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Short Cuts


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Viskningar och Rop (Schreie und Flüstern) (Ingmar Bergman) SE 1972


Viskningar och Rop (Schreie und Flüstern)


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Ein Herrenhaus in Schweden, Ende des 19. Jahrhunderts. Agnes (Harriet Andersson) hat Krebs und liegt im Sterben. Ihre zwei Schwestern Maria (Liv Ullmann) und Karin (Ingrid Thulin) sind mit ihren Männern angereist um bei ihr zu verweilen. Beide sind äußerst distanziert in ihrem Verhältnis zu Agnes. Karin ist absolut gefühlskalt und Maria falsch und aufgesetzt in ihrer oberflächlichen Wärme. Allein die Magd Anna (Kari Sylwan) pflegt sie geduldig und kann Agnes Liebe, Trost und Zärtlichkeit spenden. In Rückblicken, denkt sie an ihre Mutter (ebenfalls Liv Ullmann) . Als der Arzt David (Erland Josephsson) kommt, versucht Maria ihre einstige Affäre mit ihm wieder aufleben zu lassen, doch er weißt sie ab. In einer weiteren Rückblende, mit Erzählerkommentar versehen, werden Szenen aus dieser Affäre gezeigt, die zum Selbstmordversuch ihres Mannes Joakim (Henning Moritzen) führte. In einer Rückblende aus Karins Vergangenheit sehen wir ihr Verhältnis zu ihrem verhassten Ehemann Fredrik (Georg Årlin), den sie schockiert, in dem sie sich im Intimbereich mit einer Glasscherbe verletzt. Als Agnes stirbt und der Pfarrer Isak (Anders Ek) ihr die letzte Weihe gibt wird dies zu einem erschütternden Bekenntnis seiner Glaubensunfähigkeit. Als die Schwestern nun den Nachlass ordnen, kommt es zwischen Maria und Karin zu einer Annäherung, die aber bald an ihre Grenzen stößt. Als Anna eine Vision hat, in der die tote Agnes sie anfleht, sie nicht allein zu lassen, ist sie die einzige die fähig ist Agnes in die Arme zu schließen. Alle anderen fliehen entsetzt aus dem Raum. Anna liest in Agnes Tagebuch ihre Erinnerungen in der die Schwestern glücklich durch den Schlosspark wandeln.


Nach Passion ist dies der erste Bergman Film der 70er innerhalb unser chronologischen Reihe. Die US/Schwedische Co-Produktion The Touch, stand uns leider nicht zur Verfügung und so sind wir jetzt schon im Jahre 1972 angelangt.

Bergman hatte eine Vision :"Ich sehe ein Mädchen auf dem Weg zu einem großen, herrschaftlichen Haus. In dem Haus gibt es einen roten, großen Raum, in dem drei Schwestern in weißen Kleidern sitzen und miteinander flüstern. Meinst Du das könnte ein Film werden ?", fragte er seinen Kameramann Sven Nykvist. Als er das Drehbuch entwickelte stand für ihn fest, dass er Liv Ullmann, Ingrid Thulin, Harriet Andersson und vielleicht auch Mia Farrow bekommen muß. Mit Mia Farrow klappte es nicht dafür sagten alle anderen selbstverständlich zu. Den Titel entlieh Bergman einem Musikkritiker, der über Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 schrieb es klinge wie "Schreie und Flüstern". Bergman und Nykvist tüftelten sehr lange vor Drehbeginn über die Farbgestaltung des Films, besonders die verschiedenen Nuancen der Farbe "rot". Laut Bergman hat er sich seit seiner Kindheit die menschliche Seele immer als rötliche Haut vorgestellt, ähnlich wie Schleimhäute. Die Produktionsgeschichte des Films ist keine einfache. Seiner Haus und Hof Firma Svensk Filmindustri war das Thema zu schwierig. Auch internationale Produzenten, zu denen er seit The Touch Kontakt hatte lehnten ab. So drehte Bergman diese nicht gerade günstige Produktion mit seiner eigenen Firma Cinematograph, ein bißchen Geld vom Filminstitut und einem Teil der Darsteller und Technikergagen. Der Film, uraufgeführt in New York, wurde ein weltweiter Erfolg sowohl bei Publikum als auch bei Kritikern. Sein erster seit "Das Schweigen". Sven Nykvist erhielt für seine Kameraarbeit einen Oscar.

Soweit die Produktionsnotizen. Francois Truffaut und Woody Allen nennen ihn ein absolutes Meisterwerk. Aber erst eins nach dem anderen.

Ersteinmal ist es ein äußerst faszinierendes Unterfangen diesen Film zu sehen, allein was die Farbgestaltung, Kameraarbeit und Lichtinszenierung angeht. Wenn man zuvor Passion noch das Suchen und experimentieren ansieht, ist dies hier schlichtweg ein Hammer. Die Überblendungen ins rote, bei denen sich die Leinwand färbt sind grandios. Die enorm große Stärke des Films abgesehen von dem, wie immer glänzend spielenden Bergman-Ensemble, ist, dass hier ähnlich wie in Persona Ästhetik und Inhalt hier eine Linie ergeben. Bergman findet für seine Vision diese extrem krassen Farben und Bilder, die das Innerste nach Außen kehren, das sichtbar machen, was sonst nicht sichtbar gemacht werden kann.

Kammerspiel

Ausgewogenheit, Konzentration, die blutroten Räumlichkeiten. Die Beziehung der Schwestern zueinander oder zu ihren Männern wird fast ausschließlich in Nahen oder Halbnahen Einstellungen eingefangen. Dazu kommt, dass die Atmosphäre des Films von Beginn an zum Bersten ist. In den einzelnen Gesprächen hat man wieder die berühmten, choreographierten Bergman-Bilder, die die 4. Wand zu sprengen scheinen. Ein Punkt, den man übrigens bei Bergman noch näher durchleuchten könnte. Episodisch wird das Ganze aufbereitet. Der Prozess des Sterbens von Agnes in der Gegenwart ist das Gerüst, die Rahmenhandlung in der innerhalb des Films episodische Einschübe gemacht werden. Für jede der 3 Schwestern wird in Rückblenden eine Situation gezeigt, die ihr Wesen und ihr Handeln verständlich macht bzw. veranschaulicht. Aus der belasteten Beziehung von Agnes zu ihrer Mutter ergibt sich fast symbolisch die Beziehung zur Magd Anna, die ihre Tochter verloren hat. Marias Beziehung zum Arzt David scheitert und die Ehe von Karin ist schon längst gescheitert. Diese Rückblenden werden durch das Blenden ins Rot ein und ausgeleitet. Auch das titelgebende "Flüstern" kommt hier zum Einsatz. Nicht nur die Rückblenden verzahnen sich durch das Rot mit der Gegenwart, auch die Vision von Agnes am Ende des Films wird so ein und ausgeleitet.
Rotblenden :
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3 Schwestern

Maria ist im Grunde kalt. Immer sehr distanziert in ihrer Form, läßt sie keine richtige Nähe zu und es kommt ihr auch nichts nah. Ihre Figur wird auch schon früh in der Szene mit David beschrieben, als er ihr sagt :"Dein Teint ist matt und blass. Du schminkst dich. Diese feine, breite Stirn hat nun 4 Falten über jeder Augenbraue. Weißt Du wie sie dorthin kamen ? Gleichgültigkeit, Maria. Und diese feine Kontur vom Ohr zum Kinn ist nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Selbstzufriedenheit und Trägheit haben sich dort eingenistet. Warum lächelst Du immer so höhnisch Maria ? Siehst Du das ? Das machst Du zu oft. Unter den Augen, diese scharfen, kaum sichtbaren Falten der Langeweile und Ungeduld."
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Karin hat diesen Schutz mit dem sich Maria auf Distanz hält nicht. Sie kann sich nur mit großer Anstrengung zusammennehmen. Dabei kann sie nach außen auch nicht so souverän wirken, wie Maria sondern wirkt immer verbissen. Sie verdrängt ihr innerstes mit größter Anstrengungskraft, ist immer der Vulkan kurz vor dem Ausbruch und steht unter einem innerem Druck, der durch die Ehe mit einem alten, zynischen Diplomaten nur verstärkt wird. Dieser Druck wird wunderbar in der Essensszene zwischen ihr und ihrem Gatten gezeigt, die quälend diesen Ekel veranschaulicht.
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Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie ein heißer und gefühlvoller Mensch, der umsomehr vom Frust zerfressen wird. Besonders auch auf sexueller Ebene. Sie will etwas fühlen und empfinden können und fügt sich dort Schmerzen zu, wo sie auch am stärksten empfindet, im Genitalbereich. Zuvor wird in einer faszinierenden Montage gezeigt, wie sie von Anna entkleidet wird, so als ob ihr das Korsett vom Leib gerissen wird. Als sie sich dann in der darauffolgenden Szene mit einer Scherbe zwischen den Beinen verletzt wirft sie ihr Leid ihrem schockierten Gatten in extremstem Ausmass entegen.
Eine Szene, die Lars von Trier fast 40 Jahre später in "Antichrist" abwandelt.
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Am Ende ist auch Karin diejenige, die sich der Liebe ihrer Schwester vergewissern möchte, dann aber an Marias Kälte scheitert.

Agnes hat durch ihre jahrelange Krankheit am meisten gelitten ist aber auch von allen dreien am unverstelltesten und natürlichsten. Sie sucht nicht nur Wärme sondern findet sie auch. Einmal in der erlösenden Schlussszene am Ende und auch in den Szenen mit Anna, wo sie Geborgenheit und Mütterlichkeit spürt. Annas Rolle als Ersatzmutter für Agnes wird besonders in ihrer Vision am Ende deutlich als Agnes nach ihrem Tod erwacht und die Schwestern zu sich bittet. Beide wenden sich unter Vorwänden und Ekel von ihr ab. Nur Anna kann sich ihr annehmen. Diese Mütterlichkeit hält Bergman in dieser bemerkenswerten Szene fest, die an eine Pietà Michelangelos erinnert :
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Bergmans Themen sind hier wieder alle parat : Bewusstsein, Sterben, Tod, Beziehung zwischen Mann und Frau und nebenbei läßt er nicht nur was die Bildsymbolik angeht religiöses miteinfließen. Die letzte Weihe, die der Pfarrer Agnes gibt wird zu einem Selbstbekenntnis der Unfähigkeit seines Glaubens. Hier schwingt die ganze Lebensfeindlichkeit des Geistlichen mit, der unter Tränen gesteht, dass ihr Glaube stets größer als seiner gewesen ist. Eine Szene, die nicht nur in der Bildkomposition an Dreyers Ordet gemahnt.

Als ich den Film das erste Mal sah habe ich ihm zwar die meisterliche Bild und Farbkomposition zugestanden aber inhaltlich ließ er mich doch relativ distanziert zurück. Ich hatte große Probleme die Ebenen innerhalb des Films, besonders die Rückblenden, die durch das Rot auf und abgeblendet werden, einzuordnen. Dies änderte sich nun beim zweiten Sehen. Nun konnte ich mich nicht nur an den statischen Bildern erfreuen, er wühlte mich auch emotional auf und entließ mich mit einem erhabenen Gefühl der Befreiung.
Diese Erlösung am Ende, nach all den tiefen, roten Abgründen in die man blickt, gehört genauso zur Wahrhaftigkeit des Films, wie auch die erschütternden Szenen um Agnes und Karin. Im Grunde eine Erlösung, die auch an das Ende von Wilde Erdbeeren erinnert.

Und somit legen sich die Schreie und das Flüstern

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10/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Sterben Vision Seele Psyche Krankheit Rot Blende Schwestern Glaube Sehnsucht Liv Ullmann Harriet Andersson Ingrid Thulin


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März 2014 Alle Filme


.....und hier nun Filmmonat Numero 3......


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


L´avventura (Die mit der Liebe spielen/Das Abenteuer) 1960 (Michelangelo Antonioni) 7-8/10
Salon Kitty 1976 (Tinto Brass) 8/10 *
Professione : Reporter 1975 (Michelangelo Antonioni) 10/10
Philadelphia 1993 (Jonathan Demme) 7/10
Something Wild 1986 (Jonathan Demme) 8-9/10
The Pelican Brief 1993 (Alan J. Pakula) 4/10
The Manchurian Candidate 2004 (Jonathan Demme) 7/10
The Manchurian Candidate 1962 (John Frankenheimer) 10/10 *
Seven Days in May 1964 (John Frankenheimer) 8-9/10
Forbidden Planet 1956 (Fred M. Wilcox) 10/10
Gravity (3D) 2013 (Alfonso Cuarón) 6-7/10
Operation Ganymed 1977 (Rainer Erler) 9/10
Die Fälschung 1981 (Volker Schlöndorff) 8/10
Hong gao liang (Rotes Kornfeld) 1987 (Zhang Yimou) 9/10
Da hong deng long gao gao gua (Rote Laterne / Raise the Red Lantern) 1991 (Zhang Yimou) 10/10 *
Da zui xia (Come drink with me / Das Schwert der gelben Tigerin) 1966 (King Hu) 8/10
Shao Lin san shi liu fang (Die 36 Kammern der Shaolin) 197(Chia-Liang Liu) 8/10
Shao Lin da peng da shi (Rückkehr zu den 36 Kammern der Shaolin) 1980 (Chia-Liang Liu) 6/10
Pi li shi jie (Die Erben der 36 Kammern der Shaolin) 1985 (Chia-Liang Liu) 5/10
Dai-bosatsu tôge (Sword of Doom) 1966 (Kihachi Okamoto) 9/10
The Spiral Staircase 1945 (Robert Siodmak) 9/10 *
The Magnificent Ambersons 1942 (Orson Welles) 9/10
The Stranger 1946 (Orson Welles) 7/10
Dark Passage 1947 (Delmer Daves) 8/10 *
3:10 to Yuma 1957 (Delmer Daves) 9/10 *
3:10 to Yuma 2007 (James Mangold) 7/10
Seven Men from Now 1956 (Budd Boetticher) 9/10
Winchester ´73 1950 (Anthony Mann) 10/10 *
The Jack Bull 1999 (John Badham) 4-5/10
Point of No Return / The Assassin 1993 (John Badham) 4/10
La femme Nikita 1990 (Luc Besson) 8-9/10 *
Ying hung boon sik (A Better Tomorrow / City Wolf) 1986 (John Woo) 8-9/10 *
Ying hung boon sik II (A Better Tomorrow II / City Wolf II) 1987 (John Woo) 7/10 *
Die Reise ins Glück (Kino) 2004 (Wenzel Storch) 8/10
The Perks of Being a Wallflower 2012 (Stephen Chbosky) 7/10
Le soufflé au Coeur (Herzflimmern) 1971 (Louis Malle) 10/10 *
Scener ur ett äktenskap (TV-Fassung) (Szenen einer Ehe) 1973 (Ingmar Bergman) 10/10
Her (Kino) 2013 (Spike Jonze) 8/10
Angel-A 2005 (Luc Besson) 5/10
The Delta Force 1986 (Menahem Golan) 7/10
Delta Force 2 – The Colombian Connection 1990 (Aaron Norris) 5/10
Le dernier combat (Der letzte Kampf) 1983 (Luc Besson) 6-7/10
Tchao Pantin (Am Rande der Nacht) 1983 (Claude Berri) 8/10 *
À bout portant (Point Blank – Auf kurze Distanz) 2010 (Fred Cavayé) 7/10
Emmanuelle 1974 (Just Jaeckin) 7/10
Emmanuelle : L´antivierge (Emmanuelle 2 – Garten der Liebe) 1975 (Francis Giacobetti) 5/10 *
Trollflöjten (Die Zauberflöte) 1975 (Ingmar Bergman) 8-9/10
Vie privée (Privatleben) 1962 (Louis Malle) 7-8/10
Le mépris (Die Verachtung) 1963 (Jean-Luc Godard) 10/10 *
La Ronde (Der Reigen) 1950 (Max Ophüls) 9/10 *
Liebelei 1933 (Max Ophüls) 8-9/10

Listen Bewertungen Monatsspiegel


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Magical History Tour : The Spiral Staircase (Robert Siodmak) USA 1945


Magical History Tour presents :

The Spiral Staircase (Die Wendeltreppe)


In the Director´s Eye


Während einer Kinovorführung wird im Raum darüber eine junge Frau ermordet. Im Publikum sitzt die junge Helen (Dorothy McGuire) , die seit ihrer Kindheit durch ein Trauma ausgelöst, stumm ist. Ein Schock, der tief in ihr sitzt. Sie wird von Dr. Parry (Kent Smith) zum Landhaus der Familie Warren gebracht, wo sie als Hausmädchen arbeitet. Als sie sich zum Haus aufmacht wird sie von einem Mann beobachtet, der der Mörder sein könnte. Im Haus erwarten sie neben Professor Warren (George Brent), sein Bruder Steve (Gordon Oliver), die Sekretärin Blanche (Rhonda Fleming), das Haushälterpaar Mr. und Mrs. Oates (Rhys Williams & Elsa Lanchester) sowie eine Krankenschwester (Sara Allgood), die die alte Mrs. Warren pflegen soll. Ein Gewitter durchzieht die Nacht und der Mörder könnte jeder sein. Der Film wird das Haus von nun an nicht mehr verlassen.


