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Short Cuts


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November 2014 Alle Filme


...und schon wieder ein Filmmonat vorbei. Frei nach pasheko und Bastro alle Sichtungen aus November in chronologischer Reihenfolge.


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Tepepa 1969 (Giulio Petroni) 7/10
El Topo 1970 (Alejandro Jodorowsky) 9/10
Whatever Works 2009 (Woody Allen) 7/10
Panic Room 2002 (David Fincher) 7/10 *
Giù la testa (Todesmelodie) (Sergio Leone) 9-10/10 *
Viva Zapata ! 1952 (Elia Kazan) 9/10 *
The Woman in Black 2012 (James Watkins) 6-7/10
Rosetta 1999 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 9/10
Le silence de Lorna (Lorna´s Schweigen) 2008 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
Deux jours, une nuit (Kino) (Zwei Tage, eine Nacht) 2014 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
l´enfant (Das Kind) 2005 (Jean-Pierre & Luc Dardenne) 8/10
Amour (Liebe) 2012 (Michael Haneke) 9/10
La pianiste (Die Klavierspielerin) 2001 (Michael Haneke) 8/10
Sånger från andra våningen (Songs from the second floor) 2000 (Roy Andersson) 8-9/10
Du levande (Das jüngste Gewitter) 2007 (Roy Andersson) 8/10
Umberto D. 1952 (Vittorio De Sica) 10/10
Aus dem Leben der Marionetten 1980 (Ingmar Bergman) 8/10
El Cid 1961 Anthony Mann) 7-8/10
Miracolo a Milano (Das Wunder von Mailand) 1951 (Vittorio De Sica) 10/10
Dallas Buyers Club 2013 (Jean-Marc Vallée) 8/10
The Signal 2014 (William Eubank) 4/10
Godzilla 2014 (Gareth Edwards) 6/10
Evangerion shin gekijôban : Jo (Evangelion 1.01 : You are (not) alone
2007 (Hideaki Anno, Kazuya Tsurumaki, Masayuki) 6/10
Akira 1988 (Katsuhiro Ôtomo) 9/10 *
Les maîtres du temps (Herrscher der Zeit) 1982 (René Laloux) 8/10 *
Le planète sauvage (Der phantastische Planet) 1973 (René Laloux) 9/10
The Reflecting skin 1990 (Philip Ridley) 9/10 *
The Passion of Darkly Noon 1995 (Philip Ridley) 7/10 *
Jack the Ripper 1976 (Jess Franco) 8/10
E tu vivrai nel terrore ! L´aldilà (The Beyond / Über dem Jenseits) 1981 (Lucio Fulci) 8/10
I quattro dell‘ appocalisse (Verdammt zu leben – Verdammt zu sterben !) 1975 (Lucio Fulci) 9/10
Behold a pale Horse 1964 (Fred Zinnemann) 8-9/10
The Shooting 1966 (Monte Hellman) 10/10 *
Ride in the Whirlwind 1966 (Monte Hellman) 9/10
Interstellar (Kino) 2014 (Christopher Nolan) 5-7/10
2010 1984 (Peter Hyams) 6/10
Capricorn One 1978 (Peter Hyams) 8/10 *
Vampyros Lesbos – Die Erbin des Dracula 1971 (Jess Franco) 6/10
Sie tötete in Ekstase 1971 (Jess Franco) 7/10
Suspiria 1977 (Dario Argento) 10/10 *
Boyhood 2014 (Richard Linklater) 10/10 *

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Oktober 2014 Alle Filme


.... ein Monat vorbei und hier mal wieder frei nach Pasheko und Bastro alle Filmsichtungen des Monats.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
(Kino) = im Kino gesehen
(short) = Kurzfilm


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Valerie a týden divu (Valerie – Eine Woche voller Wunder) 1970 (Jaromil Jires) 8/10
Under the Skin (Kino) 2013 (Jonathan Glazer) 8-9/10
Innocence 2004 (Lucile Hadzihalilovic) 7/10
Flandres (Flandern) 2006 (Bruno Dumont) 5/10
Twentynine Palms 2003 (Bruno Dumont) 6/10
Paradies : Liebe 2012 (Ulrich Seidl) 8/10
Paradies : Glaube 2012 (Ulrich Seidl) 7/10
Paradies : Hoffnung 2013 (Ulrich Seidl) 6/10
Der Ball (short) 1982 (Ulrich Seidl) 6-7/10
Models 1999 (Ulrich Seidl) 5/10
Ett hål i mitt hjärta (A Hole in my Heart) 2004 (Lukas Moodysson) 5/10
Vi är bäst ! (We are the best !) 2013 (Lukas Moodysson) 7/10
Out of the Blue 1980 (Dennis Hopper) 9/10
Colors 1988 (Dennis Hopper) 7/10
New Jack City 1991 (Mario Van Peebles) 4/10 *
Gone Girl (Kino) 2014 (David Fincher) 8/10
The Hot Spot 1990 (Dennis Hopper) 6-7/10
Zodiac (DC) 2007 (David Fincher) 8/10 *
True Detective (Season 1) 2014 (Cary Fukanaga) 8-9/10
Night and the City 1950 (Jules Dassin) 10/10 *
Blue Jasmine 2013 (Woody Allen) 8-9/10
The Descendants 2011 (Alexander Payne) 7/10
Wir Kellerkinder 1960 (Jochen Wiedermann) 9/10 *
Nachts wenn der Teufel kam 1957 (Robert Siodmak) 8/10
The Naked City 1948 (Jules Dassin) 8-9/10
Brute Force 1947 (Jules Dassin) 9/10
Les yeux sans visage (Augen ohne Gesicht) 1960 (Georges Franju) 9/10
Kill List 2011 (Ben Wheatley) 8/10
The Punisher 1989 (Mark Goldblatt) 8/10 *
Galaxina 1980 (William Sachs) 4/10
The Nest 1988 (Terenc e H. Winkless) 5/10
The Raven 1963 (Roger Corman) 8/10 *
Stoker 2013 (Park Chan-Wook) 7/10
The Big Easy 1986 (Jim McBride) 7-8/10
No Way Out 1987 (Roger Donaldson) 7/10 *
Absolute Power 1997 (Clint Eastwood) 6/10 *
Play Misty for me 1971 (Clint Eastwood) 8/10
The Sentinel 1977 (Michael Winner) 7/10
Halloween II 1981 (Rick Rosenthal) 6/10
Halloween II (DC) 2009 (Rob Zombie) 7/10

