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Herr Settembrini schaltet das Licht an

Oberlehrerhafte Ergüsse eines selbsternannten Filmpädagogen




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Die folgende Sendung...



Wer hat ihn nicht schon mal gelesen, den Warnhinweis im Fernsehen: "Die folgende Sendung ist für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geeignet". Manchmal sind es auch "Zuschauer unter 18 Jahren", das hängt von der Sendung (und damit vom Film, denn fast immer geht es ja um Spielfilme) ab. Nun ist natürlich fraglich, ob sich die Zuschauer unter 16 bzw. 18 Jahren von so etwas abschrecken lassen, aber vermutlich ist das auch gar nicht der Sinn der Sache: es ist vielmehr so, daß der Sender diese Zuschauer auf diese Weise gewarnt hat, und wenn sie nun trotzdem hinschauen und dann Alpträume bekommen, können sie sich nicht beim Sender darüber beschweren: selbst schuld!
So gesehen, scheint es also durchaus sinnvoll, Zuschauer vor bestimmten Sendungen zu warnen, doch da stellt sich die Frage: sind es nur Zuschauer unter 16 und 18 Jahren, die gewarnt werden müßten? Gibt es nicht noch ganz andere Zuschauergruppen, die gewarnt werden sollten?
So ist zum Beispiel Rosemaries Baby sicher eines der großen Meisterwerke der Filmgeschichte, aber Hochschwangere sollte man vielleicht doch vor diesem Film warnen, wenn es zu keiner Sturzgeburt kommen soll... Und was ist mit all den Phobikern? In einem Fall wie dem großartigen Tarantula ist eine Warnung für Arachnophobiker vermutlich überflüssig, da dürfte der Titel als Abschreckung schon ausreichen, doch nicht alle Filmtitel sind so eindeutig. Umgekehrt sind natürlich nicht nur Phobiker zu warnen, auch Tierliebhaber (im allgemeinen wie im besonderen) sollten vielleicht um bestimmte Filme lieber einen Bogen machen. So wäre vor einer Ausstrahlung von The Godfather womöglichder Hinweis "Die folgende Sendung ist für Pferdeliebhaber nicht geeignet" angebracht...
Migränepatienten sollten vielleicht vorsorglich vor Scanners gewarnt werden, und eine echte Risikogruppe stellen dann Epileptiker dar - da ist mir auch wirklich schon mal eine Warnung begegnet, auf der Onlineseite der Berlinale: sie betraf einen Kurzfilm, der allerdings so furchtbar war, daß man nicht nur Epileptiker, sondern Zuschauer überhaupt vor ihm hätte warnen sollen.
Jugendliche, Phobiker, Tierliebhaber - sind damit alle zu warnenden Gruppen abgedeckt? Sicher nicht, aber eine Gruppe von Personen verdient fraglos noch besonderen Schutz: jene Gruppe, die mehr als jeder andere Personenkreis unter Filmen zu leiden hat, und ganz besonders unter dem Zeug, das im Fernsehen häufig läuft. Und deswegen sollte es die Warnung geben: "Die folgende Sendung ist für Filmkritiker nicht geeignet!"




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