spannenden Geschichte, die von ausgezeichneten Schauspielerleistungen profitiert wie auch von einem wohltuenden Mangel an vermeintlich spannungssteigerndem Schnickschnack. Die Entwicklungen im Schlußakt sind haarsträubend, und der Film endet mit dem extrem verstörenden Gebrauch einer Melodie von Erik Satie. Ein bemerkenswert guter Psychothriller, herb im Abgang.

Bearbeitet von Cjamango, 28. Mai 2009, 16:13.

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#677 Cjamango

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Geschrieben 01. Juni 2009, 16:47

Coed Dorm (Video)

An der renommierten Farouk-Universität studiert man mit großer Hingabe und weit geöffneten Schenkeln. Den meisten Studenten winkt ein „summa cum laude“, mit Betonung auf „cum“. Lehrkörper werden penetriert bis zur Besinnungslosigkeit, und so mancher Burschenschaft geht auf Pilgerfahrt ins Reich der Triebe. Der kreuzfromme Graham sieht sich einem Sündenbabel ausgesetzt, doch findet er in Virgie eine leidenschaftliche Mitstreiterin. Virgie wird ein Millionenerbe antreten, wenn nicht ihr Hymen fällt...

Ein fröhlicher Softsexfilm, den Thomas S. Alderman einige Jahre vor seinem grimmigen Horrorfilm AMPUTIERT hinlegte. Das Genre der Schul- bzw. Universitätsklamotte frivolen Charakters war auch in den USA sehr beliebt, und während in den meisten Übungen in lüsternem Schmutz der Sexaspekt im Vordergrund steht, sind es hier eher zweideutige Kalauer, von denen so mancher sein Ziel verfehlt, aber einige sind doch ganz gelungen. Eindeutig überdurchschnittlich, da Spaß an der Sache verratend, sind diverse Versuche, kitschige Filmtraditionen zu verulken. So gibt es einige lustige Gesangseinlagen zwischen Virgie und Graham, und der sehr unerwartete Schluß zieht gängige Tränendrüsendrücker durch den Kakao, und das gar nicht mal schlecht. Auch nett ist der Mittelteil, der von einem Benefizbankett bestritten wird, dem u.a. ein grenzdebiles Colonel-Sanders-Lookalike (Kentucky Fried Chicken!) und die dicke Witwe des Unigründers, Alibaba Shwartz, beiwohnen. Der Arzt und Hauptdozent der Uni ist ein unvergleichlich öliger Hanswurst namens Maurice De Sade, der wie eine Schmierlappenvariante von Vincent Price aussieht und zusammen mit dem „Topless Tabernacle Choir“ eine schmissige Version von „Battle Hymn Of The Republic“ zum Besten gibt. Unter den Darstellern kannte ich nur Chormitglied Uschi Digart, obwohl einer der Studenten verdächtig nach dem Charakterdarsteller Hector Elizondo ausschaut. Die von „Something Weird“ verwendete Filmkopie ist farblich durchwachsen und voller Bildsprünge, aber wo Grindhouse draufsteht, ist halt auch Grindhouse drin. Habe ich mir ganz angekuckt, und das heißt, daß ich ihn ganz drollig fand. Die Werbezeile lautete seinerzeit: "A monument to good taste!"
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#678 Cjamango

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Geschrieben 02. Juni 2009, 14:11

The Parson's Widow (US-DVD)

Söfren ist ein Jungspund in einem kleinen dänischen Dorf, der es sich zum Ziel gesetzt hat, der neue Pfarrer der Gemeinde zu werden. Mit seiner Begeisterung weckt er die Herzen der Dörfler, und so kommt es, daß er tatsächlich gewählt wird. Einziger Haken bei der Sache: Er muß die Witwe des vormaligen Pfarrers ehelichen, und die erweist sich als stocksteife Greisin. Da Söfren verliebt ist in ein junges Mädel, ist guter Rat teuer. Was tun?

Mir war nicht klar, was ich von Carl Theodor Dreyers zweitem Film erwarten sollte, zumal ich von ihm nur schwere, überaus ernsthafte Sachen gewohnt war. Hier überraschte er mich mit einer Komödie, einer recht leichten sogar, und trotz der mir nicht gerade naheliegenden Thematik – Religion plus Landliebe – fand ich sie sehr ansprechend. Der erste Auftritt der zukünftigen Frau des Pfarrers etwa ist ein echter Kracher – mir entfuhr unwillkürlich ein Ausruf des Schreckens: „Schloßgeist!“ Die Darstellerin (Hildur Carlberg) ist unbezahlbar und entstammt dem Jahr 1843. Ebenfalls toll sind die verzweifelten Versuche des Pastors, seine Mannbarkeit unter Beweis zu stellen. Als er das erste Mal mit der Faust auf den Tisch haut, läßt ihn die ungerührte Dame Margarete vom feisten Stallknecht vermöbeln... Schallend gelacht habe ich bei einem etwas an WO IS´ PAPA? erinnernden Versuch Söfrens, seiner greisen Gattin als Gespenst zu erscheinen, um ihr über den Jordan zu helfen. Seine Darbietung ist selbstverständlich mitleiderregend und verleitet die wettergegerbte Vettel nur zu einem unfrommen Lächeln, zumal er seine Hausschuhe anbehalten hat... (Der Darsteller des Söfren, Einar Röd, ist ebenfalls ziemlich gut und sieht etwas wie Jan Josef Liefers aus.) Der Schluß des Filmes schafft es dann sogar, ernsthafte Töne anzuschlagen. Ziemlich bewegend, schnief. Insgesamt handelt es sich um eine moralische Geschichte mit vielen unmoralisch wirkenden Zutaten, die nicht wie ein Fremdkörper im Schaffen Dreyers wirkt, sondern dieselben Themen behandelt, die auch den Rest seines Werkes ausmachen, insbesondere das der Natur des Menschen im Widerstreit mit seinen Versuchen, eine moralische Existenz zu führen. Ein ganz wunderbarer Film!
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#679 Cjamango

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Geschrieben 03. Juni 2009, 13:43

Blonde Ambition (US-Video)

Wegen Filmen wie diesem habe ich mein Buch über Pornofilme geschrieben...

BLONDE AMBITION handelt von den beiden illustren Kane-Sisters, Sugar und Candy, die sich aus einem Kuhkaff in Wyoming an die Spitze des Broadways emporgearbeitet haben. Der Film schildert ihr Langen & Bangen, ihr Streben & Beben. Nimmermüde hangeln sie sich von Herausforderung zu Herausforderung und nehmen die Hindernisse im Sauseschritt. Dabei kommt ihnen ihre spektakuläre Ausdauer ebenso zugute wie ihre Fähigkeit, auch in widrigen Situationen ihren Mann zu stehen...

Die Ameros waren zwei schwule Brüder aus New York. Die meisten ihrer Ferkelfilme fallen auch in den Gay-Bereich, und während ihre Heteropornos als Erotika nicht wirklich aufsehenerregend sind, so gefallen sie durch Einfallsreichtum und Charme. So auch BLONDE AMBITION, bei dem jeder Darsteller und jede Darstellerin großen Spaß gehabt zu haben scheint. Als Hupfdohlen brillieren Julie Hopkins und Britin Suzy Mandel. Letztere war in ihrer Heimat ein bekanntes Pinup, das auf die Rolle der „doofen Blonden“ festgelegt war und in dieser Hinsicht unter anderem mit der „Benny-Hill-Show“ bekannt wurde. Hier hat sie in den Hardcoreszenen meistens ein Pornodouble, was aber nicht wirklich etwas ausmacht, da der Sex – wie schon angedeutet – eher zweitrangig ist. Putzig ist, daß die meisten Schauspieler versuchen, Suzys britisches Englisch zu imitieren, warum auch immer. War vielleicht ein Insider-Joke. Eric Edwards ist der Sohn einer reichen Familie, der sich in Candy verliebt. Robert Kerman ist sein Diener und zieht viele lustige Flappen. Jamie Gillis hat einen tollen Auftritt als Regisseur eines „Kunstfilmes“, der ein Bürgerkriegsthema besitzt und sich unwillkürlich in die Bombardierung von Atlanta verwandelt, als Suzy versehentlich die Pyrotechnik auslöst... Da die Ameros gern eigenen Kram in die Vorgänge einmixen, führt das Finale in die Drag-Show eines Schwulenclubs, wo auch ein aufgezottelter Kurt Mann herumläuft, der zu jener Zeit sowohl bei den Ameros als auch bei Chuck Vincent gerne mal vorbeischaute. Eine Darstellerin namens Molly Malone (hust!) spielt Erics Mutter, eine Barbara-Cartland-artige Omi mit einem sehr schmutzigen Mundwerk. Der Humor des Filmes ist größtenteils sehr witzig – bei Pornofilmen eher nicht die Regel. Am Schluß gibt es für deutsche Zuschauer auch noch ein Wiedersehen mit dem „Stern“, da europäische Zeitungscover den kometenhaften Aufstieg der Heldinnen besingen. BLONDE AMBITION ist in Deutschland meines Wissens nicht herausgekommen, wohl aber zwei ältere Filme der Regisseure, DYNAMITE und EVERY INCH A LADY, die ebenfalls hochgradig amüsant sind. Ein niedlicher Pornofilm – das ist selten.
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#680 Cjamango

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Geschrieben 03. Juni 2009, 20:52

Unwilling Lovers (US-Video)

Zebedy Colt war ein recht ungewöhnlicher Zeitgenosse. Hauptberuflich arbeitete er als Off-Broadway-Theaterschauspieler, nebenberuflich drehte er Pornos. Ich habe noch eine Platte im Schrank, auf der er Stücke von George Gershwin und Cole Porter singt, z.B. „The Man I Love“, nur halt eben von einem Mann gesungen...

UNWILLING LOVERS ist eine ganz bezaubernde Familiengeschichte, in der es um den geistig zurückgebliebenen Timmy geht, der gelegentlich Frauen tötet und danach vergewaltigt. Seine Mutter sitzt im Rollstuhl und hält ihren Kleinen auf solidem Debilo-Niveau, seit eine fürchterliche Tragödie den Vater geraubt und die Familie in die jetzige Situation gebracht hat. Die Auflösung erfolgt erst ganz am Schluß des Filmes. Ich war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits stark traumatisiert und hockte nur noch bibbernd vor dem Fernsehgerät. Man kann behaupten, daß Zebedy hier mehr abgebissen hat, als er schlucken konnte. Das meine ich nicht einmal zweideutig. So sehr die Zubereitung dieser munteren Familienpfanne auch nach Hafen duftet – faszinierend ist der Film doch, zumal er das zentrale Psychodrama beeindruckend ernst nimmt. Man kann nicht behaupten, daß die Schauspieler der Situation gewachsen wären – es wird viel mit den Augen gerollt –, aber unterm Strich handelt es sich um so etwas wie einen Grand-Guignol-Porno, der Krafft-Ebing sicherlich gefallen hätte. Sehr weird ist der Einfall, daß Timmy nicht nur ein Spaddel, sondern obendrein ein „idiot savant“ ist, der die Menschen seiner Umgebung auch im Tonfall täuschend echt imitieren kann. So imitiert er gewalttätige Männer, die seinem Vater gleichen, und am Schluß wird er sogar zu seinem eigenen Vater, der ein roher Trottel war. Sich als Regisseur und Autor die Rolle eines geistig zurückgebliebenen Triebtäters auf den Leib zu schreiben – willkommen in der verzwickten Welt des Zebedy Colt! Mit dem mittlerweile leider verstorbenen Herrn gibt es in meinem später im Jahr hoffentlich endlich herauskommenden Buch ein ausführliches Interview. Die Triebtaten selbst sind übrigens nicht hardcore inszeniert. Nicht nur dieses Detail macht den Film etwas weniger drastisch als die thematisch verwandten WATERPOWER und FORCED ENTRY. Meiner ausgeprägten Vorliebe für launige Sexualmetaphorik – manche nennen es auch „zoten“ – kann ich bei diesem Film aber endgültig nicht mehr nachgeben – das ist richtig düster. Jetzt kucke ich erst einmal irgendwas mit den Simpsons...