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Magical History Tour : Wir Kellerkinder (Hans-Joachim Wiedermann) BRD 1960


Wir Kellerkinder


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Die deutsche Vergangenheit ist unbewältigt. Der Innenminister ist sehr unzufrieden mit der deutschen Filmlandschaft und hat es sich in den Kopf gesetzt zur Eröffnung der Berliner Filmfestspiele einen Film über Hakenkreuz Schmierer, die auf frischer Tat ertappt werden, zu zeigen. Leider gibt es solch Material in Westdeutschland nicht. Die "Neue Deutsche Schau" beauftragt Reporter Kemskorn (Eckard Lux) und Kameramann Kenschke (Ralf Wolter) solch Film nachzudrehen, gegen entsprechende Bezahlung. Doch dies führt zu nichts, da niemand auch nicht für Geld ein Hakenkreuz an eine Wand malen will. Abends vor einem Jazzkeller treffen die Reporter dann aber auf Macke Prinz (Wolfgang Neuss) und seine Freunde Artur (Wolfgang Gruner) und Adalbert (Jo Herbst), die just im Keller am jazzen waren und gerade frisch aus der Klapsmühle kommen. Als sie von der Polizei überrascht werden, flüchten sie in den Jazzkeller. An diesem historischen Ort erklärt Macke den Herren von der Presse, warum er bereit war ein Hakenkreuz an die Scheibe zu malen. Eine Geschichte, die 1938 mit ihm als 11jähriger Pimpf im Jungvolk, in diesem Keller begann.

Wir Kellerkinder ist subversives und anarchisches Gold. Neuss reagierte mit diesem Film auf den kurz zuvor entstandenen Wir Wunderkinder von Kurt Hoffmann an dem er, zusammen mit seinem Partner Wolfgang Müller auch maßgeblich beteiligt war und denen es auch zu verdanken ist, dass Hoffmans Film durch die satirische Rahmung nicht vollends in die typischen Klischees deutscher Geschichtsaufarbeitung driftet. Ebenso wie der Hoffmann Film wirft Wir Kellerkinder einen Rückblick in die Jahre des Nationalsozialismus. Zuerst versteckt Macke den Kommunisten Knösel vor den Nazis, später nach dem Krieg versteckt er seinen Vater 4 Jahre lang vor der Entnazifizierung in der selben Kohlenkiste in der Knösel gelegen hat. Später wird er Knösel wiedersehen, wie der mit Büchern über seine Zeit im Osten Kohle macht und zwar im Westen. Im Osten treffen sie auch auf den alten Ortsgruppenleiter, einst ein strammer Nazi, der nun ein sozialistischer Theaterleiter ist und ausgerechnet mit Mackes Schwester verheiratet, die damals engagiertes Jungmädel war. Dazu kommt noch das Adalbert an einem HItler-Komplex leidet, da er durch sein Aussehen immer wieder mit dem Führer verwechselt wird und durch die entgegenkommenden Reaktionen "Damals war ja alles besser" jedesmal anfängt Reichsparteitagreden zu halten.
Neuss teilt hier ordentlich in alle Richtungen aus und zeigt in seiner satirischen und kabarettistischen Art, mit viel Baaliner Schnauze, wie schnell doch Ideologien zu wechseln sind. Angesichts der Tatsache, dass der deutsche Durchschnittsbürger im Grunde immer noch die gleichen Parolen parat hat, wie 20 Jahre vorher, kann man ja auch nur irre werden.

Aber wie sagt Neuss am Ende so schön, als der Kellerkinder-Film fertig ist, ihn aber niemand sehen will :

"Das sind wir Alle. Ein ganzes Volk auf Zelluloid. Ist das nun negativ oder positiv ?"


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9/10

Wolfgang Neuss Satire Nationalsozialismus Wirtschaftswunder DDR Ideologie Verdrängung Bewältigung Jazz Berlin Psychatrie Magical History Tour


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Ansikte mot ansikte (Von Angesicht zu Angesicht) SE/I 1976 (Ingmar Bergman)


Ansikte mot ansikte (Von Angesicht zu Angesicht) (Kino-Fassung)


