Schöner wie treffender Eintrag schon an sich - und auch der Beginn einer Abarbeitung der günstigen Warner-'Gangster'-DVDs von letztens?
Meinungen zur Meinung
#61
Geschrieben 21. September 2006, 18:48
Schöner wie treffender Eintrag schon an sich - und auch der Beginn einer Abarbeitung der günstigen Warner-'Gangster'-DVDs von letztens?
#62
Geschrieben 22. September 2006, 08:44
#63
Geschrieben 06. Oktober 2006, 11:01
Gehe mit Dir d'accord, dass es wichtig ist, das Gesicht Michael Myers kurz vor Ende noch einmal zu sehen. Diese Szene sorgt in Sekunden noch einmal für eine kognitive Durchwirbelung, insbesondere für den Kinozuschauer vor knapp 30 Jahren. Nachdem uns der Film in seinem gesamten Verlauf eine Figur schildert, von der man sich nur entfremden kann und die bereits in ihrem Verhalten - Hochheben eines erwachsenen Mannes, schattenhaftes Umherschleichen - beginnt übernatürliche Züge zu tragen, ist es eminent, dass wir, nachdem wir schon an unserem Verstand zweifeln, dass Michael Myers jede Attacke Laurie Strodes überlebt hat, erkennen, dass es sich eben doch nur um einen jungen, halb-erwachsenen Mann handelt. Die Demaskierung ist dann so kurz, dass wir ihn kaum ausmachen können und dann ist sein Gesicht schon wieder hinter einer konturlosen Maske verschwunden. Ab da wird Myers nie wieder menschlich sein, wie durch die überlebte Erschießung verdeutlicht wird. Die geschilderten Gedanken spielen sich in Sekunden ab und sind auch nur vorbewusst, doch nur so kann der Knalleffekt seine Wirkung voll erzeugen. Hätte es die Demaskierung nicht gegeben, dann wäre der Zuschauer schon viel zu weit von der Figur entfernt gewesen und der Schock über seine Unüberwindlichkeit hätte weniger zu Verstört- als zu desinteressierter Verständnislosigkeit geführt. Schließlich kannte der Zuschauer 1978 den unsterblichen Serienkiller noch nicht.
"Der Unterschied zwischen dem Kino damals und heute ist, dass man heute die Kackwurst zeigt."
#64
Geschrieben 06. Oktober 2006, 18:28
Der Außenseiter sagte am 06.10.2006, 12:01:
Gehe mit Dir d'accord, dass es wichtig ist, das Gesicht Michael Myers kurz vor Ende noch einmal zu sehen. Diese Szene sorgt in Sekunden noch einmal für eine kognitive Durchwirbelung, insbesondere für den Kinozuschauer vor knapp 30 Jahren. Nachdem uns der Film in seinem gesamten Verlauf eine Figur schildert, von der man sich nur entfremden kann und die bereits in ihrem Verhalten - Hochheben eines erwachsenen Mannes, schattenhaftes Umherschleichen - beginnt übernatürliche Züge zu tragen, ist es eminent, dass wir, nachdem wir schon an unserem Verstand zweifeln, dass Michael Myers jede Attacke Laurie Strodes überlebt hat, erkennen, dass es sich eben doch nur um einen jungen, halb-erwachsenen Mann handelt. Die Demaskierung ist dann so kurz, dass wir ihn kaum ausmachen können und dann ist sein Gesicht schon wieder hinter einer konturlosen Maske verschwunden. Ab da wird Myers nie wieder menschlich sein, wie durch die überlebte Erschießung verdeutlicht wird. Die geschilderten Gedanken spielen sich in Sekunden ab und sind auch nur vorbewusst, doch nur so kann der Knalleffekt seine Wirkung voll erzeugen. Hätte es die Demaskierung nicht gegeben, dann wäre der Zuschauer schon viel zu weit von der Figur entfernt gewesen und der Schock über seine Unüberwindlichkeit hätte weniger zu Verstört- als zu desinteressierter Verständnislosigkeit geführt. Schließlich kannte der Zuschauer 1978 den unsterblichen Serienkiller noch nicht.
Bin völlig anderer, nämlich der von zora kurz kontrapunktisch angerissenen Ansicht. Der Zuschauer weiß ja, um wen es sich handelt – um einen jungen Mann Anfang 20. Diese "Menschlichkeit" ist im Zusammenhang des Films aber doch nur eine Hülle, Michael Myers ist ja viel eher Werkzeug einer metaphysischen Kraft, kein einfacher Psychopath. Im ganzen Film wird er als Urgewalt gezeichnet, die buchstäblich aus dem Nichts kommt. Dies findet sich auch in der formalen Gestaltung wieder. Ich finde es da eher kontraproduktiv, dass man ihm mit der Demaskierung eine menschliche Idnetität verleiht.