Robert Siodmaks Spiral Staircase ist ein früher Prototyp des „Thrillers“. Er entstand zwischen seinen Noir Klassikern „The Phantom Lady“ und „The Killers“ sowie „Dark Mirror“. Die Noir Stilistiken treten hier ein wenig in den Hintergrund. Nicht aber das expressionistische, was ja auch in den Noir Filmen zum tragen kommt, hier aber mehr in einer „Gothic“ artigen „Haunted-House“ Atmosphäre verwoben ist. Das Haus wurde übrigens von Orson Welles „Magnificent Ambersons“, der ebenfalls für RKO gemacht wurde, übernommen. Als Kameramann fungierte hier kein anderer als Nicholas Musuraca, der 3 Jahre zuvor „Cat People“ für Tourneur filmte und ebenso wie Siodmak viel Expressionismus in seine Arbeiten fließen ließ.
Nicht nur die expressionistischen Schatten stehen hier im Vordergrund, es ist vor allem auch die Perspektive des Mörders, die hier kongenial veranschaulicht wird. Die rein subjektive Perspektive des Wahns. Es ist auch kein Zufall, dass unsere stumme Heldin am Anfang des Films einer Vorführung des Stummfilm-Hits „The Kiss“ beiwohnt. Ähnlich wie die Protagonisten der Stummfilmära kann sie sich nur ihrer Gestik und Mimik bedienen um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Nochmals mehr zur Perspektive : In einer kurzen Sequenz am Anfang des Films sehen wir, wie der Portier zusammen mit zwei Kindern durch den Vorhang lugt um einen Blick auf den Film zu erhaschen.

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Das Motiv des voyeuristischen Blicks wird sogleich vorweg genommen und im Anschluß, nachdem die Kamera durch den Saal in den oberen Raum geglitten ist, pervertiert als wir das Auge des Mörders im Wandschrank sehen, welches übrigens Robert Siodmaks ist.

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Der voyeuristische Blick des Zuschauers verbunden mit dem Blick des Mörders.
Als nach dem Mord der Portier den Kommissar fragt wer denn der Mörder sein könnte, gibt dieser schon die Richtung des folgenden Spannungsbogens vor :“Somebody we all know. Somebody we see every day. Might be me, might be you.“
So legt der Film in der folgenden Nacht geschickt falsche Fährten aus, die jeden verdächtig machen, selbst der gute Dr. Warren könnte der Mörder sein.
Der Mörder hat es angeblich auf junge, behinderte Frauen abgesehen. Schon bald verdeutlicht sich diese krankhafte Passion in dieser Szene auf der Treppe als Helen vom Mörder beobachtet wird, während sie sich im Spiegel ansieht. Der zweite subjektive Shot ins Auge des Mörders. In den Augen des Killers ist ihr Mund ausradiert.

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Siodmaks Gothic-Thriller, der in den 70er Jahren auch ein Remake nach sich zog, hat mich als ich klein war enorm gegruselt. Schlafen konnte ich diesmal aber doch ganz gut, dennoch muß man sagen, dass es erstaunlich ist wie sehr Siodmak und Musuraca es verstehen eine permanent bedrohliche und angsterfüllte Atmosphäre zu schaffen, die auch komplett über einzelne Drehbuchschwächen steigt und diese glattbügelt. Toller Film mit sensationellen, inszenatorischen Einfällen und einer äußerst gruseligen Atmosphäre.

9/10

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Februar 2014 Alle Filme


Frei nach Bastro hier nun Filmmonat Numero 2 !

In der Wertung habe ich die fette 10/10 Bewertung wieder gestrichen, da sie eigentlich quatsch ist. Höher als 10/10 geht nicht :)

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille
Fett : Berlinale 2014

10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

Byzantium 2012 (Neil Jordan) 7/10
Mary Reilly 1996 (Stephen Frears) 3/10
Portrait of a Lady 1996 (Jane Campion) 8-9/10
Point Break 1991 (Kathryn Bigelow) 6/10 *
Single White Female 1992 (Barbet Schroeder) 5/10
Chugyeogja (The Chaser) 2008 (Hong-jin Na) 6-7/10
Viskningar och rop (Schreie und Flüstern) 1972 (Ingmar Bergman) 9/10
Srpski Film (A Serbian Film) 2010 (Srdjan Spasojevic) 7-8/10
Seconds 1966 (John Frankenheimer) 9/10
The Lords of Salem 2012 (Rob Zombie) 8/10
The Devils Rejects (DC) 2005 (Rob Zombie) 8-9/10
Kurutta ippêji (A page of madness) 1926 (Teinosuke Kinugasa) 8-9/10
Air Force 1943 (Howard Hawks) 8/10
Güeros 2014 (Alonso Ruizpalacios) 6/10
Le quai des brumes (Hafen im Nebel) 1938 (Marcel Carné) 10/10 *
The Midnight After 2014 (Fruit Chan) 5/10
Things people do 2014 (Saar Klein) 6-7/10
The better Angels 2014 (A.J. Edwards) 7-8/10
Shanghai Express 1932 (Josef von Sternberg) 8/10 *
Bai ri yan huo (Black Coal Thin Ice) 2014 (Yi´nan Diao) -/10
Aloft 2014 (Claudia Llosa) 4/10
Kes 1969 (Ken Loach) 10/10
Hævnens Nat (Nacht der Rache) 1916 (Benjamin Christensen) 8/10
La tercerra orilla (The Third Side oft he River) 2014 (Celina Murga) 8/10
Boyhood 2014 (Richard Linklater) 10/10
Rebel without a cause 1955 (Nicholas Ray) 10/10 *
Wu ren qu (No Man´s Land) 2014 (Hao Ning) 5-6/10
Hotaru no haka (Die letzten Glühwürmchen) 1988 (Isao Takahata) 9/10
Mou gaan dou (Infernal Affairs) 2002 (Wai-Keung Lau & Alan Mak) 7/10
127 Hours 2010 (Danny Boyle) 7-8/10
Trance 2013 (Danny Boyle) 6-7/10
Dai si gin (Breaking News) 2004 (Johnnie To) 8/10
PTU 2003 (Johnnie To) 8-9/10
L´armée des ombres (Armee im Schatten) 1969 (Jean-Pierre Melville) 8/10 *
Il Conformista (Der Konformist/Der große Irrtum) 1970 (Bernardo Bertolucci) 10/10 *
Another Year 2010 (Mike Leigh) 8/10
The Knack….and how to get it 1965 (Richard Lester) 8-9/10 *
Robin and Marian 1976 (Richard Lester) 8/10
The Haunted Palace 1963 (Roger Corman) 8/10
Premature Burial 1962 (Roger Corman) 9/10
Eye of the Devil 1966 (J. Lee Thompson) 5-6/10

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4x Bergman


Vargtimmen (Die Stunde des Wolfs)


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Regisseur Bergman redet, noch während des Vorspanns, mit den Mitarbeitern seines Teams. In der ersten Szene erzählt Alma Borg (Liv Ullmann) in einem Interview vom Verschwinden ihres Mannes, dem Maler Johan Borg (Max von Sydow). In einer Rückblende erzählt der Film, wie Johan zusammen mit seiner Frau Alma, zurückgezogen auf einer Insel lebt. Johan wird geplagt von Visionen. Personen verfolgen ihn, die er Dämonen nennt. "Die Frau mit dem Hut" oder "der Vogelmensch". Als eine alte Frau Alma von Johans Tagebuch erzählt, liest sie, dass Johan nicht nur von merkwürdigen Personen sondern auch von Erinnerungen an seine damalige Geliebte Veronica (Ingrid Thulin) verfolgt wird. Alsbald erhalten die beiden eine Einladung auf das Schloss von Baron Merkens (Erland Josephson). Auf dem Schloss nehmen sie an einer Puppentheaterszenerie aus Mozarts Zauberflöte- Ewige Nacht teil. Borg wird bald von den Herrschaften mit Fragen über seine Vergangenheit und sein Künstlerdasein traktiert. Als die beiden nach Hause gehen, versichert Alma, dass sie zu Johan halten werde auch wenn die Dämonen versuchen, sie auseinanderzubringen.
Nach einer erneuten Titeleinblendung befinden wir uns im Haus der beiden. Es ist Nacht und Johan erzählt Alma von der Stunde des Wolfs. Die Kritischste Stunde, in der die meisten Menschen geboren werden und auch sterben. Johan erzählt wie er als Kind im Schrank eingeschlossen wurde und von einer Begebenheit mit einem Jungen, den er umgebracht habe, weil er glaubte, er sei ein Dämon. Sie erhalten wieder eine Einladung von Baron Merkens. Johan erhält eine Pistole zum Schutz vor Kleinwild. Als die beiden anschließend eine Auseinandersetzung haben, schießt Johan auf Alma und flüchtet in das Schloss. Er trifft dort auf Veronica sowie auf die Gesellschaft, die sich in Vogelwesen verwandeln oder sich die Gesichtshaut runter reißen. Als Johan in den Wald flieht sieht man Alma wieder, die auch die Vogelwesen sieht, die nun Johan attackieren. Als diese verschwunden sind, bleibt Alma allein zurück.
In der letzten Einstellung sieht man wie Alma wieder vom Team interviewt wird und sich Vorwürfe macht. Sie fragt sich ob sie Johan genug oder zuwenig Liebe gegeben hat und ob sie sich zuviel oder zuwenig mit seinen Visionen befasst hat. Ist es nicht so, dass man im Laufe der Jahre dem Mann den man liebt immer ähnlicher wird ?


Vargtimmen habe ich das letzte Mal vor 4-5 Jahren gesehen und nun gemerkt wie gut und intensiv ich den Film noch in Erinnerung hatte. Ich weiß noch, dass ich den Film damals als wahnsinnig verstörend empfand. Das kann ich nun nicht unbedingt wiederholen, was aber nicht die Intensität des Seherlebnisses getrübt hat.
Was ich nachwievor als sehr gelungen und immer noch aufregend empfinde, sind die Schocksequenzen im Zusammenspiel mit Ton. Das Quietschen und Grollen beispielsweise in der Szene wo Sydow den Jungen ertränkt oder am Ende als die Gesellschaft sich in Vögel verwandelt, ist äußerst wirkungsvoll und man zuckt immer noch zusammen.
Interessant ist auch was die Lichtinszenierung angeht, dass im Gegensatz zu Persona, der Fokus eindeutig auf Schatten und Dunkel liegt. Oftmals sieht man hier nur zwei Köpfe umhüllt von Schwarz. Oder ein stechender Kontrast von Hell und Dunkel tritt auf.

Ansonsten gibt es gar nicht sooo viel über den Film zu schreiben. Vargtimmen ist eine Gespenstergeschichte mit surrealen Mitteln erzählt. Die Form ist hier verknüpft mit der Schwarzen Romantik, stilistisch aufbereitet mit den Mitteln des Horrorfilms.

Stichwort Schwarze Romantik

Nach Lermontow in Persona, der zur russischen Romantik gehört, ist hier die deutsche Romantik und ganz eindeutig, um einen Namen zu nennen, E.T.A. Hoffmann als Inspirationsquelle zu finden. Die Namen die er den Kreaturen gibt wie zb. "Der Greifer" finden sich zb. in Hoffmanns Kater Murr. Der Film fängt auch angelehnt an Hoffmann an indem es heißt "Ich habe hier Dokumente gefunden, die ich hier wiedergeben möchte." Dokumente, die der Protagonist gefunden hat und sie nun veröffentlicht sind ein häufiges Motiv in der Romantik. Hinzu kommt, dass sich die Alma an den Mitfilmer zu Beginn wendet, der quasi als Herausgeber fungiert. Dann erzählt sie quasi die Geschichte innerhalb einer Geschichte, auch ein Stilmittel der Romantik.
Das was sie erzählt ist wiederum ein typischer Bergman Film. Der Künstler, die Dämonen, die ihn verfolgen, der Aussenseiter,die Psyche, das Unterbewusstsein. Das Unterbewusstsein spielt hier eine zentrale Rolle. Alma plagt sich mit der Frage inwiefern das Unterbewusstsein sich auf das partnerschaftliche Leben auswirkt, Besitz davon ergreift und einen selber auch verändern läßt. Die Grenze zwischen Wach und Tagtraum gibt es nicht. Genau wie bei E.T.A. Hoffmann. Der Film geht in Grenzbereiche, in einen schwarzen Teil. Traum und Nacht sind wie bei Hoffmann symbolisisert und hier visualisiert. Die dunkle Welt tritt zum Vorschein.

In der zweiten Hälfte des Films, die explizit durch Zwischentitel als "Die Stunde des Wolfs" eingeleitet und bebildert wird, verläßt der Film ähnlich wie Persona, die narrative Struktur und wird zum Alptraum in dem es auch keine Zeitverankerung mehr gibt. Alles hebt sich auf und die Schrecken von denen berichtet wurde, brechen hervor. Die Kraft und Wirkungsweise der Dämonen, die ihn beherschen, werden gezeigt. Wir bekommen auch Hinweise auf die Ursachen für die Visionen, wie zb. das Bestrafungsritual aus der Kindheit, von dem Johan erzählt. Erniedrigung, Angst, Demütigung und der Künstler, der das für uns erlebt und verarbeitet. Alles Bergman Themen, die immer wieder in seinem Schaffen zu finden sind und auch biografisch verankert sind.

Was Vargtimmen außer seinen wirkungsvollen Effekten auszeichnet, ist die permanent angespannte Atmosphäre. Alles wirkt symbolträchtig und doppeldeutig. Da ist die Gesellschaft in ihrem Schloss, die hohl und dumm ist und gleichzeitig sehr gefährlich wirkt oder die Szene mit dem Ausschnitt aus Mozarts Zauberflöte, die schön und gleichzeitig unheimlich ist. Dennoch erreicht er nicht die formale Ästhetik eines Persona, wirkt im Vergelich fast harmloser, typischer und fast schon gefälliger. Obwohl alles da und auch faszinierend ist, hat es nicht die Intensität und Überzeugung. Insgesamt aber natürlich ein guter Bergman, den ich mir gerne noch ein drittes Mal ansehe.

8/10


Skammen (Schande)


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Das Ehepaar Jan und Eva Rosenberg (Max von Sydow & Liv Ullmann), beides Musiker, leben zurückgezogen auf einer kleinen Insel. Auf dem Festland herrscht Krieg, der noch nicht auf die Insel übergegriffen hat. Feindliche Fallschirmjäger landen des Nachts auf ihrem Hof. Sie werden vor laufender Kamera über ihre politische Gesinnung ausgefragt. Schon bald werden sie von den eigenen Machthabern gefangen genommen. Das Interview, welches verändert wurde, läßt sie als Kollaborateure dastehen. Mit Hilfe von Oberst Jacobi (Gunnar Björnstrand) kommen sie allerdings frei. Sie versuchen zu fliehen kommen allerdings nicht sehr weit und müssen umkehren. Jacobi nutzt nun seine Macht um die vorher freundschaftliche Beziehung zu den beiden auszuweiten. Besonders auf Eva hat er es abgesehen. Er treibt sie in körperliche Abhängigkeit und bezahlt sie für ihre Dienste. Eva läßt dies mit sich geschehen und prostituiert sich teils vor Jans Augen, den sie wegen seiner Feigheit undWeichheit verachtet. Jacobi bittet Eva Geld aufzubewahren. Als Jan das Geld sieht nimmt er es an sich. Wenig später überfallen Partisanen das Haus. Jacobi wird wegen Korruption angeklagt. Jan leugnet das er das Geld genommen hat und soll Jacobi erschießen. Er richtet ihn vor dem Haus hin. Die Partisanen brennen alles nieder und Jan, den das Geschehene verändert hat, ist von jetzt an rücksichtslos auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Sie fliehen zu Fuß an die Küste. Auf dem Weg treffen sie auf einen jungen Soldaten, den Jan in einem Wutanfall erschießt. Mit dem gestohlenen Geld erkaufen sie sich einen Platz auf einem Boot. Zusammen mit anderen Flüchtlingen sind sie nun draußen auf dem Wasser als die Vorräte ausgehen. Eva erzählt von einem Traum und um das Boot herum treiben Soldatenleichen.


Skammen ist ein ziemlich harter Brocken von Film. Ein absolut deprimierendes Erlebnis. Ein Alptraum. In der Mitte des Films sagt Eva "Das kommt mir alles vor wie ein Traum, den ein anderer träumt und ich bin gezwungen diesen Traum weiterzuträumen."