P.S.: Gastauftritte für Annie Sprinkle, C.J. Laing und einen Gärtner mit Latzhose, der aussieht wie ein Hinterhoflude, aber einen Schwengel hat, auf dem sieben Raben Platz haben.

Bearbeitet von Cjamango, 03. Juni 2009, 20:53.

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#681 Cjamango

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Geschrieben 04. Juni 2009, 12:51

Herr Tartüff (DVD)

Ein reicher Greis ist den üblen Einflüsterungen seiner Haushälterin ausgesetzt, die eine Schabracke vor dem Herrn ist und ihm sein Vermögen abschwatzen will. Der Enkel des Greises ist Schauspieler und somit ein Liederjan in dessen Augen. Um seinem Opi die Augen zu öffnen, schleicht er sich in Verkleidung in das Haus des Alten und führt ihm eine Verfilmung von Molières „Tartuffe“ vor...

Diese neuerliche Zusammenarbeit von Friedrich Wilhelm Murnau und dem Drehbuchautor Carl Mayer stellt eine bemerkenswert unstaubige Bearbeitung des Klassikers dar, die den burlesken Elementen nicht gerade aus dem Wege geht. Da ist schon Emil Jannings vor, der seinen Tartuffe als religiösen Steifkragen auf Beinen spielt, der von Lil Dagover verführt werden soll. Sie möchte nämlich ihrerseits dem Gatten Werner Krauß – der dem Popanz verfallen ist – die Augen öffnen. Als das gelingt, läuft Jannings natürlich zu Hochform auf und läßt aus dem Popanz einen Hanswurst werden, daß sich die Balken biegen. Nachdem Murnau mit Thea von Harbou bereits einige Sachen gemacht hatte (namentlich die etwas steife und sehr naturalistische Hauptmann-Bearbeitung PHANTOM und die lustvoll naive Komödie DIE FINANZEN DES GROSSHERZOGS), fand er in Mayer einen trefflichen Partner, der ihm auch das Drehbuch zum umwerfenden DER LETZTE MANN schenkte. HERR TARTÜFF ist vergleichsweise leichte Kost, was man vom darauffolgenden FAUST nicht unbedingt behaupten kann. Und dann ging's ja schon ab nach Hollywood und in den frühen Tod!
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#682 Cjamango

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Geschrieben 04. Juni 2009, 17:35

Zweimal gelebt (aus den Händen einer Wasserleiche geborgen)

Dieser knapp 30 Minuten lange Film ist eines der ersten Werke von einem der ersten deutschen Filmpioniere, Max Mack. Daß das Produkt vorwiegend von filmhistorischem Interesse ist, versteht sich bei solch einem frühen Datum von selbst. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von inszenierten Tableaus, ohne Kamerabewegungen, raffinierte Montagetechnik etc. 1912 war das Jahr der Eisberge, nicht das der Kinomagiere. Da ich aber ein grundböser Mensch bin, habe ich mich beölt über das Werk, da es hierzu einigen Anlaß bietet. Das erste Tableau zeigt eine wohlhabende wilhelminische Familie: Vater, Mutter, Kind. Als das traute Heim verlassen wird, fährt den drei Leuten ein Oldtimer über den Weg. Das Schnauferl tuckert da einfach so lang, nichts Weltbewegendes. Das Töchterlein purzelt den Hügel runter, ist aber unversehrt. Anders die Mama: Das plötzliche Auftauchen des mechanischen Ungetüms (es kommt langsam vom Horizont auf die Familie zu) hat ihr einen schweren Nervenschock versetzt, wie uns die Titelkarten aufklären. Sie muß erst einmal ins Sanatorium. Der behandelnde Arzt ist ein Schwerenöter der Medizin und verliebt sich in seine nicht sonderlich attraktive Patientin, aber nun gut. Sie erleidet dann eine „Krisis“, hampelt wild im Bett herum und bricht tot zusammen, hinweggerafft vom Nervenschock. Der Arzt ist untröstlich. Doch seine Tränen fließen umsonst, denn die Frau ist gar nicht tot – sie ist scheintot! Der wackere Medikus läßt sich diese Gelegenheit nicht entgehen, nagelt den Sarg zu und verschwindet mit der Holden – die angenehmerweise auch noch das Gedächtnis verloren hat – ins Ausland. Wie es der Zufall so will, läuft das Vater-Tochter-Gespann dem Arzt-Mutter-Gespann über den Weg, denn die Welt ist eine Auster. Mit ihrem Töchterlein konfrontiert, erhält die Mutter ihr Gedächtnis zurück, kann nun aber (warum auch immer) nicht mehr weiterleben und söderbaumt sich zu Tode. Dieser Suizid ist das letzte kurze Bild des Werkes: Man sieht einen Kartoffelsack ins Wasser plumpsen. Ende. Ach, äh, Spoiler. Zu spät. Egal.
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Geschrieben 07. Juni 2009, 14:45

Wicked Lake (DVD)

Caleb ist Kunststudent und hat es nicht so mit Mädchen. Die Avancen, die er dem hinreißend aussehenden Aktmodell Ilene macht, sind tapsig und nicht von Erfolg gekrönt. Was er nicht weiß: Ilene wohnt mit drei anderen Sahneschnitten zusammen, mit denen sie wilde Parties schmeißt. Als Caleb und seine „poor white trash“-Brüder beschließen, eine dieser Parties zu stürmen, erfahren sie zu ihrem Leidwesen, wie wild diese Parties tatsächlich sind...

Einer jener Filme, bei denen ich für zwei, drei Minuten das Gefühl habe, es könnte noch was werden, und dann ist Feierabend. Den Soundtrack hat Al Jourgensen von Ministry beigesteuert, und tatsächlich sind auch einige Tracks von dem (recht guten) neuen Album zu hören, namentlich Coverversionen von „Get It On“ und „Radar Love“. Der Film gibt sich alle Mühe, ebenfalls Rock'n'Roll zu sein. Schließlich haben sich schon einige Herrschaften aus dem Rockbereich an Trash-Horror versucht – die einen mit mehr Erfolg (Herr Zombie), die anderen mit weniger (Herr Snyder). Das Unternehmen geht aber volle Kanne in die Hose, weil man sich a) für keine der trüben Gestalten auch nur im mindesten interessiert, da sie sowieso als Abziehbilder konzipiert sind, und weil b ) selbst eine Genreparodie mit einem Modikum an Raffinesse gemacht sein muß, damit's klappt. Der LAST HOUSE ON THE LEFT-Zwischenteil ist geschmacklos, affig und trotz gegenteiligen Bemühens eher albern als eklig. Wenn dann der Twist ins Übernatürliche kommt und die „Großstadtschlampen“ so richtig aufdrehen, lärmt der Film vor sich hin, ohne mehr als mißlungene Kunststückchen zu präsentieren. Im Original muß das Ding wenigstens ziemlich gesplattert haben. Die deutsche Fassung ist geschnitten wie Sau, so daß man teilweise Schwierigkeiten hat, den nicht übermäßig komplizierten Vorgängen zu folgen. Also – attraktive Frauen, häßliche Männer, jede Menge Grenzdebile – klingt wie ein russisches Behindertendrama, ist es aber leider nicht. Ein Haufen Mist. Ach, und Angela Bettis hat einen kurzen Gastauftritt, da die Macher aus dem Umfeld von Lucky McKee stammen.

Bearbeitet von Cjamango, 07. Juni 2009, 14:46.

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Geschrieben 07. Juni 2009, 18:15

Blood Movie (DVD)

Adam Waltz (Edward Furlong) ist Horrorfilmfan und als solcher überglücklich darüber, einen Kleindarstellerjob bei einem Exploitationstudio gewonnen zu haben. Die Firma „Spotlight“ produziert nämlich gerade den Film „Die Piratenhure“, und zur Erlangung von Publicity ist ihr jedes Mittel recht. Adams Augen leuchten, als er zum ersten Mal einen Blick in die Glitzerwelt des Kinos werfen darf. Seine Begeisterung nimmt ab, als ein wahnsinniger Mörder anfängt, die Starlets abzuschnetzeln, die den Weg des sleazigen Unternehmens kreuzen. Könnte eine Verbindung zu jener Tragödie vor 50 Jahren bestehen, als ein Starlet auf grausame Weise unter die Räder kam?

Eine nette Überraschung - da habe ich jetzt genau gar nix erwartet! DARK REEL ist kein großer Film in irgendeiner Hinsicht, aber charmant gemacht und voller Injokes für Filmbegeisterte, der obendrein sehr zufriedenstellend synchronisiert wurde. Auf den Horrorgehalt muß man ein wenig warten, aber der Film ist kontinuierlich unterhaltsam. Allein die Dreharbeiten zu dem „Schmieraten der Karibik“-Projekt sind schon ziemlich komisch. Auch fällt auf, daß die Schauspieler offenbar wirklich Spaß gehabt haben. Neben Furlong (PECKER, AMERICAN HISTORY X) gibt es ein Wiedersehen mit Lance Henriksen, der als schmieriger Studioboß einen ungewöhnlich dankbaren und gut geskripteten Part bekommen hat. Tony Todd (CANDYMAN) zeigt sich mal von seiner komödiantischen Seite als beeindruckend kiebiger Polizist. Die weibliche Hauptrolle wird von der „Scream Queen“ Tiffany Shepis gegeben, die in so schönen Filmen auftrat wie SMOKE POT TILL YOU FUCKING DIE, KISS YOUR ASS GOODBYE und BONNIE & CLYDE VS. DRACULA. Sie hat ein paar Nacktszenen – Gott segne sie dafür! Auch ansonsten gibt es ein sauberes Arrangement von hinterfotzigen Kostars, intriganten Bimbos und überspannten Kunstgewerblern. Das Drehbuch ist gelegentlich etwas überambitioniert und bastelt zu viele Erzählstränge zusammen, aber einige Einfälle sind dann auch wieder von so launiger Absurdität, daß ich auch einige logische Schnitzer ohne zu murren hingenommen habe. (Den Film mit den Killergartenzwergen würde ich z.B. gerne einmal sehen...) Es gibt diverse Splattereinlagen und Slasheranleihen, aber insgesamt funktioniert der Film am ehesten als schwarze Komödie. Richtig nett halt. In der IMDb kommt der Film eindeutig zu schlecht weg.
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Geschrieben 08. Juni 2009, 14:00

Puffball (DVD)

Ausgeliehen habe ich mir diesen Film, weil ich über den Titel gestolpert bin, der – deutsch ausgesprochen – ja gewisse Assoziationen weckt. (Gemeint ist tatsächlich ein runder Pilz, ein Riesenbovist.) Daß es sich um ein neues Werk von Nicolas Roeg handeln würde, war mir nicht bewußt. Es ist mir fast ein bißchen peinlich, aber mir hat der Film gefallen, auch wenn ich vermute, daß er die kommerzielle Attraktivität einer Tüte Mehlwürmer besitzt. Tatsächlich fiele es mir sehr schwer, ihn einzuordnen. Er besitzt Fantasy-Elemente, die man aber auch rational erklären kann, wenn man möchte. Als Spannungskino ist er überhaupt nicht konzipiert, mehr so als... eine Geschichte... tja...

