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Short Cuts


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Ansikte mot ansikte (Von Angesicht zu Angesicht) SE/I 1976 (Ingmar Bergman)


Ansikte mot ansikte (Von Angesicht zu Angesicht) (Kino-Fassung)


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Die Psychiaterin Jenny Isaksson (Liv Ullmann) wohnt derzeit bei ihren Großeltern (Gunnar Björnstrand & Aino Taube), da das neue Haus, welches sie zusammen mit ihrem Mann (Sven Lindberg) gebaut hat, der ebenfalls Psychiater ist und sich beruflich in den USA aufhält, noch nicht bezugsfertig ist. In diesen Räumlichkeiten wird sie in Träumen, Erinnerungen und Halluzinationen von Bildern heimgesucht, die stark mit ihrer Kindheit, welche sie auch zum großen Teil bei ihren Großeltern verbrachte, verknüpft scheinen. Auf einer Party der Frau des Chefpsychiaters, den sie vertritt, trifft sie den Arzt Dr. Tomas Jacobi (Erland Josephson), der ihr offen und direkt erotische Avancen macht. Nach der Party gehen sie zu ihm nach Hause. Jenny, die sehr distanziert auf seine Avancen reagiert, lässt sich durch ein Taxi nach Hause fahren. Sie erhält einen anonymen Anruf, der sie in ihr ehemaliges, leerstehendes Haus lockt in dem sie eine ihrer Patientinnen, Maria, findet und zwei Männer, die sie belästigen. Nachdem einer versucht sie zu vergewaltigen, läßt er von ihr ab weil er sie zu "eng" findet. Als Tomas und Jenny sich nach einem Konzertbesuch wieder bei Tomas einfinden erzählt sie Tomas von dem Vorfall und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Am nächsten Morgen bringt er sie zurück zur Wohnung ihrer Großeltern, wo sie für einige Tage entkräftigt in einen komatösen Schlaf fällt. Als sie eine Morgens nach dem Aufstehen wieder von den Bildern einer kalt blickenden, in schwarz gekleideten alten Frau heimgesucht wird, versucht sie sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen. In der folgenden Traumsequenz findet sie sich mit rotem Kleid und Hut bedeckt in einem Haus wieder auf der Suche nach ihren Eltern. Ihre Großmutter liest eine Geschichte vor, die ihr Angst macht und auch die Frau in schwarz taucht wieder auf und bedrängt sie. Als sie erwacht, findet sie sich im Krankenhaus wieder. Tomas, der sie dorthin gebracht hat, weilt bei ihr. Während ihrer Genesung erlebt sie weitere Träume und Halluzinationen in denen sie u.a. ihre Eltern, die während eines Unfalls starben, zur Rede stellt, sich von Patienten angeekelt fühlt und ihnen Medikamente verschreibt, sich selbst in einem Sarg liegen sieht und diesen in Brand steckt oder die Stimme einer alten Frau hört, die droht sie zur Strafe in einen Schrank zu sperren.
Sie erzählt Tomas von ihrer Kindheit, vom frühen Tod ihrer Eltern, von ihrer Angst davor gezüchtigt und bestraft zu werden insbesondere von ihrer Großmutter. Während dieser längeren Unterredung hat Jenny einen heftigen Nervenzusammenbruch und durchlebt all ihre verdrängten Ängste. Als Tomas wegfährt, scheint Jenny sich wieder langsam zu erholen. Sie bekommt Besuch von ihrem Mann, der seine Arbeit aber nicht im Stich lassen will und nur für ein paar Stunden bleiben kann. Auch ihre Tochter (Helene Friberg), die zum ersten Mal allein ihre Ferien in einem Camp verbringt, besucht sie und hört sich schweigend an was ihre Mutter zu sagen hat. Jenny kehrt zu ihren Großeltern zurück. Ihr Großvater hatte einen Schlaganfall und ist nun total auf die Hilfe der Großmutter angewiesen. Als sie beobachtet wie der Großvater gepflegt wird kommt sie zu dem Schluß, dass die Liebe allumfassend bis in den Tod reicht. Sie ruft in der Klinik an und gibt Bescheid, dass sie bald ihre Arbeit wieder aufnehmen wird.


Ähnlich wie Szenen einer Ehe beruht auch Von Angesicht zu Angesicht, als Kinofassung, auf einem Tv-Mehrteiler. Wurde allerdings schon von Anfang an für die Kinoauswertung konzipiert. Die gesichtete Kinofassung ist somit um ca. 45 Minuten kürzer als die Tv-Fassung. Damit wäre der Knackpunkt bei dieser gesichteten Fassung auch schon umrissen, denn das die Kinofassung auf einer wesentlich längeren beruht, sieht man dem Film auch durchaus an.

Von Angesicht zu Angesicht versammelt unzählige Motive aus Bergmans Schaffen. Ein wahres Potpourri wird einem hier geboten und es ist wohl auch so, dass hier durch Liv Ullmanns Ausagieren einer Psychose, Bergmans Ängste auf der Leinwand förmlich ausbrechen. Thematisch angesprochen werden auch hier wieder die Themen : Angst vor dem Altern und vor dem Tod, die verdrängten Ängste der Kindheit, die in Form von alptraumhaften Erscheinungen hervorbrechen, das Hinterfragen der eigenen Identität, der Geschlechterrolle, der Schlüssel, der im verdrängten Unterbewusstsein liegt und die Anklage der Eltern.
Themen, die er auch filmisch aus bekannten Motiven seines Schaffens hier zusammensetzt.

Ersteinmal ist es aber der Film einer Psychose, einer Krise, einer Krankheit. Wir sehen eine selbst und pflichtbewusste Frau, im Leben stehend, die gleich zu Beginn, bei ihren Großeltern, von Halluzinationen heimgesucht wird indem sie in der Wohnung eine furchterregende, alte Frau in schwarz erblickt. Ihre Großmutter hat Jennys Zimmer mit alten Möbeln aus ihrer Kindheit eingerichtet. Ein weiteres Indiz für die Verdichtung, die nun immer mehr zunimmt. Durch ihre Beziehung zu Dr. Jakobi, der der Halbbruder von Jennys schwieriger Patientin Maria ist, merken wir, dass ihr gefestigtes Kontrollbewußtsein höchst labil ist und ihr selbstbestimmtes Leben, samt Liebhaber, der uns aber nicht gezeigt wird, äußerst brüchig. In den Szenen mit Jakobi merken wir, dass sie durch ihre permanente Angst vor jedweder Nähe, nichts im Griff hat obwohl sie so kontrolliert in Erscheinung tritt. Jacobi, dessen Figur innerhalb des Geschehens nicht näher umrissen oder erklärt wird, konfrontiert sie mit ihren sexuellen Bedürfnissen, die ihr Mann nicht mehr befriedigen kann, vor denen sie sich aber auch versteckt. Die freundschaftliche aber auch platonische Beziehung zwischen den beiden wird noch dadurch verstärkt, dass Jacobi sich im Gegensatz zu ihr total frei gemacht hat von seiner Vergangenheit und seine Bisexualität offen auslebt.
Hier ist der Arzt und dort die erfolgreiche Ärztin, die selbst zum Psychischen Pflegefall wird. Die versuchte Vergewaltigung von der sie nur Jacobi berichtet ist quasi der Auslöser für die kommende Krise, die sich schon langsam abzeichnet. Bevor es zu dieser Szene kommt, sehen wir, wie sie des Nachts ihren in der Wohnung umherirrenden Großvater beobachtet. Ein Ereignis welches sie verstört und beunruhigt zurückläßt.

Die Vergewaltigungsszene stellt Bergman in einer ziemlich kühnen, Distanz schaffenden Halbtotale dar.

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Die Szene ist eine weitere Konfrontation mit ihrem eigenen sexuellen Verhältnis. In der daraufolgenden Nacht als sie Jacobi von dem Ereignis plötzlich berichtet sagt sie :"Er versuchte in mich einzudringen und plötzlich verspürte ich das verzweifelte Verlangen, er möge es tun. Das seltsame war, so sehr ich auch wollte, konnte ich nicht. Ich war völlig verkrampft und trocken."
Bergman kratzt hier am Tabu von Unterwerfungsphantasien. Das anschließende Ausagieren und der Nervenzusammenbruch, den sie in Jacobis Schlafzimmer erleidet ist die logische Konfrontation mit diesem Vorfall sowie auch Konfrontation mit ihrer eigenen, verdrängten Sexualität.
Dass, das Problem wesentlich tiefer sitzt, manifestiert sich im anschließenden Selbstmordversuch, den Bergman in einer quälend, langen Einstellung, fast in Echtzeit, filmt. Liv Ullmann sagte, dass diese Szene für sie so intensiv war, da sie wirklich dachte sie würde auf diesem Bett sterben, was für sie auch dazu führte, dass sie sich irgendwann auch nicht mehr in der Lage dazu fühlte sich solchen Situationen mit Bergman auszusetzen.

