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Herr Settembrini schaltet das Licht an

Oberlehrerhafte Ergüsse eines selbsternannten Filmpädagogen




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Was sind Sie für ein Zuschauertyp?



Beim Herumstöbern auf meiner Festplatte entdeckte ich den folgenden Text aus kino.de-Zeiten, von dem ich weiß, daß er dort seinerzeit recht gut ankam. Darum habe ich beschlossen, ihn nochmals aus der Versenkung zu holen, wobei ich den ursprünglichen Text leicht modifiziert habe. Und hier ist er:


Was sind Sie für ein Zuschauertyp?

Warum gehen gutgemeinte Filmtips so oft schief? Warum kommt es in Filmdiskussionen so oft vor, daß zwei Menschen einfach aneinander vorbeireden (und es vielleicht noch nicht einmal merken)?
Nun läßt sich natürlich als Erklärung einfach anführen, daß die Filmgeschmäcker eben verschieden sind, was zwar richtig, aber auch nicht sonderlich erhellend ist. Etwas interessanter scheint mir dagegen die Betrachtung zu sein, daß nicht nur die Geschmäcker verschieden sind, sondern auch die Filminteressen und damit die Gründe, aus denen jemand überhaupt einen Film sieht. Es gibt also, wie ich behaupten möchte, ganz verschiedene Zuschauertypen, und Filminteressierte, die dem gleichen Zuschauertyp angehören, werden auch in Diskussionen vermutlich gut miteinander auskommen, solche, die völlig verschiedenen "Lagern" stammen, kommen sehr wahrscheinlich nicht miteinander zurecht oder verstehen zumindeste einander nicht.

Ich habe mir daher mal den Spaß gemacht, zu überlegen, was für Zuschauertypen es geben könnte und diese einigermaßen prägnant zu beschreiben versucht. Wobei natürlich eines vorwegzuschicken ist: einen reinrassigen Vertreter eines speziellen Zuschauertyps wird man so gut wie nie antreffen, die meisten Filminteressierten werden eher die Merkmale verschiedener Typen vereinigen. Insofern sind meine Beschreibungen selbstverständlich auch überspitzt, doch gerade durch die Übertreibung werden viele Dinge ja erst richtig sichtbar. Prinzipiell aber dürfte man bei den meisten Filminteressierten die eine oder andere der Eigenheiten, die zu den verschiedenen Typen gehören, in mehr oder weniger starker Ausprägung antreffen.

Dann will ich einfach mal ein paar Zuschauertypen vorstellen (aus reiner Bequemlichkeit habe ich immer "der" und "er" geschrieben, aber auf Zuschauerinnen ist das problemlos übertragbar), wobei es mehr oder weniger querbeet geht:

Der Zerstreuung Suchende
sieht Filme ausschließlich, um sich zu unterhalten. Für ihn ist das auch der einzige Grund, warum Filme gedreht (oder Romane geschrieben, dies nebenbei) werden. Jede Art der Filmanalyse findet er absurd und hält es für lächerlich, was manche Leute in Filme "hineininterpretieren".

Der Lemming
beurteilt die Qualität von Filmen einzig und allein nach dem Erfolg an der Kinokasse. Wenn ein Film keine Zuschauer findet, ist er eben schlecht. Der Zweck von Filmpreisen besteht für den Lemming darin, die größten Kassenerfolge auszuzeichnen, und Kritiker, die einen erfolgreichen Film schlecht zu finden wagen, hält er für arrogant und dumm.

Der Arthouse-Liebhaber
ist geradezu das Gegenteil des Lemmings: je weiter das Entstehungsland eines Films entfernt ist und je mehr Buchstaben der Name des Regisseurs hat, desto interessanter wird ein Film für ihn. Das Nonplusultra ist für ihn der sechsstündige phillipinische Kunstfilm mit englischen Untertiteln. Wenn ein solcher Film allerdings einen regulären Kinostart schafft und dann auch noch überraschend Erfolg hat, kühlt sich sein Interesse gleich etwas ab.

Der Moderne
ist nur am gegenwärtigen Kino interessiert. Für ihn sind selbst Filme aus den 90er Jahren schon leicht angestaubt, Remakes alter Filme zieht er den Originalen zumeist vor. Schwarzweißfilme haßt er.