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Die Psychiaterin Jenny Isaksson (Liv Ullmann) wohnt derzeit bei ihren Großeltern (Gunnar Björnstrand & Aino Taube), da das neue Haus, welches sie zusammen mit ihrem Mann (Sven Lindberg) gebaut hat, der ebenfalls Psychiater ist und sich beruflich in den USA aufhält, noch nicht bezugsfertig ist. In diesen Räumlichkeiten wird sie in Träumen, Erinnerungen und Halluzinationen von Bildern heimgesucht, die stark mit ihrer Kindheit, welche sie auch zum großen Teil bei ihren Großeltern verbrachte, verknüpft scheinen. Auf einer Party der Frau des Chefpsychiaters, den sie vertritt, trifft sie den Arzt Dr. Tomas Jacobi (Erland Josephson), der ihr offen und direkt erotische Avancen macht. Nach der Party gehen sie zu ihm nach Hause. Jenny, die sehr distanziert auf seine Avancen reagiert, lässt sich durch ein Taxi nach Hause fahren. Sie erhält einen anonymen Anruf, der sie in ihr ehemaliges, leerstehendes Haus lockt in dem sie eine ihrer Patientinnen, Maria, findet und zwei Männer, die sie belästigen. Nachdem einer versucht sie zu vergewaltigen, läßt er von ihr ab weil er sie zu "eng" findet. Als Tomas und Jenny sich nach einem Konzertbesuch wieder bei Tomas einfinden erzählt sie Tomas von dem Vorfall und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Am nächsten Morgen bringt er sie zurück zur Wohnung ihrer Großeltern, wo sie für einige Tage entkräftigt in einen komatösen Schlaf fällt. Als sie eine Morgens nach dem Aufstehen wieder von den Bildern einer kalt blickenden, in schwarz gekleideten alten Frau heimgesucht wird, versucht sie sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. In der folgenden Traumsequenz findet sie sich mit rotem Kleid und Hut bedeckt in einem Haus wieder auf der Suche nach ihren Eltern. Ihre Großmutter liest eine Geschichte vor, die ihr Angst macht und auch die Frau in schwarz taucht wieder auf und bedrängt sie. Als sie erwacht, findet sie sich im Krankenhaus wieder. Tomas, der sie dorthin gebracht hat, weilt bei ihr. Während ihrer Genesung erlebt sie weitere Träume und Halluzinationen in denen sie u.a. ihre Eltern, die während eines Unfalls starben, zur Rede stellt, sich von Patienten angeekelt fühlt und ihnen Medikamente verschreibt, sich selbst in einem Sarg liegen sieht und diesen in Brand steckt oder die Stimme einer alten Frau hört, die droht sie zur Strafe in einen Schrank zu sperren.
Sie erzählt Tomas von ihrer Kindheit, vom frühen Tod ihrer Eltern, von ihrer Angst davor gezüchtigt und bestraft zu werden insbesondere von ihrer Großmutter. Während dieser längeren Unterredung hat Jenny einen heftigen Nervenzusammenbruch und durchlebt all ihre verdrängten Ängste. Als Tomas wegfährt, scheint Jenny sich wieder langsam zu erholen. Sie bekommt Besuch von ihrem Mann, der seine Arbeit aber nicht im Stich lassen will und nur für ein paar Stunden bleiben kann. Auch ihre Tochter (Helene Friberg), die zum ersten Mal allein ihre Ferien in einem Camp verbringt, besucht sie und hört sich schweigend an was ihre Mutter zu sagen hat. Jenny kehrt zu ihren Großeltern zurück. Ihr Großvater hatte einen Schlaganfall und ist nun total auf die Hilfe der Großmutter angewiesen. Als sie beobachtet wie der Großvater gepflegt wird kommt sie zu dem Schluß, dass die Liebe allumfassend bis in den Tod reicht. Sie ruft in der Klinik an und gibt Bescheid, dass sie bald ihre Arbeit wieder aufnehmen wird.


Ähnlich wie Szenen einer Ehe beruht auch Von Angesicht zu Angesicht, als Kinofassung, auf einem Tv-Mehrteiler. Wurde allerdings schon von Anfang an für die Kinoauswertung konzipiert. Die gesichtete Kinofassung ist somit um ca. 45 Minuten kürzer als die Tv-Fassung. Damit wäre der Knackpunkt bei dieser gesichteten Fassung auch schon umrissen, denn das die Kinofassung auf einer wesentlich längeren beruht, sieht man dem Film auch durchaus an.

Von Angesicht zu Angesicht versammelt unzählige Motive aus Bergmans Schaffen. Ein wahres Potpourri wird einem hier geboten und es ist wohl auch so, dass hier durch Liv Ullmanns Ausagieren einer Psychose, Bergmans Ängste auf der Leinwand förmlich ausbrechen. Thematisch angesprochen werden auch hier wieder die Themen : Angst vor dem Altern und vor dem Tod, die verdrängten Ängste der Kindheit, die in Form von alptraumhaften Erscheinungen hervorbrechen, das Hinterfragen der eigenen Identität, der Geschlechterrolle, der Schlüssel, der im verdrängten Unterbewusstsein liegt und die Anklage der Eltern.
Themen, die er auch filmisch aus bekannten Motiven seines Schaffens hier zusammensetzt.