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Das Tasten, der Finger an der Tapete als Vergewisserung der lebendigen Existenz, als Vergewisserung von Realität.

Bevor sie im Krankenhaus erwacht sehen wir sie in der ersten großen Traumszene des Films im dunklen Haus ihrer Kindheit in dem sie ihrer Großmutter, die schaurige Märchen vorliest, begegnet sowie der alten Frau aus ihren Halluzinationen.
Überbordernde Symbolik, die Farbe Rot in ihrer Gewandung, die Angst vor der Dunkelheit verstärken die Rauschhaftigkeit dieser Szenen.

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Als sie wieder zu sich kommt wacht Dr. Jacobi als ihr verantwortlicher Arzt und als Freund über sie. Sie wird erneut konfrontiert mit Dingen aus ihrer Kindheit, die in ihr hochkommen und sich manifestieren. Dies erlebt sie teils im Traum, teils im Wachzustand.
Innerhalb der nächsten Traumszenen , nutzt Bergman Motive aus früheren Filmen wie beispielsweise die Szene in der sie ihrem eigenen Tod gegenübersteht. Ein Motiv welches er schon in "Wilde Erdbeeren" nutzte. In einer weiteren Szene innerhalb dieses Traums reißt sie einer Patientin die Haut vom Gesicht was natürlich Assoziationen zu "Die Stunde des Wolfs" weckt genauso wie die Angst vor dunklen Schränken, die Bergman zuletzt auch in "Die Stunde des Wolfs" aufgriff. Alles Ängste, die sich natürlich auch in ihm selbst eingenistet haben.
Die Konfrontation im Wachzustand gehört mit zu den intensivsten Szenen des Films und wird durch das entblößende, schockierend nackte Spiel von Liv Ullmann verstärkt. Es ist auch der intime Blick dieser Passage, als wolle die Kamera die Dämonen der Kindheit austreiben. Jacobi fungiert dabei als helfende Hand, der sie innerhalb des Wachzustandes stützt und tröstet sowie in den Träumen leitet.

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Bevor sie am Ende nach dem Gespräch mit ihrer Großmutter über den Zusammenhalt, das Altern und den Tod zur Erkenntnis kommt, dass sie durch die Akzeptanz ihrer Ängste ihre Krise meistert, gibt es noch ein Gespräch mit ihrer Tochter in der die Tochter genauso reagiert, wie die Mutter als Kind reagiert hätte. Die Entfremdung ihrer Tochter gegenüber ist nicht mehr aufzuhalten.

Von Angesicht zu Angesicht ist obgleich der Vielzahl an Themen, die er anschneidet, in erster Linie ein Film über eine Krise, die im Unterbewusstsein, in der Verdrängung ihrer Kindheitsängste schlummert und sich im Wachzustand manifestiert. Das dies fließend ineinander übergeht hat Bergman schon häufig gezeigt. Am prominentesten in "Wilde Erdbeeren" aber auch hier zeigt er dies in teils faszinierenden Bildern und einer schonungslosen Offenheit, was das Durchleben ihrer Dämonen angeht. Dennoch bleibt hier vieles sehr vage und unschlüssig. Ob das nun der kürzeren Fassung zu Schulde kommt, die wie mein Mitstreiter meinte, noch mehr Traumszenen und Ausagieren enthalten würde, oder ob Bergman hier nicht ganz Herr der Lage war. zu viele Themen werden nur angerissen und nicht zu Ende geführt. Die Figur von Dr. Jacobi ist zwar wichtig bleibt aber dennoch schemenhaft. Der Ezählrythmus stimmt oft nicht und das Ende an dem sie durch die Verarbeitung ihrer Krise, der Konfrontation mit einer Nahtod Erfahrung und dem Blick auf das Alter, gestärkt aus dieser hinaustritt, wirkt wie ein Schalter den sie umlegt. Die Entwicklung hierzu ist zwar da, fügt sich aber nicht in den Film.
Vielleicht wollte Bergman hier durch Liv Ullmann auch nur seine eigenen Dämonen exorzieren und hat dabei ein paar Themen zuviel eingefügt. Zurück bleibt ein guter und sehenswerter aber wesentlich schwächerer Film, dem man durchaus ansieht, dass er großes verarbeiten wollte aber nicht alles erreicht. Falls die lange Version einmal zur Verfügung stehen sollte, dürfte eine Neubewertung und Sichtung jedenfalls unumgänglich sein.

7/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Liv Ullmann Erland Josephsson Krise Psychose KIndheit Verdrängung Geschlechterrolle Sexualität Vergewaltigung Wahnvorstellung Angst Traum Psychoanalyse


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September 2014 Alle Filme


Alle Sichtungen des Monats September.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille

Les quatre cents coups (Sie küßten und sie schlugen ihn) 1959 (Francois Truffaut) 9/10 *
Antoine et Colette (short) 1962 (Francois Truffaut) 8-9/10
Baisers volés (Geraubte Küsse) 1968 (Francois Truffaut) 8/10
12 years a slave 2013 (Steve McQueen) 9/10 *
The color purple 1985 (Steven Spielberg) 5/10 *
Domicile conjugal (Tisch und Bett) 1970 (Francois Truffaut) 10/10
L´amour en fuite (Liebe auf der Flucht) 1979 (Francois Truffaut) 7/10
L´effrontée (Das freche Mädchen) 1985 (Claude Miller) 7/10
La petite voleuse (Die kleine Diebin) 1988 (Claude Miller) 8/10
Maps to the Stars (Kino) 2014 (David Cronenberg) 7-8/10
The Grand Budapest Hotel 2014 (Wes Anderson) 7-8/10
All about Eve 1950 (Joseph L. Mankiewicz) 9/10
The Big Knife 1955 (Robert Aldrich) 8/10
Ninotchka 1939 (Ernst Lubitsch) 10/10
Irma la Douce 1963 (Billy Wilder) 8-9/10 *
10 Rillington Place 1971 (Richard Fleischer) 8/10
The Serpent´s Egg 1977 (Ingmar Bergman) 6-7/10
Das Testament des Dr. Mabuse 1933 (Fritz Lang) 9/10 *
Hangmen also die ! 1943 (Fritz Lang) 8/10
Le corbeau (Der Rabe) 1943 (Henri-Georges Clouzot) 9/10 *
La régle du jeu (Die Spielregel) 1939 (Jean Renoir) 8-9/10
Monsieur Verdoux 1947 (Charles Chaplin) 10/10
Landru (Der Frauenmörder von Paris) 1963 (Claude Chabrol) 8/10
La sirène du Mississipi (Das Geheimnis der falschen Braut) 1969 (Francois Truffaut) 9-10/10
An Angel at my Table 1990 (Jane Campion) 9/10 *
Top of the Lake (Tv-Mini-Series) 2013 (Jane Campion & Garth Davies) 7/10
Holy Smoke 1999 (Jane Campion) 5/10
Down and out in Beverly Hills 1986 (Paul Mazursky) 9/10 *
Stakeout 1987 (John Badham) 7-8/10 *
Running Scared 1986 (Peter Hyams) 8/10 *
The Punisher 1989 (Mark Goldblatt) 8/10
The Punisher 2004 (Jonathan Hensleigh) 5-6/10
Die Sieger 1994 (Dominik Graf) 8/10
Barbara 2012 (Christian Petzold) 9/10 *
Yella 2007 (Christian Petzold) 7-8/10
Höstsonaten (Herbstsonate) 1978 (Ingmar Bergman) 9/10
Phoenix (Kino) 2014 (Christian Petzold) 6-7/10
Birth 2004 (Jonathan Glazer) 9/10

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Trollflöjten (Die Zauberflöte) (Ingmar Bergman) SE 1975


Trollflöjten (Die Zauberflöte)



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Der junge Prinz Tamino (Josef Köstlinger) wird von der Königin der Nacht (Birgit Nordin) beauftragt ihre Tochter Pamina (Irma Urrila) aus dem Schloss von Sarastro (Ulrik Cold) zu befreien. Zusammen mit dem Vogelfänger Papageno (Håkan Hagegård) macht er sich auf den Weg. Zuvor erhält Tamino eine Flöte mit magischen Kräften und Papageno ein Glockenspiel, welches verzaubert ist. Als die zwei bei Sarastro ankommen, müssen sie allerdings feststellen, dass die Dinge nicht so sind wie sie scheinen. Sarastro, der Vater von Pamina, ist Freund und die Königin der Nacht Feind. Außerdem erfährt Tamino, dass er und Pamina füreinander bestimmt sind und auch Papageno erhält eine Frau an seiner Seite, Papagena (Elisabeth Erikson).