Der Klassiker
kennt sich dagegen gut in der Filmgeschichte aus, allerdings nur mit dem bekannteren Werken, die in den gängigen Filmlexika aufgeführt sind bzw. in typischen Kanon- und Bestenlisten aufgeführt werden. In den filmischen "Randbezirken" kennt er sich nicht aus, hat aber auch keinen besonderen Ehrgeiz, etwas daran zu ändern. Dem aktuellen Kinogeschehen steht er distanziert gegenüber und sieht mehr alte als aktuelle Filme im Kino. Seine Auffassung läßt sich in dem Satz ausdrücken: "Früher war alles besser."

Der Emotionale
will während eines Films vor allem von seinen Gefühlen überwältigt werden, während er mit intellektuellem oder gar essayistischem Kino nicht viel am Hut hat. In Filmdiskussionen gehört er zu den engagiertesten und leidenschaftlichsten Teilnehmern, vorausgesetzt, der Film hat ihn in der gewünschten Weise berührt.

Der Eskapist
liebt es, im Film fremde Welten zu sehen zu bekommen, weshalb er sich oft zur Science Fiction oder Fantasy hingezogen fühlt. Aber auch Historienfilme oder Musicals können sein Gefallen finden, prinzipiell ist er im Kino für alles offen, so lange es ihn nicht an sein alltägliches Leben erinnert.

Der Narrative
ist auf kein spezielles Thema oder Genre festgelegt, will aber eine geradlinige Geschichte erzählt bekommen, die Anfang, Hauptteil und Schluß hat. Er schätzt in der Regel großes episches Kino, dafür ist ihm das intellektuelle Kino eines Godard ebenso ein Greuel wie solche Filme wie z.B. "Mulholland Drive", die er im günstigsten Fall distanziert "Kopfgeburt" nennt, im ungünstigsten dagegen "Zuschauerverarschung".

Der Wirklichkeitsbezogene
ist dagegen der Gegenspieler des Eskapisten. Für ihn müssen Filme einen deutlichen Bezug zur Realität haben, weshalb er Science Fiction oder Fantasy ablehnt und es für Zeitverschwendung hält, sich damit überhaupt zu beschäftigen. Ohnehin mißtraut er allem Genrekino, das er vor allem als Anhäufung von "Klischees" sieht. Ihm kommt es vor allem auf "Relevanz" an, und am höchsten schätzt er den Dokumentarfilm.

Der Kritisch-Intellektuelle
ist für gewöhnlich sehr belesen und sieht es als wesentliche Aufgabe des Kinos an, gesellschaftliche Repressionsmechanismen sichtbar zu machen. Wie der Wirklichkeitsbezogene fordert er Relevanz ein, beharrt im Gegensatz zu diesem aber nicht auf größtmöglicher Wirklichkeitsnähe, es genügt ihm, wenn Filme auf die Wirklichkeit verweisen. Seine Vorliebe gilt Regisseuren, die als politisch gelten, und er nimmt einen eher distanzierten, analytischen Standpunkt als Zuschauer ein, was leicht zu Meinungsverschiedenheiten mit dem emotionalen Zuschauertyp führen kann.

Der Bildungsbürger
ist nicht allein am Kino interessiert, sondern mehr noch am Theater und an Literatur, wobei sein Interesse nicht so sehr der Literatur, die für Menschen, sondern eher jener, die für Deutschlehrer geschrieben wird, gilt. Am Film interessiert er sich vor allem für das europäische Autorenkino, Namen wie Fellini, Rivette, Bresson oder Tarkowski lassen sein Herz höher schlagen. Amerikanische Filme mag bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht, und vor allem Genrefilmen steht er für gewöhnlich ablehnend gegenüber; in besonderem Maß gilt dies für Horrorfilme, die er sich in aller Regel gar nicht erst ansieht, aber trotzdem von ihrer Abscheulichkeit felsenfest überzeugt ist.