Ersteinmal ist es aber der Film einer Psychose, einer Krise, einer Krankheit. Wir sehen eine selbst und pflichtbewusste Frau, im Leben stehend, die gleich zu Beginn, bei ihren Großeltern, von Halluzinationen heimgesucht wird indem sie in der Wohnung eine furchterregende, alte Frau in schwarz erblickt. Ihre Großmutter hat Jennys Zimmer mit alten Möbeln aus ihrer Kindheit eingerichtet. Ein weiteres Indiz für die Verdichtung, die nun immer mehr zunimmt. Durch ihre Beziehung zu Dr. Jakobi, der der Halbbruder von Jennys schwieriger Patientin Maria ist, merken wir, dass ihr gefestigtes Kontrollbewußtsein höchst labil ist und ihr selbstbestimmtes Leben, samt Liebhaber, der uns aber nicht gezeigt wird, äußerst brüchig. In den Szenen mit Jakobi merken wir, dass sie durch ihre permanente Angst vor jedweder Nähe, nichts im Griff hat obwohl sie so kontrolliert in Erscheinung tritt. Jacobi, dessen Figur innerhalb des Geschehens nicht näher umrissen oder erklärt wird, konfrontiert sie mit ihren sexuellen Bedürfnissen, die ihr Mann nicht mehr befriedigen kann, vor denen sie sich aber auch versteckt. Die freundschaftliche aber auch platonische Beziehung zwischen den beiden wird noch dadurch verstärkt, dass Jacobi sich im Gegensatz zu ihr total frei gemacht hat von seiner Vergangenheit und seine Bisexualität offen auslebt.
Hier ist der Arzt und dort die erfolgreiche Ärztin, die selbst zum Psychischen Pflegefall wird. Die versuchte Vergewaltigung von der sie nur Jacobi berichtet ist quasi der Auslöser für die kommende Krise, die sich schon langsam abzeichnet. Bevor es zu dieser Szene kommt, sehen wir, wie sie des Nachts ihren in der Wohnung umherirrenden Großvater beobachtet. Ein Ereignis welches sie verstört und beunruhigt zurückläßt.

Die Vergewaltigungsszene stellt Bergman in einer ziemlich kühnen, Distanz schaffenden Halbtotale dar.

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Die Szene ist eine weitere Konfrontation mit ihrem eigenen sexuellen Verhältnis. In der daraufolgenden Nacht als sie Jacobi von dem Ereignis plötzlich berichtet sagt sie :"Er versuchte in mich einzudringen und plötzlich verspürte ich das verzweifelte Verlangen, er möge es tun. Das seltsame war, so sehr ich auch wollte, konnte ich nicht. Ich war völlig verkrampft und trocken."
Bergman kratzt hier am Tabu von Unterwerfungsphantasien. Das anschließende Ausagieren und der Nervenzusammenbruch, den sie in Jacobis Schlafzimmer erleidet ist die logische Konfrontation mit diesem Vorfall sowie auch Konfrontation mit ihrer eigenen, verdrängten Sexualität.
Dass, das Problem wesentlich tiefer sitzt, manifestiert sich im anschließenden Selbstmordversuch, den Bergman in einer quälend, langen Einstellung, fast in Echtzeit, filmt. Liv Ullmann sagte, dass diese Szene für sie so intensiv war, da sie wirklich dachte sie würde auf diesem Bett sterben, was für sie auch dazu führte, dass sie sich irgendwann auch nicht mehr in der Lage dazu fühlte sich solchen Situationen mit Bergman auszusetzen.

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Das Tasten, der Finger an der Tapete als Vergewisserung der lebendigen Existenz, als Vergewisserung von Realität.

Bevor sie im Krankenhaus erwacht sehen wir sie in der ersten großen Traumszene des Films im dunklen Haus ihrer Kindheit in dem sie ihrer Großmutter, die schaurige Märchen vorliest, begegnet sowie der alten Frau aus ihren Halluzinationen.
Überbordernde Symbolik, die Farbe Rot in ihrer Gewandung, die Angst vor der Dunkelheit verstärken die Rauschhaftigkeit dieser Szenen.

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Als sie wieder zu sich kommt wacht Dr. Jacobi als ihr verantwortlicher Arzt und als Freund über sie. Sie wird erneut konfrontiert mit Dingen aus ihrer Kindheit, die in ihr hochkommen und sich manifestieren. Dies erlebt sie teils im Traum, teils im Wachzustand.
Innerhalb der nächsten Traumszenen , nutzt Bergman Motive aus früheren Filmen wie beispielsweise die Szene in der sie ihrem eigenen Tod gegenübersteht. Ein Motiv welches er schon in "Wilde Erdbeeren" nutzte. In einer weiteren Szene innerhalb dieses Traums reißt sie einer Patientin die Haut vom Gesicht was natürlich Assoziationen zu "Die Stunde des Wolfs" weckt genauso wie die Angst vor dunklen Schränken, die Bergman zuletzt auch in "Die Stunde des Wolfs" aufgriff. Alles Ängste, die sich natürlich auch in ihm selbst eingenistet haben.
Die Konfrontation im Wachzustand gehört mit zu den intensivsten Szenen des Films und wird durch das entblößende, schockierend nackte Spiel von Liv Ullmann verstärkt. Es ist auch der intime Blick dieser Passage, als wolle die Kamera die Dämonen der Kindheit austreiben. Jacobi fungiert dabei als helfende Hand, der sie innerhalb des Wachzustandes stützt und tröstet sowie in den Träumen leitet.

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Bevor sie am Ende nach dem Gespräch mit ihrer Großmutter über den Zusammenhalt, das Altern und den Tod zur Erkenntnis kommt, dass sie durch die Akzeptanz ihrer Ängste ihre Krise meistert, gibt es noch ein Gespräch mit ihrer Tochter in der die Tochter genauso reagiert, wie die Mutter als Kind reagiert hätte. Die Entfremdung ihrer Tochter gegenüber ist nicht mehr aufzuhalten.

