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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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RUNAWAY JURY (Gary Fleder/USA 2003)



"Gentlemen, trials are too important to be left up to juries."

Runaway Jury (Das Urteil) ~ USA 2003
Directed By: Gary Fleder

Die Witwe (Joanna Going) eines von einem Amokläufer ermordeten Börsenmaklers (Dylan McDermott) verklagt die Hersteller der für die Bluttat verwendeten Automatikwaffe und damit moralisch betrachtet auch gleich die gesamte Waffenlobby der USA. Die Bosse des betroffenen Unternehmens wittern mögliche Millionenverluste und heuern daher den für seine zielsichere Geschworenenauswahl bei prekären Prozessen bekannten, juristischen Berater Rankin Fitch (Gene Hackman) an, der dem beauftragten Anwalt (Bruce Davison) während der Zulassung der Geschworenen zur Seite stehen soll. Die Anklage wird von Wendell Rohr (Dustin Hoffman) vertreten, selbst ein leidenschaftlicher Gegner des Zweiten Verfassungszusatzes. Schon nach den ersten Prozessphasen bekommen sowohl Fitch als auch Rohr von einer unbekannten jungen Frau (Rachel Weisz) das Angebot, einen der Geschworenen (John Cusack) gegen ein großzügiges Entgelt die übrigen so manipulieren zu lassen, dass das Urteil zu den jeweiligen Gunsten ausfallen könnte.

Mit einigem Abstand - sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf die verhandelte Mentalität - entstand diese bislang letzte Grisham-Verfilmung. Abgesehen von der nervösen Kamera, die dramaturgische Hektik durch exzessives Zoomen zu suggerieren sucht, unterscheidet "Runaway Jury" sich sonst nicht besonders von den vorhergehenden Filmen. Wieder gibt es idealistische Helden mit heimlichem Regressions- und Vergeltungsansprüchen und moralisch hoffnungslos korrumpierte Schurken, selbstredend solche von der gewissenlos-kapitalistischen Seite der Medaille. Ging es im Roman allerdings noch darum, die Tabakindustrie für einen Lungenkrebstoten verantwortlich zu machen, wandte sich das Filmscript unter dem Eindruck von Littleton stattdessen dem akuteren und vor allem populistisch naheliegenderen Topos der Amokläufer zu, die problemlos an todbringende Schusswaffen gelangen und diese bei Bedarf auch zum Einsatz bringen können. Ob die die gezogene Analogie letztlich sinnstiftend ist, muss jeder für sich entscheiden, Waffenfabrikanten juristisch unmittelbar für die Verwendung ihrer Produkte verantwortlich zu machen und damit auch noch gerichtlich durchzukommen, erweist sich jedoch, wenngleich von einigem hypothetischen Reiz, spätestens beim zweiten Nachdenken als recht hanebüchen. Die gute Tradition ergibt sich hier eher wie üblich aus dem Darsteller-Duell Hoffman/Hackman; die beiden arrivierten Herren bekommen ihre meritenträchtige Konfrontationsszene und genießen ansonsten sichtlich den Aufwasch, der um sie herum betrieben wurde. Ein so motiviert-spielfreudiges Ensemble wie Coppolafür "The Rainmaker" steht Fleder jedoch nicht zur Verfügung. Damit bleibt der Film als reines Unterhaltungsprodukt akzeptabel, ansonsten allerdings, nota bene, ein Stück luxuriöser Muße ohne besonderen Nachhall.

6/10

Gary Fleder John Grisham Südstaaten New Orleans Louisiana Courtroom



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Funxton

    Avanti, Popolo

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