PUFFBALL handelt von einem britischen Paar, Liffey und Richard, die nach Irland ziehen und dort eine abgebrannte Hütte zur Grundlage für ein neues Heim machen wollen. Liffey ist Architektin und hat deshalb bei dem Projekt einen Heidenspaß. Ihre Nachbarn sind eine eigenartige Familie, die Tuckers. Seit Urzeiten in der Region verwurzelt, bestellen sie den Boden und setzen Kinder in die Welt, eins, zwei, drei. Mabs will sogar noch ein viertes, einen Jungen bitte diesmal. Mabs´ Mutter aber (Rita Tushingham), die ein eigenes Kind bei einer Brandkatastrophe verlor, ist entweder wahnsinnig geworden oder eine Hexe. Auf jeden Fall ist sie recht wirr und bastelt aus Pilzen, Sperma und anderen Ingredienzien einen Liebestrank. Dieser Trank funktioniert vorzüglich und führt zu einer außerehelichen Begegnung zwischen Liffey und Tucker. Und schon bald ist Liffey schwanger...

Wer einen Genrefilm erwartet, wird bitterlich stranden bei diesem zwar wunderschön fotografierten, aber doch sehr, sehr gemächlichen Film. Fast jedes Bild hat mit Fruchtbarkeit zu tun, mit all dem, was auf das lustige Rammeln bisweilen folgt. Manchmal ist der Film zart und fast kitschig, aber er handelt auch von den Ängsten, die mit der Schwangerschaft einhergehen. PUFFBALL ist eher ein Frauenfilm, da er Themen anspricht, mit denen Männer gemeinhin nicht viel zu tun haben: Periode, die körperlichen Veränderungen bei Kindersegen, die Angst vor dem Klimakterium. Das distanziert den männlichen Betrachter vermutlich vom Geschehen, genauso wie man zu einem Film über das Älterwerden einen gänzlich anderen Zugang gewinnt, wenn man in den Spiegel kuckt und feststellt, daß die Zeit der großen Bälle eindeutig der Vergangenheit angehört. Das Gegenwartskino handelt ja meistens von Exzessen, von denen die meisten Menschen zum Glück verschont bleiben – explodierende Autos, Hochhausbrände und Zombieattacken. Hier geht es um Dinge, die ganz alltäglich sind und über die man sich trotzdem selten so richtig Gedanken macht. Bei verschiedenen sexuellen Encontres zum Beispiel leistet sich Roeg „cum shots“ der ungewöhnlichen Art. Unter „cum shots“ versteht man ja gemeinhin die Pornotradition, den männlichen Samenerguß als Abschluß einer gelungenen Kopulation ins rechte Bild zu rücken. Das geht dann meistens ins Gesicht oder so. Hier geht es in die Vagina, denn es dreht sich ja um Fruchtbarkeit. Die Schauspieler agieren sehr glaubhaft, sehr nachvollziehbar. Auch die naturmystische Verzücktheit der Tucker-Familie erschien mir – der ich normalerweise an so etwas nicht glaube – als im Rahmen der dargestellten Realität überaus logische Konsequenz aus dem Beieinander von Leben und Sterben, das der Film präsentiert. Selbst die Geschichte mit den Abtreibungen wird von Roeg nicht in konservatives Moralgetue verpackt (á la RE-CYCLE von den Pang Brothers), sondern mit den Fürs und Widers präsentiert, die der Vorgang so mit sich bringt. In der IMDb ist der Film brutal abgewatscht und als Beleg dafür gewertet worden, daß Roegs beste Zeit eindeutig lange vorbei ist. Ich bin mir dessen nicht so sicher, denn ich empfinde PUFFBALLs Mystizismus als eine sinnvolle Weiterentwicklung der Traumrealität, die er bereits in Filmen wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN oder DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL zeigte. Sie ist hier aber viel mehr mit den Konkretheiten des Lebens verbunden, mit Lust, mit Schmerzen und eben der Weiterführung des Lebens. Insofern muß sich jeder (und in diesem Fall bevorzugt jede) Interessierte ein eigenes Bild machen. Ich fand ihn hübsch. Vor zehn Jahren hätte ich ihn vielleicht noch langweilig gefunden.
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Geschrieben 08. Juni 2009, 15:13

Death Race 3000 (2008) DVD

Irgendwann in der Zukunft. Ein ganzer Staat/eine ganze Stadt (habe ich schon wieder vergessen!) ist zu einem riesigen Gefängnis à la DIE KLAPPERSCHLANGE umfunktioniert worden. Zu den Insassen gehört auch der gefürchtete Terrorist The Reaper, ein dicker Ringkämpfer, der in den Besitz von tödlichem Gas gelangt ist. Dieses Gas will er in Leitungen hineinleiten, die die gesamten USA versorgen und die zufälligerweise genau unter dem Staat/der Stadt verlaufen, worüber sich niemand mal Gedanken gemacht zu haben scheint. Der Präsident der USA/ein dicker Gouverneur (habe ich schon wieder vergessen!) hat irgendwie Wind von der Sache bekommen. Um den Kasus auf elegante Weise zu lösen, organisiert er ein riesiges „Death Match“, bei dem bekannte Rauhbeine in der vermaledeiten Zone aufräumen sollen. Das Spektakel wird live übertragen, und für jeden erledigten Verbrecher gibt es Punkte...

Dieses Quasi-Remake von DEATH RACE 2000 markiert einen historischen Punkt in meiner Karriere als Filmfan: Zum ersten Mal bin ich tatsächlich geleimt worden und habe einen Film ausgeliehen, den ich eigentlich für einen anderen hielt. Selbstredend wollte ich Paul Andersons nominelles Remake von DR2000 haben und bin bei diesem Grübelwerk gelandet. Einen gewichtigen Anteil an diesem, hmmh, Produkt haben Violent J und Shaggy 2 Dope, die zwei Frontmänner der Combo „Insane Clown Posse“ aus Detroit, die ihrem Gewerbe in grotesker Kostümierung nachgehen. So auch hier: Da ihre Musik in der Zukunft der Filmhandlung seit langem verboten ist, gehören sie zu den Asis, die in der Todeszone aufräumen sollen. Andere Teilnehmer sind ein „Home Security“-Pärchen von schwulen Soldaten, einige Banden-Heinis, die sich „Kopfjäger“ nennen, und zwei immens gefährliche Schlampen namens „Vaginamites“. Der Film ist sagenhaft billig gemacht, dumm wie Brot, stockbrutal, vulgär wie nur was und hat mir ziemlichen Spaß bereitet. DEATH RACERS riecht nach Fisch wie eine ganze Sushi-Fabrik! Wenn man genügend Bier geladen hat, stellt das Ding aber eine gelungene Alternative zu ARTE und 3 Sat dar. Ich stelle mir jetzt mal vor, ich würde eine der beiden Kanonen von der „Insane Clown Posse“ treffen:

„Yo, Digger, habe gerade DEATH RACERS gesehen!“ – „Mann, was geht? Und, hadder gefallen?“ – „Ja, Mann, war echt was fürs Auge! Und nachdenklich hadder mich gemacht.“ – „Nachdenklich? Was ist schiefgelaufen, Mann?“ – „Schön, daß du betonst, daß ich ein Mann bin! Also, ich fand, daß der Kultur von uns so'n Spiegel vorgehalten wird. Das geht ja auch nich´ weiter mit der Kultur...“ – „Da sagst du was, Mann. Ich und J/Shaggy wollen eigentlich auch lieber Schweinerock machen, aber darauf fahren die Bitches nich´ so ab...“ – „Ja, aber euer Film hat mich wirklich berührt! Am besten finde ich die Szene, wo ihr die Lesben mit Fleischerbeilen so richtig stramm macht, mit Blut und allem.“ – „Jau, war geil, war ein Fest!“ – „Yeah, hat mich an Eisenstein erinnert. Die olle Nülle hat's auch gebracht. Hast du PANZERFIST POTEMKIN gesehen?“ – „Nö, ich lese nich´ so viel! Alter, ich muß dich leider töten!“ – „Is´ schon okay...“ usw.

Erwartet nichts. Das bekommt Ihr dann auch. Aber so ist das im Leben häufig. Don't say I didn't warn ya!
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#687 Cjamango

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Geschrieben 09. Juni 2009, 11:36

Thirteen (DVD)

Sera Night arbeitet als Sozialarbeiterin mit Opfern sexueller Gewalt zusammen. Eines Abends – ihr Ehemann ist gerade auf Geschäftsreise – klingelt es an der Tür. Ein Vertreter einer Maklerfirma steht davor und möchte den Gatten sprechen in einer geschäftlichen Angelegenheit. Da es in Strömen regnet, bittet ihn Sera herein. Ihr Gast erzählt ihr einiges aus seinem Leben, doch benimmt er sich zunehmend merkwürdig. Seras Unbehagen nimmt zu, als sie im Fernsehen von einem Serienmörder hört, der bereits 13 Opfer massakriert haben soll. Da klingelt es wieder an der Tür. Ein Sicherheitsfachmann will ein Upgrade der Alarmanlage vornehmen. Auch er benimmt sich irgendwie eigenartig und streut Bibelzitate. Die Nacht wird sehr lang...

FOR SALE BY OWNER stammt bereits aus dem Jahre 2005 und scheint nicht sonderlich gut vermarktet worden zu sein, zumal sich Serienmördersachen derzeit ja verkaufen wie geschnitten Brot. Vielleicht lag das an der Entscheidung des Regisseurs Pritesh Chheda, den Film als Drei-Personen-Kammerstück zu inszenieren, sehr simpel, sehr reduziert, ohne Kaspermasken und ähnlichen Firlefanz. Ich persönlich empfand das als wohltuend, zumal ich zu Beginn stöhnte: Oh nein, nicht schon wieder... Tatsächlich hat man es nicht mit einem verkannten Klassiker zu tun, aber mit einem durchaus sympathischen kleinen Film, der nicht zuletzt wegen der ernsthaften und guten Leistungen der Darsteller überzeugt. Das Drehbuch streut Hinweise satt, und es stellt sicherlich keine Höchstleistung dar, den Verlauf der Handlung zu erraten, aber da der Film die Geschichte gescheit entwickelt und sich Dümmlichkeiten verkneift, war mir das egal. Eine sehr nette Thrillerproduktion, die sich mit geringem Aufwand an Filme der Tradition von WAIT UNTIL DARK anlehnt, und das mit ordentlichem Erfolg. In die deutsche Synchro habe ich nur kurz reingeschaltet, aber sie schien mir okay zu sein.

Bearbeitet von Cjamango, 09. Juni 2009, 11:38.

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#688 Cjamango

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Geschrieben 09. Juni 2009, 14:49

Das Gesetz der Ehre (DVD)

Die Tierney-Familie stellt Polizisten seit mehreren Generationen. Vater Francis sr. (Jon Voight) war ein hohes Tier, Sohn Francis jr. (Noah Emmerich) leitet die Drogenfahndung und Sohn Ray (Edward Norton) modert seit einer im Interesse der Polizeiraison erfolgten Falschaussage angewidert bei der Vermißtenstelle herum. Als bei einem verpatzten Einsatz vier Cops ihr Leben lassen müssen, bittet Vater Francis Sohn Ray darum, bei den Ermittlungen behilflich zu sein. Die Ermittlungen gestalten sich als immens schwierig, da korrupte Polizisten in den Fall verstrickt zu sein scheinen...

