Zum Inhalt wechseln


Herr Settembrini schaltet das Licht an

Oberlehrerhafte Ergüsse eines selbsternannten Filmpädagogen




Foto

Uhrwerk Orange (alter Text mit neuem Vorwort und Nachwort)



Vorwort:
Bei dem folgenden Text handelt es sich um ein Rezension zu Kubricks Uhrwerk Orange, die ich im Februar 2004 bei kino.de veröffentlicht habe. Es handelte sich bereits um meinen zweiten Text zu diesem Film bei kino.de. Um nun zunächst einmal zu erläutern, warum ich überhaupt noch einen zweiten Text zu diesem Film schrieb, muß ich etwas weiter ausholen.
Zunächst einmal muß ich betonen, daß ich bereits seit meiner Jugend ein großer Verehrer der Musik Ludwig van Beethovens bin und mir als solchem auch seine neunte Sinfonie viel bedeutet (wenngleich ich sie nicht für seine beste halte, die fünfte oder sechste etwa sind viel besser, dies nur nebenbei...). Warum das wichtig ist, wird aus dem eigentlichen Text deutlich werden. Ich bin aber auch - was keine ganz große Überraschung sein dürfte - ein Filmliebhaber. Als ich mich in den 90er Jahren für Filme zu interessieren begann, begegnete mir dabei natürlich auch immer wieder der Name Kubricks, von dem ich 2001 bereits seit meiner Jugend kannte und dann kurz nach Erwachen meines Filminteresses Wege zum Ruhm, Full Metal Jacket, Shining und Dr. Seltsam kennenlernte - mit Ausnahme von Shining fand ich jeden dieser Filme großartig. Trotzdem war ich zunächst noch entschlossen, niemals Uhrwerk Orange zu sehen, weil ich schon damals fürchtete, daß der Film (Gewalt)bilder in mein Gehirn pflanzen könnte, die mich dann auch beim Hören der erwähnten neunten Sinfonie verfolgen würden (und genau so ist es letztlich auch gekommen...).
Im Jahr 2001 sah ich dann den gleichnamigen Film im Kino und war nun so beeindruckt, daß ich endgültig (ganz so endgültig dann allerdings doch wieder nicht...) zum Kubrick-Fan wurde, ihn zu meinen Lieblingsregisseuren zählte und im Verlauf desselben Jahres meine alten Bedenken über Bord warf und mir Uhrwerk Orange schließlich doch ansah. Und zunächst einmal machte es mir nichts aus, die Szenen mit der Beethoven-Musik anzusehen und glaubte, die Sichtung des lange so gefürchteten Film unbeschadet überstanden zu haben. Und nicht nur das: ich war von dem Film sogar ungemein beeindruckt, um nicht zu sagen begeistert und lobte ihn als visuell grandiosen und ebenso klugen wie komplexen filmischen Diskurs über persönliche und strukturelle Gewalt. Dies war dann auch der Tenor meiner ersten kino.de-Kritik, die für immer verloren ist (was ich für kein Unglück halte, zum einen, weil sie meiner Meinung längst nicht mehr entspricht, vor allem aber auch, weil die Lobeshymnen auf den Film, die ich darin anstimmte, die allgemein üblichen waren und es solche Texte wie Sand am Meer gibt).
Doch in der Folgezeit begann ich einerseits bei kino.de recht ausführlich über den Film zu diskutieren, und zum anderen hörte ich dann irgendwann mal wieder die neunte Sinfonie - und bemerkte recht entsetzt, daß die Sichtung des Films doch nicht so folgenlos geblieben war. Als ich in einer recht merkwürdig verlaufenen Diskussion eine zarte Andeutung in dieser Richtung machte, sah einer meiner Gesprächspartner darin einen weiteren Beleg für die Qualität von Kubricks Werk, er sprach von "Bewußtwerdung" und "Gewalt- und Größengefühlen", die Beethoven beim komponieren gehabt haben müsse. Spätestens von diesem Moment an hatte ich ein echtes Problem mit Uhrwerk Orange. Ich diskutierte weiter, bekam immer stärkere Zweifel am Film (beim Musikhören stellte ich auch fest, daß der Konditionierungseffekt sich mit der Zeit noch zu verstärken schien) und sah ihn schließlich (was vielleicht ein wenig seltsam ist) ein zweites Mal, um klarer zu sehen. Nach diesen Vorbemerkungen nun mein alter Text.


Meine Besprechung von 2004:

Beginnen will ich mit einer kurzen Vorbemerkung: Der folgende Text ist weniger eine Filmkritik im gängigen Sinn, es handelt sich eher um (vergleichsweise ungeordnete) Gedanken und Thesen zu Uhrwerk Orange, wobei ich nicht ausschließen kann, daß einige dieser Überlegungen sich auch untereinander widersprechen; sollte dies der Fall sein, so wäre dies wohl nur ein weiterer Beleg für meine ambivalente Haltung dem Film gegenüber und die verschiedenen, teilweise sehr konträren Gedanken, mehr noch aber Gefühle, die er bei mir auslöst.

Nach diesen einleitenden Erläuterungen nun zum Film selbst: Uhrwerk Orange ist Stanley Kubricks umstrittenster Film, er war es schon zu seiner Entstehungszeit, und ist es eigentlich bis heute geblieben. Auf der einen Seite halten ihn viele für ein Meisterwerk (manche setzen noch ein „unerreichtes“ davor) und möglicherweise auch Kubricks besten Film; andere dagegen haben ihn aufs Schärfste verurteilt; so warf Pauline Kael ihm die Verherrlichung sadistischer Gewalt vor, und Susan Sontag hielt ihn gar für faschistisch. Die zwiespältigen Reaktionen, die der Film immer noch auslöst, spiegeln sich nicht zuletzt in meiner persönlichen Haltung wieder: während ich ihn anfangs entschieden begrüßt und immer wieder (insbesondere auch hier im Forum) in den höchsten Tönen gelobt habe, befielen mich später zunehmend Zweifel am Film, die an manchen Tagen bis zur offenen Ablehnung führten (was ja nun auch keine Neuigkeit ist, da ich damit im Forum ja regelrecht hausieren gegangen bin, allerdings nicht, um mich damit interessant zu machen, sondern wirklich deshalb, weil mich die Auseinandersetzung über den Film, die zuletzt auch sehr stark eine innere Auseinandersetzung war, niemals ganz losgelassen hat). Das beste Zeugnis für meine frühere Einschätzung des Films ist sicherlich meine alte Kritik [die, wie erwähnt, nicht mehr existiert], in der ich mich zuletzt immer weniger wiederfinden konnte.
Nun habe ich mir den Film abermals angesehen, und insgeheim hatte ich gehofft, nun zu einer ganz klaren Position zu gelangen: entweder zurück zur früheren Begeisterung oder hin zur endgültigen Ablehnung. Das hat jedoch nicht funktioniert, denn (um dies schon vorwegzunehmen): meine Beurteilung von Uhrwerk Orange ist weiterhin zwiespältig. In der folgenden Kritik will ich versuchen, meine gegenwärtige Position kurz darzustellen.

Eines vorweg: Ich werde dabei den Film als solches betrachten, also nicht auf die Romanvorlage eingehen, schon deshalb, weil ich sie gar nicht kenne und nur ein paar Sekundärinformationen besitze, aber auch aus dem Grund, weil ein Film ohnehin immer insofern eigenständig sein sollte, daß er die Kenntnis einer literarischen Vorlage nicht voraussetzt. Wenn ich aber darüber hinaus bei Dingen, die mir an dem Film nicht gefallen, keine Rücksicht darauf nehme, ob sie durch den Roman von Anthony Burgess vorgegeben sind, dann auch deshalb, weil gerade Kubrick sich bei seinen vielen Literaturverfilmungen stets nur wenig um die Intentionen der Autoren gekümmert hat (Shining ist dafür das Paradebeispiel schlechthin); daher ist alles in seinen Filmen (und natürlich auch in diesem Film) deshalb enthalten, weil er es so wollte. Diesen Hinweis halte ich für wichtig, weil er für einen Aspekt, auf den ich später noch eingehen werde, von Bedeutung ist.