Von Angesicht zu Angesicht ist obgleich der Vielzahl an Themen, die er anschneidet, in erster Linie ein Film über eine Krise, die im Unterbewusstsein, in der Verdrängung ihrer Kindheitsängste schlummert und sich im Wachzustand manifestiert. Das dies fließend ineinander übergeht hat Bergman schon häufig gezeigt. Am prominentesten in "Wilde Erdbeeren" aber auch hier zeigt er dies in teils faszinierenden Bildern und einer schonungslosen Offenheit, was das Durchleben ihrer Dämonen angeht. Dennoch bleibt hier vieles sehr vage und unschlüssig. Ob das nun der kürzeren Fassung zu Schulde kommt, die wie mein Mitstreiter meinte, noch mehr Traumszenen und Ausagieren enthalten würde, oder ob Bergman hier nicht ganz Herr der Lage war. zu viele Themen werden nur angerissen und nicht zu Ende geführt. Die Figur von Dr. Jacobi ist zwar wichtig bleibt aber dennoch schemenhaft. Der Ezählrythmus stimmt oft nicht und das Ende an dem sie durch die Verarbeitung ihrer Krise, der Konfrontation mit einer Nahtod Erfahrung und dem Blick auf das Alter, gestärkt aus dieser hinaustritt, wirkt wie ein Schalter den sie umlegt. Die Entwicklung hierzu ist zwar da, fügt sich aber nicht in den Film.
Vielleicht wollte Bergman hier durch Liv Ullmann auch nur seine eigenen Dämonen exorzieren und hat dabei ein paar Themen zuviel eingefügt. Zurück bleibt ein guter und sehenswerter aber wesentlich schwächerer Film, dem man durchaus ansieht, dass er großes verarbeiten wollte aber nicht alles erreicht. Falls die lange Version einmal zur Verfügung stehen sollte, dürfte eine Neubewertung und Sichtung jedenfalls unumgänglich sein.

7/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Liv Ullmann Erland Josephsson Krise Psychose KIndheit Verdrängung Geschlechterrolle Sexualität Vergewaltigung Wahnvorstellung Angst Traum Psychoanalyse


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September 2014 Alle Filme


Alle Sichtungen des Monats September.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille

Les quatre cents coups (Sie küßten und sie schlugen ihn) 1959 (Francois Truffaut) 9/10 *
Antoine et Colette (short) 1962 (Francois Truffaut) 8-9/10
Baisers volés (Geraubte Küsse) 1968 (Francois Truffaut) 8/10
12 years a slave 2013 (Steve McQueen) 9/10 *
The color purple 1985 (Steven Spielberg) 5/10 *
Domicile conjugal (Tisch und Bett) 1970 (Francois Truffaut) 10/10
L´amour en fuite (Liebe auf der Flucht) 1979 (Francois Truffaut) 7/10
L´effrontée (Das freche Mädchen) 1985 (Claude Miller) 7/10
La petite voleuse (Die kleine Diebin) 1988 (Claude Miller) 8/10
Maps to the Stars (Kino) 2014 (David Cronenberg) 7-8/10
The Grand Budapest Hotel 2014 (Wes Anderson) 7-8/10
All about Eve 1950 (Joseph L. Mankiewicz) 9/10
The Big Knife 1955 (Robert Aldrich) 8/10
Ninotchka 1939 (Ernst Lubitsch) 10/10
Irma la Douce 1963 (Billy Wilder) 8-9/10 *
10 Rillington Place 1971 (Richard Fleischer) 8/10
The Serpent´s Egg 1977 (Ingmar Bergman) 6-7/10
Das Testament des Dr. Mabuse 1933 (Fritz Lang) 9/10 *
Hangmen also die ! 1943 (Fritz Lang) 8/10
Le corbeau (Der Rabe) 1943 (Henri-Georges Clouzot) 9/10 *
La régle du jeu (Die Spielregel) 1939 (Jean Renoir) 8-9/10
Monsieur Verdoux 1947 (Charles Chaplin) 10/10
Landru (Der Frauenmörder von Paris) 1963 (Claude Chabrol) 8/10
La sirène du Mississipi (Das Geheimnis der falschen Braut) 1969 (Francois Truffaut) 9-10/10
An Angel at my Table 1990 (Jane Campion) 9/10 *
Top of the Lake (Tv-Mini-Series) 2013 (Jane Campion & Garth Davies) 7/10
Holy Smoke 1999 (Jane Campion) 5/10
Down and out in Beverly Hills 1986 (Paul Mazursky) 9/10 *
Stakeout 1987 (John Badham) 7-8/10 *
Running Scared 1986 (Peter Hyams) 8/10 *
The Punisher 1989 (Mark Goldblatt) 8/10
The Punisher 2004 (Jonathan Hensleigh) 5-6/10
Die Sieger 1994 (Dominik Graf) 8/10
Barbara 2012 (Christian Petzold) 9/10 *
Yella 2007 (Christian Petzold) 7-8/10
Höstsonaten (Herbstsonate) 1978 (Ingmar Bergman) 9/10
Phoenix (Kino) 2014 (Christian Petzold) 6-7/10
Birth 2004 (Jonathan Glazer) 9/10

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Trollflöjten (Die Zauberflöte) (Ingmar Bergman) SE 1975


Trollflöjten (Die Zauberflöte)



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Der junge Prinz Tamino (Josef Köstlinger) wird von der Königin der Nacht (Birgit Nordin) beauftragt ihre Tochter Pamina (Irma Urrila) aus dem Schloss von Sarastro (Ulrik Cold) zu befreien. Zusammen mit dem Vogelfänger Papageno (Håkan Hagegård) macht er sich auf den Weg. Zuvor erhält Tamino eine Flöte mit magischen Kräften und Papageno ein Glockenspiel, welches verzaubert ist. Als die zwei bei Sarastro ankommen, müssen sie allerdings feststellen, dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Sarastro, der Vater von Pamina, ist Freund und die Königin der Nacht Feind. Außerdem erfährt Tamino, dass er und Pamina füreinander bestimmt sind und auch Papageno erhält eine Frau an seiner Seite, Papagena (Elisabeth Erikson).