Polizeifilme sind seit jeher mein Leib- und Magengericht gewesen. Anders als etwa im Horrorgenre – in dem viel schmerzhafter Schrott produziert wird – kann man sich im Lager der Gesetzeshüter meistens auf eine gewisse Grundqualität verlassen, weshalb ich beherzt zugreife, wenn mal wieder ein neuer Film in dieser Richtung anläuft oder in der Videothek steht. PRIDE AND GLORY befaßt sich mit denselben Grundthemen, denen Polizeifilme schon immer nachgespürt haben. Es geht um das Ideal, das den Polizisten als Bewahrer oder Wiederhersteller eines Zustandes der Ordnung begreift. Es geht um die Korrumpierung, die zwangsläufig einsetzt, wenn Verrohung und Frust das Ideal aufweichen. Es geht um die Definition von Männlichkeit, die sich die (hier irischen) Protagonisten aufzwingen oder aufzwingen lassen – Maßstäbe, an denen sie fast zwangsläufig scheitern müssen. Die Polizei ist für die Tierneys zu einer zweiten Familie geworden, deren Regeln sie sich verpflichtet fühlen. Dazu gehören freilich auch die ungeschriebenen Gesetze – man schwärzt zum Beispiel keine Kollegen an. Das Drehbuch von Joe Carnahan (der den gleichfalls überdurchschnittlichen NARC gemacht hat) macht alles richtig, erzählt die Geschichte stringent und glaubhaft, reichert die typischen Versatzstücke des Genres mit genügend Hintergrundwissen an, um die Handlungen der Figuren stets nachvollziehbar zu machen, selbst wenn sie furchtbare Böcke schießen. Auch der „böse Cop“ des Filmes, Jimmy Eagan (Colin Farrell mal in einer fiesen Rolle), erscheint nicht als eindimensionaler Butzemann, sondern als ehemals hasenreiner Gesetzeshüter, der sich immer um seine eigene Familie gekümmert hat, aber im Laufe der Jahre zum Zyniker geworden ist in bezug auf den „Abschaum“, der ihn umgibt. Der Zuschauer folgt den Figuren mit morbider Faszination, wie sie sich trotz allem Sträubens auf den Bahnen bewegen und bewähren, die ihnen ihre Rolle auferlegt. Wer ihnen diese Rolle auferlegt hat, bleibt ein Mysterium, dem sich die Figuren nicht stellen, nicht immer zu ihrem Gewinn. Ein erstklassiger Beitrag zum Genre, den man problemlos in eine Liga mit Filmen wie COP LAND oder IM VORHOF DER HÖLLE packen kann. Exzellente Musik von Mark Isham. Für Freunde dieser Filmgattung empfohlen.
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Geschrieben 13. Juni 2009, 12:44

Tochter des Bösen (Video)

Wo anfangen? Martin Luther King sagte ja einmal, ein Film müsse einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben. Aber alles gleichzeitig? Will man aus diesem zutiefst eigentümlichen und den Betrachter destabilisierenden Werk eine Handlung herauspunzen, so geht es um ein hübsches „hippie chick“ namens Alicianne, das einen Job als Kindermädchen im Norden-Haus antreten will, welches im tiefsten kalifornischen Hinterland gelegen ist. Rosalie hat ihre Mutter sehr früh verloren und wohnt zusammen mit ihrem Prince-Charming-Bruder und ihrem Daddy, welcher ein sabbernder Meckerpott ist und die deutsche Stimme von Fozzie-Bär besitzt. Rosalie ist aufgrund der Einsamkeit zu einem merkwürdigen Mädchen herangereift, aber sie hat sich neue Freunde besorgt, und zwar Zombies!

Prämisse und Handlung zugleich! Dieser überaus preisgünstig hergestellte Film ist empfehlenswert für Fans obskurer 70er-Jahre-Horrorschocker, aber man muß seinen Braten schon sehr obskur mögen, denn zu behaupten, der Film sei gut gemacht, wäre wohl übertrieben. Man kann aber nicht leugnen, daß er eine sehr unbehagliche Atmosphäre erzeugt, zumal große Teile des Films in einem fast unzusammenhängend erscheinenden Alptraumstil gedreht worden sind, der vermutlich sowohl auf mangelnde Kompetenz als auch Vorsatz der Macher zurückzuführen ist. So richtig fesch wird THE CHILD aber erst durch seine Musik. Die dudelt ununterbrochen und versucht nach besten Kräften, eine Horroratmosphäre zu erzeugen. Das nervt beizeiten, trägt aber auch zu der verunsichernden Stimmung des Films bei. Wie kann man die Musik beschreiben? Nun, zu Anfang hört man einen wilden Pianisten, der so klingt, als würde ein betrunkener Penner ein Konzert von Tschaikowsky spielen, begleitet von synthetischen Entenschreien. Je mehr die Alptraumatmo überhand nimmt, desto kakophonischer wird das Spiel des Pianisten. Am Schluß wirkt das so, als habe man einen mutierten Zwerg mit Speed versorgt und ihn auf der Tastatur tanzen lassen. Wild. Ausgelassen. Zwergig. Dazwischen hören wir den Verfasser des Grabbelkisten-Schlagers „1000 Dinge, die man mit seinem Moog bitte nicht anstellen sollte“. Der Komponist führt in seinem Zivilleben Musikinstrumente in einem Fachgeschäft vor, jede Wette! Die Zombies kommen erst nach der Hälfte der Laufzeit in Wallung, aber dann splattern sie richtig hübsch los. Nicht schlecht, Herr Specht. Regisseur Robert Voskanian hat sich nach diesem Werk aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und ist zuerst ins Discogewerbe übergewechselt. Momentan arbeitet er als Bauträger. Nicht als Eisenträger, sondern als Bauträger. Das sind so Leute, die Gebäude herrichten, um das Objekt dann an einen Endkunden zu übergeben. Wußte gar nicht, daß es so einen Beruf gibt, aber da habe ich ja was, wonach ich Ausschau halten kann. Bauträger. Tststs. Den Film gibt es scheinbar auch als DVD, aber da muß man wohl auf die typischen „Silwa-Video“-Beigaben verzichten, sprich: einen launigen Werbefilm mit Klaus Dahlen und Elisabeth Volkmann und den unvergleichlich schmierigen Sascha Hehn, der im besten Zuhälterstil mit dem Publikum flirtet: „Na, habe ich Ihnen zuviel versprochen?“ Nein, das hat er nicht. Für dem Jürgen seinen Jochen ist THE CHILD nix, aber wer bizarre Zombiefilme von anno dunnemals mag, wird sein Auskommen haben. Aufgrund der bizarren Grundstimmung empfehle ich als Beiprogramm Jess Francos EINE JUNGFRAU IN DEN KRALLEN VON ZOMBIES und um Himmels Willen – keine Drogen!

Bearbeitet von Cjamango, 13. Juni 2009, 12:46.

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Geschrieben 14. Juni 2009, 01:09

Death Race (2008) (DVD)

Jensen Ames (Jason Statham) hat einigen Mist hinter sich gelassen. Jetzt hat er einen bescheidenen Job als Mechaniker, eine reizende Ehefrau und eine kleine Tochter. Doch das Glück wird ihm genommen: Jemand ermordet seine Frau, Jensen wandert dafür in den Knast. Auf „Terminal Island“ regiert der Haß, und der Haß hat einen Namen: Hennessy. Hennessy: blond – blauäugig – bitch! (Was soll's – einen Pulitzer will ich damit nicht gewinnen...) Frau Hennessy hat ein medienträchtiges Spiel erfunden – ein Todesrennen, bei dem sich Mörder um Kopf und Kragen fahren sollen, zum Gaudium des Publikums. Wer fünfmal gewinnt, darf in die Freiheit zurück. Ex-Rennfahrer Jensen soll die Identität und die Maske des geheimnisvollen „Frankenstein“ übernehmen, der das letzte Rennen nicht überlebt hat, einen Sieg von der Freiheit entfernt. Gewinnen soll Jensen freilich nicht. Doch er sieht das anders...

Hui, den hätte ich mir jetzt bedeutend schlechter vorgestellt! Proll-Action vom Feinsten, komplett ironiefrei, angefüllt mit rasanten Verfolgungsjagden, den üblichen Genrestandards wie „Ein Mann allein gegen das System“ und „Sie nahmen ihm alles“, Male Bonding satt... Paul W.S. Anderson zieht die Geschichte denkbar geradlinig durch, spart sich Gesellschaftskritik, Charakterentwicklung und Insider-Zwinkereien. Stattdessen gibt es auf die Omme, und zwar mächtig. Kleines Manko: Die Storyszenen zwischen den Rennsequenzen fallen deutlich ab, aber klugerweise fallen sie bei fortschreitender Filmdauer immer spärlicher aus, bis schließlich die Savanne brennt. Die Actionszenen sind ein ziemlicher Kracher und werden mit deutlich von Coolitis im Endstadium geprägten Sprüchen quittiert. Das stört aber nicht weiter, denn im Rahmen solcher Anti-IQ-Liga-Generalmobilmachungen ist das ganz stimmig. Auf der großen Leinwand wäre der Film ein ziemlicher Heuler, das passende Publikum vorausgesetzt. Statham gibt erneut den Bruce Willis der zweiten Liga, aber mit Tendenz zum Aufstieg. Ein deutlicher Pluspunkt ist die Schauspielerin Joan Allen, die als Chefschurkin absolut glänzt. Sie hat bereits drei Oscarnominierungen im Handgepäck, und was Blicke angeht, die töten können, so hat sie den Oscar bereits in der Tasche – fröstel... Kurzum, ein rauhbeiniger, fieser, tumber Actionheuler, der zwar nicht den Charme von Paul Bartels Original besitzt, aber Gewieftheit und Generalkompetenz im Umgang mit qualmenden Hoden und röhrenden Motoren. Andersons Erstling, SHOPPING, mag ich zwar deutlich lieber, aber DEATH RACE kann was, und das kam für mich überraschend...
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Geschrieben 15. Juni 2009, 01:34

The Broken (DVD)

Gina McVey (Lena Headey) arbeitet als Radiologin an einem Londoner Hospital. Ehemann Stefan ist Architekt. Eines Tages erblickt sie im Straßenverkehr eine Frau, die ihr täuschend ähnlich sieht. Wenig später hat sie einen drastischen Autounfall, den sie aber fast schadlos übersteht. Schon bald aber stellen sich Spätfolgen ein – nichts ist mehr, was es zu sein scheint...