Außerdem sollte noch betont werden, daß meine Kritik die Kenntnis des Films unbedingt voraussetzt.

Eigentlich sollte Kubricks nächster Film Napoleon sein; bekanntlich wurde daraus nichts, statt dessen folgte auf 2001 - Odyssee im Weltraum eben Uhrwerk Orange. Und es ist sicherlich nicht uninteressant, die beiden Filme ein wenig miteinander zu vergleichen. 2001 gehörte zu den wenigen Werken Kubricks, in denen es zumindest einen Hoffnungsschimmer gibt, wobei man allerdings deshalb nicht dem Irrtum verfallen sollte, den Film für „optimistisch“ zu halten. Sicherlich ist das rätselhafte Schlußbild in seiner Vieldeutigkeit auch durchaus als Zeichen der Hoffnung (auf eine Weiterentwicklung des Menschen, in welcher Weise auch immer) zu deuten, doch der Blick auf die Menschen selbst ist auch in 2001 von bitterer Skepsis geprägt (abgesehen davon, daß es in dem Film, wie fast immer bei Kubrick, keine einzige sympathische Figur gibt), der eher vage Hoffnungsschimmer liegt in der Begegnung mit einer außerirdischen Macht, was aber letztlich nichts anderes heißt als: für die Menschen gibt es eigentlich keine Hoffnung, es sei denn die auf ein Wunder. In Uhrwerk Orange wird auch dieser kleine Funken von Optimismus gründlich demontiert, Kubricks Hang zum Zynismus bricht hier deutlicher als je zuvor durch, und das gleiche gilt für seinen Pessimismus, der hier bis ins Extreme gesteigert ist und sich hart an der Grenze zur Menschen- oder besser noch: Weltverachtung bewegt. Man könnte es auch so ausdrücken: Uhrwerk Orange legt den Gedanken nahe, daß es besser gewesen wäre, wenn die Affenhorde aus dem ersten Kapitel von 2001 nie zu Menschen geworden wäre. Ohnehin hat es mitunter fast den Anschein, als ob Uhrwerk Orange Kubricks Gegenentwurf zu seinem eigenen Film wäre.