Soweit, so kurz die Handlung dieser weltweit bekannten Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Ich muß zugeben, ich bin kein großer Klassik-Kenner, bin aber weitestgehend entschuldigt, da das auch nicht notwendig ist um diese märchenhafte Oper zu verstehen. Das Bergman, der Mozarts Oper zum 50. Jubiläum des schwedischen Rundfunks verfilmte, dies ähnlich sieht, macht er uns schon innerhalb der ersten 8 Minuten klar. Wir befinden uns mit dem Publikum in einem Theatersaal und während die Ouvertüre gespielt wird, filmt die Kamera die Regungen des lauschenden Publikums. Die folgende Montage macht auf kongeniale Weise klar, wie universal dieses Ereignis, für alle, die sich hier versammelt haben, ist :



Im besten Sinne demokratisch !

Bergman läßt von Beginn an keine Zweifel daran, dass man hier einem Theaterstück, sprich einer Oper beiwohnt. Erinnert einen immer wieder an die Künstlichkeit der Bühne, läßt aber die Kamera ganz nah an die Gesichter fahren und choreografiert seine Darsteller, wie man es aus so zahlreichen seiner Filme kennt. Bergman führt hier das Theater und das Kino zusammen, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass er immer auch Theater inszeniert hat. Von den Ideen und auch den Effekten her ist Bergmans Zauberflöte Theater pur. Insgesamt ist die Inszenierung nicht auf Perfektionismus aus sondern versucht die Magie der künstlichen Theaterhaftigkeit einzufangen. Dabei verliert seine Fassung dieser komplexen Oper auch nie eine gewisse Grundheiterkeit, die selbst in den düsteren Stellen gewahrt wird. Ein kleiner Clou gelingt ihm auch in der Veränderung der Geschichte indem er das Verhältnis der Königin der Nacht zu Sarastro als Ex-Ehepaar darstellt, welches sich bekriegt und sich um die Tochter streitet. Ein Clou, der sich inhaltlich ganz typisch in sein Werk fügt. Das Drama findet sich hier in komödiantischer und leichter Form wieder, welches gerade hier seine Theater-Wurzeln richtig spürbar machen. Bergman verläßt die Bühne selbst innerhalb der Pause nicht und zeigt einige der Darsteller wie sie hinter dem Vorhang rauchen, ein Comic Heft lesen oder in einer Parsifal Partitur lesen.

Bergman hat nie seine Theater Wurzeln verleugnet oder versucht zu kaschieren. Hier macht er etwas wunderbares. Er umarmt beide Künste : Theater und Kino ! Und führt sie auf geradezu magische Weise zusammen. Es klappert und knarzt ein wenig auf dieser Bühne aber das muß so sein, denn das gehört auch zur Magie des Theaters und zu diesem charmanten Film sowieso.

8-9/10

Ingmar Bergman Sven Nykvist Mozart Oper Theater Bühne Gesang Licht Finsternis Liebe


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August 2014 Alle Filme


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll

Kein üppiger Filmmonat, aber der Vollständigkeit halber :

The young and prodigious T.S. Spivet (3D) (Kino) 2013 (Jean-Pierre Jeunet) 5-6/10
Holy Motors 2012 (Leos Carax) 8-9/10
Pierrot le fou (Elf Uhr Nachts) 1965 (Jean-Luc Godard) 10/10 *
Cléo de 5 á 7 (Cléo Mittwoch zwischen 5 und 7) 1962 (Agnès Varda) 10/10
The Ice Storm 1997 (Ang Lee) 7-8/10 *
Class of 1984 1982 (Mark L. Lester) 7/10
The Holy Mountain (Kino) 1973 (Alejandro Jodorowsky) 10/10
The Day of the Locust 1975 (John Schlesinger) 9/10
Sunset 1988 (Blake Edwards) 7/10
Death Wish 3 1985 (Michael Winner) 7/10
Road House 1989 (Rowdy Herrington) 4/10 *
Les lèvres Rouges (Blut an den Lippen) 1971 (Harry Kümel) 7/10
Amer 2009 (Hèléne Cattet & Bruno Forzani) 8/10
Death Wish 4 : The Crackdown 1987 (J. Lee Thompson) 6-7/10
The Star Chamber 1983 (Peter Hyams) 8/10
Thightrope 1984 (Richard Tuggle) 7/10
Death Wish 5 : The Face of Death 1994 (Allan A. Goldstein) 4/10
Le passage de la pluie (Der aus dem Regen kam) 1970 (René Clément) 8/10
Sei donne per l´assassino (Blutige Seide) 1964 (Mario Bava) 8/10
Rachel getting married 2008 (Jonathan Demme) 6/10
L´uccello dale piume di cristallo (Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) 1970 (Dario Argento) 7/10
…più forte ragazzi (Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle) 1972 (Giuseppe Colizzi) 8/10 *
Le grand blond avec une chaussure noire (Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh) 1972 (Yves Robert) 5/10 *
I due superpiedi quasi piatti (Zwei außer Rand und Band) 1977 (Enzo Baboni) 6/10
Confessione di un commissario die polizia al procuratore della reppublica (Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert)
1971 (Damiano Damiani) 9/10
La sendrome di Stendhal (The Stendhal Syndrome) 1996 (Dario Argento) 8-9/10

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Juli 2014 Alle Filme


ZACK.....und hier ist es wieder das monatliche Gedächtnis, frei nach Bastro und Pasheko, alle Filmsichtungen mit Bewertung.

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


8 ½ 1963 (Federico Fellini) 10/10
Le notti di Cabiria (Die Nächte der Cabiria) 1957 (Federico Fellini) 9/10
Stardust Memories 1980 (Woody Allen) 8-9/10
Crimes and Misdemeanors 1989 (Woody Allen) 9/10 *
The Man who knew too much 1934 (Alfred Hitchcock) 7/10
The Man who knew too much 1956 (Alfred Hitchcock) 8/10 *
Obsession 1976 (Brian De Palma) 8-9/10
Femme Fatale 2002 (Brian De Palma) 9/10
Romeo is bleeding 1993 (Peter Medak) 7-8/10 *
Angustia (Im Augenblick der Angst) 1987 (Bigas Luna) 8/10 *
Kiss of the Damned 2012 (Xan Cassavetes) 6-7/10
Baise moi (Fick mich !) 2000 (Virgine Despentes & Coralie) 5/10
Perdita Durango 1997 (Álex de la Iglesia) 7/10
Gun Crazy 1950 (Joseph H. Lewis) 10/10
They Live by Night 1948 (Nicholas Ray) 9/10 *
The Left Handed Gun 1958 (Arthur Penn) 8/10
The Chase 1966 (Arthur Penn) 9/10
The Missouri Breaks 1976 (Arthur Penn) 7-8/10
The Crowd 1928 (King Vidor) 10/10 *
The Big Parade (Kino) 1925 (King Vidor) 10/10
Madame De… 1953 (Max Ophüls) 10/10
The Piano (Kino) 1992 (Jane Campion) 10/10 *
L´aveu (Das Geständnis) 1970 (Constantin Costa-Gavras) 9/10
Ascenseur pour l´échafaud (Fahrstuhl zum Schafott) 1958 (Louis Malle) 10/10 *
Le feu follet (Das Irrlicht) 1963 (Louis Malle) 9/10 *
Target 1985 (Arthur Penn) 6-7/10
The naked Kiss 1964 (Samuel Fuller) 9-10/10
The Man with the golden Arm 1955 (Otto Preminger) 8/10 *
Ansikte mot ansikte (Kinofassung) (Von Angesicht zu Angesicht) 1976 (Ingmar Bergman) 7/10
Midnight Cowboy 1969 (John Schlesinger) 10/10 *
I want to live 1958 (Robert Wise) 7-8/10

Jetzt erstmal ne Woche Inselurlaub im Norden :)

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Magical History Tour : Madame De.... (Max Ophüls) F/I 1953


Madame De.....


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Madame De... habe ich sehr lange vor mir hergeschoben. Schon letztes Jahr bekam ich den Film von meinem guten Freund und Bergman Mitstreiter empfohlen. Er passte bislang irgendwie nie rein in ein Filmprogramm, dass ich mehr und mehr auf lose Vernetzungen thematischer, genrehafter und geschichtlicher Natur aufgebaut habe. Vor einigen Monaten sah ich dann Liebelei und begegnete La Ronde erneut. Als es innerhalb der MHT 1953 schlug hatte ich wenig Zeit und wartete auf den Moment indem ich mich diesem Film gewachsen sah.
Nun denn, viel Erklärung für diesen Nachtrag und viel zu wenig Worte, die nun folgen um diesem Meisterwerk auch nur annähernd gerecht zu werden. Zuersteinmal : Ich bin schier erschrocken, wie grandios dieser Film ist. Ins Mark getroffen passt ebenso.