#65
Geschrieben 06. Oktober 2006, 18:59
Funk_Dogg sagte am 06.10.2006, 19:28:
Du übersiehst bei dieser Interpretation, die ich völlig teile, den für den Zuschauer verstörenden Charakter der Figur Myers'. 'Niemand sieht bzw. sah bei Erstbetrachtung des Films eine "Urgewalt", sondern einen psychopathischen Killer, der um die Häuser schleicht. Dass es sich bei Myers um das von Dir erwähnte metaphysische Phänomen handelt, wird sukzessive für den Zuschauer spürbar gemacht, bis man sich am Schluss mit dieser Tatsache abfinden muss. Dass diese Urgewalt das Aussehen eines 21-jährigen Jungen hat, der doch ursprünglich mal ein Mensch war, sorgt hier implizit für das wahre Entsetzen. Wen man die Figur Myers' bei Erstbetrachtung des Filmes von Anfang an als Urgewalt sieht, dann kann es sich dabei nur um eine heutige, mit Zusatzwissen über die Figur ausgestattete Sichtweise handeln. Zur Zeit der Entstehung des Werkes war dies aber noch nicht möglich.
"Der Unterschied zwischen dem Kino damals und heute ist, dass man heute die Kackwurst zeigt."
#66
Geschrieben 10. Oktober 2006, 16:16
@aussenseiter: du hast das sehr wohl formuliert, was ich mir nur so gedacht habe. allerdings - in bezug auf die obige diskussion - ist es eben so, dass auch dieser aspekt des films subjektiv wahrnehmbar ist. auch wenn das abwieglerisch klingt, so wie ich es auch in der entsprechenden besprechung schrieb: was einen erschreckt oder schockiert, ist individuell. so kann man wahrscheinlich nicht zu einem absoluten "richtig" oder "falsch" kommen... aber ich freue mich, dass ich nicht allein da stehe mit dieser wahrnehmung!
#67
#68
Geschrieben 12. Oktober 2006, 15:19
Bearbeitet von zora f., 12. Oktober 2006, 15:22.
#69
Geschrieben 12. Oktober 2006, 16:21
zora f. sagte am 10.10.2006, 17:16:
@aussenseiter: du hast das sehr wohl formuliert, was ich mir nur so gedacht habe. allerdings - in bezug auf die obige diskussion - ist es eben so, dass auch dieser aspekt des films subjektiv wahrnehmbar ist. auch wenn das abwieglerisch klingt, so wie ich es auch in der entsprechenden besprechung schrieb: was einen erschreckt oder schockiert, ist individuell. so kann man wahrscheinlich nicht zu einem absoluten "richtig" oder "falsch" kommen... aber ich freue mich, dass ich nicht allein da stehe mit dieser wahrnehmung!
Sicher, um ein "richtig" oder "falsch" geht es hierbei ja auch nicht. Mehr nur um den Aspekt, dass eine Interpretation wie Funk sie ins Felde führt vom 1978er Publikum tendenziell weniger gebildet werden konnte, da es den Ausgang der Geschichte und somit den Topos des "untötbaren Serienkillers" noch nicht kannte und folglich während der ersten Betrachtung noch mit anderer Rezeptionshaltung an den Film heranging.
"Der Unterschied zwischen dem Kino damals und heute ist, dass man heute die Kackwurst zeigt."
#70
Geschrieben 12. Oktober 2006, 16:47
#72
#73
#74
Geschrieben 13. Oktober 2006, 16:47
Kasi sagte am 13.10.2006, 17:39:
#76
#77
Geschrieben 13. Oktober 2006, 18:38
zora f. sagte am 13.10.2006, 18:31:
Zitat
#78
Geschrieben 23. Oktober 2006, 20:39
Zitat
FD: "Alexander."
Ich: "Alexander Kraus."
FD: "Peter. Alexander."
Sen-sa-tio-nell.
#79
Geschrieben 24. Oktober 2006, 08:25
#80
Geschrieben 24. Oktober 2006, 11:34
Konzentrier dich mal!
#81
#82
Geschrieben 24. Oktober 2006, 17:52
Als nächstes dann bitte den alten "Scarface", "Bullets Or Ballots", "Dead End", "Petrified Forest" & "High Sierra" verköstigen.
#84
#85
Geschrieben 31. Oktober 2006, 17:06
zora f. sagte am 30.10.2006, 17:08:
Welchem Zweck dient der Schrecken, mit dem sie zuerst auf den Mann reagiert, wenn es darum geht, dass sie sündig ist, gelangweilt, von sexueller Frustration getrieben... warum dann erst die Angst?!