Worum geht es in Uhrwerk Orange? Natürlich in erster Linie um Gewalt in ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Auf der einen Seite steht die individuelle, persönliche Gewalt, die vor allem von Alex, dem Protagonisten des Films verübt wird, auf der anderen Seite die staatliche, in erster Linie strukturelle Gewalt, die sich besonders deutlich in Form der „Ludovico“-Methode zeigt.
Der Einfachheit halber beginne ich mit der filmischen Darstellung der staatlichen Gewalt: diese halte ich (zumindest zum größten Teil, es gibt eine wichtige Einschränkung) immer noch für recht gut gelungen, so wie ohnehin das zweite Drittel des Films wohl als das stärkste einzuschätzen ist. Besonders bemerkenswert ist dabei der Sehzwang, dem Alex im Verlauf der fragwürdigen Therapie ausgesetzt wird, so wie der Film von Gewalt handelt, wird hier das Medium Film selbst zur Gewalt, und zugleich hat die Gewalt im Film oft den Charakter einer grotesken Inszenierung, worauf ich noch einmal zurückkommen werde. In diesem Kontext wird auch Alex’ Aussage, daß die Farben (fließenden Blutes etwa) erst echt wirken, wenn sie auf der Leinwand zu sehen sind, sinnvoll: wir sind so sehr von visuellen Medien beherrscht (und werden manipuliert), daß wir etwas, was vor unseren Augen geschieht, erst dann glauben, wenn wir es abends im Fernsehen sehen. Bemerkenswert ist sicherlich auch der Aspekt, daß die Gewalttäter in den ersten beiden Filmen, die Alex vorgeführt werden, optisch (vor allem durch ihre Kleidung) stark an Alex und seine Droogs erinnern: ist dies ganz gezielter Bestandteil der Behandlung, oder eher ein nur für die Wahrnehmung des Zuschauers bestimmtes Detail? Wir erfahren es nicht. Gelungen ist sicherlich auch der Einfall, daß die Droogs Georgie und Dim später zu Polizisten werden und im Staatsdienst ihren sadistischen Neigungen nachgehen.
Was die Darstellung des staatlichen Systems als solches betrifft, so könnte man - verglichen mit Werken wie Fahrenheit 451 oder 1984 (hier meine ich die Adaption von Michael Radford) - beklagen, daß die totalitären Züge der im Film gezeigten Gesellschaft diffus und auf Andeutungen beschränkt bleiben, doch darin sehe ich keinen Schwachpunkt, denn gerade solche schleichenden, kaum sichtbaren und subtilen Entwicklungen sind besonders typisch für unsere Zeit. Die offene, totale Diktatur gibt es nur noch in vergleichsweise wenigen Staaten (Nordkorea wäre hier zu nennen), das unterdrückerische System modernen Zuschnitts schmückt sich mit einem demokratischen Mäntelchen: das gegenwärtige Rußland ist dafür ein besonders gutes Beispiel.
Wenn man den Film als Gewaltstudie und damit auch als Gegenüberstellung der verschiedenen Gewaltformen rezipiert, dann muß man sich natürlich auch mit der Darstellung der anderen Erscheinungsform der Gewalt auseinandersetzen. Hier fangen die Probleme an. Denn Alex führt nicht nur als Erzähler durch den Film, sondern dieser nimmt auch sehr oft seine Sichtweise (oft auch durch den Einsatz subjektiver Kamera) ein: die Inszenierung drängt uns Alex als Identifikationsfigur regelrecht auf. Die schon erwähnte Pauline Kael hat gerade dies scharf kritisiert: während der Film kaum Mitleid mit Alex’ Opfern erkennen läßt, scheint er es vor allem im letzten Drittel darauf anzulegen, den Zuschauer dazu zu bewegen, daß er mit Alex Mitleid hat (was zumindest etwas seltsam wirkt, gerade deshalb, weil Kubrick auch in seinen anderen Filmen, abgesehen von einigen sehr spärlich vorhandenen Ausnahmen nie Mitleid mit seinen Figuren zeigt, sondern sie, wie ich in privaten Diskussionen schon einmal bemerkt habe, eher auf die Weise betrachtet, auf die ein Insektenforscher seine Schmetterlingssammlung beobachtet - und ausgerechnet bei Alex weicht er von diesem Prinzip ab?). Manche Kritiker haben sich davon auch in die Irre führen lassen, so etwa Rolf Thissen, der in seinem Kubrick-Buch schreibt: „Die Kritiker, die über die Gewalt in A Clockwork Orange lamentierten, übersahen meist, daß Alex viel mehr Gewalt zugefügt wird, als er anderen zufügt.“ Dieser Einschätzung möchte ich ausdrücklich nicht zustimmen. Sicher, Alex wird im Verlauf des Films gefoltert, sowohl physisch als auch psychisch, doch andererseits hat er (unter anderem) zwei der schlimmsten Verbrechen überhaupt auf seinem Kerbholz, Vergewaltigung und Mord. Wer will das gegeneinander abwägen oder aufrechnen? Ich nicht; zumindest läßt sich aber wohl sagen: wenn irgend jemand das verdient hat, was ihm in den letzten beiden Dritteln des Films angetan wird, dann ist es Alex.
Nun läßt sich natürlich aus der Erzählhaltung des Films, der gerade im ersten Drittel sehr oft die Täterperspektive einnimmt und die Gewaltszenen stilisiert, teilweise gar choreographiert (die Schlägerei im Theater zu Beginn wird in der Literatur gern mit einem Ballett verglichen, mich persönlich erinnert sie aber weit mehr an ein Wrestling-Match - auch wenn das natürlich peinlich ist, weil ich damit zugebe, diesen Quatsch schon mal gesehen zu haben; ja, das habe ich, vor einigen Jahren sogar ziemlich regelmäßig...), nicht schließen, daß er Alex’ Taten gutheißt. Auch in der Literatur gibt es viele Romane, die in der Ich-Form erzählt sind, deren Autoren jedoch in solcher Weise durch ihren Erzähler sprechen, daß sie sich für den Leser spürbar von ihm distanzieren. Insofern halte ich die Annahme, daß der Film wirklich auf Alex’ Seite steht, für irrig. Wenn Kubrick sich aber trotz der Erzählperspektive von Alex distanziert (wovon ich eigentlich ausgehe), so wird das im Film nicht wirklich deutlich: möglicherweise hat Kubrick hier unbeabsichtigt eine Schwäche des filmischen Mediums an sich aufgedeckt, denn was in Romanen funktioniert, funktioniert im Film weit weniger gut. Das liegt wohl daran, daß Worte eigens zum Zweck der Kommunikation erfunden wurden, so daß einem Schriftsteller ganz andere stilistische Kunstgriffe zur Verfügung stehen. Filmbilder dagegen sind oftmals vieldeutig, und sie haben eine ungeheure Suggestivkraft. Daher ist es für einen Regisseur ungleich schwieriger, sich von den Bildern, die er zeigt, zugleich zu distanzieren. Mir kommt es stellenweise so vor, als ob Kubrick in Uhrwerk Orange die Kontrolle über seine Bilder verloren hätte, oder richtiger: die Kontrolle über die Wirkungen seiner Bilder.
In letzter Konsequenz bedeutet das: wir (damit meine ich jetzt die Gesamtheit der Zuschauer) gehen zwar davon aus, daß Kubrick eine kritische Position zu der von Alex verübten Gewalt einnimmt, doch wirklich belegen läßt sich diese Annahme kaum. Was die Frage aufwirft: wie erlebt ein Zuschauer, der noch keinen anderen Kubrick-Film gesehen hat und auch noch nichts von Kubrick weiß, Uhrwerk Orange? Wird er zwangsläufig die angesprochene Kritik aus dem Film herauslesen, oder tun wir das vor allem, weil wir bei einem Kubrick-Film einfach stillschweigend voraussetzen, daß er kritisch engagiert ist?
Insofern hinterläßt die filmische Darstellung von Alex’ Gewalttaten einen zumindest zwiespältigen Eindruck, weil Kubrick den Zuschauer mit dem Gesehenen ziemlich allein läßt. Manche werden sicherlich gerade darin einen entscheidenden Vorzug des Films sehen, doch ich gebe offen zu, daß ich die Art der Gegenüberstellung von individueller und staatlicher Gewalt, wie sie in Kieslowskis Ein kurzer Film über das Töten, in dem die Inszenierung den Zuchauer sowohl beim Mord als auch bei der Hinrichtung auf die Seite des Opfers zieht, vorgenommen wird, für die überzeugendere halte. Sicherlich: auch bei Kubrick ist die Gewalt extrem unangenehm anzuschauen und schockierend. Aber daß ein Werk schockierend ist, ist allein noch lange kein Qualitätsbeweis. Wichtig ist daher die Frage: Führen die schockierenden Szenen den Zuschauer auch zu wirklichen Erkenntnissen, lösen sie eine Katharsis aus? Ich bin mir da nicht so sicher.
Fairerweise muß ich das eben gesagte allerdings etwas relativieren, da Kubrick mitunter das, was ich als „Täterperspektive“ bezeichnet habe, durchbricht: in der Szene, in der Alex und seine Bande den Schriftsteller und seine Frau überfallen, etwa insofern, daß Alex sich, als er in höhnischem Ton an den Schriftsteller wendet, nicht nur diesen, sondern (durch den direkten Blick in die Kamera) auch den Zuschauer anspricht. Dies schwächt meine Bedenken ab, kann sie aber keineswegs beseitigen.
Ein weiterer Punkt, auf den einzugehen mir lohnend scheint, ist der Aspekt der Gesellschaftskritik und des Gesellschafts- und Menschenbildes, das Kubrick in seinem Film entwirft.
Zunächst fällt auf, daß die Figuren, die Kubrick auf die Leinwand stellt, ein schauerliches Pandämonium bilden, womit sich eine Entwicklung in Kubricks Werk fortsetzt und ihr Extrem erreicht: denn während es in Wege zum Ruhm in der Gestalt des Colonel Dax noch eine positive, idealistische Figur gab und auch in Dr. Seltsam zumindest der Austauschoffizier Mandrake und der (allerdings sehr hilflos wirkende) US-Präsident sich als solche verstehen lassen, wirkten die Figuren in 2001 eher roboterhaft und fast schon tot. In Uhrwerk Orange wiederum gibt es eigentlich nur hassenswerte Gestalten. Alex selbst ist ein arroganter Widerling, der Bewährungshelfer ist ebenso wie der Gefängniswärter eine einzige Karikatur, und über solche Leute wie den Innenminister muß man wohl keine weiteren Worte verlieren. Auffallend ist dabei auch, daß es keine unschuldigen Opfer mehr gibt, viele Figuren im Film sind Opfer und Täter zugleich. Kubrick zeigt uns eine Gesellschaft, die irreparabel deformiert ist; man könnte darin natürlich einen gewollten Verfremdungseffekt sehen, doch ich glaube eher, daß daran deutlich wird, daß Kubrick jede Hoffnung für die Menschheit aufgegeben hatte, als er den Film drehte. Insbesondere tritt hier ein Kerngedanke, der sich durch sein gesamtes Werk zieht, hier besonders klar zutage: der Gedanke nämlich, daß Gewalt die Urform des menschlichen Umgangs miteinander ist. Kubrick zeigt die Gewalt nicht als menschliche „Verirrung“, sondern als Normalzustand der menschlichen Gesellschaft: die Zivilisation ist der unnatürliche Zustand des Menschen, von Natur aus ist der Mensch, wie der Film ihn zeigt, gewalttätig und böse. Wenn man diesen Gedanken konsequent zu Ende führt, ergibt sich, daß Alex also nicht durch die Gesellschaft pervers und gewalttätig ist, sondern daß er vielmehr den Menschen in seiner natürlichsten Form verkörpert; bis er konditioniert und zwangszivilisiert wird: man kann den Menschen demnach nur dadurch gewaltlos machen, daß man ihm Gewalt antut. Eine mehr als bittere Weltsicht, denn die Folgerung daraus ist, daß die Menschen nicht deshalb so verabscheuungswürdig sind, weil sie von einer kranken Gesellschaft deformiert worden sind, sondern daß die Gesellschaft deshalb krank (und zwar unheilbar krank!) ist, weil der Mensch als solches eine einzige Fehlkonstruktion ist. In meiner alten Kritik hatte ich dies noch nicht erkannt, damals interpretierte ich den Film noch so, daß Alex erst durch die Gesellschaft zu dem Monster geworden ist, als das wir ihn erleben. Nun tendiere ich zur genau umgekehrten Auslegung. Kubrick führt die Brüche der Gesellschaft auf die Mängel des einzelnen Menschen zurück und verwirft im nächsten Schritt den Menschen selbst. Dies geschieht allerdings völlig ohne Bedauern oder Mitleid, so wie es dem Film überhaupt an jeglichem positiven menschlichen Gefühl mangelt. Kubrick reiht sich damit in die Tradition etwa eines Jonathan Swift ein, der die Menschen im vierten Buch von Gullivers Reisen als stinkende, häßliche Tiere darstellt (und auch in Kubricks Film ist ja schon am Anfang von der „stinkenden Welt“ die Rede). Während Swift aber noch ein Gegenbild in der Gestalt idealisierter, edler sprechender Pferde entwirft, verzichtet Kubrick darauf, sein Film bleibt ein hermetisch geschlossener Alptraum ohne jeden Hoffnungsschimmer, das trostlose Bild einer Welt, die nicht heilbar ist, sondern am besten gleich unterginge. Ob es Filme gibt, die noch misanthropischer sind, weiß ich nicht, aber ich kenne zumindest keine.
Dies ist aber noch nicht einmal das, was mich an dem Film am meisten stört, denn wenn auch Kubricks Sichtweise recht grob verzerrt ist, hat sie doch zumindest den Vorteil, daß sie den Zuschauer mit der Frage nach dem „Alex in uns selbst“, wie ich es einfach mal ausdrücken will, konfrontiert; außerdem steckt in dieser düsteren Weltsicht leider mehr als nur ein Körnchen Wahrheit, auch wenn ich sie nicht in dieser Radikalität und Konsequenz teilen kann.