Soweit, so kurz die Handlung dieser weltweit bekannten Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Ich muß zugeben, ich bin kein großer Klassik-Kenner, bin aber weitestgehend entschuldigt, da das auch nicht notwendig ist um diese märchenhafte Oper zu verstehen. Das Bergman, der Mozarts Oper zum 50. Jubiläum des schwedischen Rundfunks verfilmte, dies ähnlich sieht, macht er uns schon innerhalb der ersten 8 Minuten klar. Wir befinden uns mit dem Publikum in einem Theatersaal und während die Ouvertüre gespielt wird, filmt die Kamera die Regungen des lauschenden Publikums. Die folgende Montage macht auf kongeniale Weise klar, wie universal dieses Ereignis, für alle, die sich hier versammelt haben, ist :



Im besten Sinne demokratisch !

Bergman läßt von Beginn an keine Zweifel daran, dass man hier einem Theaterstück, sprich einer Oper beiwohnt. Erinnert einen immer wieder an die Künstlichkeit der Bühne, läßt aber die Kamera ganz nah an die Gesichter fahren und choreografiert seine Darsteller, wie man es aus so zahlreichen seiner Filme kennt. Bergman führt hier das Theater und das Kino zusammen, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass er immer auch Theater inszeniert hat. Von den Ideen und auch den Effekten her ist Bergmans Zauberflöte Theater pur. Insgesamt ist die Inszenierung nicht auf Perfektionismus aus sondern versucht die Magie der künstlichen Theaterhaftigkeit einzufangen. Dabei verliert seine Fassung dieser komplexen Oper auch nie eine gewisse Grundheiterkeit, die selbst in den düsteren Stellen gewahrt wird. Ein kleiner Clou gelingt ihm auch in der Veränderung der Geschichte indem er das Verhältnis der Königin der Nacht zu Sarastro als Ex-Ehepaar darstellt, welches sich bekriegt und sich um die Tochter streitet. Ein Clou, der sich inhaltlich ganz typisch in sein Werk fügt. Das Drama findet sich hier in komödiantischer und leichter Form wieder, welches gerade hier seine Theater-Wurzeln richtig spürbar machen. Bergman verläßt die Bühne selbst innerhalb der Pause nicht und zeigt einige der Darsteller wie sie hinter dem Vorhang rauchen, ein Comic Heft lesen oder in einer Parsifal Partitur lesen.

Bergman hat nie seine Theater Wurzeln verleugnet oder versucht zu kaschieren. Hier macht er etwas wunderbares. Er umarmt beide Künste : Theater und Kino ! Und führt sie auf geradezu magische Weise zusammen. Es klappert und knarzt ein wenig auf dieser Bühne aber das muß so sein, denn das gehört auch zur Magie des Theaters und zu diesem charmanten Film sowieso.

8-9/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Mozart Oper Theater Bühne Gesang Licht Finsternis Liebe


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August 2014 Alle Filme


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

Kein üppiger Filmmonat, aber der Vollständigkeit halber :

The young and prodigious T.S. Spivet (3D) (Kino) 2013 (Jean-Pierre Jeunet) 5-6/10
Holy Motors 2012 (Leos Carax) 8-9/10
Pierrot le fou (Elf Uhr Nachts) 1965 (Jean-Luc Godard) 10/10 *
Cléo de 5 á 7 (Cléo Mittwoch zwischen 5 und 7) 1962 (Agnès Varda) 10/10
The Ice Storm 1997 (Ang Lee) 7-8/10 *
Class of 1984 1982 (Mark L. Lester) 7/10
The Holy Mountain (Kino) 1973 (Alejandro Jodorowsky) 10/10
The Day of the Locust 1975 (John Schlesinger) 9/10
Sunset 1988 (Blake Edwards) 7/10
Death Wish 3 1985 (Michael Winner) 7/10
Road House 1989 (Rowdy Herrington) 4/10 *
Les lèvres Rouges (Blut an den Lippen) 1971 (Harry Kümel) 7/10
Amer 2009 (Hèléne Cattet & Bruno Forzani) 8/10
Death Wish 4 : The Crackdown 1987 (J. Lee Thompson) 6-7/10
The Star Chamber 1983 (Peter Hyams) 8/10
Thightrope 1984 (Richard Tuggle) 7/10
Death Wish 5 : The Face of Death 1994 (Allan A. Goldstein) 4/10
Le passage de la pluie (Der aus dem Regen kam) 1970 (René Clément) 8/10
Sei donne per l´assassino (Blutige Seide) 1964 (Mario Bava) 8/10
Rachel getting married 2008 (Jonathan Demme) 6/10
L´uccello dale piume di cristallo (Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) 1970 (Dario Argento) 7/10
…più forte ragazzi (Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle) 1972 (Giuseppe Colizzi) 8/10 *
Le grand blond avec une chaussure noire (Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh) 1972 (Yves Robert) 5/10 *
I due superpiedi quasi piatti (Zwei außer Rand und Band) 1977 (Enzo Baboni) 6/10
Confessione di un commissario die polizia al procuratore della reppublica (Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert)
1971 (Damiano Damiani) 9/10
La sendrome di Stendhal (The Stendhal Syndrome) 1996 (Dario Argento) 8-9/10