Das dieser Film ein schwer auszuhaltendes Gefühl vermittelt, hat auch viel mit dem dokumentarisch, realistischen Cinema Verité Stil zu tun, den Bergman hier vielfach anwendet. Zum ersten mal sieht man bewußt Handkamera Einsatz in einem Bergman Film, besonders in den Angriffsszenarien ist die Kamera auffallend schnell in Bewegung. Die stilisierten s/w Abgrenzungen stehen hier nicht im Vordergrund. Skammen ist der letzte in s/w gedrehte Kinofilm gewesen, der nachfolgende Riten war fürs Fernsehen konzipiert. Surrealistische Elemente fehlen hier auch komplett, das Szenario ist ganz dem Realismus unterworfen und hat dennoch etwas traum, etwas alptraumhaftes.

Kommen wir zu dem was hier erzählt wird :
Abgesehen davon, dass Krieg herscht ist ersteinmal die Tatsache interessant, dass sich die 2 Hauptfiguren verändern und das Verhältnis der beiden zueinander sich fast umkehrt. Während Eva am Anfang den dominierenden, tatkräftigen, realistischen, energischen Part einnimmt, verliert sich zum Ende hin Jans zögerliches, empfindliches, wehleidiges, passives Verhalten hin zu einer undifferenzierten, brutalen, rücksichtslos-inhumanen Verhaltensweise. Sie kann ihre starke Art nicht mehr entfaltetn und wird zur hilflosen Person, als hätte man ihr das Leben genommen. Anfangs verstecken sie sich vor dem Krieg, nehmen passiv daran Teil und haben keinerlei Stellung zu dem was um sie herum geschieht. Selbst die Nacht in der die Fallschirmspringer vor ihrem Haus landen lässt nichts an ihrer Passivität zerbröckeln. Der Wendepunkt ist dann die Szene in der sie gefangen genommen werden und ihre Persönlichkeit als auch ihre Beziehung langsam durch den Bürgermeister/Oberst Jacobi beschnitten wird. Nun herscht Terror. Sie beginnt sich vor Jans Augen zu prostituieren, wird zunehmend aggressiver, während Jan noch sein passives, teilnahmsloses Verhalten inne hat. Ab dem Moment wo die Partisanen kommen und Jan Jacobi erschießt, ab diesem Punkt schlägt das Zögern vollkommen in Aggression um und Eva ist ihm ausgeliefert.

Das Geld, welches Jacobi Eva gibt, ist ein Symbol für Prostitution und für Evas Scham, die sie empfindet. Als Jan dieses Geldbündel unterschlägt bekommt es für deren Schande einen symbolhaften Charakter. Die Angst macht den Feigling schlussendlich zum Mörder.
Interessant ist auch, dass der Krieg, der vollkommen austauschbar bleibt und immer präsent, ob gesprochen oder gezeigt, ist, zwar in die Beziehung eingreift, sie aber nicht dominiert. Die Beziehung steht immer im Vordergrund.

Sicherlich ist dieser Film unterschwellig auch ein Kommentar zum Vietnamkrieg gewesen. Von der politischen Seite wurde Bergman angegriffen, er würde in seinen Filmen keine Stellung beziehen. An Politik war Bergman auch nie interessiert. Was Skammen heute noch auszeichnet ist die Tatsache, dass er seine Themen um Erniedrigung, Schuld, Scham, Schande hier in einen gewissermaßen zeitlosen Kontext einbaut. Der Film wirkt in seinem schwer verdaulichen Szenario immer noch nach.

8/10


Riten (Der Ritus)


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Eine Künstlergruppe, bestehend aus Hans Winkelmann (Gunnar Björnstrand), seiner Frau Thea (Ingrid Thulin) und Sebastian Fisher (Anders Ek), werden wegen einer angeblich obszönen Pantominenaufführung von dem Untersuchungsrichter Abrahamson (Erik Hell) verhört. Winkelmann ist seiner Frau, die ein Alkoholproblem und mit Sebastian ein Verhältnis hat, überdrüssig. Er spielt mit dem Gedanken die Gruppe endgültig aufzulösen, denn auch sein Kollege Sebastian hängt ihm mit seinen Geldproblemen zum Halse raus. Der Richter vernimmt die Gruppe zuerst zusammen, dann jeden einzeln. Dabei werden seine Fragen sehr schnell persönlich und indiskret. Als er Thea befragt, verliert er die Beherschung und versucht sie zu vergewaltigen. Nun bietet das Trio Abrahamson eine Privatvorstellung der beanstandeten Performance an. Am Ende des sogenannten Ritus stirbt Abrahamson an einem Herzinfarkt, nachdem er von den Schauspielern gedemütigt wurde.

Riten ist ein reines Dialogstück, welches eigentlich fürs Theater gedacht war, dann aber fürs Fernsehen aufbereitet wurde. Bergman schrieb das Stück vor den Dreharbeiten zu Skammen, realisierte es dann hinterher und wurde von seiner eigenen Firma "Cinematograph" produziert. Herausgekommen ist ein absurdes, kafkaeskes, witziges und böses Kammerspiel, welches der Geschichte von Ansiktet nicht unähnlich ist. Obwohl man dem Film den Theaterursprung anmerkt (Szenenauf und abgang, Einleitung, nur Dialoge) ist das ganze kameratechnisch sehr gut gelöst. Der Film besteht fast nur aus Halbnahen, Nah und Großaufnahmen. Bergman wollte damit sich dem Medium TV anpassen und fand, dass dies dem Rhythmus des Mediums entspreche. Weiter hat der Film ein gutes Tempo, ist durchgehend spannend sowie einige großartige Dialoge zu bieten.

Eigentlich weiß man in Riten gar nicht so wirklich worum es geht. Die Verhöre der Schauspieler bilden die Rahmenhandlung. Die Künstler, untereinander, befinden sich in einer merkwürdigen Mischung aus Abhängigkeiten, Hilflosigkeiten, Demütigungen und aber auch Liebe. Ganz typisch Bergman auch die Tatsache, dass dies trotzdem in Frage gestellt wird. Sie kommen nicht voneinander los und gleichzeitig können sie sich nicht ertragen und möchten am liebsten fliehen. Das Leben der Schauspieler auf der einen und das Publikum in Form des Richters auf der anderen Seite. Im Grunde ist der Richter Zuschauer, der am Leben der Schauspieler teil hat bzw. haben will. Der Richter betont, dass sei alles eine reine Formsache, ist aber gleichzeitig mit seinen Fragen indiskret bohrend und fragt Dinge, die mit der Sache ansich nichts zu tun haben. Absurd ist auch die Tatsache, dass dies von den Schauspielern als ganz normal gesehen wird. Dem Aggressiven gegenüber ist er defensiv, dem freundlich-souveränen ist er abweisend und gnadenlos und bei der Frau Thea wird er physisch zudränglich und versucht sie zu vergewaltigen. Als ihm die Nummer am Ende vorgeführt wird, stirbt er, was wie man auf einer Texttafel am Ende erfährt, keine großen Konsequenzen hat. "Verurteilt wurden sie aber dies ist nur reine Formsache", heißt es da.

Laut Bergman ist "der Ritus" das Spiel zwischen dem Künstler und seinem Publikum und der Gesellschaft. Diese beiderseitige Mischung von Demütigung und gemeinsamem Bedürfnis. Das ist das Rituelle.

Dies hat er hier auf absurd-witzige und bösartige Weise auf die Spitze getrieben.
Wie in vielen anderen Bergman Filmen auch, wird hier herausgeschält, dass das Künstler und Schauspielerdasein auch immer etwas erniedrigendes mit sich trägt. Ein immer wiederkehrendes Motiv.


Schön auch diese Szene, als der Richter beichten geht um sein Gewissen zu erleichtern, sieht man Bergman selbst als Priester.
Natürlich ist dies ein Hommage an das Siebente Siegel.
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8/10


En Passion (Passion)


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Auf einer kleinen Insel lebt Andreas Winkelmann (Max von Sydow) zurückgezogen, abseits eines Dorfes. Als eines Tages Anna Fromm (Liv Ullmann) sein Telefon nutzen möchte, vergisst sie ihre Handtasche bei ihm. In dieser liegt ein Brief, den Andreas liest und in dem steht, dass sie ihren Mann, der auch Andreas heißt, um die Scheidung bittet. Anna wohnt bei dem Ehepaar Elis und Eva Vergerus (Erland Josephson & Bibi Andersson). Als Andreas die Tasche zurückbringt, bleibt er über Nacht bei ihnen. Nachts hört man Anna schreien. Andreas erfährt, dass sie ihren Mann und ihr Kind bei einem Autounfall verloren hat, als sie am Steuer saß. In den nächsten Tagen verbringt Andreas einige Zeit mit Elis, der ein erfolgreicher Architekt ist und eine merkwürdige Passion für die Porträtfotografie entwickelt hat. Andreas läßt sich auf eine kurze Affäre mit Eva ein, die auch eine mit Annas verstorbenem Mann hatte. Derweil geht auf der Insel ein Tiermörder um. Die Bewohner verdächtigen den alten Andersson (Erik Hell), zu dem Andreas eine freundschaftliche Beziehung hat und bedrohen ihn in anonymen Briefen. Andreas und Anna gehen eine Liebesbeziehung ein. Anna zieht in seine Hütte, doch währt die Beziehung nicht lange. Beide halten an ihrer Vergangenheit fest und können nicht loslassen. Nachdem Andersson Selbstmord begangen hat, eskaliert auch die Situation zwischen Anna und Andreas. Es kommt zum Streit in dem Andreas auf Anna einschlägt. Kurz darauf wird ein Stall in Brand gesteckt. Andreas und Anna besuchen den Tatort und fahren gemeinsam wieder zurück. Im Wagen sagt Andreas zu Anna, dass er eine Trennung für das Beste hält, worauf Anna schneller fährt. Darauf reagiert Andreas mit der Frage ob sie ihn auch umbringen wolle, wie zuvor ihren Mann. Andreas springt aus dem Auto während Anna weiterfährt. Er bewegt sich ziellos im Kreis. Der Film endet mit den Worten des Erzählers "Diesmal war sein Name Andreas Winkelmann"
Anzumerken sind noch die kurzen Einschübe während des Films, in denen die Schauspieler über ihre Rolle befragt werden.


Passion ist ein merkwürdiger, ziemlich sperriger Film.
Merkwürdig weil er sehr ungleichmäßig ist. Schnitt/Tempo halten sich hier nicht die Waage. Hinzu kommt eine elliptische Erzählweise, die mit der Montage einhergeht, sowie die merkwürdige Erzählerstimme aus dem Off und die 4 Zwischenschnitte in denen die Schauspieler ihre Rollen in geskripteten Dialogen reflektieren. Irritierend ist auch, dass ab dem Zeitpunkt wo Andreas und Anna eine Beziehung eingehen, der Film auf einmal eine ungeheure Dynamik entwickelt, ja sich geradezu aufbäumt. Die Schnittfolge beschleunigt sich und der Film rast geradezu auf sein Ende hin.
Man merkt, dass Bergman hier viel ausprobiert hat. Mit Erzählstrukturen und experimentiert hat. Allerdings ist das nicht wirklich konsequent. Der Film wirkt sehr experimentell inkl. einer äußerst ehrgeizigen Fotografie, die aber nicht immer mit der Geschichte konform geht. Das Experimentieren mit Farbe, Licht und Schatten steht oftmals sehr im Vordergrund und fügt sich nicht in einen durchgehenden Fluss sondern wirkt eher wie aneinandergereihte Szenen. Im Vergleich mit Persona, Vargtimmen oder Nattvardsgästerna, wo die Lichtgestaltung eine weitere Figur des Films darstellt und psychologisch in den Film und die Figuren einwirkt, wirkt es bei Passion nicht als Mittel diese Geschichte zu erzählen.
Dies ist Bergmans erster "richtiger" Farbfilm und er war mit dem Ergebnis auch durchaus zufrieden. Folgende Filme sind von jetzt an alle in Farbe. Man merkt Passion an, dass Bergman und Nykvist hier viel experimentiert und ausprobiert haben.

Die Figuren in Passion sind sehr fragmentarisch und sind völlig entwurzelte, leere Menschen, die sich alle auf einer Insel zusammenfinden und obwohl vieles wirkt als hätte es kein richtiges Konzept gegeben, geht von ihnen dennoch eine gewisse Faszination aus. Die Atmosphäre auf der Insel wirkt bedrohlich. Während in Skammen die Bedrohung von Außen kam und visualisiert wurde, kommt sie hier, abgesehen von den Tiermorden, von Innen. Sie sitzt hier in den Menschen. Skammen und Passion gehören auch explizit zusammen. Passion zitiert Skammen dann auch wortwörtlich in der Traumszene von Anna, die eine Fortführung von Skammen darstellt. Das Ende wird hier weitererzählt.


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Passion ist wie ein Steinbruch. Der Film überzeugt nicht wirklich und dennoch gibt es hier ganz grandiose Szenen zu finden. Seien es einzelne Szenen in denen die Farbdramaturgie eine Rolle spielt oder auch die obige Traumszene oder diese hier, die man leicht übersehen könnte. Es ist die Frühstücksszene schon knapp am Ende, bevor sich der Film, wie ich oben schrieb, aufbäumt.
Eine wahre Musterszene. In dieser Szene passiert nichts weiter als das sich Sydow und Ullmann am Tisch gegenüber sitzen und essen. Nichts weiter ? Doch, denn hier ist eine unterschwellige Spannung enthalten, die zum bersten ist, so dass man in jeder Sekunde das Gefühl hat, der Salzstreuer würde gleich aus der Leinwand fliegen. Jede einzelne Bewegung ist mit unterdrückter Wut gespielt.


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Als Spiegelung dieser Szene folgt darauf die Holzhackszene, die logische Konsequenz. Die Schnittfolge steigt auf einmal rasant da nun alles rausbricht und sich die ganze angestaute Wut in Schlägen entlädt. Am Ende dieser Szene sieht man Annas rotes Kopftuch im Schnee liegen.

En Passion mag im Vergleich mit anderen Filmen Bergmans ein wenig abfallen doch allein diese Szene ist pure Magie, in der Bergman sein ganz großes Können unter Beweis stellt.

Passion ist der abschließende Teil von Bergmans Fårö-Trilogie. Von nun an dreht er in Farbe und mit dem nächsten Film sind wir dann auch schon in den 70ern :)

6-7/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Max von Sydow Liv Ullmann Fårö-Trilogie Licht Schatten Farbe Romantik E.T.A. Hoffmann Theater Krieg Traum Angst


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Berlinale 2014


Im Kreislauf der Berlinale und ein Bier am Alex


Dies war sie nun. Meine allererste Berlinale, dabei ist sie noch nicht einmal komplett gewesen. Von Montag bis Freitag ließ ich mir das Menü servieren und ich kann schon jetzt sagen, ich wurde satt.

Wo soll ich anfangen ?

Im Prinzip startet der Prolog schon mit den aufwenidigen Vorbereitungen. Ein Programm von 400 Filmen durchzusehen geht ja noch wenn man die Zeit dafür hat und die hatte ich. Schwieriger wurde es dann mit der Titel und Zeitplanung. Ich war ja nicht ganz allein, stimmte mich noch mit zwei weiteren Mitstreitern ab, 2 alte Berlinale Hasen. Anfang Februar hatte ich schon Urlaub. Von Ausschlafen war aber keine Rede. So ein durchgetaktetes Programm muß ja auch gebucht werden und so torkelte ich schon am Montag, 3 Tage vor Berlinale Beginn, mit nem Kaffee in der Hand zum Rechner um die begehrten Tickets zu buchen, die punkt 10 Uhr Morgens freigeschaltet wurden. Dieser Trott ging 5 weitere Tage so. Im Bann der Berlinale bekam ich zusätzlich zum Kaffee einen jeweils 10 minütigen Vorgeschmack auf das was mich von Montag bis Freitag in der Hauptstadt erwarten würde. Der Kick des Filmfestspiele.