Ein besonderes Problem ist allerdings die Art, wie der Film Musik einsetzt, und seine Haltung zur Kunst und Kultur insgesamt, die sich daraus ableiten läßt.
Zunächst einmal ist es interessant, sich mit Kubricks Einstellung zur Musik zu befassen. Dazu habe ich im Internet unter

http://www.heise.de/...no/13827/1.html

ein Interview mit seinem Schwager Jan Harlan gefunden, das offenbar kurz nach Kubricks Tod geführt wurde. Dort meint Harlan: „Sein Problem war, daß alle diese Stücke [gemeint sind Werke der klassischen Komponisten] so lang waren und kein Ende fanden. Und er war voller Respekt gegenüber Komponisten, es wollte auf keinen Fall daran rumschneiden oder ausblenden.“
Interessant daran finde ich das Wort Respekt. Denn wenn ich mir ansehe bzw. -höre, wie Kubrick klassische Musikstücke in Uhrwerk Orange benutzt (allein das Wort „benutzen“ deutet nicht gerade auf Respekt hin, doch letztlich hat Kubrick auch in Filmen wie 2001 und Barry Lyndon Musik vor allem benutzt, so wie er seine Schauspieler benutzt hat - Malcolm McDowell etwa beklagte sich später darüber, daß Kubrick sich zwar während der Dreharbeiten zu Uhrwerk Orange fast väterlich ihm gegenüber zeigte, nach deren Abschluß aber so tat, als ob er ihn nicht kennen würde!), fällt es mir schwer, daran zu glauben.
Wie taucht die Musik im Film auf? Zunächst einmal als Stilisierungsmittel, vor allem bei Gewaltszenen, wobei vor allem der bedauernswerte Rossini ständig als Filmmusik herhalten muß. Das ist für mich aber nicht unbedingt ein Zeichen von Respekt den auf diese Weise benutzten Werken gegenüber.
Die Verwendung von klassischer Musik in Uhrwerk Orange veranlaßt mich dazu, eine grundlegende Frage aufzuwerfen, was die Verwendung bereits vorhandener Musik in Filmen betrifft.
Normalerweise betrachten wir dies vor allem mit Blick auf den Film, stellen also die Frage: Wie wirkt die Musik auf die Bilder?
Ich bin nun aber der Meinung, daß man sich auch mit der umgekehrten Frage befassen muß:

Wie wirken die Bilder auf die Musik?