Ein britischer Mystery-Thriller, der sich viel Zeit nimmt, um die Figuren zu etablieren. Es werden Hinweise gestreut. Zerbrochene Spiegel scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Obwohl man lange im Dunkeln tappt, wird der Film nie langweilig, zumal er erstaunlich gut inszeniert ist. Die Bildgestaltung ist wirklich exzellent. Ich wußte beim Betrachten trotzdem lange Zeit nicht, wie ich THE BROKEN finden würde, zumal es Neubearbeitungen von INVASION OF THE BODY SNATCHERS wirklich reichlich gegeben hat. Der Film liefert aber eine durchaus intelligente und sehr intime Variation auf das Material, und selbstverständlich ist er um Lichtjahre besser als das lausig geskriptete Hollywood-Remake INVASION mit Craig und der Kidman. THE BROKEN gewinnt schließlich aufgrund seiner angenehmen Wortkargheit, die die eigenartigen Vorgänge in der Schwebe hält und so ein schleichendes Gefühl der Paranoia ermöglicht. Man betrachtet sich danach im Spiegel mit anderen Augen, mit neuen Augen. Wie die Geschichte im letzten Akt dann aufgelöst wird, ist schon sehr elegant. Wer sich einen Partyfilm ausleihen will, kann die Finger von THE BROKEN lassen, denn er ist düster und gänzlich humorfrei, ständig umwabert vom vorzüglichen Soundtrack von Guy Farley. Neben der Headey gibt es ein Wiedersehen mit Richard Jenkins, dem Vater aus SIX FEET UNDER, und Ulrich Thomsen, der den Christian in Vinterbergs DAS FEST gegeben hat. Ich werde jetzt doch noch mal in den Spiegel schauen. Sicher ist sicher.
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Geschrieben 15. Juni 2009, 18:36

Crows Zero (DVD)

Auf der Suzuran-Schule geht es anscheinend hauptsächlich darum, wer der „big boss“ wird. Hauptbewerber um das Amt sind der Yakuza-Sohn Genji und der stets traurig dreinblickende Tamao. Beide sehen verflucht gut aus, tun aber alles, um diesen Umstand zu ändern. Nachdem sie sich eine Gefolgschaft erarbeitet und die anderen Gegner aus dem Feld geboxt haben, geht es schließlich Mann gegen Mann. Denn es kann nur einen geben...

Es wird immer schwieriger, sich ein Genre auszudenken, an dem Takashi Miike sich noch nicht probiert hat. Psychothriller, Yakuza-Actioner, Geisterfilm, Musical, Porno, Western, Kindergeschichte... Der Mann ist ein Phänomen. CROWS ZERO bzw. CROWS: EPISODE ZERO ist ein Halbstarkenmelodram, und zwar eher eine japanische Version der amerikanischen „juvenile delinquent“-Filme der 50er, aufgepeppt mit wüsten Schägereien und wildem Rock'n'Roll. Die japanische Vorstellung von Jugendkino unterscheidet sich dramatisch von der unserigen, aber das ist ja nichts Neues. CROWS ZERO (der zweite Teil ist bereits abgedreht) dürfte einer von Miikes kommerziellsten Filmen sein und serviert eine Rock'n'Roll-Fantasie à la STRASSEN IN FLAMMEN, komplett mit edelst aufgezottelten Lederjackenträgern, mit Siegern und Verlierern. Um es mal vorsichtig zu formulieren: Der Film versperrt sich den Klischees dieser Filmgattung nicht gerade, serviert die altbekannte Mahlzeit aber auf so mitreißende Weise, daß man nicht groß zum Nachdenken kommt. Die Teenager-Träume werden mobilisiert und führen zu Rock'n'Roll-Kitsch in Reinkultur und zur vielleicht derbsten Massenschlägerei, die ich jemals gesehen habe. Kurz und gut, mir gefiel der Film prima, und das trotz seiner Laufzeit von über 2 Stunden. Und damit die übliche Sieg/Niederlage-Dramaturgie nicht ganz so banal daherkommt, gibt es am Schluß auch noch einen hübschen Schlenker. Den Kopf muß man bei der ganzen Übung natürlich abschalten, aber Kopf und Rock'n'Roll – das hat sich noch niemals gereimt... Fetzt.

Bearbeitet von Cjamango, 15. Juni 2009, 18:51.

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Geschrieben 16. Juni 2009, 00:47

Visitor Q (DVD)

Der Vater ist Journalist und möchte einen Film über seinen mißhandelten Sohn drehen, damit die Quoten stimmen. Außerdem hat er Sex mit seiner Tochter, die als Prostituierte arbeitet. Der Sohn mißhandelt seinerseits die mit Wunden übersäte Mutter, die Heroin spritzt und ebenfalls auf den Strich geht. Das Leben dieser japanischen Familie ändert sich, als ein geheimnisvoller Besucher in das Haus kommt...

Tja, das ist wohl so etwas wie Takashi Miikes Antwort auf die Waltons! Mit einer Handicam gedreht, einer Schnittmontage, die an Urlaubsvideos erinnert und gelegentlich keck in das Bild ragenden Mikros, erinnert uns der Film in jedem Moment daran, daß die hier gezeigten Vorgänge auch unser Preis sein könnten. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, daß Tritte in die Magengrube zu gewärtigen sind, kann man Miikes scheinbar aus der Hüfte gedrehte Denaturierungsorgie als schwarze Komödie begreifen, in der nichts, aber auch rein gar nichts unangetastet bleibt. Wie drastisch manche Bilder auch sein mögen – der Verzicht auf konventionelle Form und Oberflächenglanz ermöglicht den Blick auf die abgrundtiefe Traurigkeit, die hinter den Vorgängen steckt und rettet den Film davor, nur eine weitere Provokation für ein zunehmend abstumpfendes Publikum darzustellen, das sich an alle Exzesse irgendwann gewöhnt. Die denkbar aufopferungswilligen Schauspieler machen ihre Sache gut. Auch laktiert wird mit Inbrunst. (Ich merkte an dieser Stelle, daß ich diesen natürlichen Vorgang noch niemals live gesehen hatte – unglaublich, was da rauskommt! Naja, die Babys müssen ja auch satt werden...) Der Film endet auf einer scheinbar glücklichen Note, aber in der Essenz sagt er wohl aus, daß nur die völlige Zerstörung der Familienstruktur zu ihrer Gesundung zurückführen kann. Ob das so ist, mögen Psychologen entscheiden. Ich trinke jetzt erstmal ein Glas Milch.

Äh, guter Film übrigens. Aber nichts für schwache Nerven. Der spinnt, der Miike. Ich mag den Mann.

Bearbeitet von Cjamango, 16. Juni 2009, 00:49.

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Geschrieben 16. Juni 2009, 15:51

The Boxer's Omen (US-DVD)

Der Hongkong-Boxer Bum Zen verliert beim Wettkampf gegen einen fiesen Thai, der mit gezinkten Karten gekämpft hat. Bums Bruder greift ein und wird vom Thai zum Krüppel gehauen. Bum schwört Rache, wird aber vorher in buddhistische Kampfhändel hineingezogen: Dunkle Mächte haben einem Mönch seine Unsterblichkeit geraubt. Um die dunklen Mächte zu besiegen, muß Bum Zen selber Mönch werden und den Magieren den Marsch blasen...

Heidewitzka, Herr Kapitän! Was ist das denn? Die Story dieses phantastischen Filmes kann man getrost in die Tonne kloppen. Es geht in erster Linie um die Darstellung buddhistischen Brauchtumes. Davon gibt es aber viel zu sehen, und das meiste davon fällt in die Kategorie jener Attraktionen, bei denen einem westlichen Betrachter die Kinnlade runterklappt und sich beständig weiter gen Boden neigt. Habt Ihr schon einmal gesehen, wie einem abgetrennten Kopf die Blutgefäße in Fadenform entweichen und einen haarlosen Mönch in einen Kokon einspinnen? Oder gelb-schwarz gepunktete Plüschspinnen, die mit Strohhalmen giftgrünen Seiber vom Boden auflecken, der eine Mischung aus altem Gehirnbrei und Fledermaussud darstellt? Nackte Zauberinnen, die in ein frisch geschlachtetes Krokodil eingenäht werden? Mönche, die in einem riesigen Tonkrug sitzen, umringt von anderen Mönchen, die gleißende Wollfäden in der Hand halten und dem in der Mitte Sitzenden telepathisch buddhistische Weisheiten unter die Haut zwiebeln? Pilze, die mit Honig bestrichen werden und Unbesiegbarkeitsseren absondern? Ich fasse das alles nicht! (Na schön, ich fasse es schon, denn ich habe den Film früher schon einmal gesehen, aber noch niemals in so guter Bildqualität!) Regisseur Kuei Chih-hung (oder Gui Zhihong) gehört zu der alten Garde von Shaw-Brothers-Regisseuren, die sich in fast jedem Genre betätigt haben. Als Paganini der Kamera würde ich ihn nicht bezeichnen, aber was THE BOXER'S OMEN so beeindruckend macht, ist die unglaubliche Energie der Bilderwelt, die einfach verstörend fremdartig ist. Gelegentlich immens eklig, gelegentlich auch niedlich im Stil der Augsburger Puppenkiste, aber immer fesselnd und kraftvoll. „Solche Drogen möchte ich auch mal nehmen!“ ist ein Gedanke unter vielen, die man beim Betrachten des Werkes haben kann. Tierfreunde werden in einzelnen Szenen Probleme haben (die Sache mit dem Krokodil sieht mir nicht nach Spezialeffekten aus, und in China essen sie schließlich auch Hunde), aber man braucht nicht Ekeleien wie in italienischen Kannibalenfilmen zu befürchten, und ich bin eh ein Weichkeks, der sich auch bei Western Sorgen um die Pferde macht... Zu den beeindruckenderen Filmen des Regisseurs gehört auch der unglaublich finstere KILLER SNAKES, der wie ein hongkongesischer Vorläufer von Abel Ferraras DRILLER KILLER anmutet. Die amerikanische DVD ist im übrigen ungeschnitten und erfreut sich – wie bereits angedeutet – einer exzellenten Bildqualität.
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Geschrieben 20. Juni 2009, 17:04

Deadgirl (DVD)

Rickie und J.T. sind zwei Kumpels und halten zueinander wie Pech & Schwefel. Das haben sie auch nötig, denn sie sind nicht gerade die populärsten Kids an ihrer Schule. Bei einem Ausflug in eine stillgelegte Irrenanstalt entdecken sie in einem abgelegenen Trakt eine angekettete und überaus nackte junge Frau, die gerade noch so lebt. Rickie will die Polizei verständigen, aber J.T. hat andere Vorstellungen. Schließlich schauen die Girls, wenn er die Szene betritt, gepflegt in eine andere Richtung. Bei einem Unfall findet er zudem heraus, daß die junge Frau nicht sterben kann. Sie schaut nur debil, grunzt und läßt sich willfährig als Sexspielzeug benutzen. Eine Zeit lang geht das auch ganz gut, obwohl Rickie Gewissensbisse plagen. Doch dann gerät den jungen Herrenmenschen die Situation aus der Hand...

Ich bin relativ schwer zu schockieren, aber wie dieser Film an seine Freigabe ab 16 gekommen ist, ist mir schleierhaft. Nachdem er etwas gesackt ist, muß ich dennoch feststellen, daß ich ihn originell und gut finde. Die beiden Regisseure gehen meistenteils provokanten Firlefanziaden aus dem Weg, erzählen die Geschichte ruhig und ernsthaft. Dem Film zugute kommt der Umstand, daß alles sehr vage bleibt. Es wird niemals erläutert, woher das Zombiemädchen kommt, ob sie übernatürliche Kräfte hat und so die pubertierenden Jungmänner quasi verhext. Fest steht, daß sie das Schwein aus den Männern herausholt, denn nahezu alle Charaktere handeln grob verantwortungslos und menschenverachtend. Das ist fast schon ein Anti-Porno-Horrorfilm. Die Attitüde seiner Protagonisten ist selbstredend nicht auf die Macher zu übertragen, die einen moralischen Standpunkt einnehmen. Dies tun sie allerdings nicht auf eine plakative, überdeutliche Weise, so daß man den Vorgängen zunächst angewidert, später zunehmend fasziniert folgt. Daß die jungen Schauspieler gute Arbeit leisten, stört absolut nicht. Wäre der Film nach traditioneller Gorebauernmanier geschustert, wäre er schwer zu ertragen, aber er entwickelt seine Geschichte konsequent und – hat man die bizarre Prämisse geschluckt – auch durchaus folgerichtig. Nur, Gesundheitswarnung – keine leichte Kost!