Viel ist über diesen Film geschrieben worden, dessen Vielschichtigkeit auch erst im Laufe der Jahre erkannt wurde. Mich wundert und freut es auch zugleich, dass über den Film bislang noch kein Eintrag hier geschrieben wurde.

Angesiedelt im Frankreich der Belle Epoque wird die Geschichte von Madame De... (Danielle Darieux) erzählt, die ihre Ohrringe verkauft um Schulden zu begleichen. Ihr Mann, ein Oberst, (Charles Boyer) ersteht die Ohrringe zurück und schenkt sie seiner Mätresse. Die verkauft sie beim Glücksspiel und werden vom italienischen Baron und Diplomaten Donati (Vittorio De Sica) gekauft, der sch schon bald in Madame De.. verliebt. Doch Liebe bedeutet hier unumstößlich Tragödie und so nimmt das Drama seinen Lauf.

Soviel in allerster Kürze zum Plot. Selbst wenn man noch nie einen Max Ophüls Film gesehen hat, so weiß man doch ungefähr, dass ein Markenzeichen seiner Filme, die nie stillstehende, entfesselte Kamera war.
Es ist eine Kamera, die so gut wie nie statisch ist. Von Beginn an ist sie in Bewegung, gleitet schwerelos dahin in minutenlangen Plansequenzen und verbindet sogar Raum und Zeit. Eine Kamera, die mit der Walzermelodie des Films eins wird, die Bewegung der Figuren immer wieder aufnimmt und deren Blicke lenkt, dabei ein Tempo entwickelt, dass einem fast schwindelig wird.
Schnitt ist hier bei Ophüls nicht nur einfach ein Schnitt, der eine neue Szene einleitet, sondern immer dramaturgisch begründet. Oft unsichtbar, wie er Räume verbindet und von einer langen Fahrt in die nächste übergeht. Selbst Schuss-Gegenschuss Sequenzen werden immer wieder durch neue Perspektiven aufgebrochen.
Immer wieder begleitet die Kamera Madame De in eleganter Bewegung, wie sie schon in der ersten Szene Schubladen und Schranktüren öffnet, nach einem Gegenstand, den sie versetzen kann, sucht und es ist dieses Objekt, die Ohrringe, die ihr stattlicher Eheman, der General, ihr zur Hochzeit schenkte, welches und das wird im Laufe des Films klar, sie selbst ist.
Madame De..., deren Name nie vollständig genannt wird, ist im Grunde ein Objekt, ein Interieur, die ihr kokettes Verhalten ablegt, sich für die Liebe entscheidet, kein dekoratives Accessoire, wie die Ohrringe sein will, daran Zugrunde geht und am Ende an gebrochenem Herzen stirbt.
Immer wieder filmt die Kamera sie eingerahmt durch Fenster, Türen oder Spiegel, die sie wie in einem Käfig erscheinen lassen. Dabei verläßt der Film allerdings nie seine leichte, schwebende Art, die auch, nebenbei, viel Humor besitzt. Doch ganz langsam, Schritt für Schritt, wie ein Uhrwerk, das zerspringt, bewegt der Film sich auf sein existenzielles Ende zu. Die bittere und tragische Falltiefe ist mit der schwerelosen Inszenierung wie in einem Netz verwoben.

"Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht." flüstert sie Donati mehrmals zur Verabschiedung entgegen. Begehren und Verweigerung. Liebe ist hier Obsession geworden und kein Spiel mehr, bei dem man gewinnen oder verlieren oder jemanden übertrumpfen kann.

Damit klopfe ich auch nur an einer Ebene des Films. Madame De... ist so vielschichtig und reich, dass man hier sich über jede einzelne Szene unterhalten kann. Ob es nun die großartigen Hauptfiguren und deren Darsteller sind, die Bedeutung der Diener und des Zufalls, das Verhältnis von Blicken, Türen, Fenstern, Treppen (immer wieder Treppen, auch Wendeltreppen als spiralförmige Metapher zum sich drehenden Tanz), Gegenstände und Räume, die durch diese fantastische Kamera durschritten werden als ob sie nie enden würden.

Ich bin hin und weg und schreibe soetwas selten aber ich kann nur jedem raten sich diesen Film anzusehen. Unglaublich !

10/10

Magical History Tour Max Ophüls Vittorio De Sica Kamerafahrt Tragödie Komödie Besitz Überblendungen Räume Sehnsucht Klassen Louise de Vilmorin


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Juni 2014 Alle Filme


Ein Filmmonat ist vergangen, hier nun, wieder frei nach Bastro und Pasheko, alles gesammelt in der Liste :


* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Slacker 1991 (Richard Linklater) 8/10 *
Waking Life 2001 (Richard Linklater) 7/10
Boyhood (Kino) 2013 (Richard Linklater) 10/10 *
A Scanner Darkly 2006 (Richard Linklater) 6-7/10
Star Wars : Episode V – The Empire strikes back 1980 (Irvin Kershner) 8-9/10 *
Star Wars : Episode VI – The Return of the Jedi 1983 (Richard Marquand) 7-8/10 *
Paycheck 2003 (John Woo) 4/10
Persona 1966 (Ingmar Bergman) 10/10 *
Suspension of Disbelief 2012 (Mike Figgis) 4/10
Chik loh go yeung (Naked Killer) 1992 (Clarence Fok Yiu-leung) 4-5/10
Pau mui (Her name is cat / The Huntress) 1998 (Clarence Fok Yiu-leung aka Clarence Ford) 1/10
American Ninja 1985 (Sam Firstenberg) 4-5/10
Assassins 1995 (Richard Donner) 5/10
Code of Silence 1985 (Andrew Davis) 8/10
Chek law dak gung (Naked Weapon) 2002 (Siu-Tung Ching) 3/10
Tie saam gok (Triangle) 2007 (Tsui Hark, Ringo Lam, Johnnie To) 6/10
Boksuneun naui geot (Sympathy for Mr. Vengeance) 2002 (Park Chan-Wook) 9/10
Sen to Chihiro no kamikakushi (Chihiros Reise ins Zauberland) 2001 (Hayao Miyazaki) 10/10
Oldeuboi (Oldboy) 2003 (Park Chan-Wook) 8/10
Chinjeolhan geumjassi (Lady Vengeance) 2005 (Park Chan-Wook) 7/10
Bug 2006 (William Friedkin) 8/10
The Hand 1981 (Oliver Stone) 8/10
The Conversation 1974 (Francis Ford Coppola) 9/10 *
Fear X 2003 (Nicolas Winding Refn) 8/10
Drive 2011 (Nicolas Winding Refn) 10/10 *
Only God forgives 2013 (Nicolas Winding Refn) 8/10
Izo 2004 (Takashi Miike) 7/10
Shura-Yuki-Hime : Urami Renga (Lady Snowblood : Love Song of Vengeance) 1974 (Toshiya Fujita) 6/10
Hardcore 1979 (Paul Schrader) 8/10
Patty Hearst 1988 (Paul Schrader) 8/10
Fingers 1978 (James Toback) 9/10
De battre mon coeur s´est arête (Der wilde Schlag meines Herzens) 2005 (Jacques Audiard) 7/10
Sur mes lèvres (Lippenbekenntnisse) 2001 (Jacques Audiard) 6/10
Frances Ha 2012 (Noah Baumbach) 8/10
Alice 1990 (Woody Allen) 8/10
Eternal Sunshine of the spotless mind 2004 (Michel Gondry) 7-8/10

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Scener ur ett äktenskapp (Szenen einer Ehe) (Ingmar Bergman) SE 1973


Scener ur ett äktenskapp (Szenen einer Ehe) TV-Fassung


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Folge 1 (Unschuld und Panik)

Marianne (Liv Ullmann) und Johan (Erland Josephson) sind seit 10 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Sie ist 35 und Scheidungsanwältin und er ist 42 und im Naturwissenschaftlichen Bereich tätig. Zu Beginn der ersten Episode werden sie von einer Journalistin interviewt, die für eine Zeitschrift eine Story über "Muster-Ehen" schreibt. Innerhalb dieses Interviews gibt Marianne den grüblerischen Part, während Johan das Verhältnis der beiden zueinander als exzellent beschreibt und das Interview mit seiner dominanten Art bestimmt. Kurz darauf laden sie das befreundete Ehepaar Peter (Jan Malmsjö) und Katarina (Bibi Andersson) zum Essen ein. Im Laufe des Abends wird Peter immer betrunkener und das Gespräch läuft aus dem Ruder. Zwischen Peter und Katarina kommt es zu einem hässlichen Streit, dem Johan und Marianne besorgniserregt beiwohnen. Als die Gäste gegangen sind meint Johan, dass in ihrer Ehe so etwas nicht möglich wäre, worauf Marianne entgegnet, es komme darauf an, die selbe Sprache innerhalb einer Ehe zu sprechen. Abends im Bett fragt Marianne was Johan von einem dritten Kind halten würde, worauf er eher zurückhaltend reagiert. Als sie ihm sagt, dass sie wohl schwanger sei, fangen sie an zu diskuttieren. Der Abend endet mit der Entscheidung, dass sie das Baby behalten wollen und sich Johan mit der Idee eines dritten Kindes anfreunden könnte. In der nächsten Szene sehen wir, wie Johan Marianne im Krankenhaus besucht. Sie hat das Kind abgetrieben und nun plagen sie Schuldgefühle.