Warum ist mir die Frage so wichtig? Weil meine persönliche Antwort auf die Frage alles andere als angenehm ist. Denn neben den schon erwähnten Werken Rossinis zieht sich vor allem ein Stück durch den Film hindurch: Ludwig van Beethovens neunte Sinfonie, die hier auch so manchen Gewaltrausch begleitet. Leider hat sich der Film bei mir so ausgewirkt, daß mich diese Gewaltbilder verfolgen und manchmal (wenn auch nicht immer) beim Hören der neunten Sinfonie bedrängen, fast „attackieren“. Das geht natürlich nicht annähernd so weit wie im Film (wo Alex nach der Ludovico-Behandlung nicht nur beim Gedanken an Sex und Gewalt übel wird, sondern auch dann, wenn er die Neunte hört), zum Glück hat der Film mir Beethovens Meisterwerk nicht verleiden können. Trotzdem ist es eine lästige, störende, unangenehme Erfahrung: „An die Freude“ ist für mich keine so reine Freude wie früher mir, und das habe ich diesem Film zu „verdanken“. Ich bekenne auch ganz offen, daß ich das nicht nur dem Film, sondern auch seinem Regisseur ziemlich übel nehme. Warum ich ihn mir trotzdem nochmals angesehen habe? Zum einen, um (wie eingangs erwähnt) zu einer klareren Haltung zu gelangen. Vielleicht aber auch, um mich (nicht zuletzt durch diese Kritik) zu befreien. Ob das gelingen wird, weiß ich noch nicht.
Nun ist es natürlich durchaus möglich, daß ich von allen Zuschauen, die Uhrwerk Orange je gesehen haben, der einzige bin, der diese Erfahrung gemacht hat, und dann hätte ich eben ganz einfach Pech gehabt; natürlich könnte man dann fragen, was solche Betrachtungen in dieser Kritik überhaupt verloren haben. Sie gehören jedoch hinein, weil dies der Punkt ist, von dem meine Zweifel an dem Film ausgegangen sind, meine Skepsis, mein Schwanken zwischen Bewunderung und Ablehnung, und meine mitunter aufkochende Wut auf den Film (ja, auch das).
Zugleich sehe ich in diesen persönlichen Erfahrungen aber auch durchaus einen Ansatzpunkt zu berechtigter, objektiver Kritik: Wie der Film zeigt, kann Musik unter bestimmten Voraussetzungen Menschen konditionieren, ihnen zur Qual werden. Das gilt für Alex (und die Neunte), aber auch für den Schriftsteller, der in ähnlicher Weise bei „Singin’ in the Rain“ leidet (und Alex auch daran erkennt).
Wenn wir aber auch hier wieder von kritischen Intentionen Kubricks ausgehen wollen (etwa, was die Ludovico-Methode), so verliert diese Kritik natürlich dadurch erheblich an Glaubwürdigkeit, daß der Film ähnliches mit dem Zuschauer tut. „Ludovico light“, wenn man so will. Natürlich ließe sich nun einwenden, Kubrick wolle eben gerade den Mißbrauch von Musik vorführen, deutlich machen, wie selbst Musik zum Mittel der Gewalt werden kann. Wenn dies seine Absicht war, dann hat er es meiner Meinung ganz einfach schlecht gemacht. Kubrick selbst hat einmal gesagt: „Ein Regisseur ist eine Art Idee-und-Geschmack-Maschine. Ein Film ist eine Serie kreativer und technischer Entscheidungen, und es ist die Aufgabe des Regisseurs, die richtigen Entscheidungen so oft wie möglich zu treffen.“ Vorausgesetzt, Kubrick wollte den Mißbrauch von Musik als Mittel der Gewalt darstellen, so hat er bemerkenswert schlechten Geschmack bewiesen und eindeutig die falschen Entscheidungen getroffen. Da lobe ich mir das Vorgehen von Roman Polanski in Der Tod und das Mädchen.
Zugleich muß ich auch hier eine Einschätzung aus meiner alten Kritik korrigieren: Damals schrieb ich, die Tatsache, daß Alex in der Anstalt auch die Liebe zu Beethoven ausgetrieben werde, sei als ironisches Detail aufzufassen.
Diese Deutung halte ich für nicht mehr haltbar. Denn dies wäre ja nur dann ironisch, wenn Alex’ Liebe zu Beethovens Musik etwas wirklich positives wäre. Davon kann aber keine Rede sein; Alex konsumiert die Musik nur, sie stimuliert ihn sogar zur Gewalt, und von den Ideen des Idealisten Beethoven hat er nicht das geringste verstanden (und ich würde nicht darauf wetten, daß Kubrick irgend etwas davon verstanden hat). Wenn Alex aufschreit, es wäre eine Sünde, Beethoven auf solche Weise zu benutzen, so stimmt das zwar, aber es wirkt lächerlich, wenn ausgerechnet er das sagt. Ich vermute daher, daß dieses Detail lediglich die spätere Folterung durch den Schriftsteller vorbereiten soll.
Wenn man jedenfalls der obigen These folgt, dann zeigt sich auch hieran die Misanthropie des Werks: die Menschen in Uhrwerk Orange wissen mit Musik (oder Kunst allgemein) nichts anzufangen, sondern benutzen sie nur, um andere Menschen zu quälen.
Allerdings läßt der Film noch eine andere These zu (die ich persönlich sogar bevorzuge). Sehen wir uns noch einmal an, was Kubrick mit Beethovens Neunter Sinfonie tut. Diese wird ja nicht allein zur Stilisierung verwendet: sie ist ja auch direkter Bestandteil der Handlung, und (fast) immer tritt sie in Verbindung mit Gewalt auf. Sie versetzt Alex in Erregung und regt ihn zu wüsten Gewaltphantasien an; sie ist für Alex eine Stimulans, eine Droge. Später, in den Händen des Schriftstellers (dessen Gesicht sich vor Rachsucht fratzenhaft verzerrt) wird sie zum Folterwerkzeug. Kubrick reduziert Werke wie die Neunte Sinfonie so konsequent auf das, was sie im schlimmsten Fall werden können, daß ich geneigt bin, zu vermuten, daß dies Methode hat. Es spricht Bände, daß nach dem Überfall auf den Schriftsteller und der Vergewaltigung seiner Frau in der nächsten Szene „Freude, schöner Götterfunken“ gesungen wird.
Beethoven formulierte in seinem sinfonischen Vermächtnis ja auch ein Ideal, das in den Schlüsselsätzen „Alle Menschen werden Brüder“ und Seid umschlungen, Millionen“ zum Ausdruck kommt. Dieses Ideal wird im Film mit geradezu hohnlachender Gehässigkeit zertrümmert, und genau dies stört mich gewaltig. Daß die traurige Wirklichkeit weit von dem Schiller-Beethovenschen Ideal entfernt ist, weiß jeder; um dies zu erkennen, braucht man keinen Kubrick. Und die Erkenntnis, daß es schlechte Menschen gibt, die trotzdem gern solche Musik hören, ist nun auch nicht gerade neu. Doch meiner Ansicht ist beides noch lange kein Grund, deshalb nun das Ideal zu verwerfen, nur weil es in der Wirklichkeit nicht erricht wird. Und es ist erst recht kein Grund, das dazugehörige Kunstwerk auf den Müll zu befördern. Doch eben dies legt der Film nahe, wenn am Ende Alex mit der Neunten so gequält wird, daß er sich aus dem Fenster stürzt. Auch Kunst (und Musik als eine Form von Kunst) ist letztlich nur eine Form von Gewalt: diese These lese ich aus dem Film heraus, oder zumindest die etwas schwächere These, daß Kunst als Trägerin ethischer Werte nichts taugt und in keiner Weise positiv auf den Menschen einwirken kann, in diesem Sinne also zu nichts nütze, ja sinnlos ist. Doch solche Thesen halte ich für falsch.
Daß an dieser Lesart aber durchaus etwas dran sein könnte, zeigt für mich auch der Mord an der Cat-Lady: Womit setzt sie sich zur Wehr, als Alex in ihr Haus eindringt? Natürlich mit einer Beethoven-Büste (alles andere wäre eine Überraschung gewesen). Daß Alex sie mit einer gräßlichen Phallus-Skulptur erschlägt, läßt sich so verstehen, daß Beethoven eben gegen Sex keine Chance hat, oder auch so, daß Alex die Skulptur ihrem eigentlichen Zeck zuführt: ein Mordinstrument zu werden. Und Beethoven taugt auch nur als Waffe.
Auch in der Szene, in der Alex den zweiten Satz der Neunten Sinfonie hört und dabei in Gewaltphantasien schwelgt, zeigt, wie der Film Beethoven eine „gewalttätige Seite“ andichtet: nicht nur, daß diese wüste Collage im Rhythmus der Musik geschnitten ist, sondern immer wieder rückt auch das Beethoven-Poster ins Bild: der Film stellt eine enge Verbindung zwischen Beethoven und Gewalt her, die es in Wirklichkeit nie gegeben hat. Und er tut dies teilweise in einer sardonischen Weise, die fast schon mit Alex’ Bosheit konkurrieren kann.
Ich konnte daher auch beim erneuten Ansehen meinen schon länger gehegten Verdacht, daß der Film auch einen gewissen Hang zur Kunst- und Kulturfeindlichkeit hat, nicht wirklich loswerden: dafür deuten Indizien wie die von mir eben genannten zu deutlich in diese Richtung. Das soll nicht heißen, daß es wirklich so ist; tatsächlich bin ich mir über Kubricks Intentionen bei diesem Film weniger sicher denn je. Aber es dürfte nicht leicht sein, mich davon zu überzeugen, daß die These, der Film beziehe eine ablehnende Position zu aller Kunst, wirklich rundherum falsch ist.
Allerdings muß ich einräumen, daß sich, wenn man diese These akzeptiert, zwei merkwürdige Paradoxien ergeben: Zum einen würde eine so radikale Absage an jedes Kunstwerk, das einen ethisch-moralischen Anspruch hat, eine Zielsetzung, die über die rein ästhetische hinausgeht, schlecht zu Kubricks sonstigem, durchaus kritisch engagierten Werk passen. Wenn an der Anti-Kunst-These etwas dran ist, hieße das, daß der Film sich selbst in Frage stellt und in letzter Konsequenz aufhebt. Doch so seltsam dieses Paradox ist, es beweist nicht, daß meine These falsch ist.
Das andere Paradoxon ergibt sich daraus, daß Uhrwerk Orange ein so überstilisierter, überästhetisierter Film ist, daß man fast schon von einer narzißtischen Inszenierung sprechen kann: der Film nimmt eine skeptische Haltung der Kunst gegenüber ein und will doch selbst große Kunst sein, denn Kubrick schöpft formal aus dem Vollen: Zeitlupe, Zeitraffer, Weitwinkel, virtuose Kamerafahrten, etc.. „Das ist ein bedeutendes Kunstwerk“ scheint uns der Film ständig mitzuteilen; doch vielleicht ist er eher eine Monstrosität wie die große Phallus-Skulptur. Oder ist auch dies wieder ein bewußtes Mittel: ein monströser Film, um die Monstrosität und Perversität seines Protagonisten angemessen zu verdeutlichen?