Das will mir schlicht nicht in den Kopf. Aber sonst... ganz okay.
Vielleicht, weil das was man sich wünscht und das was man bekommt verschiedene Dinge sind?
"Der Unterschied zwischen dem Kino damals und heute ist, dass man heute die Kackwurst zeigt."
#86
Geschrieben 31. Oktober 2006, 18:06
ich ärgere mich ja nicht darüber, dass sie sexuell ausgehungert ist. ich ärgere mich darüber, dass die tatsache, dass sie erst angst hat und sich gegen den mann wehrt, in der ganzen moritat keinem zweck dient - in meiner wahrnehmung. was für mich den ekligen beigeschmack der these hat, dass eine vergewaltigung gar nicht so schlimm ist, wenn die frau nur ausgehungrt genug ist, dann wird's ihr schon gefallen, auch wenn sie am anfang nicht richtig will. in meinen augen ein worst case of "wenn frauen nein sagen, meinen sie ja" oder "komm', du willst es doch auch".
#87
Geschrieben 31. Oktober 2006, 18:14
zora f. sagte am 31.10.2006, 18:06:
ich ärgere mich ja nicht darüber, dass sie sexuell ausgehungert ist. ich ärgere mich darüber, dass die tatsache, dass sie erst angst hat und sich gegen den mann wehrt, in der ganzen moritat keinem zweck dient - in meiner wahrnehmung. was für mich den ekligen beigeschmack der these hat, dass eine vergewaltigung gar nicht so schlimm ist, wenn die frau nur ausgehungrt genug ist, dann wird's ihr schon gefallen, auch wenn sie am anfang nicht richtig will. in meinen augen ein worst case of "wenn frauen nein sagen, meinen sie ja" oder "komm', du willst es doch auch".
Weil Lornas Beziehung zu dem Häftling dadurch als Fehltritt ihrerseits gezeichnet wird. Ihr Sexhunger – für den ihr Gatte zuständig ist, weil er sie nicht befriedigen kann – veranlasst sie dazu, sich dem Häftling zu ergeben. Würde der sie stattdessen sanft erobern, dann stünde die folgende Beziehung mit ihm ja in einem ganz anderen, nämlich legitimeren Licht. Ihr Mann hätte dann einfach Pech gehabt. So projiziert Lorna aber etwas in eine offenkundig auf wackliges Fundament gebaute Beziehung und betrügt ihren Mann mit jemandem, der sie ja noch viel weniger zu schätzen weiß als dieser.
#88
Geschrieben 31. Oktober 2006, 18:27
und das ist ja nicht alles... der film sagt ja auch noch, dass sie dem mann, der sie "mal ordentlich 'rannimmt" (und das meine ich im schlimmsten sinne) auch GERNE alle möglichen anderen liebesdienste wie essen machen und einkaufen gehen angedeihen lässt. fehlt nur noch, dass sie erst mal seine unterwäsche wäscht dafür, dass er er sich gerade über ihren willen hinweggesetzt hat.
ich meine, mal ehrlich: dass der typ scheiße ist und sie sich dem erstbesten dahergelaufenen an den hals wirft - das alles würde ebenso gut funktionieren, wenn sie nicht erst angst hätte und sich wehren würde. ich spreche ja nicht davon, dass die beiden irgendwie händchenhaltend über die blumenwiese huschen müssen. ich spreche nur davon, dass diese szene nichts anderem dient als einer männerphantasie, die einfach für mich ein bisschen bedenklicher ist als die restlichen, die r. meyer so pflegt. frauen mit großen brüsten, übermenschliche frauen, sexuell ausgehungerte frauen, von mir aus. aber diese vergewaltigung-gone-sexphantasie erfüllt für mich einfach diesen zweck nicht.
but that's just me.
#89
Geschrieben 31. Oktober 2006, 18:28
zora f. sagte am 31.10.2006, 18:06:
ich ärgere mich ja nicht darüber, dass sie sexuell ausgehungert ist. ich ärgere mich darüber, dass die tatsache, dass sie erst angst hat und sich gegen den mann wehrt, in der ganzen moritat keinem zweck dient - in meiner wahrnehmung. was für mich den ekligen beigeschmack der these hat, dass eine vergewaltigung gar nicht so schlimm ist, wenn die frau nur ausgehungrt genug ist, dann wird's ihr schon gefallen, auch wenn sie am anfang nicht richtig will. in meinen augen ein worst case of "wenn frauen nein sagen, meinen sie ja" oder "komm', du willst es doch auch".