Montag, Abfahrt. Mein Handy klingelte. Freitag mußte umgeplant werden. Die 10 Uhr Vorstellung von Linklaters Boyhood war ausverkauft, was die restliche Freitags Planung umwarf. 12.30 war aber drin. Ticket sicher. Im Zug wurde ich auf das Buch was ich las (Howard Hawks von Rolf Thissen) angesprochen und 10 Jahre jünger geschätzt. Charming. Professorin aus Köln, fuhr auch zur Berlinale. In Berlin dann fix zur Unterkunft nach Pankow, Koffer abgestellt, geschnackt und dann gings los um einen Haufen Tickets zu holen. Am Potsdamer Platz bekam ich in den Arkaden am Ticket Schalter einen kurzen Schreck. Die Schlange war sehr lang, betraf mich aber nicht da ich alles online gebucht hatte. Ich ging einfach vorbei zur Online-Ticket-Abholung. Da stand niemand. Prima !
Im Cinemaxx ging es im Achter Kino dann auch los mit einem Titel aus der Retrospektive. Air Force aus dem Jahre 1943, drehte Howard Hawks damals auf Bitte eines befreundeten Offiziers. Natürlich ist der Film ein reiner Propagandafilm aber einer der sich unglaublich gut ins Hawksche Oeuvre einfügt. Air Force ist ein richtiger Männerfilm in dem es natürlich um eine Gruppe Professionals geht. Diese Gruppe ist die Besatzung eines Boeing Bombers im Zweiten Weltkrieg, die ihre Festung "Mary Anne" getauft haben. Während eines Übungsflugs bekommt die Truppe einen Funkspruch über die Bombardierung Pearl Harbors rein. Wenig später wird der Bomber von japanischen Fliegern angegriffen. Die Besatzung muß notlanden und schafft es ihr Baby wieder flottzumachen um am Ende einen erfolgreichen Angriff gegen einen japanischen Truppenkonvoi durchzuführen. Es geht innerhalb der Gruppe auch um die Integrierung eines Aussenseiters der lieber Pilot sein will als MG-Schütze und von der Army eigentlich die Schnauze voll hat. Dieser darf sich am Ende beweisen in dem er "Mary Anne" bruchlandet und somit rettet. Im Grunde genommen kann man Air Force, der natürlich Kriegsfilm und teils auch aggressiv in seinen Dialogen ist, auch als Action-Abenteuerfilm bezeichnen. Nie wird die Professionalität der Gruppe in Frage gestellt.Hawks geht es mehr um das Wie ? und Wer ? als ums Warum ? und Wofür ? Wobei letzteres natürlich auch eine Rolle spielt, da unterschwellige Rache mitschwingt. Interessant ist aber wieviel Menschlichkeit in diesem Werbefilm für die Air Force steckt. Ein typischer Hawks mit übrigens grandiosen Flugaufnahmen. Wundert einen nicht wenn man weiß das Hawks selber begeisterter Flieger war. 8/10 Punkten. Achja, die Qualität der frisch restaurierten Kopie war auch allererste Sahne. Ein knackig scharfes s/w.

Nächste Station Schönhauser Allee, Colosseum. Vorher hatte ich noch Luft und aß beim Vietnamesen. Neben mir unterhielt man sich über Leonardo Di Caprio Filme. Am Tisch gegenüber ging es um Wes Anderson. Ich genoß Garnelen mit Gemüse und Reis. Dann zu später Stunde rüber ins Kino. Güeros (Alonso Ruizpalacios) Panorama ist ein mexikanischer Debutfilm. Ein Roadmovie in s/w im 4:3 Format. Der Film spielt 1999 während der Studentendemonstrationen in Mexiko City. Der junge Tomas, sein großer Bruder und sein Freund machen sich auf um einen alten Musiker zu suchen, der für das Tape verantwortlich ist, welches ein Erbstück von Tomas Vater ist und der Legende nach Bob Dylan zum weinen brachte. Die Reise wird ganz Road-Trip typisch zur Selbsfindung. Zwischendurch steigen der Regisseur und Kameramann ins Auto und die Darsteller reflektieren später in einer Szene mexikanische Filmgeschichte indem sie sich im Dialog über Klischess lustig machen. Überhaupt gibt es viele witzige Szenen, die alle 5 Minuten für Publikumslacher sorgten sowie einige tolle Einstellungen und auch nette Ideen, wie die, das immer wenn jemand das Tape per Kopfhörer hört, wir nicht die Musik hören sondern nur die Reaktion sehen. Das ganze wird mit dokumentarischer Handkamera eingefangen und erinnert auch wie beworben an die Nouvelle Vague. Mich erinnerte es an einen Mix aus New Wave der 60er und den frühen Filmen von Jim Jarmusch gepaart mit ein wenig Rumble Fish von Coppola. Der in 5 Kapitel unterteilte Film, der ganz nebenbei die Frage stellt "Resignation oder Partei ergreifen", konnte mich letzten Endes aber doch nicht wirklich überzeugen. Dafür wirkte er auf mich oft zu lose, hatte zuviel Leerlauf und wirkte wiederum zu überambitioniert. Doch bei weitem kein schlechter Debutfilm. Witzig und interessant ist auch, dass die Reise nie aus Mexiko City hinausgeht. Am Ende befinden sie sich in einer Demo. Auf die Frage "Wo sind wir"? folgt ein "In Mexiko City." 6/10 Danach war der Regisseur anwesend, der ein echter Spaßvogel war. Ich mußte dann doch schnell los um meine S Bahn zu kriegen.

Dienstag startete ich wieder am Potsdamer Platz, traf mich auf nen Kaffee mit Bastro, was leider unser einziges Treffen blieb, da wir uns danach immer wieder verpassten und begann den Tag wieder mit einem Film aus der Retrospektive. Marcel Carnés Le quai des brumes (Hafen im Nebel) von 1938 10/10 kannte ich zwar schon, passte aber gut ins Programm. Außerdem wollte ich den Film gerne mal auf großer Leinwand gesehen haben. Der, für den Film Noir, immens einflussreiche Schlüsselfilm des "poetischen Realismus" bereitete mir einen Schauer nach dem anderen sowie feuchte Augen. Neben mir saß ein älterer Herr, der sich ständig Notizen machte und an fast denselben Stellen wie ich "Ah" und "Hach" machte. Vorab gab es eine 10minütige Einführung eines Professors aus Marburg, der einmal etwas zur Bedeutung des Films sowie zur Lichtdramaturgie erzählte aber auch und das war mir nicht bekannt, zur Produktionsgeschichte. Der Film sollte erst in Babelsberg gedreht werden, was Carné dann aber verwarf, da ihm die Gegebenheiten zu theaterhaft waren. Gedreht werden sollte in Hamburg. Wurde dann aber sehr zügig vom Reichskulturministerium untersagt und so ging es zurück nach Frankreich wo der Film dann in Paris und Le Havre gedreht wurde. Trotz der teils körnigen Bildqualität (bin mir nicht sicher aber irgendwie sah das nach DVD Projektion aus) ging ich mit Pipi in den Augen zurück ins Helle und mußte mich sputen um zum Alex zu kommen.
Da gab es dann The Midnight After von Fruit Chan (Panorama) im Kubix. Schon wieder eine Gruppe. Diesmal ein zusammengewürfelter haufen Passagiere in einem Minibus in Hongkong. Der Bus fährt durch einen Tunnel und plötzlich ist alles um sie herum menschenleer. Einige Passagiere steigen aus, was fatale Folgen für sie hat, andere machen Entdeckungen und wiederum andere meinen des Rätsels Lösung erkannt zu haben. Viel mehr gibt es auch nicht zu sagen obwohl natürlich einiges noch passiert. Ich empfand Fruit Chans Film als mediokre Komödie, die westliche Genrestrukturen aufs Horn nimmt und sich in den vielen Figurenklischees, die alle genremäßig auf den Kopf gestellt werden, leider verliert, kitschig ist, sich wiederum drüber lustig macht, moralische Konsequenzen halbherzig adabsurdum führt inkl. bewusst oder unbewusst trashiger Effekte und Fukushima Angst der Chinesen.
So oder so ähnlich textete ich das Bastro und muß zugeben, dass ich den Film mit 5/10 vielleicht zu schlecht bewerte aber auch hier das Gefühl hatte, ich kenne zu wenig Asia Kino um dem Film gerecht zu werden. Mir war das auch viel zu überzogen, viel zu albern und zu konstruiert als das ich die Invasion der Japaner samt "Space Oddity" und Technik Karikatur für Voll nehmen konnte.
Cut !
Fahr zum nächsten Kino. Berlinale goes Kiez. Filmkunst 66, Savignyplatz. Hatte ziemlich viel Zeit und lief erstmal in die falsche Richtung und kam an ner Videothek vorbei. Konnte mich nicht zurückhalten und kaufte Trance von Danny Boyle. Für n 5er kann man nicht meckern. Kino gefunden. Roter Teppich ausgelegt, Stars wurden erwartet. Immer noch Zeit und suchte ne Kneipe. Fancy Gegend. Eine Straße weiter ist der Kudamm. Keine Kneipen. Nur teure Restaurants und schnieke Weinbars. Ging ein paar Blocks den Kudamm runter und kam in den Seitenstraßen an sehr teuren Altbauwohnungen vorbei. An der Straße standen 2 Ferraris, 3 Porsche, der Rest MB und BMW. Zurück im Kino kaufte ich n Becks. Dann halt stehen und Bier trinken. Das kleine Foyer füllte sich langsam. Einlaß. Gezeigt wurde Things people do von Saar Klein (Panorama) 6-7/10. Saar Klein ist ein in Israel geborener US amerikanischer Cutter, der sein Regiedebut mit dieser Weltpremiere vorlegt, 2 Oscarnominierungen für den besten Schnitt (Almost Famous & The Thin Red Line) zu verbuchen hatte, für den Schnitt von The Bourne Identity und Malicks New World verantwortlich war sowie Schnittassistent bei Oliver Stones JFK war. Die Stars des Abends waren zunächst Matthias Elwardt (Chef vom Hamburger Abaton Kino) und Fatih Akins Cutter Andrew Bird. Elwardt, der den Host und Interviewer gab, sprach zunächst ein wenig mit Bird über dessen Arbeit mit Akin. Dann wurde Saar Klein und sein Kameramann, der junge Wiener Matthias Koenigswieser nach Vorne gebeten um sich kurz vorzustellen. Koenigswieser hat mit Saar Kleins Regiedebut seinen ersten Spielfilm vorzuweisen. Vorher war er Kameramann für einige prämierte Kurzfilme sowie für die hochgelobte Boxerdokumentation "Tapia". Nach dem Film wurden die zwei dann noch kurz interviewt und es gab ein Q+A mit dem Publikum. Things people do ist ein Familiendrama, besser gesagt ein Vaterdrama, noch besser gesagt ein Männlichkeitsdrama. Natürlich fließen diese 3 Punkte zusammen und ergeben einen Film in dem, wenn man es so sehen möchte, konservative Familienwerte mittelständischer US-Amerikaner auf eine harte Probe gestellt werden. Es geht um eine Familienvater (Wes Bentley) der, weil er in der Versicherungsfirma in der er arbeitet schummelt, seinen Job verliert. Die Hypothek seines Hauses am Rande der kargen Einöde kann nicht mehr bezahlt werden und das Familienstatussymbol Pool samt Auto auch nicht. Der Pool, der am Ende einbetoniert wird, spielt eine wichtige Rolle. Der Vater ist der Gute und schämt sich für seine neue Situation. Diese Scham macht ihn klein und durch Zufall wird er unmoralisch zum Verbrecher, der Nachts eine Tankstelle überfällt in der eine Frau arbeitet, die sexuell belästigt wird oder die Firma, die sein Auto abgeschleppt hat und Wucherpreise von ihm verlangt um es wiederzubekommen. Seine Frau weiß davon nichts. Alles geht seinen gewohnten Gang doch das Geld was er erbeutet reicht nicht. Dann ist da noch der kaputte Ex-Cop (Jason Isaacs), der ihm auf die Schliche kommt und natürlich durch das Familienband (geschieden) verbunden ist, der ihm in der Mitte des Films suggeriert "The only thing that counts are the things people do."
Dem Film wurde gleich nach der Premiere Sexismus vorgeworfen weil der Familienvater ein Männlichkeitsproblem habe und die Rolle der Mutter im Film keine Rolle spielen würde bzw. ausgenutzt werde. Die Kritik geht am Film ein wenig vorbei, wie ich finde. Wir befinden uns hier nicht in einem normalen Sozialdrama, wo die Frau, die ganz nach Malick stilisiert wird, arbeiten gehen könnte.
Es geht hier um das Wegbrechen von Idealen, von männlichen Idealen, was auch immer wieder sich in den Gesprächen des Vaters mit seinen kleinen Söhnen wiederspiegelt. Was die Familie angeht so kreuzen sich die Figuren des Vaters und des Cops nicht nur, sie sind miteinander verbunden. Am Ende gibt Klein keine Antwort sondern stellt sein Modell zur Disposition.
Interessantes beim Q+A ? Eher weniger. Der Regisseur gab aber noch kurz an, dass er die Story im Sinne Raskolnikov und "Schuld und Sühne" drehen wollte. Interessant ist aber wieviel Malick in der Bildsprache vorhanden ist und obwohl der Regisseur den direkten Einfluss verneint, aber sagt, dass Malick ihn natürlich beeinflusst habe, ist dieses unterbewusste schon recht stark zu sehen. Da sind die vier Elemente, die immer wieder ins Bild gesetzt werden oder der Offkommentar, der wie bei Malick Gedanken und Gefühle ausspricht. Das fand ich in der Tat sehr interessant, da der Film sonst von der Inszenierung narrativ geerdet daher kam. Kein Film der es mir leicht machte. Im Gegenteil. Ich verbrachte noch 1,5 Stunden grübelnd im Bett.

Mittwoch. Neuer Tag. Die Malick-Schüler-Experience Nummer 2. The better Angels von A.J. Edwards (Panorama) 7-8/10, der auch als Cutter für Malicks letzte Filme Tree of Life und To the Wonder zuständig war. Anstatt jetzt hier viel zu schreiben, verweise ich einfach mal auf Settembrinis Berlinale Bericht, der den Film am Montag sah und dessen Eindrücke sich recht gut mit den meinen deckten. Schön ist auch die Kombination, diese 2 Filme hintereinander gesehen zu haben. Zwei im Grunde sehr unterschiedliche Filme, die aber beide die Handschrift Malicks recht deutlich zeigen. The better Angels ganz offensichtlich und Things people do eher unter der Oberfläche. Es dürfte interessant sein zu beobachten was diese Regisseure in der Zukunft noch so drehen werden. Mir gefiel The better Angels ganz gut und ich ärgerte mich auch nicht, dass ich dadurch "The Dawn Patrol" von Howard Hawks verpasste, den ich eigentlich auch ganz gern gesehen hätte. Als ich meine Panorama Publikumspreis Karte einsteckte, merkte ich, dass ich wohl mit meiner Meinung in der Minderheit war. 5 Leute vor mir hatten ihr Kreuz bei ärgerlich oder mittelmäßig gemacht. Ähnlich wie wohl die zwei letzten Malick Filme und eigentlich schon ab Thin Red Line spaltet auch dieser Film.
Wieder am Potsdamer Platz. Nächster Termin um 18 Uhr Ken Loach Conversation in der Kinemathek. Ich hatte noch Luft, aß mein Lunch Paket und machte mich auf in die Kinemathek. 1,5 Stunden Zeit. Kaufte mir im Museumsshop die Blu Ray von "Harakiri" und fragte nach der vergriffenen Lunitsch Stummfilm Box, die leider nicht mehr vorhanden war. Um kurz vor fünf fuhr ich mit dem Fahrstuhl hoch und da warteten schon nicht wenig Leute. Ich war aber trotzdem recht weit vorne. Um 17.30 Uhr Einlass. Ich stürzte nach hinten und konnte am Fenster noch einen Sitzplatz ergattern. Gut das ich so früh da war. Nicht gerade groß der Raum und proppenvoll. Vorn in der ersten Reihe erblickte ich Paul Laverty, den langjährigen Drehbuchschreiber mit dem Ken Loach oft zusammenarbeitet. Um Punkt 18 Uhr kam dann Ben Gibson (Director London Film School), der Loach interviewte und kurz darauf Ken Loach höchstpersönlich. Ken Loach gehört zu den Regisseuren, die ich seit etlichen Jahren sehr schätze und zwar nicht nur als Regisseur sondern auch als Person öffentlichen Lebens abseits seiner Filme. Das wurde einem auch schon nach nicht einmal 5 Minuten gewahr als Loach sagte, dass er es eigentlich als diskreditierend empfände, dass bei diesem Gespräch kein Übersetzer anwesend sei, da so ein Interview eigentlich in der Sprache des Landes gehalten werden sollte. In der folgenden Stunde wurde Loach von Gibson über sein Werk und seine Arbeitsmethoden interviewt, begleitet von einzelnen Film Ausschnitten. Das war hochinteressant, wahnsinnig spannend und auch sehr bewegend. Selbst wenn man schon einiges aus Interviews, Dokus und Büchern kannte, wirkte die Stunde wahnsinnig dicht. Zwischendrin gab es immer mal wieder Applaus zb. als das Zitat zur Thatcher Beerdigung angesprochen wurde. Am Ende Standing Ovations. Hätte mir gerne ein Autogramm geholt und ihm persönlich gesagt wie sehr mich seine Filme bewegt haben doch die Zeit drängt, da im Cinemaxx nebenan auf Gleis Acht Sternbergs Shanghai Express (1932) (Retrospektive) wartete. Schon zweimal gesehen, passte auch die Vorstellung gut ins Programm und in den Zeitplan. Viel Schicki-Micki und auch älteres Publikum anwesend. Klar es gab die Dietrich zu sehen. Die Qualität war ok. Es wurde viel gelacht, was teils merkwürdig war, da der streckenweise schon witzig ist aber keine Komödie. Ein Kuriosum was mir auch bei anderen Filmen der Retrospektive auffiel und was vielleicht auf Unverständnis und das Alter des Films zurückzuführen wäre. Naja wie dem auch sei. Ich ließ mich in die exotische Atmosphäre fallen, achtete gebannt auf die Lichtinszenierung, folgte den langen Überblendungen und wurde von Marlenes Dialogen geradezu umnebelt. Apropos : Nebel. Den hatte ich auch neben mir. Da saßen zwei ältere Damen, die sich so eingedieselt hatten, dass ich nach kurzer Zeit Kopfschmerzen bekam. Zurück zu Shanghai Express. Sternbergs 4. Film mit Marlene ist definitiv ein Style over Substance Film. Die Story bleibt hier wirklich Nebensache. Ein Film der nur von seiner Atmosphäre lebt. 8/10

