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FakeShemp's Blog

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Hostel, USA 2005



So seicht wie der Film beginnt, rechnet man eigentlich nicht damit, in was für eine ausladende Blut- und Gewaltorgie er in der zweiten Hälfte urplötzlich umschlägt. Und besonders unangenehm dürfte er speziell für uns Europäer sein, denn in diesem Werk gibt es außer einem Darsteller kaum einen Nichtamerikaner, der den Abschaum der Menschheit nicht verkörpert. Man könnte den Film glatt als europafeindlich einstufen, hätte man es im Grunde nicht mit einem Metier zu tun, das schon seit jeher großzügig mit Klischees hantiert, seien es erbgutgeschädigte Backwood-Kannibalen oder dummgekiffte Teenies, die ihrem letzten Fick entgegensehen. Einen Großteil ihres Reizes beziehen diese Streifen ja gerade aus solchen eindimensionalen Denkschablonen. Die ferne Fremde als ultimativer Hort des Schreckens, Transilvanien ist heute überall, außer da, wo man wohnt. Dabei soll der Film sogar auf wahren Begebenheiten beruhen.... Wie dem auch sei, ein wenig gewollte "Old Europe"-Arschkickerei steckt da natürlich schon dahinter. Nur "ein wenig" deswegen, weil es in diesem herben Ausmaß lediglich als übler Scherz durchgehen kann und man mit etwas Abstand durchaus auch eine Kritik an Amerika und seiner momentanen Politik zu finden vermag. Das wird einem aber nicht so leicht gemacht, bei all dem hässlichen oder teuflischen europäischen Sondermüll, der die ahnungslosen Protagonisten in Empfang nimmt. Diese selbstkritische Perspektive musste zumindest ich erst woanders aufschnappen. Aber sie leuchtet ein.
"Hostel" ist keine bierernste Angelegenheit, trotz des herben Ekelfaktors. Im Prinzip handelt es sich um einen weiteren modernen Terrorfilm, ganz in der Tradition alter Vorbilder. Wie einst betont exzessiv, inkorrekt und ziemlich gnadenlos. Heute wird allerdings meist etwas schneller an der Humorschraube gedreht, als fehlte es den Machern in letzter Konsequenz doch an dem Mumm, der die jungen Wilden von damals auszeichnete, jene die noch auf keine Vorreiter zurückblicken konnten, weil sie selbst Teil der Entstehungsgeschichte dieser Sparte waren. In den höheren Kasten wird heute verstärkt auf Distanz gebaut. Diese reiche man bitte mit als solchen deutlicher zu erkennenden Humor ein. Nicht jeder kann ein Rob Zombie sein. Deshalb ist auch dieser Film allenfalls ein Abklatsch der ehrlicheren Zelluloidbastarde alter Schule. Auffällig finde ich aber eine Gemeinsamkeit trotzdem, kam die neue Welle dieser unangenehmen Machwerke doch wie Ende der 60er in durchaus mit den in jener Zeit vergleichbaren Begleitumständen auf. Damals Vietnam, heute der nahe Osten. Der Terrorfilm als ausgleichendes Moment gegen die sich um die unangenehmen Wahrheiten herumdrückenden Medien, die uns einen sauberen sterilen Krieg vormachen? Ach fragt doch nicht mich!

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