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Juli 2014 Alle Filme


ZACK.....und hier ist es wieder das monatliche Gedächtnis, frei nach Bastro und Pasheko, alle Filmsichtungen mit Bewertung.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


8 ½ 1963 (Federico Fellini) 10/10
Le notti di Cabiria (Die Nächte der Cabiria) 1957 (Federico Fellini) 9/10
Stardust Memories 1980 (Woody Allen) 8-9/10
Crimes and Misdemeanors 1989 (Woody Allen) 9/10 *
The Man who knew too much 1934 (Alfred Hitchcock) 7/10
The Man who knew too much 1956 (Alfred Hitchcock) 8/10 *
Obsession 1976 (Brian De Palma) 8-9/10
Femme Fatale 2002 (Brian De Palma) 9/10
Romeo is bleeding 1993 (Peter Medak) 7-8/10 *
Angustia (Im Augenblick der Angst) 1987 (Bigas Luna) 8/10 *
Kiss of the Damned 2012 (Xan Cassavetes) 6-7/10
Baise moi (Fick mich !) 2000 (Virgine Despentes & Coralie) 5/10
Perdita Durango 1997 (Álex de la Iglesia) 7/10
Gun Crazy 1950 (Joseph H. Lewis) 10/10
They Live by Night 1948 (Nicholas Ray) 9/10 *
The Left Handed Gun 1958 (Arthur Penn) 8/10
The Chase 1966 (Arthur Penn) 9/10
The Missouri Breaks 1976 (Arthur Penn) 7-8/10
The Crowd 1928 (King Vidor) 10/10 *
The Big Parade (Kino) 1925 (King Vidor) 10/10
Madame De… 1953 (Max Ophüls) 10/10
The Piano (Kino) 1992 (Jane Campion) 10/10 *
L´aveu (Das Geständnis) 1970 (Constantin Costa-Gavras) 9/10
Ascenseur pour l´échafaud (Fahrstuhl zum Schafott) 1958 (Louis Malle) 10/10 *
Le feu follet (Das Irrlicht) 1963 (Louis Malle) 9/10 *
Target 1985 (Arthur Penn) 6-7/10
The naked Kiss 1964 (Samuel Fuller) 9-10/10
The Man with the golden Arm 1955 (Otto Preminger) 8/10 *
Ansikte mot ansikte (Kinofassung) (Von Angesicht zu Angesicht) 1976 (Ingmar Bergman) 7/10
Midnight Cowboy 1969 (John Schlesinger) 10/10 *
I want to live 1958 (Robert Wise) 7-8/10

Jetzt erstmal ne Woche Inselurlaub im Norden :)

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Magical History Tour : Madame De.... (Max Ophüls) F/I 1953


Madame De.....


Eingefügtes Bild


Madame De... habe ich sehr lange vor mir hergeschoben. Schon letztes Jahr bekam ich den Film von meinem guten Freund und Bergman Mitstreiter empfohlen. Er passte bislang irgendwie nie rein in ein Filmprogramm, dass ich mehr und mehr auf lose Vernetzungen thematischer, genrehafter und geschichtlicher Natur aufgebaut habe. Vor einigen Monaten sah ich dann Liebelei und begegnete La Ronde erneut. Als es innerhalb der MHT 1953 schlug hatte ich wenig Zeit und wartete auf den Moment indem ich mich diesem Film gewachsen sah.
Nun denn, viel Erklärung für diesen Nachtrag und viel zu wenig Worte, die nun folgen um diesem Meisterwerk auch nur annähernd gerecht zu werden. Zuersteinmal : Ich bin schier erschrocken, wie grandios dieser Film ist. Ins Mark getroffen passt ebenso.

Viel ist über diesen Film geschrieben worden, dessen Vielschichtigkeit auch erst im Laufe der Jahre erkannt wurde. Mich wundert und freut es auch zugleich, dass über den Film bislang noch kein Eintrag hier geschrieben wurde.

Angesiedelt im Frankreich der Belle Epoque wird die Geschichte von Madame De... (Danielle Darieux) erzählt, die ihre Ohrringe verkauft um Schulden zu begleichen. Ihr Mann, ein Oberst, (Charles Boyer) ersteht die Ohrringe zurück und schenkt sie seiner Mätresse. Die verkauft sie beim Glücksspiel und werden vom italienischen Baron und Diplomaten Donati (Vittorio De Sica) gekauft, der sch schon bald in Madame De.. verliebt. Doch Liebe bedeutet hier unumstößlich Tragödie und so nimmt das Drama seinen Lauf.