Danach hatte ich es dann auch nicht weit zum Berlinale Palast, wo es die Gala Premiere von Bai Ri Yan Huo (Black Coal Thin Ice) von Diao Yinan (Wettbewerb) , dem diesjährigen Gewinner des Goldenen Bären, stattfand. Mein Kumpel wartete schon draußen, es kam noch ein Freund von ihm dazu, ein anderer saß schon drinnen. Nach ein wenig Wartezeit bekam man dann Einlaß in den Premieren Palast. Ich saß Parkett, relativ weit vorne, wo man auf einer kleinen Leinwand verfolgen konnte, wie das Team des Films zusammen mit dem Kosslick in Gala Garderobe, von einer Kamera begleitet, über den roten Teppich flanierte. Dann ging es auch schon los und tja was soll ich sagen. Die Gegebenheiten waren nicht unbedingt optimal um diesen langsam erzählten Film mit Noir Anleihen richtig genießen zu können. Beinfreiheit hatte ich für meine langen Stelzen auch nicht wirklich, saß für meine Verhältnisse auch sehr nah an der Leinwand. Im Grunde natürlich fahle Ausreden. Der Film spielt im Norden Chinas und beginnt damit, dass Leichenteile in einer Fabrik gefunden werden. Man schreibt das Jahr 1999. Bald darauf kommt es zu einer Festnahme mit überraschendem Shoot Out. 2 Polizisten sterben. Der Hauptprotagonist wird suspendiert auch weil er ein Alkoholproblem hat. Zeitsprung. 2004. Der Protagonist arbeitet in einer Fabrik und es geschehen wieder Morde. Er entdeckt Mithilfe eines alten Kollegen, dass alle Opfer Beziehung zu einer jungen Frau hatten, die in einer Wäscherei arbeitet und von ihrem Boss sexuell genötigt wird. Unser Ex-Cop verliebt sich und muß schon bald eine furchtbare Entdeckung machen. Als die Credits anfingen, stürmten die ersten Reihen sofort nach draußen. Unverständnis und Entrüstung machte sich breit. Ein Publikumsfilm ist dies nicht. Auch wir schüttelten den Kopf wobei mein Freund doch noch recht gnädig war. Der Film war mir für einen Genre Film viel zu artifiziell, zu gestellt, zu sehr Kunst. Anbei hat er aber einiges an Szenen die großartig sind und wo ich dies schreibe, merke ich das vieles aus dem Film immer noch im Kopf rumspukt. Vieles habe ich auch nicht verstanden und weiß nicht wie ich es deuten soll. Im Grunde bin ich gar nicht richtig dabeigewesen. Deshalb enthalte ich mich auch hier jeglicher Wertung und würde ihn mir lieber nocheinmal ansehen. Durch den Goldenen Bären kann man auf jeden Fall vermuten, dass er in hiesige Programm und Kommunale Kinos kommt. Danach begossen wir den Abend noch mit ein paar Bier und um 02.00 Uhr gings dann mit dem Taxi nach Hause.

Donnerstag. 12.00 Uhr Friedrichstadtpalast. Komme gegen 11.15 Uhr dort an. Mein Freund stand schon ganz vorne damit wir auch ja in die einzige Reihe mit Beinfreiheit kommen. Ca. 11.30 Uhr Einlass. Drinnen nochmal vor einem der vier Eingänge gewartet. Kriegten gute Plätze. Gezeigt wurde Aloft von Claudia Llosa (Wettbewerb), die 2009 den Goldenen Bären gewann. In den Hauptrollen Jennifer Connelly, Cilian Murphy und Melanie Laurent. Ich will gar nicht näher auf die Story eingehen. Aloft ist ein Mutter-Sohn-Drama, ein Erbauungs und Lebenshilfe Film, der in seiner Gegenwarts-Rückblende Struktur zwar interessant ist aber sich dann vieles sehr einfach macht, tolle Darsteller hat, von denen Melanie Laurent ein wenig blass bleibt, schöne Landschaftsaufnahmen bietet und am Ende mit einem Versöhnungsschluss aufwartet, dass mir richtig schlecht wurde. Gut, dass ich nicht viel im Magen hatte, ich hätte wirklich gekotzt. Was eigentlich ärgerlich war, bei dem Film dann aber doch keine so große Rolle spielte, war die Tatsache, dass die letzten 10 Minuten auf der rechten Seite eine Box dröhnte und von links nen Schlagbohrer anging. Wie gesagt, war dann aber doch nicht weiter wild. 4/10 Nächster Film.
Zunächst traf ich mich mit Settembrini und wir gingen gemeinsam Richtung Zeughauskino, was schönerweise zu Fuß gut zu erreichen war. Da wir noch Zeit hatten, aßen wir im Restaurant nebenan und führten ein Gespräch nach dem anderen. Wäre nicht um 17 Uhr die Vorstellung von Kes (Ken Loach) 1969 (Hommage) gewesen, hätten wir wohl den restlichen Abend dort gesessen und ich hätte auch noch ein Stück Mozarttorte gegessen. Zu Kes möchte ich auch gar nicht viele Worte verlieren. Nur soviel : Mich hat Ken Loachs zweiter Kinofilm schwer beeindruckt und ich scheue mich auch nicht vor einer 10/10 Bewertung zurück. Das ist schon faszinierend wie sehr dieser frühe Film schon die Handschrift von Ken Loachs späteren Arbeiten trägt. Rainer Rother von der Deutschen Kinemathek hat sicherlich Recht wenn er ihn auch als Schlüsselfilm des "New British Cinema" nennt. Was besonders auffällt ist nicht nur die Kritik am gnadenlosen, autoritären Erziehungssystem Großbritanniens sondern auch wie sehr sich das alles die Waage hält. Die beschissenen Arbeiterverhältnisse aus denen Billy kommt werden so gezeigt, wie sie sind. Die Mutter fickt durch die Gegend und von seinem Bruder, der in der Kohlegrube arbeitet, kriegt Billy Schläge und wird gemobbt. Unter seinen Mitschülern ist Billy zwar integriert wird dann aber als sie merken, dass Billy mit seinem Falken "Kes" etwas besonderes darstellt und sein Lehrer, der das autoritäre Bestrafungssystem ablehnt, fasziniert von ihm ist, zum Außenseiter. Der Falke wird zum Symbol der Sehnsucht nach Ausbruch. Doch Billy kan nicht ausbrechen weil er durch die Klasse, der er angehört, gar keine Möglichkeit hat und die obere Klasse ihm diese verwehrt. Billy ist gefangen und am Ende beerdigt er nicht nur Kes, er begräbt seine eigenen Hoffnungen. In dokumentarischem "Cinema Verité" Stil, fast nur mit Laienschauspielern gedreht, entwickelt der Film durch seine genaue Beobachtung, die nie dramatisiert wird, eine ungeheure Kraft. Da steckt viel Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit drin, genauso wie in Loach´s späteren Filmen.
Nachdem sich draußen unsere Wege trennten, blieb ich im Zeughauskino, da ich eine Karte für Benjamin Christensens Heavnens Nat (Nacht der Rache) von 1916 (Retrospektive) hatte. Der Einlaß ging zügig und wo Kes vorher ausverkauft war, blieben diesmal viele Sitze frei. Ungefähr 20 Leute waren anwesend. Schade, denn Christensens zweiter Film war ziemlich klasse. Ich kenne ja nur "Häxan" von ihm. Muß mir auch noch seinen ersten besorgen "Das geheimnisvolle X".
Nacht der Rache ist ein Justizdrama was sich zum Ende hin sogar zum Selbstjustizdrama entwickelt. Ein Mann wird wegen Mordes in einem Zirkus schuldig gesprochen und bricht noch in der Nacht aus um sein Kind aus dem Armenhaus zu befreien. Nachts klettert er in ein Haus und bittet die Nichte des Gutsherren um Milch für sein Kind. Er versichert ihr, dass er unschuldig ist doch kann sie nicht verhindern, dass er überwältigt und eingesperrt wird. 14 jahre später wird sein Justizirrtum festgestellt und er kommt als gebrochener Mann frei. Er sinnt nach Rache.
Bemerkenswert ist dieses frühe Drama, in dem Christensen sich für Regie, Buch, Produktion und die Hauptrolle verantwortlich zeigt, vor allem dadurch wie gut und weit er das Medium mit dieser komplexen Geschichte trieb. Beachtung finden vor allem die fast in Dunkelheit spielenden Szenen sowie die gezeichneten Zwischentitel, die die Szenen kommentieren. Hinzu kommt ein toller Shot durchs Schlüsselloch sowie ein extrem spannender Befreiungsakt eines Gefesselten am Ende des Films. Der gefesselte Vater wird vom Sohn, der im Wandschrank eingeschlossen ist dadurch befreit, dass der Sohn mit Hilfe eines Messers ein Loch in die Tür ritzen kann und so mit einer Hand und dem Messer den Vater befreien kann. Wahnsinn !
Das ganze wurde kongenial untermalt durch Stephen Horne am Piano und weiteren Instrumenten die zum Einsatz kamen.
8/10
Nun machte ich mich auf gen Alexanderplatz und zum ersten Mal regnete es. Unterwegs bekam ich einen Anruf von meinem Kumpel der absagte, weil er zu kaputt sei und irgendwie war ich das auch. Zum Glück fuhr ich dann aber doch ins International um La Tercerra Orilla (The Third Side of the River) von Celina Murga (Wettbewerb) zu sehen. Ein argentinischer Film in dem es darum geht wie ein Junge sich von seinem patriarchischem Vater abnabelt. Ein hochsubtiler, stiller Film bei dem es von Beginn an unter der Oberfläche kräftig brodelt. Die Kamera ist in distanzierter Beobachtungshaltung und geht dann nah ran wenn der Junge auf einmal beginnt sich zu verstecken um seinen Vater zu beobachten. Zunächst weiß man nicht warum, bis man merkt, dass dieser 2 Familien hat um die er sich kümmert. Familie als Machistisches Statussymbol. Irgendwann möchte der Vater, dass der Sohn auf die Ranch aufpasst, da er was zu erledigen hat und übergibt ihm einen Packen Briefe die mit Geld gefüllt sind um sie zu verteilen. Mehr wird hier nicht verraten. Das Ende ist der Hammer und die Wut und der Ekel vor seinem Vater entlädt sich fast beiläufig im Vorbeigehen. Toller Film ! 8/10 Punkte Als die Credits zu Ende waren konnte ich den verhaltenen Applaus auch nicht wirklich nachvollziehen, was dem Pärchen, das neben mir saß und mit dem ich vorab schon ins Gespräch kam, genauso ging. Wir unterhielten uns noch ein wenig vor der U Bahn Station und dann mußte ich auch schon wieder los. Ins Bett, ich war auf einmal hundemüde und die ganze Spannung, die sich 1,5 Stunden aufgebaut hatte, verflog.

Freitag. Der letzte Tag meiner Berlinale sollte wie am Tag zuvor im Folterpalast starten. Boyhood von Richard Linklater (Wettbewerb) wurde im Vorfeld schon frenetisch abgefeiert und galt als Bärenkandidat (hat dann ja auch einen in Silber bekommen). Demnach konnte es wohl ziemlich voll werden und ich tat gut daran doch 1,5 Stunden vorher da zu sein um wieder in den Genuss der Beinfreiheit zu kommen. Auch wenn ich sagen muß, das selbst die Stühle dort die Hölle sind. Über Linklaters Film, der die Kindheit eines ganz normalen amerikanischen Jungen vom 6. bis zum 18. Lebensjahr verfolgt der in verschiedenen Patchwork Familien aufwächst, ist ja schon einiges geschrieben worden. Der Film ist dann auch tatsächlich der große Wurf. 3 Stunden Endorphyne die ausgeschüttet werden, was auch daran liegt, dass das Drehbuch einfach verdammt klug ist. So klug, dass ich zwischendurch dachte, das kann ja nicht wahr sein, das geht doch gar nicht. Fast so als hätten sich Linklater und James Salter getroffen um einen Film zu drehen. Boyhood ist auch so toll weil er wie ein Best-Of von Linklaters Schaffen wirkt. Slacker, School of Rock und die Before Filme finden sich hier irgendwie wieder. 12 Jahre lang hat man sich immer wieder getroffen, gedreht und das Script entwickelt. Das wirkt nie aneinander geklettet sondern wirklich wie aus einem Guß und das tollste ist : Der Film ist immer noch nicht fertig ! Mein Freund meinte jedenfalls, dass der Soundtrack noch vor dem offiziellen Kinostart überarbeitet wird. Viel besser kann man den schon nicht mehr machen, schlechter aber auch nicht. Als die Credits kamen ging ein Jubelschrei durch die Menge. Ich taumelte aus dem Saal und war glücklich. Schon jetzt ein Lieblingsfilm. 10/10
Das Wetter war top und ich setzte mich draußen auf eine Bank und aß später noch eine leckere Currywurst bevor ich Richtung Spichernstraße fuhr um die restaurierte Fassung von Nicholas Rays Rebel without a Cause 1955 (Berlinale Classics) 10/10 zu sehen. Im Haus der Berliner Festspiele lag draußen schon roter Teppich aus. Ob der für Martin Scorsese gedacht war, der den Film in einer kurzen Einführung vorstellte und dessen Foundation auch für die Restaurierung zuständig ist, oder für wen anderes kann ich nicht sagen. Zum Glück war ich wieder der erste am Einlaß. Mein Freund kam bald dazu und wir sicherten uns oben im Rang gute Plätze. Zuvor konnte man noch schnieke Snobs mit teuren Taschen bewundern, die wohl alle zu Gucci gehörten, von denen beträchtliche Summen in die Restaurierung von Rays Technicolor Meisterwerk geflossen sind. Zwischen den schicken Leuten mit ihren 3000 Euro Stilettos und polierten Lederschuhen tauchte auf einmal ein Mann mit weißem Rauschebart auf. Nein, nicht der Weihnachtsmann eher einer der draußen schläft. Das war schon irgendwie ein eigener Film, der da ablief. Nach diesem Highlight und das war es in der Tat auch wenn der Ton manchmal ein wenig leise war liefen wir in Richtung Alexanderplatz. Wu ren Qu (No Man´s Land) (Ning Hao) (Wettbewerb) sollte der letzte Film des Abends sowie auch mein Berlinale Abschluss werden. Ein junger Rechtsanwalt, der meint auf der richtigen Seite zu stehen muß mit seinem Wagen rund 500 Kilometer durch das titelgebende No Man´s Land fahren um zum nächsten Prozess zu kommen. Der arrogante Schnösel meint es mit jedem aufnehmen zu können und fackelt gleich am Anfang einen LKW ab, der ihn nicht durchlassen will, begeht Fahrerflucht und ist bald zusammen mit einer Hure im Schlepptau, die ihn ständig belügt, auf der Hut vor bedrohlichen Wüstenbewohnern und Outlaws. Im Look und mit dem Sound eines Italo-Westerns kommt diese Parabel über Tiere, wie es am Anfang heißt, daher. Am Ende wälzt sich ein LKW durch eine Stadt, die 1:1 aussieht wie in "A Fistful of Dollars". Das alles ist ziemlich actionreich, skurril und recht schwarzhumorig. Für einen Genre Film ist es dann aber doch ein wening lahm inszeniert. Nervig ist aber der Plot, der alle 5 Minuten einen unglaublichen Haken schlagen muß. Ständig versucht sich der Film zu übertrumpfen, läßt sich kaum Zeit um schon wieder mit der nächsten Unglaublichkeit aufzuwarten. Politische Intention oder Kritik am Rechtssystem könnte man vielleicht rauslesen, muß dies aber auch mit der Lupe suchen. Zum Schluß ein sentimentales Ende, das wie drangepappt aussieht. Was allerdings auch mit der Zensurgeschichte des Films zu tun haben dürfte. 5-6/10
Es war zwar schon spät aber uns dürstete es nach soviel Wüstenstaub nach was kühlem. Gar nicht so einfach am Alex um 00.30 in Bier zu kriegen. So landeten wir in einer Hotelbar und tranken jeder ein Weizen für 6 €. Plädiere für mehr Kneipen am Alex. Falls jemand dort was kennt so lasst es mich wissen.