Der Allesseher
liebt dagegen das Kino an sich, sowohl als Medium wie auch als Kunstform. Er ist von allen Zuschauertypen der am wenigsten voreingenommene. In seiner Filmbegeisterung sieht er in einem Jahr mehr Filme, als das Jahr Tage hat, und selbst in schlechten Filmen sucht er immer noch nach dem Gelungenen oder zumindest Liebenswerten. Berührungsängste mit Genres oder sonstigen Spielarten des Films sind ihm fremd, weshalb man mit ihm über Bergman und Bunuel ebenso wie über Hollywoodklassiker der 30er Jahre, Arthousekino aus Thailand oder Filme, die indiziert oder gar beschlagnahmt sind, reden kann. Sein größtes Problem ist, daß das Leben nicht lang genug ist, um alle Filme kennenzulernen, deshalb hortet er DVDs und zeichnet im Fernsehen alles auf, was ihm interessant erscheint, ohne daß er dazu kommen würde, all diese Filme auch mal anzusehen, so daß er nach einer Weile Hunderte von ungesehenen Filmen bei sich zu Hause hat und zuletzt selbst nicht mehr weiß, was für Filme in dem riesigen Stapel verborgen sind.

Der Ästhet
ist vor allem am einzelnen Bild interessiert, weniger an Geschichten, aber auch nicht so sehr an anderen filmischen Mitteln, im Gegensatz zum Formbewußten (s.u.). Er liebt in aller Regel Antonioni, weil es bei diesem keine störende Handlung gibt, die von den Bildern ablenken würde.

Der Formbewußte
ist vor allem an der Machart eines Films interessiert, Kameraführung, Schnitt, Kadrierung, Blicke und Gesten der Schauspieler, Trickeffekte, der Einsatz von Musik sowie die sonstige Gestaltung der Tonspur, dies alles fasziniert ihn. Wenn ein Film in dieser Hinsicht etwas zu bieten hat, kann er für ihn inhaltlich auch haarsträubender Unsinn sein. Das negativste Urteil, das man von ihm über einen Film zu hören bekommt, ist die Einschätzung, ein Film sei "theaterhaft".

Der Mitternachtszuschauer
findet Filme dann am interessantesten, wenn sie verboten sind. Seine Vorliebe gilt Trash, Sex- und Horrorfilmen (vor allem Splatter- und Gorefilme), letztlich eben allen Spielarten der Exploitation. Bei italienischem Kino denkt er vor allem an Italowestern, Giallis und Kannibalenfilme, während Fellini und De Sica für ihn böhmische Dörfer sind - doch die bekanntesten Filme, die in den gängigen Nachschlagewerken auftauchen und die der Klassiker (s.o.) kennt, sind für ihn ohnehin nur "Mainstream-Gülle".

Der Ideologe
sieht Filme vor allem mit der Erwartung, immer aufs neue in seinem fest zementierten Weltbild bestätigt zu werden. Dies ist dann auch sein einziges Bewertungskriterium, daher fallen Filme, die ihm diesen Gefallen nicht tun, auch sofort durch - unabhängig von ihren formalen Qualitäten, denn diese interessieren den Ideologen nicht die Bohne.

Der Fixierte
ist eigentlich ein Sonderfall des Ideologen. Er ist völlig besessen von einem bestimmten Thema und sucht in Filmen, die er sieht, immer nur nach einem Bezug zu "seinem" Thema, den er in aller Regel auch findet. Dabei ist ihm kein Detail zu nebensächlich, um nicht als Aufhänger für seine mitunter bizarren Interpretationen zu dienen, die er gern auch noch dadurch unterfüttert, daß er berühmte Philosophen zitiert.

Das war's. Wie gesagt: in der oben beschriebenen Form wird man kaum einen Filminteressierten antreffen, normal dürfte eher eine Mischung aus verschiedenen "Typen" sein. Aber ich denke, damit sollten die wichtigsten Zuschauertypen erfaßt sein...

(Zuerst veröffentlicht auf kino.de im Januar 2009; leicht modifiziert)

kino.de



Erkenntnis und Interesse.