Es wird Zeit, daß ich zum Ende komme, die Kritik ist ohnehin viel zu lang geworden. Ich will noch mal zusammenfassen, wie ich Uhrwerk Orange mittlerweile erlebe:
Zum einen halte den Film für abgrundtief pessimistisch, pessimistischer vielleicht sogar als die Philosophie Schopenhauers, der zwar die Welt als Jammertal sah, aber die Kunst (speziell die Musik) als eine Möglichkeit, das Fristen in diesem Jammertal erträglicher zu machen, begrüßte; doch Kubrick scheint auch in die Kunst keinerlei Hoffnung zu setzen.
Zum anderen halte ich ihn für nihilistisch, nihilistischer vielleicht als die Philosophie Nietzsches, denn in „Also sprach Zarathustra“ heißt es zwar immer wieder: „Zerbrecht die alten Tafeln!“, doch Nietzsche will dann neue Tafeln meißeln. In Uhrwerk Orange dagegen geht es allein um das Zerbrechen.
So könnte das Motto dieses Films möglicherweise lauten:
„Denn alles, was entsteht,
ist wert, daß es zugrunde geht;
drum besser wär’s, wenn nichts entstünde.“
Wobei dies freilich Worte sind, mit denen sich der Teufel in Fausts Stube vorstellt.

Abschließend bleibt mir die nüchterne Feststellung, daß mich dieser Film verwirrt und verunsichert zurückläßt; ich bin mir nicht sicher, ob ihm Absichten, die ich ganz und gar unterstützen kann, zugrunde liegen und Probleme mit deren Umsetzung habe, oder ob er wirklich Thesen vertritt, denen ich unter keinen Umständen zustimmen könnte. Fest steht jedenfalls, daß ich Probleme mit dem Film habe, von denen mich auch das erneute Ansehen nicht befreien konnte. Meine Einschätzung bleibt zwiespältig: vom Standpunkt des filmischen Handwerks betrachtet wird man kaum einen perfekteren Film finden, doch inhaltlich halte ich ihn teilweise für fragwürdig. Fest steht zumindest, daß Uhrwerk Orange zu den düstersten und wohl auch grauenvollsten Werken der Filmgeschichte zählt; von dem Film geht eine Kälte aus, mit der man Helium verflüssigen könnte. Die aus meiner alten Kritik herauszulesende einstige Begeisterung ist beim neuerlichen Sehen nicht zurückgekehrt (und mir im Nachhinein nur schwer verständlich), und ich glaube auch nicht, daß sie sich jemals wieder einstellen wird. Statt dessen fühle ich mich in meiner seit einiger Zeit bestehenden Einschätzung bestätigt, daß Uhrwerk Orange als Filmkunstwerk extrem überschätzt wird (es ist mit Sicherheit Kubricks am meisten überschätzter Film); möglicherweise sind die Diskussionen über den Film wertvoller als der Film selbst.


Nachwort:
Soweit mein alter Text von 2004. Er entstand wenige Tage, nachdem ich den Film das zweite Mal gesehen hatte und zeugt von einer immer noch zwiespältigen Haltung (was allerdings den darin enthaltenen Vorwurf des Narzißmus betrifft, muß ich mir wohl an die eigene Nase fassen, denn fraglos ist mein Text mit seinen Nietzsche- und Goethe-Zitaten selbst ein wenig überfrachtet und angeberisch - narzißtisch eben...). Diese war dann allerdings auch nur eine Zwischenstation, und im Verlauf recht kurzer Zeit entschied ich mich dann für die totale Ablehnung des Films, den ich mal zu meinen Favoriten gerechnet hatte (und ich hoffe sehr, diese Erfahrung nie wieder machen zu müssen!). Entscheidend war dafür natürlich mein Gefühl, durch diesen Film selbst konditioniert worden zu sein, ich sah darin nicht nur einen Mißbrauch Beethovens, sondern fühlte mich auch selbst als Zuschauer mißbraucht. Nun führte ich bei kino.de jahrelang einen regelrechten Feldzug gegen Uhrwerk Orange, den ich eine Zeitlang so sehr verabscheute, daß ich zu Kubrick insgesamt sehr auf Distanz ging.
Inzwischen sehe ich das wieder entspannter. Ich hoffe, daß die Konditionierung sich inzwischen wieder verflüchtigt hat (immerhin ist es fast neun Jahre her, daß ich den Film gesehen habe), weiß es aber nicht, da ich schon seit Jahren Beethovens Neunte nicht mehr gehört habe (was aber nichts mit Kubrick zu tun hat). Meine Meinung zu Uhrwerk Orange werde ich wohl kaum nochmals ändern, und ich werde ihn mir auch ganz bestimmt nicht noch mal ansehen, aber da ich zu unterschiedlichen Zeitpunkten die verschiedensten Meinungen zu diesem Film hatte, kann ich immerhin fast jede Position nachvollziehen.
Dafür beurteile ich Kubricks übriges Werk gerechter als vor einigen Jahren, über Filme wie 2001 und Barry Lyndon habe ich mich ohnehin niemals negativ geäußert, aber es gab Zeiten, in denen ich schlichtweg keine Lust hatte, sie mir anzusehen. Inzwischen habe ich diese beiden Filme auch wieder gesehen, und auch wieder mit großem Gewinn. Ein Lieblingsregisseur ist Kubrick für mich nicht mehr (und wird es auch nicht mehr werden), sondern er gehört nun zu meinen Haßlieben, doch zumindest einige seiner Filme stehen bei mir wieder (oder vielleicht auch immer noch) hoch im Kurs, aber eben nicht Uhrwerk Orange. Nicht mehr in diesem Leben.


(Haupttext zuerst veröffentlicht bei kino.de im Februar 2004)

kino.de



Alle Menschen werden Brüder?
Alle? Menschen? Werden prüder?
Ah, alle Menschen werden Brüder

I werd eich des jetzt übersetzen, ohne Genierer wiar i bin
I winsch eich an Haufen Krätzn, an Zeck im Ohr und den quiequie

Olle Menschn san ma zwider, i mechts in de Goschn haun
Mia san olle Menschn zwider, in de Goschn mecht i s haun
Voda, Muada, Schwester, Bruader und de gaunze Packelrass
Olle Menschn san ma zwider, waun i leit siech geh i haaß

Die Ode an die Freude in der Version von Kurt Sowinetz
Stanley Kubrick würde sie sicher mögen. Außerdem ist der
Pathos des Originals schon schwer erträglich.

quiequie = der Tod
Packlrass = Sippschaft
geh i haaß = werde ich wütend
Ich hoffe der Rest ist verständlch
  • Melden
Ihr Österreicher immer! Mit der Sowinetz-Version hat mich cine_chris bei kino.de schon regelmäßig genervt, wenn es um diesen Film ging...

Nebenbei bemerkt, finde ich den Schlußsatz der Neunten auch nicht so toll und halte ihn sogar für die Schwachstelle des Werkes, aber aus ganz anderen Gründen. Letztlich finde ich, daß die menschliche Stimme in einer Sinfonie nicht wirklich etwas zu suchen hat, und außerdem wirkt der letzte Satz irgendwie verzettelt (wie auch Thomas Mann ganz richtig bemerkt hat), und Beethoven hat auch bessere Vokalmusik geschrieben, in der Missa Solemnis etwa oder im Fidelio.
Diese Einwände bedeuten aber noch lange nicht, daß ich auf Kubrick weniger sauer wäre (zumal er sich ja auch an einem der großartigen Instrumentalsätze vergriffen hat...)!
Übrigens wird die Ode an die Freude bei Schiller streckenweise zu einer Art Trinklied ("Freude sprudelt in Pokalen, in der Traube goldnem Blut" oder "Brüder, fliegt von euren Sitzen, wenn der volle Römer kreist" ) - da hat Beethoven vieles, was eher weinselig klingt, weggelassen (dies nur als Nebenbemerkung).
  • Melden
Luis Bunuel:

Mein Lieblingsfilm ist A Clockwork Orange. Ich war in hohem
Maße gegen diesen Film voreingenommen, aber nachdem
ich ihn gesehen hatte, wurde mir klar, dass es sich um den einzigen Film handelt, der zeigt was die moderne Welt wirklich
bedeutet.