Anstrengend wars aber schön oder um es mit den Worten des Pärchens auszudrücken "Jetzt bist du ja infiziert".
In diesem Sinne, wohl bis zum nächsten Jahr ! :)

Berlin Filme Festival Bier Kaffee zu wenig Essen


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Januar 2014 Alle Filme


Ab 2014 gibt es nun, frei nach Bastro, meinen Listenwahnsinn monatlich im FTB zu begutachten.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille

10/10 Filmisches Meisterwerk
10/10 Große Liebe, meisterhaft, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, perfekt
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 ok, abgenickt, nicht gut, nicht schlecht, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

Die fetten Jahre sind vorbei 2004 (Hans Weingartner) 8/10
The Hobbit – The Desolation of Smaug (3D) 2013 (Peter Jackson) 6/10 (Kino)
Highlander 1986 (Russel Mulcahy) 7/10 *
Riten (Der Ritus) 1969 (Ingmar Bergman) 8/10
Cerný Petr (Der schwarze Peter) 1964 (Milos Forman) 8/10 (Kino)
La vie d´Adèle (Blau ist eine warme Farbe) 2013 (Abdellatif Kechiche) 6/10 (Kino)
In the Cut 2003 (Jane Campion) 7/10
Okuribito (Nokan – Die Kunst des Ausklangs) 2008 (Yôjirô Takita) 5/10
En Passion (Passion) 1969 (Ingmar Bergman) 6-7/10
Ghost World 2001 (Terry Zwigoff) 8/10
Hotel Chevalier & The Darjeeling Limited 2007 (Wes Anderson) 7/10
A Passage to India 1984 (David Lean) 9/10
Brief Encounter 1945 (David Lean) 10/10 *
The Man Between 1953 (Carol Reed) 6/10
Die Mörder sind unter uns 1946 (Wolfgang Staudte) 7/10
Des Teufels General 1955 (Helmut Käutner) 5/10
12 Years a Slave 2013 (Steve McQueen) 10/10 (Kino)
Glengarry Glenn Ross 1992 (James Foley) 10/10
Sweet Smell of Success 1957 (Alexander Mackendrick) 9/10
Oh Boy 2012 (Jan Ole Gerster) 6-7/10
Der junge Törless 1966 (Volker Schlöndorff) 9/10
The Life and Death of Colonel Blimp 1943
(Michael Powell & Emeric Pressburger) 9/10
Die Innere Sicherheit 2000 (Christian Petzold) 7/10
Die Stille nach dem Schuss 2000 (Volker Schlöndorff) 4/10
Horí, má panenko (Der Feuerwehrball) 1967 (Milos Forman) 9/10 *
Wall Street 1987 (Oliver Stone) 10/10 *
Wall Street : Money never sleeps 2010 (Oliver Stone) 6/10
Margin Call 2011 (J.C. Chandor) 7/10
All is lost 2013 (J.C. Chandor) 9/10 (Kino)
The old man and the sea 1958 (John Sturges) 7/10
The Battle of the River Plate 1956 (Michael Powell & Emeric Pressburger) 8/10
K-19 : The Widowmaker 2002 (Kathryn Bigelow) 5/10
The Hurt Locker 2008 (Kathryn Bigelow) 9/10
Zero Dark Thirty 2012 (Kathryn Bigelow) 9/10
Strange Days 1995 (Kathryn Bigelow) 7/10 *
Blue Steel 1989 (Kathryn Bigelow) 8/10 *
The Wolf of Wall Street 2013 (Martin Scorsese) 8-9/10 (KIno)
The Girl can´t help it 1956 (Frank Tashlin) 8/10
Animal House 1978 (John Landis) 8/10
Sturm 2009 (Hans-Christian Schmid) 6-7/10
Jagten 2012 (Thomas Vinterberg) 8-9/10

Listen Bewertungen


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Persona (Ingmar Bergman) SE 1966


Persona


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Ein Filmprojektor spielt Aufnahmen aus Stummfilmen sowie kurze Fetzen anderen Filmmaterials ab. Ein erigierter Penis, die Schlachtung eines Schafes, Hände, die an ein Kreuz genagelt werden, Körper, die auf Bahren liegen, tote Menschen, sich öffnende Augen. Am Ende dieser Sequenz liegt ein Junge, der auf einer Bahre erwacht, in einem Buch liest (Ein Held unserer Zeit von Lermontow), die Hand ausstreckt nach den projizierten, unscharfen Gesichtern der beiden Frauen, des folgenden Films.

Vorspann

Wir befinden uns in einer Klinik. Die Krankenschwester Alma (Bibi Andersson) wird von der Ärztin (Margareta Krook) beauftragt sich um die Patientin Elisabet Vogler (Liv Ullmann) zu kümmern. Sie ist Schauspielerin, die während einer Aufführung der Elektra von Sophokles, zusammenbrach und aufhörte sprechen. Die Ärztin schlägt vor, dass die beiden zur Erholung in ein Sommerhaus ans Meer fahren sollen. Nun folgen einige unbeschwerte Tage in denen Alma, der Elisabet sehr viel von sich erzählt und Elisabet zuhört. Die Erzählungen werden bald schon immer intimer und so erzählt sie von erotischen Erlebnissen am Strand mit zwei Jungs und von einer ungewollten Schwangerschaft und Abtreibung. Alsbald meint sie immer mehr Ähnlichkeiten zwischen sich und Elisabet zu erkennen.
Als Alma einen nicht verschlossenen Brief von Elisabet an die Ärztin einstecken soll, öffnet und liest sie ihn. In dem Brief macht sich Elisabet über Alma und ihre Geständnisse lustig sowie, dass sie Spaß daran findet, Alma zu studieren. Die zutiefst enttäuschte Alma rächt sich danach indem sie Elisabet in eine Glasscheibe treten läßt. Elisabet erschrickt, verletzt sich und schreit kurz auf.

Der Film reißt. Wieder sind kurze Stummfilmschnipsel zu sehen, kurze Sequenzen : eine sich weitende Pupille, die Hand durch die ein Nagel getrieben wird. Das Filmbild wird unscharf, wir erkennen nur schemenhaft eine schwarze Gestalt, die Elisabet sein könnte. Das Bild wird scharf und es ist Elisabet, die raus zum Wasser geht.

Almas Gefühle fahren nun Achterbahn. Sie möchte zwar Distanz wahren, fühlt sich Elisabet aber nahe und wünscht sich so wie sie zu sein. Es kommt zu verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen. Alma bedroht Elisabet mit einem Topf heißem Wasser. Elisabet, die den ganzen Film über geschwiegen hat, bittet Alma, sie zu verschonen. Danach schweigt sie wieder.
In einer traumähnlichen Szenerie erscheint Elisabets Ehemann (Gunnar Björnstrand), der mit Alma spricht als sei sie Elisabet. Anfangs wehrt sie sich, doch bald beginnt sie die Rolle anzunehmen. Dabei werden sie von Elisabet beobachtet.
Als beide wieder im Haus sind, trifft Alma Elisabet mit einem Bild von ihrem Sohn (Jörgen Lindström, der Junge aus dem Vorspann) an. Die beiden Frauen sitzen sich gegenüber und Alma erzählt die Geschichte von Elisabets ungewollter Schwangerschaft mit all dem Hass den sie ihrem Sohn gegenüber empfunden hat. Am Ende dieser Szene verschmelzen die beiden Frauengesichter und werden eins.
Wir befinden uns wieder in der Klinik. Alma fügt sich eine Wunde zu worauf Elisabet ihren Mund auf die Wunde drückt. Danach fängt Alma an auf sie einzuschlagen und sie sagt :"Ich werde niemals so sein wie du. Du kannst tun was du willst, du kommst niemals an mich heran." Elisabet spricht Alma´s Worte nach : "NICHTS"

Die Frauen packen ihre Sachen und verlassen das Sommerhaus ohne miteinander zu kommunizieren. Während dies geschiet, sehen wir in einer Sekunden Sequenz ein Kamerateam, das Elisabet bei Dreharbeiten filmt.

Der Junge, sitzt vor den projizierten Großaufnahmen der Gesichter, streckt seine Hand aus. Die letzten Meter Zelluloid laufen durch den Projektor dann erlischt die Lampe des Projektors.

Ende


Persona, zum zweiten Mal gesehen, ist ein so intensives, elektrisierendes Erlebnis, welches wahnsinnig vielschichtig ist, dass man sich fragt wie will ich das nur ergründen ?

3 Dinge bevor man überhaupt erst anfängt über Persona zu sprechen :

1. Persona ist in höchstem Maße ein ästhetischer Genuß um nicht zu sagen ein Hochgenuß.
2. Persona stellt sehr intensiv, vielleicht wie kein anderer Film, die Frage nach Identität/Identitäten.
3. Persona denkt über sich selbst nach, ist filmische Reflexion über das Medium selbst.

Diese 3 Punkte fallen im Grunde zusammen. Sie sind nicht zu trennen.
Die Ästhetik verwebt sich mit der Frage nach Identität und damit der filmischen Reflexion. Form und Inhalt ergeben eine Einheit, die überhaupt nicht zu trennen ist und genau wie in beispielsweise Licht im Winter geht die Ästhetik komplett einher mit der Psychologie der Personen. Sie ist nicht von ihr zu trennen.
Die Experimentalszenen am Anfang, in der Mitte und am Ende des Films sind genauso nicht losgelöst sondern konkreter Bestandteil und nehmen Bezug auf den Film. Da ist der Junge, der Lermontow liest, (ein psychologischer Roman, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird), der Junge betrachtet den Film und ist Bestandteil, da er der Sohn von Elisabet ist. Oder am Ende die Szene mit dem Blut, als Alma den Arm aufritzt und Elisabet ihren Mund auf die Wunde drückt, die Bezug nimmt auf die Martern, das festgenagelt werden.

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Bei Persona ist es auch egal von welcher Seite und Sichtweise man sich nähert. Spricht man über die filmische Reflexion und sagt, Persona ist ein Film über Film, ist man gleichzeitig bei der Geschichte, in der es auch um Reflexion geht, um Bewußtsein und dann zieht man die ästhetischen Mittel heran, um letztendlich zu merken :
Es ist alles eins.
Wenn man wiederum von der Seite der Ästhetik kommt, landet man automatisch bei den anderen 2 Punkten. Kommt man von der Geschichte, also von der intelektuellen Seite her, wird man auch sehr schnell zu den anderen Punkten kommen. Wenn es um Identität, um Bewußtsein geht dann ist man sofort bei der Reflexion. Denn das ist Bewußtsein.

Man muß sich dabei auch die Frage stellen :
Was heißt denn Sich Bewußt sein ?

Sich Bewußt sein bzw. das Verlangen danach bedeutet ja Reflexion und wenn man das auf die Spitze treibt, sprich wenn das Bewußtsein so groß ist und einen so wichtigen Rang einnimmt, dann bedeutet das im Grunde, dass man letztlich in der Konsequenz stumm erstarrt, weil es jede Form von Leben und natürlichen Impulsen erdrückt.

Davon handelt Persona in seiner ganzen Macht und Konsequenz.
Das fängt ganz einfach an indem eine Person verstummt. Ein intelektueller, emotionaler Vorgang. Wenn man das was die Ärztin am Anfang sagt, als Erklärung heranzieht, muß man vorsichtig sein. In Wahrheit ist das nur ein Teil einer Erklärung und richtig begreifen kann man das nicht. Man kann aber Bilder dafür finden, so wie Bergman es tut. Sprachliche und auch vor allem filmische Bilder.
Insofern verbinden die filmischen Mittel sowohl von der Ästhetik als auch von der Form her, also die Einschübe, wie der Film anfängt, wie er mittendrin aufhört etc. sich komplett mit der intelektuellen Seite von Identität, weil sie auch genau das wiedergeben, was diese Person bewegt. Der Grund dafür, dass Persona eine schier ungeheure, konzentrierte Kraft ausstrahlt, liegt darin, dass eben alle 3 Punkte so ineinander gehen.

Kommen wir nun zur Persona und gleichzeitig auch zu Liv Ullmann, die hier ihr Bergman Debut gab. Ehrlich, wenn man Persona sieht, fragt man sich nie wieder, warum die Welt dieser Frau zu Füssen lag. Bergman schürt diese intensive Darstellung durch ihr permanentes Schweigen in dem Film. Natürlich ist dies auch ein Trick, da nichts so stark ist wie das, was nicht gesagt wird. Wir sehen und beobachten sie und sie ist nicht passiv. Ein Mundwinkelzucken verrät hier mehr als zehn gesprochene Sätze. Elisabet hört zu und dieses Zuhören wird so visualisiert als ob das eine eigene Sprache ist, ein eigener Dialog. Man hängt an ihren Lippen obwohl sie nicht spricht. Faszinierend ist auch, dass oft immer eine Frau die spricht und eine die zuhört,zu sehen sind. Wir sehen oft aber immer nur ein Gesicht. Es wirkt so als ob sie zu einer Person verschmelzen. Dieses Gefühl trügt nicht. Wie ich schon schrieb, dass die 3 Punkte zusammengehören, verschmelzen sie in dieser weltberühmten Szene am Ende des Films :

Wir sehen Elisabet, wie sie Alma zuhört und ihre Reaktion auf die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit.

"Komm erzähl jetzt Elisabet. Gut dann werde ich es tun."

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"Du hast Dir ein totes Kind gewünscht !"

Dann wird die gleiche Szene nochmal gezeigt und wir sehen diesmal Alma, wie sie erzählt und Elisabet konfrontiert.

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....und dann passiert DAS :

"Nein ! Ich bin nicht wie du ! Ich fühle nicht wie du. Ich bin Schwester Alma und ich bin hier um dir zu helfen.
Ich bin nicht Elisabet Vogler."

"Bist Du Elisabet Vogler ?"

"Ich möchte h....
Ich liebe....
Ich habe nicht...."

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Alle Themen in Persona finden sich in dieser Szene zusammen und ergeben dieses Bild, das nicht für die Antwort sondern für die Frage steht :

Was ist eigentlich Identität ?
Was ist eigentlich Bewußtsein ?

Ich bin nicht die Elisabet !!!

Läßt man die Geschichte von Persona einmal Revue passieren, so ergibt sich zuerst ein recht stringentes, noch relativ geschlossenes Bild. Da ist eine Patientin (Liv Ullmann) und eine Schwester (Bibi Andersson) und da ist die Ärztin, die sagt, wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir in diesem geschlossenen Raum nicht mehr weiterkommen und nun gilt es den nächsten Schritt zu wagen und zwar hier raus. Dafür gibt sie ihr Schwester Alma mit, die nach kurzem Zögern die Aufgabe übernimmt. Gemeinsame fahren sie in ein Ferienhaus auf eine Insel um dort den Rest des Sommers zu verbringen. Wir kriegen mit, das sie sich schnell anfreunden. Es herscht eine große Sympathie zwischen beiden. Elisabet fühlt sich von Schwester Alma geschmeichelt etc.
Wir sehen : Da ist die Zuhörerin und da ist die Erzählerin.
Dieses Erzählen entwickelt nun seine ganz eigene Dynamik. Alma fühlt sich durch das intensive Zuhören von Elisabet so offen, dass sie bald Dinge erzählt, die sie gar nicht vor hat zu erzählen. Situationsbedingt in jeglicher Hinsicht öffnet sie sich und erzählt nicht nur quantitativ sondern vor allem qualitativ mehr. Auf dem absoluten Höhepunkt der Sympatie und des sich Öffnens sagt Alma :
"Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich"

In diesem Moment offenbart sich der Film als das, was er ist und reißt.

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Alma liest den Brief von Elisabet an die Ärztin und sieht sich in einer Rolle, die sie demütigt, beschämt und wütend macht. Sie sieht sich ausgenutzt und betrachtet das, was eben noch Einklang war als eine Falle in die sie getappt ist.
Und nun kommt die Reflexion.
Ab jetzt kann man den Film eigentlich nicht mehr als Geschichte erzählen, nur noch erleben. Weil Persona nun abstrakt und surreal wird. Die gesamte Bildsprache wird abstrakter. Der Film verläßt die Realität zu der auch eine gewisse Chronologie gehört. Wenn man wollte, könnte man jetzt die einzelnen Szenen auch verschieben, während das vorher noch nicht möglich gewesen ist, da es vorher eine Entwicklung gibt.
Vielleicht beginnt die Reflexion auch schon in dieser Szene, die am Ende auch wieder aufgeriffen und kurz eingeblendet wird.
Sie gehört mit zu den schönsten und magischsten Lichtexperimenten der gesamten Filmgeschichte :

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Während Alma im Bett in der Dunkelheit liegt, erscheint, weit hinten in dem anderen Raum Elisabet, wie aus dem Nichts in einem Lichtstrahl. Durchquert das Zimmer, betrachtet Alma, geht in den anderen Raum, kehrt um, Alma erwacht und dann umarmen sie sich.
Im Anschluss folgt dieses berühmte Bild :

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Wenn man bei Film immer wieder über Oberflächenästetik spricht, nicht zu verwechseln mit Oberflächlichen und meint man müßte bei Persona hinter diese Oberfläche schauen, so wird man dort nichts finden. Denn alles liegt vor einem.
Persona ist Oberfläche.
Gleichzeitig ist Persona natürlich auch ein Film in dem Bergman sein Tun und Schaffen, das Medium reflektiert. Was aber hier zusammenfällt mit der Geschichte. Es sind auch hier die gleichen, ewigen Bergman Themen. Aber er hat eine ganz andere Form gewählt uns diese zu zeigen.