Ich habe die Szene leider nur noch mangelhaft in Erinnerung, aber das hat ja auch etwas mit Kontrollverlust zu tun. Sie weigert sich in dieser Situation die Kontrolle abzugeben und nimmt schließlich eine Überwältigung in Kauf, um an etwas anderes heranzukommen, was der Mann ihr in seiner tumben Triebgesteuertheit gibt. Es sind ja mehrere Männer auf Lorna scharf, die sich ja sogar bekämpfen um an sie "heranzukommen". Lorna wird völlig aus der Sicht des Mannes wahrgenommen und präsentiert. Meyer gibt wie kaum ein zweiter Regisseur zu, dass er die Komplexität der Frau nicht versteht, sie deshalb versucht zu einem Lustobjekt zu stilisieren, aber nicht umhin kommt, dass da noch mehr ist, was die Psyche des Mannes/seiner Figuren nicht erfasst. Deshalb scheinen seiner Männerfiguren ja in einer Art sexuellem Urschlamm zu waten. In Meyers Filmen kommt die Angst des Mannes vor der Urgewalt der Frau zum Vorschein.
Die Ambivalenz wird doch schon sehr schön an dem kulturellen Phänomen der High Heels deutlich. Auf der einen Seite stellt der Mann die Frau auf ein Podest der Göttinnen, da er die Größe und eventuelle Überlegenheit der Frau nicht leugnen kann, versetzt sie aber gleichzeitig in einen Zustand der eingeschränkten Bewegungs- und Handlungsfähigkeit, um sie so besser kontrollieren zu können.
"Der Unterschied zwischen dem Kino damals und heute ist, dass man heute die Kackwurst zeigt."
#90
Geschrieben 31. Oktober 2006, 19:48
zora f. sagte am 31.10.2006, 18:27:
und das ist ja nicht alles... der film sagt ja auch noch, dass sie dem mann, der sie "mal ordentlich 'rannimmt" (und das meine ich im schlimmsten sinne) auch GERNE alle möglichen anderen liebesdienste wie essen machen und einkaufen gehen angedeihen lässt. fehlt nur noch, dass sie erst mal seine unterwäsche wäscht dafür, dass er er sich gerade über ihren willen hinweggesetzt hat.
ich meine, mal ehrlich: dass der typ scheiße ist und sie sich dem erstbesten dahergelaufenen an den hals wirft - das alles würde ebenso gut funktionieren, wenn sie nicht erst angst hätte und sich wehren würde. ich spreche ja nicht davon, dass die beiden irgendwie händchenhaltend über die blumenwiese huschen müssen. ich spreche nur davon, dass diese szene nichts anderem dient als einer männerphantasie, die einfach für mich ein bisschen bedenklicher ist als die restlichen, die r. meyer so pflegt. frauen mit großen brüsten, übermenschliche frauen, sexuell ausgehungerte frauen, von mir aus. aber diese vergewaltigung-gone-sexphantasie erfüllt für mich einfach diesen zweck nicht.
but that's just me.
Aber dass sie ihren Mann "eigentlich" liebt, weiß sie ja in diesem Moment nicht. In dem Moment zählt nur, dass da ein Kerl ist, der sie vor sexueller Energie überwältigt. Das ist ja das, was ihr in ihrer Ehe fehlt.
Sie wird nicht unmoralischer, aber sie erliegt einem Trugschluss, weil sie völlig vergisst, dass das ja noch etwas ist, was sich jenseits des Sex abspielt. Dass sie dem Typen auch noch den Haushalt schmeißt und sich völlig degradieren lässt, zeigt ja wie getrübt ihre Wahrnehmung ist: Das alles ist plötzlich egal, weil sie ordentlich gepoppt wurde. Natürlich ist das bescheuert, aber es geht da eben auch nicht um eine realistische Abbildung der Dinge. Wobei: Wenn man sich anschaut, wie viele Frauen mit den letzten Idioten zusammen sind, ist man geneigt, auch das nochmal zu überdenken.
Dass diese Vergewaltigungsfantasie problematisch ist, will ich nicht abstreiten. Aber die Vergewaltigung wird ja von Russ Meyer auch nicht als "normal" apostrophiert. Der Typ ist ein Verbrecher und Lorna ist so blind, dass sie das nicht merkt.
Der Außenseiter sagte am 31.10.2006, 18:28:
Die Ambivalenz wird doch schon sehr schön an dem kulturellen Phänomen der High Heels deutlich. Auf der einen Seite stellt der Mann die Frau auf ein Podest der Göttinnen, da er die Größe und eventuelle Überlegenheit der Frau nicht leugnen kann, versetzt sie aber gleichzeitig in einen Zustand der eingeschränkten Bewegungs- und Handlungsfähigkeit, um sie so besser kontrollieren zu können.
Genau!
(BTW: High Heels:
Besucher die dieses Thema lesen: 1
Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0





