P.S.: Von „Ascot“ kommen in letzter Zeit richtig gute Filme. Habe da noch keinen Rohrkrepierer gesehen. DIE ERPRESSER, SPLINTER, THE SIGNAL, REC, AMOK, SO FINSTER DIE NACHT – alle zumindest gut kuckbar. Lob!

P.P.S.: Nicht mit dem (sehr feinen) DEAD GIRL von Kinowelt zu verwechseln.
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Geschrieben 20. Juni 2009, 19:29

Predators Hells Tomb (sic!) (DVD)

Max, der Bruder von Morgan Sinclair (in der Synchro ausgesprochen: Morgen Singklär!), hat im Bürgerpark eine Dämonenschatulle gefunden und macht die auf. Heraus kommt ein Trumm von Dämon, der aussieht wie der grimmige Sensenmann in MONTY PYTHONS SINN DES LEBENS. Morgen Singklär macht sich auf die Achse und hat Freunde dabei. Keine Ahnung, woher die die ganzen Freunde hat. Möglicherweise haben sie die komplett unmotivierte Duschszene gesehen, in der sie ihre Spezialausstattung kurz zur Schau stellt. In jedem Fall werden ihre Freunde weniger und weniger, denn der grimmige Sensenmann fordert seinen Tribut...

Daß solche Filme noch gemacht werden... RAUBTIERE HÖLLEN GRUFT (im Original einfach HELL'S TOMB) ist so gut, daß er nicht in der IMDb steht, genausowenig wie die drei vorangegangenen Werke des Regisseurs Neil A. Wentworth. Dieses kanadische Multitasking-Genie kann gleichzeitig die Kamera führen, Musik komponieren, schneiden, produzieren und inszenieren, und alles schlecht! Sollte ich irgendwann einmal auf eine Gruftie-Horrorkuck-Party eingeladen werden, ist dies der Film, den ich mitnehme. Gleich zu Beginn sieht man den Dämon (der Heidi heißt oder so ähnlich), wie er vor einer schlecht funktionierenden Nebelmaschine durch den Wald tanzt. Da er in die lustige Todeskitsch-Schatulle verbannt worden ist, braucht es erst einmal einen depperten Archäologen, um ihn nach jahrhundertelangem Schlaf wieder an die Umwelt zu entlassen. Und was den Archäologen sowie sämtliche anderen Schauspieler angeht, so wirken sie wie Kinder, die man in Erwachsenenklamotten gesteckt hat. Auf der Website des Filmes ist zu lesen, daß alle Schauspieler „ortsansässige Talente“ waren (erneut: keiner in der IMDb!) und alle „gelernte Schauspieler“ sind, „vielfach ausgezeichnet“. Daß ausnahmslos jeder aussieht wie eine totale Nulpe, ist die Schuld des Regisseurs, der ungnädig alle Unebenheiten des Schauspieltrainings zutagetreten läßt. Selbst Sir Laurence Olivier wäre abgestunken, hätte Orson Welles´ debiler Bruder die Kamera geführt. Am besten schneidet noch die Prolltussi mit den dicken Titten ab, die denn auch sehr auffällig bei jeder Gelegenheit in das Bild geschoben werden. Das Monster hat mich im übrigen an die alten Ulk-Spardosen erinnert, aus denen ein Skelett herauskommt und mit einer Knochenhand das Geldstück einsackt. (Zumindest war das der Plan. Funktioniert haben die Dinger nämlich nie!) Als Begleitfilm empfehle ich den italienischen Schmonzes DIE MUMIE SCHLÄGT ZURÜCK, denn der hat ein ähnliches Kaliber. Da alle Beteiligten offenbar Preise gewonnen haben, möchte ich ihnen auch einen verleihen: die goldene Leberwurst am Bande!
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#697 Cjamango

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Geschrieben 28. Juni 2009, 13:34

Ich möchte kein Mann sein (DVD)

Ossi ist die Nichte eines betuchten deutschen Geschäftsmannes. Als solche entspricht sie nicht den in sie gesetzten Erwartungen: Sie raucht, pokert und benimmt sich auch ansonsten sehr burschikos. Dem kleinen Wildfang wird ein Vormund präsentiert, der ihre Entwicklung in wünschenswertere Bahnen lenken soll. Ossi findet das aber nicht gut, läßt sich einen Herrenfrack anpassen und geht auf die Pirsch. In einer Tanzhalle trifft sie dabei auf ihren Vormund...

Zur Entstehungszeit dieses Filmes (1918) war Ernst Lubitsch bereits ein alter Hase im Komödiengeschäft. Pro Jahr präsentierte er etwa fünf Filme, die alle mehr oder weniger den Komödienkonventionen folgten. Dieser Film stellt eine Ausnahme dar, da das „cross-dressing“-Thema bislang allenfalls für Travestiefarcen à la „Charleys Tante“ herhalten durfte, in denen der spielerische Geschlechtswandel meistens der Lächerlichkeit preisgegeben wurde. ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN zäumt das Pferd von der anderen Seite auf und läßt den damaligen Komödienstar Ossi Oswalda (sehr, sehr knuffig, die Frau!) zu einem Jüngling werden, der „die andere Seite“ einer eingehenden Betrachtung unterzieht. Dabei lebt sie nicht nur ihre rebellische Ader aus, sondern konvertiert obendrein ihren milde bigotten Vormund (Curt Goetz), der im Vollrausch mit einem anderen Mann – der ja keiner ist – rumknutscht und Küßchen gibt. Zwar ist die Moral von der Geschicht nicht wirklich welterschütternd – besser ist's, wie's vorher war –, aber Filme leben eben von ihren Attraktionen, und die bestehen hier eindeutig in dem Spektakel einer hübschen Frau, die sich wie ein Mann kleidet und ordentlich auf den Pudding haut. In den zwanziger Jahren sollte dieser Trend sogar Schule machen, nicht nur in den Amüsierbetrieben des „verruchten“ Berlin, sondern auch auf der großen Leinwand: Stars wie Marlene Dietrich oder Louise Brooks waren wirklich nicht ganz das, was man sich unter einem Weibchen vorstellte. Der Film lebt also von der heimlichen Freude am Regelverstoß, den er mit viel Verspieltheit vorführt. Da Lubitsch schon damals wußte, wie man gute Komödien macht, bleibt der Film trotz seines hohen Alters sehr amüsant und ein interessantes Kuriosum aus der Zeit der Weimarer Republik.
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#698 Cjamango

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Geschrieben 30. Juni 2009, 20:18

Der Stolz der Firma (von Storch abgeworfen)

Siegmund Lachmann de Rawitsch (Ernst Lubitsch) ist ein trüber Gast auf dieser Erde. In aller Tölpelhaftigkeit versucht er sich als Verkäufer in der Herrenkonfektion, wird nach einem scherbenreichen Mißgeschick aber auf die Straße gesetzt. Sein nächster Versuch führt ihn nach Berlin, wo er feststellt, daß auch dort nur mit Wasser gekocht wird. Doch der Weg zum hochbezahlten Posten führt über das Herz einer holden Dame...

Nachdem ich mir die komplette Lubitsch-Stummfilmbox gegeben hatte (incl. guter Doku von Robert Fischer), wollte ich mir auch mal etwas aus seiner Anfangszeit zu Gemüte führen. Zur Entstehungszeit dieses Filmes (1914) arbeitete Lubitsch bereits als Theaterschauspieler bei Max Reinhardt. Es muß ein netter Kontrast gewesen sein, nächtens mit Klassikern auf der Bühne zu stehen und tagsüber in Farcen wie dieser hier den Hanswurst zu machen. Dem Vernehmen nach ist DER STOLZ DER FIRMA ziemlich repräsentativ für die Possenspiele, in denen Lubitsch für die PAGU arbeitete. Von einer eigenen Filmsprache kann man zu diesem frühen Herstellungsdatum natürlich noch nicht reden. Alles wird Tableau für Tableau abgefilmt, als Aufeinanderfolge spaßiger Szenen. Das Outfit Lubitschs erinnert etwas an eine jiddische Version von Charlie Chaplins Tramp, sein Mienenspiel an Mr. Bean auf Speed. Man kann nicht sagen, daß dieser Dreiakter auf die eleganten Gesellschaftskomödien hindeutet, die Lubitsch später einmal schaffen würde. Faszinierend anzukucken sind seine Kaspereien trotzdem, da man halt weiß, was aus ihm werden sollte. Die Botschaft ist im übrigen wesentlich konventioneller als bei Chaplin, so etwas in Richtung „Kleider machen Leute“. Der Schmock vom Anfang wird zu einem Mann von Welt. Schön, wenn es mal klappt!
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#699 Cjamango

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Geschrieben 01. Juli 2009, 19:08

Die Puppe (in der Spielwarenabteilung gefunden)

Der Baron von Chanterelle will verhindern, daß seine Familie ausstirbt. Zu diesem Behufe verspricht er eine reiche Mitgift, falls sein Sohnematz Lanzelot heiratet. Die Damenwelt der Umgebung gerät in Wallung, was Lanzelot aber in Angst und Schrecken versetzt, da er sich nicht mit Heiratsabsichten trägt. Seine Flucht führt ihn in ein Kloster, wo ihn die bargeldlosen Mönche (zwecks Erlangung der Mitgift) zu einem finsteren Plan überreden: Bei einem genialen Spielzeugmacher soll eine lebensechte mechanische Puppe angefertigt werden, die Lanzelot dann zum Schein heiraten soll. Was Lanzelot aber nicht weiß, ist, daß der Assistent des Spielzeugmachers die Puppe zerstört hat. Die Rolle der Puppe spielt dessen überaus echte Tochter Ossi, was zu Verwicklungen führt...

Ein ungewöhnlicher Vertreter des komödiantischen Dreiakters jener Tage, der vollständig in betont artifiziellen Kulissen spielt. Bevor die Handlung einsetzt, sieht man Regisseur Ernst Lubitsch, wie er Bäume und Menschen auf ein kleines Spielzeugland setzt, das daraufhin zur echten Filmkulisse wird – der Regisseur als Puppenspieler. Auch die Geschichte selber handelt von Charaden und Täuschungen: Der reiche Papi soll getäuscht werden mit einer unechten Frau; der Sohnemann wird getäuscht von einer unechten Puppe. Bis es zum Happy End kommt, vergehen 45 recht vergnügliche Minuten, die sehr profitieren vom komödiantischen Talent Ossi Oswaldas, die das diebische Vergnügen an der doppelten Täuschung, das ihre Figur empfindet, ungeschmälert auf den Zuschauer überträgt. Neben DIE AUSTERNPRINZESSIN und ICH MÖCHTE KEIN MANN SEIN mein ausgesprochener Favorit unter den frühen Lubitschen, wobei ich DIE AUGEN DER MUMIE MA noch nicht gesehen habe. Kommt heute abend dran.