Großartiger Text. Sehe mich selbst am ehesten als ästhetisch-formbewußt Fixierten.
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Allesseher mit Hang zu Arthouse-Eskapismus
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Also, die Formen sind bekannt, das wurde schon oft diskutiert. Man könnte es auch an Motiven festmachen, aus denen jemand Filme guckt. Die Faustregel lautet: Je mehr du hast, desto mehr Spaß hast du an Filmen. Ich falle sicher unter sechs oder sieben der genannten Kategorien. Ergo: Viel Spaß an viel.
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Come on, hoolio. Du bist doch das Paradebeispiel eines emotionalen Lemmings.

Aber interessant ist diese Zuschauertypisierung sicherlich auch aus Filmemachersicht. Wie konstruiere ich Filme, um so viele wie möglich Kategorien einzubinden?
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Acht bis neun.
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Das wäre in etwa die Hälfte. Nur. Da ich nun bei McKinsey arbeite, sage ich mal, daß das optimiert werden muß. Zielpunkt wären 20. Schlußfolgerung: Die zentralisierten Elemente sollten diversifiziert werden und die diversifizierten zentralisiert. Macht €20.000. Gern geschehen.
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:) Kopfschuß genehm?

(Aber ja. Ich bin alle.)
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das hat mich damals schon bei kino,de aufgeregt. habe ich da in den kommentaren zumindest wüst geschimpft oder mus ich jetzt schimpfen?
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Eindeutig der Allesseher mit einem kleinen Schuss vom Klassiker und (leider) auch einem Hauch vom Narrativen. :D
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hoolio21 sagte am 16. November 2013, 03:55:

:) Kopfschuß genehm?

Zumindest das habe ich bei den Zombiefilmen gelernt: Falls es mich erwischen sollte und ich einer von den McKinseys werde - schieß mir in den Kopf. Alles andere hilft nicht.
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Toller Text! Ich liebe das Kino als Ort, weswegen ich mir kaum DVDs anschaue oder ferrnsehe, Und ich liebe es, wenn dieser Kinobesuch zu einem besonderen Ereignis wird, zu einem Event, wie es Filmfestivals darstellen, wo oft Filmemacher und Schauspieler anwesend sind, oder div Freiluftkinos die an schönen Orten, verbunden mit gutem Essen und Trinken(der wr. Augarten!) stattfinden. Und wenn ich mir heuer Bressons Lancelot du Lac im Filmmuseum angeschaut habe, so deshalb, weil zuvor Michael Haneke sprach(aber auch weil ich Filme von Bresson kennenlernen wollte). Mir ist die Problematik dieser "Eventisierung" durchaus bewusst, denn eigentlich sollte es um den Film gehen. Aber nicht nur, dass ich diese besonderen Kinoerlebnisse selbst mag, helfen sie mir auch meine Freundin zum Kinobesuch zu überreden, die anders als ich kein Arthouse-Fan ist. SW-Filme mag sie etwa überhaupt nicht. Somit gehört sie wohl zur Gruppe der Modernisten mit besonderer Vorliebe für Fantasy, wodurch ich in den Genuss von Thor kam Allerdings schaue ich mir keine Kasachischen Problemfilme oder ähnliches an, selbst mit den asiatischen Kino tue ich mir schon schwer. Ich gehe nach Regisseure und nicht nach Stars, und fürchte ein wenig zur cineastischen Überheblichkeit zu neigen. Gleichzeitig gibt es Menschen die sich intensiver mit Film auseinandersetzen, und welche die das nicht tun. Diese bilden die Mehrheit(Bresson wer?) So wie es Leute gibt, die sich intensiv mit Wein beschäftigen und solche wie ich die gerade rot und weiß unterscheiden können, Tageslicht vorausgesetzt, ihn aber trotzdem gerne trinken, zur Zerstreuung oder so. Und Filmemacher die es schaffen, sowohl die breite Massen anzusprechen, als auch das filmisch gebildete "Fachpublikum", sind vielleicht die größten, werden aber manchmal lange verkannt. Davon könnte Hitchcock ein Lied singen...
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Antoine Doinel sagte am 16. November 2013, 12:56:

Ich liebe das Kino als Ort, weswegen ich mir kaum DVDs anschaue oder ferrnsehe,

Genau so ist es. Das gemeinsame Erlebnis in der Dunkelheit ist vollkommen verschieden von dem Erlebnis am heimischen Bildschirm.