Form und Inhalt decken sich zu 100%. Persona ist ein Meisterwerk der Ästhetik und des Inhalts, wo hier sogar das eine ohne das andere nicht möglich ist. Kein anderer Film zuvor hat je so kühn und mutig die Fragen nach Identität und Bewußtsein gestellt wie Persona. Das macht ihn zu einem unsterblichen Film, der in 100 Jahren noch nachhaltig, frisch und aufregend sein wird.

10/10

Ingmar Bergman Liv Ullmann Bibi Andersson Sven Nykvist Identität Bewußtsein Reflexion Ästhetik Licht Schatten Medium surreal experimentell Rolle Perspektive


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Juli - Dezember 2013 : Alle Filme


Absoluter Listenwahnsinn, die Zweite !

Aufgelistet sind alle Filmsichtungen von Juni bis Ende Dezember. Einiges davon wurde von mir schon in den Kurzkommentaren abgehandelt, manches auch im FTB. Hier nun, frei nach Bastro, s/w, alle Sichtungen des 2. Halbjahres 2013, der komplette Listenwahnsinn :otto:

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille

Neu ist die 10/10 Bewertung, die gleichzusetzen ist mit einer über 10 Wertung. Sprich ein Film, für den die 10er Bewertung nicht mehr ausreicht. Angeregt wurde ich vor allem durch die Sichtungen von Dreyers "Jeanne D´Arc" und Bergmans "Persona". Vielleicht ist dies auch widersprüchlich, dennoch sind es wenige Filme, die ich in diesen Ultimum Kanon erhebe.

10/10 Filmisches Meisterwerk
10/10 Große Liebe, meisterhaft, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, perfekt
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 ok, abgenickt, nicht gut, nicht schlecht, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Juli 2013

Doomsday 2008 (Neil Marshall) 4/10
Terminator Salvation 2009 (McG) 7/10
Twilight´s Last Gleaming 1977 (Robert Aldrich) 8/10
Emperor of the North 1973 (Robert Aldrich) 9/10
Salmon Fishing in the Yemen 2011 (Lasse Halström) 2/10
Såsom i en spegel (Wie in einem Spiegel) 1961 (Ingmar Bergman) 8/10 *
Man on the Moon 1999 (Milos Forman) 9/10
Maniac 1980 (William Lustig) 10/10 *
World War Z 2013 (Marc Forster) 5/10
Children of Men 2006 (Alfonso Cuarón) 8/10 *
Tinker Taylor Soldier Spy 2011 (Tomas Alfredson) 9/10
The Great Train Robbery 1903 (Edwin S. Porter) 10/10
Accattone 1961 (Pier Paolo Pasolini) 9/10
Un uomo chiamato Apocalisse Joe (Spiel Dein Spiel und töte, Joe)
1970 (Leopoldo Savona) 6/10
Texas addio (Django, der Rächer) 1966 (Ferdinando Baldi) 7/10
The Deadly Companions 1961 (Sam Peckinpah) 7-8/10
Uccellacci e uccellini (Große Vögel, kleine Vögel) 1966 (Pier Paolo Pasolini) 8/10
Il Deserto Rosso (Die rote Wüste) 1964 (Michelangelo Antonioni) 10/10 *
Escape from Fort Bravo 1953 (John Sturges) 8/10
The Hallelujah Trail 1965 (John Sturges) 4-5/10 *
The Texas Chainsaw Massacre 1974 (Tobe Hooper) 10/10 *
Body Heat 1981 (Lawrence Kasdan) 9/10 *

August 2013

The Rules of Attraction 2002 (Roger Avary) 9/10 *
Ken Park 2002 (Larry Clark, Edward Lachman) 7-8/10
Election 1999 (Alexander Payne) 7/10
8MM 1999 (Joel Schumacher) 4/10 *
Bruiser 2000 (George A. Romero) 8/10
Never so few 1959 (John Sturges) 5/10
Sergeant York 1949 (Howard Hawks) 8/10
The General 1926 (Buster Keaton, Clyde Bruckman) 10/10 *
The Beguilded 1971 (Don Siegel) 9/10
Cat People 1982 (Paul Schrader) 10/10 *
Crazy, Stupid, Love 2011 (Glenn Ficarra, John Requa) 5/10
Nattvardsgästerna (Licht im Winter) 1963 (Ingmar Bergman) 9/10
The Italian Job 1969 (Peter Collinson) 6/10
How I won the war 1967 (Richard Lester) 9/10
The Outsiders (The Complete Novel) 1983 (Francis Ford Coppola) 9/10
The Dark Half 1993 (George A. Romero) 5/10
Go do gaai bei (Full Alert) 1997 (Ringo Lam) 8/10
Submarine 2010 (Richard Ayoade) 7/10
Hundstage 2001 (Ulrich Seidl) 8/10
Land of the Pharaos 1955 (Howard Hawks) 7/10
Django Unchained 2012 (Quentin Tarantino) 8/10
The Mummy 1959 (Terence Fisher) 7/10
The Bling Ring 2013 (Sophia Coppola) 8-9/10
Tenebre 1982 (Dario Argento) 8/10
Teorema 1968 (Pier Paolo Pasolini) 10/10 *
I Vitelloni (Die Müssiggänger) 1953 (Federico Fellini) 9/10 *
Sudden Death 1995 (Peter Hyams) 4/10
The Dark Knight Rises 2012 (Christopher Nolan) 7/10 *
The Village of the Damned 1995 (John Carpenter) 7/10
The Wolf Man 1941 (George Wagnner) 9/10
The Golden Voyage of Sinbad 1973 (Gordon Hessler) 8/10
Barbarella 1968 (Roger Vadim) 6/10
Hard Candy 2005 (David Slade) 8/10 *
Marlene Dietrich : Her own Song 2001 (David Riva) 7-8/10
Morocco 1930 (Josef von Sternberg) 9/10 *
To be or not be 1942 (Ernst Lubitsch) 10/10 *
Invictus 2009 (Clint Eastwood) 6-7/10
Blood Work 2002 (Clint Eastwood) 8/10
Dirty Harry 1971 (Don Siegel) 10/10 *
Krull 1983 (Peter Yates) 5/10
Young Frankenstein 1974 (Mel Brooks) 8/10
IT came from Outer Space 1953 (Jack Arnold) 8/10
Hulk 2003 (Ang Lee) 9/10
The Incredible Shrinking Man 1957 (Jack Arnold) 10/10 *
Rio Bravo 1959 (Howard Hawks) 10/10 *
El Dorado 1966 (Howard Hawks) 9/10 *
Moonrise Kingdom 2012 (Wes Anderson) 9/10 *
Tystnaden (Das Schweigen) 1963 (Ingmar Bergman) 9/10

September 2013

Bottle Rocket 1996 (Wes Anderson) 8/10
Sideways 2004 (Alexander Payne) 9/10
Hellboy II – The Golden Army 2008 (Guillermo del Toro) 9/10 *
El espinazo del diablo (The Devils Backbone) 2001 (Guillermo del Toro) 8/10
Killer Joe 2011 (William Friedkin) 6-7/10
För att inte tala om alla dessa kvinnor (Ach, diese Frauen) 1964 (Ingmar Bergman) 5-6/10
Berberian Sound Studio 2012 (Peter Strickland) 8/10
Mädchen in Uniform 1931 (Leontine Sagan) 7/10
Narrow Margin 1990 (Peter Hyams) 6/10 *
The Desperate Hours 1955 (William Wyler) 8/10 *
Epidemic 1987 (Lars von Trier) 6-7/10
Killer´s Kiss 1955 (Stanley Kubrick) 8/10
Koroshi no rakuin (Branded to Kill) 1967 (Seijun Suzuki) 8-9/10
Blast of Silence 1961 (Allen Baron) 10/10 *
Max et les ferrailleurs 1971 (Claude Sautet) 10/10 *
The Town (Extended Cut) 2010 (Ben Affleck) 6/10
Ghost Dog : The Way of the Samurai 1999 (Jim Jarmusch) 8/10
Stealing Beauty 1996 (Bernardo Bertolucci) 4/10
Action Jackson 1988 (Craig R. Baxley) 6/10 *
Foxy Brown 1974 (Jack Hill) 8/10
Csak a czél (Just the Wind) 2012 (Benedek Fliegauf) 9/10
Tôkyô nagaremono (Tokyo Drifter) 1966 (Seijun Suzuki) 7/10 *
Rashômon (Akira Kurosawa) 1950 10/10 *
De rouille et d´os (Der Geschmack von Rost und Knochen) 2012
(Jacques Audiard) 8/10
Les choses de la vie (Die Dinge des Lebens) 1970 (Claude Sautet) 10/10 *
Un prophète (Ein Prophet) 2009 (Jacques Audiard) 9/10
La Passion de Jeanne d´Arc (Die Passion der Jungfrau von Orléans) 1928
(Carl Theodor Dreyer) 10/10 *
Black Narcissus 1947 (Michael Powell, Emeric Pressburger) 9/10
The Red Shoes 1948 (Michael Powell, Emeric Pressburger) 10/10 *
Black Swan 2010 (Darren Aronofsky) 8-9/10 *
Mulholland Drive 2001 (David Lynch) 10/10 *
Prometheus (3D) (2012) (Ridley Scott) 5-6/10
Solaris (2002) (Steven Soderbergh) 7/10

Oktober 2013

The Secret Life of Words 2005 (Isabel Coixet) 9/10 *
Spring Breakers 2012 (Harmony Korine) 6-7/10
How to steal a Million 1966 (William Wyler) 5/10
New York, New York 1977 (Martin Scorsese) 8/10 *
West Side Story 1961 (Robert Wise & Jerome Robbins) 6/10 *
Charade 1963 (Stanley Donen) 10/10 *
Arabesque 1966 (Stanley Donen) 6/10 *
Sinbad and the eye of the Tiger 1977 (Sam Wanamaker) 5/10
Juggernaut 1974 (Richard Lester) 8-9/10 *
Persona 1966 (Ingmar Bergman) 10/10 *
Vargtimmen (Die Stunde des Wolfs) 1968 8/10 *
Spring Breakers (2012) (Harmony Korine) 7/10 *
Spring Breakers (2012) (Harmony Korine) 8/10 *
Das Blaue Licht 1932 (Leni Riefenstahl) 7/10
Lilja 4-ever 2002 (Lukas Moodysson) 7/10
Import/Export 2007 (Ulrich Seidl) 9/10
Captain Blood 1935 (Michael Curtiz) 10/10 *
Lawless 2012 (John Hillcoat) 7/10
Sexy Beast 2000 (Jonathan Glazer) 8/10
La corta notte delle bambole di vetro (Malastrana) 1972
(Aldo Lado) 7-8/10
Starcrash 1978 (Luigi Cozzi) 7/10
Explorers 1985 (Joe Dante) 8/10
The Hole 2009 (Joe Dante) 6/10
Lady in White 1988 (Frank LaLoggia) 8/10
Scream 1996 (Wes Craven) 9/10 *
Scream 2 1997 (Wes Craven) 5/10
Scream 3 2000 (Wes Craven) 4/10
Scre4m 2011 (Wes Craven) 7/10
Halloween 2007 (Rob Zombie) 8/10

November 2013

A Night at the Opera (Skandal in der Oper / Die Marx Brothers in der Oper)
1935 (Sam Wood) 9/10 *
Ordet (Das Wort) 1955 (Carl Theodor Dreyer) 10/10 *
Hush…Hush, sweet Charlotte 1964 (Robert Aldrich) 8/10
Fucking Åmål (Raus aus Åmål) 1998 (Lukas Moodysson) 9/10
Scott Pilgrim vs. the World 2010 (Edgar Wright) 6-7/10
Beyond the Black Rainbow 2010 (Panos Cosmatos) 8/10
The Big Country 1958 (William Wyler) 9/10 *
The Unforgiven 1960 (John Huston) 7/10
Mr. Deeds goes to town 1936 (Frank Capra) 10/10 *
Garden of Evil 1954 (Henry Hathaway) 6/10
North to Alaska 1960 (Henry Hathaway) 7/10
Missing in Action 1984 (Joseph Zito) 5/10
Tenkû no shiro Rapyuta (Das Schloss im Himmel) 1986
(Hayao Miyazaki) 8/10
Flash Gordon 1980 (Mike Hodges) 8/10
Il deserto rosso 1964 (Michelangelo Antonioni) 10/10 *
Spring Breakers 2012 (Harmony Korine) 8-9/10 *
It happened one Night 1934 (Frank Capra) 9/10
Mr. Smith goes to Washington 1939 (Frank Capra) 9/10 *
Running on Empty 1988 (Sidney Lumet) 8/10
At Close Range 1986 (James Foley) 9/10
Finsterworld 2013 (Frauke Finsterwald) 7/10
Death Race 2000 1975 (Paul Bartel) 8/10
Yôjinbô 1961 (Akira Kurosawa) 9/10
Tsubaki Sanjûrô 1962 (Akira Kurosawa) 8/10
Last Man Standing 1996 (Walter Hill) 7/10 *
The War Zone 1999 (Tim Roth) 10/10
Naked 1993 (Mike Leigh) 9/10
It´s a free World 2007 (Ken Loach) 7/10
Raining Stones 1993 (Ken Loach) 9/10
My Name is Joe 1998 (Ken Loach) 8/10 *
Looking for Eric 2009 (Ken Loach) 8-9/10 *
Le couperet (Die Axt) 2005 (Constantin Costa-Gavras)
8/10
Betrayed 1988 (Constantin Costa-Gavras) 5-6/10 *
The Collector 1965 (William Wyler) 9/10

Dezember 2013

Sunshine 1999 (István Szabó) 5-6/10
Oberst Redl 1985 (István Szabó) 8/10 *
Russian Ark 2002 (Aleksandr Sokurov) 7/10
Nostalghia 1983 (Andrej Tarkowskij) 10/10 *
Inside Llewyn Davis 2013 (Joel & Ethan Coen) 7-8/10
The Last Unicorn 1982 (Jules Bass, Arthur Rankin jr.) 6-7/10 *
Pink Floyd – The Wall 1982 (Alan Parker) 10/10 *
Skammen (Schande) 1968 (Ingmar Bergman) 8/10
Peeping Tom 1960 (Michael Powell) 10/10 *
Alfie 1966 (Lewis Gilbert) 7/10
Pacific Rim (3D) 2013 (Guillermo del Toro) 8/10
Dupa dealuri (Jenseits der Hügel) 2012 (Christian Mungiu) 6-7/10
Match Point 2005 (Woody Allen) 8/10 *
Shivers 1975 (David Cronenberg) 7/10 *
Cosmopolis 2012 (David Cronenberg) 6/10
Salvador 1986 (Oliver Stone) 10/10 *
Spider 2002 (David Cronenberg) 8/10
Targets 1968 (Peter Bogdanovich) 9/10 *
The Brood 1979 (David Cronenberg) 8/10
A Simple Plan 1998 (Sam Raimi) 8/10 *
Possession 1981 (Andrzej Zulawski) 9/10 *
Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne 1977 (Jess Franco) 4/10
Frauen für Zellenblock 9 1977 (Jess Franco) 4-5/10
F/X 1986 (Robert Mandel) 7/10
F/X 2 1991 (Richard Franklin) 5/10
Bad Santa 2003 (Terry Zwigoff) 8-9/10
Dead of Winter 1987 (Arthur Penn) 7/10
Breakfast at Tiffany´s 1961 (Blake Edwards) 8-9/10 *
Le Samurai (Der eiskalte Engel) 1967 (Jean-Pierre Melville) 10/10 *
Du rififi chez les hommes (Rififi) 1955 (Jules Dassin) 9/10 *
Un Flic (Der Chef) (Jean-Pierre Melville) 8/10
The Mission 1986 (Roland Joffé) 9/10 *
Ronja Rövardotter (Ronja Räubertochter) 1984 (Tage Danielsson) 9/10 *
Apocalypto 2006 (Mel Gibson) 4-5/10
My Left Foot : The Story of Christy Brown 1989 (Jim Sheridan) 8-9/10
Aguirre – Der Zorn Gottes 1972 (Werner Herzog) 6-7/10 *
Mein liebster Feind 1999 (Werner Herzog) 7/10 *
Gandhi 1982 (Richard Attenborough) 10/10 *

Das war nun also 2013 !

Lose Filmreihen dieses Jahr waren zb. über die Monate verteilt immer wieder Filme von Robert Aldrich, John Frankenheimer, John Sturges, Don Siegel, Howard Hawks, zum Ende hin ein wenig Cronenberg und ein bißchen Ken Loach.