Folge 2 (Die Kunst, unter den Teppich zu kehren)

In den nächsten Tagen, wieder zu Hause, versucht Marianne den Sonntagsbesuch bei ihren Eltern abzusagen um mehr Zeit mit Johan zu verbringen, kann sich aber nicht durchsetzen, was auch daran liegt, dass Johan eher verwundert ist über diese kleine Rebellion und sie nicht wirklich unterstützt. Sie fahren gemeinsam zur Arbeit. Johan hat ein Gespräch mit seiner Kollegin Eva (Gunnel Lindblom). Sie kennen sich seit dem Studium und Eva bewunderte Johan seit jeher. Dennoch hatten die beiden nie ein Verhältnis miteinander. Eva ist auch die einzige, der Johan seine Gedichte zum Lesen anvertraut hat. Als er eine objektive Meinung von ihr hören will, ist Johan tief enttäuscht, da sie seine Gedichte als mittelmäßig und kindisch abtut. Marianne hat auf der Arbeit ein Gespräch mit einer Mandantin, Frau Jacobi (Barbro Hiort af Ornäs). Frau Jacobi möchte sich nach 20 Jahren Ehe von ihrem Mann scheiden lassen. Sie habe das Gefühl es sei eine "Ehe ohne Liebe". Sie liebe weder ihren Mann noch ihre drei Kinder und jetzt wo diese groß und aus dem Haus sind könne sie ihren Vorsatz, den sie vor 15 jahren ihrem Mann schoneinmal offenbart habe, durchsetzen. Nach der Arbeit treffen sich Johan und Marianne in der Stadt. Marianne schlägt Johan exotische Reiseziele für den Urlaub vor, der darauf nicht besonders interessiert reagiert. Nachdem sie am Abend in Ibsens "Nora" waren, kommt es danach, beim späten Absacker, zu einer Diskussion. Marianne würde sich im Bett keine richtige Mühe geben und ihre Ehe wäre mittlerweile leidenschaftslos. Als Marianne ihren Standpunkt klarmacht, macht Johan einen Rückzieher und beide vertragen sich.

Folge 3 (Paula)

Als Johan von einer Dienstreise einen Tag früher in ihr Landhaus kommt, freut sich Marianne zunächst, doch die Freude wird schon bald getrübt. Johan gesteht, dass er sich vor knapp einem halben Jahr in die 23jährige Studentin Paula verliebt habe und sie zusammen, am nächsten Tag für 7 Monate nach Paris reisen werden. Marianne nimmt dies zunächst mit Fassung auf, doch muss sie sich im Verlauf des Abends immer mehr unter Kontrolle halten. Johan redet sich immer mehr in Rage. Die Affäre wäre nur der Anstoß um sich endlich aus dieser Ehe freizumachen. Die Beziehung zu Marianne und zu seinen Töchtern sei wie ein Gefängnis für ihn und er wolle sie schon seit 4 Jahren verlassen. Die Beziehung mit Paula sei nur ein Vorwand über die er sich eigentlich auch keine ernsthaften Gedanken machen würde. Am nächsten Morgen fleht Marianne um einen Aufschub und klammert sich an Johan, der sich aber losreißt und davon fährt. Verärgert stellt sie beim Telefonat mit Freunden fest, dass die, sowie auch andere, von Johans Affäre gewusst haben.

Folge 4 (Das Tal der Tränen)

Ein halbes Jahr ist vergangen, da besucht Johan Marianne. Die beiden fühlen sich sichtlich zueiander hingezogen, dennoch liegt eine Kluft zwischen ihnen. Beim Essen erzählt Johan, dass er mit der eifersüchtigen Paula nicht besonders glücklich ist und dass er vorhat ein Angebot in den USA für eine Professur anzunehmen. Marianne erzählt kurz von ihrem Geliebten David. Sie will Johan aus ihren privaten Aufzeichnungen vorlesen. Der widerum möchte lieber mit ihr schlafen und versucht sie auf dem Boden zu nehmen. Marianne wehrt dies ab. Sie beginnt ihm vorzulesen, doch er ist viel zu müde um ihr zuzuhören und schläft ein. Sie telefoniert kurz mit ihrem Liebhaber und versichert ihm, dass alles ok ist. Als Johan aufwacht will ihn Marianne nach Hause schicken. An der Tür sagt Marianne ganz nüchtern, dass sie zu einem Entschluß kommen müssen und die Scheidung durchführen sollen. Kurz darauf kommt Johan wieder in die Wohnung und sie schlafen miteinander. Als das Telefon zwischendurch klingelt erklärt Marianne ihrem Freund David, dass sie mit ihm nie mehr sprechen wolle und legt auf. Es kommt zu einer weiteren Diskussion. Mitten in der Nacht steht Johan auf und geht. Er erklärt Marianne, dass er es nicht aushalte.

Folge 5 (Die Analphabeten)

Marianne besucht Johan in seinem Büro damit er die Scheidungspapiere unterzeichnet, die sie schon vollständig ausgearbeitet und vorbereitet hat. Sie ist sehr gut gelaunt. Er hingegen ist erkältet und deprimiert, wie er sagt. Marianne übernimmt in diesem Wechselspiel der Gefühle den dominanten Part. Sie genießt die neue Freiheit, die sie gewonnen hat und erklärt ihm, dass sie sich nun vollends von ihm befreit habe. Dabei versucht sie ihn ganz offensichtlich zu verführen. Johan bekennt, dass seine Karriere gescheitert ist und seine Beziehung zu Paula sich auf dem Tiefpunkt befindet. Die beiden lieben sich auf dem Fußboden. Danach verlangt Marianne von Johan, dass er nun endlich die Papiere unterzeichnen soll. Johan will die Unterschrift unter einem Vorwand aufschieben. Es kommt erneut zu Diskussionen, die nach ein paar Gläsern Cognac im Streit enden, der diesmal in Gewalt endet als Johan Marianne nicht gehen läßt. Nachdem Johan auf Marianne eingeschlagen und getreten hat, unterzeichnet er unter Tränen die Papiere worauf Marianne diese gegenzeichnet.

Folge 6 (Mitten in der Nacht in einem dunklen Haus irgendwo in der Welt)

Nach einigen Jahren besucht Marianne ihre Mutter. Es kommt zu einer längeren Aussprache zwischen Mutter und Tochter. Ein Gespräch über die Ehe was Mutter und Tochter näher bringt. Johan wird kurz bei der Arbeit gezeigt wie er eine Einladung von Eva zu einer Party ausschlägt und danach mit einem Satz ihre Affäre, die sie nun endlich haben, beendet. Johan versucht zu telefonieren und wird aber einmal von einem Kollegen und dann wieder von Eva, die sich nicht so einfach abschieben läßt, unterbrochen. Nachdem er Eva damit befriedigt, dass er eine Affäre mit einer jungen Sekretärin hat und sie ihm verzeiht, greift er zum Telefon um sich mit Marianne zu verabreden. Nun fahren beide gemeinsam übers Wochenende zu ihrem alten Landhaus. Beide sind wieder verheiratet und ihre Partner zur Zeit im Ausland. Das Landhaus weckt zu viele Erinnerungen an damalige Zeiten und so ruft Johan seinen Freund an um ihn zu bitten in dessen Angelhaus zu übernachten. Nach etlichen Jahren sprechen sie sich einmal ohne Diskussionen und Streit aus. Sie verbringen die Nacht miteinander. Später im Bett setzen sie die Gespräche über sich, ihre Partner und die Vergangenheit fort. Nachdem sie eingeschlafen sind, wacht Marianne aus einem Alptraum auf. Sie erzählt Johan von ihrem Traum und er versucht sie zärtlich zu trösten. Sie kuscheln sich zusammen und machen das Kerzenlicht aus, während draußen die Sonne aufgeht.