Pola Negri, by the way, is also quite incredible in films such as SUMURUN, DIE BERGKATZE and MADAME DUBARRY. It's not easy to decide who the best Lu-bitch is, womit wir auch diesen dummen Kalauer über die Rampe gezerrt hätten. Hat mir auf den Nägeln gebrannt - sorry. (Uff.)
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#700 Cjamango

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Geschrieben 03. Juli 2009, 12:37

The Sea Hawk (1924) (US-Video)

Sir Oliver Tressilian hat sich in die reizende Lady Rosamund vom Schloß gegenüber verliebt und will sie ehelichen. Eigentlich müßte er als gute Partie gelten, zumal ihn die Queen gerade zum Söhr gemacht hat. Doch es hadert zwischen seiner und ihrer Familie, Neid und Mißgunst treiben Keile ins adelige Gebälk. Ganz schlimm wird es, als Olivers Halbbruder Lionel den Bruder von Rosamund erschlägt. Der untadelige Oliver hilft dem Gestrauchelten, doch er soll es bereuen: Aus Angst vor Enttarnung läßt Lionel den Bruder von Galgenstricken entführen und an die Mauren verkaufen. Freigemauert wird Oliver von den feindlichen Spaniern, unter denen er fortan eine Karriere als 1a-Galeerensträfling verfolgt. Dem einstmals hehren Oliver wächst ein eiserner Körper, allein die Seele geht verloren. Als er von Muselmanen befreit wird, schließt er sich ihnen an und bekämpft fortan spanische Schiffe, Jollen, Barkassen, um den Ruhm Allahs zu mehren. Doch als er hört, daß Rosamund ausgerechnet den verräterischen Bruder ehelichen will, wird es ihm zu bunt. Er schmiedet satanische Verse...

Der Stummfilm THE SEA HAWK hat mit dem späteren Errol-Flynn-Klassiker HERR DER SIEBEN MEERE (THE SEA HAWK) nichts zu tun, sondern ist die Verfilmung eines Werkes des durch seine Piratenromane bekannt gewordenen Rafael Sabatini. (Der schrieb u.a. auch die Vorlagen zu CAPTAIN BLOOD – der tatsächlich mit Flynn in der Hauptrolle verfilmt wurde – und THE BLACK SWAN.) Der 1924er SEA HAWK gehört neben THE BLACK PIRATE zu den ersten richtig großen „Swashbucklern“ und war ein für seine Entstehungszeit beeindruckend aufwendiger Film. Regisseur Frank Lloyd schuf in jenen Tagen so einige Großproduktionen, und während er sicherlich nicht zu den Filmpionieren der Griffith-Liga gehört, so zeichnen sich seine Filme durch ein Auge für attraktive Details aus. THE SEA HAWK wird trotz seiner 124 Minuten Laufzeit niemals langweilig, liefert im Anfangsteil saftiges – gelegentlich etwas christelndes – Melodram, das im Mittelteil durch die „Bekehrung“ des renegaten Edelmannes interessante Akzente erhält und auch reichlich Piratenaction liefert – Enterhaken ahoi! Es geht um Verrat, Familienzwist, die tragische Entwicklung eines aufrechten Mannes, Herzeleid und Haue, und damit hat man ja eigentlich alles beisammen, was man von solch einem Film erwartet. Einziges Manko ist, daß Hauptdarsteller Milton Sills zwar okay ist, aber natürlich kein kantiger Charismatiker vom Schlage eines Douglas Fairbanks oder eines Errol Flynn. (Vielleicht hätte er sich noch dazu entwickelt, wenn er nicht mit 38 Jahren beim Tennisspielen umgekippt wäre...) Für Fans von Piratenfilmen stellt der Film eine lohnende Anschaffung dar.

P.S.: Einen weitgehend komödiantischen Auftritt als saufender Galgenstrick hat Wallace Beery, dessen ihm extrem ähnlich sehender Neffe Noah später TV-Ruhm einheimsen sollte als Detektiv Rockfords Vater Rocky.

Bearbeitet von Cjamango, 03. Juli 2009, 12:38.

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Geschrieben 03. Juli 2009, 13:48

Dr. Jekyll's Dungeon Of Death (US-Video)

Der Urenkel des ehrenwerten Dr. Henry Jekyll arbeitet an der Weiterführung der Studien seines berühmten Vorfahren. Er will ein Serum herstellen, das es ihm ermöglicht, die unterdrückten Aggressionen im Menschen freizusetzen. Sein Ziel ist eine Streitmacht von unbesiegbaren, da völlig hemmungslosen Schlagetots. Gleichzeitig hat er ein blondes Gift gekidnappt, das er sich gefügig machen möchte. Die hübsche Julie hat sich wenig kooperativ gezeigt, so daß er zu harten Drogen greifen muß, um ihr ungestraft an die Möpse zu packen. Und dann ist da natürlich noch der grenzdebile Afroamerikaner Boris mit der Narbe im Gesicht...

Was soll man von einer Jekyll/Hyde-Geschichte halten, die zu etwa einem Drittel aus schlechten Kung-Fu-Szenen besteht? Nichts? Das wäre eine Lösung! Und wohl auch angemessen, denn DUNGEON OF DEATH ist eine filmische Schrotthalde. Schade eigentlich, denn ich wollte das Ding schon lange mal sehen. Der Trashfaktor leidet auch ein wenig unter der Überbetonung des Kung-Fu-Motivs, das ja bekanntlich am Herzen von Stevensons Erzählung lag und hier geradezu monomanisch zu Tode geritten wird. Die Kämpfer sind die Versuchskaninchen, an denen Jekyll sein Serum austestet, und da er nicht nur ein atemberaubend schlechter Schauspieler ist, sondern obendrein ein Pfuscher, kloppen sie sich gefühlte 3 Stunden gegenseitig auf die Omme. (Scheinbar wählt Jekyll seine Testpersonen im Sportstudio um die Ecke aus, denn es handelt sich durchweg um wohldefinierte Männer und Frauen, die offensichtlich eine ausgiebige Ringkampf- bzw. Kung-Fu-Ausbildung genossen haben.) Die Handlung soll sich angeblich im Großbritannien der 1960er Jahre zutragen. Jekyll aber bewohnt ein Haus, das vollgestellt ist mit viktorianischem Zinnober. Außerdem reden alle Charaktere fortwährend gestelzt, der Vater von Jekylls Gefangener in akzentfreiem Britisch, Jekyll und alle anderen Schmierenchargen aber ohne jeden britischen Einschlag. Der Schmierist, der Jekyll mimt, ist ohnehin eine Schau: Abgesehen davon, daß sein Mienenspiel und sein Gehampel bei jeder Schultheateraufführung Buhrufe hervorlocken würden, sieht er aus wie der Pralinenvorkoster des Sultans von Schischkebab. Die Suche nach Drogen liegt bei solch einer verkrachten Existenz nahe, doch sollten es dann doch solche sein, die ins glückseligmachende Nirvana führen. Der Darsteller des Vaters von Julie ist auch eine ziemliche Nulpe, hat aber gelegentlich amüsant pathetischen Dialog aufzusagen, á la: „No, Jekyll, you are a monster, a fiend! I will never participate in this monstrosity! This is madness!“ Die ganze Zeit geht das so. In der IMDb hat ein Rezensent sehr zutreffend geschrieben, daß dies einer jener Filme ist, die man nur in Häppchen von ca. 20 Minuten durchbekomme. Man schaue aber immer weiter, da man wissen will, zu welchen Tiefen das Drehbuch noch absinkt. Er vergleicht das mit einem Bus voller Waisenkinder, dessen Bremsen versagt haben und der den Berg herunterkollert, in den sicheren Tod. Das trifft es eigentlich ganz gut...
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Geschrieben 04. Juli 2009, 16:01

Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort (DVD)

Nachdem Weltraumschiff MR-1 auf dem Mars gelandet ist, gibt es Probleme unbekannter Art. Der Kontakt bricht ab, das Raumschiff wird abgeschrieben. Völlig unerwartet ergeben sich aber Möglichkeiten, den Ausreißer wieder auf die Erde zurückzuholen. Die einzige Überlebende (wie es scheint) erzählt eine haarsträubende Geschichte...

Tja, von allen 50er-Jahre-SF-Trashern gehört THE ANGRY RED PLANET noch zu den genießbarsten, hat man sich erst einmal damit abgefunden, daß man es nicht mit einem ALARM IM WELTALL zu tun hat... Wie hanebüchen das Drehbuch auch sein mag, wie unterirdisch die Schauspielerleistungen und wie grotesk die Spezialeffekte – der Film serviert seine kunterbunten Attraktionen mit großer Schaustellerchuzpe und im wahren Geist des Exploitationkinos. Regisseur Ib Melchior – ein gebürtiger Däne – hatte den klugen Einfall, die schebbigen Kulissen zumindest in den Mars-Sequenzen durch ein speziell entwickeltes Trickverfahren – das großspurig „Cinemagic“ oder so genannt wurde – zu verfremden, so daß auch die teilweise im Marionettenverfahren animierten Monster einigermaßen „spooky“ aussehen. Tatsächlich sind die Marsbewohner recht erinnerungswürdig – die riesige Fledermaus-Spinne schaffte es ja sogar auf das Cover einer „Misfits“-Platte! Es gibt zudem noch einen Killerbaum und einen Riesenoktopus zu bewundern. Das finale Ungetüm ist eine gigantische Amöbe, die vermutlich nicht von ungefähr an handelsübliche Götterspeise erinnert. Der Film präsentiert in exemplarischer Weise bekannte Versatzstücke der damals gängigen Science Fiction. Es gibt natürlich eine, na ja, schöne Frau, die sich in der Männerwelt behaupten muß: Naura Hayden als rothaarige Wissenschaftlerin sieht aus, als könne sie einen Erlenmeyerkolben nicht von einer Gießkanne unterscheiden. Physisch ähnelt sie einer Mischung aus der jungen Alida Valli, Ingrid Bergman und einem Hutständer, wobei sie sich schauspielerisch eher an dem Hutständer orientiert. Ich habe hölzerne Indianer gesehen, die lebendiger wirkten. Als Held fungiert Gerald Mohr, der militärische Tausendsassa, der sich immer hübsch in Positur schmeißt, die Hand an der Hüfte. Die anderen beiden Mannsbilder sind nur dazu da, damit sich die Virilität des Helden so richtig schön erweisen kann. Besonders tragisch ist das im Falle des sogenannten „Sicherheitsoffiziers“ Sammy. Als ich den Film einmal mit Cora kuckte, schenkte sie mir den Begriff „Debiler Kindmann“, der einen Typus bezeichnet, dem man in der Tat in vielen Filmen dieser Art begegnet. Er ist der nette Einfaltspinsel, der niemals die Frau bekommen darf. Tatsächlich kaspert er einige Male klassenclownesk vor dem hölzernen Indianer herum, wobei schon klar ist, daß die Wissenschaftlerin den strammen Militärmax bevorzugt. Der debile Kindmann darf auch von allen anderen angetatscht werden. In einer besonders tollen Szene stützt sich der Held sogar mit seinem Ellenbogen auf dem DK ab, seine Dominanz durch einen infamen Akt stummer Demütigung unterstreichend. Der DK ist eine arme Sau. Der ältere Wissenschaftler, auf der anderen Seite, stellt so etwas wie den impotent gewordenen Helden dar. Ein Wunder, daß er im Raumschiff nicht auch noch eine Pfeife raucht! Kurzum, ein angemessen temporeicher und pittoresker Billig-Schlocker, der gerade im Rahmen einer „Science Fiction Classic Box“ („Über 370 Min. Laufzeit!“) veröffentlicht wurde. Dort heißt er „Abenteuer auf dem Mars“. Ich weiß nicht, ob das so richtig ist, daß der Vorspann fehlt, aber ansonsten war er komplett, die Qualität okay, und für 11 Euro stelle ich keine Fragen, zumal noch zwei japanische SF-Filme plus eine David-Winters-Arschbombe mit Reb Brown, John Phillip Law UND Cameron Mitchell mit drauf waren... Latte bis ans Kinn!