Achja von Kurosawa waren es auch insgesamt 4 Filme. Über allem trohnt natürlich die BERGMAN Reihe, welche in diesem Jahr chronologisch fortgesetzt wird und, ganz optimistisch, im Sommer evtl. enden wird. Allerdings gibt es im Nachhinein wohl noch einen Abstecher zurück ins Frühwerk, da Ende Februar Arthaus/Kinowelt die dritte Bergman Edition mit einigen frühen Erstveröffentlichungen auf den Markt bringt.
Man darf gespannt sein und das Mammutprojekt geht weiter :)

Listen Bewertungen


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Magical History Tour : Mr. Deeds goes to Town (Frank Capra) USA 1936


Magical History Tour :


Mr. Deeds goes to Town (Mr. Deeds geht in die Stadt)


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Longfellow Deeds (Gary Cooper) erbt 20 Millionen Dollar. Um diese Erbschaft anzutreten muß das Landei seine Heimatstadt Mandrake Falls verlassen und sich nach New York begeben. Dort lernt er die Zeitungsreporterin Babe Bennet (Jean Arthur) kennen und verliebt sich in sie. Er weiß nichts davon, dass sie es ist, die verhöhnende Artikel über ihn und seine kindliche Naivität verfasst. Als Deeds beginnt sein Vermögen an notleidende Farmer umzuverteilen versucht man ihm in einem Prozeß sein Vermögen streitig zu machen.

Capras Film nimmt sofort ein enormes Tempo auf, indem er nicht erst mit einer langsamen Einführung beginnt sondern in Sekundenschnelle das Auto des Finanziers von der Brücke krachen läßt. Zeitungsmeldungen überschlagen sich in der Montage und wir sind sofort bei den Anwälten, die auf den Namen des Erben warten. Dieser ist schnell gefunden :

Longfellow Deeds, 28, wohnhaft in Mandrake Falls, Vermont.

Gespielt von Gary Cooper in einer absoluten Idealbesetzung. Drei Stadtmenschen der Kanzlei "Cedar, Cobby & Anderson" fahren persönlich nach Mandrake Falls um den Erben auszumachen. Am Bahnhof erblicken sie ein Schild auf dem geschrieben steht :

"Welcome to Mandrake Falls, where the scenery enthralls, where no hardship e´er befalls. Welcome to Mandrake Falls."
Welches schon sehr gut die Mentalität der einfachen Leute vom Lande zusammenfasst.

Als die New Yorker einen kauzigen, alten Mann nach Deeds ausfragen, zeigt sich sogleich die Arroganz und Herablässigkeit der Städter. Angekommen in Deeds Haus warten sie bis er von einer Wohltätigkeitsgala für die örtliche Feuerwehr zurückkommt. Sie erfahren von der Haushälterin, dass er zwar Mitbesitzer des Schmierenwerks ist, seinen Lebensunterhalt aber hauptsächlich mit Sprüchen und Gedichten für Glückwunschkarten verdient. Ein Schock für die drei Herren. Als Deeds eintrifft erfährt er, dass sein Onkle Semple bei einem Autounfall in Italien ums Leben kam und ihm als Alleinerbe 20 Millionen Dollar hinterläßt. Anstatt bei einer solchen Nachricht in Ohnmacht zu fallen oder zu jubeln zeigen sich Deeds und seine Haushälterin reichlich unbeeindruckt von dieser Nachricht. Viel wichtiger ist die Frage ob die Gentlemen zum Essen bleiben. Deeds probiert derweil ganz gelassen das neue Mundstück für seine Tuba aus. Als die Herren ihn auffordern Stellung zu beziehen sagt Deeds "I wonder why he left me all the money. I don´t need it."
Deeds, der noch nie die Stadt verlassen hat, soll um 16 Uhr den Zug nach New York nehmen um sein Erbe anzutreten. Am Bahnhof feiert die Menge Deeds, der sich aber nicht feiern lässt und stattdessen mit der Kapelle in der Menge Tuba spielt.

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Angekommen in New York wetzen die Bürohaie ihre Zähne als der in ihren Augen, naive und kindische Deeds sagt, dass er das Geld am liebsten weggeben würde. Umringt von einem Haufen High Society Schnorrern will jeder etwas von Deeds großem Kuchen abhaben. Die Presse schickt Babe Bennet (Jean Arthur) ins Rennen um über ihn eine Story zu machen, sich unter falschem Namen an ihn ranmacht und genau weiß welche Knöpfe sie bei ihm drücken muß. Bevor er seine "Frau in Not" retten darf und es zu einer feucht-fröhlichen Nacht kommt, die ihm zum Verhängnis wird, gibt es noch diese schöne Szene in der Deeds von den Dienern seines Onkels angekleidet wird, sich das aber nicht gefallen läßt und sagt "Don´t ever get on your knees again."

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Abends treffen die zwei in einem Restaurant auf eine Runde Literaten. Als Deeds merkt, dass diese sich über ihn lustig machen :"I guess i found out that all famous people aren´t big people. And if it weren´t for Miss Dawson, i´d bump your heads together." Worauf sie sagt :"Oh, i don´t mind." und Zack bekommen die arroganten Schreiberlinge eins auf die Nase.

Darauf folgt eine der schönsten Szenen des Films in der der sturzebesoffene Autor Morrow, Deeds seine Bewunderung ausspricht und die beiden auf eine Sauftour quer durch New York mitnehmen will.
Hier der O-Ton :
"Listen, you play saloon with me, and I'll introduce you to every wit, every nit-wit,every half-wit in New York. We'll go on a twister that'll make Omar the sousephilosopher of Persia look like an anemic on a goat's milk diet."

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Am nächsten Morgen erfährt Deeds aus der Zeitung, dass er betrunken ohne Hosen Doughnuts an ein Pferd verfüttert hat. Ein sehr unschöner Klatschartikel, den Babe über diese Sauftour geschrieben hat, die wir leider nicht miterleben konnten. Da Deeds nichts über ihre wahre Identität weiß und ihm das blonde Mädchen, welches so bodenständig und ohne Allüren ist, nicht mehr aus dem Kopf geht, verabredet er sich mit ihr. Gemeinsam stehen sie Abends vor General Grants riesigem Mausoleum. Deeds resümiert, dass sowas nur in einem Land wie Amerika möglich ist. Ein Farmerjunge aus Ohio, der den Krieg gewinnt und zum Präsidenten gewählt wird. In dieser Aussprache meint Deeds sich natürlich auch selbst. Später wird er dann sagen :"Last night, after I left you, I was walking along and looking at the tall buildings and I got to thinking about what Thoreau said. They created a lot of grand palaces here - but they forgot to create the noblemen to put in them."

Nach diesem Abend befindet sich Babe in einer Zwickmühle, da sie sich immer mehr in den Mann verliebt über den sie Schmähartikel schreiben soll. Eine weitere schöne Szene folgt im Anschluß als Deeds seine Diener rauswirft, merkt er, dass man in der Eingangshalle seiner Villa ein wunderbares Echo hat. Bald befinden sich die anderen Butler in der Halle und Deeds dirigiert den Chor und alle lauschen verzückt ihrem Echo.

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Als Deeds erfährt, dass Mary Dawson, Babe Bennet ist und die Artikel geschrieben hat, die ihn als "Cinderella Man" verhöhnen, ist er bitter enttäuscht und will nach Hause fahren. In seiner Eingangshalle wird er darauf mit dem Elend konfrontiert, welches in Form eines Mannes hereinstürmt und ihm Vorwürfe für seinen Reichtum macht. Zuerst hält Deeds ihn für einen weiteren Schnorrer, doch der Farmer, der nur eine Möglichkeit zur Arbeit will um seine Familie zu ernähren, öffnet Deeds die Augen.

Nun kommt die politische Komponente in Mr. Deeds zum tragen.

Mr. Deeds gibt dem Farmer ersteinmal etwas zu Essen und als dieser fragt ob er davon etwas für seine Familie mit nach Hause nehmen darf, antwortet Deeds mit seinem typischen, kecken Augenzwinkern, welches nun aber sofort in eine nachdenkliche und ernste Pose übergeht. Darauf folgen wieder Zeitungsschlagzeilen. Deeds will sein Vermögen an arme Farmer umverteilen indem er Land kauft, welches an die Farmer verteilt werden soll. Tausende Arbeitslose bewerben sich um ein Stück vom Land.
Deeds, der alles natürlich in Eigenregie macht und seit Wochen nicht geschlafen und gegessen hat, bekommt von einem Farmer ein Sandwich in die Hand gedrückt. Als er reinbeißt sieht er in eine Menge hungriger Gesichter hinter dem Mann und veranlaßt 2000 Mahlzeiten für alle zu bringen.

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Den Krawattenträgern schmeckt das natürlich gar nicht. Deshalb wollen sie ihm schnell einen Riegel vorschieben und können dies nur erreichen indem sie den naiven und kindischen Deeds als unzurechnungsfähig darstellen, als verrückt.
Deeds bringt die Misere als man ihn Gewahrsam nehemn will auf den Punkt :"That's fine. Just because I want to give this money to people who need it, they think I'm crazy. That's marvelous. That makes everything complete."

Es kommt zur Gerichtsverhandlung in der Deeds keinen Anwalt möchte und das ganze Prozedere über sich ergehen läßt. Die Ankläger wollen ihm sein Erbe streitig machen und befürchten seine Vermögensverteilung könnte einen politischen Erdrutsch bewirken. Deeds nimmt es hin.

Der Staatsanwalt Mr. Cedar :
"In these times, with the country incapacitated by economic ailments, and endangered with an undercurrent of social unrest, the promulgation of such a weird, fantastic and impractical plan as contemplated by the defendant, is capable of fomenting a disturbance from which the country may not soon recover. It is our duty to stop it! Our government is fully aware of its difficulties and can pull itself out of its economic rut without the assistance of Mr. Deeds, or any other crackpot."

Babe soll als erste Zeugin gegen Deeds aussagen und es bricht gleich aus ihr heraus indem sie das Gericht und die Verhandlung als lächerlich beschimpft und Deeds versucht zu verteidigen. Doch man läßt sie nicht reden. Mr. Deeds hört zu und schweigt, läßt die ganzen Aussagen über sich ergehen. Zum Schluß als der Doktor mit seinem Diagramm den Geisteszustand von Deeds erklärt, wirkt dieser wie eine Satire auf europäische Psychologen mit seiner Hausfrauenanalyse. Deeds scheint erledigt und das Gericht fragt ihn nochmal ob er irgendetwas dazu beizutragen hat. Doch Deeds schüttelt den Kopf. Das Gericht spricht das Urteil und empfiehlt Mr. Deeds in eine psychatrische Anstalt einzuweisen. Nachdem Babe nochmals eine kleine Verteidigungsrede, für den Mann den sie liebt, gehalten hat und die Farmer im Saal rufen, dass Deeds sie nicht hängen lassen soll, merkt er, dass er eine große Verantwortung zu tragen hat und nicht länger schweigen kann. Deeds rückt die zum sachlichen Gerichtsgegenstand gewordenen Dinge wieder ins richtige Licht, erklärt, dass nicht jeder der Tuba spielt eine Macke hat und macht das daran fest, dass jeder Mensch einen Tick hat. Weiterhin erklärt er das er zum ersten Mal richtig besoffen war, als er das Pferd ohne Hosen gefüttert hat und macht klar, das wenn zwei Ladys aus Mandrake Falls ihn als verschroben darstellen, sie damit eigentlich jeden Mann in Mandrake Falls meinen.

Dieses richtigzustellen ist allerdings ein Leichtes. Er muß das Gericht aber noch davon überzeugen sein Vermögen wegzugeben um es umzuverteilen.

Deeds : "Suppose you were living in a small town and getting along fine, and suddenly somebody dropped $20,000,000 in your lap. Supposing you discovered that all that money was messing up your life, was bringing a lot of vultures around your neck, and making you lose faith in everybody. You'd be a little worried, wouldn't you? You'd feel that you had a hot potato in your hand, and you'd want to drop it. I guess Dr. Von Holler would say you were riding on those bottom waves, 'cause you wanted to drop something that was burning your fingers."
Mr. Cedar :"If this man is permitted to carry out his plan, repercussions will be felt that will rock the foundations of our entire governmental system!"
Deeds : "Personally, I don't know what Mr. Cedar's raving about. From what I can see, no matter what system of government we have, there will always be leaders and always be followers. It's like the road out in front of my house. It's on a steep hill. Every day I watch the cars climbing up. Some go lickety-split up that hill on high, some have to shift into second - and some sputter and shake and slip back to the bottom again. Same cars - same gasoline - yet some make it and some don't. And I say the fellows who can make the hill on high should stop once in a while and help those who can't. That's all I'm trying to do with this money. Help the fellows who can't make the hill on high. What does Mr. Cedar expect me to do with it? Give it to him - and a lot of other people who don't need it?Mr. Cedar and that Mr. Semple don't need anything. They've got plenty! It's like I'm out in a big boat and I see one fellow in a rowboat who's tired of rowing and wants a free ride - and another fellow who's drowning. Who would you expect me to rescue? Mr. Cedar, who just got tired of rowing and wants a free ride? Or those men out there who are drowning? Any ten-year-old child will give you the answer to that."

Richtig ! Jedes 10jährige Kind versteht das und deshalb wird Deeds auch als der normalste Mensch, der je einen Gerichtssaal betreten hat, freigesprochen und darf natürlich sein Babe am Ende in die Arme schließen.

Ein Happy End, welches urtypisch und natürlich uramerikanisch ist. Aber nun, wir befinden uns in einem Frank Capra Film und in einem Capra Film muß sich jeder um sein Happy End auch redlichst bemühen.

Mr. Deeds goes to Town ist ohne Frage einer der tollsten Capra Filmen. Er ist Romantic Comedy wie It happened one Night, leidenschaftliche Hymne wie Mr. Smith goes to Washington, die Figur der Reporterin, des Working Girls aus John Doe und selbst zwei alte Ladys wie in Arsenic and old Lace findet man hier. Mr. Deeds ist ein Prototyp im Capra Universum. Der leicht naive, grundehrliche und jungenhafte Mann vom Lande, der sich gegen die Verlockungen der korrupten Großstadt behaupten kann. Das selbstständige nicht auf den Kopf gefallene Working Girl Babe Bennett welches in Deeds ihre kleinstädtischen Ideale wiederfindet und sich auch deshalb in diesen Mann verliebt. Sowie Deeds sein Presseagent Cobbs, dargestellt von Lionel Stander, der politisch übrigens ausdrücklich rot war, aber dazu später und der Chef von Babe, die zwar dem System verfallen aber im Grunde anständige Kerle sind und Deeds am Ende natürlich beistehen. Cobbs ist übrigens der einzige der Deeds die Wahrheit sagt.
Und dann ist da der arbeitslose Farmer, der für tausende spricht. Die Stimme der kleinen Leute, die in jedem Capra Film aber besonders hier einen großen Raum erhält.

Mr. Deeds ist eine rote Hymne. Es geht um Vermögensumverteilung und Sozialismus in seiner reinsten Form. Während Mr. Smith die wahren amerikanischen Werte gegen ein korruptes politisches System verteidigt, in It´s a wonderful life auch wieder die Macht des Geldes kritisiert und Nächstenliebe gepredigt wird, in John Doe die Presse angegriffen wird und in It happened one night, eine Millionärstochter mit den Freuden des einfachen Lebens konfrontiert wird, verdammt Capra hier den degenerierten Kapitalismus in Grund und Boden und zeigt in seiner märchenhaften, wundervollen Weise, was geschieht, wenn ein Mann zuviel Geld besitzt und dieses überhaupt nicht benötigt. Er zeigt auch was passiert, wenn ein Mann, dieses Vermögen denjenigen gibt, die es benötigen. 1936 war so eine Geste unmöglich und wenn man sich den Film heute ansieht und vergewissert wie die Welt heute aussieht, dann möchte man einfach solche kämpferischen, frohsinnigen, Gutmenschen Filme nicht missen. Capras Filme sind nicht verklärt, sie sind grundauf ehrlich und aus ihnen spricht die selbe Stimme ihrer kleinen Helden die immer gegen Windmühlen zu kämpfen haben. Die Mär vom reinen Tor, dem Simplicissimus.
Capra selber war übrigens konservativer Republikaner und engagierte sich im Zweiten Weltkrieg durch einige Propagandafilme für das amerikanische Ehrgefühl. Wohingegen seine Drehbuschreiber fast alle immer links waren.

In der Neuzeit findet sich viel von Capras "Americana" wieder. Sei es bei Steven Spielberg, Robert Zemeckis, John Landis, den Coen Brüdern oder auch bei Mike Nichols und seinem 80er Aufsteigermärchen "Working Girl".

Sein Mr. Deeds ist ein so wunderbarer Film, der auf ganz leichte Weise eine wahnsinnig süße Love Story mit grandios, witzigen Szenen verbindet und eine tiefe humanistische Hymne schafft.

Oder wie Funxton in einem seiner Einträge schrieb "Laßt allen Zynismus fahren." :D

Stilistisch ist Deeds übrigens ziemlich schnell geschnitten. Capra zeigt unentwegt, was auf der Gegenseite bzw. währenddessen passiert. Es wird sehr viel hin und her geschnitten. Was den Film in der Montage sehr gestrafft aussehen läßt.

Ein ganz großer Film von einem großartigen Regisseur seiner Zeit.

10/10

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