Zitat

Mir ist die Problematik dieser "Eventisierung" durchaus bewusst, denn eigentlich sollte es um den Film gehen.

Einspruch, Euer Ehren. Eventisierung ist die Marketingverklärung des Multiplexdurchschnittsfilms zum Ereignis, was man nicht verpassen darf, weil man sonst nicht mitreden kann. Bewährte Strategie, um die Lemminge ins Kino zu bekommen.
Was Du beschreibst, kontextualisiert den Film, eröffnet Perspektiven aus Sicht der Macher und gewährt Einblicke auf andere Sichtweisen auf den Film, erweitert den Horizont bei Filmbetrachtungen. Das ist imho die Zukunft des Kinos, das Element, was es vom DVD Abend unterscheidet. Der Gedankenaustausch zum Film. Das, was hier auf filmforen im besten Falle passiert.
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Erfreulich viel Resonanz! Mit so vielen Kommentaren hatte ich gar nicht gerechnet, obwohl dieser Text schon bei der Erstveröffentlichung allgemein sehr gut angekommen ist.
Dann will ich doch gleich noch meine Selbsteinschätzung beisteuern: zum überwiegenden Teil Klassiker, wobei ich vor einigen Jahren schon mal auf dem Weg zum Allesseher war, auf dem Weg dorthin aber auf halber Strecke steckengeblieben bin. Dafür glaube ich, zumindest die Bildungsbürger-Attitüden meiner frühen Jahre als Filmliebhaber weitgehend abgelegt zu haben; dafür habe ich ein gewisses Formbewußtsein entwickelt, neige aber auch zum Eskapismus.

Also, in der Summe zusammengefaßt: ein Klassiker mit formbewußten, eskapistischen Tendenzen; ich glaube das paßt vielleicht am besten...
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Antoine Doinel sagte am 16. November 2013, 12:56:

Toller Text! Ich liebe das Kino als Ort, weswegen ich mir kaum DVDs anschaue oder ferrnsehe

Ich liebe das Kino auch als Ort. Trotzdem sehe ich viel mehr Filme zu Hause, aus dem ganz simplen Grunde, daß ich mir die Kinobesuche eigentlich nicht leisten kann.
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Vielleicht könnte man den Typisierungen noch die Kategorie des Kindes hinzufügen, das Filme einfach um ihrer selbst willen ansieht und sich dessen noch nicht einmal bewusst ist. Ein vollkommen unbefangenes Sehen, frei von jeder Kanonik und Begrifflichkeit. Das zwar schon klar unterscheiden kann, dass ein Film eben nicht in der Art real ist wie die Alltagswirklichkeit, diese Unterscheidung aber nicht bewusst macht.

(Idealerweise kann sich jeder Filminteressierte, jeder Filmschaffende eine solche Unbefangenheit erhalten bzw. sie wird einem erhalten... )
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Ich glaube ich bin Allesseher (oder zumindest wäre ich es gerne). Ich finde nur die Bezeichnung nicht ganz glücklich. Allesseher klingt etwas zu sehr nach Allesfresser: Undifferenziertes reinstopfen, ohne jede Reflexion. Aber der Gedanke dass Film ein unendlich tiefer See ist, der immer interessantere Welten zum Vorschein bringt, je tiefer man taucht, der gefällt mir.
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Tarkowski verwendet in seinem Buch "Die versiegelte Zeit" auch tatsächlich den Begriff "Allesfresser", in negativem Sinn, versteht sich (denn Tarkowski als Filmzuschauer hatte deutliche Züge des von mir recht boshaft skizzierten Bildungsbürgers). "Allesseher" ist schon eine mehr oder weniger bewußte Abwandlung dieses negativ besetzten Begriffs, die dann durch die Beschreibung noch deutlicher ins Positive gewendet wird; ich gebe aber zu, daß die immer noch vorhandene klangliche Nähe zum "Allesfresser" nicht ganz glücklich ist.
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Da Menschen Omnivore sind, finde ich den Begriff Allesseher sehr menschlich.
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