Ich bin Mitglied des ö. Filmmuseums, dadurch bekomme ich das
Monatsprogramm in Form eines ca 40 Seiten starken kleinen
Heftchens zugesandt. "England is Dreaming, das britische
Kino der 60er" heißt das aktuelle Programm, in dem auch dieser Film gezeigt wird. Und da fand ich dieses Bunuel-Zitat. Ich werde
ihn mir definitiv nicht anschauen, denn einmal reicht, ist er doch
äußerst menschen und gesellschaftsverachtend, aber trotzdem. ein zeitlos aktueller und großer Film. Auf Kino.de hast du mal einen Thread gestartet, wo es um Filme ging, die einem gefallen, die man aber trotzdem nicht nocheinmal sehen möchte. A Clockwork Orange ist für mich so ein Fall.
Roger Ebert und auch andere bezeichnen ihn als faschistoid, was ich für einen ziemlichen Schwachsinn halte.

Du hast dich in bewundernswerter und lesenswerter Weise an diesen Film abgearbeitet, sodass du wohl mittlerweile Frieden
mit ihm geschlossen hast, aber dieses Zitat wollte ich doch anbringen.

Repulsion von Polanski wird ebenfalls in dieser Schau gezeigt.
Und den möchte ich mir anschauen.
Kennst du ihn?
  • Melden
Bekanntermaßen halte ich ausgesprochen viel von Bunuel; doch zum Glück muß man auch Regisseuren, von denen man ausgesprochen viel hält, nicht in allem zustimmen!

Daß ich Frieden mit dem Film geschlossen habe, würde ich so nicht unbedingt sagen, ich finde ihn immer noch ziemlich abscheulich. Frieden mit dem Mann, der ihn gedreht hat, trifft es vermutlich besser. Und das ist schon mal was wert, denn das bedeutet, daß ich es inzwischen schaffe, andere Filme Kubricks zu sehen, ohne mich dabei von meinen negativen Gefühlen gegenüber "Uhrwerk Orange" nennenswert beeinflussen zu lassen - es gab eine Zeit, in der das anders war. Aber ich denke, das liegt weitgehend hinter mir.

Zu "Repulsion": unter seinem deutschen Titel "Ekel" wirst Du den in der Liste meiner hundert Lieblingsfilme finden - ich kenne ihn also nicht nur, sondern finde ihn auch ganz, ganz großartig.
  • Melden
Mich würde angesichts deiner moralästhetischen Ressentiments gegenüber "A Clockwork Orange" interessieren, Settembrini, wie du dem transgressiven Film allgemein und seinen (anderen) Hauptwerken im Speziellen gegenüberstehst und wie du weiterhin Menschen beurteilst, die für sie eine aufrichtige Leidenschaft empfinden.
  • Melden
Bevor ich auf diese Fragen antworten kann, muß ich erst einmal um Erläuterungen bitten. Vielleicht bin ich ja besonders ungebildet, aber ich habe den Begriff "transgressiver Film" vorher noch nie gehört und eben ein wenig Nachforschungen im Netz angestellt, wodurch ich eine ungefähre Vorstellung gewonnen habe, um was für Filme es sich handelt, aber die ist noch eher vage, insofern wäre ich für eine Definition und die Nennung eben jener Hauptwerke dankbar, um eine Antwort geben zu können.
Die letzte Frage kann ich aber, glaube ich, gleich beantworten: ich beurteile Menschen so gut wie überhaupt nicht danach, was für eine Art von Filmen, oder noch allgemeiner: was für eine Art von Kunstwerken überhaupt sie mögen oder bevorzugen. Es gibt nur Fälle, in denen jemand z.B. filmische Vorlieben oder Abneigungen hat, die meine empatischen Fähigkeiten überfordern. Mir ist, um einfach ein Beispiel anzugeben, völlig rätselhaft, was man an "Death Proof" (den ich so nervig fand, daß ich ihn nach einer halben Stunde abgebrochen habe) toll finden kann, aber ich beurteile doch niemanden danach, was er von diesem Film hält! Einer meiner besten Freunde etwa findet ihn toll. Es gibt also Filmvorlieben, die mir unverständlich bleiben, aber damit hat es sich auch.
  • Melden
Ich möchte dir nichts unterstellen, sondern nur ein wenig zu ergründen versuchen, wie du - analog zu deinen ausführlichen Überlegungen zu "Clockwork" - tickst (sic).

Transgressiv sind, der Definition entsprechend, Filme, die, zunächst unabhängig von Genre oder Form, über das gemeinhin normierte bzw. akzeptierte inhaltliche und/oder ästhetische "Maß" hinausreichen, sich kontrovers geben, den Rezipienten herausfordern, nachhaltig beschäftigen, sich ihm u.U. auch vorsätzlich entgegenstellen, verprellen, abstoßen oder sogar bewusst entziehen. Kritiker neigen im Einzelfall gern dazu, Filmemacher, Intention oder verwendete Mittel (vorschnell) als ungenießbar, schundig oder gar pervers zu denunzieren/abzuurteilen, wobei die Veränderung der Sehgewohnheiten sie Jahre später häufig Lügen straft. Einen allgemeinen Kanon transgressiver Filme gibt es kaum, da hier wie so häufig das Meiste im Auge des individuellen Betrachters liegt.
Allgemein dürften, ganz willkürlich herausgepickt, Stoffe wie "Sàlo", "The Last House On The Left", "Pink Flamingos", "Cannibal Holocaust", "Day Of The Woman", "Nekromantik", "C'Est Arrivé Près De Chez Vous", "Ôdishon", "Irréversible", "Calvaire", "Martyrs", "Srpski Film" den "Tatbestand des Transgressiven" erfüllen, die Liste ließe sich aber noch vielfältig fortführen.
  • Melden
Eben via die "Bildstörung"-Seite auf facebook entdeckt:

http://www.complex.c...turbing-movies/

Sicherlich diskutabel, aber nicht der schlechteste Wegweiser.
  • Melden
Juhu Funxton :
Mich würde mal interessieren ob Du einen Film wie "Funny Games" von Haneke auch dazuzählen würdest. Oder ist dieser eher die moralästhetische Reflexion darüber ? In dieser Linie sehe ich nämlich auch Clockwork Orange.

PS. Hab grad gesehen, dass er in der 50er Liste auch auftaucht.
  • Melden
August Untergrund in den Top 20? Hilfe. Und Nekromantik stolzer zweiter? Aber bitte. Immer gut, solche Listen, zum Tips holen, und drüber ärgern.
  • Melden

Short Cut sagte am 13. Februar 2013, 13:43:

Juhu Funxton :Mich würde mal interessieren ob Du einen Film wie "Funny Games" von Haneke auch dazuzählen würdest. Oder ist dieser eher die moralästhetische Reflexion darüber ? In dieser Linie sehe ich nämlich auch Clockwork Orange.PS. Hab grad gesehen, dass er in der 50er Liste auch auftaucht.