Soviel in allerster Kürze zum Plot. Selbst wenn man noch nie einen Max Ophüls Film gesehen hat, so weiß man doch ungefähr, dass ein Markenzeichen seiner Filme, die nie stillstehende, entfesselte Kamera war.
Es ist eine Kamera, die so gut wie nie statisch ist. Von Beginn an ist sie in Bewegung, gleitet schwerelos dahin in minutenlangen Plansequenzen und verbindet sogar Raum und Zeit. Eine Kamera, die mit der Walzermelodie des Films eins wird, die Bewegung der Figuren immer wieder aufnimmt und deren Blicke lenkt, dabei ein Tempo entwickelt, dass einem fast schwindelig wird.
Schnitt ist hier bei Ophüls nicht nur einfach ein Schnitt, der eine neue Szene einleitet, sondern immer dramaturgisch begründet. Oft unsichtbar, wie er Räume verbindet und von einer langen Fahrt in die nächste übergeht. Selbst Schuss-Gegenschuss Sequenzen werden immer wieder durch neue Perspektiven aufgebrochen.
Immer wieder begleitet die Kamera Madame De in eleganter Bewegung, wie sie schon in der ersten Szene Schubladen und Schranktüren öffnet, nach einem Gegenstand, den sie versetzen kann, sucht und es ist dieses Objekt, die Ohrringe, die ihr stattlicher Eheman, der General, ihr zur Hochzeit schenkte, welches und das wird im Laufe des Films klar, sie selbst ist.
Madame De..., deren Name nie vollständig genannt wird, ist im Grunde ein Objekt, ein Interieur, die ihr kokettes Verhalten ablegt, sich für die Liebe entscheidet, kein dekoratives Accessoire, wie die Ohrringe sein will, daran Zugrunde geht und am Ende an gebrochenem Herzen stirbt.
Immer wieder filmt die Kamera sie eingerahmt durch Fenster, Türen oder Spiegel, die sie wie in einem Käfig erscheinen lassen. Dabei verläßt der Film allerdings nie seine leichte, schwebende Art, die auch, nebenbei, viel Humor besitzt. Doch ganz langsam, Schritt für Schritt, wie ein Uhrwerk, das zerspringt, bewegt der Film sich auf sein existenzielles Ende zu. Die bittere und tragische Falltiefe ist mit der schwerelosen Inszenierung wie in einem Netz verwoben.

"Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht." flüstert sie Donati mehrmals zur Verabschiedung entgegen. Begehren und Verweigerung. Liebe ist hier Obsession geworden und kein Spiel mehr, bei dem man gewinnen oder verlieren oder jemanden übertrumpfen kann.

Damit klopfe ich auch nur an einer Ebene des Films. Madame De... ist so vielschichtig und reich, dass man hier sich über jede einzelne Szene unterhalten kann. Ob es nun die großartigen Hauptfiguren und deren Darsteller sind, die Bedeutung der Diener und des Zufalls, das Verhältnis von Blicken, Türen, Fenstern, Treppen (immer wieder Treppen, auch Wendeltreppen als spiralförmige Metapher zum sich drehenden Tanz), Gegenstände und Räume, die durch diese fantastische Kamera durschritten werden als ob sie nie enden würden.

Ich bin hin und weg und schreibe soetwas selten aber ich kann nur jedem raten sich diesen Film anzusehen. Unglaublich !

10/10

Magical History Tour Max Ophüls Vittorio De Sica Kamerafahrt Tragödie Komödie Besitz Überblendungen Räume Sehnsucht Klassen Louise de Vilmorin


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Juni 2014 Alle Filme


Ein Filmmonat ist vergangen, hier nun, wieder frei nach Bastro und Pasheko, alles gesammelt in der Liste :


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Slacker 1991 (Richard Linklater) 8/10 *
Waking Life 2001 (Richard Linklater) 7/10
Boyhood (Kino) 2013 (Richard Linklater) 10/10 *
A Scanner Darkly 2006 (Richard Linklater) 6-7/10
Star Wars : Episode V – The Empire strikes back 1980 (Irvin Kershner) 8-9/10 *
Star Wars : Episode VI – The Return of the Jedi 1983 (Richard Marquand) 7-8/10 *
Paycheck 2003 (John Woo) 4/10
Persona 1966 (Ingmar Bergman) 10/10 *
Suspension of Disbelief 2012 (Mike Figgis) 4/10
Chik loh go yeung (Naked Killer) 1992 (Clarence Fok Yiu-leung) 4-5/10
Pau mui (Her name is cat / The Huntress) 1998 (Clarence Fok Yiu-leung aka Clarence Ford) 1/10
American Ninja 1985 (Sam Firstenberg) 4-5/10
Assassins 1995 (Richard Donner) 5/10
Code of Silence 1985 (Andrew Davis) 8/10
Chek law dak gung (Naked Weapon) 2002 (Siu-Tung Ching) 3/10
Tie saam gok (Triangle) 2007 (Tsui Hark, Ringo Lam, Johnnie To) 6/10
Boksuneun naui geot (Sympathy for Mr. Vengeance) 2002 (Park Chan-Wook) 9/10
Sen to Chihiro no kamikakushi (Chihiros Reise ins Zauberland) 2001 (Hayao Miyazaki) 10/10
Oldeuboi (Oldboy) 2003 (Park Chan-Wook) 8/10
Chinjeolhan geumjassi (Lady Vengeance) 2005 (Park Chan-Wook) 7/10
Bug 2006 (William Friedkin) 8/10
The Hand 1981 (Oliver Stone) 8/10
The Conversation 1974 (Francis Ford Coppola) 9/10 *
Fear X 2003 (Nicolas Winding Refn) 8/10
Drive 2011 (Nicolas Winding Refn) 10/10 *
Only God forgives 2013 (Nicolas Winding Refn) 8/10
Izo 2004 (Takashi Miike) 7/10
Shura-Yuki-Hime : Urami Renga (Lady Snowblood : Love Song of Vengeance) 1974 (Toshiya Fujita) 6/10
Hardcore 1979 (Paul Schrader) 8/10
Patty Hearst 1988 (Paul Schrader) 8/10
Fingers 1978 (James Toback) 9/10
De battre mon coeur s´est arête (Der wilde Schlag meines Herzens) 2005 (Jacques Audiard) 7/10
Sur mes lèvres (Lippenbekenntnisse) 2001 (Jacques Audiard) 6/10
Frances Ha 2012 (Noah Baumbach) 8/10
Alice 1990 (Woody Allen) 8/10
Eternal Sunshine of the spotless mind 2004 (Michel Gondry) 7-8/10

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