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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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THE LOST MOMENT (Martin Gabel/USA 1947)



"I never sleep. I hear every sound in this house."

The Lost Moment (Briefe aus dem Jenseits) ~ USA 1947
Directed By: Martin Gabel

Der New Yorker Verleger Lewis Venable (Robert Cummings) bemüht sich um das literarische Erbe des romantischen Dichters Jeffrey Ashton, der Mitte des 19. Jahrhunderts unter ungeklärten Umständen verschwunden ist. Jener Poet hatte offenbar einen regen Briefwechsel mit seiner damaligen Geliebten, der venezianischen Edeldame Juliana Bodereau (Agnes Moorehead). Mittlerweile steinalt lebt diese mitsamt ihrer jungen Nichte Tina (Susan Hayward) noch immer in dem einst prächtigen, zusehends verfallendem Herrenhaus in der Lagunenstadt. Um an die Briefe Ashtons zu gelangen, gibt sich Venable als Autor aus, der die Atmosphäre des Hauses benötige, um sein neuestes Werk zu vollenden. Dabei macht er sowohl die Bekanntschaft der uralten Juliana als auch die Tinas, die, eigentlich eine reservierte und kühle Frau, nächtens bizarre Regressionen durchlebt, während derer sie sich als ihre eigene, Jeffrey Ashton hinterherschmachtende Tante in jungen Jahren wähnt. Zunehmend von Tina fasziniert, sieht sich Venable bald mit der Entscheidung konfrontiert, seiner Liebe zu der hilfebedürftigen Schönheit stattzugeben, oder mit Ashtons Briefen das Weite zu suchen...

Ein vergessenes, kleines Kunstwerk der Schauerromantik, einst vom Produzenten Walter Wanger als Vehikel für seine von ihm heißbegehrte Muse Susan Hayward vom Stapel gelassen, die mit dem Ergebnis jedoch wohl nicht ganz zufrieden war. Der Publikumsandrang hielt sich denn auch in überschaubaren Grenzen, "The Lost Moment", eine der ersten Henry James-Adaptionen, stieß auf weitflächige Ablehnung und Unverständnis. Für Martin Gabel, der hier und da immer wieder als Film- und TV-Schauspieler in Erscheinung getreten ist, blieb es die einzige Regiearbeit. Ein Jammer, denn seine Fähigkeit zu gezielter Evokation von Atmosphäre ist nicht von der Hand zu weisen. Venedig als Schauplatz der Handlung ist angesichts der zumeist im und um das Haus Bodereau angesiedelten Atelier-Aufnahmen reine Makulatur und lediglich der Konstruktion der Vorlage geschuldet; die Ahnung allerdings, dass Venedig hinter und vor allem unter seinen alten Mauern längst vergessene Mysterien und Geheimnisse birgt, ist und bleibt omnipräsent. An der Beleuchtung hätte man hier und da feilen können, ein nächtlicher Erkundungsgang Venables durch das unüberschaubare Haus, der dazu dient, den Ursprung ferner Pianoklänge ausfindig zu machen, verschenkt Wanger indem er ihn von der Dunkelheit verschlucken lässt. Dennoch bleibt ein beachtliches Werk, an dem James-Anhänger trotz mancher Änderungen ihre Freude haben werden.

8/10

Martin Gabel Venedig Literatur Henry James



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Funxton

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