Bergman drehte seinen Tv-Mehrteiler auf 16 mm mit einem kleinen Stab und nur wenigen Schauspielern auf der Insel Fårö und auf Djursholm bei Stockholm. Von seiner eigenen Firma Cinematograph produziert kostete das gesamte Werk 300.000 €. Obwohl Bergman Szenen einer Ehe nie als Kinofassung geplant hatte, wurde das Material nach dem unglaublichen weltweiten Erfolg der Fernsehserie, aufgeblasen und aus der 5stündigen TV-Fassung ein knapp dreistündiger Kinofilm zusammengeschnitten, der ein Jahr später in die schwedischen Kinos kam und zu seinem erfolgreichsten Kinofilm seit Das Schweigen wurde.
Was die TV-Fassung angeht so bedeutete dies einen Durchbruch in Bergmans Werk, der den, in Kino-Kreisen weltberühmten und angesehen Regisseur, nun einem Millionen zählenden Publikum näher brachte. Allein in Schweden soll über die Hälfte der Bevölkerung diese Serie gesehen haben. In Europa und den USA schlug Szenen einer Ehe ebenso wie eine Bombe ein. Ein echter Straßenfeger. Während der Ausstrahlung in Schweden gab es von der Boulevardpresse sog. "Leseraktionen" in denen die Zuschauer schreiben konnten was sie Johan und Marianne raten oder tun würden.
All dieser Trubel brachte Bergman nebenbei auch den Vorwurf ein, er hätte eine Soap Opera gedreht. Besonders das im Film von beiden dargestellte bürgerliche Mittelschichtsehepaar fühlte sich angesprochen und betroffen. Darüber hinaus aber auch Millionen andere, die ihr Leben wie in einem Spiegel vor sich sahen. In der Tat war Szenen einer Ehe was die aufgeklärte und zugleich unsichere Paarbeziehung in den 70er Jahren angeht, modern und geradezu prophetisch. Heute kann und muß man seinen Hut davor ziehen und sagen, dass die große Kunst des Werkes vor allem darin liegt, dass es so universell ist.

Das Thema ist vielleicht nie so ehrlich und ungeschminkt verhandelt worden, wie hier. Da steckt wie immer bei Bergman einfach sehr, sehr viel Wahrheit drin. Für mich war es die erste Erfahrung mit der TV-Fassung, obwohl ich die Kinofassung vor Jahren mal sah, war es wie zum ersten Mal. Ein Werk, das einem persönlich sehr viel abverlangt und mich gleichzeitig angeht.

Bergman geht an sein Thema mit einem Seziermesser ran. Er befreit die Ehe vom Mythologischen. Er bricht das Thema runter, komplett auf das Essentielle. Man könnte sogar von der Ehe als Vertrag sprechen, streift dabei aber wiederum nur, da es doch vielschichtiger ist und Bergman im Laufe des Films Gefühle für beide Seiten evoziert. Etwas, das sowieso auf viele Bergman Filme zutrifft. Schwarz/Weiß Malerei ist hier nun wirklich nicht zu erwarten.
Interessant ist die Tatsache, dass die Kinder von Johan und Marianne nur in einer kurzen Szene am Anfang gezeigt werden und sonst gar keine Rolle spielen, nur in Nebensätzen erwähnt werden. Ansonsten ist das gesamte Szenario fast kammerspielartig auf diese zwei unglaublichen Schauspieler komprimiert. Nur um die Zwei geht es. Mann und Frau. Wir sehen nicht Szenen einer Familie sondern Szenen einer Ehe.

Nach dem großartigen Einstieg der perfekten Ehe im Interview gibt es die Szene mit Peter und Katharina, dem befreundeten Ehepaar.
Hier wird schon gleich am Anfang all das vorweg genommen, was sich später in voller Wucht, mit all dem Hass und der Aggression zwischen beiden in seinem Arbeitszimmer abspielt. In geraffter konzentrierter Form wird die Hölle in der sie sich später finden hier vorgeführt.

Katharina : „Ich empfinde einen so ungeheuren Ekel vor dir, mein Lieber, ich meine physisch, dass ich mir sonst wo einen Beischlaf kaufen würde, nur um dich aus meinen Geschlechtsorganen raus zu waschen.”

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Als Johan und Marianne nach diesem Abend beim Abwasch den Streit beurteilen zeigen sich schon die Risse im Fundament der Bilderbuch-Ehe. Während er der Meinung ist, das allein die materiellen Verhältnisse die Entwicklung einer Ehe entscheiden, sieht Marianne eine Lösung darin, dass wenn beide auf derselben Ebene kommunizieren ein Krieg vermieden werden kann.
Als sie später im Bett liegen und Marianne fragt, was er denn von einem weiteren Kind halten würde mündet die Frage sogleich in einer Diskussion in der man schon, obwohl wir es noh nicht wissen, spüren kann, wie sehr ihn dieser Kreislauf der Ehe und Familie einengt und dennoch möchte er das Kind am Ende haben. Ob er es ehrlich haben möchte erfahren wir nicht, nur das aus der späteren Abtreibung Schuldgefühle ihrerseits resultieren. Beide sind bürgerlich, intelektuell und sehr verkopft. Sie vielleicht noch mehr als er. Als es dann in der 3. Folge zur Aussprache kommt ist immer die Ambivalenz von seiner Seite zu spüren. Ihm missfällt nicht nur etwas in seiner Beziehung zu seiner Frau, er will komplett raus. Die totale Emanzipation von seiner Frau, den Kindern und der Ehe. So wie sie die Situation aufnimmt zeigt die selbstständige, arbeitende, kluge Ehefrau ihre Strategie die Dinge zu ersticken mit einer gewissen Unterwürfigkeit. Mit einer selbstzerstörerischen Hinnahme und Selbstaufgabe.


Von Beginn an wird Marianne als eine Frau eingeführt die bei allem was sie sagt und tut weniger als er ein Bewusstsein ihrer Wünsche und Hoffnungen hat.

Eine Schlüsselszene für Marianne innerhalb des Films und für den Zuschauer stellt diese Szene in der 2. Folge dar. Das Gespräch mit ihrer Klientin Frau Jacobi. Eine Szene, die bestimmt nicht zufällig an Dreyers "Gertrud" gemahnt.

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Frau Jacobi : "Ich laufe mit einem geistigen Bild von mir herum, was in keinem Punkt der Wirklichkeit entspricht."

Mariannes Reaktion :

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Hier sieht man in voller Klarheit und Deutlichkeit, das was in Marianne zu arbeiten beginnt und in einer weiteren zentralen Szene ausgesprochen wird. Die Szene im 4. Teil, in der Marianne ihre Notizen vorliest und während sie liest bekommen wir ein Bild von einem Menschen, der von Anfang an selbstentfremdet wurde bzw. wir sehen das, was diese Selbstentfremdung mit einem Menschen macht.
Dabei wird der Monolog mit Fotografien aus ihrer und seiner Kindheit chronologisch hinterlegt bis zum Erwachsenenalter.

Marianne : "Soweit ich zurückdenken kann war ich immer gehorsam, anpassungsfähig, ja fast demütig. Jetzt wo ich daran denke fällt mir ein, dass ich als kleines Mädchen ein oder zweimal wilde Ausbrüche von Geltungsbedürfnis hatte. Ich erinnere mich aber auch, dass Mutter solche Abweichungen von der Konvention mit exemplarischer Härte bestrafte. Für mich und meine Schwester ziehlte die ganze Erziehung nur darauf ab liebenswürdig zu sein."

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Hier kommen wir an einen Punkt innerhalb des Lebens, den ein jeder vielleicht schoneinmal so erlebt hat. Ein Punkt an dem man sagt "Ich weiß eigentlich gar nicht wer ich bin" "Wer bin ich eigentlich und was macht mich aus ? Was ist meine Vergangenheit ?"
Bergman rührt hier am tiefsten, Innersten und zeigt die Reflektion einer Frau, die ihr Leben als Erfüllerin des Mannes hinterfragt. Ein Erziehungsmodell wird hier hinterfragt, was darauf baut sich nicht zu fragen :"Was gut für mich, sondern was gut gut für den anderen ist."

Szenen einer Ehe bedeutet auch sich von dem "Machtmodell" Ehe zu lösen, welches schon bald für eindeutige Fronten sorgt. In seiner bewegenden, persönlichen Art zeigt der Film wie sie die gesellschaftlichen Werte auf die man gepolt wurde hinterfragen und wie sie sich von diesen befreien.

Johan : "Wir haben alles gelernt. Aber was unsere Psyche betrifft, sind wir Analphabeten"

Geschlossene Räume.