"Funny Games" finde ich fürchterlich. Natürlich bedient er sich transgressiver Form, und das durchaus gekonnt, beinhaltet am Ende aber doch nur den tendenziös-populistischen Habitus, den Haneke für seinen selbstauferlegte Mission der Rezipientenkurierung an den Tag legt. Ich halte seine Art der Didaktikmache sogar für absolut widerwärtig, wobei ich, wenn er sich denn seine plumpe Publikumsbeschimpfung zu verkneifen imstand ist, Hanekes Qualitäten als Regisseur mittlerweile durchaus zu schätzen gelernt habe. "Funny Games" aber macht mich rasend infolge seiner dummdreisten Unverschämtheit. Ich lasse mir von irgendwem Dahergelaufenen grundsätzlich ungern unterstellen, wes Geistes Kind ich wohl sein mag, nur weil ich gerade geruhe, mir diesen oder jenen Film anzuschauen.
"Funny Games" ist daher auch weit davon entfernt, in jedweder Weise reflexiv zu sein, im Gegenteil ist er gerade das nicht!
  • Melden
Dachte mir schon, dass Du den nicht magst.
Sicherlich liegt "Funny Games", die gleiche autoritäre Didaktik zugrunde wie auch schon "Bennys Video". Das er eine Reflexion zum Thema "mediale Gewalt" ist, würde ich ihm aber nicht abschreiben, denn er ist in erster Linie nur das.
  • Melden
Typisch, wenn man im Festival-Streß steckt und mal zwei Tage den Rechner nicht anschaltet, purzeln hier gleich die Kommentare nur so. Aber ich gehe jetzt nur auf Funxtons ursprüngliche Fragen und insbesondere den letzten, erläuternden Kommentar vom 11.2. ein.

@Funxton: Gut, damit sehe ich schon mal etwas klarer, gerade auch durch die von Dir genannten Filme. Von diesen habe ich überhaupt nur "Audition" und "Calvaire" gesehen und fand beide ziemlich fürchterlich, aus ganz anderen Gründen freilich als "A Clockwork Orange" (zu dem ich nun wirklich nichts mehr sagen werde, weil ich zu dem jahrelang so viel gesagt habe, daß es zuletzt schon albern war - der alte Text samt Vor- und Nachwort dürfte wirklich ausreichen). Die anderen habe ich, soweit mir die Titel bekannt sind, immer mehr oder weniger bewußt gemieden, was vermutlich schon etwas darüber aussagt, wie ich ticke.
Ich will es aber noch etwas deutlicher erklären: einerseits halte ich bei Filmen schon einiges aus, immerhin halte ich sehr viel von Romeros "Dawn of the Dead", und Lars von Triers "Antichrist", den ich ebenfalls großartig finde (bei dem ich aber nicht sicher bin, ob ich ihn noch mal sehen will...), ist sicherlich auch kein Familienfilm. Aber manches in Filmen (v)ertrage ich nur schlecht , sehr explizite Folterszenen wären da als Beispiel zu nennen. Die Folterdarstellung in Rossellinis Klassiker "Rom, offene Stadt" ist nach heutigen Maßstäben sicherlich noch zurückhaltend - und trotzdem ging mir der Film schon ziemlich an die Nieren. Da ist dann irgendwann ein Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr hinsehen und hinhören möchte, und bei dessen Übertreten sich bei mir auch kein erwähnenswerter Erkenntnisgewinn einstellt, sondern nur noch Abscheu und Ekel. Nun könnte man sich natürlich manche Filme nur deshalb anschauen, um zu sehen, wo die Grenzen diese denn liegen, aber erstens weiß ich das so ungefähr, und außerdem liegt es mir sowieso nicht, Filme nur zu sehen, um Grenzerfahrungen zu suchen. Und so wie es die von Dir erwähnten Filmkritiker gibt, die manche Filme und ihre Macher als "ungenießbar, schundig oder gar pervers" einstufen, so gibt es andererseits auch manche Anhänger solcher Filme, die diejenigen, die solche Filme nicht sehen wollen oder mit starker Abwehr reagieren, wenn sie sie dann doch sehen, mit Ettiketten wie "borniert", "spießbürgerlich" oder "reaktionär" abstempeln.
Ich bin also, wenn ich von meinen eher dürftigen Erfahrungen und meiner Motivation, diesen oder jenen Film kennenzulernen, ausgehe, wohl kein besonderer Freund des transgressiven Films. Ich will mir aber auch ungern etwas unterstellen lasse, weil ich keine Lust habe, diesen oder jenen Film anzuschauen.
  • Melden
Danke dir. Jedenfalls meine ich, meinerseits nun auch bezüglich deiner "Clockwork"-Bewertung etwas klarer zu sehen :)
  • Melden
Ich bin zwar offenbar auch ein Freund des "transgressiven Films" (den Begriff habe ich allerdings bisher, obgleich Filmjournalist, noch nie benutzt), aber ich finde es erfrischend und bereichernd, daß auch Leute mit deiner Einstellung hier sind.
  • Melden

Short Cut sagte am 13. Februar 2013, 17:17:

Das er eine Reflexion zum Thema "mediale Gewalt" ist, würde ich ihm aber nicht abschreiben, denn er ist in erster Linie nur das.

Nun, sofern man bereits ist, Reflexivität mit Vorurteilsbehaftung gleichzusetzen, mag man das so sehen.
  • Melden

Zitat

Nun, sofern man bereits ist, Reflexivität mit Vorurteilsbehaftung gleichzusetzen, mag man das so sehen.
Also ich sehe nicht wie dort mit Vorurteilen um sich geworfen wird. Im Grunde exerziert, der Film ja genau das durch was andere, ähnlicher Gattung, auch tun. Nur sagt dieser es laut. "Seht her, ihr wollt es, hier kriegt ihr es." Das kann man vielleicht Publikumsbeschimpfung nennen, ich empfand das als bösartig aber auch sehr clever. Jedenfalls fühlte ich mich weder von Herrn Haneke noch von dem Film ansich angegriffen und ich bin eigentlich überhaupt kein Verfechter oder Liebhaber von autoritären Holzhammermethoden.
Vielleicht muss ich mir den Film aber auch einfach nochmal ansehen ;)
  • Melden
Eine Reflexion wäre FUNNY GAMES, würde er nicht manipulative Antworten auf die Fragen geben, die er selbst schon von Grund auf falsch stellt.
  • Melden
Jaja, Aussi ich hab schon letzte Woche gemerkt, dass ich mich bei der Diskussion auf sehr brüchigem Eis befinde ;) Film wird bald nachgeholt und ich befürchte, nachdem ich schonmal das Interview mit Haneke auf der DVD gesehen habe, dass ihr Recht habt !
  • Melden
Leider hat sich mir bisher Clockwork Orange nicht recht erschlossen.

Burgess ist ohne Zweifel ein Genie (habe sein Joyce-Standardwerk Here Comes Everybody / Joyce für Jedermann) seit Jahren halbgelesen im Regal), und Kubrick ist natürlich auch ein Meister, aber...

Muss ich Beethoven jetzt wirklich mit schlechtem Gewissen hören? Der war doch das größte Genie von allen!
  • Melden

Noruberuto79 sagte am 22. Februar 2013, 19:10:

Muss ich Beethoven jetzt wirklich mit schlechtem Gewissen hören? Der war doch das größte Genie von allen!

Verstehe ich nicht. Beethoven wird von den Figuren des Buches/Filmes instrumentalisiert, nicht von Burgess/Kubrick.
  • Melden

November 2017

M D M D F S S
  12345
6789101112
13141516171819
2021 22 23242526
27282930   

Neuste Einträge

Neuste Kommentare