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Herr Settembrini schaltet das Licht an

Oberlehrerhafte Ergüsse eines selbsternannten Filmpädagogen




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Antworten auf fünf Fragen



Wie ich vorhin gerade feststellen durfte/mußte, bin ich von Splatter-Fanatic beworfen worden; zum Glück steht da aber noch: "Wer keine Lust auf das Stöckchen hat: Einfach ignorieren!". Insofern fühle ich mich von der Pflicht befreit, mir nun neue Fragen auszudenken und fünf weitere Leute damit zu behelligen, ich hätte sowieso keine Idee, wer da als Opfer in Frage käme.

Insofern habe ich mich also für's Ignorieren entschieden; um allerdings kein vollständiger Spielverderber zu sein, kann ich ja zumindest mal die fünf Fragen, die mir gestellt wurden, beantworten. Das lockt dann vielleicht keine neuen Mitglieder hierher, aber möglicherweise interessieren meine Antworten ja auch so jemanden.

Nun also die Fragen und meine Antworten darauf:

1.) Das Gutfinden mancher Filme ist einem ja mitunter peinlich. Was ist Dein peinlichster Lieblingsfilm und warum ist er Dir peinlich?

"Peinlich" ist nicht das richtige Wort, denn das hieße ja letztlich, daß ich Lieblingsfilme habe, bei denen ich mich dafür schäme, daß es Lieblingsfilme sind. Mit solchen Beispielen kann ich aber nicht wirklich dienen. Es gibt durchaus Filme, die ich sehr mag, ohne sie für echte filmische Meisterwerke zu halten, aber das ist dann doch noch mal was anderes.
Ich muß allerdings zugeben, daß es Filme gibt, die ich toll finde, aber durchaus nicht im Verwandten- oder Bekanntenkreis (der hauptsächlich aus alten Leuten besteht) vorführen würde. Eraserhead wäre dafür ein Beispiel, aber auch Russ Meyers Supervixens. Peinlich ist mir zwar nicht, daß ich die mag, aber ich weiß genau, daß manche Leute aus den erwähnten Kreisen vermutlich die Beziehungen zu mir abbrechen würden, wenn ich ihnen solche Filme vorführte... :D

2.) Mit welchem anerkannten Meisterwerk der Filmgeschichte kannst Du so rein gar nichts anfangen und aus welchen Gründen?

Da könnte ich so einiges nennen... Spontan fällt mir erst mal Blow-up ein, den ich immer für schön fotografierten, aber ansonsten überschätzten Blödsinn gehalten habe, den ich vor allem aber auch noch außergewöhnlich langweilig finde. Wobei ich hinzufügen sollte, daß ich mit Antonioni sowieso noch nie glücklich geworden bin.
Ein noch extremeres Beispiel ist Uhrwerk Orange, denn den hasse ich wirklich wie die Pest. Eine ausführliche Begründung würde den Rahmen sprengen (ich habe noch einen alten kino.de-Text auf Festplatte, der ist ungefähr 4700 Wörter lang...), hier ein Versuch, es ganz kurz zu erklären: Der Film hat Gewaltbilder in mein Gehirn gepflanzt, die ich in der Folgezeit auch beim Hören von Beethovens Neunter vor meinem inneren Auge hatte - und da ich so gut wie alles von Beethoven sehr liebe, ist das allein eigentlich schon Grund genug, eine Abneigung gegen diesen Film zu haben. Dazu kommt aber noch, daß der ja gerade von Konditionierung (in Form der "Ludovico-Methode") handelt, sich aber, wie meine Erfahrung zeigt, derselben Mittel wie diese Methode bedient und auch den Zuschauer konditioniert. Daß er aber eine Kritik an solchen Praktiken und ein Plädoyer für den freien Willen, wie es von vielen seiner Anhänger behauptet wird, darstellt, nehme ich ihm daher nicht mehr ab: der Film macht selbst das, was er angeblich kritisiert.

3.) Wer ist Dein Lieblingsregisseur und welchen Film würdest Du einem Interessierten als Einstieg in die Welt dieses Regisseurs empfehlen?

Dazu müßte ich erst mal wissen, wer mein Lieblingsregisseur ist - da stehen Hitchcock und Kurosawa ungefähr auf gleicher Höhe. Bei Hitchcock böte sich vielleicht Das Fenster zum Hof für den Einstieg an, das ist einer seiner besten und vor allem einer, von dem sich besonders viel darüber lernen läßt, was der Hitchcocksche Suspense ist. Bei Kurosawa habe ich selbst mit Rashomon angefangen und kann das durchaus zur Nachahmung empfehlen.

4.) Welche SchauspielerInnen haben bei Dir einen Stein im Brett? Wer muss also die Hauptrolle spielen, damit Du Dir einen Film ansiehst, der Dich ansonsten nicht die Bohne interessiert hätte?

Daß ich mir Filme wegen eines Schauspielers ansehe, kommt nicht soo oft vor, diese Anziehungskraft üben weit eher Regisseure auf mich aus. Trotzdem gibt es natürlich schon Schauspieler(innen), die ich besonders gern sehe, sei es wegen ihrer Wandlungsfähigkeit, der Intensität ihres Spiels oder ihrer Ausstrahlung. Aber da ich sowieso demnächst mal eine Liste mit Lieblingsschauspielern ins Filmtagebuch stellen wollte, bitte ich hier um etwas Aufschub, dann wird es bald meine kleine Liste geben.

5.) Was sind Deine 10 Lieblingsfilme, die nicht aus Hollywood stammen?

Schwierige Frage erst mal, weil ich dann vor dem Problem stehe, wie ich Co-Produktionen wie "Alien" (GB/USA) oder "Spiel mir das Lied vom Tod" (Italien/USA) einstufen soll. Ich bin mal vorsichtig und lasse solche Filme außen vor. Dann kämen mir in den Sinn:

Der diskrete Charme der Bourgeoisie
Die fabelhafte Welt der Amelie
Fanny und Alexander
Eine Komödie im Mai
Der Kontrakt des Zeichners
Mein Onkel
Melancholia
Rashomon
Die sieben Samurai
Solaris (1972)

Ist jetzt spontan zusammengewürfelt, weil ich die Frage schnell beantworten wollte, aber eigentlich nicht drauf eingerichtet war. Jetzt fehlen mir freilich Filme wie Fahrraddiebe, Schreie und Flüstern oder Das Auge; aber auch Das Leben des Brian wäre ein echter Kandidat gewesen. Na gut, ich lasse die zehn Filme mal so stehen, aber auf die Goldwaage sollte man sie nicht legen: wenn man mich an einem anderen Tag fragt, würde ich vermutlich den einen oder anderen Film austauschen.


Soweit meine Antworten, und bitte nicht böse sein, daß ich meinen Beitrag zum Stöckchenspiel darauf beschränken möchte.




Hallo Settembrini,

vielen Dank für Deine ausführlichen und sehr interessanten Antworten. Schön, dass Du Dich auf diese kleine Spielerei mit eingelassen hast. :)
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