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Es beginnt mit einem erkälteten, niedergeschlagenen, frustrierten, deprimierten Johan und einer aufgekratzten gut, fast zu gut gelaunten Marianne. Beide sind sich ihrer Unabhängigkeit äußerst sicher und es endet in totaler Kapitulation auf beiden Seiten. Völlige Hilflosigkeit. Nach Sex folgt Gewalt.
Der 5. Teil, der sich praktisch nur innerhalb des Arbeitszimmers, abspielt, ist so dermaßen aufregend, weil er physisch spürbar ist. Hass und Begehren sind auf einer Schwelle. Alle gegensätzlichen Gefühle, die sich permanent abwechseln von Hass, Ekel, Schadenfreude hin zu Nähe, Zärtlichkeit und Fürsorge werden hier in geballter Form in 4 Wänden verhandelt. Die Analphabeten stoßen sich ab und ziehen sich gleichzeitig an. Sie wissen alles, doch wie Zweisamkeit funktioniert wissen sie nicht.
Überhaupt ist es sehr interessant die Räumlichkeit in Bergmans Kammerspiel zu beobachten. Es wird immer enger. Der karge Schlussstrich wird hier gezogen in einem Arbeitszimmer, welches von Johan auch noch abgeschlossen wird.

Bevor sich die beiden am Ende wiederbegegnen gibt es noch ein langes Gespräch zwischen Marianne und ihrer Mutter. Ein erstmaliges Mutter und Tochter Gespräch über sich und ihre vergangenen Ehen. Obwohl hier unterschiedliche Werte und Zeiten aufeinander treffen können beide nun im Gleichgewicht nebeneinander stehen.
Am Ende, die Jahre sind vergangen, gibt es auf beiden Seiten Einsicht. Wir begegnen zwei freien Menschen, die sich in offener Landschaft, in der Natur treffen und die größtenteils ihre Regeln abgelegt haben. Sie genießen den Moment und für diesen Moment ist die Einsicht auf beiden Seiten wahrhaftig auch wenn es Stunden später vielleicht anders sein wird.

"Meine Liebe ist irdisch aber sie ist unvollkommen" sagt Johan zu Marianne.

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Sie löschen das Licht, von draußen sehen wir, wie es hell wird und ein neuer Tag beginnt. Wir wissen, das es nur ein Stück, ein Bruchteil ihres Lebens gewesen ist aber es gehört zu ihrer Beziehung.
Hoffnungsvoll und Hoffnungslos ist hier eins. Auch hier begegnen sich beide nach langer Zeit im Gleichgewicht wieder.

Bergmans große Kunst zeigt sich in Szenen einer Ehe darin, dass er das Thema so universell verpackte. Ein jeder kann und konnte sich darin wiederfinden. Hier findet sich eine große Wahrheit wieder und das in einer erbarmungslosen Offenheit. Das Aussprechen von Dingen. Ungeschönt, konzentriert in der Bergmanschen Form mit den Dialogen, die in ihrer theaterhaften Form punktgenau die Wahrheit sprechen und dabei nie gestelzt wirken. Etwas, das sich natürlich von Anfang an in Bergmans Werk wiederfindet, wie bei keinem anderen Regisseur. In dem Extrem der Aussprache wird so offen wie es nur geht gesprochen. Das was gesagt wird hat immer Bestand. Dieses Offene hat damals schockiert und tut es heute immer noch. Das, was hier nicht gesprochen wird zeigt uns Bergmans Kino der Blicke. Erland Jospehson und Liv Ullman intensivieren das Erlebnis mit ihrer bloßen Haltung.
Anbei ist Szenen einer Ehe auch ein äußerst eindrucksvolles Beispiel dafür, dass sich Bergman und Nykvist hier sehr gut überlegt haben, wofür TV gut ist und dann ein Format für die Nähe und das Kammerspiel fanden. Das eingeschränkte 4:3 TV Format gerät hier zum absoluten Vorteil der Geschichte und Bergman hat dies vollends genutzt. Obwohl Szenen einer Ehe mehrere Jahre abhandelt, läßt Bergman einiges aus. Es ist ihm nicht daran gelegen ausführlich zu sein sondern genau und prägnant. Was den Vorwurf einer Soap auch vollkommen irrelevant macht.
Man könnte jetzt noch wesentlich mehr schreiben zb. über Johan und seine egozentrische, analytische Art, wie seine Selbstverwirklichung nicht enst genommen wird, wie wichtig ihm die Macht des Wortes ist oder den Hype und den soziologischen Aspekt den die Serie auslöste aber man kann auch einfach sagen, das dies ganz großartiges Beziehungskino ist, was immer noch wichtigsten Bestand hat und darüber hinaus einem Jeden den Spiegel vorhält.
Gestern wie Heute.

10/10

Zum Schluß möchte ich noch hinzufügen, dass es Szenen einer Ehe zwar mittlerweile auch auf BR gibt aber leider nur in der Kinoversion. Die Bildqualität der TV-Serie ist leider nicht anamorph und nur mäßig.

Ingmar Bergman Liv Ullman Erland Josephson Sven Nykvist Ehe Kammerspiel Drama Dialog Mehrteiler Erziehung Scheidung Beziehung Werte Reflektion


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Mai 2014 Alle Filme


Hier wieder, frei nach Bastro und Pasheko, alle Sichtungen des Monats Mai :)

* = keine Erstsichtung
(DC) = Directors Cut
(3D) = Mit Brille


10/10 Große Liebe, Meisterwerk, mindblowing, Sternstunde
9/10 sehr, sehr gut, fabelhaft, exzellent
8/10 gut - richtig gut, nix zu meckern
7/10 gut, mit einigen Abstrichen
6/10 nja, ok, abgenickt, so lala
5/10 mittelmäßig mit einigen Momenten
4/10 mies mit wenigen Momenten
3/10 mies ohne Momente
2/10 Beschissen
1/10 Richtig beschissen
0/10 Sondermüll


Bedhead (Short) 1991 (Robert Rodriguez) 7/10
El Mariachi 1992 (Robert Rodriguez) 8/10
Desperado 1995 (Robert Rodriguez) 5/10 *
Once upon a Time in Mexico 2003 (Robert Rodriguez) 4-5/10 *
The Three Burials of Melquiades Estrada 2005 (Tommy Lee Jones) 9-10/10
The Long Riders 1980 (Walter Hill) 9/10
Wild Bill 1995 (Walter Hill) 8/10
Sorry, Wrong Number 1948 (Anatole Litvak) 9/10
The Snake Pit 1948 (Anatole Litvak) 7/10
Wait until Dark 1967 (Terence Young) 8/10 *
Man of Steel 2013 (Zack Snyder) 7-8/10
Starman 1984 (John Carpenter) 4/10
The Day the Earth stood still 1951 (Robert Wise) 9/10
Freaks (Kino) 1932 (Tod Browning) 9/10 *
White Zombie 1932 (Victor Halperin) 8/10
House on Haunted Hill 1959 (William Castle) 7/10
Prince of Darkness 1987 (John Carpenter) 8-9/10 *
Star Wars : Episode I – The Phantom Menace 1999 (George Lucas) 5/10 *
Star Wars : Episode II – Attack of the Clones 2002 (George Lucas) 5-6/10 *
Things to Come 1936 (William Cameron Menzies) 7/10
Logan´s Run 1976 (Michael Anderson) 6/10 *
Zardoz 1974 (John Boorman) 8-9/10
A torinói ló (Das Turiner Pferd) 2011 (Béla Tarr) 10/10
Star Wars : Episode III – Revenge of the Sith 2005 (George Lucas) 7/10 *
The Exorcist (Dc) 1973 (William Friedkin) 9/10 (Film = 10/10 / Dc = 7/10)
Matka Joanna od aniolów (Mutter Johanna von den Engeln) 1961 (Jerzy Kawalerowicz) 9/10
The Devils (Tv-Rip/Cut) 1971 (Ken Russell) 8/10
Nymphomaniac Vol. 1 (Kino) 2013 (Lars von Trier) 7-8/10
Nymphomaniac Vol. 2 (Kino) 2013 (Lars von Trier) 8-9/10
Carne (short) 1991 (Gaspar Noé) 8/10
Seul contre tous (Menschenfeind) 1998 (Gaspar Noé) 7-9/10
Irréversible 2002 (Gaspar Noé) 9-10/10 *
Fear City 1984 (Abel Ferrara) 6-7/10
MS 45 1981 (Abel Ferrara) 8/10
Lo squartatore di New York (Der New York Ripper) (Lucio Fulci) 5/10
Star Wars : Episode IV - A new Hope 1977 (George Lucas) 8/10 *
Angustia (Im Augenblick der Angst) 1987 (Bigas Luna) 8-9/10
The Long Goodbye 1973 (Robert Altman) 10/10 *
The Lady in the Lake 1947 (Robert Montgomery) 4/10
Enter the Void 2009 (Gaspar Noé) 7-8/10 *

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Magical History Tour : 2x Anatole Litvak USA 1948


In der Lektüre des letzten Bandes, der herrvoragenden Reihe Filmgenres des Reclam Verlags, Thriller, stieß ich auf einen Film, des mir relativ unbekannten ukrainischen Exil-Regisseurs Anatole Litvak, der mir persönlich nur durch seine Spätwerke, wie Die Nacht der Generäle, Die dritte Dimension oder Lieben sie Brahms ?, bekannt war. Ende der 40er Jahre drehte dieser 2 Filme, die beide relativ düster und kompromisslos zur Sache gehen. Der eine wesentlich mehr als der andere. Beide befassen sie sich mit der Psyche. Der erste in Form eines Thrillers, der andere in Form eines (Melo)Dramas.