Bearbeitet von Cjamango, 04. Juli 2009, 16:04.

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Geschrieben 04. Juli 2009, 23:29

Sukiyaki Western Django (DVD)

Irgendwo in Nevada. Zwei verfeindete Klans – der Einfachheit halber in Rot und Weiß gewandet – machen eine Kleinstadt unsicher. Beide suchen nach einem legendären Goldschatz, doch wichtiger als das Gold ist der alltägliche Schrecken, den sie säen. Da kommt ein geheimnisvoller Fremder in die Stadt...

Tja, von YOJIMBO zu FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR und wieder zurück... Daß von Takashi Miike keine simple Genrekost zu erwarten wäre, war klar gewesen. Das Ergebnis ist Cilcus Klone bzw. eine Asienshow von André Heller, bei der André Heller beide Eier weggeschossen werden. Eigentlich keine schlechte Sache also. Von der extrem überreizten Anfangsszene mit Quentin Tarantino als Revolvermann Ringo bis zum aufregenden Showdown wirbelt alles wild durcheinander. Normalerweise hätte ich den Film hassen müssen, da mir solche Hochoktanübungen – zudem in nachbearbeitete Knallbuntbilder gehalten – arg zuwider sind. Aus irgendeinem Grund zündete SWD aber bei mir, da er dem Gaststar Tarantino eines glänzend nachmacht – aus völlig disparat scheinenden Elementen etwas Neues formen. Einen Wilden Westen zu konstruieren, der von japanischer Architektur geprägt ist und in dem praktisch nur Asiaten herumlaufen, ist gar nicht so abstrus, wie es klingen mag. Die Italiener hatten einst ihre eigene Konzeption der amerikanischen Pionierzeit feilgeboten, oder, genauer: ihre Version der Hollywood-Abbildung besagter Pioniertage. Takashi Miike mixt nun die Klischees des klassischen Samurai-Epos mit jenen des Spaghettiwesterns. Heraus kommt ein wilder Hybride, der eigentlich sich selbst zum Trotz funktioniert. Als ein wenig störend empfand ich lediglich die spielerische Attitüde, die den Film durchzieht. Manchmal wünsche ich mir doch, Miike würde mal wieder etwas komplett Ironiefreies machen. (Das kann er nämlich auch, siehe GRAVEYARD OF HONOR.) Ich finde das Ergebnis aber deutlich netter als die entsprechenden Post-Tarantino-Werke von Robert Rodriguez, deren chronische Augenzwinkerei immer etwas Besserwisserisches und Großtuerisches an sich hat. Tante Meta und ihre Ebene sind bei Miike noch ein bißchen niedlicher verpackt, trotz all des Blutes. So bedient sich der Anführer der „Roten“ bei Shakespeares „Heinrich VI.“, weil da angeblich alles drin sei. (Hadder ja irgendwo recht!) Seinen Untergebenen befiehlt er bei Todesstrafe, ihn nur noch „Heinrich“ zu nennen... Die japanischen Cowboys sind übrigens genauso generalprimitiv wie ihre italienischen Gegenstücke und verstehen von solchen Geschichten nur Bahnhof. Was gibt's noch? Es gibt einen kleinen Jungen, der seine Sprache verloren hat, als er die Ermordung seines Vaters miterlebte. Es gibt eine rattenscharfe, wenn auch in die Jahre gekommene Revolverheldin, die Schluß macht im Quadrat. Es gibt Anspielungen auf mindestens ein Dutzend bekannter Western. Es gibt Leichen ohne Ende. Und am Schluß ertönt eine japanische Version des berühmten „Django“-Schluchzers von Enriquez Bacalov. Nach anfänglichem Schluckauf, der sich bald legte, habe ich mich prima amüsiert. Kann ich nicht anders sagen...
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Geschrieben 06. Juli 2009, 12:18

Lady Snowblood (DVD)

Gegen Ende der Tokugawa-Periode herrschen soziale Unrast und adelige Willkür. Nach außen hin will das Land sich dem Westen angleichen, aber in Wirklichkeit sucht jeder nur nach seinem eigenen Vorteil. Zusätzlich sorgt ein neues Wehrgesetz für Ungerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund kommt es zu einem abscheulichen Verbrechen. Ein Kind der Rache wird geboren – Yuki Kashima, genannt „Lady Snowblood“. Blutrot ist der Haß in ihrem Herzen, blutrot ist der Schnee, auf dem sie wandelt. Sie wird nicht Ruhe geben, bevor das Unrecht bis zum letzten kosmischen Staubkorn getilgt ist...

Eine weitere Inspiration für Quentin Tarantinos KILL BILL. Anders als die KOSURE OKAMI-Reihe, die stilvoll vor sich hin mäandert, sind die Bahnen, die Lady Snowblood in ihrem Tun lenken, präzise und von der Klarheit eines Bergsees. Ihre ganze Existenz ist ein Gedicht an die Rache, ein Versuch, Sinn zu schaffen, wo kein Sinn herrscht. Vom ersten Moment an, wenn die Schmerzensschreie der Mutter und die Geburtsschreie des Kindes durch das Gefängnis gellen, führt das Schicksal die Feder, unterstützt von einem Chronisten, der die Geschichte der Vergeltung in vier Kapitel einbindet. Der prachtvoll fotografierte Film gehört zu jenen Leinwandwerken, bei denen mir einfach nur noch die Kinnlade herunterklappt, so überwältigt bin ich von der Schönheit des Gezeigten. Ob Schnee sachte herniederrieselt oder sich Menschen in Springbrunnen verwandeln – alles gehört zusammen, fügt sich zusammen, mit der Rächerin als Erfüllungsgehilfin des unaufhaltsamen Ablaufs der Dinge. Die wunderschöne Meiko Kaji war auch in den glänzend gemachten FEMALE PRISONER SCORPION-Filmen zu sehen. Hier spielt sie eine Heldin, die nicht selbst Geschichte schreibt, sondern ein Werkzeug von Mächten ist, die ihren Ursprung wie ihr Ende bedeuten. (Hierzu sei vermerkt, daß sie auch in der gleichfalls schönen Fortsetzung zu sehen war.) Das ist einfach prachtvoll anzuschauen. Bin einmal mehr begeistert!
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#705 Cjamango

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Geschrieben 08. Juli 2009, 09:16

Wrong Way (US-Video)

Zwei junge Damen befinden sich auf einem Autotrip durch das amerikanische Hinterland, und zwar dort, wo es am hinterlandigsten ist. Ein geborstener Kühler zwingt sie zur Saumseligkeit. Da sie den Film LAST HOUSE ON THE LEFT nicht gesehen haben, reagieren sie enthusiastisch, als sie einer Horde gesellschaftlicher Randexistenzen begegnen. So sind sie auch sehr überrascht, als sie auf einmal als Gratisbeilage eines Hillbilly-Drogendeals herhalten müssen. Sie gehen durch die Hölle, und da es dort sehr heiß ist, haben sie sehr wenig an dabei.

Bei WRONG WAY handelt es sich angeblich um eine Legende aus den frühen Tagen der britischen Videoindustrie, lange bevor es so etwas wie „Video Nasties“ gab. Möchte man den Film genretechnisch einordnen, bietet sich „rape & revenge thriller“ an, nur daß es hier keine Revenge gibt – die bösen Hinterwäldler steigen in einen Wagen und werden nicht mehr gesehen! Statt der vollen Jungfrauenquell-Packung setzt es dann einen überraschenden Nachklapp, in dem die Mädels einer der unspektakuläreren Hippie-Sekten in die Arme laufen, die gerade dabei ist, einen Leichnam zu verscharren. Der Sektenführer hat einen lustigen Umhang an und sieht aus wie der Zauberer Zwackelmann. Auch hier dominiert alternative Freizeitgestaltung, die dann abrupt endet, als das ursprünglich abgedrehte Filmmaterial scheinbar erschöpft war. Statt einer Auflösung lernen wir auf einmal zwei alte Männer kennen, die unglaublich viel Brillantine im Haar haben und eine unter Drogen gesetzte Nymphomanin mit sich führen. Mit jener setzt es dann eine der unappetitlichsten Sexszenen, die ich jemals bezeugen durfte. Ich sage „durfte“, weil das tatsächlich so igittigitt ist, daß ich vorm Fernseher laut lachen mußte. Speziell eine Einstellung, in der das Genital des einen Schmierlappens unterhalb eines faltigen Hinterteils herunterbaumelte, riß mich zu einem Lachkrampf hin. (Zitat Mitkucker: „Ist das sein Dödel oder ist das ein Ei?“ Wohl eher letzteres, aber ich möchte es nicht beschwören...) Die Vergewaltigungsszenen sind ausgewalzt, aufgrund der raffiniert eingestreuten Hippie-Trällereien und der verhascht grinsenden Gesichter der Darsteller aber nicht so anstößig, wie das hier klingt. Die Drogendealer sind übrigens sehr pittoresk: ein schlaksiger Hanswurst und ein dicker Rocker, der für sein Leben gerne Eier aussaugt. Sobald es sich herausmendelt, daß die Ereignisse entgleisen, geben sie auch Fersengeld. Die Filmmusik ist trotz (oder gerade wegen) ihrer grotesken Deplaziertheit sehr eingängig und geht noch lange mit einem um, auch wenn man sich das eigentlich nicht wünscht. Besonders hübsch ist ein Song, in dem ein offensichtlich komplett zugedröhnter Zeitgenosse Profunditäten absondert über die Leere, die in den Menschen rasselt. Wer dieses merkwürdige Machwerk verbrochen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. In den Credits wird wahlweise ein Ray Williams oder ein Ron Kelly angegeben. Da verschiedene der Darsteller für Softsex-Entrepreneur und Ed-Wood-Weggefährte A.C. Stephens (ORGY OF THE DEAD!) gearbeitet haben (René Bond und Ron Darby) und der Film auch von dessen Vertrieb betreut wurde, mutmaße ich, daß Herr Stephens hier vermutlich das Material zu einem nicht fertiggestellten LHOTL-Klon besaß und einige Szenen nachdrehte, u.a. den Epilog mit den beiden Schmiergangstern und ihrer Nymphomanin, die sich ein ganz unglaubliches Feuergefecht mit Provinzpolizisten liefern. Außerdem gibt es einen seinen Dialog hauptsächlich improvisierenden Sheriff, der auch schon gerne mal minutenlang in Büschen herumkraucht und sinnlose Dinge in Funkgeräte spricht. Das Schicksal der Hippies um Zauberer Zwackelmann wird in geraffter Form und ohne Originalton dargestellt, untermalt vom Gesülze des wackeren Gesetzeshüters. Gemessen an der Ekelhaftigkeit und Dummdreistigkeit neuerer LHOTL-Epigonen ist WRONG WAY fast schon niedlich, was aber nicht an der grundhumanistischen Gesinnung seiner Macher liegt, sondern am obwaltenden Dilettantismus, der die abstoßenden Ereignisse in den Bereich des absurden Theaters rückt. Wie Immo sagen würde: „Ich lehne den Film politisch ab.“ Gleichzeitig kann ich aber auch nicht sagen, daß mich die 75 Minuten Lebenszeit, die ich mit ihm verbracht habe, reuen. Und die beiden faltigen Schmierglatzen aus der drangetackerten Zusatzhandlung sind wirklich ganz großes Kino. So möchte wirklich niemand enden, aber wenigstens hatten sie ihren Spaß...
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