Sorry, Wrong Number (Du lebst noch 105 Minuten)


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Leona Stevenson (Barbara Stanwyck) ist durch ein Herzbeschwerden krank ans Bett gefesselt und bekommt durch eine falsche Vermittlung einen Mordplan mit, der die ohnehin schon neurotische Frau hysterisch werden lässt. Ihre Versuche die Polizei zu alarmieren schlagen fehl. Bald bekommt sie am Telefon heraus, dass ihr Mann (Burt Lancaster), sie die schwerreiche Tochter aus gutem Hause umbringen lassen will um die Lebensversicherung einzukassieren um damit die Schulden zu tilgen, die er mit zwielichtigen Geschäften in der Unterwelt hinterlassen hat.
Doch so einfach sich die Fronten anhören ist der Film bei weitem nicht.

Entstanden nach einem Hörspiel erhält hier im Film das Telefon auch eine übergewichtige Note, die äußerst intelligent eingebunden wird. Es funktioniert nicht nur als MacGuffin, der die Story am laufen hält sondern auch, wie im Vorspann schon erzählt als "Bote", der auch den Tod bringen kann. Weiterhin fungiert das Medium hier als szenisches Stilmittel. Es überbrückt und verbindet nicht nur Handlungsräume, es öffnet auch die Türen in die Vergangenheit. Der Film, der sich in der Rahmenhandlung fast ausschließlich in Barbara Stanwycks Bett abspielt, entblößt eine Rückblende, die in die nächste Rückblende übergeht. Zudem kommt noch die subjektive Kameraperspektive der Stanwyck, die den Raum immer enger werden läßt. So gewinnt die Story in ihrer verschachtelten Form an enormer Spannung, da in 90 Minuten Spielzeit ein ganzes existenzielles Drama ausgebreitet wird, welches es wirklich in sich hat.

In den Rückblenden sieht man sie als Tochter reicher Eltern, die auf einem Ball den gutaussehenden aber einfachen Mann seiner Freundin wegnimmt und er, angetan von ihr, sie bald darauf heiratet. Schon bald macht ihm die Position, die sie ihm in der Firma ihres Vaters besorgt hat, Kummer, da er nichts eigenes schaffen kann. Er ist vollkommen abhängig von seiner Frau, die ihn darauf sogar mit ihrer Krankheit versucht zu kontrollieren. Der Proletarier versucht sich von seiner Frau zu emanzipieren, er muß nur genügend Geld heranschaffen um sich freizukaufen. Das dies mitunter in die Fänge der Mafia führt, die ihn erpresst, muß er billigend in Kauf nehmen.

Es ist schwer hier auf den ersten Blick Partei zu ergreifen. Die Stanwyck spielt ihre Opferrolle mit großer Hysterie und Gehässigkeit, die ihre Figur schwer erträglich macht, so wie sie auch viele andere ihrer egozentrischen Rollen auszeichneten. Die Sympathien liegen schon mehr auf Lancasters Seite, dem man in seinem tumben, hilflosen Aufbegehren aber dennoch skrupellosen Vorhaben fast bemitleiden könnte. Die klassichen Sympathievorgaben sind hier jedenfalls verkehrt rum bzw. eigentlich sogar ausgehebelt, denn in der Tat gibt es hier keine sympathische Figur. Dies ist obwohl man von der Inszenierung nicht unbedingt von sprechen kann, ganz Noir verhaftet.

Richtig ungemütlich wird der Film wenn es über das Telefonat zur Figur des Vaters kommt. In der ersten Szene wird er in seinem Zimmer gezeigt während im Hintergrund eine Party stattfindet und die Kamera an der Tür langfährt. Man sieht den Rücken einer großen Blonden und dann sieht man die Bilder, die in diesem Raum verteilt sind zwischen ausgestopften Raubtieren. Überlebensgroß hängt über dem Kamin ein Porträt seiner Tochter aus Kindheitstagen, Fotos, wie sie sich auf einem Sofa räkelt zwischen typischen Familienbildern. Sugardaddy nimmt es nur schwer in Kauf, dass sein Goldstück überhaupt einen anderen Mann heiratet und dann noch einen ehrgeizigen aus der Unterschicht. Über ihrem Kamin hängt auch ein großes Bild ihres Vaters dem sie sprichwörtlich alles verdankt, selbst ihre Krankheit und ihren Kontrollwahn. Man könnte meinen, dass es sich hier nur um eine erstickende Vaterliebe handelt, die man auch als unterschwelligen Missbrauch deuten könnte. Später gibt es eine Szene zwischen ihr und ihrem Papa, in der sie ihm erzählt, dass sie heiraten wolle, dieser förmlich durchdreht und sie bekniet es nicht zu tun. "Rühr mich nicht an"

Die Hilferufe in den Telefonaten, die sie führt, führen alle ins Leere und zeigen, dass das Medium der Kommunikation ausnamslos in einer Sackgasse endet. Am Schluss ist die Leitung dann endgültig unterbrochen.

"Sorry Wrong Number"

9/10


The Snake Pit (Die Schlangengrube)


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Virgina (Olivia De Havilland) lebt mit ihrem Mann Robert (Mark Stevens) eine scheinbar glückliche Ehe, die bald durch ihr gestörtes Innenleben getrübt wird. Nachdem sie einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, wird sie in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Robert erzählt dem zuständigen Arzt Dr. Kik (Leo Genn) von ihrer gemeinsamen Ehe. Doch das Problem um Virgina liegt tiefer verborgen. Mit Hilfe verschiedenster Therapien (Elektroschock, Hypnose) versucht Kik sie zu heilen. Nach ersten Genesungserscheinungen erleidet sie einen Rückfall und wird in die geschlossene Abteilung verlegt. Kik muss nun tiefer in ihrer Vergangenheit graben.

Und schon wieder Rückblenden sowie Psychologische Themen, hier aber ganz offen dargelegt in der Form eines Dramas, dem eine autobiografische Vorlage zugrunde lag.
Das Thema Psychoanalyse ist im amerikanischen Film der 40er Jahre en vogue gewesen. Als einer der ersten US-Filme, die sich ernsthaft mit dem Thema der Psychotherapie auseinandersetzen kann man Litvaks Film als interessantes Dokument sehen. Litvak recherchierte enorm für seinen Film und die Dreharbeiten dauerten wohl auch für damalige Verhältnisse sehr lange. Man sieht dem Film in der Umsetzung seiner Thematik recht deutlich sein Alter an aber sollte man hier auch Milde wallten lassen, da es der lobenswerte Versuch der Traumfabrik war, sich einem solchen Thema, das Schizophrenie und Ödipus-Komplex offen thematisiert anzunehmen. Dank Litvaks Inszenierung und dem doch recht intensiven Spiel von De Havilland ist dies auch gelungen, wobei man auch Abstriche machen muss. Da wäre einmal der liebe Doktor zu nennen, der eine Spur zu gütig und sanft agiert. Auch an anderen Stellen wirkt der Film ein wenig prüde und rührsehlig, besonders zum Ende hin, wo auf einer Tanzveranstaltung in der Anstalt ein Lied angestimmt wird, was wohl nicht nur die Herzen der Insassen sondern auch die der Zuschauer rühren soll. Dennoch : Bietet The Snake Pit äußerst kraftvolle Bilder vom Innenleben der Psychiatrie, die grandiose Visualisierung der Geschlossenen Anstalt als Schlangengrube, die Schwestern, denen die Leiden ihrer Patienten egal sind, Ärzte, die sich nicht untereinander absprechen, die inneren Stimmen als Off-Stimme zusammen mit der Zerrissenheit De Havillands.

Insgesamt also ein recht gut gemachtes, in den besten Momenten, sogar sehr harsches Drama, welches ein wenig unter seiner Melodramatik leidet und ein bißchen zu gut gemeint ist.

7/10

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